Tim und Struppi: Tim im Kongo [Rezension]

Nachdem Hergé die Fortsetzungsgeschichte „Tim im Lande der Sowjets“ beendet hatte, wollte er mit einer neuen Geschichte einem eigenen Anliegen folgen: Tim sollte nach Amerika reisen, sich für die Rechte der Indianer einsetzen und gegen die organisierte Kriminalität in Chicago kämpfen. Sein Herausgeber Norbert Wallez wollte davon nichts wissen. Die neue Geschichte sollte den Lesern des Petit VIngtième die belgische Kolonie Kongo – vormals Zaire, damals Belgisch-Kongo, heute Demokratische Republik Kongo – näherbringen. Um sich zu informieren, sammelte der Zeichner damals Zeitungen, Magazine und Prospekte, die das Leben in der Kolonie priesen – aber natürlich wieder nur aus einem sehr europäischen Blickwinkel.

Inhalt: Tim reist im Auftrag seiner Zeitung in den Kongo. Doch schon auf der Schifffahrt kommt es zu einem Zwischenfall – jemand ist hinter ihm her und versucht alles mögliche, den Reporter bei einem „Unfall“ sterben zu lassen. Sein Auftraggeber ist eine Größe unter den Verbrechern… Nebenbei erleben Tim und Struppi noch eine Reihe anderer Abenteuer.

Kritik: Obwohl dieses Album schon einen Schritt weiter ist als „Im Lande der Sowjets“, hat Hergé die wichtigste Entwicklung zu dem Zeitpunkt noch nicht gemacht, und die für die späteren Alben charakteristisch sein wird: die Authentizität. Er ließ sich zwar von Bildern und Prospekten inspirieren, informierte sich aber nicht wirklich über das Leben in Afrika. Insofern unterliefen ihm ein paar Schnitzer, etwa, als Tim in Afrika einen Kautschukbaum findet oder wenn die Einwohner des Kongo dem Bild entsprechen, das Europäer damals von den „Wilden“ hatte: Große Kinder, die Schwierigkeiten mit der Sprache des belgischen „Mutterlandes“ haben. Immerhin schickte Hergé Tim nicht freiwillig in den Kongo, was man daran merkt, dass er einen ganz besonderen Hintermann in die Geschichte einbaut: Al Capone, der sich das Geschäft mit Diamanten aus Afrika unter den Nagel reißen will. Damit legte er eine Spur nach Amerika in der Hoffnung, sie bald weiterverfolgen zu dürfen.

Von der Struktur her ist die Geschichte nicht ganz so episodenhaft wie „Im Lande der Sowjets“, und mit den Augen eines heutigen Europäers darf man sie gleich gar nicht lesen. Vieles von dem, was Tim tut, verband man damals mit einer Reise nach Afrika, etwa die Großwildjagd. Aus heutiger Sicht mag es geradezu barbarisch erscheinen, wenn Tim innerhalb eines Albums ein Krokodil, zehn Antilopen, einen Affen, zwei Schlangen, einen Elefanten, einen Büffel und ein Nashorn erlegt, aber in den 1930er Jahren waren das die Art Abenteuer, die man bei einem Afrikaaufenthalt erwartet hätte. Das einsetzende Umdenken zeigte sich bereits in den kolorierten Ausgaben der 1970er Jahre. Weil die Stelle, an der Tim ein Nashorn in die Luft sprengt, den skandinavischen und deutschen Verlegern zu hart war, wurde sie ersetzt durch eine Szene, in der das Tier am Ende mit dem Leben davonkommt.

In der deutschen Fassung wurden außerdem einige nicht ganz so glückliche Anpassungen vorgenommen. Während sich Hergé im Original darum bemühte, Begriffe und Namen aus dem Suaheli zu verwenden, wurden diese aus der deutschen Übersetzung weitgehend entfernt. Der Dorfmagier beispielsweise heißt im Original Muganga („der, der heilt“), im Deutschen „Tse Tse Gobar“. Der Geheimbund, dessen Mitglieder sich als Leoparden verkleiden und ihre Opfer mit falschen Leopardenkrallen töten, heißt Aniota (und diesen Bund gab es wirklich) im Original, auf Deutsch „Idi Oti“. Offenbar wurde hier der Übersetzer von der Vorstellung geleitet, dass Comics für Kinder auf Biegen und Brechen irgendwie ständig lustig zu sein haben.

Dafür gibt es in diesem Band eine Seltenheit zu sehen: Tim und sein Beruf. Zwar wird stets betont, Tim sei Reporter, aber so richtig zur Geltung kommt das nur in „Im Lande der Sowjets“ und „Im Kongo“. In beiden Geschichten sieht man Tim bei der Arbeit, wie er eine Reportage erstellt. Danach kommt das Abenteuer irgendwie immer zu Tim und er wird selbst zum Gegenstand mannigfaltiger Berichterstattung. Tim muss aber ein sehr guter Reporter sein, denn gleich zu Anfang des Abenteuers kommen die Repräsentanten einer amerikanischen, einer britischen und einer portugiesischen Zeitung zu ihm und überbieten sich gegenseitig bei dem Versuch, seine Reportage über den Kongo exklusiv zu erhalten.

Als Fazit kann man sagen, dass „Tim im Kongo“ nicht Hergés bestes Abenteuer ist, vor allem, da etliche späterer Geschichten eine gewisse Zeitlosigkeit haben und man auch bei der überarbeiteten – und kolorierten – Fassung nicht alle kolonialherrschaftlichen Anklänge entfernen konnte. Aber es ist ein kurzweiliges Abenteuer, das einen netten Einstieg in die Welt des „pfiffigen Reporters“, wie er eine Zeitlang im Deutschen genannt wurde, bieten kann.

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Tim und Struppi: Tim im Lande der Sowjets [Rezension]

Nicht müde werdend nochmal auf Carstens Beitrag „Der lange Tod der Sprechblase“ hinzuweisen, möchte ich heute eine kleine Reihe eröffnen, zu der mich dieser Artikel inspiriert hat. An anderer Stelle, ebenfalls in diesem Blog, habe ich mich über ein paar Helden – beziehungsweise Anti-Helden – meiner Kindheit ausgelassen. Zu den Helden gehört zweifellos Tim, seines Zeichens Reporter, ständig begleitet von einem weißen Foxterrier namens Struppi. Seine Abenteuer waren willkommene Ablenkung, Inspiration für eigene Geschichten und sie haben mir über so manche Kinderkrankheit hinweg geholfen.

Der Mann, der den gewieften Reporter erfunden hat, war der Belgier Georges Prosper Remi. Eigentlich hatte er selbst den Wunschtraum, Reporter zu werden. Als er in den 1920er Jahren als Hilfskraft bei der belgischen Tageszeitung Le XXe Siècle (Das 20. Jahrhundert) zu arbeiten begann, sah er sich möglicherweise schon auf dem Weg dorthin. Doch sein Talent lag an anderer Stelle, das wurde seinen Vorgesetzten schnell klar: im Zeichnen und im Erfinden von Geschichten. Sein Herausgeber, der katholische geistliche Norbert Wallez, hielt ihn dazu an, für die wöchentliche Jugendbeilage Le petit Vingtième (Das kleine Zwanzigste) eine Fortsetzungsgeschichte zu entwerfen. So trat der Reporter Tintin – Deutsch: Tim – am 10. Januar 1929 zum ersten Mal ans Licht der Öffentlichkeit, in dem Abenteuer „Im Lande der Sowjets“.

Die Handlung: Da tut sich gleich zu Beginn ein Manko der Geschichte auf: „Im Lande der Sowjets“ ist Titel und Handlung zugleich. Remi, der sich für seine gezeichneten Geschichten das Pseudonym Hergé (lautmalerische Niederschrift seiner umgedrehten Initialien R.G.) zugelegt hatte, betrat gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland. Zum einen waren „Comics“ im eigentlichen Sinn in Europa noch nicht so bekannt, zum anderen hatte er zuvor nur kurze Episoden und Geschichten gezeichnet. Der Band beschreibt die Reise Tims in die Sowjetunion der 1920er/1930er Jahre als Aneinanderreihung von Szenen, mal grotesk, mal slapstickhaft und – und das hatte Hergé später selbst zugegeben – äußerst tendenziös. Als Quelle für das Leben im kommunistischen Russland diente ihm nur ein Werk, Moscou sans Voiles (Moskau ohne Schleier), mit dem die Vorurteile des Westens gegen den Osten zementiert wurden. Dass der Herausgeber Norbert Wallez zum rechtskonservativen Lager gehörte und Tims Reise in die Sowjetunion vorgeschlagen hatte, tat sein Übriges dazu. Hergé selbst war von Amerika fasziniert und hätte seinen Reporter lieber dorthin geschickt.

Kritik: Eigentlich kann man das Album nicht wirklich kritisieren, wenn man es als das sieht, was es ist: ein Stück dokumentierte Zeitgeschichte und ein Stück des Lernens für Hergé. Insofern ist es auch nur eingefleischten Fans zum Lesen zu empfehlen, die sich über die Ursprünge von Tim informieren wollen. Das Album wurde – im Gegensatz zu den anderen – nie koloriert und nie überarbeitet. Hergé selbst bezeichnete es später als „Jugendsünde“ und war erst unter dem Druck der Öffentlichkeit bereit, das Album 1973 neu zu veröffentlichen. Mit den weiteren Geschichten hatte er gelernt, nicht nur was den Zeichenstil betrifft, sondern auch im Bezug auf die Recherche zu seinen Geschichten. Neben der Tatsache, dass die Handlung keinen roten Faden aufweist, ist die Abhängigkeit von einem einzigen Buch, das Michael Farr in „Auf den Spuren von Tim und Struppi“ als „geradezu absurd tendenziös“ bezeichnet, die größte Schwäche. Auch was den Realismus betrifft, muss man in diesem Band mehr als einmal ein bis zwei Augen zudrücken. Tim überlebt es beispielsweise, im Eis eingefroren zu werden; an anderer Stelle ist er gezwungen, aus einem Baumstamm einen Propeller für ein Flugzeug zu schnitzen (beziehungsweise deren zwei, denn der erste Propeller hat den falschen Anstellwinkel, so dass sich sein Flugzeug rückwärts bewegt).

Fazit: Ein historisch gesehen interessantes Werk, das einen gewissen Einblick in die Denkweise Mitteleuropas in den 1920er Jahren über die Sowjetunion gibt und anhand dessen man Hergés Entwicklung verfolgen kann. Wer aber die bekannten Abenteuer schätzt, sollte sich eher an eines der anderen Bände halten, von denen hier noch berichtet werden soll.

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EM 2008 – Die Fußball-Europa-Meisterschaft in Österreich und der Schweiz

Heute geht sie also los, die EM 2008. Schon in den letzten Tagen und Wochen scheint der Fußball das Land – und Europa – fest im Griff zu haben. Unzählige Berichte sind schon erschienen und wie man hier sieht, auch schon erste Aggressionen ausgetauscht. Die Organisation rund um die Meisterschaft treibt teilweise seltsame Blüten. So kann man zum Beispiel hier nachlesen, dass man an den Grenzübergängen zwischen Deutschland und Österreich bei Salzburg wieder kontrolliert wird, wenn man versucht, in die Alpenrepublik einzureisen. Und nicht einfach nur so kontrolliert, nein, ohne Reisepass kommt man nicht rein. Überhaupt haben Blogs mit Beiträgen über und zur EM gerade Konjunktur und gehören zu den meistgelesenen.

Nichtsdestotrotz möchte ich persönlich dem Trend nicht folgen und es bei diesem Beitrag in unserem Blog belassen. Die Pflicht haben wir erledigt und unnützerweise darauf hingewiesen, dass heute ein internationaler Fußball-Wettkampf startet (als ob irgendjemand im deutschsprachigen Bereich das noch nicht mitbekommen hätte). Wer mehr über die EM 2008 wissen möchte, möge sich doch an die entsprechenden Blogs halten, wie etwa das EM-Blog von Salzburg. Ich möchte nach diesem Intermezzo unseren Themen treu bleiben und weise daher nochmal auf Carstens Beitrag „Der lange Tod der Sprechblase“ hin, der mich selbst auf eine Idee gebracht hat. Aber dazu demnächst mehr…

Und um endgültig zu unseren eigentlichen Themen zurück zu kommen, mag sich mancher vielleicht die Frage stellen, ob in der Zukunft, die ja auch Inhalt der Geschichten hier ist, wohl auch Fußball gespielt wird. Ich denke schon. Denn ich hoffe, dass die sportlichen Wettkämpfe irgendwann die kriegerischen Konflikte, die wir immer noch austragen, ersetzen werden. Und auch wenn es mir persönlich nicht so liegt, Fußball gehört da mit dazu.

Der lange Tod der Sprechblase

Es hat nie mehr Erfolge gefeiert weltweit. Es ist Quelle der Inspiration für Hollywoods Filmindustrie und führte zu neuen ästhetischen Durchbrüchen. Es ist geradezu ein Garant für Blockbuster. Und es war noch nie so totgeweiht wie heute. Die Rede ist vom Comic.

20 Jahre früher: Ich stehe im Nebengang eines Spar-Supermarktes im tiefsten Franken. Vor mir stapeln sich auf einem kleinen Metallregal die wundersamsten Bildergeschichten. Da gibt es neben den bekannten Vertretern aus Entenhausen, die mir als Donald Duck, Micky Maus(!), Lustige Taschenbücher, Mickyvision und Panzerknacker-Geschichten entgegenlachen, auch eine ganze Reihe weiterer farbglänzender Entführer in andere Welten. Da sind die Cowboys und Hunde aus Bessy, Lederstrumpf und Silberpfeil, sekundiert von ihrem großen Bruder Lucky Luke. Da lauern hinter vielversprechenden Titelbildern grässliche Gestalten in den Gespenstergeschichten und bei Graf Dracula. Da reitet der Exot unter den Comics, so ritterlich, dass er nicht einmal Sprechblasen braucht: Prinz Eisenherz. Da warten allerlei Tiere mit ihren Geschichten auf, sei es nun Biene Maja, Fix und Foxi, Tom und Jerrry, oder Barbapapa. Einsam verteidigt Captain Future, bullaugiger Traumheld meiner Kindertage, die Nische der Science-Fictionbildergeschichten gegen Möchtegern-Emporkömmlinge wie die Krieg-der-Sterne-Comics. Clever und Smart bringen wie immer das nackte Chaos in die Welt. Und der Condorverlag stopft noch ungeniert sämtliche Helden des Marvel-Universums in viel zu enge Taschenbücher, nicht selten auch wild durcheinander, sei es Spiderman (damals schlicht „Die Spinne“ genannt), der Hulk oder die Fantastischen Vier.

So prachtvoll und vielfältig war damals das Comicregal eines kleinen Lebensmittelmarktes in einem 2000-Seelenkaff sortiert. Comics waren noch eindeutig Kindersache. Lediglich einige wenige Erwachsene, verschrobene Vögel und Nostalgiker mit dicken Brillengläsern, kauften irgendwelchen seltsamen Comicbände, die wir Kinder nur selten ehrfürchtig betrachteten, die „teuren“ Comics wie etwa Elfenwelt oder Tim und Struppi.

Dann gab es den Boom der 90er. Mit der Offensive des Panini-Verlags, dem Vorstoß des Disney-Konzerns in die europäischen Lande mithilfe ihrer gefürchtetsten Waffen, einem Vergnügungspark und eigenen TV-Sendern, mit Aufkommen des Privatfernsehens und ihren günstigen Ausstrahlungsminuten durch billige Zeichntrickserien wurden Comics in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerückt. Junge Erwachsene eroberten den Comic-Markt für sich. Sie sahen keine Veranlassung, mit dem Lesen von Comics aufzuhören, nur weil sie älter waren. Mit höherem Alter und mehr Geld wuchs auch der Anspruch. Aus Frankreich gelangten immer mehr hochqualitative Werke auf den deutschen Markt. Der in Amerika seit vielen Jahren schwelende Krieg zwischen den beiden Superhelden-Schmieden Marvel und DC wurde nun endlich auch in Deutschland weiter ausgefochten. Batman löste 1989 eine richtige kleine Revolution aus, Hollywood entdeckte Comics als Quelle für neue Geschichten.

Zurück in die Gegenwart: Matrix, Road to Perdition, The Crow, Sin City, V wie Vendetta, 300, Crying Freeman. Sie alle basieren auf Bildergeschichten. Die Filme sind längst Teil unserer Popkultur. An die Comics kommt nur, wer sich in der Szene auskennt. Was ist passiert?

Die Comicszene schrumpft. In einer Großstadt wie München gibt es noch genau zwei Comicläden, Spezialgeschäfte abseits der großen Verkaufsmeilen. In Supermärkten bekommt man nur noch Mickey Mouse und Lustige Taschenbücher in knallig-verwirrenden Neuauflagen. In großen Bücherläden fristen die Comics ein trauriges Dasein: Eingezwängt in der Kinderecke zusammen mit der Abteilung „Humor“, wo Hägar, Garfield und Co. sich mit Axel Hackes Büchern den Platz teilen. Aus der stolzen Bildergeschichten lesenden Generation der 90er wurde wieder die Lesergemeinde der 80er: Exoten und Nostalgiker mit dicken Brillengläsern.

Dabei sollte man denken, das Timing könnte besser nicht sein. Spiderman – einer der erfolgreichsten Superheldenfilme aller Zeiten. Menschen, die noch nie ein Marvel-Comic in Händen gehalten haben, diskutieren plötzlich munter darüber, ob Wolverine cooler ist oder Batman. Und ob es okay ist, Cyclops sterben zu lassen, weil er doch laut Vorlage noch lebt. Als Comic-Fan der ersten Stunde schwirrt mir da schon mal der Kopf. Dennoch: Die Verkaufszahlen gehen beständig zurück. Lediglich Mangas verkaufen sich weiterhin besser und besser. Selbst altgediente Helden wie Garfield und Asterix sind aus den Geschäften verschwunden. Sind wir müde geworden? Ist der Ruf der Comics so schlecht, das damit verbundene Image zu uncool? Wird die Lust auf Bilder durch TV und Internet bereits so sehr befriedigt, dass Comics überflüssig werden? Oder liegt es an der Abwärtsspirale, die Comics immer teurer werden lässt, weswegen weniger sie kaufen, weswegen sie noch teurer werden, weswegen weniger gekauft werden, wodurch…

In einem Versuch, neue Leserschaften anzusprechen, bringt der Carlsen-Verlag seine Tim&Struppi-Comics als günstige kleine Taschenbücher heraus. Tim, in kleine Bilder gequetscht. Wie Peter Parker damals bei „Die Spinne“. Der Kreis schließt sich.

Doctor Who: BAD WOLF

Es ist beinahe unglaublich. Immerhin, man möge bedenken, dass die britische SF-Serie „Doctor Who“ bereits für 2006 im deutschen Fernsehen angekündigt war und es „nur“ zwei Jahre dauerte, bis sie ausgestrahlt wurde. Dann, nach ein paar Folgen flog sie aus dem Programm, wechselte den Sendeplatz, kehrte zurück – und es scheint zu funktionieren. Heute lief mit „Getrennte Wege“ („The Parting of the Ways“) die letzte Folge der ersten Staffel der neuen Serie, in der Christopher Ecclestone den Schlüssel der Tardis und damit die Hauptrolle an David Tennant abgibt.

Ich hatte schon befürchtet, am Ende der Folge den süffisanten Kommentar zu hören: „Und damit verabschiedet sich der Doktor vorläufig…“ Nein, tut er nicht! Die Serie geht – zumindest nächste Woche – nahtlos weiter. Nächsten Sonntag dürfen wir dann gleich ein Doppel sehen, auch wenn ich zugeben muss, dass für die „Weihnachtsepisode“ (ja, sowas gibt’s bei „Doctor Who“) im Juni nicht unbedingt die richtige Stimmung ist. Die gleich im Anschluss laufende Episode „Die neue Erde“ („New Earth“), in der Rose und der Doktor eine Stadt mit Namen „New New New New New New New New New New New York“ (ich glaube, ich habe da sogar ein paar „New“ vergessen) besuchen, passt schon eher.

Ich habe nach aktuellen Quoten gesucht, aber leider keine gefunden. Kann mir jemand aushelfen? Wie gut läuft der Doktor denn zurzeit? Sicher genug – oder müssen wir uns wieder mal um seine Zukunft Sorgen machen? Womit sich die Frage stellt:

Haben Zeitreisen eine Zukunft?

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels [Rezension]

Okay, nun also auch ich, nachdem dieser Film schon auf mehreren Seiten besprochen wurde, weswegen ich hier nicht so sehr auf die Handlung eingehen werde. Die „Fünf Filmfreunde“ waren mit dem Drehbuch nicht einverstanden, 7 von 10 Punkten vergibt APTGETUPDATE, im Blog vom Websenat fand man den Film „komisch“ und „Wortvogel“ Torsten Dewi ist begeistert (und lässt in seinem Artikel zu Anfang nochmal die Geschichte der Cliffhanger-Serials, auf die die Indiana-Jones-Reihe aufbaut, sowie die Geschichte der Filmserie – einschließlich nachfolgender Produkte wie Computerspiele -Revue passieren).

Und ich? Mir hat er gefallen. Ehrlich gesagt kann ich manche Kritik nicht ganz nachvollziehen. Natürlich hatte er Momente, die auch ich nicht ganz so gelungen fand (Beispiel Stichwort „Tarzan“), aber das Gesamtbild passt. Ich muss sagen, dass ich die Idee, wie der Kristallschädel entstand, recht gut fand (ich will nicht mehr dazu sagen, denn dazu müsste ich einen Teil der Handlung verraten), denn hier wurde aus zwei bekannten Motiven ein neuer Zusammenhang hergestellt. Und der war sogar originell.

Was die Trickeffekte betrifft, natürlich wurde in dem Film eine Menge CGI verwendet. Aber was soll’s? Das ist eben die Technik der Jetztzeit. Was den Realismus betrifft, da steht der neue Film den alten in nichts nach. Ob Indy nun mit Hilfe eines Haushaltsgeräts eine Explosion übersteht (Indy 4) oder mit einem Schlauchboot den Sturz aus einem Flugzeug im Gebirge (Indy 2), Helden sind nunmal dafür Helden, dass sie sowas schaffen. Und was manche schon als Frevel empfanden, nämlich dass der Star-Wars-Satz „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl.“ (Original: „I have a bad feeling about this.“) zitiert wird, fand ich – neben einigen anderen Filmzitaten – einfach nur herrlich. An dieser Stelle mein Kompliment an die Synchronisation, die den Gag erkannte und das Zitat so übersetzte, wie es auch in den deutschen Versionen der Star-Wars-Filme verwendet wird.

Harrison Ford ist natürlich nicht jünger geworden in den letzten 19 Jahren seit „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Das tut dem Film aber keinen Abbruch und in der Szene unter der Fallout-Dusche sieht man, dass er doch noch recht gut trainiert ist. Karen Allen als Marion schlägt nicht nur von der Handlung, sondern auch von ihrem Auftreten her die Brücke zum ersten Film. Und Shia LaBoeuf als „Mutt“ macht seine Sache richtig gut. An dieser Stelle noch eine weitere lobende Erwähnung der Synchronisation, die sowohl für Indy als auch für Marion die bekannten Synchronstimmen verwendet haben (gerade Harrison Ford wurde ja in Filmen nach „Der letzte Kreuzzug“ gerne mal von anderen Sprechern eingedeutscht).

Die Musik: John Williams. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden. Nur eins: Manche haben sich darüber beschwert, dass das Indiana-Jones-Thema am Anfang des Films nicht kam. Das Indiana-Jones-Thema kam in keinem der Filme direkt am Anfang vor, erst an einer Schlüsselstelle – wie auch im vierten Teil.

Ich kann den Film nur empfehlen, er ist gute Unterhaltung mit guten Schauspielern. Er hat mir gefallen. Natürlich kann man auch anderer Meinung sein, aber Kommentare wie dass die Filmreihe „vergewaltigt“ oder „getötet“ worden sei, finde ich arg extrem. Den Untergang des Abendlandes wird dieser Film nicht einläuten, auch wenn er manchen nicht gefallen hat.

Projekt X-1: Fortschritt zu vermelden

Um die Kette der Selbstreferenzen nicht abreißen zu lassen sei hiermit angesagt und kundgetan, dass das Manuskript von Projekt X-1 am heutigen Tag mit 527 Seiten seinen ersten Abschluss erlangt hat. Nunmehr geht es in die erste Runde der Korrekturen, wo Widersprüche und sonstiges korrigiert werden.

Eine kleine peinliche Selbstreferenz zum heutigen Tag

Manchmal muss man zu seinen Fehlern stehen… letztes Jahr um die Zeit haben wir das 20jährige Jubiläum unseres Projekts gefeiert. Genauer gesagt, wir hatten den 13. Mai als Jubeltag ausgemacht.

Leider war das ein Irrtum. Vor kurzem haben wir Aufzeichnungen entdeckt, nach denen es nicht der 13. Mai 1987, sondern der 18. Mai 1987 war, an dem wir uns das erste Mal zusammenfanden. Das hat immerhin einen positiven Nebeneffekt, denn wir hatten letztes Jahr aus Zeitgründen die kleine Feier zum 20jährigen nicht am 13., sondern am 18. Mai abgehalten (weil es ein Samstag war). Ohne es zu wissen, haben wir diese also am richtigen Termin abgehalten. Aber heute und in Zukunft wollen wir den 18. Mai festhalten (und die Angaben auf der Hintergrund-Seite dieses Blogs werden noch korrigiert).

Und jetzt bitte weitergehen. Es gibt hier nichts mehr zu sehen…

16 Jahre alt – und 6,2 Promille

Na klasse… mir hat man auf der Rettungdienstschule beigebracht, dass Werte von über 3,0 Promille eigentlich tödlich seien. Lediglich Alkoholiker könnten höhere Werte aufweisen, weil diese durch ihren dauernden Konsum höhere Dosen gewohnt sind.

Doch in meinen Jahren als Rettungsassistent musste ich immer wieder erleben, wie sich diese Grenze nach oben verschob, Patienten mit 3,3 Promille, letztlich gar 3,6. Und wohlgemerkt, es handelte sich um Patienten, die ganz und gar nicht dem Klischee des Alkoholikers entsprachen. Im Gegenteil, sie waren relativ jung und wirkten nicht alkoholkrank.

Das Alter der Patienten sank generell, auch wenn die jüngeren in der Regel nicht solche Werte vorwiesen. Ich war entsetzt, als ich vor Jahren den ersten 15jährigen mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus bringen musste. Doch auch dieser „Rekord“ ist mittlerweile gebrochen, mein jüngster Patient mit dieser Diagnose war 12. Er wollte seine Freundin beeindrucken und versuchte, eine Flasche Tequila leer zu trinken. Man muss dem Himmel danken, dass er bereits nach etwas mehr als der Hälfte so betrunken war, dass er nicht weitertrinken konnte.

Nun vermelden der Südkurier und n-tv den Fall eines 16jährigen Jugendlichen aus dem Kreis Waldshut-Tiengen. Dieser war auf einer privaten Party, bei der es auch Hochprozentiges zu trinken gab. Als er so betrunken war, dass er bereits bewusstseinsgetrübt war, machten sich seine Kumpels einen Spaß daraus, ihm noch mehr Alkohol einzuflößen. Als er gar nicht mehr reagierte, rief man den Rettungsdienst. Der komatöse Jugendliche wurde ins Krankenhaus gebracht – und dort wurde ein Blutalkoholwert von 6,2 Promille festgestellt.  Zur Erinnerung: Im März 2007 starb ein 16jähriger aus Berlin an einer Alkoholvergiftung – und hatte „nur“ 4,8 Promille. Der Jugendliche aus Waldshut-Tiengen landete schließlich in der Uniklinik Freiburg, die er offenbar am 7. Mai wieder verlassen durfte.

Die Polizei ermittelt nun den genauen Hergang. Sollte es sich bewahrheiten, dass die Freunde des Jugendlichen diesem noch im bewusstseinseingetrübten Zustand weiterhin Alkohol eingeflößt haben, wird ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

Unabhängig von diesem Fall habe ich mir schon mehrfach die Frage gestellt, wieso Menschen – egal welchen Alters – sich so sehr betrinken, dass sie bewusstlos werden. Ist das ein besonderes Zeichen von Männlichkeit? Nicht wirklich, denn ich habe auch schon Frauen in dem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Also ein Zeichen von „cool sein“? Von „stark sein“? „Dabei sein“? „Toll sein“? Wenn das der Fall sein sollte, dann sollen sich alle, die sich gerne mal am Wochenende (oder wahlweise auch unter der Woche) die Birne so zuknallen, dass sie nicht mehr aufwachen, folgendes merken:

Wenn Ihr so zugedröhnt seid, dass Ihr beim Rettungsdienst auf der Trage liegt, dann ist von „cool sein“ nicht mehr viel übrig. Dann seid Ihr nur noch ein Häufchen Elend, das im eigenen Erbrochenen und im eigenen Urin liegt. Ihr kriegt das in dem Moment vielleicht nicht mehr mit, aber dafür jeder andere. Und Ihr merkt die Folgen am nächsten Tag. Falls Ihr überhaupt wieder aufwacht. Denn an so einem Rausch kann man auch ganz einfach sterben. Sicher, wir vom Rettungsdienst tun unser Mögliches, dass das nicht passiert, aber wir können auch nicht Wunder wirken. Der Jugendliche aus Waldshut-Tiengen hat Glück gehabt. Er kann einen zweiten Geburtstag feiern (hoffentlich ohne Alkohol). Aber so viel Glück hat nun mal nicht jeder. Versucht, das mal im Hinterkopf zu halten. Ansonsten kann es sein, dass wir uns bald persönlich begegnen. Und glaubt mir, das wollt Ihr nicht, nicht unter diesen Umständen.

Ja ja, der Alkohol, ja ja, der Alkohol
Ist ein Dämon, der uns’re Sinne trübt.
Doch er ist sehr beliebt
Weil es nichts schön’res gibt
Als wenn man b’soffen wie ein Häusltschick* nicht weiß
Wo man ist und wie man heißt.

(aus EAV: „Ja Ja, der Alkohol“ von der CD „Im Himmel ist die Hölle los“)
* „b’soffen wiar a Häusltschik“ = österreichischer Begriff für „sternhagelvoll“. Ein „Häusltschick“ ist wörtlich ins Hochdeutsch übertragen ein „Zigarettenstummel in einer Toilette“. Unsere Nachbarn haben ein Talent dafür, Tatsachen gnadenlos deutlich darzustellen.