Geboren am 4. August 1970 in Diez an der Lahn schreibe ich Geschichten, seit ich schreiben kann. Das Projekt, an dem ich am längsten arbeite, ist "Das Phantastische Projekt" mit all seinen Facetten, das am 7. August 1985 seinen Anfang nahm.
Wenn dieser Artikel erscheint, hat die geneigte Leserin, der geneigte Leser noch ziemlich genau 15 Minuten Zeit, dann beginnt die Premiere der neuen Sektion innerhalb des Phantastischen Projekts: ACELS. In diesem Artikel möchte ich das wichtigste beleuchten, was es darüber zu sagen gibt. Und es würde mich freuen, wenn das neue Projekt ein paar Abonnenten finden würde.
In einem anderen Artikel habe ich es schon erwähnt, ich habe zwei oder drei Mails erhalten, in denen eine Frage gestellt wurde, die ich interessant fand. Und zwar ging es darum, dass in den ganzen Kanälen der unterschiedlichen Abteilungen des Phantastischen Projekts ja auch Geschichten erzählt werden. Teilweise überschneiden sich diese Geschichten in den unterschiedlichen Kanälen und am Schluss gehören sie alle in die gleiche Geschichtenwelt (ich schrecke etwas zurück vor dem Gebrauch des Wortes „cinematic universe“, weil der ist in letzter Zeit etwas überstrapaziert worden). Die Frage lautete nun konkret: Wenn man sich die ganze Geschichte erschließen will, die sich auf den Videokanälen entfaltet, in welcher Reihenfolge muss man dann die einzelnen Episoden anschauen?
Das war eine interessante Frage, denn in der Tat gibt es da eine Reihenfolge, aber die hatte ich mehr oder minder lose in meinem Kopf. Auf YouTube verteilt sich das ganze auf mehrere Kanäle, beziehungsweise außerhalb von YouTube auf mehrere Webseiten. Und so entstand die Idee zu „ACELS“. ACELS ist der Name der Welt der Ersten, der ältesten Wesen der Galaxis, die in den Science-Fiction-Teilen der Geschichten irgendwie im Hintergrund umherspringen und ein bisher nicht näher definiertes Interesse an der Erde und der primitiven Menschheit haben. ACELS ist auch der Name der Wesen selbst, zumindest nennen sie sich so. Da alle die Geschichten in ihrer Welt spielen, erschien es mir nur logisch, die Zusammenfassung so zu nennen.
Und was passiert bei ACELS genau? Auf der Webseite (https://acels.phan.pro) werden ab heute die Videoepisoden in der richtigen Reihenfolge veröffentlicht, und zwar – wie es sich für eine ordentliche Serie gehört – eine Folge pro Woche. Dabei beginnt die Geschichte heute mit einer speziell produzierten Pilotepisode, die in die Geschichte einführen und so ein bisschen als Werbung dienen soll. Mit dieser Pilotepisode geht es auch zurück an den Anfang des Phantastischen Projekts, denn vorausgesetzt bei YouTube klappt alles mit den Rechten, wird diese Folge mit dem Soundtrack von John Barry aus „The Black Hole“ untermalt, der mir vor vielen Jahren als Inspiration für eigene Science-Fiction-Geschichten diente. Falls es mit den Rechten nicht klappt, wird der Sountrack einfach ersetzt durch die Overtüre aus „Wilhelm Tell“… oder so.
Wichtig ist: Es handelt sich dabei nicht um einen eigenen Videokanal. Die ACELS-Pilotepisode erscheint im Kanal vom Phantastischen Projekt, die Episoden in der richtigen Reihenfolge werden auf der ACELS-Webseite einfach wiedergegeben. Daher kann man die ACELS-Serie auch nicht bei YouTube abonnieren, und das ist auch nicht Sinn der Sache. Man kann ein Abonnement auf der Webseite selbst abschließen, was auch den Vorteil hat, dass man auf jeden Fall über die neuen Folgen Woche für Woche informiert wird (im Gegensatz zu YouTube, wo eben nicht jeder Abonnent zuverlässig über Neuerscheinungen unterrichtet wird).
Zur gleichen Zeit, wo dieser Artikel freigeschalten wird, wird auch die erste Folge auf ACELS freigeschalten, sie trägt den passenden Titel „Ouvertüre„. Die Premiere der Episode selbst wird auf YouTube um 20.15 Uhr sein. Also, es wird Zeit…
Ein Hinweis noch: Auf der Webseite von ACELS ist Steady installiert. Das heißt nicht, dass die Beiträge dort hinter einer Paywall stecken, den Hinweis kann man einfach wegklicken. Aber vielleicht findet sich ja der eine oder andere, der das Projekt unterstützen möchte. Mit Werbeeinnahmen ist jedenfalls kein Staat mehr zu machen…
Schon wieder mal ein Jahr vorbei und ein neues Jubiläum des Phantastischen Projekts steht an. Heute allerdings sind es 35 Jahre, also sollte man eigentlich irgendwas besonderes machen. Sowas wie ein Fantreffen oder eine Liveübertragung im Internet oder so Zeugs. Ich weiß allerdings nicht, ob die geneigte Leserin oder der geneigte Leser es mitbekommen hat, aber wir haben zurzeit immer noch eine Pandemie, die so durch die Lande grassiert. Ein Fantreffen fällt also flach, mal ganz davon abgesehen, dass man für das Treffen diesen alten Witz von Otto (Waalkes, Ihr erinnert Euch?) recyclen könnte: Alle Fans vom Phantastischen Projekt treffen sich zum Jubiläum… in einer Telefonzelle…
Ach je, die Zeit vergeht und den Witz versteht auch keiner mehr, weil keiner mehr weiß, was eigentlich eine Telefonzelle ist. Ja, vor den Zeiten des Mobiltelefons waren die Menschen gezwungen, wenn sie von unterwegs irgendwie anrufen wollten, ein öffentliches Telefon zu benutzen. Die waren meistens in Zellen untergebracht, damit man beim Telefonieren zumindest ein bisschen Privatsphäre hatte und sahen meistens so aus:
So, hat den Witz jetzt auch jeder verstanden? Gut, also wie gesagt, Treffen fällt flach. Zu wenig Interessierte und die Pandemie lässt es sowieso nicht zu. Eine Liveübertragung im Internet wäre sicherlich spaßig gewesen, aber da auf dem YouTube-Kanal vom Phantastischen Projekt in letzter Zeit eher weniger gelaufen ist, stellt sich die Frage, ob das genügend Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Und eine Liveübertragung, die mehr oder minder ein langer Monolog ohne Interaktion ist, bringt’s irgendwie auch nicht wirklich.
Orry hat vorgeschlagen, eine kleine Plauderei aufzunehmen, in der ich so einiges über das Projekt, seine Ursprünge und meine Ideen erzähle. Wir haben tatsächlich auch was aufgezeichnet. Aber ich weiß echt nicht, ob das jemanden interessiert.
Dann also ein kleiner Artikel und eine neue Aufbereitung des Projekts, die heute startet. Es ist nichts wirklich Neues, aber zwei oder drei Fans haben da eine interessante Frage gestellt, der ich nachgehen musste. Daraus wurde dann das, was jetzt „ACELS“ heißt. ACELS startet heute. Es ist kein Neustart, es ist… etwas anderes. Wenn es jemanden interessiert, lasst Euch überraschen, im Verlauf des Tages gibt es einen weiteren Artikel hier im Blog. Und die Premiere ist heute Abend.
So ein Jubiläum ist eigentlich auch immer ein Punkt, um in die Vergangenheit zu schauen und was alles war. Aber wie ich mich kenne, vergesse wieder wichtige Dinge. Außerdem habe ich diese Dinge schon für die Chronologie der Hauptseite aufbereitet. Wer möchte, kann es also dort nachlesen, beginnend mit dem 7. August 1985.
Jetzt bleibt nur noch, abzuwarten und zu schauen, was noch kommt, sowohl für das Projekt, als auch generell. Denn die Herausforderung, die diese Pandemie bildet, ist noch nicht vorbei. Dagegen ist so ein Projekt nur eine Kleinigkeit, aber es ist meine Kleinigkeit.
CBS und Paramount haben verkündet (beziehungsweise, sie haben es durch die entsprechenden Schauspieler verkünden lassen), dass es eine neue STAR-TREK-Serie geben wird. Der Titel: STAR TREK – Strange New Worlds. Der Schauplatz: Offenbar die USS ENTERPRISE NCC 1701 unter dem Kommando von Captain Christopher Pike. Wann kommt sie heraus: Irgendwann… ein genaues Datum wird in dem Ankündigungsfilm nicht genannt. Aufgrund der äußeren Umstände können wir aber davon ausgehen, dass die Serie sich erst in der Vorproduktion befindet (und solange Corona nicht ausgestanden ist, wird das vermutlich auch so bleiben). Also werden wir vor nächstem Jahr hier vermutlich gar nichts zu sehen bekommen.
Ich persönlich bin dabei ziemlich gespalten. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, einerseits hat mir der Handlungsstrang bei „Star Trek Discovery“, in dem Christopher Pike die Discovery als Captain übernimmt, gut gefallen, andererseits ist es schon wieder ein Prequel. Das heißt, wir werden uns auf weitere Anachronismen einstellen müssen. Was mich aber wiederum etwas hoffen lässt, ist die Aussage von Anson Mount (der Darsteller von Pike), dass es um die Zukunft und um Hoffnung gehen wird. Das ist etwas, das ich gerade in der ersten Staffel von „Star Trek Discovery“ schmerzlich vermisst habe. Ich lasse mich mal überraschen. Vielleicht gelingt es den Produzenten und Autoren ja, mich nach „Star Trek Picard“ ein zweites Mal zu überzeugen.
Hoffentlich lassen sie diesmal aber das Spiegel-Universum außen vor…
STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Poster (c) Disney Company / Lucasfilm
„May the Fourth“ – Star Wars Day
Ein bekanntes Lied beginnt mit den Worten „This is the End, my Friend…“ und genauso könnte ich diese Rezension auch beginnen, denn Episode IX ist das offizielle Ende der Skywalker-Saga. Für den Moment zumindest, aber ich wage zu behaupten, dass sich zumindest in der näheren Zukunft niemand bei Lucasfilm daran traut, doch noch George Lucas‘ ursprüngliche Vision von 12 Episoden zu verwirklichen. Warum ich das denke, darum soll es in dieser Rezension gehen. Und um vieles andere. Und natürlich um das große Finale selbst.
Die Entstehungsgeschichte von Episode IX
Als damals entschieden wurde, an die bekannten Episoden I bis VI nochmal drei Teile dranzuhängen, hatte man beschlossen, dass drei verschiedene Kreative für jeweils einen Teil verantwortlich sein sollten. J.J. Abrams sollte mit Episode VII den Grundstein legen, Rian Johnson mit Episode VIII weitermachen, bevor Colin Trevorrow mit der neuen Episode IX nicht nur die neue Trilogie, sondern auch die Skywalker-Saga an sich abschließen sollte. Dabei sollte den dreien recht große Freiheiten gewährt werden, was die Ausgestaltung ihrer Geschichten betraf. Das kann durchaus ein fruchtbarer Prozess sein. Ich selbst habe auch schon mit anderen zusammen an einem Storykonzept gearbeitet und gerade der Umstand, dass man einen guten Mittelweg zwischen eigener Erzählung und den Elementen der anderen finden muss, kann zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit führen. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich an die Regeln der Zusammenarbeit hält. Bevor nun die Rian-Johnson-Hasser sich auf diese Bemerkung stürzen: Man kann dabei auch neue und vielleicht ungewöhnliche Wege gehen, aber alle müssen sich darauf einlassen. Und genau daran krankte die Vorarbeit von Episode IX.
Wir alle wissen mittlerweile – denke ich zumindest – was passiert ist: J.J. Abrams hat mit „Episode VII: Das Erwachen der Macht“ quasi ein Remake von „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ abgeliefert, mit ein paar neuen Charakteren und einen noch größeren Planetenkiller. Da es allerdings auch darum ging, Star-Wars-Fans aller Art abzuholen und wieder in die Galaxis „weit, weit von hier entfernt“ zurückzubringen, kann man das verschmerzen. Immerhin wurde eine spannende Ausgangssituation geschaffen, die geheimnisvolle „Erste Ordnung“, die aus der Asche des Imperiums entstanden ist, Kylo Ren, der Darth-Vader-Fanboy, der sich unbedingt was beweisen muss und das tut, indem er seinen eigenen Vater umbringt, Lukes Lichtschwert, das er in Episode V verloren hat, das wieder auftaucht, Rey, die von ihren Eltern auf Jakku zurückgelassen wurde…
Rian Johnson hat das alles aufgenommen und in „Episode VII: Die letzten Jedi“ konsequent neue Wege beschritten, indem er ständig die Frage stellt, welches Vermächtnis jemand hinterlässt und wie man mit der eigenen Vergangenheit umgehen soll. Außerdem wagte er einen Blick hinter die Kulissen des Kriegsgeschäfts und zeigte sehr deutlich, dass es natürlich auch in Star Wars Profiteure des Konflikts gibt. Wenn man genau hinsieht, hat er sogar eine sehr schöne Allegorie auf das Fandom (von Star Wars im Speziellen, aber vermutlich gibt es das in den meisten erfolgreichen Franchises) geschaffen: Auf der einen Seite Rey, die aus den Mythen um die Jedi Inspiration ziehen will, auf der anderen Seite Kylo Ren, der – wie ich schon schrieb – ein Darth-Vader-Fanboy ist und „genauso cool“ sein will wie der Sith-Lord. Kylo repräsentiert dabei auch die toxische Seite des Fandoms, die alles und jeden verachtet, der dem „wahren Geist“ widerspricht. Das Sahnehäubchen auf der Allegorie ist Mark Hamill als Luke Skywalker, der sich praktisch selbst spielt. Wie Luke sich von der Macht abgewandt hat, nachdem er Kylo Ren erschaffen hat, hat sich auch Hamill von den Star-Wars-Fans abgewandt, nachdem er gesehen hat, wie völlig überdreht die toxischen Fans sein können. Dass Luke Rey im Film fragt, was er denn tun solle, ob er mit einem Laserschwert heraustreten und sich der gesamten Ersten Ordnung entgegen stellen soll, spiegelt die Verwirrung des Schauspielers wieder, der nicht einordnen kann, was diese Hardcore-Fans, die ihn mit seiner Rolle verwechseln, eigentlich von ihm wollen. Aber so wie Luke in die Handlung zurückkehrt, hat auch Hamill wieder in die Rolle gefunden.
Ich fand Johnsons Entscheidung, den Obersten Anführer Snoke in dieser Folge sterben zu lassen, mutig, aber ich muss zugeben, ich war im Kinosaal völlig hin und weg. Als Snoke in zwei Teilen von seinem Thron stürzte und etwas später den eindeutig toten Körper sah, habe ich innerlich jubiliert. Ein neuer Weg! Wir haben in Episode I bis VI gesehen, wie Anakin Skywalker zu Darth Vader wurde, aber letztlich den Imperator stürzte und damit Erlösung erfuhr. Kylo Ren hat im Gegensatz dazu „seinen“ Imperator getötet, um diesen Platz einzunehmen. Wohin würde die Geschichte jetzt wohl gehen, da Kylos Pfad ein wesentlich dunklerer ist als der von Vader?
Colin Trevorrow übernahm die Geschichte von Rian Johnson und lieferte wohl auch ein Drehbuch ab, doch nach der Veröffentlichung von Episode VIII geschahen mehrere Dinge, die Episode IX zu dem formen sollten, was sie nun ist. Das erste geschah allerdings schon vorher: Trevorrow wurde geschasst. Warum? Zunächst wurde die allgemeine Ausrede von „kreativen Differenzen“ gewählt, die im eigentlich nur heißt, dass irgendwelche Studiobosse andere Ideen hatten und der Regisseur nicht mitspielen wollte. Dann wurde Kathleen Kennedy in einem Interview etwas deutlicher:
Colin war enorm im Nachteil, weil er nicht an ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ und zum Teil auch nicht an den früheren Gesprächen teilgenommen hat und wir aber schon ein allgemeines Gespür dafür hatten, in welche Richtung die Story gehen sollte.
(…)
Wir hatten einen Zeitplan, wie so oft bei Filmen, und mussten eine schwere Entscheidung treffen, ob oder ob wir es nicht rechtzeitig schaffen werden. Und wie ich bereits sagte, Colin war im Nachteil, weil er nicht in allem involviert war, seitdem wir mit Episode VII anfingen.
Kathleen Kennedy in einem Interview mit „Gizmodo“, zitiert nach vip.de
Trevorrow wurde September 2017 aus dem Projekt entlassen, also knapp drei Monate vor dem Kinostart von Johnsons Episode VIII. J.J. Abrams wurde verpflichtet, nun auch Episode IX zu produzieren. Und angesichts dessen, was er ablieferte, klingt Kennedys Begründung etwas seltsam. Denn als nächstes geschah etwas, das ganz offensichtlich großen Einfluss auf die Handlung von Episode IX hatte. Es war so massiv, dass es sogar eine Bezeichnung bekam:
Star Wars: The Fandom Menace
Rian Johnson wurde viel gelobt für seine mutigen Entscheidungen. Für manches an seiner Ausführung wurde er kritisiert, aber kein Film ist perfekt. Und dann zeigte das toxische Star-Wars-Fandom sein hässliches Gesicht.
Um gleich mal eins klarzustellen: Man ist nicht verpflichtet, einen Film zu mögen. Auch nicht, wenn „Star Wars“ draufsteht. Man darf diesen Film – oder einzelne Ideen daraus – schlecht oder schlecht umgesetzt finden. Alles kein Problem. Das Problem beginnt dort, wo aus Kritik Mobbing wird. Dort, wo aus „nicht mögen“ oder „hat mir nicht gefallen“ blanker Hass wird. Dort, wo man anderen verbietet, einen Film zu mögen. Wo man diesen Leuten sagt, sie seien keine „wahren Star-Wars-Fans“, wenn sie diesen Film mögen. Genau das geschah nun aber. Mit einem geradezu radikal-religiösem Eifer wurde Hass über Beteiligten an Episode VIII ausgeschüttet. Kelly Marie Tran, die Darstellerin der Rose Tyco, wurde persönlich und – da sie vietnamesischer Abstammung* ist – rassistisch beleidigt, so dass sie sich schließlich ganz aus den sozialen Medien zurückzog. Rian Johnson wurde zum Hass-Objekt, da er Star Wars „zerstört“ habe. Extrembeleidigte stellten sogar eine offizielle Petition ins Internet, die Disney und Lucasfilm dazu bringen sollte, Episode VIII aus dem offiziellen Canon zu streichen. Patrick H. Willems, ein Filmanalyst und YouTuber, brachte die absolute Sinnlosigkeit dieser Aktionen gekonnt auf den Punkt:
It’s just a series of fun kids movies about space wizards.
Was auch immer bei Disney vorging, ich weiß es nicht. Immerhin wurde der sinnfreien Petition nicht stattgegeben. Stattdessen arbeitete J.J. Abrams nun an Episode IX und es wurde das große Versprechen gegeben, dass diese nicht nur einen Schlusspunkt der neuen Trilogie, sondern ein großes Finale der ganzen Skywalker-Saga sein würde. Dann wurde in Trailern erstmals angedeutet, dass der Imperator – oder sein Erbe – irgendeine Rolle spielen würde. Ich selbst war ehrlich begeistert. Da ja immer wieder betont wurde, man wisse um die Bedeutung einer Episode IX, ging ich davon aus, dass das Handling passen würde. Und natürlich wäre es logisch, den Imperator in die Geschichte zu involvieren, wenn man schon ein großes Finale für die ganze Saga plante.
Der von mir bereits erwähnte Patrick H. Willems zeigte sich geradezu als Prophet, als er versuchte vorherzusagen, was die Übernahme der Führung durch Abrams bedeuten könnte. Er analysierte dazu andere Werke von Abrams auf wiederkehrende Motive. Und er war erstaunlich treffsicher.
Wenn man sich Abrams‘ Arbeiten ansieht, wird deutlich, dass er ein spezielles Interesse für Geschichten hat, in denen Figuren Probleme mit ihren Eltern haben, ganz besonders mit den Vätern.
Ben [Covington aus Abrams‘ Fernsehserie „Felicity“] hasst seinen prügelnden, alkoholkranken Vater, der nie für ihn da ist, bevor er sich mit ihm in der letzten Staffel versöhnt.
Und das andere Thema, das bei Abrams immer wieder auftaucht, ist die eigene Familie zu suchen und auszuwählen. Die letzte Szene in „Felicity“ zeigt sie [Felicity], wie sie mit der Familie, die sie sich in den letzten vier Jahren zusammengesucht hat, feiert.
Was bedeutet das für Episode IX? Weiß ich nicht. Rey keht nach Jakku zurück, aber nun beherrscht sie was von dem Jedi-Zeugs, außerdem hat sie ein paar neue Freunde im Widerstand. Kylo Ren versöhnt sich mit seinem Vater, was er nicht wirklich kann, weil der tot ist.
Als ich das Video [über „Felicity“ und Episode IX] machte, habe ich klar gesagt, dass Abrams es in anderen Geschichten immer vermeidet, einen echten Schluss zu schreiben und damit ein Bekenntnis abzugeben. Am Ende von „Felicity“ hat sie sich kaum verändert außer dass sie ein paar neue Freunde gefunden hat. Daher habe ich mir Gedanken gemacht über Star Wars und ob [Abrams] eine Geschichte schreiben kann über Veränderungen, die etwas bedeuten und einen Eindruck bei den Figuren hinterlassen.
Die Zeit ist gekommen, dass er die Karten auf den Tisch legt und endlich etwas bedeutungsvolles sagt. Nicht einfach nur „Freunde sind toll“ und „Geheimnisse machen Spaß“, sondern dass [er] ein Ende schreibt, das eine wirkliche Idee rüberbringt.
Deswegen war „Der Aufstieg Skywalkers“ ein echter „Der Kaiser ist nackt**“-Moment für mich.
Am heutigen Star-Wars-Tag ist es nun also soweit: Episode IX kommt heraus für den Hausgebrauch, also auf DVD, auf Blu-Ray und auf Disney+. Und damit werde ich nun meine eigenen Eindrücke wiedergeben. Ich habe mich dazu entschlossen, das in mehreren Abschnitten zu tun. Erst gibt es eine kurze Abhandlung über die Handlung, dann möchte ich mir explizit ansehen, was mir gefallen hat, war ich mittelmäßig fand und was mir gar nicht gefallen hat, bevor ich das ganze abschließe. Und natürlich: ACHTUNG, SPOILER! Also dann, es war einmal vor langer Zeit, in einer Galaxis weit, weit von hier entfernt…
STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Die Handlung
Die Toten sprechen! Also, der Imperator. Er hat eine Radioübertragung an die ganze Galaxis gesendet. Kylo Ren will das Phantom des Imperators zur Strecke bringen, um selbst über die Galaxis zu herrschen. Dazu bricht er nach Mustafar auf, wo einst Vaders Zitadelle stand. Dort holt er sich einen der zwei Sith-Wegfinder, ein Navigationsgerät, das ihm den Weg zur versteckten Sith-Welt Exegol zeigt, irgendwo in den Unbekannten Regionen. Dort angekommen stellt Ren fest, dass der Imperator nicht ganz so tot ist, wie er gedacht hat. Sein vor sich hin verrottender Körper ist allerdings an ein Gestellt gefesselt, mit dem er sich einigermaßen bewegen kann. Der Imperator lässt Kylo Ren – und den verdutzten Zuschauer – wissen, dass er, Sheev Palpatine, hinter Snoke steckt. Er hat ihn erschaffen. Er war jede Stimme in Kylos Kopf, die er in den letzten Jahren gehört hat. Jetzt bietet er Ren eine Flotte aus unzähligen Sternzerstörern an, die er die „Letzte Ordnung“ nennt. Ren muss dazu lediglich Rey töten. Die ist gerade dabei, unter den wachsamen Augen von Leia ihr Jedi-Training fortzuführen, während Poe, Finn und Chewbacca ein Treffen mit einem Kontaktmann haben: In der Ersten Ordnung gib es einen Maulwurf, der den Widerstand mit Informationen versieht. So weiß nun auch der Widerstand über die Rückkehr von Palpatine Bescheid. Nun geht es darum, den zweiten Sith-Wegfinder aufzuspüren, um die Flotte des Imperators aufzuhalten, bevor sie zum Einsatz kommt…
Die drei Kategorien
Ich kann es gleich vorweg sagen, im Gegensatz zu Episode VIII hat mich das hier nicht gerade vom Hocker gehauen. Irgendwie ist der Film ein großes Durcheinander, da es zwischendrin immer wieder Dinge gibt, wo ich begeistert sagte: „Na also, es geht doch!“ Leider kommen dann immer wieder Dinge, die all das Konterkarieren. Ich habe deswegen beschlossen, hier diese Dinge, eingeteilt in drei Kategorien aufzulisten und zu erklären, warum sie für mich in der jeweiligen Kategorie gelandet sind. Los geht’s!
Was mir gefallen hat
Ja, es gab tatsächlich etwas, das mir explizit gefallen hat. Und genau deswegen ist der Film für mich so ein Durcheinander. Also:
„Die Toten sprechen.“
Tatsächlich hat der Anfang des Films mir gleich große Hoffnung gegeben. Immerhin wussten wir schon, dass Palpatine irgendwie mit der Geschichte zu tun haben wird und Abrams ist den Weg gegangen, kein großes Geheimnis daraus zu machen, das die Figuren erst im Verlauf des Films aufdecken. Damit geht er auch den klassischen Weg des „in medias res“, für den Star Wars nun mal bekannt ist. Ein sehr gelungener Einstieg.
Jedi-Heilkräfte / Erweiterung der Machtfähigkeiten
Dazu muss ich eins sagen: Ich wusste bereits, dass es Jedi-Heilkräfte gibt. Diese wurden 1987 im „Star Wars Roleplaying Game“ beschrieben und funktionieren genauso wie im Film: Ein Jedi kann Energie von sich auf jemand anderen Übertragen und damit heilen. Damit ist diese Fähigkeit auch limitiert, denn wie wir im Film sehen, kann ein solcher Transfer den Tod desjenigen bedeuten, der die Energie überträgt. Dass Rey und Ben diese Fähigkeit haben, wurde von vielen kritisiert. Interessanterweise wird dem alten Canon sonst immer nachgetrauert. Und ich möchte darauf hinweisen: nach dem allerersten Film (der heute Episode IV ist) gab es nur zwei Jedi-Fähigkeiten, nämlich die Gedankenmanipulation und dass man mit dem Lichtschwert kämpfen kann, ohne sehen zu können. Selbst das telekinetische Bewegen von Gegenständen wurde erst in Episode V eingeführt. Also kann man durchaus auch immer noch neue Machtfähigkeiten entdecken.
Rey überzeugt C3PO, sein Gedächtnis löschen zu lassen
Die Szene, in der Rey C3PO überzeugt, dass er sich der gefährlichen Behandlung von Babu Frikk unterziehen soll, ist großartig geschrieben. Rey zeigt hier, dass sie ein unglaubliches Einfühlungsvermögen hat, indem sie auf den Droiden eingeht und ihn zum Nachdenken bringt, anstatt ihm einfach zu befehlen, er solle das jetzt mit sich machen lassen. Wie ich sagte, ist das eine der Szenen, wo gutes Storywriting durchblitzt.
Der Verrat von General Hux
Hux ist also der Maulwurf in der Ersten Ordnung und auch diese Idee hat mir sehr gut gefallen. In Episode VIII und auch in diesem Film sehen wir bei mehreren Gelegenheiten, wie Kylo mit Hux umspringt. Sehr gefallen hat mir auch, dass er nicht plötzlich ein „Guter“ ist, sondern seine Motivation so egozentrisch ist, wie man es erwartet. Er will einfach nicht, dass Kylo Ren gewinnt. Wenn er den Film überlebt hätte, hätte er vielleicht sogar seine eigene Legende vom „Widerstandskämpfer im Herzen der Ersten Ordnung“ stricken können.
Leias Sterbeszene und Chewies Reaktion
Auch sehr gut gehandhabt wurde die Szene von Leias Tod und wie Chewbacca darauf reagiert. Das Wehklagen des Wookies ist einfach herzzerreißend.
Han Solos Rückkehr
Genau auf den Punkt finde ich die Szene, in der Han Solo seinem Sohn erscheint und mit ihm redet. Manche haben darüber spekuliert (bzw. sich darüber verächtlich gemacht), ob Han nun auch ein Machtgeist ist. Diese Leute muss ich fragen: Habt Ihr überhaupt zugehört? Es wird sogar sehr deutlich gesagt, alles das findet in Bens Kopf statt und zeigt, dass dieser nicht so weit auf der dunklen Seite ist, wie er selbst gedacht hat. Die Szene zeigt, dass man „Fan-Service“ auch gut schreiben kann.
Der letzte Kampf und die Lichtschwertübergabe von Rey an Ben
Die letzte Konfrontation zwischen Rey und Ben auf der einen und dem Imperator auf der anderen Seite zieht sich an manchen Stellen etwas in die Länge, hat aber wiederum ihre gute Momente. Die Lichtschwertübergabe durch „Machtteleportation“ von Rey an Ben fand ich raffiniert und die Möglichkeiten, die vorher bereits etabliert wurden, konsequent ausgenutzt.
Was ich für verschwendetes Potential hielt
Zwischen der dunklen und der hellen Seite der Kritik gibt es auch eine Mitte. Es gab nämlich ein paar Dinge, die ich eigentlich nicht schlecht fand, die ich aber für nicht gut genug eingesetzt hielt. Also nach dem Motto: „Da hätte man mehr draus machen können…“
Mustafar
Der Planet, auf dem Kylo Ren den ersten Sith-Wegfinder entdeckt, ist – und das wurde auch offiziell bestätigt – Mustafar. Aber das erfährt man nicht genau im Film, da sich die Oberfläche von Mustafar verändert hat (da gibt es tatsächlich auch eine Geschichte dazu). Dabei könnte ich mir vorstellen, dass der Planet gerade für Kylo ein besonderer Ort sein muss. Das ist der Planet, auf dem Vaders Zitadelle stand! Stattdessen hetzt Abrams durch die Ereignisse, Kylo bringt ein paar Leute um, bringt den Wegfinder an sich und wusch! Ist er unterwegs nach Exegol.
Die desertierten Sturmtruppler
Auf Endor tauchen auf einmal desertierte Sturmtruppler auf. Die Idee an sich fand ich ja gar nicht schlecht, aber erstens wird sich sehr auf eine Figur (Jannah) konzentriert, und zweitens sind sie auch bei der letzten Schlacht einfach nur Beiwerk. In einem Script von Colin Trevorrow, das mittlerweile veröffentlicht wurde, hat dieser einen Aufstand der Sturmtruppen gegen die Erste Ordnung beschrieben, hier hätte man das Potential der Deserteure viel besser verwenden können.
Die Stimmen der Jedi
Es ist ja ganz nett, dass man irgendwie alle Jedi aus allen Episoden nochmal zusammenbringen wollte, aber warum nur als Stimmen? Wenigstens ein Cameo hätte ihnen doch vergönnt sein dürfen.
Palpatines Ende
Dieser Punkt hätte es fast auf die positive Seite geschafft, diese Szene leidet aber leider an etwas, das man in Episode VII bei Abrams schon gesehen hat: Es wird etwas gezeigt, dem etwas mehr Kontext gut getan hätte, aber der fehlt einfach. Bei Episode VII war es zum Beispiel die Neue Republik. Abrams hat sich das Genörgel der Fans um endlose politische Debatten in Episode I*** zu sehr zu Herzen genommen und zeigt uns nun gar nichts aus der politischen Situation. Bei Palpatines Ende habe ich oft die Kritik gehört, dass es total unlogisch ist, warum er von Rey getötet werden kann, obwohl er vorher doch gesagt hat, dass sein Geist dann auf Rey überspringt. Nein, es gibt sogar eine Erklärung, aber offenbar wird die gern übersehen. Palpatine regeneriert sich selbst durch die Energie, die er Ben und Rey entzieht. Das macht die ganze Sache mit „mein Geist springt in Deinen Körper über“ unnötig und das ist Palpatine wahrscheinlich lieber, als in einem fremden Körper leben zu müssen. Allerdings macht ihn das auch verwundbar. Und so kann Rey ihn vernichten. Nehmen wir diese Szene für diese Kritik auch stellvertretend für manche Szene, der etwas mehr Kontext gut getan hätte.
Was mir nicht gefallen hat
Und damit willkommen auf der dunklen Seite der Kritik. Leider hatte ich tatsächlich einiges an dem Film, das mir nicht zusagte.
Palpatine ist zurück
Ja, ich war gespannt, was passieren würde, als ich mitbekam, dass Palpatine irgendeine Rolle spielen würde. Gleichzeitig hoffte ich aber, dass man nicht dem „Dark Empire“-Erzählungsstrang aus dem alten „Expanded Universe“ folgen würde, in welchem Palpatine als Klon zurückkehrt. Und zack! Genau das ist passiert. Wenn es irgendeine Intrige gewesen wäre, die über den Tod des Imperators hinaus wirksam ist, oder ein fanatischer Anhänger des Imperators oder auch wenn Palpatine als Sith-Spuk die Trümmer des Todessterns heimsucht, alles das hätte mir besser gefallen als diese Lösung. Noch dazu, da weder in Episode VII noch in Episode VIII auch nur irgendeine Andeutung gemacht wurde, dass er zurückkehren könnte. Sein Auftreten wirkt und seine Erklärung, er stecke hinter Snoke ist irgendwie halbgar und unausgegoren.
Die völlige Arroganz gegenüber Rose Tyco
Da gibt es nichts zu beschönigen: Die Hater haben gewonnen. Sie haben ihren Hass über der Figur Rose Tyco und der Schauspielerin Kelly Marie Tran ausgekübelt und wurden dafür belohnt. Abrams hat Rose aus einem Großteil des Films rausgeschrieben und sich dabei nicht einmal die Mühe gemacht, einen plausiblen Grund für ihr Fernbleiben auszudenken. Stattdessen wurden gleich mehrer neue Charaktere einführt, die man sich hätte sparen können. Rose hätte statt dieses Ich-bin-in-zwei-Szenen-Wurmwesens am Anfang an Bord des Falken sein können (ernsthaft: Wie kann dieses Lebewesen Mechaniker sein?), sie hätte Dominik Monaghans Dialog übernehmen können… die Möglichkeiten wären da gewesen. Abrams hat sich dagegen entschieden.
Chewbaccas Tod und seine Auferstehung
Okay, gleich vorneweg, ich will mit diesem Abschnitt nicht sagen, dass Chewie hätte unbedingt sterben müssen in diesem Film. Es geht mir lediglich darum, wie Abrams davor kneift, dass Taten Konsequenzen haben. Entweder, ich entschließe mich dazu, diesem Film eine tragische Note zu verleihen, indem ich eine beliebte Figur sterben lasse, dann muss ich aber auch die Konsequenzen tragen und es durchziehen. Oder wenn ich mich schon rauswinden will, dann lasse ich das Publikum nicht eine Szene später bereits wissen, dass Chewie noch lebt. Wenn wir es zusammen mit Rey erfahren, ist das viel gehaltvoller. Aber ja, hier sieht man sehr deutlich das, was Patrick Willems gesagt, Abrams weicht echten Konsequenzen, die echte Veränderungen bei den Figuren verusachen, gern aus.
Die Ritter von Ren
Die Ritter von Ren haben eine Bedeutung. Schätze ich mal. Sind irgendwie wichtig. Schade nur, dass wir nie erfahren, warum. Und das ist das Problem, das ich mit ihnen habe, sie tauchen in ein paar Szenen auf und werden durch das In-Szene-Setzen bedrohlich dargestellt, es wird aber wieder einmal kein Kontext geliefert. Unter den finsteren Helmen könnten auch Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Eric Idle und Terry Gilliam**** stecken, die im Schatten Kokosnussschalen hervorziehen und sich klappernd durch die Szenerie bewegen, als würden sie auf Pferden sitzen, während sie darüber diskutieren, wie schnell wohl eine unbeladene Schwalbe fliegt. Die Ritter von Ren wurden in Episode VII aufgebaut, hier machen sie ihren Abgang – und dazwischen ist nichts.
Poes Vergangenheit als Schmuggler
Nichts zeigt deutlicher, dass Abrams verdammt viel Handlungsspielraum gekriegt hat, als die Entscheidung, aus Poe, der in Episode VII wie ein Han-Solo-Abbild wirkte, nun einen vollen Han-Solo-Ersatz zu stricken. Denn diese kriminelle Vergangenheit widerspricht dem, was bis zu dem Zeitpunkt über Poes Vergangenheit im neuen Expanded Universe erzählt wurde. Es ist nicht sonderlich originell und war bisher vermieden worden, ich vermute mal, um genau solchen Vorwürfen, er sei ja eh nur „Han Solo in jung“ entgegen zu wirken. Tja, das hat sich damit auch erledigt. Eigentlich gibt es eine so genannte Storygroup bei Lucasfilm, deren Aufgabe es ist, darüber zu wachen, dass solche Widersprüche nicht passieren. In dem Fall begnügte man sich mit der Aufgabe, den Widerspruch irgendwie in Poes Lebenslauf reinzuschustern.
Rey ist Palpatines Enkelin
Auch hier eine Klarstellung, es geht mir nicht um die Diskussion, ob eine Frau sich mit „Pruneface“ Palpatine einlassen würde. Im alten Expanded Universe wurde die Aussage getroffen, dass der Imperator Konkubinen hatte, eine davon könnte also durchaus – vielleicht auch zwangsweise – seinen Nachwuchs tragen. Es geht mir darum, dass Abrams hier Johnsons Beitrag einfach wegwischt und eine der Aussagen von Episode VIII relativiert. Dort ging es nämlich darum, dass es egal ist, aus welcher Familie man stammt, jeder kann Großes vollbringen. Auch wenn man eben nicht von Anakin Skywalker abstammt. Es war eine starke Aussage, dass Reys Eltern „niemand“ sind, denn damit wurde klar, dass man sich nicht über die Abstammung zu definieren braucht.
Hier hat Rian Johnson auch ordentlich Feuer gekriegt, interessanterweise ausgerechnet auch von Amerikanern. Eine solche „Erbliniengläubigkeit“, wie ich es mal nennen möchte, hätte ich eigentlich eher in einer Kultur vermutet, die, so wie wir hier in Europa, ständig mit Nachrichten und Nichtigkeiten aus so genannten „Adelshäusern“ bombardiert wird. Damit wird einem ja schon von Kindesbeinen eingeimpft, dass die Adeligen irgendwas besonderes sein müssen, für das sich das „gemeine Volk“ zu interessieren habe. In den USA ist es ja eher die Kultur des „jeder kann alles werden“. Wie dem auch sei, Abrams hat den Ruf der geplagten Nerds gehört und Rey eine echte Blutlinie verpasst. Von diesem Moment an, da das im Film ausgesprochen wurde, habe ich gehofft, dass es nicht stimmt. „Der Imperator lügt“, habe ich mir gesagt, „natürlich lügt er, er ist der Imperator, der Manipulator, der Strippenzieher.“ Leider war das nicht der Fall.
Die unschlüssige Astronomie von Endor
Vielleicht bin das auch nur ich, aber kann es sein, dass die Gestalt des Systems, in welchem Endor liegt, völlig durcheinander geraten ist? In Episode VI wird gesagt, Endor sei ein Mond, es wird sogar ein Planet namens Sanktuarium ins Spiel gebracht, den Endor umkreist – und jetzt hat Endor selbst einen Mond? Zumindest, wenn man Episode IX glaubt, denn unsere Helden reisen nach Kef Bir, einem Endor-Mond.
Rey und der Skimmer
Ich bin ja bereit, viel mitzumachen, letztlich handelt es sich ja nur um „Kinderfilme über Weltraumzauberer“, aber so ein bisschen Logik wäre schon nicht auch schlecht… Kaum sind unsere Helden auf dem Sanktuarium-Mond-Mond Kef Bir angekommen, macht Rey sich unbeliebt, indem sie den rebellischen Ex-Sturmtrupplern einen Skimmer stiehlt, um damit zu den Trümmern des Todessterns zu fahren, die im Wasser liegen. Bei dem Skimmer handelt es sich um eine Art mechanischen Katamaran, der über eine Zahnradmechanik gesteuert wird. Kann mir jemand erklären, wie Rey weiß, wie man mit sowas umgeht? Okay, Raumschiffe steuern, das hat sie drauf, weil sie es schon gemacht hat, aber sowas? Ich kann Autofahren. Das habe ich mal gelernt. Und ich war mal auf einem Segelboot unterwegs und wäre trotzdem verloren, müsste ich so ein Ding allein steuern.
Jeder Sternzerstörer ist ein eigener Todesstern
Da haben sich die Leute über das Holdo-Manöver aus Episode VII aufgeregt, und jetzt… Jeder der hunderttausend (oder mehr) Sternzerstörer, die der Imperator heimlich hat bauen lassen (noch so’n Ding), hat Todessterntechnologie an Bord und kann Planeten zerstören. Also, wenn das Holdo-Manöver dazu führt, dass sich fortan Piloten des Widerstands mit Freude als Kamikaze-Piloten betätigen und große Schiffe des Widerstands in Schiffe der Ersten Ordnung rammen, was hindert eigentlich irgendjemand daran, neue Sternzerstörer mit großer Wumme zu bauen? Dieser Handlungspunkt schreit „ich habe keine neuen Ideen“ so deutlich wie nochmal was.
Die Sith-Loyalisten
Ja, offenbar sind die Typen in den Roben, die auf Exegol herumhängen, Sith-Loyalisten. Fast schon Abrams-typisch erfahren wir keinen Kontext. Wer sind sie? Wo kamen sie her? Wo gehen sie hin? Was machen sie beruflich? Haben sie Hobbies? Gibt es weibliche Sith-Loyalisten, die Single sind? Wichtige Fragen, die nicht geklärt werden, macht aber nix, sind am Ende vom Film eh tot. Das mag zynisch klingen. Ist auch so gemeint.
Kylo Rens Erlösung
Kylo Ren macht also die gleiche Wandlung durch wie einst Vader. Nun habe ich geschrieben, dass mir die Szene, in der Ben sich mit der Vision seines Vaters unterhält, für sehr gut halte. Das halte ich auch weiterhin, die Szene ist verdammt gut geschrieben und erfüllt ihren Zweck. Das Problem ist der Handlungsbogen, den sie vorantreibt. Es wäre mal etwas neues gewesen, wenn wir gesehen hätten, wie Kylo Ren seinen eigenen Untergang betreibt und eben nicht erlöst wird.
Der Kuss
Herzlich willkommen in unserer Kategorie mit dem Titel „Wo zum Teufel kommt denn jetzt das her?“ Leute haben sich über den Kuss von Rose beschwert, den sie Finn am Ende von Episode VII gab, aber die beiden haben zumindest einige Zeit verbracht und dabei extreme Dinge erlebt. Sie hatten Zeit, eine Verbindung aufzunehmen. Auch wenn diese vielleicht nur einseitig von Rose kommt. Aber zwischen Ben und Rey? Da gab es nichts. Alle Interaktionen zwischen den beiden liefen eigentlich nur darauf raus, dass Kylo Rey „haben“ wollte, um die Galaxis zu beherrschen.
„Ich bin Rey Skywalker.“
Und der zweite Eintrag zum Thema „Wo zum Teufel kommt denn jetzt das her?“ Ja, wie Patrick Willems festgestellt hat, spielt es voll in Abrams Vorlieben in Bezug auf „ich wähle meine eigene Familie“ rein, aber ansonsten? Es passt einfach nicht und hat kein Gewicht für die Geschichte. Das ist ungefähr so, als würde Rotkäppchen am Ende von dem Märchen den bösen Wolf heiraten, da würde man auch sagen „wo kommt denn jetzt das her?“
All die unbeantworteten Fragen
Von einem Film, der nicht nur ein Finale für die Sequel-Trilogie, sondern auch für die gesamte Skywalker-Saga ist, hätte ich erwartet, dass ein paar mehr Fragen beantwortet werden. Die Liste ließe sich bestimmt fortsetzen, hier nur ein paar Beispiele:
Wo ist nun Lukes Lichtschwert hergekommen, das er in Bespin (Episode V) verloren hat?
Wie genau war das nun mit Snoke und dem Imperator?
Was ist zwischen Rose und Finn? Das hätte zumindest eine kurze Erklärung verdient, aber Abrams hat Rose ja lieber ignoriert.
Was wollte Finn Rey sagen, als sie im Treibsand versanken? Da wird ein Storyelement aufgebaut und kurz darauf wieder fallengelassen, und man hört nie wieder davon.
Was ist der „Aufstieg Skywalkers“? Und falls das mit Reys „Ich bin Rey Skywalker“ zusammenhängt: Inwiefern ist das ein Aufstieg? Wohin?
Conclusio
Wer zählen kann, der wird feststellen, dass ich wesentlich mehr negative als positive / neutrale Punkte aufgezählt habe. Finde ich den Film also schlecht? Nein, nicht unbedingt. Das meine ich mit dem Durcheinander. Es gibt tatsächlich Filme, die habe ich einmal gesehen und dann befunden, dass ich sie mir nie wieder anschauen muss. Hier geht mir das nicht so. Abrams schafft es schon, den „Geist“ von Star Wars einzufangen, so ist es nicht. Aber dann hört es auf. Ein Großteil ist dem von Patrick Willems beklagten Fehlen eines großen Themas zu verdanken. Wir haben nur diese vage Andeutung von „wenn Du mit Deiner Familie nicht klarkommst, suche Dir eine neue“, leider ist aber auch das Thema nicht konsistent.
Das erwartete epische Finale der Skywalker-Saga ist leider nur ein „Film zum halt mal anschauen“, mehr nicht. Aber es ist kein Grund, Abrams mit Hass zu überschütten oder Disney per Petition zu zwingen, Episode IX neu zu verfilmen. Ich bin stattdessen gespannt auf das, was noch kommt. Ich bereue es nicht, diesen Film gesehen zu haben und habe mir tatsächlich auch die Blu Ray gekauft. Allerdings habe ich diesen Film – im Gegensatz zu den anderen und vor allem im Gegensatz zu „Die letzten Jedi“ – im Kino nur einmal gesehen.
Appendix: Was ich anders machen würde
Ich werde ab und zu mal gefragt, was ich anders gemacht hätte, wenn mit ein Film oder Elemente daraus nicht gefallen. Ich dachte mir, ich hänge hier mal ein paar Gedanken zu Episode IX an, möchte allerdings betonen, dass es wirklich nur Gedanken und Ideen sind. Ich möchte meine Energie nicht darauf verschwenden, mir den Plot einer Geschichte auszudenken, mit dem ich dann nichts anfangen kann. Ich möchte die Energie lieber für eigene Projekte verwenden.
Also:
Wenn diese Episode ein großes Finale sein soll, hätte ich mehr Orte auch aus der Prequel-Trilogie mit eingebracht. Warum waren unsere Helden eigentlich nicht auf Naboo? Immerhin ist das der Geburtsort von Palpatine.
Ich hätte den Imperator nicht zurückkehren lassen, allenfalls – wie schon beschrieben – als Sith-Spuk, der die Trümmer des Todessterns heimsucht. Vielleicht hätte man einen Plot schreiben können, in dem Kultisten versuchen, den Imperator wieder auferstehen zu lassen und man sie daran hindern muss.
Wenn Palpatine schon unbedingt zurückkehren muss, hätte ich Rey nicht zu seiner Enkelin gemacht. Alles das hätte eine Lüge sein können, die Palpatine erzählt, um Reys Schwächen auszunutzen.
Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dass Palpatine selber betrogen worden wäre, dass die Konkubine, die er für seine Nachkommenschaft „auserwählt“ hat, nicht das Kind des Imperators tragen wollte. In dem Fall hätte Rey Palpatine vernichten können, weil er nicht in sie übergehen kann, hätte das aber natürlich zu spät festgestellt.
Ja, hätte, hätte, Fahrradkette. Nun ist es anders gekommen.
„STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“ ist ab heute, anlässlich des STAR-WARS-Tags zu erhalten. Falls jemand den Film kaufen möchte, geht das zum Beispiel über folgende Werbung:
*= Wohlgemerkt: Kelly Marie Tran ist vietnamesischer Abstammung, sie ist in den USA geboren.
**= Der Witz wirkt im Original besser, da Kaiser auf Englisch „Emperor“ heißt.
***= Und ja, es war Genörgel. Weiß jemand, wie lang die „endlosen Debatten“ in Episode I sind? Ich kann es Euch sagen, es sind nicht einmal fünf Minuten! Man hält also nicht einmal fünf Minuten aus, weil Politik ist „laaaaangweilig“. Kein Wunder, dass Trump in den USA Präsident werden konnte!
****= Für diejenigen, die das nicht verstehen (hallo, Ihr zwei!): Das sind die Mitglieder der britischen Comedytruppe „Monty Python“.
Kleine Frage zum Einstieg: Warum sind Sie hier gelandet? Hat Sie die Frage neugierig gemacht? Ging es um den Erkenntnisgewinn? Oder sind Sie mit der festen Überzeugung hier eingetroffen, den Autor zu widerlegen? Egal wie, eines gleich vorweg: Es gibt keine Studie, die belegt, dass Leute alles glauben, was sie im Internet lesen. Aber mit dem, was Leute im Internet lesen und Studien gibt es ein Problem. Oder zwei.
In den Zeiten von Corona tauchen wieder einmal verstärkt Memes und Behauptungen in den sozialen Medien auf, die manchmal als die „Pest des Internes“ bezeichnet werden. Es sind kleine Beiträge, die schmissige, griffige Aussagen enthalten und vorgeblich zum Nachdenken anregen wollen. Nur ist das oft leider ein vorgeschobener Grund, eigentlich wollen diese Memes und Beiträge dem Leser ihre Meinung überbügeln. Nicht selten wird dabei auf Studien verwiesen ohne diese allerdings zu benennen. Als Beispiel nehmen wir einfach mal meine provokante Überschrift: „Studien beweisen: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen“. Da könnte man noch was schönes dazuschreiben, um damit ein Kopfnicken bei denen zu provozieren, die „es ja schon immer wussten“. Man kommt sich dabei so schön kritisch vor, denn „Studien“ haben es ja bewiesen. Wissenschaftlich auch noch.
Wenn man den Behauptungen allerdings auf den Grund zu gehen versucht, kriegt man meistens Probleme, besagte Studien überhaupt zu finden. So kann jemand den Inhalt einer Aussage nicht widerlegen, wenn er die Studie, auf die sich berufen wird, nicht mal findet. Das gehört natürlich zur Strategie dieser Aussagen dazu, sie wollen keinen kritischen Beitrag leisten, sie gaukeln Wissenschaftlichkeit vor, indem sie sich auf „Studien“ berufen und obwohl sie behaupten, nur „kritisch zu hinterfragen“, möchten sie selbst bitte gar nicht kritisch hinterfragt werden.
Im Zuge solcher Memes und Behauptungen kam es immer mehr auf, genau diese Quellen einzufordern. Keine Quellen – unglaubwürdig, der Trend setzt sich langsam durch, zu langsam, fürchte ich. Aber immerhin kam es dazu. Und das war die Stunde, in der die Meme- und Beitragsersteller zurückschlugen. Seit einiger Zeit beobachte ich einen neuen Trend.
Hier wird eine schmissige Aussage getätigt und direkt auf eine Studie verwiesen. Alles in Butter demnach? Nein, nicht ganz. Offenbar verlassen sich einige der Ersteller solcher Aussagen darauf, dass schon keiner sich die Mühe macht, die entsprechende Studie wirklich zu lesen. Das Problem ist, dass solche Studien (und oft handelt es sich um Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten) in spezialwissenschaftlichem Jargon geschrieben sind, viele Tabellen beinhalten, Zahlen und Ergebnisse präsentieren. Das kostet Zeit und man muss sich wirklich reinarbeiten. Die Zeit hat natürlich nicht jeder.
Wenn sich aber kaum jemand die Mühe macht, solche Studien zu lesen, wird auch kaum jemandem auffallen, dass in diesen schmissigen Beiträgen Aussagen gemacht werden, die durch die angegebene Studie überhaupt nicht unterstützt werden. Erst vor ein paar Tagen ging etwas herum, in dem behauptet wurde, das Tragen von Gesichtsmasken sei so schädlich, dass Probanden einer Studie die Masken nur 30 Minuten tragen durften. Wenn man sich die Studie aber durchlas, stellte man fest, dass die behauptete Schädlichkeit mitnichten nachgewiesen wurde und die 30 Minuten daher kamen, dass man das Ausgangsmaterial der Masken testen wollte. Die Durchführenden der Studie befürchteten, dass durch die Feuchtigkeit in der Ausatemluft die Materialeigenschaften der Masken verändert werden. Da die Feuchtigkeit der Ausatemluft aber von sehr individuellen Bedingungen abhängt, hätte sich bei jedem Probanden das Material unterschiedlich verändert und das Testergebnis verfälscht. Mit der Beschränkung auf 30 Minuten wollte man dem vorbeugen. Das ist alles.
Wir sind bei den Behauptern also mittlerweile von „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, nenne aber keine Quelle“ zu „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, hier ist eine Quelle, die überhaupt nicht das aussagt, was ich sagen“ gekommen. Nur weil jemand eine Quelle angibt, ist das noch lange kein Grund, von Seriösität auszugehen.
Wenn man aber keine Zeit hat, sich selbst durch alles durchzuackern, was einem da so präsentiert wird, sind Seiten wie Mimikama umso wichtiger. Die Geschichte mit der schädlichen Maske haben sie hier aufgegriffen (allerdings nicht wegen den 30 Minuten, sondern wegen der Aussage über die Schädlichkeit generell), und auch sonst fahren sie in den Zeiten von Corona Sonderschichten, um so schnell wie möglich alle diese Falschinformationen, die gestreut werden, zu entlarven. Und weil ihre Arbeit so wichtig ist, kann man sie unterstützen, über PayPal, Steady oder Patreon. Also, schauen Sie sich das mal an und überlegen Sie sich, ob Sie vielleicht den einen oder anderen Euro übrig haben.
Die Arbeit ist schon immer wertvoll gewesen, jetzt allerdings umso mehr!
In Geschichten ist es spannend zu lesen: Ein paar Ereignisse werden in Gang gesetzt. Jemand unternimmt Untersuchungen und stellt fest, dass es jemandem im Hintergrund gibt, der die Fäden zieht. Jemand – ein Ermittler oder auch ein Mensch, der mehr oder minder zufällig in die Sache gerät – entwirrt Stück für Stück das Netz, das da gespannt wurde. Bekannte Geschichten, die das zum Inhalt haben, sind unter anderem die Reihe um Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown oder die Prequel-Trilogie von „Star Wars“. Fast allen diesen Geschichten ist gemein, dass derjenige, der die Fäden zieht, immer auch Glück braucht, dass seine Pläne so wunderschön aufgehen. Und das zeigt eine der Schwachstellen solcher Verschwörungen in der Realität, denn da fällt nie alles, was jemand plant, so wunderschön an seinen Platz.
Eine zweite Schwachstelle, die in den Geschichten gerne mal unter den Tisch fallen gelassen wird, ist die Verschwiegenheit. Gerade wenn es sich – wie bei Dan Brown – um Verschwörungen handelt, in die sehr viele Leute über lange Jahre (oder gar Jahrhunderte) verwickelt sind, ist es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass diese Verschwörung noch nie ans Licht gekommen sind. Aber deswegen sind es eben Geschichten.
Ich selbst habe in meinen Geschichten versucht ein kohärentes Universum aufzubauen mit seinen eigenen Regeln. Doch mit Erschrecken stelle ich fest, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, die solche Geschichten Ernst nehmen. Ich lese Beiträge in sozialen Netzwerken, die den Plot einer puren Science-Fiction-Geschichte beschreiben, von bösen Außerirdischen, die die Politik unterwandern, Völker vernichten wollen und dergleichen mehr – nur dass es sich nach Ansicht der Leute, die das weiterverbreiten, eben nicht um Science Fiction handelt, sondern um die Wahrheit. Verschwörungsmythen greifen immer mehr um sich und je mehr ich darüber lese, desto mehr bin ich demotiviert, selber weiterzuschreiben. Denn das Schlimme ist: Dass es Science-Fiction-Geschichten gibt, die ähnliche Plots haben (wie zum Beispiel John Carpenters „Sie leben„) wird nicht als Widerspruch angesehen, sondern als Bestätigung: Die Filmindustrie ist Teil der Verschwörung und verhöhne die Menschen, indem sie ihnen die Wahrheit als Fiktion vorführe. Solche oder ähnliche Argumente kommen immer wieder.
Doch es braucht nicht mal Außerirdische für einen ordentlichen Verschwörungsmythos: „die Eliten“ reicht schon. Genau genommen reicht irgendeine Gruppe, die jemandem suspekt vorkommt und auf die man seine Wut projizieren kann. Dann ist diese Gruppe auf einmal der große Strippenzieher in der Weltverschwörung. Für diejenigen, die das für bare Münze nehmen, hat das einen Vorteil, denn „Es ist eine Verschwörung!“ ist eine wesentlich einfachere Erklärung als die Realität sie bereit hält. Ja, es gibt Ungleichheit in der Welt und es gibt Menschen, die ein Interesse daran haben, dass diese Ungleichheit bestehen bleibt. Und ja, es gibt auch echte Verschwörungen. Aber in den meisten Fällen sind es einfach komplexe Vorgänge, die nichts miteinander zu tun haben.
Verkaufserfolge alleine verbürgen noch keine Qualität. Menschenverachtung und Verschwörungsgeschwurbel werden seit Jahrhunderten stark nachgefragt.
Michael Blume: „Adrenochrom und Satanskulte – Die dualistischen Verschwörungsmythen…“
Der Mensch mag es nicht, wenn er dem Zufall ausgeliefert ist. In vielen Fällen ist es aber so. Man gerät beim Vorstellungsgespräch zufällig an einen Mensch aus der Personalabteilung, der einen nicht leiden kann und deswegen die Bewerbung ablehnt. Das ist tragisch und unprofessionell, aber kein Beleg dafür, dass dieser Mensch Teil einer Verschwörung ist, die den Bewerber daran hindern soll, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Mein erster Roman wurde von allen Verlagen abgelehnt, die ich kontaktiert hatte. Jeder Verlag hatte sicherlich eigene Gründe, aber solche Ablehnungen werden von den Verlagen in der Regel im Ablehnungsschreiben nicht begründet (da hätten sie viel zu tun). Trotzdem war es keine Verschwörung gegen mich, um zu verhindern, dass mein Buch auf den Markt kommt.
Da kommen wir zu einem weiteren Aspekt: Durch Verschwörungsglauben kann man sich wichtig fühlen und bestätigt in dem, was man tut. Jeder Mensch hat irgendwo eine Unsicherheit, aber diese lässt sich leichter niederbügeln, wenn man auf aus eigener Sicht ungerechtfertigten Widerstand stößt. Und manche möchten gerne herausstechen „aus der Masse“. Das können sie tun, indem sie etwas anhängen, das viele Leute ablehnen. Widerspruch ist dann Bestätigung, wenn sich jemand die Mühe macht, einem zu widersprechen, kann es ja nicht so falsch sein. Und man kann durch jede Alltäglichkeit einen Heldenstatus erlangen. „Die“ haben sich gegen mich verschworen, „die“ wollen nicht, dass ich eine Arbeitsstelle kriege, „die“ wollen nicht, dass mein Buch herausgebracht wird… Seht her, ich bin wichtig, denn „die“ gehen aktiv gegen mich vor.
Dann kommt irgendwann ein neues Problem dazu, denn ähnlich einer Droge müssen solche Dinge immer wieder erneuert und gesteigert werden. Irgendwann interessiert es halt niemand mehr, dass „die“ einen daran hindern, eine Arbeit aufzunehmen. Nicht wenige landen dann in Bereichen, wo wirklich jemand auf sie aufmerksam wird und versucht, ihr Handeln zu unterbinden: Die Staatsmacht nämlich. Solche Menschen fangen an, Straftaten zu begehen. Es kann auch sein, dass das schon früher beginnt, je nachdem welche Gruppe („die“) man hinter der Verschwörung vermutet, kann es sein, dass man sich der Volksverhetzung schuldig macht. Vorher schon kommt es zur sozialen Ausgrenzung, da sich Freunde und / oder Familie von einem abwenden. Kritik am eigenen System wird auch hier wieder als Bestätigung genommen, die anderen durchschauen die Verschwörung nur nicht. Die Presse, die versucht, aufzuklären, ist natürlich Teil der Verschwörung.
Denn wir sehen auch eine große Gefahr: Während sich Leute mit großen Getöse an nicht-existierenden Gefahren abarbeiten, werden reale Bedrohungen zur Seite gewischt. Im Fall von Donald Trump wird er, der einen unqualifizierten Ratschlag nach dem anderen raushaut, sogar als Erlöserfigur gefeiert. Das heißt, der Verschwörungsglauben nutzt denjenigen, die wirklich Schaden anrichten, da er von ihnen ablenkt oder sie gegen Kritik immunisiert. Michael Blume selbst formuliert das so:
Die gesamte Welt wird gespalten in die vermeintlich absolut gute Eigengruppe, eine absolut böse Superverschwörergruppe und dazwischen der vermeintlich naive Rest. Im Zustand des pathologischen Dualismus kann keine Demokratie mehr gelingen und kein Dialog, keine ergebnisoffene Forschung und auch keine seriöse Medizin.
Michael Blume: „Was ist das Problem mit Verschwörungslgauben?“
Und was bedeutet das für mich? Ich glaube, ich mache mal weiter mit dem Schreiben. Das Tragikomische ist: Es ist völlig egal, wie absurd und abgedreht eine Geschichte ist, es kann sich doch noch jemand finden, der sie für die Wahrheit hält.
Corona-Virus – Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
Merkwürdig, wenn Schweizer ihr Regierungssystem über den grünen Klee loben und dann kritische Anmerkungen kommen, dass zum Beispiel die Beteiligung an den Volksabstimmungen eher mau ist, dass manche Abstimmungsfragen sehr holzschnittartig sind und dass generell mit sehr viel Populismus gearbeitet wird, bekommt man als Deutscher gerne mal um die Ohren geschlagen, man solle sich gefälligst nicht in die inneren Angelegenheiten der Schweiz mischen. Umgekehrt scheint es manchen Schweizern ein innerer Reichsparteitag zu sein, es „den Deutschen“ mal so richtig zu zeigen. Mal so richtig abledern über die doofen Untertanen aus dem Norden. Und damit das ganze ein (vermeintliches) Gewicht bekommt, nimmt die Schweizer NZZ gerne mal deutsche Gastautoren mit ins Boot. Und die haben Glück, dass es ein Schweizer Boot ist und kein syrisches und dass man auch nicht auf dem Mittelmeer unterwegs ist, sonst könnte man zwischen die Frontex geraten.
Vor kurzem durfte Susanne Gaschke die Kulturbereicherin spielen und den deutschen Untertanengeist so richtig bloßstellen. Alle sind sich einig in Deutschland im Duckmausern… ne, eigentlich ist Deutschland ja tiiiiiiief gespalten und Freunde reden nicht mehr miteinander… ja, was denn jetzt? Beim Lesen ihrer Glosse kann einen das Gefühl beschleichen, dass sich zwei Persönlichkeiten der Autorin einen Wettstreit darin liefern, wer den absurdesten Superlativ abliefern kann, während gleichzeitig aus den Vollen und aus der hauseigenen Phrasenmanufaktur geschöpft wird.
Da ich hier – wie schon mehrfach erwähnt – wegen den Leistungsschutzrecht für Presseverleger keine Presseerzeugnisse verlinke, bin ich froh, dass ich das auch nicht muss, den Jürn Kruse hat sich den Artikel von Susanne Gaschke angetan, damit wir das nicht müssen. Seine Einschätzung gibt es drüben bei Übermedien: „Susanne Gaschke fragt sich, ob Corona der neue Hitler ist„.
Und gerade heute wurde ja eine große Meldung herausgegeben – oder ein neues „Ermächtigungsgesetz“ im „Kontaktsperren-Totalitarismus“, um im Duktus des o. g. Artikels zu bleiben. Es ging darum, ob und wie man ein paar von den Sperren zurücknehmen könne. In den letzten Tagen ging dabei immer wieder ein Name um: Leopoldina. Er wurde Synonym für ein möglichst schnelles „Zurück zum Normalen“. Lockerung des momentanen Zustands. Und obwohl unter diesem Namen keine konkreten Zeitansätze genannt werden, bringen sie dennoch andere – der Zeitansatz lautet „jetzt“.
Dahinter steckt eine Studie, die viele immer wieder gegen das Robert-Koch-Institut in Stellung bringen und versuchen, die Politik unter Druck zu setzen. Bei den Riffreportern hat man sich die Chronologie der Ereignisse angeschaut, was die Studie genau sagt, was nicht und was aber dafür andere sagen. Außerdem gibt es einen hochinteressanten Blick darauf, wer mit den Machern der Studie alles verbandelt ist. Der Artikel findet sich hier: „Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert„.
Last but not least – um Shakespeare zu zitieren – möchte ich einen Artikel empfehlen, der die Frage aufwirft, ob man beim TV-Ableger eines großen deutschen Boulevard-Schmierblatts den Kopf tatsächlich so tief im eigenen Enddarm stecken hat, wie es den Anschein macht oder ob das gar nicht geht, da er viel zu tief im Enddarm der amerikanischen Regierung steckt. Ja, der Videoableger der Papieranhäufung mit den GROSSEN Buchstaben hat tatsächlich ein Interview mit Mike Pompeo, seineszeichen Außenminister der US of A. Herausgekommen ist ein Meisterstück an Unterwürfigkeit, das seinesgleichen sucht. Mehr darüber im BildBlog genau hier: „Schoßhund-Fragen sind bei ‚Bild‘ Chefsache„.
Man möchte sagen, derzeit überstrahlt CORONA alles. Das ist gleich eine zweifache Metapher, denn zum einen wird als „Corona“ auch der Strahlenkranz der Sonne bezeichnet, zum anderen gibt es diesen berühmten Ausspruch: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.“ (zumindest sinngemäß) Und im Schatten von CORONA gibt es viele Probleme, die einfach aus dem Sichtfeld zu geraten scheinen. Dazu gibt es dann noch Leute, denen es ganz recht zu sein scheint, dass man derzeit über gewisse Dinge nicht so viel hört.
Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.
Johann Wolfgang von Goethe: „Götz von Berlichingen“ – Erster Akt – Jagsthausen. Götzens Burg / Götz
Wie zum Beispiel die Flüchtenden an den Außengrenzen der EU. Der Reporter Fabian Goldmann war an der türkisch-griechischen Grenze und hat sich die Situation dort betrachtet. Er kam zurück, als Flüge gestrichen wurden und es klar schien, dass die EU die Grenzen abriegeln wird. Goldmann legte seine Geschichte über die Vergessenen von Pazarkule verschiedenen Zeitungsredaktionen vor – niemand interessierte sich dafür. Bis sich schließlich Stefan Niggemeier und Übermedien der Sache annahm. Eine solche Reportage ist zwar nicht unbedingt das Kerngeschäft von Übermedien, aber es berührt das Thema „über Medien“ dann doch: Weil sie zeigt, wie ein Problem einfach unsichtbar werden kann, weil die Schlagzeilen von anderem beherrscht werden. Ich habe es mit Absicht vermieden zu schreien, das Problem sei „verschwunden“, denn das ist ja nicht der Fall. Es ist nur unsichtbar. Trotzdem wäre es wichtig, dass man sich darum kümmert.
Ich habe hier schon mehrfach betont, dass aufgrund des so genannten „Leistungsschutzrechts für Presseverlage“ hier keine Berichte aus diesen Medien mehr verlinkt werden. In Zeiten von COVID-19 / CORONA ist das besonders schwierig, da man sich auch über die Rolle der Medien unterhalten muss. Ich erlebe es gerade selbst, wie selektiv manche Menschen in meinem Umfeld Berichte lesen und entsprechend ungerechtfertigt selbstsichere Parolen raushauen, warum sie sich an die Anweisung XY nicht halten. Und ich bin erschrocken, wie Arrogant und selbstsüchtig Menschen, denen ich das nie zugetraut hätte, über andere urteilen.
Wo die Pandemie bei den einen die guten Eigenschaften zum Vorschein bringen, offenbaren die anderen, dass ihre Menschlichkeit und Zivilisation nichts weiter ist als eine Fassade, die ganz leicht wegbricht – eine Maske, die sie sich nur allzu willfährig nun vom Gesicht reißen.
In dieser Situation ist Einordnung wichtig und dazu braucht es die Medien. Wie ich geschrieben habe, möchte ich die klassischen Medien aufgrund ihres Verhaltens beim Leistungsschutzrecht nicht mehr verlinken – wer weiß, was denen noch einfällt. Da die Situation aber nun mal außergewöhnlich ist, umgehe ich das selbst auferlegte Verlinkungsverbot, indem ich auf einen Artikel des Bildblog verlinke, das seinerseits auf ein paar Presseartikel verlinkt, die sich um die Pandemie und die Rolle der Medien drehen. Für diejenigen, die das nicht wissen: Das Bildblog ist ein so genanntes Watchblog über die Inhalte der Medien. Wie der Name suggeriert, wurde es ursprünglich gegründet, um die ständigen Falschberichte in der Bild-„Zeitung“ zu korrigieren, aber irgendwann stellte man fest, dass „Bild“ nur die Spitze des Eisbergs ist und man beobachtete fürdehin Medien und Presseerzeugnisse generell.
Jeden Tag bringt das Bildblog eine kleine „Presseschau“ mit besonderen Berichten – beziehungsweise, ich sollte sagen: Jeden Wochentag, denn diese Presseschau gibt es nur von Montag bis Freitag. Aber auch beim Bildblog erfordern ungewöhnliche Zeiten ungewöhnliche Maßnahmen, deswegen wurde heute ebenfalls ein solcher Artikel veröffentlicht. Und um den geht es.
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