CSI: CRIME SCENE INVESTIGATION

„Who are you?“

(c) CBS
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Eigentlich hat die Serie in den USA ja einen sehr eindeutigen Titel, aber im Lauf der Zeit wurde daraus im deutschsprachigen Raum eine ziemliche Verwirrung: „CSI – Crime Scene Investigation“. Der Titel bedeutet übersetzt schlicht „Tatortermittler“, im Deutschen wollte man aber die coole englische Abkürzung stehen lassen. Also wurde die Serie für Deutschland mit einem Untertitel versehen: „Den Tätern auf der Spur“. Im Schweizer Fernsehen versah man den Titel mit einer Ortsangabe: „CSI – Las Vegas“. Und seit der 12. Staffel nennt man sie nun in Deutschland „CSI: Vegas“. In Frankreich, wo es ja eine Verpflichtung gibt, die Titel ausländischer Serien, Kinofilme und Bücher in die Landessprache zu übertragen, heißt die Serie übrigens „Les Experts“.

„CSI“ ist vom Grundprinzip her eine recht typische Krimiserie: Ein Verbrechen geschieht und die Zuschauer sehen den Ermittlern dabei zu, wie sie den Täter finden. In den meisten Folgen sieht man dabei den Täter beim Ausführen der Tat nicht, man sieht nicht einmal die Tat selbst. Es war eines der neuen Stilmittel von „CSI“, jede Folge mit etwas völlig unverfänglichem zu beginnen, ein Pärchen, das spazieren geht oder ein Paketbote, der Post ausliefert… oder… oder… oder…

…und dann Wumm! Trifft man auf das Opfer eines Verbrechens und die eigentliche Handlung nimmt ihren Lauf. „CSI“ kann man daher dem klassischen Genre des „Whodunnit?“, zu Deutsch „Wer war der Täter?“, zurechnen. Die zweite Neuerung, die die Serie einführte, war der Umstand, dass in jeder Episode mehrere Verbrechen parallel bearbeitet wurden. Das gab den Episoden eine besondere Dynamik und den Autoren die Gelegenheit, unterschiedliche Teammitglieder miteinander agieren zu lassen. In späteren Folgen änderte sich das schließlich und man konzentrierte sich auf einen Fall pro Episode.

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Und schließlich die dritte Neuerung, die quasi das Genre revolutionierte: Die Tatortermittlung wurde mit neuesten wissenschaftlichen Methoden durchgeführt. Das Hauptaugenmerk lag also nicht so sehr wie bei klassischen Krimis darauf, dass der Ermittler einen Täter durch ein Gespräch bei einer offensichtlichen Lüge überführte, sondern dass die Beweise das taten. Bei „CSI“ wurde dabei die Arbeit der Wissenschaftler ein großer Teil der Spielzeit gewidmet und mit besonderen Stilmitteln dargestellt. Details der Spurensicherung vor Ort wurden teilweise mit mikroskopischen Ansichten von gefundenen Spuren visualisiert. Das gleiche galt für die Arbeit im Labor, die nicht nur gezeigt, sondern auch durch die Bilder erklärt wurde. Dadurch erhielt der Zuschauer einen besonderen, wenn auch nicht immer ganz der Realität entsprechenden Einblick in die Arbeit moderner Tatortermittler. Zwar wurden die Vorgänge im Labor selbst sehr realistisch dargestellt, sie wurden aber auch zeitlich stark abgekürzt, so dass etwa ein Abgleich einer gefundenen DNS-Spur mit der DNS-Datenbank CODIS nicht ein paar Stunden geht, sondern nur ein paar Minuten. Das gleiche gilt für diverse Untersuchungen im Labor, die in der Realität Stunden bis Tage dauern können, in der Serie aber in Minuten erledigt werden.

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Nachdem die ersten Untersuchungen am Tatort abgeschlossen sind und eventuell auch schon die ersten Verdächtigen oder Zeugen befragt wurden, kommt in der Regel der Auftritt des Gerichtsmediziners. Und auch hier setzte „CSI“ seine neuen Stilmittel ein. Wenn der Gerichtsmediziner seinen Vortrag über gefundene Spuren und die Todesart hält, wird auch diese bis ins mikroskopische Detail dargestellt. So sieht man Gefäße, die durch eine Klinge aufgeschnitten werden oder Kugeln, die sich ihren Weg durch menschliches Gewebe bahnen und dort Schaden anrichten. Selbst die Wirkweise verschiedener Gifte wird auf diese Weise visualisiert.

Und wenn die Ermittler Spuren analysieren und sich zusammenreimen, wie ein Verbrechen begangen wurde, sehen wir eine Art Rückblick, in dem das Verbrechen auf genau diese Weise geschieht. Dabei kann es allerdings auch sein, dass der erste Schein trügt und sich am Ende etwas ganz anderes als Wahrheit herausstellt.

Die Atmosphäre im Team wird von den Autoren recht realistisch beschrieben, was wir sehen, wird mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor begleitet, allerdings auch mit leisen Tönen, wo das nötig ist. Angehörige von Berufen, die psychisch stark belasten – wie das eben der Fall ist, wenn man hauptsächlich mit Leichen zu tun hat -, kompensieren das Erlebte häufig mit Humor, der Unbeteiligten merkwürdig, ja, unangemessen erscheinen kann.

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Allerdings musste CSI natürlich auch den Pfad der Realität verlassen, um eine Geschichte erzählen zu können, die die Zuschauer fesselt. Beispielsweise ist es auch in den USA unüblich, dass die wissenschaftlichen Tatortermittler bei den Befragungen von Zeugen und Verdächtigen mit anwesend sind. Auch haben die Figuren bei CSI jeweils ein sehr breites Fachgebiet, es kann sein, dass ein- und derselbe Ermittler sowohl Fingerabdrücke als auch sichergestellte Computer bearbeitet. Im wahren Leben sind die Fachgebiete sehr eng gefasst, da jedes einzelne sehr umfangreich ist. Oder nehmen wir die Fingerabdruckdatenbank AFIS: Die gibt es wirklich, der Begriff steht für „Automatisiertes Fingerabdruckidentifizierungssytem“. Aber es ist nicht so, dass man einen Abdruck einscannt und einem der Computer die Person zeigt, zu der er gehört. So exakt arbeiten Computer noch nicht. AFIS vergleicht den Abdruck mit den gespeicherten und wirft dann alle Personen aus, deren Abdrücke ähnlich sind. Diese Abdrücke müssen dann von einem Fingerabdruckspezialisten in Augenschein genommen und mit der Vorlage verglichen werden. Erst dieser Spezialist entscheidet, ob es tatsächlich eine Übereinstimmung gibt und mit welcher Person.

Und ja, reden wir von den Figuren der Serie: Auch hier haben die Autoren ganze Arbeit geleistet und wirkliche Individuen geschaffen, angefangen beim Entymologen Gil Grissom, der das Team während der ersten neun Staffeln leitet, zu der ehemaligen Showtänzerin Catherine Willows, Sarah Sidle, Warrick Brown, Nick Stokes, Greg Sanderson, dem Polizist Jim Brass und nicht zuletzt der „Laborratte“ Hodges. Nicht zu vergessen die beiden Pathologen Doktor Robbins und David „Superdave“ Philips. In der Pilotfolge sah alles noch etwas anders aus, Brass war Leiter vom „CSI“ und Sarah Sidle noch nicht dabei. Doch schon in Folge 2 änderte sich das und es sollte nicht die letzte Änderung bleiben. In den bislang erschienenen vierzehn Staffeln gab es manche Neuerung. So nimmt sich Gil Grissom beispielsweise in Staffel 7 eine Auszeit und wurde während dieser durch Michael Keppler von der Tagschicht ersetzt. In Staffel 10 stieg Grissom, beziehungsweise sein Darsteller William Petersen, ganz aus der Serie aus. Sein Nachfolger wurde zuerst Doktor Raymond Langston, dargestellt von Laurence Fishburn, und dann Diebenkorn „D.B.“ Russel, dargestellt von Ted Danson. Zum Zeitpunkt dieses Beitrags ist die Erstausstrahlung der Staffel 14 in den USA gerade beendet.

Ein Markenzeichen, das alle „CSI“-Serien verbindet, ist die Titelmusik, die bei allen dreien von der Rockgruppe „The Who“ stammt. Beim Original-„CSI“ ist es ein Ausschnitt aus dem Stück „Who are you?“ Die Frage „Wer bist Du?“ und die Dynamik des Lieds passten nach Meinung der Produzenten sehr gut zu ihrem Serienkonzept.

Als Ort für ihre Serie haben sich die Macher Las Vegas ausgewählt, was hauptsächlich daran lag, dass der Erfinder Anthony Zuiker dort studiert hat. Man fand, die Spielermetropole in Nevada würde genug Stoff für spannende Episoden bieten, was sich letztlich ja auch bewahrheitete. Allerdings musste dafür die Realität noch um ein weiteres Stück weichen, denn in Las Vegas heißen die Tatortermittler nicht „CSI“, sondern „CST“ für „Crime Scene Technicians“. Gedreht wird die Serie allerdings zur Hauptsache in Los Angeles, das Team reist nur für ein paar ausgewählte Tage nach Vegas, um einige Szenen zu drehen, meistens solche, in denen ein Wahrzeichen vom so genannten „Strip“ zu sehen sein soll. Die meisten Außenaufnahmen von Las Vegas, die wir in der Serie sehen – wie zum Beispiel die berühmten Hotels am „Strip“ aus der Vogelperspektive -, sind Archivaufnahmen.

Am Anfang der Serie gab es eigentlich nur die aus vielen Serien bekannten „Einzelepisoden“, das heißt, jede Folge bot eine abgeschlossene Geschichte. Doch es gab auch schon Versuche mit Handlungsbögen, die sich über mehrere Folgen hinziehen, wenn auch nur zaghaft. In Staffel 1 kommt das Team beispielsweise dem Serienmörder Paul Millander auf die Spur, es braucht aber mehrere Folgen, bis er endlich geschnappt werden kann. Die Folgen waren dabei lose in die Serie eingestreut. Mit dem Fortschreiten der Serie wurde aber weiter experimentiert, es gab beispielsweise die Reihe mit dem „Modellmörder“, der von den Tatorten, an denen er Leute umbrachte, maßstabsgetreue Modelle herstellte. Ebenso traute man sich bei den Figuren immer mehr Handlungsbögen zu schreiben, die über mehrere Folgen gingen. Auch hier gab es in Staffel 1 einen leichten Ansatz mit der Spielsucht von Warrick Brown, der deswegen von einem Richter erpresst wurde. Waren aber auch diese Episoden eher lose in die Reihe eingestreut und endeten ziemlich bald, wurde mit Gil Grissoms zeitweisen Ersatz Michael Keppler dann ein kompletter abgeschlossener Handlungsbogen während einer Staffel in die Serie integriert. Weitere Handlungsbögen wurden durch äußere Umstände vorgegeben, etwas das Ausscheiden von Gil Grissom, da William Petersen sich wieder vermehrt dem Theater zuwenden wollte.

„CSI“ hatte seit seiner Ausstrahlung sowohl positive als auch negative Effekte. Die positiven waren, dass den Zusehern Wissenschaft, vor allem die Forensik, nahegebracht wurde. Doch das wiederum wirkte sich negativ aus, da manche Menschen nun glaubten, die Wissenschaft sei unfehlbar und ein gefundener Beweis könne nur auf eine Weise gedeutet werden. Das führte dazu, dass in Gerichtsverhandlungen Geschworene, die Fans von „CSI“ waren, den forensischen Beweisen mehr Gewicht gaben als beispielsweise Zeugenaussagen, obwohl auch forensische Beweise nicht immer eindeutig sind. Für das Ausland negativ wirkten sich Sachen aus, die in der Serie zu sehen und im Zuge einer Tatortermittlung in den USA vielleicht erlaubt sind, aber nicht unbedingt anderswo auf dem Globus. In Deutschland etwa machte ein Fall Aufsehen, als Kriminalbeamte beim Verhör eines Verdächtigen eine Masche durchzogen, die sie bei „CSI“ gesehen hatten: Der Verdächtige weigerte sich, freiwillig eine DNS-Probe abzugeben. Da er während des Verhörs etwas zu trinken bekommen hatte, fischten die Beamten seinen Becher aus dem Abfalleimer und bestimmten dort die DNS. In „CSI“ wurde das damit begründet, dass alles, was im Müll landet, kein Eigentum der entsprechenden Person mehr ist. Wer etwas in den Müll wirft, gibt das Eigentum an dieser Sache also auf, und jeder darf es nehmen. Zum Beispiel auch Ermittler in einem Kriminalfall. Das mag in den USA so vielleicht auch stimmen, der Anwalt des Verhörten plädierte in Deutschland aber darauf, dass jener deutlich die Abgabe einer DNS-Probe verweigert habe und man sich nicht einfach auf diesem Weg quasi „durch die kalte Küche“ holt, was man nicht freiwillig kriegt.

Das zeigt uns wieder einmal: Eine Fernsehserie kann noch so gut und realistisch sein, man darf trotzdem nicht einfach gedankenlos alles für bare Münze nehmen, was man dort sieht. Trotz alledem ist „CSI“ eine anspruchsvolle Krimiserie und ein Meilenstein in der Fernsehgeschichte und wir dürfen gespannt sein, ob und wie es für die Tatortermittler aus Las Vegas weitergeht. Die letzte Staffel haben in den USA im Schnitt rund zehn Millionen Menschen verfolgt (zumindest laut den Nielsen Ratings), das ist ein großer Rückgang gegenüber der sehr starken Staffel 3, die von rund 26 Millionen Zuschauern gesehen wurde. Die letzten Jahre zeigen eine Abnahme der Zuschauerzahlen generell, der erste größte Absturz war die Staffel 8, bei der die Zuschauermarke erstmals wieder unter 20 Millionen fiel. Staffel 10 kam dann auf weniger als 15 Millionen, und die letzte, die Staffel 14 unterbot 10 Millionen knapp. Am 13. März 2014 wurde trotzdem von Seiten des Senders bekannt gegeben, dass eine Staffel 15 produziert wird.

Eine umfassende Auflistung der Episoden von „CSI“ im Wochenrhythmus findet sich drüben im Blog „Erlebnis Nordamerika„. Bisher sind von der Serie folgende Staffeln bearbeitet:

Mehr grundlegende Informationen über die Serie und das CSI-Team gibt es hier!

Und immer die aktuelleren Artikel finden sich hier: http://bit.ly/C-S-I

Der Vorabend des Krieges – eine Art „Vorwort mittendrin“

Keiner hätte je daran geglaubt, damals, am Anfang des 21. Jahrhunderts, dass wir aus der unendlichen Weite der Welt beobachtet würden. Niemand konnte sich vorstellen, dass wir sogar genau untersucht wurden, so wie man unter dem Mikroskop wimmelnde Bakterien in einem Wassertropfen beobachtet, wie sie sich vermehren. Nur wenige Menschen dachten überhaupt an die totale Überwachung, und dabei trafen uns schon aus dem unendlichen Raum die neidvollen Blicke von Wesen, die glaubten, uns weit überlegen zu sein.

Erst langsam und dann immer bestimmter wuchs in ihnen der Plan, unsere Freiheit zu zerstören.

Es hat etwas Zeit der Vorbereitung gebraucht, aber heute geht es endlich los. Da wir hier beim STAR COMMAND Communiqué aber einfach weitergemacht haben und die Veränderungen Stück für Stück kamen, kommt dieses Vorwort sozusagen mittendrin. Aber eigentlich war schon das letzte Jahr ein Teil der Entwicklung. Heute beginnt „nur“ die neue Struktur.

Am 8. Juni um Mitternacht explodierte eine riesige Menge an Berichten in Hong Kong und raste auf das Internet zu. Unsichtbar näherte sich uns das erste der Flugobjekte, die die Erde ins Unglück stürzen sollten. Ich blickte nach oben und sah einen neuen Gasstreifen. Schon wieder ein Flugobjekt auf seinem Weg zu den Lesern.

Seepark Pfullendorf

„Das Phantastische Projekt“ hat sich bisher allerhand Themen angenommen, und das wollen wir auch weiterhin tun. Das ganze lief über verschiedene Medien, und auch das soll weiterhin so bleiben. Nur die Aufteilung, die wird etwas anders. Hier, im „Communiqué“, erscheinen weiterhin die geschriebenen Artikel. Die Videos werden in Zukunft auf der Hauptseite unter www.dasphantastischeprojekt.de gebündelt erscheinen. Dazu wurde diese Webseite in den letzten Monaten umgestaltet zu einem Blog, heute… oder genauer gesagt, genau jetzt, da dieser Artikel hier erscheint, erscheint dort der erste Artikel, das Vorwort in der Blog-Abteilung.

Und so blieb es auch in den folgenden zehn Nächten. Ein Leuchtgeschoss kam, strahlend grün und von einem grünen Nebel gefolgt. Ein schönes, aber auch ein beunruhigendes Bild. Pofalla, der Hans-guck-in-die-Luft versicherte mir, dass wir nicht in Gefahr wären. Er war davon überzeugt, dass es keinen Überwachungsskandal  gäbe.

Die Startseite vom „STAR COMMAND Communiqué“ wurde umgestaltet, neben einer Liste von aktuellen Artikeln und dem Hinweis auf den Videokanal enthält sie unter anderem einige Feeds, die wir als lesenswert betrachtet haben – und natürlich die Feeds von den Blogs von unserem Projekt. Wir werden immer wieder mal den einen oder anderen Feed vorstellen, damit unsere Leser auch wissen, mit was sie es zu tun haben.

The chances of anything coming from Mars are a million to one he says.
The chances of anything coming from Mars are a million to one – but still they come!

Beim „Phantastischen-Projekt“-Blog drüben wird gesagt, dass heute ein Vorabend ist. Das stimmt, denn der eigentliche Starttag für die neuen Videos ist morgen. Lasst Euch überraschen.

Heute ist es mir unbegreiflich, dass die Leute damals den Abend wie jeden anderen verbrachten.

– Die Zitate in diesem Beitrag stammen aus der deutschen Version von „Jeff Wayne’s War of the World“, leicht abgewandelt, damit sie der Situation angepasst sind.

Aktion: STOPPT TTIP!

TTIP_de_300x250_2Derzeit verhandeln EU-Vertreter mit der US-Regierung über das TTIP-Freihandels-Abkommen. Durchgesickerte Papiere zeigen, dass die Unterhändler die größten Wünsche der Konzerne erfüllen wollen: Hormonfleisch, Fracking, Gen-Essen, laxer Datenschutz und eine privatisierte Wasserversorgung sollen in Europa einziehen.

Auf demokratischem Weg wäre das nie möglich. Nun soll es ein Vertrag richten, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgehandelt wird. Ich habe gerade einen Appell unterschrieben, um die Verhandlungen zu stoppen. Unterzeichnen bitte auch Sie den Appell:

https://www.campact.de/TTIP-Aktion

Formel-1-Weltmeister Schumacher: So dringen „Neuigkeiten“ an die Öffentlichkeit

Mal angenommen, ich würde bei irgendeiner großen Zeitung anrufen und sagen, ich könnte Neuigkeiten über den Zustand des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Michael Schumacher besorgen, der in Folge eines Unfalls beim Skifahren noch immer im Krankenhaus liegt, was würde die Zeitung dann mich fragen? Vermutlich erstmal, in welchem Verhältnis ich zu Schumacher stehe, dass ich an solche Informationen komme. Und dann würde ich ihnen folgendes erklären: Ich wohne in Pfullendorf. Aus Pfullendorf kommt auch Daniel Schuhmacher, der 2009 bei „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen hat. Und Daniel Schuhmachers Nachnamen spricht man gleich aus wie den von Michael Schumacher, auch wenn man den einen mit „h“ schreibt und den anderen ohne. Und schon besteht eine Verbindung!

„Was für eine abstruse Geschichte!“, sagen Sie? Ja, aber tatsächlich gab es Leute, deren „Verbindung“ zu Michael Schumacher nicht weniger an den Haaren herbeigezogen war, die sich trotzdem in den Medien in Szene setzten und ihr „Wissen“ um den Zustand des Formel-1-Weltmeisters in die Welt posaunten. Und wie beim Posaune Spielen blieb am Ende von denen auch nur eins übrig, nachdem der Ton verklungen war: heiße Luft!

Solche abstrusen Geschichten und den Fabulierwillen auch seriöser Medien beschreibt Anno Hecker in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ unter dem Titel: „Formel-1-Weltmeister Schumacher: Phantasien statt Fakten“.

Wer den Artikel lesen möchte – er ist wirklich gut geschrieben -, der möge bitte eine Suchmaschine seiner Wahl bemühen. Da auch die „FAZ“ das so genannte „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ unterstützt und derzeit prüft, ob sie zusammen mit Springer und Burda die VG Wort zum Abkassieren für „kleinste Textschnippsel“ nutzen soll, erfolgt von dieser Seite aus kein direkter Link.

 

Das ist jetzt eine komische SItuation, oder? Das meine ich jetzt nicht einmal ironisch, ich halte den Artikel wirklich für gut geschrieben und er bringt einige Dinge auf den Punkt. Zum Beispiel, dass manchen Menschen kein „angebliches Verhältnis“ zu Michael Schumacher zu blöd ist, um damit bei den Medien hausieren zu gehen. Oder wie die Medien sich selbst helfen, wenn eben mal keiner mit ihnen reden will.

Doch dann ist da eben auch das „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“. Dieser Artikel wäre davon zwar nicht betroffen, da ich in eigenen Worten davon schreibe, worum es in Heckers Beschreibung geht und nicht einmal ein Zitat bringe. Aber es geht um das Prinzip, denn ich habe nicht immer Zeit oder Inspiration, um einen Artikel wie diesen hier zu verfassen. Manchmal möchte man auch etwas kurz Weiterempfehlen, aber nicht so kurz, wie es auf Twitter oder Facebook üblich ist. Und wenn man dann hört, dass Juristen die eigene Webseite als „Quasi-Suchmaschine“ einschätzen könnten (für die das Leistungsschutzrecht gilt), nur weil man ein Suchfeld eingerichtet hat, mit dem Leser diese Seite durchsuchen können, dann könnte einem die Hutschnur platzen. Vor solchen juristischen Spitzfindigkeiten wurde allenthalben vor der Einführung des Leistungsschutzrechts gewarnt, doch die Kritiker wurden arrogant abgekanzelt: So was wird mit den neuen Recht niiiiiemals möglich sein, niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen…

Dieser Artikel passt zum heutigen Aschermittwoch, denn immer mehr Freiheiten verwandeln sich in Asche. Und den Betreiber kleiner Blogs bleibt nur, die Lage um das LSR zu beobachten.

Und: Nicht mehr auf Presseangebote zu verlinken.

Ceterum censeo Leistungsschutzrecht esse delendam!

„STAR WARS – Das letzte Kommando, Teil 1“ erscheint in wenigen Tagen

(c)  IMAGA
(c) IMAGA

Timothy Zahns „Thrawn-Trilogie“ geht als Hörspiel in die letzte Runde: Am 28. Februar 2014 erscheint Teil 1 von insgesamt 5, die Zahns Roman „Das letzte Kommando“ umsetzen. Es ist eine dunkle Zeit für die Neue Republik. Zwar musste sich das Imperium nach dem Verlust eines Sternzerstörers von der Schlacht um die mächtige Katana-Flotte zurückziehen, doch am Ende war es der finstere Großadmiral Thrawn, der den Großteil der schlagkräftigen Dreadnaughts in seine Gewalt bringen konnte. Damit verfügt Thrawn nun über eine gewaltige Streitmacht – und startet eine Großoffensive gegen die Neue Republik.

Umgesetzt wird auch dieses Hörspiel von Oliver Döring, natürlich mit den Synchronsprechern der Originaltrilogie, den Original-Soundeffekten und der Musik von John Williams.

„Das letzte Kommando, Teil 1: Der Fall von Ukio“ kann man unter anderem hier bestellen:

Das Letzte Kommando-Teil 1: Der Fall von Ukio (CD)

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Andreas Eschbach *** *** Leistungsschutzrecht für Presseverlage

Allen Widerworten und aller Vernunft zum Trotz hatte die Kampagne der Presseverleger gegen Google Erfolg: der Deutsche Bundestag beschloss die Einführung eines so genannten „Leistungsschutzrechts für Presseverlage“ und schuf damit einen bürokratischen Leviathan. Das Gesetz ist derart unnütz und unausgegoren, dass jeder, der irgendwas im Internet veröffentlicht, eventuell irgendwie auf irgendwas verklagt / abgemahnt / angep***t werden kann.

Der Science-Fiction-Autor Andreas Eschbach tut seine Meinung zum Leistungschutzrecht auf seiner Webseite auf recht subtile und dennoch deutliche Art und Weise kund, er setzt das Leistungsschutzrecht nämlich einfach um: Andreas Eschbach – Pinnwand.

Dazu kann ich nur sagen: Andreas Eschbach hat ****** ****** ******* verdient!

Sensation: 5 Kilo in einer Woche abnehmen! Einfach so!

Wie Sie mindestens fünf Kilo Gewicht in einer Woche abnehmen? Lassen Sie sich ein Bein amputieren… was, das ist nicht das, was Sie sich so vorgestellt haben? Na ja, anders wird es ohne Anstrengungen nicht funktionieren. Warum, das erklärt der österreichische Physiker Martin Apolin in seinem Buch „Mach das!“. Das Buch habe ich zwar selbst letztes Wochenende beim Buchhändler gesehen, leider wusste ich aber nicht so recht was damit anzufangen. Heute bin ich auf eine Rezension des Buchs gestoßen, die Florian Freistetter geschrieben hat (und ich war so frei, den Gag mit dem Bein amputieren von dort zu leihen). Da ich es selbst nicht gelesen habe, kann ich keine eigene Rezension schreiben, deswegen verweise ich auf diese, die sehr aufschlussreich ist:

Florian Freistetter: Wunderdiäten & Co. – Die Physik des Abnehmens

„America the Ugly“ – ein Softdrinkwerbespot spaltet „God’s own country“

War was? Ach ja, Superbowl. Hab ich erstmal nur am Rande mitgekriegt, da ich es nicht so mit den Ballsportarten habe. Interessanterweise wird selbst in Amerika Football hier und da kritisch gesehen wegen den exorbitanten körperlichen Schäden, die die Spieler im Lauf einer Karriere davontragen. Mein Bild vom Football ist mehr geprägt durch amerikanische Serien, in denen es immer so aussieht, als wollten Highschool-Mädchen nur eins, nämlich Cheerleader werden, während die Jungs alle Quarterback werden wollen, damit sie bei einem Cheerleader-Mädchen landen können. In der Kontroverse, die sich an der letzten Superbowl-Fernsehübertragung entzündet hat, geht es aber nicht um Football. Nicht im geringsten.

Es geht um einen Werbespot. Die Werbespost zum Superbowl sind besonders gemacht und das müssen sie auch sein: Die Fernsehsender verlangen Mondpreise für eine halbe Minute Sendezeit (wir reden hier nicht von zehn- oder hunderttausenden Dollars, wir reden von Millionen!). Entsprechend einprägsam und aufwändig werden die Werbespots gestaltet. So auch der Spot von Coca-Cola. Damit das geneigte Lesepublikum weiß, wovon ich schreibe, machen wir gerade mal eine kleine Werbepause.

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Direkter Link zum Video: http://youtu.be/443Vy3I0gJs

Wer den Spot jetzt zum ersten Mal gesehen hat, wird ahnen, was das Blut von – hauptsächlich konservativen – Amerikanern zum Kochen bringt: Das Lied „America the Beautiful“ – was manche Amerikaner als „zweite Nationalhymne“ betrachten – wird nicht nur in Englisch, sondern auch in anderen Sprachen, unter anderem Spanisch und Arabisch, gesungen. Nun ist der ganze Spot natürlich so extrem patriotisch gestaltet wie Coca-Cola süß ist, mit dem entsprechenden Pathos, aber die Bildzusammenstellung und der Gesang passen den Konservativen nicht. Es wird also in fremden Sprachen gesungen und es werden unterschiedliche Menschen gezeigt darunter – Gott bewahre! – ein anscheinend schwules Pärchen.

Die Reaktionen darauf stiegen in Twitter auf, wie Bläschen in einer gerade geöffneten Cola-Flasche, Reaktionen, die einen permanentes Kopfschütteln verursachen konnten. „Un-amerikanisch“ sei der Werbesport, „Mexikaner, Terroristen, Juden und Nigger“ (man beachte die Zusammenstellung und Wortwahl) seien „keine Amerikaner“, in so einem Werbespot solle man „Amerikanisch“ (jep!) sprechen und nicht wenige kündigten an, nie wieder Coca-Cola zu trinken (täte mich interessieren, was die beim nächsten Besuch im McDonald’s machen). Wer seinen Kopf jetzt noch nicht genug geschüttelt hat, dem empfehle ich diesen Beitrag: „Speak English! Racist revolt as Coca-Cola airs multilingual ‚America the Beautiful‘ SuperBowl Ad„.

Etliche regten sich auch über das gezeigte schwule Pärchen auf. Das hat eine besondere Note, diejenige, die den Text von „America the Beautiful“ geschrieben hat, Katherine Lee Bates, hat jahrelang mit einer anderen Frau zusammengelebt. Man muss hier zwar vorsichtig sein, denn das ganze ereignete sich im 19. Jahrhundert, das heißt, offen eine lesbische Partnerschaft zu leben war nicht nur schwierig, sondern schlichtweg unmöglich. Dennoch gibt es Anzeichen, dass die Verbindung zwischen Katherine Lee Bates und der anderen Frau, Katharine Coman, mehr war als eine platonische Beziehung.

Besser ausdrücken kann es natürlich Colbert vom „Colbert Report“:

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The Colbert Report
Get More: Colbert Report Full Episodes,Video Archive

Direkter Link zum Video: http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/432753/february-03-2014/coca-cola-s-diverse–america-the-beautiful–ad

Okay, noch nicht genug der Idiotie gehabt? Dann hab ich noch was: Zum zweiten Mal in Folge lehnte das Fernsehen das Ausstrahlen eines SodaStream-Werbespots während des Superbowl ab. Der Grund: Die – wesentlich zahlungskräftigeren – Sponsoren Coca-Cola und Pepsi werden darin angegangen. Letztes Jahr sollte gezeigt werden, wieviel Plastik sich einsparen ließe, wenn die Menschen ihre Getränke selbst sprudeln, was natürlich ein direkter Angriff auf die Wegwerf-Plastikflaschen der beiden Getränkekonzerne war. Und dieses Jahr… nun, seht selbst:

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Direkter Link zum Video: http://youtu.be/zxq4ziu-wrI

Ja, der Grund für die Ablehnung sind vier Worte: „Sorry, Coke and Pepsi.“ Was mich sehr wundert, da ich schon Werbespots gesehen habe, in denen sich Coke und Pepsi gegenseitig auf schlimmere Art und Weise fertig gemacht haben.

Aber ich muss das alles, was ich in diesem Beitrag beschrieben habe, nicht verstehen. Ich bin ja auch nur ein Mensch.

Bitte gehen Sie jetzt weiter! Es gibt hier nichts mehr zu sehen!

„Sogar meine Mama findet Dich toll“ – Der Kampf eines Singles an mehreren Fronten

– Es ist symbolisch für unser Ringen gegen die Unterdrückung!
– Symbolisch für sein Ringen gegen die Realität.

Zwei Revoluzzer der „Volksfront von Judäa“ in „Das Leben des Brian“. Sie könnten auch von der „Bertelsmann-Stiftung“ reden…

Die wirren Gedanken, die diesen Artikel formen, schwirren mir schon länger im Kopf herum, weil ich es nämlich so langsam satt habe. Der berühmte „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, war eine Studie der von der Muffe gepufften Bertelsmann-Stiftung über eine angeblich „zukunftsfähige“ Rente. Die „geniale“ Idee dieser Menschen, die sonst offenbar keine Probleme haben, ist die, dass die Höhe der Rente von der Kinderzahl abhängt. Wer drei und mehr Kinder hat, kriegt die reguläre Rente, darunter gibt’s Abschläge. Wer keine Kinder hat, soll bitte schön leise verhungern.

Der widerliche Gedankengang hinter diesen offenkundig kleingeistigen Plänen ist der, dass es nur eine Sorte von „Kinderlosen“ gibt: Asoziale Volksschädlinge, die sich gegen Kinder entscheiden, weil sie zu faul oder zu geizig oder beides sind, um Kinder groß zu ziehen. Das brachte meine Hutschnur zum Reißen und gab den Inititalfunken, um diesen Artikel endlich zu schreiben.

Im Gegensatz zur schwarz-weißen „böse Kinderlose“-und-„gute Kinderreiche“-Welt der Bertelsmann-Stiftung gibt es nämlich einen bunten Strauß an Variationen auf beiden Seiten. Es gibt sicherlich gute Gründe, bewusst eine Familie mit Kindern zu gründen. Darum geht es in diesem Artikel nicht, deswegen lassen wir die außen vor. Es gibt sicher auch gute Gründe, sich als Paar bewusst dagegen zu entscheiden, Kinder zu bekommen in der heutigen Gesellschaft. Auch darum geht es in diesem Artikel nicht, die lassen wir deshalb auch außen vor. Es gibt Paare, die gern Kinder bekommen würden, doch es funktioniert nicht. Es gibt Paare, die gern Kinder adoptieren würden, doch sie dürfen aus verschiedensten Gründen nicht. Um alle diese Varianten geht es auch nicht, also lassen wir sie auch außen vor. Für sich genommen würde jeder dieser Komplexe einen eigenen Artikel oder gar eine Artikelreihe ergeben. Doch das will ich – im Gegensatz zu gewissen Stiftungen – denen überlassen, die da mehr Ahnung haben.

Mir geht es um eine ganz bestimmte Gruppe der „Kinderlosen“: der ungewollte Single.

Ich habe schon unglaublichen Schwachsinn von Politikern und irgendwelchen Lobbyisten gehört. Dass ich ein Luxusleben führe und mich nicht zu beklagen habe. Dass ich (höchstpersönlich) die Rentenversicherung kaputtmache. Dass ich mir meinen Ruhestand auf Kosten von anderen vergolden lasse (ja klar, und meine Lieblingsbeschäftigung ist auch, am Freitag den Oberstufenschülern am Gymnasium aufzulauern und sie zu beschimpfen: „Haha, Du Schwachmat wirst irgendwann mal meine Rente zahlen müssen, obwohl ich keine Kinder habe!“). Und jetzt die Bertelsmann-Stiftung, die unverhohlen diskriminierend daherkommt.

Und jedes Mal, wenn ich sowas höre, ärgere ich mich. Denn ich bin nicht freiwillig in der Situation, es hat sich so ergeben. Jedes Mal möchte ich dem Dummschwätzer, der solche Parolen von sich gibt, ins Gesicht brüllen:

– Komm, leck Dich doch selbst am A****…

Monty Python: „Die Ritter der Kokosnuss“

Die sich vermutlich sehr toll vorkommenden Befürworter einer solche „Gebärprämie“ sind dem Wahnwitz verfallen, dass jeder, der ernsthaft einen Partner haben möchte, auch einen kriegt. Das gleicht dem Wahnwitz, dass jeder, der Arbeit will, auch welche bekommt. In beiden Fällen wird völlig ausgeblendet, dass es auch äußere Umstände gibt, die das ganze beeinflussen. Dass es nun mal Menschen gibt, die nicht zueinander passen. Und dass die Partnersuche aus verschiedenen Gründen immer schwieriger wird.

In meinem speziellen Fall, das muss ich leider so einsehen, spielt das Alter eine große Rolle. Ich bin Anfang 40 und gehöre einer kleinen Gruppe unserer Bevölkerung an: die „echten Singles über 40“, das heißt, ich war noch nie verheiratet und habe auch keine Kinder. Ich hatte ein paar Beziehungen, aber die sind bisher immer in die Brüche gegangen. Um die folgenden Punkte darzulegen, werde ich das ganze jetzt komplett aus meiner Warte schreiben, das heißt, da ich heterosexuell bin, werde ich nur noch von Frauen statt neutral von „PartnerInnen“ schreiben.

Was hat es nun mit dieser „echten-Single“-Sache auf sich? Natürlich kann einen eine Trennung von einem Partner, mit dem man nicht verheiratet war, auch auf eine besondere Weise prägen, aber eine Scheidung ist nochmal ein ganz anderes Kaliber. Nicht nur, dass man sich von dem Mensch trennt, mit dem man eigentlich Rest seines Lebens verbringen wollte, es kommt auch noch zu juristischen Auseinandersetzungen. Möglicherweise müssen gemeinsam angeschaffte Sachen irgendwie getrennt werden, Anwälte wollen bezahlt sein und so weiter. Geschiedene sind deswegen gern etwas vorsichtiger, sich nochmal festzulegen auf einen Partner. Und mehrfache Hochzeiten und Scheidungen erlebt man in der Regel auch nur bei den Menschen, die sich das überhaupt leisten können.

Das heißt, schon von den nüchternen Zahlen her betrachtet ist die Menge an Menschen, die nicht aufgrund von Scheidungserfahrungen irgendwelche Vorbehalte gegen eine neue Beziehung haben, geringer als vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Zahl verringert sich sogar noch weiter, denn in dem Alter, in dem ich bin, gibt es noch dazu etliche Frauen, die zwar nie verheiratet waren, sich aber sagen: „Jetzt habe ich X Beziehungen gehabt, es funktioniert einfach nicht, ich lasse es bleiben.“

Also, was tun? Um die Anzahl zu erhöhen, aus dem eng gesteckten Altersrahmen ausbrechen? Nein, keine so tolle Idee. Das hat zwar schon immer gegolten, aber in der modernen Zeit gilt es mehr den je: Wenn der Altersunterschied zu groß ist, verursacht das Probleme. Schon neun oder zehn Jahre können eine komplett andere Generation sein. Man ist völlig anders aufgewachsen und oft fällt es gerade dem jüngeren Partner schwer, für den älteren Verständnis aufzubringen. Da spielt nämlich noch etwas mit: der ältere Partner (vor allem wenn der Altersunterschied recht groß ist) bringt mehr Lebenserfahrung mit, was der jüngere oft nicht nachvollziehen kann. Die Entscheidungen des älteren sind oft geprägt von vielfältig gemachten Erfahrungen, während der jüngere „einfach mal ausprobieren“ möchte. Nun ist „einfach mal ausprobieren“ per se nichts schlechtes, aber auch hier schlägt die fortgeschrittene Erfahrung zu: Manche Sachen möchte man nicht „einfach mal ausprobieren“, vielleicht weil man sich erinnert, was für ein Kampf das Ausprobieren das letzte Mal war und man froh ist, dass es vorbei ist. Jüngere Partner neigen dazu, so genannte „Herausforderungen“ übertrieben positiv zu sehen und dass sie was bringen können, selbst wenn es schiefgeht. Der erfahrene Partner sieht, dass das einzig Positive der Umstand ist, dass er jetzt weiß, dass er sowas nie wieder machen möchte. Er hat seine Erfahrung schon.

Doch gemach – wie kann man überhaupt Frauen kennenlernen? So genannte „Flirtexperten“ raten einem dazu, immer und überall Ausschau zu halten und Frauen anzusprechen, selbst im Supermarkt oder bei einer sonstigen zufälligen Begegnung. Tolle Idee. Viele Menschen stehen beim Einkaufen unter einem gewissen Stress, die finden es bestimmt toll, von irgendeinem Typem angequatscht zu werden, wenn sie gerade darauf konzentriert sind, ihren Einkaufswagen mit Dingen anzufüllen, die auf ihrer Einkaufsliste stehen und am Schluss nichts vergessen ist.

Also Internet? Die Mitgliedschaft in Singleportalen, die angeblich gut sind, ist teuer. Richtig, richtig teuer. Und was kriegt man für sein Geld? Keine Ahnung. Zwar gibt es immer wieder Berichte von unabhängigen Testern, aber ganz ehrlich: In meinem ganzen Bekanntenkreis gibt es nicht eine einzige Person (egal welchen Geschlechts), die ihren Partner über eine kostenpflichtige Singlebörse kennengelernt hat.

Aber Rettung naht, es gibt ja auch noch die (nahezu) kostenlosen Singlebörsen. Und was bringen die? Na ja, zum Beispiel sowas:

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Und das ist die erste Nachricht überhaupt, die ich von „Samanta“ bekommen habe. Also, aus meinem Profil und einer kurzen Nachricht von mir weiß „Samanta“ schon, dass sie ihren Traummann in mir gefunden hat und sogar ihre Mama findet mich toll? Was ich da ausgeschwärzt habe, ist übrigens die Webseite eines kostenpflichtigen Singleportals. Und das ist die Masche, auf die man hier häufig trifft, der Versuch, die Singles zu einem Zahlportal zu ziehen. Tatsächlich war das Profil von „Samanta“ schon gelöscht, als ich die Nachricht überhaupt erstmal gelesen habe (ich sitze nicht pausenlos vor dem Computer, weil ich denke, dass ja Nachts um 4:12 Uhr die Nachricht von meiner Traumfrau kommen könnte). Und ich frage mich: Gibt es tatsächlich Männer, die auf einen so plumpen Trick reinfallen?

Nun mag der eine oder die andere sagen, hey, mit solchen Leuten muss man da rechnen, aber man darf nicht aufgeben! Okay, versuch ich es nochmal: Hallo, Andrea!

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Na, aber das tu ich doch gern, wenn man schon so freundlich angeschrieben wird. Ich schreibe ihr also noch eine Nachricht mit ein paar Dingen über mich und frage sie etwas zu den Hobbies in ihrem Profil. Ihre Antwort:

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Der geneigte Leser möge nun bei folgendem Ratespiel mitmachen: Was ist es wohl, das ich da zwischen den Smileys quasi zensiert habe?

  1. Ein Kompliment über meine sexuelle Leistungsfähigkeit.
  2. Ihre Mama findet mich toll.
  3. Ort und Zeit, wann und wo wir uns treffen sollen.
  4. Die URL eines kostenpflichtigen Singleportals und ihren angeblichen Benutzernamen dort

Wenn der geneigte Leser 1, 2 oder 3 als Antwort favorisiert, hat er wohl immer noch nicht verstanden, worum es in diesem Artikel geht. 4 ist natürlich richtig. Ich habe keine genaue Statistik geführt, aber ich schätze, dass 98 % aller Antworten, die ich bekommen habe, so oder so ähnlich aussehen.

Bei einem anderen Singleportal, wo nur die erste Nachricht kostenlos verschickt werden konnte (und schon die Antwortmöglichkeit musste mit Geld freigeschaltet werden), bekam ich immer wieder Nachrichten von Frauen, bei denen ich feststellte, dass unterschiedliche Frauen total identische Nachrichten schrieben, sogar mit den gleichen Rechtschreibfehlern. Da draußen betreibt also jemand einen gewissen Aufwand, um Singles das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Das alles frustriert. Auf „herkömmlichen“ Weg funktioniert es nicht, im Internet funktioniert es nicht, und alles das kommt mir in den Sinn, wann immer ein Politiker seine Visage in eine Kamera hält und über die Singles als ganzes herzieht oder so grandiose Vorschläge macht wie die Bertelsmann-Stiftung. Es herrscht der Irrglaube, dass man einfach mehr Druck machen muss auf die Singles. Für manche sind wir aber auch einfach der Buhmann und dienen dazu, dass Familienmenschen sich überlegen fühlen können. Dass „die Singles“ keine heterogene Gruppe sind – geschenkt. Darüber denkt man nicht von 12 Uhr bis zum Mittagsläuten. Komischerweise verteufeln etliche Politiker das Internet, weil man seine Meinung da äußern kann, indem man sich hinter einem Pseudonym versteckt. Dabei verstecken sich doch gerade Politiker gern hinter solchen „Studien“, he, da ist ein Missstand, seht her, ich trete dafür ein, dass man diesen Missstand beseitigt. Ja, das tu ich wohl! Ich bin der Robin Hood der Familienpolitik und verteidige die Familien gegen den Single-Sheriff von Nottingham. Der war mir schon immer suspekt.

Kalt ist’s im Skriptorium, der Daumen schmerzt mich. Ich gehe und hinterlasse dieses Schreiben, ich weiß nicht, für wen, ich weiß auch nicht mehr, worüber.

Umberto Eco: „Der Name der Rose“

Und was soll jetzt dieser Artikel? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Wie ich oben schrieb, geisterte die Idee schon lang in meinem Kopf herum, weil ich bei vielen Gelegenheiten diese Einseitigkeiten gesehen habe, jedes Mal, wenn „die Familie an sich“ über den grünen Klee gelobt wird, jedes Mal wenn Politiker oder so genannte „Politikwissenschaftler“ über Singles herziehen und so gar nicht verstehen wollen, wie komplex das Thema ist. Aber auf der anderen Seite: So ist es doch immer. Ich trage also wieder mal nichts Neues zum Thema bei. Aber wenigstens sind die Gedanken jetzt draußen. Vielleicht kann ich irgendwann nochmal auf das Thema zurückkommen, weil mir die Dinge etwas klarer geworden sind. Vielleicht auch nicht, vielleicht muss das Thema so chaotisch präsentiert werden, eben weil es so chaotisch ist, weil es eben nicht die eine Antwort gibt.

Da fällt mir etwas ein, dass mir im Zusammenhang mit dem Thema „unfreiwilliger Single“ passiert ist. Es handelt sich um eine Erfahrung, die mich etwas ratlos zurückließ, die aber auch in diesen chaotischen Komplex von Dingen gehört. Vor einigen Jahren war ich auf der Geburtstagsfeier eines Freundes. Dieser Freund nutzte die Feier, um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen (auf eine nachgerade unverschämt romantische und phantasievolle Weise mit einem im Überraschungs-Ei versteckten Ring; manche Männer legen die Latte für alle anderen verdammt hoch). Ich – zu dem Zeitpunkt mal wieder Single – saß mit ein paar Damen am Tisch, die hin und weg waren von dem Antrag. Eine der Damen meinte, mich aufmuntern zu müssen und meinte: „Komm, wir backen Dir symbolisch eine Frau, dann findest Du auch eine! Welche ‚Zutaten‘ soll denn Deine Partnerin haben? Wie soll sie sein, was für Eigenschaften soll sie haben?“ Ich grübelte kurz und meinte dann: „Na ja, ich mag es, wenn die Frau komplett ist – also mit Hirn!“ Weit aufgerissene Augen starren mich entsetzt an, und dann sagt sie (eine Frau!) zu mir: „Also, damit schränkst Du Deine Auswahlmöglichkeiten aber ganz schön ein…“

Äh… wie bitte?