Die Auswüchse des Kapitalismus: Geld mit noch mehr Geld kaufen

Liebe Leserin, lieber Leser, ich weiß nicht, ob Dir ein Mann bekannt ist, der sich selbst „Crazy Russian Hacker“ nennt. Falls nicht, möchte ich ihn gerne vorstellen. Sein bürgerlicher Name – zumindest wenn man der englischen Wikipedia trauen darf – ist Taras Vladimirovitsch Kulakov, kurz Taras Kul. Er wurde 1987 in der Ukraine geboren, also noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. 2006 kamen er und seine Familie in die USA. 2009 richtete er seinen ersten YouTube-Kanal ein. Seither sind noch zwei weitere Kanäle dazu gekommen, der erfolgreichste hat im Moment 11 Millionen Abonnenten.

Ja, ich höre es schon: „Alles schön und gut, aber warum erzählst Du das?“ Weil ich dem Kanal seit längeren folge, seine Veränderungen miterlebt habe und auch den Sturz in ein Loch, das man als „Kaninchenbau des Extremkapitalismus“ bezeichnen kann. Taras Kul hat auf seinem Kanal „CrazyRussianHacker“ mit Wissenschaftsexperimenten und so genannten „Life Hacks“ angefangen, das hat sich aber mittlerweile drastisch geändert. Heutzutage zeigt er Dinge, die er auf eBay oder AMAZON gekauft hat und testet diese. Immer häufiger sind da allerdings sehr merkwürdige Sachen dabei. Und immer häufiger fallen ziemlich hohe Beträge. Da werden mal eben „Junk Drawers“ (also eine ziemlich wüste Sammlung von Sachen, die andere Leute nicht mehr haben wollen) im Wert von mehreren hundert Dollar gekauft. Immer wieder sind auch Edelmetalle dabei, Silber, Gold und Platin.

Photo by Jp Valery on Unsplash

Die Sache, der ich aber diesen Artikel widmen möchte, ist etwas, das schon etwas länger her ist und mich ehrlich gesagt ziemlich sprachlos zurückgelassen hat. Wenn man die Geschichte des Kanals verfolgt, stellt man fest, dass Taras Kul ganz im Kapitalismus amerikanischer Prägung aufgegangen ist. Wie schon erwähnt wird eingekauft, was das Zeug hält und in Videos präsentiert. Dabei kann es sein, dass er auch mal mehrere Videos täglich zu YouTube hochlädt. Hier habe ich mich schon gefragt, was er mit dem ganzen Krempel macht. Es gibt Dinge, von denen er explizit sagt, dass er sie behält (er sammelt zum Beispiel Messer), aber gerade wenn er die Testvideos macht, sind auch Dinge dabei, die nicht oder nicht gut funktionieren. Was passiert mit diesen Sachen?

Außerdem sammelt er Münzen, vorzugsweise echte Silbermünzen. Vor einiger Zeit präsentierte er allerdings einen Geldschein, den er auf eBay erstanden hatte. Es handelte sich dabei um eine Tausend-Dollar-Note. Er hat sie für das vierfache des Nominalwertes erstanden.

Ja, lasst das mal sacken: Da ist ein Mensch, der ein Stück Papier, auf dem drauf steht „Wer dieses Papier im Laden zeigt, kriegt Waren und Dienstleistungen im Gegenwert von tausend Dollar.“, für 4000 Dollar gekauft. Glaubt Ihr mir nicht? Hier ist das Video, in dem er den Schein zu einem Münzladen bringt, um ihn schätzen zu lassen. Bei Sekunde 13 sagt er, wieviel er dafür bezahlt hat. Aber das ist ja noch nicht alles. Der Münzladen hat den Schein zum Schätzen eingeschickt, damit festgestellt wird, was er einem Sammler in diesem Zustand wert ist.

Und jetzt haltet Euch fest: Es sind 4800 Dollar (Quelle: Video hier)!

Was zur Hölle ist das? Kapitalismusception? Geld wurde ursprünglich mal erfunden, damit man nicht immer die Tauschgüter umrechnen und sich fragen muss, wieviel Hühner wohl ein Schwein ergeben. Es war ein Mittel zum Zweck. Aber jetzt ist die Menschheit soweit, dass ein bedrucktes Blatt Papier, auf dem steht „Eine Kuh Wert“ gegen vier Kühe eingetauscht werden kann, weil das Blatt Papier besonders schön aussieht und es noch nicht so viele Leute in der Hand hielten? Vor allem finde ich den Unterschied krass: Kul kauft ja eben auch Goldbarren und Silbermünzen. Die haben einen echten Materialwert (der ebenfalls durch die Knappheit dieser Materialien bestimmt wird, aber das ist nochmal was anderes). Wenn er beispielsweise eine dieser Münzen einschmilzt, hat er Silber mit einem gewissen Gegenwert. Der Tausend-Dollar-Schein ist und bleibt ein Stück Papier. Es handelt sich nicht einmal um ein Kunstwerk. Kein Rembrandt oder Picasso hatte ihn in der Hand und hat ihn bemalt. Er stammt aus einer Druckerpresse, so wie viele andere Scheine auch. Der Staat garantiert, dass man Waren und Dienstleistungen für das Stück Papier bekommt – in der Höhe des aufgedruckten Betrags. Aber offenbar gibt man inzwischen gern viel mehr Geld aus, um nominal weniger Geld zu haben. Es ist nicht zu fassen.

Ach übrigens, ich hätte da ein besonderes Angebot: Einen Fünf-Euro-Schein aus meiner Geldbörse, zusammengefaltet. Stammt aus der Zeit von vor der Pandemie! Ja, seit Beginn der Pandemie zahle ich hauptsächlich bargeldlos, seither blieb dieser Schein unberührt in meinem Geldbeutel. Er ist kunstvoll geknickt, und zwar von mir selbst. Das zusammen macht ihn unglaublich wertvoll. Und zwar so ungefähr… 55 Euro pro Monat. Wer sich auf unserer Patreon-Seite (klick hier) für das Level „Sinnlos. Völlig sinnlos.“ anmeldet, der bekommt den Schein zugeschickt, auf Wunsch auch mit Autogramm (von mir). ABER SCHNELL MACHEN !!!!einself!!!! Schließlich gibt es diesen Schein NUR EINMAL!!!

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