Das 9. Jahrhundert AD

Das 9. Jahrhundert begann am 1. Januar 801 und endete am 31. Dezember 900.

Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 200 bis 300 Millionen Menschen geschätzt. Das Europa dominierende Frankenreich teilte die Königsdynastie der Karolinger in mehrere Teilreiche. Aufgrund innerdynastischer Kämpfe verloren die Karolinger an Macht und Bedeutung. Parallel fuhren die Wikinger an Europas Küsten und über seine Flüsse, plünderten, betrieben Handel und ließen sich schließlich in einigen Gebieten nieder. Das byzantinische Reich blieb trotz zahlreicher Angriffe stabil, während die Kalifen von Bagdad zunehmend Macht einbüßten. Auf dem Gebiet des Kalifats entstanden zahlreiche unabhängige muslimische Teilreiche. Auch in Ostasien erlebten die meisten größeren Reiche ihren Niedergang. Tibet, das Reich der Uiguren und Nanzhao brachen auseinander und die koreanische Halbinsel wurde von Bürgerkriegen erschüttert. In China und Japan verlor die Zentralmacht jegliche Bedeutung.[1]

Europa

In Europa ist dieses Jahrhundert Teil des Frühmittelalters (ca. 500-1050).

Die Franken

Politische Entwicklung

Zu Beginn des Jahrhunderts schloss Karl der Große seine Eroberungen zur Erweiterung des Frankenreiches, das er im vorherigen Jahrhundert zum dominierenden Reich Europas gemacht hatte, ab. Danach konzentrierte er sich, wie auch sein ihm im Jahr 814 nachfolgender Sohn, Ludwig der Fromme, auf die Stärkung der Einheit und Einheitlichkeit des Reiches. Dem stand jedoch das fränkische Prinzip entgegen, das Reich nach dem Tod eines Monarchen unter den Söhnen aufzuteilen. Der Versuch Ludwigs alle seine Söhne insbesondere auch seinen Sohn aus zweiter Ehe zu berücksichtigen, andererseits seinem Sohn Lothar eine Vorrangstellung einzuräumen, führte in den Jahren 829 bis 842 zu schweren Konflikten zwischen den Söhnen und ihrem Vater sowie zwischen den Söhnen untereinander.[2] Obwohl er mehrfach abgesetzt wurde, kam Ludwig immer wieder auf den Thron zurück. Sein Tod löste schließlich militärische Auseinandersetzungen seiner Söhne untereinander aus, die mit dem Vertrag von Verdun des Jahres 843 vorläufig beigelegt wurden. Das Reich wurde unter den Brüdern in ein Westfrankenreich, ein Ostfrankenreich und ein Mittelreich aufgeteilt. Das Mittelreich wurde unter den Söhnen seines Herrschers Lothars wiederum geteilt. Die letzte Revision der Teilung des Frankenreichs erfolgte im Vertrag von Ribemont im Jahr 880. Der Norden des Mittelreiches wurde dem Ostfrankenreich zugeschlagen. Der Rest des Mittelreiches wurde in die Gebiete Königreich Burgund und das spätere Königreich Italien aufgeteilt. Neben diesen drei Reichen blieb das Westfrankenreich bestehen. Aus dem Westfrankenreich ging später Frankreich und aus dem Ostfrankenreich und dem Königreich Italien das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hervor. Ab dem Jahr 888 genügte das Argument, von der karolingischen Dynastie abzustammen, nicht mehr, um zum fränkischen König gewählt zu werden.[3] Im Westfrankenreich gelangte der erste Nichtkarolinger auf den Thron.

Karl der Große und Ludwig der Fromme stärkten die im 8. Jahrhundert etablierte Grafschaftsverfassung und banden die Amtsträger, die weitgehende Vollmachten insbesondere als Heerführer und Richter hatten, an den König. Amtsträger, die zumeist aus dem hohen Adel stammten, waren Grafen, Äbte und Bischöfe. Dies spiegelte die politische Struktur wider, die keine Trennung von Kirche und weltlichem Reich kannte. Äbte und Bischöfe nahmen neben geistlichen Aufgaben auch im starken Maße weltliche Aufgaben war. Andererseits interpretierte der König sein Handeln religiös. Durch schriftliche Anweisungen, Kapitularien, deren Befolgung von Königsboten kontrolliert wurde, versuchten sie einheitliche Praktiken im gesamten Frankenreich herzustellen. Mit den Auseinandersetzungen ab dem Jahr 830 hörte diese Praxis auf.[2] Im Laufe des 9. Jahrhunderts wurden immer mehr Grafenämter erblich.[4] Durch Ämterhäufungen und Erfolge bei der Abwehr äußerer Feinde entstanden größere Machtgebilde, die Herzogtümer. Diese Zwischengewalten, deren genaue Entstehung und Charakter umstritten ist, erlangten zum Ende des Jahrhunderts quasi königliche Machtbefugnisse.[5] Wurden diese Gebilde im Ostfränkischen Reich in die Reichsverwaltung eingegliedert, so erlangten sie im Westfränkischen Reich eine gegenüber dem König weitgehend selbstständige Stellung.

Zusätzlich zu den innerdynastischen Kämpfen, die sich auch nach dem Jahr 843 fortsetzten, waren die fränkischen Teilreiche von äußeren Feinden bedroht. Die Wikinger unternahmen regelmäßig Beutezüge in das Frankenreich, wobei sie über die Flüsse tief ins Landesinnere vorstießen. Der Widerstand, der den Wikingern entgegengebracht wurde, war nicht nachhaltig und wurde oft als lokale Selbsthilfe organisiert.[6] Weitere Angriffe erfolgten von Slawen an der Ostgrenze und durch muslimische Nordafrikaner, von den Franken auch Sarazenen genannt, in Italien und Südfrankreich.[7] Für die Abwehr äußerer Angriffe in den Grenzgebieten, den Grenzmarken, waren im Frankenreich die Markgrafen zuständig, die weitreichende Amtsvollmachten hatten. Diese Basis nutzen sie im Verlauf des 9. Jahrhunderts aus, um ihre Herrschaftsgebiete innerhalb der Reichsgrenzen zu erweitern.[8]

Gesellschaft und Wirtschaft

In diesem Jahrhundert setzte sich der Bevölkerungsanstieg des 8. Jahrhunderts in West- und Mitteleuropa fort, so dass für die letzte Hälfte des 8. und das gesamte 9. Jahrhundert eine Verdoppelung der Bevölkerung angenommen wird.[9] Kriege, Hungersnöte und Krankheiten wirkten dem Anstieg entgegen und verlangsamten ihn zum Ende des Jahrhunderts. Die Bewohner des Frankenreiches hatten nach überstandener Kindheit eine Lebenserwartung von 44 bis 47 Jahren, wobei die Kindersterblichkeit hoch war.

Die Gesellschaft gliederte sich in Freie und Unfreie, wobei der jeweilige Status erblich war. Die Unfreien waren von einem Herren abhängig, der ihnen Schutz zu gewähren hatte, jedoch in vielen Lebensbereichen über sie bestimmen konnte. Die Rechte und Pflichten des Unfreien und seines Herren waren jedoch im Einzelfall sehr verschieden.[10] Aus den Freien hob sich der Adel heraus, der durch Ämter privilegiert war. Im 9. Jahrhundert fand verstärkt ein Prozess der Herrschaftsintensivierung des Adels zu Lasten der übrigen Freien statt.[11] Viele Kriegsdienste und immer aufwendigere Waffen und Rüstungen, die sie selber stellen mussten, waren für die Freien eine zunehmende Belastung. So hielten es zahlreiche Freie für wirtschaftlich günstiger unfreie Pächter eines Grundherrn zu werden, um von den Kriegslasten befreit zu werden.[12]

Die Gesellschaft war stark agrarisch geprägt. Der weitaus größte Teil der Menschen wohnte in kleinen Dörfern auf dem Land. Die meisten Städte, die auf römische Gründungen zurückgingen, lagen in West- und Südeuropa. Reichtum begründete sich im Wesentlichen auf Landbesitz. Der Grund und Boden gehörte meistens Großgrundbesitzern, wie Königen, Adeligen, Bischöfen oder Klöstern. Die Art und Weise, wie dieser Landbesitz bewirtschaftet wurde, war regional unterschiedlich. In den Kerngebieten des Frankenreiches setzte sich die Grundherrschaft durch. Neben den wirtschaftlichen Rechten übte der Grundherr auch die Gerichtsbarkeit und Polizeigewalt auf seinem Grundbesitz aus. Eine weitverbreitete Form der Grundherrschaft war die Villikation. Einen Teil des Grundbesitzes verpachteten die Grundherren an unfreie und freie Pächter, die ihn eigenverantwortlich bewirtschafteten. Den Herrenhof bewirtschafteten sie selbst mit Hilfe von Unfreien und durch die Frondienste der Pächter. In immer mehr Gebieten setzte sich die Anbaumethode der Dreifelderwirtschaft durch und führte zusammen mit der Einführung des Wendepfluges zu Ertragssteigerungen. Ferner führte die flächendeckende Einführung der Wassermühle zu Arbeitserleichterungen.[13] Die Menschen ernährten sich überwiegend von Getreideprodukten, ferner von Milchprodukten und Gemüse.[14]

Das fränkische Reich umfasste viele unterschiedliche Volksgruppen. Weder die Sprache noch die Sitten und Gebräuche waren einheitlich. Wurden im Westfrankenreich romanische Dialekte gesprochen, sprachen die Menschen im Ostfrankenreich germanische Volkssprachen. Die sprachliche Trennung wird in den Straßburger Eiden sichtbar, ein Dokument das sowohl in einer romanischen Sprache als auch einem fränkisch germanischen Dialekt geschrieben wurde. Obwohl man das gesamte Jahrhundert an der Idee des einheitlichen Frankenreiches, das in Teilreiche untergliedert wurde, festhielt, kam es zu einer zunehmenden Entfremdung des westlichen vom östlichen Reichsteil.

Wikinger und Britische Inseln

In Skandinavien siedelten im 9. Jahrhundert viele kleine Bauerngemeinschaften, die zu zahlreichen Fürstentümern gehörten. Seit den 790er Jahren unternahmen einige Gruppen aus diesen Gemeinschaften regelmäßig Fahrten mit den von ihnen konstruierten Wikingerschiffen an die Küsten und über die Flüsse Europas. Zweck dieser Fahrten waren Raubzüge aber auch Handel und schließlich die Besiedlung neuen Landes. Diese Gemeinschaften nennt man Wikinger und den Zeitraum, in dem sie regelmäßig Fahrten unternahmen folglich die Wikingerzeit. Schiffe vom Typ der Wikingerschiffe wurden in Skandinavien konstruiert, gebaut und hauptsächlich von Wikingern benutzt. Mit ihnen konnten sie sowohl auf hoher See als auch in seichten Küstengewässern und auf Flüssen fahren. Sowohl ihr Segel als auch ihre Ruder konnten ihnen als Antrieb dienen. Ihre Ziele lagen im Frankenreich, in Irland und England. Sie unternahmen aber auch Beutezüge auf die iberische Halbinsel. Viele Überfälle wurden durch dänische Wikinger an den Küsten des Frankenreiches und Englands durchgeführt, wobei sie ab den 830er Jahren vermehrt Flüsse herauf fuhren. Andere Wikingergruppen fuhren über die Flüsse Osteuropas vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer. Bei diesen Fahrten nahm der Handel, unter anderem mit Byzanz, eine große Rolle ein. Ein Teil der Wikinger ließ sich an den Flüssen nieder und gründete kleine Herrschaften. Diese Wikinger wurden von den einheimischen Slawen Rus genannt, wovon sich der Name Russland ableitet. Im 10. Jahrhundert stieg das in diesem Jahrhundert gegründete Reich der Kiewer Rus zur Regionalmacht auf.

Auch in anderen Gebieten Europas ließen sich Wikinger ab den 860er Jahren dauerhaft nieder. So siedelten sie auf den britischen Inseln und auf Island.

Zu Beginn des Jahrhunderts teilten sich mehrere Königreiche unterschiedlicher Größe die britische Insel, wobei im heutigen Schottland und Wales die Kleinkönigreiche überwogen. Im Süden der Insel konnte das Königreich Wessex in der ersten Jahrhunderthälfte die Vorherrschaft zulasten des Königreiches Mercia erringen. War England zunächst nur den Raubzügen der Wikinger ausgesetzt, so eroberten sie vom heutigen Dänemark aus ab dem Jahr 866 ein großes Gebiet im Osten und der Mitte der britischen Insel, das Danelag genannt wird. Der ab dem Jahr 871 regierende König von Wessex, der später Alfred der Große genannt wurde, einte alle verbliebenen angelsächsischen Königreiche, drängte die Wikinger zurück und zwang ihnen einen Friedensvertrag auf. Der König, der heute als erster König Englands gilt, betrieb in seinem Reich eine Kulturförderung nach dem Vorbild des fränkischen Reiches.

Iberische Halbinsel

Die Iberische Halbinsel teilten sich die im Norden gelegenen christlichen Reiche, das Königreich Asturien sowie die Spanische Mark des Frankenreiches, und das muslimische Emirat von Córdoba, das den größten Teil der Halbinsel beherrschte. Das Königreich Asturien setzte die Rückeroberung der muslimisch beherrschten Gebiete, die sogenannte Reconquista, fort. Diese dauerte mehrere Jahrhunderte und wurde im Jahr 1492 abgeschlossen. In diesem Jahrhundert wurde das Gebiet bis zum Fluss Duero erobert.

Das gesamte Jahrhundert versuchten die Emire, ihre zentrale Herrschaft, die von ihrer Hauptstadt Cordoba ausging, durchzusetzen. Hinsichtlich des Hofprotokolls und der Förderung von Wissenschaft und Kunst orientierten sie sich am Kalifat von Bagdad. Neben Aufständen zu Beginn des Jahrhunderts gab es an seinem Ende größere Aufstände muslimisch gewordener Nachfahren der Westgoten, auch Muladíes genannt. Die zentrale Forderung der Aufständischen, deren Zentren im Norden des Emirats lagen, war die Gleichberechtigung mit den arabischen Eroberern.

Im Emirat wurden weitere Gruppen der Nachfahren der Westgoten muslimisch. Dennoch konnten die Christen und Juden ihren Glauben behalten. Wie überall im Emirat setzten sich auch bei ihnen die arabische Sprache und Kultur durch.

Ost- und Südosteuropa

Im Jahr 831 war die Bildung des Mährerreiches, dessen Kerngebiet im Osten des heutigen Tschechien und der Slowakei lag, unter König Mojmir I. abgeschlossen. Sein Reich stand regelmäßig im Konflikt mit dem (Ost-)fränkischen Reich um die Vormachtstellung in der Region. Mit Vollendung der Reichsgründung begann die Christianisierung des Landes, die ab dem Jahr 662 maßgeblich von den Missionaren Kyrill und Method durchgeführt wurde. Die Missionare, die von Byzanz geschickt wurden, waren mit dem byzantinischen Ritus vertraut und sollten ein Gegengewicht zur fränkischen Kirche bilden, die dem päpstlichen Lager anhing. Später wechselte die mährische Kirche ins päpstliche Lager.

Weiter südlich auf dem Balkan erstreckte sich das Bulgarische Reich. Durch stetige Kriegszüge konnten die Bulgaren die Fläche ihres Reiches in diesem Jahrhundert mehr als verdoppeln, wobei sie vom Zerfall des Awarenreiches profitierten. Mitte des Jahrhunderts führten die Bulgarischen Herrscher das Christentum ein und entschieden nach einiger Zeit, den byzantinischen Ritus zu übernehmen. Der altbulgarische Adel wurde aufgrund seiner Opposition gegen die Christianisierung vom Khan, dem obersten Herrscher des Reiches, entmachtet. Die Veränderung der Führungsschicht und die Tatsache, dass die Christianisierung in slawischer Sprache erfolgte, führte zu einem Vorrang der slawischen Kultur. Der Prozess der Verschmelzung der beiden Bevölkerungsgruppen der Protobulgaren und Slawen wurde abgeschlossen.

Religion, Kultur und Bildung im christlichen Europa

Im Frankenreich, den britischen Inseln und Italien war das Christentum nach dem katholischen Bekenntnis die herrschende Religion. Die christliche Missionstätigkeit zeigte in diesem Jahrhundert vor allem bei den Slawen und Bulgaren große Erfolge. Träger dieser Mission waren die Missionare Kyrill und Method. Beide übersetzten einige liturgische und biblische Texte in die von ihnen entwickelte altkirchenslawische Sprache. Als älteste slawische Schriftsprache ermöglichte sie allen slawischen Völkern, schriftliche Aufzeichnungen in ihrer Sprache zu tätigen.

Über die Missionierung der Slawen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Herrschern und Klerikern, die päpstlich orientiert waren und denen, die byzantinisch orientiert waren. Während sich die byzantinische Seite in Bulgarien durchsetzte, gewann die päpstliche Seite bei den nördlich der Bulgaren lebenden Slawen die Oberhand. Neben diesen Auseinandersetzungen gab es machtpolitisch geprägte Auseinandersetzungen zwischen den byzantinischen Patriarchen und den Päpsten. Die im Morgenländischen Schisma des 11. Jahrhunderts besiegelte Trennung zwischen römisch-katholischer Kirche und orthodoxer Kirche begann sich abzuzeichnen. In den im 8. Jahrhundert missionierten Regionen östlich des Rheins etablierte sich eine kirchliche Struktur nach dem Vorbild des übrigen Frankenreiches. Bistümer wurden gegründet und Pfarrbezirke abgesteckt. Dies und zahlreiche Klostergründungen trugen zu einer Vertiefung des Glaubens der Bevölkerung bei.

Die Kirche übernahm in allen christlich geprägten Ländern im erheblichen Maße auch weltliche Aufgaben. Bischöfe und Äbte waren in die Herrschaftsstruktur als lokale Regenten eingebunden. Deshalb wurden sie insbesondere im Frankenreich von den Königen oder Adeligen in ihr Amt eingesetzt. Zwar hatten die Päpste ein hohes Ansehen und ihre Meinung war gefragt, doch konnten sie nicht durchsetzen, dass sie hierarchisch über den Bischöfen standen. Um die Macht der Bischöfe gegenüber den weltlichen Gewalten zu stärken, fälschte eine Gruppe von Geistlichen im 9. Jahrhundert zahlreiche Dokumente, die heute pseudoisidorische Dekretalen genannt werden.

Seitdem das Papsttum im 8. Jahrhundert eine Allianz mit den fränkischen Königen eingegangen war, gewann es an Macht und Einfluss. Die Kaiserkrönung der fränkischen Könige durch den Papst stärkte die Allianz, barg jedoch auch Konfliktpotential, da mit Kaisertum und Papsttum ein universeller Machtanspruch verbunden war. Dieser Konflikt zeigte sich zum ersten Mal im 9. Jahrhundert. Um ihren Anspruch auf den Kirchenstaat und ihre Vormachtstellung über die westliche Christenheit zu legitimieren, benutzten die Päpste eine Fälschung, die sogenannte Konstantinische Schenkung. Danach habe der römische Kaiser Konstantin der Große schon im 4. Jahrhundert dem Papst eine auf das geistliche ausgerichtete, aber auch für das Weltliche wirksame Vorherrschaft über Rom und das weströmische Reich vermacht. Auch wenn die Autorität des Papstes im dritten Quartal des Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte, so blieb sowohl diese als auch die Schärfe der Auseinandersetzung weit unter den Dimensionen des Hochmittelalters. Die in diesem Jahrhundert in Erscheinung getretenen Fälschungen spielten jedoch im Ringen der Päpste des Hochmittelalters mit den weltlichen Herrschern eine entscheidende Rolle. Im späten 9. Jahrhundert sank jedoch die Autorität des Papsttums, das zum Spielball stadtrömischer Innenpolitik wurde, stark ab.

Die kulturelle Entwicklung des Frankenreiches, die auch auf die anderen christlichen Reiche Europas ausstrahlte, wurde geprägt von der karolingischen Renaissance. Diese war eine Bildungsreform, die auf Initiative Karls des Großen im 8. Jahrhundert begann und deren Förderung sein Sohn Ludwig der Fromme fortsetzte. Ziel war eine kulturelle Vereinheitlichung im Frankenreich, die insbesondere auf eine kirchlich religiöse Vereinheitlichung ausgerichtet war. So wurde die lateinische Sprache als Verkehrssprache im Frankenreich eingeführt und eine einheitliche Schrift, die karolingische Minuskel, als verbindliche Schrift durchgesetzt. Diese verbreitete sich allmählich über das ganze Abendland. Liturgische Texte und der Bibeltext wurden zu einer einheitlichen Version redigiert. Ferner wurde das Kopieren antiker Texte sowie deren Weiterverbreitung und Austausch gefördert. Dies führte im 9. Jahrhundert zu einer hohen Steigerung der Herstellung von Manuskripten.[15] Akteure der Reform waren zum einen bedeutende Gelehrte, die am Königshof residierten, zum anderen die Klöster. In den Klöstern wurden zahlreiche Schriften der Antike kopiert und getauscht. Es wurden Dom- und Klosterschulen eingerichtet, wo sowohl künftige Kleriker als auch Laien unterrichtet wurden.[16] Zur Ordnung des Klosterlebens forderte Ludwig der Fromme von allen Klöstern die Einhaltung der Ordensregel des Benedikt von Nursia.[17] Mit Beginn der innenpolitischen Auseinandersetzungen im Frankenreich erlahmte der Eifer, mit dem die Bildungsreform vom Königshof betrieben wurde. Das Ausbleiben der königlichen Initiative wirkte sich allmählich im ganzen Reich aus. Besonders im Ostfrankenreich kam es am Ende des Jahrhunderts zu einem spürbaren Rückgang der literarischen Produktion. Dennoch wirkte sich die karolingische Renaissance auf das Kulturleben des gesamten Mittelalters aus.

Die Mehrzahl von Schriftstücken wurde in Latein verfasst. Die von Einhard verfasste Biografie Karls des Großen, Vita Karoli Magni, war ein bedeutendes literarisches Werk in lateinischer Sprache. Aber es wurde auch Literatur in den Volkssprachen verfasst. Unter Leitung des gelehrten Rabanus Maurus entstand um 830 mit dem althochdeutschen Tatian eine Evangelienübersetzung. Als erster deutscher Dichter gilt Otfrid von Weißenburg, der um 870 den Liber Evangeliorum, ein althochdeutsches Bibelepos, verfasste.

Bildung und die Kenntnis des Lesens und Schreibens war jedoch nur einer sehr kleinen Elite zugänglich. Der überwiegende Teil der Bevölkerung kommunizierte mündlich und überlieferte auch Wissen mündlich. Symbolische Handlungen, Riten und überlieferte Gebräuche spielten für das Handeln dieser Menschen eine wichtige Rolle.

Ähnlich wie Karl der Große im Frankenreich, jedoch erst in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts, trieb Alfred der Große die kulturelle Entwicklung in England voran.

Byzanz und die muslimische Welt

Byzanz

Das Byzantinische Reich erlitt in der ersten Hälfte des Jahrhunderts einige militärische Niederlagen. Nach mehreren Niederlagen gegen die Bulgaren verlor es Gebiete auf der Balkanhalbinsel. Ferner wurden die Inseln Kreta und Sizilien durch muslimische Truppen erobert. Wenn auch nur kurzfristig gingen auch Gebiete in Süditalien und Kleinasien an diese verloren. Ab den 840er Jahren profitierten die Byzantiner von den inneren Auseinandersetzungen im Kalifat. Die Flotte gewann wieder an Bedeutung und in Ostanatolien und Syrien eroberten die Byzantiner wieder Gebiete zurück. Die erfolgte Christianisierung der Bulgaren nach byzantinischem Ritus brachte jedoch nur kurzfristig Erleichterung.

Innenpolitisch wechselten sich insbesondere in der ersten Jahrhunderthälfte starke und schwache Kaiser ab. Sie kämpften und besiegten Usurpatoren, wie Thomas den Slawen (823), und als häretisch angesehene religiöse Bewegungen wie die Paulikianer. Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Streit um die Verehrung religiöser Bilder des 8. Jahrhunderts, der vor dem Hintergrund der äußeren Bedrohungen und Niederlagen in der ersten Jahrhunderthälfte wiederauflebte. Im Jahr 843 wurde die Bilderverehrung wieder zulassen und der Streit beendet.

Die Finanzreformen des Kaisers Nikephoros I. im ersten Jahrzehnt schafften Byzanz eine finanzpolitische Grundlage für seine militärischen Unternehmungen in den folgenden Jahren. Im Jahr 867 setzte sich die Makedonische Dynastie, die Byzanz fast zwei Jahrhunderte lang regierte, durch. In der zweiten Jahrhunderthälfte hatte sich die außenpolitische Bedrohung so entspannt, dass ein von den Kaisern geförderter kultureller Aufschwung, die Makedonische Renaissance, stattfand. Dabei kam es zu einer verstärkten Rückbesinnung auf die Kultur der Antike, wobei jedoch die Pflege der antiken Tradition von Byzanz auch zuvor niemals ganz aufgegeben worden war.

Das byzantinische Reich war in Bezirke, die Themen genannt wurden, aufgegliedert. Diese wurden von militärischen Befehlshabern regiert, die auch Machtbefugnisse über die zivile Verwaltung hatten. Vielen Soldaten gehörte Landbesitz, der ihnen als wirtschaftliche Grundlage zur Ausübung ihres Kriegsdienstes diente.[18] Im Übrigen weitete der die Themen beherrschende Adel seinen Grundbesitz zu Lasten der kleinen Bauern aus, die von ihm abhängig wurden.

In der zweiten Jahrhunderthälfte nahm der Patriarch Photios I. eine bedeutende Rolle in der Vertretung der byzantinischen Kirche ein. Mit mehreren Päpsten hatte er Auseinandersetzungen über religiöse und kirchenpolitische Themen. Im selben Zeitraum sandte Byzanz Missionare aus, um die Chasaren, die Bulgaren und Slawen zum christlichen Glauben zu bekehren.

Muslimische Welt

Politische Entwicklung

Anfang des Jahrhunderts beherrschten die Kalifen, die der Abbasiden-Dynastie angehörten, ein Gebiet, das von Nordafrika bis nach Zentralasien reichte. Die Kalifen, deren Amt erblich war, hatten die oberste weltliche und religiöse Autorität inne und regierten ihr Kalifat zentralistisch von Bagdad aus. Diese Stadt war mit fast einer Millionen Einwohnern zu Beginn des Jahrhunderts eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt.[19] Über die Nachfolge des Kalifen Hārūn ar-Raschīd brach unter seinen Söhnen im Jahr 811 ein zweijähriger Erbfolgekrieg aus, in dessen Folge insbesondere die Umgebung von Bagdad stark zerstört wurde. Auch unter dem Sieger al-Ma’mūn kam es zu verschiedenen Aufständen und Revolten, die dieser jedoch niederschlagen konnte. Dessen Nachfolger Al-Mu’tasim bi-‚llāh reagierte auf die politisch instabile Situation und baute sich eine „Privatarmee“ aus Militärsklaven, die Mamluken genannt wurden, auf.[20] Als Angehörige der Turkvölker Zentralasiens, die im Kalifat keine Wurzeln hatten, waren die Militärsklaven stark an den Kalifen gebunden. Nachdem sie eine gewisse Zeit gedient hatten, wurden sie freigelassen. Einige der Freigelassenen stiegen rasch in hohe militärische und zivile Posten im Kalifat auf.[21] Da sich diese Sklaventruppe nicht in das Großstadtleben Bagdads integrieren ließ, zog der Kalif mit ihnen in das rund 125 km entfernte Samarra, das bis zum Jahr 892 die Residenz der Kalifen blieb. Die Mamluken-Truppe vergrößerte sich schnell und erlangte in der zweiten Jahrhunderthälfte die Macht zu bestimmen, welches Mitglied der Abbasiden-Familie Kalif wurde. Die Herrschaft mehrerer Kalifen beendeten sie durch Mord. Neben Truppen von freien Söldnern war der Typ der Mamluken-Armee der vorherrschende Armeetyp des Kalifats. Das Militär verbrauchte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen. Aufgrund der finanziellen Lage vergaben die Kalifen zunehmend Grundstücke als Lehen, sogenannte iqta, an hohe Militärs. Diese stärkten die Macht der Lehnsinhaber. Auch in den folgenden Jahrhunderten konnten Angehörige der Mamluken immer wieder höchste Ämter in der islamischen Welt erringen.[21]

Die in der Landwirtschaft um Basra tätigen afrikanischen Sklaven, die Zandsch, konnten im Zuge ihres Aufstandes der Jahre 869 einen eigenen Staat etablieren. Dieser wurde im Jahr 892 vom abbasidischen Militär zerstört.[22]

Zur Ausübung ihrer Herrschaft bedienten sich die Kalifen einer Hierarchie von Amtsträgern. Die obersten Amtsträger standen in persönlicher Bindung zum Herrscher. Trotz dieser Bindung wurden gegenüber der vorabbasidischen Zeit hohe Anforderungen an die Kompetenz der Amtsträger gestellt. In den Provinzen waren die Gouverneure die obersten Amtsträger, die die lokale Verteilung der Macht mit den lokalen Eliten individuell aushandelten. Zur Kommunikation hatten die Abbasiden ein ausgefeiltes Post- und Nachrichtenwesen etabliert.

Ein weiteres zentrales Element der Verwaltung war die schriftliche Kommunikation auf Papier. Die Kunst der Papierherstellung hatten die Abbasiden von den Chinesen im 8. Jahrhundert übernommen. Zum Ende des 8. Jahrhunderts besaß Bagdad eine Papierfabrik.[23]

Zur Verwaltung der Provinzen des Kalifats setzen die Kalifen Gouverneure ein. Im Laufe des Jahrhunderts erlangten immer mehr Gouverneure ihre politische Eigenständigkeit von den Kalifen, wobei sie ihre weltliche und religiöse Oberherrschaft formell anerkannten. Anfang des Jahrhunderts setzten die Kalifen die türkischstämmige Dynastie der Aghlabiden als Gouverneure der nordafrikanischen Provinz Ifrīqiya ein.[24] Diese machten sich kurz nach ihrer Einsetzung vom Kalifat politisch unabhängig. Die Aghlabiden herrschten über eine weitgehend muslimische und arabisierte Bevölkerung, die aber sehr unruhig war.[24] Dies war ein Motiv, den größten Teil Siziliens und Gebiete in Süditalien von Byzanz erobern zu lassen. Während sie ihre Gebietserwerbungen in Sizilien halten konnten, konnten die Byzantiner die Gebiete in Süditalien zum Ende des Jahrhunderts zurückerobern. Dennoch erlangten sie durch die Eroberungen eine bedeutende Stellung im westlichen Mittelmeer, was der Provinz Ifriqiya zugutekam. Investitionen in die Landwirtschaft und die Förderung von Handel und Gewerbe trugen zur wirtschaftlichen Blüte bei. Die Stadt Kairouan, die eine Drehscheibe der Transsaharahandels war, blühte kulturell auf.

Auf der griechischen Insel Kreta gründeten muslimische Eroberer ein politisch selbständiges Emirat. Dieses nutzten sie als Basis für zahlreiche Piratenüberfälle im gesamten Mittelmeer. Auch in Ägypten erlangte der lokale Statthalter der Kalifen einen hohen Grad an Selbständigkeit und gründete die Tuluniden-Dynastie.[25]

Anders als im Westen der Kalifenreiches errangen in Zentralasien und Ostpersien sowie dem Süden der arabischen Halbinsel, lokale Familien aus eigener Kraft die eigenständige Herrschaft über die Gebiete.[26] Die Kalifen erkannten im Nachhinein ihre Oberherrschaft an und die Dynastien erkannten im Gegenzug die Kalifen formal an. Die zentralasiatischen Gebiete Chorasan und Transoxanien wurden von lokalen Dynastien, den Tahiriden und den Samaniden beherrscht, die in den 820er Jahren die Eigenständigkeit vom Kalifen erlangten. Am Ende des Jahrhunderts eroberten die Samaniden Chorasan, das inzwischen von den Saffariden beherrscht wurde. Die Gebiete der Samaniden profitierten vom Fernhandel über die Seidenstraße aber auch vom Sklavenhandel vor allem mit türkischstämmigen Sklaven.[27] Ferner war eine intensive Land- und Weidewirtschaft sowie Handel und Gewerbe Teil der samanidischen Wirtschaft.[26] Die Kultur, die stark von den Abbasiden in Bagdad beeinflusst war, aber auch eigenständige Elemente enthielt, blühte.

Recht, Wissenschaft und Kultur

Quelle des Rechts in der islamischen Welt des 9. Jahrhunderts war die Scharia. Wichtigste Wurzeln der Scharia waren der Koran und die Sunna, die Summe aller überlieferten Äußerungen und Handlungen des Religionsstifters Mohammed. Die Scharia als solche war jedoch nicht schriftlich kodifiziert.[28] Vielmehr legten islamische Rechtsgelehrte, die im sunnitischen Islam vier Rechtsschulen angehörten, fest was Scharia war. Bei den politischen und sozialen Auseinandersetzungen der städtischen Gesellschaft des 9. Jahrhunderts waren die Rechtsschulen, die im 8. und 9. Jahrhundert entstanden, von großer Bedeutung.[28] Im 9. Jahrhundert wurden die für die islamische Rechtslehre bedeutenden Aussprüche des Religionsstifters Mohammed, die zuvor mündlich überliefert wurden, zusammengetragen, nach Echtsheitskriterien gefiltert und schriftlich festgehalten.[29] Für die Rechtsprechung setzten die Kalifen und Gouverneure Richter ein, in deren Verfahren schriftliche Urkunden zunehmend wichtiger wurden.

Mit der im 8. Jahrhundert erlangten die Kenntnis der Papierherstellung war im Kalifat ein relativ preisgünstiger Schriftträger verfügbar. Dies führte in diesem Jahrhundert zu einem starken Anstieg schriftlicher Aufzeichnungen. Die dominierende Schrift- und Verwaltungssprache war das Arabische, das sich immer mehr im Kalifenreich durchsetzte. Der Entstehungsprozess der arabischen Hochsprache, die eine eindeutige Grammatik hat, hatte im 8. Jahrhundert begonnen und setzte sich im 9. Jahrhundert fort.[29] Sehr oft behandelten die Schriftstücke religiöse Inhalte und die mit ihnen verwandten juristischen und geschichtlichen Themen. Andere Schriftstücke widmeten sich naturwissenschaftlichen und philosophischen Themen. Schließlich wurden auch zahlreiche Werke fiktionaler Literatur in Poesie und Prosa geschaffen. Die von den Kalifen und hohen Amtsträgern des Kalifenreiches geförderte mannigfaltige Beschäftigung mit Religion, Wissenschaft und Kultur wird oft als Blütezeit des Islam, „Goldenes Zeitalter des Islam“ oder „Blütezeit der islamischen Kultur“[22] bezeichnet.

Ein sehr wichtiger Ausgangspunkt für die Kenntnisse in den nicht mit der Religion verwobenen Wissenschaften, wie Mathematik, Geographie, Astronomie und Medizin, dieser Zeit war das Wissen der griechischen Antike. Griechische Schriften wurden systematisch gesammelt und übersetzt, wobei christliche Übersetzer eine große Rolle spielten. Ferner wurde Wissen aus anderen Kulturen über das muslimische Handelsnetz erworben. Die Übernahme des dezimalen Zahlensystems aus Indien, heute auch arabisches Ziffernsystem genannt, war die Basis für große Fortschritte in der Mathematik und anderen Naturwissenschaften. Eine wichtige Institution dieser wissenschaftlichen Entfaltung war das im Jahre 830 gegründete Haus der Weisheit, ein Bibliothekssaal, in dem sehr viele Handschriften zentral gesammelt wurden.

Nach der islamischen Expansion im 7. und 8. Jahrhundert wurde die Bevölkerung der eroberten Gebiete zu großen Teilen nicht gezwungen zum Islam zu konvertieren. Dennoch konvertierten zahlreiche Angehörige anderer Religionen zum Islam. Im 9. Jahrhundert nahm die Zahl der Christen oder Zoroastrier in weiten Teilen des Kalifenreichs stark ab.[22] Im Gegensatz zu den meisten anderen Provinzen blieb jedoch in Ägypten der überwiegende Teil der Bevölkerung christlich.[30]

Afrika

In Westafrika südlich der Wüste Sahara lag das Reich von Ghana. Dieses Königreich kam durch die Förderung von Gold, was es über den Karawanenhandel durch die Sahara in die muslimischen Staaten Nordafrikas verkaufte, zu großem Reichtum.[31] Im Gegenzug brachten die muslimischen Händler über den Transsaharahandel den Islam nach Westafrika. Der Entstehungsprozess des Reiches Kanem-Bornu, das östlich des Tschadsees lag, wurde im 9. Jahrhundert abgeschlossen. Das Reich wurde von Königen der Duguwa-Dynastie regiert.

Wie im 8. Jahrhundert so war auch im 9. Jahrhundert die ostafrikanische Küste Ziel arabischer Einwanderer, die bis an die Küste des heutigen Mosambik kamen. An der Küste entstanden die Swahili-Handelsstädte. Die Städte wurden neben den eingewanderten Arabern hauptsächlich von Afrikanern der Bantu-Völkergruppe bewohnt. Einerseits wurde mehrheitlich Swahili, eine afrikanische Bantu-Sprache, gesprochen, andererseits prägte der Islam die gesellschaftliche Ordnung und das Rechtswesen.[32] Die Handelskontakte dieser Städte reichten über den gesamten indischen Ozean, aber auch ins afrikanische Hinterland.[33]

Asien

Indischer Subkontinent

Den indischen Subkontinent teilten sich mehrere Regionalreiche. Insbesondere die Dynastien der Pala im nordöstlichen Bengalen, der Pratihara im Nordwesten und die der Rashtrakuta auf dem Dekkan-Plateau im Westen des Subkontinents regierten größere konkurrierende Reiche. Diese führten untereinander Kriege um die Vorherrschaft im Norden Indiens. Während die Pala in der ersten Hälfte des Jahrhunderts die Oberhand gewannen, wurden sie in der zweiten Hälfte von den Pratiharas als mächtigste Dynastie abgelöst.[34] Am Ende des Jahrhunderts begründeten die Chola in Südindien mit dem Sieg über die Pallava-Dynastie ein großes Reich.

In weiten Teilen Indiens, bis auf Bengalen, wurde der in den vorherigen Jahrhunderten begonnene Prozess der Verdrängung des Buddhismus durch den Hinduismus abgeschlossen. Insbesondere die Vedanta-Philosophie und die Bhakti-Bewegung unterstützten die Verbreitung des Hinduismus. Die meisten Herrscher nutzten den Hinduismus zur Legitimierung ihrer Herrschaft. Die Gesellschaft war in Gruppen, die Kasten, gegliedert, wobei Einwanderer flexibel in das Kastensystem eingeordnet wurden. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste, die durch Geburt erworben wurde, bestimmte religiöse und gesellschaftlichen Pflichten und Rechte. Die Bevölkerung lebte vorwiegend in Dörfern auf dem Land. Die im 8. Jahrhundert begonnene Erschließung größerer Gebiete außerhalb der Flusstäler durch Bewässerungsfeldbau für die intensive landwirtschaftliche Nutzung wurde fortgesetzt.[35]

China

An der Spitze des chinesischen Reiches standen die Kaiser der Tang-Dynastie, doch hatten sie seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts einen Teil ihrer Macht an regionale Militärgouverneure, die Jiedushi, verloren. Abhängig von der jeweiligen Provinz regierten diese mit einem unterschiedlichen Grad an Autonomie. In einigen Provinzen hatten sie die Kontrolle über fast alle Ressourcen. Kaiser Tang Xianzong unternahm in den ersten Jahrzehnten Reformen, die das staatliche Einnahmesystem stärken und die Macht der Militärgouverneure zurückdrängen sollten. Nach seinem Tod im Jahr 820 verspielten seine Nachfolger selbst seine Teilerfolge. Sie verloren ihre Macht zunehmend an die Hofbeamten, meistens Eunuchen.

Mit dem Machtverlust der Kaiser in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts hatte China auch seine Vormachtstellung im ostasiatischen Raum verloren. Darauf reagierten zahlreiche Intellektuelle mit einer neuen Definition der chinesischen Kultur, wobei sie auf das chinesische Altertum zurückgriffen. Es kam zur Ablehnung aller kulturellen Elemente, die ihren Ursprung im Ausland hatten, und zu Fremdenfeindlichkeit.[36] Insbesondere der Buddhismus, der seit seiner Einführung in China im ersten Jahrhundert zu großer Bedeutung gelangt war, wurde von einflussreichen Intellektuellen als nicht mit der chinesischen Kultur vereinbar gebrandmarkt. Dieses gesellschaftliche Klima führe in den Jahren 842 bis 845 zu einer großen staatlichen Verfolgung von Buddhisten, bei der eine große Zahl von Klöstern geschlossen und sehr viele Mönche und Nonnen laisiert oder ermordet wurden. Kam es auch in den Folgejahren zu einer Restauration des Buddhismus, so erlangte er in der Folgezeit bei weitem nicht mehr die Bedeutung, die er vor der Verfolgung hatte.[37]

Der Kaiserhof finanzierte sich durch Steuern auf Vermögen und bebautes Land, die in Geld erhoben wurden. Zusätzlich wurden Ämter verkauft.[38] Wesentlicher Teil der staatlichen Einnahmen war jedoch das Monopol auf Salz. Aufgrund des am Ende des 8. Jahrhunderts etablierten Einnahmesystems war die chinesische Wirtschaft des 9. Jahrhunderts eine Geldwirtschaft.[38] Besonders einzelne Händler kamen zu großem Reichtum und Macht. Kleine Eliten häuften große Flächen an privatem Grundbesitz an, während zahlreiche Kleinbauern ihr Land verloren und in Schuldknechtschaft gerieten.[38] In der Jahrhundertmitte kam es zu einem Anstieg der Kriminalität. Große Gruppen von Salzschmugglern und Piraten schmuggelten und plünderten. Dem konnte die Zentralmacht nur wenig entgegensetzen. Zudem führten Hungersnöte zu Aufständen. Als die Versorgung des Nordens über den Kaiserkanal durch eine Meuterei von Soldaten unterbrochen wurde, verschärften sich die Hungersnöte dramatisch. Die daraufhin folgenden Aufstände, von denen der Größte der Aufstand des Huang Chao der Jahre 875 bis 884 war, führten zum endgültigen Zusammenbruch der Zentralmacht. Die folgenden Tang-Kaiser hatten keine faktische Macht mehr.[39] Während der Aufstände wurde die bedeutendste Hafenstadt Chinas, Guangzhous, von den Rebellen zerstört und 120.000 Moslems, Christen und Juden getötet.[39] Mit der Zerstörung von Chinas Tor zur Welt verschwanden die arabischen Dhaus aus dem südchinesischen Meer.[40]

Japan

In Japan wird das 9. Jahrhundert der Heian-Zeit (794-1185) zugeordnet. Diese wurde durch den Umzug des Kaisers von der bisherigen Hauptstadt Nara nach Heian-kyō, dem heutigen Kyōto, im 8. Jahrhundert eingeleitet. In der ersten Jahrhunderthälfte regierten die Kaiser Japan zentralistisch und mit großer Machtfülle. Es bestanden enge Verbindungen nach China und die Herrschafts- und Gesellschaftsordnung orientierte sich nach den Mustern, die zum Höhepunkt der Tang-Zeit in China entwickelt wurden. Anders als in China wurden die Ämter jedoch ausschließlich nach der Zugehörigkeit zu einer Adelsfamilie und deren Rang vergeben. Durch die intensive Kunstförderung wird diese Zeit auch das goldene Zeitalter der japanischen Künste genannt.[41] Mitte des Jahrhunderts erlangte die Familie Fujiwara die faktische Herrschaft über Japan. Sie führte die Amtsgeschäfte im Namen der Kaiser, die keine politische Macht mehr hatten.

Während der Hofadel abgeschirmt vom Rest des Landes lebte, bauten einige Provinzbeamte ihre Macht aus. Zur Bekämpfung von Revolten, die aus Hungersnöten der Bevölkerung resultierten, löste der Kaiser die Wehrpflichtenarmee auf und errichtete eine Armee aus Adeligen. Aufgrund der militärischen Macht gewann die Kriegerelite des Landadels die Herrschaft über Landgüter und Militäreinheiten. Zusätzlich zu der Eroberung des Nordens der japanischen Hauptinsel nutzten diese Adeligen ihre Armeen, um in einem gegenseitigen Verdrängungskampf immer größere Territorien zu kontrollieren.[42]

Zentral-, Ost- und Südostasien

Das Königreich Tibet war zu Beginn des Jahrhunderts eine bedeutende Regionalmacht. Den Angriffen der Uiguren und des Reiches Nanzhao konnten sich die tibetischen Truppen in den ersten Jahrzehnten erwehren bis mit diesen Friedensverträge abgeschlossen wurden. Die tibetischen Könige förderten massiv die Stellung des Buddhismus. Buddhistische Mönche übernahmen zunehmend Ämter im Staat. Einige Gruppen standen dieser Förderung des Buddhismus ablehnend gegenüber und versuchten ab dem Jahr 838 den Buddhismus wieder zurückzudrängen. Nach der Ermordung des amtierenden Königs im Jahr 842 wurde das Reich von starken innenpolitischen Auseinandersetzungen erschüttert und die zentrale Macht und damit das Königreich Tibet brachen auseinander.

Auf der koreanischen Halbinsel verlor das Königtum des Reiches Silla an Macht zugunsten lokaler Militärmachthaber. Schließlich begann mit der Abspaltung eines Teilreiches im Jahr 892 das Ende des Königreiches Silla.[43]

In Südostasien errichteten und vergrößerten die Khmer ihr Königreich (auch Königreich von Angkor genannt). Die Khmer entwickelten eine effektive Landwirtschaft mit Hilfe von Bewässerungskanälen und Wasserspeichern. Die Nahrungsüberschüsse ermöglichten es König Indravarman I. am Ende des Jahrhunderts ein umfangreiches Bauprogramm in Angkor zu beginnen, das von seinen Nachfolgern fortgeführt wurde.

Amerika

In Amerika begann der Niedergang des Maya-Reiches. Im Tiefland wurden einzelne Maya-Zentren aufgegeben und ein rapider Bevölkerungsrückgang setzte ein. Neben anderen Erklärungen werden Klimaveränderungen in Kombination mit Umweltzerstörung als Ursachen für den Niedergang diskutiert.

Ereignisse

Europa

Asien

  • 802: Beginn des historischen Khmer-Reiches in Angkor (Kambodscha) durch Vereinigung zuvor eigenständiger Königreiche
  • 842: Beginn der Buddhistenverfolgungen in China, die die Bedeutung des Buddhismus in China deutlich verringerten
  • 858: In Japan begann die Herrschaft der Familie Fujiwara, die das Kaiserhaus kontrollierte und somit zur tatsächlichen Regierung wird.
  • 875: Beginn des Aufstandes des Huang Chao, in dessen Folge die chinesischen Tang-Kaiser jegliche Macht verloren und der zum Untergang der Tang-Dynastie beitrug.

Persönlichkeiten

Europa

  • Karl der Große (* um 748; † 814) setzte mit der von ihm geförderten Karolingischen Renaissance die kulturellen Grundlagen, die für das Abendland im Mittelalter prägend wurden.
  • Papst Nikolaus I. (* 820; † 867) förderte die Mission der Slawen und betonte den Vorranganspruch der Päpste.
  • Alfred der Große (* 848 oder 849; † 899) einigte die nicht von Wikingern besetzten Teile Englands, gilt als erster englischer König und förderte Bildung und Kultur in seinem Reich.

Byzanz, die muslimische Welt und Asien

  • Photios der Große (* um 820; † 891), byzantinischer Patriarch, der die Mission der Slawen initiierte.
  • Al-Chwarizmi (* um 780; † zwischen 835 und 850), Mathematiker, der maßgeblich zur Übernahme des dezimalen Zahlensystems aus Indien beitrug. Auf der Grundlage dieses Zahlensystems entwickelte er die Mathematik maßgeblich weiter.
  • Fujiwara no Yoshifusa (* 804; † 872) etablierte den Einfluss der Familie Fujiwara auf den japanischen Kaiserthron, indem er seinen Enkel als Kaiser etablierte.

 


Artikel basiert auf dem Eintrag „9. Jahrhundert“ in der deutschen Wikipedia, Autoren siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Das 8. Jahrhundert AD

Das 8. Jahrhundert begann am 1. Januar 701 und endete am 31. Dezember 800.

Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 200 bis 300 Millionen Menschen geschätzt. In Europa übernahmen die Karolinger die Macht im Frankenreich und beherrschten am Ende des Jahrhunderts große Teile des Kontinents. Das byzantinische Reich blieb trotz zahlreicher Angriffe stabil. Im Zuge der im vorherigen Jahrhundert begonnenen islamischen Expansion fielen weitere Gebiete, wie die iberische Halbinsel und große Teile Zentralasiens, unter muslimische Herrschaft. Zur Jahrhundertmitte übernahm die Abbasiden-Dynastie, die die Dominanz der Araber in der muslimischen Welt beendete, das Amt des Kalifen. China erreichte unter den Tang eine große wirtschaftliche und kulturelle Blüte, bis Mitte des Jahrhunderts eine Periode des Umbruchs begann.

Europa

In Europa ist dieses Jahrhundert Teil des Frühmittelalters (ca. 500-1050).

Frankenreich

Politische Entwicklung

Europa wurde im 8. Jahrhundert durch den Aufstieg des Fränkischen Reiches und der Karolinger geprägt. Bis zum Jahr 714 regierte Pippin der Mittlere als Hausmeier das Frankenreich. Er unterstand weitgehend nur noch formal den merowingischen Königen, die einen großen Teil ihrer faktischen Macht eingebüßt hatten. Nach seinem Tod setzte sich sein Sohn Karl Martell als sein Nachfolger durch, der den Karolingern die Führungsposition endgültig sicherte. Im Gegensatz zu ihm strebte dessen Sohn und Nachfolger, Pippin der Jüngere, die Königswürde an. Nach der Absetzung des letzten merowingischen Königs, ließ er sich selbst als König ausrufen. Pippins Erbe, Karl der Große, dehnte die Grenzen des Frankenreiches durch regelmäßig durchgeführte Kriegszüge, gegen die Langobarden, die Awaren und die Sachsen, stark aus und beherrschte schließlich West- und Zentraleuropa und einen großen Teil der italienischen Halbinsel.

Zu Beginn des Jahrhunderts hatten lokale Herrscher im Frankenreich einen hohen Grad an Selbständigkeit. So regierten Herzöge über einige Reichteile mit weitreichenden Befugnissen. Die Karolinger waren bestrebt, die Macht der lokalen Regenten zu ihren Gunsten zu verringern. Dazu entmachteten sie schrittweise alle Herzöge. Ferner etablierte insbesondere Karl der Große eine auf ihn ausgerichtete lokale Herrschaftsstruktur, die Grafschaftsverfassung genannt wird. Grafen waren vom König eingesetzte und ihm rechenschaftspflichtige Amtsträger. Teilweise gehörte ihnen das Land, über das sie Herrschaftsrechte hatten, teilweise bekamen sie es vom König zur Verfügung gestellt. In den von ihm eroberten Gebieten setzte Karl Grafen ein, die sowohl ihm gewogene Adelige der eroberten Völker, als auch Adelige aus den fränkischen Kerngebieten waren. Neben den weltlichen Adeligen waren auch Bischöfe und Äbte, auf deren Einsetzung die Karolinger wesentlichen Einfluss hatten, in das System der Grafschaftsverfassung eingebunden. Diese nahmen sowohl geistliche als auch weltliche Aufgaben war. Ihre weltlichen Aufgaben hatten einen ähnlichen Umfang wie die der Grafen, was bei Karl dem Großen auch die aktive Teilnahme an Kriegszügen einschloss. Zur Kontrolle reiste Karl regelmäßig durch sein Reich (Reisekönigtum). Zusätzlich setzte er Königsboten ein.

Die Ernennung zum König war bei den Karolingern an das Einverständnis der Mächtigen des Volkes gebunden. Dennoch spielte auch der Gedanke der Erblichkeit des Königtums eine große Rolle. Um den Wechsel der Königsdynastie von der Familie der Merowinger zur Familie der Karolinger zu rechtfertigen, ließ Pippin der Jüngere die Zustimmung des Papstes zu diesem Schritt einholen. Die Königsalbung Pippins war ein weiterer Schritt zur Legitimation seiner Königswürde und sollte dieser einen religiösen Charakter verleihen. Die Karolinger verstanden das Königtum als ein im Auftrag Gottes geführtes Amt. Ihr Reich sollte deshalb ein christliches Reich sein. Schon Karl Martell förderte die christliche Missionierung, was seine Nachfolger vor dem Hintergrund der Idee eines christlichen Reiches fortsetzten. Die Karolinger setzten dabei auf angelsächsische Missionare, die eng mit dem Papst verbunden waren. Während Karl Martell eine militärische Unterstützung des Papstes ablehnte, unterstützte Pippin den Papst militärisch, nachdem dieser sein Königtum legitimiert hatte. Fortan sahen sich die fränkischen Könige als Schutzmacht des Papsttums, was auch die Päpste so sahen. Im Jahr 800 wurde Karl der Große dann durch den Papst zum west-römischen Kaiser gekrönt. Die Kaiserkrone gewährte ihm einen höheren Rang, aber keinen Zuwachs an Rechten.[1] Die Krönung begründete das (west)-europäische Kaisertum des Mittelalters. Es verstand sich als ideeller Nachfolger des Kaisertums des römischen Reiches und war damit ein Konkurrent des byzantinischen Kaisertums. Im 9. Jahrhundert lösten die beiden Kaiser dieses Zweikaiserproblem, indem sie sich gegenseitig das tragen unterschiedlicher Kaisertitel einräumten.

Eine Institution der Karolinger war die Erbteilung, wobei das Erbe nach dem Tod des Königs unter den Söhnen geteilt wurde. So teilte sich Pippin die Herrschaft zunächst mit seinem Bruder Karlmann, der nach einigen Jahren ins Kloster ging. Karl der Große teilte sich die Herrschaft zunächst mit seinem ebenfalls Karlmann genannten Bruder, der drei Jahre nach Herrschaftsantritt starb.

Gesellschaft, Wirtschaft und Recht

Nach dem Bevölkerungsrückgang der vergangenen Jahrhunderte stieg die Bevölkerung in West- und Mitteleuropa wieder an.[2] Dennoch beeinflussten Kriege, durch Unwetter verursachte Hungersnötige und Seuchen immer noch die Lebenserwartung der Menschen, doch die justinianische Pest verschwand Mitte des Jahrhunderts endgültig. Die Kindersterblichkeit war hoch und die Lebenserwartung lag nach überstandener Kindheit bei 44 bis 47 Jahren. Die Menschen ernährten sich überwiegend von Getreideprodukten, ferner von Milchprodukten und Gemüse.[3]

Die Gesellschaft war stark agrarisch geprägt. Der weitaus größte Teil der Menschen wohnte in kleinen Dörfern auf dem Land. Die meisten Städte, die auf römische Gründungen zurückgingen, lagen in West- und Südeuropa. Im Zuge der fränkischen Expansion entwickelten sich auch östlich des Rheins um Klostergründungen und Bischofssitze Vorläufer städtischer Siedlungen.

Die Gesellschaft gliederte sich in Freie und Unfreie, wobei der jeweilige Status erblich war. Aus den Freien hob sich der Adel heraus, der durch Ämter privilegiert war. Freie waren rechtlich unabhängig, schuldeten dem König jedoch Kriegsdienste. Die Unfreien waren von einem Herren abhängig, der ihnen Schutz zu gewähren hatte, jedoch in vielen Lebensbereichen über sie bestimmen konnte. Die Rechte und Pflichten des Unfreien und seines Herren waren jedoch im Einzelfall sehr verschieden.[4]

Reichtum begründete sich im Wesentlichen auf Landbesitz. Der Grund und Boden gehörte meistens Großgrundbesitzern, wie Königen, Adeligen, Bischöfen oder Klöstern. Diesen bewirtschafteten sie zum Teil mit Hilfe ihrer Unfreien selbst, andere Teile verpachteten sie an unfreie und freie Pächter. Schuldeten die freien Bauern dem Grundherren lediglich Abgaben, mussten die unfreien Pächter zusätzlich Dienstleistungen für den Herren, die Frondienste, erbringen.

Viele Kriegsdienste und immer aufwendige Waffen und Rüstungen, die sie selber stellen mussten, waren für die Freien eine zunehmende Belastung. So hielten es zahlreiche Freie für wirtschaftlich günstiger unfreie Pächter eines Grundherrn zu werden, um von den Kriegslasten befreit zu werden.[5] So ist eine Abnahme der nicht adeligen Freien in diesem Jahrhundert festzustellen.

Die wirtschaftlichen Quellen des Königs gründeten sich auf den Besitz der Krone, der nur einen Teil des Reichsgebietes ausmachte, und den Königsschatz.

Das fränkische Reich umfasste viele unterschiedliche Volksgruppen. Für die Angehörigen vieler Völker, wie der Sachsen, der Thüringer und der Alemannen, galt das eigene Volksrecht. Die Volksrechte ließ Karl der Große aufschreiben und teilweise anpassen.

Der Vereinheitlichung der Verhältnisse im Frankenreich und die erleichterten Herrschaftsausübung diente die Münzreform Karls des Großen. Hatte Pippin der Jüngere schon das Recht zur Ausgabe von Münzen, das Münzregal, als alleiniges Königsrecht durchgesetzt, so führte Karl den Denar als einheitliche Silbermünze im Frankenreich ein und legte fest, wie viele Münzen aus einem Pfund Silber geprägt werden durften.[6] Geld wurde vor allem im Fernhandel eingesetzt, während auf lokaler Ebene der Tauschhandel dominierte.

Italienische Halbinsel

In den vorherigen Jahrhunderten hatten die Langobarden große Teile der italienischen Halbinsel vom byzantinischen Reich erobert, das zu Beginn des Jahrhunderts noch einen Landstreifen quer durch Mittelitalien, einschließlich Rom, und Gebiete im Süden der italienischen Halbinsel beherrschte. Die Langobarden wurden durch Könige regiert, wobei Herzöge unter dem König die Herrschaft über Teilreiche ausübten. Im Laufe des Jahrhunderts brachten die Könige auch das selbständige langobardische Herzogtum Benevent unter ihre Kontrolle. Durch die Ausdehnung der Macht der Langobarden fühlten sich die Päpste, die die weltliche Herrschaft über Rom ausübten, zusätzlich bedrängt. Byzanz konnte und wollte ihnen keine Hilfe gewähren, zumal seit dem vorherigen Jahrhundert religiöse Meinungsverschiedenheiten bestanden.[7] Nach weiteren Eroberungen byzantinischen Gebietes durch die Langobarden zur Jahrhundertmitte, rief der Papst den Frankenkönig, Pippin den Jüngeren, der sich als Schutzherr des Papsttums verstand, zu Hilfe. Dieser eroberte wesentliche Gebiete zurück und übertrug diese dem Papst. Diese Pippinsche Schenkung machte den Papst, der schon zu Beginn des Jahrhunderts eine Landzuweisung bekam, endgültig zum weltlichen Herrscher über einen größeren Flächenstaat. Dieser Kirchenstaat umfasste bis ins 19. Jahrhundert größere Territorien Mittelitaliens. Als der Papst in den 770er Jahren seine weltliche Herrschaft wiederum durch die Langobarden bedroht sah, rief er Karl den Großen zur Hilfe. Karl eroberte das ganze Langobardenreich und setzte sich als dessen König ein. Nur das südlich von Rom gelegene langobardische Herzogtum Benevent blieb selbständig.

Iberische Halbinsel

Anfang des Jahrhunderts kämpften mehrere Parteien der Westgoten auf der iberischen Halbinsel um die Macht. Ein Hilfegesuch einer der Konfliktparteien nahmen Berber und Araber zum Anlass einen großen Teil der Halbinsel zu erobern. Die Eroberung des Landes, das sie Al-Andalus nannten, erfolgte durch relativ autonom agierende muslimische Gruppen. Die Herrschaft errangen diese Gruppen neben militärischer Gewalt auch durch Verhandlungen und Bündnisse, in denen die Eroberer den regionalen Machthabern oder führenden Gruppen die Wahrung vieler ihrer angestammten Rechtspositionen zusicherten. Die Gebirge im Norden der iberischen Halbinsel blieben jedoch frei von muslimischer Herrschaft. Sie dienten gotischen Migranten als Rückzugsgebiet. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konnten diese größere Gebiete im Norden der Halbinsel von den muslimischen Eroberern zurückerobern und dort das christliche Königreich Asturien zu gründen. Dieses diente als Ausgangspunkt für die Reconquista genannte Rückeroberung der muslimisch beherrschten Gebiete durch die Nachfahren der Westgoten, die im Jahr 1492 abgeschlossen wurde. Alle Gebiete, die die Muslime nördlich der Pyrenäen eroberten, wie Septimanien, wurden im selben Jahrhundert von den Franken zurückerobert. Den ersten großen militärischen Sieg gegen die muslimischen Truppen errangen die Franken unter Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers. Ob es sich hierbei um die Vereitelung eines Eroberungsversuches oder bloß um die eines Raubzuges handelte ist umstritten.[7]

Zwischen den beiden Gruppen der Eroberer, den Berbern und den Arabern, kam es nach der Eroberung zu Spannungen und Kämpfen. Mitte des Jahrhunderts eroberte Abd ar-Rahman I. aus der Umayyaden-Dynastie die Macht in Al-Andalus und baute eine zentrale Herrschaft auf. Das von ihm gegründete Emirat von Córdoba war das erste muslimische Reich, das vom Kalifat in Bagdad formell politisch unabhängig war. In seiner Hauptstadt Córdoba wurde im Auftrag des Emirs mit dem Bau der Moschee von Córdoba begonnen.

Übriges Europa

Das im Karpatenbecken gelegene Awarenreich geriet ab dem Jahr 788 in kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Frankenreich. Die militärischen Erfolge der Franken in den 790er Jahren führten zur Destabilisierung der Awarenreiches, der im folgenden Jahrhundert der Untergang folgte.

In Südosteuropa lag südlich der transsilvanischen Alpen das Bulgarische Reich, das sich weiter entlang der Schwarzmeerküste bis zur Mündung des Dnepr erstreckte. Anfang des Jahrhunderts war es mit dem byzantinischen Reich verbündet, geriet aber in der Folgezeit in kriegerische Auseinandersetzungen mit diesem. In den Jahren 750 bis 775 nutzten die Byzantiner das Abflauen der arabischen Angriffe, um große Teile des bulgarischen Reiches zu erobern. Das Ende byzantinischer Angriffe nach dem Tod des Kaisers, nutzten die Bulgaren, um wesentliche Teile ihres Reiches zurückzuerobern. Während des Jahrhunderts begann ein Prozess, in dem sich die bulgarische Führungsschicht an die slawische Mehrheit assimilierte.

Das Reich der Chasaren lag nördlich des Kaukasus und reichte von der Krim bis zum Norden des Kaspischen Meeres. Das chasarische Khanat, das mit Byzanz verbündet war, führte zahlreiche Kriege gegen das Kalifat mit wechselndem Erfolg. Nach der Übernahme des Kalifenamtes durch die Abbasiden wurde das Verhältnis friedlich. An der Spitze des Reiches standen ein Khagan und ein Bek, wobei letzterer alle militärischen und Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Zumindest die Elite nahm im 8. Jahrhundert die jüdische Religion an. Für die Chasaren, die an einer geografisch wichtigen Stelle für den Welthandel lagen, war dieser von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung.

Religion, Kultur und Bildung in Europa

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts war in Gallien, auf den iberischen und italienischen Halbinseln, sowie auf den irischen und britischen Inseln das Christentum etabliert. Gefördert von den Karolingern breitete sich das Christentum durch die angelsächsische Mission in den fränkischen Gebieten nördlich und östlich des Rheins aus. Beruhte die Bekehrung im Wesentlichen auf Freiwilligkeit, kam es während der Sachsenkriege Karls des Großen zu zahlreichen Zwangstaufen im Zuge der Etablierung der Herrschaft der Franken. Mit der Konversion großer Gruppen von Langobarden zum katholischen Bekenntnis, war dieses das vorherrschende Bekenntnis Europas. Nach der muslimischen Eroberung der iberischen Halbinsel, durfte die dort lebende Bevölkerung ihren christlichen Glauben beibehalten, doch konvertierten große Bevölkerungsteile im Süden der Halbinsel zum Islam.[8] Die Konvertiten als auch der christliche Teil der ursprünglichen Bevölkerung übernahmen arabische Gebräuche und Sitten. Dennoch blieben die Christen eine klar abgegrenzte Gruppe.[9]

In diesem Jahrhundert wandte sich der Papst von Byzanz als Schutzmacht ab und dem Frankenreich als Schutzmacht zu. Dieses und die Kaiserkrönung Karls des Großen durch den Papst führten zu einer weiteren Entfremdung zwischen römischer Kirche und griechisch-orthodoxer Kirche. Auf religiösem Gebiet konnte jedoch der Streit um die Rechtmäßigkeit der Verehrung religiöser Bilder im zweiten Konzil von Nicäa nochmals beigelegt werden.

Insbesondere die fränkischen Könige begründeten ihr Königtum religiös. Sie verstärkten die Einbindung der Kirche in ihre Herrschaftsausübung. Bischöfe und Äbte hatten neben den religiösen auch weltliche Funktionen, was unter Karl dem Großen auch die Kriegsführung einschloss. Vor dem Hintergrund nahmen sie nicht nur maßgeblichen Einfluss auf die Besetzung der Kirchenämter, sondern auch auf die Entscheidung religiöser Fragen. Klöster spielten sowohl im politischen als auch religiösen Bereich eine tragende Rolle. Neu gegründete Klöster, wie das Kloster Fulda, waren Ausgangspunkte für die Missionsarbeit östlich des Rheins. Die angelsächsischen Missionare propagierten die Ordensregel des Benedikt von Nursia, die im Laufe des Jahrhunderts zunehmend Grundlage für das Leben in den Klöstern wurde.[10]

Das Frankenreich prägte über die erste Hälfte des Jahrhunderts hinaus ein geringer Bildungsstand der Bevölkerung einschließlich der Eliten. Dem setzte Karl der Große am Ende des Jahrhunderts die Karolingische Renaissance, auch genannten Bildungsreform genannt, entgegen. Akteure der Reform waren zum einen bedeutende Gelehrte, die er an den Hof einlud, zum anderen die Klöster. Unter dem Motto „correctio“, Korrektur, fand eine Überarbeitung und Vereinheitlichung der politischen und religiösen Regeln im Frankreich statt. So wurden liturgische Texte und der Bibeltext redigiert. Ferner wurde die lateinische Sprache als Verkehrssprache im Frankenreich eingeführt und eine einheitliche Schrift, die karolingische Minuskel, entwickelt. Die Bildung und den Wissenstransfer wurde vor allem Klöstern aber auch Bistümern übertragen. In den Klöstern wurden zahlreiche Schriften der Antike kopiert und getauscht. Es wurden Dom- und Klosterschulen eingerichtet, wo sowohl künftige Kleriker als auch Laien unterrichtet wurden. Die karolingische Bildungsreform beförderte einen kulturellen Austausch zwischen den europäischen Regionen.[11] Als herausragendes Bauobjekt wurde in den letzten Jahren des Jahrhunderts die Pfalzkapelle begonnen, bei dessen Bau Anleihen von byzantinischen Bauten in Italien genommen wurden.[12]

In Britannien und Irland wurde zu Beginn des Jahrhunderts die Entwicklung einer vorwiegend religiösen Schriftkultur fortgesetzt. Träger waren besonders die Klöster, in die Evangelien der insularen Buchmalerei geschrieben und gemalt wurden. Besonders bekannter Vertreter klösterlichen Gelehrsamkeit war Beda Venerabilis.

Byzanz und die muslimische Welt

Byzantinisches Reich

Nach dem Verlust von zwei Dritteln seines Territoriums im 7. Jahrhundert erstreckte sich das byzantinische Reich in diesem Jahrhundert auf Kleinasien, Teile der italienischen Halbinsel, Teile der Südausläufer des Balkans und mehrere Mittelmeerinseln. In der ersten Jahrhunderthälfte griffen die Araber das Reich durch wiederkehrende Angriffe in Kleinasien an. Nach der erfolgreichen Abwehr ihrer Belagerung Konstantinopels in den Jahren 717/18 konnte sich Byzanz jedoch zunehmend besser verteidigen. Während des Abwehrkampfes von Konstantinopel vernichteten die Byzantiner die arabische Flotte weitgehend und brachen damit die arabische Seeherrschaft auf dem Mittelmeer. Der Bürgerkrieg um das Kalifat ermöglichte Byzanz in den Jahren 750 bis 775 große Gebiete, die es im vorherigen Jahrhundert an die Bulgaren verloren hatte, von diesen zurückzuerobern. Aufgrund erneuter Angriffe des Kalifats stellte es die Eroberungen ein und verlor in den 790er Jahren einen Teil der zurückeroberten Gebiete auf dem Balkan wieder an die Bulgaren.[13]

Die Gesellschaft spiegelte die ständigen Angriffe und Kriegszüge, indem sie sich im Wesentlichen an militärischen Belangen orientierte. Der im 7. Jahrhundert begonnene Ausbau der Gliederung des Reiches nach Militärbezirken, den Themen, in denen die Militärführer auch zivile Aufgaben wahrnahmen, wurde fortgesetzt. Einem bedeutenden Teil der Soldaten gehörte gleichzeitig Landbesitz. Vom 726 bis in die 780er Jahre beherrschte eine religiöse Auseinandersetzung über den richtigen Gebrauch und die Verehrung von religiösen Ikonen, byzantinischer Bilderstreit. Die religiöse Streitfrage, die auch in anderen Teilen der Christenheit diskutiert wurde, wurde im Byzanz zu einer innenpolitischen Auseinandersetzung.

Islamische Expansion und Kalifenreich

Hauptartikel: Islamische Expansion

Seit Mitte des 7. Jahrhunderts wurde das Kalifenreich von Kalifen der Umayyaden-Dynastie regiert. Die Fortführung der islamischen Expansion brachte den größten Teil der iberischen Halbinsel, Transoxanien und das Indusgebiet unter ihre Kontrolle. Diese Eroberungen trugen dazu bei, dass Kalif Hischam (724-742) über das flächenmäßig größte Reich herrschte, das es bis dahin auf der Welt gab.[14] Nach den Erfolgen mehrten sich die militärischen Niederlagen an mehreren Fronten. Der starken Belastung der Staatskasse, die durch diese militärischen Aktivitäten verursacht wurde, begegneten die Kalifen mit deutlichen Steuererhöhungen.

Innenpolitisch stützten sich die Umayyaden auf wechselnde Mehrheiten arabischer Clans, schafften es jedoch nicht, der insbesondere ab den 740er Jahren aufkommenden Unzufriedenheit darüber, wie die Beute aus den Eroberungen und das Steueraufkommen verteilt wurden, zu begegnen. Die Unzufriedenen stellten im Jahre 747 eine vorwiegend arabische Rebellenarmee auf, die im Jahr 750 die Umayyaden stürzte.[15] Die Rebellion wurde von zahlreichen Muslimen unterstützt, die die Legitimität der Umayyaden anzweifelten, da sie nicht von Mitgliedern der Familie Mohammeds abstammten. Ferner spielten persische Konvertiten, Mawālī, die sich von den Machthabern gegenüber den arabischen Muslimen zurückgesetzt fühlten, eine große Rolle beim Sturz der Dynastie. An die Spitze der Rebellion stellte sich die arabische Familie der Abbasiden, die als Nachkommen eines Onkels Mohameds nach Ansicht der Rebellen eine größere Legitimität hatten.[15] Mit der Machtübernahme der Abbasiden stoppte die islamische Expansion. Durch einen Sieg in der Schlacht am Talas gegen die Chinesen wurde im Jahr 751 die arabische Vormachtstellung in Zentralasien abgesichert. In der folgenden Zeit regionalisierte sich die islamische Herrschaft. Diesen Prozess leitete Abd ar-Rahman I. ein, einer der wenigen Umayyaden, der das Blutbad, das die Abbasiden unter seiner Dynastie anrichteten, überlebte. Er entzog kurz nach deren Machtübernahme die iberische Halbinsel der politischen Kontrolle der Abbasiden und errichtete dort das Emirat von Córdoba. Zum Ende des Jahrhunderts verloren dann die Abbasiden die Kontrolle über den Maghreb an eine lokale Dynastie.

Kennzeichnend für das 8. Jahrhundert war eine zunehmend konkrete Ausgestaltung islamischer Herrschaft. Der Prozess der Arabisierung und der Islamisierung der Gesellschaft entfalteten zunehmend ihre Wirkung. Anfang des Jahrhunderts führten die Übertritte nicht arabischer Bürger des Kalifenreiches zum Islam zu einem Rückgang der Einnahmen aus der Grundsteuer und der Kopfsteuer, Dschizya, von denen alle Muslime befreit waren. Dem begegneten die Kalifen zumindest im Irak, indem sie die Grundsteuer unabhängig von der Religionszugehörigkeit erhoben. Da die Konvertiten wie alle Muslime statt der Kopfsteuer eine Abgabe, Zakāt, entrichten mussten, wurden die fiskalischen Hindernisse einer zunehmenden Islamisierung ausgeräumt.[16] Die Islamisierung erfolgte regional unterschiedlich, so waren die persischen Eliten schnell zum Islam übergetreten, während in Ägypten die Islamisierung sehr verhalten erfolgte. Insgesamt waren große Teile der Bevölkerung des Kalifenreiches im 8. Jahrhundert Nicht-Muslime. Die Arabisierung war mit der Islamisierung nicht identisch. Mit der Einführung als Verwaltungssprache zum Ende des 7. Jahrhunderts wurde die arabische Sprache zur allgemeinen Verkehrssprache im Kalifenreich sowie zur Sprache der Wissenschaft. So war Arabisch zunächst die Sprache der gebildeten Eliten, einzig in Persien konnte sich das Arabische dauerhaft nicht durchsetzen.

Die Herrschaft der Umayyaden baute auf wechselnde arabische Clans und Gruppen. Die höchsten Posten wurden fast nur an Mitglieder arabischer Abstammung vergeben. Um den Kontakt zur arabisch beduinischen Kultur zu pflegen, bauten die Kalifen Wüstenschlösser in die syrische Wüste. Dennoch wohnte die überwiegende Zahl der arabischen Auswanderer in den Städten des Reiches. Hier errichteten die Umayyaden große Bauten, wie die Umayyaden-Moschee in Damaskus, die die neue islamische Kultur repräsentieren sollten.

Mit dem Machtwechsel zu den Abbasiden wandelte sich dieses „arabische Reich“ zu einem „islamischen Reich“. Diese Kalifendynastie strebte eine Gleichbehandlung der Muslime arabischer und nicht-arabischer Herkunft an.[17] War Syrien die Machtbasis der Umayyaden, lag die Machtbasis der Abbasiden vornehmlich auf dem Gebiet des ehemaligen persischen Sassanidenreichs. Zunächst errichteten die neuen Kalifen einen Palast und eine Moschee nahe der Ortschaft Bagdad. Um den Palast siedelten sie kreisförmig Behörden und Armee an. Schnell bildeten sich an den Rändern der Stadt Märke und Vorstädte, sodass Bagdad zum Ende des Jahrhunderts eine der größten Städte der Welt war. Mit den Abbasiden wies das Hofzeremoniell der Kalifen erstmals große Ähnlichkeiten mit dem der persischen Könige auf. Die Reichsverwaltung legten sie in die Hände eines Wesirs, ein Amt von großer Macht, das über einen langen Zeitraum in der Hand der persischen Familie der Barmarkiden lag. Wie dieses Amt wurden viele Ämter des zentralistisch geführten Reiches von Persen bekleidet.[17]

Es folgte ein starker wirtschaftlicher Aufschwung. Begünstigt durch das Arabische als Verkehrssprache entwickelte sich ein ausgedehntes, muslimisches Händlernetz im Kalifat und über seine Grenzen hinaus. Auch über dieses Händlernetz erlangten die Kalifen Wissen aus den Nachbarstaaten, das sie zusammentragen ließen. Zum Ende des Jahrhunderts begannen sie, bedeutende griechische Schriften der Antike ins Arabische übersetzen zu lassen.[18] Die griechischen Schriften und das zusammengetragene Wissen bildeten in den folgenden Jahrhunderten die Basis für die islamische Wissenschaft und Kultur. In diesem Jahrhundert entstanden die meisten für die Auslegung des islamischen Rechts, Scharia, bis heute bedeutenden Rechtsschulen. Ferner wurde das Leben Mohammeds zum ersten Mal aufgeschrieben und ein Werk über vorislamische Kulte Arabiens verfasst.[19]

Afrika

Am Horn von Afrika brach die königliche Zentralgewalt im aksumitischen Reich zusammen. Die Araber errangen die Seeherrschaft im Roten Meer und eroberten große Gebiete des heutigen Eritreas, Dschibutis und Somalias. Damit schnitten sie Aksum den Zugang zum Meer ab. Im äthiopischen Hochland blieb jedoch die christliche Kultur erhalten und vom Islam unabhängig. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche spielte in den nächsten Jahrhunderten eine bedeutende Rolle durch den Schutz für die Bauern. Ferner übernahm sie die Erhaltung der Schriften, die in die lokale Sprache übersetzt wurden. Die Bildung der Aristokraten erfolgte in Klöstern. Die Kirche hielt auch Verbindungen zu den Christen Ägyptens und Nubiens aufrecht.

Die im vorherigen Jahrhundert begonnene Vereinigung der nubischen Reiche Nobatia und Makuria wurde abgeschlossen. Das nun Makuria genannte Reich genoss aufgrund eines Friedensvertrags mit dem muslimisch beherrschten Ägypten seine Unabhängigkeit. Als Tribut mussten jedoch jährlich Sklaven an Ägypten übergeben werden. Am Ende des Jahrhunderts erlebten die nubischen Reiche Makuria und Alwa einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich in der Entwicklung der Städte widerspiegelte.

Die ostafrikanische Küste war in diesem und im folgenden Jahrhundert Ziel arabischer Einwanderer, die in diesem Jahrhundert bis nach Sansibar kamen. An der Küste entstanden die Swahili-Handelsstädte die vom Islam geprägt waren. Die Städte wurden neben den eingewanderten Arabern hauptsächlich von Afrikanern der Bantu-Völkergruppe bewohnt. Die Handelskontakte dieser Städte reichten über den gesamten indischen Ozean, aber auch ins afrikanische Hinterland.[20]

Asien

Indischer Subkontinent

Den indischen Subkontinent teilten sich mehrere Regionalreiche. Ab der Jahrhundertmitte bauten die Dynastien der Pala im nordöstlichen Bengalen, der Pratihara im Nordwesten und die der Rashtrakuta auf dem Dekkan-Plateau im Westen des Subkontinents größere konkurrierende Reiche auf. Diese führten in den folgenden Jahrhunderten untereinander Kriege um die Vorherrschaft im Norden Indiens. Durch mehrere Schlachten konnten die Pratihara die Expansion des Kalifenreiches in die östlich des Indus gelegenen Gebiete vereiteln. Die Rashtrakuta-Dynastie löste durch militärische Siege die Chalukya-Dynastie als Herrscher des Dekkan-Plateau ab. Auch wenn die Pala-Könige den Buddhismus in ihrem Herrschaftsgebiet förderten, so verlor er im Rest des Subkontinents zugunsten des Hinduismus zunehmend an Anhängern und Bedeutung.[21] Die meisten Herrscher nutzten den Hinduismus zur Legitimierung ihrer Herrschaft. Die Gesellschaft war in Gruppen, die Kasten, gegliedert, wobei Einwanderer flexibel in das Kastensystem eingeordnet wurden. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste, die durch Geburt erworben wurde, bestimmte religiöse und gesellschaftlichen Pflichten und Rechte. Ab dem 8. Jahrhundert wurden auch größere Gebiete außerhalb der Flusstäler durch Bewässerungsfeldbau für die intensive landwirtschaftliche Nutzung erschlossen.[22]

China

Hauptartikel: Tang-Dynastie

Politische Entwicklung

Nach der Entmachtung der Kaiserin Wu Zhao im Jahr 705 kam die Tang-Dynastie, die die chinesischen Kaiser bis zum Jahr 907 stellte, wieder an die Macht. Während der Regentschaft von Kaiser Xuanzong in den Jahren 712 bis 756 erlebte China eine innenpolitisch stabile und friedliche Zeit, wirtschaftlicher Prosperität und kultureller Blüte, die oft auch goldenes Zeitalter genannt wird. Im Gegensatz dazu war das Reich an seinen Grenzen in häufige militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Im Norden und Nordosten griffen die Kitan und das zweite türkische Reich regelmäßig an, im Südosten gab es Auseinandersetzungen mit den Tibetern. Im Nordwesten expandierte China entlang der Seidenstraße und erlangte Einfluss auf Zentralasien. Nach der Niederlage in der Schlacht am Talas gegen das muslimische Kalifat verlor China jedoch seinen Einfluss auf Zentralasien wieder. Um die militärischen Herausforderungen zu bewältigen, wurde die Armee von Milizsoldaten, die ihre eigenen Felder bestellten, auf eine Armee aus Berufssoldaten umgestellt. Die Grenztruppen wurden Militärgouverneuren, den Jiedushi, unterstellt. Diese gewannen im Laufe der Zeit immer mehr Macht, wodurch sich Spannungen zwischen ihnen und der Zentrale aufbauten. Diese mündeten im Jahr 755 in einem vom Militärgouverneur An Lushan geführten Aufstand. Zwar konnte der Kaiser den Aufstand mit Hilfe der benachbarten Trukstämme, der Uiguren und der Tibeter, niederschlagen, doch die bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen richteten erhebliche Zerstörungen in den Hauptstädten Luoyang und Chang’an sowie in großen Teilen des Landes an. Der Aufstand des An Lushan schwächte die Macht der nachfolgenden Tang-Kaiser erheblich zugunsten der Militärgouverneure, die in ihren Machtbereichen mit einem hohen Grad an Autonomie herrschten. Von der Schwäche der Kaiser profitierten auch die Nachbarreiche. Die Tibeter plünderten in den folgenden Jahren mehrmals Chang’an und verwüsteten große Gebiete in China. Im Jahr 791 eroberten sie das Tarimbecken und die darin liegenden Abschnitte der Seidenstraße. China verlor dadurch seinen direkten Zugang nach Zentralasien.[23]

Gesellschaft, Wirtschaft, Staat und Kultur

Zu Beginn des Jahrhunderts konzentrierte sich die Bevölkerung entlang der fruchtbaren Ufer des Gelben Flusses, wobei ein kleiner Teil in Städten wohnte, die weit größer waren als die Europas zu dieser Zeit. Betrug die Bevölkerung in der ersten Jahrhunderthälfte rund 50 Mio. Menschen, so verursachten die mit den Unruhen in der Mitte des Jahrhunderts verbundenen Plünderungen und Zerstörungen eine Verringerung der Bevölkerung. Ferner begann eine bis zum 12. Jahrhundert anhaltende Migration vom Norden Chinas in den Süden. Über die Jahrhunderte kam es dort zu einer massiven Ausweitung der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und die Wirtschaft des Südens expandierte.[24]

In der ersten Jahrhunderthälfte florierte in allen Teilen Chinas die Wirtschaft. Güter wurden in großen Mengen aus zahlreichen Gebieten Asiens ein- und ausgeführt. Dies erfolgte hauptsächlich über die Seidenstraßen. Guangzhou, das heutige Kanton, war der wichtigste Hafen des Landes. Hier legten Schiffe aus Südostasien, Ceylon, Indien, Persien und Arabien an. Durch ansässige Kaufleute aus diesen Ländern war die Stadt multikulturell ausgerichtet. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden die chinesischen Handelsrouten zu den benachbarten Völkern durch die Eroberungen der Tibeter und durch Unruhen in China unterbrochen oder stark gestört.

Zu Beginn des Jahrhunderts war das Land aufgrund des im vorherigen Jahrhundert eingeführten Systems der „gleichmäßigen Landverteilung“ relativ gleichmäßig unter der Landbevölkerung verteilt. Diese pachtete das Land vom Kaiserhaus. Nach dem Aufstand von An Lushan entstanden im zunehmenden Maße privater Grundbesitz und große Landgüter, auf denen abhängige Bauern, teilweise als Schuldsklaven, arbeiteten.

Die Finanzierung des Staates erfolgte zunächst allein über ein Steuersystem. Vor dem Aufstand von An Lushan erzielte der Staat seine Einnahmen mittels einer Kopfsteuer, die auf dem System der gleichen Landverteilung basierte. Sie wurde meistens in Naturalien und Dienstleistungen geleistet. Nach dem Aufstand war das Land wieder sehr ungleich verteilt. So wurde im Jahr 780 eine Steuer auf Vermögen und Land eingeführt, die in Geld errichtet werden musste. Dies förderte die Ausweitung der Geldwirtschaft in China.[25]

Bis zur Mitte des Jahrhunderts wurde China stark zentralistisch regiert, wobei der Kaiser an der Spitze stand. Dieser übte seine Herrschaft mittels hierarchisch organisierter Beamten aus. Im 7. Jahrhundert auch im 8. Jahrhundert erhielten vorwiegend Menschen privilegierter Herkunft den Beamtenstatus meist auch ohne Zugangsprüfungen aufgrund von Empfehlungen. Hohe Beamtenstellungen wurden von Adeligen bekleidet. Dennoch büßten während und nach der Herrschaft Wu Zhao einige der alten Adelsfamilien ihre Stellung ein. Zunehmend nahmen Beamte, die ihren Status über Zugangsprüfungen bekamen, bedeutende Stellungen bei Hof ein. Nach dem Aufstand von An Lushan nahm das Prüfungssystem weiter zu. Zentrale Bildungsinstitutionen, wie Akademien und Hochschulen professionalisierten das Bildungswesen gewannen an Einfluss.

In der ersten Jahrhunderthälfte entfaltete sich in den Städten ein umfangreiches Kunstleben, das vom Kaiserhaus gefördert wurde. Dichter, wie Li Bai, Du Fu und Wang Wei, und Maler, wie Zhang Xuan und Zhou Fang, erschufen weit über die Epoche hinaus beachtete Werke. Sie stellen die Verlorenheit des Individuums in der Welt dar.[26] Nach dem An Lushan Aufstand diskutierten die Literaten zunehmend kritischer. Sie setzten sich kritisch mit politischer Ökonomie und dem Konfuzianismus auseinander. Eine rationale Weltanschauung gewann an Bedeutung.[27] Insgesamt wurde in China in diesem Jahrhundert eine große Zahl literarischer Werke erstellt. Die Maler malten neben religiösen Bildern, bevorzugt die Damen des Hofes.

Der Daoismus und der Buddhismus der Chan-Schule waren die vorherrschenden Religionen in China. Beide wurden von den Kaisern gefördert, aber auch reglementiert, um ihre Macht zu begrenzen. Neben diesen war der Konfuzianismus für Gesellschaft und Staat ein führendes Leitbild. Trotzdem der Konfuzianismus eher eine philosophische und politische Lehre war, wurden Konfuzius und seinen Schülern Tempel errichtet, in denen sie rituell verehrt wurden.

Zentral-, Ost- und Südostasien

Japan

In Japan begann mit der Verlegung der Hauptstadt nach Heijō-kyō (heute Nara), die Nara-Zeit. Die Hauptstadt war mit ungefähr 200.000 Bewohnern die bevölkerungsreichste Stadt des sonst ländlichen Japans. Das herrschende Rechtssystem Ritsuryō verlieh dem Tennō zentrale Macht, die er mit Hilfe von ihm abhängiger Beamter ausübte. Die Oberschicht orientierte sich auf den meisten Gebieten am China der Tang-Dynastie. Stadtplanung, Mode, Recht und Schrift orientierten sich am chinesischen Vorbild. Nara wurde zu dieser Zeit an die Seidenstraße angeschlossen. Geschichtswerke entstanden, zahlreiche in den vergangenen Jahrhunderten entstandene Gedichte wurden in der Sammlung Man’yōshū kompiliert und erste Vorläufer der Manga entstanden. Mitte des Jahrhunderts förderte der Tenno die Missionierung seiner Untertanen zum Buddhismus, den er mit dem Shintōismus, der traditionellen Religion der bäuerlichen Bevölkerung, verband. Hohe Steuerlasten und Abwesenheiten für den Wehrdienst schwächten die Bauern, so dass die Versorgung der Hauptstadt zur Jahrhundertmitte gefährdet war. Die Versorgung wurde verbessert, in dem die Möglichkeiten Land als Privatbesitz zu erwerben erweitert wurden. Die zunehmende Aneignung von Land durch Provinzadelige führte in den folgenden Jahrhunderten zu einer Schwächung der Tenno.[28] Gegen Ende des Jahrhunderts war dem Kaiser die Macht der buddhistischen Klöster in Nara zu groß geworden und er zog nach Heian-kyō, dem heutigen Kyōto, das bis ins 19. Jahrhundert japanische Hauptstadt und Sitz des kaiserlichen Hofes bleiben sollte.

Übrige Reiche

In den Steppen nördlich von China etablierte sich das im vorherigen Jahrhundert gegründete zweite türkische Reich. Zur Jahrhundertmitte führten innenpolitische Auseinandersetzungen in diesem Nomadenreich zu dessen Schwächung. Dies nutzten die Uighuren, eroberten das Reich und errichteten nördlich von Tibet und China ihr Großreich.[29]

Das Königreich Tibet war im 8. Jahrhundert eine bedeutende Regionalmacht, die mit China in Rivalität stand. Häufige militärische Auseinandersetzungen waren die Folge. Zum Ende des Jahrhunderts nutzte es die Schwäche Chinas und gewann die Kontrolle über die Abschnitte der Seidenstraße im Tarimbecken. Mitte des Jahrhunderts kam der indische Mahayana– und VajrayanaBuddhismus nach Tibet und die Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus entstand. Diese Richtungen des Buddhismus hatten Ähnlichkeiten mit der im tibetischen Volk verbreiteten Bo-Religion. So gelang es Mönchen dieser Schule, gefördert vom tibetischen Königshaus, den Buddhismus, der schon im vorherigen Jahrhundert die vorherrschende Religion der Hauptstadt geworden war, auch im Volk zu etablieren. Mitte des Jahrhunderts entstand südöstlich von Tibet das Königreich Nanzhao.

Das Reich Balhae erstreckte sich über die südliche Mandschurei und den Norden der koreanischen Halbinsel. Den wesentlichen Teil der Halbinsel beanspruchte das Reich Silla. Die Gesellschaft dieses Reiches war in Stände gegliedert, an deren Spitze ein König stand, dessen Amt erblich war. Das Verwaltungssystem orientierte sich am chinesischen Vorbild, wobei der Zugang zu den Beamtenstellen vom Adelsrang, der sogenannten Knochen-Klasse abhängig war. Die Könige setzten ihre im vorherigen Jahrhundert begonnenen Versuche fort, die Macht des Hochadels zugunsten ihrer Macht zu schwächen. Nach einer Reihe von Verschwörungen der alten Adelsclans wurde im Jahr 780 König Hyegong getötet. Der ihm folgende König Sondok gab den Adeligen die Rechte zurück, die ihnen seit dem Jahr 689 genommen wurden. Die zentrale Religion in Korea war der Buddhismus. Über buddhistische Lehren gab es einen intensiven Austausch mit China und Japan.[30]

In Südostasien führte das Königreich Srivijaya, das buddhistisch geprägt war, seine im 7. Jahrhundert begonnene Expansion fort. Durch Kriege und Handel dehnte es seinen Einflussbereich auf den Süden der Malaiischen Halbinsel und Teile Javas aus. Die Ausdehnung ging mit einer zunehmenden Seemacht über die angrenzenden Seegebiete einher. Dazu gehörte auch die Straße von Malakka, die Teil der maritimen Seidenstraße war. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden jedoch bedeutende Teile Javas von der Sailendra-Dynastie, die zum Buddhismus übergetreten war, beherrscht. Es wird geschätzt, dass sie zum Ende des Jahrhunderts begannen die bedeutende buddhistische Tempelanlage Borobudur erstellen zu lassen.

Amerika

In Mittelamerika war das Reich der Maya in seiner späten klassischen Epoche, bevor im 9. Jahrhundert sein Niedergang begann. Im Westen Südamerikas stand die Tiahuanaco-Kultur, eine Pre-Inka-Kultur, in voller Blüte. Auch die nördlich von dieser gelegene Wari-Kultur setzte ihren Aufstieg fort. Für beide Anden-Kulturen spielten aufwendig hergestellte Textilien eine große Rolle.

Ereignisse

Europa

Byzanz und die muslimische Welt

Asien

  • 751: In der Schlacht am Talas siegte das Abbasiden-Kalifat über ein Heer des chinesischen Tang Kaisers. Damit verloren die Chinesen die Herrschaft über Zentralasien zugunsten muslimischer Herrscher.
  • 755: Der Militärgouverneur An Lushan führte in China einen Aufstand an, dem eine Zeit innerer Unruhen folgte. Der Aufstand des An Lushan schwächte die Macht der nachfolgenden Tang-Kaiser erheblich.
  • 782: Mit der „Revolte der Vier Prinzen“ verschwören sich vier Gouverneure und bilden im Norden Chinas halbautonome Gebiete, die etwa 150 Jahre bestehen.

Persönlichkeiten

Europa

Byzanz und die muslimische Welt

Asien

Erfindungen und Entdeckungen

 


Artikel basiert auf dem Eintrag „8. Jahrhundert“ in der deutschen Wikipedia, Autoren siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Das 7. Jahrhundert AD

Das 7. Jahrhundert begann am 1. Januar 601 und endete am 31. Dezember 700.

Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 200 bis 300 Millionen Menschen geschätzt. In Europa konsolidierten sich die aus der Völkerwanderung hervorgegangen germanisch beherrschten Reiche der Franken, Westgoten und Langobarden. Der Begründung des Islam folgte die islamische Expansion, die eine signifikante Änderung der Herrschaftsverhältnisse im Nahen Osten und im Mittelmeerraum zur Folge hatte. Einte die griechisch-römische Kultur in den vorherigen Jahrhunderten die Staaten um das Mittelmeer, so beendete die islamische Expansion diese Einheit. Ab dem 7. Jahrhundert trennt das Mittelmeer mehr den christlichen Norden vom islamischen Süden, als dass es die Staaten an seinen Ufern eint. Den indischen Subkontinent teilten sich mehrere Fürstentümer, die miteinander konkurrierten, sich jedoch auch kulturell beeinflussten. China gewann unter der Tang-Dynastie an Größe, Macht und Einfluss. Seine Kultur übte einen prägenden Einfluss auf die anderen Staaten Ostasiens aus.

Europa

Hauptartikel: Frühmittelalter

Politische Entwicklungen

Im Bezug auf die Geschichte Europas wird dieses Jahrhundert dem Frühmittelalter (ca. 500–1050) zugeordnet. Zu Beginn des Jahrhunderts gelingt es dem merowingischen König Chlothar II. das durch den merowingischen Bruderkrieg geteilte Frankenreich wieder zu vereinen. Als Preis für die Einigung gestand der König dem Adel im Edictum Chlotharii zu, dass alle lokalen Amtsträger (Grafen) nur aus dem grundbesitzenden Adel der jeweiligen Region gewählt wurden. An die Spitze der Teilländer Austrien und Neustrien wurde ein Hausmeier gestellt. Nach dem Tod seines Sohnes, König Dagobert I., im Jahr 639 wurde das Reich administrativ geteilt, wobei Austrien und Neustrien jeweils von einem eigenen König regiert wurden. Durch innere Kämpfe und zahlreiche Regierungszeiten minderjähriger Könige verlor das merowingische Königtum zunehmend an Bedeutung. Das stärkte die Stellung der östlich des Rheins wohnenden germanischen Volksgruppen der Thüringer und Alemannen. Zwar gehörten diese immer noch zum Frankenreich, unter der Führung von Stammenherzögen erzielten sie jedoch einen hohen Grad an Autonomie. Ferner wuchs den Hausmeiern der Reichsteile Austrien und Neustrien, deren Amt im Laufe des Jahrhunderts erblich wurde, die faktische Herrschaft über ihren Reichsteil zu. Am Ende des Jahrhunderts konnten die Pippiniden, die späteren Karolinger, das Hausmeieramt beider Teilreiche auf sich vereinen und ihren Aufstieg beginnen. Im folgenden Jahrhundert einigten sie das Frankenreich und vergrößerten es zur dominierenden Macht West- und Mitteleuropas.

Nachdem das toledanische Westgotenreich zu Beginn des Jahrhunderts die letzten oströmischen Gebiete an den Küsten eroberte, beherrschte es die ganze iberische Halbinsel. Im Laufe des Jahrhunderts belasteten Machtkämpfe um das Königsamt das Land und führten zu einer Steigerung der Macht des Adels. So wurde ab dem Jahr 633 der westgotische König von Adeligen gewählt. Dem von König Rekkared I. im Jahr 587 eingeleiteten Wechsel der Westgoten vom arianischen zum katholischen Bekenntnis der iberoromanischen Bevölkerung, folgte im 7. Jahrhundert die Vereinheitlichung des Rechts für beide Bevölkerungsgruppen. Damit waren die trennenden Gegensätze zwischen beiden Bevölkerungsgruppen beseitigt und es entstand diesbezüglich eine innere Einheit.

Das Reich der Langobarden auf der italienischen Halbinsel wurde von Königen regiert, die in rascher Folge wechselten. Das hinderte die Langobarden jedoch nicht ihren Eroberungszug zu Lasten des oströmischen Reiches fortzusetzen. Zur Jahrhundertmitte beherrschten sie große Teile des italienischen Festlandes. Einige Hafenstädte an der Adria, ein Landstreifen in Mittelitalien in der Höhe von Rom und große Teile Süditaliens blieben jedoch oströmisch. Die oströmischen Hafenstädte, Venedig und Ancona an der italienischen Adriaküste ermöglichten den wirtschaftlich wichtigen Handel mit den Kerngebieten des oströmischen Reiches. Auch im Langobardenreich begann im 7. Jahrhundert eine Katholisierung der eingewanderten Germanen. Die Übernahme des Bekenntnisses der römischen Bevölkerungsmehrheit setzte sich jedoch erst Anfang des 8. Jahrhunderts vollständig durch.[3]

Nachdem im vorherigen Jahrhundert das oströmische Reich sein Gebiet auf dem Balkan gegen das Reitervolk der Awaren und die Slawen mit den Balkanfeldzügen des Maurikios erfolgreich verteidigte, zog es Anfang des Jahrhunderts seine Truppen vom Balkan ab, um sie im Kampf gegen die Sassaniden einzusetzen. Dies schuf für die in Pannonien beheimateten Awaren die Gelegenheit ihre Macht zu Lasten des oströmischen Reiches auszudehnen. Ihre im Jahr 626 zusammen mit den Sassaniden durchgeführte Belagerung Konstantinopels scheiterte jedoch. In der ersten Jahrhunderthälfte wanderten Gruppen von Slawen in größerer Zahl in den Balkan ein. In der zweiten Jahrhunderthälfte konnten die slawischen Fürsten auf dem Balkan zunehmend Autonomie im Machtbereich der Awaren gewinnen. Auch im Norden des Awarenreiches führte Samo die Slawen zur Autonomie und gründete das erste slawische Reich Ostmitteleuropas.

Die Chasaren, ein Turkvolk, vergrößerten und festigten ihr nördlich des Kaukasusgebirges gegründetes Reich und begannen sich damit als Regionalmacht zu etablieren. Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen konnten sie in der zweiten Jahrhunderthälfte das nördlich des Schwarzen Meeres gelegene großbulgarische Reich erobern und zerstören. Einige dort lebende Bulgaren vereinigten sich daraufhin mit in der Nachbarschaft lebenden slawischen Gruppen und zogen auf den Balkan, wo sie um 680 das erste bulgarische Reich gründeten.

Gesellschaft, Wirtschaft und Recht

Das Leben der Menschen im 7. Jahrhundert war in hohem Maße abhängig von der Natur, so zum Beispiel von der Länge der Tage und dem Nahrungsangebot. Schon in den vorherigen Jahrhunderten führten durch Unwetter verursachte Hungersnöte und Seuchen, wie die justinianische Pest, sowie kriegerische Auseinandersetzungen zu einem Bevölkerungsrückgang, der zur Mitte des 7. Jahrhunderts seinen Tiefpunkt erreichte. Die Kindersterblichkeit war hoch und die Lebenserwartung lag nach überstandener Kindheit bei 44 bis 47 Jahren. Die Menschen ernährten sich überwiegend von Getreideprodukten, ferner von Milchprodukten und Gemüse.[4]

Die Gesellschaft war stark agrarisch geprägt. Der weitaus größte Teil der Menschen wohnte in kleinen Dörfern auf dem Land. Insbesondere in West- und Südeuropa existierten aber auch meist auf römische Gründungen zurückgehende Städte, deren Einwohnerzahl und Bedeutung jedoch erheblich geringer war als vor der Völkerwanderung. War die Verkleinerung der Städte nicht schon in vorherigen Jahrhunderten erfolgt, so setzte sie, wie in einigen Städten des Mittelmeerraums, spätestens in diesem Jahrhundert ein.

Die Gesellschaft der germanisch beherrschten Reiche war eine Ständegesellschaft, die sich in Adelige, Freie und Unfreie gliederte, wobei es regionale Unterschiede in der Ausgestaltung der Stände gab. Der jeweilige Status war erblich, jedoch war der gesellschaftliche Aufstieg oder Abstieg möglich und im Gegensatz zum Hochmittelalter viel häufiger. An der Spitze der Adeligen stand der König, der auf die Akzeptanz des Adels angewiesen war. Deshalb musste er bei der Herrschaftsausübung auf diesen Rücksicht nehmen, war er schwach so übernahmen die Adeligen faktisch die Regentschaft. Die Unfreien waren von einem Herren abhängig, der ihnen Schutz zu gewähren hatte, jedoch in fast allen Lebensbereichen über sie bestimmen konnte. Im Gegensatz zu den Sklaven der Antike wurden die Unfreien nicht als rechtliche Sache gesehen, so dass der Herr das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Unfreien zu wahren hatte.

Reichtum begründete sich im Wesentlichen auf Landbesitz. Der Grund und Boden gehörte meistens Großgrundbesitzern, wie Königen, Adeligen, Bischöfen oder Klöstern. Diesen bewirtschafteten sie zum Teil mit Hilfe ihrer Unfreien selbst, andere Teile verpachteten sie an freie Bauern. Der Fernhandel, für den die Flüsse einen wichtigen Transportweg darstellten, hatte seit der Spätantike stark abgenommen. Im 7. Jahrhundert erreichte der Mittelmeerhandel einen Tiefpunkt, während sich der Handel des Frankenreiches in dieser Zeit mehr und mehr nach Norden orientierte.

In den Reichen der Franken, Westgoten und Langobarden unterlagen die eingewanderten Germanen, die geschätzt 2 bis 5 % der Bevölkerung stellten,[5] und die Bevölkerung römischen Ursprungs jeweils einem eigenen Recht. Im Westgotenreich führte König Rekkeswinth im Jahr 654 ein einheitliches Recht für beide Bevölkerungsgruppen ein. Die beiden anderen Reiche folgten diesem Beispiel im nachfolgenden Jahrhundert. War eine schriftliche Fixierung des Rechtes der germanischen Einwanderer im Westgoten- und Frankenreich mit dem Codex Euricianus und der Lex Salica schon in den vorausgegangen Jahrhunderten erfolgt, geschah dies im Reich der Langobarden in diesem Jahrhundert durch das Edictum Rothari. Das Recht einiger zum Frankenreich gehörender, östlich des Rheins lebender, germanischer Volksgruppen wurde ebenfalls in diesem Jahrhundert schriftlich niedergelegt.

Religion und Kultur

Die herrschende Religion der kontinentalen Germanenreiche der Franken, Westgoten und Langobarden war das Christentum. Der Bekehrung der germanischen Führungsschicht der Franken im vorherigen Jahrhundert, die zunächst oft nur formell war, folgte eine christliche Unterweisung und inhaltliche Bekehrung, die in diesem Jahrhundert fortgesetzt wurde. Neben der Amtskirche spielten hier auch die Klöster eine wichtige Rolle.

Die christlichen Kirchen waren als Nationalkirchen vollständig in das Herrschafts- und Gesellschaftssystem der jeweiligen Reiche eingebunden. Sie nahmen sowohl geistliche als auch weltliche Aufgaben war. Herrschaftlich und wirtschaftlich sowie teilweise auch geistlich waren sie dem jeweiligen König unterstellt. Überwiegend wurden Klostergründungen von Königen oder Adeligen vorgenommen, die auch nach der Gründung diese für ihre wirtschaftlichen, herrschaftlichen oder geistlichen Interessen nutzten. Viele der von zahlreichen adeligen Frauen gegründeten Frauenklöster dienten diesen zur Altersversorgung. Den zahlreichen Klosterneugründungen, im Frankenreich hat sich ihre Anzahl in diesem Jahrhundert mehr als verdoppelt, standen schon in diesem Jahrhundert häufige Klagen über die Abkehr des Klosterlebens vom monastischen Ideal gegenüber.[6]

Iroschottische Mönche zogen vom christlichen Irland und Schottland vorwiegend nach England und ins fränkische Reich, um die Bevölkerung zum christlichen Glauben zu bekehren oder diesen bei ihr zu vertiefen. Dazu gründeten sie zahlreiche Klöster. Bei der Bekehrung der Angelsachsen kam es zu Differenzen mit römischen Missionaren, die England von Süden im Auftrag des Papstes missionierten. Diese wurden in der Synode von Whitby zugunsten der römischen Missionare beigelegt. Schon zum Ende des 7. Jahrhunderts begannen angelsächsische Kleriker in Kontinentaleuropa zu missionieren. Die angelsächsische Mission, die im 8. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte, trug neben der iro-schottischen Mission wesentlich zur Verbreitung des Christentums in Europa bei.

Nur wenige Menschen, fast ausschließlich Kleriker und Angehörige der Oberschicht, waren fähig schriftlich zu kommunizieren, wobei die Verbreitung der Lese- und Schreibfähigkeit zum Ende des Jahrhunderts weiter abnahm. Im 7. Jahrhundert entwickelte sich die Schriftsprache von Latein immer mehr zu einer romanischen Sprache. Als Schreibstoff wurde insbesondere im Frankenreich statt Papyrus immer häufiger Pergament eingesetzt.

Mittelmeerraum und Naher Osten

Auch im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten endete spätestens in der Jahrhundertmitte die Spätantike.

Oströmisches / Byzantinisches Reich

Größere Gebietsverluste als in Europa erlitt das oströmische Reich, das durch innere Unruhen geschwächt war, durch den im Jahr 603 beginnenden Eroberungszug des von Chosrau II. beherrschten persischen Sassanidenreiches. Die Eroberung Syriens, Palästinas und schließlich Ägyptens (619) war für das oströmische Reich besonders wirtschaftlich ein schwerwiegender Verlust. Der seit 610 regierende Kaiser Herakleios schaffte es durch einen siebenjährigen Krieg, für den er alle Ressourcen seines Reiches mobilisierte, die verlorenen Gebiete von den Persern zurückzuerobern. Nach dem Friedensschluss zwischen den Kriegsparteien (629) ließ der Krieg beide Reiche geschwächt zurück. Die folgende islamische Expansion führte ab dem Jahr 634 zu einem jetzt endgültigen Verlust der zurückeroberten Gebiete. Mit den Gebietsverlusten in Italien und auf dem Balkan schrumpfte das Reich bis zum Ende des Jahrhunderts auf ein Drittel des Territoriums, das es zu Beginn des Jahrhunderts beherrschte.

Das oströmische Reich wandelte sich ab dem 7. Jahrhundert so grundlegend, das es in der Folgezeit von heutigen Historikern byzantinisches Reich genannt wird. Den Wandel führten der Verlust von zwei Dritteln des Staatsgebietes, der Verlust bedeutender wirtschaftlicher Ressourcen – insbesondere durch den Verlust Ägyptens – und die Abwehrkämpfe gegen seine äußeren Feinde herbei. Ihn kennzeichnete die Entwicklung von einer kulturell und religiös heterogenen Gesellschaft, mit vielen städtischen Zentren, zu einer vom griechisch-orthodoxen Bekenntnis und der griechischen Kultur geprägten Gesellschaft. Es begann ein Prozess, der militärischen Aspekte in Gesellschaft und Staat einen immer stärkeren Rang einräumte. Neue von Militärgouverneuren geleitete Militärbezirke, die Themenbezirke entstanden. Damit verbunden war die Wandlung des Heeres von einem steuerfinanzierten Berufsheer in ein regional organisiertes, durch Landbesitz abgegoltenes Heer. Waren die Themenbezirke in diesem Jahrhundert noch lokal beschränkt, verbreiteten sie sich in den folgenden Jahrhunderten über das gesamte Reich und verdrängten die zivile Verwaltung.

Islamische Expansion und Kalifenreich

Hauptartikel: Islamische Expansion

Ab dem Beginn des Jahrhunderts warb Mohammed auf der arabischen Halbinsel Anhänger und stiftete eine der Weltreligionen, den Islam. Er vereinte die unterschiedlichen Stämme und Gruppen der arabischen Halbinsel in einer übergeordneten Gemeinschaft, der Umma. Als seine Nachfolger wurden die Kalifen gewählt. Die ersten vier Kalifen stammten aus der näheren Verwandtschaft Mohammeds und werden auch „rechtgeleitete Kalifen“ genannt. Für einen Teil der Muslime hatten nur ʿAlī ibn Abī Tālib, der vierte „rechtgeleitete Kalif“ und Schwiegersohn Mohammeds, und dessen Nachkommen einen legitimen Anspruch auf das Kalifenamt. Die unterschiedliche Auffassung über die Rechtmäßigkeit der Nachfolge Mohammeds teilt bis heute die Muslime in solche, die nur Ali und seine Nachkommen anerkennen, die Schiiten, und solche die alle „rechtgeleiteten Kalifen“ anerkennen, die Sunniten.

Mitte der 630er Jahre begann die militärische Expansion des Kalifenreiches, auch islamische Expansion genannt. Die Araber eroberten große Gebiete des oströmischen Reiches, wie Syrien, Palästina und Ägypten. Neben der gewaltsamen Erstürmung der Städte war die Verhandlung einer Kapitulation eine Methode der Eroberung. Im Jahr 642 errangen die Araber einen entscheidenden Sieg über das Sassanidenreich. Dennoch zogen sich die anschließenden Eroberungen des Ostens des Reiches noch einige Jahre hin. Zur Sicherung ihrer Eroberungen stationierten die Araber Truppen in den bestehenden Städten oder gründeten Militärlager, aus denen mit der Zeit Städte, wie das irakische Basra, entstanden. Die Eroberungszüge unter den ersten Kalifen wurden im Wesentlichen autonom von lokalen Anführern gesteuert, die parallel zueinander operierten.[10]

In der Mitte des Jahrhunderts kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den arabisch-muslimischen Anhängern und Gegnern des vierten Kalifen ʿAlī ibn Abī Tālib. In deren Folge kämpften zum ersten Mal zwei muslimische Armeen gegeneinander. Nach Alis Tod im Jahr 661 setzte sich sein Gegenspieler Muʿāwiya I. als Kalif durch. Dieser unterschied sich von seinen Vorgängern, weil er weder aus dem familiären Umfeld Mohammeds stammte, noch sich bei seiner Unterstützung Verdienste erworben hatte. Vielmehr stammte er von den mekkanischen Machteliten ab, die den Propheten der Muslime zunächst bekämpften. Da Muʿāwiya zuvor Gouverneur der Provinz Syrien war, wo er seine Machtbasis hatte, verlegte er die Hauptstadt vom arabischen Mekka ins syrische Damaskus. Indem er durchsetzen konnte, dass sein Sohn zu seinem Nachfolger als Kalif erklärt wurde, begründete er die Umayyaden-Dynastie. Da mehrere arabische Gruppen damit nicht einverstanden waren, kam es im Jahr 680 zu einem Bürgerkrieg, den erst der nachfolgende umayyadische Kalif Abd al-Malik im Jahr 691 beenden konnte. Auch unter den Kalifen der Umayyaden-Dynastie wurde das Kalifenreich durch Eroberung weiter ausgedehnt, so dass es gegen Ende des Jahrhunderts ein Gebiet von Nordafrika bis nach Zentralasien umfasste.

Während die Eroberer die politische und militärische Gewalt in den eroberten Gebieten übernahmen, ließen sie die Zivil- und Finanzverwaltung bestehen. Damit gab es nur wenige einheitliche Strukturen im Kalifenreich des 7. Jahrhunderts. Erst zum Ende des Jahrhunderts wurde unter Abd al-Malik das Griechische und Persische als Amtssprache durch das Arabische ersetzt. Die Einführung des Dinars als Währung des Kalifenreiches demonstrierte die arabische Herrschaft, führte jedoch nicht zu einem einheitlichen Münzsystem.

Die Kalifen setzten Gouverneure ein, die die Provinzen relativ autonom regierten. Auch andere höchste politische und militärische Ämter besetzten die Kalifen mit ihren arabischen Vertrauten, während in der Verwaltung auch hohe Posten von nicht arabischen Muslimen und lokalen Anhängern anderer Religionen bekleidet wurden.[12] Weite Gebiete des heutigen Irak sowie die byzantinischen und sassanidischen Krongüter gingen an die muslimische Gemeinschaft beziehungsweise die Kalifen.[13] Die Kämpfer erhielten anstelle von Sold einen Anteil an der übrigen Beute und einige Kämpfer auch finanzielle Zuwendungen. Der Erhalt dieser Zuwendungen setzte jedoch eine Aufnahme in ein Register, den Dīwān, voraus, die nur verdienten muslimischen Kämpfern zuteilwurde. Die Zuwendungen erfolgten durch Geldzahlungen, die auch aus Steuergeldern finanziert wurden. Diese wurden hauptsächlich von den Nicht-Muslimen aufgebracht, die eine spezielle Kopfsteuer (Dschizya) und eine Grundsteuer entrichten mussten.

Die muslimischen Eroberer übten auf die Bevölkerung der eroberten Gebiete keinen Zwang aus, zum Islam zu konvertieren. Die Anhänger der Buchreligionen aber auch die Zoroastrier konnten ihren Glauben größtenteils unbehelligt leben. Da den neuen Herrschern die konfessionelle Ausrichtung der anderen Religionen gleichgültig war, konnten einige Konfessionen, wie die Nestorianer im Irak, sich freier entfalten als unter der alten Herrschaft. Nach der Eroberung konvertierten zahlreiche Menschen zum Islam. Eine große Gruppe der Konvertiten waren Kriegsgefangene, die nach dem Übertritt zum Islam freigelassen wurden.[14] Unter der Leitung der ersten Kalifen wurde der Korantextfixiert und die Anfänge des islamischen Rechts, Scharia, etabliert. Im letzten Jahrzehnt wurden unter dem Kalifen Abd al-Malik bedeutende islamische Bauwerke, wie der Felsendom in Jerusalem, gebaut.

Einhergehend mit der Expansion etablierten arabische Kaufleute in alle Himmelsrichtungen Handelsrouten. Insbesondere der arabische Handel entlang der Seidenstraße mit China sowie mit Indien als auch entlang der ostafrikanischen Küste und zwischen den Gebieten nördlich und südlich der Sahara begann sich zu etablieren.

Afrika

Mitte des Jahrhunderts konnten die christlichen nubischen Staaten die Eroberungsversuche, die die Araber von Ägypten, das sie zuvor eroberten, aus vornahmen, erfolgreich abwehren. Anschließend schlossen jene Staaten mit dem arabischen Statthalter in Ägypten einen Friedensvertrag, der die christliche Herrschaft in Nubien für die nachfolgenden Jahrhunderte sicherte. In der zweiten Jahrhunderthälfte vereinigten sich zwei der drei nubischen Staaten, Nobatia und Makuria, zu einem einzigen Königreich.[15]

Auch wenn das am Horn von Afrika gelegene, christliche aksumitische Reich zunächst gute Kontakte zum Islam pflegte, hatte die islamische Expansion für es unmittelbare Auswirkungen. Seine politischen und kommerziellen Kontakte zum oströmischen Reich brachen mit den arabischen Eroberungen oströmischer Gebiete im östlichen Mittelmeerraum ab. Im Zuge dieser Schwierigkeiten intensivierte das Reich seine Beziehungen zu den nubischen Staaten.

Asien

Indischer Subkontinent

Der indische Subkontinent war in mehrere Herrschaftsgebiete aufgeteilt. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts konnte Harshavardhana ausgehend von seiner Hauptstadt Kannauj am mittleren Ganges das in Teilfürstentümer zersplitterte Nordindien sukzessive unter seiner Herrschaft vereinen. Seine Expansion nach Süden konnte jedoch durch das südwestindische Chalukya-Reich im Jahr 630 gestoppt werden. Das Reich Harshas brach nach seinem Tod 647 zusammen.

In den Auseinandersetzungen mit ihrem südostindischen Nachbarreich Pallava konnten die Chalukya-Könige zwar taktische, jedoch keine nachhaltigen Siege erziehen. Dennoch kam es im Zuge der Auseinandersetzung zu einem kulturellen Austausch zwischen den Reichen. Bei seinen Feldzügen nach Sri Lanka setzte das Pallava-Reich erstmals in der indischen Geschichte in konzentrierter Form Seestreitkräfte ein und schaffte damit eine Basis, auf der der Nachfolgestaat der Chola seine Seeherrschaft vom 10. bis zum 12. Jahrhundert aufbauen konnte.[16]

Zur Ausübung der Herrschaft in weiten Teilen ihres Herrschaftsgebietes bedienten sich die Herrscher größerer indischer Reiche, wie Harsha, der Hilfe verbündeter Herrscher und unterworfener Regionalfürsten.[17]

Wichtigstes Element der indischen Wirtschaft war die Landwirtschaft. In diesem Jahrhundert wurden wie in den vergangenen und folgenden Jahrhunderten die Ausdehnungen der landwirtschaftlichen Flächen kontinuierlich fortgesetzt. Besonders in Südindien wurden komplexe Bewässerungssysteme genutzt, erweitert und verbessert.[18]

In Indien waren Hinduismus, Buddhismus und Jainismus nebeneinander verbreitet. Mit dem Tod Harshavardhana im Jahr 647, einem Förderer des Buddhismus, verlor dieser zunehmend Anhänger sowohl bei den Eliten als auch beim Volk. Der Hinduismus gewann auf Kosten der beiden anderen Religionen zunehmend an Bedeutung und Förderung. Buddhistische Klöster, die noch großen Landbesitz hatten, verloren zu Gunsten der Brahmanen an politischem Einfluss. Das 7. Jahrhundert war ein Höhepunkt der Errichtung hinduistischer Höhlentempel.

Zentralasien

In Zentralasien waren die westlichen Kök-Türk bis zur Jahrhundertmitte die bedeutendste Regionalmacht. Bis zum Jahr 630 konnten sie ihren Herrschaftsbereich vom kaspischen Meer bis zum Tarimbecken und von der kasachischen Steppe bis zum nördlichen Hindukusch ausdehnen. Die nomadischen Türk profitierten von den Abgaben der ackerbauenden Bevölkerung, die in Gebieten wie Sogdien und den Oasen des Tarimbeckens lebte. Ferner erzielten die Nomaden wirtschaftlichen Wohlstand aus der Kontrolle von Teilen der Seidenstraße. Zusätzlichen Nutzen zogen sie von der Zusammenarbeit mit sogdischen Kaufleuten, die einen bedeutenden Teil des Handels auf der Seidenstraße betrieben. In den oströmisch-sassanidischen Kriegen unterstützen sie Ostrom, indem sie das sassanidische Reich von Osten angriffen. Mit dem Vordringen der Araber im Westen und der Niederlage gegen China im Jahr 657 im Osten verloren die westlichen Türk zunehmend an Einfluss.[19] Die östlichen Türk waren 630 von den Chinesen unterworfen worden und dienten diesen als Söldner. Im Zuge der wachsenden politischen Probleme Chinas am Ende des Jahrhunderts lösten sie sich aus der chinesischen Abhängigkeit und errichteten das „zweite türkische Reich“.[20]

China

Hauptartikel: Tang-Dynastie

Politische Entwicklung

In China wurde 618 die Sui-Dynastie von der Tang-Dynastie abgelöst. Der letzte Sui-Kaiser verfolgte das im vorherigen Jahrhundert begonnene Projekt der Einigung des über Jahrhunderte zersplitterten Chinas unter einer zentralistischen Herrschaft. Mehrere Großprojekte, wie die Erweiterung des Kaiserkanals und die Befestigung der Nordgrenze, sowie zahlreiche Feldzüge, besonders die Niederlage gegen das nordkoreanische Goguryeo banden viele Ressourcen, zerrütteten die Staatsfinanzen und forderten große Opfer unter der Bevölkerung. Dieses, wie die Versuche des Kaisers den alten Adel zu entmachten, führten zu zahlreichen Revolten im Land. Vor dem Hintergrund dieser Probleme konnte General Li Yuan die Macht erringen und als Kaiser Tang Gaozu die Tang-Dynastie begründen. Diese stellte in den folgenden Jahren die innere Stabilität wieder her. Mit der Unterwerfung der östlichen Kök-Türk, die zuvor zahlreiche Raubzüge in China unternahmen, konnten die Tang die Bedrohung aus dem Norden im Jahr 630 bannen. In den folgenden Jahren dehnten die Tang das Reich insbesondere entlang der Seidenstraße bis nach Zentralasien aus, wobei sie die westlichen Kök-Türk besiegten. Die konkurrierenden Expansionsbestrebungen des chinesischen und des tibetischen Reiches führten in diesem Jahrhundert zu zahlreichen militärischen Auseinandersetzungen.

Durch Intrigen und Machtränke stieg Wu Zetian in der zweiten Jahrhunderthälfte von einer kaiserlichen Konkubine zur faktischen Herrscherin (ab 660) und schließlich zur Kaiserin Wu Zhao (690) auf. Sie war die einzige Frau, die jemals China offiziell als Kaiserin regierte. Unter ihrer Führung konnte China die meisten Angriffe seiner Nachbarn auf die Grenzgebiete abwehren.

Kultur und Beziehungen zu anderen Staaten

Durch Siege über die Osttürken und die Westtürken wurde der chinesische Herrschaftsbereich entlang der Seidenstraße ausgedehnt und mit Garnisonen gesichert. Das brachte den Handel auf der Seidenstraße zu einer neuen Blüte. Verstärkt kamen Waren und Ideen aus dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten, Indien und Zentralasien nach China. Die Offenheit der chinesischen Politik galt auch den ostasiatischen Nachbarn. Vermehrten wirtschaftlichen und kulturellen Austausch gab es mit den koreanischen Staaten und Japan. Für einflussreiche Gruppen in diesen Ländern wurde die chinesische Kultur zum Vorbild. Die chinesische Hauptstadt Chang’an, die an der Seidenstraße lag, wird heute vielfach als die größte und kulturell bedeutendste Stadt der Welt zu dieser Zeit angesehen.[21] In ihr lebten Menschen aus vielen Regionen der Welt. Die Existenz kleiner Minderheiten von Juden, Christen und Muslimen, die ihren Glauben relativ frei praktizieren konnten, gilt als Zeichen der Offenheit der Tang-Kaiser. Die Kaiser versuchten Daoismus und Buddhismus für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Dabei griffen sie fördernd, aber auch reglementierend in Glaubensinhalte und -organisation ein. Während die ersten Tang-Herrscher vorwiegend den Daoismus förderten, begünstigte Kaiserin Wu Zhao den Buddhismus, besonders die Chan-Schule. Neben diesen Religionen beeinflusste auch der Konfuzianismus die staatliche Ordnung.

Mit der Stabilität, der Offenheit nach außen und dem wachsenden wirtschaftlichen Wohlstand blühten Dichtkunst, Erfinder- und Entdeckergeist und andere kulturelle Aktivitäten auf. Die Gründung mehrerer staatlicher Hochschulen, die auch der Beamtenausbildung dienten, förderte die Verbreitung von Wissen. In der Enzyklopädie Yiwen leiju versuchte man das erworbene Wissen zu sammeln und geordnet aufzuschreiben. Der buddhistische chinesische Pilgermönch Xuanzang reiste über die Seidenstraße nach Zentralasien und nach Indien. Neben zahlreichen religiösen Schriften, die die Ausbreitung des Buddhismus in China förderten, brachte er Reisebeschreibungen mit, die noch heute als wichtige Quelle für das Leben im damaligen Indien gelten.

Gesellschaft, Wirtschaft und Recht

Aufgrund der Ergebnisse der damals durchgeführten Volkszählungen wird die Einwohnerzahl Chinas in diesem Jahrhundert auf etwa 50 Millionen geschätzt.[22] Die Bevölkerung konzentrierte sich entlang der fruchtbaren Ufer des gelben Flusses,[23] wobei ein Teil in Städten wohnte, die weit größer als die Europas waren. Im Laufe des 7. Jahrhunderts setzte ein bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung ein. Dieser wurde durch mehrere Faktoren bedingt. Der Kaiserkanal verband den Jangtsekiang mit dem gelben Fluss und damit den südchinesischen Wirtschaftsraum mit dem Nordchinesischen.[24] Das ermöglichte einen verstärkten Import landwirtschaftlicher Produkte aus dem fruchtbaren Süden, was die Verfügbarkeit von Lebensmitteln im Norden steigerte. Ferner wurden die Verwaltung und das Steuersystem reformiert. Der zuvor knappe Umlauf von Kupfermünzen wurde beschleunigt und im Bereich der Kreditinstrumente kam es zu Innovationen. Eine Landreform teilte das Land in genormte Parzellen auf, die Bauern, Beamten und Adel zugeteilt wurden. Porzellan wurde gewerbsmäßig in größeren Mengen hergestellt.[25]

Die Tang-Kaiser übernahmen von den Sui die zentralistische Staatsordnung, die letzte etabliert hatten. Die Herrschaft wurde durch ein hierarchisches Beamtensystem ausgeübt das dem Kaiser unterstellt war. Im Gegensatz zu den Sui würdigten die Tang-Herrscher bei der Herrschaftsausübung und Postenbesetzung stärker die traditionellen Rechte der Adelsschicht. Für einen Beamtenposten konnten sich die Bewerber sowohl durch eine Empfehlung als auch durch eine bestandene Beamtenprüfung qualifizieren, wobei insbesondere die Stellen in den regionalen Präfekturen primär durch Empfehlungen besetzt wurden. Von der Politik des jeweiligen Kaisers hing es ab, ob ein höherer Beamtenposten aufgrund einer Empfehlung oder einer bestandenen Prüfung besetzt wurde. An den Prüfungen für höhere Stellen nahmen überwiegend die Söhne der Eliten teil, so dass unabhängig von der Wahl des Zugangs die hohen Posten von der Elite besetzt wurden.[26]

Die bereits vorhanden schriftlichen Gesetze wurden im 7. Jahrhundert systematisiert und reformiert. Das von den Tang eingeführte Gesetzbuch, das eine Gleichheit vor dem Gesetz anstrebte, war auch in den nachfolgenden Jahrhunderten Grundlage der Strafrechts und wurde später auch in Japan übernommen.

Ost- und Südostasien

Im Hochland von Tibet gründete Songtsen Gampo das Königreich von Tibet, indem er die dort heimischen Fürstentümer nacheinander unterwarf. Im Zuge einer Expansionspolitik führte Tibet unter seinen Nachfolgern in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Kriege mit China über die Kontrolle des Tarimbeckens, in dem Teile der Seidenstraße verlaufen. Dabei gelang es Tibet in den 670er Jahren größere Teile des Beckens unter seine Kontrolle zu bringen. In den 690er Jahren konnte China diese Gebiete wieder zurückerobern. Im 7. Jahrhundert konnte sich der Buddhismus erstmals in Tibet etablieren, während er sich im folgenden Jahrhundert flächendeckend verbreiten konnte.

Im Norden der koreanischen Halbinsel lag das Reich Goguryeo, das China von Beginn des Jahrhunderts zu erobern suchte. Die im Süden der koreanischen Halbinsel gelegenen Reiche Silla und Baekje waren mit China beziehungsweise mit Goguryeo verbündet. Im Jahr 660 half China dem Königreich Silla seinen Rivalen Baekje zu erobern. Acht Jahre später gelang es Silla und China dann, das Reich Goguryeo zu besiegen. Anschließend versuchten die Chinesen, die Gebiete der beiden besiegten Reiche zu kolonisieren. Daraufhin wandte sich Silla gegen seinen ehemaligen Verbündeten China und vertrieb ihn von der koreanischen Halbinsel. Das Gebiet von Baekje und große Teile des ehemaligen Goguryeo wurden nun Teil des Reiches Silla. In diesem regierte ein König über eine Ständegesellschaft, die sich nach „Knochen-Klassen“ gliederte. Die Abstammung bestimmte die Klassenzugehörigkeit. Seit der Mitte des Jahrhunderts drängten die Könige den Einfluss der oberen Klassen zu ihren Gunsten zurück.[27]

In Japan, in dem das 7. Jahrhundert der Asuka-Zeit zugeordnet wird, erfolgten durch den Kaiserhof weitreichende Reformen. Die sogenannte 17-Artikel-Verfassung war eine Schrift zur ethischen Ausübung der Herrschaft, die sowohl von der Staatsreligion, dem Buddhismus, als auch von konfuzianischen Einflüssen geprägt war. Durch die Taika-Reformen des Jahres 646 wurde der japanische Zentralstaat etabliert, der sich stark an dem chinesischen Staatsmodell orientierte. Das Land wurde formal Eigentum des Kaisers, der es jedoch der Kontrolle der Adelsfamilien überließ, die es bisher besaßen. Im 7. Jahrhundert wurde eine Hofhierarchie etabliert. Ferner bezeichneten sich die japanischen Herrscher erstmals als Kaiser, ab den 670er Jahren mit dem Titel Tennō.

Kreuzten die Handelsrouten zwischen Indien und China vor dem 7. Jahrhundert die malaiische Halbinsel über den Landweg, benutzten die Kaufleute ab dem 7. Jahrhundert durchgehend den Seeweg, indem sie durch die Straße von Malakka um die malaiische Halbinsel herumfuhren.[28] Das auf der südostasiatischen Insel Sumatra gegründete Königreich Srivijaya dehnte sich durch Eroberungen bis zum Ende des Jahrhunderts auf große Teile des Südens der Insel aus. Damit schaffte es die Basis dafür, die Verlagerung des Handelsverkehrs in die Straße von Malakka zu nutzen und in den folgenden Jahrhunderten zur bedeutendsten Thalassokratie Südostasiens aufzusteigen.

Die verstärkte aktive Aneignung indischen Wissens, Kultur und Religion durch die Herrschereliten Südostasiens kann für die Zeit ab dem 7. Jahrhundert belegt werden.[29] So war das Königreich von Srivijaya buddhistisch geprägt.

Amerika

In Mittelamerika stand das Reich der Maya in voller Blüte. An der Westküste Südamerikas wurde Tiahuanaco zur Zentralstadt einer Pre-Inka-Kultur ausgebaut. Nördlich von dieser etablierte sich die Wari-Kultur. Die nördlich der Wari-Kultur beheimatete Moche-Kultur erlebte ihren Niedergang, wahrscheinlich aufgrund von Klimaeinflüssen.

Ereignisse

Europa

Mittelmeerraum und Naher Osten

Asien

  • 604: Der japanische Prinzregent Shōtoku Taishi erließ die 17-Artikel-Verfassung (憲法十七条 Kenpō-jūshichi-jō).
  • 618: Li Yuan stürzte den letzten chinesischen Sui-Kaiser und gründete als Kaiser Tang Gaozu die Tang-Dynastie
  • 630: Chinesische Truppen schlagen die östlichen Kök-Türk in einer Schlacht vernichtend und nehmen ihren Khan gefangen. Die damit verbundene Eingliederung der östlichen Kök-Türk in das chinesische Reich träg zu dessen Stabilisierung bei.
  • 646: Die Taika-Reformen wurden erlassen, die Verwaltung, Steuerrecht und die Grundbesitzverhältnisse neu ordneten.
  • 690: Wu Zetian wird einzige Kaiserin Chinas.

Persönlichkeiten

Erfindungen und Entdeckungen

 


Artikel basiert auf dem Eintrag „7. Jahrhundert“ der deutschen Wikipedia, Autoren siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Das 6. Jahrhundert AD

Das 6. Jahrhundert begann am 1. Januar 501 und endete am 31. Dezember 600.

Zeitalter/Epoche

Hauptartikel: Spätantike

Europäischer Kulturraum

Das sechste Jahrhundert gilt als das letzte Jahrhundert der Spätantike und zugleich als das erste des Frühmittelalters. In die Mitte des 6. Jahrhunderts fällt das Ende der Völkerwanderungs­zeit.

Das weströmische Reich ist bereits vor Jahrzehnten zerfallen: Seit 476/80 gibt es für den Westen des Imperium Romanum keinen eigenen Kaiser mehr, und in Mittel- und Südwesteuropa beginnen sich auf den Trümmern des kollabierten Imperiums poströmische Reiche unter zumeist germanischen Herrschern zu bilden: Das Ostgotenreich Theoderichs in Italien, Westgoten und Sueben auf der Iberischen Halbinsel, das Reich der Franken unter den Merowingern, Burgunden, Thüringer, Gepiden in Ungarn und Siebenbürgen, Vandalen in Nordafrika, auf Sardinien und Korsika.

Die formale und teils auch faktische Oberhoheit der oströmischen Kaiser ist aber im 6. Jahrhundert auch im Westen noch weitgehend unangefochten. Kaiser Justinian lässt seine Generäle seit 533 Nordafrika, Italien mit Sardinien und den Süden Spaniens erobern; er herrscht 565 nach der restauratio imperii nochmals über ein Reich, das sich von Gibraltar über Italien und den Balkan bis nach Ägypten, Syrien und Georgien erstreckt – ein letzter Höhepunkt der spätrömischen Geschichte und zugleich ein mögliches Datum für das „Ende der Antike“. Die Kaiser nach Justinian sprechen kein Latein mehr, und Ostrom wandelt sich zusehends in das griechische Byzanz des Mittelalters.

Seit 541 wütet die Justinianische Pest im Mittelmeerraum und fordert in mehreren Wellen über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Opfer, bevor die Krankheit im 8. Jahrhundert aus Europa verschwindet, um erst 1347 erneut auszubrechen.

Ab 568 fallen die Langobarden in Italien ein; dies gilt traditionell als der Endpunkt der spätantiken Völkerwanderung. Die Bajuwaren werden um 550 erstmals erwähnt und besiedeln das nördliche Alpenvorland. In die durch die Völkerwanderung entvölkerten ehemaligen ostgermanischen Gebiete wandern slawische Völker (z. B. Wenden) ein. Etwa um diese Zeit sind die Slawen auch auf dem Balkan präsent, die ab den 580er Jahren zu einer dauerhaften Ansiedlung südlich der Donau übergingen, wenngleich die Landnahme der Slawen auf dem Balkan durch die Balkanfeldzüge des Maurikios (ab 592) verzögert wird. Zusammen mit den Langobarden dringen auch die ursprünglich zentralasiatischen Awaren in den Raum Ungarn/Östliches Österreich ein. Das Reich der fränkischen Merowinger erreicht um 560 seine vorerst größte Ausdehnung und gerät nach 562 aufgrund innerer Wirren in eine Schwächephase. Die arianischen Westgotenkönige treten 589 zum katholischen Christentum über.

In England bedrängen die Angelsachsen zunehmend die einheimischen romano-keltisch-christlichen Regenten. Der Abwehrkampf lässt wohl die Sage von König Artus entstehen. Die keltische Kirche Englands geht gegen Ende des Jahrhunderts in der römisch-katholischen Kirche auf. In Skandinavien erstarken Kleinkönigtümer, die den Ostseehandel betreiben. In Schweden beginnt die Vendelzeit.

Naher und mittlerer Osten

Von Syrien bis Pakistan und an die Grenzen der Gobi erstreckt sich das neupersische Reich der Sassaniden, unter Chosrau I. auf dem Höhepunkt seiner Macht. Mit einem persischen Angriff beginnt 540 nach dem Bruch des Ewigen Friedens von 532 ein neuer Krieg zwischen Ostrom und den Sassaniden – die römisch-persischen Kriege – der (mit zwei kurzen Unterbrechungen) bis 630 dauert und die Islamische Expansion ermöglicht.

Um 560 vernichten die Perser das Reich der hunnischen Hephthaliten durch ein Bündnis mit den Türken, die sich aber wenig später gegen ihre vormaligen Verbündeten wenden und 572 im Bündnis mit den Oströmern die Sassaniden angreifen. Diese können sich aber im Zweifrontenkrieg behaupten.

Um 570 erfolgt die Geburt des Propheten Mohammed, der dann, muslimischer Überlieferung zufolge, um 610 den Erzengel Gabriel empfangen und damit zum Begründer einer neuen Weltreligion werden sollte.

Ferner Osten

Das Kaiserreich China ist seit 420 in die Südliche und Nördliche Dynastien gespalten, erst die Sui-Dynastie eint 581 das Reich für knapp 40 Jahre wieder, mit wirtschaftlichem Aufschwung und kultureller Neuorganisation. Über die Seidenstraße beginnt sich der Buddhismus in China zu verbreiten, dehnt sich auch nach Korea und auch Japan aus. Hier endet die antike Kofun-Zeit und beginnt die Asuka-Zeit 582 mit der Übernahme des Buddhismus als Staatsreligion, oder 590 mit einer buddhistischen Kaiserdynastie. Damit einher geht die Verbreitung der chinesischen Schrift in Japan.

Ereignisse

Persönlichkeiten

Die Zeitrechnung „AD“

In diesem Jahrhundert wurde die Zeitrechnung „AD“ durch Dionysius Exiguus oder auch Denys der Kleine bzw. der Geringe (* um 470; † um 540) festgelegt. Daher gilt er traditionell als Begründer der christlichen Zeitrechnung, die er im Jahre 525 erstmals vorschlug. In jüngster Zeit wurde allerdings die Hypothese aufgestellt, er habe sein Konzept aus einem verlorenen Werk des Eusebius von Caesarea übernommen.

Sofern Dionysius die christliche Ära entwickelt haben sollte, ging er nach Studium des damals bekannten Wissens recht pragmatisch vor.

Zur Berechnung des Osterdatums bedient man sich bis heute unter anderem des 19-jährigen Metonischen Zyklus. Der genaue Ostertermin eines jeden Jahres innerhalb eines solchen Zyklus wurde auf so genannten Ostertafeln dargestellt. Trotz der Bezeichnung legen sie den gesamten christlichen Mondkalender fest. Die ersten Ostertafeln erstellten Theophilos und sein Nachfolger Kyrillos, Patriarchen von Alexandria, bereits seit Ende des 4. Jahrhunderts. Theophilos ließ den ersten Zyklus seiner Tafeln mit dem Jahr 96 (96 = 19 × 5 + 1) der damals üblichen Diokletianischen Ära (379/380 n. Chr.) beginnen. Der letzte Zyklus dieser Tafeln endet mit dem Jahr 228 dieser Ära (= 511/512 n. Chr.).

Wegen des umstrittenen Ostertermins des Jahres 526 wandte Dionysius sich dem Thema zu. Ihm lag noch, wie er es in seinen Schriften erwähnt, eine Tafel für den 13. Zyklus der Diokletianischen Ära (229–247 = 513–531 n. Chr.) vor. Inzwischen war aber von Anianos, einem ägyptischen Mönch des 5. Jahrhunderts, bereits der sogenannte alexandrinische Zyklus zu 532 Jahren (532 = 19 × 28) entwickelt worden, der den 19-jährigen Metonischen Mondzyklus mit dem 28-jährigen sogenannten Sonnenzyklus der Wochentage im Sonnenkalender verbindet.

Dionysius erkannte nun im Jahr 241 nach Diokletian (525 n. Chr.) folgendes: Mit dem Jahr 247 nach Diokletian (531 n. Chr.) werden 13 Metonische Zyklen innerhalb dieser Ära vergangen sein. Gestützt auf andere Quellen wusste er, dass zwischen dem Beginn der Ära Diokletians am koptischen Neujahrstag (1. Tout) des Jahres 1 nach Diokletian (29. August 284) und dem Ende der Herrschaft des Königs Herodes in etwa fünfzehn weitere Metonische Zyklen, also 285 Jahre, verflossen sein mussten. Dies ergäbe einen kompletten alexandrinischen Zyklus zu 532 Jahren.

Er beschloss deshalb, auf seine Tafeln ab dem Jahr 248 nach Diokletian (in römischem Stil mit dem 1. Januar als Jahresbeginn, also etwa vier Monate später), auch die Jahresangabe anni ab incarnatione Domini (lateinisch für „Jahre nach der Inkarnation des Herrn“) zu schreiben. Letztere ist im Vergleich zur ersteren um genau 284 (15 × 19 − 1) Jahre erhöht, was wiederum bedeutet, dass der vorangegangene, gerade ablaufende, alexandrinische 532-Jahre-Zyklus mit dem geschichtlichen Jahr 1 v. Chr. begonnen haben muss. Über ein genaues Jahr für die Geburt Jesu von Nazaret (Jahr 1 v. oder n. Chr.) äußert sich Dionysius Exiguus, entgegen vielen anderslautenden Behauptungen, aber nicht explizit. Später errechnete man, dass das Jahr 1 n. Chr. dem römischen Jahr DCC.LIV (754) ab urbe condita entspricht, seit der legendären Gründung Roms.

Diese Rechnung in christlichen Jahren war seinerzeit noch lange ausschließlich Komputisten vorbehalten. Beda Venerabilis, ein englischer Benediktiner, vervollständigte die ursprünglich nur auf 95 Jahre (532–626) ausgelegten dionysianischen Tafeln zu einem kompletten zweiten alexandrinischen Zyklus (532–1063). Damit erlangte die Zeitrechnung nach Dionysius Exiguus allmählich innerkirchliche Anerkennung. Die Zeitrechnung wurde von Beda erstmals in seinen historischen Schriften verwendet.

Die Fürsten des frühen Mittelalters zogen noch lange ihre eigenen Herrschaftsjahre zur Datierung vor, ebenso wie Bischöfe und Päpste. Ins allgemeine Bewusstsein des Volkes wurde die christliche Ära wohl spätestens mit der Kaiserkrönung Karls an Weihnachten 800 gerückt. In amtlichen Dokumenten zur Regel wurde sie in Westeuropa gegen Ende des ersten Jahrtausends, im orthodoxen Russland zum Beispiel nicht vor Peter dem Großen.

International hat die Rechnung in christlichen Jahren gemäß Dionysius Exiguus gegenwärtig weltweit offizielle Gültigkeit.

Im Europa des frühen Mittelalters kannte niemand die Ziffer oder die Zahl Null. Trotzdem erweckt die Anwesenheit des lateinischen Wortes nulla ‚kein‘ in der dritten Kolonne seiner Ostertafel den Eindruck, dass Dionysius Exiguus jene wichtige Zahl bekannt war. Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass sein nulla eine echte „Null“ war. Er gebrauchte sie auch nicht in seinen Berechnungen. Darum ist bei den Zeitangaben „vor Christus“ stets zu bedenken, dass nach der astronomischen Jahreszählung, die das Jahr Null enthält und die mit dem Minus-Zeichen versehen werden, wenn die Jahre vor dem Jahr 0 gemeint sind, ein Jahr von der Jahresangabe v. Chr. abzuziehen ist. So trank etwa Sokrates im Jahre 399 v. Chr. den Schierlingsbecher, was dem astronomischen Jahr −398 entspricht.

Im Europa des Mittelalters wurde erst ab dem 13. Jahrhundert (vereinzelt) die Zahl Null arithmetisch verwendet, die allgemeine Akzeptanz kam erst seit der Renaissance.

 


Artikel basiert auf den Einträgen „6. Jahrhundert“ (Autoren) und „Dionysius Exiguus“ (Autoren) der deutschen Wikipedia. Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Das 5. Jahrhundert AD

Das 5. Jahrhundert begann am 1. Januar 401 und endete am 31. Dezember 500.

Zeitalter/Epoche

Hauptartikel: Spätantike

Ereignisse/Entwicklungen

Persönlichkeiten

Erfindungen und Entdeckungen

 


Artikel basiert auf dem Eintrag „5. Jahrhundert“ in der deutschen Wikipedia, Autoen siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Das 4. Jahrhundert AD

Das 4. Jahrhundert begann am 1. Januar 301 und endete am 31. Dezember 400.

Es gehört zur Epoche der Spätantike.

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen

Persönlichkeiten

  • Chrocus (ca.260-3??) war 306 an der Erhebung von Konstantin zum Caesar (Unterkaiser) beteiligt.
  • Konstantin (etwa 280–337), römischer Kaiser (ab 306). Machte Byzanz („Konstantinopel“) zur Hauptstadt des römischen Imperiums und legte damit den Grundstein für die Entstehung eines eigenständigen „Ostreichs“. Trug entscheidend dazu bei, dass das Christentum Staatsreligion wurde. Erließ Gesetze zum Schutze von Sklaven und führte erfolgreiche Kriege im Zeichen des Kreuzes.
  • Axid (etwa 291–347), nordafrikanischer Freiheitskämpfer. Schuf die quasi-kommunistische revolutionäre Bewegung der „Circumcellionen“ und kämpfte unter Einbeziehung christlicher Ideale für die ausgebeuteten Sklaven, Bauern und Arbeiter seines Landes. Unterlag gegen das römische Heer
  • Ermanarich (305370), König der Ostgoten (Ostrogoten, Greutungen) ab 350. Einiger der südrussischen Gotenvölker und Reichsgründer. Besiegte Slawen, Finnen und Germanen und auch römische Heere, unterlag jedoch gegen die Hunnen.
  • Schapur II. (309379), König von Persien. Bekämpfer des Christentums und Förderer der persischen Zarathustra-Religion. Kämpfte erfolgreich gegen Rom und gegen die Hunnen und konnte so sein Reich vergrößern beziehungsweise erhalten.
  • Wulfila (lat. Ulfilas; etwa 310–383), erster Bischof der Westgoten (Wisigoten, Terwingen). Er bekehrte sie zum arianischen Christentum. Er erfand eine neue Schrift für die Gotische Sprache, die bisher in germanischen Runen geschrieben worden war. Sie war eine Abwandlung der griechischen Schrift mit einigen lateinischen Buchstaben.
  • Martin von Tours (lat. Martinus), (* um 316); † 8. November 397), dritter Bischof von Tours und französischer Nationalheiliger. Er quittierte 356 aus christlicher Überzeugung seinen Kriegsdienst als römischer Offizier und wurde 372 zum Bischof von Tours geweiht. Er gilt als Bindeglied zwischen Rom und dem Frankenreich.
  • Ammianus Marcellinus (* um 330; † um 395), römischer Historiker. Er war neben Prokopios von Caesarea der bedeutendste spätantike Geschichtsschreiber.
  • Julian (331363), römischer Kaiser ab 360. Entließ Tausende überflüssiger Beamter, senkte die Steuern und ordnete das Unterrichtswesen. Versuchte erfolglos, dem Vordringen des Christentums im römischen Reich Einhalt zu gebieten.
  • Ambrosius (* 339; † 4. April 397, Kirchenlehrer und Bischof von Mailand.
  • Theodosius, der ‚Gotenfreund‘ (347395), römischer Kaiser spanischer Herkunft (379395) und letzter Herrscher eines vereinten Römischen Reiches. Nach schwerer Krankheit strenggläubiger Christ, setzte er endgültig das Dreifaltigkeitsdogma von der Göttlichkeit Jesu durch.
  • Balamir (auch Balamber, etwa 350–404), angeblich König der Hunnen. Soll über die Wolga vorgedrungen sein und das Reich der Alanen an Terek, Kuban und am unteren Don vernichtet haben. Er soll auch mit seinen Reiterheeren Ermanarichs neu gegründetes Ostgotenreich erobert und Goten zu Heeresfolge und Tribut gezwungen haben. Seine Historizität ist aber umstritten.
  • Gratian (etwa 359–383), römischer Kaiser (375–383). Unter dem Einfluss des Ambrosius verzichtet er auf das bisher vom Kaiser bekleidete Amt des „Oberpriesters“ und machte das Christentum zur beherrschenden Macht im zerfallenden Reich.
  • Stilicho (um 360–408), römischer Feldherr und Staatsmann. Nach dem Tod von Theodosius Regent Westroms. Besiegte Alarich den König der Westgoten und auch ins Reich einfallende Germanen und Ostgoten. Besiegelte mit seiner Gebietsforderung an Ostrom die endgültige Teilung des römischen Reichs.
  • Alarich I. (etwa 374–410), König der Westgoten. Führer des Aufstands von 391, besiegt Theodosius. Nach wechselndem Kriegsglück Eroberung Roms und Tod 410.

Erfindungen und Entdeckungen

 


Artikel basiert auf dem Eintrag „4. Jahrhundert“ in der deutschen Wikipedia, Autoren siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Das 3. Jahrhundert AD

Das 3. Jahrhundert begann am 1. Januar 201 und endete am 31. Dezember 300. Es markiert für das Römische Reich den Übergang vom Prinzipat zur Spätantike.

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen

Bauwerke

Persönlichkeiten

  • Cao Cao (155–220), Wegbereiter der Wei-Dynastie
  • Cyprian, nordafrikanischer Kirchenlehrer und Bischof von Karthago
  • Plotin, griechischer Philosoph aus Alexandria; gilt als der Hauptvertreter des Neuplatonismus
  • Paulus von Samosata, Kirchenlehrer aus Vorderasien, Bischof von Antiochia und Ratgeber der Königin Zenobia von Palmyra; wurde als Häretiker aus der christlichen Kirche exkommuniziert
  • Sima Yi (179–251), Wegbereiter der Jin-Dynastie
  • Sima Yan (236–290), Vereiniger Chinas
  • Aurelian, römischer Kaiser von 270 bis 275
  • Diophantos von Alexandria, griechischer Mathematiker
  • Longinos, griechischer Philosoph und Sprachwissenschaftler syrischer Herkunft
  • Schapur I., König von Persien (Sassanidenherrscher)
  • Zenobia, Herrscherin von Palmyra und des römischen Orients
  • Mani, persischer Religionsbegründer des Manichäismus
  • Pappos, griechischer Mathematiker in Alexandria
  • Kelsos griechischer Philosoph (Platoniker), älteste bekannte Streitschrift gegen das Christentum „Wahre Lehre“.
  • Origenes, christlicher Theologe, wurde beauftragt eine Schrift gegen Kelsos zu verfassen.
  • Porphyrios, Philosoph (Neuplatoniker) aus Vorderasien
  • Probus, römischer Kaiser von 276 bis 282
  • Diokletian, römischer Kaiser von 284 bis 305
  • Pamphilos von Caesarea, Priester und Kirchenlehrer aus Phönizien; wurde als Christ gefoltert, eingekerkert und enthauptet
  • Antonius der Große, auch Antonius Abbas oder Antonius Eremita, ägyptischer Mönch, Asket und Einsiedler
  • Arius, christlicher Presbyter aus Alexandria. Nach ihm ist die Lehre des Arianismus benannt
  • Lactantius, ein aus der Provinz Africa stammender Priester, Rhetoriker und Kirchenlehrer
  • Eusebius von Caesarea, Bischof und Kirchenlehrer als Vater der Kirchengeschichte bezeichnet
  • Jamblichos, griechischer Philosoph aus Chalkis (Syrien)
  • Bhasa, indischer Dichter, Vorreiter des klassischen indischen Dramas
  • Donatus, nordafrikanischer Religionsphilosoph und Priester
  • Konstantin I., auch bekannt als Konstantin der Große, war römischer Kaiser von 306 bis 337
  • Fasir, nordafrikanischer Prediger und Freiheitskämpfer
  • Liu Hui, chinesischer Mathematiker

Erfindungen und Entdeckungen

 


Artikel basiert auf dem Eintrag „3. Jahrhundert“ in der deutschen Wikipedia, Autoren siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Das 2. Jahrhundert AD

Das 2. Jahrhundert begann am 1. Januar 101 und endete am 31. Dezember 200.

Im Mittelmeerraum fällt es in die Epoche der Antike.

Zeitalter/Epoche

Ereignisse/Entwicklungen

Politik und Gesellschaftsordnung

Kriege und Revolutionen

Kultur, Kunst, Wirtschaft und Soziales

Persönlichkeiten

Einige der aufgelisteten Persönlichkeiten wurden schon gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts geboren und werden dennoch hier aufgeführt; andere wiederum wurden zwar in diesem Jahrhundert geboren, werden aber erst im nächsten Jahrhundert aufgeführt. Dies rührt daher, dass es als Kriterium für die Aufnahme nicht entscheidend war, ob das Geburtsjahr in dieses Jahrhundert fällt, sondern ob das hauptsächliche Werk und Wirken der Person in diesem Jahrhundert stattfand. Freilich ist eine klare Abgrenzung dieser Art nicht immer möglich.

Wissenschaft, Forschung, Erfindungen und Entdeckungen

Bauwerke

 


Artikel basiert auf dem Eintrag „2. Jahrhundert“ der deutschen Wikipedia, Autoren siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

 

Das 1. Jahrhundert AD

Das 1. Jahrhundert begann am 1. Januar 1 und endete am 31. Dezember 100.

Zeitalter/Epoche

Das 1. Jahrhundert zählt im Mittelmeerraum zur Epoche der Antike.

Ereignisse/Entwicklungen

Persönlichkeiten

  • Nero, römischer Kaiser. Tötete Mutter und Ehefrau. Ordnete die erste Christenverfolgung an, galt aber auch als Förderer der Künste.
  • Flavius Josephus, jüdischer Geschichtsschreiber
  • Titus, römischer Kaiser. Schlug den jüdischen Aufstand nieder, woran der nach ihm benannte Triumphbogen (Titusbogen) erinnert.
  • Plutarch, griechischer Philosoph und Schriftsteller
  • Cai Lun (Tsai Lun), chinesischer Forscher. Erfinder des Papiers.
  • Domitian, römischer Kaiser. Ließ einen Grenzwall (Limes) zu Germanien erbauen. Verfolgte Forscher und Philosophen und später willkürlich auch angesehene römische Bürger. Wurde ermordet.
  • Epiktet, griechischer Philosoph (Stoiker). Forderte Nächsten- und Feindesliebe, moralisches Handeln und Verzicht auf materielle Güter. Lehnte das Christentum ab.
  • Tacitus, römischer Geschichtsschreiber und Staatsmann
  • Apollodor von Damaskus, römischer Architekt. Schuf, neben vielen weiteren Bauwerken, mit dem „Trajansforum“ eines der bedeutendsten Bauwerke des Altertums.
  • Juvenal, römischer Dichter und Kämpfer gegen gesellschaftliche Ungleichstellung, Ausbeutung und Unterdrückung, sowie religiösen Fanatismus.
  • Decebalus, der letzte König von Dakien
  • Publius Quinctilius Varus, römischer Feldherr und Politiker
  • Natakamani, das nubische Reich von Meroe erlebt seine größte Blütezeit.
  • Euphorbus, griechischer Arzt

Einige der aufgelisteten Persönlichkeiten wurden schon gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts geboren und werden dennoch hier aufgeführt. Andere wiederum wurden zwar in diesem Jahrhundert geboren, werden aber erst im nächsten Jahrhundert aufgeführt. Dies rührt daher, dass es als Kriterium für die Aufnahme nicht entscheidend war, ob das Geburtsjahr in dieses Jahrhundert fällt, sondern ob das hauptsächliche Werk und Wirken der Person in diesem Jahrhundert stattfand. Freilich ist eine klare Abgrenzung dieser Art nicht immer möglich.

Erfindungen und Entdeckungen

  • Zu Beginn des 1. Jahrhunderts werden in Rom erstmals Fenster aus rohem Glas gebräuchlich.
  • In Rom werden um das Jahr 17 aus einzelnen Kupferdrähten geflochtene stabile Drahtseile hergestellt.
  • In Rom werden Operationsbestecke mit mehr als 100 Einzel-Instrumenten eingesetzt.
  • Um das Jahr 52 wird in Italien ein 5,6 km langer Entwässerungstunnel zur Ableitung des Wassers aus dem Fuciner See durch den Monte Salviano getrieben.
  • Um die Mitte des 1. Jahrhunderts kommen in Rom neben den bisher üblichen Truhen erstmals Schränke in Gebrauch.
  • Zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts: die erste Hängebrücke aus eisernen Ketten wird in China errichtet.
  • In Rom wird das Schloss für Schlüssel mit Bärten erfunden.
  • Mit dem Ausgang des 1. Jahrhunderts kommen die ersten Glasspiegel in Gebrauch: hinter einer Glasplatte wird dünn ausgewalzte Zinnfolie als reflektierende Fläche angebracht. Die Glasspiegel verdrängen bald die bisher verwendeten Spiegel aus poliertem Metall.

Sonstiges

  • Die im Mittelmeerraum begehrte Arznei- und Gewürzpflanze Silphium stirbt infolge Raubbaus aus.

 


Text basiert auf dem Eintrag „1. Jahrhundert“ der deutschen Wikipedia, Autoren siehe hier! Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen.

Am Anfang…

Erster Hirte: Ist schon AD?
Zweiter Hirte: Ungefähr viertel nach.

– Monty Python’s „Das Leben des Brian“ – geschnittene Szene

Mit Hilfe des Wunders der modernen Technik wollen wir beim „Phantastischen Projekt“ den historischen Kontext darstellen, in dem alles stattfindet, was die Menschen so erleben, doch dabei scheitern wir leider an den Grenzen von WordPress. Immerhin gestattet und WordPress, so weit in die Vergangenheit zurück zu reisen, wie wir es hier gerade tun, aber offenbar ist diese Zeitmaschine nicht von Doc Brown erfunden worden, denn: Weiter zurück geht es nicht. Das allererste Datum der Menschheitsgeschichte, das man bei WordPress einstellen kann, ist der 1. Januar 100 A.D. Dabei ist schon vor diesem Datum eine Menge geschehen.

Am Anfang entstand das Universum. Das wurde allenthalben kritisiert und als ein Schritt in die völlig falsche Richtung gesehen. Dann entstand das Sonnensystem mit seinen Planeten, und schließlich die Erde. Irgendwann entstand durch Evolution der moderne Mensch.

Zwischen 200.000 und 100.000 Jahren vor der Zeitrechnung

Die ersten Menschen, die in einem Tal im Osten Afrikas auftraten, beginnen, das Tal zu verlassen und den afrikanischen Kontinent zu besiedeln.

Zwischen 70.000 und 60.000 Jahren vor der Zeitrechnung

Die Menschen verlassen den afrikanischen Kontinent und breiten sich über die ganze Erde aus. Besonderheiten des Klimas helfen ihnen dabei, sogar bis auf den australischen (ca. 60.000 Jahre vor der Zeitrechnung) und den amerikanischen Kontinent (ca. 15.000 bis 11.000 Jahre vor der Zeitrechnung) vorzudringen.

Ungefähr 40.000 Jahre vor der Zeitrechnung

Die Menschen beginnen, Dinge, die für sie Bedeutung haben, anhand von Höhlenmalereien aufzuzeichnen. Höhlenwände sind damit die ersten Speichermedien der Geschichte.

Doch immer noch wanderten die Menschen umher. Durch ein Ereignis ungefähr 10.000 Jahre vor der Zeitrechnung änderte sich jedoch alles. Es ist der Zeitpunkt, an dem eine neue Ära der Menschheit anbrach:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/czgOWmtGVGs

Ja, wahrlich ein Grund für eine neue Zeitrechnung. Leider lässt sich auf diesem Blog nur die genormte Zeitrechnung darstellen, deswegen müssen wir hier auf diese Weise weitermachen. Aber wir wissen, dass wir eigentlich 10.000 Jahre dazu addieren müssen.

Die Entwicklungen im Bereich des Schreibens und der Informationsverarbeitung seit dem Beginn der Menschheitära waren:

Ungefähr 3.500 Jahre vor der Zeitrechnung

Die Menschen entwickeln Tontafeln als Aufzeichnungsmedium und eine Keilschrift, um Dinge einheitlich schreib- und lesbar zu machen.

Ungefähr 3.000 Jahre vor der Zeitrechnung

Im Alten Ägypten wird ein Verfahren entwickelt, aus dem Stängel der Papyruspflanze flache, beschreib- und aufrollbare Blätter herzustellen.

Ungefähr 800 Jahre vor der Zeitrechnung

Der Kodex, eine Zusammenfassung mehrerer Holztafeln und später Blätter, eine erste Form des Buches, wird entwickelt und verdrängt langsam den Papyrus. Letzterer hielt sich allerdings noch bis nach der Zeitenwende.

Zwischen ungefähr 7 vor der Zeitrechnung und dem Jahr 30

Das Leben und Sterben des Jeschua von Nazareth inspiriert nicht nur eine Weltreligion, sondern auch eine Zeitrechnung, die sich nicht ständig durch die Regierungszeit eines neuen Regenten ändert, sondern eine einheitliche Berechnung ermöglicht. Eine genaue Berechnung des Geburtsjahrs des Religionsstifters war den ersten Christen jedoch unbekannt, das Jahr „0“ wurde erst später festgelegt. Allerdings sieht es so aus, als sei Jeschua zwischen 7 und 4 vor dem errechneten Jahr 0 geboren. Die neue Zeitrechnung wird „AD“ genannt (= „Anno Domini“ = „Jahr des Herrn“).

Aber es existieren auch andere Berechnungen. Das Jahr 100 AD entspricht im äthiopischen Kalender dem Jahr 92 / 93, nach der buddhistischen Zeitrechnung 643/644 (südlicher Buddhismus) beziehungsweise 642/643 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) und im jüdischen Kalender 3860/61.