PHANPRO 157: Die #FERNGESPRÄCH Convention 2021 auf dem Arlberg – Ein Nachgang [Das Video]

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https://youtu.be/NwxGXZ93dq4

Im Oktober 2021 fand die erste #FERNGESPRÄCH Convention statt, nachdem die Reihe auf Twitch (und auch YouTube) sehr bekannt geworden ist. Dieses Video ist ein Nachgang der Convention. Den Inhalt gibt es auch in Textform und als Podcast zum einfachen Nachhören:
→ Der Text mit Bildern und weiterführenden Infos: https://phan.pro/2021/10/die-ferngespraech-convention-2021-auf-dem-arlberg-ein-nachgang/
→ PHANTUM-Podcast zum Nachhören: https://phantum.podigee.io/4-die-ferngespraech-convention-2021-auf-dem-arlberg-ein-nachgang

Die im Video erwähnten Bücher und weiteres Material (Links mit „*“ sind sponsored Links, was das bedeutet, steht weiter unten):

Ergänzung: Highlights der #Ferngespräche Con 2021 – hier gibt es einen Zusammenschnitt von WildMics.

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Das Krokodil und der Helm

Zu dem Zeitpunkt, da ich das hier schreibe, war eigentlich geplant, dass ich woanders bin. Leider lief es ein zweites Mal nicht so wie gedacht. Doch diesmal war es tatsächlich meine Entscheidung, und zwar wegen der Umstände. Ich lebe in Baden-Württemberg, einem der am schlechtesten durchgeimpften Bundesländer Deutschlands. Manche bezeichnen es sogar als „Impfgegnerhochburg“ und liegen damit vermutlich nicht falsch. Was ich hier tue, wird vermutlich nicht viel nutzen, ich versuche es aber trotzdem. Und zwar möchte ich helfen, dieses Plakat weiterzuverbreiten:

© Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln

Auf den Punkt! Von Anfang an wurde kommuniziert, dass die Impfung keinen 100%igen Schutz dagegen bietet, sich anzustecken, aber dass Menschen, die sich trotz Impfung infizieren, eine wesentlich geringere Viruslast haben, die Krankheit schneller vorbei ist und was das wichtigste ist: Schwere Verläufe kommen so gut wie gar nicht mehr vor. Das Problem ist, dass Impfgegner es sich bequem gemacht haben auf dem „Bett“, das die Geimpften bereitet haben – die Ansteckungen sind gesunken und ein Stück Normalität kehrte zurück. Damals wurde allerdings schon gewarnt, wenn wir jetzt nachlassen, laufen wir in die vierte Welle. Gratulation, diese vierte Welle ist jetzt da.

Wie schon erwähnt, Baden-Württemberg ist nicht berauschend, was die Impfquote betrifft. Wenn man sich die aktuelle Karte betrachtet, gibt es eine Linie, die quer durch Deutschland geht. Alles, was südlich dieser Linie liegt, hat schlechte Impfquoten und – oh Wunder! – hohe Inzidenzen. Doch die Politik hat völlig den Mut verloren und lässt sich von einer kleinen Gruppe sehr lauter Menschen treiben, denen es egal ist, wie voll die Intensivstationen werden und wie überlastet das medizinische Personal ist. Die Landesregierung von Baden-Württemberg „empfiehlt“, Veranstaltungen abzusagen. Mehr ist im Moment offenbar nicht drin.

In meinem Landkreis gibt es ein Problem: Da ich nicht mehr der Jüngste bin, wollte ich mich erkundigen, ob ich irgendwo meine Booster-Impfung, die in den nächsten Tagen fällig ist, machen lassen kann. Nur wird das hier komplett auf die Hausärzte abgewälzt, es gibt keine Impfaktionen und keine Impfteams (sollte es diese geben, so wird das nicht offen kommuniziert, die letzte Nachricht auf der Seite des Landkreises im Bezug auf Impfungen ist die Info, dass vor knapp zwei Monaten der Betrieb des Impfzentrums eingestellt wurde). Doch die Hausärzte wollen erst ältere Menschen boostern oder Nichtgeimpfte, die sich doch noch dafür entscheiden, die erste Impfung geben. Mal ganz davon abgesehen, dass die Arztpraxen sowieso gerade einen Ansturm erleben.

In den Nachbarlandkreisen ist das anders, dort werden verschiedene Impfaktionen angeboten, im Testzentrum oder per Impfmobil auf Parkplätzen von Einkaufszentren. Ich habe mich schon gefragt, ob ich wohl als „Fremder“ einfach in einen anderen Landkreis gehen und mir die Impfung abholen darf, oder ob das nur den Einwohnern des entsprechenden Kreises vorbehalten bleibt. Darüber findet man keine Information. Aber es ist sowieso egal, denn wo auch immer ich mich umgeschaut habe, gab es schon längst keine Termine mehr.

Es ist also klar, was jetzt getan werden muss: Wieder mehr Impfangebote schaffen, dass es nicht mehr heißt „entweder – oder“ (entweder alte Menschen boostern oder alle / entweder Erstimpfungen oder Booster), und was die Kontrollen betrifft, muss sich auch etwas ändern. Von mir aus lasse ich mich als geimpfter dann eben auch wieder testen, um noch mehr Sicherheit zu kriegen. Lustiger Fakt am Rand: Österreich hat letzte Woche für diese Woche angekündigt, es würde die 2G-Regel landesweit geben (also dass nur noch Geimpfte oder Genesene zum Beispiel ins Restaurant oder ins Kino dürfen), und schon gab es letztes Wochenende lange Schlangen an den Impfmobilen, hauptsächlich mit Erstimpfungen. Interessant, dass manche Menschen den Ernst der Lage erst erkennen, wenn es an Dinge geht, die sie direkt betreffen.

Wenn wir allerdings so „weiterwurschteln“ wie bisher, werden noch mehr Menschen angesteckt und auch noch mehr Menschen sterben. Ich finde es erschreckend, gerade wenn ich aus gewissen „Strömungen“ (*hustAnthroposophie*hust) wissenschaftsfeindliche Ablehnung höre, gegründet auf ideologischen Parolen. Oder wenn es sogar heißt, dass man den Tod von Menschen „annehmen“ müsste (siehe hier – Link führt zu Twitter). Das erinnert ein bisschen an „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ – Kali fordert wohl auch heute noch Menschenopfer.

Zurück zum Ausgang: Ich kann nur jeden ermutigen, das Poster von Ralph Ruthe, das es auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Download gibt, weiterzuverbreiten. Auf der Seite gibt es noch ein zweites Motiv. Für den Eigenbedarf ist es erlaubt, dieses herunterzuladen und auch auszudrucken. Vielleicht bringt es doch noch den einen oder die andere zum Nachdenken.

Du möchtest gerne etwas zu unserem Projekt beitragen? Hier sagen wir Dir, wie es geht!

Immer wieder mal erreichen uns Anfragen, ob man denn was zum Phantastischen Projekt beitragen könnte, einen Artikel, eine Rezension, eine Kurzgeschichte – oder etwas für ein Video oder den PHANTUM Podcast. Besonders seit der #Ferngespräch Convention hat das wieder etwas zugenommen, so dass wir uns entschlossen haben, mal etwas aktuelles darüber zu schreiben, wie das so funktioniert. Et voilà, hier ist der Artikel.

Bild: Storyblocks

Grundsätzliches

Wir sind Vorschlägen immer sehr offen und hören uns gerne Ideen an. Artikel und geschriebene Geschichten sind für ein Blog dieser Art natürlich besonders prädestiniert, aber wir lassen uns gerne auch von anderen Dingen überzeugen. Allerdings ist das Projekt im Moment noch so klein, dass wir keine Bezahlung in irgendeiner Art anbieten können. Da niemand von uns in die Zukunft schauen kann, wissen wir auch nicht, ob sich das mal ändern wird, deswegen wollen wir da auch nichts auf die Zukunft versprechen (obwohl es natürlich toll wäre). Des weiteren müssen wir ein paar Dinge regeln, bevor der erste Beitrag hier erscheinen kann, damit alles seine Richtigkeit hat.

Das hier wollen wir nicht

Wir kriegen aber auch andere eMails. In diesen werden wir gefragt, ob eine Veröffentlichung eines Artikels möglich ist und was das kostet. Oft soll es in diesen Artikeln um Online-Casinos oder etwas ähnliches gehen. Um es mal ganz klar zu machen: Egal wie verklausuliert man das bezeichnet, letztlich ist es nichts anderes als Werbung. Und Werbung, die nicht kenntlich gemacht wird, bringt nicht nur Ärger, sondern ist auch Betrug am Leser. An alle, die uns deswegen kontaktieren wollen: Lasst es, hier antwortet Euch niemand.

Und wir wollen…?

Wie schon geschrieben, sind wir sonst für Ideen immer offen. Artikel oder Geschichten bieten sich natürlich an, das Themengebiet ist ja breit genug. Aber auch Fotos oder Zeichnungen, Beiträge zu Videos oder vielleicht auch die Teilnahme an einem Onlineinterview oder einer Diskussion können wir uns gut vorstellen. Es muss dabei nicht bei einem einmaligen Beitrag bleiben. Wir geben dabei allerdings keinen Rhythmus vor, wer es schafft, einmal pro Woche etwas zu verfassen, soll es tun – wenn nicht, dann nicht.

Nehmt einfach Kontakt mit uns auf und schreibt, was Ihr Euch so vorstellt. Die eMail-Adresse dafür ist:

mitmachen [at] phan [Punkt] pro

Dem Alptraum entkommen

Eine Kurzgeschichte zum „Singles Day“

Ich schrecke hoch. Nicht so, wie man das aus Filmen kennt, wo ein Mensch aus der liegenden Position seinen Oberkörper in die Senkrechte schnellt und schwer atmet. Ich zucke zusammen und hebe immerhin den Kopf. Wo bin ich? Was war das, was ich da gerade erlebt habe?

Langsam dringt die Welt um mich herum auf mich ein. Ich liege auf einer flachen Matratze, gekleidet in einen Bademantel. Die Matratze gehört zu einer Liege, groß genug für zwei Personen. Über mir ist eine Art Betthimmel. Und genauso eine Liege mit Betthimmel steht direkt daneben. Menschen laufen umher. Und in etwa zwei Meter Entfernung ein Pool. Ich bin in der Therme.
„Na, zum Glück bist Du aufgewacht“, sagt eine weibliche Stimme. Lana! Ich hebe den Kopf noch etwas weiter und sehe sie am Rand der liege sitzen. Auch sie trägt einen Bademantel. Aber… war da nicht…? Hat sie nicht…? Ich richte mich langsam auf. Ich bin verwirrt. Lana rutscht zurück, so dass sie jetzt neben mir sitzt.
„Was hast Du nur geträumt?“, fragt sie. „Ich wollte Dich schon wecken. Schien nicht sehr angenehm zu sein.“
Ich reibe mir den Kopf. Ich bin noch immer verwirrt. „Warum? Wie… wie lange habe ich denn geschlafen?“
„Knapp zwanzig Minuten“, antwortet sie. „Du hast gesagt, Du wolltest nur ein bisschen die Augen zumachen – und Schwupps! Warst Du weg. Dann hast Du Dich hin und her gewälzt, wie in einem Alptraum.“
Ein Alptraum! Ja! Das war es! Das, was ich erlebt habe… ich kann es immer noch nicht fassen. Es war so real. Doch jetzt…
„Erinnerst Du Dich noch an die Doku, die wir zusammen gesehen haben?“, will sie wissen. „Die mit der Traumforschung? Da gab’s doch diesen Tipp, wenn Dir etwas komisch vorkommt, mach einen Realitätscheck. So zum Beispiel.“
Lana hebt ihre Hände und drückt Zeige- und Ringfinger der einen in die Innenfläche der anderen Hand. Es passiert nichts außergewöhnliches.
„Siehst Du, das sagt mir, ich bin wach“, erklärt sie. „Wäre das ein Traum, könnten meine Finger zum Beispiel durch die Handfläche hindurch gehen. Und wenn Du sowas merkst, weißt Du, dass Du träumst. Dann kannst Du aufwachen.“

Wenn ich sie so reden höre, weiß ich, warum ich mich in sie verliebt habe. Ich habe eine Schwäche für Frauen, die was im Kopf haben. Noch dazu, wenn sie dieses Wissen so praktisch anwenden können. Doch die Traumbilder, obgleich sie bereits zu verblassen beginnen, fühlen sie immer noch grausam real an. Ich lege meine Arme um sie und drücke sie an mich. Ganz fest. Ich habe das Gefühl, als hätte ich das zehn Jahre lang nicht mehr getan. Sie erwidert meine Umarmung, merkt aber, dass etwas nicht stimmt.
„Du meine Güte!“, höre ich sie sagen. „Was hast Du nur geträumt? War es so schlimm?“
Ich löse mich aus der Umarmung und sehe sie an. Sie lächelt.
„Willst Du’s mir erzählen?“
Ich fange an, herumzustottern. „Ich… Wir… Du erinnerst Dich doch bestimmt noch, als Du damals diese Prüfung gemacht hast und ich Dir geholfen habe?“
Lanas Augen werden groß. „Beschäftigt Dich das immer noch?“, fragt sie, mit Entsetzen in der Stimme. Dann sprudelt es aus ihr heraus: „Hör mal, ich weiß, ich habe mich damals blöd verhalten. Ich war so fixiert auf das, was ich erreichen wollte, dass ich gar nicht auf das geachtet habe, was mit Dir passiert. Das war heftig. Aber wir haben es geschafft.“ Sie nimmt meine Hände in ihre. „Mir wurde klar, was ich Dir zugemutet habe. Wir haben die Kurve gekriegt, wenn auch im letzten Moment! Und jetzt… jetzt bin ich hier! Oh man, das tut mir so leid.“
Sie küsst mich. Auch hier kommt es mir so vor, als hätten wir uns zehn Jahre lang nicht mehr geküsst. Doch genau das war es ja, was ich gerade erlebt habe. „In diesem Alptraum“, erzähle ich, „war es anders.“ Sie schweigt und schaut mich an. Ihr Blick sieht aus, als sei sie den Tränen nah. „Ich war mit den Nerven runter, weil ich mich total verausgabt habe, Dir zu helfen“, berichte ich weiter. „Und Du hast dann gesagt, Du erkennst mich nicht wieder. Du kämest mit unseren Unterschieden nicht klar und dass Du unglücklich bist. Und dann bist Du gegangen.“
Zuerst schweigt sie. Doch dann kommt lautstarker Protest: „Nein! Nein, das bin ich nicht! Ich bin hier! Siehst Du? Ja, es war schwierig für mich. Aber ich habe nicht aufgegeben. Wer auch immer das in Deinem Traum war, das war nicht ich!“
Sie fährt mit den Fingern einer Hand zwischen die Finger meiner rechter Hand, so dass wir jetzt Händchen haltend auf der Liege sitzen. Ich muss lächeln und sehe, wie Lana zurück lächelt. Es ist immer immer noch unheimlich, wie der Alptraum nachwirkt, denn auch das ist ein Anblick, von dem ich das Gefühl habe, dass ich ihn eine sehr lange Zeit nicht gesehen habe. Aber was hatte sie gerade eben noch gesagt mit dem Realitätscheck? Ich sehe auf unsere Finger, die ineinander verschlungen sind. Ja, das ist echt, nicht so wie…

Moment!

Was ist das? Ich spüre ihre Hand in meiner nicht. Verzweifelt verstärke ich den Griff meiner Finger und sehe… wie diese durch die Haut von Lanas Handrücken hindurchgleiten, als… wäre sie nicht da. Ein schrecklicher Gedanke kommt mir, als mir klar wird, was das bedeutet.

Ich blicke auf. Lana lächelt noch immer. Ich sehe sie direkt an. Ein letztes Mal.

Dann…

Der 9. November: Ein prägender Tag der deutschen Geschichte

Ein bisschen hat es schon mit Aberglauben zu tun, dieses Festhalten an bestimmten Daten. Wenn Paare zum Beispiel zu bestimmten Glückszahlen heiraten oder wenn sich Zahlen doppeln. Oder der Geburtstag von jemand wichtigen genommen wird. Allerdings gibt es ein Datum, das prägend ist für die deutsche Geschichte, da an diesem Tag im Verlauf der Jahre immer wieder wichtige Ereignisse stattfanden, die das Schicksal der Republik in die eine oder andere Richtung beeinflussten. Auf diese Weise macht uns dieser Tag klar, wie nah Dunkelheit und Licht bei einander liegen. Schauen wir es uns mal an.

9. November 1918: Ausrufung der Weimarer Republik

Der wenige Wochen zuvor berufene Reichskanzler Max von Baden verkündet angesichts der bevorstehenden Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und betraut Friedrich Ebert (SPD) mit den Amtsgeschäften. Eberts Genosse Philipp Scheidemann, der ihn im Februar 1919 als Regierungschef ablösen wird, ruft von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die Deutsche Republik aus. Am selben Tag, jedoch einige Stunden später, verkündet Karl Liebknecht, einer der Anführer des linksrevolutionären Spartakusbundes, vom Berliner Stadtschloss aus eine als Räterepublik gedachte Freie Sozialistische Republik Deutschland.
In den nachfolgenden, regional teilweise bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen den Verfechtern einer sozialistischen Räterepublik und denen einer pluralistisch-parlamentarischen Demokratie unterliegen die Anhänger des Rätemodells. Liebknecht selbst wird zwei Monate später zusammen mit Rosa Luxemburg am 15. Januar von reaktionären Freikorps ermordet. In der weiteren Folge wird im August 1919 das als Weimarer Republik bezeichnete erste demokratisch strukturierte Staatswesen in Deutschland konstituiert (benannt nach der in Weimar tagenden Nationalversammlung).

9. November 1923: Der von Adolf Hitler initiierte Putsch scheitert

Adolf Hitler, der bis dahin in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannte Parteichef der NSDAP, unternimmt einen Putschversuch gegen die demokratische Reichsregierung bewusst am 5. Jahrestag der Ausrufung der Republik. Das Unternehmen, das 16 Todesopfer fordert, scheitert bereits nach wenigen Stunden vor der Münchner Feldherrnhalle. Hitler nutzt den anschließenden Prozess, um sich als Führungsfigur der völkischen Bewegung zu inszenieren. Er wird zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, aber bereits nach neun Monaten „wegen guter Führung“ vorzeitig entlassen. Als er zehn Jahre später an die Macht gelangt und eine totalitäre Diktatur in Deutschland errichtet, erklärt er den 9. November zu einem Gedenk- und Feiertag. An ihm finden während der NS-Diktatur alljährlich staatliche Trauerfeiern statt, bei denen der sogenannten „Blutzeugen der Bewegung“ gedacht wird.

9. November 1938: Reichspogromnacht

Nach einem Mordanschlag auf einen deutschen Diplomaten in Paris inszenieren die Nationalsozialisten die Novemberpogrome (bis in die Gegenwart ist die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 oft auch unter dem euphemistischen Begriff „Reichskristallnacht“ bekannt). In der NS-Propaganda werden die vor allem von SA- und SS-Mitgliedern in Zivilkleidung begangenen Ausschreitungen als Ausdruck des „Volkszorns“ gegen die Juden dargestellt. In ganz Deutschland und Österreich werden jüdische Geschäfte und Einrichtungen demoliert, Synagogen in Brand gesteckt. Hunderte von Juden werden innerhalb weniger Tage ermordet. Diese Ereignisse markieren den Übergang von der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden in der Diktatur des Nationalsozialismus. Während des Zweiten Weltkriegs mündet der nationalsozialistische Antisemitismus in den heute als Holocaust bezeichneten industriell betriebenen Völkermord an etwa sechs Millionen europäischen Juden und weiteren ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen in den Vernichtungslagern des NS-Regimes.

9. November 1989: Der Mauerfall

Die Berliner Mauer wurde in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989, nach über 28 Jahren ihrer Existenz geöffnet. Die Vorbereitung einer von Seiten der DDR-Regierung kontrollierten Öffnung begannen bereits im Oktober 1989: Walter Momper, damals Regierender Bürgermeister von West-Berlin, wusste nach eigenen Angaben seit dem 29. Oktober aus einem Gespräch mit Ost-Berlins SED-Chef Günter Schabowski und Ost-Berlins Oberbürgermeister Erhard Krack davon und traf seinerseits entsprechende Vorbereitungen für eine Öffnung der Mauer im Dezember 1989.
Die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze verdeutlicht und verstetigt den Erfolg der friedlichen Revolution in der DDR, dem am 3. Oktober 1990 mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland die deutsche Wiedervereinigung folgt (siehe auch Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (bis 1990) und Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik).
Als Datum des Mauerfalls ist der 9. November zeitweilig als Nationalfeiertag des vereinigten Deutschland im Gespräch. Auch aus Rücksicht auf das Gedenken an den 9. November 1938 wird im Einigungsvertrag 1990 (Art. 2 Abs. 2 EV) jedoch der 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit bestimmt.

9. November 2021: ?

Und was kommt danach? Nun liegt es an uns, welche zukünftigen Ereignisse am 9. November – oder an jedem anderen Tag – zu einem Tag der Erinnerung führen. Ich hoffe, dass es Erinnerungen sein werden, an die wir uns gerne erinnern. An diesem Tag müssen wir beides tun, die Mahnung der dunklen Seiten hören und die Hoffnung auf die hellen Seiten bewahren. Vielleicht wird diese Liste dann schon bald ergänzt werden um etwas, das den Gang der Republik auf positive Weise beeinflusst hat.

Es ist an uns.


Quelle: Wikipedia-Eintrag „9. November (Deutschland)„, Autoren siehe hier. Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar.

Die #FERNGESPRÄCH Convention 2021 auf dem Arlberg – Ein Nachgang

Dieser Text ist ziemlich lang, wer ihn lieber hören möchte, dem sei die entsprechende Episode vom PHANTUM-Podcast (Folge 4) empfohlen!

Zufall. Es war ein Zufall, besser oder genauer gesagt eine Reihe von Zufällen, die mich am Wochenende vom 16. und 17. Oktober 2021 nach Oberlech auf dem Arlberg zur ersten „#FERNGESPRÄCH Convention“ brachten. Und ich möchte betonen, dass ich es für besonders glückliche Zufälle halte, die mir da widerfahren sind. Aber wie es sich gehört, fangen wir am Anfang an.

Das (fast) komplette Gastpanel der #Ferngespräch Convention 2021. Bild: selbst

Teil 1: Die viel zu lange Einleitung

Am Anfang steht… ja, was eigentlich genau? Jeder der Teilnehmer der Convention hatte seine persönliche Verbindung zu den „Ferngesprächen“, einer – wenn man so will – Diskussionsrunde um Tommy Krappweis, die selbiger ins Leben gerufen hatte, nachdem er feststellte, dass die Corona-Pandemie uns noch sehr lange im Griff haben wird, die Situation dank bestimmter leugnender und Unsinn verbreitender Elemente in der Gesellschaft aber immer schlimmer zu werden schien. Und was meine Verbindung betrifft, muss ich lange vorher einsetzen.

Leider weiß ich genaue Daten nicht mehr, außer einem: es gibt in meinem Leben ein besonders tragisches Ereignis, das ich hier nicht genauer auswalzen will, das mich extrem nachdenklich gestimmt hat. Vorher gehörte ich auch zu der Fraktion, die bestimmten gesellschaftlichen Phänomenen eher ambivalent gegenüber stand, wie etwa dem Glauben an Heilsteine, an Homöopathie, Astrologie, der flachen Erde oder der so genannten „Anthroposophie“. Manchmal senkte sich zwar ein Zweifel rein, ob die mit reichlich Fachbegriffen garnierten Erklärungen, wie es funktionieren soll, dass die Verdünnung eines Wirkstoffs zur Wirkverstärkung führt, wirklich so logisch wären. Ich war zudem eine Zeitlang mal von Nostradamus fasziniert und den Erklärungen, wie seine „Propheties“ über einen komplizierten Code die Zukunft voraussagen könnten; nachdem sich aber herausstellte, dass immer wenn es Konkret wurde („im nächsten Jahr wird folgendes passieren…“) die Prophezeiungen die unangenehme Eigenart hatten, einfach nicht einzutreffen, schlief das ein. Aber wie gesagt, im großen und ganzen war mein Empfinden ambivalent. Und wenn ich in meinem Leben noch weiter zurückblicke, muss ich feststellen, dass es auch bei mir Zeiten gab, in denen ich ziemlich blödsinnige Dinge geglaubt hatte. Natürlich hat das auch was mit gesellschaftlicher Prägung zu tun. Ist es denn nicht interessant, dass vermutlich die meisten Menschen in Deutschland ihr Sternzeichen kennen? Aber alle diese Dinge hatte ich für mich ausgemacht. Ich war kein Guru, wenn jemand da anders dachte oder fühlte als ich, was soll’s? Wenn jemand glaubte, ein Stein, der aus einer Mine in Brasilien gebrochen worden war, würde ihm helfen – was würde das schon schaden?

Meine Güte, habe ich mich geirrt. Mir wurde drastisch vor Augen geführt, dass der Glaube an so genannte „alternative Medizin“, für die es keinerlei wissenschaftlichen Wirkbeweise gibt, Menschen davon abhalten kann, eine echte Therapie zu beginnen. Natürlich kannte ich aus der Presse solche Fälle wie den von Olivia Pilhar, aber das schien so weit weg von meiner Lebensrealität zu sein, dass ich darüber zwar den Kopf schüttelte, aber das, was dahinter steckte, nicht weiter beachtete. Außerdem wurde Olivia Pilhar durch das Eingreifen der österreichischen Justiz schließlich einer richtigen Behandlung zugeführt und zum Glück geheilt, bevor größerer Schaden entstehen konnte. Doch mir ganz persönlich wurde dann vor Augen geführt, dass Menschen auch sterben können, wenn sie auf die selbsternannten Heiler hörten und keine Therapie machten.

Das war wie eine Naturkatastrophe größeren Ausmaßes, wie ein Erdbeben, das einen Tsunami auslöst, dessen Wassermassen erstmal alles wegreißen, was ihnen im Weg steht. Irgendwas bleibt zurück. Aber so, wie die Wasser einer Flutwelle den Boden aufreißen und nun Felsen blankliegen, die man sonst nicht so sieht, bemerkte ich immer mehr, dass es noch mehr Dinge gibt, die gar nicht so harmlos sind, wie sie mein ambivalentes Gefühl machte. Menschen, die wüsten Verschwörungsmythen über den 11. September 2001 und den Einsturz des World Trade Centers glaubten und sehr aggressiv wurden, wenn man darauf hinwies, dass diese Mythen schon widerlegt sind. Menschen, die ebenfalls von Nostradamus fasziniert waren, so wie ich es mal war, die aber ihr Leben und ihr Verhalten im kommenden Jahr auf ein Buch stützten, das behauptete, Nostradamus‘ Weissagungen für dieses Jahr „endgültig entschlüsselt“ zu haben. Menschen, die eine Beziehung beendeten, weil ein Horoskop in einer Fernsehzeitschrift sagte, sie sollen „was Neues“ beginnen.

Durch meine Tätigkeit im Rettungsdienst kam ich mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt und auch hier sah ich, dass es sich bei manchen Dingen keinesfalls um ein skurriles Hobby oder eine „harmlose Spinnerei“ handelte, wie ich zuvor falsch angenommen hatte. Menschen wollten von mir wissen, ob die Infusion, die sie wegen ihres Gesundheitszustands kriegen sollten, gut mit dem Energiefeld ihres Körpers harmoniert, da sind ja lauter Elektrolyte drin! In einer Behinderteneinrichtung einer bestimmten „Ausrichtung“ entdeckte ich im Aufenthaltsraum ein großes Schaubild, das erklärte, wie alle Menschen der Erde von den Atlantern und ihren Wurzelrassen abstammen. Eine Mutter, die ihr Kind, das eine schwere Atemnot hatte, „erstmal“ mit Globuli behandelte, bevor sie dann doch die Rettung rief.

Ich kann weder sagen, wann diese einzelnen Erlebnisse waren, noch in welcher Reihenfolge sie stattfanden. Es ist alles im Ungefähren in meinem Kopf. Sicher weiß ich nur, dass ich in der Folge dieser Ereignisse irgendwann auf „Psiram„, einer Aufklärerseite mit Wiki, aufmerksam wurde, dann auf die Skeptiker der GWUP. Und irgendwann dann fand ich auch den skeptischen Podcast aus Hamburg, „Hoaxilla„. Entsprechend veränderte sich meine Wahrnehmung noch mehr von „harmloser Quatsch“ zu „gefährlicher Quatsch“. Mir fiel außerdem auf, dass einige satirische Werke, die ich schon Jahre zuvor gesehen und gelesen hatte, sich mit einigen dieser Themen befasst hatten, aber das war damals völlig unter meinem Radar durchgeflogen.

Tommy Krappweis – Bild: selbst

Der Themenwechsel zu Tommy Krappweis mag jetzt ein wenig überraschend kommen (nicht ganz so überraschend, wenn man die „Ferngespräche“ kennt oder auch einfach nur die Einführung zu diesem Text aufmerksam gelesen hat), ist aber notwendig. Tommy hatte ich lange Zeit nicht auf dem Radar. Meine letzte Erinnerung an ihn war „RTL Samstag Nacht“, tatsächlich habe ich im Besonderen zwei Dinge in Erinnerung: zwei Sketche der „Derrick“-Parodie, in der Tommy Derricks Assistenten Harry Klein gespielt hat1 und ein Computerspiel zu der Reihe, wo man Tommy zur Melodie von „Les Toreadors“ aus der Oper „Carmen“ auf Klick tanzen lassen konnte2. Doch das Schicksal wollte es so, dass ich ihm im Jahr 2015 wieder begegnete, als ich mit meiner Reisebegleiterin die HobbitCon in Bonn besuchte. Der Anlass war eigentlich, dass wir im Januar 2016 nach Neuseeland wollten, dem Land, in dem die „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Filme gedreht worden waren. Aber eben, neben den Darstellern der Zwerge aus dem „Hobbit“ und Radagast/Doctor-Who-Darsteller Sylvester McCoy war auch Tommy Krappweis anwesend, um den Film zu seinem Buch „Mara und der Feuerbringer“ vorzustellen. Hier hörte ich von dem Buch zum ersten Mal und von den Anstrengungen, die Tommy unternommen hatte, um eine möglichst authentische Geschichte um die nordischen Mythen zu schreiben, ohne Wagner-Walküren und Hörnerhelme. Da mich genau das ebenfalls interessierte und Tommy für das Werk sogar mit einem Wissenschaftler zum Thema zusammengearbeitet hatte, kaufte ich das Buch, ließ es mir signieren und las es natürlich auch. Ich war sehr begeistert, denn aufgrund meiner eigenen Recherchen in dem Bereich kannte ich einige Begriffe, die in dem Buch verwendet wurden, bevor sie erklärt wurden. Auch Tommys Humor ist ganz auf meiner Wellenlänge und die trotzdem vorhandene Ernsthaftigkeit, mit der die Geschichte vorangetrieben wird.

Doch nun wird es wieder etwas verschwommen und unklar, wie Welt von Niflheim. Die HobbitCon war 2015, in den kommenden Jahren verfolgte ich mehr oder weniger regelmäßig, was Tommy Krappweis, Hoaxilla und die GWUP so machten. Gleichzeitig wurde die Situation bezüglich Verschwörungsmythen und Falschmeldungen meinem Empfinden nach immer schlimmer, vor allem als 2016 Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Dann kam die Corona-Pandemie. Und damit kommen wir (endlich!) zu den „Ferngesprächen“.

Tommy Krappweis und Alexa Waschkau von HOAXILLA. Bild: selbst

Wie schon erwähnt hatte Tommy Krappweis das Gefühl, in der Pandemie den Schwurblern etwas entgegensetzen zu müssen. Da er wohl schon mit den Leuten von WildMics zusammenarbeitete, die einen Kanal auf Twitch betreiben, schlug er eine Gesprächsrunde vor, in der man wöchentlich über verschiedene Dinge sprechen und Aufklärung betreiben konnte. Zunächst fanden diese Gespräche mit Wigald Boning statt, den Tommy von „RTL Samstag Nacht“ her kannte und der für das Format den Namen „#Ferngespräch“ erfand, und mit Bernhard Hoëcker. Ich selbst wurde erst auf die „Ferngespräche“ aufmerksam, als bereits Alexa und Alexander Waschkau von „Hoaxilla“ zur „Stammbesetzung“ gehörten. Ich glaube, ich bin auch über deren Webseite – oder etwas, das sie auf Twitter oder Facebook über die Webseite gepostet hatten – auf das Format aufmerksam geworden. Inzwischen war auch Bernd Harder von der GWUP mit dabei und das „Ferngespräch“ traf voll meinen Nerv. Jede Woche am Dienstag wurde ein neues Thema ausgemacht aus der weiten Welt der Wissenschaft, es wurden Spezialgäste dazu eingeladen, die fundierte Auskünfte geben konnten. Annika Brockschmidt erzählte vom Aufstieg der radikalen Evangelikalen in den USA, Holm Gero Hümmler, ein Physiker, klärte auf, dass Quantenverschränkung nichts mit der angeblichen Wirksamkeit von Schwurbelequipment zu tun hat, Florian Aigner brachte seine Expertise über wissenschaftliches Arbeiten ein, Martin Moder war als Molekularbiologe natürlich wie geschaffen, die neuen Impfstoffe gegen COVID-19 zu erklären, ebenso wie der Immunologe Carsten Watzl Fragen über die Pandemie beantwortete, Nana Walzer sprach über Kommunikation und Europa und Lydia Benecke ließ uns in die Psyche von Menschen eindringen und berichtete von ihrer Arbeit und ihren Vorträgen (und ihrer polnischen Oma, die Gruselgeschichten erzählte). Schließlich kam noch Tommys Ehefrau Sofia Krappweis mit dazu, die als Diplom-Psychologin dann zusammen mit Alexander Waschkau den Ableger „Alle bekloppt“ und ihr eigenes Format „Todgequatscht“ betreut.

Tommy Krappweis und Alexander Waschkau von HOAXILLA. Bild: selbst

So wurde Woche für Woche informiert und es wurde sehr viel gelacht. Es entstanden legendäre Episoden, in denen die besten Running Gags geboren wurden (Schieferuntersetzer, Zmora, „Oma Barthóry“, Tommys Beißholz, um nur ein paar zu nennen). Man möge mir den Vorgriff entschuldigen, aber während der Convention wurde von einigen Besuchern betont, wie sehr diese Gespräche den Menschen durch die strengsten Zeiten der Pandemie halfen und Hoffnung gaben, dass es nicht nur Schwurbler, Schreihälse und Impfgegner gibt, sondern dass da irgendwo, mitten unter uns, die Vernunft wohnte. Und genau so empfand ich das auch.

Tommy Krappweis und seine Frau Sofia Krappwweis. Bild: selbst

Teil 2: Der Weg zur Convention

Irgendwann kam mal die – vielleicht auch nicht ganz ernstgemeinte – Idee innerhalb eines „Ferngesprächs“ auf, nach dem Ende der Pandemie doch eine Convention zu veranstalten, um die ganzen Leute aus der Community, die wöchentlich immer größer wurde, persönlich kennenzulernen. Da bei Twitch bei den Livestreams auch immer ein Chat mitläuft, konnten die Zuseher gleich ihrem Wunsch Ausdruck verleihen, dass man das doch bitte wirklich manchen möge. Allerdings schien es lange Zeit einfach nur eine verrückte Idee zu sein. Das Problem solcher Veranstaltungen war eben auch, dass sie entsprechend viele Leute anziehen mussten, um sich zu rechnen. Was aber keiner der Zuschauer wusste: Im Hintergrund lief etwas, das den Traum schneller wahr werden ließ, als viele gedacht hätten. Da die „Ferngespräche“ mittlerweile mit der von Nana Walzer mitinitiierten Aktion #EUROPAgegenCovid19 kooperierten und sich besonders hervortaten, wurden sie mit dem Kaiser-Maximilian-Preis des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck ausgezeichnet. Diese Preisverleihung fand am Donnerstag, den 14. Oktober 2021 statt. Mit zu den Bedingungen des Preises gehört es, dass man als Preisträger vor der Verleihung nichts davon erzählen darf, aber Tommy kam eine Idee, die wie folgt ging: Wenn man schon in Österreich ist, könnte man doch von Innsbruck aus den Sprung an einen anderen Ort machen, um dort die lang ersehnte „#Ferngespräch Convention“ stattfinden zu lassen. Tommy kannte da auch ein Hotel, die „Sonnenburg“ in Lech auf dem Arlberg. Dessen Besitzer, Gregor Hoch, war begeistert von der Idee. Durch die Preisverleihung wurde damit auch – recht kurzfristig – der Termin festgelegt: das Wochenende drauf, Samstag, 16.10. und Sonntag, 17.10.2021.

So langsam komme ich ins Spiel. Immerhin. In meinem Beruf ist es leider so, dass spontane Aktionen nicht immer möglich sind. Als ich noch im Rettungsdienst gearbeitet habe, war das schon so, denn wenn ich nicht da sein konnte, musste jemand meinen Platz ausfüllen – und jetzt als Lehrkraft ist das genau so. Der Termin war für mich ziemlich kurzfristig, da ich zu so einer Veranstaltung schon stressfrei am Freitag anreisen wollte, den ich mir natürlich freischaufeln musste. Dann aber stellte ich fest, dass ich den Freitag würde freikriegen können. Da ich aber ein paar Tage brauchte, um das hinzukriegen, dachte ich mir, dass die Zimmer in dem Hotel sowieso schon vergeben sind. Sehr zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass das nicht der Fall war. Da gab es noch ein Einzelzimmer für mich (tja, wenigstens einmal muss das Single-Dasein doch einen Vorteil haben). Ich überlegte (sehr) kurz – und Schwupps! Hatte ich das Zimmer gebucht. Wie aufregend!

Hotel Sonnenburg in Oberlech auf dem Arlberg. Bild: selbst

Teil 3: #Ferngespräch Convention – Hotel und Ankunft

Tommy und seine fröhlichen Gesell*innen hatten vor der Convention angenommen, dass irgendwo zwischen zehn und zwanzig Leute kommen würden. Obwohl die Veranstaltung selber nichts kostete, bewegten sich die Zimmerpreise des Hotels schon im gehobenen Bereich. Außerdem war Österreich nicht aus allen Teilen Deutschlands so ganz einfach zu erreichen (darüber können die Hoaxillas, die ja aus Hamburg kommen, ein Lied singen). Aber weit gefehlt – irgendwann war das Hotel fast ausgebucht. Lediglich ein paar Suiten im hohen Preissegment waren noch übrig. Damit war auch klar, dass der ursprüngliche Raum, die Bibliothek des Hotels, zu klein sein würde. Man zog um in den Konferenzsaal, was sich für mich als Glücksfall herausstellen sollte. Ich selbst machte mich am Freitag, den 15. Oktober 2021 auf den Weg nach Vorarlberg, was zu einem kleinen Stück auch zu einer Reise in die Vergangenheit für mich wurde. Meine Familie hatte in Vorarlberg sehr oft Urlaub gemacht und die gleiche Strecke, die wir damals gefahren sind, kam ich nun entlang. Erinnerungen wurden wach, als ich vor der Abfahrt Feldkirch durch einen Felsgrat kam, der sich links und rechts der Autobahn erhob. Einst war das ein großer Felsen gewesen, den man in der Mitte auseinander gesprengt hatte, um die Autobahn zu bauen. Er sah immer noch so imposant aus wie damals, als ich wesentlich jünger war und im Auto meines Opas saß, während wir auf dem Weg nach Viktorsberg waren. Nur diesmal würde ich nicht bei Feldkirch abfahren, es ging weiter, bis zum Arlberg. Lech liegt oben auf der Höhe und was mir beim Raussuchen der Adresse des Hotels nicht aufgefallen war: „Oberlech“ bedeutete, dass der Ortsteil noch ein gewaltiges Stückchen höher lag.

Das Panorama von Oberlech. Bild: selbst

Den Bergpass hochzufahren bot ein paar imposante Aussichten – aber was soll ich sagen: Am imposantesten war die Aussicht, die man von Oberlech und vom Hotel aus hatte. Das klingt jetzt schon wieder despektierlich, aber der Ortsteil ist eigentlich eine Trabantenstadt, die fast nur aus Hotels besteht. Ich habe zwar ein paar Privathäuser gesehen, aber die sind in einer ziemlichen Minderheit. Außerdem möchte ich wetten, dass dort Leute von den Hotels wohnen. Auch fiel mir auf, dass der ganze Ort eigentlich schlief. Von Lech führt eine Seilbahn nach Oberlech, diese war nicht in Betrieb. Und die Sonnenburg war, zumindest soweit ich es beobachten konnte, das einzige Hotel, das offen hatte. Und was für ein Hotel das ist! Es besteht aus zwei Teilen, dem Haupthaus und dem Landhaus – dazu gleich mehr -, das Haupthaus ist aus der Kategorie „Fünf Sterne“, das Landhaus „Vier Sterne Superior“. Es ist imposant und hat Stil – darüber werde ich an anderer Stelle noch mehr zu berichten haben. Das Hotel gefiel mir schon beim einchecken, wo man sehr freundlich empfangen und behandelt wurde. Gleich wurde ich auch informiert, dass das Hotel die 2G-Regel fuhr: Genesen oder geimpft, und dann fiel im ganzen Hotel die Maskenpflicht weg. Sehr positiv fiel mir auf, dass der Impfausweis auch wirklich kontrolliert und das Datum der letzten Impfung notiert wurde.

Dann bekamen die gerade Angekommenen, zu denen ich auch gehörte, einen Willkommensdrink – wobei das Hotel sogar einen nicht alkoholischen Drink bereithielt3 -, um uns anschließend auf eine kleine Tour mitzunehmen. Die ganze Gruppe bestand aus Gästen, die im Landhaus untergebracht waren und damit hatte es eine besondere Bewandtnis, wie wir feststellten. Zunächst wurden uns die Räumlichkeiten des Haupthauses gezeigt: Das Restaurant, wo Frühstück und Abendessen gereicht wurden (die Zimmer waren alle mit Halbpension), die Massageabteilung, die Bibliothek und das Schwimmbad. Dann wurden wir noch ein paar Treppen tiefer in einen langen Gang geführt. Wie sich herausstellte, führte dieser Gang unter der Erde unter dem Nachbarhotel durch und endete so rund hundert Meter weiter am Berggrat, wo das Landhaus stand, in welchem sich unsere Zimmer befanden. Im Landhaus befand sich außerdem der Konferenzraum, in dem die Convention stattfinden sollte. Immerhin ein halber „Win“ für uns, wir mussten nur zum Essen auf Wanderschaft gehen.

Mein Zimmer im Hotel Sonnenburg. Bild: selbst

Mein Einzelzimmer war ein nettes, kleines Zimmer mit einem sehr bequemen Bett und einem Sofa – also, hier hätte ich es auch noch länger ausgehalten. Dann hätte ich meinem Chef aber erklären müssen, warum ich nicht zurückkomme. Tatsächlich hatte es auf dem Arlberg kurz vorher geschneit, aber der meiste Schnee war schon wieder weg bis zu dem Wochenende. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, mich neben einen kläglichen Schneerest auf einer Wiese zu stellen, das ganze zu fotografieren und meinen Kollegen per WhatsApp zu schicken, um zu dokumentieren, wie eingeschneit ich doch sei und ich unmöglich die nächsten Tage zurückkommen kann. Ich habe es dann aber doch gelassen.

Lasst mich stattdessen vom Essen berichten: Großartig. Wie schon erwähnt, gehörte zu den Zimmern Halbpension, das heißt, Frühstück und Abendessen. Das Abendessen war in vier Gänge aufgeteilt, wobei es bei jedem Gang eine Auswahl gab. Das Menü war einem Fünf-Sterne-Hotel angemessen und es gab einiges, das ich auf den ersten Blick nicht zuordnen konnte. Aber das Personal war sehr freundlich und füllte meine Wissenslücken. Außerdem wurde man sehr zuvorkommend behandelt und nie so, als würde man hier nicht hergehören. Die Teilnehmer der Convention waren Gäste wie alle anderen auch.

An dem Abend zog ich mich dann in mein Einzelzimmer zurück und schlief wie auf Wolken.

Tommy Krappweis und Bernd Harder. Bild: selbst

Teil 4: #Ferngespräch Convention 2021 – Tag 1

Frisch wie der junge Morgen kam ich trotz meines Alters am nächsten Tag aus dem Bett. Ich zog dem Anlass angemessen ein bestimmtes T-Shirt an, mit dem ich meine Unterstützung für die Wissenschaft anzeigte: „Stand up for Science!“* stand groß drauf und drumherum wurde einigen Verschwörungsmythen widersprochen: „Wir waren auf dem Mond!“ – „Chemtrails gibt es nicht!“ – „Die Erde ist nicht flach!“ – „Impfstoffe wirken!“ – „Evolution ist eine Tatsache!“ und „Der Klimawandel ist real!“ Als ich den Konferenzraum betrat, waren Tommy und die seinen gerade mit dem Aufbau der technischen Anlagen beschäftigt, nicht nur brauchte man Mikrophone und Vorführtechnik, die ganze Veranstaltung sollte für die „Daheimgebliebenen“ live auf Twitch gestreamt werden. Tommy blickte auf, sah mein T-Shirt und meinte: „Das T-Shirt gefällt mir!“ Besser konnte es eigentlich kaum werden und ich hätte schon wieder gehen können. Ich blieb aber trotzdem und es wurde noch besser!

Das Programm orientierte sich so ein wenig an den „klassischen“ Conventions, es gab eine Eröffnung, Panels mit den einzelnen Gästen und etwas, das Tommy „Meet & Greet“ nannte. Da es zwar mehr Besucher waren, als gedacht, sich die Anzahl aber trotzdem noch in einem gewissen Rahmen hielt, wurde keine strikte Autogrammstunde und eine Fotosession abgehalten, sondern ein Treffen. Die Bücher der Gäste gab es im Konferenzraum auch zu kaufen und man konnte sie sich natürlich signieren lassen.

Gregor Hoch, der Chef vom Hotel Sonnenburg. Bild: selbst

Kurz vor Beginn der Veranstaltung beschloss dann das Internet des Hotels, dass jetzt der bestmögliche Zeitpunkt war, den Riemen von der Orgel zu schmeißen und der Stream auf Twitch war wohl so tot wie Attila Hildmanns Vernunft. Doch Tommys Bruder, der mit der Aussicht auf einen Kurzurlaub auf dem Arlberg an den Ort des Geschehens gelockt worden war, brachte das in Ordnung. Er hielt auch die Technik für das Wochenende komplett am Laufen.

Nachdem nun also der Stream wieder lief, konnte es losgehen. Zur Eröffnung wurde dann gleich Gregor Hoch, der Chef vom Hotel, auf die Bühne geholt, der seine Sicht der Dinge erzählte, wie es zu der Convention kam. Er selbst ist begeistert von Büchern und der Wissenschaft. Da es in der Gegend ziemlich viele Hotels gibt, muss jedes schauen, was es für ein Alleinstellungsmerkmal hat. Er hat die Sonnenburg zum Literaturhotel gemacht, tatsächlich finden hier sehr viele Lesungen statt. Da auch ihm die ganzen Schwurbler, die allen möglichen Unsinn über Corona und die Impfung verbreiten, sauer aufstoßen, war er von der Idee einer solchen Convention begeistert. Um diese zu ermöglichen, hat er alle Gäste, von Tommy über Sofia bis hin zu Lydia Benecke für das Wochenende eingeladen. Sie bekamen also keine Gage, mussten aber immerhin nichts für das Hotel zahlen. Für uns Teilnehmer hatte das den Vorteil, dass für die Convention kein Eintritt genommen wurde. Nun muss man sagen, bei rund 70 Teilnehmern, aber 11 Gästen wäre dieser Preis ziemlich hoch gewesen, damit sich das rechnet. Außerdem muss man ja immer noch die Technik berücksichtigen, die Tommy über seine Filmfirma stellte. Das ließ sich so ausgleichen.

Gregor Hoch hatte das alles also mit möglich gemacht. Er erzählte außerdem noch, dass er – natürlich – doppelt geimpft war, sich trotzdem aber mit Corona infiziert hatte. Dank der Impfung hatte er allerdings nur einen leichten Verlauf. Also nochmal: Impfstoffe wirken!

Tommy Krappweis und Carsten Watzl. Bild: selbst

Dann traten zur Eröffnung alle Gäste auf, auch Lydia Benecke, die noch tief in der Nacht von einer anderen Veranstaltung aus Dresden gekommen war und sich auf dem Weg aufi auf’n Berg erstmal verfahren hatte. An diesem Tag gab es dann zuerst ein Panel mit Florian Aigner, anschließend wurde Martin Moder, der in Wien mit den „Sciencebusters“ auftrat, online zugeschalten. Das nächste Panel gehörte Carsten Watzl, bevor Hoaxilla das Nachmittagsprogramm bestreiten durfte: Alexander Waschkau war ein paar Jahre zuvor an der Produktion eines Interviewfilms mit Dr. Axel Stoll beteiligt, einem (Zitat Psiram) „Geologen, Autor, Betreiber eines Eigenverlags und Internetaktivist in Sachen Neuschwabenland-Mythos aus Berlin“. Der Film mit dem Interview wurde gezeigt, anschließend beantworteten er und seine Frau Fragen. Den Film konnte man neben dem Buch zum Film ebenfalls käuflich erwerben. Ich kannte den Film nicht und es war unglaublich, mit welcher Ernsthaftigkeit der Geologe hier von Reichsflugscheiben, einer geheimen Nazibasis in Antarktika und Zeitreisen erzählte. Es mag albern erscheinen, aber neben dem ganzen Geschwurbel, das Stoll in dem Interview von sich gibt, ist mir vor allem eine Szene im Gedächtnis geblieben: Stoll behauptet, mit Erich von Däniken befreundet zu sein, worauf zu von Däniken geschnitten wird, der völlig empört in die Kamera spricht, dass er Stoll nicht kenne. Von Däniken könne zwar nicht ausschließen, dass er Stoll mal begegnet ist, aber mehr als ein (Zitat) „Vis-à-Vis“ sei das dann nicht gewesen. Stoll ist also selbst anderen Menschen aus der „Szene“ zu peinlich gewesen.

Anschließend fand das erste „Meet and Greet“ statt, und zwar im Bereich der Rezeption des Hotels. Hier ist mir aufgefallen, dass ich meine Ausgabe von „Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl*“ von Florian Aigner leider zu Hause vergessen hatte. Also, keine Widmung – noch nicht! Was die Bücher der anderen betrifft, so hatte ich mir die immer auf die Wunschliste gesetzt, aber wie es manchmal so ist, keiner will es einem schenken und man selbst denkt nicht dran. Vielleicht fanden es meine Familie und meine Freunde etwas merkwürdig, dass ich ein Buch über Psychopathen wollte und hielten davon Abstand es mir zu schenken. Aber hier bot sich mir die Gelegenheit, meine Bibliothek aufzustocken. Zumindest theoretisch.

Der Konferenzsaal im Landhaus des Hotel Sonnenburg. Bild: selbst

In der Praxis war das so: Bedingt durch die Pandemie hatte ich regelmäßig kaum noch Bargeld bei mir. Mir war allerdings klar, dass jemand, der auf so einer Veranstaltung Bücher verkauft, vermutlich kein Kartenlesegerät zum bargeldlosen Bezahlen hat. Also wollte ich mir bei Gelegenheit genügend Bargeld holen, um mich mit Büchern einzudecken. Nun kenne ich mich selbst quasi seit meiner Geburt und sollte eigentlich wissen, dass ich irgendwas machen muss, damit ich mich an solche Kleinigkeiten erinnere, ein Knoten ins Taschentuch oder irgendwas. Ich hatte die ganze Woche bevor ich nach Österreich fuhr, kein Geld geholt. Auf dem Weg nach Österreich hielt ich dann auf der Raststation Bodensee Hörbranz aus mehreren Gründen, Toilette, essen, Pickerl kaufen, sowas eben. Auf dem Weg ins Gebäude entdeckte ich sehr zu meiner positiven Überraschung einen Geldautomat, den aufzusuchen ich mir vornahm, sobald ich alles erledigt hatte, was ich im Innern des Gebäudes tun wollte. Nachdem ich erfolgreich miktioniert, ein Pickerl besorgt und was zu essen hatte, verließ ich das Gebäude wieder – und vergaß, dass ich eigentlich noch Geld holen wollte. Das fiel mir erst auf der Autobahn wieder ein und ich hoffte, das ein so bekannter Ort wie Lech doch wohl auch einen Geldautomat haben würde.

Das Problem war nur: Ich war ja gar nicht in Lech. Und in Oberlech gibt es Hotels, Skipisten und eine Seilbahn. Dazu kommt, Oberlech liegt ein ganzes Stück oberhalb von Lech. Zu Fuß ist es zu weit, oder sagen wir mal, es bedarf einer längeren Wanderung und nachdem ich mal oben angekommen war, wollte ich nicht wieder mit dem Auto runterfahren. Doch als ich an der Rezeption nachfragte, ob ich irgendwo Bargeld herkriegen könnte, möglichst ohne einen unbedarften Wanderer überfallen zu müssen, hatten die eine Lösung parat, von der ich noch nicht gehört hatte: Ich konnte mir vom Hotel Geld auszahlen lassen, das dann auf meine Zimmerrechnung geschrieben wurde. Ausgezeichnet! Die Sonnenburg hat mir da das Wochenende gerettet.

An diesem ersten Tag ließ ich mir daher „nur“ erstmal eine spezielle Autogrammkarte unterschreiben mit den Bildern von allen. Beim „Meet and Greet“ konnte man die Gäste nochmal aus der Nähe erleben und so feststellen, dass Bernd Harder wirklich sehr groß ist. Es war sehr angenehm und die Runde bot tatsächlich auch die Möglichkeit, ein paar Worte mit jedem zu wechseln. Allerdings habe ich es vermieden, Holm Gero Hümmler zu erzählen, dass ich erst vor kurzem am CERN in Genf war, wo er im Rahmen seines Physikstudiums mal gearbeitet hat. Ich habe da lediglich eine Besuchertour mitgemacht, also nichts, was mich dazu qualifiziert, mit einem Physiker fachzusimpeln.

Am CERN in Genf…

Nach dem – wie bereits erwähnt sehr opulenten – Abendessen kam dann noch etwas besonderes: ein #Ferngespräch live, das natürlich auch auf Twitch übertragen wurde. Anschließend machten Tommy und sein Bruder noch Musik in der Bibliothek, doch da war ich schon im Bett. Leider hatte sich seit Freitag mein Weisheitszahn bemerkbar gemacht und er ist der Meinung, dass wir uns auseinander gelebt hätten. Aber wir können ja Freunde bleiben, wenn er ausgezogen ist. Die Trennung wird schmerzhaft werden, aber sie ist notwendig. Jedenfalls hatte mich das bewogen, unter dem Einfluss von Ibuprofen stehend schlafen zu gehen, was ich im Nachhinein etwas bereute, denn was ich am nächsten Tag so mitbekam, war es wohl ein toller Abend.

Das Landhaus des Hotel Sonnenburg. Bild: selbst

Teil 5: #Ferngespräch Convention 2021 – Tag 2

Der Sonntag begann ebenfalls mit einem Frühstück, bevor gleich mit einem Vortrag von Bernd Harder losgelegt wurde. Die Überschrift war „#Ferngespräch – Das Ungesagte“, und auf extrem humorvolle Weise lieferte er ein paar Fakten nach, die aus verschiedenen Gründen bei den „Ferngesprächen“ zu kurz gekommen waren. Anschließend trug Holm Gero Hümmler etwas dem Buch „Fakt & Vorurteil: Kommunikation mit Esoterikern, Fanatikern und Verschwörungsgläubigen*“ vor, das er zusammen mit Ulrike Schiesser geschrieben hat. In dem Buch stellt er fest, dass es doch einen Sinn hat, solchen Menschen zu widersprechen, wenn sie Unfug erzählen und gibt Tipps, wie man das angehen kann.

Tommy Krappweis und Lydia Benecke. Bild: selbst
Tommy Krappweis und Holm Gero Hümmler. Bild: selbst

Als nächstes war Lydia Benecke an der Reihe, die zum Thema „Wie Trickser sich Wissenschaftsskepsis und alternative Heilmethoden zunutze machen“ sprach. Es handelte sich um einen Vortrag, den sie schon auf der SkepKon gehalten hatte. Auf unangenehme Weise wurde ich an eigene Erlebnisse erinnerte, als Lydia von einer Foodbloggerin erzählte, die behauptete, an Krebs erkrankt zu sein, um zu „beweisen“, wie sie den Krebs allein mit ihrer Ernährung bekämpft. Es ist unglaublich, wie skrupellos manche Menschen sind, um Aufmerksam zu erlangen oder um anderen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Tommy Krappweis und Annika Brockschmidt. Bild: selbst

Doch der Vortrag von Annika Brockschmidt war nicht minder verstörend, die Passagen aus ihrem neuen Buch „Amerikas Gotteskrieger: Wie die religiöse Recht die Demokratie gefährdet*“ vorlas und dazu ein paar Zusatzinformationen gab. So räumte sie zum Beispiel mit dem Märchen auf, das die Evangelikalen gerne verbreiten, dass deren „heilige Mission“ mit dem amerikanischen Grundsatzurteil zur Abtreibung begonnen hätte. Im Gegenteil, am Anfang waren die Evangelikalen noch ganz einverstanden mit dem Abtreibungsrecht. Erst als sie feststellten, dass man mit dem Thema Bauernfängerei betreiben konnte, schrieben sie es sich auf die Fahnen und erfanden den Mythos, dass der Sohn eines evangelikalen Führers geweint hätte, als er begriffen habe, was Abtreibung sei und was das Urteil bedeute. Interessant, gab’s da nicht so ein Gebot in der Bibel, das explizit das Lügen verbietet? Es bestätigt mich in meiner eigenen Erfahrung, diejenigen, die am Christlichsten tun, sind die größten Heuchler vor dem Herrn (Pointe beabsichtigt).

Anschließend gab es das zweite „Meet and Greet“ direkt außerhalb vom Konferenzsaal auf der Terrasse mit einer grandiosen Aussicht. Inzwischen hatte ich mich mit Büchern eingedeckt und ließ sie mir signieren. Wieder hatte man die Gelegenheit, ein paar Worte mit den Gästen zu wechseln und es war einfach großartig.

Das Panorama vom Konferenzsaal aus. Bild: selbst

Dann war es aber auch schon Zeit für die „Closing Ceremony“, die große Verabschiedung, die noch ein paar Überraschungen bereithalten sollte. Tatsächlich gab es an dem Abend noch Programm, aber nicht wenige mussten – so wie ich auch – nach dem Abschluss wieder abreisen. Und was für ein Abschluss es war! Alle kamen nochmal zusammen und Preise wurden verlost. Schade, dass es zu Ende war. Mal sehen, wann es mir gelingt, wieder hier zu sein. Das Schwimmbad muss ich unbedingt ausprobieren. Und wer weiß, wenn ich selbst mal wieder etwas Literarisches rausbringe, vielleicht ist das sogar eine Location für eine Lesung.

Zurück zur Convention und dem Abschluss, denn nun kamen die Überraschungen. Von allen Beteiligten gab es noch ein Abschlusswort, doch die von Bernd Harder und Holm Gero Hümmler stachen hervor. Holm erzählte, wie er am „#Ferngespräch“ teilnahm und es ganz witzig fand, dass die Beteiligten für ihn aber mittlerweile Familie seien. Und das beziehe er nicht nur aufs Panel, sondern auch auf die Community. Es war das zweite Mal, das Tommy bei der Abschlusszeremonie sprachlos war.

Das erste Mal war bei Bernd Harders Schlusswort, das er vor Holms gab, das ich aus Gründen aber als zweites wiedergeben möchte: Bernd erzählte, dass ein Skeptiker sein eigentlich nicht immer angenehm sei, da die Skeptiker den Menschen immer nur Sachen wegnehmen, nämlich ihre Weltbilder. Sie beweisen, dass die Erde nicht flach ist oder bestimmte Heilmethoden nicht funktionieren und könnten das nicht füllen. Doch er habe erfahren, dass das nicht stimmt, denn man würde den Menschen doch etwas geben. Zum einen so eine Gemeinschaft wie die Community der „Ferngespräche“, achtsame Menschen, die gut miteinander umgehen. Und damit würde man noch etwas geben, nämlich das, was er „demokratische Herdenimmunität“ nannte, einen Widerstand gegen den Blödsinn und den Schwurbel, eine Immunität, die die Gesellschaft im Ganzen zu etwas besseren mache.

Nana Walzer. Bild: selbst

Ich möchte da gleich mit einsteigen und sagen, dass es sowieso nicht einseitig ist, denn auch die Schwurbler nehmen ihren – wenn ich sie mal so nennen darf – „Opfern“ etwas weg, nämlich die Vernunft und die vielen wundervollen Dinge, die das Leben in diesem Universum so bereithält. Erst vor kurzem habe ich einen interessanten Text eines Skeptikers gelesen, in dem er den Menschen, die an die „flache Erde“ glauben, ein paar interessante Fragen stellt. Unter anderem sowas wie „Wenn die Raumstation ISS gar nicht existiert, sondern nur eine Projektion ist, wo steht dann der Projektor? Und warum sehen wir die Strahlen von dem Projektor nicht, wenn die Nacht mal neblig oder bewölkt ist?“ Das brachte mich auf den Gedanken: Wenn ein Flacherdler glaubt, die ISS sei sowieso nur eine Illusion, dann kriegt er ja gar nichts mit von den vielen erstaunlichen Dingen, die wir herausfinden, wenn wir das Weltall erforschen. Alle diese Wunder werden ihm weggenommen und das Leben wird leer. Wenn die Skeptiker es schaffen, die Menschen gegen diesen Blödsinn zu immunisieren, dann behalten sie die Wunder – oder wenn sie eine Zeitlang den Schwurblern gefolgt sind, dann bekommen sie diese Wunder wieder. Dann müssen sie nichts mehr dazu erfinden, das Leben selbst ist erstaunlich genug.

Das gleiche findet man überall – ist es nicht erstaunlich, was die Medizin kann? Wir sind gerade dabei, Impfstoffe gegen Krebs zu erfinden, damit die Krankheit noch mehr von ihrem Schrecken verliert. Auch das wird den Menschen von den Schwurblern weggenommen und wenn es schlecht läuft durch einen frühen, schmerzhaften, grausamen Tod ersetzt.

In diesem Sinne haben die „Ferngespräche“ sehr viel erreicht. Wir dürfen uns jetzt nur nicht ausruhen. Und eine Veranstaltung wie die „#Ferngespräche Convention“ trägt sicher dazu bei. Ich hatte selbst ein paar sehr interessante Gespräche an diesem Wochenende, aber irgendwie habe ich keine Adressen oder sowas ausgetauscht (wo hatte ich nur meinen Kopf?). Aber immerhin, wenn ich das nächste Mal im Twitch-Stream von WildMics bin und verschiedene Chatnamen entdecke, habe ich eine Vorstellung davon, wer dahinter steckt. Es war richtig schade, dass ich die Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt schon verlassen musste und damit eine Spezialausgabe von „#AlleBekloppt“ verpasste. Außerdem hätte ich gerne noch so eine oder zwei oder drei Nächte in diesem wunderbaren Bett verbracht und im Hotel mal das Schwimmbad oder die Massageabteilung ausprobiert. Ich bin kein Skifahrer, aber ich denke, ich muss da irgendwann irgendwie nochmal hin.

Also, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Du noch kein „#Ferngespräch“ miterlebt hast und dieser viel zu lange und ausführliche Bericht Dich neugierig gemacht hast, dann schau doch mal rein, immer Dienstags bei den WildMics auf Twitch. Und ganz egal, ob Du zum ersten Mal dabei bist oder regelmäßig zuschaust, vielleicht sehen wir uns mal im Chat.

Wichtig ist nur, dass wir weitermachen mit der „demokratischen Herdenimmunität“, gerade in den Zeiten der Pandemie. Denn wie heißt es in einem Epos so richtig?

Es ist noch nicht überstanden!

Prinzessin Leia Organa in „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“

Teil 6: Anhang

Hier nochmal zusammengefasst die wichtigsten Links und Hinweise auf Bücher. Die mit „*“ gekennzeichneten Links sind so genannte „Affiliate-Links“ und führen auf die Webseite von Amazon, dafür gibt’s eine kleine Vermittlungsgebühr für mein Projekt. Wer das doof findet (oder Amazon allgemein doof findet), schreibe sich den Titel des entsprechenden Buches auf und besorge es sich bei der Buchhandlung seiner / ihrer Wahl. Wichtig ist nur: Diese Bücher helfen bei der demokratischen Herdenimmunität, egal wo Ihr sie herkriegt. Weitere Links befinden sich auch oben im Text.

Ergänzung: Highlights der #Ferngespräche Con 2021 – hier gibt es einen Zusammenschnitt von WildMics.


1 Einer der beiden Sketche ist mir hängengeblieben, weil hier – vermutlich weil „RTL Samstag Nacht“ Jubiläum hatte – die echten Darsteller aus „Derrick“, Horst Tappert und Fritz Wepper auftraten und auf ihre Parodie-Ebenbilder trafen. Nachdem es etwas Verwirrung gab, weil ja nun zwei „Stefan Derricks“ und zwei „Harry Kleins“ auf der Bühne standen, löste sich das auf, indem Tappert sagte: „Ich heiße eigentlich gar nicht Stefan, ich bin der Horst.“, worauf Wepper erwiderte: „Ich bin auch gar nicht der Harry, ich bin der Fritz.“, Tommy (als Harry Klein): „Und ich auch nicht der Harry, ich bin der Tommy.“ Nur Stefan Jürgens (als Derrick) betonte: „Aber ich bin und bleibe Stefan!“
Der zweite Sketch ist eine Diskussion zwischen Derrick und Klein über die Namen der beiden, der ging ungefähr so (Wiedergabe aus dem Gedächtnis):

  • Klein: Du, Stefan?
  • Derrick: Ja, Harry?
  • Hast Du eigentlich einen zweiten Vornamen?
  • Harry, Harry.
  • Dein zweiter Vorname ist Harry-Harry, Stefan?
  • Nein! Mein zweiter Vorname ist Harry… Harry.
  • Ach so.
  • Du, Harry?
  • Ja, Stefan?
  • Hast Du auch einen zweiten Vornamen, Harry?
  • Stefan, Stefan.
  • Dein zweiter Vorname ist Stefan-Stefan?
  • Nein. Mein Name ist Harry Stefan Klein, Stefan Harry Derrick.
  • Meine Mutter… die nannte mich immer „Klein-Stefan“.
  • Ach so.
  • Du, Harry Stefan?
  • Ja, Stefan Harry?
  • Hol schon mal den Wagen.

2 Das klingt jetzt ziemlich despektierlich, ist es aber nicht gemeint. Das „Spiel“ war ziemlich eindeutig nach dem Vorbild des Computerprogramms „Monty Python’s Complete Waste of Time“ gestaltet, eigentlich gab es keine Handlung, sondern man rief auf Mausklick die bekanntesten Sketche und ähnliches aus der Serie auf (so betrauerte Stefan Jürgens zum Beispiel Karl Ranseier wieder und wieder oder Mirko Nontschew gab den „Märchenmänn“).

3Für jene, die das nicht wissen: Ich trinke keinen Alkohol. Mein ganzes Leben lang musste ich mich dafür rechtfertigen, dass ich es ablehne, mir mit einem Neurotoxin die Hirnzellen wegzuschießen. Das ist meine Entscheidung. Ich habe noch nie versucht, irgendjemanden vom Alkohol wegzubringen. Warum kann man mich umgekehrt nicht in Ruhe lassen?

PHANPRO 156: PHANTUM – Der Podcast – Die PHANTUM-Bedrohung

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https://youtu.be/a2dH7ITlAto

Seit ein paar Monaten gibt es vom Phantastischen Projekt auch einen Podcast. Dies ist die Auftaktepisode, rein aus Werbegründen. Den Podcast gibt es bei vielen Portalen (Apple Podcasts, Spotify, Google Podcasts, Deezer, Amazon Music, Samsung…), die einzelnen Folgen erscheinen auch auf der Webseite vom Phantastischen Projekt, oder direkt hier:

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Ob weitere Folgen des Podcasts auch im YouTube-Kanal erscheinen, muss sich noch entscheiden. Mal sehen, wie das ganze generell so startet…

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