Die flammende Spur

In der Serie „Monty Python’s Flying Circus“ gab es eine Folge mit Sketchen, in denen spezielle Nachrichten gezeigt wurden, Nachrichten für Papageien, Nachrichten für Koalas und so weiter. Die Nachrichten gingen alle ungefähr so:
„Kein Papagei wurde verletzt bei einem Eisenbahnunglück nördlich von London…“

Stefan Niggemeier untersucht in seinem Blog in dem Beitrag „Ein Anschlag auf Diekmanns Kindersitze?“ die merkwürdige Betonung in einigen Agenturmeldungen über den Brandanschlag auf das Auto des Bild-Chefs Kai Diekmann, dass in dem Auto Kindersitze und ein Kinderwagen verbrannt (oder beschädigt worden) seien und stellt die berechtigte Frage, welche Relevanz die Kindersitze in den Meldungen haben. Der Brandanschlag an sich ist schon verurteilenswert genug, wozu also diese besondere Note?
Bekommen wir analog zu den oben zitierten Sketchen von Monty Python vielleicht in Zukunft solche Meldungen zu hören: „Bei den Krawallen gingen fünf Autos in Flammen auf. Zum Glück befanden sich in keinem davon Kindersitze!“?

Das Satire-Magazin „Titanic“ hat übrigens eine ganz eigene Erklärung für den Brand gefunden…

STAR WARS: Episode I – VI als Hörspiele

Wie angekündigt geht es nun weiter mit Hörspiel-Rezensionen. Heute möchte ich meinen Blick den STAR-WARS-Hörspielen zuwenden.

Wie ich schon in dem anderen Bericht angemerkt hatte, gab es in den 1970er und 1980er Jahren noch keine oder noch nicht so viele Videorekorder und die Zweitvermarktung von Kinofilmen für den Fernseher steckte noch in den Kinderschuhen. In dieser Zeit etablierte sich das „Hörspiel zum Film“, das in einigen Fällen parallel zum Film herauskam, meistens jedoch etwas später. Dabei wurde meistens die Original-Tonspur des Films verwendet und mit einem Erzähler ergänzt.

Mein persönliches erstes STAR-WARS-Hörspiel, das ich auch immer noch besitze, ist eine Langspielplatte mit dem Titel „Krieg der Sterne (The Story of Star Wars)“. Als Erzähler fungiert hier F. J. Steffens und der Text ist manchmal etwas eigenwillig, etwa wenn er R2D2s „Sprache“ als „Krks und Tschieps und Rks und Pieps“ bezeichnet oder Chewbacca als „Hundemensch“. Vielleicht entstand aber so die Inspiration für den „Möter“ aus Mel Brooks‘ „Spaceballs“.
Doch ansonsten ist es sehr stimmungsvoll, manchmal etwas übertreibend, etwa wenn die Explosion des Todessterns am Schluss als „Lichtball, wie ihn hundert Sonnen nicht erschaffen können“ beschrieben wird.
Um auf Schallplattenlänge zu kommen, musste natürlich einges des ursprünglich über 2 Stunden langen Filmes eingekürzt werden, aber das geschah sehr geschickt und fällt nicht weiter auf.

„Das Imperium schlägt zurück“, die Fortsetzung, erscheint mir manchmal so ein wenig wie das „Stiefkind“ der Reihe, denn so sehr ich auch gesucht habe, ich fand nie ein Hörspiel zu diesem Film. Mit einer Ausnahme: Ein Verlag für Kleinkind-Hörspiele (!!) adaptierte den Film zu einem „Lesen und Hören“-Erlebnis. Dabei wurde die Handlung auf 20 Minuten (!!!) gekürzt und von komplett anderen Sprechern aufgenommen. Dadurch kam es zu mancher Merkwürdigkeit, etwa als Darth Vader die Kopfgeldjäger ganz höflich als „meine Herren“ bezeichnet.

„Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ wurde wiederum bearbeitet, es handelt sich hierbei um eines jener „legendären“ Hörspiele mit Erzähler Volkert Kraeft. Legendär sind an diesen Hörspielen die Erzähltexte von Petra Schmidt-Decker, gepaart mit Volkert Kraefts mitreißender Art zu erzählen. So wird der Hörer gleich zu Beginn darüber aufgeklärt, worum es in der Geschichte geht: „Krieg! Krieg! Krieg! Krieg ist Kampf! Um Macht! Macht aber wird von Macht bestimmt, und über jedem, der sie besitzt, gibt es einen, der noch mehr hat; einen, der nicht genug bekommen kann; einen, dessen Größenwahn die Auslöschung der anderen fördert! Macht… positiv genutzt ist Macht Energie… Kraft… Bewegung… Negativ genutzt führt sie zur Unterdrückung… zum Kampf… zum Krieg. Dieser letzte Krieg, der Krieg in der Galaxis, ist der KRIEG DER STERNE…“. Da es auf Kassette erschien, war man nicht an die Grenzen einer Schallplatte gebunden und die Schnitte in der Handlung waren begrenzt.
Den kraftvollen Texten von Petra Schmidt-Decker verlieh Volkert Kraeft besondere Gestalt, beispielsweise als er bei der berühmten Speeder-Bike-Jagd mit Luke und Leia im Wald von Endor die Worte so schnell sprudeln lässt, dass man den Eindruck hat, er sitzt direkt hinter Luke auf dessen Speeder-Bike und moderiert live mit.

Im Rahmen der Neubearbeitung der ursprünglichen Trilogie und dem Erscheinen von Episode I bis VI machte sich nun WORTART auf, alle Filme neu als Hörspiel zu bearbeiten . Oliver Döring, der auch die Hörspielbearbeitung von „Labyrinth des Bösen“ machte, zeichnet für den Text verantwortlich, als Erzähler wurde Joachim Kerzel, der unter anderem Synchronsprecher von Jack Nicholson ist, verpflichtet. Im Gegensatz zu „Labyrinth des Bösen“, das auf 3 CDs verteilt ist, wurde jedoch hierbei ein Film auf eine CD gebannt. Bei maximal 80 Minuten Laufzeit bedeutet das zwangsweise, dass Dinge eingekürzt werden müssen. Zunächst betrifft das natürlich alle Passagen, die sehr visuell sind, wie etwa Raumschlachten. Daneben wurden kleine Nebenhandlungen entfernt, wie Han Solos Begegnung mit Greedo in Episode IV oder Solos und Chewies Schießerei mit dem imperialen Suchdroiden in Episode V (der Schnitt wurde hier so geschickt gemacht, dass es sich anhört, als würde Leia auf dem Display erkennen, dass es sich bei dem fremden Objekt um einen imperialen Suchdroiden handeln).

Der Text dieser Bearbeitung wurde mit viel Sachverstand angegangen, Namen von Personen und Bezeichnungen von Geräten oder Fahrzeugen, die im Film nicht ausdrücklich genannt werden aber den Fans bekannt sind, sind korrekt verwendet. Der Text beschreibt die Situationen, so weit es nötig ist und ist meiner Meinung nach nicht aufdringlich. Und da WORTART die ganze Serie herausgebracht hat, ist eine Kontinuität vorhanden, bis auf zwei Kleinigkeiten: die Titel. Episode I bis III wird vom Sprecher als „STAR WARS Episode…“ vorgestellt, das Cover von CD und CD-Box ist entsprechend gestaltet, Episode IV bis VI wird als „Krieg der Sterne. STAR WARS, Episode…“ bezeichnet und die Schriftzüge auf CD und CD-Box sind nach den alten Kinofilmen gestaltet.

Alles in allem ist die Bearbeitung sehr gelungen und wie ich schon in meiner Rezension von „Labyrinth des Bösen“ vermerkte, hoffe ich, dass das nur der Anfang einer Reihe sein wird, die noch kommt. Der Möglichkeiten gibt es viele („Schatten des Imperiums“, „Erben des Imperiums“ etc.)…

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Alles Idioten – nur ich nicht!

Leider gibt es Menschen, die immer dann, wenn ihnen in einer Diskussion die Argumente ausgehen, beleidigend werden. Da wird schnell mal jeder, der nicht ihrer Meinung ist, zum „Idioten“ oder gar „Vollidioten“. So geschehen…. bei 9LIVE. Im letzten Beitrag dieses Blogs ging es um die Berichte über die zweifalhaften Methoden hinsichtlich des so genannten „Hotbutton“ (oder „Hot Button“, weil „Heißer Knopf“ zu langweilig klingt). Ein Moderator des Senders sah sich daraufhin genötigt, eine „Gegenoffensive“ zu starten (und zum wiederholten Male steigen bei diesem Begriff im Hinterkopf die unsäglichen Worte auf: „Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen…“). Der Inhalt der Gegenoffensive, die Moderator Robin Bade startet? Alles Idioten! Wer glaubt, da gehe etwas nicht mit rechten Dingen zu – alles Idioten! Nein, Vollidioten. Und mit Vollidioten kann man nicht reden. Warum also mit ihnen reden, wenn man so schön über sie schimpfen kann?

Einen Großteil des Textes sowie einen Link auf ein Video hat Stefan Niggemeier hier veröffentlicht, call-in-tv.de hat Meldungen zur neuesten Entwicklung auf dem Call-In-TV-Markt hier und DWDL.de stellt hier den interessanten Vergleich zwischen Bades Worten und den säuselnden Versprechungen einer Sekte her.

Die Wandlung des Sumpfs

Nachdem ich die Geschichte „Meine Begegnungen am Sumpf“ in diesem Blog veröffentlicht hatte, habe ich einige sehr positive Rückmeldungen erhalten. Und manche fragten mich, ob denn der Sumpf keine Möglichkeit hat, sich zu wandeln. Doch, natürlich hat er die. Und gerade heute habe ich durch Zufall eine Geschichte gefunden, die ich sehr passend finde. Da sie nicht von mir ist, gebe ich sie hier nicht wieder, sondern verweise auf eine andere Webseite, wo sie unter dem Titel „Der Felsen und der Sumpf“ zu lesen ist (es sind zwei Geschichten auf dieser Seite, die vom Felsen und vom Sumpf ist weiter unten).
Bevor Sie hier weiterlesen, gehen Sie bitte zuerst auf diese Seite und lesen sich die Geschichte durch. Sie ist kurz und prägnant. Anschließend können Sie hierher zurückkehren, denn im Folgenden will ich etwas auf diese Geschichte eingehen.

Der Sumpf, den ich in meiner Erzählung beschrieben habe, ist etwas anders als der in dieser Geschichte, er lässt sich nämlich nicht auf andere ein. Insofern ähnelt er eher dem Fels. Möglicherweise erleben wir hier zwei Formen der Wandlung. Der Sumpf aus meiner Geschichte wird sich zum Felsen wandeln, da er immer härter wird. Er lässt sich nicht auf andere ein. Auch nicht auf die Bäche aus der anderen Geschichte. Also kommt kein frisches Wassser in den Sumpf, keine frischen Gedanken und Ideen. Der Sumpf erstarrt und erhebt sich als Felsen über die Landschaft.
Anders ist der Sumpf aus der anderen Geschichte, er ist offen und begrüßt die zwei Bäche, die zu ihm fließen. Und im Zuge seiner Offenheit wandelt er sich zu einem See, und immer mehr Lebewesen suchen seine Nähe. Durch die Offenheit wandelt sich sowohl der Sumpf als auch der Bach. An dem Fels jedoch würde der Bach abprallen. Der Bach wäre gezwungen, sich zu wandeln, während der Fels sich gar nicht wandelt. Diese Beziehung ist gänzlich anders, es herrscht kein Austausch, zumindest nicht auf der gleichen Ebene, denn während die Wandlung des Sumpfes zum See in einem relativ kurzen Zeitraum abläuft, bräuchte der Bach Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, um merkliche Spuren an dem Fels zu hinterlassen. Und diese wären im Vergleich zur Wandlung des Sumpfes minimal.

Jeder hat es in der Hand, am stetigen Wandel in der Welt teilzunehmen oder sich diesem zu verweigern. Bei letzterem darf man sich dann aber nicht wundern, wenn jemand – so wie der Bach zum Fels – sagt: „Ich will nicht Dein Freund sein.“ Wandel heißt aber nicht, dass man sich selbst völlig aufgeben muss. Ein See ist immer noch ein Gewässer, genauso wie ein Sumpf. Und es heißt auch nicht, dass man mit Jedermann befreundet sein muss. Das geht nicht. Man muss das rechte Maß finden, das ist die Schwierigkeit. Der Fels aus der zweiten Geschichte verlangt nur von den anderen die Wandlung, damit sie zu ihm passen. Er denkt, umgekehrt muss es nicht sein. Entweder die anderen passen oder nicht. Deswegen ist er am Schluss einsam.

Auf der Seite mit der Geschichte vom Fels und vom Sumpf findet sich noch eine andere, „Die Schwertlilie“. Diese hat ein interessantes Schlusswort, das auch auf diese Geschichte passt, denn es geht im Grunde um die Unkenntnis über andere, deswegen möchte ich dieses zum Abschluss hier zititeren:

„Die Hochmütigkeit und das Gefühl der Minderwertigkeit sind Geschwister. Sie entstehen aus Unkenntnis seiner selbst und der Umwelt.“

“Ich werd’ bekloppt! Der Hotbutton kann jederzeit zuschlagen! Rufen Sie jetzt an!”

„Mein Gott, so viel Geld! Für nichts! Einfach fürs Anrufen! Jederzeit kann der Hotbutton zuschlagen! Rufen Sie an! Jetzt! Das kann doch nicht so schwer sein! Ergänzen Sie die fehlenden Buchstaben zu einem sinvollen Begriff!“ Und während der Moderator beinahe einen Herzinfarkt bekommt – zumindest macht es den Eindruck -, fällt der Blick des zufällig bei 9Live vorbeizappenden Zuschauers auf eine so genannte „Flipchart“, auf der Folgendes steht:

„FERNSE_SENDER“

Was ist nur aus tm3 geworden? Erinnert sich noch jemand an den Namen? „tm3“ war einmal ein Fernsehprojekt. Offenbar war es aber nicht lukrativ genug, so dass man sämtliche Programminhalte kippte und den Namen änderte. Ja, man veranstaltete sogar einen Wettbewerb. Die Zuschauer sollten sich einen neuen Namen ausdenken. Bedingung: In dem Namen soll die Ziffer „9“ vorkommen. Stefan Raab machte darauf in seiner Sendung „TV TOTAL“ einen Aufruf, möglichst viele Leute sollen doch den Vorschlag „SCH**SSE HOCH NEUN“ einsenden, denn die Ankündigung des neuen Senders war, dass der Vorschlag mit den meisten Stimmen genommen wird. Ob das allerdings so stimmte oder ob der Name „9Live“ bereits feststand und der Wettbewerb nur ein Marketing-Gag war, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Doch eines lässt sich heute nachvollziehen, und das sind die Methoden des Senders. Manchem von uns ist es bestimmt auch schon mal merkwürdig vorgekommen, dass man beim Vorbeizappen auf dem Sender eine Situation sieht, wie sie ganz oben beschrieben ist – und wenn man eine Stunde später wieder vorbeizappt, stellt man fest, dass das geheimnisvolle Wort hinter „FERNSE_SENDER“ immer noch nicht gefunden wurde. In letzter Zeit mehren sich allerdings Hinweise darauf, dass das, was bisher nur vermutet wurde, doch zu stimmen scheint. Gerade der so genannte „Hotbutton“, bei dem die Moderatoren den Eindruck erwecken, hierbei handele es sich um einen mechanischen Zufallsgenerator der wirklich „jederzeit zuschlagen“ könne, entlarvt sich durch Aussagen von Mitarbeitern und nicht zuletzt eine Panne bei 9Live als Gerät, das von einem Redakteur aus Fleisch und Blut gesteuert wird und dass der „heiße Knopf“ immer dann „zuschlägt“, wenn gerade besonders viele Zuschauer anrufen.

Seit einiger Zeit beschäftigt sich auch der Medienjournalist Stefan Niggemeier mit 9LIVE. Sei es, dass er an das 2000-Tage-Jubiläum des Senders erinnert und kritische Fragen stellt (siehe hier) oder für einen Artikel der FASZ recherchiert und nochmal Fragen stellt (siehe hier) bezüglich der Transparenz der Gewinnspiele und ihrer Auflösung. Nun geht das Schauspiel – oder sollte man sagen, das Drama – um 9LIVE in eine neue Runde. Neben Niggemeier und einigen anderen Print-Journalisten ist unter anderem das Magazin „PlusMinus“ der ARD auf die Methoden des „Call-In-Senders“ aufmerksam geworden und berichtete kritisch darüber. Inzwischen gibt es sogar eine eigene Webseite, www.call-in-tv.de, die sich kritisch mit solchen Sendern auseinander setzt, und die auch schon einiges aufgedeckt hat.

Auf den neuesten Stand der Entwicklung bringt Stefan Niggemeier den Leser im aktuellsten Beitrag über 9LIVE, „Die Lügen und die Wahrheit„. Er nimmt einige Äußerungen von Geschäftsführern des Senders unter die Lupe und stellt sie in den Kontext seiner unzähligen Berichte in seinem Blog. Auch die Filmausschnitte, die call-in-tv.de archiviert hat und das abgekartete Spiel vor laufender Kamera zeigen, werden nicht ausgespart. Eine lesenswerte kleine Reise in den Abgrund, in dem mit den Hoffnungen von Zuschauern auf einen Gewinn gespielt wird und die Regeln dabei nach Gutdünken uminterpretiert werden.

Leider wirft einer der Kommentatoren des Berichts auf, was das Problem an solchen Artikeln ist: Jene, die sie lesen sollten, also die, die ständig bei den Gewinnspielen anrufen (im „PlusMinus“-Bericht taucht beispielsweise ein Rentner auf, der sich beschwert, 3.100 Euro Telefonkosten für 300 Anrufe zu haben), lesen keine Blogs, viele haben vermutlich nicht einmal einen Internetanschluss. Aber auch wenn Stefan Niggemeier und andere sowas wie Rufer in der Wüste sein mögen, das schmälert ihre Botschaft nicht im Geringsten.

In diesem Sinne: „Hart und entbehrungsreich ist das Leben in der Wüste; doch wahrlich, ich sage Euch: Geht in die Wüste und ernährt Euch vom Sand…“ (aus „Monty Python’s Das Leben des Brian“)

"Das Erbe der Kassetten-Kinder" von Annette Bastian

„Was bedeuten denn die drei Fragezeichen auf Eurer Karte? Man könnte ja meinen, dass Ihr Euren eigenen Fähigkeiten nicht traut?“
(Eine Reaktion auf die Visitenkarte des Detektiv-Trios „Die drei ???“)

Nachdem ich mit „Das Labyrinth des Bösen“ bereits eine Hörspielreihe rezensiert habe und es so aussieht, als könnten demnächst noch mehr Hörspiele dazukommen, möchte ich mich heute dem Phänomen „Hörspiel“ generell widmen, und das mit einer Rezension über ein Buch, das nicht nur Hörspiele, sondern auch ihre Anfangszeit und den ersten großen Erfolg unter die Lupe nimmt: „Das Erbe der Kassetten-Kinder“ von Annette Bastian. Leider ist die komplette Auflage des Buches inzwischen wohl ausverkauft, aber Einzelstücke gibt es immer noch hier und dort und wer eines findet, dem kann ich es nur empfehlen.

Wie der Titel schon sagt, geht es hierbei um so genannte „Jugend-Hörspiele“ der 1980er Jahre, und der Untertitel „…ein spezialgelagerter Sonderfall“ verrät dem Kenner, dass vorwiegend Hörspiele von EUROPA im Fokus der Autorin stehen (der Satz stammt aus einem Hörspiel der „Drei ???“, in dem Justus gebeten wird, sich unkompliziert auszudrücken). Doch bevor wir in die Welt von bestimmten Serien gezogen werden, erläutert die Autorin, dass sie selbst Kassetten-Kind ist und dass viele von diesen ein gemeinsames Schicksal teilen, nämlich dass sie sich irgendwann zu alt fühlten für die „Kinder-Hörspiele“. Also landeten die Hörspiele auf dem Flohmarkt – heute vermutlich bei eBay. Dann kam eine zeitlang nichts, bevor man sich an die Helden der Kindheit wieder erinnerte und die Schätze von damals wiederhaben wollte. Dazu machte sich Annette Bastian wiederum auf die Flohmärkte auf, um jenen Kindern, die sich nun „zu alt“ fühlten, ihre gesammelten Werke abzukaufen.

Als nächstes wird die Geschichte vom Aufstieg der Hörspiele nachvollzogen, die unmittelbar mit dem Erfolg des Kassettenrekorders zusammenhängt. Am Anfang gab es Hörspiele auf Langspielplatte, die hatten ihren Preis. Doch mit der billigeren Audio-Kassette wurde das Medium „Hörspiel“ massentauglich. Hinzu kommt, dass es zu dem Zeitpunkt, ab Ende der 1970er, die Videorekorder noch nicht so verbreitet waren und Hörspiele eigentlich die einzige Möglichkeit waren, Lieblingsgeschichten so oft wie möglich wieder zu erleben – und das noch dazu zu jedem gewünschten Zeitpunkt. So wurd es beinahe schon obligat, dass es Hörspiele zu gewissen Kinofilmen gab. Aber immer mehr gab es eigenständige Produktionen.

Zum richtigen Zeitpunkt dann kam eine Serie heraus, deren Erfolg bis heute ungebrochen ist: „Die drei ???“. Eigentlich eine Roman-Reihe des amerikanischen Autors Robert Arthur, wurde sie in den USA unter der „Schirmherrschaft“ von Alfred Hitchcock herausgegeben, der in den Roman auch persönlich auftauchte. In der deutschen Übersetzung der Bücher ging man sogar noch weiter: Immer wenn die Schrift kursiv wurde und am linken Rand das kleine Schwarz-Weiß-Bild von Hitchcock zu sehen war, sprach der Regisseur persönlich zum Leser mit so unvergesslichen eloquenten Kommentaren wie „Die Märchen der Gebrüder Grimm scheinen in Amerika nicht sonderlich gut bekannt zu sein. Wie steht’s denn mit Euch“ (aus „Der Superpapagei“) oder „Eine Anmerkung für alle, die nicht Englisch können: ‚Clock‘ ist das englische Wort für ‚Uhr‘.“ (aus „Der seltsame Wecker“). In der Hörspielfassung ging man soweit, dass die ganze Geschichte gar von Hitchcock persönlich in der Gestalt des Schauspielers Peter Pasetti erzählt wurde. Und das sogar nach dem Tod des realen Alfred Hitchcock am 29. April 1980.
Die Hauptfiguren sind die Jugendlichen Justus Jonas (Original „Jupiter Jones“), Peter Shaw (Original „Peter Crenshaw“) und Bob Andrews. Sie eröffnen mal eben so ein Detektivbüro und bieten ihre Dienste an. Leider wird, ganz im Gegensatz zur Buchreihe, in der Hörspielreihe nicht erzählt, wie die drei Detektive Alfred Hitchcock kennenlernten, aber er fungiert in den ersten Fällen hin und wieder als Auftraggeber oder vermittelt potentielle Kunden an sie.
Ein gelungener Marketing-Schachzug war die Übersetzung des Titels ins Deutsche, im Original lautet er recht einfach „The Three Investigators“, also „Die drei Detektive“. Im Deutschen wurde ihr Markenzeichen, das Fragezeichen, zum Titel, und mit „Die drei ???“ zog man allein dadurch schon Aufmerksamkeit auf die Bücher, weil sich jeder fragte, wie das wohl ausgesprochen wird („die drei Fragezeichen“? Oder vielleicht doch „die Drei-i-i???“, mit besonderer Fragebetonung, wegen der drei Satzzeichen?). Die Titel selbst waren am Anfang immer mit dem Namen der Reihe verbunden, also „Die drei ??? und der Karpatenhund“. In späteren Folgen sah man davon ab, einige Titel bestehen sogar nur noch aus einem Schlagwort (zum Beispiel „Toteninsel“ oder „Rufmord“).
In den vergangenen Jahren musste die Serie dann einige Änderungen mitmachen. Eine sehr große war die Neuproduktion der Hintergrundmusik, da EUROPA dem Komponisten Carsten Bohn jahrelang die Tantiemen vorenthalten hatte.
Die zweite große Änderung trat mit einem Streit zwischen BMG Miller und dem Verlag, der die „Drei ???“-Bücher in Deutschland verlegte, ein. Seither gibt es zwei Serien, die „Drei ???“ im Buch und eine Hörspielreihe mit dem Titel „DIE DR3I“.

Der zweite große Komplex des Buches geht um die „Konkurrenz aus dem eigenen Haus“: TKKG. Die Hörspiele entstanden nach der Buchreihe von Stefan Wolf, einem Pseudonym des Autors Rolf Kalmuczak, der leider am 10. März diesen Jahres verstorben ist.
Während die „Drei ???“ es meistens mit sehr gruseligen Fällen zu tun hatten, die auf den ersten Blick übernatürlich wirkten (Geisterschloss, schreiender Wecker, flüsternde Mumie), um am Schluss dann – mit der Ausnahme des so genannten „Bergmonsters“ – als Gaunerei entlarvt zu werden, waren es bei TKKG eher „bodenständige Fälle“ um Diebe, Hehler, Drogendealer, Epresser und ähnliche jenseits von Recht und Ordnung stehende Individuen. Auch spielte die Serie nicht in Amerika, sondern in einer namentlich nicht näher genannten Großstadt in Deutschland. Haupthelden sind die Teenager Tarzan (später Tim), Karl, Klößchen und Gabi – daher „T K K G“ -, Schüler einer Internatsschule. Während Tarzan und Klößchen „Interne“ sind (das heißt, sie wohnen auch im Internat), sind Karl und Gabi „Externe“. Und wie es der Zufall so will, ständig laufen den Vieren irgendwelche Verbrecher über den Weg.

Anhand von TKKG und auch im Vergleich zwischen TKKG und den „Drei ???“ macht die Autorin verschiedene Klischees aus, so dass in beiden Serien (und auch in anderen Reihen) mindestens eine Hauptfigur Waise, zumindest aber Halbwaise ist. Auch die Darstellung der Charaktere, die teils überzogenen „Gutmenschen“, die ihr Verhalten nie in Frage stellen, auf der einen und die „Bösewichte“ auf der anderen Seite. Die fragwürdige Darstellung von Minderheiten kommt genauso zur Sprache wie die Frage, warum in den „Fünf Freunden“, der Serie von Enid Blyton, die ja in England spielt, ein Amerikaner Deutsch mit deutlichem englischen Akzent spricht oder warum Timmy, der Hund der „Fünf Freunde“, immer nur auf zwei Arten bellt. Auch die grundlegende Frage wird gestellt, warum Kindern wie den „Fünf Freunden“, den „Drei ???“ oder auch „TKKG“ immer so spannende Sachen passieren, und warum beispielsweise die „Drei ???“ kaum Zeit in der Schule zu verbringen scheinen.

Ich habe hier die zwei Serien aus dem Buch herausgenommen, die ich selbst seinerzeit gehört und gelesen habe und die auch die Bekanntesten sind. Aber Annette Bastian wirft auch kritische Blicke auf „Fünf Freunde“, „Hui Buh“, „Hanni und Nanni“, „Funk Füchse“, „Detektiv Kolumbus und Sohn“, „Tom und Locke“, „Captain Blitz“, „Scotland Yard“ und mehr. Zuletzt geht sie dem Phänomen selbst nach und versucht zu enträtseln, warum ausgerechnet in Deutschland die Hörspiele so erfolgreich wurden, dass beispielsweise in Amerika seit den 1980er Jahren keine Bücher mehr von den „Drei ???“ geschrieben werden, ihr Ruhm in Deutschland aber ungebrochen fortbesteht.

Das Buch ist sehr lesenswert, da man einiges über „alte Bekannte“ erfährt und auch ein paar „Macher“ zu Wort kommen (wie beispielsweise Andreas Fröhlich, Darsteller und Sprecher von Bob Andrews in den „Drei ???“, der unter anderem auch für die deutsche Synchronisation der „Herr der Ringe“-Filmtrilogie verantwortlich war und dort selbst Gollum sprach). Leider gibt es das Buch bei vielen Händlern nicht mehr, aber wie gesagt, womöglich findet man noch Einzelstücke hier und da. Denn: Kassettenkinder sind überall. Der Beweis? Wer von den geneigten Lesern kann mir die Antwort auf die folgende Losung geben?

Dunkel ist die Nacht…

Über die „Drei ???“, respektive „DIE DR3I“ gibt es eine ausführliche und sehr schön gemachte Fanseite unter www.rocky-beach.com.

Noch mehr Informationen gibt es auf der Homepage zum Buch, http://www.kassettenkinder.de/.

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