PHAN.PRO 153: STAR WARS – Die letzten Jedi | Eine Allegorie auf toxisches Fantum

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/yqhJ9pHGU4c

Die Episode 8 der STAR-WARS-Reihe ist das, was man gemeinhin „kontrovers“ nennt. Teilweise wurden sowohl der Regisseur als auch die Schauspieler vom toxischen Teil der STAR-WARS-Fans heftig angegangen, was ein wenig tragikomisch ist, denn in diesem Film gibt einen Handlungsstrang, der von diesen toxischen Fans erzählt. Diesen Handlungsstrang wollen wir uns hier mal ansehen.

Das Ende von 2020

Weihnachtliche Stadt

Es fällt mir schwer, für diesen Beitrag eine jubelnde oder auch nur nachdenkliche Überschrift zu finden. Ich denke „Das Ende von 2020“ trifft es ganz gut. Es erinnert an alte Filmserials aus den 1930er und 1940er Jahren, bei denen der Titel der letzten Episode gern mal „Das Ende des [Bösewichts]“ hieß und damit versprach, dass der Bösewicht nun endlich bekommt, was er verdient. Das Leben ist zwar kein Filmserial und nur weil 2020 vorbei ist, heißt das noch gar nichts. Aber vielleicht dürfen wir uns einen kleinen Strahl Hoffnung gönnen.

Das vergangene Jahr hat uns das Beste und das Schlechteste der Menschheit gezeigt. Wir haben erfahren, dass die Menschen, die sich um ihre Mitmenschen sorgen, zum Glück immer noch in der Mehrheit sind. Wir mussten aber auch lernen, dass diejenigen, denen andere ziemlich egal sind (man erinnere sich nur an: „Es trifft eh nur Alte und Kranke, lasst die doch sterben!“), das in einem wortwörtlich menschenverachtenden Sinn meinen. Wissensfeindlichkeit und Wissenschaftsfeindlichkeit sind weiter verbreitet, als wir befürchtet haben. Aber nun sind wir gewarnt und können reagieren.

Ich hoffe, dass es mit 2021 nun aufwärts gehen kann. Danke an diejenigen, die so unablässig daran arbeiten, dass es besser wird und die sich dabei teilweise selbst in Gefahr bringen. Noch ist es nicht überstanden, aber wenn wir zusammenhalten, kriegen wir das hin.

Eine ruhige Zeit für die letzten Tage es Jahres 2020 und viel Kraft für alle, damit 2021 ein besseres Jahr wird.

Weihnachtliche Stadt
Photo by Ilona Frey on Unsplash

Flash Gordon – Die Hörspielreihe (1981 – 1982?)

Man kann ja nicht sagen, dass Heikedine Körting, die Chefin von EUROPA Hörspiele nicht umtriebig war. Neben Hörspielkultserien wie „Die drei ???“, „TKKG“ oder „Fünf Freunde“ produzierte sie für das Label noch Serien zu Kinofilmen, zum Beispiel „James Bond“ und „A Nightmare on Elm Street“ (!). Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die Hörspiele von Flash Gordon, die im Zug des Filmes von Dino DeLaurentiis erschienen.

Tatsächlich hatte es zuvor schon Mitte der 1970er Jahre Flash-Gordon-Hörspiele gegeben. Aber erst mit dem Kinofilm nahm das richtig Fahrt auf. EUROPA war das Meisterstück gelungen, nicht nur die Rechte an der Handlung zum Flash-Gordon-Film und dessen Titellied (!) zu erwerben, sondern auch die Rechte für eine Fortführung der Reihe, basierend auf den Comics von Alex Raymond. So sind insgesamt 10 Folgen entstanden, bevor die Reihe endete, ohne die Handlung zu einem Ende zu bringen. Schauen wir mal kurz drüber.

Photo by mayte wisniewski on Unsplash
  1. Flash Gordon – Der Superstar im Reich der Sterne: Diese Folge deckt die Handlung des Kinofilms ab – Flash Gordon, Doktor Zarkov und Dale Arden fliegen nach Mongo, treffen auf Barin und Vultan und mit ihrer Hilfe stürzen sie den Imperator Ming. Ming verschwindet durch die magische Kraft seines Rings. Am Ende des Hörspiels fällt Flash auf, dass jemand den Ring mitgenommen haben muss.
  2. Mings Rückkehr: Diese Folge dient als unmittelbare Fortsetzung der Kinofilmhandlung – Ming kehrt mit der Hilfe seines magischen Rings zurück. Flash und seine Gefährten setzen alles daran, den Ring zu zerstören, um Ming eine erneute Rückkehr zu verwehren. Zwei Dinge sind in diesem Hörspiel interessant, zum einen wird der von F. J. Steffens gesprochene Magier, der Ming mit Hilfe des Rings zurückholt, als „klein, grün und mit Ohren wie ein Esel“ beschrieben – was so grob dem Aussehen von Yoda aus „Star Wars“ entspricht. Zum anderen ist die Verräterin, die Mings Ring an sich bringt und so dessen Rückkehr erst ermöglicht, eine Person mit Namen Gräfin Sonja. Dabei handelt es sich um eine Figur, die im dritten Flash-Gordon-Serial von 1940 eingeführt wurde, dort ist sie eine Spionin für Ming in Barins Palast. Die Episode wurde geschrieben von H. G. Francis, der sich unter anderem einen Namen als Autor der Science-Fiction-Reihe „Perry Rhodan“ machte.
  3. Die Sklavenjäger des Ming: Flash Gordon und seine Gefährten sind auf der Flucht vor Ming. Unterschlupf finden sie bei Barin in Arboria (oder auf Arboria?). Aber auch hier sind sie vor Nachstellungen nicht sicher. Doktor Zarkov wird zudem von einem wilden Tier (einem wilden Eichhörnchen!) gebissen und muss zur Behandlung ins Eisland Frigia.
  4. Sieg über tödliche Gefahren: Ming hält Flash Gordon für tot und streckt seine Klauen nach Arboria aus. Sein Ziel: Er will das Kind von Barin und Aura, also seinen Enkel, in seine Hand bekommen. Flash hat allerhand zu tun, um das zu verhindern. Schließlich erfährt Ming jedoch, dass sein Todfeind noch lebt und Gordon beschließt, Arboria zu verlassen, um Barin, Aura und ihren Sohn nicht in Gefahr zu bringen.
  5. Die Verräterin aus dem ewigen Eis: Flash Gordon und Dale Arden gehen in den Norden, ins Königreich Frigia. Die Herrscherin hier ist Königin Fria, eine glühende Anhängerin von Ming. Flash muss also seine wahren Ansichten vor ihr verbergen, während es gleichzeitig darum geht, einen geheimnisvollen Attentäter zu überführen. Außerdem treffen er und Dale Arden Doktor Zarkov wieder.
  6. Brukka, der Feuergott: Auch im hohen Norden findet Flash keine Ruhe – Dale und Zarkov sind in die Hände der Riesen gefallen, die einem unheimlichen Wesen, dem „Feuergott“ dienen. Flash und Fria müssen zusammenarbeiten, um die Freunde zu retten.
  7. Das grüne Ungeheuer: Ein riesiges Tentakelmonster bedroht Frigia. Flash, Dale, Zarkov, Fria und ein Team machen sich auf, es zu bekämpfen. Dabei kommt es allerdings zum Konflikt zwischen Fria und Dale, der Grund ist – wie es damals so üblich war – natürlich Flash. Am Ende des Hörspiels sehen Flash und seine Freunde ein, dass sie Frigia verlassen müssen, während Fria Rache schwört und vorhat, Ming einzuschalten.
  8. Flucht zur Erde: Der Verrat von Fria kommt gleich am Anfang der Episode zum Tragen, Dale wird von Ming entführt, um Flash Gordon in eine Falle zu locken. Außerdem plant Ming einen Angriff auf die Erde. Flash hat nicht mehr sehr viel Zeit, doch dann macht er die Zeit zu seinem Verbündeten. Am Ende dieser Episode wird Ming (offenbar) hinters Licht geführt und dazu gebracht, sein eigenes Raumschiff zu sprengen, was das erneute Ende des Diktators bedeutet. Oder tut es das?
  9. Die Bestie aus dem Weltall: Zurück auf der Erde werden Flash Gordon, Dale Arden und Doktor Zarkov Zeuge merkwürdiger Ereignisse. Ein amerikanisches Schiff wird von amerikanischen Flugzeugen beschossen. Die Besatzung des Schiffes macht einen merkwürdigen Eindruck. Schließlich stellen unsere Helden fest, dass diese unter dem Einfluss eines fremden Wesens stehen, das Menschen als Wirtskörper für die Eiablage braucht.
  10. Das Tor des Unheils: Flash Gordon goes „Stargate“ – und das lange bevor es „Stargate“ überhaupt gab. Auf der Erde wird ein Teleportertor errichtet. Das Gegenstück dazu steht auf Mongo und wie Flash und seine Gefährten von Königin Fria erfahren, wurde Ming in Folge 8 wohl doch nicht in die Luft gesprengt, er lebt und will jetzt die Erde erobern. Flash gelingt es, das Teleportertor zu sprengen…

…doch dann war es vorbei. Folge 10 war die letzte der Reihe, schnörkellos wurde sie beendet, ohne die Erzählstränge zu einem Ende zu bringen. Es gibt Gerüchte, dass noch weitere Hörspiele produziert wurden, aber die Verkäufe wohl soweit zurückgegangen waren, dass sich eine Veröffentlichung nicht mehr gelohnt habe. Ob es diese Produktionen wirklich gegeben hat, weiß ich nicht (und selbst wenn, stellt sich immer noch die Frage, wie weit fortgeschritten die Produktion schon war – waren die Folgen wirklich schon fertig produziert, oder befanden sie sich noch in einer Vorstufe?). Auf jeden Fall schienen EUROPA die Verkaufszahlen von „Flash Gordon“ nicht mehr zu passen und man zog den Stecker.

Die Qualität der Hörspiele, die allesamt aus der Feder von besagtem H.G. Fancis stammen, ist unterschiedlich, aber meiner Meinung nach ist kein „Totalversager“ dabei. Was aus heutiger Sicht so ein bisschen merkwürdig wirkt, ist diese ständige Eifersüchtelei zwischen den verschiedensten weiblichen Figuren, die sich allesamt um Flash streiten. Davon abgesehen hat die Serie sehr spannende Momente.

Natürlich – wie man das von einer EUROPA-Produktion erwartet – wirkten auch hochkarätige Sprecher mit: Horst Frank, ein bekannter Schauspieler und Charakterdarsteller mit markanter Stimme, war der Erzähler. Flash Gordon wurde von Lutz Mackensy gesprochen, den man ungefähr zur gleichen Zeit im Fernsehen in der Serie „Der Androjäger“ sehen konnte und der später Horatio Caine in der deutschen Version von „CSI: MIAMI“ seine Stimme lieh. Doktor Zarkov (diesmal ohne Vornamen) bekam seine Bassstimme von Gottfried Kramer, der in der Hörspielreihe von „Tim und Struppi“ bei Maritim Kapitän Haddock sprach. Heidi Schaffrath war die Sprecherin von Dale Arden, deren ebenfalls markante Stimme in vielen Hörspielen, Synchronrollen und anderen Audioproduktionen zu hören war. Und last but not least Jürgen Thorman, der Imperator Ming nicht nur im Hörspiel, sondern auch im Kinofilm sprach (er ist übrigens der einzige Sprecher, der aus der Kinofilmproduktion in die Hörspielreihe wechselte1).

Die Musik stammte aus dem Archiv von EUROPA, deswegen hörte man auch so viele Melodien, die man zum Beispiel auch von den „Drei ???“ kannte. Einzig das Titellied, eine Coverversion von „Flash“ von Queen, blieb natürlich dieser Reihe vorbehalten.

H.G. Francis hat sich bei der Bearbeitung des Stoffes „Flash Gordon“, teilweise sehr exakt an die Vorlagen von Alex Raymond gehalten. Dabei sind ein paar Dinge mit reingerutscht, die heute natürlich etwas merkwürdig antiquiert wirken. Sagen wir es mal so, den Bechdel-Test würden wahrscheinlich nicht alle Folgen so ganz bestehen. Würde man so eine Reihe heute produzieren, müsste man da mehr überarbeiten und vor allem für mehr Konsistenz sorgen. Raymond hat eben, das habe ich auch schon geschrieben, eher spontan gearbeitet.

So verbreiten diese Hörspiele heute einen gewissen Hauch von Nostalgie.


1= Interessanterweise hat man in der deutschen Variante des Films noch mehr den Bezug zu „Star Wars“ hergestellt. Man findet fast alle Synchronsprecher von Hauptfiguren aus dem einen auch im anderen Film, nämlich Hans-Georg Panczak (Luke Skywalker / Flash Gordon), Wolfgang Pampel (Han Solo / Prinz Vultan), Heinz Petruo (Darth Vader / Klytus) und Frank Glaubrecht (Prinz Barin / Lando Calrissian).

Flash Gordon (1980)

Auch wenn es aus deutscher Perspektive so gewirkt hat, aber Flash Gordon war nie wirklich so ganz weg. Wie ich in den anderen Artikeln schon schrieb, lief die Comicserie munter weiter. Nach den Serials der 1930/40er Jahre wurden noch weitere Serien – diesmal fürs Fernsehen – produziert. Außerdem wurden die Serials zunächst zu Filmen umgearbeitet, dann aber ebenfalls im Fernsehen ausgestrahlt. Damit sie nicht mit der laufenden Fernsehserie „Flash Gordon“ verwechselt wurden, erhielten sie eine neue Titelergänzung, nämlich das Wort „Space Soldiers“. Das erste Serial hieß damit also vollständig „Flash Gordon – Space Soldiers‘ Adventures on Planet Mongo“, das zweite „Flash Gordon – Space Soldiers‘ Trip to Planet Mars“ und das dritte „Flash Gordon – Space Soldiers conquer the Universe“.

Eigentlich war es dann George Lucas, der Flash Gordon zurück auf die große Leinwand bringen wollte. Aber er konnte die Rechte nicht erwerben und schrieb daher „Star Wars“. In „Star Wars“ sieht man schon die Inspirationen, die Lucas eindeutig aus den alten Serials bekam. Am deutlichsten ist das zu sehen an dem Vorspann mit der davonfliegenden Schrift, das wurde nämlich bereits in „Flash Gordon conquers the Univers“ und in dem 1939 erschienenen Serial „Buck Rogers“ gemacht. Aber der Erfolg von Lucas‘ Film führte dazu, dass Ende der 1980er Jahre wieder ein Kinofilm mit Flash in Angriff genommen wurde, produziert von Dino DeLaurtentiis.

Photo by Philippe Van Doninck on Unsplash

Die Handlung: Der Mond gerät langsam aus seiner Bahn und nähert sich der Erde. Das verursacht eine Reihe von Naturkatastrophen auf dem Planeten. Niemand außer dem ehemaligen NASA-Wissenschaftler Doktor Hans (sic!) Zarkov hat eine Erklärung, und dessen Erklärung klingt arg weit hergeholt: Eine außerirdische Macht greift die Erde an. Er baut eine Rakete, doch Munson, sein Assistent, weigert sich, einzusteigen und läuft davon. Zufällig macht aber ein kleines Flugzeug eine Notladung bei seinem – besser gesagt, in seinem – Labor. An Bord befinden sich der Football-Spieler Flash Gordon (Quarterback bei den New York Jets) und die Reiseleiterin Dale Arden. Zarkov zwingt sie unter Waffengewalt in seine Rakete, da er jemanden braucht, der mit ihm die Kontrollen bedient.

Eigentlich will er Gordon gehen lassen1, damit er der Welt berichtet, dass Zarkov unterwegs ist, den Angriff abzuwehren, aber ersterer versucht, den Doktor zu überwältigen. In dem Handgemenge prallt Zarkov gegen den Startknopf und die Rakete fliegt mit allen drei an Bord ins All.

Sie geraten in ein fremdes Kraftfeld, den „imperialen Vortex2„, in dem die seltsame Welt Mongo liegt, dem Herrschaftsbereich von Ming dem Gnadenlosen. Kaum gelandet werden sie auch schon dem Herrscher vorgeführt, in dessen Palast gerade eine Audienz stattfindet. Flash macht eine unbedachte Bemerkung, dass er Ming für einen „armen Irren“ hält. Ein Roboter gibt sie sofort an den Diktator weiter. Ming will Dale Arden für sich als „Kaiserin der Stunde“, Zarkov soll umprogrammiert werden und in der Geheimpolizei arbeiten und Flash soll hingerichtet werden. Die Hinrichtung findet auch statt, aber Mings Tochter Aura hat Gefallen an dem Erdenmann gefunden und funkt dazwischen. Sie bringt Flash zu ihrem Geliebten, Prinz Barin von den Baummenschen. Hier erlebt der Erdling einige Abenteuer und bringt schließlich einige Bewohner Mongos gegen Ming auf.

„Flash Gordon“ ist ein besonderes Erlebnis als Film. Die Ästhetik ist sehr den Comics von Alex Raymond angepasst, die Handlung in gewisser Hinsicht allerdings in die Gegenwart geholt. Es ist nun also kein fremder Planet / Komet mehr, der sich der Erde nähert, sondern Ming, der „seine geistigen Kräfte“ auf den Erdmond projiziert. Außerdem sind ein paar Figuren dazugekommen, die der Comic (und die Serials) nicht kannten: Klytus beispielsweise, die linke Hand des Imperators. Es ist fast ein Witz, aber Klytus wurde eindeutig von Darth Vader aus „Star Wars“ inspiriert, auch er trägt eine Maske und… nunja, ist die linke Hand eines Imperators. Allerdings hat Klytus‘ Maske ein bewegliches Kinnstück, bei dem man ihn reden sieht. So gesehen hat also ein Film, der von „Flash Gordon“ inspiriert wurde, wiederum einen Film über Flash Gordon inspiriert.

General Kala, die Kommandantin der Palastwache, stammt ebenfalls nicht aus den Comics. Ansonsten treffen wir Prinzessin Aura, Prinz Barin und Prinz Vultan von den Falkenmenschen wieder. Der Film folgt den Ereignissen aus Comic und Serial „so ungefähr“, Flash begegnet Barin, beide werden zu Vultan in seine schwebende Stadt gebracht, von dort aus geht es quasi zum Angriff auf Mings Palast. Das ganze wird mit passendem Pathos und – wie schon erwähnt – mit passender Kulisse und passenden Kostümen erzählt.

Zwei neue Elemente der Handlung, die ich besonders raffiniert finde, sind Zarkovs Tragödie und Mings Versuch, Flash auf seine Seite zu ziehen. Zarkovs Tragödie besteht darin, dass dieser erfährt, dass er genau das Falsche gemacht hat. Der Angriff auf die Erde war kein wirklicher Angriff, sondern nur ein Test. Hätten die Erdbewohner es für Naturkatastrophen gehalten, wäre alles gestoppt worden und sie wären verschont geblieben. Da Zarkov aber bewiesen hat, dass die Bewohner der Erde fähig sind, Raketen zu bauen und ihm – Ming – gefährlich werden können, muss die Erde vernichtet werden.

Der Versuch Mings, Flash auf seine Seite zu ziehen, geschieht, nachdem der Imperator die flüchtigen Erdenmenschen in Vultans Stadt gestellt hat. Er bietet Flash ein Königreich an. Nicht irgendein Königreich, sondern die Erde! Ming geht davon aus, dass die Erdenmenschen leicht zu regieren sind, nachdem sie kurz vor der Vernichtung standen. Flash lehnt natürlich ab.

Am Ende gibt es da noch etwas, das ich schon als Kind nicht verstanden habe, aber da war ich wohl eindeutig Captain-Future-geschädigt. Als der Angriff auf Mings Palast beginnt, stellt Flash eine Uhr ein, auf dem man sehen kann, wieviel Zeit der Erde noch bleibt. Mir stellten sich dabei zwei Fragen: Erstens, woher weiß Flash, wieviel Zeit der Erde noch bleibt? Und zweitens: Zeit noch bleibt bis was genau passiert? Und hier spielt meine Erfahrung von „Captain Future“ eine Rolle, dort wurde nämlich erklärt (Lernen durch Science Fiction, yeah!), dass es eine Grenze gibt, wenn sich zwei Himmelskörper einander nähern. Wird diese so genannte Roche-Grenze unterschritten, bricht der kleinere Himmelskörper unter der Einwirkung der Gezeitenkräfte des größeren auseinander. Da der kleinere Himmelskörper aber davor schon zusammengestaucht wird, kann man nicht „den einen“ Punkt ausmachen, ab dem dieser Himmelskörper auseinanderbricht, er fängt bei Annäherung quasi an zu zerbröseln, bevor seine Stabilität den Gezeitenkräften nicht mehr standhält und er ganz auseinanderfällt. Würde der Mond sich der Erde nähern, wäre die Roche-Grenze rechnerisch irgendwo zwischen 18.000 und 9.000 Kilometer von der Erde entfernt (der Mond ist normalerweise zwischen 350.000 und 400.000 Kilometer entfernt3). Da der Mond aber ein relativ unflexibles Stück Felsen ist, würden schon vor der Roche-Grenze große Stücke aus ihm herausbrechen, mit der gleichen Geschwindigkeit auf die Erde zustürzen und dort große Verwüstungen verursachen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Gezeitenkräfte des sich nähernden Mondes natürlich auch Auswirkungen auf die Erde hätten. Man muss es den Drehbuchautoren anrechnen, dass sie etwas neues in die Geschichte einbrachten (statt dieser „Komet / Planet, der sich der Erde nähert“-Geschichte), aber die Idee mit dem sich nähernden Mond war wohl nicht ganz zu Ende gedacht. Haben die sich vorstellt, dass nichts passiert, solange sich Mond und Erde nicht berühren? Das Gegenteil wäre der Fall, auch wenn der Mond kurz vor der Roche-Grenze wieder „umkehrt“, würden die Trümmerstücke auf der Erde großen Schaden anrichten. Außerdem hätte sich die Masse des Mondes reduziert und damit auch die Balance, in der sich Erde und Mond derzeit befinden.

Vermutlich denke ich zu viel drüber nach. Aber sowas hat mich tatsächlich damals schon beschäftigt. Meinen Spaß an dem Film hat es nicht getrübt.

Eine Sache noch: Flash Gordon kommt, wie ich auch schon bemerkte, aus einer recht rassistischen Vergangenheit. In diesem Film ist davon bis auf die Namensgebung allerdings nichts mehr übrig. Ming der Gnadenlose wird nicht als Asiate dargestellt, der Schauspieler, der ihn spielt, ist der Schwede Max von Sydow. Er hat zwar – wie in den Comics – eine Glatze und die Augenbrauen sind geschminkt, um Ming ein leicht teuflisches Aussehen, aber mehr ist da nicht. In späteren Inkarnationen hat man Ming sogar grüne Hautfarbe gegeben, um ihn völlig außerirdisch wirken zu lassen.

Der Film „Flash Gordon“ war eindeutig darauf hingearbeitet, dass er eine Fortsetzung erhalten sollte. Der Darsteller von Prinz Vultan, Brian Blessed, hat bei einer Convention gesagt, der zweite Teil sollte der Handlung des Serials von 1938 folgen und Flash gegen Ming und Azura, die Königin der Magie, kämpfen. Ming wiederum sollte durch seine eigenen magischen Kräfte überleben. Am Ende des Films wurde er von Gordon schwer verletzt, so dass er seinen eigenen magischen Ring gegen sich selbst richtete und sich scheinbar auflöste. In der allerletzten Szene vor dem Abspann, während schon der Schriftzug „The End“ eingeblendet ist, sieht man allerdings, wie eine fremde Hand den Ring aufhebt. Neben dem „The End“ erscheint ein Fragezeichen und man hört Mings Lachen. Dann beginnt der Abspann. Eigentlich ist es schade, dass es nie zu einer offiziellen Fortsetzung kam. Die Gründe, die die Fortsetzung verhinderten, werden je nach Quelle unterschiedlich angegeben.

Und last but not least: die Filmmusik. Die geniale Musik von „Flash Gordon“ stammt von Brian May, dem Komponist von Queen. Auch ohne den Film dürften viele Leute das von Freddie Mercury gesungene „Flash! A-haaa!“ des Titelliedes kennen. Es war ein genialer Schachzug, den Soundtrack von einer Rockgruppe schreiben und singen zu lassen und so für noch mehr Verbreitung zu sorgen.

Der Film feierte dieses Jahr sein 40jähriges Jubiläum. Und jetzt fühle ich mich alt. Deswegen möchte ich diesen Artikel jetzt beenden, denn alte Menschen müssen früh ins Bett. Mir gefällt der Film, was mit Euch ist, weiß ich nicht, ich kann mich nicht um alles kümmern.


1= Zarkov will Gordon gehen lassen, weil Dale leichter ist. Wenn man es genau bedenkt, eigentlich eine logische Entscheidung.

2= Im deutschen wird „kaiserliche Galaxis“ daraus. Ein „Vortex“ ist schlicht und ergreifend ein Wirbel und so wie es aussieht, sollte es sich dabei tatsächlich weder um ein fremdes Sonnensystem noch um eine Galaxis handeln, sondern um etwas, mit dem Ming in der Lage ist, durch das Weltall zu „reisen“.

3= Alle Werte gerundet.

Flash Gordon erobert das Universum (Flash Gordon conquers the Universe, 1940)

Im Artikel über das erste Serial habe ich positiv angemerkt, dass der Rassismus, der im Originalcomic zweifelsohne vorhanden ist, zurückgefahren wurde. Man sah zwar die Anklänge an das Original noch, aber nicht in der drastischen Form. Gleichzeitig waren die Serials mehr auf Abenteuer und Spaß auf, als auf alles andere. Das änderte sich mit dem dritten Serial, denn die Situation der Welt hatte sich geändert.

Die Handlung: Die Erde wird erschüttert durch Unruhen, Kriege und Gerüchten über noch größere Kriege, die da kommen sollen. Mitten hinein in diese Lage kommt noch eine Pandemie, Menschen, die plötzlich an einer rätselhaften Krankheit sterben. Da die Toten einen purpurnen Fleck auf der Stirn haben, nennt man die Krankheit den „Purpur-Tod“ (Original: „purple death“). Doktor Zarkov, unterstützt von Flash Gordon und Dale Arden, unternimmt erneut eigene Forschungsarbeiten, die diesmal aber von den Wissenschaftlern der Erde unterstützt wird. Zarkov vermutet, dass die Krankheit aus dem Weltraum kommt und auf einem Erkundungsflug mit seinem Raumschiff stellen sie fest, dass die Theorie stimmt. Sie bringen ein Raumschiff auf, dass einen mysteriösen Staub in die Erdatmosphäre entlässt. Als sie diesem folgen, stellen sie fest, dass es vom Planeten Mongo kommt. Dort gelandet erfahren sie die schlechte Nachricht: Ming ist wieder zurück und er hat ein Terrorregime errichtet. Seine Feinde lässt er in Todeslager („concentration camps“ – sic!) sperren, besonders rebellische Menschen werden mit dem so genannten „Todesstaub“ in „Staubkammern“ („dust chambers“) hingerichtet. Gerade hat einer von Mings perfiden Wissenschaftlern den Todesstaub noch raffinierter gemacht: Er bringt nicht einfach alle Menschen um, sondern nur die von hohem Intellekt. Die tumben, einfachen, die eher nicht rebellieren und leichter zu kontrollieren sind, bleiben am Leben, damit sie als Sklaven dienen können.

Auf Mongo hat sich ein Widerstand gebildet, bestehend aus den Königreichen Arboria von Prinz Barin und dem Königreich Frigia unter Königin Freya. Zusammen mit ihnen will Flash Gordon alles unternehmen, um Ming ein für allemal zu stürzen.

Photo by Mert Kahveci on Unsplash

Es ist das Jahr 1940. Ursprünglich war die Stimmung in den USA mal, in dem seit 1939 stattfindenden Krieg in Europa neutral zu bleiben. Doch mit dem Vordringen von Nazi-Deutschland kam immer mehr die Meinung auf, dass man die Alliierten zumindest moralisch unterstützen müsste. In diesen Zeiten kamen auch immer mehr Filme und Comics auf, die bei Licht betrachtet als Propaganda eingestuft werden müssen. „Flash Gordon erobert das Universum“ ist eindeutig so ein Werk. Die Begriffe, die benutzt werden, sind deutlich („concentration camp“ oder auch „dust chamber“, das phonetisch an „gas chamber“ erinnert), sowie Mings Attitüde, zum Herrscher des Universums zu werden. Überhaupt, auch seine ganze Ausstattung – im Artikel über den Comic Flash Gordon habe ich eine mir heute unbekannte Quelle zitiert, die sagte, wenn Raymond den Comic zehn Jahre später erfunden hätte, würden die Bösewichte nicht wie Asiaten aussehen, sondern wie Deutsche. In diesem Serial sehen wir das deutlich, selbst Ming trägt eine Uniform, die an Preußen erinnert, einschließlich Hut mit Federbusch. Und noch etwas – Ming nennt seine Soldaten jetzt „Sturmtruppen“.

In seinem Wahn sagte Ming doch, ER sei das Universum. Nun, dann kann ich hiermit vermelden: Flash Gordon hat das Universum erobert.

Doktor Zarkov versucht in letzter Sekunde den Titel des Serials noch so zu erklären, dass es nicht allzu gewalttätig klingt

Auch die Handlung und andere Personen strotzen nur so von Anspielungen. Prinz Barin und seine Gefolgsleute von Arboria sollen eindeutig Engländer sein, sie sehen aus, als seien sie geradewegs einen Robin-Hood-Film entsprungen. Und da in den Produktionen Requisiten und Kostüme gerne mal wiederverwendet wurden, kann das sogar sein, die Arborianer tragen die bekannten Kostüme mit Strumpfhosen (!) und die dreieckigen Hüte mit Feder dran („Jägerhut“ / „woodsman hat“). Manche sind sogar mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Frigianer hingegen stehen für die Russen, in ihrem Königreich ist ewiger Winter und sie tragen Pelze und Fellmützen.

Zuletzt ist da natürlich Flash Gordon, der als Sinnbild für die Amerikaner steht. Das kann man sogar sehr direkt sehen, denn Gordon und seine Freunde greifen erst in den Konflikt auf Mongo ein, als die Erde betroffen ist. So war es auch mit Amerika.

Das Serial umfasst zwölf Episoden, die erste kam am 3. März 1940 in die Kinos. Nachdem alle zwölf Episoden gezeigt worden waren, dauerte es allerdings noch bis zum Jahr 1941, bevor Amerika in den Zweiten Weltkrieg eingriff.

Was in dem Serial noch auffällt, ist der Umstand, dass einige Schauspieler ausgetauscht worden sind. Nachdem Prinzessin Aura, Mings Tochter, im zweiten Serial gar keine Rolle spielte, wurde sie hier von einer anderen Schauspielerin dargestellt. Dale Arden und Prinz Barin hatten ebenfalls andere Darsteller. Dafür blieb es bei der Besetzung von Flash Gordon, Doktor Zarkov und Imperator Ming.

Zur deutschen Synchronisation gibt es zu sagen, dass diese nicht im Zuge der Synchro mit den ersten beiden Serials stattfand, und das aus Gründen. Es verhält sich so ähnlich wie mit der Star-Trek-Nazi-Episode „Schablonen der Gewalt“ („Patterns of Force“), auch wenn die Nazi-Symbolik bei Flash Gordon nicht ganz so deutlich ist. Da man aber befürchtete, dass ein jüngeres Publikum das nicht verstehen würde, ließ man es einfach weg. Erst als die ganze Serie umgeschnitten wurde fürs Privatfernsehen (also rund 10 Jahre später), machte man sich an die Übersetzung des noch verbliebenen Serials. Dabei wurde lediglich der Synchronsprecher von Flash Gordon beibehalten, alle anderen wiederkehrenden Rollen wurden neu besetzt.

Leider findet man im Internet zu der deutschen Synchronisation von „Flash Gordon erobert das Universum“ so gut wie nichts, deswegen kann ich dazu weiter nichts sagen. Für mich bietet das Serial einen spannenden Einblick in die Welt der 1940er Jahre und wie reale Ereignisse direkten Einfluss auf Filmhandlungen nahmen. Die Handlung für sich genommen bringt den Pathos nochmal zu Höhenflügen, da es einige Figuren gibt, die bereit sind, fröhlich den Tod zu erleiden, wenn es nur hilft, den Diktator zu stürzen.

Serial 3 war das letzte Flash-Gordon-Serial, das in dieser Form produziert wurde. In den USA war Flash nicht totzukriegen, aber wie ich schon erwähnte, der Sprung nach Europa war schwierig. In Deutschland wurden nach dem Krieg ein paar Comics unter dem Titel „Blitz Gordon“ veröffentlicht, aber das war’s dann erstmal.

Flash Gordon nahm hier erst Fahrt auf, als der Kinofilm kam…

Flash Gordons Flug zum Mars (Flash Gordon’s Trip to Mars, 1938)

In den 1980er Jahren wurden im Rahmen von „Opas Weltraumkino“ die ersten beiden Flash-Gordon-Serials meistens direkt hintereinander ausgestrahlt. Das heißt, kaum war das eine mit seiner Episode 13 beendet, fing das zweite mit Episode 1 an. In die Kinos kam es damals 1938, zwei Jahre nach dem ersten, um an dessen Erfolg anzuschließen.

Die Handlung: Die schließt direkt an die Serie 1 an, Flash Gordon, Dale Arden und Doktor Zarkov sind auf dem Rückweg von Mongo zur Erde. Nach ihrer Landung werden sie von der Öffentlichkeit frenetisch gefeiert, da sie ja die Erde gerettet haben. Zarkov hält ein paar Vorträge über die Möglichkeit von Leben auf fremden Planeten, aber im Lauf der Zeit übernehmen andere Dinge die Schlagzeilen des Planeten. Es häufen sich nämlich immer mehr Naturkatastrophen, worauf sich die Wissenschaftler der Welt keinen Reim machen können. Sie diskutieren und debattieren, lediglich Zarkov hält sich zurück und verfolgt eine eigene Theorie.

Dem Reporter Happy Hapgood kommt es komisch vor, dass man nichts von Zarkov hört und macht diesen ausfindig. Tatsächlich ist er auf die Ursache der Naturkatastrophen gekommen, von einem anderen Planeten aus wird ein Energiestrahl ausgeschickt, der Nitron1 aus der Erdatmosphäre absaugt und damit das Gleichgewicht außer Balance bringt. Zarkov vermutet, dass der Energiestrahl von Mongo kommt (womit sich die Frage stellt, wo sich Mongo derzeit befindet, offenbar ja noch im Sonnensystem). Er rüstet seine Rakete auf und macht sich mit Dale Arden und Flash Gordon auf den Weg in den Weltraum.

Als sie die Stratosphäre erreichen, stellen sie fest, dass Happy Hapgood als blinder Passagier mit an Bord gekommen ist und sie nun begleiten muss. Als zweite Überraschung muss Zarkov erkennen, dass der Energiestrahl nicht von Mongo, sondern vom Planeten Mars kommt. Sie lenken ihr Schiff dorthin und finden verschiedenes heraus. Herrscherin des Mars ist Azura, die Königin der Magie. Ming, dem Feuer nichts anhaben kann (so ist er dem Feuertempel entkommen), ist auf den Mars geflohen und hat sie beschwatzt, ihm zu helfen. Sein Plan ist erstmal, Rache an der Erde zu nehmen. Das tut er mit der Nitronlampe. Ein Nebeneffekt ist, dass aus dem gewonnenen Nitron Waffen hergestellt werden können. Um Herrscherin über den Planeten Mars zu werden, hat Azura den rechtmäßigen Herrscher, König Clay, von seinem Thron verjagt und ihn und seine Gefolgsleute in „tönerne Menschen“ verwandelt. Flash Gordon und die Seinen nehmen den Kampf gegen Ming und Azura auf und versuchen, König Clay zu seinem Recht zu verhelfen. Unerwartete Unterstützung erhalten sie dabei durch den von Mongo gekommenen Prinz Barin.

Das muss an der Zusammensetzung der Atemluft in diesen Höhlen liegen. Dadurch wird Fleisch in Ton verwandelt.

Eine wissenschaftliche Erklärung von Doktor Zarkov, die so viele Fragen aufwirft

An der Handlung merkt man schon, dass speziell in diesem Serial Science Fiction und Fantasy ganz stark gemischt sind. Auf der einen Seite sind da Doktor Zarkov und auch Ming, die mit (pseudo)wissenschaftlichen Methoden arbeiten, auf der anderen Seite ist da Azura, die zaubern und Menschen eben auch mal in Kreaturen aus Ton verwandeln kann. Beide Richtungen sind aber eindeutig in Richtung Fantasy geschrieben. So kann Azura zwar zaubern, aber auch Zarkov kann eigentlich alles mit Hilfe der Wissenschaft bewerkstelligen. So gelingt es ihm zum Beispiel binnen kürzester Zeit in Mings Labor aus einer kleinen Probe Nitron eine Waffe herzustellen, die einen Lähmungsstrahl ausschickt. Hierbei kommt es zu einem – aus heutiger Sicht – lustigen Dialog. Zarkov zeigt Flash einen Glaskolben, der die letzten Reste von Nitron (hier in flüssiger Form) enthält. Dann drückt er Flash den Kolben in die Hand und fragt, ob er das „prickelnde Stechen“ fühlt. Als Flash bejaht, sagt Zarkov, das sei Radioaktivität. Realistisch betrachtet: Würde Flash die Radioaktivität in den Kolben in Form von „prickelndem Stechen“ auf der Haut fühlen, würde es wahrscheinlich nicht lange gehen und er und Zarkov würden an der Strahlenkrankheit sterben.

Photo by Patrick Perkins on Unsplash

In einer anderen Szene sehen wir ein Beispiel für den Alltagsrassismus in den USA der Zeit. Vermutlich hat sich keiner der Beteiligten irgendwas dabei gedacht, diese Szene so mit in das Serial aufzunehmen, aber wenn man sie sich heute im Original anschaut, lässt sie einen zusammenzucken.

Wovon rede ich? In der ersten Episode versucht Happy Hapgood rauszukriegen, wo Zarkov und Gordon sind. Dazu klingelt er bei Zarkovs Wohnung. Ein Diener macht auf, ein Afroamerikaner in weißer Dienstbotenkleidung. In der deutschen Version kam es mir etwas komisch vor, weil man sehr deutlich sieht, dass die Lippenbewegungen überhaupt nicht zum Text passen und der Synchronsprecher an manchen Stellen sehr langsam sprechen muss. Wenn man sich die Originalfassung ansieht, wird auch klar, warum – der Diener wird als stereotyper, tumber [N-Wort2]-Boy dargestellt. Er redet ungelenk und als Happy zu ihm sagt, er habe ein Telegramm vom Botschafter von Mesopotamien, da kann er mit dem Namen so gar nichts anfangen3.

Wo wir gerade von Stereotypen reden: Azura, die Königin der Magie, fällt da so ein bisschen heraus. Dale Arden war im ersten Serial hauptsächlich die „Frau in Not“ („damsel in distress“), die sich retten lassen musste. Azura ist die eigentliche Herrscherin des Mars und wagt es schließlich auch, sich Ming entgegenzustellen. Dale bleibt hingegen wieder etwas eindimensional, tatkräftig unterstützt in dieser Serie von Happy Hapgood, der so ein bisschen die Rolle des Nebendarstellers, der für die Lacher zuständig ist („comic relief“), einnimmt.

An einer anderen Stelle läuft die Handlung auf einmal etwas aus dem Ruder. Wir lernen im Verlauf der Geschichte die so genannten „Baummenschen vom Mars“ kennen, die – der Name sagt es – auf Bäumen leben und eine primitive, archaische Kultur zu haben scheinen. So wissen sie zum Beispiel nicht, was eine Kamera ist. Als Hapgood einen Schrein der Baumleute fotografiert und Azura aus der Ferne den Schrein zerstört, beschuldigen sie Happy, mit seinem „Zauberkasten“ an der Zerstörung Schuld zu sein. Die Baumleute scheinen auch sonst keine Technologie zu haben. Aber ziemlich am Ende des Serials, als Ming die Macht über den Mars übernommen hat, da schickt er Bomber mit Nitron und Waffen zu den Baummenschen, damit diese gegen König Clay und die tönernen Menschen kämpfen. Wie können die Baumleute mit Raumschiffen und modernen Waffen umgehen können sollen, wird irgendwie nicht beantwortet.

Trotz all diesen Schwächen, die daher kommen, dass man manche Dinge in den 1930er Jahren einfach noch nicht wusste, ist es wieder eine spannende Abenteuergeschichte. Außerdem – und das habe ich bei der Besprechung des ersten Serials noch gar nicht erwähnt – ist alles so wunderschön pathetisch. Die Spezialeffekte haben sich wieder etwas weiterentwickelt, sehr schön zu sehen bei dem Effekt mit der „Lichtbrücke“, bei der die Figuren die Distanz zwischen zwei Gebäuden quasi auf einem „soliden Laserstrahl“ überwinden.

Wegen des großen Erfolgs der ersten Serie gönnte man dieser ein bisschen Zuschlag: Statt 13 hat diese sogar insgesamt 15 Folgen. Damit kommt man auf eine Komplettlaufzeit von 299 Minuten (gegenüber 245 Minuten beim Serial 1).


1= Ein Element namens „Nitron“ gibt es nicht, weder in der Atmosphäre, noch anderswo. Es wird in verschiedenen Texten darüber spekuliert, ob die Autoren ursprünglich „Nitrogen“ (Stickstoff) meinten, dann aber dachten, dass das nicht genug nach Science Fiction klang. Auch wenn es das Element selber nicht gibt, hat es doch einen Anklang an die Realität, wie wir mittlerweile schmerzlich erfahren haben: Bringt man die Zusammensetzung der Erdatmosphäre aus dem Gleichgewicht, gerät die Natur aus dem Gleichgewicht.

2= Nein, ich werde das Wort hier nicht ausschreiben. Falls das jemanden stört: Komm damit klar!

3= Wobei sich hier die Frage stellt, wie viele weiße Amerikaner damals etwas mit dem Wort „Mesopotamien“ anfangen konnten.

Flash Gordons Abenteuer auf dem Planeten Mongo (Flash Gordon, 1936)

Eine Eidechse

Im deutschen Fernsehen gibt es ab und zu übergreifende Themen, die verwendet werden, um dem Zuschauer klar zu machen, dass etwas irgendwie zusammengehört. Oder zumindest gab es das mal. Zum Beispiel in den 1980er Jahren, da gab es eine übergreifende Themenreihe, die man in den dritten Fernsehprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als „Opas Weltraumkino“ bezeichnete. Unter dieser Reihe liefen Serien wie „Flash Gordon“ und „Buck Rogers“ aus den 1930er Jahren. Im Rahmen dieser Reihen habe ich die verschiedenen Serials gesehen und mich gewundert, warum mein Opa die nicht kannte. Dass „Opas Weltraumkino“ nicht wörtlich zu nehmen war, habe ich damals nicht verstanden. Hey, ich war gerade mal 11 Jahre alt!

Gehen wir zurück in diese Zeit. Anhand der Zeitleiste kann man sich Flash Gordons kometenhaften (Pointe beabsichtigt) Aufstieg vorstellen. Es war der 7. Januar 1934, als der Comic zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Und am 6. April 1936, etwas mehr als nur zwei Jahre später fand die Premiere der ersten Folge des ersten Flash-Gordon-Serials statt. Das Kino war damals noch etwas anders als heute, es gab kein Fernsehen. Vieles von dem, was das Fernsehen später ausmachen sollte, wurde im Kino gezeigt: Nachrichten, Werbung und eben auch Serien bzw. „Serials“. Diese boten eine ganz andere Möglichkeit als abendfüllende Spielfilme. Man konnte längere Geschichten erzählen und vom finanziellen Standpunkt aus gesehen hatte man eine Möglichkeit, die Menschen immer wieder ins Kino zu locken. Gerade bei den Serials war das so, das Publikum wollte ja wissen, wie es jetzt weitergeht. Das wurde dann auch ziemlich auf die Spitze getrieben durch die Cliffhanger, die jede Episode beendeten. Der Held befand sich in einer aussichtslosen Lage und man musste die nächste Folge anschauen, um zu erfahren, wie er sich befreit.

Dabei entstand das Konzept der „falschen Spur“. Etwas weniger romantisiert könnte man auch sagen: Das Publikum wurde angelogen. Das Ende einer Episode entsprach nämlich nicht immer dem Anfang der nächsten. Gerne wurde mal eine Gefahr mit dazu eingebaut, über die man in der nächsten Folge einfach hinwegsah.

Ein kleines Beispiel: Im zweiten Flash-Gordon-Serial kommt es zu einer Situation, als Gordon zwei feindliche Raumschiffe aufhalten will. Es gelingt ihm, eines der Schiffe zu übernehmen, doch dessen Waffen versagen. Flash will aber das andere auch außer Gefecht setzen, also kommt er auf die Idee, das eine Raumschiff in das anderen reinfliegen zu lassen. Natürlich hat er vor, im letzten Moment abzuspringen. Am Ende einer Episode sehen wir, wie er das Schiff auf Kurs bringt, sich ein Fallschirmcape schnappt und abspringen will. Doch was ist das? Die Tür klemmt! Flash versucht verzweifelt, diese zu öffnen, doch das klappt nicht. Die Raumschiffe stoßen zusammen, Flash ist noch drin und… Fortsetzung folgt!

Die neue Episode beginnt mit einem „Was bisher geschah“ und setzt einige Momente vor dem Crash wieder mit der Handlung an: Flash, der den Kurs den einen Raumschiff setzt, sich ein Fallschirmcape schnappt und aussteigen will. Doch was ist das? Die Tür klemmt! Flash versucht verzweifelt, diese zu öffnen. Zuerst geht es nicht, doch dann zieht Flash seine Laserkanone und schießt die Tür auf. Im letzten Moment gelingt ihm der Absprung, dann prallen die Raumschiffe aufeinander.

Eine Eidechse
Photo by Alexis Antonio on Unsplash

Von der Handlung her deckt das Serial die ersten Folgen des Comics ab, allerdings wurden hier schon Verbesserungen vorgenommen. Es beginnt mit dem fremden Planeten, der auf die Erde zurast und mit ihr zu kollidieren droht. Die erste Änderung, die wir sehen, ist der Umstand, dass Flash Gordon als der Sohn des Wissenschaftlers Professor Gordon vorgestellt wird. Daher weiß er später auch, wer Doktor Zarkov ist. Aber der Reihe nach: Der Planet bedroht die Erde, Flash Gordon und Dale Arden sind auf einem Transkontinentalflug und müssen mit dem Fallschirm abspringen (diesmal überlässt Flash Dale den Fallschirm allerdings und hält sich an ihr fest). Sie landen auf dem Grundstück von Doktor Zarkov, der in dieser Version den Vornamen „Alexis“ hat (vermutlich ist den Autoren aufgefallen, dass Zarkov eher russisch klingt, Hans aber deutsch). Zarkov ist allerdings nicht über seiner Arbeit wahnsinnig geworden, nur sehr misstrauisch, vor allem als er erfährt, dass er Professor Gordons Sohn vor sich hat. Er zwingt Flash und Dale auch nicht, ihn zu begleiten, sondern sie kommen freiwillig mit, um die Erde zu retten. Zarkovs Ziel ist auch nicht, den fremden Planeten durch einen Zusammenstoß aus der Bahn zu werfen, sondern auf ihm zu landen. Zarkov hat nämlich festgestellt, dass es Energieanzeigen von dieser Welt gibt, sie muss also bewohnt sein! Vielleicht kann man mit den Bewohnern Kontakt aufnehmen und die vorhandene Energie nutzen, um die Bahn des Planeten zu ändern.

Sie fliegen also los und machen eine raue Landung (allerdings keine Bruchlandung wie im Comic) und werden von Mings Soldaten gefangen genommen. Im Gegensatz zum Comic wird Zarkov ebenfalls in die Hauptstadt des „Gnadenlosen“ gebracht. Ming sieht tatsächlich seinem Comicvorbild sehr ähnlich, da für das Serial allerdings jede Menge Sets aus anderen Produktionen wiederverwendet wurden, ist die Szenerie ein ziemlicher Mix aus allem Möglichen. Mings Palast wirkt eher europäisch, manchmal leicht orientalisch.

Wie sehr wiederverwendet wurde, sieht man aber deutlich in einer Szene, die in einer späteren Folge spielt und in der Ming Dale, die unter Drogen steht, heiraten will. Die Hochzeit findet in einem Zeremoniensaal statt, in dem sich die große Statue des Gottes Tao (in der deutschen Synchronisation wurde daraus „Tehu“) befindet. In den Comics ähnelt diese einer Buddha-Statue, im Serial ist es ganz eindeutig die Figur eines ägyptischen Pharaos. Das liegt daran, dass sie aus der Produktion des Films „The Mummy“ übernommen wurde.

Zurück zur Handlung. Ebenfalls im Kontrast zum Comic wird im Serial die ganze Situation erklärt. Dass sich Mongo auf Kollision mit der Erde befindet, ist kein Zufall, Ming macht das mit Absicht, um die Erde zu zerstören. Er hat dabei offensichtlich auch die Macht, die Zerstörung von Mongo zu verhindern. Während der ganzen Serie gerät nie aus dem Fokus, dass die Erde in Gefahr ist. Ungefähr im letzten Drittel, als Zarkov per Funk mit der Erde Kontakt aufnimmt, erfahren wir dann, dass die Wissenschaftler der Welt vor einem Rätsel stehen: Der Planet, der auf so geheimnisvolle Weise im Sonnensystem aufgetaucht ist und auf die Erde zusteuerte, hat auf genauso geheimnisvolle Weise den Kurs geändert.

Flash Gordon und seine Freunde finden auf Mongo Verbündete, wie Thun, den Löwenmenschen oder Barin, den rechtmäßigen Herrscher von Mongo, später auch Mings Tochter Aura. Die Geschichte wird tatsächlich mit dem „Sense of Wonder“ eines Jules Verne erzählt, zum Beispiel, wenn die Stadt des Falkenmenschen Vultan auf einem Kraftfeld schwebt, das von einem Atomofen in Gang gehalten wird. Und in diesen Atomofen muss man regelmäßig Brennmaterial nachschaufeln, was Sklaven erledigen. Und was genau muss man da nachschaufeln? Keine Ahnung, Atome vermutlich.

Endlich gelingt es ihnen, Ming zu überwinden, doch damit er nicht gefangen genommen wird, begibt er sich in den Feuertempel des Gottes Tao / Tehu. Von dort, so sagt der Hohepriester, gibt es kein Zurück.

Flash und seine Freunde machen Zarkovs Rakete wieder startklar und fliegen zurück zur Erde.

Sie ruft nach Fleisch! Davon kann sie genug kriegen, wenn sie will!

Vultan von den Falkenmenschen versteht Dales Ausruf „Flash!“ ganz offensichtlich falsch…

Wie ich schon schrieb, wurde im Serial der Rassismus etwas zurückgeschraubt. Da die Serie in Schwarz-Weiß gedreht wurde, wäre der Unterschied in der Hautfarbe sicherlich auch schlecht zu erkennen gewesen, selbst wenn die Bewohner von Mongo die gelbe Haut aus den Comics gehabt hätten. Mir wäre auch nicht aufgefallen – auch nicht in der englischen Originalfassung – dass im Serial irgendwelche rassistischen Bezeichnungen gefallen wären. Bei der englischen Fassung kann es allerdings sein, dass ich die Bezeichnung, wenn sie gefallen ist, vielleicht auch nicht verstanden habe, das will ich nicht ausschließen. Tatsächlich wurden bei der deutschen Synchronisation ein paar Anpassungen gemacht, möglicherweise hat man auch sowas entschärft.

Die deutsche Synchronisation hat zum Beispiel die Bezeichnungen für Zukunftstechnologie, die man in den 1930er Jahren noch nicht kannte, angepasst. Flash Gordon fliegt nämlich eigentlich nicht in einem Raumschiff („space ship“), sondern im „rocket ship“. In späteren Serials kommt noch die Bezeichnung „strato sled“ („Strato(sphären)schlitten“) dazu. In diesem ersten Serial wurde auch das „Was bisher geschah“, das jede Episode einleitet, geändert. Im Original wurde einfach ein Text eingeblendet und vorgelesen, in der deutschen Fassung machte man sich die Mühe, diesen Text mit Ausschnitten aus den vorigen Episoden zu unterlegen.

An dieser Stelle muss ich noch darauf aufmerksam machen, dass es zwei (!) deutsche Fassungen gibt. Die eine hält sich strikt an das Original und wurde Anfang der 1980er Jahre im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgestrahlt. Die zweite wurde ungefähr zehn Jahre später von irgendeinem Privatsender verwurstet, und das auf die schlimmste Weise. Okay, man muss den Leuten zugute halten, dass sie das fehlende dritte Serial auch noch synchronisierten, aber sie verhackstückten die ganze Serie, um jede Episode auf eine Mindestlänge von einer halben Stunde zu bringen. Im Original war eine Episode zwischen 20 und 25 Minuten lang. Das Verhackstücken führte nun dazu, dass natürlich die ganzen Cliffhanger weggschnitten wurden, weil die Folgen neu zusammenschnitten waren. Dadurch gerieten die Titel der einzelnen Folgen durcheinander und irgendwann stimmte nichts mehr (die Episode „Der Kampf mit dem Feuerdrachen“ bezieht sich auf einen Kampf, der im Neuschnitt der Serie erst ein paar Folgen später stattfindet). Im zweiten Serial wurde eine halbe Episode einfach weggekürzt und durch Erzählertext ersetzt. Und überhaupt findet in der Version eine Trennung nach Serials überhaupt nicht statt. Es wurde einfach der Vorspann von Serial 1 vor jede Folge geschnitten. Jedes Serial hat aber einen eigenen Vorspann, außerdem wechseln die Schauspieler (Prinzessin Aura ist beispielsweise im Serial 2 gar nicht dabei, wird aber auf diese Weise im Vorspann genannt, in Serial 3 haben die Schauspieler von Aura und Dale gewechselt, im Vorspann werden aber immer noch die alten genannt).

Es ist daher hoch anzurechnen, dass es mittlerweile ein DVD-Set gibt, in dem die Serie in alter – originaler – Form restauriert wurde und es wieder passt.

Das hatte Serial hat einen gewissen Charme, auch wenn man die Modelle erkennt, mit denen gearbeitet wurde oder deutlich sieht, wann Puppen anstatt von Schauspielern verwendet wurden. Auf der anderen Seite ist es ein faszinierender Einblick in die Tricktechnik von damals. Man muss sich vorstellen, wie gebannt die Zuschauer in den 1930er Jahren gewesen sein dürften, als sie auf der Leinwand sahen, wie ein Mensch mit einem anderen Menschen über einen Bildschirm spricht. Heute ist sowas ganz normal.

Das Serial hatte seinerzeit großen Erfolg, so dass (natürlich) eine Fortsetzung produziert wurde. Die schaue ich mir beim nächsten Mal an.

Flash Gordon

Die tönerne Armee des Kaisers von China.

Trotz Corona und allem, was da mit dranhängt, gab es 2020 noch andere Dinge, die leider – zumindest teilweise – unter den Tisch fallen mussten, da die Menschen gerade andere Probleme haben. Zum Beispiel das Jubiläum des Europa-Park (45 Jahre), das des Phantastischen Projekts (35 Jahre) und auch das Jubiläum der Veröffentlichung des Films „Flash Gordon“ von Dino DeLaurentiis im Jahr 1980 (also vor 40 Jahren). Anlässlich dieses Jubiläums wurde eine überarbeitete Version des Films auf DVD und Blu-Ray in einem Set für Sammler herausgegeben. Da ich ein Fan bin, habe ich mir das Set geleistet und das, was ich darin vorfand, hat eine Idee in meinem Kopf wieder nach oben geholt, die ich schon seit Jahren (oder noch länger hatte), und die nun in dieser kümmerlichen Artikelreihe auf einem zehntklassigen Blog endlich ihre Veröffentlichung findet.

Ich habe mich nämlich immer mal wieder mit Flash Gordon beschäftigt und mir die Veröffentlichungen betrachtet. Ich habe die Originalcomics – erschienen im Verlag Pollischansky – gelesen und die Hörspielreihe von EUROPA gehört. Ich habe lange bevor das „berüchtigte“ dritte Serial von Flash Gordon überhaupt synchronisiert war, selbiges auf Videocassette erstanden und angeschaut. Und irgendwie wollte ich immer was draus machen. Ich habe sogar schon angefangen, eine Artikelreihe zu schreiben, die damals noch in gedruckter Form in einem Fan-Magazin erscheinen sollte, aber aus Gründen, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann, blieb das Werk unvollendet. Aber da ich ja gestern etwas über den kaputten Adventskalender vom Phantastischen Projekt schrieb, kam mir die Idee, das Thema nochmal aufzugreifen. Und hier sind wir.

Okay, Flash Gordon. Wie ich erfahren habe, ist sein eigentlicher Name Gordon Ferrao. Er ist Absolvent der Universität Yale und ein Polo-Spieler in den USA der 1930er Jahre. Da er so schnell ist, hat man ihm den Spitznamen „Blitz Gordon“ (Flash Gordon) gegeben. Anfang des Jahres 1934 scheint die Welt am Abgrund zu stehen, denn ein fremder Planet (abwechselnd auch als „Komet“ bezeichnet) rast auf die Erde zu. Eine Kollision würde das Ende der Erde bedeuten. Doch es gibt einen Wissenschaftler, den genialen und begnadeten Doktor Hans Zarkov, der Tag und Nacht an einer Lösung arbeitet. Diese ist so brutal wie einleuchtend: Man muss eine Rakete starten und diese mit dem fremden Planeten zusammenstoßen lassen. Der Aufprall würde diesen aus seiner Bahn werfen und die Erde retten. Da Zarkov aber bis zur Erschöpfung gearbeitet hat, vernebelt sich sein Geist. So schätzt er die Situation völlig falsch ein, als zwei Leute mit dem Fallschirm auf seinem Grundstück landen. Es handelt sich um zwei Passagiere eines Transkontinentalflugs, besagten Flash Gordon und eine Mitreisende mit Namen Dale Arden. Das Flugzeug wurde von Bruchstücken des sich nahenden Kometen1 getroffen, die beiden mussten sich mit dem Fallschirm retten (interessanterweise hängen beide an einem Fallschirm, wobei Dale sich an Flash festhält). Zarkov glaubt ihre Erklärung nicht, er vermutet, es handele sich um Spione. Damit sie der Welt nicht verraten können, was er vorhat, zwingt er die beiden kurzerhand mit Waffengewalt, in eine Rakete zu steigen und mit ihm ins Weltall zu fliegen. Ziel ist der unbekannte Planet. Doch kurz vor dem Aufprall bekommt es Zarkov mit der Angst zu tun, da er nicht sterben will. Es kommt zu einem Handgemenge zwischen ihm und Gordon, an dessen Ende die Rakete auf dem fremden Himmelskörper abstürzt. Dabei stellt sich heraus, dass dieser bewohnt ist. Herrscher des Planeten ist ein gewisser Ming, genannt „der Gnadenlose“ (Ming the Merciless), der sich selbst als „Herrscher des Universums“ bezeichnet. Er will Dale Arden als Frau behalten und Flash Gordon zum Sklaven machen. Doch Flash Gordon setzt sich zur Wehr und zieht dabei die Aufmerksamkeit von Mings Tochter Aura auf sich…

Die tönerne Armee des Kaisers von China.
Emperor Qinshihuang’s Mausoleum Site Museum, Xi’an, China – Photo by Manoj kumar kasirajan on Unsplash

Heilige Sch***e, ist das rassistisch!

Der Autor dieses Artikels über den Comic

Bei dem Sammlerset anlässlich des Jubiläums des Flash-Gordon-Films von 1980 befand sich ein kleines Booklet, in dem die ersten Abenteuer, gezeichnet von Alex Raymond, als original Faksimile wiedergegeben wurden. Und heilige Sch***e, ist das rassistisch! Natürlich ist mir schon beim Lesen der Pollischansky-Ausgaben nicht entgangen, dass Flash die Bewohner des fremden Planeten verdächtig oft als „gelbe Leute“ oder sogar „gelbe Hunde“ bezeichnet, aber die Farbgebung des Originals legt nochmal eine Schippe drauf.

Betrachten wir es jedoch der Reihe nach: Wie der fremde Planet heißt, wird erst in Folge drei des Comics quasi nebenbei mitgeteilt, als der Erzähltext beschreibt, Flash müsse in der Arena „den roten Affen von Mongo“ gegenübertreten. Kurz zuvor hat Flash dem Imperator / Kaiser des Planeten kennengelernt, der erstmal nur mit diesem Titel bezeichnet wird. Aber das Bild spricht Worte: Er und seine Gefolgsleute haben gelbe Haut (überzeichnete gelbe Haut), lange, klauenartige Fingernägel, überzeichnete Oberlidfalten2 und sind in stereotype chinesische Gewänder gehüllt. Der bis dahin namenlose Imperator zum Beispiel trägt eine rote Robe mit weiten Ärmeln und einem hoch aufgestellten Kragen, dazu Schnabelschuhe, außerdem trägt er einen stereotypen Spitzbart, einer seiner Generäle hat einen chinesischen Drachen als Verzierung auf seiner Rüstung. Seine Tochter trägt ein Diadem, wie man es von traditionellen Kostümen aus Indonesien kennt. In Folge 9 schließlich wird – wiederum nebenbei im Erzählertext – dem Imperator der Name „Ming“. Dabei handelt es sich um den Namen einer chinesischen Kaiserdynastie (wohlgemerkt, das ist nur die Bezeichnung der Dynastie, es gab nie einen Kaiser Ming). Und der Planetenname „Mongo“ leitet sich eindeutig von den Mongolen ab.

Damit sind wir also mitten in den rassistischen Weltansichten des so genannten „Westens“ in den 1920er und 1930er Jahren. Die ursprüngliche Idee für die Serie war eigentlich ziemlich profan: King Features Syndicate, die Comics für Zeitungen produzierten, war das Konkurrenzprodukt „Buck Rogers“ ein Dorn im Auge. Alex Raymond, ein talentierter junger Zeichner, arbeitete damals für King Features und wurde vom Präsidenten der Firma, Joe Conolly persönlich angesprochen. Conolly wollte eine neue Serie in den Zeitungen unterbringen. Comics in Zeitungen gab es damals in mehreren Formen, als kurze Streifen („strips“, daher „comic strips“) in täglicher Form und schwarz-weiß gedruckt3, doppelte Streifen in schwarz-weiß oder für die Wochenendausgabe als Sonntagsseite in Farbe.

Joe Conolly wollte also Buck Rogers Konkurrenz machen und einen Comic in Farbe für die Sonntagsseite produzieren. Es sollte ein fantastisches Abenteuer im Stil von Jules Verne sein. Interessanterweise ist das Vorbild Buck Rogers bei den Stereotypen sogar noch etwas deutlicher, während bei Flash Gordon die Bösewichte klischee-asiatisch aussehen, aber eigentlich Außerirdische sind, wird Buck Rogers im 20. Jahrhundert in Stasis versetzt, um 500 Jahre später wieder aufzuwachen und die Erde unter asiatischer Diktatur vorzufinden, gegen die er in regelmäßigen Abenteuern kämpfen darf.

Alex Raymond war eindeutig talentiert, was das Zeichnen betraf, was die Geschichte betraf, ließ auch er sich von den rassistischen Vorurteilen seiner Zeit leiten. In einer Dokumentation wurde mal gesagt, hätte Raymond Flash Gordon zehn Jahre später erfunden, hätten dessen Gegner vermutlich Pickelhauben getragen und unter der Führung eines Imperators Adolf dem Gnadenlosen gestanden. Das mag sein. Nichtsdestotrotz ist es erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit hier eine ganze Volksgruppe, die ja immerhin auch in Amerika lebte, als finstere, sinistre Bösewichte gebrandmarkt wurde. Damit komme ich nochmal zurück zur Farbgebung: die überdeutliche gelbe Haut der Fremden inmitten des bunten Comics springt den Leser natürlich an. Und auch sonst hat sich der Autor weidlich in der asiatischen Kultur bedient, Statuen, die an Buddha-Statuen erinnern oder dass die Bewohner von Mongo an einen Gott, glauben, der „Tao“ heißt.

Was die Handlung ansonsten betrifft, so ließ sich Raymond hier völlig von seiner Vorstellungskraft treiben. Allerdings macht es nicht den Eindruck, als ob er lange im Voraus plante. Manchmal sieht es sogar so aus, als habe er irgendwelche Handlungsverläufe noch in letzter Sekunde geändert. Deutlich wird das besonders am Anfang, als die Bezeichnung für den fremden Himmelskörper ständig zwischen „Planet“ und „Komet“ wechselt. Als Zarkovs Rakete auf den Himmelskörper zusteuert, sieht es im ersten Panel von Folge 2 noch so aus, als sei der „Komet“ gerade mal doppelt so groß wie die Rakete selbst, aber vier Panels später fliegt sie über eine Stadt hinweg und der Himmelskörper scheint doch eher Planetengröße zu haben. Damit stellt sich wiederum die Frage, ob Zarkov wirklich glaubte, mit seinem „Raketchen“ einen Planeten aus der Bahn werfen zu können.

Merkwürdig ist auch, wie Raymond Handlungsstränge zu „vergessen“ scheint, um sie eventuell irgendwann oder vielleicht auch nie wieder aufzugreifen. In dem Moment, da Flash Gordon und seine Gefährten auf Mongo landen, ist der Umstand, dass der Planet mit der Erde zusammenzustoßen drohte, einfach irgendwie vergessen. Es wird nie erwähnt, ob denn noch eine Kollision droht. Es wird auch nie geklärt, woher Mongo denn genau gekommen ist und wieso er sich auf Kurs in Richtung Erde befand. Genauso wie eine Zeitlang Zarkov einfach vergessen wird. Nach der Crashlandung auf Mongo sind Dale und Zarkov bewusstlos. Gordon schnappt sich Dale, um sie in die Stadt zu tragen, die er in der Ferne gesehen hat. Dabei werden sie von den Truppen des Imperators Ming aufgegriffen. Gordon erwähnt dabei aber nicht, dass in dem Wrack der Rakete noch ein weiterer Verletzter liegt und Zarkov verschwindet für viele Folgen einfach aus der Reihe, bevor er und Gordon sich zufällig wieder begegnen. Die Struktur ist dabei sehr inkohärent, Gordon hangelt sich von gefährlicher Begegnung zu gefährlicher Begegnung, bis es endlich irgendwann zum „Showdown“ zwischen ihm und Ming kommt. Und selbst danach gehen seine Abenteuer einfach noch weiter.

Auf Mongo findet Gordon sehr viele Völker, die Hybriden aus Menschen und Tieren sind, wie etwa Löwenmenschen, Haimenschen … und so weiter. Dabei handelt es sich meistens um Wesen in grundsätzlich menschlicher Form, denen Tierattribute hinzugefügt wurden (Prinz Thun von den Löwenmenschen hat zum Beispiel eine Löwenmähne und einen Schweif, sieht ansonsten aber eigentlich aus wie ein muskulöser Mensch).

Es ist wie mit vielen Werken aus dieser Zeit, man kann sie heute nur noch mit einem kritischen Auge im historischen lesen. Ich frage mich, was für ein Gefühl ein chinesischstämmiger Mensch in den USA in den 1930er Jahren wohl hatte, wenn er die Zeitung aufschlug und ein stereotyp verzerrtes Bild von ihm Bösewicht in einem Fantasycartoon sein durfte, noch dazu benannt nach einer chinesischen Hochkultur, der außerdem vom weißen, amerikanischen Held4 als „gelber Hund“ beschimpft wurde.

Die Adaptionen, die es schließlich von Flash Gordon gab, ließen den offensichtlichen Rassismus etwas in den Hintergrund treten. Die Comics fassten in Europa nie wirklich Fuß, so dass der „weltbekannte Polo-Spieler Gordon Ferrao“ dort ziemlich unbekannt blieb. Erst mit Star Wars und der danach folgenden Adaption durch Dino DeLaurentiis wurde er auch hier etwas bekannter. Und das ist die Form, in der ich ihn zuerst kennengelernt habe. Bei DeLaurentiis ist eine gewisse Ästhetik noch vorhanden, der Rassismus wurde aber getilgt. Ausnahme bildet die Namensgebung von Imperator und Planet, was aber wahrscheinlich schwer hätte geändert werden können, ohne das amerikanische Publikum zu verprellen. Immerhin ist der Comicstrip Flash Gordon dort ohne Unterbrechung bis zum Jahr 2003 erschienen. Alex Raymond hat einen Großteil des Erfolgs seiner Schöpfung nicht mehr miterlebt: Er starb im Jahr 1956 mit nur 46 Jahren bei einem Autounfall.

Das war eine kleine Einführung in den Hintergrund. Ich möchte in anderen Artikeln noch ein wenig auf die Flash-Gordon-Medien eingehen, die mich direkt beeinflusst haben.


1= Wie ich oben schrieb, wechseln sich die Bezeichnungen für den Himmelskörper ab und werden von Autor Alex Raymond teilweise Synonym verwendet. Auf den Bildern, die die Situation beschreiben, ist von einem „Planeten“ die Rede (man sieht diesen auch, er hat ungefähr ein Zehntel der Größe der Erde), als Gordons Flugzeug von einem Trümmerteil getroffen wird und als Zarkov später davon redet, wird er als „Komet“ bezeichnet, ebenso auf einem Bild, in dem sich Zarkovs Rakete dem Himmelskörper nähert.

2= Als Epikanthus medialis (altgriechisch ἐπί epí, deutsch ‚auf, darüber‘; altgriechisch κανθός kanthós, deutsch ‚Augenwinkel‘; lateinisch medialis „zur Mitte hin“), auch Epikanthus-Falte oder einfache Oberlidfalte, wird eine oftmals genetisch bedingte sichelförmige Hautfalte am inneren Randwinkel des Auges bezeichnet, die das Auge mandelförmig erscheinen lässt. Im Gegenzug zur Mongolenfalte bleibt diese Lidfalte auch bei geschlossenem Augenlid bestehen. Der Epikanthus medialis ist charakteristisch für viele Angehörige der ost- und südostasiatischen Völker von der Mongolei bis Thailand. Zum Beispiel haben die meisten Mongolen, Han-Chinesen, Hui-Chinesen, Tibeter, Koreaner, Japaner, Vietnamesen und Thais Epikanthus-Falten, aber auch Angehörige sibirischer und einige Turkvölker, wie etwa die Tungusen, Tuwiner, Selkupen, Jakuten, Altaier, Kirgisen, Kasachen, Dolganen und Uiguren. Des Weiteren kommt die einfache Oberlidfalte bei indigenen Völkern Amerikas einschließlich Grönlands, sowie bei Khoikhoi-Völkern im südlichen Afrika vor. | Quelle: Wikipedia, Eintrag zu Epikanthus medialis, Autoren siehe dort

3= Viele bekannte Comics sind auf diese Weise entstanden, zum Beispiel die „Peanuts“ oder Garfield. Das erkennt man an dem drei oder vier Panels umfassenden, klassischen „Streifen“, der das Format dieser Comics darstellt.

4= Das ganze wird nicht nur durch die Bilder transportiert, indem Flash Gordon ein blonder, hellhäutiger Jüngling ist, sondern auch durch den Text. Als beispielsweise der Löwenmensch Thun auf Gordon trifft, sagt er überrascht: „Beim großen Gott Tao! Fast noch ein Jugendlicher – und weiß!“ (Hervorhebung im Original!)

Der Phantastische Adventskalender ist kaputt

Ein Adventskalender mit Päckchen

Unglaubliche acht Jahre ist es her, da habe ich „hochoffiziell“ den Videokanal des Phantastischen Projekts eröffnet mit einer Idee: Warum nicht einsteigen mit einem Adventskalender – also vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag ein kurzes Video auf YouTube veröffentlichen mit den ganzen Inspirationen, die quasi zum Projekt geführt haben. Schon damals gab es gewisse Schwierigkeiten, als ich beim Hochladen einzelner Episoden merkte, dass der Algorithmus gewisse Dinge nicht mag. Damit war es aber nicht vorbei. Es ging Stück für Stück weiter und heute ist der Phantastische Adventskalender leider kaputt.

Ein Adventskalender mit Päckchen
Photo by Markus Spiske on Unsplash

Immer wieder mal kam es zu den merkwürdigsten Dingen beim Hochladen von Videos. Musik zum Beispiel, für die ich eine Lizenz erworben hatte, wurde plötzlich „geclaimt“, wie es im YouTube-Sprech heißt. Manchmal kamen solche „claims“ wegen verwendeten Ausschnitten und in den letzten Jahren sind gerade auch Studios und Anstalten, von denen ich das nicht gedacht hatte, zu einer rüden „Wir akzeptieren gar nichts mehr!“-Politik übergegangen. Denn tatsächlich, wenn man über etwas berichtet, gilt das Zitatrecht. Man darf Ausschnitte verwenden, wenn diese in einem berichtähnlichen Kontext stehen. Natürlich, wer ganze Szenen ohne Kontext oder gar Folgen einer Serie oder Filme hochlädt, verstößt eindeutig gegen das Urheberrecht, aber eben, bei kurzen Ausschnitten gilt das Zitatrecht. Und ursprünglich war der Phantastische Adventskalender in seiner Form ganz abrufbar.

Im Lauf der Zeit änderte sich das. Die BBC beispielsweise machte das mit „Per Anhalter durch die Galaxis“, andere Studios zogen nach. Normalerweise erlebt man es bei solchen Claims, dass der Urheberrechtsinhaber die Werbeeinnahmen einstreicht. Das ist ärgerlich genug, wenn ich eine lange Episode produziert habe und wegen einem Ausschnitt, der ein paar Sekunden dauert, sämtliche Werbeeinnahmen verliere. Das steht in keiner Relation, ist aber bis heute vor allem bei Claims wegen irgendwelcher Musik üblich. Aber mittlerweile sperren die Studios solche Videos einfach.

Natürlich kann man Einspruch dagegen erheben und erklären, warum man der Meinung ist, dass der Anspruch ungerechtfertigt ist. Wenn man zum Beispiel die Lizenz für ein Musikstück hat, verlangt YouTube, dass man dem „Claimer“ diese Lizenz zugängig macht (ich benutze dabei immer Dropbox, was mich etwas ärgert, da die Lizenzvereinbarung zwischen mir und dem Musikproduzenten niemanden was angeht, aber bitte!). Bei Videoausschnitten kann man sich erklären und darauf hinweisen, dass es sich um ein Zitat handelt.

Dann wird der Einspruch geprüft – und zwar von dem, der den Claim gemacht hat. Ja, ganz richtig, es gibt bei YouTube keine unabhängige Stelle, die diese Ansprüche und Einsprüche überprüft, derjenige, der schon von Anfang an der Meinung ist, ich hätte etwas falsch gemacht, schaut selber nach. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Der Anspruchsteller zieht seinen Claim zurück und bestätigt damit, dass ich recht habe. Oder er bekräftigt, dass er recht habe und besteht auf der Maßnahme, die er ergriffen hat (Monetarisierung abgreifen oder Video sperren). Wenn der Anspruchsteller den Claim zurückzieht, ist soweit alles okay.

Wenn er das nicht tut… hat man Pech gehabt. Theoretisch gäbe es eine Möglichkeit, noch einen Schritt weiterzugehen, aber YouTube sagt einen dann in einer sehr drastischen Sprache, dass es zu juristischen Auseinandersetzungen kommen kann. Da es bei (auch vermeintlichen) Urheberrechtsverletzungen schnell mal um große Summen gehen kann, ist das ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko. Und schließlich, nur weil man sich sicher ist, das Recht auf seiner Seite zu haben, heißt das nicht, dass irgendein Richter das genauso sieht. Da es sich bei den Anspruchstellern sehr oft um amerikanische Konzerne handelt, würde das Verfahren vermutlich sogar in den USA laufen, und da ist man nicht gerade bekannt dafür, freundlich zu kleinen Produzenten zu sein. Mal ganz davon abgesehen, dass die USA berühmt-berüchtigt sind für ihre Klagen mit Mond-Geldbeträgen, das finanzielle Risiko ist also umso größer.

Mal ganz ehrlich: Wer würde dieses Risiko eingehen, nur damit ein kleines, ungefähr fünf Minuten langes Video auf YouTube stehenbleibt? Ich nicht. Und so treten immer größere Lücken im Phantastischen Adventskalender auf. Nachträglich korrigieren geht nicht ganz so einfach. Handelt es sich um ein Musikstück, könnte man die Tonspur austauschen. Das Problem ist, dass dabei auch die Dialoge verloren gehen, da man die Musik nicht vom gesprochenen Wort trennen kann. Wenn es sich um einen Filmausschnitt handelt, kann man nichts tun, außer diesen online aus dem Video herauszuschneiden. Aber ja, dann ist der Ausschnitt komplett weg. Einschließlich des Tons. Nur das Bild zu entfernen oder gar durch etwas anderes zu ersetzen, das geht nicht. Also bleiben die Videos zur Gänze verschwunden.

Und zuletzt zeigt sich hier auch die Schönfärberei, die YouTube gerne betreibt: Vor nicht allzu langer Zeit gab es nämlich die so genannte „Qualitätsoffensive“. Damit wollte YouTube sicherstellen, dass nur noch „qualitativ hochwertige“ Kanäle auch Werbung in ihren Videos schalten können. Und wie misst YouTube Qualität? Natürlich durch Quantität! Nur wer eine bestimmte Anzahl an Abonnenten und eine bestimmte Zeit erreicht, die in einem Jahr an Videomaterial aus dem eigenen Kanal angeschaut wird, qualifiziert sich zur Teilnahme am Werbeprogramm. Alle kleinere Kanäle, die die Vorgaben nicht erreichten, waren die Monetarisierung auf einen Schlag ganz los.

Aber um es mit Asterix zu sagen: „Ganz los? Nein…“ Ja, tatsächlich ist „Schönfärberei“ für das, was hier passiert noch zu freundlich ausgedrückt, es ist einfach heuchlerisch. Denn wenn zum Beispiel ein Anspruchsteller einen Claim auf eines meiner Videos anmeldet und dabei bleibt, dass er diesen Anspruch hat, dann kann er Werbung einblenden lassen und die Einnahmen einstreichen. Und das auch wenn der YouTube-Kanal die Qualifikation für das Werbeprogramm eigentlich nicht erreicht. Auf einmal zählt die „Qualitätsoffensive“ nichts mehr.

Eine Sache muss ich allerdings noch erwähnen, die angeblich verbessert wurde: Zuvor war es so, dass der Anspruchsteller einfach alle Werbeeinnahmen abgreifen konnte, egal wie groß sein „Beitrag“ zu einem Video war. Wenn also jemand ein 90 Minuten langes Video produziert hatte, in dem ein drei Minuten langes Musikstück verwendet wurde, auf das jemand einen Anspruch stellte, hatte der Videoproduzent Pech gehabt. Der Anspruchsteller bekam die ganzen Werbeeinnahmen, der Produzent nichts. Ich habe nun gehört, dass es mittlerweile so sein soll, dass ein Anspruchsteller die Werbeeinnahmen auch nur zum Teil kriegen kann. Wie das funktionieren soll, weiß ich allerdings nicht, ich habe es auch noch nie gesehen. Als ich noch Teil des YouTube-Werbeprogramms war, gab es nur hop oder top: Entweder ich habe alles gekriegt oder der Anspruchsteller.

Mittlerweile fehlen einige Episoden des Phantastischen Adventskalenders, andere sind „geclaimt“ und machen Geld für andere Leute. Der Adventskalender ist leider kaputt. Ich war auch sonst etwas nachlässig, was Videos auf dem Kanal betrifft, aber irgendwie fehlte mir die Initiative. Ich habe gelesen, ich solle mal wieder was zum Thema „Star Wars“ machen. Mir schwirren auch so ein paar Ideen im Kopf herum, aber die Muse, diese niederzuschreiben und zu produzieren, habe ich bis jetzt nicht gefunden.

Einen neuen Phantastischen Adventskalender zu produzieren, dafür hatte ich 2020 – aus hoffentlich verständlichen Gründen – nicht die Zeit und nicht die Nerven. Vielleicht fällt mir aber auch noch was ein, ich habe ja jetzt ein Jahr Zeit, mir Gedanken darüber zu machen.