Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.
Online-Version des Newsletters vom Phantastischen Projekt
Heute geht das Jahr zuende, und deswegen gibt es mal einen besonderen Newsletter. Wenn Sie den Newsletter per eMail erhalten haben, stand da nicht viel drin, nur der Hinweis auf diesen Beitrag. Das hängt damit zusammen, dass dieser Beitrag zum Jahresende ein klein wenig anders ist. Inspiriert wurde er durch einen Beitrag im Blog „Selbständig im Netz„, in dem eine Blogparade mit Gewinnspiel gestartet wurde. Natürlich ist dieser Beitrag damit auch ein Gewinnspielteilnehmer, aber worum geht es überhaupt? Nun ja, worum es an so einem Tag immer geht: Rückblick und Ausblick.
2008 im Rückblick
Also, zuerst einmal zum Jahr 2008, von dem ich noch nicht ganz weiß, was ich davon halten soll. Manche haben vielleicht mitbekommen, dass 2007 für mich privat nicht so das tolle Jahr war, und das aus ganz verschiedenen Gründen. Gleichzeitig aber deutete sich an, dass etwas in Bewegung gekommen war. Durch unermüdliche Arbeit von Orry und meiner Wenigkeit hatten wir unsere CP-Fan-Seite recht gut voran gebracht, so dass sich schließlich die Frage stellte, wie wir da weitermachen sollen. Die Seite wurde gut angenommen und warf ganz langsam sogar etwas ab, so dass wir schließlich SUMMERTIME PARCS aufstellten, eine Seite für die Fans von Urlaubs- und Ferienparks im Allgemeinen. Auch diese Seite wurde gut angenommen, so dass es weiterging. Das EP-Blog, das als „kleines“ Hobby meinerseits angefangen hatte, wurde ebenfalls erweitert. Parallel war ich immer noch am Schreiben des Manuskripts von „Projekt X-1„, das ich am 22. Mai bei 527 Seiten endlich zum Abschluss bringen konnte. Danach habe ich mich um die ASTROCOHORS-Romane gekümmert. Aber erst ein Urlaub im November, denn ich wahrlich nötig hatte, brachte da eine entscheidende Komponente mit ein – und eine neue Idee. Auch dieses Blog hier, das STAR COMMAND Communiqué, erfreute sich immer größerer Beliebtheit, vor allem durch die Serien („10 Comics, die man gelesen haben sollte“, „Tim und Struppi“, „James Bond“), und ganz besonders durch meine etwas böse Kritik über das RTL-Rettungs-Feuerwehr-Polizei-Soap-Desaster „112 – Sie retten Dein Leben“, bei dem mittlerweile die rote Laterne schon in Sicht ist.
Ausblick: 2009
Damit sind wir also nun am Ende des Rückblicks. Kommen wir zum Ausblick auf 2009. Den kann ich nicht so ganz genau machen, denn durch die Finanzkrise, die sich während der letzten Monate auch noch eingestellt hat, sind Voraussagen noch schwieriger geworden (und um den alten Spruch zu bringen: Prophezeiungen sind generell schwierig, vor allem, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen, ha ha). Aber ich versuche es einfach mal:
Das hier ist das Blog vom „Phantastischen Projekt“. Das Projekt möchte ich etwas mehr strukturieren, damit man die einzelnen Bestandteile leichter findet. Dazu gehört natürlich, dass „Projekt X-1“ sein Geheimnis endlich lüftet. Das wird auf jeden Fall 2009 passieren, wann genau, das bleibt noch abzuwarten. Danach soll es noch ein paar Änderungen geben, aber das ist noch nicht greifbar. SUMMERTIME PARCS, mit die erfolgreichste Seite des Ganzen, soll noch mehr erweitert werden. Doch das geht nur Stück für Stück, da es hier um Ferienparks geht und da sehr viel Material abzuarbeiten ist. Ein wenig deutet sich auch an, dass unabhängig von der Finanzkrise die Menschen weiterhin Erholung suchen, denn es wird immer noch Urlaub gebucht und die Zugriffszahlen auf die Seite bleiben stabil. Das EP-Blog wird ebenfalls weiterlaufen, aber ich weiß noch nicht ganz genau wie. Was die ganz neue Idee betrifft, nun, da geht es um ägyptische Flüsse und Bäume (und vielleicht liest man hier im Verlauf von 2009 etwas von einem neuen „Projekt X“).
Ziele für 2009
Wie gesagt, das ist alles nicht sehr konkret, aber da die Entwicklung – gerade von SUMMERTIME PARCS – seit Ende 2007 einen schwunghaften Verlauf genommen hat, lässt sich das nicht so gut auf die Zukunft übertragen. Und mit Zahlen kann ich schon gar nicht dienen. Wenn jedoch die Einnahmen 2009 denen von 2008 entsprechen, bin ich schon zufrieden, wird es ein bisschen mehr, bin ich sehr zufrieden. Noch mehr, und ich bin außerordentlich zufrieden. Alles weitere wage ich mir hier nicht auszumalen. Was auf jeden Fall sein wird – dazu wurde mir geraten – ist, das Projekt auf ein stabiles Fundament zu stellen und ein Gewerbe anzumelden. Da ich den zuständigen Sachbearbeiter bei unserer Gemeinde persönlich kenne, werde ich mit ihm mal Rücksprache halten und sehen, was dabei herauskommt.
Die wichtigste Erkenntnis aus 2008
Meine wichtigste Erkenntnis aus 2008 ist, dass man nicht anhalten darf und dass man nichts von vornherein ausschließen darf, nur weil man zu einem früheren Zeitpunkt diese Sache für unmöglich gehalten hat. Dinge ändern sich, Zeiten ändern sich, Menschen ändern sich. Ein Teil dieser Erkenntnis wiederum ist die Erkenntnis, dass wenn man etwas geschafft hat, das man früher für unmöglich hielt, man einen unglaublichen Schub an Energie bekommt, die einem nur guttun kann. Wichtig ist dabei aber, dass man diese Sache nicht macht, weil andere das sagen. Man muss sie machen, weil es einen innerlich dazu drängt. Tut man etwas (wie zum Beispiel beim RTL Dschungelcamp „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“), das einem von Außen angetragen wird, hinter dem man aber nicht wirklich steht, kann man zwar vielleicht einen Moment lang stolz auf sich selbst sein. Aber nur wenn es etwas ist, das hinterher nachhaltig das eigene Leben und Handeln beeinflusst, hält der Effekt auch an. Leute wie ich, die gern schreiben, ziehen aus sowas Inspiration. Und ich hoffe, dass ich für 2009 schon ein gutteil Inspiration gezogen habe, um alle die Aufgaben, die auf mich warten, anzugehen.
In diesem Sinne – wenn dieser Beitrag im Blog erscheint, ist es nur noch ein paar Stunden, bevor 2008 vorüber ist. Deswegen nochmal ausdrücklich an alle Leser ein gutes Herüberkommen und ein gutes neues Jahr 2009!
Dass ich – gelinde gesagt – nicht besonders begeistert von der RTL-Serie „112 – Sie retten Dein Leben“ war, habe ich bereits zum Ausdruck, und zwar in diesen drei Artikeln: „Tatü – Tata: ‚112…‘ – wer rettet wen und warum?„, „‚112 – Sie retten Dein Leben‘ – Eine genauere Kritik“ und „‚112 – Sie retten Dein Leben‘ – und zum Dritten„. Die Kollegen von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, die sich in den Kommentaren zu Wort gemeldet haben, waren auch nicht sehr angetan. Fiktion, schön und gut, aber „112…“ war wirklich allerunterste Schublade. Aber das habe ich schon in den anderen Artikeln geschrieben.
Aufmerksame Leser werden im obigen Absatz etwas gemerkt haben – ich schreibe in der Vergangenheitsform. Ja, „112…“ war unterste Schublade – denn wie im Blog vom Wortvogel vermeldet wird, wird die Serie eingestellt. Eine besondere Ironie will es so, dass es ausgerechnet zur Folge 110 (die voraussichtlich am 2. Februar 2009 laufen wird) sein wird.
Aus diesem besonderen Anlass habe ich die Kommentare in den anderen Artikeln geschlossen. Weitere Kommentare über „112…“, die Absetzung und anderes können nun hier abgegeben werden.
Meine persönliche Meinung auf den Punkt gebracht: Es wurde Zeit, dass sich was ändert. Das wird nun wohl auch geschehen.
UPDATE: Auch im Blog vom Fernsehlexikon macht sich Michael Reufsteck seine Gedanken über die Absetzung von „112..“ und Fernsehnachmittage im Allgemeinen. Und er macht einen netten Alternativvorschlag, wie man die entstandene Lücke füllen könnte… 🙂
Am Ende der letzten Episode („Casino Royale„) der James-Bond-Reihe haben wir gesehen, wie Bond aufgrund eines Hinweises auf dem Handy seiner toten Freundin Vesper Lynd den Aufenthaltshort eines gewissen Mister White ausfindig machte und diesem ins Bein schoss. Und nun die Fortsetzung…
James Bond rast mit dem verletzten Mister White im Kofferraum am Comer See entlang in Richtung Siena, immer verfolgt von Leuten der geheimnisvollen Organisation, die in „Casino Royale“ hinter dem dubiosen LeChiffre standen. Bond gelingt es, diese abzuhängen und White dem MI6 auszuliefern. Doch bevor White etwas sagen kann, entpuppt sich einer der MI6-Agenten als Verräter und befreit ihn. Bond kann den Verräter nach einer wilden Jagd zur Strecke bringen. Die Hinweise führen Bond nach Port au Prince auf Haiti, wo er Dominic Greene trifft, der versucht, mit Umweltprojekten groß herauszukommen. Doch letzteres ist nur Tarnung, in Wahrheit versucht Greene, einen Putsch in Bolivien zu unterstützen. Sein Preis: Ein Gebiet in der Wüste, in dem scheinbar nichts ist. Bond folgt Greene nach Bregenz am Bodensee, wo er ein Treffen von dessen Organisation QUANTUM verfolgt und feststellen muss, dass die Fronten aufgeweicht sind: der amerikanische CIA will Greene mit seinen Ambitionen in Bolivien gewähren lassen. James Bond ist auf sich gestellt…
Mehr als nur ein Quäntchen: Ein QUANTUM Trost…
Der sowohl in Englisch als auch in Deutsch gewöhnungsbedürftige Titel stammt von einer James-Bond-Kurzgeschichte von dessen Erfinder Ian Fleming aus dem Jahr 1959. Bond ist auf Einsatz, aber zwischendurch gezwungen, gesellschaftlichen Pflichten nachzugehen. In dem Fall bedeutet das, bei der Party eines britischen Gouverneurs anwesend zu sein. Bond langweilt sich nach den Regeln der Kunst, bis eine unbedachte Bemerkung seinerseits darüber, dass er – wenn überhaupt – am ehesten eine Stewardess heiraten würde, den Gouverneur dazu veranlasst, die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der eine Stewardess geheiratet hat. Die Ehe lief nicht sehr gut, aber sie bestätigt den Gouverneur in seiner Theorie des „Minimums an Trost“ – unterschreitet ein Mensch durch äußere Einflüsse dieses Minimum, nimmt er auch auf Menschen, die ihm eigentlich mal etwas bedeutet haben, keine Rücksicht mehr. Als Bond die Party verlässt, ist er nachdenklich geworden, da ihm diese zutiefst menschliche Geschichte vor Augen geführt hat, wie abstrakt das Leben, das er führt, eigentlich ist. Beinahe macht es den Eindruck, als wollte Ian Fleming mit der Geschichte als jene trösten, die gerne wie James Bond wären, aber viel zu „normale“ Leben führen. Denn auch wenn der Agent beinahe alles kann, er kann doch nicht so „normal“ sein wie sie.
Im Film ist von der Kurzgeschichte außer dem Titel nichts mehr übrig, was ich schade finde, da zumindest ein Anklang meiner Ansicht nach sehr gut in die Handlung gepasst hätte. Nun wird dem Publikum leider nicht erklärt, was es mit dem „Quantum Trost“ auf sich hat, außer dass die geheimnisvolle Organisation, gegen die Bond kämpft, QUANTUM heißt.
Der Film macht konsequent weiter mit der Linie, die in „Casino Royale“ begonnen wurde. Soll heißen: Nichts ist mehr so, wie es mal war. Bond ist endgültig im 21. Jahrhundert angekommen, in dem ein Land in ein anderes Land einmarschiert, das tausende Kilometer von der eigenen Grenze weg liegt, von dessen Diktator man sich aber bedroht fühlte und man dringend die Demokratie einführen wollte, aber bei Problemen quasi vor der eigenen Haustür die Augen verschließt, wenn es den eigenen obskuren Zwecken dient. Nicht einmal die Engländer kommen gut weg, denn die reihen sich schließlich mit ein in die Länder, die Dominic Greenes Unterstützung beim Putsch in Bolivien zulassen wollen. Qs technische Spielereien fehlen ebenso wie Miss Moneypenny, und wiederum beginnt der Film nicht mit der „gun barrel sequence“. Diese sehen wir erst am Ende, vor dem Abspann. Und Daniel Craig als Bond scheint zwar unsterblich, aber nicht unverwüstlich zu sein: Während beispielsweise bei Roger Moore der Anzug immer korrekt saß, egal was er durchmachte, ist der neue Bond dreckig, blutbefleckt und verletzt sich. Alles das ist aber nichts Negatives, im Gegenteil, es sind diese Details, die die Geschichte im Boden verankern, so dass andere Teile nicht zu abgehoben wirken – denn natürlich muss der Held Dinge überleben, die vermutlich kein Normalsterblicher überlebt hätte. Es geht sogar so weit, dass bei der Hatz, als Bond den MI6-Verräter durch die Menschenmassen von Siena jagt, Unbeteiligte angeschossen werden.
Schon in der Eingangssequenz fragte ich mich, ob die frappante Ähnlichkeit Zufall war, doch dann stellte ich fest – offenbar nicht. Denn in den Film wurden ein paar kleine Reminiszenzen an die „klassische“ Bond-Serie eingebaut. In der Eingangssequenz stürzt ein Auto der Quantum-Leute an einer Baustelle von der Straße herunter in einen Abhang (wie bei „Dr. No“, nur dass das Auto diesmal – ganz realistisch – nicht explodiert), in Bregenz stellt Bond einen Quantum-Agenten am Rand eines Flachdachs, der sich an Bonds Krawatte festhält, um nicht abzustürzen (wie in „Der Spion, der mich liebte“, der Agent stürzt genauso ab – allerdings ohne eine Information preiszugeben), eine Gefährtin Bonds wird ganz mit Erdöl bedeckt und erstickt auf seinem Bett drapiert (wie in „Goldfinger“, nur da war’s Gold) und M entzieht Bond offiziell seine Lizenz und fordert ihn auf, seine Waffen abzugeben (wie in „Lizenz zum Töten“, auch in „Ein Quantum Trost“ schlägt Bond seine Wächter kurz darauf nieder und flüchtet).
Mit diesem Film ist bewiesen, dass die Leichtigkeit von früher endgültig über Bord geworfen wurde. Die Grenzen zwischen „gut“ und „böse“ sind nicht mehr so eindeutig, ganz nach dem Motto „böse ist, wer böses tut“. Es ist ein anderer Bond, ein Bond unserer Zeit, und er gefällt mir. Nach dem, was ich von Fleming gelesen habe, wage ich die Behauptung, dass dieser 007 dem Autor sicher auch gefallen hätte. Was ist aber nun mit der Geschichte – ist sie fertig oder nicht? Dazu kann ich nur sagen: Ja. Und nein. Das mit „Casino Royale“ begonnene Kapitel wurde abgeschlossen und Bond macht in den zwei Stunden, die der Film dauert, eine wichtige Entwicklung durch. Trotzdem ist QUANTUM aber nicht besiegt. In meiner Rezension zu „Casino Royale“ schrieb ich von der Meldung, dass die ersten drei Filme zusammen eine Trilogie bilden sollen als Einstieg für die neue Serie. Nachdem ich „Ein Quantum Trost“ gesehen habe, habe ich eher den Eindruck, dass es ein wenig wie ein TV-Format behandelt wurde: die Pilotepisode ist eine Doppelfolge, in der natürlich nicht alles geklärt wird, aber dazu gibt es dann ja die späteren Folgen der Serie. Anders als bei „Batman Beginns“ und „Dark Knight“ wurde auf die Stilmittel der klassischen Trilogie gänzlich verzichtet, nach der die zweite Episode der Niedergang ist, aus dem die Hauptfigur im dritten Kapitel als Held wieder aufsteigen darf.
Die zwei Stunden vergingen wie im Flug, der Film hat keine Längen und bietet die Grundelemente, die eine Bond-Geschichte haben muss: einen starken Gegner, exotische Schauplätze und… Bond-Gespielinnen. Ganz besonders hat mir der Einsatz der Zwischentitel gefallen, die dem Zuschauer erklären, an welchem Ort man sich gerade befindet, die Titel wurden nämlich individuell für jeden Ort in der Schriftart gestaltet. Und der Film macht Lust auf mehr. Wir dürfen also gespannt sein, wie das Duell zwischen QUANTUM und 007 weitergeht, und wie das nächste Kapitel heißt. Von Fleming gibt es nämlich nur noch zwei Titel, „Risico“ und „007 in New York“.
James Bond wird zurückkehren!
Update: Auch der Wortvogel äußert sich hier zu Bonds zweitem Abenteuer, und zwar positiv.
Ein TV-Tipp, der dringend weitergereicht werden möchte: Heute läuft um 23.00 Uhr im HR der deutsche Science-Fiction-Film „Vakuum“. Darauf aufmerksam gemacht hat der Wortvogel, in dessen Blog man genaueres über den Film nachlesen kann. In einem muss ich ihm Recht geben: Wenn nicht über den deutschen Nachwuchs in Bezug auf Science Fiction diskutiert wird, werden es nachfolgende Autoren und Regisseure schwerer haben. Das Thema muss im Gespräch bleiben. Da ich den hessischen Rundfunk leider nicht empfangen kann, tue ich zumindest meinen Teil und gebe den TV-Tipp weiter. Möglicherweise sehen genügend Leute den Film und es entsteht eine Diskussion daraus. Wenigstens darüber, ob der Film selbst gut war oder nicht.
Anfang des 21. Jahrhunderts: Die Welt ist unglaublich kompliziert geworden. Der Terrorismus scheint allgegenwärtig zu sein. Zu Zeiten des kalten Krieges gab es eine genau gezogene Linie, wer auf dieser Seite stand, war Freund, wer auf der anderen Seite stand, Feind. Doch so einfach ist es nicht mehr, das muss auch M, die neue Vorgesetzte der Auslandsabteilung des britischen Geheimdienstes MI6 einsehen. Besondere Sorge bereitet ihr ein 38jähriger Anwärter auf den Job eines Geheimagenten mit Lizenz zum Töten, ein Mann mit Namen Bond, James Bond. Um die Lizenz zu erhalten, muss er zwei Tötungen vorweisen. Doch sie glaubt, es sei noch zu früh.
Nichtsdestotrotz verdient er sich seine Lizenz, als er den Prager MI6-Sektionschef Dryden des Verrats überführt und ihn und seinen Leibwächter liquidiert. Sein neuer Auftrag führt ihn nach Madagaskar, wo er einen Bombenleger aufspüren soll, der allerdings unter spektakulären Umständen den Tod findet – so spektakulär, dass Bond sich am nächsten Tag in den Medien wiederfindet. M tadelt ihn für sein Verhalten und suspendiert ihn vorläufig, was Bond augenscheinlich für einen Urlaub in Nassau nutzt. Doch in Wirklichkeit arbeitet er auf eigene Faust an dem Fall weiter: der Bombenleger hat eine SMS aus Nassau erhalten, von dem zwielichtigen Alex Dimitrios. Über diesen kommt er einem weiteren Anschlagsplan auf die Spur: der neue Flieger von SKYFLEET, der der Öffentlichkeit zum ersten Mal vorgestellt werden soll. Bond kann das Attentat verhindern und bringt damit LeChiffre in die Bredouille, der das Geld verschiedener terroristischer Vereinigungen verwaltet – er hatte das Geld nämlich dazu verwendet, auf einen Börsencras der Firma SKYFLEET zu setzen, der gekommen wäre, hätte sein Anschlag funktioniert.
LeChiffre muss nun 150 Millionen Dollar beschaffen. Dazu veranstaltet er ein „Texas Hold’em“-Turnier im „Casino Royale“ in Montenegro. Bond wird in das Turnier eingeschleust. Unterstützung erhät er von einer Mitarbeiterin des britischen Schatzamtes, Vesper Lynd…
Alles oder nichts: Ein Blick auf „Casino Royale“
Das titelgebende Kasino steht im Roman in dem französischen Ort „Royale-les-Eaux“ und hat daher seinen Namen. Nach der französischen Grammatik würde man die Übersetzung für „königliches Kasino“ nämlich „casino royal“ schreiben. Dadurch, dass man für den Film dieses Kasino nach Montenegro verlegt hat, fällt dieser Hintergrund ganz weg. Natürlich ist das nicht die einzige Änderung an Flemings Roman. Aber der Reihe nach.
Nachdem man endlich die Rechte an dem ersten James-Bond-Roman hatte, wollten sich die Produzenten auch daran machen, diesen zu verfilmen. Dabei stellte sich allerdings die Frage, wie das geschehen sollte, und man entschied sich zu einem mutigen Schritt: Man wollte die Geschichte des britischen Agenten 007 nochmal von vorne und zeitgemäßer erzählen. Während man durch verbindende Elemente in den 20 bisherigen (offiziellen) Filmen andeutete, dass es sich um die Geschichte ein- und desselben Mannes handelt, brach man mit dem 21. Bond die Reihe. In der Anfangssequenz von „Casino Royale“, die ganz in Schwarz-Weiß gehalten ist, hat Bond noch nicht einmal seine „Lizenz zum Töten“. Weiters fällt auf, dass die typische „gun barrel sequence“, also der Anfang, bei dem man Bond durch den Lauf einer Pistole sieht, weggelassen wurde. Er kommt erst beim Übergang von der Anfangssequenz zum Titellied. Das Titellied hat einen vom Film abweichenden Titel, Chris Cornell singt „You know my name“. Das von Monty Norman komponierte „James-Bond-Thema“ wird erst am Schluss des Films verwendet. Erst dann sagt Bond auch zum ersten Mal den Satz „Mein Name ist Bond, James Bond.“ Und als er sich einen Wodka Martini bestellt (den er in der bsiherigen Filmreihe stets „geschüttelt, nicht gerührt“ wollte) und gefragt wird, ob er ihn geschüttelt oder gerührt haben möchte, antwortet er mürrisch: „Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“ Bond ist also noch nicht Bond. Anstatt aber einen Film zu produzieren, der vor „James Bond jagt Doktor No“ spielt, ist dieser ein Kind unserer Zeit. Trotz allem hat man sich aber auf Ian Flemings Beschreibungen besonnen und diese bei der Charakterisierung des Agenten berücksichtigt. Der Bond des Films deckt sich mit dem Bond der Romane, darüber waren sich auch die Kritiker einig. Bond ist hier wie dort kein Musterknabe, das kann er auch gar nicht sein, er hat die „Lizenz zum Töten“, seine Aufgabe ist es, Menschen zu liquidieren. Dass das auch für einen James Bond keine leichte Aufgabe ist und er einiges zu verarbeiten hat, zeigt der Film auch sehr gut, als 007 die Beziehung zu Vesper Lynd dazu benutzen will, aus dem Geheimdienst auszuscheiden. M hat durchaus Recht mit ihrer Einschätzung, dass es noch zu früh sei, Bond die Lizenz zu geben, da er sich im Verlauf des Films als aufbrausend und teilweise sehr emotional erweist – mehr, als es einem Geheimauftrag gut täte.
Die Handlung des Films ist gegenüber dem Buch stark erweitert worden. Der Roman konzentriert sich hauptsächlich auf das Duell zwischen LeChiffre und Bond im Kasino (die beiden spielen dort übrigens Baccara). Hintergrund ist hier – der Roman wurde in den 1950ern geschrieben – der kalte Krieg, und LeChiffre arbeitet für SMERSCH, dem Spionageabwehrdienst der Russen. Mit der Handlung um den internationalen Terrorismus wurde die Geschichte in unsere Gegenwart geholt, allerdings verzichtete man auf Geheimbasen in erloschenen Vulkankratern, in denen ein Glatzkopf im grauen Anzug seine weiße Katze streichelt. Trotz aller spektakulärer Effekte blieb alles „bodenständig“ und nachvollziehbar.
Damit wurde noch ein mutiger Schritt unternommen: Das Ende von „Casino Royale“ ist eigentlich offen. Zwar sind die Handlanger – unter ihnen LeChiffre – zur Strecke gebracht, das Ziel wurde aber dennoch nicht erreicht. Im Gegenteil, die letzte Szene, in der Bond Mister White stellt, endet einfach mit dem Abspann, bevor wir erfahren, welche Rolle dieser Mann in der ganzen Sache spielt. Die Fortsetzung, „Ein Quantum Trost“, soll, so heißt es, genau an dieser Stelle die Handlung wieder aufnehmen, was ein weiteres Unikum der Serie darstellt. Zwar dauerte es von „Doktor No“ bis „Man lebt nur zweimal“ fünf Filme, bevor man den Kopf der Verbrecherorganisation SPECTRE – Ernest Stavro Blofeld – zum ersten Mal zu sehen bekam, aber jeder Film hatte eine in sich geschlossene Handlung. Das funktionierte gut, so gut, dass auch das „Feuerball“-Remake „Sag niemals nie“ allein stehen kann.
Der Erfolg hat den Produzenten für ihre mutigen Entscheidungen Recht gegeben. Man hat Bond gewissermaßen nach alten Standards neu definiert und sich nicht von negativer Presse, die es bereits im Vorfeld gegeben hatte, beeinflussen lassen. In einigen Artikeln war angezweifelt worden, ob Daniel Craig, der neue Bond, überhaupt für die Rolle geeignet sei. Ausgerechnet er war es dann, der von den Kritikern hinterher das meiste Lob bekam. Die Handlung und Ausführung des Films selbst, so wurde bemängelt, sei etwas unsicher, was ein wenig nach „Angst vor der eigenen Courage“ aussah.
Einen – kurzen – Aufschrei gab es in Deutschland, als der erste synchronisierte Trailer in den Kinos lief. Bonds deutsche Simme wurde kritisiert, da Dietmar Wunder unter anderem auch Adam Sandler spricht, der eher komische Filme macht. Was jedoch übersehen wurde: Wunder synchronisiert zum Beispiel auch Carmine Giovinazzo, der den Danny Messer in „CSI: NY“ gibt (dort führt er auch die Synchronregie), er kann also durchaus auch ernste Rollen die richtige Stimme verleihen. Und das ist ihm bei Daniel Craig als James Bond gelungen.
„Casino Royale“ ist ein gelungener Auftakt einer neuen Art von James-Bond-Reihe. Blickt man auf die bisherige Serie zurück, so stellt man fest, dass Bond sich dort nicht entwickelte, sondern sprunghaft war. In einem Film wurde etwas ausprobiert, das man – wenn es bei den Zuschauern nicht ankam – im nächsten Film einfach ohne Erklärung wieder fallenließ (man bedenke nur den Unterschied im Charakter von James Bond bei Roger Moore gegenüber Timothy Dalton, und wiederum Dalton gegenüber Pierce Brosnan). In den Medien kursierte die Meldung, dass „Casino Royale“, „Ein Quantum Trost“ und ein dritter Film zusammen eine Trilogie mit durchlaufender Handlung bilden sollen. Da man im ersten Film Bond quasi bei „Null“ (ohne seine bereits bekannten Charaktaristika) anfangen ließ, bietet sich hier die Chance, ihn zu entwickeln und von Film zu Film zu steigern. Mal sehen, ob man den Mut für diesen Schritt auch noch besitzt. Der Anfang ist schon gemacht.
Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:
40 Jahre hat Bond seit dem Auftrag um „Doktor No“ im Geheimdienst seiner Majestät gearbeitet. Das kann natürlich nicht spurlos an ihm vorübergegangen sein. Bei den Trainings, für die er sich nun verstärkt zur Verfügung stellen muss, passieren ihm kleine Fehler, die dem neuen Chef des MI6 gar nicht gefallen. Letztlich trägt sich 007 sogar mit dem Gedanken, in den Ruhestand zu gehen.
Bei einer Übung begeht Bond einen Fehler, außerdem attestiert ihm sein neuer Chef, dass er gesundheitlich nicht besonders gut in Form ist. Das heißt: zurück nach Shrublands, sich erholen und mit Aufbautraining beginnen. Dabei stolpert Bond in eine Manipulation der Geheimorganisation SPECTRE, die zwei Cruise Missles mit Mehrfachsprengköpfen entführt hat und die Welt erpresst. Bond folgt der Spur von Maximilian Largo, der irgendwie in die Sache verwickelt ist und seine Zentrale auf einer großen Jacht, der „Flying Saucer“ hat.
Synchronisation
Die heute erhältlichen deutschen Versionen enthalten neue Szenen, die mit anderen Sprechern aufgenommen wurden, da Gerd Günter Hoffmann (Connerys Synchronstimme) nicht mehr lebte, als die Szenen eingefügt wurden. Dem Zeitgeist geschuldet ist eine Fehlübersetzung dessen, was Bond in Shrublands genau tun sollte. Als Moneypenny ihn danach fragt, antwortet er: „I have to eliminate all free radicals.“ „Freie Radikale„, die die Gesundheit schädigen, waren in den 1980er Jahren, in denen der Film ursprünglich entstand, in Deutschland noch nicht so geläufig, damit funktionierte das Wortspiel leider nicht. Auf Deutsch erklärt Bond, er müsse seinen „ausschweifenden Lebenswandel ausmerzen“.
Ein Blick auf die Story
„Sag niemals nie“ ist ein Remake des Films „Feuerball“, was mit den diffusen Urheberrechten, die an der Geschichte hängen, zu tun hat. Die Handlung wurde jedoch aktualisiert und von den Schauplätzen her etwas verlagert. Außerdem wird alles sehr augenzwinkernd erzählt, die Gadgets der Spezialwaffenabteilung funktionieren auch mal nicht richtig und eine Urinprobe von 007 wird zur tödlichen Waffe. Dadurch, dass dieser Film von der Konkurrenz stammt, ist er eigentlich nicht Teil der „offiziellen“ Bond-Reihe.
Meiner persönlichen Ansicht nach jedoch bildet er an diesem Punkt einen netten Abschluss, um die Sache rund zu machen, aber das ist natürlich alles höchst inoffiziell. Die Abschiedsvorstellung in dieser meiner persönlichen Reihe gibt der „Ur-Bond“ Sean Connery persönlich, um am Ende der Geschichte in Ruhestand zu gehen. Sogar das obligate „James Bond will return“ fehlt hier völlig. Denn die Geschichte des James Bond, der 1962 mit „Doktor No“ seinen ersten großen Auftrag erfüllte, war auch in der offiziellen Reihe mit „Stirb an einem anderen Tag“ beendet. Pierce Brosnan hatte seinen letzten Wodka Martini in der Rolle getrunken und die Rolle sollte neu besetzt werden. Zudem war es den Produzenten endlich gelungen, die Filmrechte an der Geschichte „Casino Royale“ zu bekommen. Diese doppelte Chance nutzten die Autoren für einen in mehrfacher Hinsicht mutigen Schritt: Sie brachen die Kontinuität der Reihe und erzählten die Geschichte des Geheimagenten 007 von Anfang an neu. Nur dass dieser Anfang nicht in die Vergangenheit zurückversetzt wurde, sondern in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts spielte.
Hier sind wir wieder bei den verschiedenen Universen. In einem Universum, das gänzlich auf dem Papier entstand, begann Bonds Karriere 1953 mit „Casino Royale“. Der Bond dieses Universums war im Zweiten Weltkrieg bei der Marine gewesen, einmal verheiratet, hat ein Kind mit Kissy Suzuki (aus „Man lebt nur zweimal“) und verlor einmal sein Gedächtnis.
Im zweiten Universum, dem ersten Filmuniversum begann Bonds Karriere 1962 mit „Doktor No“ und endete irgendwann nach 2002, als sich der Agent in den Ruhestand verabschiedete. Auch der Bond dieses Universums war einmal verheiratet und kämpfte gegen die Geheimorganisation SPECTRE.
Nun ist es an der Zeit, in ein drittes Universum zu gehen. In diesem hat das Individuum James Bond den Kalten Krieg nicht im Dienste ihrer Majestät erlebt, denn dafür ist er zu jung. Er wurde erst 1968 geboren, und erst 2006 erhielt er die „Lizenz zum Töten“. Und sein erster großer Auftrag läuft unter dem Titel…
1995: Lange Jahre sind ins Land gegangen. Bond hat offenbar viel Zeit damit verbracht, sich in Form zu bringen, denn er sieht sieben Jahre jünger aus als zuvor. Doch die Welt hat sich gewandelt: Der kalte Krieg ist beendet, das Sowjetreich zerfallen, und er muss sich fragen lassen, ob er noch auf der Höhe der Zeit ist.
Die 1990er Jahre: Aus der Sowjetunion ist die Russische Föderation geworden, die so ihre Probleme hat. So gelingt es der Terror-Organisation Janus mit Hilfe des korrupten Generals Ourumov, das „Goldeneye“-Satelitten-System unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit diesem kann eine atomare Explosion in der oberen Atmosphäre erzeugt werden, wodurch ein elektromagnetischer Impuls entsteht, der alle elektronischen Geräte in Reichweite beeinflusst. James Bond verfolgt eine Handlangerin von Janus, Xenia Onatopp, die einen der modernsten Kampfhubschrauber der französischen Armee stiehlt, der unempfindlich gegen einen solchen Impuls ist. Wozu dieser gebraucht wird, wird klar, als eine der Atomwaffen von „Goldeneye“ direkt über dessen Kontrollzentrum in Sibirien zündet: das Kontrollzentrum wird zerstört, anfliegende russische Kampfjets stürzen, doch Onatopp und Ourumov entkommen mit dem Hubschrauber. Der Plan von Janus ist, durch eine zweite Atomexplosion über England die Computer des britischen Finanzsystems außer gefecht zu setzen, und damit ein internationales Chaos zu verursachen. Und mit Schrecken muss Bond erkennen, dass der Kopf von Janus ein alter Bekannter ist…
Synchronisation
Bei den deutschen Sprechern von Schauspielern, die in verschiedenen Produktionen auftauchen, gibt es verschiedene Gefahrenpunkte. Entweder der Schauspieler ist in Deutschland nicht so bekannt, dann besteht die Gefahr, dass das Publikum ihn nicht wiedererkennt ohne seine „übliche“ Stimme. Oder der Schauspieler ist bekannt, dann würde vielen Leuten eine neue Stimme sauer aufstoßen. Pierce Brosnan war in Deutschland bekannt durch die Serie „Remington Steele“ und wurde dort von Frank Glaubrecht gesprochen, der dies schließlich auch in der Bond-Filmreihe übernahm (und der Vollständigkeit halber: auch in einer Episode von „Muppets Tonight“, in der Pierce Brosnan Gaststar war). Gottfried John spricht sich übrigens – wie die meisten deutschen Schauspieler, die in einem Bond-Film mitgespielt haben – in der Übersetzung selbst.
„Goldeneye“ ist der erste Filmtitel der Serie, der weder ins Deutsche übersetzt, noch mit einem Untertitel versehen wurde („Moonraker“ erhielt den Zusatz „Streng geheim!“). Tatsächlich würde die korrekte Übersetzung „Goldauge“ oder „goldenes Auge“ keinen sehr griffigen Titel abgeben. Auch im Film unübersetzt führt es nur zu der Merkwürdigkeit in der deutschen Fassung, dass die Russen einem Geheimprojekt einen englischen Namen geben.
Bonds süffisante Bemerkung, Q müsse „renovieren“, nachdem jener einen Dummy mit Hilfe des explosiven Kugelschreibers in die Luft gejagt hat, ist im Original wieder mal ein Wortspiel, dort sagt Bond: „The writing’s on the wall.“ Das entspricht ungefähr dem, was man im Deutschen unter einem „Menetekel“ versteht, da sich beides auf die biblische Geschichte des babylonischen Kronprinzen Belsazar bezieht, dem eine aus dem Nichts erschienene Schrift an der Wand seines Palastes das Ende vorhersagte.
Ein Übersetzungsfehler wegen der phonetischen Namensähnlichkeit sind die „Linzer Kosaken“, die im Film erwähnt werden, hierbei handelt es sich um „Lienzer Kosaken“ (beide Städte liegen zwar in Österreich, aber Lienz – gesprochen „Lie-nz“ – liegt in Tirol und Linz in Oberösterreich).
Ein Blick auf die Story
Obwohl eigentlich noch die original Fleming-Kurzgeschichten „Quantum of Solace“, „The Property of a Lady“, „Risico“ und „007 in New York“ als Titelgeber zur Verfügung standen, entschied man sich erneut, einen eigenen zu finden. Inspiriert ist „Goldeneye“ von Ian Flemings Residenz auf Jamaika, die so hieß. Hier entstanden die meisten der James-Bond-Geschichten.
Sechs Jahre dauerte es nach „Lizenz zum Töten“, bevor man diesen neuen Film in die Kinos brachte, woran der relative Misserfolg des Vorgängers nicht ganz unschuldig war („relativ“ deswegen, weil der Film natürlich kein Misserfolg im eigentlichen Sinn war, aber ein für einen Bond-Film schlechtes Einspielergebnis hatte). Die Produzenten standen vor der Aufgabe, 007 in die Welt der 1990er zu bringen, in der es die Sowjetunion nicht mehr gab, und gleichzeitig die Dinge, die die Fans bei „Lizenz zum Töten“ vor den Kopf gestoßen hatten, zu vermeiden. Das Ergebnis ist Bond, wie ihn Brosnan spielt, wieder mehr an Roger Moore, was den Humor und die snobistische Art betrifft, aber er darf auch nachdenklich sein. Dabei braust er nicht so sehr auf wie in den Timothy-Dalton-Filmen. Die Handlung um den korrupten russischen General, der aus dem Zerfall des Sowjetreichs den größtmöglichen Profit für sich selbst ziehen will, ist dabei direkt am Puls der Zeit. Dass man mit einem elektromagnetischen Impuls Computer außer Gefecht setzen kann, wurde bereits in „Im Angesicht des Todes“ angesprochen. Und während in „Lizenz zum Töten“ noch im Abspann auf die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens hingewiesen wird, hat Bond es sich hier einfach abgewöhnt.
Ebenfalls am Puls der Zeit ist Bonds neuer Vorgesetzter, respektive Vorgesetzte, denn die Rolle von M übernahm mit Judi Dench erstmals eine Frau. Sie darf Bond dann auch als „sexistischen Dinosaurier“ und „Relikt des kalten Krieges“ bezeichnen und damit endgültig klarmachen, dass auch die Welt des Geheimdienstes nicht mehr dieselbe ist, wie sie war. Moneypennys Rolle wurde ebenfalls angepasst, während sie früher – bei allen schnippischen Kommentaren, die sie hin und wieder abgab – Bond dennoch anhimmelte, ist sie nun sehr selbstbewusst und zeigt durchaus, wo’s lang geht. Gleiches gilt auch für Bonds Gespielinnen, aber das hatte bereits in den letzten Filmen begonnen.
James Bond ist definitiv in den 1990ern angekommen. „Goldeneye“ ist ein Abenteuer, das alle Zutaten eines klassischen 007-Films hat, auch wenn die Kritker Brosnan eher als „steif“ bezeichneten und die Befürchtung hatten, er würde von den starken Frauen an die Wand gespielt. Das Einspielergebnis sprach eine andere Sprache.
Der Medienmogul Elliot Carver, zu dessen Firmenimperium Fernsehsender und Zeitungen gehören, macht gerne Schlagzeilen – diesmal im wahrsten Sinne des Wortes: von einem getarnten Schiff aus lässt er einen chinesischen Kampfjet abschießen und ein britisches Schiff versenken. Die beiden Regierungen sollen sich gegenseitig die Schuld geben und einen Krieg beginnen. Carver will sich im Windschatten dieses Konflikts zum Informations-Weltherrscher aufschwingen. Sein Pech ist, dass die Geheimdienste beider Länder nicht recht an einen Angriff der jeweiligen Gegenseite glauben wollen und ihre besten Leute auf den Fall ansetzen: den britischen Agenten James Bond und die chinesische Spionin Wai Lin. Da Carver unglaublich gut informiert war über den „Zwischenfall“, beginnen beide ihre Nachforschungen in Hamburg, bei der deutschen Version seiner Zeitung „Tomorrow“, genannt „Der Morgen“. Als Carver darauf versucht, Bond umbringen zu lassen, wird diesem klar, dass er auf der richtigen Spur ist, die ihn nach Asien führt. Dort laufen bereits die Vorbereitungen für den letzten Schritt zum Krieg…
Synchronisation
Das schwierigste Stück Übersetzung an dem Film war der Titel, der auf verschiedene Weisen ausgelegt werden kann. „Der Morgen stirbt nie“ ist im wörtlichen Sinn aber falsch, „Tomorrow never dies“ bedeutet „Das Morgen stirbt nie“. Auf den Film bezogen ist die Übersetzung aber richtig, „Tomorrow“ ist der Name der Zeitung von Elliot Carver, die in vielen Ländern erscheint. Der Name der deutschen Ausgabe, die man im Film auch zu sehen bekommt, ist tatsächlich „Der Morgen“.
In der Szene, in der Bond am Flughafen in Deutschland nach seinem Auto fragt, fällt einem in der deutschen Fassung auf, dass der Synchronsprecher langsamer und sehr betont redet. Dass liegt daran, dass Brosnan hier im Original bereits Deutsch spricht, langsam und mit starkem Akzent.
Ein Blick auf die Story
Im Lauf der Zeit hat es sich Stück für Stück herausgearbeitet, dass es den Bond-Geschichten sehr gut tut, wenn diese irgendeinen Bezug zur Gegenwart haben. Damit wird unter anderem verhindert, dass die Geschichten zu abgehoben erscheinen und der Rest der Handlung verträgt dann auch schon mal etwas mehr Fiktion. Ein Medienmogul, der sein Imperium dazu ausnutzt, politischen Einfluss zu nehmen, dafür gibt es inzwischen mehr als ein Vorbild, etwa William Randolph Hearst oder Rupert Murdoch, um nur zwei zu nennen. Hearst wird sogar von Carver mit den Worten zitiert: „Liefern Sie die Fotos, ich liefere den Krieg.“
Jonathan Pryce spielt den Medienmogul mit Größenwahn tatsächlich so, wie es ein Bond-Gegner zu sein hat – raffiniert, charismatisch und sehr von sich selbst überzeugt. Auch seine Handlanger, wie der von den Deutschen Götz Otto verkörperte Killer Stamper, passen in die Liga klassischer Bond-Schurken. Das Szenario mit dem von einer dritten Macht provozierten Krieg ist zwar nicht gerade neu (man denke nur an „Man lebt nur zweimal“ oder „Der Spion, der mich liebte“), aber durch den Bezug auf die manchmal sehr manipulative Medienwelt hat der Film fast so etwas wie Gegenwartskritik. Besonders gut kommt das zum Ausdruck am Schluss: Carver fliegt mit seinem getarnten Schiff in die Luft, worauf M eine Pressemitteilung erstellen lässt, in der es heißt, Carver hätte einen Unfall mit seinem privaten Boot gehabt und gelte als vermisst. Für diesen Schurken ist es ein angemessenes Ende als falsche Schlagzeile und es zeigt, dass nicht nur er dieses Spiel spielt. Brosnan hatte mittlerweile zu seiner Interpretation von James Bond gefunden und spielte ihn durchaus lockerer als noch im vorigen Film. Und mit diesem Teil ging der Erfolg der Filmreihe ungebrochen weiter.
Sir Robert King, ein britischer Industrieller, wird durch einen Sprengstoffanschlag, der direkt im Hauptquartier von MI6 stattfindet, getötet. Der offensichtliche Grund sind die Bauarbeiten einer Pipeline in Aserbaidschan, die nun Kings Tochter Elektra fortführt. Bond wird zu deren Schutz abgestellt und muss bald schon ihr Leben retten, auch wenn diese dem Geheimdienst misstraut, seit sie vor Jahren von dem Russen Viktor Zokas, genannt „Renard“, entführt wurde. Als Bond die Spur der Angreifer nach Kasachstan verfolgt und dort auf Renard trifft, wird ihm klar, dass die Dinge offenbar nicht so liegen, wie sie scheinen…
Synchronisation
Wie schon erwähnt braucht es zum Wiedererkennen eines Schauspielers im Deutschen seine Stimme. In diesem Film spielt erstmals John Cleese (unter anderem bekannt durch die Produktionen der englischen Komiker-Truppe „Monty Python“) mit, der der Nachfolger von Q werden soll. Seit den Monty-Python-Filmen ist Cleeses Synchronsprecher Thomas Danneberg, der den Schauspieler auch hier übersetzen durfte.
Ein Blick auf die Story
„Die Welt ist nicht genug“, beziehungsweise die lateinische Entsprechung „orbis non sufficit“, ist das Familienmotto der Familie Bond, wie es in dem Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ enthüllt wird. Auf diese Weise wird ein Bezug zu den früheren Folgen hergestellt. Tragisch ist die Rolle von Desmond Llewelyn als Q, der in diesem Film seinen Nachfolger vorstellt, denn wie sehr dies seine Abschiedsvorstellung werden sollte, stellte man erst nach dem Ende der Dreharbeiten fest: Llewelyn starb vor der Premiere des Films bei einem Autounfall. Zwei absolute Premieren hat dieser Film: Zum ersten Mal sieht man das neue Hauptquartier des MI6 von außen, und zum ersten Mal ist M persönlich in eine Geschichte involviert.
Die Pipeline, die in dem Film von der Firma von Elektra King gebaut wird, hat ein Vorbild in der Realität, nämlich die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline von Aserbaidschan in die Türkei. Hierbei handelt es sich um den bereits angesprochenen Bezug zur Gegenwart, der einem Bond-Film gut tut. Zwar ist auch hier wiederum die Idee, ein wirtschaftliches Ziel dadurch zu erreichen, dass man durch radioaktive Verseuchung dafür sorgt, dass man Monopolist wird, nicht eben neu (in „Goldfinger“ will der Schurke durch das Verseuchen des Goldes in Fort Knox dafür sorgen, dass der Goldpreis in die Höhe schießt, womit sich auch sein nicht unerhebliches Vermögen vervielfacht), aber der neue Zusammenhang gibt der Geschichte einen interessanten Dreh, wie auch Elektras Stockholm-Syndrom, das den Zuschauer – und James Bond – am Anfang in die Irre führt.
Durch das Ausscheiden von Desmond Llewelyn spürt man allerdings, dass ein Wendepunkt naht. Llewelyn war der letzte Darsteller, der mit allen bisherigen Bond-Darstellern zusammengearbeitet hat. Wie groß dieser Wendepunkt sein sollte, das würde sich allerdings erst nach dem nächsten Film herausstellen.
James Bonds Mission in Korea wird verraten und er gerät in Gefangenschaft. Nach einiger Zeit wird er freigetauscht, allerdings außer Dienst gestellt, da man sich nicht sicher sein kann, ob er Geheimnisse verraten hat. Bond flieht aus dem Gewahrsam des MI6 und setzt sich auf die Fährte von Zao, gegen den man ihn eingetauscht hat. Zao ist Handlanger des koreanischen Colonel Moon, wegen dem der Agent in Korea war. Er erhofft sich Informationen über die Person, die seine Mission verraten hat. Zao ist in Kuba in einer Klinik, in der die DNS von Menschen manipuliert wird, um deren Aussehen zu verändern. Er trifft auf die amerikanische NSA-Agentin Jynx und kann Zaos Behandlung unterbrechen. Bezahlt wurde diese mit Diamanten, und die Spur führt zu dem Millionär Gustav Graves…
Synchronisation
Thomas Danneberg, der Sprecher von John Cleese, führte bei diesem Film Synchronregie und schrieb das Synchrondrehbuch. Wieder galt es, den Wiedererkennungswert der deutschen Stimme eines amerikanischen Schauspielers zu erhalten, in dem Fall die von Halle Berry, die – wie schon in vorigen Filmproduktionen – von Melanie Pukaß gesprochen wurde.
Der Film markiert ein mehrfaches Jubiläum: Es ist der 20. Teil der offiziellen James-Bond-Reihe, und seit der Premiere von „James Bond jagt Doktor No“ sind 40 Jahre vergangen. Man hatte sich eigentlich bemüht, für das Jubiläum endliche die Filmrechte an „Casino Royale“ zu bekommen, doch das verzögerte sich. Man wollte aber das Jubiläum nicht einfach so vergehen lassen, also entstand „Stirb an einem anderen Tag“.
Der Film ist voller Anspielungen auf vergangene Bond-Abenteuer, am Auffälligsten in Qs Werkstatt, in der sich verschiedene Gadgets aus alten Zeiten befinden (unter anderem das „Krokodil-U-Boot“ aus „Octopussy“, der Messerschuh aus „Liebesgrüße aus Moskau“ oder die Ein-Mann-Rakete aus „Feuerball“). Mit Halle Berry als Jinx wurde Bond eine gleichwertige Partnerin an die Seite gestellt, so dass es offenbar für kurze Zeit die Überlegung gab, der Dame ihre eigene Filmreihe zu geben. Doch seither hat man nicht mehr davon gehört.
Der Film ist etwas zwiespältig, er schafft es tatsächlich, den Flair vergangener Filme wieder einzufangen, andererseits schoss man mit einzelnen Ideen (wie dem Todeslaser aus dem All oder dem unsichtbaren Auto) leicht über das Ziel hinaus. Ausgeglichen wurde das durch die Ironie, die die Geschichte mit einem quasi permanenten Augenzwinkern erzählt. Immerhin erfahren wir auf diese Weise auch, wie Bond es geschafft hat, sich in den letzten 40 Jahren permanent zu verjüngen, denn ganz offenbar ist DNS-Manipulation, die uns in diesem Film begegnet, dafür verantwortlich 😉 (gut, in den 1970er Jahren steckte die Methode noch in den Kinderschuhen, was erklären würde, warum der verjüngte Bond in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ nach dem Tod seiner Frau wieder so aussah wie vorher).
Für diese Reihe bildet die 20. Episode ein würdiges Finale, denn das wurde sie. Film Nr. 21 sollte von einem anderen Bond handeln, einem neuen Bond in einer anderen Welt. Der James Bond dieser Welt jedoch war dazu bestimmt, seine Karriere zu beenden. Und das tat er.
Ende? Nein, noch immer nicht ganz. Mit einem Augenzwinkern erlaube ich mir anzukündigen: James Bond wird noch einmal zurückkehren in:
AGENT IM RUHESTAND: Sean Connery ist (schon wieder) James Bond
1987: In nur zwei Jahren schafft es der Geheimdienst, Bond erneut auf Vordermann zu bringen. Nicht weniger als beinahe zwanzig Jahre werden von ihm genommen. Doch er ist nachdenklich geworden, zweifelt an seiner Arbeit und wendet sich schließlich sogar gegen seinen Arbeitgeber.
Bei einer Übung am Felsen von Gibraltar werden zwei Doppelnull-Agenten von einem unbekannten Angreifer umgebracht. Bei einem wird ein Zettel mit der Aufschrift „Smiert Spionom“ gefunden, was einen Hinweis auf die Russen gibt. Als Bond den russischen Überläufer Georgi Koskov von Bratislava aus in den Westen bringt, berichtet dieser, „Smiert Spionom“ (Deutsch: „Tod den Spionen“) sei ein altes KGB-Programm, das von General Leonid Pushkin wieder erweckt worden sei. Bevor Koskov jedoch mehr erzählen kann, wird er augenscheinlich entführt und zurückgeholt. Bond entdeckt Ungereimtheiten in der Geschichte. Seine Spur ist Kara Milovy, eine Cello-Spielerin, die bei Koskovs Flucht in Bratislava versucht hat, auf ihn zu schießen. Bond hielt sie zuerst für eine KGB-Scharfschützin, doch er findet heraus, dass sie Koskovs Freundin ist und jener offenbar mit dem Waffenhändler Brad Whitaker zusammenarbeitet. Bond reist nach Tanger, um Pushkin auf den Zahn zu fühlen…
Synchronisation
„Whoever she was, it must have scared the living daylights out of her.“ Wieder ein Titel, der sich nicht so einfach ins Deutsche übertragen ließ. Unglücklich war nur, dass nach „Im Angesicht des Todes“ noch eine Übersetzung gewählt wurde, die schon wieder „Tod“ enthielt. „Living daylights“ könnte man ungefähr mit „Lebenslicht“ übertragen, im Englischen kann man diese aus jemanden sowohl herausprügeln („to beat the living daylights out of somebody“), als auch – wie Bond die Phrase benutzt – heraus „erschrecken“. Immerhin hat man dieses Mal bei der Synchro darauf geachtet, den Titel in Bezug zum Film zu setzen und hat Bonds Kommentar mit „Wer auch immer sie war, sie hat bestimmt den Hauch des Todes gespürt.“ übersetzt. Der „Playboy-Pfiff“, mit dem der detonierende Schlüsselanhänger von Q aktiviert wird, ist im Original ein „wolf whistle“, ist aber ungefähr das gleiche.
Nicht ins Deutsche herüber kam der Wortwitz, den 007 nach dem Kampf mit Necros bringt. Die beiden kämpfen in einem Netz an einem Flugzeug hängend. Necros hält sich schließlich an Bonds Stiefel fest, worauf jener die Schnürsenkel durchschneidet und den Killer mitsamt seinem Schuh abstürzen lässt. Als James ins Cockpit kommt, sagt er: „He’s got the boot!“, was im übertragenen Sinn auch bedeutet „Er wurde entlassen/rausgeworfen.“ Auf Deutsch lautet der Satz: „Er hat meinen Stiefel.“, was in dem Moment zwar ganz witzig ist, aber nicht mit dem englischen Text mithalten kann.
Ein Blick auf die Story
Unlängst war ich auf der Hochzeit eines guten Freundes. Bei einer Gelegenheit sprache wir über die Bond-Reihe und die beiden Filme mit Timothy Dalton. Sein Kommentar dazu war, dass die Filme gut seien – nur eben nicht Bond. Tatsächlich war man bei der Produktion erneut darauf bedacht, etwas anders zu machen und dazu die Tatsache, dass ein neuer Schauspieler Bond verkörpern würde, auszunutzen. Zum einen war die AIDS-Problematik, die Mitte der 1980er Jahre immer mehr aufkam. Bond musste sich einschränken, was die Frauen betraf, sein Charakter sollte menschlicher und zugleich rauer werden. Außerdem sollte der Humor, der für den „Moore-Bond“ so typisch war, stark zurückgenommen werden. Damit wurde ein harter Schnitt gemacht, der von den Fans natürlich bemerkt wurde.
Timothy Dalton wurde die Rolle angeboten, weil Albert R. Broccoli ihn für einen guten Bond hielt, doch zunächst war er wegen eines Filmdrehs nicht verfügbar. Daraufhin suchte man nach anderen Darstellern (unter anderem sprach Sam Neill, der später „Jurassic Park“ und „Merlin“ drehte, vor) und entschloss sich letztlich für Pierce Brosnan, der gerade die letzten Episoden seiner Serie „Remington Steele“ drehte. Doch plötzlich wurden neue Drehbücher nachgereicht, Brosnan war damit nicht mehr verfügbar. Durch die Verzögerung rückte der Drehstart so weit nach hinten, dass nun Timothy Dalten wieder Zeit hatte – und die Rolle diesmal bekam.
Kritisch ist – aus heutiger Sicht – die Darstellung der Situation in Afghanistan zu sehen, die einem simplen „Gut-Böse-Schema“ folgt, in dem die Mudschaheddin als die „edlen Rebellen“ dargestellt werden. Das war die damals übliche Sicht des Westens, und keiner konnte sich vorstellen, in welche Richtung sich die Situation in Afghanistan entwickeln würde (vereinfacht gesagt: nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen 1989 begann ein Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Mudschaheddin-Gruppierungen, aus dem 1994 die Taliban hervorgingen, die das Land übernahmen – der Rest ist Geschichte).
James Bond wurde wieder mehr seiner Roman-Vorlage angepasst, er ist streckenweise brutaler und emotionaler, allerdings mehr in einer aufbrausenden Art, nicht so sehr wie in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. Blickt man an diesem Punkt auf die Filmreihe zurück, so macht 007 weniger eine Entwicklung durch, sondern er springt vom Charakter hin und her. Von daher kann man natürlich sagen, „Der Hauch des Todes“ ist kein Bond, weil der Bruch zwischen Roger Moore und Timothy Dalton sehr stark ist und nicht erklärt wird. Aber es ist gute Unterhaltung – und so lange die Leute, die es schreiben und produzieren, sagen, dass es Bond ist, so lange ist es Bond. Auch in diesem Film wurde kein Titel für die Fortsetzung genannt, sondern es hieß einfach nur: „James Bond will return“.
Der südamerikanische Drogenbaron Franz Sanchez will seine Freundin abholen und muss sich dazu in die USA wagen. Darauf hat die Drogenbehörde gerade gewartet. Auf dem Weg zu seiner Hochzeit wird Felix Leiter abgefangen, die Festnahme durchzuführen. James Bond, der als Trauzeuge fungiert, kommt mit. Gemeinsam gelingt es ihnen, Sanchez festzusetzen. Doch ein korrupter Polizist sorgt kurz darauf dafür, dass er wieder freikommt. Er rächt sich an Leiter, indem er dessen Frau tötet und ihn von Haien schwer verwunden lässt. Als die CIA keine Anstalten macht, ernsthaft nach Sanchez zu suchen, übernimmt Bond das auf eigene Faust. Er spürt den korrupten Polizisten auf und entdeckt eine Spur, die zu dem Meeresforscher Milton Krest führt. Da schreitet M ein. Er verbietet Bond weitere Untersuchungen, worauf der Agent den Dienst quittiert und sich in Sanchez‘ Organisation einschleicht…
Synchronisation
Einmal mehr wurden bei der Synchronisation die Akzente verschiedener Personen, zum Beispiel der von Sanchez, nicht mit übernommen. Jener wird übrigens von Uwe Friedrichsen gesprochen. Unübersetzbar blieb leider 007s Bemerkung, als M ihn im Hemingway-Haus die Lizenz zum Töten entzieht und ihn auffordert, seine Dienstwaffe abzugeben. Bond sagt: „I guess, it’s a farewell to arms.“ „A Farewell to Arms“ ist der deutsche Titel des Romans „In einem andern Land“ von Ernest Hemingway. Von der literarischen Anspielung konnte ins Deutsche leider nur die wörtliche Übersetzung übertragen werden: „Jetzt heißt es wohl, Abschied nehmen von den Waffen.“ Darios Antwort auf Leiters Frage nach seiner Frau, als dieser von Sanchez gefangen genommen wurde, lautet: „She’s got a nice honeymoooon.“ Die deutsche Übersetzung ist deutlicher: „Sie verbringt ihre Hochzeitsnacht mit dem Tod!“
Zwei Dinge hakten etwas bei der Synchro: Zum einen wird der Begriff „Q Branch“ nicht übersetzt und in der deutschen Fassung so verwendet, als sei es ein Eigenname (Moneypenny verlangt „Q Branch“ am Telefon und Q selbst sagt „…gäbe es keinen Q Branch…“). „Branch“ bedeutet hier aber soviel wie „Abteilung“. Zum anderen siezen sich Bond und Pam Bouvier bis zum Schluss, während er Lupe – Sanchez‘ Freundin – duzt.
Das hat zwar weniger mit der Synchronisation zu tun, aber mit der deutschen Version, diese wurde nämlich gekürzt. Es fehlt ein Teil der Szene, in der Sanchez seinen Handlanger Krest in der Druckkammer tötet, sowie am Ende, als Sanchez in Flammen aufgeht. Nichtsdestotrotz wurde der Film wegen seiner Brutalität mit „Freigegeben ab 16 Jahren eingestuft“.
Ein Blick auf die Story
Wieder einmal wollte man etwas ändern und den Film-Bond dem Roman-Bond noch mehr anpassen. Dazu stützte man sich auf Ian Flemings Beschreibung der Figur in „Casino Royale“. In der Tat wurde Bond brutaler und nicht nur in Deutschland deswegen in der Freigabe höher eingestuft. Doch der Film spaltete die Fans in jene, die die Änderungen Fleming angemessen fanden, und jene, die diesen Bond nicht wiedererkannten. Das spiegelte sich auch im Einspielergebnis wieder – der Film konnte mit seinen Vorgängern nicht mithalten.
„Lizenz zum Töten“ ist der erste Film, der völlig unabhängig von Flemings Romanen entstand. Es wurde lediglich eine Szene aus „Leben und sterben lassen“, die man in dem damaligen Film nicht verwendet hat, übernommen (die Szene, in der Leiter von einem Hai angegriffen wird und Bond nach Beweisen in einer Lagerhalle mit Fischködern sucht), außerdem wurde der Name der Figur Milton Krest und seines Schiffes „Wavekrest“ aus der Kurzgeschichte „The Hildebrand Rarity“ entnommen (allerdings nur die Namen). Der Film ist tatsächlich ungewöhnlich brutal. Daltons James Bond ist jedoch eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was man in „Der Hauch des Todes“ bereits angefangen hatte.
Die gespaltenen Kritiken, die sich lediglich darin einig waren, dass dieser Film tatsächlich näher an Flemings Bond sei, die gespaltene Fanmeinung und die nicht gerade überragenden Einspielergebnisse taten ihr übriges dazu, dem „Bond-Franchise“ eine Pause zu verpassen. Noch dazu begann 1989, als „Lizenz zum Töten“ herauskam, eine Entwicklung, die zum Fall der Berliner Mauer, zum Zusammenbruch der Sowjetunion und zum Ende des kalten Krieges führen sollte. Damit stand die Frage im Raum, welche Rolle 007 in Zukunft spielen sollte. Gab es überhaupt noch einen Platz für ihn? Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage dauerte nicht weniger als sechs Jahre.
Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:
AGENT MIT IDENTITÄTSKRISE: Pierce Brosnan ist James Bond
1973: James Bond hat offenbar wiederum einen Aufenthalt in der Shrublands-Klinik hinter sich, denn er sieht erfrischt aus. Allerdings ist er ein noch stärkerer Zyniker geworden, dem das Töten seiner Gegner fast unangenehm zu sein scheint, auch wenn es zu seiner Arbeit dazu gehört.
Zeitgleich werden drei Agenten des britischen Geheimdienstes an drei verschiedenen Orten getötet: In New York, in New Orleans und auf der Karibikinsel San Monique. Die Hinweise deuten auf die Gangstergröße Mr. Big, der in irgendeiner Weise mit dem Diplomante von San Monique, Doktor Kananga, in Verbindung zu stehen scheint. Kananga wird von Solitair beraten, einem Medium, die aus Tarot-Karten liest. Bei seinen Untersuchungen auf San Monique entdeckt Bond große Mohnfelder. Offenbar wird von hier Mr. Big beliefert, der den amerikanischen Markt mit Drogen versorgt. Bond kann Solitair aus den Händen von Kananga befreien, aber als er sie nach Amerika bringt, schreitet Mr. Big ein…
Synchronisation
Ein neuer Bond – eine neue Stimme. Die Änderungen gegenüber dem Original halten sich in Grenzen. Aus irgendeinem Grund wurde in den beiden Szenen, in denen Felix Leiter telefoniert (einmal, nachdem Bond ihn anruft, um zu berichten, dass sein Fahrer erschossen wurde, das zweite Mal, als der erboste Fluglehrer anruft wegen des Schadens an seinem Flugzeug), Text hinzugefügt: In der deutschen Version hört man leise den jeweiligen Anrufer aus dem Telefon, im Original ist gar nichts zu hören. Und Bonds letzter Satz über Tee Hee, nachdem er diesen aus dem Zugfenster befördert hatte und seine Armprothese hinterher warf, musste leider geändert werden, da der Wortwitz in „Just being disARMing.“ nicht übersetzbar ist. Auf Deutsch sagt Bond, er habe hier „den Arm von dem Armleuchter“.
Eine Kuriosität ist der Auftritt von Sheriff Pepper, dessen Vorname in diesem Film in der Synchro mit „Nepomuk“ angegeben wird, er im nächsten Film aber plötzlich – wie im Original – „J.W.“ heißt.
Wieder ein wenig weg vom Gigantismus, mehr hin zum Boden, so kann man diesen Film umschreiben. Die Welt wird nicht bedroht, es geht „lediglich“ um Drogenschmuggel im großen Stil. Auch die Gadgets sind überschaubar, überhaupt wird Q nur erwähnt, er taucht aber selbst nicht auf (Desmond Llewelyn war nicht verfügbar).
Zu Beginn musste erst einmal ein neuer Darsteller für James Bond gefunden werden, nachdem Burt Reynolds im Gespräch war, entschied man sich aber doch für Roger Moore. Seine Darstellung von Bond ist humoristischer und zugleich etwas vornehmer, ein klarer Kontrast zu dem brutaleren Connery-Bond. Dennoch gingen die Produzenten ein Risiko ein, ausgerechnet dieses Skript zu verfilmen, da es einige Klischees bedient: ein korrupter karibischer Diplomat, ein schwarzer Verbrecher und eine schwarze Gefolgschaft, deren Loyalität durch Voodoo-Rituale erhalten wird. Damit lieferte es natürlich eine Steilvorlage für die Kritiker, wenngleich das Filmskript in wesentlichen Teilen von der Romanvorlage abwich. Teilweise wurden auch Szenen erst in späteren Bond-Filmen aufgegriffen, etwa dass Bond und das Mädchen an einem Seil hinter einem Boot durchs Wasser gezogen werden (in „In tödlicher Mission“ realisiert) oder dass Felix Leiter vom Bösewicht den Haien zum Fraß vorgeworfen wird und Bond in einer Fischköder-Lagerhalle wichtige Hinweise findet (zu sehen in „Lizenz zum Töten“). Der Jamaikaner Quarrel, der Bond in der Geschichte zur Seite steht, musste für den Film zu „Quarrel Junior“ werden, da der „ursprüngliche“ Quarrel ja bereits in „Doktor No“ getötet wurde (die Reihenfolge der Romane ist aber umgekehrt, „Leben und sterben lassen“ kommt vor „Doktor No“).
Bei diesem Film handelt es sich wiederum um eine nette Abenteuergeschichte, die allerdings ein paar Merkwürdigkeiten enthält. Dass man versucht hat, den Moore-Bond von dem Connery-Bond abzugrenzen, hat der Entwicklung der Reihe und der Figur nicht geschadet, im Gegenteil. Zu den Merkwürdigkeiten gehören vielmehr die bedienten Klischees und der Tod von Mr. Big, dem Bond eine Gaspatrone in den Mund steckt, woraufhin er sich aufbläht, bis er platzt. Bisher kannte man diesen Phänomen hauptsächlich von eingebildeten Schauspielern, und bei aller Fantasie, aber in einem Bond-Film wirkt ein solches Ende etwas lächerlich.
Der Abspann kündigte wiederum Bonds Rückkehr an, diesmal in „Der Mann mit dem goldenen Colt“.
Energie-Krise: Der britische Geheimdienst ist auf der Suche nach dem Solex-Generator, einem Gerät, das Hochwirksam Strom aus Sonnenlicht herstellen soll. Doch als Bond den Auftrag erhält, trifft eine Lieferung beim Geheimdienst ein: ein Päckchen mit einer goldenen Kugel, in die „007“ eingraviert ist. Goldene Kugeln sind das Markenzeichen des teuersten Auftragsmörders der Welt, Francisco Scaramanga. Da M glaubt, dass jemand Scaramanga auf Bond angesetzt hat, wird der Auftrag geändert: Bond soll erst den Killer zur Strecke bringen. Als er dessen Spur aufnimmt, wird er zufällig Zeuge, wie Scaramanga den Wissenschaftler Gibson erschießt, der den Solex-Generator erfunden hat. Offenbar war die Kugel mit der 007-Gravur nur eine Ablenkung. Hinter dem Anschlag auf Gibson steckt der Industrielle Hai Fat, der nun das Solex besitzt. Doch auch Scaramanga hat seine eigenen Pläne mit dem wertvollen Gerät…
Synchronisation
Die merkwürdige Wandlung des Namens von Sheriff Pepper, der im vorigen Film auf Deutsch noch „Nepomuk“ hieß und hier nun „Dschei Dabblju“ („J.W.“) genannt wird, wurde schon angesprochen. Vermutlich hat bei der Synchro niemand mehr daran gedacht, dass man in „Leben und sterben lassen“ diese Änderung vorgenommen hat. Auch ansonsten ist die Übersetzung sehr „frei“, was offenbar am deutschen Dialogschreiber lag, wie man mir erklärt hat. Fallengelassen wurde bei manchen Figuren – wie es bei Bond beinahe schon üblich ist – der jeweilige Akzent: Schnickschnack (Original „Nicknack“, gelungene Übertragung des Namens) spricht eigentlich mit stark französischem Einschlag, Hai Fat mit asiatischem. Auch sehr gelungen ist die Übersetzung des Namens von Hai Fats Pool-Gespielin, sie heißt auf Englisch „Choo Mi“ (gesprochen wie „chew me“, also eine sexuelle Anspielung), ihr deutscher Name „Hash Mish“ ist zwar etwas harmloser, aber durchaus angemessen.
Ein Blick auf die Story
Es gibt Vermutungen, die besagen, dass „Der Mann mit dem goldenen Colt“ zum größten Teil gar nicht von Ian Fleming stammt. Der Roman wurde erst nach dessen Tod veröffentlicht, angeblich hätte er ihn noch beenden können. Fans sehen jedoch in dem wechselnden Schreibstil innerhalb der Geschichte ein Anzeichen dafür, dass Fleming lediglich ein Konzept und einen Teil des Romans fertigstellen konnte, und dass ein zweiter Autor alles aufgearbeitet hat. Für den Film ist das alles unerheblich, denn außer den beteiligten Figuren wurde die Handlung neu aufgebaut, wobei man auf Aktualität setzte. Mit der Geschichte um das „Solex“ wurde das Thema „Energiekrise“ aufgegriffen. Bond sollte sich in Zukunft in diese Richtung entwickeln und immer mehr aktuelle Trends aufgreifen.
Allerdings darf man davon nicht zu viel erwarten. Der Rest der Geschichte ist mehr Science Fiction als Fakt, wenn sich Scaramanga mit Hilfe des Solex eine Laserkanone baut. Entsprechend aufwändig ist die Ausstattung. Das Thema des Romans, nämlich der Auftragsmörder, der von Bond im Zweikampf besiegt wird, wurde als Höhepunkt des Films gestaltet und durch das Spiegelkabinett Scaramangas erweitert, um es interessanter zu machen (hier kann man auch einige der Filmfehler finden, etwa wenn die „Wachsfigur“ von Alphonse „Scarface Al“ Capone blinzelt oder Scaramanga der James-Bond-Figur vier Finger mit drei Schüssen abschießt).
Was sich in diesem Film endgültig etabliert hat, ist der bisweilen sehr schwarze Humor, der zwar bereits mit Connery seinen Anfang nahm, aber von Moore perfektioniert und auf die Spitze getrieben wurde. „Der Mann mit dem goldenen Colt“ reiht sich somit ein bei den exotischen Abenteuergeschichten, die zwar kurzweilig sind, aber nicht zu ernst genommen werden dürfen.
Und erneut wurde die Fortsetzung angekündigt, obwohl sich bei Fertigstellung dieses Films dunkle Wolken ankündigten. Die Fortsetzung sollte „Der Spion, der mich liebte“ sein.
Schon wieder mal steht die Welt am Rand eines Krieges: ein britisches und ein russisches U-Boot sind verschwunden und die Nationen bezichtigen sich gegenseitig, dafür verantwortlich zu sein. Die Geheimdienstchefs beider Länder sind jedoch überzeugt, dass da etwas anderes dahinter steckt und schicken ihre jeweils besten Leute aus, um Nachforschungen anzustellen. Für England ist das selbstverständlich Agent 007, James Bond. Für Russland kommt Agent XXX („Triple-X“) ins Spiel, Anya Amasova. Bond und sie verbindet dummerweise eine tragische Geschichte, denn Bond hat Anyas Geliebten im Verlauf seiner letzten Mission getötet. Nachdem die Agenten zuerst gegeneinander arbeiten werden sie schließlich von ihren Regierungen gemeinsam auf die Sache angesetzt.
Der Mann hinter den Entführungen ist Karl Stromberg, ein reicher Sonderling. Er hat die U-Boote mit Hilfe seines Supertankers „Liparus“ entführt, um die entstandene Krise herbeizuführen. Um den Krieg endgültig auszulösen, plant er, die U-Boote vor dem jeweils gegnerischen Land in Stellung zu bringen und eine Atomrakete abzuschießen. Der atomare Gegenschlag erfolgt dann automatisch. Stromberg ist der Ansicht, dass die dekadente Menschheit ausgelöscht werden muss, damit sie von Neuem beginnen kann. Er selbst will sich das Spektakel von seiner Unterwasserstation „Atlantis“ aus ansehen…
Synchronisation
Hier wurde nun wieder solidere Arbeit geleistet, nachdem man sich auf den „Bond-Stil“ eingeschossen hatte. Das führte dazu, dass sogar ein Bonmot eingefügt wurde, wo eigentlich gar keins war: Als Bond Strombergs Handlanger Beißer („Jaws“ im Original) in das Becken mit den Haien fallen lässt, sagt er: „Ah-Hai!“ (betont wie „Ahoi!“).
Ein Blick auf die Story
Reicher Industriemagnat entführt U-Boote, um die Militärmächte in einen Atomkrieg zu stürzen. Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? Ja, in der Tat, tauscht man die U-Boote gegen Weltraum-Raketen, dann ist das der rote Faden von „Man lebt nur zweimal“. In der Tat hat „Der Spion, der mich liebte“ gar nichts mit der Vorlage von Fleming zu tun, da jener verfügt hatte, dass man von diesem Roman nur den Titel nehmen dürfe, aber keine Teile der Handlung. Also wurde ein Connery-Bond „recycelt“, allerdings in die Gegenwart geholt. Wie schon damals, so wurde auch diesmal die bislang größte Kulisse für einen Bond-Film gebaut, wofür man die weltgrößte Filmhalle baute und sie „Stage 007“ nannte.
Hinter den Kulissen hatte es nach „Der Mann mit dem goldenen Colt“ allerdings Probleme gegeben: Harry Saltzman hatte sich finanziell übernommen und schied aus der Partnerschaft mit Albert R. Broccoli aus.
Der Film gibt quasi ganz nebenher ein paar Informationen preis, etwa dass Ms Vorname „Miles“ lautet, der des russischen Generals Gogol (der ab sofort regelmäßig in den Filmen zu sehen sein sollte) „Alexis“ und sogar Q wird mit „Major Boothroyd“ angesprochen. Die britisch-russische Kooperation in der Handlung ist eine konsequente Fortführung des Gedankens, im Gegensatz zu Flemings Romanen die Russen nicht als Bösewichte dastehen zu lassen. Der weibliche russische Agent war zudem eine Weiterentwicklung des „typischen“ Bond-Girls, das eigentlich kaum mehr zu tun hatte, als gut auszusehen und sich vom Bösewicht entführen zu lassen. Auch Bonds Welt wandelte sich im Lauf der Zeit, obwohl Anya Amasova im Vergleich zu den Frauenrollen späterer Bonds („Goldeneye“, „Stirb an einem anderen Tag“) natürlich noch sehr harmlos wirkt. Überraschenderweise gab es Jahre später offenbar keine rechtlichen Schwierigkeiten, als man zwei Filme mit dem Titel „xXx“ (oder „Triple-X“) verfilmte, obwohl diese Bezeichnung in diesem Bond-Film eingeführt wurde.
Wem es nichts ausmacht, in diesem Film die Variante einer Geschichte zu sehen, der wird auch hier gut unterhalten. Als Fortsetzung wurde hier „For Your Eyes Only“ angekündigt, allerdings sollte ein gewisser George Lucas Schuld daran sein, dass sich das spontan änderte.
Ein Space Shuttle, der auf dem Rücken eines Flugzeugs nach England gebracht werden soll, verschwindet. Das Flugzeug stürzt ab, es werden jedoch keine Trümmer des Raumgleiters gefunden. James Bond soll dem Firmenchef Hugo Drax auf den Zahn fühlen, dessen Firma den Shuttle, der „Moonraker“ heißt, hergestellt hat. Doch kaum kommt Bond bei Drax an, wird mehrfach versucht, sein Leben mit Gewalt zu beenden. Der Agent folgt einer Spur, die ihn nach Venedig in ein Labor führt, in dem große Globen mit Ampullen ausgestattet werden. Diese Ampullen enthalten ein Gift, das auf Menschen tödlich wirkt, aber keinen Einfluss auf Tiere zu haben scheint. Drax plant vom südamerikanischen Dschungel aus etwas ganz Großes…
Synchronisation
Die Synchronisation hat sich mittlerweile eingespielt, die Korrekturen annehmbar und nur dort, wo es wirklich nötig war (zum Beispiel zitiert Bond beim Anblick des mit lauter Pärchen gefüllten Passagierabteils der Moonraker ein Kinderlied: „The animals went in two by two.“, in dem es um die Tiere geht, die auf die Arche Noah gehen; auf Deutsch sagt er: „Alle paarweise, wie damals.“).
Ein Blick auf die Story
Hugo Drax, eigentlich Heinz von der Drache, ein Ex-Nazi, möchte die „Moonraker“, eine Atomrakete, die England verteidigen soll, in einem Racheakt dazu verwenden, um London dem Erdboden gleichzumachen. Soweit Flemings Geschichte. Offenbar hatte man keine rechte Inspiration gefunden, diesen Roman zu verfilmen, denn eigentlich wollte man „For Your Eyes Only“ produzieren, der immerhin nur auf einer Bond-Kurzgeschichte basiert hätte. Dann aber kam „Star Wars“ in die Kinos und Science Fiction lebte neu auf. Bond sollte auf der Welle mitreiten. Ob das eine gute Idee war, daran scheiden sich bis heute die Fans. Für manche ist „Moonraker“ der Tiefpunkt der Reihe, der im Gegensatz zu dem starken Roman abfällt. Für andere wiederum ist auch das „einfach Bond“.
Dass die Filmmacher ihre Idee selbst nicht ganz ernst nahmen, sieht man an vielen fast schon parodistischen Seitenhieben, etwa wenn Bond eine Tür mit einem Codeschloss öffnet und die Tasten der Zahlen dabei die Tonfolge aus „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ spielt, oder eine Szene in Südamerika, die mit der Musik aus „Die glorreichen Sieben“ unterlegt ist. Auch Beißer, der Killer mit dem Stahlgebiss, durfte zurückkehren, was an der vielen Fanpost lag, die das Studio seinetwegen erhalten hatte. Weil er den Fans so am Herzen lag, wechselte er am Ende des Films auf die Seite der Guten und durfte sogar seine ersten Worte sprechen. Da wird der Film beinahe nachdenklich, Bond konfrontiert Beißer mit der Aussichtslosigkeit seiner Lage, als er aus Drax herauskitzelt, wie er die Menschen gerne hätte: Physisch perfekt, was natürlich weder Beißer mit seinem Kunstgebiss, noch dessen unterdurchschnittlich große Freundin mit Brille erfüllen können.
„Moonraker“ ist ein gewaltiges Bond-Spektakel, das (im wahrsten Sinne des Wortes) sehr abgehoben daher kommt, bei dem man aber auch Spaß haben kann, vor allem als Fan der Science Fiction. In diesem Bond-Universum ist eben viel möglich. Ob Fleming von dieser Umsetzung seines Stoffes begeistert gewesen wäre, kann ich nicht sagen.
Als Fortsetzung wurde erneut „For Your Eyes Only“ angekündigt, diesmal durfte es auch sein.
Ein getarntes Schiff des britischen Militärs ist versenkt worden. An Bord des Schiffes befand sich ATAC, ein System, mit dem sich die britischen U-Boote aufspüren lassen. Der britische Geheimdienst wendet sich an das Unterwasser-Archäologen-Ehepaar Havelock, doch bevor diese den ATAC bergen können, werden sie ermordet. Bond wird auf die Spur des Killers angesetzt und lernt die Tochter der Havelocks kennen, Melina. Der Agent bekommt einen entscheidenden Tipp von dem griechischen Reeder Kristatos: Columbo, ein Schmuggler, soll hinter der ganzen Sache stecken. Doch bei seinen Nachforschungen am Mittelmeer muss Bond feststellen, dass die Dinge nicht ganz so sind, wie sie scheinen.
Synchronisation
„Stingin‘ in the rain…“ Das ist Bonds Original-Kommentar zu dem tödlichen Regenschirm, den er in Qs Labor sieht. Sprich: Es wurden die üblichen Anpassungen von Bonds Wortspielen gemacht, die sich nicht wörtlich ins Deutsche übetragen ließen. Da dieser Bond-Film aber wiederum etwas anders ist als andere Filme der Reihe, gab es ansonsten nicht viel abzuweichen. Verloren geht in der deutschen Fassung natürlich leider die Originalstimme der Margaret-Thatcher-Darstellerin, die am Ende des Films auftaucht: Janet Brown war die gefragteste Parodistin der damaligen britischen Premierministerin, weil sie nicht nur so aussah, wie das Original, sondern auch so klang.
Der Titel „In tödlicher Mission“ hat mit der Übersetzung des Satzes „For Your Eyes Only“ nichts zu tun, dieser bedeutet wörtlich „Nur für Ihre Augen bestimmt“ und ist ein Hinweis auf geheimen Akten, dass diese nur vom Empfänger – und von niemand sonst – zu lesen seien. Die Kurzgeschichte, auf der der Film basiert, wurde eingedeutscht mit „Für Sie persönlich“, was natürlich keinen griffigen Filmtitel abgibt. Insofern ist die freie Übertragung des Titels zu verschmerzen.
Ein Blick auf die Story
Obwohl „Moonraker“ kein Misserfolg gewesen war, besannen sich die Filmproduzenten darauf, wieder eine „bodenständigere“ Episode zu schreiben, die weder einen „Superschurken“ noch die Zerstörung der Welt beinhalten sollte. Dazu namen sie die Handlung der Bond-Kurzgeschichten „For Your Eyes Only“ und „Risico“ und verbanden sie über die Handlung mit dem ATAC. In „For Your Eyes Only“ wird Bond von M beauftragt, nach dem Mörder des Ehepaars Havelock zu suchen, gute Freunde von M. Dabei kommt er deren Tochter, die in der Geschichte übrigens Judy heißt, in die Quere, und gemeinsam erledigen sie die Mörder. „Risico“ handelt davon, dass Bond einen Rauschgiftschmuggler zur Strecken bringen soll, über den er von Kristatos erfährt: Columbo. Doch Columbo kann Bond überzeugen, dass Kristatos der wahre Bösewicht ist und zusammen mit dessen Gefolgsleuten überfallen sie ein Lager, in dem Opium für den Weitertransport liegt. Das Lager wird zerstört und Kristatos getötet.
Erstaunlich ist dabei, dass gerade die Handlung von „Risico“ sehr genau in den Film eingeflossen ist (bis auf ein paar kleine Änderungen, zum Beispiel, dass das Tonband, mit dem Columbo das Gespräch zwischen Kristatos und Bond belauscht, nicht in einem Kerzenhalter, sondern in einem Stuhl untergebracht ist, oder der Tod von Columbos Freundin Liesl), während „For Your Eyes Only“ einige sehr starke Änderungen erfuhr. Eingefügt wurde zudem eine Szene aus dem Roman „Leben und sterben lassen“: Bond und das Mädchen werden an einem Seil hinter einen Boot hergezogen.
Dass man wieder auf den Boden zurückkommen wollte, zeigt sehr deutlich die Zerstörung von Bonds Lotus, der explodiert, als ihn einer der Handlanger des Bösewichts stehlen will und der Agent und Melina daraufhin in Melinas Ente vor den Verfolgern flüchten. Dass man „alte Geschichten“ hinter sich lassen wollte, sieht man an der Eröffnungssequenz: Ein kahlköpfiger Mann im Rollstuhl, der eine weiße Katze auf dem Schoß hat (es wird nicht ausdrücklich gesagt, aber es handelt sich eindeutig um Bonds frühere Erz-Nemesis Ernest Stravro Blofeld), versucht, 007 mit einem ferngesteuerten Helikopter zu töten. Gleichzeitig wird aber dadurch, dass Bond in der gleichen Szene das Grab seiner Ehefrau Tracy (aus „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“) besucht, ein Bezug zu einer früheren Schlüsselepisode hergestellt und gezeigt, dass Bond immer noch die gleiche Person ist, auch wenn er jetzt anders aussieht.
Die Abwesenheit von M in diesem Film hatte einen tragischen Hintergrund: Bernard Lee, der Darsteller der Rolle, war kurz vor Beginn der Dreharbeiten gestorben. Aus Respekt vor ihm wurde die kein neuer Schauspieler für M in diesem Film gesucht, sondern Stabschef Bill Tanner übernahm die Aufgabe, den Agenten auf seine Mission zu schicken. In anderen Szenen wurde Ms Text von Q übernommen.
Kritisch sah das Team selbst eine Szene, in der Bond kaltblütig einen Gegner tötet: Locque hängt mit seinem Auto über einer Klippe und droht abzustürzen. 007 kommt dazu und verpasst dem Auto einen Tritt, so dass es in die Tiefe stürzt. Alles das sind Elemente, mit denen man versuchte, eine Art neue Linie herauszuarbeiten. Und so funktioniert der Film auch, wenngleich zwischen den Zeilen ein paar fragwürdige Dinge durchblicken, etwa wenn zwischen „guten“ und „bösen“ Schmugglern unterschieden wird. Columbo brüstet sich damit, was er alles schmuggelt und worin er der Beste ist – aber Rauschgift schmuggelt er nicht. Er bedient damit das zweifelhafte Klischee des „liebenswerten Schurken“, der zwar auch illegale Dinge tut, dem man das aber nachsieht, weil er offenbar einer Art „Ehrenkodex“ folgt. Auf der anderen Seite stammt genau das aus Flemings Vorlage, wenn man möchte, kann man darin auch eine Art Kritik an der Geheimdienstarbeit sehen, die hin und wieder mal den Unterschied nach „bösen Schurken“ und „nützlichen Schurken, die Informationen haben und deswegen ungestraft davonkommen“ macht. Aber das ist fast schon zu sehr um die Ecke gedacht. Die Handlung des Films funktioniert mit ihrer Bodenständigkeit sehr gut, es ist eine spannende Abenteuergeschichte an einigen interessanten Urlaubsorten.
Der korrupte russische General Orlov bringt Teile des russischen Staatsschatzes auf die Seite, um ihn durch Kopien ersetzen zu lassen. Gleichzeitig träumt er davon, Russlands Vormachtstellung zu verbessern, indem er eine Invasion in Europa vorschlägt. Sein Plan wird jedoch abgelehnt, worauf er im Alleingang ein Szenario entwirft, das die NATO noch weiter schwächen soll: eine atomare Explosion auf einer amerikanischen Airbase in Deutschland soll den Defekt einer amerikanischen Atomrakete vortäuschen, worauf die Amerikaner gezwungen wären, ihr Atomwaffenarsenal in Europa abzurüsten, was wiederum den Warschauer Pakt in eine bessere Lage für eine Invasion bringen würde. Als jedoch eine Bestandsaufnahme des Staatsschatzes gemacht werden soll, muss ein Fabergé-Ei, das in London versteigert werden soll, wiederbeschafft werden. Bond kommt dadurch Orlovs Kompagnon Kamal Khan auf die Spur, der die Aktion mit der atomaren Explosion mit Hilfe des Zirkus der exzentrischen „Octopussy“ durchführen. Die hat von alledem keine Ahnung…
Synchronisation
In den 1980er Jahren war der Werbespruch des Mineralölkonzerns Esso „Pack den Tiger in den Tank!“ (nach „Packen wir’s an!“ der 1970er Jahre). Während James Bond durch den Dschungel Indiens gejagt wird, begegnet ihm ein Tiger, dem er im Original „Sit up!“ zuruft (was ein Dompteur-Befehl ist), auf Deutsch aber feststellt: „Du gehörst in den Tank!“ Wieder einmal wurden sämtliche Akzente nicht übertragen, in diesem Film vor allem die indischen. Eine Squenz, die im Original bereits Deutsch ist (als Bond als Anhalter in einem deutschen Auto mitfährt, wobei man feststellen kann, wie gut Moore Deutsch spricht), wurde für den Film nochmals komplett übersetzt. Eingefügt wurde in der Eröffnungsequenz zudem der Satz „Ich muss tanken“, während im Original einfach stumm die „Fuel“-Anzeige leuchtet. Andererseits wurden auch übertragbare Wortspiele einfach fallengelassen. Im Zirkus in der amerikanischen Airbase sagt ein Adjudant des Generals beispielsweise zu Kamal Khan: „The General will make a big blast out of it.“, worauf Khan meint, dass er sicher nicht enttäuscht werden wird (diese Anspielung bezieht sich auf die bevorstehende Explosion), auf Deutsch sagt der Adjudant jedoch lediglich „Er [der General] geht für sein Leben gern in den Zirkus.“
Ein Blick auf die Story
„Octopussy“ ist eine weitere Kurzgeschichte, deren Inhalt allerdings nur grob als die Geschichte von Octopussys Vater in den Film eingeflossen ist. Die Auktion bei Sotheby’s, bei der ein Fabergé-Ei versteigert wird, stammt aus der Kurzgeschichte „The Property of a Lady“ (daher wird der Satz im Film auch so auffällig verwendet). Der Rest wurde neu geschrieben und wirkt etwas verworren. Orlovs Plan, die NATO zur Abrüstung zu zwingen, indem er einen Atomwaffenunfall provoziert, hat mehrere erhebliche Schwachstellen. Zum einen wäre es fraglich, ob Deutschland selbst nach einem solchen Unfall in der Lage gewesen wäre, die NATO-Verbündeten aufzufordern, die Atomwaffen aus dem eigenen Land zu entfernen. Zum zweiten, selbst wenn die NATO einseitig abgerüstet hätte, warum hätte das Komittee der Sowjetunion sich anders entscheiden sollen, nachdem sie zuvor schon eindeutig klar gemacht haben, dass sie keinen militärischen Erstschlag ausführen wollen? Die zweite Seite der Geschichte, dass Orlov den russischen Staatsschatz durch Kopien ersetzt, wirkt irgendwie in die Geschichte eingefügt. Kritiker führten dass darauf zurück, dass die Produzenten des Films unter Zeitdruck standen, weil Kevin McClory es geschafft hatte, ein Remake von „Feuerball“ mit dem Titel „Sag niemals nie“ zu produzieren (zu dem wir noch kommen), in dem Sean Connery nochmals die Rolle von 007 übernehmen sollte und „Octopussy“ unbedingt vorher in die Kinos kommen sollte.
Letzteres war auch der Grund, warum man sich um Roger Moores Rückkehr als Hauptdarsteller bemühte, obwohl James Brolin bereits Testaufnahmen gemacht hatte. Ein neuer Darsteller gegen den „Ur-Bond“ hätte zweifellos schlechte Karten gehabt. Dennoch verlies man vertraute Pfade, indem mit „All Time High“ zum ersten Mal ein gesungenes Titellied verwendet wurde, in dem der Titel des Films nicht genannt wurde (bei „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ wurde nicht gesungen; bei „Der Spion, der mich liebte“ heißt das Titellied zwar „Nobody does is better“, aber der Titel wird dennoch im Text genannt: „Nobody does it better… than the spy who loved me…“). Grenzwertig albern aus den Augen mancher Fans waren teilweise die Gags, die in dem Film verwendet wurden, etwa als sich Bond zu Johnny Weissmüllers Tarzan-Ruf von Liane zu Liane schwingt. Auch die Kritiker waren nicht begeistert und gegen „In tödlicher Mission“ fällt der Film deutlich ab. Hinzu kam, dass Roger Moore es langsam müde wurde, Bond zu spielen. Sein Vertrag war inzwischen ausgelaufen und über jeden Film wurde neu verhandelt. Und so kam die Ankündigung, dass der nächste Film sein definitiv letzter Bond-Auftritt sein sollte. Er wurde als „From a View to a Kill“ angekündigt.
In Sibirien findet James Bond bei der Leiche eines britischen Agenten den Prototyp eines Computerchips, der offenbar an die Russen weitergegeben wurde. Auf diese Weise wird man auf die Firma von Max Zorin aufmerksam. Zu den Hobbys des Eigentümers gehört die Pferdezucht, das Dopen von Pferden mit natürlichen Steroiden und die Zerstörung von Silicon Valley mit Hilfe eines provozierten Erdbebens und einer Flutwelle. Letzteres soll ihm die Vormachtstellung auf dem Markt für Computerchips verschaffen. 007 kommt dem Plan mit Hilfe der Geologin Stacey Sutton auf die Spur. Die Zeit drängt, denn Zorin hat bereits große Mengen Sprengstoff an einer empfindsamen Stelle des San-Andreas-Grabens deponiert. Explodiert dieser, ist Silicon Valley Geschichte…
Synchronisation
Wieder gab es Anpassungen zu machen. Der Polizist, der James Bond in San Franzisko verhaften will, sagt auf dessen Erklärung, er (Bond) sei britischer Geheimagent: „And I’m Dick Tracy, and you’re still under arrest.“ Da Dick Tracy zu dem Zeitpunkt in Deutschland noch nicht so bekannt war (der Film mit Warren Beatty sollte erst fünf Jahre später in die Kinos kommen), behalf man sich mit einer anderen, bekannteren Comic-Figur: „Und ich bin Donald Duck, und der verhaftet Sie.“ Der Ersatz ist nicht ganz gleichwertig. An einer anderen Stelle hilft 007 Stacey Sutton beim Aufräumen des Hauses, nachdem ein paar von Zorins Schergen einen Einbruch versucht haben. Beim Aufheben der Scherben einer Vase zitiert er dabei das Gedicht „Humpty Dumpty„, das besondere internationale Bekanntheit durch Lewis Carolls Buch „Alice hinter den Spiegeln“ erlangte: „I’m afraid all the king’s horses and all the king’s men won’t do much for that.“ Da aber auch hier wieder der Bekanntheitsgrad in Deutschland nicht zu groß war, verwendete man in der Übersetzung ein Sprichwort: „Ich fürchte, Sie müssen sich mit dem alten Spruch trösten, dass Scherben Glück bringen.“
Gänzlich anders übersetzt wurde auch der Satz, der tatsächlich den Titel des Films beinhaltet. Beim Anblick von San Franzisko aus der Gondel von Zorins Zeppelin meint seine Freundin May Day beeindruckt: „Wow! What a view!“, worauf Zorin antwortet: „To a kill!“ Im Deutschen ist das Gespräch banaler: „Wow! Was für eine Aussicht!“ – „Auf das große Geschäft!“
Geändert wurden auch die nationalsozialistischen Bezüge von Zorins „Erschaffer“ Mortner, der in einem KZ Experimente mit schwangeren Frauen machte, in der deutschen Fassung wurde er zu einem polnischen Wissenschaftler, der für den KGB arbeitete.
Ein Blick auf die Story
Wieder wurde ein aktuelles Thema aufgegriffen: Computerchips, die immer wichtiger wurden für die Welt, so wichtig, dass selbst die Russen am Ende Bond den Lenin-Orden verleihen wollten, weil er die Zerstörung von Silicon Valley verhindert hat. Doch es sind gewisse Ermüdungserscheinungen zu sehen. Sehr auffällig sind die per Blue-Screen-Verfahren eingefügten Nahaufnahmen von Roger Moore in der Skisequenz am Anfang, die so gar nicht zum Rest passen wollen. Roger Moore selbst fand, dass es nunmehr Zeit würde, den Hut zu nehmen und den Platz für einen Jüngeren zu räumen. Wie es mit Bond weitergehen sollte, wusste man nicht genau, so dass sogar am Ende des Films der Titel der Fortsetzung nicht genannt wurde, sondern es nur hieß: „James Bond will return“.
Interessanterweise hatte Christopher Walken als Zorin die besseren Kritiken, als der Held des Films selbst. Das Konzept bedurfte offenbar einer Überarbeitung, obwohl natürlich auch „Im Angesicht des Todes“ kein wirklicher Misserfolg war. Die Produzenten sahen diese Möglichkeit der Überarbeitung mit einem neuen Hauptdarsteller nun gekommen. In der Tat änderten sie einiges.
Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:
AGENT MIT EIGENSINN: Timothy Dalton ist James Bond
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