Wer im Glashaus sitzt, sollte… ach, zu spät! Ruft einen Glaser!

Joanne K. Rowling. Christoph Schultheis. Stefan Niggemeier. Bastian Sick.

Was haben diese Leute gemeinsam?

Sie alle haben eine Sache angefangen, die ihnen am Herzen lag und damit einen auch ihnen überraschenden Erfolg eingefahren. Rowling rief „Harry Potter“ ins Leben, Schultheis und Niggemeier das „Bildblog“ und Bastian Sick die Kolumne „Zwiebelfisch“ im Spiegel. Keine der genannten Personen begann seine Arbeit mit der Prämisse, daraus etwas wirtschaftlich ungeheuer erfolgreiches zu machen. Aber so kam es bei allen. Warum das so war, kann man nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Wenn überhaupt, dann höchstens mit „die Zeit war wohl reif dafür“. Denn, so lehrt uns ein Sprichwort: „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Doch wie es nun mal so ist, kommt Erfolg, kommt Kritik. Nun muss man unterscheiden zwischen Kritik und Kritik. Konstruktiv und nicht konstruktiv. Gerade das Bildblog und damit Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis, aber auch Bastian Sick sind in letzter Zeit sehr stark in die Kritik geraten. Das Bildblog habe keinen Sinn außer Unterhaltung, also bringe es nichts. Und Bastian Sick nervt. Medienmensch Christian Jakubetz spricht sogar beiden Projekten irgendeine Art von Einfluss ab (siehe hier). Sick, der in seinen Büchern und bei seinen Lesungen schlechtes Deutsch aufs Korn nimmt, könne nicht für auch nur einen (Zitat) „grammatikalischen Dumpfbeutel“ weniger verantwortlich sein, genauso wenig wie Niggemeier und Schultheis für weniger Bildleser. Es ist Entertainment, und gelesen werden beide Projekte auch nur von Leuten, die weder ernsthafte Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben noch die „Bild“ lesen und sich so nur über andere lustig machen. F!XMBR spricht gerade dem Bildblog sogar das Existenzrecht ab. Das braucht man nicht. Zumindest nicht die, die es lesen. „Entertainment-Trash“ [Deutsch: Unterhaltungs-Müll – warum geht das nicht?]. Punkt (siehe hier). Und dass Stefan Niggemeier in seinem Blog (siehe hier) auf Jakubetz‘ Beitrag reagiert, wird bei F!XMBR mit dem überstrapazierten Sprichwort „getroffene Hunde bellen“ abgetan. Letzteres war der Grund, weswegen ich für diesen Artikel in seiner Überschrift ein anderes überstrapaziertes Sprichwort verwendet habe: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“

Damit möchte ich mit meinen Beobachtungen kurz zu Joanne K. Rowling zurückkehren. Für die paar Leute, die es nicht wissen sollten: alleinerziehende Mutter schreibt im Lieblingscafé die Geschichte um den Zauberlehrling Harry Potter auf, findet auf Umwegen einen Verleger und landet einen weltweiten Erfolg, so dass sie zu einer der reichsten Frauen Englands aufsteigt. Und je größer der Erfolg wurde, desto mehr und scheinbar lauter wurden auch die Stimmen der Kritiker. Seien es so abstruse Kritiken wie von Seiten der Kirche, die der Autorin vorwarfen, sie würde die Kinder in den Okkultismus treiben oder jenen radikalen Christen, die gar zur Überzeugung gelangt waren, der große Erfolg sei darauf zurück zu führen, dass Rowling wirklich mit Magie arbeite und ihre Bücher verzaubert habe; oder seien es Kritiken, die feststellten, dass „Harry Potter“ ja „nur“ eine Geschichte um einen Zauberlehrling sei, nichts neues also, gab es vorher schon, und auch bei den anderen Zutaten habe sich die Autorin einfach aus dem europäischen Mythenschatz bedient. Und immer wieder die ultimative Keule: das sei ja alles so kommerziell geworden. Filme, Devotionalien, der reine Kommerz.

Und genau das ist es, was in den oben genannten Beiträgen auch über allem schwebt: Das ist ja alles so kommerziell. Und es wird als Ursache für vieles hergezogen: Seit es so kommerziell geworden ist, sind die „Harry Potter“-Bücher nicht mehr wie früher, seit es so kommerziell geworden ist, ist das Bildblog oder der Zwiebelfisch nur noch ein Selbstzweck. Stellt sich die Frage: Wo ist die Grenze? Deswegen habe ich absichtlich ein Extrembeispiel mit angefügt, denn Joanne K. Rowling ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie im Buch steht (und das im wahrsten Sinn des Wortes). Die Frau hat wirklich ausgesorgt. Aber liegt darin nicht auch eine Chance? Immerhin, sie braucht nie wieder etwas zu schreiben. Aber wenn sie möchte, kann sie es tun. Und das Thema kann sie sich selbst aussuchen. Wenn sie es geschickt anstellt, kann sie noch allerhand schreiben, wann sie will, wie sie will – denn sie ist Joanne K. Rowling. Und anders herum gefragt: Was hätte sie anders machen sollen? Hätte sie „Harry Potter“ lieber in der örtlichen Schülerzeitung abdrucken lassen sollen? Oder die Verfilmung ablehnen? Wann und wo ist die Grenze zum „Kommerz“? Wo verläuft diese dünne Linie, die man offenbar nicht überschreiten darf, weil auf der anderen Seite „das Böse“ lauert?

Von dem Erfolg der englischen Schriftstellerin ist das Bildblog noch weit entfernt. Trotzdem gerät es schon jetzt in die Kritik. Viele Leser. Aha. Devotionalien. Hm. Anrüchig. Werbespot produziert mit Anke Engelke und Christoph M. Herbst. Soso. Riecht schon ein wenig mehr nach Kommerz. Lesung mit Charlotte Roche. AH! Kommerz in reinster Form! Und dann noch „Mainstream“. Da hilft es auch nicht, dass Schultheis und Niggemeier diese Dinge (Fan-Artikel, Lesung) erst in Angriff genommen haben, nachdem sie von Lesern danach gefragt wurden. Manche – gerade Kommentatoren der genannten Artikel – schreiben davon, dass sie Bildblog schon gelesen haben, als es noch nicht so bekannt war. Jetzt sei alles anders. Ah, das ist es. Bloß nicht zu bekannt sein. Deswegen hätte man die Idee mit den Fan-Artikeln und der Lesung einfach ablehnen sollen.

Ausgerechnet aus der Ecke heißt es dann noch, die Fans des Bildblog würden sich als „Elite“ betrachten und auf andere herabschauen. Aber was wäre denn ein Blog, das nur ein paar Leser hat, die sich aber klammheimlich darüber freuen, dass nur sie das Wissen um diese tolle Webseite haben? Nicht auch eine Elite? Interessant auch, wie über die Bildblog-Leser hergefallen wird, was zu einer beinahe philosophischen Frage führt: Wenn die Bildblog-Leser Menschen sind, die sich versammeln, um mit dem Finger auf andere Menschen zu zeigen, und wiederum nochmal andere Menschen sich versammeln, um mit dem Finger auf die Bildblog-Leser zu zeigen – ist das nicht ein Widerspruch?

In den Kommentaren zu einem weiteren Bericht, diesmal vom medienblogger, bringt gerade das jemand sehr schön auf den Punkt: Stefan Niggemeier habe seinen „Underdog-Status“ verloren. Am Anfang war es wohl sowas wie David gegen Goliath, das wirkte sympathisch. Doch jetzt haben sich die Verhältnisse verschoben.

Und wo wir gerade von den Kommentatoren sprechen, auch die mussten einiges einstecken. Dabei ging es nicht so sehr um das Bildblog selbst, das hat keine Kommentarfunktion mehr, sondern Niggemeiers persönliches Blog, in dem gern und viel kommentiert wird. Jakubetz selbst tritt in seinem Artikel die Ansicht des „Elite-Gefühls“ der Bildblog-Leser los, indem er Kommentatoren, die Niggemeier ihre Sympathie bekunden, „Servilität“ unterstellt, die ihn „erschüttert“. Als ein Kommentator ihn daraufhin fragt, ob diejenigen, die nun seine Kritik am Bildblog beklatschen, nicht auch „servil“ seien, antwortet er, dass er diese „Entweder-oder-Denke“ nervig finde. Auf eine andere Frage, woher er denn wisse, welche Motivation die Leser oder Kommentatoren bei Niggemeier hätten oder ob es nicht einfach nur Unterstellungen seien, antwortet er nicht, sondern weist darauf hin, dass der Fragesteller seine eMail-Adresse nicht angegeben habe. Aber wenn die Frage schon öffentlich gestellt wurde, kann er sie nicht auch öffentlich beantworten?

An anderer Stelle – bei F!XMBR – sagt ein Kommentator, dass das Bildblog ihm eine Argumentationshilfe sei, wenn es um Geschichten aus der „Bild“ ginge, worauf er die Antwort erhält, dass selbst ein „aufgeweckter Grundschüler“ Bild demaskieren könne. Tatsächlich? Nun gut, es mag Schlagzeilen – etwa über den bevorstehenden Weltuntergang, weil mal wieder alle Planeten des Sonnensystems in einer Reihe stehen – geben, die man selbst entlarven kann. Aber was ist mit denen, wo das nicht so einfach ist? Wo irgendwelche Leute fälschlicherweise mit Sachen in Verbindung gebracht werden, die sie nicht getan haben? Da braucht es Journalisten, die wissen, wie man sowas herausfindet und wo man sich über die Geschichten genau informieren kann. Und gerade die Tatsache, dass andere Zeitungen (oder generell Medien) von der „Bild“ abschreiben und selbst nicht nachprüfen, was sie da übernehmen, zeigt doch, dass es jemanden braucht, der das tut.

Wie ich Eingangs schon sagte, es gibt Kritik und Kritik. In letzter Zeit stimmt mich die Kritik aber nachdenklich. Auf der einen Seite wird laut „Kommerz!“ geschrien, weil Charlotte Roche eine Bildblog-Lesung macht, auf der anderen Seite heißt es dann plötzlich, die Idee zu so einer Veranstaltung sei nicht nur schlecht, sondern man hätte das doch wenigstens professioneller aufziehen können. Also, wenn schon Kommerz, dann richtig? Oder wie darf ich das verstehen? Und an einem Punkt geht mir die Kritik eindeutig zu weit, nämlich wenn unterstellt wird, das „Ziel“ der Aktion sei nicht die „Bild“, sondern die „Bild“-Leser, auf die man mit dem Finger zeigt und von oben auf sie herabschaut.

Ein wenig fühle ich mich in die Schulzeit zurückversetzt. Da sind gute Freunde in einer Clique, bis einer von denen plötzlich in einem Fach exzellente Noten schreibt. Was machen die anderen? Brüllen laut „Streber!“ und schneiden ihn fortan. Ein Mensch mit Namen Robert, der bei medienblogger kommentiert, bringt es sehr schön auf den Punkt: „Was genau erwartet Ihr denn alle vom BILDBlog? Sollen die sich vor die „Bild“-Redaktion ketten und laut schreien: ‚Hört mit dem Dreck auf!‘?“

Gute Frage. Bildblog ist Edutainment-Dreck, das geht gar nicht, sagen die Kritiker. Also was? Bastian Sick ist arrogant, nervt und bringt den Deutschen kein besseres Deutsch bei, sagen die Kritiker. Also was? Das ist es, was auch ich bei der ganzen Diskussion vermisse, die Antwort auf: „Also was?“ Was sollte stattdessen getan werden? Kein Bildblog mehr, kein Zwiebelfisch mehr? Und dann?

31. Oktober: Jahresende alter Zeitrechnung – Ende und Anfang

Mit dem heutigen Tag gehen gleich mehrere Dinge zu Ende. Zum einen unsere Reihe über die Neujahrstage der verschiedenen Kulturen. Denn heute ist der Tag, an dem verschiedene antike europäische Kulturen – unter anderem die Kelten – das Jahresende begingen. „Halloween“, das heute noch gefeiert wird, stammt von dem alten keltischen Feiertag „Samhain“. In der Vornacht, so hieß es, öffneten sich die Tore zur Anderswelt und die Seelen der Toten besuchten die Lebenden. Die Bestandteile von Halloween erinnern noch an diese ursprünglichen Bestandteile. Da an diesem Tag eben auch das Jahr zuende ging, setzte man sich generell mit der Endlichkeit von allem auseinander. In diesem Sinne ist dieser Tag auch ein passendes Ende für unsere Reihe über die verschiedenen Neujahrstage.

Zum zweiten ist der Tag auch passend für eine weitere Entwicklung in unserem Projekt. Ursprünglich hatten wir ja die Idee, verschiedene Blogs für die verschiedenen Richtungen innerhalb des „Phantastischen Projekts“ einzurichten. Angefangen hatte das mit dem Blog der ASTROCOHORS-Seite, das rein um Science Fiction und alles, was dort dazugehört, gehen sollte. Langsam stellten wir aber fest, dass das nicht ganz der passende Weg war, denn immerhin gehört auch alles innerhalb des Projektes zusammen. Gerade in diesem Jubiläumsjahr wurden dann viele neue Ideen auf den Weg gebracht. Und lange haben wir darüber nachgedacht, doch letztlich waren wir der Überzeugung, alles in ein Blog zu integrieren. Damit endet am heutigen Tag also das ASTROCOHORS-Blog. Aber keine Sorge, die Beiträge sind nicht verloren, sie wurden in dieses Blog aufgenommen. Insofern passt also auch das Bild vom Ende und neuen Anfang, denn nichts anderes symbolisiert dieser Tag.

Zum Schluss noch eine selbstreferenzielle Anmerkung: In den letzten Tagen geht in verschiedenen Blogs das Schreckgespenst der Abstrafung durch Google um. Einige Seiten – auch große – haben im PageRank(TM) eingebüßt. Wir nicht. Wir haben einen Punkt gewonnen und sind jetzt bei 2! 😀

Was steht in der Browser-Adresszeile? – Eine Linkkette

In den Nachrichtensendungen des englischen Fernsehens sagte man früher dazu: „And now for a lighter note…“ Damit sollte angedeutet werden, dass nun etwas kommt, was nichts mit den hochtrabenden Ereignissen rund um dem Globus zu tun hat, sondern etwas „leichter“ ist. In diesem Sinne: „And now for a lighter note…“

WebZweiPunktNull.de hat aufgerufen, man soll doch einfach mal austesten, was passiert, wenn man in die Adresszeile des Browsers nur einen Buchstaben eingibt. Der Browser bietet einem dann ja die Adressen von Seiten an, die man bereits besucht hat. Aber welche sind das – und welche Adresse wird als erstes angeboten? Nachdem sich schon ein paar Blogs daran beteiligt haben, mache ich das auch einfach mal. Es ist ein interessantes Experiment über das eigene Surfverhalten, auch wenn es bei mir, fürchte ich, eine teilweise sehr selbstrefenzielle Sache wird. Also, folgendes erschien bei mir als erste Adresse (Reihenfolge der Buchstaben auf der Tastatur):

q –  http://www.qype.com/place/preview/de-2907813-Motel-Westend-Herbolzheim

w – http://www.wortvogel.de/

e – http://ep-blog.blogspot.com/

r – http://rivva.de/

t – http://www.terranischer-club-eden.com/

z – http://www.zdf.de/

u – http://www.uss-phoenix.de/forum/

i – http://www.infopirat.com/

o – http://www.orf.at/

p – http://www.phoenix-larp.de/

a – http://astrocohors.blogspot.com/

s – http://star-command.de/ (das dürfte nicht verwundern)

d – http://www.dilbert.com/

f – http://freizeitparkweb.de/cgi-bin/dcf/dcboard.cgi

g – http://www.google.com/ig

h – http://www.hitflip.de/index_welcome.php

j – http://jumk.de/astronomie/sterne/index.shtml

k – http://www.kino.de

l – http://www.lyricsfreak.com/g/genesis/invisible+touch_20058871.html

y – http://www.yahoo.de

x – (nichts)

c –  http://cparcs.cp.funpic.de/

v –  http://www.vvallo.com/2007/10/23/was-haben-wir-der-sueddeutschen-zeitung-getan/

b – http://www.bildblog.de/

n – http://news.google.de/

m – http://my.ebay.de

Na, möchte sich dem jemand anschließen? Der Urheber der Aktion findet sich hier!

Monty Python’s „Spann-a-lot“ – Realsatire in Deutschland

Seit gestern ist die Meldung draußen, dass der Bundesgerichtshof den Haftbefehl gegen einen in Berlin inhaftierten Soziologen aufgehoben hat. Der Mann musste sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Im Verlauf des Verfahrens sind die Methoden der Ermittler in die Kritik geraten, nach denen der Verdächtige offenbar anhand von neun (!) Worten, die er in einem Artikel gebraucht hatte, von der Staatsanwaltschaft ins Visier genommen worden war. Diese neun Worte wurden auch – in anderem Zusammenhang – von einer terroristischen Gruppe in deren Schreiben verwendet. Aus diesem Umstand wurde offenbar ein Verdachtsmoment konstruiert, der ausreichte, den Soziologen in Untersuchungshaft zu nehmen. Das Spreeblick-Blog schreibt hier über die Aufhebung des Haftbefehls und die Geschichte der Ereignisse seit der Inhaftierung, netzopolitik.org bringt Zitate des BGH und weist auf das Blog der Lebensgefährtin des Soziologen hin (siehe hier) und auch das RA-Blog räumt der Begründung des BGH großen Raum ein (hier).

Mir persönlich kam mal wieder Monty Python in den Sinn. Schon vor einiger Zeit wurden in diesem Blog zwei Artikel veröffentlicht, in denen Monty-Python-Szenen auf neue Situationen umgeschrieben wurden (Monty Python’s „Die Blogger der Kokosnuss“ / Monty Python’s „Das Leben des Blogger“). Auch beim Lesen der Artikel oben fiel mir so eine Szene ein, die mir schon seit ein paar Tagen wieder im Kopf herumgeistert. Auslöser dafür waren eigentlich Berichte über eine Spezialpolizei in England, die auf Flughäfen Reisende auf Terrorverdacht überprüfen soll und dabei allen Ernstes fragt, ob man Terrorist sei oder einen Anschlag in England geplant habe.

Das Original der nachfolgenden Szene, in der es auch darum geht, wie schnell der Falsche in eine unangenehme Situation kommen kann, stammt aus der 5. Sendung der ersten Staffel von „Monty Python’s Flying Circus“. Die Änderungen sind dem Zeitgeist geschuldet.

Ein Schalter am Flughafen London, die Zollabfertigung. Ein Beamter steht hinter dem Tresen. Ein Mann mit einem Koffer kommt dazu. Er legt den Koffer auf die Schaltertheke.

Beamter: (hält ein Merkblatt hoch) Haben Sie das gelesen?

Mann: Nein. Oh, ja doch ja!

Beamter: Haben Sie irgendetwas anzumelden?

Mann: Ja. (hektisch) Nein! Nein, nein, nein! Nichts anzumelden. Nichts in meinem Koffer, nein!

Beamter: Sie sind kein Mitglied einer terroristischen Vereinigung, schmuggeln Sprengstoff oder Bauteile für eine Bombe?

Mann: Ja, schon, Elektronikkomponenten, C4 und eine Zeitschaltuhr. (wieder hektisch) Nein! Nein, nein! Eine Zeitschaltuhr! Nein! Nicht mal eine Zeitschaltuhr! Nein, überhaupt keine Bauteile. Gar keine Bauteile, nein!

Beamter: Welches Land haben Sie besucht?

Mann: Afghanistan. (hektisch) Nein! Nein… äh… nicht Afghanistan! Nein! Es fängt mit „A“ an, aber es war nicht Afghanistan… hm, was könnte es gewesen sein? Ich habe ein so schlechtes Namensgedächtnis. Wie heißt nochmal das Land mit „A“, in dem absolut keine Terroristen ausgebildet werden?

Beamter: Andorra?

Mann: Andorra! Das war’s! Genau, Andorra!

Beamter: Auf dem Aufkleber auf Ihrem Koffer steht „Kabul“.

Mann: Ja, sehen Sie, dann war es Andorra.

Beamter: Kabul liegt in Afghanistan.

Mann: In Afghanistan, wie? Hmmm… ja.

Beamter: In Afghanistan – wo die Terroristen ausgebildet werden.

Mann: (sieht sich scheinbar gedankenverloren um, dann:) Einen schönen Schalter haben Sie hier!

Beamter: Haben Sie Geld in afghanischer Währung, Sir?

Mann: Nein. Bloß die Bombe (hektisch) – bloß meine Bomb… mein bombastisches Interesse an Währungen. Die Kurse sind bombastisch und ich verfolge sie. Aber ich hab kein Geld, nein.

Beamter: Das kam ihnen jetzt aber sehr schnell über die Lippen. (Im Koffer fängt auf einmal eine Zeitschaltuhr zu rattern an. Der Mann schlägt auf dem Koffer herum, um sie zum Verstummen zu bringen, hat aber zunächst keinen Erfolg.) Haben Sie da eine Zeitschaltuhr drin?

Mann: Nein, nein, meine Güte, nein, nein… nur Unterhemden! (Er schlägt nochmals auf den Koffer, worauf das Rattern verstummt.)

Beamter: Es klang aber wie eine Zeitschaltuhr, die losgegangen ist.

Mann: Nein, kann nicht sein… war wohl ein Unterhemd.

Beamter: Ein Unterhemd, das losgegangen ist.

Jetzt fängt der Koffer wieder an zu rattern. Der Mann schlägt darauf ein, diesmal allerdings erfolglos.

Mann: (verzweifelt) Also gut, ich gebe zu, ich bin ein Terrorist! Dieser Koffer ist mit den Komponenten für eine Zeitbombe vollgestopft. Ich habe wissentlich versucht, einen Anschlag vorzubereiten. Ich war ein verdammter Idiot.

Beamter: Ich glaube Ihnen nicht.

Mann: Es stimmt aber. Ich bin ein Terrorist.

Beamter: Erzählen Sie mir nichts. Sie könnten ja nicht einmal Einwickelpapier schmuggeln, geschweige denn Bauteile für eine Bombe.

Mann: (empört) Was soll das denn heißen? Ich schmuggle schließlich schon länger! Kameras, Mikrofilme, Raketenbauteile – was Sie wollen, ich habe es geschmuggelt!

Beamter: Also bitte, gehen Sie weiter! Sie stehlen uns die Zeit!

Mann: Hier! (er reißt den Koffer auf, in dem sich die Bestandteile einer Bombe offenbaren – einschließlich Zeitschaltuhr) Hier, sehen Sie her!

Beamter: Also, wie ich das sehe, können Sie diese Bauteile auch legal in London gekauft haben, bevor Sie nach Afghanistan geflogen sind.

Mann: Bitte? Man braucht eine Lizenz, um C4-Sprengstoff legal zu kaufen – außerdem wäre es doch blöd, registrierten Sprengstoff von London nach Afghanistan mitzunehmen!

Beamter: Es gibt Leute, die das tun. Also bitte: Koffer zu und weitergehen! Verschwenden Sie hier nicht unsere Zeit, wir müssen die richtigen Terroristen kriegen!

Mann: (brüllt) Ich BIN ein Terrorist! Ein richtiger Terrorist! Hören Sie mir nicht zu? Ein Terrorist, ein gemeiner Verbrecher! (ein zweiter Beamter kommt hinzu und führt ihn aus der Zollabfertigung heraus; er wehrt sich heftig)

Ein Priester in Soutane ist der nächste. Er ist gerade hereingekommen und verfolgt, wie man den Mann abführt. Dann stellt er eine kleine Tasche auf den Tresen.

Priester: Armer Kerl. Ich glaube, er braucht Hilfe.

Beamter: (zieht eine Waffe und legt auf den Priester an) So, Freundchen, Schluss mit Ihren Sprüchen! Ab in den Durchsuchungsraum und Kleider runter!

Er kommt hinter dem Tresen hervor, nimmt den Priester in den Polizeigriff und stößt ihn vor sich her durch eine Tür.

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[ironie] Ihr seid alle blöd! Und Ihr habt alle Recht! [/ironie]

Geht man nach einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung über Blogs, so müsste allein die Überschrift dieses Artikels reichen, um ordentlich Leser auf diese Seite zu ziehen, stellt man in der Redaktion der SZ doch fest: „In diesem Zusammenhang kann man das Bloggen nicht als Schreiben gelten lassen. Als Blogger reicht es, dass man den Massen nach dem Mund redet oder Aufmerksamkeit erregt, indem man sie beschimpft.“

Aha. So einfach ist das also. Diese rasiermesserscharfe Analyse der Blogger-Szene leitet die SZ aus einer Untersuchung des Marktforschungsinstitut TNS Infratest ab. Über diese Ansichten schreibt in diesem Artikel die Wissenswerkstatt und nimmt die Analyse dabei „lege artis“ [„nach den Regeln der Kunst“] auseinander. Selbst die berühmte „Gretchenfrage“ („Nun sag, wie hast Du’s mit der Religion?“) kommt zu ihrem Recht. Das macht das ganze sehr lesenswert und sollte gewissen Leuten vielleicht mal einen Denkanstoß geben. Dummerweise steht diese Analyse in einem Blog, und die sind für diese Leute nicht relevant genug.

So steht am Schluss, dass man für ein gut besuchtes Blog doch mehr braucht, als den Massen nach dem Mund zu reden oder sie zu beschimpfen. Verdammt, es hätte so einfach sein können… 🙂

ASTERIX – ein Phänomen

„Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern erobert… Ganz Gallien?“

Nein, natürlich nicht. Und wenn der Spruch „Perlen vor die Säue werfen“ [oder wahlweise „Eulen nach Athen tragen“] auf etwas zutrifft, dann darauf, dass man noch erklären müsse, woher dieser Spruch stammt. Ob man ihn mag oder nicht, die Abenteuer von Asterix, dem Gallier, sind inzwischen schon so etwas wie ein Teil der europäischen Kultur geworden. Es dürfte kaum jemanden geben, der nicht zumindest schon mal von ihm gehört hat.

Die Geschichte von Asterix begann 1959, als der erste Teil von „Asterix der Gallier“ in der französischen Jugendzeitschrift „Pilote“ veröffentlicht wurde. Erfunden hatten den gallischen Krieger der Texter René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo (in den Alben kurz „Goscinny & Uderzo“ genannt). Die ersten Abenteuer wurden zuerst in „Pilote“ als Fortsetzungsgeschichte geschrieben, und dann als Album komplett nochmals veröffentlicht. Und im Verlauf der Zeit wurde Asterix ein großer Erfolg, auch international. Bereits 1965/66 erschienen die Abenteuer in Deutsch, allerdings noch als Bestandteil des vom Kauka-Verlag (von Verleger Rolf Kauka, dem Erfinder von Fix und Foxi) herausgebrachten Heftes „Lupo Modern“. Kauka jedoch drückte jedem vom Ausland gekauften Comic seinen persönlichen Stempel auf. So wurde Franquins Serie „Gaston“ zu „Jo-Jo“ [in der „Jo-Jo“-Gaston furchtbar stotterte] oder „Spirou und Fantasio“ zu „Pit und Pikkolo“ [und das ebenfalls in der Reihe auftauchende Marsupilami zu Kokomiko]. Die Gallier Asterix und Obelix wurden in der Bearbeitung zu den Germanen „Siggi und Babarras“, die sich in dem Dorf „Bonnhalla“ rechts des Rheins amerikanischen Besatzern entgegenstellen. Da die Handlung der Geschichten ähnliche Wandlungen erfuhren, so dass aus dem Kampf der Gallier gegen die Römer ein Abbild von „Stammtischmeinungen“ der konservativen Szene über die aktuelle Politik der 1960er Jahre wurde, und die Autoren ihr Werk so verfremdet sahen, entzogen sie dem Kauka-Verlag das Recht zum Abdruck.

Ab 1967 übernahm der Ehapa Verlag die Rechte, die er bis heute immer noch hat. Allerdings kam es bei der Veröffentlichung der bisher erschienenen Abenteuer zu einem Bruch in der Reihenfolge. Als 1968 die beiden ersten Alben erschienen, kam gerade der Zeichentrickfilm „Asterix und Kleopatra“ ins Kino. Und obwohl der dazugehörige Band eigentlich Nummer 6 der Reihe ist, wurde er als Nummer 2 veröffentlicht, als „Comic zum Film“. Damit nahm dummerweise auch die Handlung ein paar Logikbrüche hin, zum Beispiel, dass Idefix, Obelix‘ Hund bereits dabei ist, obwohl der erst in „Tour der France“ (Nr. 5, also genau ein Album vor „Kleopatra“) zum ersten Mal auftaucht, oder die Piraten, die beim Anblick der Gallier ihr Schiff aus Angst selbst versenken, obwohl die erste Begegnung mit ihnen in „Asterix als Gladiator“ (Nr. 4) stattfindet und sich mit „Tour de France“ erst zum Running Gang entwickelt.

In 32 Alben und einer Sonderausgabe erlebten die Gallier seither ihre Abenteuer. Seit dem Tod von Goscinny 1977 entwickelt Uderzo allein die Geschichten, die zwar zur Zeit des römischen Imperiums spielen und diese Epoche auch sehr getreu wiedergeben, aber immer auch Bezüge zur Gegenwart haben, etwa bei den Eigenarten der verschiedenen Völkern, die Asterix auf seinen Reisen kennenlernt. Manche Zitate aus der Serie [„Wir schreiben das Jahr 50 vor…“, „Die spinnen, die Römer!“, „Passierschein A 38“] haben sogar Eingang in den modernen Sprachgebrauch gefunden.

Um die Reihe entsprechend zu würdigen, wurde vom Ehapa Verlag im Jahr 2000 die „Gesamtausgabe“ herausgebracht. In einem großformatigen Buch mit Hardcover in blauer Lederoptik sind immer drei Alben abgedruckt. Vor den einzelnen Alben gibt es Seiten mit Informationen, wie das jeweilige Album entstand. Außerdem sind auch Kurzgeschichten rund um Asterix, die Goscinny und Uderzo erfunden haben, abgedruckt, etwa „Obelisc’h“, in der die beiden einen leibhaftigen Nachfahren von Obelix treffen und mit nach Paris in die Redaktion ihres Magazins nehmen.

Wohin die Reihe noch gehen wird, bleibt abzuwarten. Der bisher letzte Band, „Gallien in Gefahr“, der 2005 erschien, wurde etwas kontrovers betrachtet, zum einen, weil dort mit dem Auftauchen zweier außerirdischer Kulturen Science-Fiction-Elemente in die Serie eingebracht wurden, zum anderen, weil die in dem Abenteuer verarbeitete Allegorie einer Warnung vor der schleichenden Ersetzung Comics klassischer Machart durch japanische Mangas so nicht von jedem geteilt wurde. Weiters wurde bemängelt, dass die Handlung durch die Verwendung von einzelnen Bildern, die teilweise eine halbe bis eine ganze Seite einnahmen, gestreckt wurde. Auch dass sich Uderzo im Nachwort ausgerechnet vor Walt Disney, den er als „berühmten, wundervollen Druiden“ bezeichnet, der es ihm (Uderzo) ermöglichte, „in einen Kessel voll Zaubertrank“ zu fallen, verbeugt, wurde mit Befremden aufgenommen. Disney hatte das Zeichnen selbst bereits 1926 aufgegeben, überließ die Konzeption der Figuren anderen Künstlern und fungierte nur noch als Produzent und „Ideengeber“.

Uderzo selbst meinte, auf die Zukunft von Asterix angesprochen, dass er noch nicht am Ende sei und trotz seines Alters (er wurde am 25. April 2007 80 Jahre) gern noch ein Abenteuer zeichnen würde. Wir werden also sehen müssen, was die Zukunft dem Gallier aus der Vergangenheit bringen wird.

Die Wartezeit bis dahin kann die ASTERIX Gesamtausgabe verkürzen. Die ersten sechs Bände der Reihe (umfassend die Alben 1 bis 18) gibt es in einer Auktion, die noch bis zum 28. Oktober 2007 läuft:


eBay Partnerprogramm

…

Ein weiterer Schritt

Schon wieder etwas Selbstreferenzielles, aber davon haben wir hier ja eigentlich nie abgeschworen: die Internetpräsenz des „Phantastischen Projekts“ hat heute ihre Fertigstellung erlebt. Die Seiten sind erstellt, mit der Geschichte des Projekts, Personen, dem Magazin, Shops, Forum und Informationen über die ASTROCOHORS-Seite. Gleichzeitig bedeutet das, dass wir explizite Themeninhalte ab sofort unseren Partnerseiten (EP-Blog, CPARCS) überlassen. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, hin und wieder darauf zurück zu kommen oder auch auf bestimmte, einzelne Beiträge zu verweisen.

Mondpreise bei Medikamenten, Untätige bei Gewerkschaften, Missbrauch bei Studiengebühren, übereifrige Staatsanwälte, Autobahnen und Nobelpreise

Im Rahmen der Blogger-Aktion für Burma sind einige Stimmen laut geworden, man solle doch die Probleme in Deutschland nicht aus den Augen verlieren. Manches mal wurden diese Forderungen auch in einem etwas härteren Ton gebracht. Es war gerade so, als würde man das eigene Land beim Blick auf Myanmar aus den Augen verlieren. Damit das nicht passiert – falls die Gefahr je bestand -, gibt es unter anderem verschiedene Magazine im Fernsehen. Beim ZDF ist das „Frontal 21„, das diese Woche einen guten Querschnitt durch die Republik brachte. Und um auch zu zeigen, dass wir die eigene Umgebung trotz der Probleme der Welt nicht vergessen, hier die Themen der aktuellen Sendung von gestern:

Über Dinge, die im Gesundheitswesen nicht so laufen, wie sie sollten, hatten wir schon zu verschiedenen Gelegenheiten kritische Bemerkungen gemacht (zum Beispiel „Krankenkassen und Überwachung: 2057 kommt schneller als gedacht…“ oder „2057 – unser Leben in der Zukunft„). Dieser Bericht zeigt, dass Sparmaßnahmen nicht nur auf Kosten des Personals erfolgen sollten, sondern dass man auch bei Pharma-Firmen ansetzen kann. Ausgerechnet bei Medikamenten gegen Krebs schnellen Preise plötzlich und übermäßig in die Höhe.

Das Geschäft mit dem Krebs – ZDF-Mediathek

Auch über die Bahn und die ins Gerede gekommenen Privatisierungspläne haben wir geschrieben („Die Bahn… kommt? oder Es fährt ein Zug nach Nirgendwo…„). Zurzeit macht die Bahn eher wegen der Lokführerstreiks von sich reden. Die Kollegen der Lokführer mögen fassungslos sein, denn ihr Tarifvertrag sah ganz anders aus als das, was die Bahn jetzt anbietet. Das Problem: Sie sind in einer anderen Gewerkschaft und die geht nicht so auf Konfrontation wie die Lokführer.

Transnet: Gewerkschaft am Gängelband – ZDF-Mediathek

Um die Bildung an deutschen Hochschulen zu verbessern, waren Politiker der Ansicht, Studiengebühren erheben zu müssen. Für die Bildung, wohlgemerkt. Doch viele Hochschulen brauchen die Gebühren für andere Dinge, zum Beispiel Heizkosten.

Missbrauchte Studiengebühren – ZDF-Mediathek

Es ist ein durchaus gängiges Szenario in den unzähligen Gerichtsshows, die im Moment noch auf den Privatsendern laufen: der Staatsanwalt hat sich auf einen Angeklagten eingeschossen und hält diesen für schuldig, bis ein findiger Rechtsanwalt – hin und wieder auch in Form von Ingo Lenßen – die Unschuld seines Mandanten beweist. Eine Räuberpistole? In Sachsen-Anhalt gab es einen ähnlichen Fall. Ein Staatsanwalt erhielt eine anonyme Anzeige. Doch statt den dort erhobenen Vorwürfen genauer nachzugehen, wollte der lieber ermitteln, wer diese Anzeige erstattet hatte und gegen den vorgehen. Es wurde auch jemand ausgemacht. Aber war das auch der „Täter“?

Sachsen-Anhalt: Seltsame Ermittlungen – ZDF-Mediathek

Es gibt kaum jemand, der nicht den Eklat bei J. B. Kerner mitbekommen hat: Eva Herman wurde im Verlauf der Sendung ausgeschlossen (eine genaue Betrachtung liefert Stefan Niggemeier hier). In der Sendung fiel auch mal wieder das Klischee von den Autobahnen, die die Nazis gebaut hätten und die wir heute ja auch noch benutzen. Nachdem selbst schon die Bild-Zeitung (wie das „Bildblog“ hier überrascht berichtet) über solche Irrtümer in Kurzform aufklärt, widmet sich das Magazin in längerer Form nochmal dem „Es war ja nicht alles schlimm“-Mythos der freien Fahrt für deutsche Bürger.

Mythos Autobahn – ZDF-Mediathek

Damit die Worte „Wir bleiben an dem Thema dran“ keine leere Phrase sind, bietet „Frontal 21“ die Rubrik „Nachgehakt“, in der über die Folgen vergangener Reportagen berichtet wird. In dieser Woche ging es um die Strompreiserhöhung, die Verwertung von DNS-Spuren an Tatorten und den Brückenwahn in Sachsen.
Die satirische Nachlese „Toll!“ widmet sich dem Nobelpreis – und ein klein wenig Eva Herman und der JBK-Show. Aber nur am Rande…

Toll! Nobelpreis – ZDF-Mediathek

Myanmar – was seither geschah…

Die Aktion „Free Burma“ ist nun 12 Tage her. Da der Blick nach Myanmar aber nicht vergessen werden sollte, hier ein kleiner Überblick, was seither passiert ist.

Am 8. Oktober machten Berichte die Runde, dass die Verhaftungen von Kritikern weitergehen. Genaue Zahlen seien allerdings nicht bekannt, da viele Reporter inzwischen abgehört werden und sich nicht mehr trauen, Informationen per Telefon ins Ausland weiterzugeben (Bericht: „Weitere Verhaftungen in Myanmar„). Den verhafteten Mönchen wurde von der Regierung die Amnestie verweigert; gleichzeitig drohen im Exil lebende Mönche mit einem Boykott-Aufruf für die Olympischen Spiele in Peking, sollte China sich weiterhin gegen eine UN-Erklärung sperren (Bericht: „Myanmar: Militärjunta verweigert Mönchen Amnestie„). An der Haltung Chinas änderte das jedoch zunächst nichts, die Regierung in Peking drängte darauf, zwischen der Regierung Myanmars und der Opposition zu vermitteln (Bericht: „Westen dringt auf Verurteilung von Gewalt in Myanmar„). Am 10. Oktober wird bekannt, dass offenbar ein verhafteter Aktivist während seines Verhörs durch die Militärs gestorben sei (Bericht: „Myanmar: Aktivist angeblich während Verhör gestorben„).

Am 12. Oktober vermeldete die Agentur REUTERS, dass sich China erstmals nicht mehr sperrte, eine UN-Resolution mitzutragen, die Kritik an der Gewaltaktion gegen Demonstranten in Myanmar übte. Zwar ging vielen Menschenrechtlern die Erklärung nicht weit genug, aber grundsätzlich wurde sie begrüßt (Bericht: „Auch China kritisiert Myanmar„). Am 15. Oktober wurde bekanntgegeben, dass die EU über Sanktionen gegen Myanmar entscheiden möchte (Bericht: „Myanmar aktuell: Sanktionen aus Brüssel„). Und gerade heute erging die Nachricht, dass Japan Sanktionen beschlossen hat und Hilfsgelder einfriert, aber weiterhin humanitäre Hilfe leisten möchte (Bericht: „Japan friert Hilfsgelder für Myanmar ein„).

Zum Schluss dieser ganzen Meldungen noch ein Hinweis auf eine sehr gut geschriebene Zusammenfassung über die Geschichte und den Hintergrund des Landes Myanmar und zu dem, was letztlich zu den Ereignissen dort geführt hat: das ZDF zum Thema „Myanmar – Warum die Mönche rebellieren„.

„AMORE XL“ – der neueste Wurf der Ersten Allgemeinen Verunsicherung

In diesem Blog wurden schon des öfteren Texte von Lieder der Ersten Allgemeinen Verunsicherung zitiert (zum Beispiel hier und hier), was damit zu tun hat, dass diese Texte trotz der Tatsache, dass sie schon ein paar Jahre alt sind, etwas beschreiben, das einem verdammt bekant vorkommt. Am heutigen 12. Oktober hat die Band nun tatsächlich ihr neues Album herausgebracht, das den Titel „AMORE XL“ trägt. Und das ist für uns eine Gelegenheit, uns diese „Verunsicherung“ mal anzuschauen, von damals bis heute.

Die Geschichte beginnt eigentlich 1974 mit Eik Breit und Günter Heineman, die die Band „Antipasti“ gründen. Bis 1977 gibt die Band in verschiedenen Konstellationen Konzerte. Um nicht einfach Lied an Lied zu spielen, erzählt Eik Breit in den Pausen dazwischen komische Geschichten. Als man 1977 einen neuen Gitarristen sucht, kommt Thomas Spitzer hinzu, der verlangt, dass eine klare Idee hinter dem Konzept stecken müsse. Ihm schwebt eine „Rock-Comix-Gruppe“ vor, etwas, das er auch schon mit Nino Holm, der 1974 zu der Band kam, besprochen hat. Daraufhin wird „Antipasti“ aufgelöst und das Konzept für die neue Band erarbeitet. Schließlich fehlt nur noch ein passender Name. Doch da kommt den aufstrebenden Musikern der Zufall zur Hilfe: Sie fahren an einem Gebäude der österreichischen „Ersten Allgemeinen Versicherung“ vorbei. Thomas Spitzer hat eine Idee. Wenn man sich „Erste Allgemeine Verunsicherung“ nennt, regen sich die Leute von der Versicherung auf – und wie sollte es Jahre später zu diesem Thema in Webbers Musical „Das Phantom der Oper“ heißen? „Die Publicity ist doch wunderbar – und umsonst sogar!“

Im Winter 1977 schreibt Thomas Spitzer die erste Bühnenshow für die Band. Ein Freund von ihm, Klaus Eberhartinger, rät ihm, das Buch nochmal zu überarbeiten, da er findet, er könne das besser. Doch der will das zuerst nicht zur Kenntnis nehmen, schließlich jedoch erarbeitet er innerhalb von fünf Tagen ein neues Programm, das 1978 erstmals zur Aufführung kommt, allerdings erst, nachdem der Austrorock-Star Wilfried Scheutz zu der Gruppe stößt und die anderen Bandmitglieder für ihre Auftritte schult. Tatsächlich gibt es auch den von Spitzer angedachten Wirbel seitens der Versicherung wegen des Bandnamens.

Trotzdem kommt das ganze nicht so richtig in Schwung. Die „Verunsicherung“ tritt hauptsächlich in Landeshauptstädten Österreichs auf, im Rest der Alpenrepublik ist man nahezu unbekannt. Anfang der 1980er Jahre kommt man langsam nach Deutschland. Das Programm damals heißt „Café passe“. Der Selbstmord des Sängers Walter Hammerl überschattet das Jahr 1981, worauf Klaus Eberhartinger hinzu kommt, allerdings nur „bis jemand besseres gefunden worden ist“. „Café passe“ erscheint noch im selben Jahr als Schallplatte [Anmerkung: Das war der Vorgänger der CD.]

1983 ist das nächste Konzept, „Spitalo Fatalo“, fertig. Der erste Plattenvertrag mit der EMI kommt zustande und die Single „Alpenrap“ kommt in Österreich und Deutschland in die Charts, so dass sie schließlich in der Hitparade (mit Dieter Thomas Heck) auftreten. Eine zweite Single, „Afrika“, ist in Österreich erfolgreich, wird in Deutschland aber boykottiert – wegen des kritischen Inhalts. Schon 1984 folgt „Á la carte“, das nächste Album. 1985 folgt „Geld oder Leben“, womit der kometenhafte Aufstieg der Gruppe beginnt. Die Lieder „Märchenprinz“, „Fata Morgana“ und „Ba-Ba-Banküberfall“ werden Hits (letzteres unter dem Titel „Ba-Ba-Bankrobbery“ sogar in England). 1986 darf die Band nicht beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ (heute „Eurovision Song Contest“)für Österreich antreten, da sie zuvor schon mal in der DDR aufgetreten ist. 1987 kommt „Liebe, Tod und Teufel“ heraus, hier werden „Küss die Hand, schöne Frau“ und „An der Copacabana“ Hits. Das Lied „Burli“ wird von dem Radiosender „Bayern 3“ boykottiert, wo man den Text absolut missverstanden hat. Die Anklage gegen Atomkraftwerke und deren unabsehbare Folgen für Mensch, Natur und Umwelt wird von einigen steifen Musikredakteuren fehlinterpretiert als Beleidigung der Gefühle Behinderter. Die Folgen sind massiv, in Deutschland traut sich kaum ein Sender, das Lied zu spielen, außerdem wird die „EAV“, wie sie sich inzwischen kurz nennt, aus verschiedenen Fernsehsendungen wieder ausgeladen. Dem Erfolg tut das keinen großen Abbruch, das Jubiläumsalbum „Kann denn Schwachsinn Sünde sein?“, das 1988 auf dem Markt kommt, ist wiederum ein Hit.

Waren bei den vorigen Alben Pinguine so etwas wie das „Maskottchen“ – selbst die Tour der Band, die sinnigerweise von der „Ersten Allgemeinen Versicherung“ gesponsert wurde, hieß „Pinguin-Tour“ -, so wird es nun der Nasenbär, genauer gesagt, Neppomuk, der Nasenbär, mit dem Album von 1990: „Neppomuks Rache“. Von diesem Album erscheinen die Singles „Ding Dong“, „Samurai“, „s’Muaterl“ (das Klaus Eberhartinger später zu einem seiner Lieblingslieder erklärt) und „Einer geht um die Welt“. 1991 erhält die Band den „World Music Award“ und singt das Album „Watumba!“ ein.

1994 erscheint „Nie wieder Kunst“, dem in Deutschland leider nur ein bescheidener Erfolg zuteil wird. Man ist sich einig, dass man zwischen Tour und Alben nun längere Pausen einlegen möchte. 1996 kriselt es bei der EAV und trotz eines „Best of“-Albums ist nicht klar, ob die Gruppe nach dem Weggang von zwei Mitgliedern überhaupt weitermachen wird. Doch 1997 erscheint „Im Himmel ist die Hölle los“. Der kirchenkritische Ton stößt vor allem in Bayern (mal wieder…) sauer auf und es gibt Menschen, die versuchen, einige Konzerte im Freistaat zu verhindern. Das Nachfolge-Album kommt 1998 (in Österreich) beziehungsweise 1999 (in Deutschland) heraus, es trägt den Titel „Himbeerland“ und dreht sich um die Schlagerbranche. Völlig unerwartet jedoch wird das Lied „Drei weiße Tauben“ zu einem Ballermann-Hit, was (ausgerechnet) dem Münchner Sender „Radio Gong“ zu verdanken ist.

„Austropop in Tot-Weiß-Tot (2000 Jahre sind genug)“ folgt 2000, muss aufgrund von rechtlichen Schwierigkeiten aber unter dem Namen „Klaus Eberhartinger und die Gruftgranaten“ veröffentlicht werden. Dann kommt eine Pause, die verschiedenen Erkrankungen unter anderem von Klaus Eberhartinger und Produzent Kurt Keinrath geschuldet ist und bis 2003 dauert. Das Album „Frauenluder“ wird ein Erfolg in Österreich, floppt aber in Deutschland mangels Promotion seitens der Plattenfirma. Daraufhin führt die Band neue Verhandlungen und unterschreibt letztlich einen Vertrag mit Sony BMG. Um die EAV wieder ins Gespräch zu bringen, wird der 2005 Sampler „100 Jahre EAV – Ihr habt es so gewollt!“ produziert. Zwischen 2005 und 2007 folgen die Tour „100 Jahre EAV“, diverse Auftritte im TV und Preise. Für zwei Wochen nach dem letzten Konzert der Tour (29. September 2007 in Bad Füssing) wird das neue Album angekündigt.

Und da ist es nun: „AMORE XL“. Das Thema ist – wie sollte es anders sein – die Liebe. Seit der Gründung vor 30 Jahren hat sich die Band stark verändert, entwickelt. Von Anfang an waren kritische Lieder das Metier der Gruppe, was in den ersten Alben noch sehr stark herauskam. In den 1980er Jahren haben sie es geschafft, ihre Kritik für ein größeres Publikum zu präsentieren, wobei einige Alben eine Mischung darstellten aus „leichteren“ Lieder („An der Copacabana“, „Küss die Hand, schöne Frau“) und harter Kritik („s’Muaterl“, „Burli“). Ob es der EAV gelingt, nach dem Einbruch in den 1990er Jahren wieder an die Erfolge früherer Jahre anzuknüpfen, wird sich zeigen. Aber eines ist sicher: Einige Lieder („Würschtlstand“, „Sofa“, „Spitalo Finalo“, „Samurai“) haben an ihrer Aktualität nichts eingebüßt.

Mehr über die EAV, ihre Platten, die Leute, die Geschichte und dem offiziellen Fanclub gibt es im Internet unter www.eav.at.