Der Eurovision Song Contest 2016 – Ein Spiegel für die deutsche Gesellschaft

Bild: phan.pro / Diorama: Miniaturwunderland Hamburg
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Sie müssen unterscheiden zwischen „Wollern“, „Nicht-Wollern“ und „Nicht-Könnern“. Die „Woller“ wissen alles, die „Nicht-Woller“ wissen alles besser und die „Nicht-Könner“ wissen alles am besten!
– V.I.N.Cent in „Das schwarze Loch“

Disclaimer

Ja, dieser Beitrag hängt seit über einem Jahr in der „Development Hell“ fest. Und das, obwohl er leider die ganze Zeit über aktuell geblieben ist. Je näher die Bundestagswahl 2017 rückte, desto aktueller wurde er, obwohl in der Zwischenzeit ein ein weiterer Eurovision Song Contest stattgefunden hat. Also dachte ich mir, okay, ich hau ihn noch raus, denn so langsam nervt es, wenn selbsternannte Patriotismusexperten auf allen Kanälen etwas von „Leitkultur“ blöken und meinen, alles sei doch so gut und schön. Nein, ist es nicht. Ein bekannter deutscher (!!) Dichter sagte mal: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.“ Und ein Teil dieses Schattens spiegelt sich ausgerechnet in einem Sängerwettstreit wieder.

Und das ganze erfuhr 2016 meine Aufmerksamkeit, obwohl der ESC des Jahres gar nicht so mein Interesse geweckt hatte. Gesehen habe ich ihn mehr oder minder zufällig und nicht vollständig. Doch die Teile, die ich tatsächlich live gesehen habe, machten mich neugierig, zeigten sie doch, wie unverkrampft das Ausrichterland Schweden mit der ganzen Veranstaltung umging und mit dem Parodie-Lied „Love Love, Peace Peace“ , bei dem es um den „perfekten“ ESC-Song geht, den meiner Meinung nach besten Beitrag des Abends ablieferte. Ich habe mir dann die anderen Beiträge mehr oder minder vollständig angesehen und ganz ehrlich, ich fand kein Lied, das meinem Geschmack nach besonders hervorstach. Wenn man die Lieder nacheinander einfach irgendwo im Radio gespielt hätte, wären sie jedem Dudelfunk würdig gewesen. Hätte man mich aber gefragt, welches Lied davon das beste sei, hätte ich mit beredtem Schweigen geantwortet. Ich kann nur ein Lied hervorheben, allerdings im negativen Sinne, denn der niederländische Beitrag hat mir nicht gefallen. Das liegt aber daran, dass Countrymusik generell nicht mein Fall ist und ein Countrysong sehr viel anstellen muss, um mir zu gefallen*. Bei mir hätte es demzufolge 25 Gewinner und einen Verlierer gegeben. Wenn die Niederländer beim ESC trotz meiner gegenteiligen Meinung gewonnen hätten, wäre das ein Drama gewesen? Nein. Warum sollte es? Achso, ja, weil Deutschland nicht gewonnen hätte – so wie es an jenen verhängnisvollen Samstag Abend des Jahres 2016 geschehen ist. Und oh man…

Nun, da sich der Vorhang der Nacht von der Bühne hebt, kann das Spiel beginnen, das uns vom Drama einer Kultur berichtet…**

Deutsche Leidkultur

Seit dem Moment, als feststand, dass Jamala aus der Ukraine den ESC 2016 gewonnen hat, wurde das Internet, ganz besonders die sozialen Medien, mit Heulen und Zähneklappern geflutet. Ich gebe mal ein paar Zitate wieder (Namen gekürzt, eventuelle Rechtschreibfehler aus dem Original übernommen):

Wir können hinschicken, wen wir wollen. Die Deutschen werden eben nicht gemocht.
– Gabi C.

Deutschland wird schon lange ignoriert , egal wer da singt. Deutschland ist nur gut wenn es ums bezahlen geht und jeden Highopie¹ ins Land lassen .
– Petra M. H.

Den letzten Platz hat sie unserer Kanzlerin zu verdanken. Europa hasst Deutschland, eindeutiger geht es nicht.
– Carsten C.

Danke Frau Merkel , das sie die ganze Welt gegen Deutschland gebracht haben , das schaffte nicht einmal der A….²
– Jürgen H.

Wobei ich mich frage was Australien mit der EU zu tun hat
– Stefanie H.

wir werden es auch nicht mehr anschauen.
– Angela K., stellvertretend für viele Postings mit gleichem oder ähnlichem Inhalt

Warum bezahlt Deutschland weiter wenn wir eh letzter werden? Das Geld könnte in Deutschland sinnvoller verwendet werden.
– Karin B.

Die Frage ist, warum ist Australien dabei?? Hab ich was verpasst, ist Australien in der EU???
– A. J.

Es gab aber auch andere Stimmen, zum Beispiel solche, die dem Jammern mit Humor begegnen:

Wir haben in den letzten 60 Jahren beim ESC 2 mal gewonnen das liegt bestimmt auch daran weil Frau Merkel vor 61 jahren geboren wurde ! (…)
Die Merkel ist auch drann Schuld das es Pfingsten so kalt geworden ist .
– Heinz S.

Hat was von DSDS (Deutschland sucht den Sündenbock) 😉
– Irene F.

Oder die auf Lücken in der Argumentation aufmerksam machten:

Wenn alles so Politisch sein soll beim ESC, dann wundert es mich das Australien so viele Punkte von Ihren „Europäischen Nachbarn“ bekommen haben…
– La K.

Sorry soll jetzt jedes mal Deutschland gewinnen oder wie !!!
– Rosaria M.

Einerseits sagen, dass alles politisch manipuliert wäre und im gleichen Atemzug darüber beschweren, dass wir vom Nachbarland keine Punkte bekommen haben. Finde den Fehler.
– Sabine M.

Quellen: [1], [2], [3]

Da rieb ich mir verwundert die Augen und fragte mich: „Hä?“ Aus einem Wettstreit mit Musik wird eine internationale Affaire, wenn nicht gar eine internationale Verschwörung gemacht. Wenn jemand in diesen Tagen ein Beispiel dafür gesucht hätte, was „typisch deutsch“ sei, dann wäre er hier fündig geworden. Lauter Menschen, die ganz genau wussten, dass es nur einen Grund gab, warum Deutschland verloren hat und der hatte natürlich nichts damit zu tun, dass anderen der deutsche Beitrag nicht gefallen hat. Neeeeein, alles abgekartet! Man mag die Deutschen nicht und Merkel ist schuld. Was anderes kommt überhaupt nicht in Frage. Ernsthaft? In dieser Diskussion – oder sagen wir lieber, in dieser Disziplin des „Sätze in die Welt husten“ – offenbaren sich ein paar gesellschaftliche Probleme. Mann kann die Reaktion auf den ESC also durchaus als Spiegel der Gesellschaft sehen.

„Europa hasst Deutschland“

Bei einigen Menschen herrscht ein Fehlverständnis dafür, was bei solchen Wettbewerben passiert. Die Aussage „Europa hasst Deutschland“ basiert auf gleich zwei grundsätzlichen Irrtümern, nämlich dass es sowohl ein Europa, als auch ein Deutschland gäbe, also eine homogene Masse von Menschen, die alle von nur einem Gedanken geleitet werden. … Merkwürdig wird es auch, wenn Menschen die Kanzlerin (und vornehmlich ihre Asylpolitik) verantwortlich gemacht werden, gleichzeitig aber betont wird, dass Deutschland ja nie gewinnen würde. Mal ganz davon abgesehen, dass das nicht stimmt, ist das ein Widerspruch in sich: Die letzten Male kann nicht die Asylpolitik der Kanzlerin verantwortlich gewesen sein, da sich die Situation gerade mit den Flüchtenden aus Syrien erst zwischen dem ESC davor und diesem überhaupt so verschärft hat.

„Das hat der deutsche Beitrag nicht verdient!“

Direkt in Zusammenhang mit der ersten Aussage ist immer wieder zu hören, dass die deutsche Sängerin es nicht verdient hätte, ganz hinten zu landen und es wird immer wieder als Beweis dafür herangezogen, dass die Abstimmung in dieser Art aus ganz anderen Gründen erfolgt sein muss. Das kann man schon als Verblendung sehen, denn es gab durchaus kritikwürdiges am deutschen Beitrag. Das Kostüm zum Beispiel, das ja schon sehr speziell ist. Ja, es ist ein Sängerwettbewerb, aber der erste Eindruck bei der Show entsteht nun mal visuell. Aber auch wenn wir solche Dinge außer acht lassen, gibt es Punkte, die einem hätten negativ auffallen können. Ich habe noch ganz genau im Kopf, was ich dachte, als Jamie-Lee ihren Auftritt hatte: „Meine Güte, bei der liegen ja die Nerven blank!“ Sowas ist sicherlich nicht nur mir aufgefallen. Und es gab sicherlich noch ein paar mehr, denen die Performance und / oder das Lied nicht gefallen hat. Manchmal trifft man halt den Nerv vieler Menschen mit einem Lied (man denke nur an Lena Mayer-Landruths nicht ganz gewöhnliches Englisch, das ihr aber offensichtlich Sympathiepunkte gebracht hat), und dann halt auch wieder nicht.

„Australien!? Wieso Australien???“

Jetzt kommt der interessante Brückenschlag zum heutigen Wahltag, und das Stichwort lautet „Fake News“. Gerade in den letzten Wochen haben sich reihenweise Falschmeldungen verbreitet, und sie kamen zur Hauptsache aus dem rechten Eck. Aber wieso wurden die so weiter verbreitet? Beim ESC gab es eine Fraktion, die sich lautstark über die Teilnahme von Australien aufregte, das ja gar nicht „in der EU“ sei. Nun, zunächst einmal ist der Eurovision Song Contest nicht nur EU-Mitgliedern vorbehalten (sonst dürften Länder wie die Schweiz oder die ganzen osteuropäischen Staaten ja auch nicht teilnehmen), aber hier wird schon ein Faktor klar: Es wird nicht mehr differenziert. Europa, EU, alles das gleiche. So gesehen ist es ja schon ein Wunder, dass diese Leute wissen, dass Australien auf der anderen Seite des Globus liegt. Und dann kommen die Kommentare: „Wieso ist Australien dabei?????³“ Gleich wird sich aufgeregt, denn noch ein Konkurrent verringert ja die Chance, dass die glorreiche deutsche Nation den Endsie… äh, ich meine, dass Deutschland den ESC gewinnt (etwas ähnliches erlebt man bei jeder Fußballweltmeisterschaft, da wird tatsächlich die Aussage getroffen, dass Deutschland den Titel so viel leichter erringen könnte, wenn nicht so viele andere Nationen teilnehmen würden).

Wie wäre es, wenn man statt sich gleich aufzuregen vielleicht mal nachdenkt? Australien liegt nicht in Europa, das ist richtig, aber vielleicht gibt es ja einen Grund, warum das Land am ESC teilnimmt? Respektive, vielleicht gibt es ja einen anderen Grund als den, Deutschland auf die letzten Plätze verdrängen zu wollen? Und nach ungefähr dreißig Sekunden Recherche habe ich auch schon die Antwort gefunden: „Australien trat 2015 laut Aussage der EBU als einmaliger Jubiläumsgast an und war direkt für das Finale qualifiziert. Seit 2016 nimmt Australien als assoziiertes Mitglied der EBU, entgegen vorheriger Aussagen, weiter am Wettbewerb teil. Es ist jedoch eine Qualifikation über eines der Semifinale nötig.[4][5][6] Sollte Australien gewinnen, würde der ESC aber nicht in Australien, sondern in einem europäischen Partnerland ausgetragen, das der verantwortliche Sender SBS frei wählen kann.“ So steht es in der Wikipedia. Alles ganz unspektakulär.

Aber man skandalisiert lieber. Man hält nicht inne, man fragt nicht: „Kann das sein? Was für Fakten gibt es?“ Ganz besonders, wenn man sich in eine Opferrolle begeben kann. Ja, immer die anderen. Es heißt ja: „Viel Feind, viel Ehr.“ Blöder Spruch. Er differenziert nicht, denn Feinde kann man sich auch schaffen, indem man einfach ein unerträgliches A*****ch ist. Der Spruch wird aber meist verwendet, um die eigene Position zu rechtfertigen. Alles, damit man selbst sich nicht ändern muss.

„Kennst Du den Faust?“ – „Den Doktor?“º

Tja, und wohin soll dieser Text jetzt gehen? Ich weiß es nicht. Es ist eine Beobachtung, die ich gemacht habe und die mich frustriert. Dieses Beispiel eines harmlosen Sängerwettbewerbs zeigt, wie verbissen manche, die hier leben, sind. Es wird immer die ganz große Nummer draus. Wenn man aber mit Logik daran geht, bleibt etwas zurück, das einfach nur noch lächerlich ist. Aha, alle anderen Nationen „hassen“ also „die Deutschen“. Und sie zahlen es „den Deutschen“ heim, indem sie sie nicht den ESC gewinnen lassen. Wow. Auf sowas muss man erstmal kommen. Beziehungsweise, lieber nicht. Die gleichen Leute reden dann gerne von der deutschen Kultur, wobei sie eine mehr Schlecht- als Rechtschreibung an den Tag legen, dass es einem Goethe oder Schiller gegraust hätte.

Ich würde jetzt gern was Schlaues schreiben. Einen einfachen Vorschlag zur Lösung dieses Problems. Aber den gibt es nicht. Es gibt nur die Lösung, zurückzutreten und versuchen, die Verschränkungen und Zusammenhänge zu erkennen. Und sich nicht gleich von der Skandalisierung packen zu lassen, stattdessen zu schauen, was es für harte Fakten gibt. Aber was rede ich? Es kriegen ja noch nicht einmal gestandene Journalisten hin, ein Zitat richtig einzuordnen. Nein, Peter Altmaier hat NICHT gesagt, man solle nicht wählen gehen. Aber selbst der Deutschlandfunk ist unfähig, das zu durchblicken.

Die Quittung für all das, das Verkürzen, das Nicht-Nachdenken, das Skandalisieren, das Sich-zum-Opfer-stilisieren, die werden wir heute Abend kriegen.

 


*= Lily Allens „It’s not fair“ wäre ein Beispiel eines Liedes im Countrystil, das mir gefällt, aber hauptsächlich deswegen, weil es die teilweise sehr spießig-konservativen Countrysongs auf die Schippe nimmt, indem hier eine Frau sehr deutlich davon singt, dass sie es nicht fair findet, dass ihr Freund beim Sex immer schneller fertig ist als sie.

**= Vorwort aus dem Lied „MfG“ von den Fanta 4, eigentlich die Eröffnung der deutschen Version der Show „Son & Lumière“ bei der Sphinx und den Pyramiden von Gizeh in Ägypten.

¹ = Vermutlich meint die Dame „Heiopei“.

² = Abkürzung „A….“ so im Originaltext geschrieben. Nach dem Motto, keiner soll merken, dass hier Angela Merkel wegen eines Sängerwettstreits mit Hitler verglichen wird.

³ = Terry Pratchett schreibt in einem seiner Bücher, dass fünf Ausrufezeichen ein sicheres Zeichen dafür seien, dass der Schreiber seine Unterhose auf dem Kopf trage. Auch wenn ich mir das nicht vorstellen möchte, denke ich, dass diese Aussage auch für andere im Überfluss verwendete Satzzeichen gilt.

º = Aus Goethes „Faust: Eine Tragödie“, „Vorspiel im Himmel“

Neu bei Panini Comics: Bataclan – Wie ich überlebte

Der Augenzeugenbericht von Fred Dewilde, der das Attentat auf den Pariser Musik-Club überlebte, in einer beklemmend intensiven Comic-Dokumentation. Bild: Panini Comics
Der Augenzeugenbericht von Fred Dewilde, der das Attentat auf den Pariser Musik-Club überlebte, in einer beklemmend intensiven Comic-Dokumentation. Bild: Panini Comics
Der Augenzeugenbericht von Fred Dewilde, der das Attentat auf den Pariser Musik-Club überlebte, in einer beklemmend intensiven Comic-Dokumentation. Bild: Panini Comics

Fred Dewilde, geboren 1966, ist als Grafiker auf medizinische Illustrationen spezialisiert. Er lebt mit seiner Familie in einem Vorort von Paris und liebt Rockmusik. Als Fan der US-Band Eagles of Death Metal war er an jenem verhängnisvollen Abend des 13. Novembers 2015 im Pariser Kult-Club Bataclan, als Terroristen dort ein grauenvolles Blutbad anrichteten. Nach offiziellen Angaben starben 89 Besucher des Konzerts, Hunderte Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Fred Dewilde überlebte das Attentat mit viel Glück körperlich nahezu unversehrt, aber schwerst traumatisiert. Nun hat er, als Teil der Aufarbeitung des Erlebten, seine Erinnerung an die Geschehnisse in einem beeindruckenden und beklemmenden Comic zu Papier gebracht. Die deutsche Version des in Frankreich gefeierten Bandes Bataclan – Wie ich überlebte erschien am 19. September beim Panini Verlag im Album-Format.

„Mitten im Blut eines Toten habe ich gelegen. Mitten unter den zerfetzten Körpern war ich geschützt. Mitten unter den zerstörten Leben habe ich gedacht, dass ich mitten im Entsetzen und im Wahnsinn noch einmal die Chance bekommen habe, euch zu lieben.“ Mit diesen Worten beschreibt Fred Dewilde auf dem Umschlag des Bandes seine Gefühle, als er zwischen Leichen liegend darauf hoffte, seine Familie noch einmal wiedersehen zu können. In seinem Comic werden diese Gedanken zu düsteren Bildern. Durch das Zeichnen versuchte er, sie aus seinem Kopf auf das Papier zu verbannen. „Für ihn war das reine Therapie“, sagt Bettina Frank, die den Band bei Panini übersetzt und redaktionell betreut hat und mit dem Autor und Zeichner in persönlichem Kontakt steht. „Er hat mir erzählt, dass sich das Schlussbild des Comics so in seinen Kopf gebrannt hatte und er den Drang verspürte, den Comic zu zeichnen. Darin sah er einen Weg, mit der Sache abzuschließen.“

Für die Leser schuf Fred Dewilde einen gezeichneten Augenzeugenbericht, der – durchweg in Schwarz-Weiß gehalten – den gesamten Schrecken eindringlich wiedergibt, ohne dabei explizit zu werden. Die Terroristen stellt er als entmenschlichte Gestalten mit Totenschädeln dar; die Toten, inmitten derer er lag, als formlose Masse. Zwischen all den Leichen, so beschreibt er es im Comic, habe er mit einer weiteren Überlebenden, der schwer verletzten Élisa, neben der er lag, einen „Kokon der Menschlichkeit“ geschaffen, um sich von dem Wahnsinn um ihn herum abzuspalten. Diesem Stück Menschlichkeit inmitten der Unmenschlichkeit verdanke er sein Überleben, sagt er. Letztlich war es aber reiner Zufall, dass er nicht auch erschossen wurde. Die Frage nach dem Wieso und warum ausgerechnet er überlebt hat, macht ihm bis heute zu schaffen.

Im Anhang des Bandes betrachtet Fred Dewilde in einer Reihe von Texten Punkte, die im Comic selbst keinen Platz hatten. Er beschreibt dort zum Beispiel, wie sich sein Leben und er selbst nach Bataclan verändert haben, wie er überhaupt wieder ins Leben zurückfand. Er sinniert über Psychotherapie, Schuldgefühle, das Menschsein und den Wert von schwarzem Humor. Außerdem macht er sich Gedanken zu den Eagles of Death Metal, die nach dem Anschlag nicht nur positiv in Erscheinung traten, über den Islam und zur aktuellen Politik – dies im Übrigen sehr differenziert, ohne Hass und vor allem ohne verallgemeinernde Anschuldigungen. Auch die Anschläge von Brüssel, Nizza und auf die Redaktion von Charlie Hebdo bleiben nicht unerwähnt.

Bataclan – Wie ich überlebte ist ein beeindruckendes, sehr eindringliches und in Teilen schockierendes Zeitdokument. Alles andere als leichte Kost, aber ein Band, den man – auch mit Blick auf aktuelle Geschehnisse – unbedingt gelesen haben sollte.

Quelle: Panini Comics

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Der Dudelfunk – eine unendliche Geschichte

Volksempfänger VE301W Aus der deutschsprachigen Wikipedia: de:Benutzer:Hihiman, lizensiert nach Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
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Die Vorstellung von echten Hörern aus menschlichem Fleisch und Blut scheint längst überwunden. Es regiert die abstrakte Idee eines ausdefinierten, imaginären Durchschnittshörers mit Durchschnittsmusikgeschmack und Durchschnittsinteressen und Durchschnittsleben.
– Zebrabutter

Als ich vor längerer Zeit die verkürzende und falsch verzerrende Berichterstattung beim „SWR3 Topthema“ in meinem Privatblog kritisierte, meldete sich tatsächlich jemand vom „Dudelfunk“ in den Kommentaren zu Wort (Disclaimer: Zumindest behauptete diese Person, beim Rundfunk zu arbeiten, aber im Internet kann man ja alles behaupten. Die Argumentation gegen meinen Beitrag passte jedoch zum „Dudelfunk“). Da ich meinen Artikel selbst wie einen Beitrag zum „Topthema“ aufgemacht hatte, um deutlich zu machen, wie ich mir so eine Berichtserstattung vorstelle, wurde angemerkt, dass mein Beitrag von vornherein viel zu lang sei für diese Rubrik. Sie dürfe maximal drei Minuten lang sein. Als ich erwiderte, dass man den Hörer ruhig mehr „zumuten“ kann als drei Minuten lange Beiträge, meinte mein Gesprächspartner lakonisch, dass Leute wie ich, die sich über zu kurze Beiträge beschweren, sich auch darüber beschweren, dass bei RTL keine Opern laufen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich von RTL nun wahrlich keine Opernsendung erwarte, kam hier ein merkwürdiges Bild vom Hörer zutage, als sei dieser per se intelektualismusfeindlich eingestellt. Gipfel der Ironie: Ausgerechnet auf SWR3 gibt es eine Comedy-Rubrik mit den „Ballermann-Nachrichten„, in der echte aktuelle Nachrichten für die vermeintliche „Generation PISA“ aufbereitet werden in Form eines Liedes, wie man es wohl tatsächlich in den Sauf-und-Gröhl-Bezirken der ohnehin schon arg geschundenen Balneareninsel Mallorca zu hören bekommen könnte. Offenbar scheint das Bild, das man beim „Dudelfunk“ vom Hörer hat, dem Bild der „Generation PISA“ in diesem Comedy-Format angeglichen zu sein.

Nun stellt sich aber natürlich die Frage: Was tun? Zebrabutter widmet sich dieser Frage in einem neuen Beitrag und sagt „Dudelfunk nicht bekämpfen, sondern anpassen„. Der Artikel enthält sehr gute Vorschläge und mein Lieblingssatz ist natürlich folgender:

Hörer müssten auszuhalten lernen, dass ein Wortbeitrag auch drei Minuten überschreiten darf.

Genau, denn die meisten Themen sind einfach zu komplex, um sie in eine begrenzte Anzahl von Minuten zu quetschen. Da wird dann gekürzt und gekürzt – so lange, bis es falsch ist. Zebrabutter schreibt aber nicht nur darüber, s0ndern über die Problematik generell, den nichtssagenden Werbephrasen („Die besten Hits“) und den Versuchen, einen Durchschnittshörer zu analysieren, den es so einfach nicht gibt.

Ich wurde übrigens bis vor kurzem auch noch von der Marktforschung zum „Hörerlebnis“ auf einem bestimmten Radiosender befragt. Mittlerweile nicht mehr. Vielleicht bin ich zu alt für die Referenzgruppe. Der „Durchschnittshörer“ dieses Senders ist „bis 49 Jahre alt“, da passe ich eigentlich noch rein. Aber man weiß ja nicht…

Ich kann den Artikel bei Zebrabutter nur empfehlen. Und bis der Dudelfunk angepasst wurde, hören wir kurz mal zur „Welle Wahnsinn“ rein…

 

Und nochmal Klimawandel: Vom Mensch gemacht – eine Übersicht

Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass die Politiker jetzt auf einmal anfangen sich für Wissenschaft zu interessieren. Das haben sie bisher nicht getan (oder wenn, dann meistens auf eine sehr tendenziöse Art und Weise) und es ist fraglich ob sie es in Zukunft tun. Aber Politiker müssen immer noch von der Bevölkerung gewählt werden! Und zumindest da könnte es sich lohnen in dieser Hinsicht vermehrt auf gute Wissenschaftsvermittlung zu setzen.

Florian Freistetter schreibt in dem Blog „Astodicticum Simplex“ einen kleinen Rückblick auf seine Artikelreihe über die am weitesten verbreiteten Klimawandel-Mythen und warum es eben Mythen sind. Ich möchte helfen, seine wissenschaftlichen Analysen weiter im Internet zu verbreiten, in der Hoffnung, dass der Trend zur zunehmenden Ablehnung von ernsthafter Wissenschaft hin zu Pseudowissenschaft und Verschwörungstheorien irgendwann mal umgekehrt wird. Ich weiß nur nicht, ob ich das noch erleben werde.

Hauptsache Schlagzeile: Bauernfängerei von so genannten „Klimaskeptikern“

Mit dem Brustton der Überzeugung reden so genannte „Klimawandelskeptiker“ in Diskussionen, sei es auf Facebook, in einer Kommentarspalte oder sonstwo im Internet, von der Hoffnung, die sie hegen, wenn der menschengemachte Klimawandel endlich als Lüge erkannt sein wird und all die unnötigen Ausgaben und Forschungen für eine bessere Zukunft dafür verwendet werden können, sich um richtige Probleme zu kümmern. Ab und zu macht auch mal ein Pressemedium mit. Diesmal die „Welt“. Stefan Rahmsdorf von der „Klimalounge“ schreibt dazu:

Hat die Welt denn nicht berichtet, dass 2014 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war? Nur um von 2015 noch übertroffen zu werden? Und dann wieder von 2016? Drei Rekordjahre in Folge – auch das hat es noch nie gegeben seit Beginn der globalen Temperaturmessreihen. Hat das alles in der Welt-Redaktion keiner mitbekommen?

Er nimmt die „Skeptiker-Argumente“ in dem Artikel „Der globale CO2-Anstieg: Die Fakten und die Bauernfängertricks“ auseinander. Und mir fällt dazu mal wieder die Karikatur ein, in der ein Besucher einer Veranstaltung, in der es um die Bekämpfung des Klimawandels geht, erbost meint: „Was ist, wenn es alles ein Schwindel ist und wir diese bessere Welt wegen nichts und wieder nichts erschaffen?“ Denn das ist auch ein Punkt: Selbst wenn die Wissenschaft sich uneinig wäre (was sie nicht ist), wäre es immer noch besser, etwas zu tun und dann festzustellen, dass es eigentlich nicht nötig war, als nichts zu tun, um irgendwann zu merken, man hätte was tun müssen, aber dann ist es zu spät. Denn wenn wir diese bessere Welt mit Abgasverminderung und umweltfreundlicher Energie schaffen, obwohl wir nicht müssen, haben wir trotzdem neue Technologien geschaffen, die auch ohne einen Klimawandel nützlich sind. Das andere ist nur ein plumpes „weiter so!“.

 

Machen Medien Meinung? Medienkompetenz hilft Kindern und Jugendlichen im Umgang mit sozialen Netzwerken

Auf der Suche nach der eigenen Identität lassen sind Heranwachsende von Rollendarstellungen und Aussagen in sozialen Netzwerken beeinflussen. Foto: djd/www.teachtoday.de
Auf der Suche nach der eigenen Identität lassen sind Heranwachsende von Rollendarstellungen und Aussagen in sozialen Netzwerken beeinflussen. Foto: djd/www.teachtoday.de
Auf der Suche nach der eigenen Identität lassen sind Heranwachsende von Rollendarstellungen und Aussagen in sozialen Netzwerken beeinflussen.
Foto: djd/www.teachtoday.de

(djd). Kinder und Jugendliche informieren sich über verschiedene soziale Netzwerke zu Themen wie Mode, Musik, Freizeit, Ernährung oder auch Politik. Sie erstellen eigene Profile, posten Details aus ihrem Privatleben und lassen sich von YouTubern die Welt erklären. So können soziale Medien auch persönliche Ansichten und Meinungen junger Menschen beeinflussen. „Machen Medien Meinung?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich etwa die Initiative Teachtoday in ihrer aktuellen Themenwelle, um Kinder und Jugendliche für die sozialen Medien fit zu machen, sie dafür zu sensibilisieren, mit Informationen verschiedenster Meinungsquellen kritischer umzugehen. Speziell Familien und pädagogische Fachkräfte können unter www.teachtoday.de zahlreiche praxis- und alltagsnahe Materialien finden.

Inszenierte Welten

Kinder und Jugendliche können mit Informationen konfrontiert sein, die ihre Ansichten auf subtile Weise beeinflussen. Viele Formate auf YouTube dienen der Unterhaltung. Häufig handelt es sich um inszenierte Welten, die Meinungen und Ansichten von Kindern prägen können, vor allem wenn diese zu einem Thema noch nicht über ausreichend eigene Erfahrung verfügen oder ihnen Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Informationsquellen fehlen. „Gerade für Kinder und Jugendliche ist es schwierig, zu unterscheiden, was eine persönliche Empfehlung und was eine klare Beeinflussung durch Werbung ist“, stellt der Medienpädagoge Markus Gerstmann in einem Interview mit Teachtoday zu dieser Problematik fest.

Verbreitung von Fake-News

Soziale Netzwerke sind heute Informationsräume, in denen sich Meinungen bilden können, die in Sekundenschnelle geteilt und verbreitet werden. Dabei kann die Art und Weise, wie ein Thema medial dargestellt wird, dazu führen, dass oftmals unbewusst und schnell Meinungen zu einem Thema gebildet werden. Fake-News, also Falschinformationen, präsentieren Themen häufig sehr emotional, was nicht nur Kinder und Jugendliche leicht dazu verleiten kann, sie zum Beispiel mittels WhatsApp oder Facebook selbst zu verbreiten.

Fake-News entlarven

Fake-News lassen sich oft daran erkennen, dass Sachverhalte überspitzt dargestellt sind oder nur aus vereinfachten Fakten bestehen, die keine oder nur erfundene Quellen angeben. Es kann auch sein, dass die Bilder nicht zur Nachricht gehören, was sich etwa anhand der Rückwärtssuche von Suchmaschinen herausfinden lässt. Unter www.teachtoday.de finden sich unter dem Punkt „Informieren“ weitere Hinweise, mit denen sich Falschmeldungen entlarven lassen.

 

Hate Speech als Zwei-Klassen-System

Wer Hass selbst heute im großen Maßstab erlebt – und das werden täglich mehr normale Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die den Mund aufmachen – steht meist komplett alleine da. Das ist die Realität Deutschlands im Jahr 2017.

Gerald Hensel schreibt für Übermedien in dem Beitrag „Dunja Hayali und der kuratierte Hass“ über Hayalis Antwort an einen Troll, die groß in den Medien die Runde machte. Hayali wurde für ihre Antwort gefeiert, Hensel gibt jedoch zu bedenken, dass die meisten, die von Internet-Trollen mit Hate Speech belästigt (und mehr als belästigt) werden, ziemlich allein dastehen. Hayali steht schon in der breiten Öffentlichkeit und ihre Kollegen haben dafür gesorgt, dass noch mehr Öffentlichkeit erzeugt wird. Das meiste an Hate Speech bekommen aber Privatpersonen ab, die nicht die große Öffentlichkeit erreichen und mit (Mord-)Drohungen ziemlich allein dastehen.

Ein lesenswerter Beitrag, der das Weltbild wieder ein wenig zurecht rückt.

 

Brexit: „Jetzt, wo die Maske britischer Höflichkeit gefallen ist, scheinen die Menschen den Anstand immer weiter zu verlieren.“

Nur bei einem Thema hat das Brexit-Referendum bislang Klarheit gebracht – wie tief der Ausländerhass bei der Hälfte der Bevölkerung sitzt. Jetzt, wo die Maske britischer Höflichkeit gefallen ist, scheinen die Menschen den Anstand immer weiter zu verlieren. Die Anzahl ausländerfeindlicher Übergriffe ist in den Wochen nach dem Referendum um über 50 Prozent angestiegen.

– Entdecke England: „Ratlos“

Auf dem Blog „Entdecke England“ ist schon im Dezember ein Beitrag erschienen, der leider nichts an Aktualität verloren hat. Nach den Ereignissen der letzten Tage hat er eher an Aktualität gewonnen, und das in vielen Ländern der Welt. Die Autorin von „Entdecke England“ schreibt über ihre Erlebnisse, die schon bitter genug sind, aber auch davon, dass ihre Familie angesichts der Umstände eine bittere Entscheidung gefällt haben. Den ganzen Artikel gibt es hier: „Ratlos„.

 

Go Home, Great Britain, You’re Drunk! – Die Ausländerfeindlichkeit in England nimmt pythoneske Züge an

Eine Analyse

„Horribile Dictu“ sagt der Lateiner, „furchtbar, dass dies gesagt werden muss“, und genau so ist es. Dank des Nachrichtenaggregationsdienstes Rivva bin ich auf einen Artikel eines persönlichen Blogs aufmerksam gemacht worden, in dem eine Frau darüber schreibt, was ihre Schwester in England erlebt. Besagte Schwester kümmert sich seit 19 Jahren darum, dass Kinder einer Schule in einem so genannten „Problembezirk“ morgens ein Frühstück bekommen. Oder eigentlich sollte ich sagen, „kümmerte“, denn die Schulrektorin hat es ihr ab sofort verboten. Die Begründung?

“Die Eltern wollten nicht, dass ihre Kinder, Gemüse oder Obst bekämen, dass aus der EU komme.” Die Eltern seien überhaupt gegen die EU-Diktatur, die nicht nur Gurken norme und die Bananenkrümmung messe, sondern die grundsätzlich Obst und Gemüse als wertvollen Bestandteil jeder Ernährung propagiere, dabei entspräche dies nicht der Tradition eines englischen Frühstücks.

Musstet Ihr das auch zweimal lesen, um es zu glauben? Ach ja, „gewöhnliche“ Fremdenfeindlichkeit seitens der Eltern kommt übrigens auch noch dazu. Ich empfehle Euch dringend, diesen Artikel, der den Titel „Der vergiftete Apfel“ trägt, ganz durchzulesen. Er ist lang, gut geschrieben und allein schon deswegen lesenswert. Und natürlich wegen des Berichts, welche irren Blüten die Ausländerfeindlichkeit in England so treibt.

Ich persönlich musste dabei an einen Sketch von Monty Python denken. Sicherlich im Sinne der Pythons wäre es gewesen, die Fremdenfeindlichkeit ins Absurde drehen zu lassen, indem „ausländisches Obst“ abgelehnt wird (und man sich lobend über „rein britische Mangos“ auslässt), es gibt aber auch wirklich einen Monty-Python-Sketch, in dem die Gefährlichkeit von frischem Obst im Mittelpunkt steht: „Self Defence Against Fresh Fruit“. In diesem Segment mit ausgewählten Sketchen der Pythons kommt er an erster Stelle. Die Geschichte der Schwester von Read On ist grotesk und leider nicht zum Lachen, lachen wir deswegen über andere Grotesken:

https://youtu.be/JXfosKV7jIo

 

Die Graphic Novel „Drei Steine“ – ein mahnendes Werk gegen Rechtsradikalismus

(c) Panini Comics
(c) Panini Comics

Nils Oskamp erzählt in seiner autobiografischen Graphic Novel Drei Steine die Geschichte seiner Jugend in den 1980er Jahren in Dortmund-Dorstfeld, wo er das Opfer rechter Gewalt wurde. Er dokumentiert, wie die rechtsradikalen Jugendlichen damals so gut wie ungestraft davonkamen und es später sogar bis in die Politik schafften.

Als ein Mitschüler in der Schulklasse den Holocaust leugnet und weitere Nazi-Parolen propagiert, lehnt sich Nils Oskamp dagegen auf und sagt seine Meinung. Dadurch macht er sich zur Zielscheibe der Neonazis. Ab da beginnt ein Kampf, bei dem es für ihn bald um das nackte Überleben geht. Nils Oskamp zeigt in eindringlichen Bildern, wie die Lehrer und die Polizei die Bedrohung nicht ernst nehmen und auch die Familie die Gefahr nicht erkennt. Mehrfach wird er von Neonazis krankenhausreif geschlagen. Die Spirale der Gewalt eskaliert und gipfelt in zwei Mordanschlägen. Die jugendlichen Schläger der Neonazis wurden von „Alten Kameraden“ angeworben und indoktriniert. Diese Seilschaften sind weiterhin aktiv und machen mit dem rechtsextremen Terror, den sie verbreiten, heute noch Schlagzeilen.

Nils Oskamp ist in Dortmund aufgewachsen und studierte im Ruhrgebiet Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Illustration. In Hamburg absolvierte er erfolgreich ein Trickfilmstudium und arbeitet dort als Illustrator für Werbung und Zeitschriften. Mit der Arbeit an Drei Steine begann er vor ein paar Jahren als Gastkünstler in der französischen Comic-Hauptstadt Angoulême.

Die Graphic Novel über seine Jugend, sein Leben mit der Angst und die Ohnmacht des Staats und der Bevölkerung gegenüber rechtsradikaler Gewalt, ist eine beeindruckende und beängstigende Mahnung an alle, die den Rechtsradikalismus verharmlosen. Ein Werk, das umso bedrückender ist, da es auch dokumentiert, dass die rechte Bedrohung inmitten unserer Gesellschaft wächst und gedeiht, und die Drahtzieher sich vielerorts an der Spitze von Politik und Wirtschaft positionieren konnten.

Am 28. Juni 2016 erscheint beim Panini Verlag die 160-seitige Graphic Novel Drei Steine als Hardcover-Ausgabe. Bereits jetzt im Mai veröffentlicht die Amadeu Antonio Stiftung eine gekürzte, 96-seitige Softcover-Schulbuchausgabe. Diese kann über die Webseite www.dreisteine.com für Schulen bestellt werden. Dort steht auch ergänzendes pädagogisches Begleitmaterial den Einsatz im Unterricht zur Verfügung.

Die Panini-Ausgabe für den Buch- und Comic-Fachhandel wird auf dem Comic Salon Erlangen (26. bis 29. Mai 2016) offiziell am Stand von Panini präsentiert und durch eine Drei Steine-Ausstellung begleitet. Nils Oskamp wird während des Salons für Signieraktionen am Verlagsstand anwesend sein, außerdem wird es eine Podiumsdiskussion zum Thema seines Buchs geben.

Weitere Veranstaltungen:

12. Mai 2016
Buchpremiere in der Steinwache in Dortmund
Die Buchpremiere der Drei Steine-Schulbuchausgabe findet am 12. Mai 2016 in der Steinwache in Dortmund (19 Uhr, Steinstraße 50, 44147 Dortmund) statt. Begleitet wird die Präsentation von einer Podiumsrunde mit WAZ-Redakteur David Schraven, der auch Autor der Graphic Novel Weisse Wölfe ist, in der er sich mit den Dortmunder Neonazis der neuen Generation beschäftigt. Mit dabei ist auch Timo Reinfrank, der Programmleiter der Amadeu Antonio Stiftung, die unter anderem auch im Internet die Plattform Netz gegen Nazis betreibt.

20. Mai 2016
Launch der Graphic Novel Drei Steine
Autor Nils Oskamp wird seine von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Graphic Novel Drei Steine vorstellen und die Politikwissenschaftlerin Dr. Britta Schellenberg die dazugehörigen pädagogischen Begleitmaterialien. Die Veranstaltung findet in der Amadeu Antonio Stiftung, Novalisstraße 12, 10115 Berlin statt. Beginn ist um 16.30 Uhr.

26. bis 29. Mai 2016
Präsentation und Ausstellung beim internationalen Comic Salon Erlangen 2016
Auf der Bühne des Kleinen Saals in der Heinrich-Lades-Halle werden Originale, Studien, Dokumentation, Multimedia-Exponate und Leseproben gezeigt. Am Panini-Stand im gleichen Saal kann die Drei Steine-Hardcover-Ausgabe vor dem offiziellen EVT erworben werden und es finden täglich Signierstunden statt.

Links:

Drei Steine-Homepage mit dem pädagogischen Begleitmaterial

Web-Präsenz des Autors

Drei Steine auf Facebook

DREI STEINE
HC | 160 S. | € 19,99 | 978-3-95798-646-7 | Ab 28. Juni 2016 im Handel, vorab exklusiv erhältlich auf dem Comic Salon in Erlangen
>>>„Drei Steine“ von Nils Oskamp zum Vorbestellen bei AMAZON [Sponsored Link].

Quelle: Panini Comics