CSI: Miami Staffel 6 – Ein kleiner Blick

Vor vielen Jahren war ich mal auf einer STAR-TREK-Convention, wo ein Mitarbeiter von Paramount (Eric Stillwell) Formulare ausgab, mit denen man Drehbücher für STAR-TREK-Episoden einreichen konnte. Gleichzeitig gab er noch Tipps, welche Drehbücher auf gar keinen Fall genommen würden. Ein Beispiel waren solche, deren Spezialeffekte das Budget einer Fernsehserie sprengen. Ein anderes Beispiel war eine Episode, die irgendwelche Verwandten von Hauptpersonen in Spiel bringt, von denen man noch nie vorher gehört hat, der verschollene Bruder oder irgendwelche unehelichen Kinder. Tatsächlich, meinte Stillwell damals, sei es ein schlechtes Zeichen, wenn eine Fernsehserie auf sowas zurückgreife. Daran könnte man nämlich in den meisten Fällen sehen, dass den Autoren die Ideen ausgehen und die Serie am Ende sei.

Nun läuft seit dem Herbst die 6. Staffel von „CSI: Miami“, und was haben wir gesehen? Es wird ein uneheliches Kind von Horatio Caine ins Spiel gebracht, von dem wir (und Caine) noch nie zuvor gehört haben. In den 16 Folgen, die bisher im deutschen Fernsehen zu sehen waren (von insgesamt 21) widmet sich dann auch ein Großteil der Handlung diesem neuen Vater-Sohn-Verhältnis und bringt schließlich auch noch die Mutter mit ins Spiel.

Ich persönlich habe diese Entwicklung mit Bauchschmerzen gesehen. Ja, natürlich sollen die Geschichten um das CSI-Team auch eine persönliche Komponente beinhalten, aber dass man gleich auf solche Mittel zurückgreift? Vor allem, da die Handlung gerade mit dem Sorgerechtsstreit zwischen Caine und der Mutter seines Sohnes sehr arg an eine Seifenoper erinnert und eigentlich dem Niveau von CSI nicht angemessen ist. In einem Interview zur 5. Staffel haben die Produzenten gemeint, sie würden gern in „Trilogien“ arbeiten. Staffel 1 bis 3 der Serie behandelte die Geschichte um Horatios Bruder, Staffel 4 bis 6 Horatios Vergangenheit. Insofern bleibt zu hoffen, dass die Trilogie, die mit Staffel 7 eingeläutet wird, sich einem neuen, anderen Thema widmet.

Es kommt noch ein weiteres Problem dazu: Eine ähnliche Handlung wurde bereits in „CSI: NY“ etabliert. Dort erfährt Mac Taylor, dass seine tote Ehefrau Claire ein Kind hatte, das sie zur Adoption freigegeben hat. Dieses Kind, ein Sohn, steht schließlich vor Macs Tür und gerät am Ende der derzeit bei uns laufenden 4. Staffel in Schwierigkeiten, aus denen ihn Mac rausholen muss. Das klingt sehr vertraut, denn auch Caines Sohn gerät in Schwierigkeiten und wird sogar festgenommen.

Was mir persönlich wiederum recht gut gefallen hat, war der langsame Wiedereinstieg von Ryan Wolfe ins Team nach seiner Suspendierung und die verschiedenen Jobs, die er bis dahin machen musste (Schießstand, Personenschutz, Sachverständiger, Gerichtsmedizin). Hier wurde sich Zeit gelassen, die Sache zu entwickeln. Ein weiterer Höhepunkt war für mich die Rückkehr von Tim „Speed“ Speedle in „Im Schatten von Tim Speedle“ (Original: „Bang Bang – Your Debt“).

Fünf Folgen „CSI: Miami“ der 6. Staffel fehlen noch. In diesen fünf Folgen wird noch einiges passieren, allerdings müssten sie dazu erstmal ausgestrahlt werden. RTL hat die Ausstrahlung der (für Deutschland) aktuellen Staffel vor Weihnachten unterbrochen und zeigt seither Wiederholungen. Von den nächsten zwei Episoden sind zwar schon deutsche Titel bekannt, aber offenbar noch keine Termine. Warten wir ab, ob es das Staffelfinale schafft, die Geschichte um Caines Sohne wieder aufzuwiegen, so dass sich im Schnitt doch eine gute Staffel „CSI: Miami“ ergibt.

10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 9)

Wie ich zu Beginn meiner kleinen Reihe schon bemerkte, sind meine Eindrücke rein subjektiv. Am häufigsten musste ich mir den Vorwurf gefallen lassen, ich würde Neil Gaiman mit seiner „Sandman“-Reihe Unrecht tun, wenn ich sie nicht als Comics, die man gelesen haben sollte, anpreise. Ich kann das leider nicht tun. Gründe dafür habe ich bereits genannt. Jedoch gibt es ein anderes Comic, basierend auf einer Geschichte von Neil Gaiman, das ich von ganzem Herzen unterstützen kann.

9. Coraline

– Vorbemerkungen: Neil Gaiman ist bekannt für seine (im wahrsten Sinne des Wortes) fantastischen Romane für Erwachsene. Hier wendet er sich dem Kinder- bzw. Jugendbuch zu und schuf eine kontroverse Variation des Alice im Wunderland-Themas. Was ich mit kontrovers meine? Einfach mal ein wenig googeln, die Rezensionen bei Amazon.de lesen oder in einschlägigen Foren nachlesen, dann dürfte schnell klar werden, was ich meine. Man kann Gaiman jedoch nicht eine gewisse Faszination absprechen, die sich nicht so richtig greifen lässt. Auch die von P. Craig Russell illustrierte Comic-Version verliert nichts von diesem Zauber.

– Handlung: Coraline zieht um. In dem neuen Haus wohnen außer Coraline und ihren Eltern noch einige merkwürdige Gestalten: zwei schrullige alte Theaterschauspielerinnen und ein Mann, der ein Mäuseorchester aufbauen will. Doch diese Mitbewohner sind nichts gegen das, was sich hinter der geheimnisvollen verschlossenenTür in Coralines Wohnung verbirgt. Dort entdeckt Coraline eine andere Welt — die fast genauso aussieht wie ihre eigene. Zunächst gefällt es Coraline dort auch ganz gut. Ihre „andere Mutter“ kocht viel besser als ihr Vater und kümmert sich aufmerksam um sie. Doch Coraline merkt schnell, dass sich hinter ihrer Freundlichkeit etwas Grässliches verbirgt. Diese Frau ist eine Kinderfängerin, und sie hat es auf Coraline abgesehen!

– Kritik: Es geht doch! Gaimans intelligenter Erzählstil gepaart mit schnörkellosen leicht entsättigt wirkenden Bildern, die nicht den Leser erblinden lassen. Der sparsame Einsatz von Farbverläufen und der fast konservative Zeichenstil geben dem Comic etwas Nostalgisches. Die Geschichte fesselt einen und lockt immer tiefer in ihre lockenden Arme. Dabei verfällt man schnell Gaimans verrückten Ideen und dem etwas spröden Genremix und verzeiht dem Buch nur zu gerne einige Schwächen. Schwächen? Ja, gibt es. Das Buch bedient sich einer sehr einfachen Sprache und die Handlung ist schnell erzählt. Das deutet auf ein Buch für Kinder hin. Doch dafür ist die Geschichte wiederum zu gruselig, und das Buch liefert eher Fragen als Antworten. Wenn es also zu schwer für Kinder und zu leicht für Erwachsene ist, für wen ist dieses Buch dann geschrieben? Volljährige Menschen, die nie ganz erwachsen geworden sind? Kann sein. All diese Punkte können jedenfalls nichts an der Tatsache ändern, dass die Geschichte für mehrere Stunden zu fesseln weiß. Es ist nicht für jeden. Aber man sollte auf jeden Fall mal reinschnuppern. Und vielleicht bleiben. Nur noch eine Weile…

„112…“ zum Vierten: Sie rettet nun keiner

"112..." - die Luft ist rausDass ich – gelinde gesagt – nicht besonders begeistert von der RTL-Serie „112 – Sie retten Dein Leben“ war, habe ich bereits zum Ausdruck, und zwar in diesen drei Artikeln: „Tatü – Tata: ‚112…‘ – wer rettet wen und warum?„, „‚112 – Sie retten Dein Leben‘ – Eine genauere Kritik“ und „‚112 – Sie retten Dein Leben‘ – und zum Dritten„. Die Kollegen von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, die sich in den Kommentaren zu Wort gemeldet haben, waren auch nicht sehr angetan. Fiktion, schön und gut, aber „112…“ war wirklich allerunterste Schublade. Aber das habe ich schon in den anderen Artikeln geschrieben.

Aufmerksame Leser werden im obigen Absatz etwas gemerkt haben – ich schreibe in der Vergangenheitsform. Ja, „112…“ war unterste Schublade – denn wie im Blog vom Wortvogel vermeldet wird, wird die Serie eingestellt. Eine besondere Ironie will es so, dass es ausgerechnet zur Folge 110 (die voraussichtlich am 2. Februar 2009 laufen wird) sein wird.

Aus diesem besonderen Anlass habe ich die Kommentare in den anderen Artikeln geschlossen. Weitere Kommentare über „112…“, die Absetzung und anderes können nun hier abgegeben werden.

Meine persönliche Meinung auf den Punkt gebracht: Es wurde Zeit, dass sich was ändert. Das wird nun wohl auch geschehen.

UPDATE: Auch im Blog vom Fernsehlexikon macht sich Michael Reufsteck seine Gedanken über die Absetzung von „112..“ und Fernsehnachmittage im Allgemeinen. Und er macht einen netten Alternativvorschlag, wie man die entstandene Lücke füllen könnte… 🙂

James Bond 007: Ein Quantum Trost

Am Ende der letzten Episode („Casino Royale„) der James-Bond-Reihe haben wir gesehen, wie Bond aufgrund eines Hinweises auf dem Handy seiner toten Freundin Vesper Lynd den Aufenthaltshort eines gewissen Mister White ausfindig machte und diesem ins Bein schoss. Und nun die Fortsetzung…

James Bond rast mit dem verletzten Mister White im Kofferraum am Comer See entlang in Richtung Siena, immer verfolgt von Leuten der geheimnisvollen Organisation, die in „Casino Royale“ hinter dem dubiosen LeChiffre standen. Bond gelingt es, diese abzuhängen und White dem MI6 auszuliefern. Doch bevor White etwas sagen kann, entpuppt sich einer der MI6-Agenten als Verräter und befreit ihn. Bond kann den Verräter nach einer wilden Jagd zur Strecke bringen. Die Hinweise führen Bond nach Port au Prince auf Haiti, wo er Dominic Greene trifft, der versucht, mit Umweltprojekten groß herauszukommen. Doch letzteres ist nur Tarnung, in Wahrheit versucht Greene, einen Putsch in Bolivien zu unterstützen. Sein Preis: Ein Gebiet in der Wüste, in dem scheinbar nichts ist. Bond folgt Greene nach Bregenz am Bodensee, wo er ein Treffen von dessen Organisation QUANTUM verfolgt und feststellen muss, dass die Fronten aufgeweicht sind: der amerikanische CIA will Greene mit seinen Ambitionen in Bolivien gewähren lassen. James Bond ist auf sich gestellt…

  • Mehr als nur ein Quäntchen: Ein QUANTUM Trost…

Der sowohl in Englisch als auch in Deutsch gewöhnungsbedürftige Titel stammt von einer James-Bond-Kurzgeschichte von dessen Erfinder Ian Fleming aus dem Jahr 1959. Bond ist auf Einsatz, aber zwischendurch gezwungen, gesellschaftlichen Pflichten nachzugehen. In dem Fall bedeutet das, bei der Party eines britischen Gouverneurs anwesend zu sein. Bond langweilt sich nach den Regeln der Kunst, bis eine unbedachte Bemerkung seinerseits darüber, dass er – wenn überhaupt – am ehesten eine Stewardess heiraten würde, den Gouverneur dazu veranlasst, die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der eine Stewardess geheiratet hat. Die Ehe lief nicht sehr gut, aber sie bestätigt den Gouverneur in seiner Theorie des „Minimums an Trost“ – unterschreitet ein Mensch durch äußere Einflüsse dieses Minimum, nimmt er auch auf Menschen, die ihm eigentlich mal etwas bedeutet haben, keine Rücksicht mehr. Als Bond die Party verlässt, ist er nachdenklich geworden, da ihm diese zutiefst menschliche Geschichte vor Augen geführt hat, wie abstrakt das Leben, das er führt, eigentlich ist. Beinahe macht es den Eindruck, als wollte Ian Fleming mit der Geschichte als jene trösten, die gerne wie James Bond wären, aber viel zu „normale“ Leben führen. Denn auch wenn der Agent beinahe alles kann, er kann doch nicht so „normal“ sein wie sie.

Im Film ist von der Kurzgeschichte außer dem Titel nichts mehr übrig, was ich schade finde, da zumindest ein Anklang meiner Ansicht nach sehr gut in die Handlung gepasst hätte. Nun wird dem Publikum leider nicht erklärt, was es mit dem „Quantum Trost“ auf sich hat, außer dass die geheimnisvolle Organisation, gegen die Bond kämpft, QUANTUM heißt.

Der Film macht konsequent weiter mit der Linie, die in „Casino Royale“ begonnen wurde. Soll heißen: Nichts ist mehr so, wie es mal war. Bond ist endgültig im 21. Jahrhundert angekommen, in dem ein Land in ein anderes Land einmarschiert, das tausende Kilometer von der eigenen Grenze weg liegt, von dessen Diktator man sich aber bedroht fühlte und man dringend die Demokratie einführen wollte, aber bei Problemen quasi vor der eigenen Haustür die Augen verschließt, wenn es den eigenen obskuren Zwecken dient. Nicht einmal die Engländer kommen gut weg, denn die reihen sich schließlich mit ein in die Länder, die Dominic Greenes Unterstützung beim Putsch in Bolivien zulassen wollen. Qs technische Spielereien fehlen ebenso wie Miss Moneypenny, und wiederum beginnt der Film nicht mit der „gun barrel sequence“. Diese sehen wir erst am Ende, vor dem Abspann. Und Daniel Craig als Bond scheint zwar unsterblich, aber nicht unverwüstlich zu sein: Während beispielsweise bei Roger Moore der Anzug immer korrekt saß, egal was er durchmachte, ist der neue Bond dreckig, blutbefleckt und verletzt sich. Alles das ist aber nichts Negatives, im Gegenteil, es sind diese Details, die die Geschichte im Boden verankern, so dass andere Teile nicht zu abgehoben wirken – denn natürlich muss der Held Dinge überleben, die vermutlich kein Normalsterblicher überlebt hätte. Es geht sogar so weit, dass bei der Hatz, als Bond den MI6-Verräter durch die Menschenmassen von Siena jagt, Unbeteiligte angeschossen werden.

Schon in der Eingangssequenz fragte ich mich, ob die frappante Ähnlichkeit Zufall war, doch dann stellte ich fest – offenbar nicht. Denn in den Film wurden ein paar kleine Reminiszenzen an die „klassische“ Bond-Serie eingebaut. In der Eingangssequenz stürzt ein Auto der Quantum-Leute an einer Baustelle von der Straße herunter in einen Abhang (wie bei „Dr. No“, nur dass das Auto diesmal – ganz realistisch – nicht explodiert), in Bregenz stellt Bond einen Quantum-Agenten am Rand eines Flachdachs, der sich an Bonds Krawatte festhält, um nicht abzustürzen (wie in „Der Spion, der mich liebte“, der Agent stürzt genauso ab – allerdings ohne eine Information preiszugeben), eine Gefährtin Bonds wird ganz mit Erdöl bedeckt und erstickt auf seinem Bett drapiert (wie in „Goldfinger“, nur da war’s Gold) und M entzieht Bond offiziell seine Lizenz und fordert ihn auf, seine Waffen abzugeben (wie in „Lizenz zum Töten“, auch in „Ein Quantum Trost“ schlägt Bond seine Wächter kurz darauf nieder und flüchtet).

Mit diesem Film ist bewiesen, dass die Leichtigkeit von früher endgültig über Bord geworfen wurde. Die Grenzen zwischen „gut“ und „böse“ sind nicht mehr so eindeutig, ganz nach dem Motto „böse ist, wer böses tut“. Es ist ein anderer Bond, ein Bond unserer Zeit, und er gefällt mir. Nach dem, was ich von Fleming gelesen habe, wage ich die Behauptung, dass dieser 007 dem Autor sicher auch gefallen hätte. Was ist aber nun mit der Geschichte – ist sie fertig oder nicht? Dazu kann ich nur sagen: Ja. Und nein. Das mit „Casino Royale“ begonnene Kapitel wurde abgeschlossen und Bond macht in den zwei Stunden, die der Film dauert, eine wichtige Entwicklung durch. Trotzdem ist QUANTUM aber nicht besiegt. In meiner Rezension zu „Casino Royale“ schrieb ich von der Meldung, dass die ersten drei Filme zusammen eine Trilogie bilden sollen als Einstieg für die neue Serie. Nachdem ich „Ein Quantum Trost“ gesehen habe, habe ich eher den Eindruck, dass es ein wenig wie ein TV-Format behandelt wurde: die Pilotepisode ist eine Doppelfolge, in der natürlich nicht alles geklärt wird, aber dazu gibt es dann ja die späteren Folgen der Serie. Anders als bei „Batman Beginns“ und „Dark Knight“ wurde auf die Stilmittel der klassischen Trilogie gänzlich verzichtet, nach der die zweite Episode der Niedergang ist, aus dem die Hauptfigur im dritten Kapitel als Held wieder aufsteigen darf.

Die zwei Stunden vergingen wie im Flug, der Film hat keine Längen und bietet die Grundelemente, die eine Bond-Geschichte haben muss: einen starken Gegner, exotische Schauplätze und… Bond-Gespielinnen. Ganz besonders hat mir der Einsatz der Zwischentitel gefallen, die dem Zuschauer erklären, an welchem Ort man sich gerade befindet, die Titel wurden nämlich individuell für jeden Ort in der Schriftart gestaltet. Und der Film macht Lust auf mehr. Wir dürfen also gespannt sein, wie das Duell zwischen QUANTUM und 007 weitergeht, und wie das nächste Kapitel heißt. Von Fleming gibt es nämlich nur noch zwei Titel, „Risico“ und „007 in New York“.

James Bond wird zurückkehren!

Update: Auch der Wortvogel äußert sich hier zu Bonds zweitem Abenteuer, und zwar positiv.

Heute im TV: „Vakuum“ – Deutsche Science Fiction

Ein TV-Tipp, der dringend weitergereicht werden möchte: Heute läuft um 23.00 Uhr im HR der deutsche Science-Fiction-Film „Vakuum“. Darauf aufmerksam gemacht hat der Wortvogel, in dessen Blog man genaueres über den Film nachlesen kann. In einem muss ich ihm Recht geben: Wenn nicht über den deutschen Nachwuchs in Bezug auf Science Fiction diskutiert wird, werden es nachfolgende Autoren und Regisseure schwerer haben. Das Thema muss im Gespräch bleiben. Da ich den hessischen Rundfunk leider nicht empfangen kann, tue ich zumindest meinen Teil und gebe den TV-Tipp weiter. Möglicherweise sehen genügend Leute den Film und es entsteht eine Diskussion daraus. Wenigstens darüber, ob der Film selbst gut war oder nicht.

James Bond 007: Casino Royale

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Anfang des 21. Jahrhunderts: Die Welt ist unglaublich kompliziert geworden. Der Terrorismus scheint allgegenwärtig zu sein. Zu Zeiten des kalten Krieges gab es eine genau gezogene Linie, wer auf dieser Seite stand, war Freund, wer auf der anderen Seite stand, Feind. Doch so einfach ist es nicht mehr, das muss auch M, die neue Vorgesetzte der Auslandsabteilung des britischen Geheimdienstes MI6 einsehen. Besondere Sorge bereitet ihr ein 38jähriger Anwärter auf den Job eines Geheimagenten mit Lizenz zum Töten, ein Mann mit Namen Bond, James Bond. Um die Lizenz zu erhalten, muss er zwei Tötungen vorweisen. Doch sie glaubt, es sei noch zu früh.

Nichtsdestotrotz verdient er sich seine Lizenz, als er den Prager MI6-Sektionschef Dryden des Verrats überführt und ihn und seinen Leibwächter liquidiert. Sein neuer Auftrag führt ihn nach Madagaskar, wo er einen Bombenleger aufspüren soll, der allerdings unter spektakulären Umständen den Tod findet – so spektakulär, dass Bond sich am nächsten Tag in den Medien wiederfindet. M tadelt ihn für sein Verhalten und suspendiert ihn vorläufig, was Bond augenscheinlich für einen Urlaub in Nassau nutzt. Doch in Wirklichkeit arbeitet er auf eigene Faust an dem Fall weiter: der Bombenleger hat eine SMS aus Nassau erhalten, von dem zwielichtigen Alex Dimitrios. Über diesen kommt er einem weiteren Anschlagsplan auf die Spur: der neue Flieger von SKYFLEET, der der Öffentlichkeit zum ersten Mal vorgestellt werden soll. Bond kann das Attentat verhindern und bringt damit LeChiffre in die Bredouille, der das Geld verschiedener terroristischer Vereinigungen verwaltet – er hatte das Geld nämlich dazu verwendet, auf einen Börsencras der Firma SKYFLEET zu setzen, der gekommen wäre, hätte sein Anschlag funktioniert.

LeChiffre muss nun 150 Millionen Dollar beschaffen. Dazu veranstaltet er ein „Texas Hold’em“-Turnier im „Casino Royale“ in Montenegro. Bond wird in das Turnier eingeschleust. Unterstützung erhät er von einer Mitarbeiterin des britischen Schatzamtes, Vesper Lynd…

  • Alles oder nichts: Ein Blick auf „Casino Royale“

Das titelgebende Kasino steht im Roman in dem französischen Ort „Royale-les-Eaux“ und hat daher seinen Namen. Nach der französischen Grammatik würde man die Übersetzung für „königliches Kasino“ nämlich „casino royal“ schreiben. Dadurch, dass man für den Film dieses Kasino nach Montenegro verlegt hat, fällt dieser Hintergrund ganz weg. Natürlich ist das nicht die einzige Änderung an Flemings Roman. Aber der Reihe nach.

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Nachdem man endlich die Rechte an dem ersten James-Bond-Roman hatte, wollten sich die Produzenten auch daran machen, diesen zu verfilmen. Dabei stellte sich allerdings die Frage, wie das geschehen sollte, und man entschied sich zu einem mutigen Schritt: Man wollte die Geschichte des britischen Agenten 007 nochmal von vorne und zeitgemäßer erzählen. Während man durch verbindende Elemente in den 20 bisherigen (offiziellen) Filmen andeutete, dass es sich um die Geschichte ein- und desselben Mannes handelt, brach man mit dem 21. Bond die Reihe. In der Anfangssequenz von „Casino Royale“, die ganz in Schwarz-Weiß gehalten ist, hat Bond noch nicht einmal seine „Lizenz zum Töten“. Weiters fällt auf, dass die typische „gun barrel sequence“, also der Anfang, bei dem man Bond durch den Lauf einer Pistole sieht, weggelassen wurde. Er kommt erst beim Übergang von der Anfangssequenz zum Titellied. Das Titellied hat einen vom Film abweichenden Titel, Chris Cornell singt „You know my name“. Das von Monty Norman komponierte „James-Bond-Thema“ wird erst am Schluss des Films verwendet. Erst dann sagt Bond auch zum ersten Mal den Satz „Mein Name ist Bond, James Bond.“ Und als er sich einen Wodka Martini bestellt (den er in der bsiherigen Filmreihe stets „geschüttelt, nicht gerührt“ wollte) und gefragt wird, ob er ihn geschüttelt oder gerührt haben möchte, antwortet er mürrisch: „Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“
Bond ist also noch nicht Bond. Anstatt aber einen Film zu produzieren, der vor „James Bond jagt Doktor No“ spielt, ist dieser ein Kind unserer Zeit. Trotz allem hat man sich aber auf Ian Flemings Beschreibungen besonnen und diese bei der Charakterisierung des Agenten berücksichtigt. Der Bond des Films deckt sich mit dem Bond der Romane, darüber waren sich auch die Kritiker einig. Bond ist hier wie dort kein Musterknabe, das kann er auch gar nicht sein, er hat die „Lizenz zum Töten“, seine Aufgabe ist es, Menschen zu liquidieren. Dass das auch für einen James Bond keine leichte Aufgabe ist und er einiges zu verarbeiten hat, zeigt der Film auch sehr gut, als 007 die Beziehung zu Vesper Lynd dazu benutzen will, aus dem Geheimdienst auszuscheiden. M hat durchaus Recht mit ihrer Einschätzung, dass es noch zu früh sei, Bond die Lizenz zu geben, da er sich im Verlauf des Films als aufbrausend und teilweise sehr emotional erweist – mehr, als es einem Geheimauftrag gut täte.

Die Handlung des Films ist gegenüber dem Buch stark erweitert worden. Der Roman konzentriert sich hauptsächlich auf das Duell zwischen LeChiffre und Bond im Kasino (die beiden spielen dort übrigens Baccara). Hintergrund ist hier – der Roman wurde in den 1950ern geschrieben – der kalte Krieg, und LeChiffre arbeitet für SMERSCH, dem Spionageabwehrdienst der Russen. Mit der Handlung um den internationalen Terrorismus wurde die Geschichte in unsere Gegenwart geholt, allerdings verzichtete man auf Geheimbasen in erloschenen Vulkankratern, in denen ein Glatzkopf im grauen Anzug seine weiße Katze streichelt. Trotz aller spektakulärer Effekte blieb alles „bodenständig“ und nachvollziehbar.

Damit wurde noch ein mutiger Schritt unternommen: Das Ende von „Casino Royale“ ist eigentlich offen. Zwar sind die Handlanger – unter ihnen LeChiffre – zur Strecke gebracht, das Ziel wurde aber dennoch nicht erreicht. Im Gegenteil, die letzte Szene, in der Bond Mister White stellt, endet einfach mit dem Abspann, bevor wir erfahren, welche Rolle dieser Mann in der ganzen Sache spielt. Die Fortsetzung, „Ein Quantum Trost“, soll, so heißt es, genau an dieser Stelle die Handlung wieder aufnehmen, was ein weiteres Unikum der Serie darstellt. Zwar dauerte es von „Doktor No“ bis „Man lebt nur zweimal“ fünf Filme, bevor man den Kopf der Verbrecherorganisation SPECTRE – Ernest Stavro Blofeld – zum ersten Mal zu sehen bekam, aber jeder Film hatte eine in sich geschlossene Handlung. Das funktionierte gut, so gut, dass auch das „Feuerball“-Remake „Sag niemals nie“ allein stehen kann.

Der Erfolg hat den Produzenten für ihre mutigen Entscheidungen Recht gegeben. Man hat Bond gewissermaßen nach alten Standards neu definiert und sich nicht von negativer Presse, die es bereits im Vorfeld gegeben hatte, beeinflussen lassen. In einigen Artikeln war angezweifelt worden, ob Daniel Craig, der neue Bond, überhaupt für die Rolle geeignet sei. Ausgerechnet er war es dann, der von den Kritikern hinterher das meiste Lob bekam. Die Handlung und Ausführung des Films selbst, so wurde bemängelt, sei etwas unsicher, was ein wenig nach „Angst vor der eigenen Courage“ aussah.

Einen – kurzen – Aufschrei gab es in Deutschland, als der erste synchronisierte Trailer in den Kinos lief. Bonds deutsche Simme wurde kritisiert, da Dietmar Wunder unter anderem auch Adam Sandler spricht, der eher komische Filme macht. Was jedoch übersehen wurde: Wunder synchronisiert zum Beispiel auch Carmine Giovinazzo, der den Danny Messer in „CSI: NY“ gibt (dort führt er auch die Synchronregie), er kann also durchaus auch ernste Rollen die richtige Stimme verleihen. Und das ist ihm bei Daniel Craig als James Bond gelungen.

„Casino Royale“ ist ein gelungener Auftakt einer neuen Art von James-Bond-Reihe. Blickt man auf die bisherige Serie zurück, so stellt man fest, dass Bond sich dort nicht entwickelte, sondern sprunghaft war. In einem Film wurde etwas ausprobiert, das man – wenn es bei den Zuschauern nicht ankam – im nächsten Film einfach ohne Erklärung wieder fallenließ (man bedenke nur den Unterschied im Charakter von James Bond bei Roger Moore gegenüber Timothy Dalton, und wiederum Dalton gegenüber Pierce Brosnan). In den Medien kursierte die Meldung, dass „Casino Royale“, „Ein Quantum Trost“ und ein dritter Film zusammen eine Trilogie mit durchlaufender Handlung bilden sollen. Da man im ersten Film Bond quasi bei „Null“ (ohne seine bereits bekannten Charaktaristika) anfangen ließ, bietet sich hier die Chance, ihn zu entwickeln und von Film zu Film zu steigern. Mal sehen, ob man den Mut für diesen Schritt auch noch besitzt. Der Anfang ist schon gemacht.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

EIN QUANTUM TROST

Agent im Ruhestand: Sean Connery ist (schon wieder) James Bond

40 Jahre hat Bond seit dem Auftrag um „Doktor No“ im Geheimdienst seiner Majestät gearbeitet. Das kann natürlich nicht spurlos an ihm vorübergegangen sein. Bei den Trainings, für die er sich nun verstärkt zur Verfügung stellen muss, passieren ihm kleine Fehler, die dem neuen Chef des MI6 gar nicht gefallen. Letztlich trägt sich 007 sogar mit dem Gedanken, in den Ruhestand zu gehen.

SAG NIEMALS NIE

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Bei einer Übung begeht Bond einen Fehler, außerdem attestiert ihm sein neuer Chef, dass er gesundheitlich nicht besonders gut in Form ist. Das heißt: zurück nach Shrublands, sich erholen und mit Aufbautraining beginnen. Dabei stolpert Bond in eine Manipulation der Geheimorganisation SPECTRE, die zwei Cruise Missles mit Mehrfachsprengköpfen entführt hat und die Welt erpresst. Bond folgt der Spur von Maximilian Largo, der irgendwie in die Sache verwickelt ist und seine Zentrale auf einer großen Jacht, der „Flying Saucer“ hat.

  • Synchronisation

Die heute erhältlichen deutschen Versionen enthalten neue Szenen, die mit anderen Sprechern aufgenommen wurden, da Gerd Günter Hoffmann (Connerys Synchronstimme) nicht mehr lebte, als die Szenen eingefügt wurden. Dem Zeitgeist geschuldet ist eine Fehlübersetzung dessen, was Bond in Shrublands genau tun sollte. Als Moneypenny ihn danach fragt, antwortet er: „I have to eliminate all free radicals.“ „Freie Radikale„, die die Gesundheit schädigen, waren in den 1980er Jahren, in denen der Film ursprünglich entstand, in Deutschland noch nicht so geläufig, damit funktionierte das Wortspiel leider nicht. Auf Deutsch erklärt Bond, er müsse seinen „ausschweifenden Lebenswandel ausmerzen“.

  • Ein Blick auf die Story

„Sag niemals nie“ ist ein Remake des Films „Feuerball“, was mit den diffusen Urheberrechten, die an der Geschichte hängen, zu tun hat. Die Handlung wurde jedoch aktualisiert und von den Schauplätzen her etwas verlagert. Außerdem wird alles sehr augenzwinkernd erzählt, die Gadgets der Spezialwaffenabteilung funktionieren auch mal nicht richtig und eine Urinprobe von 007 wird zur tödlichen Waffe. Dadurch, dass dieser Film von der Konkurrenz stammt, ist er eigentlich nicht Teil der „offiziellen“ Bond-Reihe.

Meiner persönlichen Ansicht nach jedoch bildet er an diesem Punkt einen netten Abschluss, um die Sache rund zu machen, aber das ist natürlich alles höchst inoffiziell. Die Abschiedsvorstellung in dieser meiner persönlichen Reihe gibt der „Ur-Bond“ Sean Connery persönlich, um am Ende der Geschichte in Ruhestand zu gehen. Sogar das obligate „James Bond will return“ fehlt hier völlig. Denn die Geschichte des James Bond, der 1962 mit „Doktor No“ seinen ersten großen Auftrag erfüllte, war auch in der offiziellen Reihe mit „Stirb an einem anderen Tag“ beendet. Pierce Brosnan hatte seinen letzten Wodka Martini in der Rolle getrunken und die Rolle sollte neu besetzt werden. Zudem war es den Produzenten endlich gelungen, die Filmrechte an der Geschichte „Casino Royale“ zu bekommen. Diese doppelte Chance nutzten die Autoren für einen in mehrfacher Hinsicht mutigen Schritt: Sie brachen die Kontinuität der Reihe und erzählten die Geschichte des Geheimagenten 007 von Anfang an neu. Nur dass dieser Anfang nicht in die Vergangenheit zurückversetzt wurde, sondern in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts spielte.

Hier sind wir wieder bei den verschiedenen Universen. In einem Universum, das gänzlich auf dem Papier entstand, begann Bonds Karriere 1953 mit „Casino Royale“. Der Bond dieses Universums war im Zweiten Weltkrieg bei der Marine gewesen, einmal verheiratet, hat ein Kind mit Kissy Suzuki (aus „Man lebt nur zweimal“) und verlor einmal sein Gedächtnis.

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Im zweiten Universum, dem ersten Filmuniversum begann Bonds Karriere 1962 mit „Doktor No“ und endete irgendwann nach 2002, als sich der Agent in den Ruhestand verabschiedete. Auch der Bond dieses Universums war einmal verheiratet und kämpfte gegen die Geheimorganisation SPECTRE.

Nun ist es an der Zeit, in ein drittes Universum zu gehen. In diesem hat das Individuum James Bond den Kalten Krieg nicht im Dienste ihrer Majestät erlebt, denn dafür ist er zu jung. Er wurde erst 1968 geboren, und erst 2006 erhielt er die „Lizenz zum Töten“. Und sein erster großer Auftrag läuft unter dem Titel…

…CASINO ROYALE.

Ende. Und Anfang…

Agent mit Identitätskrise: Pierce Brosnan ist James Bond

1995: Lange Jahre sind ins Land gegangen. Bond hat offenbar viel Zeit damit verbracht, sich in Form zu bringen, denn er sieht sieben Jahre jünger aus als zuvor. Doch die Welt hat sich gewandelt: Der kalte Krieg ist beendet, das Sowjetreich zerfallen, und er muss sich fragen lassen, ob er noch auf der Höhe der Zeit ist.

GOLDENEYE

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Die 1990er Jahre: Aus der Sowjetunion ist die Russische Föderation geworden, die so ihre Probleme hat. So gelingt es der Terror-Organisation Janus mit Hilfe des korrupten Generals Ourumov, das „Goldeneye“-Satelitten-System unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit diesem kann eine atomare Explosion in der oberen Atmosphäre erzeugt werden, wodurch ein elektromagnetischer Impuls entsteht, der alle elektronischen Geräte in Reichweite beeinflusst. James Bond verfolgt eine Handlangerin von Janus, Xenia Onatopp, die einen der modernsten Kampfhubschrauber der französischen Armee stiehlt, der unempfindlich gegen einen solchen Impuls ist. Wozu dieser gebraucht wird, wird klar, als eine der Atomwaffen von „Goldeneye“ direkt über dessen Kontrollzentrum in Sibirien zündet: das Kontrollzentrum wird zerstört, anfliegende russische Kampfjets stürzen, doch Onatopp und Ourumov entkommen mit dem Hubschrauber. Der Plan von Janus ist, durch eine zweite Atomexplosion über England die Computer des britischen Finanzsystems außer gefecht zu setzen, und damit ein internationales Chaos zu verursachen. Und mit Schrecken muss Bond erkennen, dass der Kopf von Janus ein alter Bekannter ist…

  • Synchronisation

Bei den deutschen Sprechern von Schauspielern, die in verschiedenen Produktionen auftauchen, gibt es verschiedene Gefahrenpunkte. Entweder der Schauspieler ist in Deutschland nicht so bekannt, dann besteht die Gefahr, dass das Publikum ihn nicht wiedererkennt ohne seine „übliche“ Stimme. Oder der Schauspieler ist bekannt, dann würde vielen Leuten eine neue Stimme sauer aufstoßen. Pierce Brosnan war in Deutschland bekannt durch die Serie „Remington Steele“ und wurde dort von Frank Glaubrecht gesprochen, der dies schließlich auch in der Bond-Filmreihe übernahm (und der Vollständigkeit halber: auch in einer Episode von „Muppets Tonight“, in der Pierce Brosnan Gaststar war). Gottfried John spricht sich übrigens – wie die meisten deutschen Schauspieler, die in einem Bond-Film mitgespielt haben – in der Übersetzung selbst.

„Goldeneye“ ist der erste Filmtitel der Serie, der weder ins Deutsche übersetzt, noch mit einem Untertitel versehen wurde („Moonraker“ erhielt den Zusatz „Streng geheim!“). Tatsächlich würde die korrekte Übersetzung „Goldauge“ oder „goldenes Auge“ keinen sehr griffigen Titel abgeben. Auch im Film unübersetzt führt es nur zu der Merkwürdigkeit in der deutschen Fassung, dass die Russen einem Geheimprojekt einen englischen Namen geben.

Bonds süffisante Bemerkung, Q müsse „renovieren“, nachdem jener einen Dummy mit Hilfe des explosiven Kugelschreibers in die Luft gejagt hat, ist im Original wieder mal ein Wortspiel, dort sagt Bond: „The writing’s on the wall.“ Das entspricht ungefähr dem, was man im Deutschen unter einem „Menetekel“ versteht, da sich beides auf die biblische Geschichte des babylonischen Kronprinzen Belsazar bezieht, dem eine aus dem Nichts erschienene Schrift an der Wand seines Palastes das Ende vorhersagte.

Ein Übersetzungsfehler wegen der phonetischen Namensähnlichkeit sind die „Linzer Kosaken“, die im Film erwähnt werden, hierbei handelt es sich um „Lienzer Kosaken“ (beide Städte liegen zwar in Österreich, aber Lienz – gesprochen „Lie-nz“ – liegt in Tirol und Linz in Oberösterreich).

  • Ein Blick auf die Story

Obwohl eigentlich noch die original Fleming-Kurzgeschichten „Quantum of Solace“, „The Property of a Lady“, „Risico“ und „007 in New York“ als Titelgeber zur Verfügung standen, entschied man sich erneut, einen eigenen zu finden. Inspiriert ist „Goldeneye“ von Ian Flemings Residenz auf Jamaika, die so hieß. Hier entstanden die meisten der James-Bond-Geschichten.

Sechs Jahre dauerte es nach „Lizenz zum Töten“, bevor man diesen neuen Film in die Kinos brachte, woran der relative Misserfolg des Vorgängers nicht ganz unschuldig war („relativ“ deswegen, weil der Film natürlich kein Misserfolg im eigentlichen Sinn war, aber ein für einen Bond-Film schlechtes Einspielergebnis hatte). Die Produzenten standen vor der Aufgabe, 007 in die Welt der 1990er zu bringen, in der es die Sowjetunion nicht mehr gab, und gleichzeitig die Dinge, die die Fans bei „Lizenz zum Töten“ vor den Kopf gestoßen hatten, zu vermeiden. Das Ergebnis ist Bond, wie ihn Brosnan spielt, wieder mehr an Roger Moore, was den Humor und die snobistische Art betrifft, aber er darf auch nachdenklich sein. Dabei braust er nicht so sehr auf wie in den Timothy-Dalton-Filmen. Die Handlung um den korrupten russischen General, der aus dem Zerfall des Sowjetreichs den größtmöglichen Profit für sich selbst ziehen will, ist dabei direkt am Puls der Zeit. Dass man mit einem elektromagnetischen Impuls Computer außer Gefecht setzen kann, wurde bereits in „Im Angesicht des Todes“ angesprochen. Und während in „Lizenz zum Töten“ noch im Abspann auf die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens hingewiesen wird, hat Bond es sich hier einfach abgewöhnt.

Ebenfalls am Puls der Zeit ist Bonds neuer Vorgesetzter, respektive Vorgesetzte, denn die Rolle von M übernahm mit Judi Dench erstmals eine Frau. Sie darf Bond dann auch als „sexistischen Dinosaurier“ und „Relikt des kalten Krieges“ bezeichnen und damit endgültig klarmachen, dass auch die Welt des Geheimdienstes nicht mehr dieselbe ist, wie sie war. Moneypennys Rolle wurde ebenfalls angepasst, während sie früher – bei allen schnippischen Kommentaren, die sie hin und wieder abgab – Bond dennoch anhimmelte, ist sie nun sehr selbstbewusst und zeigt durchaus, wo’s lang geht. Gleiches gilt auch für Bonds Gespielinnen, aber das hatte bereits in den letzten Filmen begonnen.

James Bond ist definitiv in den 1990ern angekommen. „Goldeneye“ ist ein Abenteuer, das alle Zutaten eines klassischen 007-Films hat, auch wenn die Kritker Brosnan eher als „steif“ bezeichneten und die Befürchtung hatten, er würde von den starken Frauen an die Wand gespielt. Das Einspielergebnis sprach eine andere Sprache.

DER MORGEN STIRBT NIE

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Der Medienmogul Elliot Carver, zu dessen Firmenimperium Fernsehsender und Zeitungen gehören, macht gerne Schlagzeilen – diesmal im wahrsten Sinne des Wortes: von einem getarnten Schiff aus lässt er einen chinesischen Kampfjet abschießen und ein britisches Schiff versenken. Die beiden Regierungen sollen sich gegenseitig die Schuld geben und einen Krieg beginnen. Carver will sich im Windschatten dieses Konflikts zum Informations-Weltherrscher aufschwingen. Sein Pech ist, dass die Geheimdienste beider Länder nicht recht an einen Angriff der jeweiligen Gegenseite glauben wollen und ihre besten Leute auf den Fall ansetzen: den britischen Agenten James Bond und die chinesische Spionin Wai Lin. Da Carver unglaublich gut informiert war über den „Zwischenfall“, beginnen beide ihre Nachforschungen in Hamburg, bei der deutschen Version seiner Zeitung „Tomorrow“, genannt „Der Morgen“. Als Carver darauf versucht, Bond umbringen zu lassen, wird diesem klar, dass er auf der richtigen Spur ist, die ihn nach Asien führt. Dort laufen bereits die Vorbereitungen für den letzten Schritt zum Krieg…

  • Synchronisation

Das schwierigste Stück Übersetzung an dem Film war der Titel, der auf verschiedene Weisen ausgelegt werden kann. „Der Morgen stirbt nie“ ist im wörtlichen Sinn aber falsch, „Tomorrow never dies“ bedeutet „Das Morgen stirbt nie“. Auf den Film bezogen ist die Übersetzung aber richtig, „Tomorrow“ ist der Name der Zeitung von Elliot Carver, die in vielen Ländern erscheint. Der Name der deutschen Ausgabe, die man im Film auch zu sehen bekommt, ist tatsächlich „Der Morgen“.

In der Szene, in der Bond am Flughafen in Deutschland nach seinem Auto fragt, fällt einem in der deutschen Fassung auf, dass der Synchronsprecher langsamer und sehr betont redet. Dass liegt daran, dass Brosnan hier im Original bereits Deutsch spricht, langsam und mit starkem Akzent.

  • Ein Blick auf die Story

Im Lauf der Zeit hat es sich Stück für Stück herausgearbeitet, dass es den Bond-Geschichten sehr gut tut, wenn diese irgendeinen Bezug zur Gegenwart haben. Damit wird unter anderem verhindert, dass die Geschichten zu abgehoben erscheinen und der Rest der Handlung verträgt dann auch schon mal etwas mehr Fiktion. Ein Medienmogul, der sein Imperium dazu ausnutzt, politischen Einfluss zu nehmen, dafür gibt es inzwischen mehr als ein Vorbild, etwa William Randolph Hearst oder Rupert Murdoch, um nur zwei zu nennen. Hearst wird sogar von Carver mit den Worten zitiert: „Liefern Sie die Fotos, ich liefere den Krieg.“

Jonathan Pryce spielt den Medienmogul mit Größenwahn tatsächlich so, wie es ein Bond-Gegner zu sein hat – raffiniert, charismatisch und sehr von sich selbst überzeugt. Auch seine Handlanger, wie der von den Deutschen Götz Otto verkörperte Killer Stamper, passen in die Liga klassischer Bond-Schurken. Das Szenario mit dem von einer dritten Macht provozierten Krieg ist zwar nicht gerade neu (man denke nur an „Man lebt nur zweimal“ oder „Der Spion, der mich liebte“), aber durch den Bezug auf die manchmal sehr manipulative Medienwelt hat der Film fast so etwas wie Gegenwartskritik. Besonders gut kommt das zum Ausdruck am Schluss: Carver fliegt mit seinem getarnten Schiff in die Luft, worauf M eine Pressemitteilung erstellen lässt, in der es heißt, Carver hätte einen Unfall mit seinem privaten Boot gehabt und gelte als vermisst. Für diesen Schurken ist es ein angemessenes Ende als falsche Schlagzeile und es zeigt, dass nicht nur er dieses Spiel spielt. Brosnan hatte mittlerweile zu seiner Interpretation von James Bond gefunden und spielte ihn durchaus lockerer als noch im vorigen Film. Und mit diesem Teil ging der Erfolg der Filmreihe ungebrochen weiter.

DIE WELT IST NICHT GENUG

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Sir Robert King, ein britischer Industrieller, wird durch einen Sprengstoffanschlag, der direkt im Hauptquartier von MI6 stattfindet, getötet. Der offensichtliche Grund sind die Bauarbeiten einer Pipeline in Aserbaidschan, die nun Kings Tochter Elektra fortführt. Bond wird zu deren Schutz abgestellt und muss bald schon ihr Leben retten, auch wenn diese dem Geheimdienst misstraut, seit sie vor Jahren von dem Russen Viktor Zokas, genannt „Renard“, entführt wurde. Als Bond die Spur der Angreifer nach Kasachstan verfolgt und dort auf Renard trifft, wird ihm klar, dass die Dinge offenbar nicht so liegen, wie sie scheinen…

  • Synchronisation

Wie schon erwähnt braucht es zum Wiedererkennen eines Schauspielers im Deutschen seine Stimme. In diesem Film spielt erstmals John Cleese (unter anderem bekannt durch die Produktionen der englischen Komiker-Truppe „Monty Python“) mit, der der Nachfolger von Q werden soll. Seit den Monty-Python-Filmen ist Cleeses Synchronsprecher Thomas Danneberg, der den Schauspieler auch hier übersetzen durfte.

  • Ein Blick auf die Story

„Die Welt ist nicht genug“, beziehungsweise die lateinische Entsprechung „orbis non sufficit“, ist das Familienmotto der Familie Bond, wie es in dem Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ enthüllt wird. Auf diese Weise wird ein Bezug zu den früheren Folgen hergestellt. Tragisch ist die Rolle von Desmond Llewelyn als Q, der in diesem Film seinen Nachfolger vorstellt, denn wie sehr dies seine Abschiedsvorstellung werden sollte, stellte man erst nach dem Ende der Dreharbeiten fest: Llewelyn starb vor der Premiere des Films bei einem Autounfall. Zwei absolute Premieren hat dieser Film: Zum ersten Mal sieht man das neue Hauptquartier des MI6 von außen, und zum ersten Mal ist M persönlich in eine Geschichte involviert.

Die Pipeline, die in dem Film von der Firma von Elektra King gebaut wird, hat ein Vorbild in der Realität, nämlich die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline von Aserbaidschan in die Türkei. Hierbei handelt es sich um den bereits angesprochenen Bezug zur Gegenwart, der einem Bond-Film gut tut. Zwar ist auch hier wiederum die Idee, ein wirtschaftliches Ziel dadurch zu erreichen, dass man durch radioaktive Verseuchung dafür sorgt, dass man Monopolist wird, nicht eben neu (in „Goldfinger“ will der Schurke durch das Verseuchen des Goldes in Fort Knox dafür sorgen, dass der Goldpreis in die Höhe schießt, womit sich auch sein nicht unerhebliches Vermögen vervielfacht), aber der neue Zusammenhang gibt der Geschichte einen interessanten Dreh, wie auch Elektras Stockholm-Syndrom, das den Zuschauer – und James Bond – am Anfang in die Irre führt.

Durch das Ausscheiden von Desmond Llewelyn spürt man allerdings, dass ein Wendepunkt naht. Llewelyn war der letzte Darsteller, der mit allen bisherigen Bond-Darstellern zusammengearbeitet hat. Wie groß dieser Wendepunkt sein sollte, das würde sich allerdings erst nach dem nächsten Film herausstellen.

STIRB AN EINEM ANDEREN TAG

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James Bonds Mission in Korea wird verraten und er gerät in Gefangenschaft. Nach einiger Zeit wird er freigetauscht, allerdings außer Dienst gestellt, da man sich nicht sicher sein kann, ob er Geheimnisse verraten hat. Bond flieht aus dem Gewahrsam des MI6 und setzt sich auf die Fährte von Zao, gegen den man ihn eingetauscht hat. Zao ist Handlanger des koreanischen Colonel Moon, wegen dem der Agent in Korea war. Er erhofft sich Informationen über die Person, die seine Mission verraten hat. Zao ist in Kuba in einer Klinik, in der die DNS von Menschen manipuliert wird, um deren Aussehen zu verändern. Er trifft auf die amerikanische NSA-Agentin Jynx und kann Zaos Behandlung unterbrechen. Bezahlt wurde diese mit Diamanten, und die Spur führt zu dem Millionär Gustav Graves…

  • Synchronisation

Thomas Danneberg, der Sprecher von John Cleese, führte bei diesem Film Synchronregie und schrieb das Synchrondrehbuch. Wieder galt es, den Wiedererkennungswert der deutschen Stimme eines amerikanischen Schauspielers zu erhalten, in dem Fall die von Halle Berry, die – wie schon in vorigen Filmproduktionen – von Melanie Pukaß gesprochen wurde.

  • Ein Blick auf die Story

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Der Film markiert ein mehrfaches Jubiläum: Es ist der 20. Teil der offiziellen James-Bond-Reihe, und seit der Premiere von „James Bond jagt Doktor No“ sind 40 Jahre vergangen. Man hatte sich eigentlich bemüht, für das Jubiläum endliche die Filmrechte an „Casino Royale“ zu bekommen, doch das verzögerte sich. Man wollte aber das Jubiläum nicht einfach so vergehen lassen, also entstand „Stirb an einem anderen Tag“.

Der Film ist voller Anspielungen auf vergangene Bond-Abenteuer, am Auffälligsten in Qs Werkstatt, in der sich verschiedene Gadgets aus alten Zeiten befinden (unter anderem das „Krokodil-U-Boot“ aus „Octopussy“, der Messerschuh aus „Liebesgrüße aus Moskau“ oder die Ein-Mann-Rakete aus „Feuerball“). Mit Halle Berry als Jinx wurde Bond eine gleichwertige Partnerin an die Seite gestellt, so dass es offenbar für kurze Zeit die Überlegung gab, der Dame ihre eigene Filmreihe zu geben. Doch seither hat man nicht mehr davon gehört.

Der Film ist etwas zwiespältig, er schafft es tatsächlich, den Flair vergangener Filme wieder einzufangen, andererseits schoss man mit einzelnen Ideen (wie dem Todeslaser aus dem All oder dem unsichtbaren Auto) leicht über das Ziel hinaus. Ausgeglichen wurde das durch die Ironie, die die Geschichte mit einem quasi permanenten Augenzwinkern erzählt. Immerhin erfahren wir auf diese Weise auch, wie Bond es geschafft hat, sich in den letzten 40 Jahren permanent zu verjüngen, denn ganz offenbar ist DNS-Manipulation, die uns in diesem Film begegnet, dafür verantwortlich 😉 (gut, in den 1970er Jahren steckte die Methode noch in den Kinderschuhen, was erklären würde, warum der verjüngte Bond in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ nach dem Tod seiner Frau wieder so aussah wie vorher).

Für diese Reihe bildet die 20. Episode ein würdiges Finale, denn das wurde sie. Film Nr. 21 sollte von einem anderen Bond handeln, einem neuen Bond in einer anderen Welt. Der James Bond dieser Welt jedoch war dazu bestimmt, seine Karriere zu beenden. Und das tat er.

Ende? Nein, noch immer nicht ganz. Mit einem Augenzwinkern erlaube ich mir anzukündigen: James Bond wird noch einmal zurückkehren in:

AGENT IM RUHESTAND: Sean Connery ist (schon wieder) James Bond

Agent mit Eigensinn: Timothy Dalton ist James Bond

1987: In nur zwei Jahren schafft es der Geheimdienst, Bond erneut auf Vordermann zu bringen. Nicht weniger als beinahe zwanzig Jahre werden von ihm genommen. Doch er ist nachdenklich geworden, zweifelt an seiner Arbeit und wendet sich schließlich sogar gegen seinen Arbeitgeber.

DER HAUCH DES TODES

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Bei einer Übung am Felsen von Gibraltar werden zwei Doppelnull-Agenten von einem unbekannten Angreifer umgebracht. Bei einem wird ein Zettel mit der Aufschrift „Smiert Spionom“ gefunden, was einen Hinweis auf die Russen gibt. Als Bond den russischen Überläufer Georgi Koskov von Bratislava aus in den Westen bringt, berichtet dieser, „Smiert Spionom“ (Deutsch: „Tod den Spionen“) sei ein altes KGB-Programm, das von General Leonid Pushkin wieder erweckt worden sei. Bevor Koskov jedoch mehr erzählen kann, wird er augenscheinlich entführt und zurückgeholt. Bond entdeckt Ungereimtheiten in der Geschichte. Seine Spur ist Kara Milovy, eine Cello-Spielerin, die bei Koskovs Flucht in Bratislava versucht hat, auf ihn zu schießen. Bond hielt sie zuerst für eine KGB-Scharfschützin, doch er findet heraus, dass sie Koskovs Freundin ist und jener offenbar mit dem Waffenhändler Brad Whitaker zusammenarbeitet. Bond reist nach Tanger, um Pushkin auf den Zahn zu fühlen…

  • Synchronisation

„Whoever she was, it must have scared the living daylights out of her.“ Wieder ein Titel, der sich nicht so einfach ins Deutsche übertragen ließ. Unglücklich war nur, dass nach „Im Angesicht des Todes“ noch eine Übersetzung gewählt wurde, die schon wieder „Tod“ enthielt. „Living daylights“ könnte man ungefähr mit „Lebenslicht“ übertragen, im Englischen kann man diese aus jemanden sowohl herausprügeln („to beat the living daylights out of somebody“), als auch – wie Bond die Phrase benutzt – heraus „erschrecken“. Immerhin hat man dieses Mal bei der Synchro darauf geachtet, den Titel in Bezug zum Film zu setzen und hat Bonds Kommentar mit „Wer auch immer sie war, sie hat bestimmt den Hauch des Todes gespürt.“ übersetzt. Der „Playboy-Pfiff“, mit dem der detonierende Schlüsselanhänger von Q aktiviert wird, ist im Original ein „wolf whistle“, ist aber ungefähr das gleiche.

Nicht ins Deutsche herüber kam der Wortwitz, den 007 nach dem Kampf mit Necros bringt. Die beiden kämpfen in einem Netz an einem Flugzeug hängend. Necros hält sich schließlich an Bonds Stiefel fest, worauf jener die Schnürsenkel durchschneidet und den Killer mitsamt seinem Schuh abstürzen lässt. Als James ins Cockpit kommt, sagt er: „He’s got the boot!“, was im übertragenen Sinn auch bedeutet „Er wurde entlassen/rausgeworfen.“ Auf Deutsch lautet der Satz: „Er hat meinen Stiefel.“, was in dem Moment zwar ganz witzig ist, aber nicht mit dem englischen Text mithalten kann.

  • Ein Blick auf die Story

Unlängst war ich auf der Hochzeit eines guten Freundes. Bei einer Gelegenheit sprache wir über die Bond-Reihe und die beiden Filme mit Timothy Dalton. Sein Kommentar dazu war, dass die Filme gut seien – nur eben nicht Bond. Tatsächlich war man bei der Produktion erneut darauf bedacht, etwas anders zu machen und dazu die Tatsache, dass ein neuer Schauspieler Bond verkörpern würde, auszunutzen. Zum einen war die AIDS-Problematik, die Mitte der 1980er Jahre immer mehr aufkam. Bond musste sich einschränken, was die Frauen betraf, sein Charakter sollte menschlicher und zugleich rauer werden. Außerdem sollte der Humor, der für den „Moore-Bond“ so typisch war, stark zurückgenommen werden. Damit wurde ein harter Schnitt gemacht, der von den Fans natürlich bemerkt wurde.

Timothy Dalton wurde die Rolle angeboten, weil Albert R. Broccoli ihn für einen guten Bond hielt, doch zunächst war er wegen eines Filmdrehs nicht verfügbar. Daraufhin suchte man nach anderen Darstellern (unter anderem sprach Sam Neill, der später „Jurassic Park“ und „Merlin“ drehte, vor) und entschloss sich letztlich für Pierce Brosnan, der gerade die letzten Episoden seiner Serie „Remington Steele“ drehte. Doch plötzlich wurden neue Drehbücher nachgereicht, Brosnan war damit nicht mehr verfügbar. Durch die Verzögerung rückte der Drehstart so weit nach hinten, dass nun Timothy Dalten wieder Zeit hatte – und die Rolle diesmal bekam.

Kritisch ist – aus heutiger Sicht – die Darstellung der Situation in Afghanistan zu sehen, die einem simplen „Gut-Böse-Schema“ folgt, in dem die Mudschaheddin als die „edlen Rebellen“ dargestellt werden. Das war die damals übliche Sicht des Westens, und keiner konnte sich vorstellen, in welche Richtung sich die Situation in Afghanistan entwickeln würde (vereinfacht gesagt: nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen 1989 begann ein Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Mudschaheddin-Gruppierungen, aus dem 1994 die Taliban hervorgingen, die das Land übernahmen – der Rest ist Geschichte).

James Bond wurde wieder mehr seiner Roman-Vorlage angepasst, er ist streckenweise brutaler und emotionaler, allerdings mehr in einer aufbrausenden Art, nicht so sehr wie in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. Blickt man an diesem Punkt auf die Filmreihe zurück, so macht 007 weniger eine Entwicklung durch, sondern er springt vom Charakter hin und her. Von daher kann man natürlich sagen, „Der Hauch des Todes“ ist kein Bond, weil der Bruch zwischen Roger Moore und Timothy Dalton sehr stark ist und nicht erklärt wird. Aber es ist gute Unterhaltung – und so lange die Leute, die es schreiben und produzieren, sagen, dass es Bond ist, so lange ist es Bond. Auch in diesem Film wurde kein Titel für die Fortsetzung genannt, sondern es hieß einfach nur: „James Bond will return“.

LIZENZ ZUM TÖTEN

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Der südamerikanische Drogenbaron Franz Sanchez will seine Freundin abholen und muss sich dazu in die USA wagen. Darauf hat die Drogenbehörde gerade gewartet. Auf dem Weg zu seiner Hochzeit wird Felix Leiter abgefangen, die Festnahme durchzuführen. James Bond, der als Trauzeuge fungiert, kommt mit. Gemeinsam gelingt es ihnen, Sanchez festzusetzen. Doch ein korrupter Polizist sorgt kurz darauf dafür, dass er wieder freikommt. Er rächt sich an Leiter, indem er dessen Frau tötet und ihn von Haien schwer verwunden lässt. Als die CIA keine Anstalten macht, ernsthaft nach Sanchez zu suchen, übernimmt Bond das auf eigene Faust. Er spürt den korrupten Polizisten auf und entdeckt eine Spur, die zu dem Meeresforscher Milton Krest führt. Da schreitet M ein. Er verbietet Bond weitere Untersuchungen, worauf der Agent den Dienst quittiert und sich in Sanchez‘ Organisation einschleicht…

  • Synchronisation

Einmal mehr wurden bei der Synchronisation die Akzente verschiedener Personen, zum Beispiel der von Sanchez, nicht mit übernommen. Jener wird übrigens von Uwe Friedrichsen gesprochen. Unübersetzbar blieb leider 007s Bemerkung, als M ihn im Hemingway-Haus die Lizenz zum Töten entzieht und ihn auffordert, seine Dienstwaffe abzugeben. Bond sagt: „I guess, it’s a farewell to arms.“ „A Farewell to Arms“ ist der deutsche Titel des Romans „In einem andern Land“ von Ernest Hemingway. Von der literarischen Anspielung konnte ins Deutsche leider nur die wörtliche Übersetzung übertragen werden: „Jetzt heißt es wohl, Abschied nehmen von den Waffen.“ Darios Antwort auf Leiters Frage nach seiner Frau, als dieser von Sanchez gefangen genommen wurde, lautet: „She’s got a nice honeymoooon.“ Die deutsche Übersetzung ist deutlicher: „Sie verbringt ihre Hochzeitsnacht mit dem Tod!“

Zwei Dinge hakten etwas bei der Synchro: Zum einen wird der Begriff „Q Branch“ nicht übersetzt und in der deutschen Fassung so verwendet, als sei es ein Eigenname (Moneypenny verlangt „Q Branch“ am Telefon und Q selbst sagt „…gäbe es keinen Q Branch…“). „Branch“ bedeutet hier aber soviel wie „Abteilung“. Zum anderen siezen sich Bond und Pam Bouvier bis zum Schluss, während er Lupe – Sanchez‘ Freundin – duzt.

Das hat zwar weniger mit der Synchronisation zu tun, aber mit der deutschen Version, diese wurde nämlich gekürzt. Es fehlt ein Teil der Szene, in der Sanchez seinen Handlanger Krest in der Druckkammer tötet, sowie am Ende, als Sanchez in Flammen aufgeht. Nichtsdestotrotz wurde der Film wegen seiner Brutalität mit „Freigegeben ab 16 Jahren eingestuft“.

  • Ein Blick auf die Story

Wieder einmal wollte man etwas ändern und den Film-Bond dem Roman-Bond noch mehr anpassen. Dazu stützte man sich auf Ian Flemings Beschreibung der Figur in „Casino Royale“. In der Tat wurde Bond brutaler und nicht nur in Deutschland deswegen in der Freigabe höher eingestuft. Doch der Film spaltete die Fans in jene, die die Änderungen Fleming angemessen fanden, und jene, die diesen Bond nicht wiedererkannten. Das spiegelte sich auch im Einspielergebnis wieder – der Film konnte mit seinen Vorgängern nicht mithalten.

„Lizenz zum Töten“ ist der erste Film, der völlig unabhängig von Flemings Romanen entstand. Es wurde lediglich eine Szene aus „Leben und sterben lassen“, die man in dem damaligen Film nicht verwendet hat, übernommen (die Szene, in der Leiter von einem Hai angegriffen wird und Bond nach Beweisen in einer Lagerhalle mit Fischködern sucht), außerdem wurde der Name der Figur Milton Krest und seines Schiffes „Wavekrest“ aus der Kurzgeschichte „The Hildebrand Rarity“ entnommen (allerdings nur die Namen). Der Film ist tatsächlich ungewöhnlich brutal. Daltons James Bond ist jedoch eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was man in „Der Hauch des Todes“ bereits angefangen hatte.

Die gespaltenen Kritiken, die sich lediglich darin einig waren, dass dieser Film tatsächlich näher an Flemings Bond sei, die gespaltene Fanmeinung und die nicht gerade überragenden Einspielergebnisse taten ihr übriges dazu, dem „Bond-Franchise“ eine Pause zu verpassen. Noch dazu begann 1989, als „Lizenz zum Töten“ herauskam, eine Entwicklung, die zum Fall der Berliner Mauer, zum Zusammenbruch der Sowjetunion und zum Ende des kalten Krieges führen sollte. Damit stand die Frage im Raum, welche Rolle 007 in Zukunft spielen sollte. Gab es überhaupt noch einen Platz für ihn? Die Suche nach einer Antwort auf diese Frage dauerte nicht weniger als sechs Jahre.

Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

AGENT MIT IDENTITÄTSKRISE: Pierce Brosnan ist James Bond