30 Jahre Europa-Park – Die Dokumentation

Danke für den freundlichen Kommentar zu den Beiträgen über „30 Jahre Europa-Park“. Wer sich dafür interessiert und  die ganze Dokumentation Seite für Seite in chronologisch richtiger Reihenfolge lesen will, der benutze diesen Link:

30 Jahre Europa-Park

Der Link führt zum Teil 1. Am Ende jeder Seite befindet sich ein Link, der auf die jeweils nächste führt, bis hin zu Teil 17.

Viel Spaß beim Lesen… und noch 12 Tage bis zur Saisoneröffnung 2006!

Ars Longa, Vita Brevis – Das Leben und die Kunst…

Eine eMail erreichte mich (danke an Johannes R. aus B.), in der ich danach gefragt wurde, ob ich denn das, was ich in den Science-Fiction-Geschichten so schreibe, auch für möglich halte, beziehungsweise, ob ich denke, dass es diese Dinge (Laserwaffen, Überlichtantrieb und so weiter) eines Tages geben wird. Kann die Kunst das Leben vorausahnen?

Da fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen hatte: Chuck Jones, seineszeichens Cartoonist und Erfinder von Figuren wie Bugs Bunny und Daffy Duck, hatte ein sehr merkwürdiges Erlebnis während des 2. Weltkriegs. Um das amerikanische Volk auf den Kampf gegen den Feind – Deutschland und Japan – einzuschwören, wurden die Filmstudios angewiesen, Cartoons in der Richtung zu produzieren. So gab es einen Cartoon, in dem Donald Duck den Zuschauer auf „taxes to beat the axis“ (deutsch: „Steuern um die Achse – also die Verbindung zwischen Deutschland und Italien – zu zerschlagen“) vorbereitete, Bugs Bunny sang das Lied „Any bonds today?“ (deutsch ungefähr: „Kriegsanleihen gefällig?“) und Daffy Duck bekommt, als er am Boden liegt, den Besuch einer Geisterente, die Abraham Lincoln sehr ähnlich sieht und ihn auffordert „Hey, Daffy! Americans don’t give up!“ (deutsch: „Hey, Daffy! Amerikaner geben nicht auf!“), worauf Daffy meint „Yes! And I am an American… duck!“, nach Deutschland fliegt und Hitler einen Holzhammer auf den Kopf schlägt.

Neben diesen Propagandafilmen bestellte das Militär auch Cartoons, aus denen ihre Soldaten etwas lernen sollten. Man hatte die (durchaus vernünftige) Vorstellung, dass die Soldaten besser lernen, wenn ihnen die Lehrinhalte auf humorvolle Weise nahegebracht werden. Besonders beliebt waren hierbei die Cartoons, die eine Figur namens „Soldat Snafu“ (snafu = „situation normal, all fucked up“, also „Situation normal, alles im Arsch“) in der Hauptrolle hatten. Snafu ging entweder dem Feind auf den Leim oder demonstrierte, auf welche Besonderheiten man in welchen Regionen der Erde achten mussten.

Eines Tages nun entschloss sich Chuck Jones, einen Cartoon darüber zu machen, dass Soldaten, wenn sie auf Heimaturlaub sind, auf keinen Fall Dienstgeheimnisse ausplaudern dürfen, auch nicht gegenüber Freunden oder der Familie, weil überall die Spione des Feindes sitzen könnten und mithören. In der Episode ist Snafu auf Heimaturlaub und geht mit seiner Freundin ins Kino. Und wie es in damals üblich war, kommt vor dem Hauptfilm eine „Wochenschau“, eine Zusammenstellung der neuesten Nachrichten. In diesen Nachrichten wird davon berichtet, dass die Amerikaner eine neue Wunderwaffe gegen die Japaner zum Einsatz gebracht haben. Man sieht eine japanische Insel, dann schlägt etwas ein, es gibt einen Blitz, statt der Insel ist nur noch ein tiefer Krater zu sehen und man hört die Stimme eines verdutzten Japaners, der meint „What hit you, Tojo?“ Als Snafu das sieht, fängt er sofort an, laut zu erzählen, dass er genau wisse, welche Waffe das war und beschreibt die – eigentlich geheime – „ferngesteuerte Flughandgranate“ in allen Einzelheiten.

Dieser Film wurde dem Militär zur Freigabe vorgelegt. Doch statt einer Freigabe bekam Chuck Jones Besuch vom Geheimdienst. Es handelte sich um einen sehr ranghohen Offizier und zwei Helfer. Diese begannen, Jones auszufragen, denn die „ferngesteuerte Flughandgranate“ entsprach in sehr vielen Einzelheiten einer Geheimwaffe, an der das Militär gerade arbeitete. Jones meinte später, dass vermutlich nur der ranghöchste Offizier genau wusste, worum es eigentlich ging, die anderen beiden hatten nur eine Ahnung, dass Jones vermutlich etwas Verbotenes getan hatte. Der ranghöchste Offizier musste nun den Eiertanz vollführen, Jones zu befragen um herauszufinden, ob er wirklich was von der Geheimwaffe wusste, andererseits durfte er aber nicht zu viel verraten. Das gipfelte Fragen nach Jones‘ Lieblingsmarmelade oder danach, ob er schon einmal mit einem Turnschuh geschlafen habe.

Kurz und gut: Der Film wurde nicht freigegeben und Chuck Jones wurde nicht der Spionage angeklagt. Und jetzt die Preisfrage: Welche Geheimwaffe war es, die Jones „aus versehen“ richtig beschrieb? Na…?

Es war die Atombombe.

Nettes Beispiel, nicht? Ich habe es absichtlich gewählt, denn Jules Verne und seine Mondlandung sowie die „Nautilus“ mussten schon zu oft als Beispiel für die Kunst, die das Leben vorausahnt, herhalten. Jules Verne machte sich vermutlich mehr Gedanken über die Realität seiner Schöpfungen als Chuck Jones (wie etwa in der lange verschollenen Geschichte „Paris im 20. Jahrhundert„), aber das Ergebnis war das gleiche: beide beschrieben etwas, das Realität wurde bzw. sogar schon war. So ist das mit der Inspiration, man kann nie sagen, auf welchen Weg sie einen führen wird. Manches Mal legt einem der Versuch, auf irgendeine Weise realistisch zu bleiben, auch zu starke Fesseln an. Das fängt ja schon mit Raumschiffen an, die Überlichtgeschwindigkeit fliegen. Es gibt in der Science Fiction einige Versuche zu erklären, wie das funktioniert, aber alles ist bisher nur Theorie. Es gibt nicht mal ansatzweise Ideen, wie diese Theorien zu verwirklichen wären, was manche Wissenschaftler schon zu der Aussage gebracht hat, es sei unmöglich.

Was passiert und was nicht, kann letztlich nur die Geschichte entscheiden. Wenn dieser Blogeintrag die nächsten 150 Jahre überdauern sollte, kann es sein, dass ihn ein Mensch dieser Zeit liest – vielleicht aus Interesse? Hallo und danke! – und vor sich hin lächelt, weil in 142 Jahren entdeckt wird, wie man mit Überlichtgeschwindigkeit fliegen kann, vielleicht auf eine Weise, die wir heute noch gar nicht ahnen. Vielleicht zuckt dieser Mensch des Jahres 2156 aber auch mit den Achseln und denkt „Tut mir leid, aber wir haben es immer noch nicht raus.“

Ich persönlich halte in manche Fällen die Herangehensweise für falsch, denn es geht nicht immer darum, sich ein Ziel zu setzen und dieses auf Teufel komm‘ raus zu erreichen. Es ist besser, das Stück des Weges im Auge zu behalten, das genau vor einem liegt und das ferne Ziel lieber im Hinterkopf zu behalten.

Und sollte es jemals einen Überlichtantrieb geben, der nach einem Prinzip funktioniert, das ich in einem meiner Romane beschrieben habe, hoffe ich, dass man ihn den „Reimnitz-Antrieb“ nennt.

Ars longa – Vita brevis…



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Tag- und Nachtgleiche des Frühlings

Mit der Tag- und Nachtgleiche um den 20. / 21. März beginnt ganz offiziell der Frühling. Er zeigt sich allerdings im Moment noch etwas zaghaft und auch die hohen Schneeberge sind Vielerorts noch nicht verschwunden.

Für unsere Vorfahren begann an diesem Tag die Vorbereitung der Felder. Da in der Natur das Leben langsam wieder beginnt, ist es eine gute Zeit, sich von Altem zu lösen und etwas Neues zu beginnen.

In diesem Sinne wünsche ich den Lesern einen angenehmen Frühling und einen erfolgreichen Neubeginn.

Wie lange kann man schreiben?

Wolfgang Hohlbein ist einer jener Autoren, die das Bücherschreiben hauptberuflich machen. In einem Interview mit ihm erinnere ich mich gelesen zu haben, dass er täglich 8 Stunden schreibt. Während der Arbeit an meinem neuen Projekt habe ich festgestellt, dass das offensichtlich nicht mein Arbeitsstil ist; während der letzten Wochen hatte ich Zeit und Gelegenheit, tageweise zu schreiben. Aber nach 5 Stunden stellte ich fest, dass ich müde wurde.

Wie lange kann man schreiben? Schreibt Hohlbein wirklich 8 Stunden ununterbrochen? Oder sind da schon Pausen eingerechnet? Gut, eigentlich schreibt man ja auch nicht ununterbrochen, zumindest ich nicht, denn ich setze ab und zu mal ab, um den Gedanken freien Lauf zu lassen. Oder um etwas zu recherchieren. Es ist recht schwer, wenn das Buch dann fertig ist, die Frage zu beantworten, wie lange man dafür gebraucht hat, nicht nur aus diesen Gründen. Denn es ist ja nicht so, dass ich nur in den fünf Stunden an dem Buch arbeite. Das Schreiben ist ja nur ein Teil des ganzen Prozesses. Die Geschichte entsteht vorher und zu allen möglichen (und unmöglichen) Gelegenheiten. Inspiration lässt sich schwer planen. Ich kann meine Inspiration unterstützen, indem ich zum Beispiel spazieren gehe. Ein Weg, der mir für das neue Buch öfter mal geholfen hat, war der Planetenweg im nahen Seepark. Ein Weg, um den Gedanken freien Lauf zu lassen. Manchmal allerdings musste ich auch den Kopf freikriegen, an etwas anderes denken und habe mich mit Freunden getroffen.

Es zeigt sich mal wieder, dass es Fragen gibt, auf die man keine direkten Antworten geben kann. Wie lange kann man schreiben? Unerheblich. Zwar hatte mich auch mal der Ehrgeiz gepackt, da persönliche Bestzeiten aufzustellen, aber ich wurde eines Besseren belehrt, denn wie lange jemand schreibt, sagt eigentlich nichts aus. Und die Frage, wieviel Zeit man denn nun für das Buch gebraucht hat, lässt sich genauso wenig beantworten. Was das neue Projekt betrifft, so bin ich genau genommen seit über 20 Jahren am Arbeiten.
Aber davon erzähle ich vielleicht bei einer anderen Gelegenheit…

Technische Störung

Thursday, March 16, 2006

The filer that we have been having trouble with in the last few days failed again. Those blogs that are stored on the bad filer are temporarily not available for publishing and viewing. We are working on replacing the filer and restoring access to the blogs affected.

…so lautet die offizielle Auskunft von blogger.com. Also, wer versucht hat, unser Blog seit gestern bis heute Nachmittag zu lesen, hat leider nur eine Fehlermeldung bekommen. Tut uns leid wegen den Unannehmlichkeiten. Aber jetzt scheint alles wieder normal zu funktiosdfalös werwrlasödlkf asdfsadf jlsdf ssss430434jelrkjwlskmjö ewlrigtjeworgtj…

…Entschuldigung, kleiner Scherz! 😉

Deutsches Deutsch und Österreichisches Deutsch… – Dem Deutscher Language, Episode IV

Für einen Autor gibt es nichts schöneres als gelesen zu werden. In diesem Sinne hoffe ich, dass all jene, die meine mehr oder minder geistreichen Kommentare in diesem Blog lesen auch mein neues Buch lesen werden. Denn nach den Reaktionen auf die Kommentare sind es nicht wenige Menschen, die hier lesen. Danke nochmals!

Und danke für den Hinweis auf eine merkwürdige Sache. Im zweiten Teil meiner kleinen Reihe „Dem Deutscher Language“ bin ich auf englische Fernsehserientitel eingegangen, die nicht oder „so halb“ übersetzt werden. Dabei sprach ich auch über „Without a Trace“ – und eine Leserin aus Vorarlberg hat mich auf etwas aufmerksam gemacht, nämlich dass ich da deutsches und österreichisches Fernsehen durcheinander geworfen habe. Das, so dachte ich mir, liegt durchaus im Bereich des Möglichen, denn da ich grenznah wohne, schaue ich gern österreichisches Fernsehen (da gibt es sämtliche Serien der „Tatortermittlung“ ohne Werbung!!). Besagte Leserin meinte, die Österreicher seien viel schlimmer, was die Anglifizierung der deutschen Sprache betreffe und das führt zu einer merkwürdigen Titeländerung.

Im deutschen Fernsehen läuft „Without a Trace“ auf VOX. Die Serie heißt dort (ganz offiziell): „Spurlos verschwunden – Without a Trace“.

Im österreichischen Fernsehen läuft „Without a Trace“ auf ORF 1. Die Serie heißt dort (ebenso offiziell): „Without a Trace – Spurlos verschwunden“.

Diesen Unterschied merkt man allerdings nur, wenn man den Vorankündigungen aufmerksam zuhört, da die Episoden auf beiden Sendern gleich sind. Und was will uns das jetzt sagen?
Vielleicht ist diese Titeldrehung auch zustande gekommen, weil irgendein österreichischer Redakteur dachte, die deutsche Synchronisation hätte den Titel so herum gemacht. Abwegig wäre das nicht. Also wäre es doch besser, wenn man sich auf etwas eindeutiges einigt, das man im ganzen deutschen Sprachraum mit Sicherheit versteht. „Spurlos verschwunden“ – fertig!
Na ja, dann halt beim nächsten Mal…

Eingeloggt…

Vielen Dank für die Reaktionen auf die Einträge in diesem Blog. Dadurch wurde ich auf eine Sache aufmerksam gemacht, die mir selbst noch gar nicht aufgefallen ist, nämlich die Frage: Was ist das für ein Eintrag und wer hat ihn letzten Endes gemacht? Da es – so wie es sein sollte – in diesem Blog bunt gemischt hergeht, war das bisher nicht zu unterscheiden, weil ich alle Einträge unter dem selben Namen gemacht habe.

Um der Verwirrung keinen Vorschub zu leisten, musste was geändert werden und dazu wurde die wunderbare Möglichkeit des „Mitarbeiter-Logins“ genutzt. Also, in Zukunft werden unter dem Namen, der diesen Beitrag unterschreibt, so genannte „offizielle“ Dinge wiedergegeben, Buchtermine, Websitenänderung und so weiter.

Für andere Beiträge wie „Dem Deutscher Language“ (und so weiter) benutze ich in Zukunft meinen „Mitarbeiter-Login“ mit dem Effekt, dass jeder Beitrag mit meinem Namen unterschrieben ist. Außerdem habe ich dann ein eigenes Profil. Falls noch mehr Mitarbeiter an dem Projekt dazukommen, die Beiträge hier veröffentlichen wollen, erhalten die entsprechend ihren Login.

So, nachdem diese technische Frage geklärt ist, am Schluss noch etwas Klugscheißerei: Weiß eigentlich jemand, woher diese Begriffe kommen, „einloggen“, „login“ oder auch „Logbuch“? (Und in letzter Konsequenz kommt ja auch der Begriff „blog“ daher, was ja eine Abkürzung von „Weblog“ sein soll.)

Antwort: Aus der frühen Schifffahrt. Damals hatte jeder Schiffsführer einen Baumstamm bzw. Holzklotz (englisch „log“). Dieser war liegend und an der Oberseite gerade geschliffen. In die gerade Fläche wurden in einem bestimmen Muster Löcher gebohrt. Der Schiffsführer steckte Holzstäbchen in die Löcher und markierte so Kurs und Dauer einer Fahrt, womit er die Geschwindigkeit seines Schiffes bestimmen konnte. Daher sprach man davon, der Kurs wäre „logged in“, also eingeloggt. Der Klotz wurde als „captain’s log“ bezeichnet, als man später die komplizierteren Kursberechnungen anfing in Büchern zu vermerken, wurde dieses Buch ebenfalls „captain’s log“ genannt, woraus der deutsche Begriff „Logbuch“ entstand. Aus dem Buch wurde dann ein richtiges „Schiffstagebuch“, in dem nicht nur Kursberechnungen, sondern auch besondere Vorkommnisse an Bord vermerkt wurden.

Bei einer etwas moderneren Variante eines „Logs“ wurde nicht mehr mit Holzstäbchen und Löchern hantiert, sondern die Einstellungen wurden an der entsprechenden Rundskala vorgenommen. Das „Log“ war in dem Fall auch nicht mehr aus Holz, sondern aus Metall. Aber egal, Holz, Metall oder Papier, der Begriff hat sich gehalten.

Unterwegs mit dem Schnitzelwagen – auf der Spur der akustischen Täuschungen

Kinder passiert es offenbar gern – und wenn es Erwachsenen passiert, kann es sein, dass es unheimlich peinlich wird. Die Rede ist von „Verhörern“ in Liedern. Vielleicht hat es der eine oder andere ja schon erlebt, man sitzt in gemütlicher Runde zusammen und plötzlich kommt im Radio ein Lied, „Summer of ’69“. Alle aus der Runde kennen es, also stimmt man gemeinsam ein – und einer aus der Gruppe tönt besonders laut das, was er glaubt als die ersten Zeilen des Liedes zu kennen: „I had my first real sex dream…“ Die anderen schauen ihn entgeistert an: Was singt der denn da? Er wiederholt die Zeile. Nein, muss man ihn aufklären, die erste Zeile lautet „I had my first real six string…“. Hier wird nicht von sexuellen Träumen gesungen, sondern von der ersten Gitarre („six string“ wörtlich „Sechs-Saiter“).
So begleiten uns diese Verhörer manchmal durch das ganze Leben, bevor wir von irgendwas oder irgendwem aufgeklärt werden. Und dann ist es schwierig, diese falschen Zeilen aus dem Kopf zu kriegen. Axel Hacke hat darüber ein nettes Buch geschrieben (siehe oben): „Der weiße N***r1 Wumbaba“. Die titelgebende Figur entstammt dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“, in dem ein Kind die Zeile „…und aus den Wiesen steiget – der weiße N***r Wumbaba“ gehört zu haben glaubte. Richtig muss es heißen „…und aus den Wiesen steiget – der weiße Nebel wunderbar“. Vermutlich kommen solche Verhörer daher, dass wir nicht wirklich verstehen, was da gesungen (oder manchmal auch gesagt) wird, unser Gehirn aber trotzdem versucht, einen Sinn zu finden. Manchmal kommen dabei solche Dinge heraus, von denen wir uns fragen, was das eigentlich sein soll. Warum zum Beispiel singt Roland Kaiser in seinem Lied „Santa Maria“ von einem „Schnitzelwagen“? Was ist ein Schnitzelwagen? Man weiß es nicht – und Roland Kaiser singt auch nicht davon, sondern die fragliche Zeile lautet „den Schritt zu wagen“.

Warum ich dies schreibe? Weil mir – nach sehr langer Zeit – aufgefallen ist, dass auch prominenten Leuten solche Verhörer passieren, selbst solchen, die sich sehr exzessiv mit Musik beschäftigen. Und aufgefallen scheint das bisher noch niemanden. Ich rede von Stefan Raab, Moderator von TV TOTAL. In einer der frühen Ausgaben zeigte er zwei Männer, die in einer Glückwunschsendung ihrer Tante Jutta im sächsischen Dialekt („Dande Judda“) ein Ständchen brachten – Englisch mit sächsischem Dialekt. Stefan Raab nahm sie unter Vertrag und vermarktete das Lied, nannte es „Ö la Palöma Blanca“ und die zwei Jungs die „La-Palöma-Boys“.
Ist es jemandem aufgefallen?

Wenn wir das Sächsische zurückverfolgen, so müsste das Originallied doch „O la Paloma Blanca“ heißen, oder? Tut es aber nicht, hier liegt ein Verhörer vor. Das Original ist von 1975, gesungen von der George Baker Selection, und es heißt „Una Paloma Blanca“, auf Deutsch also „Eine weiße Taube“ (den Titel der Raab’schen Kopie könnte man mit „O die weiße Taube“ übersetzen, was nicht ganz in den Rest des Textes passt, in dem der Sänger erzählt, er fühle sich wie eine weiße Taube, ein Vogel am Himmel, dem niemand die Freiheit nehmen kann).

Ist das nicht beruhigend? Wenn wir also das nächste Mal ein Lied hören und uns fragen, was ein Schnitzelwagen ist oder wie wohl der weiße (…) Wumbaba aussieht oder wir „Summer of ’69“ für Bryan Adams‘ Hymne an seinen ersten Sextraum halten und man uns korrigiert – macht nichts. Das passiert auch den Großen – und sie haben auch noch Erfolg damit.


1 = Rassistischer Ausdruck, nachträglich entfernt.

PANIK! – Gesundheit!… Vogelgrippe contra Gehirnpest

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Überlingen ist das, was ich als meine Heimatstadt betrachten würde. Ich bin dort zwar nicht geboren, aber ich habe dort mehr als 30 Jahre meines Lebens verbracht. Auch wenn ich derzeit ungefähr 25 Kilometer weit weg vom Bodensee wohne, bin ich mit der Region doch verbunden. Und wenn ich mir die Berichte im Fernsehen ansehe, in denen vom H5N1-Fall einer Tafelente berichtet wird, sehe ich Leute, die ich zum Teil persönlich kenne. Ich sehe eine Uferpromenade, die ich schon hunderte Male entlang spaziert bin, und die nun abgesperrt wird. Der Ort ist für mich nicht „irgendein Ort irgendwo“, wenn in Zeitungsberichten davon gesprochen wird, dass es erlaubt sei, auf dem Überlinger Wochenmarkt Geflügel zu verkaufen, dann verbinde ich damit ein Bild in meinem Kopf. Nicht nur ein Bild, auch Geräusche und Gerüche… persönliche Erinnerungen.

Nachdem dies also geklärt ist, zum eigentlichen Thema, um das es mir geht: Vogelgrippe contra Gehirnpest. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass kein Grund zur Panik besteht. Die Medien berichten, aber die meisten versuchen, keine Panikstimmung aufkommen zu lassen. Das brauchen sie auch nicht, denn es gibt einige wenige, die das ganz allein schaffen. Dabei wurde ein Virus freigesetzt, dass mindestens genauso, wenn nicht noch gefährlicher ist als H5N1 (egal in welcher Variante): die Gehirnpest. Das Virus braucht nicht viel, um sich zu übertragen, deswegen kann es sich ganz schnell verbreiten. Im Internet kursieren schon die wüstesten Gerüchte darüber, es gäbe „geheime Vorräte“ an Tamiflu für bestimmte Leute, für „die da oben“, die sich in geschützte Zonen in Sicherheit bringen könnten und der kleine Mann darf sehen, wo er bleibt. Und das, obwohl die Wirkung von Tamiflu gegen die Vogelgrippe gar nicht bewiesen ist und Ärzte lieber empfehlen, man solle das Immunsystem im Allgemeinen stärken (siehe hier). Und eine Zeitung versucht mit einer raffinierten Fragestellung zu implizieren, es gäbe eine Art „Geheimwissen“, das die Politiker haben. Man müsse mehr wissen, warum sollten die Helfer denn sonst in diesen Anzügen herumlaufen, warum kommt die ABC-Schutztruppe der Bundeswehr wie nach einem Atomunfall? (Sekundärbericht über den Bericht gibt es hier)

Ich glaube, die Irritation bei mir ist auf die Frage „Warum?“ zusammenzufassen, wenngleich sich dahinter doch eine sehr komplexe Struktur verbirgt, denn jede mögliche Antwort wirft neue Fragen auf. Zumindest bei mir. Was die Zeitung, die ich oben nicht nannte, weil ich es nicht will (ich empfehle lieber diese Seite hier), tut, ist Panikmache. Und sie tut es, weil man damit offensichtlich mehr Zeitungen verkaufen kann. Schön, das ist ein Grund (keine Rechtfertigung!), aber was ist der Grund für den Grund? Warum wollen die Leute lesen, dass die Apokalypse unmittelbar bevorstehe und „wir“ – im Gegensatz zu „denen da oben“ – alle sterben werden? Ist das die alte Geschichte von der Rechtfertigung meiner eigenen Situation damit, dass es andere gibt, die verhindern, dass es mir besser geht? Eigentlich ist es nichts anderes und die Politiker von heute geben in dem Fall natürlich exzellente Sündenböcke ab. Ich zahle immer mehr Steuern, mein Gehalt bleibt aber gleich oder ich muss sogar auf einen Teil verzichten – und „die da oben“ sind Schuld! Ich kriege ein kleines Gehalt und „die da oben“ haben Bezüge, deren Höhe sie selbst bestimmen können, mal ganz davon abgesehen, was sie sonst noch so an Einnahmen haben. Soweit beinhalten die Vorwürfe tatsächlich auch noch einen wahren Kern. Aber wenn „die da oben“ das alles tun, dann kann man ihnen auch wirklich alles zutrauen! Vor allem, wenn man die vermeintlichen Beweise direkt vor der Nase hat – genau so wie die Zeitung, die ich nicht nannte, argumentiert: „Die da oben“ sagen, man brauche sich noch keine Sorgen machen – und doch hantieren die Leute, die mit der Vogelgrippe zu tun haben, in modernsten Schutzanzügen? Da stimmt doch was nicht, oder? Was verschweigen uns „die da oben“?

Auf einmal dreht sich alles um: es wird vor Panikmache gewarnt – und die Gerüchteküche brodelt zurück: was „die da oben“ betreiben, sei ja schon eine „Beschwichtigungsmache“. Das ist die Situation, in der sich die Zeitung, die ich nicht nannte, mal wieder zum Anwalt der kleinen Leute aufschwingt und theatralisch „die da oben“ bittet: „Sagt uns die Wahrheit!“ Damit wird natürlich wiederum der Eindruck erweckt, man sei angelogen worden – oder zumindest hätte man „uns“ einen Teil der Wahrheit vorenthalten. Das kann man schon zu den Verschwörungstheorien zählen, für die auch Politiker hin und wieder herhalten müssen. Eine tragische Komponente bekommt das ganze aber, wenn man versucht, die unsichere Stimmung zum Beispiel in Regionen, wo es keine so gute Information gibt, für gezielte Kampagnen zu verwenden. Dabei treibt es mit der Verschwörung sehr merkwürdige Blüten, wie man hier nachlesen kann.

Jetzt, da ich diesen Bericht schreibe, gehen Schätzungen davon aus, dass auf dem Planeten Erde gerade 6,499,911,341 Menschen leben (eine ungefähre Zahl), also knapp 6,5 Milliarden (die aktuelle Zahl kann hier nachgelesen werden). Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe in der jetztigen Form Ende 2003 (also vor über 2 Jahren) sind weltweit ungefähr 90 Menschen an H5N1 gestorben. Das ist sehr viel weniger als 1 Promille. Die so genannte „Spanische Grippe“ hat in einem vergleichbaren Zeitraum (1918 – 1920) mindestens 20 Millionen Menschen das Leben gekostet. Noch haben wir keine Pandemie. Im Moment sieht es so aus, dass das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Vielleicht wird es das auch nie. Wenn doch, dann können wir den Zeitpunkt oder die Umstände nicht vorhersagen. Momentan sind Forscher damit beschäftigt, einen Impfstoff zu entwickeln. Aber das braucht Zeit. Bis dahin werden Sperrbezirke errichtet, Fahrzeuge desinfiziert und tote Vögel untersucht. Denn das ist das, was man jetzt tun kann. Dass das Personal dabei in Schutzanzügen herumläuft, hat einen einfachen Grund: man kann sich an einem solchen Tier mit H5N1 anstecken. Das wurde nie bestritten. Und die Anzüge sollen davor Schutz bieten. So einfach ist das.

Daher sind „wir“ gerade gefordert: Und zwar nicht, um „denen da oben“ Vorwürfe zu machen, sondern um selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Ärzte haben uns empfohlen, was wir tun können, also sollten wir nicht lamentieren, sondern uns daran halten: Unser Immunsystem mit bewährten Mitteln (frische Luft, Bewegung, Obst, Gemüse, Wechselduschen, Sauna und so weiter) stärken, damit wir nicht krank werden. Häufiger mal Hände waschen. Wenn wir spazieren gehen, Vorsicht walten lassen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich meine Kinder sowieso nicht ein verendetes Tier, das irgendwo liegt, anfassen lassen würde, so ist jetzt eben etwas mehr Aufmerksamkeit gefordert. Und Vogelfedern, die ich als Kind am Bodensee übrigens auch gesammelt habe, müssen jetzt eben liegenbleiben.

Ganz wichtig ist auch, dass wir die Kräfte, die nun in Überlingen (oder auch auf Rügen oder Brandenburg oder sonstwo) an der Arbeit sind, ihre Arbeit machen lassen. Für den irrationalen Ärger von manchen Leuten über „die da oben“ sind sie garantiert die falsche Adresse. Sie wollen uns nicht schikanieren, sie wollen uns helfen.
Sie tun, was sie können – und das ist gut so.

… und keine Chance der Gehirnpest!

Brich Dir was und iss ein Kitkat – Dem Deutscher Language, Episoduo tres

Danke für die Bemerkungen zu den anderen zwei Posts zum Thema „Dem Deutscher Language“. Durch die Schlussbemerkung des zweiten Teils angespornt haben mich Leser darauf aufmerksam gemacht, dass es noch andere Bereiche der deutschen Sprache gibt, in denen Englisch seine Stolperfallen stellt: Werbesprüche. Ich habe recherchiert – und tatsächlich gibt es im Internet einige Seiten, die auf falsch verstandene – da englische – Werbesprüche eingehen. Wenn der Tankstellenspruch „We’re Drivers Too“ als „Wir sind zwei Fahrer“ (erinnert ein wenig an „Ich bin zwei Öltanks“) verstanden wird, kann das nicht im Sinne des Erfinders sein. Jedenfalls habe ich ein paar Sprüche zusammengetragen und wie sie falsch verstanden wurden – und was sie wirklich bedeuten. Viel Vergnügen!

DOUGLAS – COME IN AND FIND OUT
Falsch: „Komm rein und finde wieder raus.“
Korrekt: „Komm rein und finde es heraus.“ (was auch immer ich bei Douglas herausfinden könnte – vielleicht ist die Parfümerie ein Treff für Privatdetektive?)

AMAZON – AND YOU’RE DONE
Falsch: „Amazon – Und Du bist erledigt“
Korrekt: „Amazon – Und fertig!“

HAVE A BREAK – HAVE A KITKAT
Falsch: „Brich Dir was und iss ein Kitkat“
Korrekt: „Mach eine Pause und iss ein Kitkat“

LOEWE – STIMULATE YOUR SENSES
Falsch: „Schärfe Deine Sensen“ (ist natürlich trotzdem ein guter Tipp an jeden Landwirt, der sein Heu noch auf die althergebrachte Weise schneidet, denn mit scharfen Sensen geht das einfacher).
Richtig: „Stimuliere Deine Sinne“

AUDI TT – DRIVEN BY INSTINCT
Falsch: „Fahren mit Insekten“ (außer im Sommer – aber da gilt das nicht nur für den Audi TT, sondern für jedes andere Auto auch)
Korrekt: „Angetrieben durch den Instinkt“

KODAK – SHARE MOMENTS, SHARE LIFE
Falsch: „Schade um den Moment, schade ums Leben“
Korrekt: „Teile Momente, teile das Leben (mit anderen)“ (ja, die Übersetzung holpert, aber so ist das im Englischen, manchmal funktioniert es nicht wörtlich, der Spruch will ausdrücken, man soll seine persönlichen Momente und sein Leben mit anderen teilen – und zwar am Besten mit Bildern auf Kodak-Papier.)

SAT 1 – POWERED BY EMOTION
Falsch: „Kraft durch Freude“ (hatten wir das nicht schon mal? Mal im Ernst: tatsächlich gab es Leute, die diesen Werbespruch so verstanden hatten. So leicht kann es passieren, dass es hinterher dann heißt :“Ihr wart doch damals alle mit dabei!“)
Richtig: „Angetrieben durch Gefühle“

MITSUBISHI – DRIVE ALIVE
Okay, bei diesem Werbespruch machte nicht so sehr die Übersetzung an für sich Probleme, sondern mehr, in der korrekten Übersetzung „Fahre Lebendig“ einen Sinn zu sehen. Denn ein Toter wird sich vermutlich nicht hinters Steuer eines Mitsubishi setzen.

Nun noch ein Schlusswort: eine Leserin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Begriff „body bag“ inzwischen nicht nur für die von mir in „Dem Deutscher Language, Teil 1“ beschriebenen Taschen verwendet wird, sondern dass es Hersteller von kleinen Rucksäcken gibt, die diese inzwischen auch als „body bag“ bezeichnen. Der Witz daran: Was heißt „Rucksack“ auf Englisch?

„Rucksack“

Armes Deutsch…