CSI: Ein Blick auf die vergangenen Wochen

Nachdem ich in letzter Zeit nicht so ganz bereit war, meine Rezensionen über die „CSI“-Serien fortzusetzen, folgt heute mal ein längerer Überblick. Habe ich eigentlich schon erwähnt, warum ich mit der Serie „Crossing Jordan“ nie so richtig warm geworden bin? Weil „Crossing Jordan“ ein Konzept ist, das „auch eine Krimi-Serie“ ist. Die Betonung liegt dabei auf dem „auch“, denn der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig bei den Figuren, ihrem Privatleben, ihren Problemen. Die Krimihandlung ist dabei eben „auch“ mit dabei. Natürlich ist es nicht so, dass „CSI“ (ganz besonders „CSI: Miami“) gar keinen Wert auf den Hintergrund der Charaktere und ihr Leben legt. Aber die Mischung war für meinen Geschmack besser getroffen. Es ist eben eine moderne Krimiserie, und der „Krimi“ steht eigentlich im Vordergrund.

Haben Sie’s gemerkt? Ich habe in dem letzten Satz eine Einschränkung gemacht, indem ich das Wort „eigentlich“ benutzte. Denn damit möchte ich schon auf das zu sprechen kommen, was mir bei allen drei „CSI“-Serien in den letzten Wochen aufgefallen ist, das Gleichgewicht scheint sich mehr hin zum „persönlichen Drama“ á la „Crossing Jordan“ zu verschieben.

Beginnen wir mit „CSI“: Die Beziehung zwischen Grissom und Sarah Sidle läuft eigentlich genau so ab, wie man sie sich bei einem Mann von Gils Kaliber vorstellen würde. Doch anderswo geht es Schlag auf Schlag, und das in des Wortes wahrster Bedeutung: Nachdem in der vorigen Staffel Jim Brass angeschossen wurde, gerät Greg Sanders in eine Gruppe, die gerade einen Mann zusammenschlägt. Er greift ein und überfährt einen der Schläger mit seinem Dienstwagen, wird selbst krankenhausreif geprügelt, kommt vor Gericht und wird schließlich von der Familie des Schlägers, den er überfahren, verklagt. Gil Grissom nimmt eine Auszeit, für ihn kommt ein zeitweiser Ersatz: Michael Keppler. Doch der scheint ein schwerwiegendes Problem zu haben, da er ab und zu Stimmen hört… Nicht zu vergessen der Fall des „Miniaturenmörders“, der sich über mehrere der bisher ausgestrahlten Folgen hinzog und – da die Staffel im deutschen Fernsehen noch nicht vollständig gelaufen ist – noch eine Überraschung parat hält.

In „CSI: Miami“ geht es noch etwas mehr zur Sache mit dem Persönlichen: Nachdem Horatios Caines Frau in der letzten Folge der vorigen Staffel ermordet wurde, fliegen er und Eric Delko nach Brasilien, wo Caines Bruder stirbt. Natalia Boavista, die „Neue“, erleidet gleich mehrere Schicksalsschläge: Ihr Mann, von dem sie sich trennte, da er sie geschlagen hat, kommt nach Miami und verdingt sich als „Tatort-Reiniger“, was bedeutet, dass sie beruflich mit ihm häufiger zu tun hat; als sie einmal kurz ausflippt und ihn von sich wegstößt, erwirkt er eine Verfügung gegen sie, wonach sie sich ihm nicht mehr nähern darf (und sich damit von jedem Tatort, an den er auch kommt, entfernen muss), dann wird ihre Schwester entführt und letztlich wird sie fälschlicherweise des Mordes an ihrem Ex-Mann beschuldigt. Eric Delko ist auch nicht besser dran: Er fällt auf den Trick eines Betrügerpärchens rein, im Glauben, eine Frau vor ihrem prügelnden Mann zu beschützen, schlägt er jenen nieder und wird angezeigt. Da er keine Möglichkeit sieht, gegen die Sache vorzugehen, gibt er klein bei und zahlt eine gewaltige Strafe. Und als wäre das und der Verlust seiner Schwester (Caines Frau) nicht genug, wird er auch noch angeschossen, überlebt schwer verletzt, aber mit einer Amnesie: er weiß nicht mehr, dass seine Schwester tot ist.

War es da bei „CSI: NY“ ruhiger? Nein. Mac Taylors Beziehung mit Peyton Driscoll wird auf eine harte Probe gestellt, da Mac diese lieber geheimhalten möchte und der Sohn seiner toten Frau, den sie zur Adoption freigegeben hatte, taucht unerwartet auf. Sheldon Hawkes muss sich mit seiner Vergangenheit konfrontieren und wir erfahren, dass er ein begabter Chirurg war, der durch den Tod von zwei Patienten in die Pathologie wechselte; außerdem wird er fälschlich eines Mordes bezichtigt, weil der wahre Anstifter den Tatort entsprechend manipuliert hat. Don Flack muss – nach einer Episode in einer früheren Staffel – bereits zum zweiten Mal einen Kollegen aus dem Revier eines Verbrechens überführen. Zarte Gefühle zeichnen sich auch zwischen Danny Messer und Lindsay Monroe ab, doch letztere schreckt zurück. Der Grund wird klar, als sie einen Anruf erhält, dass sie zurück nach Montana kommen soll: Sie muss dort vor Gericht gegen einen Mann aussagen, der vor Jahren ein Massaker angerichtet hat, bei dem sie die einzige Überlebende war. Stella Bonsera schneidet sich an einem Tatort mit einer Scherbe, die mit dem Blut eines an Aids erkrankten Mordopfers bedeckt war. Die Furcht davor, sich angesteckt zu haben, beherrscht sie fortan.

Bilde ich mir das ein, oder waren die dramatischen Momente in früheren Staffel etwas dezenter gesetzt? Ich meine, nichts gegen gut geschriebene Charaktere, ihre Hintergrundgeschichte und ihre Entwicklung – aber das wird ja langsam schon ein wenig viel. Und das, was ich beschrieben habe, betrifft „nur“ die Charaktere selber und hat eigentlich mit den Krimi-Handlungen nur am Rande zu tun. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass von allen drei Serien die Staffeln noch nicht vollständig ausgestrahlt wurden, es fehlen also noch einige Episoden (etwas weniger als die Hälfte der Staffel). Was mir vor allen Dingen negativ auffällt, ist die nicht gerade neue und fast schon inflationär benutzte Idee, Hauptfiguren in eine Situation zu bringen, in denen sie fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigt werden. Bei „CSI“ musste das in ähnlicher Weise schon Nick Stokes über sich ergehen lassen, nun haben beide anderen Serien nachgezogen. Und stets war die Konstellation die, das sich ein übereifriger Ermittler fand, dem es eine persönliche Freude zu sein schien, den Beschuldigten in die Pfanne zu hauen, während nur die Kollegen an dessen Unschuld glauben und letztlich die Wahrheit herausfinden.

Aber ich möchte nicht nur negative Kritik loswerden – alle drei Serien haben trotzdem ihre Stärken behalten und spannende Episoden. Mein persönlicher Höhepunkt aller drei Serien der derzeitigen Staffel ist allerdings bisher immer noch die Folge „Wachet auf“, die ich hier beschrieben habe. Allerdings bin ich bei „CSI: Miami“ gespannt, wie es jetzt weitergehen soll, denn die Episode, in der Eric Delko angeschossen wurde, wirkte schon so ein wenig wie ein Staffel-Finale.

Übrigens sind natürlich auch die „CSI“-Serien von dem Autorenstreik, der zurzeit in den USA herrscht, betroffen. Es kann also sein, dass die jeweils nächsten Staffeln, die in Deutschland Ende 2008 / Anfang 2009 ausgestrahlt werden sollen um einige Episoden gekürzt sind.

Einfache Lösungen für sehr komplizierte Probleme

„Es gibt keine einfachen Lösungen für sehr komplizierte Probleme. Man muss den Faden geduldig entwirren, damit er nicht reißt.“

Hartzlich willkommen im Jahr 2008 – und immer schön Kopf hoch! Eigentlich sollte es in diesem Beitrag relativ neutral um das Zitat gehen, das ich oben angestellt habe. Es kam dann aber anders. Was hat es damit auf sich? Nachdem das Jahr 2007 für mich persönlich und für das Phantastische Projekt nicht so gut gelaufen ist, hatte ich beschlossen, alle Arbeit ab November bis zum Jahresende erst einmal einzustellen. Das mag nun töricht klingen, aber ich wollte mit dem Jahreswechsel so eine Art neuen Startpunkt setzen (meine Gedanken dazu habe ich in dem Beitrag „Gedanken auf dem Friedhof – Anfang und Ende…“ zusammengefasst). Passend dazu kam das Motto, das ich schon früher im Jahr gefunden hatte, das war eben der Spruch über die einfachen Lösungen, den ich als Kalenderspruch für 2008 verwendete.

Und nun ist das Jahr 2008 gerade mal sieben Tage alt, und schon beginnt der Spruch sich auf das Grausamste zu bewahrheiten. Ich werde das in diesem Beitrag darlegen und am Ende sogar einen Lösungsvorschlag bringen, der so genial ist, dass ich dafür mit Preisen überhäuft werden sollte – aber dazu später, ganz am Ende.

Während ich noch Ideen für diesen Beitrag sammelte, brachte RTL am 2. Januar die erste Episode einer neuen so genannten „Doku-Soap“ mit dem Titel „Der Arbeitsbeschaffer“. Darin sollte die Arbeit eines Menschen gezeigt werden, der Leuten, die lange Zeit ohne feste Anstellung waren, eine ebensolche wieder beschafft. Gezeigt wurde allerdings ein lebendes Klischee, nicht in Form des „Arbeitsbeschaffers“, sondern mehr in Form der Familie, die er mit seinem Wirken beehrte. 2000 Euro hätte diese monatlich zur Verfügung – einfach so, ohne Arbeit. Dann wurde gezeigt, wie der Arbeitsbeschaffer ans Werk ging und mal kräftig aufräumte. Komischerweise übersah er es, dem arbeitssuchenden Familienvater eine kleine Lektion in Sachen „Vorstellungsgespräch“ zu geben, so dass dieser unpassend gekleidet dort aufkreuzte. Aber der Beschaffer legte sich ins Zeug, zuerst verschaffte er der Tochter eine Ausbildungsstelle am Wohnort, dann der Mutter eine Stelle bei einer Spielothek – und zuletzt dem Vater eine Stelle,… die nur 100 Kilometer Luftlinie vom Wohnort der Familie entfernt war. Und kein Problem, man könne ja umziehen, zahlt alles die Arbeitsagentur. Auf dem Widerspruch, dass es sich weder der Vater noch die Mutter von den Gehältern leisten könnten, jeden Tag über 200 Kilometer zu pendeln, wird nicht eingegangen. Stattdessen wird die Weigerung des Vaters, diese Arbeitsstelle anzutreten, dazu benutzt, um das Klischee vom arbeitsscheuen Arbeitslosen zu bedienen.

Es ist schlimm genug, wenn Menschen derart in der Öffentlichkeit vorgeführt werden. Doch ausgerechnet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verdingt sich in der Sache als Jubelperser für RTL: „‚Nu aber‘-Beratung im Plattenbau„, so der Titel einer Kritik zu der Sendung, respektive, es handelt sich um eine Lobpreisung der Sendung, die, so der Autor des Beitrags, endlich mal mit dem Tabu bricht, man dürfe über Arme nichts Schlechtes sagen. Wurde aber auch verdammt Zeit, ich wollte schon lange mal was Schlechtes über Arme sagen und durfte nie. – Geht’s noch? Der Beitrag lässt jede Distanz vermissen und nimmt alles, was dort auf dem Schirm zu sehen ist, für bare Münze. Dass das fürs Fernsehen aufbereitet sein könnte, darauf kommt der Autor nicht. Er schlägt in die gleiche Kerbe wie die Sendung selbst, die man sehr gut dazu gebrauchen kann, sich selbst zu erhöhen, indem man auf andere herabschaut. Sehr her, so bin ich ja nicht. Dazu kann man nur den Philosophen Thomas Hobbes zitieren, der schon früh erkannte: „Alle Herzensfreude und alle Heiterkeit beruhen darauf, dass man Menschen habe, im Vergleich zu denen man hoch von sich denken kann.“ Eine sehr schöne Betrachtung zu dem „Spiegel“-Artikel steht im BatzLog unter dem Titel „Hartz Hunter Reloaded„, denn hier schreibt jemand, der selbst einmal an der Erstellung ähnlicher Fernsehformate beteiligt war – und der kann so einiges über deren Wahrheitsgehalt wiedergeben.

Und schon sind wir mitten im Thema der „einfachen Lösungen“, denn wenn man die Diskussion verfolgt, die zu dem Artikel auf Spiegel Online läuft, bekommt man diese Reihenweise um die Ohren geschlagen: Jeder könne in Deutschland Arbeit kriegen, man müsse nur wollen. Soll man denen doch die „Stütze“ streichen, komplett. So einfach ist das. Ein Beitragsschreiber versteigt sich sogar, nach Irland zu verweisen, wo faktisch Vollbeschäftigung herrscht. Der Grund? In Irland bekommt niemand mehr als 750 Euro im Monat, wenn er arbeitslos ist. Das müsse man einfach nur in Deutschland einführen, dann gehe es auch bei uns wieder bergauf. Den Arbeitslosen geht es bei uns doch viel zu gut.

Es gibt wenige Dinge, die komplizierter sind als der Arbeitsmarkt. Ist es denn in Irland so einfach gewesen? Nein, natürlich nicht. In Irland spielten ganz andere Faktoren eine Rolle. Es wurden ausländische Unternehmen mit niedrigen Steuern angelockt, der EU-Binnenmarkt als Absatzchance genutzt, außerdem sieht die Demografie in Irland ganz anders aus, denn dort hatte bis Anfang der 1980er Jahre jede Irin im Schnitt 3 (!) Kinder. Damit konnten die Sozialsysteme viel besser finanziert werden. Der Rückgang der Geburten seither wird im Moment noch kompensiert und ist für den Arbeitsmarkt eher gut, zumindest im Moment. Gleichzeitig wurde ein Bündnis zwischen Gewerkschaften und Staat gebaut: der Staat senkte die Steuern, dafür verpflichteten sich die Gewerkschaften für Lohnzurückhaltung. Das Resultat: trotz nur moderater Steigerung der Löhne hatten die Arbeiter mehr in der Tasche (die durchschnittliche Steuerlast eines unverheirateten Arbeiters sank um etwa 20 Prozentpunkte). Und als der Aufschwung kam, stiegen die Nettolöhne innerhalb von 6 Jahren um 42 Prozent, obwohl der Tarifabschluss in der gleichen Zeit nur insgesamt 16 Prozent mehr hergab. [Wer sich genauer informieren will, hier gibt es einen interessanten Berich: „Irland – Das keltische Wirtschaftswunder„]

Diese Informationen hätte jeder finden können. Mal ganz davon abgesehen, dass man sich denken kann, dass eine so einfache Lösung wie „wir pressen Hartz IV auf maximal 750 Euro“ nicht der Komplexität des Arbeitsmarktes gerecht wird. Aber wie wir an den Spiegel-Artikel sehen, ist nicht nur der „gemeine Bundesbürger“ vom Virus der Einfachheit befallen, sondern auch so genannte „Qualitäts-Journalisten“, die es eigentlich besser wissen müssten – wissen könnten, denn immerhin habe sie doch mal gelernt, wie man richtig Recherche betreibt.
Bleiben wir doch gerade mal beim „Spiegel“. In einem schönen Rückblick auf das Jahr 2007 im Rahmen des „Scheibenwischer“, der Satire-Sendung der ARD, nimmt auch Hagen Rether das Nachrichtenmagazin aufs Korn. Seine Rede kann man bei „Boje online“ komplett anschauen: „Komplett Paranoid – Spalten statt versöhnen„. Ihm fällt auf, wie der „Spiegel“ immer dringlicher vor der Gefahr des „Islam“ warnt – des „Islam“ wohlgemerkt, nicht des „Islamismus“. Die ganze Religion wird aufgrund einiger Fundamentalisten in Sippenhaft genommen. Und er empfiehlt Günter Wallraff, der den Plan hatte, die „Satanischen Verse“ in einer Moschee vorzulesen, doch stattdessen lieber „Das Leben des Brian“ im Kölner Dom vorzuführen, wenn er unbedingt mit Fundamentalisten in Kontakt kommen möchte. Übrigens, ganz interessant in dem Zusammenhang ist ein Satz, der in dem „Spiegel“-Artikel über die Arbeitsbeschaffer-Doku-Soap steht: die Doku-Soaps, ganz besonders die „Super-Nanny“, so lesen wir mit erstaunten Blick, seien (Zitat) „auf Augenhöhe mit der gesellschaftlichen Desintegration – ganz anders etwa als das ach so kritische linke Kabarett eines Urban Priol oder Hagen Rether, das ressentimentgeladen vor sich hin klimpert.“ Der Hinweis hat in dem Artikel eigentlich nichts verloren, das eine sind Doku-Soaps, das andere Satire; Äpfel und Birnen – ob da wohl jemand eingeschnappt ist?

In seiner aktuellen Ausgabe haut ausgerechnet das Nachrichtenmagazin noch tiefer in die Kerbe des Populisms und verdingt sich als Steigbügelhalter des wahlkämpfenden Roland Koch: „Junge Männer: Die gefährlichste Spezies der Welt“, die durch eine „Migration der Gewalt“ zu uns kämen. Sehr schöne Kommentare dazu gibt es bei Chat Atkins (kurz, aber auf den Punkt!) und bei Feynsinn. Und wie man die Angst von den Ausländern so richtig schürt, hat ja die Bild-Zeitung vorgemacht, wie das BILDBlog berichtet.

Und das Resultat?

Einfache Lösungen für komplexe Probleme. Roland Koch hat es in seinem Wahlkampf als Paradebeispiel vorgemacht. Nicht nur, dass er ein Thema erhebt, von dem nicht ganz klar ist, ob es überhaupt ein Thema ist (die Statistiken sprechen nämlich keine eindeutige Sprache, was die Zu- oder Abnahme von Straftaten krimineller Ausländer betrifft – Update: das BILDBlog nimmt hierzu auch den „Report über kriminelle Ausländer“ auseinander: „Alle Kriminellen sind Ausländer, fast überall„, und auch der Blick, den die Tagesschau auf die Statistik wirft, bringt weniger Sensationelles denn Ernüchterndes zutage: tagesschau.de), er präsentiert auch noch die berühmte einfache Lösung: Das Jugendstrafrecht verschärfen (denn das Strafrecht für ausländische Jugendliche darf ja nun mal nicht explizit verschärft werden, wenn schon, dann trifft es alle). Problem gelöst. Hurra. Juhu. Wäre ja auch viel zu kompliziert, sich damit zu beschäftigen, warum Jugendliche zu Straftätern werden. Und noch komplizierter, auf dieser Basis eine Lösung zu erarbeiten. Und das Allerkomplizierteste wäre es, das den Wählern in maximal fünf Sätzen zu erklären. Also doch lieber Parolen, die mich sehr stark an die Schlussworte des satirischen Sketches „Der Tschusch“ von Lukas Resitarits erinnern: „Ausländer raus – aus [dem Inland*]! Ausländer raus – aus Europa! Ausländer raus… aus dem Ausland!“ Und da haben wir ein schwerwiegendes Problem: Solchen Parolen folgt meist sehr schnell der Ruf nach einem „starken Mann“ in der Politik.

In der „Süddeutschen Zeitung“ erschien zum Thema ein Kommentar zum Thema des verschärften Jugendstrafrechts, in dem darauf aufmerksam gemacht wird, dass das Jugendstrafrecht bereits vorbildlich sei, aber dass auch und gerade in Hessen die Mittel zur Durchführung dieses Strafrechts zusammengestrichen wurden. Mit anderen Worten: Koch macht die adäquate Anwendung geltenden Rechts schwierig bis fast nicht möglich – und fordert daher ein schärferes. Eine Logik, die nicht einleuchtet (mehr dazu hier).

So, nun haben wir schon ein großes Stück dieses Knäuels entwirrt. Tatsächlich, wie der Spruch sagt, den ich an den Anfang stellt, muss man den Faden geduldig entwirren. Sonst reißt er. Leider geben sich sehr viele Menschen damit zufrieden, die einfachen Lösungen zu hören. In der Diskussion zu dem Kommentar in der „Süddeutschen“ beispielsweise beruft sich ein Diskussionsteilnehmer mit einem Gegenargument ausgerechnet auf die Bild-Zeitung, deren Zahlen das BILDBlog (Link siehe weiter oben) schon widerlegt hat. Aber ist das denn immer so? Nein. Scheinbar handelt es sich um ein selektives Phänomen, denn ich habe auch Gegenbeispiele ausgemacht, die aber deswegen nicht unbedingt positiv sein müssen. Mehr oder weniger Zufällig stieß ich auf eine Blogdiskussion um das Nichtraucher-Schutzgesetz. Und wo sonst die Affinität zu einfachen Lösungen vorhanden war, war hier das exakte Gegenteil der Fall. Alles, was als Argument für einen Nichtraucher-Schutz gebraucht wurde, wurde zutiefst in Zweifel gezogen und teilweise negiert, zum Beispiel den Zusammenhang zwischen einem erhöhten Krebsrisiko und dem Rauchen. Teilweise erschienen mir die Argumente geradezu grotesk, als es zum Beispiel hieß, die Sozialkassen würden es ja gar nicht aushalten, wenn alle auf einmal mit dem Rauchen aufhörten, weil die ehemaligen Raucher dann eine höhere Lebenserwartung hätten und somit länger Rente beziehen würden (und in der längeren Zeit auch mehr den Krankenkassen auf der Tasche lägen). Anstatt zu vereinfachen wurde hier das Hinterfragen auf die Spitze getrieben und Argumente am Haar herbei gezogen, das niemals dünner war**. In Schopenhauer’sche Höhen glitt die Diskussion schließlich ab, als einem Nichtraucher mitgeteilt wurde, „Du verstehst es nicht und wirst es nie verstehen“ – nämlich, warum Rauchen ein Genuss sei.

Puh – so langsam nähern wir uns dem Kern des Knäuels, denn gerade ist ein wichtiger Name gefallen: Schopenhauer, genauer gesagt, Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), Philosoph und Verfasser etlicher Werke über die Menschen und ihren Umgang miteinander. Dazu gehört eine Schrift, die den Titel „Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten“ trägt. Gleich im ersten Satz stellt Schopenhauer klar, was „Eristische Dialektik“ ist, nämlich die Kunst, so zu diskutieren, dass man am Ende Recht behält, ganz egal, ob man wirklich Recht hat oder nicht. Einer meiner beiden Lieblingsautoren mit dem Namen „Adams“, nämlich Douglas Adams, umschreibt das in einem seiner Bücher sehr schön mit „einem (…) Esel alle vier Beine wegdiskutieren“. Schopenhauer zeigt in seiner Schrift 38 Kunstgriffe, mit denen man jede Diskussion gewinnen könne, und hier treffen alle Fäden, die ich versucht habe, mit diesem Beitrag zu entwirren, aufeinander. Denn daran kranken viele Diskussionen, die derzeit geführt werden: jeder will uneingeschränkt Recht behalten. Gerade Politiker – und im verstärkten Maße auch Journalisten – scheinen die Eristik mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Einen Politiker ernsthaft zuzuhören, ist sehr anstrengend, vor allem, wenn jener so tut, als würde er eine Frage beantworten. Auf Argumente der Gegenseite wird nicht oder nur verfälscht eingegangen, indem dem Gegner einfach Aussagen unterstellt werden, die man bequem widerlegen kann oder die Argumente vereinfacht – Kuckuck, da sind wir wieder. Und Recht geben kann man dem Gegner schon gleich gar nicht, denn das könnte einem ja als Schwäche unterstellt werden. Ein Meister der Eristik ist übrigens Wolfgang Schäuble. Frech behauptete der, die Vorratsdatenspeicherung habe zur Ermittlung zweier Gewalttäter geführt, die in der Münchner U-Bahn einen Mann zusammenschlagen hatten – dabei war das Gesetz zu dem Zeitpunkt noch gar nicht Kraft. Er ist also zum rechten Zeitpunkt auf den „Gewaltkriminalitätszug“ aufgesprungen, den sein Kollege Koch in Hessen eiligst aus dem Bahnhof gewunken hatte. Genauso frech drehte Schäuble eine Demonstration gegen seine Datensammelwut bei einer Parteiveranstaltung argumentativ um, indem er den Besuchern der Veranstaltung versprach, sie können trotz der Demonstration sicher nach Hause gehen, weil ja so viele Polizisten da seien und sie beschützten (siehe Artikel bei Heise Online).

Das Problem ist also ein grundlegendes, das besonders zu Wahlkampfzeiten noch verstärkt wird (siehe Beispiel Koch). Was kann man dagegen tun? Natürlich gibt es dafür auch keine einfache Lösung, auch wenn man sie in einem vermeintlich einfachen Satz zusammenfassen kann: die graue Masse benutzen, die sich im Innern der Schädelhöhle verbirgt und die man gemeinhin „Gehirn“ nennt. Und man kann sie sehr gut benutzen. Zum Beispiel, indem man versucht, durch die Strukturen zu blicken und sich nicht mit einfachen Lösungen, die irgendjemand vorschlägt, zufrieden gibt. Oder zum Beispiel, indem man bessere Diskussionen führt. Harte Diskussionen und Streitgespräche sind gut und notwendig, aber sie müssen sachlich bleiben und dürfen nicht persönlich werden. Vor allen Dingen: Vereinfachungen vermeiden. Das ist sehr schwer, das weiß ich aus eigener Erfahrung, aber nur so kann das letztliche Ergebnis einigermaßen vernünftig werden. Beispielsweise war in den letzten Tagen mal wieder die Diskussion „Journalisten contra Blogger“ losgebrochen (von mir hier kurz angeschnitten). Hier könnte man beispielsweise beginnen, indem man eines ein für allemal festlegt: Es gibt nicht „die Journalisten“ und es gibt nicht „die Blogger“. Damit wäre eine Vereinfachung schon mal ausgeräumt. Vielleicht kann man von da aus ja weitermachen.

Das Leben ist nun mal kompliziert. Woher aber kommt dann dieser Hang, ja, diese Sehnsucht nach einfachen Lösungen? Die ist leider eine Nebenwirkung unserer Intelligenz. Wenn wir vor einem Problem stehen, fängt es in unserem Gehirn an zu arbeiten. Es wird eine ganze Menge von Lösungsmöglichkeiten erarbeitet, gegeneinander abgewogen, schließlich wird aus bestimmten Gründen eine Lösung ausgewählt, die mit äußeren Eindrücken übereinzustimmen scheint. Diese eine Lösung wird dann im Gedächtnis verankert. Dieses Verankern löst eine Ausschüttung von Dopaminen aus, die ein inneres Glücksgefühl erzeugen. Heurka!, ruft unsere innere Stimme, Ich habe es erkannt!

Dummerweise ist der Mensch in der Lage, dieses eigentlich recht funktionale System auszuhebeln. Anstatt sich lange mit dem Abwägungsprozess aufzuhalten, nehmen Menschen gerne die Abkürzung, denn um die Dopamin-Ausschüttung auszulösen, reicht es bereits, zu glauben, man habe die richtige Lösung gefunden. Warum also sich lange mit Nachdenken aufhalten?

Jugendstrafrecht verschärfen, um Jugendkriminalität einzudämmen. Ist ja klar, Strafe schreckt ab. [Zisch! Die Dopamin-Ausschüttung beginnt!] Aaaahhhh… nicht mehr nachdenken, ich habe es ja bereits erkannt.

Ja, selbst die Tatsache, in einer Diskussion zu gewinnen (oder das Gefühl zu haben, man hätte gewonnen), egal, ob man nun in der Sache Recht hat oder nicht, führt zu der Dopamin-Ausschüttung. Das erklärt die Härte, mit der manche Diskussionen geführt werden, denn keiner will um das Gefühl des Glücksrauschs des Sieges beraubt werden.

Erschreckenderweise ist dem Gehirn, wenn es um seine Dopamin-Droge geht, kein Argument zu dumm. Und gerade wenn man einen Schuldigen hat, läuft der Mechanismus besonders gut. Daher funktionieren solche plumpen Vereinfachungen wie „Arbeitslose wollen nicht arbeiten“, „Ausländer sind kriminell“ oder „Wer nichts zu verbergen hat, braucht vor der Vorratsdatenspeicherung keine Angst haben“ so wunderbar gut, genauso wie „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, damit verbunden ist natürlich das Gefühl, man selbst stehe auf der „richtigen“ Seite. Mit komplizierteren Gegenargumenten gibt man sich da nicht so gern ab. Ausgerechnet das System, das uns die Evolution geschenkt hat, damit wir besser lernen können, hält uns vom Lernen ab. Das müssen wir im Kopf behalten. Denn es gibt keine einfachen Lösungen…

Ach ja, man erwartet von mir ja noch eine Lösung, wie ich sie oben angekündigt habe. Nun, ich habe hier die Patentlösung schlechthin, wie man die Arbeitslosigkeit in Deutschland abschaffen kann. Die Lösung lautet:

Die Firmen in Deutschland müssen einfach mehr Leute einstellen!

Applaus! [Zisch! Die Dopamin-Ausschüttung beginnt!] Aaaahh… ich bin ja so genial. Und es ist so… herrlich einfach.

* = Anmerkung: Der Originaltext von Lukas Resitarits lautet „Ausländer raus – aus Österreich!“, was natürlich damit zusammenhängt, dass Resitarits Österreicher ist und in dem Sketch Ausländerfeindlichkeit in Wien verarbeitet. Ich habe mir erlaubt, den Text ein wenig zu ändern, damit er zur Situation passt.

** = Zitat aus dem Lied „Die Geschichte“ von der EAV.

2008 – ganz neu

Manche wünschten sich heute um Mitternacht ein „frohes neues Jahr 1984“, im Hinblick auf schäuble’sche Begehrlichkeiten und die Vorratsdatenspeicherung, die ab dem Zeitpunkt galt. 2008 verspricht, interessant zu werden.

Gern wird Silvester / Neujahr von einigen Menschen für eine totale Zäsur genommen. Ab sofort wird dies und das sein. Bei vielen manifestiert sich das in Form von „guten Vorsätzen“, die zu „guten Fortsätzen“ mutieren, sich entzünden und schließlich operativ entfernt werden [ein Medizinerwitz: Wurmfortsatz = das, was der Laie als „Blinddarm“ bezeichnet, was aber nicht ganz korrekt ist, würde an dieser Stelle aber zu weit führen, also lassen wir’s]. Das völlig Trennen von „Vergangenheit“ und „Gegenwart“ hilft allerdings nicht weiter. Es geht nicht darum, weiterzugehen und die Tür hinter sich zu verriegeln, damit die Vergangenheit wegbleibt. Man muss mit ihr abschließen – und „abschließen“ ist etwas anderes als „verschließen“. Damit die Vergangenheit nicht das Monster ist, das ständig an der verschlossenen Tür kratzt, sondern vielmehr, dass sie den Boden bildet, auf dem wir in der Gegenwart in die Zukunft gehen können.

A propros „Zukunft“ – an diesem Tag ist es üblich, sich Ausblicken für 2008 zu widmen. Einer von meinen beiden Lieblingsautoren mit dem Nachnamen „Adams“ – nämlich Scott Adams – hat schon 1998 ein umfassendes Buch mit Zukunftsprognosen veröffentlicht: „Dilbert Future – Der ganz normale Wahnsinn geht weiter“. Natürlich handelt es sich dabei um Satire (wer Dilbert nicht kennt, kann ihn kennenlernen, indem er auf den „Dilbert-Button“ in der Seitenspalte dieses Blogs klickt), aber zwischen so genialen Kapiteln wie „Warum die Zukunft nicht so sein wird wie in Star Trek“ hat ein Abschnitt meine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. 2007 gab es nämlich in den Blogs unter anderem ein großes Thema: die (vermeintliche) Konfrontation zwischen Journalisten und Bloggern. Hochgekocht wurde das Thema unter anderem durch so provokante Artikel wie „Die neuen Idiotae“ der „Süddeutschen Zeitung“, in dem auf das Internet eingedroschen und die Blogger als „Querulanten und Freizeitaktivisten“ bezeichnet wurden. Entsprechend fielen die Reaktionen aus, wie man hier, hier, hier, hier und bei noch vielen, vielen anderen Bloggern nachlesen kann (ich entschuldige mich, dass ich nicht alle erwähnen kann, aber das würde den Rahmen sprengen – wer sich erwähnt sehen will, möge sich bitte bei den Kommentaren eintragen).

Scott Adams schrieb nun in „Dilbert Future“ einen Absatz über das Thema „Nachrichten in der Zukunft“. Sein Aufhänger war ein Erlebnis mit seiner Freundin, die beschlossen hatte, sich von allen Nachrichten abzukapseln, weil diese ihrer Meinung nach deprimierend und zum großen Teil ohne jeden Bezug zu ihrem Leben seien. Genau diesen Trend erkannte Adams nach diesem Erlebnis auch, nämlich dass vielfach nicht Dinge von Belang, sondern Dinge, die für die meisten von uns ohne Belang sind, ihren Weg in die Nachrichten fanden. Sein Paradebeispiel war der in den USA medientechnisch bis zum Umfallen ausgeschlachtete Prozess um O. J. Simpson. Nüchtern betrachtet war dieser Prozess eigentlich nichts anderes wie viele Prozesse, die in den USA tagtäglich stattfinden. Adams steigert sich (satirisch) in die Vorhersage, dass irgendwann, nur um gute Themen zu kriegen, die Journalisten anfangen werden, selbst Leute umzubringen. Dann werden sie geschnappt, eingesperrt – und das ist das Ende des traditionellen Journalismus. Und dann wird es – im Zusammenhang mit dem oben genannten Artikel der „Süddeutschen“ – wirklich interessant. Adams schreibt:

„Glücklicherweise wird das Ende der traditionellen journalistischen Berichterstattung uns den Zugang zu Informationen nicht verwehren. Dank der flächendeckend installierten Videokameras und dem Internet wird jeder Bürger zum Reporter. Wenn in Ihrer Nachbarschaft etwas passiert, nehmen Sie es auf, stellen es mit ein paar Kommentaren garniert ins Internet und machen es dadurch der ganzen Welt verfügbar. Sportberichte und Tabellen werden von Fans gemacht, die das liebend gerne umsonst tun. Wetterberichte werden vom Computer erzeugt und sind per PC, Pager, Voicemail und Dutzenden anderer Technologien jederzeit abrufbar. Damit wird die Ära der dezentralen Berichterstattung anbrechen. Prophezeiung: In der Zukunft wird jeder ein Reporter sein.

Adams weiter: „Die Leute werden auf ihren Rechnern Programme haben, die das Internet pausenlos nach für sie relevanten ’nebensächlichen‘ Nachrichten durchsuchen. Die Software wird rasch lernen, Berichte von Induviduos [Anmerkung: Adams-Terminus für „Idioten“] auszusieben, die wiederholt falsche Informationen ins Netz stellen. Sie werden zwar trotzdem noch relativ häufig erlogene und erfundene Storys erhalten, aber das ist heute ja auch nicht anders.“

Mal ganz davon abgesehen, dass diese Vorhersage vor 10 Jahren gemacht wurde, so ist es doch eine erfrischend andere Ansicht als das ewige „Journalisten contra Blogger“. Man wird das Bloggen nicht verhindern können, also warum nicht stattdessen eine Möglichkeit schaffen, dass man den Wahrheitsgehalt von Nachrichten wenigstens einigermaßen ermitteln kann. Adams nennt das den „Glaubwürdigkeits-Check“, eine Software, die den Inhalt von Nachrichten mit anderen Nachrichten abgleicht, um Unterschiede herauszufinden. Etwas ähnliches gibt es ja bereits, es heißt „Rivva„. Zwar wird da der Inhalt der Nachrichten nicht direkt verglichen, aber zu einem Thema werden verschiedene Quellen angegeben. Das Vergleichen muss der Leser noch selbst machen, aber hey! Wozu haben wir die graue Masse in unseren Köpfen?

In diesem Sinne, auf ein blog- und erfolgreiches Jahr 2008. Lest mal wieder…

Update: Das hab ich jetzt davon… prompt ist – von mir beim Schreiben des Beitrags leider unbemerkt – schon der erste Beitrag 2008 zum Thema „Journalisten contra Blogger“ aufgetaucht. Oder sollte man der Genauigkeit wegen sagen, der letzte Beitrag 2007, denn er wurde schon am 30.12.2007 veröffentlicht? Egal wie, es gibt ihn und es gibt eine Diskussion in verschiedenen Blogs darüber, deswegen sei hier darauf hingewiesen: „Der Fluch der Oberflächlichkeit“ schreibt Johannes Boie für jetzt.de. Dazu kommentieren F!XMBR („Potential verfehlt„), die Schnipseljagd („Anonymes Grundrauschen„), Deutschland-Debatte („Die Blog-Nabelschau„), Sargnagelschmiede („Digitaler Mob?„), Ringfahndung („Johannes Boie: Wo er Recht hat…„), Viralmythen („Verbale Störgeräusche, anonymisierende Bunker und virtuelle Schlägertrupps„) sowie Robert Basic („IntiBlogFada continues„), wobei letzterer sich darauf beschränkt, die Beiträge „Journalisten contra Blogger“ zu zählen und feststellt, dass vorgenannter Beitrag von Johannes Boie die Nr. 1 trägt.

Update 2: Ja, ist ja gut! Also, auch „Indiskretion Ehrensache“ wagt unter dem Titel „Die Trends des Jahres 2008 – Versuch einer Vorhersage“ eine Zukunftsprognose über Blogs und warum der Konflikt „Journalisten contra Blogger“ eher heftiger als sachlicher werden könnte. Und auf Blogbar gibt es unter dem Titel „Ins Nichts“ die Prognose, dass 2008 das Jahr der Exits wird, in dem bekanntere Blogger nach Chancen suchen werden, auf anderes umzusteigen.

Update 3: Noch’n Update – der „Elektrische Reporter“ bringt in seiner Ausgabe Nr. 44 ein Interview mit Frank Westphal über sein System Rivva: Elektrischer Reporter Nr. 44.

Gedanken auf dem Friedhof – Ende und Anfang…

Wenn man auf dem Friedhof steht, zumal am Grab eines Menschen, der im eigenen Leben eine große Rolle, wenn nicht sogar die größte Rolle gespielt hat, kommt es vor, dass die Gedanken auf Wanderschaft gehen. Nicht nur geht es vielfach zurück im Leben zu Erlebnissen oder Ereignissen der Vergangenheit, sondern auch in die Gegenwart und die Zukunft. Man reflektiert was war, was ist und was sein wird. Nirgendwo wird einem die eigene Endlichkeit, zumindest die Endlichkeit dieses Lebens, so vor Augen geführt wie hier. Und in keiner anderen Situation wird einem der Wahrheitsgehalt von manchen Weisheiten bewusst, etwa, dass man Menschen besser kennenlernt, oder was es damit auf sich hat, dass man jemandem noch so viel sagen wollte.
Die Zeit, so habe ich einmal gelesen, kommt aus der Zukunft, die noch nicht existiert, und geht über die Gegenwart, die flüchtig ist, in die Vergangenheit, die bereits nicht mehr ist. Also ist jeder Moment ein kleiner Abschied – und ein neues Willkommen. Ende und Anfang, dicht beieinander.

Jeder Moment wird dabei gleich behandelt. Es gibt Momente, von denen man sich wünscht, sie würden nie vergehen, doch sie tun es. Und es gibt Momente, die man möglichst schnell vergehen lassen will, und auch sie tun es. Und sie kehren nie zurück, außer als Echo in unseren Gedanken und Gefühlen. Und auch hier herrscht die absolute Gleichbehandlung, die guten Momente kehren genauso wieder wie die schlechten. Es liegt an uns, damit umzugehen. Mit der Endlichkeit aller Dinge umzugehen. Denn daran gemahnt uns die Endlichkeit des Augenblicks. Wir können es abstreiten, negieren, verleugnen – es kann nicht sein, dass das Ende, dass der Tod Teil von allem ist. Aber er ist es. Der Moment wird geboren und stirbt. Das ist der ewige Kreislauf der Wandlung in unserem Universum. Nichts bleibt, wie es ist. Denn wenn wir an etwas festhalten, um jeden Preis, weil wir nicht wollen, dass es ein Ende hat, verkrampfen wir. Wir werden starr. Das Leben ist aber nicht starr. Nicht einmal Steine und Felsen bleiben, wie sie waren. Wind und Wetter setzen ihnen zu, Wasser reibt sie ab. Kann ein Mensch da noch fester sein als Stein? Nein, aber er kann es sich vormachen. Ein Mensch kann auch nicht in der Vergangenheit leben, doch er kann es sich vormachen. Er kann sich weigern, den Moment gehen zu lassen. Das Universum wird sich daran nicht stören. In seiner Existenz gibt es keine Überlegenheit – oder Unterlegenheit. Alles wird gleich behandelt, so wie jeder Moment. Aber Menschen wollen manchmal überlegen sein, die Kontrolle erlangen und bestimmen, was passiert. Das mag auch für einen Moment funktionieren, doch selbst dieser Moment ist flüchtig. Der Kampf, den der Mensch bestreiten muss, um dies zu erlangen, wird dann zum Kampf mit oder gegen sich selbst.

Der Moment des Übergangs, wenn etwas zu seinem Ende kommt, ist manchmal sehr deutlich, meistens aber nicht. Viele Momente kommen und gehen, ohne dass wir das besonders bemerken. Viele Dinge gehen zu Ende, ohne dass wir davon Notiz nehmen. Aber manchmal ist es anders. Da merken wir das Ende und die Veränderung, die selbiges mit sich bringt, sehr deutlich. Und es scheint ein natürlicher Reflex zu sein, dass man sich zunächst festklammern will. Letzten Endes geht das nicht, es ist, als würde man mit beiden Händen fest in den Sand einer Wüste krallen und versuchen, möglichst viele Körner zu behalten. Dadurch, dass man die Finger zusammenkrallt, rinnt der Sand nur umso schneller aus den Händen. Die Angst vor dem, was kommen mag, treibt uns dazu, weil wir nicht wissen, was sein wird, weil wir uns nicht auf alles vorbereiten können. Da fällt es schwer, loszulassen. Doch letztlich ist es das, was uns weiterbringt. Gefühle der Trauer müssen sein, aber man soll nicht daran festhalten. Oft habe ich in diesem Zusammenhang schon gehört, dass jemand sagte, er hätte einem Menschen, der gehen musste, noch so viel sagen wollen. Verstanden hatte ich das bisher nicht wirklich, denn ich habe das Gesagte zu wörtlich genommen. Es klingt danach, als hätte jemand tausend Dinge im Kopf, die er dem anderen irgendwann noch mitteilen wollte, es aber nicht mehr konnte. Darum geht es aber nicht, sondern es geht um die vielen Dinge, die noch kommen, die der andere aber nun nicht mehr sehen, hören, erleben wird. Wenn man etwas erlebt und es diesem Menschen gerne mitgeteilt hätte, dann handelt es sich um diese Situation. Der Satz drückt nicht das Bedauern darüber aus, dass man nicht mehr dazu kam, dem anderen etwas zu erzählen, was schon längst passiert ist, sondern dass man ihm nicht mehr erzählen kann, was gerade passiert oder passieren wird.
In solchen Momenten meldet sich der Schmerz. Der Abschied, das Ende hat einem einen Dorn in die Haut gerammt, der schmerzt. Doch nur wenn man loslässt, irgendwann, wandelt sich dieser Dorn in ein Geschenk, eine Erinnerung an vergangene Momente, die am Anfang schmerzt, doch letztlich zu einem Schatz wird. Wann das sein wird, kann niemand sagen. Wenn ein Wassertropfen an einem Blatt über einem Bach hängt, weiß der nicht, wie es sein wird, wenn er von dem Blatt herunter in den Bach fällt und sich mit dem Rest allen Wassers vereinigt. Aber er muss es irgendwann tun, sonst kommt die Sonne und der Tropfen verdunstet. Dieser Moment, das ist loslassen.

Allerdings geht das Loslassen nicht so einfach, wie es klingt. Es braucht neben vielen anderen verschiedenen Dingen Zeit. Deswegen gibt es Menschen, die nicht loslassen wollen. Statt den Dorn zu wandeln und die Wunde verheilen zu lassen, wollen sie lieber den Schmerz behalten. Das fällt umso einfacher, wenn man jemanden hat, dem man eine Schuld geben kann. Den man verurteilen kann für sein Verhalten. Dieser und jener, so hört man solche Menschen oft sagen, hat mir dies und das angetan! Seht die Wunde, die er mir beigebracht hat! Dabei wäre die Wunde möglicherweise schon längst verheilt, wenn man sie gelassen hätte. Doch statt Heilung zuzulassen, bohren solche Menschen gern in ihren eigenen Wunden, zeigen sie bereitwillig her und beschimpfen den Schuldigen, der das getan hat.
Wenn man aber nun mal in die Situation kommt, dass es einfach niemanden gibt, den man direkt verantwortlich machen kann, beginnt man, über solches Verhalten nachzudenken. Wenn man niemanden anklagen kann, dann versperrt einem auch niemand die Sicht auf das Wesentliche. Es ist meine Wunde, mein Schmerz – also muss ich auch tätig werden. Niemand kann mir das abnehmen. Auch nicht der, der möglicherweise Schuld an der Wunde ist. Und wenn es da direkt niemanden gibt, vielleicht finde ich doch noch jemanden, den ich verantwortlich machen kann, das Universum, das Schicksal… Das kann ich natürlich bezichtigen, aber nur, damit ich nicht loslassen muss.
Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn keine Wunde heilt von einem Moment auf den nächsten. Doch auch anderes ist wichtig, andere Menschen beispielsweise. In solchen außerordentlichen Situationen lernen wir wahrlich, wer unsere Freunde sind – und wer eher nicht. Das zieht leider unter Umständen einen weiteren Schmerz nach sich. Man ist enttäuscht, wenn man feststellt, wie sich manche Menschen verhalten. Man kann dabei natürlich nichts erwarten, aber es gibt Menschen, die einem deutlich zu verstehen geben, dass man sich doch bitte erst wieder melden soll, wenn man diese spezielle Phase in seinem Leben abgeschlossen hat, damit man den anderen nicht runterzieht. Jemand hat das mal „Schönwetterfreundschaften“ genannt. Natürlich enttäuscht das, aber „Ent-täuschung“ ist „das Ende der Täuschung“. Man hat sich über jemand anderen geirrt, und nun muss man auch hier loslassen. Ansonsten wird man noch auf Jahre über den schimpfen, der einen so schwer enttäuscht hat, und das vergiftet auf die Dauer die Seele. Ähnlich wie eine Wunde, an der man immer mit dem Finger herumbohrt, diese wird sich entzünden, und diese Entzündung kann im Lauf der Zeit den ganzen Körper vergiften.
Es ist sehr schwierig, denn niemand weißt, wie lange es gehen wird und was letztlich das Resultat sein wird. Manche Wunden verheilen schnell und man sieht nichts mehr von ihnen. Doch große Wunden brauchen länger und manchmal behält man eine Narbe zurück. Niemand weiß das. Das ist vielleicht auch besser so.

Wir befinden uns zurzeit im letzten Monat des Jahres. Das heißt, demnächst kommt auf uns alle ein Ende zu, das wir aber mit einem besonderen Tag begehen: Silvester. Wir halten inne, schauen zurück auf vergangene Momente und fragen uns, was wohl das neue Jahr bringen wird. Manche machen schon Planungen dafür. Doch diese Zukunft existiert noch nicht. Und zu kaum einem anderen Moment ist der ständige Wandel so deutlich zu sehen, wie an diesem Tag. In einem Moment ist es 2007 – einen Moment später bereits 2008. 2007 ist dann beschlossen. Beendet. Wird nicht wiederkommen. Selbst wenn es irgendwann eine ganz neue Zeitrechnung geben sollte, die dann ihr eigenes Jahr 2007 haben wird, so wird doch dieses Jahr 2007 nicht wiederkommen. Alle diese Momente, dieses Jahr, diese 365 Tage, diese 8.760 Stunden, diese 525.600 Minuten, diese 31.536.000 Sekunden, sie kehren nicht wieder.
Zu Silvester stoßen Ende und Anfang sehr deutlich aneinander. Bei anderen Gelegenheiten merken wir das nicht so deutlich, obwohl es so ist. Ende und Anfang gehören zusammen, nicht nur, weil alles, was einmal angefangen hat, auch ein Ende haben muss, sonder weil auch umgekehrt ein Ende ein neuer Anfang ist. Und das in jedem Moment. Darum sollte man nicht festkrallen, zetern und in den Wunden bohren. Sondern den Schatz behalten und den Schmerz loslassen.

Auf eine besinnliche Weihnachtszeit und einen neuen Anfang 2008!

Alle Bilder in diesem Beitrag stammen von Halessa

 

„Gib mir den Ring!“ – Tendenzielle Berichte, Vorratsdatenspeicherung und Klimaschutz

„Gandalf, Elrond – all diese Leute haben Dir das beigebracht. Für sie selbst mag es richtig sein. Diese Elben und Halbelben und Zauberer würden vielleicht zu Schaden kommen. Indes bin ich mir of im Zweifel, ob sie eigentlich weise sind oder bloß zaghaft. Doch jeder nach seiner Art. Aufrechte Menschen lassen sich nicht verführen. Wir in Minas Tirith sind in langen Jahren der Prüfung standhaft geblieben. Wir trachten nicht nach der Macht von Zauberern, sonder nur nach Stärke, um uns zu verteidigen, Stärke für eine gerechte Sache. Und siehe da! In unserer Not bringt der Zufall den Ring der Macht ans Licht. Es ist ein Geschenk, sage ich; ein Geschenk für die Feinde von Mordor. Es ist Wahnsinn, ihn nicht zu gebrauchen, die Macht des Feindes nicht gegen den Feind zu gebrauchen. Die Furchtlosen, die Mitleidlosen allein werden den Sieg erringen. (…) Wie ich die Heere von Mordor zurücktreiben wollte und wie sich alle Männer unter mein Banner scharen würden!“
(Boromir von Gondor zu Frodo in „Der Herr der Ringe, Band 1: Die Gefährten“)

In einem anderen Bericht in diesem Blog habe ich schon einmal über Tolkiens „Herrn der Ringe“ geschrieben und darüber, was in diesem modernen Mythos steckt (siehe hier). Tolkien hat viel in das Konzept des „Einen Ringes“ gesteckt, so dass es zugleich komplex und doch auf den Punkt gebracht ist. Eine einfache Gleichsetzung, etwa dass der Ring ein Symbol für die Atomkraft und ihre Gefahren ist, wird dem nicht gerecht. In meinem vorigen Beitrag habe ich versucht, das Konzept mit „Möglichkeit, einen einfachen Weg zum Ziel zu gehen“ zu umschreiben, denn „Macht“ klingt immer gleich sehr hochtrabend. In diesem Beitrag habe ich drei aktuellere Beispiele zusammengetragen, in der es genau um dieses Thema, das der „Eine Ring“ in sich vereinigt, geht.

Wie ist das noch gleich mit den Magazinen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die kritisch nachfragen und Recherche betreiben? Sie haben einen gewissen „Glaubwürdigkeitsbonus“. Man erwartet von ihnen, dass Beiträge, die in diesen Magazinen ausgestrahlt werden, belegbare Aussagen enthalten, objektiv und nicht manipulativ sind. Nun hat ein junger Mensch einen Beitrag bei YouTube eingestellt, in dem er die Berichte dreier solcher Magazine kritisch auseinandernimmt (siehe hier). Das Thema sind die immer wieder beliebten „Killerspiele“ und ein mögliches Verbot von ihnen. Alle drei Berichte sind überaus kritisch. Nun, das kann man bei diesem Thema sicher sein. Allerdings bedienen sich die Reporter dabei Mittel, die man zumindest als „grenzwertig“ einstufen kann. Sie dramatisieren, stellen Behauptungen auf und an einer Stelle wird gar das Lachen eines Spielers in einen Bericht eingefügt, so dass der Eindruck entsteht, dieser Spiele freue sich über das Töten einer Spielfigur. An anderer Stelle kommt ein Experte zu Wort, der nach dem Inhalt von „World Of Warcraft“ gefragt wird – und ein Militärspiel beschreibt, während „WoW“ ja eigentlich ein Fantasy-Spiel ist. Auch wird nicht ganz klar, worum es den Berichten eigentlich geht. Einerseits wird über so genannte „Ego-Shooter“ hergezogen, dann aber kommen Spiele wie „World Of Warcraft“ mit dazu. In einer Stellungnahme meint einer der verantwortlichen Redakteure, es wäre in dem Bericht um „Metzelspiele“ im Allgemeinen gegangen. [Schriftlicher Beitrag zu dem Video hier, Stellungnahme zu dem Video vom Redakteur von „Frontal 21“ hier, Kommentar und Diskussion im Blog von Stefan Niggemeier hier]
Wo liegt hierbei die Parallele zum Ring? Nun, den Beiträgen ist deutlich anzumerken, worum es den „Machern“ ging: um eine Diskussion über – wie sie es nennen – „Metzelspiele“. Und tatsächlich kann man sich bei manchen der Spiele wirklich die Frage stellen, ob die explizite Darstellung von Gewalt so sein muss. Aber die Macher gehen einen Schritt zu weit, denn man kann die Beiträge stärken, indem man trickst. Mit Verweisen auf Amokläufer, die angeblich das Zielen mit Hilfe solcher Spiele geübt haben, mit Bildern von Spielern, die sich angeblich über das Gemetzel freuen, soll der Zuschauer in eine bestimmte Richtung gebracht werden. Anstatt sich die Mühe zu machen, mit differenzierten Argumenten zu arbeiten, die es sicher gäbe, geht man den leichten Weg, Stimmung zu machen. Das Problem liegt hier im Kern der Sache: Die Diskussion über die Folgen – oder auch den (vermeintlich) großen Erfolg – von „Killer-“ oder „Metzelspielen“ kann sehr schnell ausarten und zu einer Diskussion über die Gesellschaft im Allgemeinen werden. Sowas passt aber schlecht in einen Magazinbericht, der maximal sechs bis zehn Minuten lang sein darf.
Dass man mit Tricks arbeitet, macht den Verantwortlichen aber kein schlechtes Gewissen, im Gegenteil: Beispielsweise werden die Einwände um das in den Beitrag eingeschobene vermeintliche Lächeln eines Spielers über die Metzeleien von der Redaktion abgelehnt mit den Hinweis, dergleichen sei „üblich“. Frei nach dem Motto, „wir dürfen das machen, denn wir sind ja die Guten“. Oder um es mit den Worten aus dem „Herrn der Ringe“ zu sagen: „Für eine gerechte Sache.“

Bleiben wir gleich bei dem Spruch von der „gerechten Sache“, denn das zweite Beispiel dreht sich um die vor kurzem von unseren „Volksvertretern“ beschlossene Vorratsdatenspeicherung. Angeblich ging es ja am Anfang mal um Terroristen, die man so besser aufspüren könne. Doch inzwischen haben die Bundesländer angemeldet, sie hätten auch gern Zugriff auf die Daten. Ach ja, und wo wir gerade dabei sind… Raubkopierer könnte man doch auch mit diesen Daten ausfindig machen…
Und wieder kein schlechtes Gewissen. In einer Diktatur, ja, da wäre so ein Mittel gefährlich, aber wir, wir sind doch die Guten, nicht wahr?
Mehr möchte ich dazu nicht verlieren, da gibt es einen ganz anderen Beitrag, der das ganze gut auf den Punkt bringt, beim Spiegelfechter (siehe hier).

Auch das dritte Beispiel handelt von der „gerechten Sache“, die etwas rechtfertigt: Seit einiger Zeit kooperieren der „World Wide Fund for Nature“ („WWF“), BUND und Greenpeace mit der „Bild“-Zeitung. Die Umwelt-Organisationen erhoffen sich dadurch, Menschen zu erreichen, die sie sonst nicht erreichen könnten. Ein „Highlight“ – im wahrsten Sinne des Wortes – dieser Zusammenarbeit ist die demnächst stattfindende Aktion „Licht aus! Für unser Klima“, bei der man für fünf Minuten alle Lichter ausmachen soll, um dem in Bali stattfindenden Klimagipfel ein Zeichen zu senden (Stefan Niggemeier nimmt das zum Anlass, hier seine Fördermitgliedschaft bei Greenpeace zu kündigen, und hier stellt er die – berechtigte – Frage, ob eine Zeitung, deren Chef die Bemühungen um das Klima eher als Hysterie einschätzt, der richtige Partner ist).
Das BILDBlog hat die teils merkwürdigen Ansichten der „Bild“ über Klimaschutz dokumentiert (unter anderem hier), und daher gibt es nicht ganz unberechtigt Stimmen von Aktivisten, die die Glaubwürdigkeit der Umwelt-Verbände in Gefahr sehen (Bericht siehe hier).

Der Eine Ring begegnet uns immer wieder. Die Sängerin Heather Alexander sagt auf der Bühne im Vorwort zu ihrem Lied „The Golden Ring„, dass es eine Seite in jedem von uns gibt, die auf die Versuchungen des Ringes anspricht. Wir reden nicht gerne darüber, aber es gibt sie. Denn es gibt in jedem das Drängen, den einfachen Weg zu beschreiten. Das gilt für die großen Dinge genauso wie für die kleinen Dinge. Die Diskussion um „Metzelspiele“ mag notwendig sein – muss sie aber deswegen dramatisiert werden? Ist die Vorratsdatenspeicherung wirklich notwendig, wie manche Politiker immer wieder behaupten? Brauchen die Umweltverbände diese Aktionen? Um welchen Preis erkauft man sich das Ziel, das man sich mit seiner Aktion erhofft – die so genannte „gerechte Sache“? Und wie ist es später, beim nächsten Mal? Möglicherweise fällt es einem leichter, wieder den einfachen Weg zu gehen. Daraus entwickelt sich dann eine scheinbar einfache Sache, eine harmlose Angewohnheit, die einem leicht fällt…

…so leicht, wie sich einen goldenen Ring an den Finger zu stecken…

Update: Bei Stefan Niggemeier kann man nachlesen, dass die Kooperation von Greenpeace unter anderem auch einen eigenen prominenten Mitstreiter gekostet hat – Klaus Staeck, Grafiker und Verleger kehrt der Organisation den Rücken. Mehr und genaueres steht hier.

seaQuest DSV – Jetzt taucht sie wieder!

„Das 21. Jahrhundert… der Mensch hat die letzte unerforschte Region unserer Erde kolonisiert, den Ozean. Als Besatzung der SEAQUEST sind wir für den Schutz der Meere verantwortlich. Denn unter der Wasseroberfläche liegt die Zukunft!“
(das Vorwort der ersten Staffel von „seaQuest DSV“)

Manche Dinge dauern lange. Zum Beispiel, bis gewisse Serien auf DVD erscheinen – zumal in Deutschland. „seaQuest DSV“ ist ein Beispiel dafür. Die Serie wurde zwischen 1993 und 1996 produziert, ihre Einstellung nach 59 Episoden ist demnach über 10 Jahre her. Nun ist es aber soweit, vergangene Woche erschien der erste Teil der ersten Staffel als DVD-Box.

Die Geschichte der Serie spielt ein kleines Stück in der Zukunft (nach heutigen Maßstäben etwa 10 Jahre, im Jahr 2018). Die Menschheit hat den Ozean kolonisiert, da jedoch die Nationalstaaten und einige Konzerne mehr Gebiete – hauptsächlich zur Ausbeutung von Bodenschätzen – für sich beanspruchen, kommt es zu immer neuen Konflikten. Ein neuer Vertrag zwischen den Staaten muss her, und so wird die „United Earth Ocean Organisation“, kurz „UEO“ gegründet. Zum Schutz des Vertrags wird das größte U-Boot, die SEAQUEST DSV (= Deep Submergence Vehicle), in den Dienst der Organisation gestellt. Kapitän des Schiffes ist Nathan Bridger (Roy Scheider), der dazu allerdings erst einmal überredet werden muss.

In der ersten Staffel erforscht das Boot die Tiefsee („Tiefseeflimmern“, „Das versunkene Wissen“), leitet Rettungseinsätze („Die vergessenen Kinder“, „SOS im Sargassomeer“) oder wird in merkwürdige Ereignisse verstrickt („Das Geisterschiff“, „Die Meerjungfrau“). Jede Episode schließt mit einem Nachwort eines Mitarbeiters eines ozeanographischen Instituts, der auf Einzelheiten aus der jeweiligen Episode eingeht, zum Beispiel über die Besonderheiten von Unterwasser-Archäologie („Das versunkene Wissen“) oder von bioluminiszierenden Lebensformen („Tiefseeflimmern“). Der Vergleich „STAR TREK unter Wasser“ wurde mehr als einmal herangezogen und hinkt nicht – vor allem, da schon im Pilotfilm eine Notsituation entsteht, bei der die SEAQUEST das einzige Schiff in Reichweite ist. Man versuchte, bei den Handlungen sich am aktuellen Stand der Wissenschaft über die Ozeane zu orientieren. Auch die SEAQUEST selbst wurde mit der Hilfe von Experten entworfen. Das Ergebnis waren einige Episoden, bei denen das Zusammenspiel der Figuren einen großen Teil einnahm und sich die Handlung um moralische Fragen drehte, die sehr gegenwartsbezogen waren.

Mit der zweiten Staffel änderte sich das. In der letzten Folge der ersten Staffel war die SEAQUEST zerstört worden, die erste Folge von Staffel zwei setzt zwei Jahre später ein, mit der Fertigstellung des neuen Bootes. Bei den Episoden wurde von da an mehr Wert auf Action gelegt, gleichzeitig wurde der Schwerpunkt dieser Science-Fiction-Serie von „Science“ nach „Fiction“ verlagert. Außerirdische traten in Erscheinung, Monster und Dämonen. Am Ende dieser Staffel wurde sogar das ganze Boot auf einen fremden Planeten entführt.

Die Entwicklung der Serie gefiel dem Hauptdarsteller Roy Scheider nicht, so dass er seinen Ausstieg verkündete. Um wenigstens Teilweise zu den Ursprüngen der Serie zurückzukehren, wurde für die dritte Staffel erneut ein neues Konzept aufgesetzt. Die Handlung beginnt 10 Jahre nach der Entführung der SEAQUEST auf den fremden Planeten, die Serie erhielt einen neuen Titel – „seaQuest 2032“ – und wurde wieder etwas bodenständiger, wenn auch die Betonung auf das Element „Action“ blieb. Neuer Captain wurde Michael Ironside als Oliver Hudson, und die Situation ist auch eine neue: In den vergangenen 10 Jahren konnte die UEO ohne die SEAQUEST den Vertrag nicht schützen. Eine neue Diktatur erreichte ihren Höhepunkt, als das Bündnis „Macronesien“ versuchte, sein Gebiet zu vergrößern. Die Episoden dieser Staffel handelten dann auch hauptsächlich davon, diesen Expansionsgelüsten Einhalt zu gebieten. Das Ende der Serie, obwohl die Staffel mit einer „offenen Episode“ endet, konnte allerdings auch mit diesem Konzept nicht verhindert werden. Nach 59 Folgen wurde beschlossen, die Erzählung nicht fortzusetzen.

Parallel zu „Babylon 5“ wurden auch bei dieser Serie die Spezialeffekte vollständig im Computer, einem Commodore Amiga, erzeugt. Natürlich haben diese bedingt durch die Entwicklung auf dem Computer-Sektor inzwischen auch, wie man so schön sagt, „Patina“ angesetzt, aber man darf nicht vergessen, dass das damals neu und der Stand der Technik war.

„seaQuest“ hatte seine Momente und fand daher auch seine Fans, unabhängig davon, dass die ständige Änderung des Grundkonzepts auch viele vergraulte (einschließlich Schauspieler). Die Anspruch, eine weitgehend realistische Serie zu produzieren, legte die Messlatte hoch und die Episoden werden dem nicht immer gerecht. Vermutlich geht es aber jeder Serie so, dass Anspruch und Ergebnis nicht immer ganz übereinstimmen. Die Serie hätte durchaus ein, zwei Staffeln mehr verdient gehabt, allein, um das Konzept zu vervollständigen. So ist sie aber nun leider Bestandteil des „Universums der Unvollständigen“, in dem auch „Space – Above and Beyond“ und „Firefly“ zu finden sind.

Bleibt nur noch eine Frage, mit der man einen alten Witz aus den „Werner-Comics“ wieder einmal hervorholen kann: Taucht das DVD-Set was?
Falls Sie den Witz im letzten Satz nicht verstanden haben, lesen Sie einfach noch mal – so lange, bis Sie ihn verstanden haben. Ich warte gern.
Alles klar? Okay, hier nun die Antwort: Nun ja. Leider hat sich bei der deutschen Version der DVD-Box dieses „lasst uns mehr Geld machen, indem wir eine Staffel in zwei Teile teilen“-Virus festgesetzt. Während man im englischen Original die Staffel als ganzes kriegt, ist hier nur die erste Hälfte mit 12 Episoden erschienen. Auch das Bonus-Material hält sich etwas in Grenzen, es handelt sich hierbei um entfallene Szenen aus den ersten drei Episoden, die bei genauerer Betrachtung teilweise keine wirklich entfallenen Szenen sind, sondern alternative Fassungen. Entfallene Szenen gibt es hauptsächlich bei „Das versunkene Wissen“, wo große Teile der Handlung über die jugendlichen Phantasien des Computergenies Lucas Wolenczak (Jonathan Brandis) um Lieutenant Commander Hitchcock (Stacy Haiduk) der Schere zum Opfer fielen.
Von diesen negativen Punkten abgesehen ist die Box aber recht ordentlich. Die Einführung der DVDs wurde mit dem deutschen Sprechertext gestaltet und natürlich ist es ein Gefühl von Nostalgie, Gerd Günther Hoffmann als Roy Scheiders Stimme zu hören.
Teil 2 der ersten Staffel wird voraussichtlich Ende Januar 2008 erscheinen.
Fazit: diese DVD-Sammlung ist für die Fans… und solche, die es noch werden wollen. „seaQuest DSV“ ist eine Serie mit großem Potential, das sie leider nicht ausschöpfen durfte, aber das Potential ist in der Serie deutlich zu erkennen.

seaQuest DSV - Staffel 1.1

(Ein Klick auf das Bild führt direkt zur DVD-Box bei AMAZON.de.)









Die Aufmerksamkeit des Kunden erregen

Als Werbelink wäre es völlig sinnlos, hier auf einen niederländischen Online-Versand hinzuweisen. Weil aber dieser Versand eine sehr außergewöhnliche Startseite hat, verlinke ich es einfach mal so (und kriege nichts dafür):

http://producten.hema.nl/

Link anklicken, Seite laden lassen und ein paar Sekunden warten, dann geht’s los.

STAR COMMAND Communiqué Nr. 1

Internet-Version des Newsletter des „Phantastischen Projekts“

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

die Wort „da sind wir wieder“ haben noch nie auf etwas so sehr gepasst wie auf diesen Newsletter. „Da sind wir wieder“ im Sinne eines neuen Newsletters, nachdem der letzte bereits einige Zeit her war. „Da sind wir wieder“ auch im Sinne, dass wir uns auf die „Internet-Wurzeln“ unseres Projekts besonnen haben und wieder dort angekommen sind, wo wir einmal angefangen haben. Zu diesem Thema rauchten die Köpfe in den vergangenen Wochen – immerhin, wie an anderer Stelle schon berichtet, hat das Projekt ja dieses Jahr ein Jubeljahr -, es wurden Ideen aufgebracht und wieder verworfen, und dann kamen da noch äußere Einflüsse, die Aufmerksamkeit forderten. Daher die Themen des heutigen Newsletters:

 

  1. Das neue alte „Communiqué“ – und Abo-Informationen

  2. Das Phantastische Blog

  3. PROJEKT X

  4. Noch mehr Projekte

  5. Rezensionen – Stimmen zu Hörspielen, Büchern und TV

  6. Gedanken und Parabeln

 

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Das neue alte „Communiqué“ – und Abo-Informationen

Mit dem „Star Command Communiqué“ haben wir einmal angefangen, jetzt sind wir wieder dort. Die Überlegung war, unter welches Dach wir die Teile des „Phantastischen Projekts“ bringen sollten. Eine leicht merkbare, kurze Internet-Adresse wäre schön… bis uns auffiel, dass wir diese schon hatten: star-command.de. Dann wurde mit Blogs experimentiert, um eine Plattform für mehr oder weniger regelmäßig erscheinende Beiträge zu haben, und nach einigem hin und her wurde die Hauptseite selbst die Blog-Plattform.

Dazwischen kam ein Urteil zum Datenschutz. Das Speichern „überflüssiger Daten“ sei zu vermeiden. Für den Bezug eines eMail-Newsletters ist aber nur eine eMail-Adresse notwendig. Da dieser Newsletter auch nicht personalisiert ist, haben wir die Adressdatenbank umgestellt. Zuvor war es möglich, Vorname und Name als Option beim Abonnieren des „Communiqués“ mit anzugeben. Das haben wir nun herausgenommen. Lediglich die eMail-Adresse muss noch angegeben werden, denn ohne die ist der Versand eines eMail-Newsletters ziemlich sinnlos.

 

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Das Phantastische Blog

Was das Blog betrifft, da gab es auch einige Ideen, die ausprobiert wurden, am Ende sind wir aber doch bei einem gelandet (entgegen der ursprünglichen Idee, insgesamt drei zu unterhalten, für drei Themengebiete). Manchem Leser wird aufgefallen sein, dass im Rahmen dieser Aktion das ASTROCOHORS-Blog verschwunden ist. Nun, so richtig verschwunden ist es nicht, die Beiträge sind nur in das „eine“ Blog übergegangen. Sie sind noch da und können nachgelesen werden.

Falls Sie die neuesten Beiträge unseres Blogs abonnieren wollen, können Sie das auch tun, entweder, in dem Sie den RSS-Feed abonnieren, Sie können sich aber auch die Beiträge per eMail nach ihrem Erscheinen per eMail zusenden lassen.

 

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PROJEKT X

Schon vor einiger Zeit haben wir im Blog das „Projekt X“ angefangen, oder besser gesagt die „Projekte X“. Durch die Umarbeitung des „Phantastischen Projekts“ sind aus den ursprünglichen fünf nun drei übrig geblieben, über die wir weiterhin regelmäßig berichten. X-1 ist das Projekt, das vermutlich (hoffentlich!) als nächstes fertig werden wird. Es ist ein neues Geschichtskonzept. Was es genau ist, wird zu gegebener Zeit bekannt gegeben, bis dahin heißt es „X-1“. Dessen Manuskript ist schon auf über 400 Seiten angewachsen. Auch an X-2 wird hart gearbeitet, darüber mehr im nächsten Abschnitt. Und unter „X-3“ ist eine wahrlich internationale Kooperation entstanden, über die wir auch weiter berichten werden, wann immer es etwas zu berichten gibt.

 

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Noch mehr Projekte

In der Zwischenzeit gab es aber auch noch andere Projekte, die neu begonnen wurden. Im „Communiqué“ lesen Sie bereits, auf die Webseite haben wir bereits aufmerksam gemacht, bleibt eigentlich nur noch unser neues Konzept der Web-Romane, das sich in etwas ähnlichem wie der „Beta-Phase“ befindet und deswegen auch immer noch mit „X-2“ umschrieben wird. Und das ist auch gut so, denn „Beta-Phase“ klingt so wunderbar professionell. Wie sich einige Leser sicherlich noch erinnern, hat Thorsten Reimnitz vor einiger Zeit die NetRomane eines anderen Projekts betreut. Zwei Jahre hat es gedauert, bevor er sich wieder an etwas ähnliches getraut hat, die Veröffentlichung von Geschichten direkt im Internet, allerdings nicht als PDF, sondern im Web nachlesbar. Die Geschichte wird dabei Stück für Stück fortgeschrieben, die ersten Teile sind bereits erschienen. Sie finden den Roman, der etwa einmal im Monat fortgesetzt wird, unter http://astrocohors.blogspot.com, hier können Sie mit dem Vorwort anfangen und hier ist das erste Kapitel, so weit es bisher erschienen ist. Fortgesetzt wird die Handlung immer „so ungefähr um die Monatsmitte“ (Zitat Reimnitz). In zukünftigen Rundschreiben werden wir außerdem weiterhin darauf aufmerksam machen.

 

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Rezensionen – Stimmen zu Hörspielen, Büchern und TV

Kommen wir nun zu den lesenswerten Beiträgen der vergangenen Monate aus unserem Blog. Unter anderem erschienen bei uns verschiedene Rezensionen. Wir wollen Ihnen diese nicht vorenthalten. Die Rezensionen waren:

STAR WARS: Labyrinth des Bösen – Das Hörspiel

STAR WARS: Die Filme als Hörspiele

Robert I. Sutton: Der Arschloch-Faktor

Michael Farr: Auf den Spuren von Tim und Struppi

„Entern oder Kentern“ – „Takeshi’s Castle“ meets „Pirates of the Caribbean“

Monty Pyton’s Flying Circus – auf DVD

Jubiläum: Perry Rhodan wird 2400

Monty Arnold’s Flying Circus

Monty Python’s Spamalot – Das Musical

BABYLON 5 – Vergessene Legenden – auf DVD

Verschiedens zu den neuen Staffeln der „CSI“-Serien:

CSI – Staffel 7 hat begonnnen

CSI: NY

CSI: Miami

CSI: „Wachet auf“ (Episoden-Rezension)

Die Woche von CSI

 

Doktor… wer? Pro Sieben und die Probleme mit einem Zeitwanderer

„Deutscher wird Papst – Teufel tritt zurück“ oder: Bastian Sick ist gar nicht so

AMORE XL – Der neueste Wurf der EAV

 

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Gedanken und Parabeln

Sie waren seltener, aber kleine Geschichten und Gedanken gab es in den letzten Monaten, oftmals von aktuellen Dingen beeinflusst. Wir empfehlen zum Lesen:

Meine Begegnungen am Sumpf

Fortsetzung: Die Wandlung des Sumpfs

STAR WARS, HERR DER RINGE und Michael Moore

Der allmächtige Canon

Monty Python’s „Die Blogger der Kokosnuss“

„Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt“ – satirische Rezenion des „Bildblog“-Werbespots

STAR WARS Episode IV ½: VIRALES MARKETING

Warum glaubt eigentlich jeder, dass er zum Komiker berufen sei?

STAR TREK – Woher, wohin?

WARGAMES – Kriegsspiele

Die Bahn… kommt? Oder: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

Online-Auktion: Möchte jemand Belgien haben?

Nachlese: Freiheit statt Angst – die Demo

Birma, Burma, Myanmar

Krankenkassen und Überwachung: 2057 kommt schneller als gedacht…

Nachlese zum G8-Gipfel: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und ein Nachtrag.

 

Zuletzt möchten wir noch auf ein paar weitere Artikel aufmerksam machen: „Mondpreise bei Medikamenten…“ enthält Hinweise auf ein paar sehr aktuelle Themen, dazu empfehlen wir „2057 – unser Leben in der Zukunft: Wollen wir das wirklich?“ und „Terrorgefahr contra MRSA„, in dem die Realitäten zweier Gefährdungen gegeneinander abgewogen werden. Der Artikel „EUROPA: Über seine Wurzeln und wiederholte Geschichte“ betrachtet die Versuche, den vereinten Europa einen Gründungsmythos zu verschaffen und ganz akutell ist „Monty Python’s Spann-a-lot„, in dem die Situation des angeblichen Terroristen Andrej H. auf die Spitze genommen wird.

 

Damit kommen wir zum Ende des heutigen „Communiqués“. Es gab viel aufzuholen und es wird in Zukunft noch einiges zu berichten geben. Vielen Dank den Lesern, die bei uns geblieben sind.

 

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Bis bald!

 

STAR COMMAND COMMUNIQUÉ
Redaktion

Wer im Glashaus sitzt, sollte… ach, zu spät! Ruft einen Glaser!

Joanne K. Rowling. Christoph Schultheis. Stefan Niggemeier. Bastian Sick.

Was haben diese Leute gemeinsam?

Sie alle haben eine Sache angefangen, die ihnen am Herzen lag und damit einen auch ihnen überraschenden Erfolg eingefahren. Rowling rief „Harry Potter“ ins Leben, Schultheis und Niggemeier das „Bildblog“ und Bastian Sick die Kolumne „Zwiebelfisch“ im Spiegel. Keine der genannten Personen begann seine Arbeit mit der Prämisse, daraus etwas wirtschaftlich ungeheuer erfolgreiches zu machen. Aber so kam es bei allen. Warum das so war, kann man nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Wenn überhaupt, dann höchstens mit „die Zeit war wohl reif dafür“. Denn, so lehrt uns ein Sprichwort: „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Doch wie es nun mal so ist, kommt Erfolg, kommt Kritik. Nun muss man unterscheiden zwischen Kritik und Kritik. Konstruktiv und nicht konstruktiv. Gerade das Bildblog und damit Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis, aber auch Bastian Sick sind in letzter Zeit sehr stark in die Kritik geraten. Das Bildblog habe keinen Sinn außer Unterhaltung, also bringe es nichts. Und Bastian Sick nervt. Medienmensch Christian Jakubetz spricht sogar beiden Projekten irgendeine Art von Einfluss ab (siehe hier). Sick, der in seinen Büchern und bei seinen Lesungen schlechtes Deutsch aufs Korn nimmt, könne nicht für auch nur einen (Zitat) „grammatikalischen Dumpfbeutel“ weniger verantwortlich sein, genauso wenig wie Niggemeier und Schultheis für weniger Bildleser. Es ist Entertainment, und gelesen werden beide Projekte auch nur von Leuten, die weder ernsthafte Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben noch die „Bild“ lesen und sich so nur über andere lustig machen. F!XMBR spricht gerade dem Bildblog sogar das Existenzrecht ab. Das braucht man nicht. Zumindest nicht die, die es lesen. „Entertainment-Trash“ [Deutsch: Unterhaltungs-Müll – warum geht das nicht?]. Punkt (siehe hier). Und dass Stefan Niggemeier in seinem Blog (siehe hier) auf Jakubetz‘ Beitrag reagiert, wird bei F!XMBR mit dem überstrapazierten Sprichwort „getroffene Hunde bellen“ abgetan. Letzteres war der Grund, weswegen ich für diesen Artikel in seiner Überschrift ein anderes überstrapaziertes Sprichwort verwendet habe: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“

Damit möchte ich mit meinen Beobachtungen kurz zu Joanne K. Rowling zurückkehren. Für die paar Leute, die es nicht wissen sollten: alleinerziehende Mutter schreibt im Lieblingscafé die Geschichte um den Zauberlehrling Harry Potter auf, findet auf Umwegen einen Verleger und landet einen weltweiten Erfolg, so dass sie zu einer der reichsten Frauen Englands aufsteigt. Und je größer der Erfolg wurde, desto mehr und scheinbar lauter wurden auch die Stimmen der Kritiker. Seien es so abstruse Kritiken wie von Seiten der Kirche, die der Autorin vorwarfen, sie würde die Kinder in den Okkultismus treiben oder jenen radikalen Christen, die gar zur Überzeugung gelangt waren, der große Erfolg sei darauf zurück zu führen, dass Rowling wirklich mit Magie arbeite und ihre Bücher verzaubert habe; oder seien es Kritiken, die feststellten, dass „Harry Potter“ ja „nur“ eine Geschichte um einen Zauberlehrling sei, nichts neues also, gab es vorher schon, und auch bei den anderen Zutaten habe sich die Autorin einfach aus dem europäischen Mythenschatz bedient. Und immer wieder die ultimative Keule: das sei ja alles so kommerziell geworden. Filme, Devotionalien, der reine Kommerz.

Und genau das ist es, was in den oben genannten Beiträgen auch über allem schwebt: Das ist ja alles so kommerziell. Und es wird als Ursache für vieles hergezogen: Seit es so kommerziell geworden ist, sind die „Harry Potter“-Bücher nicht mehr wie früher, seit es so kommerziell geworden ist, ist das Bildblog oder der Zwiebelfisch nur noch ein Selbstzweck. Stellt sich die Frage: Wo ist die Grenze? Deswegen habe ich absichtlich ein Extrembeispiel mit angefügt, denn Joanne K. Rowling ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie im Buch steht (und das im wahrsten Sinn des Wortes). Die Frau hat wirklich ausgesorgt. Aber liegt darin nicht auch eine Chance? Immerhin, sie braucht nie wieder etwas zu schreiben. Aber wenn sie möchte, kann sie es tun. Und das Thema kann sie sich selbst aussuchen. Wenn sie es geschickt anstellt, kann sie noch allerhand schreiben, wann sie will, wie sie will – denn sie ist Joanne K. Rowling. Und anders herum gefragt: Was hätte sie anders machen sollen? Hätte sie „Harry Potter“ lieber in der örtlichen Schülerzeitung abdrucken lassen sollen? Oder die Verfilmung ablehnen? Wann und wo ist die Grenze zum „Kommerz“? Wo verläuft diese dünne Linie, die man offenbar nicht überschreiten darf, weil auf der anderen Seite „das Böse“ lauert?

Von dem Erfolg der englischen Schriftstellerin ist das Bildblog noch weit entfernt. Trotzdem gerät es schon jetzt in die Kritik. Viele Leser. Aha. Devotionalien. Hm. Anrüchig. Werbespot produziert mit Anke Engelke und Christoph M. Herbst. Soso. Riecht schon ein wenig mehr nach Kommerz. Lesung mit Charlotte Roche. AH! Kommerz in reinster Form! Und dann noch „Mainstream“. Da hilft es auch nicht, dass Schultheis und Niggemeier diese Dinge (Fan-Artikel, Lesung) erst in Angriff genommen haben, nachdem sie von Lesern danach gefragt wurden. Manche – gerade Kommentatoren der genannten Artikel – schreiben davon, dass sie Bildblog schon gelesen haben, als es noch nicht so bekannt war. Jetzt sei alles anders. Ah, das ist es. Bloß nicht zu bekannt sein. Deswegen hätte man die Idee mit den Fan-Artikeln und der Lesung einfach ablehnen sollen.

Ausgerechnet aus der Ecke heißt es dann noch, die Fans des Bildblog würden sich als „Elite“ betrachten und auf andere herabschauen. Aber was wäre denn ein Blog, das nur ein paar Leser hat, die sich aber klammheimlich darüber freuen, dass nur sie das Wissen um diese tolle Webseite haben? Nicht auch eine Elite? Interessant auch, wie über die Bildblog-Leser hergefallen wird, was zu einer beinahe philosophischen Frage führt: Wenn die Bildblog-Leser Menschen sind, die sich versammeln, um mit dem Finger auf andere Menschen zu zeigen, und wiederum nochmal andere Menschen sich versammeln, um mit dem Finger auf die Bildblog-Leser zu zeigen – ist das nicht ein Widerspruch?

In den Kommentaren zu einem weiteren Bericht, diesmal vom medienblogger, bringt gerade das jemand sehr schön auf den Punkt: Stefan Niggemeier habe seinen „Underdog-Status“ verloren. Am Anfang war es wohl sowas wie David gegen Goliath, das wirkte sympathisch. Doch jetzt haben sich die Verhältnisse verschoben.

Und wo wir gerade von den Kommentatoren sprechen, auch die mussten einiges einstecken. Dabei ging es nicht so sehr um das Bildblog selbst, das hat keine Kommentarfunktion mehr, sondern Niggemeiers persönliches Blog, in dem gern und viel kommentiert wird. Jakubetz selbst tritt in seinem Artikel die Ansicht des „Elite-Gefühls“ der Bildblog-Leser los, indem er Kommentatoren, die Niggemeier ihre Sympathie bekunden, „Servilität“ unterstellt, die ihn „erschüttert“. Als ein Kommentator ihn daraufhin fragt, ob diejenigen, die nun seine Kritik am Bildblog beklatschen, nicht auch „servil“ seien, antwortet er, dass er diese „Entweder-oder-Denke“ nervig finde. Auf eine andere Frage, woher er denn wisse, welche Motivation die Leser oder Kommentatoren bei Niggemeier hätten oder ob es nicht einfach nur Unterstellungen seien, antwortet er nicht, sondern weist darauf hin, dass der Fragesteller seine eMail-Adresse nicht angegeben habe. Aber wenn die Frage schon öffentlich gestellt wurde, kann er sie nicht auch öffentlich beantworten?

An anderer Stelle – bei F!XMBR – sagt ein Kommentator, dass das Bildblog ihm eine Argumentationshilfe sei, wenn es um Geschichten aus der „Bild“ ginge, worauf er die Antwort erhält, dass selbst ein „aufgeweckter Grundschüler“ Bild demaskieren könne. Tatsächlich? Nun gut, es mag Schlagzeilen – etwa über den bevorstehenden Weltuntergang, weil mal wieder alle Planeten des Sonnensystems in einer Reihe stehen – geben, die man selbst entlarven kann. Aber was ist mit denen, wo das nicht so einfach ist? Wo irgendwelche Leute fälschlicherweise mit Sachen in Verbindung gebracht werden, die sie nicht getan haben? Da braucht es Journalisten, die wissen, wie man sowas herausfindet und wo man sich über die Geschichten genau informieren kann. Und gerade die Tatsache, dass andere Zeitungen (oder generell Medien) von der „Bild“ abschreiben und selbst nicht nachprüfen, was sie da übernehmen, zeigt doch, dass es jemanden braucht, der das tut.

Wie ich Eingangs schon sagte, es gibt Kritik und Kritik. In letzter Zeit stimmt mich die Kritik aber nachdenklich. Auf der einen Seite wird laut „Kommerz!“ geschrien, weil Charlotte Roche eine Bildblog-Lesung macht, auf der anderen Seite heißt es dann plötzlich, die Idee zu so einer Veranstaltung sei nicht nur schlecht, sondern man hätte das doch wenigstens professioneller aufziehen können. Also, wenn schon Kommerz, dann richtig? Oder wie darf ich das verstehen? Und an einem Punkt geht mir die Kritik eindeutig zu weit, nämlich wenn unterstellt wird, das „Ziel“ der Aktion sei nicht die „Bild“, sondern die „Bild“-Leser, auf die man mit dem Finger zeigt und von oben auf sie herabschaut.

Ein wenig fühle ich mich in die Schulzeit zurückversetzt. Da sind gute Freunde in einer Clique, bis einer von denen plötzlich in einem Fach exzellente Noten schreibt. Was machen die anderen? Brüllen laut „Streber!“ und schneiden ihn fortan. Ein Mensch mit Namen Robert, der bei medienblogger kommentiert, bringt es sehr schön auf den Punkt: „Was genau erwartet Ihr denn alle vom BILDBlog? Sollen die sich vor die „Bild“-Redaktion ketten und laut schreien: ‚Hört mit dem Dreck auf!‘?“

Gute Frage. Bildblog ist Edutainment-Dreck, das geht gar nicht, sagen die Kritiker. Also was? Bastian Sick ist arrogant, nervt und bringt den Deutschen kein besseres Deutsch bei, sagen die Kritiker. Also was? Das ist es, was auch ich bei der ganzen Diskussion vermisse, die Antwort auf: „Also was?“ Was sollte stattdessen getan werden? Kein Bildblog mehr, kein Zwiebelfisch mehr? Und dann?