Take me back to my Boat on the Rivva…

Take me down to my boat on the river
I need to go down, I need to come down
Take me back to my boat on the river
And I won’t cry out any more
Styx: Boat on the River

Es war auch bei mir eigentlich schon zu einer Gewohnheit geworden. fast so wie man früher am Morgen, meist zum Frühstück, die regionale Tageszeitung zur Hand nahm und las: Wenn ich online gegangen bin und meine Mails kontrolliert hatte, rief ich die Webseite www.rivva.de auf (obgleich die Adresse immer zu http://rivva.de verkürzt wurde, aber nun ja, Gewohnheit halt). Doch dann…

„Eines Tages will unser emsiger kleiner Flynn seine Daten abrufen, doch es erscheint nichts. Null Komma nichts.“
(Flynn in TRON)

So ähnlich erging es nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Lesern.  Anstatt der üblichen Startseite des Dienstes erschien eine recht knapp gehaltene Botschaft von Frank Westphal, der Rivva entworfen und programmiert hat: „Sabbatical. Brauche Abstand, vl. am 3.3. zurück. – Frank“.

Rivva wurde von Frank Westphal nach dem amerikanischen Vorbild „Techmeme“ gestaltet. Wo sich diese Seite allerdings auf technische Webseiten beschränkt und neben einem Automatismus die Inhalte auch noch von Menschen bearbeitet werden, ist Rivva von den Themen her offen und (nach einem „händischen Anstuppsen“) automatisch. Die Seite durchsucht Blogs und Medienseiten nach Artikeln und präsentiert diese als Anreißer ganz im Sinne einer Newsseite. Ein Artikel kommt dabei auf die „Titelseite“ von Rivva, indem er von anderen Blogs oder Medien* verlinkt wird. Wie bei Google, so wird auch hier der Wert eines Inhalts an dem Link-Interesse gemessen, das dieser generiert. Je häufiger ein Artikel verlinkt wird, desto weiter nach oben schafft er es bei den „Top Stories“.  Seit seiner „Erstausgabe“ 2007 hat Frank Westphal die Seite immer weiter entwickelt, direkte Verlinkungen auf YouTube-Videos kamen dazu, oder Top-Twitter-Nachrichten. Doch mit der größeren Beliebtheit kamen erste Probleme, etwa als die Serverkapazität nicht mehr reichte oder Westphal sich einen Sponsor suchte, der bereit war, die immer mehr werdende Arbeit an der Webseite finanziell zu unterstützen und dafür mit Sponsor-Links vertreten war.

Wie ich oben bereits schrieb, wurde der Blick auf Rivva für mich irgendwann so selbstverständlich wie zu anderen Zeiten der Blick in die lokale Presse. Denn tatsächlich ist der Dienst in Deutschland einzigartig. Und dadurch, dass nicht nur die „hochverlinkten“ Beiträge angeführt wurden, sondern auch die Blogs, die verlinkt haben, konnte man hier zu einem Thema auch verschiedene Ansichten oder Meinungen lesen (vorausgesetzt, der entsprechende Artikel ging über eine reine Leseempfehlung hinaus). Und man entdeckte ab und zu mal ein neues Blog für sich, das sich mit interessanten Themen auseinandersetzt, die man gern lesen möchte. Natürlich gab und gibt es auch Kritik. Für den Hauptpunkt dieser Kritik kann aber Frank Westphal nichts, nämlich die Einzigartigkeit von Rivva. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn es noch einen oder mehrere andere Dienste dieser Art gäbe, die vielleicht ein wenig anders eingestellt sind und andere Themen „an die Oberfläche“ spülen. Aber da sieht es mau aus. Erst vor kurzem wurde ein Dienst gestartet, der sich „Commentarist“ nannte. Anreißer von journalistischen Kommentaren sollten gesammelt veröffentlicht werden. Dagegen sind allerdings zwei Verlage massiv vorgegangen und haben mit juristischen Schritten gedroht, da sie das Veröffentlichen von „Anreißern“ als Contentdiebstahl ansehen. Das Projekt wurde damit wieder auf Eis gelegt, obwohl es sicherlich eine spannende Sache geworden wäre.

Andere Projekte sind nicht in Sicht, was ich wie gesagt schade finde. In letzter Zeit wurde nun auch immer wieder von einem Phänomen berichtet, von dem ich nicht weiß, ob es wirlich so ist: Die Verlinkung unter den deutschsprachigen Blogs hat insgesamt abgenommen. Nun ist es auf den Webseiten großer deutscher Medienunternehmen zum großen Teil schon immer üblich gewesen, auf Blogs als Quelle nicht zu verlinken und nur nebulös darauf hinzuweisen, man habe die Information zu diesem oder jenem Artikel „aus dem Internet“ oder „aus einem (deutschen) Blog“.  Und iauch wenn ich mir immer Mühe gegeben habe, in Artikel auf andere Blogs zu verlinken, in einer Sache muss ich mir doch auch an die eigene Nase fassen – die Blogroll gerade auch hier war sehr lange Zeit verwaist. Aber sie ist auch ein wichtiger Bestandteil, wenn ein Besucher auf diese Webseite kommt und möglicherweise nach Themen sucht, die ihn auch interessieren. Das habe ich nun geändert, und ich habe mir vorgenommen, vielleicht auch ein paar Artikel dazu zu schreiben, warum ich diese oder jene Webseite in die Linkliste mit aufgenommen habe und warum ich sie lesenswert finde. Vielleicht findet so der eine oder andere Leser noch etwas für seine persönliche Blogsammlung.

Was Rivva betrifft, so kann man nur abwarten. Ich selbst stecke nicht so tief in der IT drin, dass ich einen ähnlichen Dienst selber programmieren könnte (so reizvoll das auch wäre, zum Beispiel Themenbezogen auf Wissenschaft oder Phantastik) und kenne auch niemanden, mit dem so ein Projekt zu realisieren wäre. Man wird also sehen, in welche Richtung Frank Westphal mit Rivva geht, und ob die Abkürzung „vl.“ in seiner kurzen Botschaft tatsächlich für „vielleicht“ steht, es also auch sein kann, dass wir am 3. März gar nichts erleben werden. Einen Lichtblick jedoch sehe ich: Der 3. März ist mit Sicherheit nicht zufällig gewählt – da hat Rivva nämlich „Geburtstag“.  2011 wäre es dann der 4.

* Anmerkung: Wie ich ein paar Absätze später vermerke, ist es gerade bei Webseiten von Zeitungen und Zeitungsverlagen immer noch nicht üblich, Blogs als Quellen zu verlinken, weil die aus diesem Pfui-Bah-Internetdings stammen. Aber manche tun’s tatsächlich.

1. Februar – 5. Jahrestag im Jahreskreis der neuen Mythologie

In diesem Artikel hatte ich geschrieben, dass ich versuche, einen neuen Jahreskreis zu entwerfen, der sich an einer neuen Mythologie in Form von “Star Wars” orientiert. Heute, am 1. Februar, ist der nächste Jahrestag im Lauf dieses Kreises.

1. Februar – Das Imperium schlägt zurück

Am 1. Februar befinden wir uns auf halbem Weg zwischen dem kürzesten Tag und der Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche. Die Dunkelheit ist immer noch präsent, aber sie verliert weiter an Macht, auch wenn man das nocht nicht so sieht. Das Licht wird stärker, die Tage länger.

In “Star Wars – Episode 5: Das Imperium schlägt zurück” müssen die Rebellen vor dem Zugriff des Imperiums fliehen (und dabei das Versteck im Schnee hinter sich lassen). Zwar scheint das Imperium die Oberhand zu behalten, aber es gibt noch Anlass zur Hoffnung. Zwar kann das Imperium einige Triumphe verzeichnen, aber in ein paar Punkten haben die Rebellen gesiegt und sammeln nun ihre Kräfte.

Die nächste – letzte – Etappe der Geschichte folgt am nächsten Jahrestag…

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TRON LEGACY – Eine Betrachtung

„TRON ist ein Computerprogramm. Heute noch Vision. Vielleicht ist TRON schon morgen Wirklichkeit. Die Entscheidung liegt bei uns. Den Usern.“
(aus dem Vorwort des Hörspiels zum Original-Kinofilm TRON)

Die Vorgeschichte: TRON

Alles begann mit Steven Lisberger, der Ende der 1970er Jahre ein eigenes Zeichentrick-Studio aufbaute. Schon damals schwirrte ihm eine Idee zu einem Film im Kopf herum, den er „TRON“ nannte. 1980 schaffte es Lisberger, seine Idee einer „Olympiade der Tiere“ an die Fernsehanstalten zu verkaufen, kleine Zeichentrick-Clips, die im Fernsehen bei der Berichterstattung über die „wirklichen“ olympischen Spiele laufen sollten.

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Mit der Winter-Olympiade in Lake Placid lief alles glatt. Dann jedoch kam der große Boykott, Amerika und die meisten westlichen Staaten verweigerten die Teilnahme an der Sommer-Olympiade in Moskau, um gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan zu protestieren. Damit brauchten die Fernsehsender auch keine Clips von der „Tier-Olympiade“, obwohl diese schon fertig gestellt waren. Lisbergers Idee war, über die Einnahmen aus dieser Arbeit das Filmprojekt TRON unabhängig von großen Studios zu produzieren. Durch den Ausfall der Sommer-Olympiade war das allerdings nicht möglich, wenngleich alle Clips der Tier-Olympiade zu dem Kinofilm „Animalympics“ (deutscher Titel: „Die Dschungel-Olympiade“) zusammengefasst wurden und auch recht erfolgreich liefen. Lisberger wandte sich an verschiedene Studios, Disney schließlich schlug zu und realisierte TRON, der 1982 in die Kinos kam.

In dem Film geht es um Kevin Flynn (Jeff Bridges), einem Computerprogrammierer, der für das damals aufstrebende Unternehmen Encom gearbeitet hat. Flynn programmierte ein paar Spiele für Spielautomaten, doch ein anderer Programmierer namens Ed Dillinger (David Warner) stahl ihm den Programmcode und gab die Spiele als seine aus. Flynn wurde entlassen und Dillinger stieg zum Chef von Encom auf. Gleichzeitig verdient Encom Millionen mit den Spielen. Mit Hilfe seiner ehemaligen Kollegen Lora (Cindy Morgan) und Alan (Bruce Boxleitner) bricht Flynn bei Encom ein, um im Computersystem der Firma die Beweise für Dillingers Betrug zu suchen. Allerdings wird das System mittlerweile von dem allmächtigen MCP, dem „Master Control Programm“ kontrolliert, das mittlerweile Ambitionen entwickelt, das Pentagon und den Kreml zu übernehmen. Das MCP nutzt ein neues Projekt von Encom, um Flynn in den Computer zu ziehen: Ein Laser, der Objekte digitalisieren kann. So landet Kevin im Speicher des Encom-Computers und findet heraus, dass es dort eine Welt gibt ähnlich der unseren, in der die Programme als Lebewesen existieren und vom MCP unterdrückt werden. Mit Hilfe von Alans Monitorprogramm Tron (ebenfalls dargestellt durch Bruce Boxleitner), will Flynn den MCP ausschalten und die Beweise finden, dass er und nicht Dillinger für den Erfolg von Encom verantwortlich ist. Ihr Gegner ist die rechte Hand des MCP, ein Wachprogramm mit Namen „Sark“ (David Warner).

Und nun die Fortsetzung: TRON LEGACY

TRON LEGACY / (c) by The Walt Disney Company
TRON LEGACY / (c) by The Walt Disney Company

Fast 30 Jahre nach dem Original kommt nun also die Fortsetzung: Die Handlung von TRON LEGACY beginnt 1989, also etwa sieben Jahre, nachdem Kevin Flynn gegen den MCP gekämpft hat. Kevin (immer noch Jeff Bridges) ist zum Chef von Encom aufgestiegen, nachdem Dillingers Betrug bekannt und das MCP gelöscht wurde. Begeistert erzählt Kevin seinem Sohn Sam vom „Raster“ im Innern des Computers und den neuen Möglichkeiten, die er bietet. Außerdem sei „etwas wunderbares“ passiert. Was, das will er Sam erst das nächste Mal erzählen. Dazu kommt es nicht mehr, denn Kevin Flynn verschwindet spurlos. Der Aufsichtsrat setzt seinen Freund Alan Bradley (immer noch Bruce Boxleitner) ab und fängt an, Encom umzugestalten, weg von den Ideen von Kevin Flynn.

Zwanzig Jahre später ist Encom aus dem Computeralltag nicht mehr wegzudenken. Auf dem Großteil der Computer der Welt läuft ihr Betriebssystem und gerade jetzt soll eine neue Version herauskommen, die sich, wie sich der Aufsichtsratsvorsitzende ausdrückt, nur dadurch von ihrem Vorgänger unterscheidet, dass nun als Versionsnummer eine „12“ auf dem Karton steht. Mit im Boot ist Ed Dillinger Junior (Cilian Murphy), Sohn von Ed Dillinger Senior (der Herr, der in diesem Film nicht erscheint). Sam Flynn (Garrett Hedlund) hingegen hat nicht mehr viel am Hut mit der Firma, obwohl er durch seinen Vater die Aktienmehrheit an Encom hält. Er sabotiert die Präsentation des Betriebssystems „Nr. 12“ und will sich wieder in die Abgeschiedenheit seiner sehr einfachen Unterkunft zurückziehen, als Alan im Raum steht. Er zeigt ihm einen alten „Pager“, den er ursprünglich von Sams Vater bekommen hat, um immer erreichbar zu sein. Aufgehoben hat er das Gerät nur aus sentimentalen Gründen, doch letzte Nacht bekam er eine Nachricht. Die Nachricht kam aus dem Büro von Kevin Flynn in dessen alter Spielhalle – von einem Anschluss, der seit Jahren abgeschaltet war. Sam lässt sich überreden, dort mal nachzusehen. Er entdeckt hinter einem alten TRON-Spielautomaten eine Geheimtür, die in einen Keller führt. In diesem Keller läuft ein Computer, offenbar noch so, wie Kevin ihn zurückgelassen hat. Als Sam herausfinden will, woran sein Vater zuletzt gearbeitet hat, wird ein Laser aktiviert und er digitalisiert und in die Welt im Innern des Computerspeichers gerissen. Hier hat ein Programm von Kevin die Herrschaft übernommen: Clu (ebenfalls Jeff Bridges), der sich damit brüstet, die Unterdrückung der User beendet zu haben. Clu folgt seiner Programmierung so konsequent, wie das nur ein Computerprogramm kann – er soll eine perfekte Welt schaffen. Und er will alles vernichten, was nicht perfekt ist – auch die Welt außerhalb des Computers. Sam muss sich auf dem Spielraster gegen verschiedene Gegner durchsetzen, bevor er von Quora (Olivia Wilde) zu seinem Vater gebracht wird und erfährt, dass dieser seit seinem Verschwinden hier im System gefangen war. Clu will Kevin unbedingt habhaft werden, denn er besitzt den Datendiskus, mit dem es Clu möglich wäre, in die Welt der User überzutreten…

Nach dem Trailer kommt die Betrachtung – Achtung, Spoiler möglich!

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TRON LEGACY – Kritik

Hm. Also, ich habe extra nochmal eine Nacht drüber geschlafen und weiß immer noch nicht so ganz, was ich von TRON LEGACY halten soll. Tatsächlich braucht man den ursprünglichen TRON nicht zu kennen, um diesen Film zu verstehen, da die Handlung nur auf den alten Motiven basiert, sonst weitgehend unabhängig ist und sich selbst erklärt. Der Film ist mit modernsten Methoden umgesetzt worden und (natürlich) in 3D. Allerdings wird der Zuschauer vor Beginn des Films darauf aufmerksam gemacht, dass der Film nicht durchgehend in 3D sei, sondern Sequenzen in 2D enthalte, was ein „stilistisches Mittel“ sei. Leider bin ich dem „stilistischen Mittel“ nicht so ganz auf die Spur gekommen, denn es gab für mich kein Muster, was 2D und was 3D ist. 3D wurde in meinen Augen relativ wahllos mal hier und mal dort (und natürlich bei Actionsequenzen) eingesetzt. Auf der anderen Seite muss ich einer Kritik widersprechen: Computerprogramme altern natürlich nicht wirklich, daher sieht Clu so aus, wie Jeff Bridges vor 20 Jahren. Das wurde mit einem Computereffekt gemacht und im Vorfeld hieß es in manchen Kritiken, das sähe völlig unrealistisch aus. Das fand ich nun überhaupt nicht. Man sieht zwar hin und wieder tatsächlich, dass die Bewegungen von Clus Körper und seinem Kopf nicht völlig synchron sind, aber das Resultat fand ich trotzdem recht verblüffend und es zeigt, wie weit die Computertricktechnik ist. Das Design selbst entspricht dem Stand des „beginnenden 21. Jahrhunderts“, so wie der ursprüngliche TRON dem Design der 1980er Jahre entsprach. Auch die Musik von Daft Punk passt in den Film, so wie „damals“ die Musik von Wendy Carlos.

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Nun zur Handlung – und die ist mein eigentliches Problem, weswegen ich diese Kritik mit einem „hm“ begann. Sie ist nämlich leider etwas dünn und der Zuschauer wird ganz am Anfang noch dazu in eine völlig andere Richtung geführt. Encom hat sich unter Kevin Flynn zu einem Unternehmen entwickelt, das sein Geld mit Spielen verdient und andere Software – wie etwa das Encom-Betriebssystem – als „Open Source“ und „Freeware“ herausgibt. Nach Flynns Verschwinden sah der Aufsichtsrat die Möglichkeit, auch hier Geld zu verdienen und nutzte seine durch die Freeware gewonnene Vormachtstellung dazu aus. Hier klingt etwas Kapitalismuskritik an, im Sinne des Umstands, dass man Menschen in einer Welt, in der der Computer unersetzlich wird, nicht die wichtigen Dinge zum Betrieb eines Computers überteuert andrehen darf. Auf die Spitze getrieben wird das natürlich durch das Encom-Betriebssystem, dessen neueste Version sich offenbar in nichts nützlichem von der vorigen zu unterscheiden scheint, nur durch den Umstand, dass sie neu verpackt angeboten wird.

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Dann jedoch auf einmal geht die Geschichte eine ganz andere Richtung. Die Welt im Innern des Computers hat mit Encom nämlich gar nichts zu tun, sie ist nicht einmal ein Spiegelbild der realen Umstände. Clu will – seiner Programmierung entsprechend – „einfach“ die perfekte Welt schaffen, und die Aufgabe der Helden ist es, ihn aufzuhalten. Als im Innern des Computers spontan eine neue Lebensform entsteht – wie auch immer das möglich ist -, wird diese von Clu vernichtet, da sie ihm als „nicht perfekt“ erscheint. Außerdem gibt es das eine oder andere Loch in der Handlung. Zum Beispiel sagt Kevin, dass Clu keine Programme selbst erschaffen könne (das können natürlich nur die User), sondern nur bestehende Programme seiner „Linie“ anpassen. Aber war den Drehbuchschreibern nicht bewusst, dass man Programme auch beliebig kopieren kann? Clu müsste es eigentlich ein Leichtes sein, eine Armee an „Klon-Kriegern“ zu schaffen, indem er einfach bestehende Programme kopiert – so oft er will. Außerdem geht es zwar auch immer wieder ins Religiöse hinein – gerade mit dem Entstehen einer neuen Lebensform -, aber dem Kinogänger, der TRON nicht gesehen hat, wird nicht erklärt, warum Clu aussieht wie Flynn: Weil er das Ebenbild seines Schöpfers ist, so wie jedes Programm (eben auch bei Tron, der aussieht wie Alan Bradley).

Die Konstellation an Figuren erschien mir auch etwas unglücklich gewählt. In TRON ist der Hauptbösewicht das MCP. Das Programm hat sich jedoch so viele andere Programme angeeignet, dass es nur noch stationär existieren kann. Deswegen hat es einen Handlanger, das Wachprogramm Sark, der die Dreckarbeit erledigt und brutal und gefährlich ist. Entsprechend anders war der Höhepunkt der Handlung, als es darum ging, das MCP und Sark auszuschalten. Bei TRON LEGACY ist Clu immer noch selber mobil und seine Handlanger nur Schatten. Seine rechte Hand ist ein kriecherischer Schleimer, der sich in der einen Sekunde Sam unterwirft und den Usern Treue gelobt, aber als Clu wieder die Oberhand gewinnt, sofort „Tod den Usern!“ ruft. Und Clus Meisterkrieger Nummer 1, bei dem es sich um den umprogrammierten Tron handelt, ist ein plumper Haudrauf, der die meiste Zeit des Films nur Knurrlaute von sich gibt. Seine „Rückverwandlung“ am Schluss ist für mich daher nicht ganz schlüssig, aus dem Nichts heraus hat Tron Erinnerungsfetzen daran, wie er selbst Flynn einst verteidigt hat, und auf einmal ruft er: „Ich kämpfe für die User!“ – und alles ist wieder wie früher.

In einem Punkt muss ich mir allerdings Asche auf mein Haupt streuen lassen: Ed Dillingers Sohn. Er wirkt auf mich ungefähr gleich alt wie Sam Flynn, und das schien mir spontan etwas unrealistisch zu sein, da ich David Warner in TRON für wesentlich älter gehalten hätte. Er war aber zu dem Zeitpunkt tatsächlich erst 41 – und er hat sogar eine Tochter, die 1982 geboren wurde. Also kann es tatsächlich sein, dass Sam Flynn und Ed Dillinger Junior gleich alt sind. Ansonsten erfüllt Dillinger Junior nur leider keine Funktion in dem Film – außer der selbe A**** zu sein wie sein Vater.

Sehr nett gemacht sind die kleinen Dinge, die für die Fans eingebaut wurden. Das geht von den auffälligen Sachen wie Kevins Lichtrenner aus dem ersten Film, über Dinge, bei denen man schon genauer hinsehen muss, wie die beiden Bits, die bei Kevin auf dem Kaminsims liegen, bis hin zu sehr subtilen Anspielungen. In letztere Kategorie gehört die Aufschrift auf dem Garagentor von Sam Flynns Unterkunft: „DUMONT“ Das ist der Name des Wärterprogramms vom Input/Output-Tower aus TRON. Dumont wurde von Doktor Walter Gibbs programmiert, selbiger hat in TRON ein Streitgespräch mit Dillinger über die Zukunft von Encom. Dabei erwähnt Dillinger, dass Encom nicht mehr dieselbe Firma sei, die mal in Gibbs‘ Garage existiert habe. Es wird in TRON LEGACY also angedeutet, dass Sam Flynn in der Garage lebt, in der Encom ursprünglich mal angefangen hat.

Positiv ist auch die deutsche Übersetzung zu sehen, denn hier hat man sich richtig Mühe gegeben. Anstatt der Versuchung zu erliegen, tolle englische Ausdrücke einfach unübersetzt zu lassen und damit mit der Kontinuität zum ersten Film zu brechen, hat man hier sehr genau darauf geschaut, dass das eben nicht passiert. So heißt es auf Deutsch weiterhin „(Spiel)Raster“, nicht „Grid“, und auch Clus von Flynn übernommene Phrase „Greetings, Programms!“ wird wie 1982 mit „Seid gegrüßt, Programme!“ übersetzt. Selbst „End of Line“, mit dem das MCP in TRON jedes Gespräch beendete, wurde übernommen: „Ende der Kommunikation“. Auch bei den Synchronsprechern sorgte man für die Konstellation von damals, und das, obwohl sich mittlerweile über die Serien „Agentin mit Herz“ und „Babylon 5“ Joachim Tennstedt als Synchronsprecher von Bruce Boxleitner etabliert hat. Das hätte jedoch zu Verwirrungen führen können, denn tatsächlich war auch Tennstedt bei TRON dabei, er sprach damals allerdings die deutsche Stimme des Programms „Ram“. Boxleitner wurde und wird von Lutz Riedel gesprochen, Jeff Bridges von Norbert Langer. (Und um die Verwirrung zu vervollständigen: Auch Jeff Bridges wurde mal von Joachim Tennstedt synchronisiert, unter anderem in „The Big Lebowski“.)

Mein Fazit: TRON LEGACY ist ein handwerklich sehr gut gemachter Film, der einem einen unterhaltsamen Abend verschaffen kann. Darüber hinaus hätte man noch etwas mehr an der Handlung arbeiten sollen, denn mehr als das übliche „Gut-gegen-Böse“-Schema bleibt nicht übrig und auch die Gefahr, dass Clu mit seinen Armeen den Computer verlässt und in unserer Welt alles „Unperfekte“ zerstören will, hat mich nicht mitgerissen. Das ist mir zu abgedreht, eine Handlung ähnlich dem ersten Teil, in dem ein MCP die Regierungen der Welt übernehmen will, indem es sich in deren Computersysteme einklinkt, hätte besser gepasst. Sozusagen ein echter „Cyberwar“. Schade, dass hier eine Möglichkeit vergeben wurde.

Wer sich von solchen Geschichten gern mal für zwei Stunden unterhalten lassen kann und will, für den ist TRON LEGACY gut geeignet, denn das tut er wirklich. Aber mehr nicht.

STAR TREK Girl – Aha, STAR TREK lives…

In den Zeiten, als es noch nicht selbstverständlich war, dass es STAR TREK noch gab (also nach der ersten Absetzung der Originalserie), erfanden die Fans eine Phrase, die ihre Gefühle umschrieb: „STAR TREK lives!“ Tatsächlich, auch wenn es mir peinlicherweise nicht bewusst ist, scheint der Satz immer noch (oder wieder) zuzutreffen: Meekakitty, eine 20jährige junge Dame (deren richtiger Name Tessa Violet ist) hat ein Lied aufgenommen, in dem sie davon singt, für ihre große Liebe das „STAR TREK Girl“ zu sein. Der Text ist recht clever und spricht von einer Menge Kenntnis gerade über die „alten“ Serien. Das hätte ich jetzt so nicht erwartet. Es sit irgendwie erfrischend, dass so ein Lied nicht dann auf den Markt kommt, wenn ein Hype sowieso auf dem Höhepunkt ist (das Video wurde am 26. Januar bei YouTube eingestellt). Erfolgreich ist es trotzdem.


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Ja, STAR TREK lives.

Hier gibt’s das Lied als Download:


Star Trek Girl - Star Trek Girl - Single

TRON LEGACY

Heutet startet in den Kinos der Film „TRON LEGACY“. Und hier schon mal vorab ein kleines Video – ein Video zu einem TRON LEGACY Videospiel im Stil der 1980er Jahre. Hach, das waren halt noch Zeiten…

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Macht das Web zu einem schlaueren Ort!

Dieser Artikel kommt für die Kampagne, durch die er initiiert wurde, ein bisschen spät, aber das liegt daran, dass es beim „Star Command Communiqué“ bisher nicht genug Fragen gab. Worum geht es? Das Blog „Karrierebibel“ hatte im November zur Aktion „Macht das Web zu einem schlaueren Ort“ aufgerufen:

Machen Sie mit und mit mir das Internet zu einem schlaueren Ort. Suchen Sie sich die zehn (oder mehr) seltensten Fragen, mit denen Menschen zu Ihrem Blog finden – und beantworten Sie diese. Ob ausführlich, kompetent, humorvoll oder ironisch ist letztlich egal. Hauptsache unterhaltsam. Machen Sie Ihre Webseite zu einem Ort, an dem noch offene Fragen endlich beantwortet werden.

Ich wollte mit dem „Communiqué“ damals schon teilnehmen, aber in der Statistik gab es leider nicht genug Fragen. Mittlerweile hat sich das geändert, und hier sind die Antworten zu den Fragen unserer Leser:

Werden Mac Taylor und Stella Bonasera je ein Paar?

Eine gute Frage – man weiß nicht, was den Schreibern von „CSI: NY“ noch einfällt. Vielleicht sind sie es längst, und wir in Deutschland haben es nur noch nicht mitbekommen?

Was ist eine Browser-Adresszeile?

Das ist der Platz ganz oben in jedem Browser, wo man die Adresse der Webseite, die man anschauen möchte, eingibt. Zum Beispiel „www.star-command.de“. Die meisten Browser setzen das obligate: „http://“ automatisch davor.

Welche Sozialprojekte machen Prominente?

Jede Menge. Google weiß da mehr.

Wie heißt das Gift, das wahnsinnig macht, bei „Tim und Struppi“?

Das Gift heißt „Radjaidjah-Saft“. Es kommt in „Die Zigarren des Pharao“ und „Der blaue Lotos“ zum Einsatz.

Warum werden manche Fälle bei „CSI: New York“ nicht aufgeklärt?

Erstens ist das leider Alltag bei der Polizei, dass Fälle auch mal nicht aufgeklärt werden (womit die Serie realistischer wird), zweitens handelt es sich dabei hin und wieder um einen großen Handlungsbogen. Der Fall wird dann in einer späteren Episode nochmal aufgegriffen und aufgeklärt.

Wem gehört der Müll?

Mir nicht! Ich hab ihn runter gebracht!

In welchem Jahr wurde das erste Land im Europa-Park eröffnet?

Der Europa-Park in Rust wurde im Jahr 1975 eröffnet. Allerdings war damals das Thema „Europa“ noch rein Attraktionenbezogen, da es noch keine Themenbereiche gab. Erst 1981 wurde mit Italien das erste „Land“, der erste wirkliche Themenbereich eröffnet.

Gibt es ein Trekdinner Tettnang?

Nicht dass ich wüsste. Aber wenn jemand Interesse an einem Trekdinner / Science-Fiction-Treff für die Bodensee-Region allgemein hat, da bin ich immer auf der Suche nach Mitstreitern.

Soweit die Aktion für diesmal. Wenn sich wieder genug Fragen angesammelt haben, wird es einen neuen Artikel geben. Und ich hoffe, die Antworten von heute konnten ein bisschen weiterhelfen.

Ungarn 2011

Die westliche Erregung über das Mediengesetz in Ungarn ist richtig, aber sie ist unvollständig und klingt seltsam hohl. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, dabei haben die Eltern die ganze Zeit sorglos dabei zugeschaut, wie es auf dessen Rand herumtollte. Die EU hat sich mehr um die Märkte, statt die Menschen gekümmert. Orbáns Ungarn ist da nur ein folgerichtiges Lehrstück, was aus einer Demokratie ohne Demokraten werden musste.

„Pester Lloyd“ am 23. Dezember 2010 in einem Kommentar zum ungarischen Mediengesetz

Der heutige Tag wird lange in Erinnerung bleiben, dieses Zitat aus „Star Wars“ sei mir gestattet, denn ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sich manche Zusammenhänge dort wiederfinden lassen, wo man es am wenigsten vermutet. Der heutige Tag wird lange in Erinnerung bleiben, denn er wird für die Schizophrenie stehen, mit denen Regierungen Europas gerne mal mit erhobenem Zeigefinger irgendwelchen Diktatoren die Grundrechte nahebringen wollen, gleichzeitig aber fast tatenlos zuschauen, wennn das Gleiche vor der eigenen Haustür – oder in dem Fall sollte man sagen, im eigenen Hinterhof – geschieht. Am heutigen 1. Januar 2011 übernimmt Ungarn turnusmäßig den Vorsitz des EU-Rates. Der 1. Januar 2011 ist gleichzeitig der Tag, an dem in Ungarn ein Gesetz in Kraft tritt, das ganz banal „Mediengesetz“ genannt wird, dessen Inhalt aber ganz und gar nicht banal ist.

Mit dem so genannten „Mediengesetz“ wird in Ungarn eine Behörde installiert, die überwachen soll, dass die ungarischen Medien für eine „ausgewogene Berichterstattung“ sorgen. Was „ausgewogen“ ist, bestimmt die Behörde dabei unabhängig von irgendwelchen Kontrollinstanzen. Wer „unausgewogen“ berichtet, bekommt eine Strafe aufgebrummt, die Rede ist von ca. 35.000 Euro für Webseiten (also auch Blogs) und ca. 700.000 Euro für Fernsehsender. Zeitungen dürfen bis zu ca. 89.000 Euro löhnen. Gegen das Bußgeld gibt es erstmal keine Möglichkeit des Widerspruchs. Das heißt, erst muss man zahlen, dann kann man den Rechtsweg beschreiten, in einem Verfahren, das genauso zeit- wie kostenaufwändig ist. Damit ist klar: Bekommt ein Blogger, eine Zeitung oder ein Fernsehsender eine solche Strafe aufgebrummt, kann das unter Umständen den finanziellen Ruin bedeuten. Und ebenfalls klar ist, was das Gesetz bewirken soll – die Medien sollen sich vorher zweimal, vielleicht auch drei- oder viermal überlegen, was sie schreiben, bevor sie etwas regierungskritisches veröffentlichen. Damit findet eine „Vorwegzensur“ statt; wer sich dennoch traut, kritisch zu schreiben, bekommt eine Strafe und ist ruiniert, das ist die Zensur „an sich“. Kritische Stimmen können so mundtot gemacht werden.

Nachdem die europäischen Politiker mehr als verhalten auf diese beunruhigende Entwicklung reagieren, rufen Blogger dazu auf, der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben. Manche spekulieren gar darüber, ob Ungarn für die EU ein Testfall darstellen soll – mal sehen, wie weit man mit der Beschneidung der Grundrechte gehen kann, bevor sich echter Widerstand im Volk regt. Sollte es solche Gedanken tatsächlich geben, müssen wir sofort reagieren und unserer so genannten „politischen Elite“ diese Ideen wieder austreiben.

Dazu gehört zunächst einmal, dass die Öffentlichkeit informiert wird. Es gibt nun Blogger, die das viel besser können als ich, deswegen möchte ich auf folgende Einträge verweisen und Blogger, die dies hier lesen, aufrufen, sich anzuschließen. Eine gute Möglichkeit ist die Aktion von bloggingportal.eu, die zur „Europäischen Blog-Aktion gegen Zensur in Ungarn“ aufrufen (nur in Englisch). Weitere Informationsquellen:

Jahresende 2010: Rückblick, Einblick, Ausblick

Eine Minute vor Mitternacht ist es jetzt, da dieser Artikel erscheint… jedenfalls in der Zeitzone, in der unser Blog erstellt wird. In einer Minute ist 2010 beendet und wir haben das neue Jahr 2011. Eine Menge hat sich getan im vergangenen Jahr, auch wenn man das hier beim „Communiqué“ nicht immer so gemerkt hat. Das Phantastische Projekt wurde zum Teil neu organisiert und neu strukturiert. Und noch sind wir nicht fertig mit allem, was wir uns vorgenommen haben. Die Leser unseres Newsletters hatten da einen Vorteil, diese haben bereits bei Erscheinen des letzten Rundbriefs von den Neuerungen erfahren, die wir für die Zukunft so geplant haben. Nun wollen wir die Leser unseres Blogs nicht im Dunkeln lassen, sondern auch sie erhellen:

STAR COMMAND Communiqué

Die Webseite www.star-command.de bleibt auch weiterhin das Blog vom Phantastischen Projekt mit aktuellen Artikeln und Berichten.

ASTROCOHORS – Science Fiction

Hier wird sich am meisten tun. Wir hatten ja verschiedene Abteilungen mit verschiedenen Ideen eingerichtet, aber die meisten davon werden umgeformt und geändert werden.
Die Unterseite romane.astrocohors.de ging um die ASTROCOHORS-Romane. Diese Unterseite wird in die Hauptseite integriert, die Hauptseite www.astrocohors.de wird damit eine Seite werden, auf der es rein um die Geschichten geht.
icn.astrocohors.de hatten wir als Service aufzubauen versucht, der dem interessierten Fan verschiedene Publikationen sowohl im Internet als auch gedruckt vorstellt. Nun verschiebt sich das Verhältnis immer mehr zum Internet, zum zweiten gibt es mittlerweile Webseiten, die einen sehr viel besseren Service bieten, gleich einer Internet-Zeitung, wie zum Beispiel www.rivva.de. ICN wird als Unterseite daher aufgegeben.
raumflotte.astrocohors.de sollte den Fans ein Verzeichnis von Fanclubs liefern, geographisch sortiert, damit man den Club finden konnte, der sich in der Nähe trifft. Doch in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten, hat sich das Bild der Fanlandschaft stark gewandelt. Der Service wird in seiner bestehenden Form aufgegeben, wir arbeiten aber an etwas anderem, das mehr mit ASTROCOHORS zusammenhängen wird.
spacecruise.astrocohors.de begann als Service für Fanclubs, um denen Tipps zu geben für Ausflüge in der Gruppe. Aus SPACE CRUISE heraus haben sich zwei separate Projekte entwickelt, das EP-BLOG und SUMMERTIME PARCS, von beiden wird gleich berichtet. Jedoch wird auch SPACE CRUISE das große Schicksal ereilen und der jetztigen Form eingestellt werden.

QUYSTHALI – Heldenreisen

Quysthali ist auf www.quysthali.de schon fast in der Form angekommen, wie wir es haben wollten, wird aber noch ein paar Änderungen im Design erfahren. Natürlich wird die Geschichte um die ungewöhnliche Gemeinschaft weitergehen. Wer das Buch noch nicht gekauft hat, sollte dies dringend nachholen, zum Beispiel hier:

Quysthali – Buch 1: Eine Heldenreise

EP-Blog – Die ErlebnisPostille

Die ErlebnisPostille bleibt auch weiterhin das Magazin für Erlebnisse, Ferien und Urlaub und wird sogar noch erweitert. In Zukunft kommen neue Abteilungen hinzu und außerdem wird www.ep-blog.de die Funktionen als Tagesausflugsverzeichnis übernehmen, die bisher SPACE CRUISE hatte. Den Artikel zum Jahreswechsel 2010/2011 findet man hier.

FLATFLUTEDIVERS – Rund ums Tauchen

FlatFluteDivers hat sich als Abteilung aus dem EP-Blog heraus entwickelt. Sollte es am Anfang um kleine Geschichten und Episoden rund ums Tauchen gehen, so wartet www.flatflutedivers.de mittlerweile mit mehr, und in Zukunft mit noch mehr auf: Berichte um Tauchplätze, Tauchreisen, Tipps und vielem mehr. Auch auf dieser Seite findet sich ein Artikel mit Gedanken zum Jahreswechsel.

SUMMERTIME PARCS – Urlaub im Ferienpark, Ferienhaus oder mobil

Wie die ErlebnisPostille , so hat sich auch www.summertimeparcs.de aus SPACE CRUISE heraus entwickelt, und es wird sich ebenfalls weiter entwickeln. Nachdem mittlerweile die drei großen Ferienpark-Marken Center Parcs, Sunparks und p&v aufgenommen und die Seite um Hotelresorts erweitert wurde, kommen weitere Parks und Unterkünfte bald dazu. Das „Summertime Blog“ hat ebenfalls einen kleinen Artikel zum Jahreswechsel mit ein paar Neuerungen.

Und für die Zukunft…

In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2011 und hoffen, dass wir uns nach dem Jahreswechsel wiedersehen, wenn es Neues zu berichten gibt.

“Der Polarexpress” von Robert Zemeckis – eine Filmbetrachtung, Teil 3

Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.

Im ersten Artikel über den Film „Der Polarexpress“ habe ich die Handlung ausführlich dargelegt, im zweiten Artikel habe ich die Figuren genau vorgestellt. In diesem Artikel geht es nun um den Hintergrund der Geschichte, die Stilmittel, die Technik und noch mehr.

Stilmittel

Die Darstellung im Film ist realistisch, das heißt, trotz aller rasanten Fahrten wurde auf allzu comichaftes verzichtet. Einzuordnen, in welcher Zeit der Film spielt, ist etwas schwer, aber anhand kleiner Details – etwa der Radkappe, die in Hero Boys Zimmer an der Heizung lehnt, oder die Autos, die man kurz auf der Straße sieht – kann man ungefähr die 1950er oder 60er Jahre als Zeitraum festmachen. Damit würde der „alte“ Hero Boy, der die Geschichte erzählt, diese in der Gegenwart (2004) erzählen, und sich an seine Kindheit erinnern.

Die Technik

„Der Polarexpress“ ist ein Computeranimationsfilm. Er zieht aus der Technik sehr viele stärken, aber leider auch ein paar Schwächen. Die Stärken sind natürlich die Bilder und teilweise sehr wilden Kamerafahrten, die real so nie machbar gewesen wären. Bei einigen Szenen fällt auf, dass der Film auf die 3D-Version für die IMAX-Kinos hin bearbeitet wurde, etwa wenn der Zug mit seinem Kuhfänger direkt vor der Kamera zu stehen kommen, oder die Fahrt in die Gletscherschlucht, die eigentlich eine Achterbahnfahrt ist. „Der Polarexpress“ setzte damit – vor dem Einsetzen der „3D-Welle“ in den Kinos – Maßstäbe.

Neu war ebenso, dass die Bewegungen der Figuren zuvor mit realen Schauspielern aufgenommen und in den Computer eingespeist wurden. Dieses „Motion Capturing“ genannte Verfahren erweckte auch Gollum für den „Herrn der Ringe“ zum Leben und wird bei den neuen „Tim und Struppi“-Film verwendet. Leider finden sich hier auch die Schwächen der Technik, wobei ich mir nicht ganz schlüssig bin, wo diese herkommen: die Figuren bewegen sich teilweise schon „irreal real“. Möglicherweise war die Technik zu dem Zeitpunkt noch nicht so weit ausgereift, oder die Schauspieler haben sich bei ihrer Darstellung zum „overacting“ hinreißen lassen. Was ich mir aber auch vorstellen kann, ist ein „Gewöhungseffekt“ von bisherigen Animationen – wir sind es einfach nicht gewohnt, dass sich animierte Figuren (Computer oder Zeichentrick) realistisch bewegen. Wenn beispielsweise eine Zeichentrickfigur still steht, bewegt sie sich wirklich nicht. Ein echter Mensch kann das nicht, seine Muskeln bewegen sich immer ein bisschen. Bei den animierten Figuren im „Polarexpress“ kommt das dadurch zum Tragen, dass diese beim Stehen immer hin- und herzittern (besonders auffallend beim Schaffner und beim Weihnachtsmann). Oder wenn die Kinder schnelle Bewegungen machen oder besonders heftig mit dem Kopf nicken, sieht das zwar auf den ersten Blick realistisch aus, wirkt aber gleichzeitig irgendwie überzeichnet.

Was im Gegenzug sehr gelungen ist, ist das „Einfangen“ der Mimik. Man kann die Regungen im Gesicht sehr deutlich sehen.

Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.
Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.

Schauspieler

Da die Figuren zuvor von echten Schauspielern dargestellt wurden, bediente man sich hier ebenfalls eines Stilmittels der Heldenreise: Hauptdarsteller Tom Hanks spielte mehrere Rollen. Er ist Hero Boy, dessen Vater, der Schaffner, der Landstreicher und der Weihnachtsmann. Außerdem spricht er die Einführung und das Schlusswort des Films, wobei es sich um Hero Boy als alten Mann handelt. Damit soll ausgedrückt werden, dass es sich bei dem Abenteuer um eine „Reise ins Ich“ handelt, und die Figuren, die auftreten, Aspekte der Hauptfigur und seiner Umgebung sind. Hero Boy wurde jedoch von einem Kind nachsynchronisiert. In der deutschen Fassung ist Arne Elsholtz (Tom Hanks‘ „Stamm“-Synchronsprecher) allerdings nur als Schaffner und Landstreicher zu hören.

Traum oder Realität?

In einem Interview zieht Tom Hanks Parallelen zur Geschichte des „Zauberers von Oz“. Tatsächlich passt der Vergleich, Dorothys Reise in die Welt von Oz folgt ebenfalls dem Konzept der „Heldenreise“, ist eine Reise „ins Innere“ und es finden sich in Oz Menschen aus der realen Welt wieder (sie werden im Film von den gleichen Schauspielern gespielt). Beim Polarexpress drückt sich das vor allem durch die mehrfachen Rollen von Tom Hanks aus. Eine weitere Andeutung findet sich auch in der Szene, als der Polarexpress vor dem Haus von Hero Boy anhält: Hero Boy spürt ein Beben, dann zischt die Zentralheizung – und das Zischen der Zentralheizung verwandelt sich in die Pfeife des Zugs. Scheinbar ist hier ein reales Geräusch in die Traumwelt herübergekommen und im Traum als Geräusch des Polarexpress wahrgenommen worden.

Eine letzte Erklärung, ob es ein Traum oder Realität war, bleibt der Film allerdings schuldig. Viele Dinge können rational erklärt werden (das Zischen der Heizung, oder auch wie Hero Boy die Tasche seines Morgenmantels zerreißt), aber das geheimnisvolle Päckchen mit dem Schlittenglöckchen des Weihnachtsmannes, sowie die Notiz, die mit „W.“ unterschrieben ist, entzieht sich jeder Erklärung, genauso wie die Tatsache, dass nur die Kinder den Klang des Glöckchen hören können. Auch stellt sich die Frage: Waren die anderen Kinder im Zug (vor allem Hero Girl und Billy) real – oder existieren sie nur in der Einbildung von Hero Boy? Immerhin bekommt jedes der Kinder eine Fahrkarte mit einer individuellen Lektion. Die Edbroke Avenue, in der Billy wohnt, ist in der Stadt, in der Hero Boy wohnt. Wenn er die Straße aufsucht, würde er dann Billy finden? Fragen, über die man sehr gut nachdenken kann, denn der Film beendet die Handlung an der richtigen Stelle. Er gibt keine Antwort, sondern lässt dem Zuschauer Platz für seine eigenen Gedanken und Ideen.

Der Schaffner präsentiert das "Elixir" / (c) by Warner Bros.

Die Reise und das Elixir

In einer Kritik zum Film habe ich gelesen, dass der Film zwar ganz nett sei, aber etwas über die Stränge schlägt und die Aussage, dass Armut nur eine innere Einstellung sei, die man überwinden könne, indem man einfach an den Weihnachtsmann glaubt, sei nachgerade pietätlos. Diesem Kritiker muss ich sagen, dass er den Film letztlich nicht verstanden hat, denn genau darum – „einfach“ an den Weihnachtsmann glauben – geht es eben nicht. Noch dazu wirft der Kritiker hier den Konflikt von Hero Boy und von Billy durcheinander. Hero Boy findet sich in der Situation wieder, in der sich viele Kinder wiederfinden – wenn es den Weihnachtsmann nicht gibt, was ist Weihnachten dann noch wert? Der Weihnachtsmann selbst aber sagt zu Hero Boy, er wäre „ein Sinnbild für Weihnachten“, und über Hero Girl meint er, sie trage den „Geist der Weihnacht“ in sich. Es geht darum, Erwachsen zu werden, und sich trotzdem diesen Geist zu bewahren, um den es auch in Charles Dickens „A Christmas Carol“ (und genauso vortrefflich in der modernen Fassung „Scrooged – Die Geister, die ich rief“) geht – das menschliche Miteinander und dass einem das Schicksal anderer Menschen nicht egal. Man mag das im „Polarexpress“ auf die „typisch amerikanische“ kitschige Weise ausgearbeitet sehen, aber es berührt.

Billys Konflikt hingegen liegt woanders: Wir können es nur vermuten, aber sein Leben und seine Umwelt hat ihn wohl so geprägt, dass er anderen Menschen gegenüber grundsätzlich misstrauisch ist. Kinder können grausam sein, und vermutlich hat er öfters solche Sätze hören müssen wie: „Gib Dich doch nicht mit dem ab, der ist doch arm!“ Um solche Situationen zu vermeiden, gibt er sich schon gar nicht mehr mit anderen Kindern ab. Mutterseelenallein steigt er in den letzten Wagen des Zugs und rührt sich dort nicht. Die Tatsache, dass dieser Wagen keine direkte Verbindung zu dem Wagen mit den Kindern hat, ist beinahe schon symbolisch, er fährt zwar im Zug mit, ist aber ganz für sich. Durch die Abenteuer mit Hero Girl und Hero Boy lernt er, dass nicht alle Menschen gleich sind, und es auch Menschen gibt, denen er nicht egal ist und die ihn nicht wegen seiner Armut vorverurteilen. Seine Lektion lautet, das Zutrauen zu anderen wiederzufinden. Auch das mag man als „typisch amerikanisch“ aufbereitet ansehen, aber eben, es ist eine Geschichte, die sich hauptsächlich an Kinder wendet. Und die verstehen sicherlich, was gemeint ist. Und letztlich, auch eine Heldenreise muss nicht immer so tiefgehend strukturiert sein, wie es beispielsweise „Herr der Ringe“ ist. Die Hauptsache ist die Botschaft, und dass sie verstanden wird. Und das erfüllt der „Polarexpress“ voll und ganz.

Die Art und Weise, mit der das „Elixir“ überbracht wird, fügt sich von daher auch nahtlos in die Geschichte ein: die Fahrkarten. Früher war es in der Tat üblich, Fahrkarten zu entwerten, indem man ein Loch in sie knipste (respektive zwei, wenn es sich um Hin- und Rückfahrt handelte). Der Schaffner des Polarexpress schreibt aber ganze Buchstaben in die Karten, die am Anfang – bei der Hinfahrt – noch keinen Sinn ergeben. Erst bei der Rückfahrt werden die Wörter ergänzt und so nochmal deutlich gemacht, welche Lektion das jeweilige Kind durch die Reise gelernt hat.

Sehen heißt glauben

Der zentrale Satz des Films lautet „sehen heißt glauben“. Nun könnte man sagen, dass das doch ziemlich materialistisch ist – man glaubt nur das, was man sieht. So ist das aber nicht gemeint, und das wird in einigen Szenen auch sehr deutlich. Die Aussage ist anderherum zu verstehen – wenn ich an etwas glaube, bin ich auch fähig, es zu sehen. Hero Girl bespielsweise hat Zweifel an ihren Fähigkeiten, zu führen und die richtige Entscheidung zu treffen. Das äußert sich darin, dass sie in Szenen, in denen ihre Entscheidungskraft gefragt ist, plötzlich die Hände vors Gesicht schlägt – sie will nicht hinsehen, weil sie nicht glaubt, dass ihre Entscheidung die richtige ist.

Hero Boy kann den Weihnachtsmann nicht sehen, aber nicht, weil er irgendwie unsichtbar ist, solange der Junge nicht an ihn glaubt, sondern weil andere ihm die Sicht versperren, so wie ihm seine Zweifel die Sicht auf das Wesentliche versperren. Billy hingegen sieht nicht, dass man es gut mit ihm meint. Er erkennt zum Beispiel nicht, was Hero Boy riskiert, indem er die Notbremse zieht und es Billy so ermöglicht, überhaupt an der Reise teilzunehmen. Auch der Neunmalklug sieht etwas nicht, nämlich dass es auch noch andere Menschen gibt, auf die man Rücksicht nehmen sollte.

Glauben wir etwas nicht, so sind wir auch nicht in der Lage, dies zu sehen. Glauben wir beispielsweise nicht an das Gute in einem Menschen, so unterstellen wir anderen gern unlautere Motive, egal wie sie sich verhalten. Wir sehen das Gute nicht, weil wir nicht daran glauben. Und genau so ist der Satz „sehen heißt glauben“ zu verstehen. Der Schaffner bringt es auf eine andere Weise auf den Punkt: „Man sagt zwar, sehen heißt glauben, aber manchmal sind die wertvollsten Dinge diejenigen, die wir nicht sehen.“ Das bezieht sich zum einen darauf, wie es auch im „Kleinen Prinz“ von Saint-Exupéry heißt, dass die wesentlichen Dinge im Leben „für das Auge unsichtbar“ seien und man sie nur mit dem Herzen sehen kann. Und zum anderen eben auch darauf, dass wir manchmal die wertvollen Dinge (wie Freundschaft oder Güte) nicht sehen, weil wir daran nicht glauben (wollen).

Hero Boy schafft es dann ja tatsächlich auch, sich den Geist der Weihnacht bis ins Alter zu bewahren, denn wie er im Schlusswort sagt, klingt für ihn das Glöckchen immer noch, obwohl er alt geworden sei. Und das, so fügt er hinzu, gelte für alle, die wirklich daran glauben.

Die Musik

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Wesentlicher Bestandteil jeden Films ist die Musik, der es gelingen muss, eine gewisse Stimmung zu transportieren. Für den Soundtrack des „Polarexpress“ zeichnet Alan Silvestri verantwortlich, und er hat ein paar pfiffige Ideen gehabt, wie man den Bezug zu Weihnachten musikalisch herstellen kann. Natürlich hat er ein paar großartige Kompositionen entworfen, die den Pathos des Films unterstreichen, in manchen Situationen hat er jedoch auch klassische Weihnachtsstücke einfließen lassen. So sind immer wieder Versatzstücke aus „Jingle Bells“ zu hören, oder als die Weihnachtswichtel auf den großen Platz laufen, wird „Oh Tannenbaum“ als Marsch gespielt.

Über die Lieder, die Bestandteil des Films sind, kann man geteilter Meinung sein, ich finde, sie passen sehr gut. Zum einen sind es wiederum bekannte Weihnachtsmelodien (die vor allem in der Weihnachtsstadt zu hören sind, wo sie aus allen Lautsprechern tönen) wie etwa Frank Sinatras „Santa Claus is comin‘ to Town“, „It’s beginning to look a lot like Christmas“ von Perry Como oder „Silver Bell“ von Kate Smith. Zum anderen sind das die Musicalnummern des Films. „The Polar Express“ umschreibt die Reise im Zug und ist mit einem Rhythmus unterlegt, der das Stampfen einer Dampflok imitiert; „Hot Chocolate“ eine von Tom Hanks / Arne Elsholtz mit großer Spielfreude vorgetragene Nummer um den Genuss des Kakaos, die genauso rasant ist wie die Szene die sie untermalt.

In dem etwas traurigen Lied „When Christmas comes to Town“ beschreibt Billy sein Leben, während Hero Girl versucht, ihn aufzumuntern. Zentrales Lied ist aber die Ballade „Believe“, gesungen von Josh Groban, in der es wiederum um den Kern des Films geht – wann glauben wir an etwas.

Alan Silvetri hat sehr gute Arbeit geleistet, und die „Suite from ‚Polar Express'“ ist das Stück, das zu meiner persönlichen Weihnachtsmusikauswahl einfach dazu gehört.

Hero Boy ist auf den Polarexpress aufgesprungen / (c) by Warner Bros.
Hero Boy ist auf den Polarexpress aufgesprungen / (c) by Warner Bros.

Die deutsche Version

Im Original hat man auf so viele Dinge geachtet – wie wurden diese in die deutsche Fassung übertragen? Ich muss sagen, auch wenn Arne Elsholtz nicht alle Rollen spricht, in denen Tom Hanks im Original zu hören ist (Hero Boy als alter Mann, Hero Boys Vater und der  Weihnachtsmann werden von anderen Synchronsprechern dargestellt), ist die deutsche Fassung sehr gut. Man musste ein paar Klippen umschiffen, aber die Übertragung ins Deutsche ist mehr als gelungen. Zum Beispiel gab es ein Problem, als die Kinder im abgekoppelten Wagen durch die Weihnachtsstadt rasen und Hero Boy die Bremse zuerst nicht finden kann. Der Landstreicher erscheint und klopft auf das Rad, mit dem die Bremse zugedreht wird. Im Original sagt er dazu: „Take a break!“, was ein Wortspiel ist („Take a break!“ heißt ungefähr so viel wie „Mach mal Pause!“, das Wort „brake“, das genau gleich wie „break“ ausgesprochen wird, bedeutet „Bremse“). Das Wortspiel ist nicht übertragbar, deswegen ruft der Landstreicher im Deutschen: „Bist wohl nicht zu bremsen?“ Ansonsten wurden sehr schöne deutsche Übertragungen vorgenommen, etwa wenn der Schaffner meint, es wird „höchste Eisenbahn“. Und ich muss sagen, es ist verdammt lange her, dass ich Redewendungen wie „Pflanz Dich!“ (in den 197er/80er Jahren umgangssprachlich benutzt für „Setz Dich!“) oder „Quadratlatschen“ gehört habe.

Sehr viel Mühe hat man sich auch mit den Grafiken gemacht – anstatt diese zu untertiteln oder, wie es gerade in Fernsehserien gern gemacht wird, Deutsch vorlesen zu lassen, wurden sie komplett eingedeutscht. Auf der Warnlampe in der Weihnachtsstadt ist deutlich „UNARTIG“ zu lesen (statt „NAUGHTY“), die Schilder an der Gletscherschlucht warnen vor „99 % GEFÄLLE“ und sogar die Notiz, die in dem Päckchen mit dem Schlittenglöckchen liegt, ist Deutsch geschrieben, obwohl diese noch dazu von der Stimme des Weihnachtsmannes vorgelesen wird.

Besonders gelungen ist die deutsche Übertragung der in die Fahrkarten geknipsten Worte, was beim Neunmalklug sehr auffällt. Im Original bekommt er das Wort „LEARN“ („lernen“) geknipst, als der Schaffner ihm die Karte zurückgibt, hält Neunmalklug allerdings seinen Daumen über das „R“ und beschwert sich, was „LEAN“ („mager“) denn heißen soll. Der Schaffner nimmt darauf die Karte und meint, er habe nicht 4, sondern 5 Buchstaben geschrieben. Er hält dem Jungen dann die Karte so hin, dass „LEARN“ richtig zu lesen ist. In der deutschen Version knipst der Schaffner „LERNEN“, allerdings sind die Löcher vom mittleren „N“ nicht alle richtig durchgedrückt. Der Neunmalklug liest deswegen „LERMEN“ und beschwert sich, „lärmen“ würde man mit „Ä“ schreiben.  Der Schaffner nimmt die Karte und meint süffisant, „lärmen“ würde man nicht nur mit „Ä“, sondern auch mit einem „M“ schreiben und hält die Karte richtig hin. Dabei fallen die nicht richtig durchgedrückten Stücke aus ihren Löchern – „LERNEN“ ist nun deutlich zu sehen.

Es ist lange her, dass für die deutsche Version eines Kinofilms so ein Aufwand betrieben wurde, und dass dann tatsächlich auch die deutsche Fassung auf der DVD landete. Oft war es auch so, dass es zwar eine Fassung mit deutschen Schriftzügen im Bild gab (meistens bei Disney-Filmen), auf Video beziehungsweise DVD aber dann nur die Originalversion mit deutschen Untertiteln erhältlich war.

"Und? Kommst Du mit?" / (c) by Warner Bros.

Fazit

„Der Polarexpress“ ist ein netter Film, passend zur Weihnachtszeit, der die entsprechende Botschaft zu transportieren versucht. Er ist natürlich kein philosophisches Meisterwerk, aber er geht doch tiefer, als manche glauben. Da sind wir wieder beim Thema, „sehen heißt glauben“. Wenn man sich ein wenig mit der Handlung beschäftigt, kann man sich schließlich doch über das eine oder andere Gedanken machen, das in dem Film angesprochen wird. Die Teile des Films, die reine Action sind (die Gletscherschlucht, der zugefrorene See), sind in 3D auf der großen Leinwand recht beeindruckend (zu sehen – wie bereits erwähnt – beispielsweise im 4D-Kino im Europa-Park). Es gibt auch eine 3D-Version auf Blueray, die ich allerdings nicht kenne, und zu deren Qualität ich daher nichts sagen kann. Die Sequenzen stechen leider ein bisschen aus der Handlung des Films heraus, da sie sehr deutlich auf den 3D-Effekt getrimmt sind und zwar im Sinne der „Heldenreise“, von der ich die ganze Zeit sprach, als die „Prüfungen“ durchgehen würden, aber eigentlich keinen wirklichen Sinn haben (außer in wenigen Momenten).

Ich finde den Film gelungen und seit ich ihn entdeckt habe – sinnigerweise erst im 4D-Kino des Europa-Park – gehört er für mich zu Weihnachten dazu. Man mag sagen, dass es ein wenig übertrieben ist mit dem Pathos (vor allem verstärkt durch die Musik), aber andererseits gehört das irgendwie dazu. Genauso wie das Happy End. Und wenn man in den Film nicht so tief reingehen möchte, wie ich das in dieser Betrachtung gemacht habe, kann man das auch tun. Der Film richtet sich in erster Linie an ältere Kinder und Jugendliche, vielleicht gerade auch in dem Alter, in dem man nicht mehr an sowas wie einen Weihnachtsmann glauben mag, er prügelt einem die Moral nicht mit dem Holzhammer ein. Die Idee mit den Fahrkarten überzeugt voll und ganz und ist nicht aufdringlich.

Nun, dies war mein Blick auf den Film „Der Polarexpress“. Ich hoffe, es war nicht zu viel und nicht zu verdreht in den Gedankengängen. Vielleicht konnte ich Sie überzeugen, sich den Film anzusehen, entweder „mal wieder“, oder vielleicht auch zum ersten Mal. Oder, um es mit den Worten des Schaffners zu sagen:

„Und? Kommst Du mit?“

“Der Polarexpress” von Robert Zemeckis – eine Filmbetrachtung, Teil 2

Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.

Im letzten Artikel habe ich ausführlich den Inhalt des Films „Der Polarexpress“ von Robert Zemeckis dargelegt. Nun möchte ich darauf eingehen, wovon der Film (und das Buch) genau handelt. Dazu betrachten wir uns jetzt einmal die Figuren genauer.

„Da steht…“ – „HA! Das ist nicht für mich bestimmt!“

Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.
Der Polarexpress / (c) by Warner Bros.

In Teil 1 habe ich auch schon erklärt, dass es sich bei der Struktur der Geschichte des „Polarexpress“ um eine so genannte mythische „Heldenreise“ handelt. Die Struktur besteht grob gesagt aus mehreren Stationen, die der Held „abarbeiten“ muss: Wir lernen seine Welt kennen. Das Abenteuer ruft. Der Held weigert sich, dem Ruf Folge zu leisten, überlegt es sich dann aber doch anders. Der Held muss verschiedene Prüfungen bestehen und zum Höhepunkt der Geschichte seinem tiefsten Inneren entgegen treten. Hier wandelt sich der Held, erlangt ein „Elixir“ und kehrt verändert in seine Welt zurück, um ihr das Elixir zu bringen. Die Bezeichnung „Elixir“ leitet sich davon ab, dass es bei klassischen Fantasygeschichten meistens um ein magisches Elixir handelte, das der Held finden musste, um einen kranken König zu heilen oder den Fluch von jemandem zu nehmen. Im übertragenen Sinn bezieht sich das Elixir auf die Lektion, die die Hauptfigur (oder die Figuren) einer Heldenreise im Verlauf der Reise lernen, indem sie sich den verschiedenen Aufgaben, die auf sie zukommen, stellen. Das Elixir im „Polarexpress“ sind die Worte, die der Schaffner den Kindern in die Fahrkarten knipst und die für jeden eine Botschaft zu seiner persönlichen Entwicklung im Lauf des Abenteuers darstellt.

Merkmale einer „Heldenreise“ sind neben den klassischen Elementen die Archetypen als Figuren in der Geschichte sowie die Tatsache, dass man den Kern der Erzählung in einem Satz wiedergeben kann. Manchmal ist dieser Satz der Titel der Geschichte, beim „Polarexpress“ steht er als „Catch Phrase“ auf dem Kinoplakat: „Sehen heißt glauben“. Werfen wir aber nun einen genauen Blick auf die Figuren.

Der Junge – Hero Boy

Der Junge ("Hero Boy") / (c) by Warner Bros.
Der Junge ("Hero Boy") / (c) by Warner Bros.

Wie schon angemerkt sieht man bereits an der Tatsache, dass wir von den Hauptfiguren nicht einmal die Namen erfahren, dass wir uns in einer Heldenreise befinden: die Namen sind nicht wichtig – die Reise ist wichtig. Der Junge, der Hauptdarsteller des Films, wird im Drehbuch sogar „Hero Boy“ genannt, also wörtlich „Heldenjunge“. Auf seinen Konflikt legt der Film sein Augenmerk, er ist in einem Alter, in dem man sich zu alt fühlt, an sowas wie den Weihnachtsmann zu glauben. Hero Boy zieht dabei allerdings einen fatalen Schluss – der Weihnachtsmann ist Betrug, also ist auch Weihnachten ein Betrug. Zudem fällt auf, dass der Junge alles immer in Zweifel zieht. Der Satz, den man im Film am Häufigsten von ihm hört, lautet: „Bist Du sicher?“ Damit schafft er es sogar, seine Umwelt zu beeinflussen und genauso zögerlich zu werden, wie er selbst. Mehrmals wird ihm allerdings vor Augen geführt, welche Konsequenzen sein Zögern hat: Als er beispielsweise dem Mädchen ihre Fahrkarte bringen will, sieht er, dass die Wagen des Zugs nicht direkt miteinander verbunden sind. Er zögert beim Überqueren der Kupplung – und der Wind reißt ihm die Fahrkarte aus der Hand. Umgekehrt wird sein manchmal zutage tretendes impulsives Handeln belohnt, etwa als er ohne Zögern die Notbremse zieht, damit Billy an Bord kommen kann. Zum Höhepunkt des Films trägt er seinen schwersten Konflikt aus, er kann weder die Glöckchen vom Schlitten des Weihnachtsmannes hören, noch den Weihnachtsmann selbst sehen. Erst als er bereit ist zu glauben, kann er das Glöckchen hören und den Weihnachtsmann sehen, der schließlich sogar ihn auswählt, damit er sich das erste Geschenk von Weihnachten wünschen darf. Seine innere Wandlung wird dann noch dadurch ausgedrückt, dass er sich als Geschenk nicht irgendetwas wünscht, was Kinder in seinem Alter haben wollen – er möchte das Glöckchen vom Schlitten haben, damit er sich den Glauben bewahren kann.

Das Mädchen – Hero Girl

Das Mädchen ("Hero Girl") / (c) by Warner Bros.
Das Mädchen ("Hero Girl") / (c) by Warner Bros.

Von ihrem ersten Erscheinen in dem Film wird klar, dass das Mädchen eine besondere Gabe und ein Pflichtgefühl besitzt. Sie wird auf den Jungen aufmerksam, wie er unsicher durch die Reihen des Wagons tappt und sie sieht der Reise an den Nordpol freudig entgegen. Als Billy später zusteigt und allein im letzten Wagen sitzt, ist sie es, die ihm eine Tasse Kakao bringt. Auch wenn Hero Boy es hin und wieder mal schafft, sie mit der Frage „Bist Du sicher?“ von ihrer Selbstsicherheit abzubringen, ist doch klar: sie ist eine geborene Führernatur, jemand, der anderen den Weg weisen kann. Ihre Schwäche ist, dass sie sich verunsichern lässt, aber wenn sie die Führung übernimmt, kommt sie zum Ziel. Ihr Konflikt ist nicht so offen, wie bei Hero Boy, aber sie ist im eigentlichen Sinn nicht die Hauptfigur.

Der Neunmalklug

Der Neunmalklug / (c) by Warner Bros.
Der Neunmalklug / (c) by Warner Bros.

Der Neunmalklug ist besserwisserisch und vorlaut – und ziemlich egoistisch. Als der Polarexpress an einem Kaufhaus vorbeifährt, verkündet er, alle Geschenke, die man in den Schaufenstern sieht, will er für sich haben. Und als die Kinder vor dem Weihnachtsmann stehen, fordert er lautstark, für das erste Geschenk ausgewählt zu werden. Zurechtgewiesen wird er vom Weihnachtsmann selbst, der findet „Geduld und ein Quäntchen mehr Demut“ würden ihm ganz gut stehen. Offenbar ist er von seinem Wissen so sehr überzeugt, dass er meint, alles zu wissen und immer Recht zu haben. Und für Konsequenzen geradestehen will er schon gleich gar nicht. Zwar ist er es, der Hero Boy auf die Notbremse aufmerksam macht, als Billy dem Zug nachläuft, als aber der Schaffner laut polternd zur Tür hereinkommt, schwärzt Neunmalklug sofort Hero Boy an – schließlich hat der die Notbremse gezogen. Auch er macht am Ende eine Wandlung mit, als er zuerst dem Weihnachtsmann Recht gibt und vor dem Schaffner zugibt, einen Fehler gemacht zu haben. Wie bei Hero Girl ist der Konflikt nicht so stark ausgearbeitet, aber auch er ist keine Hauptfigur – in weiten Teilen des Films fehlt er vollständig.

Billy

Billy / (c) by Warner Bros.
Billy / (c) by Warner Bros.

Ausgerechnet der scheinbar Schwächste hat das stärkste Element in dieser Geschichte: Wir erfahren seinen Namen. Billy lebt in der Gegend, „wo die Armen wohnen“, wie Neunmalklug es ausdrückt. Sein Haus ist einfach und düster. Und wie Hero Boy zögert auch er, die Fahrt zum Nordpol mitzumachen. Als er dann doch an Bord kommt, wird deutlich, wie desillusioniert Billy bereits ist: anstatt zu den anderen Kindern zu gehen, steigt er allein in den letzten Wagen und bleibt dort auch. Freundlichkeiten und Freundschaft kennt er nicht, er hat „gelernt“, wo sein Platz im Leben ist – abseits von allen anderen, von Gesellschaft ausgeschlossen. Seine Wandlung im Film ist, dass er Zutrauen zu anderen Menschen und Zuversicht findet. Das vollzieht sich in mehreren Schritten: Billy redet die erste Hälfte des Films gar nicht, bevor Hero Boy und Hero Girl ihn belauschen, wie er traurig „When Christmas comes to Town“ singt. Weihnachten kennt er nicht, es „funktioniert“ für ihn einfach nicht. Und als er in der Fabrik des Weihnachtsmannes ein Geschenk findet, das an ihn adressiert ist, ändert sich schließlich alles. Zwar wirkt er immer noch unsicher, aber er vertraut seinen neuen Freunden.

Der Schaffner

Der Schaffner / (c) by Warner Bros.
Der Schaffner / (c) by Warner Bros.

Ich sprach zuvor von den „Archetypen“ in einer Heldenreise. Der Schaffner im „Polarexpress“ ist so ein Archetyp, sogar mehrere. Am Anfang ist er der Botschafter, der den Ruf des Abenteuers überbringt, dann wird er zum Mentor. Deutlich wird das durch die Fahrkarten, die er nicht einfach nur abknipst, sondern in die er ein Schlagwort schreibt, das den inneren Konflikt des jeweiligen Kindes beschreibt. Dabei beschränkt er sich am Anfang auf einzelne Buchstaben, die keinen Sinn zu ergeben scheinen. Erst am Ende der Reise löst er das Rätsel auf, indem er die Worte vervollständigt. Der Schaffner übergibt damit das „Elixir“, nach dem die Helden gesucht haben und das sie in ihre Welt mitnehmen. Die Rolle des Mentors wird bei ihm besonders deutlich, wenn es um Gründe für etwas geht. Zwar poltert er ständig wegen seinem Fahrplan, den er einzuhalten hat, wenn es aber einen Grund für eine Verzögerung gibt (wie etwa das Ziehen der Notbremse, damit Billy einsteigen kann), wird er gleich viel sanfter. Auch als Hero Girl eine Tasse Kakao auf die Seite schafft, geht er nicht gleich davon aus, dass sie das gemacht hat, um sich selbst eine Extraportion zu sichern. Er weiß, dass sie nur ihrem Verantwortungsbewusstsein gefolgt ist und ermutigt sie. Interessant ist auch die Tatsache, dass die ganze Zeit über fünf Minuten vor Mitternacht ist, und zwar von dem Moment an, da der Zug vor dem Haus von Hero Boy hält, bis zu dem Moment, da der Schlitten des Weihnachtsmanns fertig gepackt ist. So kann der Polarexpress pünktlich am Nordpol eintreffen und die Tatsache, dass „wir sogar noch fünf Minuten Zeit“ haben, lässt dem Schaffner Tränen der Rührung in die Augen steigen. Der Schaffner ist es am Ende auch, der Hero Boy den wesentlichen Satz über jede Heldenreise sagt: Wohin die Reise geht, ist nicht wichtig. Wichtig ist, sie überhaupt anzutreten. Also, sich der inneren Herausforderung zu stellen.

Der Landstreicher

Der Landstreicher / (c) by Warner Bros.
Der Landstreicher / (c) by Warner Bros.

Auf dem Dach des Polarexpress macht Hero Boy eine merkwürdige Bekanntschaft – ein Landstreicher, der dort sein Lager (einschließlich Lagerfeuer) aufgeschlagen hat und sich selbst als „König vom Polarexpress, ja, Herr über den gesamten Nordpol“ bezeichnet. Der Archetyp, den er verkörpert, nennt sich „Trickster“, man weiß nie so genau, mit wem man es zu tun hat. Im Fall des Landstreichers gilt das sogar doppelt, nicht nur, dass er eine undurchschaubare Persönlichkeit hat, manchmal hilft und Hero Boy auch manchmal ärgert – auch was er ist, kommt nie so wirklich raus. Es gibt einen Hinweis, als er Hero Boy fragt, ob er an Geister glaubt und jener verneint. Darauf meint der Landstreicher: „Interessant…“ Aus dem Film wurde eine Szene entfernt, in der die beiden Lokführer Smokie und Steamer vom „König“ hören und zitternd seine Geschichte erzählen: Er war ein Landstreicher, der auf das Dach des Zugs gesprungen war, um mitzufahren, doch beim „Flattoptunnel“ wurde er heruntergerissen und nie wieder gesehen (den „Flattoptunnel“ zeichnet aus, dass zwischen der Tunneldecke und der Bahn kaum Platz ist). In späteren Szenen erscheint der Landstreicher aus dem Nichts und verschwindet in einer Schneeverwehung. In den Szenen mit Hero Boy bringt er auf den Punkt, was die Zweifel in ihm auslöst: Hero Boy möchte an den Weihnachtsmann glauben, er möchte aber nicht hinters Licht geführt werden. Und er macht klar, was Hero Boy ist: ein Zweifler. Es ist auch die Stimme des Landstreichers, die der Junge zuerst hört, als er das Glöckchen vom Schlitten des Weihnachtsmann schüttelt und ihm keinen Ton entlocken kann.

Der Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann (links) mit Hero Boy und dem Schaffner. / (c) by Warner Bros.
Der Weihnachtsmann (links) mit Hero Boy und dem Schaffner. / (c) by Warner Bros.

Eigentlich ist es die zentrale Figur in der Geschichte, aber er kommt erst am Schluss vor und hat dort einen bemerkenswerten Satz: “Dieses Glöckchen ist ein wunderbares Sinnbild für Weihnachten. Ebenso wie ich.” Er macht damit deutlich, dass auch er selbst ein „Sinnbild“ sei, was den Konflikt von Hero Boy auflöst. Es geht nicht darum, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt, oder nicht, denn, das fügt er selbst noch hinzu: „Der wahre Geist der Weihnacht wohnt in Deinem Herzen.“ Hero Boy hat seine Aufmerksamkeit ganz auf die Rationalität gerichtet – am Nordpol gibt es kein Leben, also auch keine Weihnachtsstadt. Würde der Weihnachtsmann alle Kinder der Welt beschenken wollen, müsste sein Schlitten riesig sein, um alle die Geschenke zu transportieren, außerdem müsste er schneller als das Licht sein, um rechtzeitig überall auf der Welt zu sein. Aber darum geht es nicht, es geht nicht darum, ob es „funktioniert“, es geht um den Geist dahinter. Entsprechend lautet die Botschaft des Films nicht, wir sollen alle (wieder) an den Weihnachtsmann glauben, sondern unter die Oberfläche zu blicken. Auf den „Geist“ der Weihnacht.

Weitere Figuren

Hero Boy, Billy und Hero Girl / (c) by Warner Bros.
Hero Boy, Billy und Hero Girl / (c) by Warner Bros.

In dem Film kommen zudem noch weitere Figuren vor, die Eltern von Hero Boy, seine Schwester Sarah, weitere Kinder, die im Polarexpress mitreisen und die Weihnachtswichtel, die bis zuletzt die Weihnachtsstadt am Laufen halten. Alle diese Figuren spielen jedoch noch eine Nebenrolle – mehr oder weniger. Aber dazu schreibe ich mehr im letzten Artikel zum Film.

Nun haben wir uns die Handlung des Films genau angesehen und die einzelnen Figuren. 1 Minute nach diesem Artikel wird ein weiterer veröffentlicht, der eine Zusammenfassung und den Blick auf den Kern der Geschichte enthält.