Agent mit besonderer Note: Roger Moore ist James Bond

1973: James Bond hat offenbar wiederum einen Aufenthalt in der Shrublands-Klinik hinter sich, denn er sieht erfrischt aus. Allerdings ist er ein noch stärkerer Zyniker geworden, dem das Töten seiner Gegner fast unangenehm zu sein scheint, auch wenn es zu seiner Arbeit dazu gehört.

LEBEN UND STERBEN LASSEN

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

Zeitgleich werden drei Agenten des britischen Geheimdienstes an drei verschiedenen Orten getötet: In New York, in New Orleans und auf der Karibikinsel San Monique. Die Hinweise deuten auf die Gangstergröße Mr. Big, der in irgendeiner Weise mit dem Diplomante von San Monique, Doktor Kananga, in Verbindung zu stehen scheint. Kananga wird von Solitair beraten, einem Medium, die aus Tarot-Karten liest. Bei seinen Untersuchungen auf San Monique entdeckt Bond große Mohnfelder. Offenbar wird von hier Mr. Big beliefert, der den amerikanischen Markt mit Drogen versorgt. Bond kann Solitair aus den Händen von Kananga befreien, aber als er sie nach Amerika bringt, schreitet Mr. Big ein…

  • Synchronisation

Ein neuer Bond – eine neue Stimme. Die Änderungen gegenüber dem Original halten sich in Grenzen. Aus irgendeinem Grund wurde in den beiden Szenen, in denen Felix Leiter telefoniert (einmal, nachdem Bond ihn anruft, um zu berichten, dass sein Fahrer erschossen wurde, das zweite Mal, als der erboste Fluglehrer anruft wegen des Schadens an seinem Flugzeug), Text hinzugefügt: In der deutschen Version hört man leise den jeweiligen Anrufer aus dem Telefon, im Original ist gar nichts zu hören. Und Bonds letzter Satz über Tee Hee, nachdem er diesen aus dem Zugfenster befördert hatte und seine Armprothese hinterher warf, musste leider geändert werden, da der Wortwitz in „Just being disARMing.“ nicht übersetzbar ist. Auf Deutsch sagt Bond, er habe hier „den Arm von dem Armleuchter“.

Eine Kuriosität ist der Auftritt von Sheriff Pepper, dessen Vorname in diesem Film in der Synchro mit „Nepomuk“ angegeben wird, er im nächsten Film aber plötzlich – wie im Original – „J.W.“ heißt.

  • Ein Blick auf die Story

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

Wieder ein wenig weg vom Gigantismus, mehr hin zum Boden, so kann man diesen Film umschreiben. Die Welt wird nicht bedroht, es geht „lediglich“ um Drogenschmuggel im großen Stil. Auch die Gadgets sind überschaubar, überhaupt wird Q nur erwähnt, er taucht aber selbst nicht auf (Desmond Llewelyn war nicht verfügbar).

Zu Beginn musste erst einmal ein neuer Darsteller für James Bond gefunden werden, nachdem Burt Reynolds im Gespräch war, entschied man sich aber doch für Roger Moore. Seine Darstellung von Bond ist humoristischer und zugleich etwas vornehmer, ein klarer Kontrast zu dem brutaleren Connery-Bond. Dennoch gingen die Produzenten ein Risiko ein, ausgerechnet dieses Skript zu verfilmen, da es einige Klischees bedient: ein korrupter karibischer Diplomat, ein schwarzer Verbrecher und eine schwarze Gefolgschaft, deren Loyalität durch Voodoo-Rituale erhalten wird. Damit lieferte es natürlich eine Steilvorlage für die Kritiker, wenngleich das Filmskript in wesentlichen Teilen von der Romanvorlage abwich. Teilweise wurden auch Szenen erst in späteren Bond-Filmen aufgegriffen, etwa dass Bond und das Mädchen an einem Seil hinter einem Boot durchs Wasser gezogen werden (in „In tödlicher Mission“ realisiert) oder dass Felix Leiter vom Bösewicht den Haien zum Fraß vorgeworfen wird und Bond in einer Fischköder-Lagerhalle wichtige Hinweise findet (zu sehen in „Lizenz zum Töten“). Der Jamaikaner Quarrel, der Bond in der Geschichte zur Seite steht, musste für den Film zu „Quarrel Junior“ werden, da der „ursprüngliche“ Quarrel ja bereits in „Doktor No“ getötet wurde (die Reihenfolge der Romane ist aber umgekehrt, „Leben und sterben lassen“ kommt vor „Doktor No“).

Bei diesem Film handelt es sich wiederum um eine nette Abenteuergeschichte, die allerdings ein paar Merkwürdigkeiten enthält. Dass man versucht hat, den Moore-Bond von dem Connery-Bond abzugrenzen, hat der Entwicklung der Reihe und der Figur nicht geschadet, im Gegenteil. Zu den Merkwürdigkeiten gehören vielmehr die bedienten Klischees und der Tod von Mr. Big, dem Bond eine Gaspatrone in den Mund steckt, woraufhin er sich aufbläht, bis er platzt. Bisher kannte man diesen Phänomen hauptsächlich von eingebildeten Schauspielern, und bei aller Fantasie, aber in einem Bond-Film wirkt ein solches Ende etwas lächerlich.

Der Abspann kündigte wiederum Bonds Rückkehr an, diesmal in „Der Mann mit dem goldenen Colt“.

DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

Energie-Krise: Der britische Geheimdienst ist auf der Suche nach dem Solex-Generator, einem Gerät, das Hochwirksam Strom aus Sonnenlicht herstellen soll. Doch als Bond den Auftrag erhält, trifft eine Lieferung beim Geheimdienst ein: ein Päckchen mit einer goldenen Kugel, in die „007“ eingraviert ist. Goldene Kugeln sind das Markenzeichen des teuersten Auftragsmörders der Welt, Francisco Scaramanga. Da M glaubt, dass jemand Scaramanga auf Bond angesetzt hat, wird der Auftrag geändert: Bond soll erst den Killer zur Strecke bringen. Als er dessen Spur aufnimmt, wird er zufällig Zeuge, wie Scaramanga den Wissenschaftler Gibson erschießt, der den Solex-Generator erfunden hat. Offenbar war die Kugel mit der 007-Gravur nur eine Ablenkung. Hinter dem Anschlag auf Gibson steckt der Industrielle Hai Fat, der nun das Solex besitzt. Doch auch Scaramanga hat seine eigenen Pläne mit dem wertvollen Gerät…

  • Synchronisation

Die merkwürdige Wandlung des Namens von Sheriff Pepper, der im vorigen Film auf Deutsch noch „Nepomuk“ hieß und hier nun „Dschei Dabblju“ („J.W.“) genannt wird, wurde schon angesprochen. Vermutlich hat bei der Synchro niemand mehr daran gedacht, dass man in „Leben und sterben lassen“ diese Änderung vorgenommen hat. Auch ansonsten ist die Übersetzung sehr „frei“, was offenbar am deutschen Dialogschreiber lag, wie man mir erklärt hat. Fallengelassen wurde bei manchen Figuren – wie es bei Bond beinahe schon üblich ist – der jeweilige Akzent: Schnickschnack (Original „Nicknack“, gelungene Übertragung des Namens) spricht eigentlich mit stark französischem Einschlag, Hai Fat mit asiatischem. Auch sehr gelungen ist die Übersetzung des Namens von Hai Fats Pool-Gespielin, sie heißt auf Englisch „Choo Mi“ (gesprochen wie „chew me“, also eine sexuelle Anspielung), ihr deutscher Name „Hash Mish“ ist zwar etwas harmloser, aber durchaus angemessen.

  • Ein Blick auf die Story

Es gibt Vermutungen, die besagen, dass „Der Mann mit dem goldenen Colt“ zum größten Teil gar nicht von Ian Fleming stammt. Der Roman wurde erst nach dessen Tod veröffentlicht, angeblich hätte er ihn noch beenden können. Fans sehen jedoch in dem wechselnden Schreibstil innerhalb der Geschichte ein Anzeichen dafür, dass Fleming lediglich ein Konzept und einen Teil des Romans fertigstellen konnte, und dass ein zweiter Autor alles aufgearbeitet hat. Für den Film ist das alles unerheblich, denn außer den beteiligten Figuren wurde die Handlung neu aufgebaut, wobei man auf Aktualität setzte. Mit der Geschichte um das „Solex“ wurde das Thema „Energiekrise“ aufgegriffen. Bond sollte sich in Zukunft in diese Richtung entwickeln und immer mehr aktuelle Trends aufgreifen.

Allerdings darf man davon nicht zu viel erwarten. Der Rest der Geschichte ist mehr Science Fiction als Fakt, wenn sich Scaramanga mit Hilfe des Solex eine Laserkanone baut. Entsprechend aufwändig ist die Ausstattung. Das Thema des Romans, nämlich der Auftragsmörder, der von Bond im Zweikampf besiegt wird, wurde als Höhepunkt des Films gestaltet und durch das Spiegelkabinett Scaramangas erweitert, um es interessanter zu machen (hier kann man auch einige der Filmfehler finden, etwa wenn die „Wachsfigur“ von Alphonse „Scarface Al“ Capone blinzelt oder Scaramanga der James-Bond-Figur vier Finger mit drei Schüssen abschießt).

Was sich in diesem Film endgültig etabliert hat, ist der bisweilen sehr schwarze Humor, der zwar bereits mit Connery seinen Anfang nahm, aber von Moore perfektioniert und auf die Spitze getrieben wurde. „Der Mann mit dem goldenen Colt“ reiht sich somit ein bei den exotischen Abenteuergeschichten, die zwar kurzweilig sind, aber nicht zu ernst genommen werden dürfen.

Und erneut wurde die Fortsetzung angekündigt, obwohl sich bei Fertigstellung dieses Films dunkle Wolken ankündigten. Die Fortsetzung sollte „Der Spion, der mich liebte“ sein.

DER SPION, DER MICH LIEBTE

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

Schon wieder mal steht die Welt am Rand eines Krieges: ein britisches und ein russisches U-Boot sind verschwunden und die Nationen bezichtigen sich gegenseitig, dafür verantwortlich zu sein. Die Geheimdienstchefs beider Länder sind jedoch überzeugt, dass da etwas anderes dahinter steckt und schicken ihre jeweils besten Leute aus, um Nachforschungen anzustellen. Für England ist das selbstverständlich Agent 007, James Bond. Für Russland kommt Agent XXX („Triple-X“) ins Spiel, Anya Amasova. Bond und sie verbindet dummerweise eine tragische Geschichte, denn Bond hat Anyas Geliebten im Verlauf seiner letzten Mission getötet. Nachdem die Agenten zuerst gegeneinander arbeiten werden sie schließlich von ihren Regierungen gemeinsam auf die Sache angesetzt.

Der Mann hinter den Entführungen ist Karl Stromberg, ein reicher Sonderling. Er hat die U-Boote mit Hilfe seines Supertankers „Liparus“ entführt, um die entstandene Krise herbeizuführen. Um den Krieg endgültig auszulösen, plant er, die U-Boote vor dem jeweils gegnerischen Land in Stellung zu bringen und eine Atomrakete abzuschießen. Der atomare Gegenschlag erfolgt dann automatisch. Stromberg ist der Ansicht, dass die dekadente Menschheit ausgelöscht werden muss, damit sie von Neuem beginnen kann. Er selbst will sich das Spektakel von seiner Unterwasserstation „Atlantis“ aus ansehen…

  • Synchronisation

Hier wurde nun wieder solidere Arbeit geleistet, nachdem man sich auf den „Bond-Stil“ eingeschossen hatte. Das führte dazu, dass sogar ein Bonmot eingefügt wurde, wo eigentlich gar keins war: Als Bond Strombergs Handlanger Beißer („Jaws“ im Original) in das Becken mit den Haien fallen lässt, sagt er: „Ah-Hai!“ (betont wie „Ahoi!“).

  • Ein Blick auf die Story

Reicher Industriemagnat entführt U-Boote, um die Militärmächte in einen Atomkrieg zu stürzen. Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? Ja, in der Tat, tauscht man die U-Boote gegen Weltraum-Raketen, dann ist das der rote Faden von „Man lebt nur zweimal“. In der Tat hat „Der Spion, der mich liebte“ gar nichts mit der Vorlage von Fleming zu tun, da jener verfügt hatte, dass man von diesem Roman nur den Titel nehmen dürfe, aber keine Teile der Handlung. Also wurde ein Connery-Bond „recycelt“, allerdings in die Gegenwart geholt. Wie schon damals, so wurde auch diesmal die bislang größte Kulisse für einen Bond-Film gebaut, wofür man die weltgrößte Filmhalle baute und sie „Stage 007“ nannte.

Hinter den Kulissen hatte es nach „Der Mann mit dem goldenen Colt“ allerdings Probleme gegeben: Harry Saltzman hatte sich finanziell übernommen und schied aus der Partnerschaft mit Albert R. Broccoli aus.

Der Film gibt quasi ganz nebenher ein paar Informationen preis, etwa dass Ms Vorname „Miles“ lautet, der des russischen Generals Gogol (der ab sofort regelmäßig in den Filmen zu sehen sein sollte) „Alexis“ und sogar Q wird mit „Major Boothroyd“ angesprochen. Die britisch-russische Kooperation in der Handlung ist eine konsequente Fortführung des Gedankens, im Gegensatz zu Flemings Romanen die Russen nicht als Bösewichte dastehen zu lassen. Der weibliche russische Agent war zudem eine Weiterentwicklung des „typischen“ Bond-Girls, das eigentlich kaum mehr zu tun hatte, als gut auszusehen und sich vom Bösewicht entführen zu lassen. Auch Bonds Welt wandelte sich im Lauf der Zeit, obwohl Anya Amasova im Vergleich zu den Frauenrollen späterer Bonds („Goldeneye“, „Stirb an einem anderen Tag“) natürlich noch sehr harmlos wirkt. Überraschenderweise gab es Jahre später offenbar keine rechtlichen Schwierigkeiten, als man zwei Filme mit dem Titel „xXx“ (oder „Triple-X“) verfilmte, obwohl diese Bezeichnung in diesem Bond-Film eingeführt wurde.

Wem es nichts ausmacht, in diesem Film die Variante einer Geschichte zu sehen, der wird auch hier gut unterhalten. Als Fortsetzung wurde hier „For Your Eyes Only“ angekündigt, allerdings sollte ein gewisser George Lucas Schuld daran sein, dass sich das spontan änderte.

MOONRAKER

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

Ein Space Shuttle, der auf dem Rücken eines Flugzeugs nach England gebracht werden soll, verschwindet. Das Flugzeug stürzt ab, es werden jedoch keine Trümmer des Raumgleiters gefunden. James Bond soll dem Firmenchef Hugo Drax auf den Zahn fühlen, dessen Firma den Shuttle, der „Moonraker“ heißt, hergestellt hat. Doch kaum kommt Bond bei Drax an, wird mehrfach versucht, sein Leben mit Gewalt zu beenden. Der Agent folgt einer Spur, die ihn nach Venedig in ein Labor führt, in dem große Globen mit Ampullen ausgestattet werden. Diese Ampullen enthalten ein Gift, das auf Menschen tödlich wirkt, aber keinen Einfluss auf Tiere zu haben scheint. Drax plant vom südamerikanischen Dschungel aus etwas ganz Großes…

  • Synchronisation

Die Synchronisation hat sich mittlerweile eingespielt, die Korrekturen annehmbar und nur dort, wo es wirklich nötig war (zum Beispiel zitiert Bond beim Anblick des mit lauter Pärchen gefüllten Passagierabteils der Moonraker ein Kinderlied: „The animals went in two by two.“, in dem es um die Tiere geht, die auf die Arche Noah gehen; auf Deutsch sagt er: „Alle paarweise, wie damals.“).

  • Ein Blick auf die Story

Hugo Drax, eigentlich Heinz von der Drache, ein Ex-Nazi, möchte die „Moonraker“, eine Atomrakete, die England verteidigen soll, in einem Racheakt dazu verwenden, um London dem Erdboden gleichzumachen. Soweit Flemings Geschichte. Offenbar hatte man keine rechte Inspiration gefunden, diesen Roman zu verfilmen, denn eigentlich wollte man „For Your Eyes Only“ produzieren, der immerhin nur auf einer Bond-Kurzgeschichte basiert hätte. Dann aber kam „Star Wars“ in die Kinos und Science Fiction lebte neu auf. Bond sollte auf der Welle mitreiten. Ob das eine gute Idee war, daran scheiden sich bis heute die Fans. Für manche ist „Moonraker“ der Tiefpunkt der Reihe, der im Gegensatz zu dem starken Roman abfällt. Für andere wiederum ist auch das „einfach Bond“.

Dass die Filmmacher ihre Idee selbst nicht ganz ernst nahmen, sieht man an vielen fast schon parodistischen Seitenhieben, etwa wenn Bond eine Tür mit einem Codeschloss öffnet und die Tasten der Zahlen dabei die Tonfolge aus „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ spielt, oder eine Szene in Südamerika, die mit der Musik aus „Die glorreichen Sieben“ unterlegt ist. Auch Beißer, der Killer mit dem Stahlgebiss, durfte zurückkehren, was an der vielen Fanpost lag, die das Studio seinetwegen erhalten hatte. Weil er den Fans so am Herzen lag, wechselte er am Ende des Films auf die Seite der Guten und durfte sogar seine ersten Worte sprechen. Da wird der Film beinahe nachdenklich, Bond konfrontiert Beißer mit der Aussichtslosigkeit seiner Lage, als er aus Drax herauskitzelt, wie er die Menschen gerne hätte: Physisch perfekt, was natürlich weder Beißer mit seinem Kunstgebiss, noch dessen unterdurchschnittlich große Freundin mit Brille erfüllen können.

„Moonraker“ ist ein gewaltiges Bond-Spektakel, das (im wahrsten Sinne des Wortes) sehr abgehoben daher kommt, bei dem man aber auch Spaß haben kann, vor allem als Fan der Science Fiction. In diesem Bond-Universum ist eben viel möglich. Ob Fleming von dieser Umsetzung seines Stoffes begeistert gewesen wäre, kann ich nicht sagen.

Als Fortsetzung wurde erneut „For Your Eyes Only“ angekündigt, diesmal durfte es auch sein.

IN TÖDLICHER MISSION

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

Ein getarntes Schiff des britischen Militärs ist versenkt worden. An Bord des Schiffes befand sich ATAC, ein System, mit dem sich die britischen U-Boote aufspüren lassen. Der britische Geheimdienst wendet sich an das Unterwasser-Archäologen-Ehepaar Havelock, doch bevor diese den ATAC bergen können, werden sie ermordet. Bond wird auf die Spur des Killers angesetzt und lernt die Tochter der Havelocks kennen, Melina. Der Agent bekommt einen entscheidenden Tipp von dem griechischen Reeder Kristatos: Columbo, ein Schmuggler, soll hinter der ganzen Sache stecken. Doch bei seinen Nachforschungen am Mittelmeer muss Bond feststellen, dass die Dinge nicht ganz so sind, wie sie scheinen.

  • Synchronisation

„Stingin‘ in the rain…“ Das ist Bonds Original-Kommentar zu dem tödlichen Regenschirm, den er in Qs Labor sieht. Sprich: Es wurden die üblichen Anpassungen von Bonds Wortspielen gemacht, die sich nicht wörtlich ins Deutsche übetragen ließen. Da dieser Bond-Film aber wiederum etwas anders ist als andere Filme der Reihe, gab es ansonsten nicht viel abzuweichen. Verloren geht in der deutschen Fassung natürlich leider die Originalstimme der Margaret-Thatcher-Darstellerin, die am Ende des Films auftaucht: Janet Brown war die gefragteste Parodistin der damaligen britischen Premierministerin, weil sie nicht nur so aussah, wie das Original, sondern auch so klang.

Der Titel „In tödlicher Mission“ hat mit der Übersetzung des Satzes „For Your Eyes Only“ nichts zu tun, dieser bedeutet wörtlich „Nur für Ihre Augen bestimmt“ und ist ein Hinweis auf geheimen Akten, dass diese nur vom Empfänger – und von niemand sonst – zu lesen seien. Die Kurzgeschichte, auf der der Film basiert, wurde eingedeutscht mit „Für Sie persönlich“, was natürlich keinen griffigen Filmtitel abgibt. Insofern ist die freie Übertragung des Titels zu verschmerzen.

  • Ein Blick auf die Story

Obwohl „Moonraker“ kein Misserfolg gewesen war, besannen sich die Filmproduzenten darauf, wieder eine „bodenständigere“ Episode zu schreiben, die weder einen „Superschurken“ noch die Zerstörung der Welt beinhalten sollte. Dazu namen sie die Handlung der Bond-Kurzgeschichten „For Your Eyes Only“ und „Risico“ und verbanden sie über die Handlung mit dem ATAC. In „For Your Eyes Only“ wird Bond von M beauftragt, nach dem Mörder des Ehepaars Havelock zu suchen, gute Freunde von M. Dabei kommt er deren Tochter, die in der Geschichte übrigens Judy heißt, in die Quere, und gemeinsam erledigen sie die Mörder. „Risico“ handelt davon, dass Bond einen Rauschgiftschmuggler zur Strecken bringen soll, über den er von Kristatos erfährt: Columbo. Doch Columbo kann Bond überzeugen, dass Kristatos der wahre Bösewicht ist und zusammen mit dessen Gefolgsleuten überfallen sie ein Lager, in dem Opium für den Weitertransport liegt. Das Lager wird zerstört und Kristatos getötet.

Erstaunlich ist dabei, dass gerade die Handlung von „Risico“ sehr genau in den Film eingeflossen ist (bis auf ein paar kleine Änderungen, zum Beispiel, dass das Tonband, mit dem Columbo das Gespräch zwischen Kristatos und Bond belauscht, nicht in einem Kerzenhalter, sondern in einem Stuhl untergebracht ist, oder der Tod von Columbos Freundin Liesl), während „For Your Eyes Only“ einige sehr starke Änderungen erfuhr. Eingefügt wurde zudem eine Szene aus dem Roman „Leben und sterben lassen“: Bond und das Mädchen werden an einem Seil hinter einen Boot hergezogen.

Dass man wieder auf den Boden zurückkommen wollte, zeigt sehr deutlich die Zerstörung von Bonds Lotus, der explodiert, als ihn einer der Handlanger des Bösewichts stehlen will und der Agent und Melina daraufhin in Melinas Ente vor den Verfolgern flüchten. Dass man „alte Geschichten“ hinter sich lassen wollte, sieht man an der Eröffnungssequenz: Ein kahlköpfiger Mann im Rollstuhl, der eine weiße Katze auf dem Schoß hat (es wird nicht ausdrücklich gesagt, aber es handelt sich eindeutig um Bonds frühere Erz-Nemesis Ernest Stravro Blofeld), versucht, 007 mit einem ferngesteuerten Helikopter zu töten. Gleichzeitig wird aber dadurch, dass Bond in der gleichen Szene das Grab seiner Ehefrau Tracy (aus „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“) besucht, ein Bezug zu einer früheren Schlüsselepisode hergestellt und gezeigt, dass Bond immer noch die gleiche Person ist, auch wenn er jetzt anders aussieht.

Die Abwesenheit von M in diesem Film hatte einen tragischen Hintergrund: Bernard Lee, der Darsteller der Rolle, war kurz vor Beginn der Dreharbeiten gestorben. Aus Respekt vor ihm wurde die kein neuer Schauspieler für M in diesem Film gesucht, sondern Stabschef Bill Tanner übernahm die Aufgabe, den Agenten auf seine Mission zu schicken. In anderen Szenen wurde Ms Text von Q übernommen.

Kritisch sah das Team selbst eine Szene, in der Bond kaltblütig einen Gegner tötet: Locque hängt mit seinem Auto über einer Klippe und droht abzustürzen. 007 kommt dazu und verpasst dem Auto einen Tritt, so dass es in die Tiefe stürzt. Alles das sind Elemente, mit denen man versuchte, eine Art neue Linie herauszuarbeiten.  Und so funktioniert der Film auch, wenngleich zwischen den Zeilen ein paar fragwürdige Dinge durchblicken, etwa wenn zwischen „guten“ und „bösen“ Schmugglern unterschieden wird. Columbo brüstet sich damit, was er alles schmuggelt und worin er der Beste ist – aber Rauschgift schmuggelt er nicht. Er bedient damit das zweifelhafte Klischee des „liebenswerten Schurken“, der zwar auch illegale Dinge tut, dem man das aber nachsieht, weil er offenbar einer Art „Ehrenkodex“ folgt. Auf der anderen Seite stammt genau das aus Flemings Vorlage, wenn man möchte, kann man darin auch eine Art Kritik an der Geheimdienstarbeit sehen, die hin und wieder mal den Unterschied nach „bösen Schurken“ und „nützlichen Schurken, die Informationen haben und deswegen ungestraft davonkommen“ macht. Aber das ist fast schon zu sehr um die Ecke gedacht. Die Handlung des Films funktioniert mit ihrer Bodenständigkeit sehr gut, es ist eine spannende Abenteuergeschichte an einigen interessanten Urlaubsorten.

Als Fortsetzung wurde „Octopussy“ angekündigt.

OCTOPUSSY

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

Der korrupte russische General Orlov bringt Teile des russischen Staatsschatzes auf die Seite, um ihn durch Kopien ersetzen zu lassen. Gleichzeitig träumt er davon, Russlands Vormachtstellung zu verbessern, indem er eine Invasion in Europa vorschlägt. Sein Plan wird jedoch abgelehnt, worauf er im Alleingang ein Szenario entwirft, das die NATO noch weiter schwächen soll: eine atomare Explosion auf einer amerikanischen Airbase in Deutschland soll den Defekt einer amerikanischen Atomrakete vortäuschen, worauf die Amerikaner gezwungen wären, ihr Atomwaffenarsenal in Europa abzurüsten, was wiederum den Warschauer Pakt in eine bessere Lage für eine Invasion bringen würde. Als jedoch eine Bestandsaufnahme des Staatsschatzes gemacht werden soll, muss ein Fabergé-Ei, das in London versteigert werden soll, wiederbeschafft werden. Bond kommt dadurch Orlovs Kompagnon Kamal Khan auf die Spur, der die Aktion mit der atomaren Explosion mit Hilfe des Zirkus der exzentrischen „Octopussy“ durchführen. Die hat von alledem keine Ahnung…

  • Synchronisation

In den 1980er Jahren war der Werbespruch des Mineralölkonzerns Esso „Pack den Tiger in den Tank!“ (nach „Packen wir’s an!“ der 1970er Jahre). Während James Bond durch den Dschungel Indiens gejagt wird, begegnet ihm ein Tiger, dem er im Original „Sit up!“ zuruft (was ein Dompteur-Befehl ist), auf Deutsch aber feststellt: „Du gehörst in den Tank!“ Wieder einmal wurden sämtliche Akzente nicht übertragen, in diesem Film vor allem die indischen. Eine Squenz, die im Original bereits Deutsch ist (als Bond als Anhalter in einem deutschen Auto mitfährt, wobei man feststellen kann, wie gut Moore Deutsch spricht), wurde für den Film nochmals komplett übersetzt. Eingefügt wurde in der Eröffnungsequenz zudem der Satz „Ich muss tanken“, während im Original einfach stumm die „Fuel“-Anzeige leuchtet. Andererseits wurden auch übertragbare Wortspiele einfach fallengelassen. Im Zirkus in der amerikanischen Airbase sagt ein Adjudant des Generals beispielsweise zu Kamal Khan: „The General will make a big blast out of it.“, worauf Khan meint, dass er sicher nicht enttäuscht werden wird (diese Anspielung bezieht sich auf die bevorstehende Explosion), auf Deutsch sagt der Adjudant jedoch lediglich „Er [der General] geht für sein Leben gern in den Zirkus.“

  • Ein Blick auf die Story

„Octopussy“ ist eine weitere Kurzgeschichte, deren Inhalt allerdings nur grob als die Geschichte von Octopussys Vater in den Film eingeflossen ist. Die Auktion bei Sotheby’s, bei der ein Fabergé-Ei versteigert wird, stammt aus der Kurzgeschichte „The Property of a Lady“ (daher wird der Satz im Film auch so auffällig verwendet). Der Rest wurde neu geschrieben und wirkt etwas verworren. Orlovs Plan, die NATO zur Abrüstung zu zwingen, indem er einen Atomwaffenunfall provoziert, hat mehrere erhebliche Schwachstellen. Zum einen wäre es fraglich, ob Deutschland selbst nach einem solchen Unfall in der Lage gewesen wäre, die NATO-Verbündeten aufzufordern, die Atomwaffen aus dem eigenen Land zu entfernen. Zum zweiten, selbst wenn die NATO einseitig abgerüstet hätte, warum hätte das Komittee der Sowjetunion sich anders entscheiden sollen, nachdem sie zuvor schon eindeutig klar gemacht haben, dass sie keinen militärischen Erstschlag ausführen wollen? Die zweite Seite der Geschichte, dass Orlov den russischen Staatsschatz durch Kopien ersetzt, wirkt irgendwie in die Geschichte eingefügt. Kritiker führten dass darauf zurück, dass die Produzenten des Films unter Zeitdruck standen, weil Kevin McClory es geschafft hatte, ein Remake von „Feuerball“ mit dem Titel „Sag niemals nie“ zu produzieren (zu dem wir noch kommen), in dem Sean Connery nochmals die Rolle von 007 übernehmen sollte und „Octopussy“ unbedingt vorher in die Kinos kommen sollte.

Letzteres war auch der Grund, warum man sich um Roger Moores Rückkehr als Hauptdarsteller bemühte, obwohl James Brolin bereits Testaufnahmen gemacht hatte. Ein neuer Darsteller gegen den „Ur-Bond“ hätte zweifellos schlechte Karten gehabt. Dennoch verlies man vertraute Pfade, indem mit „All Time High“ zum ersten Mal ein gesungenes Titellied verwendet wurde, in dem der Titel des Films nicht genannt wurde (bei „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ wurde nicht gesungen; bei „Der Spion, der mich liebte“ heißt das Titellied zwar „Nobody does is better“, aber der Titel wird dennoch im Text genannt: „Nobody does it better… than the spy who loved me…“). Grenzwertig albern aus den Augen mancher Fans waren teilweise die Gags, die in dem Film verwendet wurden, etwa als sich Bond zu Johnny Weissmüllers Tarzan-Ruf von Liane zu Liane schwingt. Auch die Kritiker waren nicht begeistert und gegen „In tödlicher Mission“ fällt der Film deutlich ab. Hinzu kam, dass Roger Moore es langsam müde wurde, Bond zu spielen. Sein Vertrag war inzwischen ausgelaufen und über jeden Film wurde neu verhandelt. Und so kam die Ankündigung, dass der nächste Film sein definitiv letzter Bond-Auftritt sein sollte. Er wurde als „From a View to a Kill“ angekündigt.

IM ANGESICHT DES TODES

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

In Sibirien findet James Bond bei der Leiche eines britischen Agenten den Prototyp eines Computerchips, der offenbar an die Russen weitergegeben wurde. Auf diese Weise wird man auf die Firma von Max Zorin aufmerksam. Zu den Hobbys des Eigentümers gehört die Pferdezucht, das Dopen von Pferden mit natürlichen Steroiden und die Zerstörung von Silicon Valley mit Hilfe eines provozierten Erdbebens und einer Flutwelle. Letzteres soll ihm die Vormachtstellung auf dem Markt für Computerchips verschaffen. 007 kommt dem Plan mit Hilfe der Geologin Stacey Sutton auf die Spur. Die Zeit drängt, denn Zorin hat bereits große Mengen Sprengstoff an einer empfindsamen Stelle des San-Andreas-Grabens deponiert. Explodiert dieser, ist Silicon Valley Geschichte…

  • Synchronisation

Wieder gab es Anpassungen zu machen. Der Polizist, der James Bond in San Franzisko verhaften will, sagt auf dessen Erklärung, er (Bond) sei britischer Geheimagent: „And I’m Dick Tracy, and you’re still under arrest.“ Da Dick Tracy zu dem Zeitpunkt in Deutschland noch nicht so bekannt war (der Film mit Warren Beatty sollte erst fünf Jahre später in die Kinos kommen), behalf man sich mit einer anderen, bekannteren Comic-Figur: „Und ich bin Donald Duck, und der verhaftet Sie.“ Der Ersatz ist nicht ganz gleichwertig. An einer anderen Stelle hilft 007 Stacey Sutton beim Aufräumen des Hauses, nachdem ein paar von Zorins Schergen einen Einbruch versucht haben. Beim Aufheben der Scherben einer Vase zitiert er dabei das Gedicht „Humpty Dumpty„, das besondere internationale Bekanntheit durch Lewis Carolls Buch „Alice hinter den Spiegeln“ erlangte: „I’m afraid all the king’s horses and all the king’s men won’t do much for that.“ Da aber auch hier wieder der Bekanntheitsgrad in Deutschland nicht zu groß war, verwendete man in der Übersetzung ein Sprichwort: „Ich fürchte, Sie müssen sich mit dem alten Spruch trösten, dass Scherben Glück bringen.“

Gänzlich anders übersetzt wurde auch der Satz, der tatsächlich den Titel des Films beinhaltet. Beim Anblick von San Franzisko aus der Gondel von Zorins Zeppelin meint seine Freundin May Day beeindruckt: „Wow! What a view!“, worauf Zorin antwortet: „To a kill!“ Im Deutschen ist das Gespräch banaler: „Wow! Was für eine Aussicht!“ – „Auf das große Geschäft!“

Geändert wurden auch die nationalsozialistischen Bezüge von Zorins „Erschaffer“ Mortner, der in einem KZ Experimente mit schwangeren Frauen machte, in der deutschen Fassung wurde er zu einem polnischen Wissenschaftler, der für den KGB arbeitete.

  • Ein Blick auf die Story

Wieder wurde ein aktuelles Thema aufgegriffen: Computerchips, die immer wichtiger wurden für die Welt, so wichtig, dass selbst die Russen am Ende Bond den Lenin-Orden verleihen wollten, weil er die Zerstörung von Silicon Valley verhindert hat. Doch es sind gewisse Ermüdungserscheinungen zu sehen. Sehr auffällig sind die per Blue-Screen-Verfahren eingefügten Nahaufnahmen von Roger Moore in der Skisequenz am Anfang, die so gar nicht zum Rest passen wollen. Roger Moore selbst fand, dass es nunmehr Zeit würde, den Hut zu nehmen und den Platz für einen Jüngeren zu räumen. Wie es mit Bond weitergehen sollte, wusste man nicht genau, so dass sogar am Ende des Films der Titel der Fortsetzung nicht genannt wurde, sondern es nur hieß: „James Bond will return“.

Interessanterweise hatte Christopher Walken als Zorin die besseren Kritiken, als der Held des Films selbst. Das Konzept bedurfte offenbar einer Überarbeitung, obwohl natürlich auch „Im Angesicht des Todes“ kein wirklicher Misserfolg war. Die Produzenten sahen diese Möglichkeit der Überarbeitung mit einem neuen Hauptdarsteller nun gekommen. In der Tat änderten sie einiges.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

AGENT MIT EIGENSINN: Timothy Dalton ist James Bond

Agent im Wiedereingliederungsprogramm: Sean Connery ist (mal wieder) James Bond

1971: Der Tod seiner Ehefrau hat Bond offenbar doch stärker mitgenommen, als man später vermuten möchte. In den zwei Jahren seitdem sie von einem Querschläger getroffen wurde, als Blofeld auf Bond schießen ließ, ist er wiederum um neun Jahre gealtert. Die zwei Jahre hat er offenbar im Wiedereingliederungsprogramm des MI-6 verbracht. Außerdem hat er den Mörder seiner Frau gejagt, um ihn zur Strecke zu bringen. Nun endlich hat er eine heiße Spur.

DIAMANTENFIEBER

Nachdem Bond Blofeld endgültig erledigt hat, wird er auf eine seiner Meinung nach „ziemlich simple Schmuggelaffäre“ angesetzt, Diamanten, die aus afrikanischen Minen verschwinden, aber nicht auf dem Markt auftauchen. Dazu nimmt er die Identität des Schmugglers Peter Franks an und trifft sich mit der Kontaktperson Tiffany Case in Amsterdam, von wo aus eine große Menge Diamanten nach Amerika zu bringen ist. Allerdings scheint etwas großes bevorzustehen, denn nachdem sie ihre Aufgabe erledigt haben, werden alle am Schmuggel Beteiligten nach und nach von dem Killerpärchen Mr. Wint und Mr. Kidd umgebracht. Die Fäden laufen offenbar im Penthouse des Milliardärs Willard Whyte in Las Vegas zusammen, der ein Weltraumforschungsprogramm betreibt. Tatsächlich sollen die Diamanten einem besonderen Zweck dienen, doch dahinter steckt nicht Whyte…

  • Synchronisation

Da Gerd Günter Hoffmann sowohl George Lazenby als auch Sean Connery sprach – wie auch in diesem Film -, war ein Übergang nicht notwendig. Im Original aber schon, und wenn man genau hinhört, wird man feststellen, dass Connery in den ersten Szenen, in denen man sein Gesicht nicht sieht, versucht, wie Lazenby zu klingen. Erst als er ganz ins Bild kommt und seinen berühmten Satz „My name is Bond, James Bond.“ sagen darf, klingt er wieder wie er selbst. In der Eingangsszene gingen leider ein paar Wortspielchen verloren, die sich nicht übersetzen lassen. Der Mann in dem Kasino sagt beispielsweise „Hit me!“, bevor er von Bond niedergeschlagen wird. „Hit“ ist eine Ansage beim „Black Jack“, die hier aber natürlich als Gag verarbeitet wurde (bedeutet wörtlich übersetzt „Schlag mich!“). Leider konnte diese Doppeldeutigkeit nicht übertragen werden, die deutsche Synchro „Reicht mir!“ ist aber sogar falsch: „Hit me!“ bedeutet, dass man noch eine Karte haben möchte, nicht, dass man genug hat.

Ein weiteres Bonmot geht verloren, als Bond der Französin Marie das Bikinioberteil auszieht, wobei er sagt: „There’s something I like to take off your chest.“ (wörtlich: „Ich möchte Ihre Brust um etwas erleichtern.“, im übertragenen Sinne bedeutet es allerdings, „eine Last vom Herzen nehmen“). Wieder die Doppeldeutigkeit, zuerst wirkt seine Anspielung sexuell, dann allerdings schlingt er das Oberteil um Maries Hals und macht deutlich, was er wirklich will: Informationen über Blofelds Aufenthaltsort.

In Amsterdam, als Bond Peter Franks, der mittlerweile aus dem Polizeigewahrsam geflohen ist, aufhalten will, tut er so, als sei er ein Einheimischer, spricht dabei allerdings zuerst Deutsch (er sagt sehr deutlich „Guten Abend!“). Sein künstlich radegebrochenes Englisch („Are you English? I speak English!“) wurde nicht ins Deutsche übertragen. Etwas später, als Bond dem toten Franks seine eigene Brieftasche zusteckt und so die Rollen tauscht, sagt er – quasi über sich selbst – „Man lebt eben doch zweimal.“ Der Bezug auf den gleichnamigen Bond-Film kommt im Original nicht vor, dort heißt es „No one is indestructable.“

Als Bond die Diamanten mit Hilfe der Leiche des toten Peter Franks in die Vereinigten Staaten einschmuggelt und sein Freund Felix Leiter den Sarg kontrolliert, findet er nichts, worauf Bond eine Anspielung auf Sherlock Holmes macht: „Elementary, Doctor Leiter.“ Im Deutschen verrät er ihm, wo die Diamanten versteckt sind: „Im Magen-Darm-Trakt, Doktor Leiter!“

Eine weitere anzügliche Anspielung konnte ebenfalls nicht direkt übertragen werden: Als Bond im Kasino in Las Vegas Plenty O’Toole trifft, stellt sie sich mit den Worten vor: „Hi there, I’m Plenty!“ Bond blickt in ihren Ausschnitt und meint nur: „But of course you are!“ Das Wort „plenty“ bedeutet „viel“ oder „eine Menge“, das Wortspiel ließ sich nicht übertragen, deswegen heißt Plenty auf Deutsch auch „Penny“. Das Gespräch allerdings wurde wörtlich übersetzt, es enthält eben nur keine Anspielung mehr.

Zuletzt ist noch auf die Synchronstimme von Doktor Metz einzugehen, über die sich die Geister schieden. Der Sprecher gab Metz nämlich einen sächsischen Dialekt, aber das geschah in Anlehnung an das Original: Metz ist Deutscher, und er spricht Englisch mit deutschem Akzent. Auch Klaus Hergesheimer („Sektion G!“) spricht eigentlich mit Akzent, aber der wurde nicht übertragen.

  • Ein Blick auf die Story

Nachdem im Anschluss an „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ klar war, dass George Lazenby Bond nicht mehr spielen würde, wurde nach jemand anderem gesucht. Da der letzte Film nicht so gut gelaufen war, gerieten die Produzenten in die Versuchung, James Bond dem Markt anzupassen. Er sollte (Zitat) „amerikanischer“ werden. Zu diesem Zweck wurde sogar ein Amerikaner, nämlich John Gavin, für die Rolle engagiert. Dann jedoch besann man sich auf Connery, der mit viel Geld und der Zusage zu zwei weiteren „Nicht-Bond“-Filmen überredet werden konnte, wieder in die Rolle des Geheimagenten zu schlüpfen.

Man kehrte auch wieder zu Bonds altem, etwas brutalerem Stil zurück. Sehr deutlich ist das im Teaser zu sehen, als Bond Blofeld finden will und er brutal mit den Informanten, sogar mit der Frau, umspringt. Allerdings wird auf das Ende von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ nicht weiter eingegangen, nicht auf Bonds tote Ehefrau und auch nicht auf die Tatsache, dass dieser kurzfristig seinen Dienst für Königin und Krone quittiert hatte. Bond ist eben wieder da, das ist alles. Es wirkt ein wenig so, als wollte man den letzten Film schnell abschütteln, ihn wie eine missglückte Episode abschütteln.

Im Zuge dessen kehrte man zum Gigantismus zurück: Blofeld bedroht mit einem Lasersatelitten die ganze Welt. Welches Land am Meisten zahlt, dessen Atomwaffen werden nicht vernichtet. Die ganze Welt ist Blofelds Geisel – und wieder gibt es ein raffiniertes Versteck, das am Ende in die Luft fliegt. Ein Spektakel – und ein krasser Kontrast zu Lazenbys Bond, der tatsächlich sowas wie Tiefe aufbaute. Connerys Bond lässt nicht in sich hineinblicken, er erledigt seinen Job – wie drückt er sich doch aus, als er auf Blofelds Ölbohrplattform kommt: „Wir reinigen die Welt, und bei Ihnen fangen wir an!“

Dass man mit diesem Film eine Art Wiedergutmachung leisten wollte, zeigt auch, dass hier ungewöhnlich viele Szenen der Schere zum Opfer fielen, die ihn nur langatmiger gemacht hätten. Man ist beim Schreiben etwas übers Ziel hinausgeschossen, etwa als für eine Sequenz in Whytes Hotel Sammy Davis Junior persönlich gewonnen wurde. Auf Experimente verzichtete man weitgehend, und so kam eine nette James-Bond-Abenteuergeschichte heraus, die aber leider auch nicht mehr ist. Einige Flüchtigkeitsfehler trüben das Bild zudem, etwa als die Bauarbeiter in der Wüste eine Pipeline verlegen, ohne zu merken, dass der bewusstlose Bond in einer der Röhren liegt oder als Tiffany Case den als Frau verkleideten Blofeld an seiner weißen Katze erkennt, obwohl sie ihn nie zuvor gesehen hat.

Nach Abschluss der Arbeiten verkündete Sean Connery zum wiederholten Male seinen Abschied von der Rolle des James Bond. Die Produzenten standen also erneut vor der Aufgabe, einen Nachfolger zu finden. Denn wie schon Tradition, so war auch bei diesem Film die Fortsetzung im Abspann schon angekündigt: „Live and Let Die“.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

AGENT MIT BESONDERER NOTE: Roger Moore ist James Bond

Agent mit Herz: George Lazenby ist James Bond

Nach den Ereignissen von „Feuerball“ ist Bond offenbar in die Klinik „Shrublands“ zurückgekehrt, um sich weiteren Behandlungen zu unterziehen. Denn als er uns zum Beginn seines neuesten Abenteuers begegnet, sieht er mindestens neun Jahre jünger aus. Außerdem hatte er offenbar Zeit, sein Leben zu überdenken. Er zweifelt an seiner Arbeit und ob es wirklich das Richtige für ihn ist, vor allem, nachdem er einer unbekannten Schönen begegnet.

IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT

Bonds Suche nach Ernest Stavro Blofeld gerät ins Stocken, als er der Gräfin Teresa – genannt Tracy – di Vicenzo über den Weg läuft. Sie ist die Tochter des notorischen Gauners Marc Ange Draco, der Bond wertvolle Informationen über Blofeld liefern könnte. Draco bietet Bond eine Million Pfund Sterling, wenn er Tracy heiratet, doch das muss er gar nicht mehr: Bond hat sich verliebt – und es ist offenbar etwas anderes als seine bisherigen Liebschaften. Außerdem kann Draco wertvolle Informationen liefern, so dass Bond Blofeld auf die Spur kommt, der inzwischen in der Schweiz residiert, auf dem „Piz Gloria“, und versucht, sich den Adelstitel „Vicomte de Bleauchamp“ vom königlichen Heraldik-Institut bestätigen zu lassen. Bond gibt sich als der Heraldiker Sir Hillary Bray aus und wird in Blofeld Hauptquartier gelassen, als jedoch seine Tarnung auffliegt, muss er flüchten – und landet geradewegs in Tracys Armen. Noch immer gejagt von Blofelds Häschern trifft der Agent eine folgenschwere Entscheidung: Er will seine Karriere beim Geheimdienst aufgeben und Tracy heiraten…

  • Synchronisation

Ein neuer Darsteller des James Bond – aber keine neue Stimme: Auch George Lazenby wird von Gerd Günter Hoffmann gesprochen. Allerdings ist bei der Synchronarbeit offenbar niemanden aufgefallen, dass man sich eine Tricks bedient hat, wenn Bond Sir Hillary Bray verkörpert. Es ist nämlich nicht Lazenbys Stimme, die man in diesen Szenen hört, sondern die des Darsteller von Sir Bray, George Baker. Damit sollte klargemacht werden, dass Bonds Tarnung nahezu perfekt ist. An anderen Stellen wurde teilweise mehr eingedeutscht, zum Beispiel der italienische Hotelconcierge, der mit Akzent und italienischen Phrasen spricht (so schwärmt er von Tracy: „Que bello!“, sagt auf Deutsch aber: „Eine Schönheit!“). Selbst das Lied „Do you know how Christmas Trees are grown?“, das bei Bonds Ankunft unterhalb von Piz Gloria im Hintergrund zu hören ist, wurde durch die deutsche Version „Wovon träumt ein Weihnachtsbaum im Mai?“ (gesungen von Katja Ebstein) ersetzt. Und als Bond sich zu Irma Bund in die Kutsche setzt und sie ihn fragt, ob er bequem sitzt, ist seine Antwort: „Yes, Fraulein, very comfortable.“, auf Deutsch aber: „Mehr warm als bequem.“ Der Polizist schließlich, der am Ende des Films neben Bonds Auto anhält, hat im Original gar keinen Text, darf im Deutschen aber eine Frage stellen.

Bei der Bearbeitung des Films für die „Ultimate Edition“ auf DVD wurde eine Szene eingefügt, die man aus dem Film entfernt hatte: Während Bond in das Büro der Anwaltskanzlei Gumboldt einbricht, unterhalten sich Tracy und Draco darüber, was zwischen Bond und ihr läuft. Die Szene musste nachträglich synchronisiert werden, dabei wurden leider andere Sprecher als bei der ursprünglichen Synchro verwendet.

  • Ein Blick auf die Story

Nachdem Connery den Ausstieg aus der Bond-Reihe verkündet hatte, musste ein Ersatz gefunden werden. Der Australier George Lazenby wurde durch einen Werbespot entdeckt, man traute ihm zu, die Geschichte, die man mit Bond vorhatte, glaubwürdig herüberzubringen. Den Produzenten war nach „Man lebt nur zweimal“ klar geworden, dass man den Gigantismus nicht beliebig würde steigern können, also wollte man die Handlung auf den Boden zurückholen. Der Einsatz der „Gadgets“ der Abteilung Q wurde zurückgefahren und außerdem durfte 007 sowas wie ein Gefühlsleben entwickeln. Seine Liebe zu Tracy sollte so stark sein, dass er für sie sogar seinen Beruf an den Nagel hängen würde. Das tragische Schicksal, das sie am Ende des Films ereilt, war auch schon vorgezeichnet und das Drehbuch so geschrieben, das es zwei Versionen hätte geben können: Eine, bei der der Film in dem Moment beendet gewesen wäre, da das Auto der frisch verheirateten davonfuhr und die Szene, in der Tracy von Blofeld erschossen wird, am Anfang des nächsten Films gekommen wäre; die zweite wurde aber letztlich verwendet, nämlich dass Tracys Tod das Ende darstellte. Und das war ein Glücksfall, denn Lazenby sollte keinen weiteren Bond-Film mehr machen. Die Beteiligten der Filmproduktion gaben in Interviews Jahre später zu, dass Lazenby so eine Art Sündenbock war, denn er wurde dafür verantwortlich gemacht, dass der Film „nicht ganz so“ erfolgreich lief, wie seine Vorgänger, und gefeuert.

„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ ist ein für diese Reihe ungewöhnlicher Film. Zwar weiß Bond sich immer noch mit seinen Fäusten – und allerlei anderen Waffen – zur Wehr zu setzen, doch es gibt Momente, da zeigt er Persönlichkeit. Er ist keine Killermaschine, sondern ein Mensch, der auch Gefühle hat. Etwas merkwürdig kommt es einem nur vor, dass Bond so unsterblich in Tracy verliebt ist, aber auf Piz Gloria mit mehreren der dort zur Kur weilenden Frauen eine Affäre beginnt. Mit Telly Savalas in der Rolle von Blofeld hat man Bond zugleich einen Bösewicht von Format ausgesucht. Eigentlich hatte der Film also gute Zutaten. Leider war die Presse schon skeptisch, als sie erfuhr, dass es einen Nachfolger für Connery geben würde und der relativ unbekannt war. Mit Genuss wurden Geschichten weiterverbreitet, etwa dass Diana Rigg, die Darstellerin der Tracy, angeblich Lazenby aufdringlich fand und vor den Kussszenen absichtlich Knoblauch zu sich nahm, damit er es nicht übertrieb. Bond war also schon angeschlagen, bevor der Film überhaupt in den Kinos lief. Nicht einmal die Tatsache, dass George Lazenby als „Bester Nachwuchsdarsteller“ mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, half weiter.

„Versöhnung der Technik mit der Natur“, so lautet die Inschrift auf dem Piz Gloria, die in einer Szene zu sehen ist. Man könnte es als Credo für diesen Film sehen, denn die Technik, die in den letzten Produktionen überhand genommen hatte, wurde wieder etwas zurückgefahren, um dem Menschlichen Platz zu machen. Bond bekam Tiefe, wenn auch hauptsächlich nur für diese Folge. Offenbar war die Zeit noch nicht reif für den „Mensch James Bond“, sondern nur für den Superhelden.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

„AGENT IM WIEDEREINGLIEDERUNGSPROGRAMM: Sean Connery ist (mal wieder) James Bond“

Agent auf Anfang: Sean Connery ist James Bond

England, in den 1950er Jahren. Ein junger Mann aus einer wohlhabenden Familie tritt nach mehreren Studiengängen und Erfahrungen in der britischen Marine seinen Dienst bei der Auslandsabteilung des britischen Geheimdienstes MI-6 an. Er ist für diese Arbeit prädestiniert, denn er ist Vollwaise, unverheiratet und hat keine Kinder. Sein Name ist Bond, James Bond, und er wird in den folgenden Jahren zum wertvollsten Mitarbeiter des Geheimdienstes werden. Er erhält die „Lizenz zum Töten“ und bekommt die Codenummer „007“.

JAMES BOND JAGT DOKTOR NO

Auf Jamaika verschwinden der Kontaktmann des britischen Geheimdienstes, Strangways, und seine Sekretärin spurlos. Der Spitzenagent James Bond wird auf diesen Fall angesetzt. Er findet heraus, dass Strangways auf seiner Suche nach einer Störquelle, die amerikanische Raketen von ihrem Kurs ablenkt, eine Insel mit Namen „Crab Key“ und deren Besitzer Doktor No im Auge hatte. Nachdem ihm mehrfach aufgelauert wird, arbeitet er mit dem CIA-Agenten Felix Leiter und dem Eingeborenen Quarrel zusammen, um auf die Insel zu kommen. Dort trifft er nicht nur auf die nach Muscheln suchende Honey Rider, sondern auch auf einen Drachen und eine wahre Armee von Wachmannschaften. Endlich jedoch steht er dem Gebieter der Insel gegenüber: Doktor No in Person…

  • Synchronisation

Wenn man den Film heute betrachtet, fällt einem zuallererst die deutsche Stimme von Sean Connery auf. Dabei handelt es sich um Klaus Kindler, der das nur in diesem Film machte. In allen weiteren Bond-Filmen wird Connery von Gerd Günther Hoffman gesprochen. Die Qualität der Synchro ist ganz ordentlich, es wurden ein paar Anpassungen vorgenommen, zum Teil auch zum Vorteil. Etwa als Bond von einem Leichenwagen verfolgt wird, der dann einen Abhang herunterstürzt. Bond wird gefragt, was passiert sei. Im Original antwortet er: „Die hatten es wohl eilig, zu einer Beerdigung zu kommen.“ Im Deutschen wird daraus: „Die hatten es wohl eilig, zu ihrer eigenen Beerdigung zu kommen.“ Der deutsche Satz passt viel besser zu dem Zynismus, den man Bond zugeschrieben hat (dazu später mehr).
Abgeschwächt wurde hingegen die Erklärung, was eine Lizenz zum Töten sei. Im Original ist es eindeutig – Bond „darf“ andere töten. In der deutschen Fassung wurde „im Notfall“ eingefügt, so dass es so klingt, als sei seine „Lizenz zum Töten“ nichts weiter als eine erweiterte Notwehrerlaubnis.
Chaotisch wird die Synchro bei Doktor No und der Organisation, der er angehört. Offenbar dachten die Übersetzer nicht an die Möglichkeit einer Fortsetzung, so dass diese Organisation in „Doktor No“ den Namen „GOFTAR“ bekam, später zuerst „Phantom“ und schließlich wie im Original „SPECTRE“ genannt wurde. „Spectre“ ist ein Ausdruck der Vorliebe der Engländer für „sprechende Abkürzungen“. „Spectre“ als Wort bedeutet soviel wie „Gespenst“ oder „Phantom“, es ist hier aber gleichzeitig die Abkürzung für „SPecial Executive for Counterspionage, Terrorism and REvenge“. Die Doppeldeutigkeit wurde in „Doktor No“ weggelassen und dafür versuchte man, die Bedeutung wörtlich zu übertragen: „GOFTAR“ bedeutet „GeheimOrganisation Für Terror, [Spionage], Angriff und Rache“. Noch dazu behauptet No im Deutschen, er wäre „Präsident“, während er im Englischen lediglich ein „member“ ist. In der Fortsetzung „Liebesgrüße aus Moskau“ wird auch nur noch davon geredet, dass No ein „Mitarbeiter“ von SPECTRE gewesen sei.

  • Ein Blick auf die Story

Dass eine Reihe von James-Bond-Filmen erfolgreich werden könnte, erkannten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman bereits sehr früh unabhängig voneinander. Allerdings hatten Sie ein Problem: „Casino Royale“, der eigentlich den Auftakt für die Buch-Reihe bildete, war bereits vom amerikanischen Fernsehsender CBS verfilmt worden und die Filmrechte von daher nicht verfügbar. Anfang der 1960er Jahre hatten schließlich Ian Fleming, Kevin McClory und Jack Whittingham in Gemeinschaftsarbeit ein Konzept entwickelt, das entweder die Pilotfolge einer Fernsehserie über James Bond werden sollte, oder aber der erste Film. Als die Überlegungen zu einem solchen Projekt ins Stocken gerieten, wurden die Arbeiten an dem Drehbuch aufgegeben, aber Fleming verwendete sie für seinen neuesten Roman: „Thunderball“. Da er seine Mitschreiber nicht angegeben hatte, kam es zu Rechtsstreitigkeiten, die zu dem Zeitpunkt, da endlich ein Bond-Film gedreht werden sollte, noch nicht beendet waren. Deswegen fiel auch dieses Konzept von vornherein flach.

Dann begann man die bisher erschienenen Romane zu durchsuchen und fand „Dr. No“ am geeignetsten. Eine andere Wahl wäre „Leben und sterben lassen“ gewesen, doch an den traute man sich noch nicht heran, weil der Bösewicht hier ein Farbiger war, und man sich nicht dem Vorwurf des Rassismus aussetzen wollte. Dafür nahm man ein paar Anpassungen vor, zum Beispiel in Bezug auf den Jamaikaner Quarrel oder den CIA-Agent Felix Leiter, die Bond beide im Roman bereits kennt, hier aber erst noch kennenlernen muss. Die Einführung der Verbrecherorganisation SPECTRE diente dazu, die Geschichten zu „entpolitisieren“, wo immer das für nötig befunden wurde. Hauptsächlich war das in „Liebesgrüße aus Moskau“ der Fall, dort ist in der Romanvorlage der russische Geheimdienst Bonds Gegner. SPECTRE wurde ursprünglich im Rahmen des „Thunderball“-Konzepts erfunden.

Der Auftakt hat noch nicht alles, was Bond später auszeichnet, und im Vergleich zu späteren Filmen nimmt er sich fast bescheiden aus. Bond erhält zum Beispiel als einzigen Ausrüstungsgegenstand von der Abteilung Q (deren Leiter allerdings als „Major Boothroyd“ angesprochen wird) seine neue Dienstwaffe, eine Walter PPK. Maurice Binder hatte den Einfall, den Film mit einer Sequenz zu beginnen, bei der man Bond durch den Lauf einer Pistole sieht – damit war das Markenzeichen der Serie schlechthin geboren. Monty Norman komponierte die Musik und das „James-Bond-Thema“ – und den letzten Schliff für die Figur gab Hauptdarsteller Sean Connery selbst. In einer Szene fährt Bond bei der britischen Botschaft vor. Auf dem Rücksitz seines Wagens sitzt die Leiche eines Handlangers von Doktor No, der sich, nachdem Bond ihn überwältigt hatte, selbst mit Zyankali vergiftete. Laut Drehbuch sollte Bond einfach aussteigen und in die Botschaft gehen, vorbei an dem Wachposten, dem kurz darauf auffällt, dass der Passagier im Wagen tot ist. Regisseur Terence Young gefiel das nicht, ihm fehlte etwas. Also sagte er zu Connery: „Improvisiere. Sag irgendwas zu dem Wachposten.“ Dieser überlegte kurz, dann wurde die Szene gedreht. Connery fährt vor, die Leiche auf dem Rücksitz. Er steigt aus, geht auf die Wache zu, deutet auf den Toten und meint: „Passen Sie auf, dass er sich nicht verdrückt.“ Der Satz ist die Geburtsstunde des typischen Bond-Zynismus, mit dem dieser in Zukunft viele seiner Handlungen kommentieren wird.

Aus heutiger Sicht wirkt „Doktor No“ natürlich ein wenig antiquiert. Manche Kampfszenen wirken ein wenig hölzern und mancher Blue-Screen-Effekt ist deutlich sichtbar (trotz der Bearbeitung des Videomaterials für die DVD-Veröffentlichung). Auch kommt meiner Ansicht nach nicht ganz klar raus, warum Doktor No eigentlich die amerikanischen Raketen mit Hilfe seiner Strahlen in die Irre lenkt. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen Klassiker, der die Starthilfe für das Genre des Agentenfilms gab und den ersten Schritt zu einer der erfolgreichsten Filmserien aller Zeiten darstellt.

LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU

Den britischen Geheimdienst erreicht eine Nachricht aus Istanbul. Tatjana Romanova, Mitarbeiterin der russischen Botschaft, hat sich in das Passbild des britischen Agenten James Bond verliebt. Sie will ihn kennenlernen und bietet an, eine „Lektor“, eine russische Dechiffriermaschine zu beschaffen. Alles was man tun muss, ist, ihr zur Flucht zu verhelfen. Geheimdienstchef M wittert eine Falle – und er hat mehr recht, als ihm lieb ist: Hinter der Aktion stecken nicht die Russen, sondern die Verbrecherorganisation „Phantom“ (Spectre). Der Plan ist, Bond büßen zu lassen für den Tod von Doktor No und gleichzeitig mit den Russen ein gutes Geschäft zu machen, wenn man ihnen ihre Dechiffriermaschine zurückbringt. Bond begibt sich nach Istanbul, stets überwacht von dem Phantom-Agenten Red Grant…

  • Synchronisation

Was natürlich als erstes zu bemerken ist, ist Gerd Günther Hoffman, der ab diesem Film Connerys Stammsprecher wurde. Als zweites fällt auf, dass man nun doch auf die Idee kam, den Namen der Organisation „Spectre“ besser zu übersetzen, und zwar mit „Phantom“. Das passt recht gut, dummerweise gibt es dazu aber keine Abkürzung wie im Orginal. In der Kinovorschau führte das zu einer recht witzigen Situation, wenn man die englische und die deutsche Version des Vorschaufilms vergleicht, denn hier wurde mit großen Buchstaben auf SPECTRE hingewiesen und gleich die Bedeutung geliefert: „Special Executive…“ Im Deutschen kommt an der Stelle PHANTOM, sowie der Hinweis, dass es sich um eine internationale Verbrecherorganisation handelt. Für ein wenig Verwirrung beim deutschen Publikum sorgte die Tatsache, dass der in dieser Folge nur von hinten zu sehende Spectre-Chef Blofeld von Friedrich Jolow gesprochen wurde. Jolow hatte zuvor in „James Bond jagt Doktor No“ dem Titelbösewicht seine Stimme geliehen und so war nicht klar, ob Doktor No und der geheimnisvolle Fremde dieselbe Person sein sollen. Blofelds Name wird übrigens nicht genannt, auch in der Originalfassung nicht, er ist lediglich „Nummer 1“. Im Abspann jedoch wird er erwähnt, allerdings ist kein Darsteller angegeben, lediglich ein „?“.

  • Ein Blick auf die Story

Das ursprüngliche Konzept sah vor, den Zuschauer ein wenig aufs Glatteis zu führen. Die Geschichte sollte mit der Rekrutierung von Tatjana Romanova durch Rosa Klebb beginnen, so dass der Zuschauer zuerst glauben sollte, die Russen stecken hinter allem. Erst später wäre die Szene in Venedig gefolgt, in der klar wird, dass der Plan von „Phantom“ eingefädelt wurde und Klebb nicht mehr dem russischen Geheimdienst angehört. Auch die Szene, in der Red Grant ein James-Bond-Double tötet, sollte erst später kommen. Als die erste Schnittfassung erstellt wurde, kam man darauf, die Szenen umzustellen. Dabei erfand man ein weiteres Markenzeichen zukünftiger Bond-Filme sein sollte: die Auftaktsepisode, kurz „Teaser“. Die Szene mit Red Grant wurde herausgenommen und zwischen den Anfang mit dem Pistolenlauf und der Titelsequenz gesetzt.
Was die Titelsequenz betrifft, dieser merkt man an, dass Maurice Binder nicht verfügbar war. Die Idee, die Titel auf den Körper einer Bauchtänzerin zu projizieren, ist nett, mehr aber auch nicht. Der Ideenreichtum Binders fehlt völlig, aber dieser sollte erst wieder ab „Feuerball“ die Gestaltung des Titels in die Hand nehmen. Zudem wurde für die Sequenz nicht die von Matt Munroe gesungene Fassung des Liedes „From Russia with Love“ genommen, sondern eine instrumentale.

Die Haupthandlung des Films wurde ebenfalls neu zusammengestellt und die Venedigszene, in der der Plan von „Phantom“ erklärt wird, an den Anfang genommen. Zwar musste die Szene dazu nachsynchronisiert werden, damit der Text in die neue Handlungsanordnung passt, aber es hat dem Film nur gut getan. Da der Zuschauer nun von Anfang an über das doppelte Spiel von „Phantom“ Bescheid weiß, kommt ein zusätzliches Spannungsmoment hinzu, wann James Bond endlich merkt, wer der Gegner wirklich ist.

Erstmals taucht in diesem Film Desmond Llewelyn als Waffenmeister „Q“ auf, und erstmals darf er Bond mit den „Gadgets“ ausstatten, für die die Filmreihe auch berühmt werden sollte. In diesem Fall ist es ein speziell ausgestatteter Koffer mit diversen Geheimfächern und der Sicherung durch eine Tränengaspatrone.

Natürlich wirkt auch diese Handlung etwas antiquiert angesichts des typischen „Kalter-Krieg“-Konflikts, aber die Reihe und ihre Technik hatten sich entwickelt. Der Kampf zwischen Bond und Red Grant in dem Zugabteil wurde so real wie möglich umgesetzt, dass selbst bei der Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen mehr als zwanzig Jahre später überlegt wurde, diese Szene wegen ihrer Brutalität zu kürzen. Gegenüber dem Roman hat die Handlung des Films wesentliche Änderungen erfahren. „Phantom“ wurde hineingeschrieben, damit es zu keinem diplomatischen Zwischenfall mit den Russen kommen konnte, wären diese als Bösewichte dargestellt worden. Und das Kinoplakat, durch das der bulgarische Attentäter Krilencu flüchtet, ist im Roman nicht ein Bild von Anita Ekberg, sondern Marilyn Monroe. Das Plakat gab den Produzenten allerdings eine Möglichkeit, Schleichwerbung für den im gleichen Jahr erschienenen Film „Call me Bwana“ zu machen.

„Liebesgrüße aus Moskau“ ist eine solide Abenteuergeschichte, mit der der Weg von James Bond an die Spitze der Kinounterhaltung abgesteckt wurde. Der Erfolg war entsprechend und lieferte die Möglichkeit, den folgenden Film noch aufwändiger zu gestalten.

Dass es einen weiteren Film geben würde, daran ließen die Produzenten keinen Zweifel, nicht nur dadurch, dass die Identität Blofelds nicht aufgedeckt wurde, sondern auch an dem Satz, der ab da in jedem Abspann zu lesen sein sollte: „James Bond will return.“

GOLDFINGER

Der britische Geheimdienst hat ein Auge auf den Millionär Auric Goldfinger geworfen. Dieser schmuggelt Gold in großen Mengen, und Bond wird auf ihn angesetzt, um herauszufinden, was dahinter steckt. Bei seinem ersten Treffen überführt Bond Goldfinger des Falschspiels, was seine Geliebte ausbaden muss: Sie wird getötet, indem man sie mit Gold überzieht. Bond folgt Goldfinger in die Schweiz, wo dieser eine Fabrik hat, und erfährt, dass er eine große Aktion plant, die den Namen „Unternehmen Grandslam“ trägt. Der Geheimagent wird überwältigt und in die USA verschleppt. Dort wird klar: das Ziel von „Unternehmen Grandslam“ ist das Golddepot der Vereinigten Staaten in Fort Knox. Doch Goldfinger will nichts stehlen, im Gegenteil…

  • Synchronisation

Leider entgeht dem englischsprachigen Publikum etwas, nämlich Gert Fröbes Originalstimme. Sein gesamter Part wurde von Michael Collins nachsynchronisiert, da Fröbe zu unverständlich sprach. Lediglich in einem Trailer, der nicht synchronisiert wurde, ist er im Original zu hören, wie er den Satz „No, I expect you to die!“ sagt. Ein paar Anpassungen gab es wieder gegenüber dem Original, etwa den Satz „Shocking… positively shocking.“, der sich nicht wörtlich übertragen ließ (Bond sagt dies, nachdem er den Angreifer im Teaser mit Hilfe eines ins Badewasser geworfenen Heizstrahlers erledigt hat).

  • Ein Blick auf die Story

Mit „Goldfinger“ zog der Gigantismus in die Agentenreihe ein. Während bei „Doktor No“ lediglich ein paar Raketen fehlgelenkt wurden und es in „Liebesgrüße aus Moskau“ um eine Dechiffriermaschine ging, nahmen die Bedrohungen ab sofort regelmäßig globale Ausmaße an (zumindest war aber eine größere Menge Menschen in Gefahr). In diesem Film ging es um die Weltwirtschaft, die ins Chaos gestürzt worden wäre, hätte Goldfinger seinen Plan durchziehen können, die Goldvorräte der USA in Fort Knox radioaktiv zu verseuchen (hm… möglicherweise hat ein Nachfahre von Goldfinger diese Pläne im September 2008 erfolgreich zu Ende gebracht?). Doch die Geschichte ist solide und nicht zu übertrieben. Das „Delta-9-Nervengas“ habe ich im Internet allerdings nicht gefunden (lediglich Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz „THC“, dem Bestandteil von Cannabis). Auch Goldfingers Riesenlaser gehörte in den 1960er Jahren noch nicht zur Standardausstattung von Verbrechern. Allerdings waren die Offiziellen von Fort Knox beeindruckt, wie gut das Innere des Tresors wiedergegeben sei, obwohl keiner vom Filmteam aus Sicherheitsgründen Zutritt zu diesem Raum hatte. Und zum ersten Mal darf der Zuschauer in diesem Film einen Blick auf die Werkstatt von Waffenmeister Q werfen, der mit dem trickreichen ASTON MARTIN DB5 das erste der großen Gadgets konstruiert, für die Bond berühmt ist.

Erneut war Maurice Binder für die Gestaltung des Haupttitels nicht verfügbar, also griff man auf die Idee von „Liebesgrüße aus Moskau“ zurück, nur projizierte man diesmal Ausschnitte aus den vergangenen beiden Filmen auf den Körper der jungen Dame, die ganz mit Gold überzogen wurde. Nicht sehr einfallsreich, aber zum Film passend. Shirley Bassey sang das Titellied, und diesmal wurde nicht die Instrumentalversion für den Einstieg verwendet.

„Goldfinger“ setzte einen Maßstab als Film, nicht nur für die James-Bond-Reihe, sondern auch für andere Werke. Die Serie hatte nun alle Bestandteile, die in Zukunft Synonym für den Namen „James Bond“ sein sollten: exotische Schauplätze, schöne Frauen, Abenteuer, eine große Gefahr, eine wohlklingende Titelmusik und Qs Spielereien.

FEUERBALL

SPECTRE / Phantom ist zurück. Durch gewiefte Manipulation gelingt es ihnen, zwei Atombomben zu erbeuten und die Welt zu erpressen. Bond, der zufällig Zeuge eines Teils dieser Manipulation geworden ist, verfolgt eine Spur auf die Bahamas, nach Nassau. Dort trifft er auf Emilio Largo, einem der Handlanger von Phantom. Er hat den Plan eingefädelt und ausgeführt und möchte jede Gefährdung durch Außenstehende vermeiden – erst recht durch einen britischen Geheimagenten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, die Atombomben zu finden und unschädlich zu machen, bevor sie zur Explosion gebracht werden…

  • Synchronisation

„Schwitze, Gräflein, schwitze schnell, schwitzen macht die Äuglein hell… hrm…“

Die Synchronisation nahm sich ein paar Freiheiten heraus. Das kleine Liedchen trällert Bond, nachdem er Graf Lippe, Helfershelfer von Phantom, im Schwitzbad eingeschlossen hat – aber nur in der deutschen Fassung. An anderer Stelle mussten gewitzte englische Wortspiele übertragen werden, was leider nicht immer funktionierte. So sagt Bond zum Beispiel, nachdem er einen von Largos Handlangern mit einer Harpune erschossen hat: „I think he’s got the point.“, was im übertragenen Sinne soviel bedeutet wie „Ich glaube, jetzt hat er’s kapiert.“, aber auch wörtlich mit „Ich glaube, er hat die Spitze abgekriegt.“ übersetzt werden kann. Die Doppeldeutigkeit konnte leider nicht ins Deutsche übertragen werden, und so sagt Bond dort lediglich: „Einer weniger von den Strolchen.“ Der Titel des Films selbst musste angepasst werden, da „Donnerball“ („Thunderball“) im Deutschen nach nichts klingt (und phonetisch verdammt nahe an „Donnerbalken“ ist). Das ließ sich gut arrangieren, da es sich bei dem Begriff lediglich um den Codenamen für die Aktion des britischen Geheimdienstes handelt.

  • Ein Blick auf die Story

Die Geschichte von „Thunderball“ ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Nein, wirklich! Ursprünglich wurde das Konzept als Pilotfilm einer James-Bond-Fernsehserie entworfen, dann als erster Film für eine Kinoreihe, nachdem beides so nicht realisiert wurde, schrieb Fleming es in einen Roman um. Dummerweise hatte er aber die Geschichte nicht allein entworfen und versäumte es sträflich, seine Co-Autoren Kevin McClory und Jack Whittingham zu erwähnen. Ein Gerichtsverfahren folgte, schließlich einigte man sich darauf, dass die Autoren an den Umsätzen beteiligt würden und Kevin McClory erhielt zudem das Recht, den Roman nach Ablauf von 10 Jahren neu zu verfilmen.

Allerdings war „Thunderball“ nicht die erste Wahl für den neuen Film. Eigentlich wollten die Produzenten „On Her Majesty’s Secret Service“ verfilmen. Das scheiterte daran, dass ein Großteil dieser Geschichte im Schnee spielt und der Produktionsplan nicht auf den Winter ausgerichtet war. Daher wurde „On Her Majesty’s Secret Service“ zweimal verschoben. „Feuerball“ setzt den in „Goldfinger“ begonnen Gigantismus konsequent fort und bietet eine weitere spannende Abenteuergeschichte an exotischen Schauplätzen, die allerdings durch die Unterwasserschlachten manchmal etwas langatmig wirkt. Dennoch war das Publikum beeindruckt, so beeindruckt, dass das Militär bei der Produktionsfirma anrief und sich für die kleine Atemapparatur interessierte, die Bond benutzt. Sehr enttäuscht war man allerdings, als der Produzent mitteilen musste, dass dieses kleine Gerät, mit dem Bond für ein paar Minuten Luft bekommen sollte, nur getrickst war.

Bleibt nur noch auf die Rückkehr von Maurice Binder hinzuweisen, der fortan bei jedem Film für die Titelsequenz verantwortlich zeichnete. Binders Titel geben eine gute Einstimmung auf den jeweiligen Film und sind zweifellos eines der Markenzeichen der Reihe geworden.

MAN LEBT NUR ZWEIMAL

Eine Rakete der Amerikaner, besetzt mit zwei Astronauten, wird von einem unbekannten Raumschiff abgefangen und entführt. Die Amerikaner verdächtigen die Russen und drohen mit Krieg. Lediglich die Briten bewahren die Ruhe und weisen darauf hin, dass der unbekannte Flugkörper offenbar in Japan gelandet sein muss und setzen Bond auf den Fall an. Dazu täuschen sie dessen Tod vor und bringen in ihn Kontakt mit „Tiger“ Tanaka, dem japanischen Geheimdienstchef. Bond kommt dahinter, dass die Operation von einem Chemiekonzern, Osata Chemicals, versorgt wird. Stützpunkt des fremden Raumschiffs ist ein erloschener Krater, und hinter der Sache steckt (natürlich) niemand anderes als SPECTRE. Der Plan ist, die Amerikaner und Russen in einen Krieg zu provozieren, damit eine dritte Macht aufsteigen kann. Und endlich machen wir Bekanntschaft mit Spectre Nummer 1: Ernest Stavro Blofeld…

  • Synchronisation

Das Chaos über den Namen der Organisation, gegen die Bond kämpft, ist mit diesem Film komplett: Erst GOFTAR, dann PHANTOM, nun SPECTRE auch im Deutschen. Es gab auch noch weitere Anpassungen, deren Sinn nicht ganz klar wird. So bleibt Bond in der Szene der Sumo-Arena einmal stumm, während er im Original „domo arigato“ sagt. Als er auf der Ning-Po gefangen ist und von Helga Brandt verhört wird, zeigt ihn diese ein Skalpell und fragt: „Wissen Sie, was das ist?“ Im Englischen sagt Bond: „I’d rather not.“, im Deutschen nichts. Und als Tanaka und Bond die Badezeremonie begehen, fordert Tanaka die Mädchen mit einem „Ich bin der Hausherr!“ auf, ihn ebenfalls einzuseifen, während er im Original Japanisch spricht.

Im U-Boot wirft Moneypenny Bond ein Sprachlexikon zu, worauf jener sagt: „Du vergisst, dass ich in Cambridge Sprachen studiert habe. Doswidanje!“ Das letzte Wort ist natürlich als Scherz gemeint, da es Russisch und nicht Japanisch ist, kommt aber in der englischen Fassung nicht vor. Stattdessen heißt es dort, Bond habe „oriental languages“ studiert.

Das relativ niedliche „Pfannkuchengesicht“, das Tanaka der Frau bescheinigt, die Bond als Tarnung heiraten soll, ist im Original wesentlich härter: „She’s got a face like a pig!“ Und als diese Frau Bond Austern zum Abendessen serviert und dann darauf besteht, in getrennten Betten zu schlafen, sagt der Agent: „Then I won’t need these.“ als sexuelle Anspielung, was im Deutschen verharmlost wurde mit: „Dann will ich auch keine Austern.“

  • Ein Blick auf die Story

Ein aufwändiges Versteck, das am Ende in die Luft gesprengt wird, das sollte es ab diesem Film noch häufiger bei Bond geben. Dass es dazu kam, dafür sorgte der Umstand, dass sich ein Teil von Flemings Roman nicht umsetzen ließ. Der Autor hatte nämlich ein Schloss am Meer als Blofelds Versteck entworfen. Dummerweise bauten die Japaner in der Nähe des Meeres aber keine Schlösser, weil die Gefahr von Taifunen (die schon Wickie nicht froh machten) viel zu groß war. Also suchte man im Hubschrauber, der von einem ehemaligen Kamikaze-Piloten gesteuert wurde, nach etwas Neuem und kam auf die Idee, das Versteck in einem erloschenen Vulkankrater zu bauen. Dazu wurde die bis dahin größte Filmkulisse in den Pinewood Studios gebaut. Was am Ende in die Luft gesprengt wurde, war aber ein Modell.

Für die Rolle der Helga Brandt wurde die deutsche Schauspielerin Karin Dor engagiert. Leider gab es ein Problem, da sie eine Arbeitserlaubnis brauchte. 1966, als der Film gedreht wurde, war nun gerade Fußball-Weltmeisterschaft in England und es kam zum Endspiel zwischen Deutschland und England. Sean Connery höchstpersönlich brachte Karin Dor und ihrer Managerin einen Fernseher aufs Hotelzimmer, damit sie das Endspiel sehen konnten (Fernseher waren damals in Hotels noch keine Selbstverständlichkeit) und meinte im Gehen: „Das könnte ein Problem geben. Wenn die Deutschen das Spiel heute gewinnen, krieg Karin die Arbeitserlaubnis nie!“ Nun, die Deutschen haben das Spiel nicht gewonnen, zumindest nicht offiziell. Die deutsche Sprache war nach dem Spiel um den Begriff „Wembley-Tor“ reicher und Karin Dor bekam ihre Arbeitserlaubnis.

Eine andere Rolle bereitete auch Probleme: Erstmals sollte Ernest Stavro Blofeld wirklich zu sehen sein, aber der Schauspieler, der zuerst engagiert worden war, wirkte zu freundlich. Donald Pleasance sprang ein und wurde mit einer Narbe verunstaltet, um den Erzbösewicht abzugeben.

„Man lebt nur zweimal“ vervollkommnete den Bond-Gigantismus in zweierlei Hinsicht: Zum ersten Mal ging es wirklich um die Vernichtung großer Teile der Welt durch einen Atomkrieg, zum zweiten war Blofelds Versteck wirklich riesig. Der Erfolg des Films sprach für sich, auch wenn Kritiker die Figuren durch die riesigen Kulissen und Spezialeffekte etwas in den Hintergrund gedrängt sahen und Abnutzungserscheinungen sahen. Letzteres kann aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass Connery nach diesem Film seinen Ausstieg aus der Reihe verkündete. Im Abspann war aber bereits angekündigt: „James Bond will return in ‚On Her Majesty’s Secret Service'“. Damit begann das Rätselraten darum, wer wohl als nächstes den Anzug von Bond tragen durfte.

Sean Connery hatte der Reihe einen sehr guten Start verschafft und die Figur massgeblich geprägt, zum Teil durch seine Schauspielerei, aber auch durch seine Ideen (wie etwa den Zynismus, den er in „Doctor No“ prägte). Ein Nachfolger, soviel war klar, würde es sehr schwer haben. Es würde sogar noch schwieriger werden…

Das Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

„AGENT MIT HERZ: George Lazenby ist James Bond“

„Bond. James Bond.“

Hier klicken, um den Inhalt von Amazon Kindle anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Amazon Kindle (öffnet in neuem Tab).

1953 wurde ein von dem Briten Ian Fleming geschriebenes Buch veröffentlicht: „Casino Royale“. In den ersten Seiten des Romans passiert etwas ungewöhnliches: Die Hauptfigur wendet sich an den Leser selbst. Bond sei sein Name, teilt er mit, James Bond, Agent im Geheimdienst ihrer Majestät, der englischen Königin. Auch seine Kennnummer erfährt der Leser: 007. Die doppelte Null bedeute, so Bond weiter, dass er die „Lizenz zum Töten“ habe. Die haben nur die neun besten Agenten und – das gibt 007 unumwunden zu – bedeute, dass er ein „Mann fürs Grobe“ sei, einer, der die Drecksarbeit mache. Wenn beispielsweise ein ungeliebter Politiker einen merkwürdigen, tragischen Unfall erleide, dann war das in der Regel ein Doppelnull-Agent. Mit dieser Selbsteinschätzung beginnt die berühmteste Agentenkarriere der Welt, und Fleming hatte ein neues Genre erschaffen.

55 Jahre später sind 14 Bücher um James Bond aus der Feder von Ian Fleming erschienen, und die Kinopremiere des 22. (offiziellen) Films steht bevor. Und deswegen wollen wir einen Blick auf die Film-Reihe werfe und uns mit verschiedenen Fragen beschäftigen. Bereits „Casino Royal“ war ein solcher Erfolg beschert, dass kurz darauf die Filmrechte an das amerikanische Fernsehen vergeben wurde, wo 1954 die erste verfilmte Version des Stoffes ausgestrahlt wurden. Als Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre sich die Produzenten Harry Salzman und Albert R. „Cubby“ Broccoli um die Filmrechte bemühten, bekamen sie diese für „Casino Royale“ nicht – aber für die anderen Romane. Die Rechte wurden von einer unabhängigen, extra zu diesem Zweck gegründeten Firma übernommen: DANJAQ, deren Name sich von den Vornamen der Ehefrauen von Salzman und Broccoli ableitete, Dana und Jacqueline.

Da „Casino Royale“ nicht gemacht werden konnte, musste ein anderer Roman den Auftakt bilden.  Man nahm den Ende der 1950er Jahre erschienen „Dr. No“ – und die Reihe konnte ihren Anfang nehmen.

Fleming hatte ein gewisses Stammpersonal entwickelt, das für die Filme übernommen und ausgebaut wurde. Da ist Bonds Vorgesetzter, den man nur unter dem Buchstaben „M“ kennt, und der gern etwas mürrisch über Bonds Eskapaden ist. Seine Sekretärin Miss Moneypenny, die so gern einmal mit Bond ausgehen würde, aber es nie darf. Nicht zu vergessen Q, der Waffenmeister. Besonders seine Rolle wurde für die Filme stark erweitert, da die Romane zwar einen Hauch Exotik hatten, Bond aber nie die Gadgets wie in den Filmen bekommt.

Manche Dinge ließen sich nicht so ohne weiteres von den Romanen übernehmen. So wird die überwiegende Anzahl der Bösewichter in den ersten Romanen von den Russen oder Ex-Nazis gestellt. Immerhin herrschte der kalte Krieg. Für die Filme beschloss man, dass es besser sei, die Politik etwas in den Hintergrund zu stellen und erfand eine fiktive Verbrecherorganisation. Man wollte diplomatische Verwicklungen auf alle Fälle vermeiden.

Auch die Filme selbst haben ihre besonderen Markenzeichen erhalten. Neben dem von Monty Norman komponierten und von John Barry arrangierten James-Bond-Thema ist vor allem die von Maurice Binder entworfene „Gun Barrel Sequence“ hier am Bekanntesten. Alle Filme seit „Dr. No“ beginnen mit einer Sequenz, die durch einen Pistolenlauf gefilmt wurde, Bond kommt von rechts ins Bild, als er ungefähr auf der Mitte ist, dreht er sich zum Zuschauer und schießt. Diese Sequenz wurde oft und gern von anderen Filmen und Serien parodiert.

Eine der großen Fragen, die immer aufkamen, war, ob die Hauptfigur in all den Filmen ein und dieselbe Person ist. Das lag daran, dass im Laufe der Zeit die Schauspieler wechselten und nicht erklärt wurde, warum sich Bonds Aussehen änderte (und zumeist auch verjüngte). Allerdings wurden Hinweise gestreut, aus denen man herauslesen kann: Ja, es ist dieselbe Person.

Der erste Wechsel war von Sean Connery zu George Lazenby in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. In diesem Film betrachtet sich Bond, als er seinen Dienst quittieren will, Souvenirs aus vergangenen (Connery-)Abenteuern. Auf die Hochzeit, die im gleichen Film stattfindet, wird in „In tödlicher Mission“ Bezug genommen, als Bond – inzwischen von Roger Moore dargestellt – das Grab seiner Frau besucht. Ebenfalls erwähnt wird die Hochzeit in „Lizenz zum Töten“, Bond wird hier von Timothy Dalton verkörpert. Und auch als Pierce Brosnan die Rolle spielt, gibt es Anspielungen; der Titel des Films „Die Welt ist nicht genug“ ist der Wappenspruch der Familie Bond, was in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ enthüllt wurde. Zudem sieht man einige Souvenirs vergangener Abenteuer in „Stirb an einem anderen Tag“, unter anderem aus „Octopussy“ (mit Roger Moore) und „Feuerball“ (mit Sean Connery).

Der große Bruch kam erst, als die Produzenten endlich die Rechte an „Casino Royale“ erhalten hatten und diesen Geschichte mit einem neuen Darsteller verfilmten. Anstatt einen Film zu produzieren, der vor „Dr. No“ spielt, ließ man die Geschichte um 007 in der Gegenwart beginnen. Bond muss sich seine Doppel-Null-Lizenz erst verdienen, die „Gun Barrel Sequence“ kommt erst zum Beginn des Titellieds und das Bond-Thema erst am Ende, wenn der Agent sich zum ersten Mal mit der Formel „Bond. James Bond.“ vorstellt. Außerdem ist es Bond – entgegen der bisherigen Filmreihe – auch völlig egal, ob sein Wodka Martini geschüttelt oder gerührt ist.

In den folgenden Tagen wollen wir anlässlich der demnächst stattfindenden Filmpremiere einen Rückblick auf die bisherigen Abenteuer machen einer Reihe von Filmen, die ihren Abschluss fand und nochmal von vorn gestartet wurde. Aber wie soll man diese Reihe sehen? Vielleicht kann man alles das vergleichen mit parallelen Universen, über die vor allem in Science-Fiction-Geschichten berichtet wird. Es gibt ein Universum, in dem Bonds erstes Abenteuer „Casino Royale“ im Jahr 1953 ist, das Fleming auf dem Papier erschaffen hat. In einem weiteren Universum ist „Dr. No“ Bonds 1962 erstes Abenteuer, und der Agent wird über 40 Dienstjahre arbeiten, in deren Verlauf er sich immer mal wieder auf wundersame Weise verjüngt. Und in einem weiteren Paralleluniversum ist James Bond ein Kind unserer Zeit, der 2006 in „Casino Royale“ seine Lizenz zum Töten erhält und gegen einen seltsamen, übermächtigen Gegner antreten muss.

Wenn wir einen Blick auf diese Paralleluniversen werfen, müssen wir uns jeweils einem besonderen Unterpunkt zuwenden: der deutschen Synchronisation, die manchmal ihre eigenen Wege gegangen ist. Die Artikel werden durch die Filmreihe gehen und nach dem jeweiligen Hauptdarsteller zusammengefasst. Das gibt einen, wie ich hoffe, interessanten und ein wenig neuen Einblick in das Leben des wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt.

„Ich bewundere Ihren Mut, Miss…?“
„…Trench. Sylvia Trench. Ich bewundere Ihr Glück, Mister…?“
„…Bond. James Bond.“

(aus Dr. No)

„112 – Sie retten dein Leben“ – und zum Dritten!

Nach den Artikeln „Tatü Tata: ‚112…‘ – wer rettet wen und warum?“ und „‚112 – Sie retten dein Leben‘ – eine genauere Kritik“ wenden wir uns nun also zum dritten Mal der Daily-Action-Heldenretter-Soap zu, und das aus gutem Grund. Die Resonanz zu den zweit Artikeln war groß, sowohl in den Kommentaren als auch in eMails. Und Einträge in diversen Foren zeigen, dass den Leuten vom Fach damit aus dem Herzen gesprochen wurde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger war das Anliegen der Artikel. Über die Kommentare und eMails gab es verschiedene Anregungen. Gleichzeitig wurden über DWDL.de die Quoten von „112…“ veröffentlicht – und siehe da, nach einem relativ guten Start begannen die Quoten in der zweiten Woche zu fallen. Ich kann nur mutmaßen, aber ich denke, dass das zu einem guten Teil dem Umstand geschuldet ist, dass die Serie nicht wirklich etwas neues bietet. Action hat man bei „Alarm für Cobra 11“ mehr und mit höherem Aufwand umgesetzt, und die „Soap“-Handlung gibt es so in unzähligen anderen Serien („Unter uns“ oder „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, um nur zwei zu nennen). Es wurden eben nur die Hintergrundkulissen ausgetauscht, die Schauspieler im Vordergrund spielen immer noch das selbe vorhersehbare Stück.

Dank der Resonanz von verschiedenen Leuten konnte ich nun auch andere Sichtweisen verifizieren und stellte erfreut fest, dass ich mit meinen Einschätzungen so falsch nicht lag. Lediglich von der Seite der Polizei habe ich konkret noch keine Rückmeldung bekommen, aber das mag möglicherweise damit zusammenhägen, dass die Polizisten in den meisten der bisher gezeigten Folgen bei den Einsätzen zur Staffage gemacht wurden und lediglich Florian Carstens in der Soap-Handlung eine größere Rolle spielen durfte (die aber wiederum mit Polizeiarbeit nichts zu tun hat). In den anderen beiden Beiträgen habe ich über konkrete Folgen geschrieben, heute geht es um das Generelle. Weitere Folgen habe ich mir übrigens bisher wirklich nicht angetan.

  • Die Grundprämisse der Serie: Kooperation von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei

In den ersten fünf Folgen wurde darüber nichts erzählt, jedoch lässt die Pressemitteilung von RTL genau das vermuten: die Grundprämisse der Serie ist die Kooperation von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei unter einem Dach als eine Art Pilotprojekt. Die Frage, die man sich als Mitarbeiter der Hilfsorganisationen stellen muss, ist: Welche Art Synergieeffekt würde man sich davon versprechen? Denn auf sowas würde eine Überlegung, die drei Organisationen zusammen zu legen, schließlich beruhen. Allerhöchstens, indem man die Verwaltungen zusammenschließt, doch da stösst man sehr bald auf ein Problem: die drei Organisationen stammen von drei verschiedenen Verwaltungsstellen. Die Feuerwehr ist Sache der Stadt, der Rettungsdienst wird vom Landkreis vergeben, und die Polizei vom Bundesland. Man müsste also einen Topf aufmachen, in den die drei Verwaltungsstellen einzahlen, und aus dem dann der Zusammenschluss finanziert wird. Und da kommen wir zu den altbekannten Problemen, denn natürlich will keine der drei Stellen zu viel einzahlen. Die Rückfinanzierung wird dann auch schwierig: die Polizei und Teile der Feuerwehrarbeit werden aus Steuern finanziert, der Rettungsdienst durch die Krankenkassen. Beispiel: Bei einem Verkehrsunfall, bei dem der Verletzte durch die Feuerwehr aus seinem Auto befreit werden muss, wird die Hilfeleistung der Feuerwehr durch Steuern abgedeckt, dafür wird keine Rechnung gestellt. Die Krankenkasse des Patienten zahlt den Einsatz vom Rettungsdienst.

Dass eine so „behördenübergreifende“ Kooperation schwierig ist, will ich anhand von zwei Fällen demonstrieren, den ich persönlich vor einiger Zeit erlebt habe. In tiefster Nacht wurden wir (Rettungswagen) zu einem Verkehrsunfall im Wald zwischen Ortschaft A und Ortschaft B gerufen. Als wir den Unfall gefunden hatten, stellte sich heraus, dass der Patient eingeklemmt war und wir die Feuerwehr brauchten. Ich gab per Funk an die Leitstelle weiter, sie solle Notarzt und Feuerwehr alarmieren. Daraufhin kam die Rückfrage, wo genau wir denn seien – auf der Gemarkung von Gemeinde A oder auf der Gemarkung von Gemeinde B? Es war stockfinstere Nacht und mein Kollege und ich hatten uns darauf konzentriert, den Unfall zu finden – ich wusste nicht, wie weit wir in den Wald eingefahren waren, und ob wir noch bei A, oder doch eher bei B seien. Was war der Hintergrund dieser Frage? Ganz einfach – leider kompliziert: Wie sich später herausstellte, befanden wir uns noch auf der Gemarkung von Gemeinde A, deren Feuerwehr ich glücklicherweise angefordert habe. Wären wir aber auf der Gemarkung von Gemeinde B gewesen, so hätte die Gemeinde A der Gemeinde B eine Rechnung für den Einsatz stellen können. Denn: Für Feuerwehreinsätze ist immer die jeweilige Gemeinde verantwortlich, und keine Gemeinde möchte auf den Kosten für einen Einsatz in „fremden Gebiet“ sitzenbleiben. Und das hätte natürlich bei Gemeinde B böses Blut gegeben, denn statt Gemeinde A zu bezahlen, sehen die natürlich lieber ihre eigene Feuerwehr ausrücken.

Der zweite Fall war eigentlich ein internistischer Notfall, ein ziemlich übergewichtiger Mann erlitt einen Herzinfarkt in seiner Wohnung. Das Treppenhaus war so verwinkelt und eng, dass wir (2 Mann vom Rettungswagen, Notarzt und Rettungsassistent vom Notarzteinsatzfahrzeug) den Patient dort nicht hätten heruntertransportieren können. Also forderten wir die Feuerwehr mit der Drehleiter an, die den Patient durch das Fenster rettete. Einige Wochen später bekam ich einen Anruf von der Gemeindeverwaltung. Der Mann, der am Telefon war, kannte den Patienten offenbar persönlich, denn er war gut ob dessen Leibesfülle informiert. Er wollte wissen, ob der Einsatz der Drehleiter medizinisch gerechtfertigt gewesen sei, oder ob wir die einfach nur angefordert hätten, damit wir den schweren Mann nicht die Treppe heruntertragen müssen. Der Unterschied wäre gewesen: Im ersteren Fall (der hier vorlag) muss die Gemeinde den Einsatz tragen, denn zur Rettung ist die Feuerwehr ja da (unter anderem). Im letzteren Fall wäre der Einsatz meinen Arbeitgeber in Rechnung gestellt worden.

Glaubt tatsächlich jemand, unter diesen Voraussetzungen würde eine Kombination von drei zuständigen Verwaltungsstellen gut gehen? Im Gegenteil, die Buchhalter würden sich wahrscheinlich bis auf den Cent gegenseitig vorrechnen, dass die Feuerwehr aber… der Rettungsdienst aber… die Polizei aber… Kurz: Jeglicher Synergieeffekt würde in kleinkarierten Streitigkeiten verpuffen. Ein echter Synergieeffekt ergibt sich nur, wenn Hilfsorganisationen mit ungefähr den gleichen Aufgabengebieten zusammengeschlossen werden. Für den Rettungsdienst wäre das zum Beispiel die Einrichtung eines medizinischen Rettungszentrums, in dem niedergelassene Ärzte mit verschiedenen Fachgebieten ihre Praxen haben, von denen manche noch als Notarzt fahren, der Rettungsdienst und Krankentransport integriert ist (Verwaltungseinheit, da alle mit den Krankenkassen abrechnen) und sich dort zudem noch eine Apotheke befindet, so dass der Rettungsdienst seine Materiaien zum Einkaufspreis bekommt. Wenn man die Dienste, die verschiedene Hilfsorganisationen noch dazu anbieten (häusliche Krankenpflege, Hausnotruf, Behindertenfahrdienst), mit dazu nimmt, dann ergeben sich Synergieeffekte. Ob eine Verwaltung nun mit den Krankenkassen Arztbehandlungen abrechnet oder Krankentransporte, ist eigentlich egal – die Stelle und Funktion ist die gleiche.

  • Handwerkliche Fehler

Ein großes Manko der Serie ist, dass sie – Entschuldigung für das Wort, aber es stimmt in seiner vollen Härte – billig produziert wird. Vermutlich geht ein Großteil des Budgets für den „Notfall des Tages“ drauf, so dass man sich um den Rest nicht so bemühen kann. Und so kommt es in jeder Folge zu irgendwelchen handwerklichen Fehlern. Das Beispiel, das auch in den Kommentaren am Häufigsten genannt wurde: Es werden Fahrzeug A, B und C alarmiert, man sieht aber B, C, D und E ausrücken – und am Notfallort kommen ganz andere Autos an. Der Hintergrund, so habe ich erfahren, ist, dass die „Ausrückszene“ an einer realen Wache mit modernen Fahrzeugen gedreht wurde, beim Dreh am Unfallort aber die Fahrzeuge einer bestimmten Firma kommen, die auch in anderen Produktionen das „Rettungsequipment“ für die Produktionsfirma stellt.

Dann sind da unzählige Anschlussfehler (nein, „Anschlussfehler“ hat nichts mit den Dritten Reich und Österreich zu tun, das war zwar auch ein „Anschlussfehler“, aber beim Film heißt es, dass man nicht auf die Ausstattung der Szene vom einen Dreh zum anderen achtet und im Film der Schauspieler beispielsweise plötzlich, nachdem er durch eine Tür gegangen ist, eine andere Jacke oder Krawatte trägt). Die Polizisten haben in der Wache ihre Dienstpistolen im Halster, nachdem sie alarmiert wurden, sind die Halster plötzlich leer und die Polizisten rüsten sich erst mit den Dienstwaffen aus. In einer anderen Folge wird eine Versicherung mal „AAV“ und mal „VAA“ genannt. Die Fahrzeuge verwandeln sich nicht nur ständig auf der Fahrt zum Einsatzort, mal sind auch auf einmal doppelt so viele Fahrzeuge vor Ort, wie eigentlich alarmiert wurden. In Folge 1 tragen die Polizisten andere Wappen als in den anschließenden Folgen. In einigen Szenen sind die Fahrzeuge zwar mit deutlich hörbarem Martinshorn unterwegs, das Blaulicht ist aber aus (und das geht definitiv NICHT, da wurde bei der Nachvertonung gepfuscht. Wenn das Blaulicht nicht an ist, geht das Martinshorn nicht. Punktum! Basta!).

Und auch wenn offenbar nicht sehr viele Fachleute an der Produktion mitarbeiten, gibt es ein paar Dinge, die einem einfach die Logik gebietet, etwa dass bei einem Unfall mit einem Motorradfahrer die Drehleiter nicht zu den ersten Fahrzeugen gehört, die mit ausrücken. Doch damit sind wir schon beim nächsten Themengebiet.

  • Foierwähr, Redungsdinzt und Bolitsei – oder wie schreibt man das noch gleich?

Die Ahnungslosigkeit, mit denen die Schreiber bei der Serie ans Werk gehen, tritt mit jedem neuen Skript immer wieder zutage. Sie haben keine Ahnung von Medizin, keine Ahnung von Brandbekämpfung, keine Ahnung von Polizeiarbeit und keine Ahnung von den Abläufen bei den Organisationen.

Die Funkdisziplin… existiert nicht. Gut, im wahren Leben wird auch nicht immer die Form gewahrt, für Einsatzgespräche redet man sein Gegenüber aber nicht mit dem Namen (!) an, sondern mit dem Funkrufnamen seines Fahrzeugs oder Standortes (wahlweise auch seines Funkgerätes, wenn es sich um ein tragbares handelt).

Auch wird ein Feuerwehrkommandant niemals die Anweisung „Hop, hop, hier geht’s rein!“ geben. Gerade bei der Feuerwehr sind Abläufe sehr genau festgelegt. Es handelt sich um Menschengruppen, die hier im Einsatz sind, und es ist wichtig, dass jeder weiß, was genau zu tun ist, wenn eine Anweisung kommt. Und: Ein Einsatzleiter wird sich – entgegen dem Verhalten von Bender in Folge 2 – nie selbst an direkten Maßnahmen beiteiligen, wenn genügend Personal vorhanden ist. Seine Aufgabe ist es, den Überblick zu behalten und die Einsatzkräfte zu koordinieren. Dass Bender als Einsatzleiter in der genannten Folge selbst Atemschutz anlegt und in den Keller rennt, um seine Kollegen zu warnen, hätte jemand anders genauso gut machen können, mal ganz davon abgesehen, dass es bei einem Innenangriff in einem brennenden Gebäude gewisse Vorschriften für das Vorgehen der Feuerwehr gibt (Stichwort „Sicherungstrupp“). Es hätte also auch andere Möglichkeiten gegeben, die Leute im Keller zu warnen – aber was man nicht weiß, macht die Gasleitung heiß, so dass sie explodiert. Oder wie hieß es in der „RTL Freitag Nacht News“-Parodie „Alarm für Kebap 11“ immer? „Große Bümms mit Gasleitung und Feuerwehrmann fliegt durch Luft voll krass!“

  • Die etwas anderen Konsquenzen in der Realität

Immer wieder kam auch in Diskussionsrunden der Einwand, man solle die Serie einfach nicht ernstnehmen und links liegenlassen. Es sei schließlich keine Doku. Kein Polizist, so hieß es, wird sich zum Beispiel ernsthaft mit „Alarm für Cobra 11“ auseinandersetzen. Warum stößt ausgerechnet diese Serie so übel auf?

„Cobra 11“ ist natürlich ein Extrembeispiel. Die Geschichten sind dermaßen auf Action ausgelegt und so völlig überzeichnet, dass sie fast schon als Comedy durchgehen würden. Es wird dadurch sehr deutlich gezeigt: das hier geht nicht! Niemand hüpft so mit Autos durch die Gegend und steigt dann unverletzt aus. Außerdem spielen die Geschichten in einer Umgebung, die nicht jeden von uns betrifft: Verbrechen. „Cobra 11“ rückt nicht zu einem Auffahrunfall auf der Autobahn aus, um dann die Bremsspuren mit Kreidestrichen zu markieren, Überfälle, Mord und Totschlag sind ihr „täglich Brot“.

„112…“ hingegen bewegt sich in einem Bereich, der jeden betrifft oder betreffen kann. Nicht umsonst ist das Absolvieren eines Kurses über „lebensrettende Sofortmaßnahmen“ Pflicht, wenn man den Führerschein machen will. Es ist also von daher schon sehr viel näher an den Menschen, als „Cobra 11“. Und weil es nicht dermaßen überzeichnet ist, sind Menschen, besonders wenn sie sich mit der Materie direkt nicht auskennen, auch viel eher bereit, die Geschichten als „einigermaßen real“ anzusehen. Und da wird es gefährlich, denn wie ich schon in den anderen Beiträgen geschrieben habe, gibt es Menschen, die durchaus Dinge aus solchen Serien ziehen und für echt halten. Die dann glauben, mitreden zu können.

Es wäre sicherlich eine Diskussion wert, ob man in der Gesellschaft möglicherweise ein gesunden Umgang mit den fiktiven Medien lernen muss. Haben Menschen verlernt, die Linie zwischen Realität und Fiktion zu ziehen? Und woran mag das liegen? Kommt den Menschen ihr eigenes Leben zu langweilig vor, dass sie sich mit den Heldenrettern identifizieren müssen? Geschichten sollen uns helfen, vom Alltag Abstand zu gewinnen und für eine gewisse Zeit in eine andere Welt einzutauchen. Haben einige von uns verlernt, aus dieser Welt wieder herauszukommen? Geschichten sollen außerdem dazu anregen, nachzudenken, indem die Handlungen gewisse Dinge in Frage stellen oder eine andere Sichtweise zeigen. Können das einige von uns nicht mehr? Muss die Handlung deswegen möglichst seicht und ohne Tiefgang sein, damit man nicht zu sehr nachdenken muss? Und das führt zu der berühmten Frage mit der Henne und dem Ei: Schauen die Menschen die seichten Geschichten, weil das Fernsehen sie ihnen vorsetzt – oder zeigt das Fernsehen die seichten Geschichten, weil die Menschen sie anschauen?

Also bleibt uns, den Mitarbeitern der jeweiligen Hilfsorganisationen, nur, den Schaden zu begrenzen, indem wir aufklären. Erste-Hilfe-Maßnahmen lernt man nicht im Fernsehen und in der Realität haben echte Helden zumeist eine Gemeinsamkeit: sie sind tot!

Es gibt schon genügend Menschen, die sich Gedanken darum machen, ob der Aufwand wohl gerechtfertigt ist, obwohl sie doch „nur“ Schmerzen am Herz haben. Diesen Menschen muss man vermitteln, dass eben nicht ein ganzer Löschzug, ein Rettungswagen und zwei Polizeiautos ausrücken, nur weil die Oma wieder Probleme mit dem Herz hat. Wenn man den Notruf wählt, kommt genau die Hilfe, die man braucht.

Obwohl es sicher lustig anzusehen wäre, wenn ein Löschzug vorfährt, die Feuerwehrler aussteigen, der Kommandant den Befehl gibt: „Über die zweiwendelige Eingangstreppe zur Herzinfarktbekämpfung ins Wohnzimmer von Frau Krause – VOR!“, und dann zehn Mann bei der armen alten Dame ins Haus stürmen.

Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte…

UPDATE: Neueste Entwicklungen zum Thema „112…“ gibt es in diesem Beitrag: „‚112…‘ zum Vierten: Sie rettet nun keiner mehr„. Deswegen wurde die Kommentarspalte in diesem Beitrag geschlossen, Kommentare bitte nur noch beim neuen Beitrag.

CSI – Staffel 7: Finaaale – wo-ho?

Die Staffel 7 von „CSI – Den Tätern auf der Spur“ wurde beherrscht von der Jagd nach dem so genannten „Miniaturen-Mörder“. Doch RTL ließ die deutschen Zuseher im Regen stehen – das Finale der Staffel, in dem man dem Geheimnis auf die Spur kommen sollte, wurde nicht ausgestrahlt. Nur nur das – auch die vorletzte Folge, in der die Domina Lady Heather einen weiteren Auftritt haben würde, wurde ebenso im Schrank gelassen. Es wurde angekündigt, die fehlenden zwei Folgen zum Start der neuen Staffel zu zeigen. Warum man sie bisher nicht zeigte, habe ich nicht verstanden. Ich führte das zunächst auf den Autorenstreik zurück, denn wie auch „CSI: Miami“ und „CSI: New York“, so umfasst auch die 2007/2008 in den USA produzierte Staffel 8 weniger Folgen, nämlich statt 24 nur 17. Die zwei aufgesparten Folgen hätten die mögliche Laufzeit der neuen Staffel immerhin auf 19 Wochen verlängert. Doch nun sendet RTL heute die beiden noch fehlenden Episoden hintereinander. Die Doppelfolge wird damit mit einem Cliffhanger enden, bevor es nächste Woche weitergeht – und tatsächlich Staffel 8 startet. Wir sehen also 18 statt 17 Wochen neue Folgen. Immerhin!

CSI: NY – Staffel 4 beginnt

In meinem Beitrag über die RTL-Serie „112 – Sie retten dein Leben“ hatte ich geschrieben, dass ich mich nun wieder angenehmeren Dinge zuwenden werde. Und schon ist es soweit:

Nachdem die 3. Staffel von „CSI: NY“ mit einem furiosen Finale beendet wurde (worüber ich mir hier ein paar kritische Gedanken gemacht habe), beginnt heute VOX mit der Ausstrahlung der Staffel 4. Wie bei „CSI: Miami“ ist auch diese Staffel aufgrund des Autorenstreiks Ende letzten Jahres nur 21 statt der gewohnten 23 Folgen lang.

Anlässlich des Serienstarts beantwortet Michael Reufsteck für das „Fernsehlexikon“ die Frage, warum die Ermittler bei CSI immer mit den Taschenlampen suchen, anstatt das Licht anzumachen und hat noch eine kleine Dreingabe: Ein Interview mit Gary Sinise, das er seinerzeit für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ gemacht hat. Zu finden ist es hier: Mac-Lite.

„112 – Sie retten dein Leben“ – Eine genauere Kritik

Direkt im Anschluss an die erste Folge der neuen RTL-Action-Soap-Wasauchimmer-Serie „112 – Sie retten dein Leben“ habe ich mich hingesetzt und unter dem ersten Eindruck eine Kritik geschrieben. Dieser erste Eindruck war… schlecht. Sollten Sie ihn bisher noch nicht gelesen haben, nehmen Sie sich die Zeit und holen Sie es nach – Sie finden den Artikel hier: „Tatü – Tata: 112 – Wer rettet wen und warum?“ Ich warte so lange, bis Sie wieder da sind.

Gelesen? Schön. Wie ich in dem Artikel angekündigt habe, habe ich mir tatsächlich die komplette erste Woche dieser Serie angetan. Manchen Serien muss man eine gewisse Zeit geben, damit sie sich entwickeln können, oder damit man eventuell sehen kann, in welche Richtung es geht (so ist es mir persönlich zum Beispiel bei „Babylon 5“ gegangen). Da es sich bei „112…“ um ein Format mit recht kurzen Episoden handelt, ist es nicht möglich, sehr viel Handlung in einer Folge unterzubringen. Aber nun, nach fünf Folgen, kann man schon etwas klarer sehen, daher hier meine Nachbesprechung – wieder aus dem Blickwinkel eines Menschen, der – im Gegensatz zu den Schreiberlingen dieser Serie – Ahnung von der Materie hat. Ich möchte die Kritik aufteilen, zuerst eine allgemeine Einschätzung, dann werde ich mir jede der vier Folgen seit letztem Dienstag einzeln vornehmen, und dann eine abschließende Einschätzung über das Potential der Serie. Ja, sie hat ein Potential – ein Gefahrenpotential. Aber dazu kommen wir später.

Mr. Pither: Sie sind Konteradmiral Sir Dudley Compton?
Chinese: Nein. Er gestorben. Hat Herzinfarkt und fallen aus Fenster auf explodierende Bombe und getötet in Schießerei.
(aus „Monty Python’s Flying Circus“, Episode 34: „Die Fahrradtour“)

Als ich die zweite Folge der Serie sah, war ich kurz geneigt, mich positiv überraschen zu lassen. Leider wurde das alles zunichte gemacht, so dass ich zu dem Schluss kam: nach der Freitags-Folge werde ich mir keine weitere mehr antun. Ich tat es, weil ich der Serie eine Chance geben wollte. Immerhin ist es tatsächlich so, dass eine tägliche Serie, die die Arbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst thematisiert, ein neues Konzept ist. Nicht neu ist hingegen die Umsetzung. Es ist mehr „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, nur dass die ganzen Jugendlichen durch (einigermaßen) erwachsene Menschen ersetzt wurden und halt nicht in einem hippen Café oder einer Werbeagentur arbeiten, sondern im Rettungswesen. Die persönlichen Geschichten, die erzählt werden, könnte so auch in irgendeine andere Umgebung gesetzt werden, sie sind völlig austauschbar und gehen mir mittlerweile auf die Nerven. Hier wurden Möglichkeiten einfach verschenkt. Mal ganz davon abgesehen, dass die Menschen genauso zickig reagieren, wie in jeder anderen Seifenoper. Gibt es ein Problem oder einen Konflikt, redet man nicht darüber, nein, man schweigt beleidigt. Auf diese Weise lässt sich der Konflikt über unzählige Episoden hinziehen und man muss sich nichts neues ausdenken.

Verschenkt wurden auch die Möglichkeiten, einen Hintergrund aufzubereiten, denn darüber erfährt man eigentlich nichts. Okay, man sieht, Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei unter einem Dach – das scheint eine Novität zu sein. Aber warum? Was ist das? So eine Art Pilotprojekt? Das wird nicht gesagt. Ist die Verwaltungschefin deswegen so hinter den Zahlen her, weil sie weiß, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen, wird das Experiment auch ganz schnell wieder abgeblasen? Was ist das mit der „Paramedic“? Wird hier ein neues Berufsmodell für den Rettungsdienst ausprobiert? Fragen, deren Antworten recht spannend sein könnten. Leider wurde das alles in die Wolken geblasen für ein bisschen Action und 08/15-Seifenoper-Handlung. Und wo wir gerade von der Action reden: Das Zitat aus dem „Flying Circus“ habe ich oben gebracht, weil ich bei jeder Folge an diese Szene denken musste. Es reicht nämlich nicht ein einfacher Notfall, nein, da muss immer noch was draufgegeben werden. Und damit zu den einzelnen Folgen. Da diese keine Titel haben, habe ich einfach Folgennummer und Datum angegeben.

Folge 2, 26. August 2008

  • Der Notfall

Aufgrund eines schlecht ziehenden Holzkohleofens verraucht eine Wohnung. Als die Feuerwehr den Kamin freiräumen will, entsteht ein Kellerbrand – und das in der Nähe einer schlecht verlegten Gasleitung, die zu explodieren droht.

  • Plotlöcher

Konsequenzen aus Folge 1: In Folge 1 überschreitet der von Dominic Saleh-Zaki dargestellte Polizist Florian Carstens ein paar Grenzen, als er Anweisungswidrig handelt und die Notfallsituation damit verschärft. Er muss sich hier einiges anhören und ehrlich, ich war positiv beeindruckt: Alles, was ich über den Eigenschutz in meiner ersten Kritik gesagt hatte, kam hier zur Sprache. Das waren regelrecht lichte Momente, in denen ich hoffte, man würde mehr daraus machen. Leider blieb es dabei, aber eigentlich sollte man Einsatzleiter Ingo Benders (Gernot Schmidt) Satz den Schreibern der Serie auf die Stirn tackern: „Bringt Euch nicht in Gefahr, das bringt den Opfern auch nichts!“

Paramedic – oder so: In meiner Kritik zu Folge 1 habe ich die Liebschaft des Dienststellenleiters, deren Namen ich leider vergessen (oder verdrängt) habe, noch als „Notärztin“ bezeichnet. In dieser Folge kommt nun heraus – das ist sie gar nicht. Florian Carstens bezeichnet sie hämisch als „Paramedic“, weil „zum Medizinstudium hat’s wohl nicht gereicht“. Ich weiß nicht, wo die Schreiber das her haben, aber in der Tat gibt es im Moment eine berufspolitische Diskussion um die Zukunft der Ausbildung im Rettungsdienst. Eine der Überlegungen ist es, eine Art „Paramedic“ als Beruf im Rettungsdienst einzuführen. Insofern wäre das in der Serie dargestellt Projekt wirklich richtungsweisend – aber wie schon mehrfach gesagt, man macht einfach nichts draus. Lieber konzentriert man sich auf das Verhältnis der Paramedic zu Dienststellenleiter Martin Carstens (Joachim Raaf), Florians Vater, was ein kompliziertes – und sehr konstruiertes – Dreiecksverhältnis aufbaut. Den Beruf „Paramedic“ gibt es derzeit nicht, auch haben Rettungsdienstmitarbeiter nicht die Befugnisse, die die Paramedic in der Serie ausübt (Medikamentengabe und Defibrillation ohne Notarzt und dergleichen – es gibt da zwar die so genannte „Notkompetenz“, aber das würde hier zu weit führen).

Disponentin „erhört“ den Notfallort: Bei dem Notfall dieser Episode ist eine junge Frau in einer Wohnung, die gerade von einem schlecht ziehenden Ofen verraucht wird. Sie wählt den Notruf, kann allerdings keine Angaben mehr über ihre Adresse machen. Was tun? Die Disponentin hört auf Hintergrundgeräusche und kann so den Notfallort eingrenzen. Ui, toll… Darf ich gleich zwei Alternativen anbieten, die ein wenig realistischer gewesen wären? Nummer eins, auch wenn die Anruferin ein altes Wählscheibentelefon hat, so müsste es dennoch möglich sein, ihren Anschluss zu ermitteln – schon hat man ihre Adresse. Ta – da! Wie, zu langweilig? Okay, Alternative zwei: Die Anruferin hat im Verlauf des Gesprächs erzählt, sie wolle nicht zu den Nachbarn gehen (um die genaue Adresse zu erfragen), die hätten sie kürzlich angezeigt, weil sie Gras (Canabis) auf ihrem Balkon angebaut habe. Dann muss es doch einen Eintrag bei der Polizei geben. Den Namen der Frau hat man, man fragt den Computer der Polizei ab – schon hat man ihre Adresse. Ta – da!

  • Notfall-Kokolores

Vorgehen ohne Atemschutz: Obwohl bekannt ist, dass in der Wohnung Brandgase vorhanden sind, gehen sowohl der Einsatzleiter der Feuerwehr als auch die Besatzung vom Rettungswagen ohne Atemschutz in die Wohnung. Dass das Rettungsdienstpersonal mit in die Wohnung kommt, ist an sich schon ein Unding. Die Rettung solcher Personen ist Sache der Feuerwehr – MIT Atemschutz.

Lass Dich drücken: Was zur Hölle macht die Paramedic, als der Einsatzleiter nach der Explosion – die er erstaunlich gut überstanden hat, obwohl ihn die Feuerwalze voll erfasst, hochschleudert und er auf seiner Pressluftflasche landet – auf der Trage liegt? Er hat Kammerflimmern, offenbar soll das, was sie tut, so was wie eine Herz-Druck-Massage sein. Es sieht aber aus wie Brustkorb streicheln. Dass sie kurz darauf den Defibrillator verwendet, ist sogar korrekt. Ein Kammerflimmern kann durch einen gezielten Stromstoss bekämpft werden.

Guten Morgen, Sonnenschein: Ich habe das Gefühl, ich bewege mich im Kreis. Noch in der ersten Kritik habe ich von den Patienten erzählt, die gleich nach einer Reanimation aufwachen – und zack! Was passiert? Der Einsatzleiter wacht auf, nachdem er wiederbelebt werden musste. Er gibt sogar Anweisungen und muss sich dafür die Kommentare von Kollegen anhören. An der Stelle hab ich 500 Milligramm Acetylsalicylsäure gebraucht.

Folge 3, 27. August 2008

  • Der Notfall

Ein Mann wird von seiner Frau verlassen. Als sie aus dem Haus tritt, schießt er sie vom Balkon aus nieder. Als der Rettungsdienst und die Polizei eintreffen, schießt er auch auf sie und hindert sie so daran, der Verletzten zu helfen.

  • Plotlöcher

Dieses Büro ist zu klein für uns beide: In jeder Episode zanken sich Carstens und die Verwaltungschefin Doktor Driesen (Sandra Schlegel). So auch hier. Nur langsam wird es langweilig, weil die Diskussion stets unsachlich ist, gerade so, als ob beide keine Ahnung haben, um was es eigentlich geht.

Das Bermuda-Dreieck: Weiter wird die Dreiecksbeziehung zwischen Carstens, seiner Geliebten und seinem Sohn ausgewalzt. Alles dazu habe ich bereits weiter oben erwähnt.

  • Einsatz-Kokolores

Noch fünfzehn Minuten bis Buffalo: Theodor Fontane möge mir verzeihen, dass ich sein Zitat aus „John Maynard“ mit einer Seifenoper in Verbindung bringe, aber es passt: Als die Frau verletzt auf dem Rasen liegt, sagt die Paramedic, sie habe „noch fünfzehn Minuten“, bevor sie verblutet. Wo nimmt sie diese Zahl her, noch dazu, da sie die Verletzte wegen des rumballernden Ehemans gar nicht richtig hat untersuchen können?

Ich gehe nirgendwo hin: Der Dienststellenleiter leitet zwar den Einsatz seiner Polizisten – aber er tut das von der Wache aus. Das eigentliche Verfahren – und ich denke, dass das bei der Polizei ähnlich ist wie bei anderen Hilfsdiensten – ist, dass ein Einsatzleiter vor Ort ernannt wird. Es ist viel zu Umständlich, einer in einem Büro weit entfernt sitzenden Person über Funk die Situation zu erklären, damit diese dann Entscheidungen treffen kann. Noch dazu, da sich die Situation von Sekunde zu Sekunde ändern kann und möglicherweise eine schnelle Entscheidung gefragt ist.

Folge 4, 28. August 2008

  • Der Notfall

Durch einen Defekt gerät der Motor eines Aufzugs in Brand. In dem Aufzug sind zwei Personen eingeschlossen, von denen eine kollabiert. Beim Rettungsversuch stellt sich heraus, dass bei der Wartung des Aufzugs gepfuscht wurde und das Tragseil zu reißen beginnt.

  • Plotlöcher

Und täglich grüßt das Murmeltier: Das Dreieck Vater-Sohn-Liebschaft bekommt langsam spitze Winkel, als der Sohn der Liebschaft gegenüber den Vater als Weiberheld darstellt (nicht ahnend, wem er das erzählt). Statt das Gespräch zu suchen, zieht sich die Paramedic beleidigt zurück. Vorausschaubare Teletubbie-Dramaturgie. Obwohl, das ist nicht ganz fair. Ich entschuldige mich bei den Teletubbies (und das war jetzt auch vorausschaubar, was?).

Und er soll heißen „ZDLs Traum“ – weil er so seltsam angezettelt ist: Hat man das schon erlebt – Fontane und Shakespeare zusammen in einer Kritik über eine Seifenoper? Nun, „Ein Sommernachtstraum“ ist „112…“ wahrlich nicht, denn in dieser Folge wird mit dem nächsten Klischee aufgefahren: Ein neuer Zivildienstleistender (kurz „ZDL“) hat seinen Einstand, dem die Null-Bock-Einstellung schon auf die Stirn geschrieben steht. Was macht so jemand ausgerechnet beim Rettungsdienst? Es gibt viel bequemere Stellen, wo man den Zivildienst „runterreißen“ kann.

Das „Pilot“-Projekt: Etwas ganz besonderes haben die Schreiber offenbar mit dem Piloten des Hubschraubers vor, der feststellt, dass seine Hände unkontrolliert zu zittern beginnen. Es handelt sich hierbei vermutlich um die „Oh-Gott-wenn-das-rauskommt-kann-ich-meinen-Job-nicht-mehr-machen-was-dann-ich-verheimliche-es-lieber-auch-wenn-ich-dabei-mein-Leben-und-das-von-anderen-riskiere“-Handlung, die ihren Lauf nimmt.

  • Einsatz-Kokolores

Alte Seilschaften: Um zu der zwischen zwei Stockwerken hängenden Aufzugskabine zu kommen, klettern sowohl Polizist Carstens (der Sohn) als auch die Paramedic (des Vaters Liebschaft) am Aufzugsseil hinab. Der Eigenschutz hatte wohl gerade seinen Jahresurlaub eingereicht. Oder um es mit den Worten der Paramedic (allerdings aus der nächsten Folge) zu sagen: „Das geht ja mal sowas von gar nicht!“

Ohr-Troubles – Problem mit den Ohr’n: In der Aufzugkabine angekommen wird der bewusstlose Patient untersucht. Mit Hilfe eines Stethoskops stellt die Paramedic die Diagonse „Kammerflimmern“. Das kann man nur mit einem EKG, hören tut man bei einem Kammerflimmern – gar nichts. Das Herz steht nämlich praktisch still. Das bringt uns zum nächsten Punkt.

Dieser Notfall wird Ihnen präsentiert von SALZ(TM). Denn: SALZ(TM) ist überall. Gewöhnen Sie sich dran! Nachdem die Paramedic also die Diagnose „Kammerflimmern“ gestellt hat, brüllt sie den Schacht hoch nach ihrer Notfalltasche (die in der Serie übrigens konsequent falsch als „Koffer“ bezeichnet wird). Warum die Notfalltasche? „Ich brauche die Salzlösung!“ Salzlösung, okay, den Begriff als solches kann man noch durchgehen lassen, aber bei einem Kammerflimmern wäre der Defibrillator das Mittel der Wahl. Die Infusion bringt gar nichts. Sie macht aber nichts dergleichen, auch keine Wiederbelebung. Hätte er wirklich ein Kammerflimmern gehabt, wäre der Mann gestorben. Aber wir sind ja nur beim Fernsehen. Ist ja alles gar nicht echt. Der tut ja nur so.

Entschuldigung. Ich mache gleich weiter. Ich muss nur meine Fassung wiederfinden.

Danke, geht schon wieder. Also, weiter im Text. Ist ja nur noch eine Folge.

Folge 5, 29. August 2008

  • Der Notfall

Ein Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer stürzt, ein Kleintransporter weicht ihm aus und überschlägt sich. Der Kleintransporter landet genau auf der Fracht des Motorrads, ein Spenderorgan, das dringend benötigt wird.

  • Plotlöcher

Väter der Klamotte: Natürlich muss das Dreieck noch ein wenig komplizierter werden. Der Sohn entlarvt die „Maschen“ des Vaters und dessen Vorliebe bei Frauen. Die Paramedic wird noch zickiger (falls das überhaupt geht). Habe ich die Teletubbies schon erwähnt?

Der Fluch des Navigators: Die Ausfälle des Piloten werden immer heftiger, Händezittern, verschwommenes Sehen, starke Kopfschmerzen. Laut den Regeln der Seifenopern-Medizin spricht das alles dafür, dass der Pilot ein Hirntumor hat. Das würde zu der „Oh-Gott-wenn-das-rauskommt-kann-ich-meinen-Job-nicht-mehr-machen-was-dann-ich-verheimliche-es-lieber-auch-wenn-ich-dabei-mein-Leben-und-das-von-anderen-riskiere“-Handlung noch die „Oh-Gott-ich-habe-eine-gefährliche-Krankheit-sag-es-aber-niemandem“-Handlung dazubringen. Das Resultat wäre eine „Oh-Gott-ich-habe-eine-gefährliche-Krankheit-die-meine-Leistungskraft-beeinflusst-wenn-das-rauskommt-kann-ich-meinen-Job-nicht-mehr-machen-was-dann-ich-verheimliche-es-lieber-auch-wenn-ich-dabei-mein-Leben-und-das-von-anderen-riskiere“-Handlung.

Rettung aus der Not: Ein gewisser Doktor Tom Wagner (Max Alberti) stellt sich vor, der demnächst als „Rettungsarzt“ anfangen soll. Anderswo nennt man solche Leute „Notarzt“ – und wieder wird mir das System nicht klar, denn bisher hat man keinen Notarzt im Einsatz gesehen, nur die Paramedic. Wozu braucht man den Neuen, außer zum Aufpeppen der Handlung?

„Ent-scheidung“ ist auch ’ne Scheidung: Dienststellenleiter Carstens und Frau Doktor Driesen geraten mal wieder aneinander. Sie will den Hubschrauber aus Kostengründen nicht starten lassen. Auch wenn die Bürokraten mittlerweile im medizinischen Sektor sehr viel Macht haben, so weit ist es noch nicht. Wird ein Hubschrauber gebraucht, startet ein Hubschrauber – über die Kosten kann man nachher streiten.

Flieger, grüß mir die Sonne: Das Konzept mit dem Hubschrauber ist mir auch nicht ganz klar. Da ist also an dieser Rettungszentrale ein Hubschrauber stationiert. Mit einem Piloten. Punkt. Der rückt ab und zu mal aus und wird auch für Rettungstransporte benutzt. Aber mit welcher Besatzung? Der vor Ort? Heißt das, die lassen ihr Auto stehen und fliegen mal schnell wohin? Bin ich der einzige, dem das in irgendeiner Art und Weise merkwürdig vorkommt.

  • Einsatz-Kokolores

Blaulicht an, Hirn aus: Ja, es gibt Leute bei den Hilfsorganisationen, die eine riskante Fahrweise haben. Aber so, wie das in der Serie gezeigt wird, ist das trotzdem arg überzogen.

Ich drück‘ dich: Der Hubschrauber drückt mit seinen Kufen den Transporter zur Seite, so dass das darunter eingeklemmte Transportbehältnis mit dem Spenderorgan herausgeholt werden kann („Medicopter 117“ lässt grüßen). Das ist natürlich hanebüchen und viel zu gefährlich. Außerdem hätte die Feuerwehr geeignete Mittel, so ein Auto sicher anzuheben.

Sonntags-Rede: Schließlich steht die Besatzung des Rettungswagens vor demselben und unterhält sich. Drin im Fahrzeug liegt der Patient. Wer kümmert sich um ihn?

Finaler Rettungs-Schluss: Schließlich kam die Stelle, die mich endgültig davon überzeugte, dass ich mit den Kritiken an dieser Serie nicht mehr weitermachen sollte, da ich sonst Gefahr laufe, dass mein Gehirn implodiert. Nachdem der Pilot wieder zurück ist auf der Station wird er von einer anderen Paramedic angesprochen, weil er so müde aussieht. Um ihn aufzumuntern, sagt sie folgenden Satz:

„Was Du heute geleistet hast, das hätte nicht jeder von uns geschafft!“

Was ist das für ein Binsenwahrheits-Müll? Natürlich hätte das nicht jeder von den anderen geschafft. Ich wage sogar zu behaupten, dass keiner von den anderen das geschafft hätte, weil er eben Pilot ist und als einziger einen Hubschrauber fliegen kann! Und damit kommen wir zum Ende meiner persönlichen Reihe über diese Serie und der angekündigten Einschätzung.

Ist doch einfach nur noch so ’ne Serie – ist das wirklich so schlimm?

Die Zuschauer der Science-Fiction-Serie „Babylon 5“ waren sich bewusst, dass das, was sie sehen, nicht real ist. Die Menschen haben keine Raumstation diesen Ausmaßes im All und auch keinen Kontakt zu den außerirdischen Spezies, die dort mitspielten.

Bei Serien, die irgendwie auf „real“ machen, wie eben auch Seifenopern, ist das was anderes. Es gibt genügend (und meiner Ansicht nach zu viele) Leute, die glauben Beziehungen funktionieren genau so, wie sie den Seifenopern eben nicht funktionieren. Und Serien, die wie „112…“ den Realismus fast zur Gänze vermissen lassen, verbreiten leider über das Genre, in dem sie spielen, ein gefährliches Halbwissen. Es ist zwar positiv, dass mit dem Titel die neue alte Notrufnummer 112 publik gemacht wird, der Rest jedoch wirft den Rettern in manchen Situationen mehr Steine in den Weg, als man denken mag. Beispiele gefällig? Ich habe genügend. Das Folgende habe ich entweder selbst erlebt oder aus erster Hand von Kollegen erzählt bekommen:

  • Wir (Besatzung eines Rettungswagens) wurden zu einem Notfall in eine Wohnung gerufen, ein Mann sei kollabiert. Beim Eintreffen stellen wir fest, dass der Mann, etwa 75 Jahre alt, einen Herzstillstand hat. Als mein Kollege ihm das Hemd aufreißt und mit einer Herz-Druck-Massage beginnt, fällt ihm die Ehefrau in die Arme mit den Worten: „Hören Sie auf! Sie bringen ihn ja um!“ Wertvolle Zeit geht verloren, während wir die Frau davon überzeugen müssen, dass eine „richtige“ Herz-Druck-Massage nichts mit dem Brustkraulen zu tun hat, das sie aus dem Fernsehen kennt.
  • Beim Brand eines Mehrfamilienshauses sind wir (Besatzung eines Rettungswagens) als erste vor Ort (in Ortschaften mit freiwilliger Feuerwehr kommt das vor, da wir schon am Standort sind und nur noch ausrücken müssen, während die Feuerwehrler erstmal zur Wache kommen müssen). Aus mehreren Fenster schlagen die Flammen. Personen sind keine mehr im Gebäude, aber in der Wohnung oberhalb des Brandes seien noch zwei Hunde. Eine Bewohnerin verlangt (!) von mir, ich solle in das Gebäude gehen und die Hunde rausholen. Als ich versuche, ihr zu erklären, dass das viel zu gefährlich ist, erwidert sie schnippisch: „Im Fernsehen tut Ihr immer so, als wärt Ihr die Helden. Aber wenn’s mal drauf ankommt, dann ist halt nichts.“
  • Bei einer geringfügig außer Kontrolle geratenen Feier von ungefähr acht Jugendlichen zwischen vierzehn und siebzehn erleidet ein Fünfzehnjähriger vermutlich aufgrund seines Alkoholkonsums einen cerebralen Krampfanfall (umgangssprachlich auch „epileptischer Anfall“ genannt). Nachdem der Rettungsdienst vor Ort ist, erklärt einer der Jugendlichen, nachdem sein Freund nicht mehr reagiert und nur noch gezuckt habe, habe er bei diesem eine Herz-Druck-Massage durchgeführt. Als der Notarzt nachfragt, erklärt er seine Methode: Wie im Fernsehen gesehen, habe er sich auf den Bauch des am Boden liegenden Bewusstlosen gesetzt und mit beiden Händen beide Seiten des Brustkorbs eingedrückt. Mal ganz davon abgesehen, dass die Reanimations-Methode falsch ist, ist eine Bewusstlosigkeit an sich kein Grund, jemanden wiederzubeleben. Der Fünfzehnjährige hat die „Behandlung“ zum Glück unbeschadet überstanden.
  • Bei einer Reanimation, bei der schnell feststand, dass dem Patient nicht mehr zu helfen war, wurde von Angehörigen nach Abbrechen der Maßnahmen gefragt, ob man denn nicht „mit dem Elektrodings“ (gemeint war der Defibrillator) noch was machen könnte. Den hätten wir ja gar nicht verwendet, und im Fernsehen hilft der immer.
  • Zuletzt: Bei mehreren Notfällen ist es mir und auch Kollegen schon passiert, dass wir Anweisungen von Schaulustigen bekommen haben, was zu tun sei, oder warum wir dies und jenes nicht tun würden. Bei einem speziellen Fall wurde ich gefragt, warum ich der Patientin nicht „was wegen dem Blutdruck spritze“ (die Patientin war eine Leichtverletzte eines Verkehrsunfall, aber wegen des Schrecks etwas blass). Als ich darauf entgegne, dass das nicht nötig sei und ich sowieso keine Medikamente spritzen dürfe, bekomme ich zu hören: „Ja, ja, wenn Ihr nur an Euren blöden Vorschriften kleben könnt. Und ob’s den Patienten gut geht, ist Euch egal.“ Dass das Nichtbefolgen der „blöden Vorschriften“ für mich im Zweifelsfall die Konsequenz haben könnte, entlassen zu werden und nicht mehr im Rettungsdienst arbeiten zu dürfen, ist offenbar egal.

Es gab einmal eine Untersuchung über Reanimationen im Fernsehen. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass Reanimationen im Fernsehen eine Erfolgsquote von etwa 95 % haben. Und der Zuschauer erwartet das gleiche in der Realität. Aber die Realität hält dem nicht stand. Das Fernsehen vermittelt den Eindruck, egal welcher Ausgangspunkt eine Reanimation hat, in den meisten Fällen geht es gut. Dass es rein aus dramaturgischen Gründen geschieht, wird übersehen. Man fällt auf die vorgegaukelte Realität herein. Und „112…“ bietet da leider nichts neues. Keine Innovation. Nur das, was man eh schon kennt, vorhersehbare Handlungsstränge, geschrieben von Ahnungslosen, produziert von Willenlosen, aber gesehen von den Massen. In meinem ersten Beitrag zu Serie schreibt ein Kommentator, er habe gelesen, dass 89 Folgen bereits produziert seien, er rechne aber damit, dass die Serie bald abgesetzt wird. Ich fürchte, dass das nicht der Fall sein wird. Zwar ist die Serie mit weniger als 13 Prozent Marktanteil gestartet, aber die Quoten haben sich im Verlauf der ersten Folgen auf 15,6 Prozent der Zielgruppe gesteigert. Und wenn das mit den 89 Folgen stimmt, dann ist für fast 18 Wochen Material vorhanden. 18 Wochen, in denen dem Publikum demonstriert wird, wie die Arbeit von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei nicht läuft.

Ein Gegenpunkt: Die Realität

Aber ich höre schon die Stimmen: Die Realität ist doch so langweilig. In guten Geschichten muss ein Konflikt herrschen, damit sie interessant werden. Richtig – aber wer sagt denn, dass die Realität langweilig sein muss? Ich meine, das ist die Notfallrettung. Menschen in Extremsituationen. Die kann man auch interessant rüberbringen, ohne solche Münchhauseniaden zu produzieren. Stoff gibt es wahrlich genug:

  • Beziehungen zerbrechen häufig an den ungewöhnlichen Arbeitszeiten und dem teilweise bis auf 48 Wochenstunden erhöhten Pensum – bei gleichzeitiger minderer Bezahlung.
  • Ein anderer Grund für das Zerbrechen von Beziehungen ist, dass Menschen mit „normalen“ Berufen die Motivation für den Rettungsberuf oft nicht nachvollziehen können.
  • Für Konflikte sorgen posttraumatische Belastungsstörungen nach schwerwiegenden Einsätzen, oder einer Belastungsstörung, die sich über Jahre hinweg schleichend entwickelt.
  • Ein anderes Konfliktszenario: Derzeit wird darüber gestritten, wie die Ausbildung im Rettungsdienst in Zukunft aussehen soll. Als Idealvorbild steht dabei der Paramedic aus den USA, der erweiterte Befugnisse (zum Beispiel Medikamentengabe) hat. Dagegen laufen Ärzteverbände – teilweise sehr rüde – Sturm, die ihre Felle davonschwimmen sehen (oder denen ein Zacken aus der Krone bricht); auf der anderen Seite sind da die Kostenträger, die sich weigern, die Kosten für eine verbesserte Ausbildung, die dann nötig wird, zu zahlen. Mittendrin ist der Rettungsassistent, auf den die Situation zurückfällt, und zwar jedes Mal, wenn er zu einem Einsatz kommt, bei dem er denkt: Ich könnte, ich sollte – aber ich darf halt nicht.
  • Und wo wir gerade von „Kostenträgern“ sprechen: Mehrfach habe ich die Rolle von Frau Doktor Driesen kritisiert, die sich ständig mit Carstens streitet. Ja, da gibt es einen Konflikt zwischen den „Leuten vom Fach“ und den „Leuten aus der Bürokratie“, aber das läuft auf einem ganz anderen Level ab, und nicht mit diesem „Mein-Schäufelchen-Dein-Förmchen-und-Du-bist-selber-doof“-Geplänkel, das einem hier geboten wird.

Was die Einsätze betrifft, auch diese sind nicht langweilig. Jeder ist irgendwie anders, und genügend davon ließen sich zu einer spannenden Episode umschreiben. Dann kann man auch auf die überkonstruierten Mehrfachsituationen verzichten (Fahrstuhl bleibt stecken UND Person kollabiert UND Fahrstuhl droht abzustürzen oder Patient mit Rauchgasvergiftung UND Kellerbrand UND explodierende Gasleitung). Wer in richtigen Einsätzen unterwegs war, der weiß, dass es das nicht braucht. Jeder Einsatz hat seine Eigenheit und sein Spannungspotential. Es gibt genügend Geschichten, sie sind da. Offenbar will sie nur keiner erzählen. Man müsste sich eben mit den Profis zusammensetzen. Aber so eine Fernsehfolge ist halt sehr viel schneller produziert, wenn die Beteiligten keine Ahnung haben.

Damit komme ich zum Ende. Wie angekündigt werde ich „112…“ nicht weiter verfolgen. Dass ich es nach der ersten Folge getan habe, war für diesen Bericht. Den habe ich hiermit abgeliefert. Ich wende mich wieder anderen Dingen zu. Dingen, die etwas erfreulicher sind. Die Seite Quotenmeter.de schreibt in ihrer Kritik über die Serie als Zusammenfassung: „Für alle Soap-Fans zu empfehlen, alle anderen Zuschauer werden nach kurzer Zeit wieder die Flucht ergreifen. Denn am Ende bleibt doch nur eine harmlose neue Endlosserie aus dem Dunstschatten der Daily-Soaps.“ Das kann ich fast so unterschreiben. „Fast“ deswegen, weil das Prädikat „harmlos“ so nicht stehenbleiben kann. Serien dieser Art sind, wie ich oben dargelegt habe, nicht „harmlos“. Aber wer weiß – vielleicht sieht das mal jemand ein und macht sich an ein völlig neues Projekt. Das würde ich mir sogar antun. Bis dahin bleibt mir nur ein verzweifelter Ausruf als Zitat zum Schluss:

„Satras hat sie gewarnt, Satras hat sie alle gewarnt! Aber niemand hört auf Satras! Armer Satras!“
(Satras in der Serie „BABYLON 5“ von J. M. Straczynski)

UPDATE: Die neueste Entwicklung von „112…“ gibt es hier: „‚112…‘ zum Vierten: Sie rettet nun keiner„. Deswegen wurde die Kommentarspalte dieses Beitrags auch geschlossen, kommentieren in Zukunft bitte beim neuen Beitrag.

CSI: Miami – Staffel 6 beginnt

Horatio Caine und sein Team von Spurenermittlern sind wieder zurück am Tatort in Miami. Als erste der drei CSI-Serien darf „CSI: Miami“ heute in eine neue Runde starten und die sechste Staffel in deutscher Erstausstrahlung beginnen. Der Titel der Episode ist „Blutlinie“. Bis nächste Woche werden die anderen beiden Serien nachziehen.

Die fünfte Staffel hatte für das Team einiges an Aufregung gebracht, angefangen von Caines und Delkos eigenmächtiger Reise nach Brasilien über die Schießerei, in der Delko schwer verletzt wurde, bis hin zu Ryan Wolfes Entlassung.

Wegen des Autoren-Streiks in den USA im letzten Herbst ist diese Staffel nur 21 Folgen lang und wird wohl mit ein paar überraschenden Episoden aufwarten.