Blog-Verzweiflung – oder: Hört mich denn niemand?

Als die ersten Schiffe die Weltmeere befuhren, brauchten die Schiffsführer etwas, an dem sie festmachen konnten, wohin sie wie schnell gefahren sind. Da es am Anfang – und eine lange Zeit später – noch nicht so das Wahre war mit dem Schreiben, behalf man sich anders: man nam einen Baumstamm, bohrte Löcher rein und markierte Kurs und Geschwindigkeit mit Holzstiften. Der Baumstamm, auf Englisch „log“, führte dazu, dass in der Seefahrt der Begriff „Captain’s Log“ eingeführt wurde, selbst als die „logs“ aus Metall hergestellt wurden und letztlich durch das „Logbuch“ abgelöst wurden. An letzterem Begriff merkt man auch, dass das Wort sogar in die deutsche Sprache kam.

Nachdem es das Internet gab, wurden dort Internet-Tagebücher eingestellt, so genannte „Weblogs“, bei denen aus Gründen, die keiner mehr nachvollziehen kann, die ersten zwei Buchstaben zugunsten der „Aktion Mensch“ gestrichen wurden – der Begriff „Blog“ wurde erfunden. Falls Sie keine Ahnung haben, was ein Blog eigentlich ist: Sie lesen gerade in einem!

Die Blogs hatten und haben nur ein Problem: Sie sind sehr zahlreich. Wie macht man die große Gemeinschaft der Internet-User auf sich aufmerksam? Ein guter Rang bei Google wäre zumindest mal hilfreich. Doch da ergibt sich ein Problem: Google legt seine Ränge nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten fest. Unter anderem über Links, eingehende und ausgehende. Also schaut Google nach, welche Seiten auf ein bestimmtes Blog verweisen. Diese Seiten werden wiederum nach Wichtigkeit kategorisiert. Je wichtiger die verweisende Seite, desto höher der Google-Rang.

Bleibt dem armen Blogger also nur zu hoffen, dass irgendjemand von einer gut eingestuften Internet-Domain auf das eigene Blog aufmerksam wird und einen Backlink legt. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Aber nun entdecken manche Leute diese Hoffnung für verschiedene Aktionen. Zuerst war es hitflip.de mit seiner „Blogitzeljagd“. Ganz neu hinzugekommen ist nun das „Ehl&Ing Blog“. Die Aktion: Setze einen Backlink auf das Blog – was wir zum Beispiel mit diesem Beitrag tun -, dafür bekommst Du einen Backlink von einer Universitäts-Domain. Das ist ein dicker Fisch, denn die Domains von Universitäten werden gerade von Google als besonders vertrauenswürdig eingestuft.

Die Aktion könnte ein Erfolg werden. Die von der Seite netaufkleber.com erst vor kurzem veranstaltete Aktion, bei dem man für einen Eintrag im eigenen Blog einen Gratisaufkleber bekam, wurde bereits wieder beendet, weil sich so viele daran beteiligten. Leider wird im „Ehl&Ing Blog“ nicht verraten, um welche Uni es sich handelt, aber schon ergaben sich 152 Antworten im Zeitraum 9. März bis heute.

Wir schließen uns der Aktion einfach mal an. Da wir den Google-Rang unseres Blogs zum momentanten Zeitpunkt kennen, sind wir schon gespannt, und das auf zwei Dinge: a. als was sich die Aktion dann genau entpuppt, und b. ob sich unser Google-Rang ändert (und wenn ja, wie schnell).

Nachtrag: Wer sich dafür interessiert, der findet die Aktion hier! 

50 Jahre Europäische Union – Allen Unkenrufen zum Trotz

Am heutigen 25. März 2007 ist es genau 50 Jahre her, dass die Römischen Verträge unterzeichnet wurden, die die Grundlage für die heutige Europäische Union bildeten. Und was wurde in den letzten 50 Jahren nicht alles behauptet. Offene Grenzen – das bringt eine Schwemme von billigen Arbeitskräften ins Land und bootet unsere Arbeitskräfte aus. Der Euro wird eine zu weiche Währung sein und Europa ins wirtschaftliche Chaos jagen. Offene Grenzen – ein Paradies für Schmuggler.

Die Geschichte hat den Zweiflern das Gegenteil bewiesen. Wer Angst um deutsche Arbeitsplätze hatte, sieht sich heute mit einer genau gegenteiligen Situation konfrontiert, die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre in Deutschland bringt im Gegenteil unsere Nachbarn in die Bredouille. Wer über den Euro schimpfte, wurde eines besseren belehrt, denn dieser steht stabiler als der Dollar und schon gibt es Vorhersagen, in denen es heißt, der Euro wird bis in 10 Jahr den Dollar in der Weltrolle abgelöst haben. Und sinnigerweise beweist die Situation mit der Schweiz, die ja nicht der EU angehört, dass geschlossene Grenzen genauso – und noch viel eher – ein Paradies für Schmuggler sind.

Also ist der heutige Tag wirklich ein Grund zum Feiern. Allein die Tatsache, dass nach dem Zweiten Weltkrieg niemand absehen konnte, was für gute Nachbarn, ja Verbündete Deutschland und Frankreich werden können. Die EU muss sich zwar ihre Rolle in der Welt noch erkämpfen, aber sie tut das immer mehr. Auch wenn man in manchen Ländern mit dem Begriff und der Funktion dieser Organisation nicht viel anfangen kann. Ich habe das selbst erlebt, wenn ich etwa einem Amerikaner zum dritten Mal erklären muss, dass die „Deutschmark“ vor Jahren abgeschafft wurde und dass es in Europa keine Grenzen mehr gibt. Dass ich nach Frankreich fahren kann ohne Kontrolle, ja, dass ich nicht mal Geld wechseln muss. Oder nach Österreich, Italien, Spanien… Aus den einstmals sechs Ländern, die den ursprünglichen Vertrag unterzeichneten, sind heute 27 geworden.

In Zukunft gibt es einige Aufgaben für die EU zu erledigen, damit sie gerüstet ist. Die Europäische Verfassung ist sicherlich nur ein Schritt. Auch die Frage, ob die Union bis zur Höchstgrenze an Mitgliedsstaaten wachsen kann, muss geklärt werden.

Aber nicht heute. Heute wird gefeiert. Schade finde ich nur, dass sich die Feierlichkeiten in Deutschland auf Berlin beschränken. Wäre es nicht ein besonderes Zeichen für Europa gewesen, auch außerhalb der Hauptstadt verschiedene Aktionen zu starten?

2057 – Unser Leben in der Zukunft

„Du wirst mit einem Roboter eine Familie gründen.“
„Du wirst mit dem Fahrstuhl zu den Sternen reisen.“
„Du wirst Sicherheitskopien Deiner wichtigsten Organe besitzen.“

Soweit die Werbung. Nein, es geht nicht um eine neue Versicherungsform, sondern um eine dreiteilige Dokumentarreihe des ZDF mit dem Titel „2057 – Unser Leben in der Zukunft“. Der erste Teil, „Der Mensch„, lief am letzten Sonntag. Und hinterließ einen schalen Nachgeschmack.

Moderiert wird die Dokumentation von Frank Schätzing, dem Schriftsteller. Und da beginnt es. Schätzing präsentiert die „schöne neue Welt“ sehr unreflektiert. Kurz zur Handlung dieser Episode: der Arzt Alain Degas will morgens zu seiner Arbeit. Als sein automatisches Badezimmer Alkohol in seinem Atem feststellt, verlangt es, der Arzt solle in die Toilette urinieren. Grund: in der Toilette wird der Urin auf seine Bestandteile untersucht und das Ergebnis an die Krankenkasse weitergeleitet. Doch Degas schummelt, er hat Becher mit alten Urinproben im Schrank stehen und kippt einen von denen in die Toilette. Doch als er kurz darauf über einen Reiniungsroboter stolpert, aus dem Fenster stürzt und mit einem Polytrauma ins Krankenhaus kommt, fällt die Diskrepanz zwischen der Urinprobe im Bad und einer neuen im Krankenhaus auf. Die Folge: der Doktor bekommt seinen Versicherungsschutz gestrichen und wird in die „unterste Klasse“ der Medizin verfrachtet, einer menschenunwürdigen Aufbewahr-Anstalt.

Die Handlung wird immer wieder unterbrochen, da dem Zuschauer erklärt wird, wie man darauf kommt, dass das Leben in 50 Jahren so aussehen könnte. So wird die „intelligente Kleidung“ (über die ich mich in einem meiner Romane schon ausgelassen habe) vorgestellt, deren Vorläufer es heute schon gibt, oder Drucker, die lebendes Gewebe ausdrucken können.

Leider stellt Schätzing nur ein einziges Mal die Frage nach dem moralischen Hintergrund, nämlich als es ums Klonen geht. Ansonsten wird uns völlig unkritisch eine Zukunft präsentiert, die mich persönlich ehrlich gesagt eher erschreckt hat und die ich so nicht erleben möchte. So wird im Film kurz angesprochen, dass Doktor Degas die Hälfte (!!) seines Gehaltes dafür aufwenden muss, Krankenkassenbeiträge zu zahlen. Dafür ist er in der so genannten „Platin-Klasse“. Wer sich das nicht leisten kann… tja, Pech gehabt. Als Degas der Versicherungsschutz entzogen wird, erlebt er für eine Nacht, wie es sich „am unteren Rand“ der Gesellschaft lebt: ein gekachelter Raum, in dem so ungefähr zehn bis zwanzig Krankenbetten dicht an dicht stehen. Wie ich es oben schon formulierte: eine Aufbewahr-Anstalt. Die bereits angesetzte Herzoperation, die Degas hätte kriegen sollen, wurde abgesagt. Und niemand stellte die Frage, ob das erstrebenswert ist. Ich war entsetzt. Ein Mensch, der ein Tier so einpfercht, wird wegen Tierquälerei bestraft.

Besonders zynisch erscheint mir in dem Zusammenhang eine Radiowerbung für diese Sendung, die ich am selben Tag noch gehört habe: eine weibliche Stimme, die meint, man solle sich keine Sorgen machen, denn „ich werde für Dich sorgen – ich, Deine Zukunft!“ Einen Dreck wird die Zukunft tun, jedenfalls wenn es nach dieser Vision geht. Versorgt ist nur, wer das Geld dazu hat. Alle anderen können sehen, wo sie bleiben. Und die Krankenkassen haben eine Allmacht, die nicht nur an George Orwell erinnert, nein, er wird sogar noch übertroffen, denn so schlimm hat er sich das selbst nicht mal ausgedacht. Ständig wird man überwacht, wie man lebt, was man isst (oder ob man zu viel Alkohol trinkt), und dann wird der Versicherungsbeitrag entsprechend angepasst. Und das Schlimmste: die Krankenkasse musste Degas‘ Manipulation nicht mal nachweisen, es reichte, dass der Computer eine „80%ige Wahrscheinlichkeit“ einer Manipulation errechnete, um ihm den Versicherungsschutz KOMPLETT zu entziehen. Eine einzelne vermutete Manipulation – und es folgt die Höchststrafe. So werden vor Gericht nicht mal Mörder behandelt (wie oft wird wirklich die Höchststrafe verhängt – und wie oft wird sie auch wirklich durchgezogen?).

Die Vision erinnert in einem erschreckenden Maße an MAX HEADROOM, einer Fernsehserie über die Macht und die Entwicklung des Fernsehens. Zwar war hier nicht Krankenkassenbetrug, sondern Kreditbetrug das schwerste Verbrechen, aber es ähnelt sich alles doch sehr. Wollen wir so eine Zukunft wirklich?

In meinem Beruf sieht man alle Schichten des Lebens und alle Schichten der Gesellschaft. Die Schere geht schon weit genug auseinander. Und die Zukunft ist schließlich für alle da, nicht nur für die Reichen. Anderenfalls würde diese Zukunft nämlich einen gefährlichen Zündstoff bergen, der unter Umständen in einem Bürgerkrieg münden könnte, dann nämlich, wenn die „Unterpriviligierten“ sich gegen die, die alles haben und alles kriegen, auflehnen.

Aber das wäre dann schon eine Handlung für eine neue Dokumentation: „2058 – Unser Sterben in der Zukunft“.

Wir haben es in der Hand, denn die Grundsteine für die Zukunft legen wir. Ich möchte diese Zukunft so niemandem zumuten, nicht mir (ich bin dann 87 Jahre alt und auf ärztliche Unterstützung vermutlich angewiesen), nicht meiner Familie oder meinen Freunden – und erst recht nicht meinen Kindern. Den Nutzen zu mehren, die Gefahren vermeiden, das sollte das Credo für die Zukunft sein.

Und so eine Zukunft würde mir keine Angst machen.

Projekt X-1: Noch eine Entwicklung

Und wieder ist es passiert: ganz unvorhergesehen trat eine Entwicklung ein bei Projekt X-1. Selbiges ist damit in seine letzte Phase getreten. Das bedeutet: schon sehr bald lüftet sich der Schleier…

21. März 2007: Frühlingsanfang, Neubeginn

Noch vor wenigen Wochen hätte keiner gedacht, dass es doch so weitergeht. Es gab Ideen, die eigentlich in eine andere Richtung gingen. Doch dann gab es neue Ideen, und die haben dazu geführt, dass heute, zu Frühlingsbeginn, nicht nur die Natur den Neubeginn feiert, sondern auch dieses Blog. Es geht weiter…

In den nächsten Tagen wird es noch einige Neuerungen mehr geben, über die aber noch berichtet wird. Man kann gespannt sein…

21. März 2007: Frühlingsanfang, Neubeginn

Man sieht es (noch) nicht, wenn man nach draußen schaut, aber heute ist offiziell Frühlingsanfang, die Zeit des Neubeginns. Auch bei ASTROCOHORS ist das so. In diesem Blog ist das am neuen Layout zu erkennen. Tatsächlich bietet sich hier ein Vergleich an: wie eine Blume, die noch ganz zaghaft die ersten Spitzen aus der Erde reckt, kann man dieses Blog und seine Neugestaltung sehen, denn es ist nur ein Teil der ASTROCOHORS-Internetseite. Wenn die Blume weiter aus dem Boden draußen ist, wird man mehr erkennen können, bis man sie schließlich ganz sieht.

Und schon bald wird mehr zu erkennen sein…

21. März 2007: Frühlingsanfang, Neubeginn

Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht vorhersehen. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit wäre es nicht denkbar gewesen, dass diese Domain so ausgebaut wird. Aber heute, am 21. März, ist Frühlingsanfang, die Zeit des neuen Beginns. Der Winter wird verabschiedet, der Frühling begrüßt. Auch wenn es heute direkt nicht danach aussieht, so geht es doch in Richtung der warmen Jahreszeit.

Mit dem Beginn dieses Blogs soll ein kleiner Marker gesetzt werden. Ein Neubeginn…

Die Zeitalter des Hinduismus

Weiter geht es in unserer Reihe der Zeitrechnungen. Heute geht es um eine, die leider nicht ganz so einfach zu fassen ist: die hinduistische Zeitrechnung. Leider ist sie nicht so einfach zu definieren, wie man vielleicht denkt. Wir haben den heutigen Tag gewählt, denn nach unseren ersten Recherchen müsste heute ein neues Jahr beginnen. Inzwischen sind wir aber auch auf verschiedene andere Hinweise gestoßen, die etwas völlig anderes sagen.

Nichtsdestotrotz wollen wir heute auf den Hinduismus hinweisen, der immerhin mit 900 Millionen Menschen die drittgrößte Religionsgemeinschaft der Welt ist. Über den Hinduimus findet man detaillierte Informationen hier. Im Indisch-hinduistischen Verständnis vermischt sich die historisch-kosmologische Auffassung mit der spirituellen. Wie oben gezeigt, sind auch im indischen katastrophistische Elemente bekannt. Im religiösen, spirituelle Sinne gehen Hindus von der Vorstellung aus, dass das Sein einem sich immer wiederholendem Ablauf von Werden und Vergehen ausgesetzt ist. Mehr Informationen über die Zeitalter und die hinduistische Sichtweise gibt es hier.

Die chinesische Mauer

Zuerst einmal sei angemerkt, dass die Behauptung, die so genannte „Große chinesische Mauer“ sei das einzige Bauwerk, das man aus dem Weltall mit bloßem Auge sehen könnte, ein Mythos ist. Aber um diese soll es hier gar nicht gehen. Es geht um eine andere Mauer, eine „Brandmauer“, neudeutsch „Firewall“. So bezeichnet man normalerweise die Schutzeinrichtung eines Computers, die verhindern soll, dass dieser Angriffen von außen ausgesetzt ist oder dass Spionageprogramme unerlaubt Daten an das Internet senden. Eigentlich eine sehr nützliche Sache.

Doch natürlich gibt es auch Menschen, die solche nützlichen Ideen zweckentfremden. So entstand die „chinesische Brandmauer“, die verhindern soll, dass Internetnutzer in China bestimmte Seiten abrufen können. Da man nicht abschätzen kann, wie weitreichend diese Zensur ist, gibt es nun eine Seite, mit der man das überprüfen kann. Ihr Name: www.greatfirewallofchina.org. Hier kann man die URL von Webseiten eingeben, ein Programm testet daraufhin, ob der Zugriff von einem chinesischen Server aus möglich ist. Die Resultate sind recht interessant. Natürlich sind solche Seiten blockiert wie etwa „Free Tibet“ oder der Wikipedia-Eintrag über das Massaker am „Platz des himmlischen Friedens“ (Tian’anmen-Massaker). Aber bei manchen erlebt man doch eine Überraschung.

Denn auch www.astrocohors.de gehört zu den Blockierten. Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in China eines meiner Bücher gelesen hat – geschweige denn, dass irgendein Zensurbeamter Kenntnis darüber hat, worum es in meinen Büchern geht. Und falls es doch so sein sollte, würde mich das sogar stolz machen. Ich schätze, die Seite wurde blockiert, weil es darin um Bücher geht, Science Fiction auch noch, wo man Ideen und Gedanken transportieren kann, ohne dass das einem sofort ins Auge fällt. Man kann Menschen zum Nachdenken anregen. Mehr als diese Stichwortsuche steckt in diesem Fall vermutlich nicht dahinter.

Trotzdem zeigt es die erschreckenden Dimensionen der chinesischen Zensur. Es geht nicht mehr nur darum, große Seiten wie Google oder Wikipedia zu zensieren, sicherheitshalber lässt man auch viele kleine nicht durch – es könnte ja sein, da erfährt jemand etwas, was der Ideologie des Regimes entgegen läuft. Verfahren wird nach dem Prinzip, „lieber einmal zu viel zensiert, als einmal zu wenig“. Insofern ist „The Great Firewall of China“ ein wichtiger Beitrag zur Zensur-Diskussion. Denn in der Öffentlichkeit wurde eben nur über „die Großen“, namentlich über Google berichtet. Die sind es nicht nur. Es ist die Masse, die es macht.

Setzen! Sechs!

In der Schule ist Aufmerksamkeit gefordert. Die Schüler sollen sich auf den Lehrer konzentrieren und nicht reden, essen oder den Unterricht sonstwie stören. Das hat ja auch seine Richtigkeit, immerhin soll in der Schule gelernt werden. Wie ist es aber, wenn die Schüler von einst die Erwachsenen von heute sind – und es nicht um Unterricht, sondern um unsere Republik geht?

Dass einige Erwachsene in der Schule offenbar nichts gelernt haben, was Aufmerksamkeit betrifft, musste die Klasse 10a der Pfullendorfer Realschule feststellen und brachte damit einen Stein ins Rollen. Was war geschehen? Die Klasse war zu Gast im Bundestag. Zur Erinnerung: Dort sitzen die Leute, die wir gewählt haben, damit sie regieren und über das Schicksal der Republik entscheiden. Es fand gerade eine Diskussion statt. Das Thema war ganz bestimmt nicht unbedeutend: Es ging um die Verlägerung eines Bundeswehr-Einsatzes, es sollte also direkt über Wohl und Weh von Soldaten bestimmt werden. Doch das schien einige der Abgeordneten wenig zu interessieren (kein Wunder, sie müssen ja auch nicht in den Einsatz). Anstatt den Rednern zuzuhören und eine Grundlage für eine Entscheidungsfindung zu schaffen, verhielten sie sich wie ungezogene Schüler: sie quatschten nebenher mit dem Sitznachbarn, aßen, tauschten sogar Äpfel aus und machten alles Mögliche – nur konzentrierten sie sich nicht auf den jeweiligen Redner.

Schließlich bat die Sitzungsleiterin um Aufmerksamkeit. Den Realschülern, die das miterlebten, war es zu viel: Hätten sie sich so im Unterricht verhalten, wären sie rausgeflogen. Daher schrieben die Schüler zusammen mit ihrem Lehrer Martin Binder einen Brief an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. Der reichte den Brief in Kopie an alle Abgeordneten weiter. Die Resonanz war mehr als man erwarten konnte: über 30 Politiker entschuldigten sich für das Verhalten und begründeten dies damit, dass der Tag eines Abgeordneten halt sehr lang sei. Inzwischen haben sogar einige Politiker angeboten, nach Pfullendorf zu kommen und mit den Schülern direkt zu sprechen. Außerdem sind die Tageszeitung „Die Welt“ und das ZDF auf die Aktion aufmerksam geworden. Und der Deutschlandfunk machte sogar ein Interview mit den Schülern. Thema: „Welche Vorbilder bietet die Gesellschaft unseren Jugendlichen?“

Was kann man als normaler Staatsbürger da noch sagen? „Setzen! Sechs!“ Wenn eben ein gewöhnlicher Staatsbürger sich über den Stress in seiner Arbeit auslässt, kriegt er meistens zu hören: „Du hast es Dir so ausgesucht! Keiner Zwingt Dich dazu, diesen Beruf zu machen!“ Also, liebe Abgeordnete: Niemand zwingt Sie dazu, Abgeordneter zu sein! Wir – respektive ein Teil von uns – haben Sie zwar gewählt, aber nur, weil Sie sich freiwillig zur Wahl gestellt haben. Niemand hat Sie in den Bundestag geprügelt. Und dass dort wichtige Entscheidungen getroffen werden, die jederzeit vollste Aufmerksamkeit erfordern, haben Sie auch vorher gewusst! Sie sind immerhin nicht im Vorstand eines Hasenzüchtervereins, sondern in der Legislative. Von Ihnen hängt viel ab – da kann man doch erwarten, dass Sie aufmerksam bei der Sache sind!

Meinen Respekt spreche ich den Schülern aus, die diese Aktion gestartet haben; meine Hochachtung vor dem Lehrer, der es organisiert hat. Das ist politische Bildung, wie wir sie wünschen und brauchen. Hoffentlich gibt es mehr davon! Wie es Aldous Huxley so schön sagte. „Das Hauptziel der Bildung liegt nicht im Wissen, sondern im Handeln.