Klassenfahrt und ein Projekt

Eine Klassenfahrt in die damalige Bundeshauptstadt Bonn war der Rahmen für große Pläne, die sich letztlich leider aber nur schleppend verwirklichen ließen: Durch einen glücklichen Zufall hatte ich die Super-8-Kamera von meinem Großvater und machte ein paar Aufnahmen von den Reisezielen, die wir besuchten, unter anderem auch das Phantasialand.

Phantasialand 1987: Einer der ersten Drehorte mit Super 8. Bild: Thorsten Reimnitz

Mit ein paar Freunden diskutierte ich darüber, dass man mit etwas Fantasie noch mehr machen könnte, als nur simple Aufnahmen – Geschichten erzählen. Sogar Science Fiction! Warum nicht einen Film drehen, der in einem eigenen Universum spielt? Ein paar Ideen entstehen, dann wird darüber diskutiert, wie unsere „Filmgesellschaft“ denn heißen könnte. Ganz unbescheiden favorisiere ich „Reimnitz Film Company“ oder „RFC“, es wurden aber auch andere Namen vorgeschlagen. Tatsächlich waren da Namen wie „Fantasie-Projekt“ und „Phantastisches Projekt“ dabei. Die Bezeichnung „Projekt“ schlägt ein Kumpel vor, da er fand, dass es nicht gut sei, sich im Namen auf „Film“ zu beschränken. Was wäre denn, wenn es nicht nur Filme, sondern auch Geschichten oder Bücher gäbe?

Eine definitive Entscheidung fällen wir nicht. Nach der Klassenfahrt geht es stramm auf die Prüfung für die Mittlere Reife zu. In den anschließenden Sommerferien, so beschließen wir, soll das „Projekt“ ausgearbeitet werden.

Hallo Welt!

Irgendwo im Weltraum, fern der Erde, lag ein Planet…

Die ersten Worte, mit denen das „Phantastische Projekt“ offiziell begann.

Der 7. August 1985 war ein Mittwoch. Kein gewöhnlicher Mittwoch, zumindest nicht für mich, aber das sollte sich erst später herausstellen. Es war ein paar Tage nach meinem 15. Geburtstag. Science-Fiction-Geschichten hatten schon seit frühester Kindheit einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen, durch „Raumschiff Enterprise“, „Krieg der Sterne“, „Flash Gordon“, „Captain Future“ und auch durch den Film „Das schwarze Loch“. Gerade letztgenannter war der Zündfunke dazu, mir selbst eine Reihe von Science-Fiction-Geschichten auszudenken, mit feststehenden Charakteren. Sozusagen mein eigenes „Raumschiff Enterprise“. Aber die Geschichten entstanden spontan und aus der Situation und sie blieben lange Zeit nur in meinem Kopf.

Der Autor dieser Zeilen im Sommer 1985.

An jenem besagten 7. August 1985 nun begann ich, die Geschichten tatsächlich aufzuschreiben und Pläne zu machen. Mit Fotos hatte ich schon vorher versucht, Geschichten zu erzählen. Das könnte ich ja vertiefen… oder vielleicht sogar weitergehen? Einen Film machen? Mehrere Filme? Eine Reihe?

Bild aus einer Geschichte des Projekts vom Sommer 1985. Bild: Thorsten Reimnitz

Vorerst jedoch blieb es bei den Fotos. Mitte der 1980er waren die Videokameras erst am Aufkommen, das heißt, es gab sie zwar, aber sie waren sehr teuer. Es wurde noch immer sehr viel mit Super-8 gefilmt, was den Nachteil hatte, dass es nicht unbedingt mit Ton war – und hier war das Material recht teuer. Eine Spule für ungefähr 3 Minuten Film kostete um die 15 DM. Und war der Film eimal belichtet, konnte man ihn nicht mehr „zurückspulen“ und nochmal verwenden. So entstanden damals die „bebilderten Geschichten“, die von mir in einem Buch festgehalten wurden. Sehr phantasievoll, aber – immerhin fing ich ja erst so richtig an – etwas einfach und krude in der Ausführung. Und alles begann am 7. August 1985.

Das Originalbuch mit den ersten Geschichten des Projekts. Bild: Thorsten Reimnitz

Doch schneller als gedacht änderte sich die Situation. Meine Großeltern unterstützten mein Interesse für die Filmerei, immer wieder durfte ich mir ihre Super-8-Kamera ausleihen, die ich bei verschiedensten Ausflügen dabei hatte, um alles Mögliche zu filmen.

Phantasialand 1987: Einer der ersten Drehorte mit Super 8. Bild: Thorsten Reimnitz

Dabei fuhr ich zweigleisig, mit geschriebenen Geschichten und mit den ersten Anklängen für eine Filmgeschichte. 1987 bekam ich schließlich die Kamera, die ich schon so oft genutzt hatte, zum Geburtstag geschenkt. Trotz der bereits genannten Schwierigkeiten, die das Filmen mit Super 8 so mit sich brachte, kamen doch einige Filmspulen zusammen.

Biberach an der Riss: Hier entstanden die ersten Aufnahmen mit einer durchgehenden Handlung. Bild: Thorsten Reimnitz

1990 schließlich bekam ich meine erste Videokamera. Video 8, ein damals gängiges Format. Da dadurch die Einschränkungen durch das Filmmaterial wegfielen, konnte es nun so richtig losgehen. Es zeigten sich aber auch neue Probleme: Beim Format Super 8 konnte ich Spezialeffekte wie Laserstrahlen damit erzeugen, dass ich diese mit einem Folienstift direkt auf das Bildmaterial malte. Auf Video ging das nicht mehr. Und ein Problem blieb bestehen: Wie konnte man Videos über einen sehr kleinen Kreis von Leuten hinaus weiterverbreiten? Nichtsdestotrotz gingen die Geschichten weiter und weiter und weiter, und es kam immer mehr dazu…

Ein Ausblick… in dem Fall von Viktorsberg hinab auf Feldkirch, aber auch auf viele Dinge, die noch kommen sollten. Bild: Thorsten Reimnitz