WARGAMES: Kriegsspiele

Erinnert sich noch jemand an diesen netten Film WARGAMES aus den 1980ern? Am Anfang dieses Films waren zwei Techniker in einem Raketensilo zu sehen, die unvermittelt den Befehl erhielten, ihre Atomraketen abzuschießen, da der Gegner einen atomaren Erstschlag durchgeführt habe. Alle Codes wurden kontrolliert, offenbar war der Befehl authentisch. Beide Techniker steckten ihre Schlüssel in die Abschussanlage, doch um die Raketen zu starten, mussten sie beide die Schlüssel gleichzeitig umdrehen. Da kamen einem der beiden Zweifel – war der Befehl wirklich echt? Sollte man sich nicht vielleicht nochmal rückversichern? Immerhin würde das Auslösen der Startautomatik tausende von Menschen in den Tod schicken… Die Zweifel dieses Mannes führten zur Handlung des Films: ein Computer ersetzte die Menschen, da einem Computer keine Skrupel kommen können und er einfach nur nach seiner Programmierung handelt.

Warum ich jetzt davon schreibe? Weil ausgerechnet der oberste Befehlshaber der deutschen Bundeswehr, Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) die Piloten seiner Armee in genau eine solche Situation bringen will. Er würde im Zweifelsfall den Abschuss einer von Terroristen gekaperten Verkehrsflugmaschine befehlen und sich unabhängig von gängiger Rechtssprechung auf den „übergesetzlichen Notstand“ berufen. Seine Piloten wären dann nicht nur in einer Zwickmühle, wie ich sie oben beschrieben habe, sondern in einer noch viel schlimmeren. Bei der obigen Situation gab es klare Anweisungen und eine Regierung kann sich auf das Recht, das eigene Land zu verteidigen berufen (auch wenn die Konsequenzen furchtbar wären). Bei der Situation, wie sie Jung beschreibt, gibt es aber kein Recht. Wie das Lawblog hier feststellt, kann es schon vom Begriff her kein „Recht“ des „übergesetzlichen Notstandes“ geben, da dieses Konstrukt ein Widerspruch in sich ist. Hingegen gibt es klare Bestimmungen, was Soldaten in so einem Fall zu tun haben: den Befehl verweigern, da sie ungesetzliche Befehle nicht ausführen dürfen. Aber so einfach wie das klingt, ist es nicht. Man stelle sich die Situation vor: Ein Pilot im Cockpit eines Kampfjets erhält den Befehl, eine Verkehrsflugmaschine abzuschießen, weil sie gekapert wurde. Was jetzt? In dieser Stress-Situation soll er entscheiden, was gesetzlich gerechtfertigt ist und was nicht? So ein Pilot ist schließlich kein Jurist.

Da man als Pilot einer Verkehrsflugmaschine sich damit bei jeder Überquerung des deutschen Luftraums in die Gefahr begibt, abgeschossen zu werden, plädiert man im Notizblog dafür, den Piloten eine neue Gefahrenzulage zu gönnen, den „Jung-Groschen“. Und bloggesang.de malt sich aus, wie die unbescholtenen Passagiere eines abgeschossenen Flugzeugs ein Staatsbegräbnis und einen Platz am Heldendenkmal der Opfer im Kampf gegen den Terror erhalten. Um es mit Schwarzenegger zu sagen: „Collateral Damage“ eben. Der „Minister-Alarmismus“, der derzeit sowohl von Jung als auch von Schäuble ausgeht, ist auch Thema in einem Artikel von „Spiegel Online„, wo das gefährliche Spiel für den Rechtsstaat herausgearbeitet wird. Beide, Jung und Schäuble, wollen endgültig den Eindruck, wir hätten derzeit sowas ähnliches wie Frieden, einstampfen. Wir haben Krieg. Woher gerade Schäuble diese Idee hat, legt „Indiskretion Ehrensache“ offen: es ist des Ministers bevorzugte Lektüre, ein Buch, das den globalen Bürgerkrieg, in dem wir uns angeblich längst befinden, an die Wand malt.

Es war Aristoteles, von dem das berühmte Zitat stammt:

„Wer die Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist mit Recht ein Sklave!“

Und auch wenn damit natürlich nicht die völlige Aufgabe von Sicherheit in dem Sinne gemeint ist, dass es niemanden mehr gibt, der die Einhaltung von Recht und Gesetz kontrolliert, so lässt es sich doch sehr gut auf die derzeitige Situation übertragen. Recht und Ordnung, schön und gut. Aber dieser Aktionismus führt zu nichts. Im Gegenteil, anstatt Terroristen aufzuhalten, könnte die Möglichkeit eines „Abschussbefehls“ diese vielleicht eher noch herausfordern. Immerhin sprechen wir hier von Menschen, die sowieso bereit sind, für ihre Ziele zu sterben. Würden sie es daher nicht als besonderen Triumph empfinden, wenn die „ungläubigen“ Passagiere einer Verkehrsflugmaschine von anderen „Ungläubigen“ getötet würden? Und sie selbst sterben nicht bei einem Selbstmordanschlag, sondern werden im Kampf vom „Feind“ umgebracht – das muss doch für diese Leute sowas wie ein prämortaler Ritterschlag sein. Ein Abschussbefehl ist völlig ungeeignet, Attentäter von ihren Taten abzuhalten, da sie ihr Ziel so oder so erreichen: zu sterben und dabei „Feinde“ mit in den Tod reißen.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Terror“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „der Schrecken“, das Verb dazu ist „terrere“ – „in Schrecken versetzen“. Das ist eines der Ziele, die die Terroristen verfolgen, Schrecken verbreiten. Jetzt kommt es nur darauf an, ob wir uns in Schrecken versetzen lassen und überreagieren, indem wir in kurzen Abständen eine paranoide Idee nach der anderen fabrizieren und dabei das Grundgesetz langsam aber sicher aufweichen, oder ob wir besonnen reagieren und nicht Ideen in die Welt hinausblasen, bevor sie zu Ende gedacht wurden.

„Die Welt ist eine Heilanstalt mit lauter schweren Fällen,
die alle glauben, frei zu sein in ihren Gummizellen.
(…)
Die Macher dieser Heilanstalt, sie pfuschen immer krasser.
(…)
Die Dummheit, die ist schuld daran, dagegen gibt’s kein Mittel,
Kein Konzept und kein Rezept, da hilft kein Ärztekittel.
Die letzte Chance, sie liegt bei uns, wir müssen uns beeilen,

Denn das, was uns zurzeit bedroht, kann man nur selber heilen!“
aus dem Lied „Spitalo Finalo“ der CD „Spitalo Fatalo“ der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV)
—————-
Now playing: Erste Allgemeine Verunsicherung – SpitaloFinalo
via FoxyTunes

Monty Arnold’s Flying Circus

Lange Zeit habe auch ich mich gefragt, wer das wohl ist, der da bei „Upps – Die Pannenshow“ bzw. „Die Superpannenshow“ die Kommentare zu den einzelnen Videos spricht. Denn manches mal, wenn ich ihn hörte, überkam mich ein Gefühl von Nostalgie. Ich wurde an „Männer ohne Nerven“ und „Väter der Klamotte“ erinnert, Sendungen, die das ZDF in den 1970er Jahren aus Slapstick-Stummfilmen von Chaplin, Keaton und Co. produziert hatte. Die Kommentare sprach damals der Kabarettist Hanns-Dieter Hüsch und die Videokommentare stehen dem in nichts nach.

Dann entdeckte ich durch Zufall im Abspann, wer hier verantwortlich zeichnet: Monty Arnold! Aber ich war nicht der einzige, der das entdeckte, denn schon im April schrieb Stefan Niggemeier eine Kolumne für die FASZ, die er nun auch in seinem Blog veröffentlicht. Und was soll ich sagen? Ich habe seinen Worten nichts mehr hinzuzufügen, außer der offiziellen Homepage von Monty Arnold und einer Hörpröbe von ihm, die längst vergangene Zeiten wieder aufleben lässt…

Schööön!

Reflektionen: Nachgedachtes…

Manchmal braucht es etwas Abstand zu den Dingen, um sie besser betrachten zu können. Ähnlich wie bei einem Kunstwerk. Es mag zwar technisch ganz interessant sein, bei der Mona Lisa von Leonardo da Vinci so nah dran zu sein, dass man jeden einzelnen Pinselstrich erkennen kann, aber nur wenn man in einem gewissen Abstand vor dem Bild steht, erkennt man seine Schönheit als Ganzes. Gut, bei manchen Dingen ist es nicht unbedingt die Schönheit, es ist mehr der größere Zusammenhang, den man besser erkennen kann. So ging es mir am letzten Wochenende.

Ich weiß nicht, wie viele Menschen mitbekommen haben, dass dieses Projekt dieses Jahr sein 20jähriges Bestehen feiert. Falls nicht, jetzt habe ich es nochmal erwähnt. Und gerade zu solchen Jubelfesten muss man sich manchmal klar werden, wie es weitergehen soll. Leider gibt es da auch manchmal unangenehme Entscheidungen zu treffen. Sagen wir, unangenehme Entscheidungen auf kurzfristige Sicht. Langfristig ist das sicherlich anders. Ich habe in den letzten Wochen viel mit verschiedenen Menschen gesprochen und diskutiert und Vorschläge verschiedenster Art auf mich einwirken lassen. Doch erst letztes Wochenende kamen plötzlich die Resultate. Warum ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt? Weil ich zum ersten Mal Abstand von allem. Ich war zu Besuch bei einer Freundin und wir haben uns ein Wochenende der Entspannung gegönnt. Ich habe zum ersten Mal seit langem endlich wieder richtig tief schlafen können. Und auf diese Weise erholt kamen einige Gedanken, die letztlich zu Entscheidungen führten. Einfach so. Und das, während ich in den letzten Wochen teilweise dasaß und mir das Hirn zermarterte, was nun besser sei und was nicht.

Nun zu den Entscheidungen selbst. Wer die „Geschichte“-Seite von STAR COMMAND durchgelesen hat, der hat erfahren, dass es eben in der Vergangenheit ein ziemliches auf und ab mit dem Projekt gab. Auf der anderen Seite war und ist der Name „Star Command“ (und die damit verbundene Domain) viel zu schön, um sie einfach so aufzugeben. Deswegen sind wir wieder hier angekommen und wollen bleiben. Blogs zu schreiben war auch sehr wichtig, angefangen hat es als „Blogspot“-Blog, dann wanderte es zu WordPress und schließlich zum „1&1-Blog“. Nun lese ich regelmäßig blogformoney.de, und dort wurde einmal darauf eingegangen, wie man Aufmerksamkeit auf das eigene Blog lenken kann. Dass man eine eigene Adresse haben sollte, wenn man größere Aufmerksamkeit möchte, was der Grund war, für das Projekt-Blog schließlich die „Blogspot“- und WordPress-Seite aufzugeben. Meine ursprüngliche Idee war, die Blogs nach Unterthemen aufzuteilen, so entstand das ASTROCOHORS-Blog. Was aber in letzter Zeit unterschwellig immer mehr passiert, war die Tatsache, dass sich die Frage stellte, welches Thema gehört in welches Blog und darf man da die Grenze so scharf ziehen? Ein technisches Problem stellte sich des weiteren, denn (sorry!) für den „fortgeschrittenen Blogger“ sind die „1&1-Blog“ leider etwas unflexibel, da ihre Designs starr vorgegeben sind. Es ist nicht möglich, das Blog dem Aussehen der eigenen Webseite anzupassen, nicht einmal die bei WordPress üblichen „Widgets“ funktionieren bei allen Designs. Eigentlich funktionieren sie nur bei zwei Designs, aber die sind so minimalistisch, dass man sie dem Leser kaum zumuten mag. Also habe ich mich weiter informiert und das Resultat ist das neue „Star Command Blog“. Es funktioniert direkt mit WordPress und einer SQL-Datenbank. Demnächst wird dieses allgemeine Blog auch das ASTROCHORS-Blog ablösen.

Leider bringt das eine Sache mit sich: dieses Jahr hat es eine große Aktion gegeben, eine Blogkette, bei der es darum ging, sich gegenseitig bei Technorati zu favorisieren (siehe diesen Beitrag hier). Sowohl das ASTROCOHORS Blog als auch das alte Projekt-Blog haben hier eine gute „Authority“ erreicht (81 und 67). Diese Authority sind wir leider gezwungen abzugeben und wieder bei „0“ anzufangen. Aber vielleicht gibt es ja ein paar von den Bloggern, die damals mitgemacht haben, die dies hier lesen und dieses Blog zu ihrem Favorit bei Technorati machen. Wir haben es mit diesem Beitrag dort angemeldet, die Adresse ist einfach www.star-command.de.

blogformoney.de gibt noch ein paar Tipps, was man tun sollte, um den Bekanntschaftsgrad zu erhöhen, zum Beispiel sich beim infopirat anmelden, was ich schon getan habe. Natürlich sind auch dort alle bisherigen Bookmarks damit hinfällig, aber ich hoffe, dass zukünftige Beiträge das korrigieren. Ein anderer Tipp betrifft rivva.de. Auf dieser Seite werden aktuelle Blog-Beiträge zu verschiedensten Themen veröffentlicht. Es stellt sich nur ein Problem: Wie kommt man da hin? Respektive, wie man da hinkommt, wird auf der Seite gesagt, aber wie schafft man die Bedingungen dafür? „Wie Google zählt auch Rivva einen Hyperlink als Empfehlung. Wird ein Artikel von verschiedenen Seiten verlinkt, greift Rivva diese Diskussion auf. Je heißer ein Thema diskutiert wird, desto stärker versucht Rivva noch weitere Quellen zu entdecken. Auf diesem Weg findet Rivva jeden Tag weitere Blogs“, so heißt es auf Rivva. Daher findet sich dort eine sehr bunte Mischung, das habe ich schon festgestellt, von den Verschwörungstheoretikern, die standfest behaupten, es sei unmöglich, dass die Türme des World Trade Center von selbst eingestürzt seien bis hin zu Blogs von Printmedien wie FOCUS oder der taz. Also auch eher etwas auf lange Sicht.

Der Anfang ist aber selbst erst einmal die notwendigen Entscheidungen zu treffen und die entsprechenden Änderungen vorzunehmen. Dabei hat mir der Abstand vom letzten Wochenende sehr geholfen. Es geht also nochmal los, bei „Null“. Und in regelmäßigen Abständen wollen wir mal schauen, wie es sich weiter entwickelt hat.

Technorati Profile

CSI NY: Start von Staffel 3 im deutschen Fernsehen

Als zweite Serie des „C.S.I.“-Kosmos ist diese Woche „CSI: New York“ in die dritte Staffel im deutschen Fernsehen gestartet. Sinnigerweise, möchte man hinzufügen, denn die ursprüngliche Serie „CSI“ startet als letztes mit neuen Folgen. Während „CSI: Miami“ die Schnitttechnik in Richtung „24“ entwickelt hat (mit Bild im Bild oder geteiltem Bildschirm), hat sich bei „CSI: NY“ auch etwas getan. Die Schnitte sind hektischer und es wird viel mehr mit Stadtpanoramen von New York gearbeitet.

„Feier Fall“ heißt der Auftakt der neuen Staffel und gleich als erstes wird der Zuschauer vor vollendete Tatsachen gestellt, was Mac Taylors Liebesleben betrifft. Er hat eine Freundin, die neue Gerichtsmedizinerin Doktor Peyton Driscoll (dargestellt von Claire Forlani). Die beiden begegnen sich dann auch gleich an einem Tatort, ein Mann wurde mit einem Schlüsselanhänger auf der Brooklyn Bridge erstochen. Dieser Mann wollte offenbar jemand einen Heiratsantrag machen, dummerweise passt der Ring nicht zur Größe des Ringfingers seiner Verlobten. Währenddessen sind Messer und Hawkes in der Wohnung eines reichen Partygirls. Diese wurde zu Tode geprügelt, merkwürdigerweise stecken ihre Hände in Sofakissen…

Bei „CSI: NY“ bleibt man beim Staffelauftakt dem Bewährten treu: dem CSI-Schema von zwei Fällen, die parallel bearbeitet werden, aber sonst nichts miteinander zu tun haben. Und die Autoren haben nichts verlernt. Beide Fälle sind spannend erzählt und haben eine unerwartete Auflösung. Erfrischend ist, dass die Beziehung zwischen Taylor und Driscoll  zwar thematisiert wird, es aber nicht darauf hinausläuft, dass die zwei mehrere Folgen lang darüber diskutieren, ob die Beziehung zu einem Arbeitskollegen die Professionalität gefährdet, sondern es – zumindest für den Moment – in dieser Folge abgehandelt wird. Nett ist der Einfall mit Don Flack, der am Tatort Kollegen von seinen in der Folge zuvor erlittenen Verletzungen erzählt und damit aufgezogen wird, er würde das nur machen, um Telefonnummern zu sammeln.
Im Zuge des geänderten Schnitts ist dieser allerdings ein wenig hektisch geworden. Positiv ist mir aufgefallen, dass immer dann, wenn die Ermittler im Gespräch den Namen eines Verdächtigen erwähnen, dieser kurz gezeigt wird, was die Geschichte etwas übersichtlicher macht. Mein persönliches Fazit: die Serie entwickelt sich. Ich bin gespannt, wie es jetzt weitergeht, da wesentliche offene Handlungsstränge (wie der Vergewaltiger aus Staffel 1, der in Staffel 2 Aiden umgebracht hat) ja schon abgeschlossen wurden. Und nachdem er nun mit Driscoll zusammen ist, haben sich frühere Handlungen um Taylors Treffen mit Frauen auch erledigt. Mal sehen, wie es weitergeht…

„Du darfst den Beweisen nicht vorgreifen!“
Mac Taylor

Monty Python’s Spamalot – Das Musical

„Once in every show there comes a song, that goes like this…“
(aus Monty Python’s Spamalot)

Den Film „Monty Python and the Holy Grail“ (deutsch: „Monty Pythons Die Ritter der Kokosnuss“) kennt man ja schon. Die Handlung in Kürze: Arthur, König der Briten, und seine Ritter der Tafelrunde werden von Gott beauftragt, den heiligen Gral zu finden. Und wie es sich für einen Film des Monty-Python-Team gehört, erleben sie dabei recht merkwürdige und für ein Ritterepos unübliche Abenteuer.

Dieser Film wurde von Eric Idle und John DuPrez in ein Musical umgearbeitet. Und ich muss zugeben, dass ich mich von der etwas kontroversen deutschen Kritik habe beeinflussen lassen, deren Tenor war, dass dieses Musical nicht wirklich notwendig gewesen sei. Gut, nach diesem Gesichtspunkt beurteilt: Welches Musical ist dann „notwendig“? Letztlich habe ich mich von der offiziellen Seite (www.montypythonsspamalot.com) überzeugen lassen und das Album gekauft. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Natürlich muss man Englisch können, um dieses Musical richtig genießen zu können, denn die Texte sind teilweise so herrlich absurd, wie es sich für Monty Python gehört. Es ist nicht einfach „nur“ eine Musical-Variante eines bekannten Films, es ist eine völlig neue Version. Eric Idle, der das Buch geschrieben hat, liefert eine Musical-Parodie ab, die Seitenhiebe auf andere Produktionen und die „Musical-Szene“ generell austeilt. Das ganze Musical ist herrlich überzeichnet, etwa wenn die „Lady of the Lake“ ihre Cheerleaderinnen mitbringt oder das Lied „His Name is Lancelot“ im Discostil dargebracht wird.

Monty-Python-Fans werden einige „Klassiker“ wiedererkennen. Natürlich kommt das Lied „Knights of the Round Table“ aus dem Film vor, aber auch der „Finland-Song“ (von „Monty Pythons Sings“) oder „Always look on the Bright Side of Life“ (aus „Das Leben des Brian“). Sogar auf den „Lumberjack-Song“ (aus „Monty Python’s Flying Circus“) wird angespielt. Alle Lieder wurden natürlich neu arrangiert. Die neuen Lieder treffen hervorragend, etwa wenn Galahad und die „Lady of the Lake“ „Once in every Show“ anstimmen, in dem es darum geht, dass es in jedem Musical ein Lied gibt wie dieses, in dem die Stimmung hochgetrieben wird und jeder völlig übertrieben schauspielert. Genauso schön ist „Diva’s Lament (Whatever happened to my Part?)“, in dem sich die Diva darüber beschwert, dass sie im zweiten Akt kaum vorkommt und wohl mal ein Wort mit ihrem Agenten reden müsse. Arthur hat seine große Stunde, als er traurig feststellt „I’m all alone“, während Patsy, sein Diener und Pferdeersatz ihm klarzumachen versucht, dass er eben nicht allein sei. Die definitive Parodie auf die unterschwellige und manchmal mit dem Holzhammer aufgetragene Botschaft einiger Musicals ist aber das Lied „Find your Grail“, in dem es heißt, dass jeder seinen Gral finden müsse. Entsprechend ist die Auflösung des ganzen Plots im großen Finale gestaltet.

Einziges Manko der Show: sie ist in Englisch, wer nicht so fest ist in der Sprache, dem entgeht einiges an den Wortwitzen und von der Handlung sowieso. Man möchte sich fast wünschen, dass „Spamalot“ als nächstes in Stuttgart läuft, allerdings fürchte ich, dass eine deutsche Version kaum machbar ist. Also nehmen wir mit dem Original vorlieb, das ich nicht nur den Monty-Python-Fans, sondern jedem Parodie-Freund nur ans Herz legen kann.

Übrigens: auf der offiziellen Seite gibt es ein paar Videos, mit denen man sich einen Eindruck von der Show verschaffen kann. Die Show läuft zurzeit am Broadway, in Las Vegas und in London. Wer die Gelegenheit hat, sollte sie sich anschauen.

Monty Python’s Spamalot – als Download im iTunes-Store

11. September: Journalistische Dramatismen oder: Ist ein Mörder, der am Morden gehindert wurde, ein Mörder?

Heute jährt sich das Attentat vom 11. September 2001 zum sechsten Mal und es gibt inzwischen schon sowas wie eine Redensart, die besagt, dass vermutlich jeder – zumindest in Europa – sich noch genau erinnern kann, wo er an jenem Tag war und was er gemacht hat. Was mich betrifft, so stimmt das. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass das Attentat zunächst völlig an mir vorbeigegangen ist. Ich saß am Computer und habe geschrieben. Erst ein Anruf meiner Mutter brachte mich darauf, dass da etwas passiert ist. Obwohl sie es mir genau beschrieb, war mir aber die Dimension des Ganzen nicht bewusst, denn ich weiß noch, wie ich im Anschluss an das Telefonat den Fernseher einschaltete mit dem Gedanken, mal zu sehen, ob irgendwo Nachrichten kämen, durch die ich mehr erfahren würde. Dass sämtliche Programme quasi eingestellt worden waren und nur noch über dieses Attentat berichtet wurde, sah ich erst dann.

Medien-Journalist Stefan Niggemeier hat sich bereits gestern schon einen Text vorgenommen, der aber sehr gut zur Thematik rund um „den“ 11. September passt. Er schreibt über eine Kolumne von „WatchBerlin“, die Michel Friedman verfasst hat. Niggemeier stößt sich dabei an den Worten, die Friedman benutzt, wenn er über die verhinderten Attentäter, die die Polizei vor kurzem festgenommen hat, spricht. Friedman bezeichnet sie als „feige, brutale, gemeine Mörder“. Niggemeier fragt (berechtigterweise) nach, ob Friedman nicht bewusst ist, was einen „Mörder“ ausmacht, nämlich dass er einen Mord begangen hat. Die Personen, die von der Kriminalpolizei hochgenommen wurden, sind genaugenommen nicht einmal „Attentäter“, denn zur Ausführung ihres Attentats kam es nicht. Auf „Terroristen“ kann man sich noch einlassen. Aber auch die Adjektive, die Friedman benutzt, geben ein merkwürdiges Bild, denn wenn es „feige, brutale, gemeine Mörder“ gibt, gibt es dann auch „mutige“ oder „sanfte“ Mörder – und wären uns die lieber? Natürlich ist die Frage rhetorisch, denn Niggemeier geht es um einen anderen Zusammenhang. Friedman versucht den Eindruck zu erwecken, als zeichne Besonnenheit seinen Beitrag aus, obwohl die versuchte Steigerung des Begriffes „Mörder“ durch die Adjektive „feige“, „brutal“ und „gemein“ eigentlich sehr hysterisch wirkt und auch ist.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen früheren Beitrag von mir hinweisen, in dem ich mir schon ähnliche Gedanken gemacht habe. Allerdings war es damals in einem anderen Zusammenhang, als ich die Phrase hörte, jemand sei „brutal erschossen“ worden.

Offenbar greift es immer weiter um sich, dass man einen an sich schon brutalen Vorgang durch solche Beifügungen noch dramatischer darstellt. Jemand wurde nicht nur „erschossen“, nein, er wurde auch noch „brutal erschossen“. Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich sagen, sowas wie jemanden „sanft erschießen“ gibt es nicht. „Erschießen“ ist immer brutal. Es soll wohl eine automatische Empörung hergestellt werden. Eine solche Stimmung, wie sie gewisse Leute (zum Beispiel unser Bundesinnenminister) gern ausnutzen, um ihre obskuren Überwachungsgesetze dem Bürger schmackhaft zu machen. Obwohl selbst Friedman in seinem Beitrag den Eindruck zu erwecken versucht, dass er diesen Gesetzen eher skeptisch gegenübersteht, bewirkt seine Wortwahl eher das Gegenteil.

Nachtrag: Der Spiegelfechter hat einen sehr treffenden Kommentar zum 11. September und seinen Konsequenzen geschrieben. Man findet ihn hier. Außerdem hat „Spiegel Online“ den an diesem Tag im ZDF ausgestrahlten Dokumentarfilm „11. September 2001 – Was wirklich geschah“ nicht nur unter die Lupe genommen, sondern virtuell in seine Einzelteile zerlegt. Der Artikel steht hier.

BABYLON 5: Vergessene Legenden – auf DVD

Nun geht es also weiter mit den Geschichten rund um die Raumstation im neutralen Raum. Die „Lost Tales“, die sinnigerweise mit „Vergessene Legenden“ eingedeutscht wurden, sind nun auch in dieser Version auf DVD erhältlich. [Anmerkung: „lost“ ist die Vergangenheitsform von „to loose“ und bedeutet „verloren“ und „tales“ mit „Legenden“ zu übersetzen ist zumindest etwas arg holprig] Nach Auskunft von J. M. Straczynski, dem Schöpfer von BABYLON 5, kam Warner Bros. auf ihn zu, um ein neues Projekt in Angriff zu nehmen. Dabei stand auch ein Kinofilm oder eine neue Serie im Raum. Beides gefiel ihm nicht so sehr; außerdem wollte er volle künstlerische Freiheit und Regie führen. Alles das bekam er. Das Resultat sind nun die „Lost Tales“, ein ganz anderes Konzept.

Die Geschichte: 10 Jahre nach der Gründung der Interstellaren Allianz (in der letzten Staffel von B5) kehrt Sheridan auf die Raumstation zurück, um dort den Jubiläumsfeierlichkeiten als Präsident beizuwohnen. Währenddessen hat Colonel Elizabeth Lochley, die die Station noch immer kommandiert ein besonderes Erlebnis mit einer uralten Macht, die sich auf der Station manifestiert. Und auch Sheridan selbst hat Probleme: der Techno-Magier Galen kommt auf sein Schiff und macht ihm unmissverständlich klar, dass er den Prinzregenten der Centauri töten müsse. Ansonsten würde dieser, wenn er einmal auf dem Thron der Centauri-Republik sitzt, aus Rache für den Tod seines Vaters – Imperator Kathargia – die Erde angreifen und die komplette Bevölkerung töten. Galen arrangiert auch gleich noch eine Möglichkeit für einen tragischen Unfall, denn der Prinzregent begleitet Sheridan nach B5. Sheridan muss eine schwerwiegende Entscheidung treffen…

Man kann mich widerlegen, aber mir kommt das Konzept relativ neu vor. Die beiden Handlungsstränge sind nämlich nicht miteinander verwoben, sondern werden nacheinander erzählt. Deswegen kann man sie auch als zwei Episoden betrachten, und so sind sie auch auf der DVD bezeichnet. Die gesamte Geschichte trägt den Titel „Stimmen aus der Dunkelheit“, die Geschichte um Lochley heißt „Stimmen aus der Vergangenheit“, die um Sheridan „Stimmen aus der Zukunft“. Erstere ist ungefähr 30 Minuten lang, letztere etwas mehr. So gesehen handelt es sich bei beiden Geschichten ungefähr um den Inhalt einer Fernsehepisode ohne B-Story, was das ganze sehr kompakt macht. Die erste Geschichte kommt dann tatsächlich auch mit nur vier Personen aus, die zweite mit fünf (von Komparsen mal abgesehen). Die Geschichten werden sehr geradlinig erzählt und schöpfen ihr Potential aus dem Handeln der Figuren. Spezialeffekte kommen natürlich auch vor, diese haben sich gegenüber den Serien (B5 / CRUSADE) nochmals verbessert, aber diese Effekte bilden nicht die Hauptsache. Die Personen treiben die Handlung voran, und das sehr gut.

Sehr schön eingearbeitet ist auch die Abwesenheit anderer bekannter Charaktere, vor allem von G’Kar und Doktor Stephen Franklin, deren Darsteller Andreas Katsulas und Richard Biggs ja bekanntlich verstorben sind. Nicht eingegangen wird auf die nicht fertig erzählte Geschichte von CRUSADE und LEGENDEN DER RANGER, was aber auch wieder ein Vorteil ist, denn zum einen bleibt dann genügend Material für weitere „Lost Tales“ und zum anderen sind die Auflösungen dieser Geschichten mehr wert als ein Nebensatz in einer anderen Geschichte.

Wenn ich es richtig verstanden habe, soll das ein Versuchsballon sein: Wie wird das Konzept angenommen? Und wenn es angenommen wird, dann folgen weitere Veröffentlichungen. Ich persönlich finde, das Konzept ist innovativ und es passt in das B5-Universum. Ich hoffe sehr, dass mit den „Lost Tales“ weitergemacht wird, damit wir noch mehr Dinge erfahren, die wir bisher nicht erfahren durften.

Die DVD ist neben dem Film auch noch mit Bonus-Material ausgestattet, in dem es natürlich um die Produktion geht, verschiedene Fragen und außerdem wird der Verstorbenen gedacht. Ich kann diese DVD nur empfehlen.

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C.S.I. Miami: Ein Blick auf den Anfang der neuen Staffel

Staffel 5 von „CSI – Miami“ nimmt den Faden genau dort auf, wo Staffel 4 ihn liegenließ: Bei der Handlung um den Mord an Horatios Ehefrau Marisol Delektorsky Caine. Nun, da ich die ersten beiden Folgen dieser Staffel gesehen habe, hier ein paar Anmerkungen dazu.

Rio„, der Staffelauftakt, schließt die Handlung um Marisol und ihren Mörder Riaz ab. Riaz war am Ende der letzten Folge von Staffel 4 nach Brasilien ausgeliefert worden. Dort wird er prompt freigelassen. Horatio Caine und Eric Delko folgen ihm nach Rio de Janeiro. Sie finden heraus, dass er mit Raymond Caine, Horatios in Brasilien untergetauchten Bruder, Geschäfte macht. Offenbar ist Ray ins Drogengeschäft eingestiegen und Riaz ist gerade dabei, dessen Sohn Ray jr. ebenfalls für seine Geschäfte einzuspannen.
Die zweite Handlung spielt in Miami, ist allerdings sehr kurz gehalten, was die Aufklärungsarbeit betrifft:  Natalia Boa Vista, der „Maulwurf“ aus Staffel 4, wurde in den Außendienst versetzt und soll mit Ryan Wolfe zusammenarbeiten. Dem gefällt das nicht, da er sie immer noch als Verräterin ansieht. Der Fall, den sie bearbeiten, geht um eine ermordete Frau. Ihr Sohn hat den Vater in Verdacht, doch das CSI macht den wahren Täter ausfindig. Als der Vater das Polizeirevier verlässt, erschießt ihn der Sohn und beruft sich auf eine unbedachte Äußerung von Natalia: sie hätte gesagt, das CSI würde seinen Vater kriegen…

Um die Ecke“ handelt vom Mord an einem scheinbaren Mitglied einer Motorradgang. Doch es stellt sich heraus, dass das Opfer ein Undercover-Polizist war und die Motorradgang in kriminelle Geschäfte verwickelt ist. Als Calleigh die Beweise vom Tatort gesichert hat und zum Labor fährt, wird ihr Wagen in einen Kanal abgedrängt und fast alle Spuren sind vernichtet…

Die „CSI“-Serien sind schon manches Mal in die Kritik geraten. Gerade wenn es darum ging, Menschen mit außergewöhnlichen Neigungen, gerade auch sexuell, darzustellen, wurde der Vorwurf laut, man bediene sich Klischees und die Leute würden mehr vorgeführt wie in einer „Freakshow“. Was ich persönlich an „Rio“ hochgradig bedenklich finde, ist die Tatsache, wie dort die Selbstjustiz bejubelt wird, die Caine und Delko begehen. Außerdem wird Rio dargestellt, als gäbe es dort weder Recht noch Gesetz und als wären die brasilianischen Polizeibehörden generell unfähig, Verbrecher zu fangen oder aufzuhalten. Brasilien, so lautet der unterschwellige Ton dieser Episode, ist ein einziger Sumpf aus Verbrechen und Korruption. Außerdem wirkt die Episode, wenn sie in Rio spielt, sehr hektisch. Caine und Delko versuchen, Riaz auf die Spur zu kommen, dabei haben sie diesmal nicht ihr Labor im Hintergrund, in dem sie jede noch so kleine Spur auswerten können. Das scheint den Autor etwas hilflos gemacht zu haben. So rasen die beiden Polizisten von einem Ort zum andern, bevor sie Riaz endlich stellen können. Die Handlung in Miami ist, wie schon gesagt, entsprechend knapp gehalten. Es geht hier weniger darum, die Aufklärung eines Mordes zu verfolgen, sondern Neuling Natalia zuzusehen, wie sie in eine Falle tappt, als der Sohn, der seinen Vater erschießt, eine unbedachte Äußerung von ihr als Anlass nimmt, für sich selbst auf „nicht schuldfähig“ zu plädieren. Ryan gibt ihr ordentlich Zunder, da er sowieso ein Problem mit ihr hat und es liegt an Calleigh, die Fakten zusammenzubringen und auswerten.
Was die stereotype Darstellung von Brasilien betrifft, da werde ich mich mal bei Bekannten in Brasilien erkunden, ob das Land wirklich so schlimm ist, wie in dieser Episode dargestellt. Ich habe den Verdacht, dass hier sehr stark übertrieben wurde, um die Selbstjustiz von Horatio und Eric besser rechtfertigen zu können.

In „Um die Ecke“ wird merkwürdigerweise die Vorlage aus „Rio“ bezüglich Natalia nicht mehr aufgenommen. Ryan geht hier ganz normal mit ihr um, was ein wenig seltsam wirkt, da er sich eine Woche zuvor noch geweigert hat, mit ihr zusammen einen Fall zu bearbeiten. Dafür wird Calleighs Vergangenheit ein wenig beleuchtet, als sie auf einen Ex-Freund von der Akademie trifft. Überhaupt hat Calleigh einiges auszuhalten, sie wird vom Weg abgedrängt und landet mit ihrem „Hummer“ im Wasser, wo sie sich erst einmal befreien muss.

Fazit: Es zieht etwas an in der Serie. Schon wieder muss das FBI ran und der vermeintlich „einfache“ Mordfall an einem Motorradgang-Mitglied entpuppt sich als Fall von internationalen Ausmaßen. Von der Reise nach Rio in der Woche davor mal ganz zu schweigen. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob den Autoren gelingt, hier das Gleichgewicht wieder herzustellen zu den alltäglicheren Fällen, oder ob die Gefahr besteht, dass sich das Ganze zu eine Art „CSI Miami Vice“ entwickelt. Positiv finde ich, dass die paranoische Rahmenhandlung aus Staffel 4 mit dem „Maulwurf“ und der „Person im Hintergrund“, die Horatio Caine unbedingt an den Karren fahren wollte, abgeschlossen wurde. Das ist noch so ein Punkt, mit dem ich nicht so sehr viel anfangen kann, denn hier wird ein seltsames Bild von der amerikanischen Justiz gezeichnet. Scheinbar handelt es sich dabei um eine Anhäufung von Behörden, die statt Verbrecher zu jagen, lieber ihren persönlichen Vendettas nachgeht und sich Grabenkämpfe um Kompetenzen mit anderen Behörden liefern. Da war es erfrischend zu sehen, wie in „Um die Ecke“ die Behörden ausnahmsweise mal zusammenarbeiteten.

Es bleibt spannend in Miami…

BILDBlog in der Schusslinie

Es ist schon ein wenig her, da habe ich mit einem Menschen eine Diskussion geführt und mich durch seine aufgeregte und anschuldigende Art nicht aus der Ruhe bringen lassen. Das Resultat war, dass er mir schließlich in einer eMail gekleidet in mehrere andere Beleidigungen an den Kopf warf, wie klein, dämlich und Mitleid erregend ich doch sei. Aber noch niemand hat mir gesagt, dass ich mein Geld mit unmoralischer Arbeit verdiene.

Gehe ich nach der Definition, die ein Mitarbeiter der jetzt.de-Redaktion abgeliefert hat, dann ist das jetzt aber so. Das hängt damit zusammen, dass ich mein Geld mit dem Elend anderer Leute verdiene. Wem es jetzt zu mühsam ist, auf meiner persönlichen Seite nachzuschauen, womit ich mein Geld so verdiene: ich bin im Rettungsdienst tätig. Wenn es anderen Menschen schlecht geht, dann habe ich Arbeit und kriege auch noch Geld dafür. Dass sowas moralisch nicht in Ordnung ist, kritisiert Stefan Winter in einem Beitrag einer Internet-Seite der „Süddeutschen Zeitung“. Er erwähnt dabei den Rettungsdienst nicht explizit, denn eigentlich geht es ihm um etwas völlig anderes: das BILDBlog. Der Stoß geht aber in die gleiche Richtung, BILDBlog, so resümiert er, lebe von den Geschichten der BILD-Zeitung, die es kritisiert. Daraus leitet er sowas wie eine „Verantwortung aus der zweiten Reihe“ ab. Gerade so, als würde die BILD-Zeitung aufhören, solche Geschichten zu schreiben, wenn das BILDBlog eingestellt oder zumindest nicht mehr kommerziell geführt würde.

Der Schreibstil des Artikels gleitet dann auch an ein paar Punkten ins Polemische ab, etwa wenn Winter das T-Shirt mit der „BILDBlog.de“-Werbung, das sie bei einem Auftritt bei Harald Schmidt getragen hat, als „Hemdchen“ bezeichnet, BILDBlog-Gründer Stefan Niggemeier „Internet-Gott“ nennt oder er feststellt, dass die Berichterstattung in anderen Blogs über das BILDBlog sehr wohlwollend sei, obwohl selbiges (Zitat) „nicht ehrenamtlich oder für den guten Zweck, sondern aus einem kommerziellen Interesse“ arbeite. Aus diesem „unreflektierten“ Zuspruch leitet Winter dann auch den Grund ab, das BILDBlog (und Stefan Niggemeier) negativ zu sehen: „Allein schon, weil mir Dinge suspekt sind, die alle unreflektiert gut finden.“

Ein solcher Beitrag konnte natürlich nicht ohne Echo in die Weiten des Internets hinausgeschickt werden. Thilo Baum bezeichnet den Artikel in seinem Blog unverhohlen als „Dumm“ und bringt es schon mit der Überschrift „Tu Gutes und verhungere“ auf die Spitze. Er stellt außerdem fest, dass es paradox sei, wenn das BILDBlog als „kommerzielle Plattform“ angegriffen wird – ausgerechnet von einem Artikel einer anderen kommerziellen Plattform.

Peter Hogenkamp kritisiert in seinem Artikel „Hirnloses Blogbashing…“ die einfache Einteilung „Kommerziell ist Scheiße“, da dort ja nicht einmal unterschieden wird, ob jemand mit seinem Blog gerade genug Geld verdiene, um den Hoster zu finanzieren oder ob jemand sich dadurch den teuren Porsche leisten.

Tinzi, dessen Blog in Stefan Winters Artikel ausdrücklich als das einzige erwähnt wird, das tatsächlich Kritik am BILDBlog übt, wendet sich in einer Antwort an den Autor direkt und erklärt ihm, wie der so gescholtene Stefan Niggemeier seine Arbeit macht: korrekt!

Wo wir schon davon reden, natürlich kommt auch Stefan Niggemeier nicht umhin, ein paar Zeilen loszuwerden. „Nervt’s?„, fragt er in die Runde. Kopfschmerzen bereitet ihm die Bezeichnung „Internet-Gott“, weil er „Blog-Papst“ schon absurd fand.

Das „B-Seite“-Blog nimmt Niggemeiers Faden auf und schreibt ein kurzes Danke zum ewigen Konflikt zwischen „guter Zweck“- und „(auch) für Geld“-Bloggen.

Und ich? Nun, hier findet sich keine Werbespalte am Rand. Und warum? Weil das Skript nicht funktioniert, das ist der einzige Grund. So, jetzt ist es raus, nicht nur, dass ich beruflich Geld dafür kriege, dass es Menschen schlecht geht, ich würde für das Schreiben hier auch noch Geld nehmen! Sowas! Und dennoch kann ich mich morgens noch rasieren, ohne mich im Spiegel selbst anzuspucken. Denn das ist die Krux: ohne Geld geht es nun mal in unserem Leben nicht. Und ganz ehrlich: Die Meisten von uns versuchen doch, sich einen Beruf (oder eine Arbeit) herauszusuchen, der ihnen irgendwie liegt, in dem sie Erfüllung finden. Wenn man davon leben kann, dann umso besser. Aber es wird wohl kaum jemand geben, der ein aufwändiges Medizinstudium über sich ergehen lässt, wenn er hinterher mit seiner Tätigkeit als Arzt „aus moralischen Gründen“ kein Geld verdienen darf.

Und beim BILDBlog liegt die Sache nochmal anders, denn dieses wurde ja ursprünglich nicht mit der Absicht gestartet, daraus „was Kommerzielles“ zu machen. Es war am Anfang „für den guten Zweck“ und hat sich nun eben weiter entwickelt. Und ich möchte wetten, dass es viele gibt, die sich sowas – oder etwas ähnliches – auch wünschen.

Und selbst von denen schimpfen dann ein paar auf das blöde „kommerzielle BILDBlog“. Sogar Journalisten. Vielleicht sollte ich auch schimpfen. Bei denen funktioniert die Werbung am Rand nämlich. Bei mir nicht. Gemein!

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“Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt” – BILDBlog.de: Der Werbespot – Eine künstlerische Rezension

von Thorsten Reimnitz

<satire>

Link: BildBlog-Werbespot bei sevenload.com

Gerade frisch auf die Schirme gekommen, das neueste Werk von Regisseur Tobi Baumann mit dem provokanten Titel „Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt“, eine Verfilmung des Buchs von Chris Geletneky. Wir erleben ein Epos in 49 Sekunden. Ein Allerweltsehepaar, das in einem einigermaßen luxuriösen Haus lebt, trifft sich wieder, als Jürgen, der Ehemann (Christoph Maria Herbst), offenbar von einer Geschäftsreise zurückkehrt. Die Begegnung mit Birgit, der Ehefrau (Anke Engelke), findet im Wohnzimmer des Anwesens statt. Die beiden starten ein scheinbar harmloses Geplänkel, wie es jeden Tag tausendfach stattfindet, doch nur für den Zuschauer sichtbar beginnt ein Zähler zu ticken. Scheinbar werden einige Sätze, die die beiden miteinander wechseln, gezählt. Eine leichte Ahnung erschleicht den Zuschauer, was es mit dem Zähler auf sich hat, als Birgit nach Karin fragt und Jürgen dazu meint, sie sei nicht mit in der Schweiz gewesen. Dann verwendet Tobi Baumann das Stilmittel des Handlungsbruchs, indem er einen Sprecher (Michael Lott) den Titel des Werks sagen lässt: „Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt“. In der letzten Szene des Films erleben wir noch den Auftritt des Sohnes (Tim Schmeckel), der uns bewusst macht, wie sehr diese Ehe bereits nur mehr noch Fassade ist.

Und darum geht es in Baumanns Werk: Fassade. Da ist ein Ehepaar, das eine nach außen harmonische Beziehung lebt. Der Mann geht auf Geschäftsreise, die Frau vermisst ihn und umgekehrt. Doch hinter der Fassade sieht es anders aus, zwischen den beiden fällt kaum ein Satz, der nicht eine Lüge enthält. Ja, selbst so ein einfaches Satzkonstrukt, wie es der Sohn am Ende abliefert („Papa!“), kommt nicht ohne Lüge aus. Und hier muss man scharf unterscheiden, und darin liegt die Subtilität in Geletnekys Buch: Nicht der Sohn lügt. Er lebt eine Lüge, die er für die Wahrheit hält und ist so ohne eigenes Zutun gefangen in dem Gebäude, das seine vermeintlichen Eltern aufgebaut haben. Die Tragik dieser Figur wird durch das unbekümmerte Spiel des Jung-Schauspielers Tim Schmeckel hervorragend in Szene gesetzt.

Die Figur des Jürgen hingegen bleibt für den Zuschauer den ganzen Film über Namenlos. Er wird von Birgit nur mit dem Allerweltskosenamen „Schatz“ genannt. Geletneky will uns sagen: „Wir sind alle Jürgen!“ Wir wollen lieber die Fassade leben, als uns mit den wahren Dingen zu beschäftigen. Christoph Maria Herbst (der auch gern für das Schauspieler-Ehepaar Christoph und Maria Herbst gehalten wird) brilliert als aalglatter Selbstdarsteller, dem es gelingt, bei der letzten Lüge („Karin? Nä!“) seiner Frau sogar noch in die Augen zu sehen. Und wie er beim Hereinkommen den Namen seiner Frau ruft („Birgi-i-it?“), das ist kein zärtliches Rufen nach der geliebten Ehefrau, sondern zeigt den Zynismus, mit dem dieser Mann seine Beziehung lebt.

Für die Figur der Birgit wurde die Schauspielerin Anke Engelke gewählt. Diese war zuletzt auf der großen Leinwand in „Die Simpsons – Der Film“ als Marge Simpson zu sehen, eine Rolle, für die sie täglich zwölf Stunden in die Maske musste: erst wurden ihre Stimmbänder mit Salzsäure angeraut, dann zwei Meter lange, blaue Haarteile an ihrem Kopf befestigt und zuletzt ihr gesamter Körper mit gelber Schminke eingefärbt. Doch die Mühe hat sich gelohnt, und das hat sie auch in Baumanns Werk. Engelke schafft es, als Birgit ihren Partner freundlich anzugrinsen, während sie in Wirklichkeit das dargebrachte Geschenke, eine (Zitat) „wunderschöne“ Brosche, für grauenvoll hält.

So ist dieses Ehepaar also gefangen im „Status Quo“ der Tristesse eines Alltags, aus dem es offenbar für beide nur die kleinen Fluchten in oberflächliche Affären gibt. Leidtragender ist der Sohn, und hier wird die Abstufung offenbar, die Geletneky geschickt einsetzt: Birgit wird im Film mit Namen benannt, Jürgen hat nur im Buch einen Namen, der Sohn aber hat weder im Film noch im Buch einen Namen und wird nur als „kleiner Racker“ bezeichnet. Auch hier wird geschickt das Stilmittel des Zynismus angewandt, obwohl der Abstieg des Jungen schon vorgezeichnet ist. Mit 10 desillusioniert, Alkoholiker mit 13, mit 15 Drogen, mit 18 unfreiwillig die Freundin geschwängert, so dass ihm kein anderer Ausweg mehr bleibt, als von Talkshow zu Talkshow zu ziehen und seine traurige Geschichte einem gierigen Millionenpublikum zum Fraß vorzuwerfen.

Doch Baumanns Film verspricht Hoffnung. Wie eine Offenbarung kommt nach der Feststellung, dass jede Lüge einen Mutigen braucht, der sie zählt, gleich nachgeliefert, dass es diesen Mutigen auch gibt: BILDBlog.de! Es ist ein Gefühl, das schon René Goscinny und Albert Uderzo in dem Asterix-Band „Tour de France“ (Original-Titel „Le Tour de Gaule“, Frankreich 1965) so vortrefflich erzeugen konnten. Als dort zwei Unschuldige anstelle von Asterix und Obelix von den Römern gefangen genommen und auf den Richtplatz vorgeführt werden, treten Asterix und Obelix mutig auf, um den Irrtum aufzuklären und den Unschuldigen zu helfen. Das Publikum ruft dabei: „Bravo, Asterix und Obelix! Helft unseren Helden!“ Und auch wir möchten angesichts der Botschaft des Films ausrufen: „Bravo! Helft unserem Helden!“ Wir möchten uns nicht mehr länger mit der Fassade abgeben, bei der uns unwichtige oder aufgebauschte Details als Skandal verkauft werden, über den wir uns aufregen sollen. Wir wollen über die wichtigen Dinge des Lebens sprechen! Wir sind nicht Jürgen! Der Held kommt daher, wie der Retter auf dem weißen Ross, wie der Heilige Gral, wie das Licht nach langer Dunkelheit.

So kann der Zuschauer am Schluss für sich den Befreiungsschlag vollziehen und sich distanzieren. Auch hier leistet Baumann ganze Arbeit, indem die letzte Einstellung gefilmt wird, während sich die Kamera von dem Geschehen entfernt. So wird für den Zuschauer die sich erhöhende Distanz sichtbar. „Du bist nicht drin!“, will Baumann sagen, „Du kannst Dich zurückziehen!“ Alles weitere bleibt dem Zuschauer überlassen. Er kann sich nun dem Helden zuwenden und das BILDBlog besuchen, oder aber so weitermachen wie bisher und damit zu Jürgen werden.

Fazit: Ein rundum gelungenes Werk, das man immer wieder anschauen kann. Ob es Geletneky und Baumann nach dieser Vorlage wagen, eventuell eine Fortsetzung zu produzieren, wird man abwarten müssen. Möglicherweise gibt es ja noch eine „extended Version“.

Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt

Deutschland 2007
Regie: Tobi Baumann
Buch: Chris Geletneky (nach Vorlagen von Christoph Schultheis und Stefan Niggemeier)
Darsteller: Christoph Maria Herbst, Anke Engelke, Tim Schmeckel und Michael Lott als „His Master’s Voice“

</satire>