„Der Polarexpress“ von Robert Zemeckis – eine Filmbetrachtung, Teil 1

Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.

„Mit den Zügen verhält es sich so: Wohin man fährt, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, die Entscheidung zu treffen, einzusteigen!“

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„Der Polarexpress“ war ursprünglich ein grafisches Kinderbuch von Chris van Allsburg, der ebenfalls die Vorlage für den Film „Jumanji“ lieferte. In großen Bildern wurde die Geschichte eines Jungen erzählt, der in einem Zug mit einer alten Dampflok zum Nordpol reist, um dort den Weihnachtsmann zu treffen. Der Regisseur Robert Zemeckis setzte das Werk als Film um, der 2004 in die Kinos kam. Zusätzlich wurde noch eine 3D-Version für die IMAX-Kinos erstellt. Eine Kurzfassung dieser 3D-Version läuft beispielsweise im 4D-Kino im Europa-Park Rust.

Für den Film wurde die Geschichte aufgearbeitet und in die Form einer klassischen Erzählung gebracht. Dabei wurde der Geist von van Allsburg bewahrt, dessen Geschichten gerne eine (manchmal auch sehr düster vorgebrachte) Moral beinhalten. Passend zum heutigen Tag möchte ich einen ausführlichen Blick auf „Der Polarexpress“ und seine Hintergründe werfen. Dazu werde ich hier sehr ausführlich auf die Handlung eingehen und auch Dinge verraten. Sollten Sie sich die Überraschung nicht verderben lassen wollen, empfehle ich Ihnen, den Film erst einmal selbst zu sehen und dann hierher zurück zu kommen, um sich meine Gedanken dazu durchzulesen. Einen Einblick in den Film bietet die offizielle Vorschau:



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„Der Polarexpress“ – eine Heldenreise

Das Konzept des Films um den „Polarexpress“ folgt der Idee der so genannten mythologischen „Heldenreise“, bei der eine Roman(oder Film-)figur die Stationen einer Reise erlebt, an deren Ende sich diese Figur gewandelt hat. Die Reise muss dabei nicht im wörtlichen Sinn stattfinden, auch eine „geistige“ Reise ist damit gemeint. Die heutzutage bekannteste „Heldenreise“ dürfte „Der Herr der Ringe“ sein.

Beim „Polar-Express“ wird das Konzept so weit getrieben, dass wir von den wichtigsten Figuren nicht einmal die Namen erfahren. Selbst im Drehbuch gab es die nicht, der Junge, dessen Geschichte erzählt wird, hieß dort schlicht „Hero Boy“, das Mädchen, auf das er im Zug trifft, „Hero Girl“. Auf die Figuren möchte eingehen, wenn es mir um den Kern der Geschichte geht. Deswegen zunächst einmal die Handlung.

„Und? Kommst Du mit?“

Am Abend vor Weihnachten vor vielen Jahren lag ich still in meinem Bett. Ich raschelte nicht mit dem Laken und atmete langsam und leise. Denn ich lauschte auf ein Geräusch, das ich befürchtet hatte, niemals zu hören: das Schlittengeläut des Weihnachtsmannes.

Die Einführung von „Der Polarexpress“

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Es ist Weinachtsabend. Ein Junge liegt in seinem Bett und kann nicht so recht einschlafen. Er bekommt mit, wie seine Eltern seiner jüngeren Schwester Sarah vom Weihnachtsmann erzählen. Dabei kommt eins heraus: Der Junge hält sich selbst für zu alt, um noch an den Weihnachtsmann zu glauben. Er hat sogar in Lexikas nachgelesen, um sich zu vergewissern, dass es am Nordpol kein Leben gibt – und erst recht keine Stadt vom Weihnachtsmann. Mit diesen Gedanken im Kopf versucht der Junge einzuschlafen, was ihm nicht recht gelingt. Er lauscht dem Ticken des Weckers, das schlagartig verstummt. Es ist 5 vor 12. Auf einmal beginnt die Erde zu beben und etwas Lautes, Erleuchtetes fährt draußen an den Fenstern vorbei. Der Junge springt aus dem Bett, schnappt sich seinen Morgenmantel – wobei er mit einer Tasche am Bett hängenbleibt und diese aufreißt – und rennt nach draußen. Mitten auf der verschneiten Straße direkt vor seinem Haus steht ein Zug mit einer Dampflok.

Ein Schaffner ruft laut: „Alles einsteigen!“ und fragt ihn, ob er mitkommen will. Auf die Frage nach dem „Wohin“ antwortet der Schaffner: „Na, zum Nordpol natürlich! Das ist der Polarexpress!“ Der Junge jedoch zögert, obwohl ihm der Schaffner dringend rät, mitzukommen. Doch als sich der Zug in Bewegung setzt, überlegt es „Hero Boy“ sich nochmal und rennt los. Im letzten Moment gelingt es ihm, aufzuspringen. Im Wagon empfängt ihn der Schaffner – wortlos, so als ob er damit gerechnet hätte, dass das passiert. Tatsächlich handelt es sich hierbei um ein klassisches Motiv – der Held der Geschichte weigert sich, dem Ruf des Abenteuers Folge zu leisten. Er muss erst ein Opfer bringen – in diesem Fall sich selbst überwinden -, bevor es losgehen kann.

Hero Boy kommt in einen Wagon, in dem sich lauter Kinder befinden, die – wie er selbst – Schlafanzüge respektive Nachthemden tragen. Offenbar sind auch diese Kinder für die Reise aus dem Bett geholt worden. Unsicher tappt er durch die Reihen und setzt sich schließlich irgendwo hin. Ein Mädchen von der Sitzbank auf der anderen Seite des Durchgangs – Hero Girl – lächelt ihn freundlich an, als er plötzlich mit einer Frage attackiert wird: „Weißt Du, was das hier für ein Zug ist?“ Neunmalklug, ein Junge mit einem Schlafanzug, auf dem eine Rakete abgebildet ist, überfällt ihn mit technischen Details der Lok und der Wagons, während Hero Girl schlicht meint, es handele sich hierbei um einen „Zauberzug“. Hero Boy ist noch mehr verunsichert. „Fahren wir wirklich zum Nordpol?“, will er wissen, was Hero Girl begeistert bejaht.

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Bevor sie jedoch mehr sagen kann, fährt der Zug an einem großen Kaufhaus vorbei, was bei allen Kindern Begeisterung auslöst. Dabei kommt heraus, dass Neunmalklug nicht nur vorlaut, sondern auch ziemlich egoistisch ist, als er betont, dass er die Geschenke, die in den Schaufenstern zu sehen sind, alle für sich haben will. Hero Boy achtet aber mehr auf den Weihnachtsmann, der ebenfalls im Schaufenster steht. Wie zur Bestätigung seiner Zweifel kann man sehr deutlich sehen, dass „Santa“ nicht echt, sondern eine Animatronic-Figur ist.

Der Schaffner betritt erneut den Wagen – Fahrkartenkontrolle. Sehr zu seiner Verwunderung findet Hero Boy in der Tasche seines Morgenmantels eine goldene Fahrkarte, die der Schaffner auf ungewöhnliche Weise entwertet: anstatt – wie früher üblich – einfach ein Loch reinzuknipsen, knipst er gleich eine Reihe von Löchern, die die Buchstaben „G“ und „N“ formen. Der Neunmalklug beschwert sich über seine Fahrkarte, in die der Schaffner „LE“ geknippst hat.

Doch schon geht es weiter: der Zug hält in der „Edbroke Avenue“, die Gegend, in der laut dem Neunmalklug „die Armen wohnen“. Die Kinder beobachten, wie der Schaffner vor einem düsteren, einfachen Haus mit einem kleinen Jung spricht und ihm das gleiche sagt, wie „Hero Boy“ – alles einsteigen, es geht zum Nordpol, das ist der Polarexpress. Doch auch dieser Junge, dessen Name, wie wir später erfahren, „Billy“ lautet, möchte zuerst nicht einsteigen. Der Polarexpress fährt wieder an, doch auch Billy überlegt es sich nochmal anders – leider zu spät. Er rennt, was er kann, stolpert aber und fällt hin. Hero Boy zieht die Notbremse, nachdem Neunmalklug ihn darauf aufmerksam gemacht hat. Billy kann nun einsteigen, geht allerdings in den letzten Wagen, in dem er ganz allein ist. In dem Moment poltert der Schaffner zur Tür herein und verlangt zu wissen, wer die Notbremse gezogen hat. Die Strafpredigt für Hero Boy wird von Hero Girl unterbrochen, die erklärt, dass er die Notbremse nur gezogen habe, damit der andere Junge einsteigen kann. Danach wird der Tonfall des Schaffners etwas milder, obwohl er immer noch grummelt, dass ein Fahrplan einzuhalten sei und es noch nie Verspätungen bei „seinem“ Zug gegeben habe.

Doch sofort ändert sich die Stimmung, als der Schaffner über die Sprechanlage nachfragt, wer von den Reisenden Durst habe. Als alle Kinder sich melden, tritt eine Akrobaten-Küchencrew auf, die den Kindern zu den Klängen eines Liedes mit dem Titel „Hot Chocolate!“ Kakao serviert. Heimlich schafft Hero Girl eine volle Tasse Kakao auf die Seite. Nachdem die Küchencrew wieder abgezogen ist, will sie damit in den letzten Wagen, um sie Billy zu bringen. In dieser Szene wird der Kontrast zwischen Hero Boy und Hero Girl sehr deutlich: Sie ist eine „Macherin“, die an andere denkt – er zieht alles in Zweifel. Als Hero Girl meint, ihr werde schon nichts passieren, fragt Hero Boy: „Bist Du ganz sicher?“ Er schafft es fast, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, als der Schaffner erneut reinkommt. Doch er will keine Strafpredigt halten, weil Hero Girl heimlich eine Tasse Kakao auf die Seite geschafft hat. Er erkennt ihre Absicht und fragt: „Hat denn das Bübchen im letzten Wagen schon Kakao gehabt? Na, dann wird’s aber höchste Eisenbahn!“



Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.
Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.




Nachdem der Schaffner mit Hero Girl den Wagen verlassen hat, sieht Hero Boy die Fahrkarte des Mädchens auf ihrem Sitz liegen. Er will sie ihr bringen, allerdings tut sich ein Hindernis auf: die Wagen des Zugs sind separat, man kann nicht so einfach von einem zum anderen gehen. Während er zögernd auf der Plattform des Wagens steht, reißt ihm der Fahrtwind die Karte von Hero Girl aus der Hand. Was aber niemand mitbekommt: über eine abenteuerliche Reise mit einem Adler kommt die Karte zurück zum Polarexpress und bleibt in einem der Lüftungsschlitze hängen.

Dummerweise will der Schaffner in diesem Moment die Fahrkarte sehen. Hero Boy bekennt sich zwar schuldig und will dem Mädchen seine geben, doch der Schaffner lehnt ab: die Karten sind nicht übertragbar. Er führt Hero Girl zurück in den letzten Wagen, was Neunmalklug zu der Spekulation veranlasst, er werde sie dort aus dem Zug werfen. Um zu verhindern, dass dem Mädchen etwas passiert, will Hero Boy nochmal die Notbremse ziehen – und entdeckt die Fahrkarte im Lüftungsschlitz. Er will sie ihr bringen, überwindet die Lücke zwischen den zwei Wagons mit einem beherzten Sprung, und findet niemanden außer Billy im letzten Wagen vor. Der blickt schüchtern nach oben – der Schaffner und das Mädchen befinden sich auf dem Dach des Zugs!

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Hero Boy klettert über eine Leiter ebenfalls auf das Dach, doch die beiden sind auf dem Weg zur Lok und zu weit weg, um sein Rufen zu hören. Der Junge läuft ihnen nach und trifft unerwarteterweise auf einen Landstreicher an einem Lagerfeuer. Er zeigt sich erstaunt über die Fahrkarte, erklärt aber, er brauche keine – er springe auf den Zug, wann immer ihm danach sei. Er sei praktisch der König vom Polarexpress – der Herr über den Nordpol. Hero Boy fragt, ob denn nicht der Weihnachtsmann der Herr über den Norpol sei, worauf der Landstreicher zurückfragt, wie er denn zum Weihnachtsmann stehe. Hero Boy gibt zu, dass er gern an den Weihnachtsmann glauben möchte, aber… Der Landstreicher beendet den Satz: „Du willst Dich nicht behummsen lassen. Du willst nicht, dass man Dir ’n X für’n U vormacht. Du willst Dich nicht verschaukeln lassen!“ Der Landstreicher nennt mindestens noch vier weitere Synonyme für „jemanden reinlegen“, bevor er den zentralen Satz des Films sagt: „Sehen heißt glauben!“ Hero Boy wird wieder unsicher: „Wir fahren doch alle zum Nordpol… oder ist das alles ein Traum, wie Sie sagen?“ Der Landstreicher widerspricht: „Das waren DEINE Worte, nich‘ meine!“ Dann will er dem Jungen helfen, Hero Girl wiederzufinden. Zuvor stellt er aber noch eine Frage: „Glaubst Du an Geister?“ Der Junge verneint, wozu der Landstreicher nur meint: „Interessant…“

Sehen heißt glauben!

Als der Landstreicher ein paar Schritte in die Nacht geht, glaubt Hero Boy, er sei in einem Traum und will aufwachen. Er kneift sich selbst und wirft sich selbst Schnee ins Gesicht, was aber nichts bringt. Plötzlich taucht der Landstreicher vor ihm auf – auf Skiern. Der Zug fährt nun eine steile Abfahrt herunter, das können die beiden ausnutzen, um abwärts zu fahren. Das müssen sie auch, denn direkt nach der Abfahrt kommt ein Tunnel – und zwischen dem Dach des Zugs und der Tunneldecke ist nur ein Zentimeter Platz. Tatsächlich erreichen die beiden noch kurz vor dem Tunnel den ersten Wagon. Der Landstreicher ruft Hero Boy zu, er solle springen – und verschwindet spurlos. Der Junge springt…

…und landet im Kohlentender der „Dicken Berta“, wie der Landstreicher die Lok genannt hat. Sehr zur Überraschung des Jungen findet sich Hero Girl am Steuer der Lok wieder. Die beiden Lokführer Smokie und Steamer sind am Vorderteil der Lok zugange, wo sie eine kaputte Lampe auswechseln. Als das Licht wieder leuchtet, erkennen die beiden ein Hindernis und rufen dem Mädchen zu, sie soll den Zug stoppen. Doch Hero Boy zweifelt schon wieder – er bezweifelt, dass sich Hero Girl an den richtigen Hebel zum Stoppen des Zugs erinnert, weil ein anderer „auch wie ’ne Bremse“ aussieht. Seine Zweifel stecken sie an, so dass sie wie gelähmt ist. Schließlich entscheidet sich der Junge dafür, doch den Hebel zu ziehen, den Hero Girl benannt hat – und der Zug hält an.

Natürlich ruft das den Schaffner auf den Plan, der sofort wieder von dem Fahrplan anfängt, den es einzuhalten gilt. Doch dann sieht er, was für den Stopp gesorgt hat: eine Karibuherde, die das Gleis blockiert. Durch einen Zufall findet der Schaffner dann aber heraus, wie man die Karibus dazu bringen kann, das Gleis freizumachen. Der Zug fährt wieder an, während sich der Schaffner, der Junge und das Mädchen noch am Kopf der Lokomotive befinden.

Als der Zug auf die Gletscherschlucht – einer Schlucht mit 99 % Gefälle – zufährt, geht der Hebel kaputt, der die Geschwindigkeit reguliert. Erst auf dem zugefrorenen Gletschersee bringen Smokie und Steamer den Zug wieder zum Stehen. Als das Mädchen bei der Schlitterparty über den See fast vom Zug fällt, wird sie vom Lokführer festgehalten, dieser vom Jungen – und dieser wiederum von dem Landstreicher, der aus dem Nichts auftaucht und wieder ins Nichts verschwindet. Doch als das Eis des Sees anfängt, aufzubrechen, müssen sich Smokie und Steamer beeilen, den Zug zurück an Land und aufs Gleis zu bringen.

Nun bekommt das Mädchen endlich seine Fahrkarte wieder und der Schaffner kann sie abknipsen – er knipst auch ihr die Buchstaben „LE“ in den Schein. Auf dem Rückweg in den Wagon erzählt der Schaffner, wie er auf seiner ersten Fahrt beinahe einmal vom Zug gefallen sei. Er habe sich nicht mehr festhalten können – und doch sei er nicht gestürzt, weil er gerettet worden sei. Von jemandem. Oder etwas. Auf die Frage von Hero Boy, ob der Schaffner seinen Retter gesehen habe, antwortet der: „Bedaure. Man sagt zwar ’sehen heißt glauben‘, aber manchmal sind die wertvollsten Dinge diejenigen, die wir nicht sehen.“

Der Weg zurück in den Zug führ die drei durch den Frachtwagen. Dort befinden sich alte Spielsachen, die am Nordpol wieder runderneuert werden sollen. Der Junge sieht sich eine Marionette genau an und merkt nicht, dass der Schaffner und das Mädchen bereits weitergegangen sind. Plötzlich legt ihm eine Marionette die Hand auf die Schulter – sie ist ein Abbild von Ebenezer Scrooge (aus Charles Dickens „Christmas Carol“) und fährt ihn an: „Du bist wie ich: ein Zweifler! … Du glaubst nicht!“ Doch es ist der Landstreicher, der durch eine Dachluke die Fäden der Marionette bedient. Erschreckt flüchtet der Junge.

Er findet Hero Girl im letzten Wagen wieder bei Billy, der ein sehnsüchtiges Lied über Weihnachten singt („When Christmas comes to Town“), da es für ihn bisher nicht wirklich Weihnachten gegeben hat. Dann endlich erreicht der Zug den Nordpol – und zwar um 5 Minuten vor Mitternacht. Dass man doch pünktlich ist, rührt den Schaffner so sehr, dass ihm die Tränen kommen.

Nun wird auch klar, was das besondere an der Reise ist: der Weihnachtsmann wird einem der Kinder das erste Weihnachtsgeschenk übergeben. Als sich die Kinder darauf vorbereiten, zum Hauptplatz der Weihnachtsstadt zu gehen, fällt Hero Girl auf, dass Billy immer noch im Zug sitzt. Sie will ihn überreden mitzukommen, da er glaubt, dass Weihnachten für ihn „nicht funktioniert“. Bevor ihr das gelingt, wird allerdings der Wagon abgekuppelt, in dem sich die drei befinden, und fährt rasant durch die Weihnachtsstadt. Mit Hilfe des plötzlich erscheinenden Landstreichers findet Hero Boy die Bremse und kann den Wagen auf einer Drehscheibe zum Stehen bringen.

In dem Moment hört Hero Girl ein Schlittenglöckchen – Hero Boy allerdings nicht. Das Mädchen führt die drei dem Klingeln nach durch die Fabrik des Weihnachtsmanns, bis sie bei einem Transportband ankommen, auf dem sich noch ein Päckchen befindet, das an Billy adressiert ist. Da Billy sich weigert, das Päckchen loszulassen, landen die drei im Sack des Weihnachtsmannes, wo sie von den Wichteln entdeckt werden. So kommen auch sie schließlich zum Hauptplatz der Weihnachtsstadt – und es ist immer noch 5 Minuten vor Mitternacht.

Die Kinder erleben, wie der Schlitten des Weihnachtsmannes gerichtet wird. Dazu bringen Wichtel das Geschirr mit den Glocken an, deren Klang Hero Girl zuvor schon gehört hat. Aber Hero Boy hört immer noch nichts. Dann öffnet sich die Tür des Hauptgebäudes, in der der Weihnachtsmann steht – Hero Boy kann ihn nicht sehen, weil immer irgendjemand im Weg steht. Da löst sich eines der Glöckchen vom Schlittengeschirr und fällt mit einem dumpfen Geräusch dem Jungen direkt vor die Füße. Als er es aufhebt und schüttelt, hört er nichts außer der Stimme des Landstreichers, die vorwurfsvoll „Zweifler!“ flüstert.

Nun versucht er, sich zu konzentrieren. Fast schon verzweifelt murmelt er vor sich hin: „Ich will glauben!“ Dann schüttelt er das Glöckchen nochmal – und hört sein Klingeln. Fasziniert betrachtet er das glänzende Metall der Glock, als er feststellt, dass der Weihnachtsmann neben ihm steht und fragt: „Was hast Du da eben gesagt?“ Der Junge stammelt: „Ich glaube… ich glaube… ich glaube, das gehört Ihnen.“ Damit gibt er das Schlittenglöckchen zurück. Der Weihnachtsmann bedankt sich und wählt ihn aus, das erste Geschenk zu bekommen. Als er fragt, was der Junge haben möchte, wählt er… das Glöckchen. Der Weihnachtsmann gewährt den Wunsch und meint: „Dieses Glöckchen ist ein wunderbares Sinnbild für Weihnachten. Ebenso wie ich.“

Dann schlägt die Uhr Mitternacht. Der Schlitten des Weihnachtsmannes erhebt sich in die Lüfte und fliegt davon. Die Kinder werden zurück in den Polarexpress gebracht. Nun klärt sich auf, was die Buchstaben bedeuten, die der Schaffner in die Karten geknipst hat: es sind Worte, die den Kindern den Weg weisen sollen. Aus dem „LE“ des Neunmalklugs macht der Schaffner „LERNEN“ (er soll Demut und Geduld lernen), aus dem „ZU“ auf Billys Karte wird zuerst „ZUNEIGUNG“, dann, als er die Karte nochmal dreht, „ZUTRAUEN“, schließlich „ZUVERSICHT“ (er soll sein Misstrauen und seine negative Einstellung überwinden). Das „LE“ auf der Karte von Hero Girl erweitert der Schaffner zu „LEITEN“ (sie soll ihrer Führungsrolle annehmen), die Buchstaben „G“ und „N“ bei Hero Boy bilden Anfang und Ende von „GLAUBEN“.

Im Zug schließlich wollen alle Kinder das Glöckchen sehen, das Hero Boy bekommen hat. Doch er hat es verloren – gedankenverloren hat er es in die kaputte Tasche seines Morgenmantels gesteckt. Zwar wollen ihm die anderen Kinder beim Suchen helfen, doch es ist zu spät. Der Polarexpress ist schon auf dem Rückweg.

Die Kinder werden in umgekehrter Reihenfolge zu Hause abgesetzt, also Billy zuerst. Bei ihm war der Weihnachtsmann schon – und auch das Haus, in dem er wohnt, ist jetzt festlich geschmückt. Als Hero Boy aussteigt, sagt der Schaffner zu ihm: „Mit den Zügen ist es so: Wo man hinfährt, ist egal. Wichtig ist die Entscheidung, einzusteigen.“ Und als er sich an der Tür seines Hauses nochmal umdreht, um den abfahrenden Zug zu betrachten, sieht er auf dem Dach den Landstreicher, der zum Abschied winkt, um sich dann in ein Schneetreiben aufzulösen. Im Haus ist noch alles unverändert – der Weihnachtsmann war noch nicht da gewesen. Billy geht die Treppe nach oben in sein Zimmer…

…und fast ohne Übergang wird er von seiner Schwester geweckt, die aufgeregt erzählt, dass der Weihnachtsmann gekommen sei. Hero Boy steht schlaftrunken auf und will seinen Morgenmantel vom Bettpfosten nehmen. Dabei bleibt dieser mit der Tasche hängen und sie reißt auf – genauso wie zuvor, als er aufstand, um zum Polarexpress zu laufen.

Schließlich sind alle Geschenke ausgepackt… wirklich alle Geschenke? Nein, die Schwester findet noch einen kleinen Karton, auf dem der Name von Hero Boy steht. Er öffnet ihn – und sehr zu seinem Erstaunen findet er darin das Glöckchen vom Schlitten des Weihnachtsmannes, zusammen mit einem Zettel, der von „W.“ unterschrieben ist und mitteilt, dass das Glöckchen im Schlitten gelegen habe und Hero Boy solle doch das Loch in seiner Tasche stopfen. Die Eltern kommen dazu und bewundern das Glöckchen, doch sie können seinen Klang nicht hören.

Es gab eine Zeit, da konnte fast jeder meiner Freunde das Glöckchen hören. Aber nach und nach verstummte es für alle. Und es kam ein Weihnachtstag, an dem selbst Sarah seinen süßen Klang nicht mehr hörte. Für mich jedoch klingt das Glöckchen nach wie vor, obwohl ich alt geworden bin. Und das gilt für alle, die wirklich daran glauben.
Das Schlusswort von „Der Polarexpress“

Soweit die Handlung von „Der Polarexpress“. Im zweiten Teil werfe ich einen genauen Blick auf den Hintergrund und das Innerste der Geschichte. Der zweite Teil wird genau 1 Minute nach diesem Artikel veröffentlicht, Sie finden ihn, indem Sie auf den nächsten Artikel in der Reihe klicken.

21. Dezember – 4. Jahrestag im Jahreskreis der neuen Mythologie

In diesem Artikel hatte ich geschrieben, dass ich versuche, einen neuen Jahreskreis zu entwerfen, der sich an einer neuen Mythologie in Form von “Star Wars” orientiert. Heute, am 21. Dezember, ist der nächste Jahrestag im Lauf dieses Kreises.

21. Dezember – Eine neue Hoffnung

Der 21. Dezember ist der kürzeste Tag des Jahres. Die Dunkelheit ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht, doch gleichzeitig ist sie dazu verdammt, diese Macht zu verlieren. Denn von diesem Tag an werden die Tage wieder länger, das Licht nimmt zu.

In „Star Wars – Episode 4: Eine neue Hoffnung“ feiert das Licht, das gegen die Dunkelheit angeht, seinen ersten Triumph. Die Rebellen erbeuten die Pläne für die neueste Superwaffe des Imperiums, den „Todesstern“. Mit der Zerstörung der Raumstation durch die Rebellen verliert das Imperium den Ruf, unbesiegbar zu sein. Und die Rebellion gewinnt an Sympathie.

Die nächste Etappe der Geschichte folgt am nächsten Jahrestag…

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1. November – 3. Jahrestag im Jahreskreis der neuen Mythologie

In diesem Artikel hatte ich geschrieben, dass ich versuche, einen neuen Jahreskreis zu entwerfen, der sich an einer neuen Mythologie in Form von “Star Wars” orientiert. Heute, am 1. November, ist der nächste Jahrestag im Lauf dieses Kreises.

1. November – Die Rache der Sith

Um den 1. November herum beginnt die Dunkelheit endgültig zu überwiegen. Die Tage sind nicht mehr sehr hell und kurz. Die Nächte sind länger und kälter. Zu dem Datum wurde das Fest der Toten begangen.

In „Star Wars – Episode 3: Die Rache der Sith“ findet sich der Sieg der Dunkelheit wieder: die Sith, die bisher im Hintergrund gewirkt haben, treten nun ganz offen auf. Sie übernehmen die Republik, wandeln sie zum „Galaktischen Imperium“ und vernichten die Jedi, die Anhänger des Lichts. Danach ist die Galaxis an die Dunkelheit gefallen. Selbst Obi-Wan spricht (allerdings erst in Episode 4) davon, dass die Jedi zu einer Zeit existierten, „bevor es dunkel wurde in der Galaxis – vor dem Imperium“.

Doch es gibt Hoffnung – eine Rebellion gegen die Dunkelheit. Weiter geht es zum nächsten Jahrestag…

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21. September – 2. Jahrestag im Jahreskreis der neuen Mythologie

In diesem Artikel hatte ich geschrieben, dass ich versuche, einen neuen Jahreskreis zu entwerfen, der sich an einer neuen Mythologie in Form von „Star Wars“ orientiert. Heute, am 21. September, ist der nächste Jahrestag im Lauf dieses Kreises.

21. September – Angriff der Klon-Krieger

Um den 21. September herum findet die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche statt. Danach sind die Nächte länger als die Tage. Die Dunkelheit gewinnt an Macht. Bis zu diesem Termin wurde früher die Ernte beendet und ein Erntedankfest gefeiert. Man richtete sich darauf ein, dass es nicht nur dunkler, sondern auch kälter werden würde.

„Star Wars – Episode 2: Angriff der Klon-Krieger“ spiegelt diese Situation wieder. Die Republik ist in arger Bedrängnis und auch in dem mittlerweile erwachsenen Anakin Skywalker wird die dunkle Seite mächtiger. Separatisten versuchen, die Republik auseinander zu reißen und es wird klar, dass der Einfluss der Dunkelheit – der Sith – stärker wird, während der der Jedi – dem Licht – schwindet. Auch wenn am Ende eine große Armee aufbricht, um gegen die Separatisten zu kämpfen, ist dies doch eine Niederlage. Denn den Krieg, den wollte man eigentlich verhindern. Das Licht gerät weiter in Bedrängnis.

Und das geht weiter. Bis zum nächsten Jahrestag…

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Wir brauchen eine „Kultur des Versagens“ – dringend!

Vor einigen Jahren saß ich mit meiner damaligen Freundin in unserem damaligen Wohnzimmer. Sie saß vor dem Fernseher und sah die Castingshow „Popstars“ an. Ich saß am Esstisch und arbeitete am Computer. Castingshows gaben und geben mir nichts, aber andererseits wollte ich auch nicht irgendwo rumhocken und sie allein lassen. Auf diese Weise wurde ich unfreiwillig Zeuge einer besonders schlechten Darbietung eines Kandidaten, der nicht nur nicht singen, sondern nocht dazu nicht tanzen konnte. Ich konnte es nicht fassen, was ich da sah. Wie konnte so jemand auf die Idee kommen, sich bei einer Castingshow zu melden? „Sag mal“, meinte ich zu meiner Freundin, „haben solche Leute eigentlich keine Familie oder Freunde, die ihnen sagen: ‚He, Du kannst einfach nicht singen! Geh nicht zu der Show, Du blamierst Dich nur.'“ Im selben Moment fasst sich im Fernsehen Jurymitglied Detlef „D!“ Soost an den Kopf und sagt: „Haben solche Leute eigentlich keine Familie oder Freunde, die ihnen sagen, sie können nicht singen und sie sollen nicht zu einer Castingshow gehen?“

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Meine Freundin von damals ist mittlerweile mein Ex-Freundin und Castingshows wurden zu einem Hort des Boshaften. In den Anfangszeiten zeigte man zwar auch (wie im Beispiel oben) Menschen, die in einer Castingshow eigentlich nichts verloren haben, aber mittlerweile ist es zu einem Sport avanciert, diese Menschen durch Off-Kommentare und entsprechende Einblendungen zu verspotten. Die Schulhofrüpel, die den jüngeren oder schwächeren Schülern im Gang auflauern, sie verprügeln und ihnen das Essensgeld klauen, sind in der deutschen Realität angekommen. Und tatsächlich ist das heute ein etabliertes Bild unserer Gesellschaft: Versager gehören verspottet. Mit Häme überschüttet. Selbst Schuld. Werft den Purchen zu Poden! Und wenn er am Boden ist, trampelt auf ihm rum.

Das sind die Auswüchse von etwas, das man gerne mal als „typisch deutsche“ Eigenschaft deklariert: der Perfektionismus. Ich merke es selber an mir, wenn ich mit mir selbst unzufrieden bin. Oder dass ich das Gefühl habe, dass etwas Neues, das ich ausprobiere, natürlich aus dem Stegreif zu funktionieren hat. Leider haben wir mittlerweile in unserer Gesellschaft ein Klima geschaffen, das genau das propagiert: Entweder Du kannst es und bist perfekt – oder lass es doch einfach gleich bleiben. Denn wenn Du versagst, bist Du vogelfrei. Dann kann jeder über Dich herziehen und Dich verspotten, wie er will.

Das gilt für banale Sachen genauso wie für Entscheidungen, die den ganzen Rest eines Lebens beeinflussen können. Nehmen wir nur mal die Schule. Wenn ein Schüler das Klassenziel nicht erreicht und „sitzenbleibt“, kommen mehrere Herausforderungen auf ihn zu: Zum einen muss er das, was er ein Jahr lang gemacht hat, nochmal machen, und da wird auch viel Langeweile dabei sein. Der Schüler wird aus seinem sozialen Umfeld gerissen und in ein neues geschleudert – und hier hat er den Makel des „Sitzenbleibers“ an sich haften. Es ist schon schwierig genug, wenn ein Schüler etwa durch einen Umzug in eine neue Klasse, ein neues Umfeld kommt. Aber dann auch noch unter diesen Vorzeichen? Kinder können grausam sein, was das betrifft – aber wo lernen sie das denn? Genau, von den Erwachsenen.

Am schlimmsten ist es bei einer der weitreichendsten Entscheidungen, die man im Schulleben treffen muss: Auf welche weiterführende Schule das Kind gehen soll. Nun, hier muss ich einen kurzen Ausflug machen und kurz betonen, dass ich sowieso der Meinung bin, dass die 4. Klasse viel zu früh ist, um so eine weitreichende Entscheidung korrekt treffen zu können. Ich bin des weiteren der Meinung, dass das derzeitige dreigliedrige Schulsystem nichts weiter ist als die Zementierung eines überkommenen Gesellschaftssystem aus drei Klassen, die nach Möglichkeit nichts miteinander zu tun haben wollen: Gymnasium = Akademiker, Realschule = Kaufleute und Angestellte, Hauptschule = Arbeiter. Ich selbst hatte in der 4. Klasse eine Empfehlung für das Gymnasium. Hätte man mich gefragt, was ich tun will, ich hätte es nicht sagen können. Was will ich auch sagen, mit gerade mal 9 Jahren, was weiß ich denn von irgendwelchen Berufschancen? Zu dem Zeitpunkt wollte ich Lokführer werden. Wirklich geredet hat man mit mir darüber nicht, aber dazu komme ich gleich noch. Man hat mich dann aufgrund der Empfehlung eines Lehrers auf die Realschule gesteckt, das sei besser so. Das Resultat war, dass ich in vielen Dingen schlicht unterfordert war und mich langweilte.

Wir kommen wir da zur „Nicht-Versagen-Kultur“? Ganz einfach: Es gibt keinen Wagemut, was diese Auswahl betrifft. Wenn jemand sein Kind auf das Gymnasium schickt, weil es die Anforderungen nun mal erfüllt, und dieses Kind kommt mit der Schule nicht klar, wird wieder herumgemäkelt. Das Kind wechselt dann auf die Realschule unter den gleichen Bedingungen wie ein „Sitzenbleiber“ und die Eltern dürfen sich kluge Sprüche anhören von Menschen, die natürlich schon immer wussten, dass der „kleine Versager“ nie hätte aufs Gymnasium gehen dürfen und nur der dumme, verbohrte Ehrgeiz der Eltern schuld sei. Das arme Kind!

Ach ja? Wer macht denn das „arme Kind“ zum „armen Kind“? Doch nicht die Tatsache, dass es an einer Aufgabe gescheitert ist. Sondern die Tatsache, dass Außenstehende – wir! – darin einen Makel sehen. Und ja, es gibt Eltern mit einem dummen, verbohrten Ehrgeiz, die ihr Kind auf eine Schule drücken, wo es eigentlich nicht hingehört. Doch was ist die Ursache dieses Ehrgeizes? Versagensangst! Die Angst der Eltern, als erzieherische Versager dazustehen, nur weil das Kind „zu dumm“ fürs Gymnasium scheint.

Genau all das verhindert einen ehrlichen Dialog. Eine Freundin erzählte mir beispielsweise, dass sie von ihrer Mutter erklärt bekam, welche Entscheidung zu treffen sei, was das für Konsequenzen hätte und sie wurde gefragt, auf welche weiterführende Schule sie denn gehen wollte. Sie entschied sich für das Gymnasium – die richtige Wahl, wie sich herausstellte. Wenn ich versuche, mich daran zu erinnern, wie es bei mir war, ist da nicht viel. Ich schrieb oben, dass ich zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidung bei mir anstand, Lokführer werden wollte. Und dann wurde die Entscheidung für mich getroffen. Von den weiterführenden Schulen wusste ich nicht viel, das Gymnasium war das große, graue Gebäude, die Realschule das große Gebäude mit den grünen Fensterrahmen und die Hauptschule der Hinterbau der Grundschule, auf die ich ging. Man hat mir nicht erklärt, dass das Gymnasium nicht bedeutet, dass man „nur“ studieren gehen kann, sondern dass einem auch die Berufsausbildungen offenstanden. Man fragte einen Lehrer, der meinte, Realschule sei das beste für mich. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, teile ich seine Meinung nicht. Ob ich auf dem Gymnasium durchgekommen wäre, weiß ich nicht. Aber genau das ist der Punkt, um den es mir hier geht: Lieber ging man auf Nummer sicher, als dass ich eventuell scheitern könnte.

Dabei wird ganz deutlich, dass es nur am Umfeld liegt. Scheitert jemand, so ist es nicht nur in ihm begründet, wenn er daran beispielsweise innerlich zerbricht. Es liegt am Umfeld. Man fühlt sich sowieso als Versager – und was vermittelt einem das Umfeld? Genau das gleiche! Dabei wäre es die Aufgabe des Umfeldes – Familie, Freunde -, diesem Menschen zu helfen, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Warum hat er versagt? War es eine grundlegende Sache oder doch eher etwas, das man vielleicht beseitigen kann? Wie soll es weitergehen? Welche Lehren kann der Mensch aus dem Scheitern ziehen? Doch wir sind auf andere Dinge getrimmt: Oh mein Gott, dieser Mensch hat versagt! Auch wenn wir ihn im Grunde nicht verspotten oder verspotten wollen, so wird doch etwas getan, was fast noch schlimmer ist: er wird bemitleidet! Mitleid mag aus einer positiven Motivation heraus entstehen, allein beim Empfänger verstärkt es aber das Gefühl noch, ein Versager zu sein. Ein Versager, der Mitleid verdient hat. Mitleid verzerrt die Perspektive sehr stark. Der Bemitleidete bekommt nochmal deutlich das Gefühl, von oben herab betrachtet zu werden. Oben sind die Menschen, die nicht versagt haben. Unten ist er.

Leider zieht das ganze eine andere Sache nach sich, die das völlige Gegenteil darstellt: die totale Übermotivation und das „Versagen-nicht-sehen-wollen“. Wie bei dem armen Castingshowkandidaten, den ich am Anfang dieses Artikels erwähnte. Natürlich kann es auch sein, dass es in seinem Bekanntenkreis ein paar Menschen gibt, die ihm mit Absicht nicht gesagt haben, dass er nicht singen kann, weil sie ihn öffentlich in der Show versagen sehen wollten (noch so ein Nebeneffekt der „Nicht-Versagen-Kultur“). Aber ich gehe mal davon aus, dass innerhalb der Familie sowas wohl nicht vorkommen wird. Ich nehme mal an, dass er zumindest von der Seite motiviert wurde nach dem Motto: „Wenn wir ihm die Wahrheit sagen, bricht er zusammen.“ Auch das ist eine Form der fehlenden „Kultur des Versagens“ – er DARF einfach nicht versagen, das hält er nicht aus. Aber warum sollte er es nicht aushalten? Doch nur, weil er sich damit zum Gespött macht – und schon sind wir wieder am Anfang. Das Problem in diesem Fall ist, dass Menschen sich in sowas reinsteigern, es aber gleichzeitig nur eine Frage der Zeit ist, bis der „große Knall“ kommt. Im Fall des Kandidaten kam er beim Casting von „Popstars“. Und was für ein Knall das sein muss – bisher wurde ihm immer versichert, er könne das, und nun wird ihm klipp und klar ins Gesicht, dass er nicht singen kann.

Hätten wir eine „Kultur des Versagens“, so könnten wir das Scheitern in eine nützliche Lektion umwandeln. Ich bin gescheitert, okay, das ist nicht schön. Aber jetzt überlege ich mir, was ich daraus mache. Und dann geht es weiter in irgendeine Richtung. Durch die Kultur, die wir jetzt haben, stürzen viele Menschen, die „versagen“, in ein Loch. Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen kann, kreisen die Gedanken nur noch um einen Punkt: „Ich habe versagt. Ich bin nichts wert.“ Und genau so werden solche Menschen behandelt.

Dabei ist nicht mal gesagt, dass das Scheitern in einer Sache bedeutet, man müsse sich komplett nach etwas anderem umschauen. Das Kind, das auf dem Gymnasium an einem oder zwei Fächern scheitert, braucht vielleicht einfach nur Nachhilfe in diesem Fächern. Wer weiß, vielleicht hätte der Kandidat einfach nur mal richtigen Unterricht gebraucht? Ganz ehrlich, ich bin auch begeistert von Musik und kann Harmonien erkennen, wenn ich sie höre, aber deswegen kann ich nicht von mir behaupten, ein Musiker zu sein. Beim Singen gibt es so viele Techniken, mit denen man sich auseinandersetzen muss, das kann nun mal nicht jeder intuitiv. Aber da sind wir wieder am Anfang – Anfängertum wird nicht geduldet, alles muss sofort „perfekt“ sein. Also überspringt man lieber diese Schritte. Genau genommen ist es ja das, was das Konzept einer Castingshow ausmacht. Im Gegensatz zu den Musikern, die sich ihre Karriere erarbeiten mussten, indem sie sich Schritt für Schritt verbesserten, am Anfang vielleicht vor 4 Leuten spielten, dann vor 40 und irgendwann vor 4.000, soll hier der Schritt von „Null auf Hundert“ gleich gemacht werden.  Allein der Anspruch einer anderen Castingshow, einen „Superstar“ hervorbringen zu wollen, spricht Bände. Ein „toller“ oder „guter“ oder „fantastischer“ Musiker reicht nicht, nein, es muss ein „Superstar“ sein.

Tatsächlich tritt aber auch hier gleich wieder diese „Nicht-Versagens-Kultur“ zutage. Versuchen wir, uns an die vergangenen Teilnehmer und Sieger von „Deutschland sucht den Superstar“ (oder „DSDS“) zu erinnern. Auch hier begann irgendwann die Häme einzusetzen. Sollten das nicht „Superstars“ sein? Und was hört man jetzt von ihnen? Gar nichts mehr. Ha ha! Ehm, Moment mal… Alexander Klaws ist Musicaldarsteller in Hamburg, Daniel Küblböck (hat zwar nicht gewonnen, war aber aus der 1. Staffel „DSDS“ auch einer der Bekannteren) leitet seine eigene Firma, Elli Erl hat ein eigenes, kleines Plattenlabel, Tobias Regner moderiert eine Radioshow in Hessen und Thomas Godoj und Daniel Schuhmacher gehen immer noch auf Tournee. Offenbar haben sie es also geschafft, etwas für sich zu erarbeiten, das sie gern machen wollen. Aber das scheint nicht spektakulär genug zu sein, und mit dem Anspruch der Sendung DSDS, einen „Superstar“ produzieren zu wollen, ist die Fallhöhe natürlich riesig. Aber sollten wir nicht, anstatt hämische Kommentar abzugeben, vielleicht mal kurz innehalten? All diese Menschen haben eine Erfahrung gemacht und sie haben sich einer Aufgabe gestellt. Allein sie haben – wohlgemerkt – unseren Ansprüchen eines „Superstars“ (was auch immer das sein soll) nicht genügt. Aber sie haben ihren Weg gefunden und sind dort offenbar erfolgreich. Soll das etwa nichts wert sein?

Mark Medlock fällt hier etwas aus der Reihe, da er immer noch eine gewisse Medienpräsenz hat und damit vermutlich dem Bild eines „Superstars“ unter all den Kandidaten am nächsten kommt. Ich kann mit ihm nichts anfangen, aber andere Menschen können das offenbar. Also was soll’s? Auch er hat seinen Weg gefunden.

Mehrzad Marashi wiederum ist ein gutes Beispiel der „Nicht-versagen-Kultur“: Seine Tournee musste nämlich abgesagt werden, weil sich zu wenig Karten verkauften. Hat er versagt? Das kann noch niemand sagen. Es kommt immer darauf an, was man aus einer Situation macht. Und das wissen wir bei Marashi nicht, er ist gerade in einer Phase der Neuorientierung, vor allem, nachdem er sich von Dieter Bohlen als Produzent getrennt hat. Aber nichtsdestotrotz gab es schon Stimmen, die davon sprachen, dass seine „Karriere beendet“ sei.

Das ist eine sehr eilige Aussage. Wann genau ist denn eine Karriere beendet? Und warum sind wir – gerade in den Medien – so fixiert darauf? Vor allen Dingen, so negativ fixiert darauf? Weil das „Ende“ von etwas, das man vielleicht lange Zeit gemacht hat, als „Versagen“ definiert wird. Ich beobachte, dass wenig Menschen offenbar bereit sind, anderen Menschen eine Art „Entwicklung“ zuzugestehen. Wir haben gefälligst zu irgendeinem Zeitpunkt irgendeine Entscheidung zu treffen, die den weiteren Verlauf unseres Lebens in Stein meißelt. Wer beispielsweise eine Ausbildung abbricht, weil ihm der Beruf nicht das gibt, was er davon erhofft hat, hat versagt. Gerade so, als gäbe es für einen Menschen nur den einen Weg im Leben. Und wenn man den nicht weiterverfolgt, ist man ein Versager.

Ich sage: NEIN! Es muss erlaubt sein, Irrtümer zu erkennen und zu korrigieren. Es muss erlaubt sein, neugierig zu sein auf andere Dinge und diese auszuprobieren. Würde ich meinen Lebensweg nach dem negativen Bild des „Versagens“ beschreiben, so müsste ich auch hier und da davon schreiben, dass meine „Karriere als XYZ“ beendet war. So ist das aber nicht. Meine Karriere endet in dem Moment, da ich die Augen das letzte Mal schließe, den letzten Atemzug nehme und mein Herz seinen letzten Schlag tut. Nicht vorher! Und selbst dann hoffe ich, dass ein bisschen was von dem, was ich in diesem Leben geleistet habe, weiterleben wird ohne mich.

Wir brauchen dringend eine Kultur des Versagens in unserer Gesellschaft, in der derjenige, der an einem Versuch scheitert, nicht mit Spott, Häme und dummen Sprüchen übersät wird, sondern wir Achtung davor zollen, dass er etwas versucht hat. Denn selbst aus dem Scheitern lässt sich etwas lernen. Leider wird uns auch das nur allzu häufig verwehrt. Scheitern wir an etwas, so kriegen wir nur allzu oft zu hören, dass das, was wir tun wollten, sowieso eine blöde Idee war, und dass wir das ganz schnell vergessen – verdrängen – sollten. Gerade Kindern nehmen wir so die Chance, etwas aus dem Scheitern mitzunehmen. Etwas Positives. Und schlimmer noch: Wir töten die Initiative, denn jemand, der einmal gescheitert ist und mit Spott „belohnt“ wurde, wird es sich beim nächsten Mal sehr überlegen, wenn er wieder was Neues beginnt.

Auf dem Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben, berauben wir uns unserer Möglichkeiten. Das Potential vieler Menschen wird so nicht zur Entfaltung kommen, denn man könnte ja versagen. Es gibt immer noch Menschen, die sich diese Denkweise nicht angeeignet haben, und das ist gut so. Leider wird es immer schwieriger. Denn das, was täglich über uns hereinbricht, zeigt uns das andere Bild: Versagen ist schlecht. Versagen darf nicht sein. Versager sind Verlierer, die es Wert sind, verspottet zu werden. Mehr nicht. Es ist schwierig, aber davon dürfen wir uns nicht beeindrucken lassen. Denn wer weiß, wieviel unentdeckte Talente da draußen noch sind, die wir nie zu sehen bekommen werden. Und das ist schade.

Die Hochzeit des Jahrzehnts des Jahrhunderts des Jahrtausends: Clinton

Wer mich kennt, weiß, dass ich Monarchie gegenüber sehr skeptisch eingestellt bin. Ich sehe nun mal nicht ein, warum ein Mensch automatisch ein Staats- oder Landesoberhaupt (oder einer ähnlichen Position) sein soll, nur weil er zufällig in diese oder jene Familie reingeboren wurde. Die Tatsache, dass die mittlerweile verstorbene Königinmutter von England am gleichen Tag Geburtstag hatte wie ich, war eigentlich das einzige, das mich mit der Monarchie verband. Ansonsten sehe ich das Gewese, dass um die Nachfahren der einstmals mächtigen Aristokraten ausgerechnet in Demokratien gemacht wird, sehr sehr skeptisch.

Amerika hat’s da besser. Die haben sich rechtzeitig vom König von England losgesagt und hatten nie eine Monarchie. Oh, Moment. Das heißt aber nicht, dass sie deswegen nichts „Monarchieähnliches“ hätten. Die Hochzeit von Chelsea Clinton beweist das. Deren Hochzeit scheint in den USA deswegen etwas Wichtiges zu sein, weil die Hauptleistung von Chelsea Clinton darin zu bestehen scheint, Tochter ihres Vaters William „Bill“ Clinton zu sein – dem ehemaligen Präsidenten der USA. Die Nachrichtensendungen in den USA drehten deswegen durch, ähnlich wie bei uns in Europa, wenn mal wieder irgendein (Möchtegern-)Aristokrat mit dem mittlerweile fünften Partner den „Bund fürs Leben“ eingeht. John Steward von der „Daily Show“ gibt einen sehr guten Überblick:

The Daily Show With Jon StewartMon – Thurs 11p / 10c
Wedding of the Decade of the Century of the Millennium
www.thedailyshow.com

Hier klicken, um den Inhalt von media.mtvnservices.com anzuzeigen.

Daily Show Full EpisodesPolitical HumorTea Party

In dem Film „Die nackte Kanone“ sagt die Hauptfigur Frank Drebbin über den bevorstehenden Besuch der Königin von England: „Wie albern und verblödet uns der Gedanke, eine Königin zu haben, auch vorkommen mag, als Amerikaner müssen wir gute Gastgeber sein.“ Nein, eine Königin haben sie nicht. Aber sowas ähnliches. Sozusagen eine Surrogat-Monarchie.

ICH

„Ein Mensch schaut in der Zeit zurück. Und sieht: Sein Unglück war sein Glück.“
(Eugen Roth)

Genau zur selbigen Minute, da dieser Artikel im „Star Command Communiqué“ erscheint, geschah exakt 40 Jahre zuvor etwas, das mein Leben persönlich sehr stark beeinflusst hat. Am 4. August 1970, genau um 12.30 Uhr nämlich griff ein Arzt im städtischen Krankenhaus in Diez an der Lahn zur Schere und durchtrennte die Nabelschnur, die mich mit meiner Mutter verband. Dem Gesetz nach war ich damit als „geboren“ anzusehen. Und der geneigte Leser mag mir daher die kleine Eitelkeit nachsehen, wenn ich an diesem Tag ein paar Artikel schreibe, die sich nur um eines drehen: MICH. Falls Ihnen das nicht gefällt… tja, das ist wie mit dem Fernsehen. Keiner muss sich das hier antun.

Mit meiner Geburt zu dieser Stunde an diesem Tag war mein Sternzeichen ein Löwe der zweiten Dekade. Löwen sagt man nach, sie ordnen sich nicht gern unter, sind freiheitsliebend und eigenständig. Und Löwen der zweiten Dekade würden mit unangenehmen Situationen besser fertig. Einen Aszendenten gibt es auch noch, der ist Skorpion. Idealismus sagt man ihm nach, eisernen Willen und ein großes Verlangen, neue Aspekte des Daseins zu ergründen und zu neuen Grenzen vorzustoßen. Im chinesischen Horoskop, das ja keinen monatlichen, sondern einen jährlichen Wechsel der Sternzeichen kennt, bin ich unter dem Sternzeichen Hund geboren, was meine manchmal zutage tretende innere Zerrissenheit erklären würde, denn mit Hunden kann ich im echten Leben nicht viel anfangen. Das Sternzeichen Hund jedoch verbindet man mit allerlei positiven Eigenschaften, Treue, Gutherzigkeit, Streben nach Gerechtigkeit – und immer viele Vorhaben, die den Geist beschäftigen.

Aber wer bin ich wirklich? Viele Menschen in meinem Leben haben viel Zeit und Energie dafür aufgewendet, mir heftigst zu versichern, was ich alles nicht bin, beziehungsweise wo ich überall nicht hingehöre, dabei aber versäumten zu begründen, was ich denn dann bin und wo ich hingehöre. Nun, am heutigen Tag ist es mir ein kleines Vergnügen (um nicht zu sagen, ein „innerer Reichsparteitag“ oder ein „innerer Vorbeimarsch“), jenen Damen und Herren ins Gesicht zu sagen: Ihr habt Euch geirrt! Eure Versuche, mich in eine Schublade zu stecken, sind gescheitert. So einfach bin ich nämlich nicht. Ihr habt es Euch nur einfach gemacht. Ich werde mich mal auf meine eigenen Spuren begeben, aber leider, so fürchte ich, wird dieser Artikel genauso verworren werden, wie manchmal meine Gedankengänge, darum bitte ich um Nachsicht – es ist keine Chronologie, nur eine Reflektion.

„Fear that no one will be willing
To see me as I know I really am.
Once they are counted and compelled,
They can quickly be dispelled.
Like figments of my own imagination.“
(Jerry Juhl: „Fears of Zero“, written for „The Muppet Show“)

Auf meinem Lebensweg bekam ich einiges wichtiges Werkzeug mit, das mir oft geholfen hat. So wurde zum Beispiel mein Denken nicht eingeschränkt, weder im Wissen, noch in der Kreativität. Ich lernte, dass es erlaubt ist, Fragen zu stellen, wenn man etwas nicht weiß und dass es gut ist, eine weitreichende Allgemeinbildung zu haben. Und wenn man etwas nicht weiß, ist das nicht unbedingt eine Schande (außer manchmal vielleicht 🙂 ), aber dann sollte man wenigstens wissen, wo man nachschauen kann. Tatsächlich besitze ich noch heute eine große, mehrbändige Ausgabe des „Großen Brockhaus“, die neben vielen anderen Büchern eine Zierde meiner persönlichen Bibliothek ist. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich gern schnell mal aus der Wikipedia informiere.

Bevor ich jedoch auf die Bücher eingehe, muss ich über die Comics sprechen. Mit denen kam ich schon sehr früh in Kontakt. Noch bevor ich lesen konnte, waren die Bildergeschichten für mich teilweise sogar zu verstehen, erst recht, nachdem man sie mir einmal „vorgelesen“ hatte. So lernte ich meine ersten Kindheitshelden kennen:

Asterix der Gallier - bei AMAZON.de
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Der erste Held in der Reihe ist ASTERIX. Natürlich hatte ich anfangs kein Auge für die vielen Anspielungen oder die bekannten Personen, die alle als Comicfiguren in den Geschichten auftauchten, aber die Geschichte um die gallischen Kelten, die um das Jahr 50 vor Christus gegen die Römer aufbegehren, hatten es mir angetan. Und offenbar hatte man damals noch mehr Humor als heute, denn niemand verstieg sich zu der schlagzeilenträchtigen Aussage, Goscinny und Uderzo, die „Väter“ von Asterix, würden mit ihrem Comic Geschichtsverfälschung betreiben (zumindest hätte ich das nicht mitbekommen). Heute wäre das vermutlich eher möglich, wenn ein selbsternannter Experte den Wunsch hegte, seine Nase in eine Fernsehkamera zu halten oder in den Zeitungen groß rauszukommen. Andererseits war Asterix da auch das genaue Gegenteil, denn um alle Anspielungen zu verstehen, musste man die „echte“ Geschichte einigermaßen kennen, etwa wenn Gaius Julius Cäsar seinen Ziehsohn Brutus ermahnt, er solle nicht ständig mit dem Messer herumspielen oder er ihn mit den Worten „Et tu, quoque fili Brute.“ dazu auffordert, in den Applaus der Massen einzustimmen (beides Anspielungen auf die Verschwörung, Cäsar zu ermorden).

Lucky Luke - bei AMAZON.de
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Ein weiterer Held war und ist LUCKY LUKE, auch wenn ich sonst kein sonderlicher Western-Fan bin. Seit ich lesen kann, frage ich mich, wie wohl die Melodie von „I’m a poor lonesome Cowboy“, das Lied, das Luke immer am Ende jeder Geschichte singt, geht. Ich habe es bis heute nicht herausgefunden. Und ich war entsetzt, als ich herausfand, dass die Franzosen seinen Namen „Lüki Lück“ aussprechen. Das klingt irgendwie wie der kleine Bruder von Ingolf Lück. Nicht dass das was schlechtes wäre, aber der Name ist Englisch. Sollte man ihn dann nicht auch so aussprechen? Offenbar brechen sich aber nur die Deutschen lieber die Zunge ab, um Eigennamen in den Sprachregeln des jeweiligen Herkunftslandes auszusprechen, als den Namen falsch auszusprechen.

Tim und Struppi: Flug 714 nach Sydney - bei AMAZON.de
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Natürlich nicht zu vergessen: TIM UND STRUPPI, denen ich in diesem Blog schon eine ganze Artikelreihe gewidmet habe. Der furchtlose Reporter weckte in mir den Wunsch, auch etwas in der Art zu machen. Ein bisschen „reingeschnuppert“ habe ich dann in den Bereich „Journalismus“ – aber nur, indem ich an der Schülerzeitung mitgearbeitet habe. Die Frage nach meinem Lieblingsband von Tims Abenteuern ist nicht ganz einfach zu beantworten, eigentlich sind es mehrere. Müsste ich mich aber definitiv für eins entscheiden, so wäre das „Flug 714 nach Sydney“ (auch wenn ich sonst eher die doppelbändigen Abenteuer vorziehe). Der Grund ist sehr persönlich: das Album bekam ich, als ich krank war und im Bett lag. Gleichzeitig verlor ich noch dazu einen Milchzahn. Ich habe die Geschichte immer und immer wieder gelesen, dadurch ist sie mir besonders gegenwärtig geblieben.

Durch diese Comichelden habe ich einen Teil des Ansporns erfahren, eigene Geschichten zu entwickeln. Ich möchte ihn als den positiven Teil der Inspiration bezeichnen, denn es gab auch einen negativen Teil. Der positive Teil motivierte mich, mir zu sagen: „Solche Geschichten möchte ich auch schreiben.“ Der negative Teil brachte mich zu den Gedanken: „So gefällt mir das nicht – ich möchte andere Geschichten!“ Darüber habe ich schon mal vor vier Jahren einen kleinen Artikel geschrieben, es geht um das Disneyversum, dessen Eindrücke bei mir nicht immer positiv waren. Diese Eindrücke können Sie hier nachlesen.

YPS Nr. 201 / (c) by Gruner & Jahr
YPS Nr. 201 / (c) by Gruner & Jahr

Ich habe nachgerechnet und es war Sommer 1979, als ich in den Ferien Bekanntschaft mit einer Zeitschrift machen durfte, die mich danach einige Jahre begleitete: YPS. Es war die Ausgabe Nr. 201, ich hatte damit das Jubiläum um eine Woche verpasst, aber das machte nichts. Das Konzept dieser Zeitschrift traf genau meinen Nerv, neben Comics auch von meinen Kindheitshelden gab es das wöchentliche „Gimmick“, eine Beilage, mit der man sich in den meisten Fällen genau auseinandersetzen musste. Oft wurde dem Leser damit irgendetwas Nahe gebracht, das mit Naturwissenschaften zu tun hatte oder sein Augenmerk auf etwas gerichtet, zum Beispiel wenn ein Zaubertrick erklärt wurde. Ich – und Millionen andere – fand das sehr spannend. Irgendwann habe ich zwar aufgehört, die Zeitschrift zu lesen, würde es aber immer noch spannend finden. Leider scheint sich das Konzept mittlerweile überlebt zu haben, YPS wurde vor ein paar Jahren eingestellt. Ein Neustart unter der Regie von Ehapa (die eigentlich die Disney-Produkte und Asterix herausbringen) brachte auch nicht den gewünschten Erfolg. Auch über YPS und seinen Einfluss auf mich habe ich vor vier Jahren schon einmal einen Artikel geschrieben, der etwas ausführlicher ist als dieser Absatz. Sie finden ihn an dieser Stelle. Die Eindrücke von YPS wirken noch nach, in den Blogs des Projekts sind sie unter anderem an den Tagen zu merken, an denen bestimmte Artikel erscheinen – sie sind an den Wochentagen orientiert, an denen das neue Heft erschien (auch wenn diese hin und wieder mal wechselten).

Damit zurück zu meiner Bibliothek. Als ich klein war, konnte ich es kaum erwarten, endlich lesen und schreiben lernen zu können. Lesen wollte ich unbedingt selber können, um mich mit den vielen Büchern, die es so gab, beschäftigen zu können. Und schreiben, damit ich meiner Kreativität freien Lauf lassen konnte. Zwar zeichnete ich schon sehr viel vor der Schule (Bildergeschichten ohne Text), aber ich wollte mir Geschichten ausdenken und sie aufschreiben, damit andere sie lesen können. Das Zeichnen habe ich noch lange Zeit weiter verfolgt, aber so wirklich ein Talent von mir war es nicht. Aber Geschichten schreiben, das ging dann schon besser. Man sagt, wer schreibt, der muss auch viel lesen, und das beherzigte ich, ohne diesen Spruch zu kennen. Schon immer war es sehr durchmischt, was ich las, von Jugendbüchern (wie etwa „Die drei ???“) bis zu Wissensbüchern. Und natürlich dem ersten Jugendlexikon, das ich geschenkt bekam. Schließlich bekam ich sogar eine eigene Schreibmaschine, nachdem ich die meiner Großeltern ständig belagerte. Und so entstanden die ersten Geschichten – in leserlicher Form. Das kam mir noch zu gute, denn schließlich arbeitete ich an der Schülerzeitung meiner Schule mit.

Inspiration für eigene Geschichten fand ich in meiner unmittelbaren Umgebung. Geboren bin ich zwar in Diez, aber im Alter von zwei Jahren kam ich an den Bodensee, genauer gesagt, nach Überlingen. Und das hat sich bei mir festgesetzt, das ist meine Heimat. Eine Stadt, nicht zu groß, mit viel grün und dem Bodensee. An unzähligen Nachmittagen bei vielen Streifzügen in die Umgebung entstanden die Grundlagen und ersten Versionen von Geschichten, die sehr viel später in ganz anderer Form zu Papier gebracht werden sollten, sei es als Science Fiction oder als Science Fantasy.

Wenn ich doch nur gewusst hätte, was sich aus so manchen Dingen einmal entwickeln würde… In den Sommern beispielsweise war ich Dauergast im „Strandbad West“ oder „Westbad“ in Überlingen. Fasziniert vom Element Wasser brachte ich mir selbst mit Hilfe einer anderen Jugendzeitschrift das Schnorcheln bei und stellte mir vor, wie das wohl ist, mit „richtigem“ Gerät zu tauchen. Die Faszination verließ mich nie, aber wie ich sagte, ich konnte damals weder ahnen, dass ich irgendwann die Chance bekommen würde, das Gerätetauchen wirklich auszuprobieren, noch absehen, was sich daraus entwickeln würde.

„To dream the impossible Dream…
To reach the unreachable Star…
This my Quest!
I follow that Star!
No matter how hopeless.
No matter how far.“
(Joe Darion: „The Impossible Dream“ from the Musical „The Man of LaMancha“)

So sehr ich in meinem Leben etwas machen wollte, bei dem ich meine Kreativität ausspielen konnte, so wusste ich doch, dass ich (zumindest vorerst) auch etwas tun musste, von dem ich leben kann. Verschiedene Interessen entwickelte ich neben dem Schreiben. Da wir in meiner Kindheit nahe am Krankenhaus wohnten und immer mitbekamen, wenn dort der Rettungshubschrauber landete, flammte in mir für eine gewisse Zeit der Wunsch auf, zum Rettungsdienst zu gehen. Aber wie das so ist in der Kindheit, Berufswünsche kommen und gehen, und so geriet der bald in den Hintergrund. Aber Computer programmieren, das konnte ich richtig gut. Das war etwas, wo ich meine Kreativität ausspielen konnte. Und obwohl ich nie das besondere Genie in Mathematik war, stellte sich so langsam heraus, dass mir auch das Kaufmännische lag, so wie die Physik und Sprachen. Letzteres kam mir besonders zugute, als ich anfing, Freundschaften rund um den Globus zu schließen über eine Jugendorganisation aus Finnland. Ein paar der Freundschaften von damals bestehen heute immer noch, und diese Menschen sind quasi zusammen mit mir durch die verschiedensten Phasen des Lebens gegangen, und ich mit ihnen.

Das nächste war, wie schon gesagt, die Berufswahl. Ich versucht, im Computersektor Fuß zu fassen, was mir nicht ganz gelang. Computer, das bedeutete schon wieder Mathematik. Beim Programmieren hatte ich bis dahin meine latente Matheschwäche durch meine Kreativität ausgleichen können, doch im Berufsleben reichte das nicht mehr. Meine Kreativität verlangte ab und zu eine Pause zu machen. Das konnte ich im Büro nicht, genauso wenig wie ich auf Knopfdruck kreativ sein konnte. Datenverarbeitungskaufmann hatte ich werden wollen, den Ausbildungsplatz hatte ich erst auf den zweiten Anlauf bekommen. Dann musste ich erkennen, dass es ein Irrweg war, zumindest auf diese Weise. Aber was sollte ich stattdessen tun. Ich hatte eine Idee, die eine Art „kreative Pause“ im Berufsleben bedeuten würde: Ich musste den Zivildienst noch machen. Da ich über eine Freundin Kontakt zum Roten Kreuz bekommen hatte, wollte ich mir das mal ansehen. Naturwissenschaften, darunter auch die Medizin, hatte ich ja auch schon immer spannend gefunden, vielleicht würde ich hier fündig werden.

Allein mein damaliger Chef war nicht begeistert. Er hielt mir eine Standpauke, ich hätte eine „Identitätskrise“ und solle mir das nochmal überlegen. Mit seiner Rede hatte er das genau Gegenteil von dem erreicht, was er erreichen wollte. Wenn überhaupt, dann hätte ich jemanden gebraucht, der mich und meine Bedenken ernst nimmt. Mein Chef hingegen hatte mich wie einen dummen Schuljungen behandelt, der keine Ahnung hat. Und ich hasse es, wenn ich nicht ernst genommen werde. Ich war zwar erst 20, aber ich hatte mir sehr wohl sehr genaue Gedanken gemacht. Die Ignoranz, mit der dies weg gewischt wurde, machte mir meine Kündigung umso einfacher. Es war sowieso paradox, erst wollte man mich nicht einstellen – und dann wollte man mich nicht gehen lassen? Obwohl ich oben von „Irrweg“ sprach, so stellte sich im Nachhinein heraus, dass es kein Fehler gewesen war, diesen Weg einzuschlagen. Zwar mag dieser Beruf nichts für mich gewesen sein, aber dadurch lernte ich Programmieren und den Umgang mit Computern und ihrer Software. Heute kommt mir das zugute, gerade bei der Gestaltung der Webseiten von meinen Projekten.

„Maskenball! Kunterbunter Mummenschanz!
Maskenball! Niemand ist der, für den ihn alle halten!“
(Andrew Lloyd Webber: „Maskenball (Masquerade)“ aus dem Musical „Das Phantom der Oper“)

Ich ging also in den Zivildienst, den ich beim Rettungsdienst ableistete. Ein Beruf, der nicht einfach ist, vor allem nicht in diesen Zeiten, aber es war etwas, das mich schon immer fasziniert hat. Ein glückliches Geschick verhalf mir dann dazu, die Ausbildung in dem erst relativ kurz zuvor neu geschaffenen Berufsbild „Rettungsassistent“ machen zu können. Meine Karriere verlief recht wechselhaft, auch wenn ich auf diese Weise einige wertvolle Erfahrungen sammeln konnte, hätte manches nicht sein müssen. Manches Mal war es einfach nur ein Kampf.

Aber auf der anderen Seite habe ich durch diesem Beruf die Bekanntschaft von Menschen machen dürfen, die mir mittlerweile sehr teuer geworden sind.  Und auch einige von ihnen begleiten mich mittlerweile eine lange Zeit.

Meine andere Leidenschaft, das Schreiben, habe ich dabei immer weiter betrieben. Im August 1985 formulierte ich den ersten Satz von etwas, das mich seither nicht mehr so wirklich loslassen würde, auch wenn ich es mehrfach änderte und neu schrieb. Ich hatte dabei eine große Idee im Kopf, von der ich lange Zeit nicht wusste, wie ich sie umsetzen sollte. Doch meine Leidenschaft für „Star Trek“, die wieder entflammt war, nachdem ich ausgerechnet den so gescholtenen Film „Star Trek 5 – Am Rande des Universums“ gesehen hatte, sollte mir hier helfen. Natürlich kaufte ich mir den einen oder anderen Fanartikel. Dabei war ein Kochbuch, das mich neugierig gemacht hatte, „Rezepte durch Raum und Zeit“. Herausgegeben worden war das Buch von einem Fanclub, der einer internationalen Fan-Organisation angehörte. Diese Organisation hatte Niederlassungen in vielen Ländern über die ganze Erde verteilt. Das Konzept gefiel mir, denn die Clubs aus den verschiedenen Orten hatten sich sozialen Projekten verschrieben, kamen zu überregionalen Treffs und brachten teilweise auch Fan-Fiction heraus. In dem Kochbuch fand sich ein Formular, dass man sich bei der Organsation anmelden konnte. Ich tat das – und siehe da, der deutsche Club war bei mir in relativer Nähe, in Tübingen. Sie nannten – und nennen – sich USS EUROPE. Ich fand neue Freunde, sehr viel Kreativität – und lernte meine erste Freundin kennen.

Dann ging ich auf eine Star-Trek-Convention und kam dort in Kontakt mit einer Live-Rollenspiel-Gruppe aus München. Wieder etwas, das ich spannend fand, den Rollenspiele kannte ich schon vorher – allerdings in Bücherform, und dass man sie an einem Tisch spielte. Live-Rollenspiel bedeutete, sich eine Rolle wirklich zu eigen zu machen und die Figur, die man darstellte, entsprechend auszurüsten. Es war eine sehr spannende Zeit. Beim Rollenspiel, also wenn man spontan „jemand anders“ darstellen muss, erfährt man sehr viel über sich selbst. Und nach der Science Fiction war ich auch bei ein paar Fantasy-Spielen. Und nein, das sind keine Verrückten, nur sehr kreative Menschen, die ab und zu mal eine „Auszeit vom ‚Ich'“ nehmen, was sehr entspannend sein kann.

Die Impulse, die ich in der Zeit erfuhr, gaben meinen eigenen Ideen und dem eigenen Projekt, das ich weiter aufzubauen versuchte, neuen Auftrieb. Das Projekt hatte ich schon 1987 begonnen mit ein paar Freunden zusammen, wir wollten einen Film machen und fingen auch mit Dreharbeiten an – damals noch auf Super 8. Doch die Zeit war leider denkbar schlecht, denn Ende der 1980er Jahre war für uns die Zeit des Schulendes, Schulwechsels, des Beginns von Ausbildung und Studium. Mein damaliger Freundeskreis brach auseinander und der Film wurde nicht fertig gestellt. Das Filmen als Hobby blieb mir aber erhalten. Mit der EUROPE gab es schließlich einen neuen Film, bei der Rollenspielgruppe wirkte ich sogar in insgesamt sechs mit. Doch nach zehn Jahren trennten sich meine Wege von der Gruppe, was einen persönlichen Hintergrund hatte. Nichtsdestotrotz, es war eine tolle Zeit und ich habe auch hier wieder viele neue, interessante Menschen kennenlernen dürfen.

Durch meine Arbeit für die Gruppe konnte ich meinen Schreibstil weiter ausbauen. Carsten, der an diesem Blog ebenfalls mitschreibt, und den ich dort kennenlernen durfte, empfahl mir das eine oder ander Buch dazu, was mir sehr geholfen hat. Nachdem er ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt hatte, wurde ich zeitenweise zum „Rust-Ausflugs-Beauftragten“ ernannt. Das hatte damit etwas zu tun, dass ich seit Anfang der 1990er Jahre ein regelmäßiger Besucher des Europa-Parks in Rust bin. Der Park fasziniert mich immer wieder und meine Begeisterung sorgte sogar dafür, dass 2005 der Grundstein für die „ErlebnisPostille“ gelegt wurde. Es ist einer der Orte, von dem ich mich immer wieder gern inspirieren lasse, und wenn Sie meine Geschichten aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass ich dort die eine oder andere Anspielung versteckt habe. Oder zum Beispiel, dass in den Blogs vom „Phantastischen Projekt“ die „getimten“ Artikel immer um 9.00 Uhr früh erscheinen, hängt auch mit dem Europa-Park zusammen: um 9.00 Uhr öffnet er in der Hauptsaison seine Pforten. Ja, es ist schon besonderes Verhältnis zum Europa-Park.  Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Ort erzählt werden.

“Was für merkwürdige Dinge erlebt man doch auf Reisen, und wie viel gescheiter wäre es, man bliebe daheim!”
Voltaire

August 1979
August 1979

In der „ErlebnisPostille“ geht es aber nicht ausschließlich nur um den Europa-Park, sondern um das Erleben und Reisen an sich. Gereist bin ich auch schon immer gern, egal, ob es sich um Tagesausflüge oder einen Urlaub handelt. Ich fand es interessant, neue Orte und Kulturen kennenzulernen, auch wenn ich den „absoluten“ Lieblingsort (vom Europa-Park mal abgesehen) bisher noch nicht gefunden habe. Allein in der Bodensee-Region gibt es sehr viel zu sehen. Wegen meiner Begeisterung bekam ich zum 9. Geburtstag den ersten Fotoapparat, eine so genannte „Pocket Kamera“ geschenkt. Ein für heutige Verhältnisse einfaches Gerät, aber es genügte mir. Von da an war die Kamera mein ständiger Reisebegleiter, auch wenn sie irgendwann den Geist aufgab (was Kameras der einfachen Machart von Zeit zu Zeit zu tun pflegen, vor allem, wenn sie ständig in irgendwelchen Taschen mitgenommen wurden) und dann ein Nachfolger hermusste. Meine (jeweils aktuelle) Kamera begleitete mich quer durch die Republik, vom Bodensee bis an die Nordsee, nach Österreich, in die Schweiz, Frankreich… und so weiter. Reisen kann ebenfalls sehr inspirierend sein, auch der Vorgang des „Reisens an sich“, also des Fortbewegen von einem Ort zum andern. Ich bin eigentlich immer ganz gern mit dem Zug gefahren, aber heute komme ich kaum noch dazu. Wenn man mal davon absieht, dass ich zurzeit in einer Stadt wohne, die man mit Gewalt vom Eisenbahn-Netz abgetrennt hat und mit „Zugfahren“ hier nicht mehr sehr viel los ist.

Einen weiteren spannenden Ort durfte ich Mitte der 1990er Jahre entdecken, diesmal allerdings in den Niederlanden. Ich hatte von der Ferienparkkette „Center Parcs“ erfahren, deren Name daher kommt, dass es sich um Bungalowparks handelt, die rund um ein Zentrum angeordnet sind. In dem Zentrum hat jeder Park sein eigenes Schwimmbad, zu dem man während des gesamten Aufenthalts kostenlosen Zutritt hat. Für jemanden wie mich ideal – und für meine damalige Freundin ebenso, also statteten wir dem Park „Het Heijderbos“ nahe der Niederländisch-Deutschen Grenze einen Besuch ab. Auch das war ein Besuch, der einiges nach sich zog und schließlich zu einer weiteren Webseite des „Phantastischen Projekts“ führte. Aber auch das ist eine ganz andere Geschichte und soll an einem anderen Ort erzählt werden.

Dann hatte das neue Jahrtausend begonnen. Die Computer sind wider alle Panikmache nicht am 01.01.2000 abgestürzt, um die Welt in ein Chaos zu stürzen, nein, es ging munter weiter. 2000 wurde ich 30, und offenbar hatte das Schicksal / das Leben / wer auch immer beschlossen, mir das vor Augen zu führen. Als ich am morgen meines 30. Geburtstag aufwachte, war alles noch normal. Dann richtete ich mich auf – mein Rücken knackste. Au! Ich ließ die Beine aus dem Bett hängen – meine Hüfte knackste. Au! Dann stand ich auf – mein Knie knackste. Au! Drei „Knackser“, bis ich aufgestanden war, einer für jedes Jahrzehnt. Ich fing kurz nach der Jahrtausendwende mit dem Schreiben des ersten Blogs an (Sie lesen gerade darin) und brachte meine ersten beiden Bücher heraus, mit denen ich versuchte, das Konzept, das ich schon seit Jahren im Kopf entworfen hatte, teilweise zu verwirklichen. Sie waren nach den Filmen der Rollenspielgruppe geschrieben und ich versucht, eine übergreifende Rahmenhandlung einzubauen. Leider hatte sich das alles erledigt, als ich mich von der Gruppe trennte. Aber das eigene Konzept, das nahm schließlich Formen an, und so erschien der erste Science-Fantasy-Roman, der die Grundlagen für dieses neue Universum bilden sollte. In der zweiten Auflage schließlich hatte er die Form, die mir gefiel und in der er bleiben konnte. Diese Roman-Reihe sollte hin zu den Science-Fiction-Geschichten führen, die ich zuvor schon geschrieben hatte.

„Sapere aude!“ – Horaz

Last but not least wollte ich das alles irgendwie zusammenbringen, denn wie man sieht, hängt auch alles irgendwie zusammen. So eine Art „Dach“ über das ganze, damit sich die Leser einen Überblick verschaffen können. Doch zwischen 2006 und 2008 verlief mein Leben ein wenig turbulent, ganz besonders 2007. Dafür begannen 2008 einige Entwicklungen, die sich später positiv Auswirken sollten. Ich fand endlich das „Dach“, nach dem ich gesucht hatte, die Webseite vom „Phantastischen Projekt„. Angefangen hatte es mit einer einfachen Seite bei AOL (der „Basis Atlantis“), dann enstanden nacheinander „Star Command“ und „Astrocohors„, dann die ganzen anderen Seiten. Und 2008 die Übersicht.

Außerdem führte eine Reise Ende des Jahres nach Ägypten, El Gouna, um genau zu sein. Auf eine ziemlich spontane Idee meiner Reisebegleiterin hin machten wir einen „kleinen Tauchschein“ an der Tauchbasis unseres Hotels. Und auch das zog ganz schön was nach sich, das wir damals noch gar nicht so überblicken konnten. Mit dem Tauchschein hatte ich mir einen Wunsch erfüllt, den ich im Grunde schon lange hatte. Aber auch das ist eine andere Geschichte, und soll an einem anderen Ort erzählt werden.

Facebook
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Das neue Hobby brachte ganz neue Freundschaften mit sich, die ich heute auch nicht mehr missen möchte. Es brachte unheimlich Bewegung in mein Leben. Wiederum neue Inspiration.

Und heute werde ich 40.

Jetzt, da ich zurückblicke, kann ich tatsächlich sagen, dass ich alles das gebrauchen kann, was ich mal gelernt habe, das Programmieren, das Fotografieren, das Filmen, Schreiben, Kreativ sein, die Notfallmedizin… Neue Herausforderungen warten auf mich, und ich bin schon ganz gespannt. Zurückblickend würde ich sagen, dass es nicht immer einfach war, aber irgendwie möchte ich es auch nicht anders haben. Ich weiß nicht, ob eine persönliche „alternative Zeitlinie“ so viel besser wäre als das, was ich jetzt habe.

Außerdem sagt Facebook, dass ich mindestens 4 Menschen gefalle. Das ist doch auch schon mal was. 🙂

1. August – Jahreskreis einer neuen Mythologie beginnt

Die Zeiten ändern sich – und wir ändern uns mit ihnen… Ganz früher beobachtete man den Jahreskreislauf genau und beging eine Reihe von Jahrestagen, die einen auf die kommende Zeit einstimmten. Eingepasst waren diese Tage in eine Mythologie von Göttern, die erklärte, warum die Sonne schwächer wird und zu sterben scheint, bevor sie ihre alte Stärke wieder erreicht.

Doch im Lauf der Jahre und Jahrhunderte und durch verschiedene Ereignisse wie etwa die Christianisierung Europas, wurde das alles verwischt. Es gibt noch Jahrestage, aber diese sind teilweise von ihrer ursprünglichen Bedeutung völlig abgehaben. Mal ganz davon abgesehen, dass solche Dinge wie „Ernte“ für die meisten Menschen nicht mehr so im Leben präsent sind, wie noch vor 100 Jahren.

Vor einiger Zeit hatte ich mal den Gedanken, wie wäre es denn, wenn man den Jahreszyklus einer neuen Mythologie verknüpft? Vielleicht meldet sich da bei mir der bei offenbar jedem Menschen vorhandene Sinn, eine gewisse Ordnung und Regelmäßigkeit in den Dingen des Lebens zu sehen (sehen zu wollen), aber der Gedanke erschien mir passend. Und ich dachte, dieses Jahr probiere ich es einfach mal aus. Mal sehen, was daraus entsteht. Und als Mythologie, die den Jahrszyklus begleiten soll, habe ich „Star Wars“ erwählt. Das hat mehrere Gründe, natürlich ist „Star Wars“ eine moderne Mythologie, es ist in mehreren großen Episoden erzählt und enthält die Punkte, die wir zum Jahreszyklus brauchen. Und beginnen wollen wir heute. Wer das Experiment des neuen Jahreskreises mit mir unternehmen möchte, der kann sich heute Abend die DVD der Episode 1 von „Star Wars“ in den DVD-Player tun und der Zeit gedenken, die gerade angefangen hat. Mal sehen, was daraus wird.

1. August – Die dunkle Bedrohung

Der erste August war früher der Tag, an der Beginn der Zeit der Ernte begangen wurde. Der längste Tag des Jahres (Midsommer) war schon vorbei und die Nächte wurden länger und die Tage kürzer. Die Dunkelheit nahm zu. Doch noch waren die Tage länger als die Nächte.

Das spiegelt sich auch in „Star Wars – Episode 1: Die dunkle Bedrohung“ wieder. Die Dunkelheit ist bereits da, aber noch nicht ganz sichtbar. Nur erste Handlanger wie Darth Maul oder die Handelsföderation treten hervor. Noch ist das Licht aber stark genug, repräsentiert durch die Jedi und die willensstarke Königin Amidala. Zweifel bleiben jedoch zum Schluss – wird die Dunkelheit in Form der Sith wieder an Macht gewinnen? Aber Hoffnung gibt es auch: Anakin Skywalker, der der Macht das Gleichgewicht wiedergeben soll. Eine zweifelhafte Hoffnung allerdings, da einige Jedi in ihm auch eine Gefahr sehen. Zudem ist deutlich zu sehen, dass die Republik, eigentlich ein Leuchtfeuer in der Dunkelheit, in ernsthaften Schwierigkeiten steckt.

So gehen wir dem nächsten Jahrestag entgegen, während schleichend die Dunkelheit mächtiger wird…

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STAR COMMAND läuft ab sofort auf WordPress 3.0

Puh, und was war das für ein Kampf… am Anfang schien alles gut zu gehen, bis plötzlich dieser „error 500 internal server error“ auftauchte und gar nichts mehr ging. Eine kleine Suche war nötig, doch dann wurde des Rätsels Lösung gefunden, die zwar für WP 2.8 konzipiert wurde, hier aber auch funktioniert hat.

Falls also jemand da draußen auch Probleme hat mit einem „error 500“, nachdem er auf WP 3.0 aufgerüstet hat, das Aufspielen einer .htaccess mit dem Inhalt, der in diesem Forumsbeitrag hier erklärt wird, brachte Abhilfe. Warum auch immer. Aber egal, Hauptsache, es funktioniert.

Und noch ein kleiner Beitrag zum Eurovision Song Contest 2010

Die Macher vom Eurovision Song Contest 2010 in Oslo hatten sich eine ganze Menge einfallen lassen, mit einer ganzen Menge guter Ideen. Deswegen hier noch ein kleiner Nachtrag, das Video vom Flashmob. Hat mir auch gefallen.

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