Agent auf Anfang: Sean Connery ist James Bond

England, in den 1950er Jahren. Ein junger Mann aus einer wohlhabenden Familie tritt nach mehreren Studiengängen und Erfahrungen in der britischen Marine seinen Dienst bei der Auslandsabteilung des britischen Geheimdienstes MI-6 an. Er ist für diese Arbeit prädestiniert, denn er ist Vollwaise, unverheiratet und hat keine Kinder. Sein Name ist Bond, James Bond, und er wird in den folgenden Jahren zum wertvollsten Mitarbeiter des Geheimdienstes werden. Er erhält die „Lizenz zum Töten“ und bekommt die Codenummer „007“.

JAMES BOND JAGT DOKTOR NO

Auf Jamaika verschwinden der Kontaktmann des britischen Geheimdienstes, Strangways, und seine Sekretärin spurlos. Der Spitzenagent James Bond wird auf diesen Fall angesetzt. Er findet heraus, dass Strangways auf seiner Suche nach einer Störquelle, die amerikanische Raketen von ihrem Kurs ablenkt, eine Insel mit Namen „Crab Key“ und deren Besitzer Doktor No im Auge hatte. Nachdem ihm mehrfach aufgelauert wird, arbeitet er mit dem CIA-Agenten Felix Leiter und dem Eingeborenen Quarrel zusammen, um auf die Insel zu kommen. Dort trifft er nicht nur auf die nach Muscheln suchende Honey Rider, sondern auch auf einen Drachen und eine wahre Armee von Wachmannschaften. Endlich jedoch steht er dem Gebieter der Insel gegenüber: Doktor No in Person…

  • Synchronisation

Wenn man den Film heute betrachtet, fällt einem zuallererst die deutsche Stimme von Sean Connery auf. Dabei handelt es sich um Klaus Kindler, der das nur in diesem Film machte. In allen weiteren Bond-Filmen wird Connery von Gerd Günther Hoffman gesprochen. Die Qualität der Synchro ist ganz ordentlich, es wurden ein paar Anpassungen vorgenommen, zum Teil auch zum Vorteil. Etwa als Bond von einem Leichenwagen verfolgt wird, der dann einen Abhang herunterstürzt. Bond wird gefragt, was passiert sei. Im Original antwortet er: „Die hatten es wohl eilig, zu einer Beerdigung zu kommen.“ Im Deutschen wird daraus: „Die hatten es wohl eilig, zu ihrer eigenen Beerdigung zu kommen.“ Der deutsche Satz passt viel besser zu dem Zynismus, den man Bond zugeschrieben hat (dazu später mehr).
Abgeschwächt wurde hingegen die Erklärung, was eine Lizenz zum Töten sei. Im Original ist es eindeutig – Bond „darf“ andere töten. In der deutschen Fassung wurde „im Notfall“ eingefügt, so dass es so klingt, als sei seine „Lizenz zum Töten“ nichts weiter als eine erweiterte Notwehrerlaubnis.
Chaotisch wird die Synchro bei Doktor No und der Organisation, der er angehört. Offenbar dachten die Übersetzer nicht an die Möglichkeit einer Fortsetzung, so dass diese Organisation in „Doktor No“ den Namen „GOFTAR“ bekam, später zuerst „Phantom“ und schließlich wie im Original „SPECTRE“ genannt wurde. „Spectre“ ist ein Ausdruck der Vorliebe der Engländer für „sprechende Abkürzungen“. „Spectre“ als Wort bedeutet soviel wie „Gespenst“ oder „Phantom“, es ist hier aber gleichzeitig die Abkürzung für „SPecial Executive for Counterspionage, Terrorism and REvenge“. Die Doppeldeutigkeit wurde in „Doktor No“ weggelassen und dafür versuchte man, die Bedeutung wörtlich zu übertragen: „GOFTAR“ bedeutet „GeheimOrganisation Für Terror, [Spionage], Angriff und Rache“. Noch dazu behauptet No im Deutschen, er wäre „Präsident“, während er im Englischen lediglich ein „member“ ist. In der Fortsetzung „Liebesgrüße aus Moskau“ wird auch nur noch davon geredet, dass No ein „Mitarbeiter“ von SPECTRE gewesen sei.

  • Ein Blick auf die Story

Dass eine Reihe von James-Bond-Filmen erfolgreich werden könnte, erkannten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman bereits sehr früh unabhängig voneinander. Allerdings hatten Sie ein Problem: „Casino Royale“, der eigentlich den Auftakt für die Buch-Reihe bildete, war bereits vom amerikanischen Fernsehsender CBS verfilmt worden und die Filmrechte von daher nicht verfügbar. Anfang der 1960er Jahre hatten schließlich Ian Fleming, Kevin McClory und Jack Whittingham in Gemeinschaftsarbeit ein Konzept entwickelt, das entweder die Pilotfolge einer Fernsehserie über James Bond werden sollte, oder aber der erste Film. Als die Überlegungen zu einem solchen Projekt ins Stocken gerieten, wurden die Arbeiten an dem Drehbuch aufgegeben, aber Fleming verwendete sie für seinen neuesten Roman: „Thunderball“. Da er seine Mitschreiber nicht angegeben hatte, kam es zu Rechtsstreitigkeiten, die zu dem Zeitpunkt, da endlich ein Bond-Film gedreht werden sollte, noch nicht beendet waren. Deswegen fiel auch dieses Konzept von vornherein flach.

Dann begann man die bisher erschienenen Romane zu durchsuchen und fand „Dr. No“ am geeignetsten. Eine andere Wahl wäre „Leben und sterben lassen“ gewesen, doch an den traute man sich noch nicht heran, weil der Bösewicht hier ein Farbiger war, und man sich nicht dem Vorwurf des Rassismus aussetzen wollte. Dafür nahm man ein paar Anpassungen vor, zum Beispiel in Bezug auf den Jamaikaner Quarrel oder den CIA-Agent Felix Leiter, die Bond beide im Roman bereits kennt, hier aber erst noch kennenlernen muss. Die Einführung der Verbrecherorganisation SPECTRE diente dazu, die Geschichten zu „entpolitisieren“, wo immer das für nötig befunden wurde. Hauptsächlich war das in „Liebesgrüße aus Moskau“ der Fall, dort ist in der Romanvorlage der russische Geheimdienst Bonds Gegner. SPECTRE wurde ursprünglich im Rahmen des „Thunderball“-Konzepts erfunden.

Der Auftakt hat noch nicht alles, was Bond später auszeichnet, und im Vergleich zu späteren Filmen nimmt er sich fast bescheiden aus. Bond erhält zum Beispiel als einzigen Ausrüstungsgegenstand von der Abteilung Q (deren Leiter allerdings als „Major Boothroyd“ angesprochen wird) seine neue Dienstwaffe, eine Walter PPK. Maurice Binder hatte den Einfall, den Film mit einer Sequenz zu beginnen, bei der man Bond durch den Lauf einer Pistole sieht – damit war das Markenzeichen der Serie schlechthin geboren. Monty Norman komponierte die Musik und das „James-Bond-Thema“ – und den letzten Schliff für die Figur gab Hauptdarsteller Sean Connery selbst. In einer Szene fährt Bond bei der britischen Botschaft vor. Auf dem Rücksitz seines Wagens sitzt die Leiche eines Handlangers von Doktor No, der sich, nachdem Bond ihn überwältigt hatte, selbst mit Zyankali vergiftete. Laut Drehbuch sollte Bond einfach aussteigen und in die Botschaft gehen, vorbei an dem Wachposten, dem kurz darauf auffällt, dass der Passagier im Wagen tot ist. Regisseur Terence Young gefiel das nicht, ihm fehlte etwas. Also sagte er zu Connery: „Improvisiere. Sag irgendwas zu dem Wachposten.“ Dieser überlegte kurz, dann wurde die Szene gedreht. Connery fährt vor, die Leiche auf dem Rücksitz. Er steigt aus, geht auf die Wache zu, deutet auf den Toten und meint: „Passen Sie auf, dass er sich nicht verdrückt.“ Der Satz ist die Geburtsstunde des typischen Bond-Zynismus, mit dem dieser in Zukunft viele seiner Handlungen kommentieren wird.

Aus heutiger Sicht wirkt „Doktor No“ natürlich ein wenig antiquiert. Manche Kampfszenen wirken ein wenig hölzern und mancher Blue-Screen-Effekt ist deutlich sichtbar (trotz der Bearbeitung des Videomaterials für die DVD-Veröffentlichung). Auch kommt meiner Ansicht nach nicht ganz klar raus, warum Doktor No eigentlich die amerikanischen Raketen mit Hilfe seiner Strahlen in die Irre lenkt. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen Klassiker, der die Starthilfe für das Genre des Agentenfilms gab und den ersten Schritt zu einer der erfolgreichsten Filmserien aller Zeiten darstellt.

LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU

Den britischen Geheimdienst erreicht eine Nachricht aus Istanbul. Tatjana Romanova, Mitarbeiterin der russischen Botschaft, hat sich in das Passbild des britischen Agenten James Bond verliebt. Sie will ihn kennenlernen und bietet an, eine „Lektor“, eine russische Dechiffriermaschine zu beschaffen. Alles was man tun muss, ist, ihr zur Flucht zu verhelfen. Geheimdienstchef M wittert eine Falle – und er hat mehr recht, als ihm lieb ist: Hinter der Aktion stecken nicht die Russen, sondern die Verbrecherorganisation „Phantom“ (Spectre). Der Plan ist, Bond büßen zu lassen für den Tod von Doktor No und gleichzeitig mit den Russen ein gutes Geschäft zu machen, wenn man ihnen ihre Dechiffriermaschine zurückbringt. Bond begibt sich nach Istanbul, stets überwacht von dem Phantom-Agenten Red Grant…

  • Synchronisation

Was natürlich als erstes zu bemerken ist, ist Gerd Günther Hoffman, der ab diesem Film Connerys Stammsprecher wurde. Als zweites fällt auf, dass man nun doch auf die Idee kam, den Namen der Organisation „Spectre“ besser zu übersetzen, und zwar mit „Phantom“. Das passt recht gut, dummerweise gibt es dazu aber keine Abkürzung wie im Orginal. In der Kinovorschau führte das zu einer recht witzigen Situation, wenn man die englische und die deutsche Version des Vorschaufilms vergleicht, denn hier wurde mit großen Buchstaben auf SPECTRE hingewiesen und gleich die Bedeutung geliefert: „Special Executive…“ Im Deutschen kommt an der Stelle PHANTOM, sowie der Hinweis, dass es sich um eine internationale Verbrecherorganisation handelt. Für ein wenig Verwirrung beim deutschen Publikum sorgte die Tatsache, dass der in dieser Folge nur von hinten zu sehende Spectre-Chef Blofeld von Friedrich Jolow gesprochen wurde. Jolow hatte zuvor in „James Bond jagt Doktor No“ dem Titelbösewicht seine Stimme geliehen und so war nicht klar, ob Doktor No und der geheimnisvolle Fremde dieselbe Person sein sollen. Blofelds Name wird übrigens nicht genannt, auch in der Originalfassung nicht, er ist lediglich „Nummer 1“. Im Abspann jedoch wird er erwähnt, allerdings ist kein Darsteller angegeben, lediglich ein „?“.

  • Ein Blick auf die Story

Das ursprüngliche Konzept sah vor, den Zuschauer ein wenig aufs Glatteis zu führen. Die Geschichte sollte mit der Rekrutierung von Tatjana Romanova durch Rosa Klebb beginnen, so dass der Zuschauer zuerst glauben sollte, die Russen stecken hinter allem. Erst später wäre die Szene in Venedig gefolgt, in der klar wird, dass der Plan von „Phantom“ eingefädelt wurde und Klebb nicht mehr dem russischen Geheimdienst angehört. Auch die Szene, in der Red Grant ein James-Bond-Double tötet, sollte erst später kommen. Als die erste Schnittfassung erstellt wurde, kam man darauf, die Szenen umzustellen. Dabei erfand man ein weiteres Markenzeichen zukünftiger Bond-Filme sein sollte: die Auftaktsepisode, kurz „Teaser“. Die Szene mit Red Grant wurde herausgenommen und zwischen den Anfang mit dem Pistolenlauf und der Titelsequenz gesetzt.
Was die Titelsequenz betrifft, dieser merkt man an, dass Maurice Binder nicht verfügbar war. Die Idee, die Titel auf den Körper einer Bauchtänzerin zu projizieren, ist nett, mehr aber auch nicht. Der Ideenreichtum Binders fehlt völlig, aber dieser sollte erst wieder ab „Feuerball“ die Gestaltung des Titels in die Hand nehmen. Zudem wurde für die Sequenz nicht die von Matt Munroe gesungene Fassung des Liedes „From Russia with Love“ genommen, sondern eine instrumentale.

Die Haupthandlung des Films wurde ebenfalls neu zusammengestellt und die Venedigszene, in der der Plan von „Phantom“ erklärt wird, an den Anfang genommen. Zwar musste die Szene dazu nachsynchronisiert werden, damit der Text in die neue Handlungsanordnung passt, aber es hat dem Film nur gut getan. Da der Zuschauer nun von Anfang an über das doppelte Spiel von „Phantom“ Bescheid weiß, kommt ein zusätzliches Spannungsmoment hinzu, wann James Bond endlich merkt, wer der Gegner wirklich ist.

Erstmals taucht in diesem Film Desmond Llewelyn als Waffenmeister „Q“ auf, und erstmals darf er Bond mit den „Gadgets“ ausstatten, für die die Filmreihe auch berühmt werden sollte. In diesem Fall ist es ein speziell ausgestatteter Koffer mit diversen Geheimfächern und der Sicherung durch eine Tränengaspatrone.

Natürlich wirkt auch diese Handlung etwas antiquiert angesichts des typischen „Kalter-Krieg“-Konflikts, aber die Reihe und ihre Technik hatten sich entwickelt. Der Kampf zwischen Bond und Red Grant in dem Zugabteil wurde so real wie möglich umgesetzt, dass selbst bei der Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen mehr als zwanzig Jahre später überlegt wurde, diese Szene wegen ihrer Brutalität zu kürzen. Gegenüber dem Roman hat die Handlung des Films wesentliche Änderungen erfahren. „Phantom“ wurde hineingeschrieben, damit es zu keinem diplomatischen Zwischenfall mit den Russen kommen konnte, wären diese als Bösewichte dargestellt worden. Und das Kinoplakat, durch das der bulgarische Attentäter Krilencu flüchtet, ist im Roman nicht ein Bild von Anita Ekberg, sondern Marilyn Monroe. Das Plakat gab den Produzenten allerdings eine Möglichkeit, Schleichwerbung für den im gleichen Jahr erschienenen Film „Call me Bwana“ zu machen.

„Liebesgrüße aus Moskau“ ist eine solide Abenteuergeschichte, mit der der Weg von James Bond an die Spitze der Kinounterhaltung abgesteckt wurde. Der Erfolg war entsprechend und lieferte die Möglichkeit, den folgenden Film noch aufwändiger zu gestalten.

Dass es einen weiteren Film geben würde, daran ließen die Produzenten keinen Zweifel, nicht nur dadurch, dass die Identität Blofelds nicht aufgedeckt wurde, sondern auch an dem Satz, der ab da in jedem Abspann zu lesen sein sollte: „James Bond will return.“

GOLDFINGER

Der britische Geheimdienst hat ein Auge auf den Millionär Auric Goldfinger geworfen. Dieser schmuggelt Gold in großen Mengen, und Bond wird auf ihn angesetzt, um herauszufinden, was dahinter steckt. Bei seinem ersten Treffen überführt Bond Goldfinger des Falschspiels, was seine Geliebte ausbaden muss: Sie wird getötet, indem man sie mit Gold überzieht. Bond folgt Goldfinger in die Schweiz, wo dieser eine Fabrik hat, und erfährt, dass er eine große Aktion plant, die den Namen „Unternehmen Grandslam“ trägt. Der Geheimagent wird überwältigt und in die USA verschleppt. Dort wird klar: das Ziel von „Unternehmen Grandslam“ ist das Golddepot der Vereinigten Staaten in Fort Knox. Doch Goldfinger will nichts stehlen, im Gegenteil…

  • Synchronisation

Leider entgeht dem englischsprachigen Publikum etwas, nämlich Gert Fröbes Originalstimme. Sein gesamter Part wurde von Michael Collins nachsynchronisiert, da Fröbe zu unverständlich sprach. Lediglich in einem Trailer, der nicht synchronisiert wurde, ist er im Original zu hören, wie er den Satz „No, I expect you to die!“ sagt. Ein paar Anpassungen gab es wieder gegenüber dem Original, etwa den Satz „Shocking… positively shocking.“, der sich nicht wörtlich übertragen ließ (Bond sagt dies, nachdem er den Angreifer im Teaser mit Hilfe eines ins Badewasser geworfenen Heizstrahlers erledigt hat).

  • Ein Blick auf die Story

Mit „Goldfinger“ zog der Gigantismus in die Agentenreihe ein. Während bei „Doktor No“ lediglich ein paar Raketen fehlgelenkt wurden und es in „Liebesgrüße aus Moskau“ um eine Dechiffriermaschine ging, nahmen die Bedrohungen ab sofort regelmäßig globale Ausmaße an (zumindest war aber eine größere Menge Menschen in Gefahr). In diesem Film ging es um die Weltwirtschaft, die ins Chaos gestürzt worden wäre, hätte Goldfinger seinen Plan durchziehen können, die Goldvorräte der USA in Fort Knox radioaktiv zu verseuchen (hm… möglicherweise hat ein Nachfahre von Goldfinger diese Pläne im September 2008 erfolgreich zu Ende gebracht?). Doch die Geschichte ist solide und nicht zu übertrieben. Das „Delta-9-Nervengas“ habe ich im Internet allerdings nicht gefunden (lediglich Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz „THC“, dem Bestandteil von Cannabis). Auch Goldfingers Riesenlaser gehörte in den 1960er Jahren noch nicht zur Standardausstattung von Verbrechern. Allerdings waren die Offiziellen von Fort Knox beeindruckt, wie gut das Innere des Tresors wiedergegeben sei, obwohl keiner vom Filmteam aus Sicherheitsgründen Zutritt zu diesem Raum hatte. Und zum ersten Mal darf der Zuschauer in diesem Film einen Blick auf die Werkstatt von Waffenmeister Q werfen, der mit dem trickreichen ASTON MARTIN DB5 das erste der großen Gadgets konstruiert, für die Bond berühmt ist.

Erneut war Maurice Binder für die Gestaltung des Haupttitels nicht verfügbar, also griff man auf die Idee von „Liebesgrüße aus Moskau“ zurück, nur projizierte man diesmal Ausschnitte aus den vergangenen beiden Filmen auf den Körper der jungen Dame, die ganz mit Gold überzogen wurde. Nicht sehr einfallsreich, aber zum Film passend. Shirley Bassey sang das Titellied, und diesmal wurde nicht die Instrumentalversion für den Einstieg verwendet.

„Goldfinger“ setzte einen Maßstab als Film, nicht nur für die James-Bond-Reihe, sondern auch für andere Werke. Die Serie hatte nun alle Bestandteile, die in Zukunft Synonym für den Namen „James Bond“ sein sollten: exotische Schauplätze, schöne Frauen, Abenteuer, eine große Gefahr, eine wohlklingende Titelmusik und Qs Spielereien.

FEUERBALL

SPECTRE / Phantom ist zurück. Durch gewiefte Manipulation gelingt es ihnen, zwei Atombomben zu erbeuten und die Welt zu erpressen. Bond, der zufällig Zeuge eines Teils dieser Manipulation geworden ist, verfolgt eine Spur auf die Bahamas, nach Nassau. Dort trifft er auf Emilio Largo, einem der Handlanger von Phantom. Er hat den Plan eingefädelt und ausgeführt und möchte jede Gefährdung durch Außenstehende vermeiden – erst recht durch einen britischen Geheimagenten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, die Atombomben zu finden und unschädlich zu machen, bevor sie zur Explosion gebracht werden…

  • Synchronisation

„Schwitze, Gräflein, schwitze schnell, schwitzen macht die Äuglein hell… hrm…“

Die Synchronisation nahm sich ein paar Freiheiten heraus. Das kleine Liedchen trällert Bond, nachdem er Graf Lippe, Helfershelfer von Phantom, im Schwitzbad eingeschlossen hat – aber nur in der deutschen Fassung. An anderer Stelle mussten gewitzte englische Wortspiele übertragen werden, was leider nicht immer funktionierte. So sagt Bond zum Beispiel, nachdem er einen von Largos Handlangern mit einer Harpune erschossen hat: „I think he’s got the point.“, was im übertragenen Sinne soviel bedeutet wie „Ich glaube, jetzt hat er’s kapiert.“, aber auch wörtlich mit „Ich glaube, er hat die Spitze abgekriegt.“ übersetzt werden kann. Die Doppeldeutigkeit konnte leider nicht ins Deutsche übertragen werden, und so sagt Bond dort lediglich: „Einer weniger von den Strolchen.“ Der Titel des Films selbst musste angepasst werden, da „Donnerball“ („Thunderball“) im Deutschen nach nichts klingt (und phonetisch verdammt nahe an „Donnerbalken“ ist). Das ließ sich gut arrangieren, da es sich bei dem Begriff lediglich um den Codenamen für die Aktion des britischen Geheimdienstes handelt.

  • Ein Blick auf die Story

Die Geschichte von „Thunderball“ ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Nein, wirklich! Ursprünglich wurde das Konzept als Pilotfilm einer James-Bond-Fernsehserie entworfen, dann als erster Film für eine Kinoreihe, nachdem beides so nicht realisiert wurde, schrieb Fleming es in einen Roman um. Dummerweise hatte er aber die Geschichte nicht allein entworfen und versäumte es sträflich, seine Co-Autoren Kevin McClory und Jack Whittingham zu erwähnen. Ein Gerichtsverfahren folgte, schließlich einigte man sich darauf, dass die Autoren an den Umsätzen beteiligt würden und Kevin McClory erhielt zudem das Recht, den Roman nach Ablauf von 10 Jahren neu zu verfilmen.

Allerdings war „Thunderball“ nicht die erste Wahl für den neuen Film. Eigentlich wollten die Produzenten „On Her Majesty’s Secret Service“ verfilmen. Das scheiterte daran, dass ein Großteil dieser Geschichte im Schnee spielt und der Produktionsplan nicht auf den Winter ausgerichtet war. Daher wurde „On Her Majesty’s Secret Service“ zweimal verschoben. „Feuerball“ setzt den in „Goldfinger“ begonnen Gigantismus konsequent fort und bietet eine weitere spannende Abenteuergeschichte an exotischen Schauplätzen, die allerdings durch die Unterwasserschlachten manchmal etwas langatmig wirkt. Dennoch war das Publikum beeindruckt, so beeindruckt, dass das Militär bei der Produktionsfirma anrief und sich für die kleine Atemapparatur interessierte, die Bond benutzt. Sehr enttäuscht war man allerdings, als der Produzent mitteilen musste, dass dieses kleine Gerät, mit dem Bond für ein paar Minuten Luft bekommen sollte, nur getrickst war.

Bleibt nur noch auf die Rückkehr von Maurice Binder hinzuweisen, der fortan bei jedem Film für die Titelsequenz verantwortlich zeichnete. Binders Titel geben eine gute Einstimmung auf den jeweiligen Film und sind zweifellos eines der Markenzeichen der Reihe geworden.

MAN LEBT NUR ZWEIMAL

Eine Rakete der Amerikaner, besetzt mit zwei Astronauten, wird von einem unbekannten Raumschiff abgefangen und entführt. Die Amerikaner verdächtigen die Russen und drohen mit Krieg. Lediglich die Briten bewahren die Ruhe und weisen darauf hin, dass der unbekannte Flugkörper offenbar in Japan gelandet sein muss und setzen Bond auf den Fall an. Dazu täuschen sie dessen Tod vor und bringen in ihn Kontakt mit „Tiger“ Tanaka, dem japanischen Geheimdienstchef. Bond kommt dahinter, dass die Operation von einem Chemiekonzern, Osata Chemicals, versorgt wird. Stützpunkt des fremden Raumschiffs ist ein erloschener Krater, und hinter der Sache steckt (natürlich) niemand anderes als SPECTRE. Der Plan ist, die Amerikaner und Russen in einen Krieg zu provozieren, damit eine dritte Macht aufsteigen kann. Und endlich machen wir Bekanntschaft mit Spectre Nummer 1: Ernest Stavro Blofeld…

  • Synchronisation

Das Chaos über den Namen der Organisation, gegen die Bond kämpft, ist mit diesem Film komplett: Erst GOFTAR, dann PHANTOM, nun SPECTRE auch im Deutschen. Es gab auch noch weitere Anpassungen, deren Sinn nicht ganz klar wird. So bleibt Bond in der Szene der Sumo-Arena einmal stumm, während er im Original „domo arigato“ sagt. Als er auf der Ning-Po gefangen ist und von Helga Brandt verhört wird, zeigt ihn diese ein Skalpell und fragt: „Wissen Sie, was das ist?“ Im Englischen sagt Bond: „I’d rather not.“, im Deutschen nichts. Und als Tanaka und Bond die Badezeremonie begehen, fordert Tanaka die Mädchen mit einem „Ich bin der Hausherr!“ auf, ihn ebenfalls einzuseifen, während er im Original Japanisch spricht.

Im U-Boot wirft Moneypenny Bond ein Sprachlexikon zu, worauf jener sagt: „Du vergisst, dass ich in Cambridge Sprachen studiert habe. Doswidanje!“ Das letzte Wort ist natürlich als Scherz gemeint, da es Russisch und nicht Japanisch ist, kommt aber in der englischen Fassung nicht vor. Stattdessen heißt es dort, Bond habe „oriental languages“ studiert.

Das relativ niedliche „Pfannkuchengesicht“, das Tanaka der Frau bescheinigt, die Bond als Tarnung heiraten soll, ist im Original wesentlich härter: „She’s got a face like a pig!“ Und als diese Frau Bond Austern zum Abendessen serviert und dann darauf besteht, in getrennten Betten zu schlafen, sagt der Agent: „Then I won’t need these.“ als sexuelle Anspielung, was im Deutschen verharmlost wurde mit: „Dann will ich auch keine Austern.“

  • Ein Blick auf die Story

Ein aufwändiges Versteck, das am Ende in die Luft gesprengt wird, das sollte es ab diesem Film noch häufiger bei Bond geben. Dass es dazu kam, dafür sorgte der Umstand, dass sich ein Teil von Flemings Roman nicht umsetzen ließ. Der Autor hatte nämlich ein Schloss am Meer als Blofelds Versteck entworfen. Dummerweise bauten die Japaner in der Nähe des Meeres aber keine Schlösser, weil die Gefahr von Taifunen (die schon Wickie nicht froh machten) viel zu groß war. Also suchte man im Hubschrauber, der von einem ehemaligen Kamikaze-Piloten gesteuert wurde, nach etwas Neuem und kam auf die Idee, das Versteck in einem erloschenen Vulkankrater zu bauen. Dazu wurde die bis dahin größte Filmkulisse in den Pinewood Studios gebaut. Was am Ende in die Luft gesprengt wurde, war aber ein Modell.

Für die Rolle der Helga Brandt wurde die deutsche Schauspielerin Karin Dor engagiert. Leider gab es ein Problem, da sie eine Arbeitserlaubnis brauchte. 1966, als der Film gedreht wurde, war nun gerade Fußball-Weltmeisterschaft in England und es kam zum Endspiel zwischen Deutschland und England. Sean Connery höchstpersönlich brachte Karin Dor und ihrer Managerin einen Fernseher aufs Hotelzimmer, damit sie das Endspiel sehen konnten (Fernseher waren damals in Hotels noch keine Selbstverständlichkeit) und meinte im Gehen: „Das könnte ein Problem geben. Wenn die Deutschen das Spiel heute gewinnen, krieg Karin die Arbeitserlaubnis nie!“ Nun, die Deutschen haben das Spiel nicht gewonnen, zumindest nicht offiziell. Die deutsche Sprache war nach dem Spiel um den Begriff „Wembley-Tor“ reicher und Karin Dor bekam ihre Arbeitserlaubnis.

Eine andere Rolle bereitete auch Probleme: Erstmals sollte Ernest Stavro Blofeld wirklich zu sehen sein, aber der Schauspieler, der zuerst engagiert worden war, wirkte zu freundlich. Donald Pleasance sprang ein und wurde mit einer Narbe verunstaltet, um den Erzbösewicht abzugeben.

„Man lebt nur zweimal“ vervollkommnete den Bond-Gigantismus in zweierlei Hinsicht: Zum ersten Mal ging es wirklich um die Vernichtung großer Teile der Welt durch einen Atomkrieg, zum zweiten war Blofelds Versteck wirklich riesig. Der Erfolg des Films sprach für sich, auch wenn Kritiker die Figuren durch die riesigen Kulissen und Spezialeffekte etwas in den Hintergrund gedrängt sahen und Abnutzungserscheinungen sahen. Letzteres kann aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass Connery nach diesem Film seinen Ausstieg aus der Reihe verkündete. Im Abspann war aber bereits angekündigt: „James Bond will return in ‚On Her Majesty’s Secret Service'“. Damit begann das Rätselraten darum, wer wohl als nächstes den Anzug von Bond tragen durfte.

Sean Connery hatte der Reihe einen sehr guten Start verschafft und die Figur massgeblich geprägt, zum Teil durch seine Schauspielerei, aber auch durch seine Ideen (wie etwa den Zynismus, den er in „Doctor No“ prägte). Ein Nachfolger, soviel war klar, würde es sehr schwer haben. Es würde sogar noch schwieriger werden…

Das Ende? Nein, nicht ganz. James Bond wird zurückkehren in:

„AGENT MIT HERZ: George Lazenby ist James Bond“

STAR COMMAND Communiqué Nr. 4

Online-Version des Newsletters vom Phantastischen Projekt

Liebe Leserin, lieber Leser,

das 3. Quartal 2008 geht heute zuende, und daher wird es wieder Zeit für den neuen Newsletter mit einem Rückblick auf die heißen Themen. Außerdem wollen wir heute zeigen, dass es sich lohnt, den Newsletter zu abonnieren und auch Abonnent zu bleiben.

Das heiße Thema seit Ende August: Der neueste „Wurf“ von RTL, die Rettungs-Action-Serie „112 – Sie retten dein Leben“. Thorsten hat sich als „Mann vom Fach“ so seine Gedanken gemacht und sich freiwillig die ersten fünf Folgen der Reihe angetan. Sein Urteil aber ist vernichtend, und er steht nicht allein, wie die große Resonanz zu den Beiträgen zeigt, bei denen sich sogar einer der Darsteller gemeldet hat (vorbehaltlich der Echtheit seiner Identität):

Tatü – Tata: „112…“ – wer rettet wen, und warum?
„112 – Sie retten dein Leben“ – Eine genauere Kritik
„112 – Sie retten dein Leben“ – Und zum Dritten!

Bereits im letzten Newsletter hatten wir es vom Anfang der Reihe über die Comics von Tim und Struppi. Im Juli wurde diese Reihe mit der Besprechung der noch fehlenden Bände beendet. Ganz als Abschluss gab es noch Einblicke und Ausblicke, unter anderem auf das geplante Filmprojekt. In dem Beitrag sind die zudem die Rezensionen zu jedem einzelnen Album nochmal verlinkt:
Tim und Struppi: Die Reihe (Einblicke / Ausblicke)

Inspiriert von dieser Serie hat Carsten eine Reihe begonnen über „10 Comics, die man gelesen haben sollte“. Die bisher erschienen Beiträge sind:

1. The Dark Knight Returns / Die Rückkehr des dunklen Ritters
2. Die Zeit der Asche / La Saison de Cendres

3. Aquablue

4. Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden

5. Xoco
6. Der Skorpion
7. Bone

Und wieder einmal spaltete ein Ereignis die Fangemeinde: Das Erscheinen des Filmes „Star Wars: The Clone Wars“ im Kino. Ein Anlass für Thorsten, sich sowohl diesen Film vorzunehmen, als auch einen sehr detailierten, tiefen Blick auf die STAR-WARS-Reihe an sich zu werfen:
STAR WARS: Ein Blick darauf, darunter und dahinter
STAR WARS Episode 1: Die dunkle Bedrohung [Rezension]
STAR WARS Episode 2: Angriff der Klon-Krieger [Rezension]
STAR WARS: The Clone Wars [Rezension]
STAR WARS Episode 3: Die Rache der Sith [Rezension]

Die ASTROCOHORS-Webrom@n-Reihe ging natürlich genauso weiter. Seit dem letzten „Communiqué“ sind folgende Episoden erschienen:
Die Entscheidung des Präsidenten
Ruhe vor dem Sturm
Intermezzo: OPERATION „WASTELAND BLAST“
Die Verstärkung
Erstversorgung
Notaufnahme
Schlafen! Vielleicht auch träumen…
Ein guter Freund wiegt schwer wie ein Berg
Ein General irrt sich gewaltig
Am Vorabend der Schlacht
Der Sturm bricht los
Der Anschlag
Verschollen in der Wüste
Die Invasion der Ceel’u
Gefangen von den Kath’al-ira
Die Armada der Ceel’u
Nun bist Du dem Untergang geweiht
ES IST VORBEI!

Und erst vor kurzem begann der Auftakt für eine neue Reihe, die sich dem Leben des wohl bekanntesten Geheimagenten der Welt widmet:
„Bond. James Bond.“

Das EP-Blog macht sich mittlerweile und hat ein Gewinnspiel ausgelobt, bei dem es einige Preise zu gewinnen gibt. Genaueres über das Gewinnspiel gibt es hier. Und ansonsten gibt es diese interessanten neuen Berichte:
Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof
Unterwegs in Naturschutzgebiet „Taubergießen“ – Eine Bootstour

Und damit sind wir schon am Ende des „Communiqué“ für dieses Quartal. Ach ja, um auf den Kommentar vom Anfang zurückzukommen, warum es sich lohnt, Abonnent zu werden und zu bleiben: Wir haben vor, auch für das „Communiqué“ ein Gewinnspiel zu veranstalten. Die Preise werden unter allen Abonnenten verlost. Mehr dazu gibt es bald.

Bis zum nächsten Mal,
viel Spaß beim Lesen

STAR COMMAND COMMUNIQUÉ
REDAKTION

„Bond. James Bond.“

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1953 wurde ein von dem Briten Ian Fleming geschriebenes Buch veröffentlicht: „Casino Royale“. In den ersten Seiten des Romans passiert etwas ungewöhnliches: Die Hauptfigur wendet sich an den Leser selbst. Bond sei sein Name, teilt er mit, James Bond, Agent im Geheimdienst ihrer Majestät, der englischen Königin. Auch seine Kennnummer erfährt der Leser: 007. Die doppelte Null bedeute, so Bond weiter, dass er die „Lizenz zum Töten“ habe. Die haben nur die neun besten Agenten und – das gibt 007 unumwunden zu – bedeute, dass er ein „Mann fürs Grobe“ sei, einer, der die Drecksarbeit mache. Wenn beispielsweise ein ungeliebter Politiker einen merkwürdigen, tragischen Unfall erleide, dann war das in der Regel ein Doppelnull-Agent. Mit dieser Selbsteinschätzung beginnt die berühmteste Agentenkarriere der Welt, und Fleming hatte ein neues Genre erschaffen.

55 Jahre später sind 14 Bücher um James Bond aus der Feder von Ian Fleming erschienen, und die Kinopremiere des 22. (offiziellen) Films steht bevor. Und deswegen wollen wir einen Blick auf die Film-Reihe werfe und uns mit verschiedenen Fragen beschäftigen. Bereits „Casino Royal“ war ein solcher Erfolg beschert, dass kurz darauf die Filmrechte an das amerikanische Fernsehen vergeben wurde, wo 1954 die erste verfilmte Version des Stoffes ausgestrahlt wurden. Als Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre sich die Produzenten Harry Salzman und Albert R. „Cubby“ Broccoli um die Filmrechte bemühten, bekamen sie diese für „Casino Royale“ nicht – aber für die anderen Romane. Die Rechte wurden von einer unabhängigen, extra zu diesem Zweck gegründeten Firma übernommen: DANJAQ, deren Name sich von den Vornamen der Ehefrauen von Salzman und Broccoli ableitete, Dana und Jacqueline.

Da „Casino Royale“ nicht gemacht werden konnte, musste ein anderer Roman den Auftakt bilden.  Man nahm den Ende der 1950er Jahre erschienen „Dr. No“ – und die Reihe konnte ihren Anfang nehmen.

Fleming hatte ein gewisses Stammpersonal entwickelt, das für die Filme übernommen und ausgebaut wurde. Da ist Bonds Vorgesetzter, den man nur unter dem Buchstaben „M“ kennt, und der gern etwas mürrisch über Bonds Eskapaden ist. Seine Sekretärin Miss Moneypenny, die so gern einmal mit Bond ausgehen würde, aber es nie darf. Nicht zu vergessen Q, der Waffenmeister. Besonders seine Rolle wurde für die Filme stark erweitert, da die Romane zwar einen Hauch Exotik hatten, Bond aber nie die Gadgets wie in den Filmen bekommt.

Manche Dinge ließen sich nicht so ohne weiteres von den Romanen übernehmen. So wird die überwiegende Anzahl der Bösewichter in den ersten Romanen von den Russen oder Ex-Nazis gestellt. Immerhin herrschte der kalte Krieg. Für die Filme beschloss man, dass es besser sei, die Politik etwas in den Hintergrund zu stellen und erfand eine fiktive Verbrecherorganisation. Man wollte diplomatische Verwicklungen auf alle Fälle vermeiden.

Auch die Filme selbst haben ihre besonderen Markenzeichen erhalten. Neben dem von Monty Norman komponierten und von John Barry arrangierten James-Bond-Thema ist vor allem die von Maurice Binder entworfene „Gun Barrel Sequence“ hier am Bekanntesten. Alle Filme seit „Dr. No“ beginnen mit einer Sequenz, die durch einen Pistolenlauf gefilmt wurde, Bond kommt von rechts ins Bild, als er ungefähr auf der Mitte ist, dreht er sich zum Zuschauer und schießt. Diese Sequenz wurde oft und gern von anderen Filmen und Serien parodiert.

Eine der großen Fragen, die immer aufkamen, war, ob die Hauptfigur in all den Filmen ein und dieselbe Person ist. Das lag daran, dass im Laufe der Zeit die Schauspieler wechselten und nicht erklärt wurde, warum sich Bonds Aussehen änderte (und zumeist auch verjüngte). Allerdings wurden Hinweise gestreut, aus denen man herauslesen kann: Ja, es ist dieselbe Person.

Der erste Wechsel war von Sean Connery zu George Lazenby in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. In diesem Film betrachtet sich Bond, als er seinen Dienst quittieren will, Souvenirs aus vergangenen (Connery-)Abenteuern. Auf die Hochzeit, die im gleichen Film stattfindet, wird in „In tödlicher Mission“ Bezug genommen, als Bond – inzwischen von Roger Moore dargestellt – das Grab seiner Frau besucht. Ebenfalls erwähnt wird die Hochzeit in „Lizenz zum Töten“, Bond wird hier von Timothy Dalton verkörpert. Und auch als Pierce Brosnan die Rolle spielt, gibt es Anspielungen; der Titel des Films „Die Welt ist nicht genug“ ist der Wappenspruch der Familie Bond, was in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ enthüllt wurde. Zudem sieht man einige Souvenirs vergangener Abenteuer in „Stirb an einem anderen Tag“, unter anderem aus „Octopussy“ (mit Roger Moore) und „Feuerball“ (mit Sean Connery).

Der große Bruch kam erst, als die Produzenten endlich die Rechte an „Casino Royale“ erhalten hatten und diesen Geschichte mit einem neuen Darsteller verfilmten. Anstatt einen Film zu produzieren, der vor „Dr. No“ spielt, ließ man die Geschichte um 007 in der Gegenwart beginnen. Bond muss sich seine Doppel-Null-Lizenz erst verdienen, die „Gun Barrel Sequence“ kommt erst zum Beginn des Titellieds und das Bond-Thema erst am Ende, wenn der Agent sich zum ersten Mal mit der Formel „Bond. James Bond.“ vorstellt. Außerdem ist es Bond – entgegen der bisherigen Filmreihe – auch völlig egal, ob sein Wodka Martini geschüttelt oder gerührt ist.

In den folgenden Tagen wollen wir anlässlich der demnächst stattfindenden Filmpremiere einen Rückblick auf die bisherigen Abenteuer machen einer Reihe von Filmen, die ihren Abschluss fand und nochmal von vorn gestartet wurde. Aber wie soll man diese Reihe sehen? Vielleicht kann man alles das vergleichen mit parallelen Universen, über die vor allem in Science-Fiction-Geschichten berichtet wird. Es gibt ein Universum, in dem Bonds erstes Abenteuer „Casino Royale“ im Jahr 1953 ist, das Fleming auf dem Papier erschaffen hat. In einem weiteren Universum ist „Dr. No“ Bonds 1962 erstes Abenteuer, und der Agent wird über 40 Dienstjahre arbeiten, in deren Verlauf er sich immer mal wieder auf wundersame Weise verjüngt. Und in einem weiteren Paralleluniversum ist James Bond ein Kind unserer Zeit, der 2006 in „Casino Royale“ seine Lizenz zum Töten erhält und gegen einen seltsamen, übermächtigen Gegner antreten muss.

Wenn wir einen Blick auf diese Paralleluniversen werfen, müssen wir uns jeweils einem besonderen Unterpunkt zuwenden: der deutschen Synchronisation, die manchmal ihre eigenen Wege gegangen ist. Die Artikel werden durch die Filmreihe gehen und nach dem jeweiligen Hauptdarsteller zusammengefasst. Das gibt einen, wie ich hoffe, interessanten und ein wenig neuen Einblick in das Leben des wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt.

„Ich bewundere Ihren Mut, Miss…?“
„…Trench. Sylvia Trench. Ich bewundere Ihr Glück, Mister…?“
„…Bond. James Bond.“

(aus Dr. No)

10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 7)

Wie ich schon einmal schrieb, gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Obwohl ich bei Comics auf schöne detailreiche Zeichnungen Wert lege, kann ich mich durchaus auch an „klassischen“ schlicht gezeichneten Comics erfreuen. Vor allem natürlich, wenn die Geschichte stimmt. Und daher ist es mir eine ausgesprochene Freude, diese Reihe vorzustellen, die vor allem auch meine sonst eher comicscheue bessere Hälfte überzeugt hat.

Jeff Smith: Bone

– Vorbemerkungen:

Jeff Smith ist ein Pionier, sein Werdegang heute ein Vorbild für viele junge Independant-Künstler, die auf dem Comic-Markt gerne Fuß fassen möchten. Ich sage nur: „Nicht lustig!“ Die Bone-Comics erschienen Anfang der 90er Jahre in Schwarz-Weiß. Jeff Smith war dabei einer der ersten Zeichner, der das Internet als Plattform nutzte, um sein Comic einer möglichst breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Nach und nach avancierte die Geschichte zum Kultcomic und beliebten Insider-Tipp in Fachgeschäften. Und als Ende 2004 die stolze 1300 Seiten umfassende Bone-Gesamtausgabe erschien (in Amerika liebevoll The Brick – der Ziegelstein – genannt), wurde Jeff Smith endgültig Teil der langen Reihe von Comic-Legenden und Zeichnern, welche die Industrie nachhaltig prägten (und noch prägen). Bone erschien auch als Point-and-Click-Adventure für den PC. Ein Kinofilm ist in Planung.

– Handlung

Die Geschichte folgt dem liebenswerten Fone Bone und seinen beiden Cousins Phoney Bone und Smiley Bone, skurillen Figuren, deren Körperform einem Knochen ähnelt. Sie werden aus ihrer Stadt Boneville vertrieben, nachdem der gerissene Phoney die Bewohner mehrfach um ihr Geld gebracht hatte. Nachdem sie sich in der Wüste hoffnungslos verirrt haben, erreichen sie ein mysteriöses Tal – und werden getrennt. Auf seiner wundersamen Reise wird Fone Bone in eine epische Geschichte voller Wunder, Gefahren und Magie verstrickt und trifft auf allerlei Gestalten wie Ted die Wanze, den roten kettenrauchenden Drachen und Grandma Ben, vielfache Gewinnerin des jährlichen Kuhrennens und dumme, dumme Rattenmonster. Und natürlich auf die wunderschöne Thorn…

– Kritik

Jeff Smith begann die Reihe als Hommage an sein Vorbild Carl Barks, und das merkt man auch. Phoney Bone könnte der böse Bruder von Dagobert Duck sein, und Smiley Bone ist wie Goofy, nur mit Zigarre. Doch die Geschichte ist epischer und ernster, so dass sich der anfängliche Eindruck, man hätte ein Kinderbuch vor sich, rasch verflüchtigt. Die Geschichte sprüht nur so vor Witz, Charme und frischen Ideen. Und verliert dabei dennoch nie den roten Faden. Präzise Tuschezeichnungen zeichnen den Stil von Bone aus, der bei allem Minimalismus dennoch zu überzeugen weiß. Die Bilder wirken wie das Storyboard zu einer Zeichentrickserie, sind aber sehr stimmungsvoll. Ich finde schwarz-weiße Zeichnungen auf Dauer etwas anstrengend, doch glücklicherweise gibt es ja in der Hinsicht gute Nachrichten für mich. Mehr dazu später.

Die Figuren in Bone sind herrlich kauzig, selbst kleinste Nebenfiguren wie etwa Ted die Wanze und sein großer Bruder sind zum Niederknien putzig. Kein Wunder, dass Bone nach Sandman die erfolgreichste Comic-Serie bei Frauen ist. Nicht, dass Männer einen Bogen darum machen müssten – Bone ist einfach gute Unterhaltung für die ganze Familie.

Seit 2006 erscheint Bone in einer neuen, aufwändig colorierten Fassung. Die ersten 6 Bände sind mittlerweile auf deutsch erschienen, der Rest folgt in kurzen Abständen. Ich kann es kaum erwarten!

10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 6)

Ich weiß ja nicht, wie es andere empfinden, aber ich vermisse die Mantel-und-Degen-Filme der alten Schule. Klassiker wie „Im Zeichen des Zorro“ mit Tyrone Power, „Fanfan der Husar“ mit Alain Delon oder „Cyrano de Bergerac“ mit dem großartigen José Ferrer sind unauslöschlicher Bestandteil meiner Kindheit. Und dann gab es natürlich die drei Musketiere. Schon der Zweiteiler von 1948 mit Gene Kelly als D’Artagnan war toll. Und dann gibt es noch die großartigste Verfilmung aller Zeiten von Richard Lester: Michael York, Oliver Reed und Richard Chamberlain als Musketiere, nicht zu vergessen Charlton Heston als fieser Kardinal und Christopher Lee als köstlich skrupelloser Rochefort. Die Reihe schwächelt zwar in den Fortsetzungen zunehmend, aber das ändert nichts an der Brillianz des ersten Teils. Spätere Versionen wie der kommerziell erfolgreiche Disney-Film mit Kiefer Sutherland und Charlie Sheen können da einfach nicht mithalten.

Doch was ist heute? Wenn ich überlege, was der letzte interessante Mantel-und-Degenfilm war, muss ich wirklich in mich gehen. „Der Mann mit der eisernen Maske“ mit DiCaprio war nicht übel, jedenfalls gefiel er mir beim zweiten Mal ansehen bedeutend besser als damals im Kino. Doch auch der Film ist schon wieder 10 Jahre her. Seitdem? Es gab einen Film namens „The Musketeer“. Bitte nicht ansehen, es sei denn, Sie haben Sinn für Trash und schon einige Bierchen intus. Gut, der erste Zorro-Film mit Banderas war auch schön gemacht,  der zweite beinahe schon zu routiniert. Aber da endet die Liste.

Das war ein langes Vorwort. Aber es war mir wichtig, auf das vorliegende Comic einzustimmen. Wenn der werte Leser oder die Leserin ebenso wie ich den guten alten Degenduellen mit starken Helden und gar schurkischen Bösewichtern nachtrauert, dem sei die folgende Heftserie ans Herz gelegt.

Stéphen Desberg/Enrico Marini: Der Skorpion.

– Vorbemerkung:

Auch diese Bilder stammen wie so häufig von unseren talentierten Nachbarn aus Frankreich. Streng genommen ist Enrico Marini allerdings kein Franzose, sondern Schweizer. Ob das auch ein Grund ist für eine Erzählung, die auch indirekt mit der Schweizer Garde zu tun hat, sei mal dahingestellt. Auch hier merkt man, dass die Macher wissen, wovon sie erzählen: Sowohl Degenform als auch Fechtschritte, sowohl die Kostüme als auch die Architektur des 18. Jahrhunderts sind wohl recherchiert und tragen zur abenteuerlich-nostalgischen Atmosphäre bei. Die Geschichte gerät dabei aber (gottseidank) nicht zur Nebensache.

– Handlung:

Rom im Jahre 1750: Der wagemutige Abenteurer und Glücksritter, den alle nur als den „Skorpion“ kennen, verdient sein Geld durch den Verkauf religiöser Reliquien. Seinen Spitznamen verdankt er einem Muttermal auf seinem Rücken. Der finstere Kardinal Trebaldi setzt die geheimnisvolle Zigeunerin Mejai auf ihn an. Und bald sieht sich der Skorpion von Feinden umgeben und muss zusammen mit seinem treuen Freund, dem Husaren, zusehen, dass er lebend aus der Sache rauskommt, und ganz nebenbei eine Jahrhunderte alte Verschwörung aufdecken, die auch seine Vergangenheit und den Tod seiner Mutter auf dem Scheiterhaufen betrifft…

– Kritik

Ein Mann gegen das System, fiese Schurken, Degenduelle, schöne Frauen, Verfolgungsjagden, verborgene Schätze und exotische Plätze – hier wird alles Erdenkliche aufgefahren. Dabei ist die Geschichte längst nicht so austauschbar wie in manch anderer Comicreihe, sondern unterhaltsam, wendungsreich und intelligent. Der Zeichenstil ist eine Besonderheit. Die klassische Zeichenart im Ligne-Claire-Stil (schwarze Konturen, die mit Farbe gefüllt werden) wird mit eleganten Farbverläufen und aufwändigen Hintergrundgrafiken angereichert. Durch den Kontrast zwischen Figuren und Hintergrund werden die Figuren so plastisch, dass man zeitweise das Gefühl hat, die Bilder wären Fotografien eines wundervollen Zeichentrick-Films. Trotz des Detailreichtums wirken die Bilder dabei nie zu statisch, was einzig und allein durch die präzise gezeichneten Bewegungsaufnahmen der Figuren erreicht wird. Anders gesagt: Dramatische Posen kann man hier hervorragend abschauen!

Fazit: Köstliche Unterhaltung in bisher sieben Bänden, die das hohe Niveau halten konnten. Der achte Band könnte auch der letzte sein und die Geschichte zum hoffentlich guten Ende bringen. En Garde!

10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 5)

Wir nähern uns der Halbzeit meiner kleinen Reihe. Daher präsentiere ich ein weiteres Kleinod, das vielleicht nicht jedem bekannt sein dürfte. Dem Comic-Kenner ist der Name Ledroit nicht fremd. Als Zeichner wurde er vor allem durch die Comic-Reihe „Die Chroniken des Schwarzen Mondes“ bekannt, welche seit 1990 erscheint und mittlerweile auf 13 Bände kommt. Allerdings schied Ledroit bereits nach fünf Bänden aus. Das merkt man aber auch. Eine kürzere, aber dafür umso bemerkenswertere Reihe ist die folgende:

Ledroit/Mosdi: Xoco

– Vorbemerkung

Zwei Bände mit den Titeln „1: Der Obsidian-Schmetterling“ und „2: Der Herr des Schattens“ umfasst die Geschichte von Mosdi mit den Zeichnungen von Ledroit aus dem Jahr 1996. Sechs Jahre später erschien eine Nachfolgegeschichte, wiederum in zwei Bänden. Und auch hier schied Ledroit als Zeichner aus und wurde durch Christophe Palma ersetzt. Ich selbst kenne die Fortsetzung nicht, habe aber mir sagen lassen, dass zwar die Bilder prächtig sind, die Geschichte aber nicht mehr das hohe Niveau des Erstlings halten kann.

– Inhalt

New York 1931: Brooklyn steht unter dem Schock einer brutalen Mordserie. Bereits auf der ersten Doppelseite zeigt uns der Autopsie-Bericht eines schrecklich zugerichteten Körpers, womit wir hier zu rechnen haben. Mona Griffth, Tochter eines Antiquitätenhändlers, glaubt an einen Zusammenhang mit einem antiken Dolch, der sich im Besitz ihres vor zehn Jahren ermordeten Vaters befand. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf Xoco, einen Schamanen, der das Geheimnis des Dolches kennt. Bald merken sie, dass sie sich einem sehr mächtigen und uralten Feind aus der Vergangenheit stellen müssen…

-Kritik

Wer Krimis, Film Noir und die Geschichten von H.P. Lovecraft mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Unglaublich, was hier an grafischer Opulenz geboten wird. Im Gegensatz zu anderen Comics sind hier die Panels meistens auf schwarzem Hintergrund, was die Wucht der Bilder noch verstärkt und den düsteren Gesamteindruck unterstützt. Die Geschichte ist verwirrend und nichts für den schwachen Magen. Im Film Noir trifft der abgehalfterte Detektiv zumeist auf eine mysteriöse Dame, die ihn tiefer in den Strudel der Ereignisse reißt. Hier ist es interessanterweise genau andersrum: Mona Griffith wird aus ihrem normalen Leben gerissen und muss sehen, dass sie lebend davonkommt.

Man muss sich schon etwas Zeit nehmen, Xoco liest sich nicht mal eben auf dem Klo. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer interessanten Gruselmär belohnt, die durch einen einzigartigen visuellen Stil mit irrwitzigen Perspektiven, teilweise annähernd fotorealistischen Zeichnungen, tollem Licht-und-Schattenspiel und angemessen bleichen Farben besticht.

Fazit: Düstere, spannende Erwachsenen-Unterhaltung!

10 Comics, die man gelesen haben sollte (Teil 4)

Mein schriftliches Staatsexamen liegt endlich hinter mir, und so kann ich meine kleine Serie zum Thema Comics fortsetzen. Heute widme ich mich einem ganz besonderen Kleinod. Und somit bestätigt sich auch ein weiteres Mal: Keine Regel ohne Ausnahme…

Don Rosa: Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden

– Vorbemerkung

Ich wäre wohl kein Comicfan, wenn ich nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt Disneys Lustige Taschenbücher gelesen hätte. Eingefleischten Fans dürfte bekannt sein, dass die Geschichten darin zum größten Teil aus Italien und nicht aus Amerika kommen. Auch einige Figuren wie Gamma aus der vierten Dimension oder Dussel Duck sucht man in den USA eher vergeblich. Doch der unbestrittene Vater der Ducks und all ihrer Geschichten ist sicherlich der Amerikaner Carl Barks. Er prägte die Charaktere wie kein anderer. Nach seinem Tod wurden immer wieder verschiedene Zeichner als Erben Carl Barks bezeichnet, und einer davon sticht dabei besonders aus der Menge heraus: Don Rosa. In Deutschland erscheinen seine Arbeiten schon länger unter dem Titel „Onkel Dagobert“ beim Ehapa-Verlag. Deren ersten 6 Bände enthielten die Geschichte, über die ich hier berichten möchte. Diese Biographie über Dagoberts Aufstieg zur reichsten Ente der Welt wurde so beliebt, dass diese 6 Bände nur noch für horrende Summen auf Tauschbörsen oder Ebay erhältlich sind. Aber Ehapa sei Dank erschien 2003 eine neue Gesamtausgabe, die zugleich Segen und Fluch ist. Mehr dazu später.

Inhalt

In 12 Haupt- und 6 Bonuskapiteln beschreibt Don Rosa detailliert den Werdegang und Aufstieg Dagoberts. Dabei liefert er Erklärungen für viele typische Eigenheiten der liebgewonnenen Figur, zeigt uns etwa, wie er zu seinem Glückskreuzer kam, seine schottischen Wurzeln, wie die Idee des Geldspeichers entstand, und wie er seine große Liebe fand. Wir lernen zahlreiche neue Figuren (und alte Bekannte neu) kennen, darunter sogar Donald Ducks Eltern! Es gibt also eine Menge zu entdecken. Doch damit nicht genug: So nebenbei eröffnet sich uns ein Stück Weltgeschichte wenn Dagobert dem Goldrausch in Alaska erliegt, in Oklahoma beim Rennen um kostenloses Land teilnimmt oder etwa auf dem Mississippi als Schaufelraddampfer-Kapitän Karriere macht.

Kritik

Zu Beginn meiner kleinen Reihe sagte ich ja, dass ich Comics schätze, die nicht so cartoonig, sondern eher detailreich gezeichnet sind. Nun, hier haben wir das Beste zweier Welten: Die Bilder von Don Rosa strotzen nur so vor liebevoller Details, klar skizzierten Hintergründen und Anspielungen auf das Werk Barks und die reale Welt. Die aufwändige Recherche, die Rosa im Vorfeld betrieben hat, macht sich überall bemerkbar. Im Vergleich zu den „normalen“ Disney-Comics können seine Bilder düsterer und überfrachtet wirken, was Puristen ihm übel nehmen. Aber ich kann mich nicht satt sehen und entdecke selbst beim wiederholten Lesen noch kleine Details, wie etwa einen fiesen Cowboy, der so abgebrüht ist, dass er eine Klapperschlange als Gürtel trägt.

Die Geschichte ist ein Meisterwerk: Don Rosa nimmt jeden auch nur klitzekleinen Hinweis Carl Barks auf, prüft ihn und integriert ihn in sein Epos. Und weil das noch nicht genügt, bastelt er noch den realgeschichtlichen Hintergrund darum. Und weil das noch nicht genügt, beleuchtet er noch ganz nebenbei die Beziehung zu vielen anderen Figuren wie Klaas Klever, MacMoneysack (den eigentlichen Erfzeind in den amerikanischen Comics) oder die Panzerknacker. Und weil das noch nicht genügt, verleiht er der Comic-Geschichte unerwartete Tiefe durch feine Psychologisierung, wenn er etwa zeigt, wie sehr Onkel Dagobert Donald und dessen drei Neffen braucht.

In seiner Gesamtausgabe trägt Ehapa leider zum Eindruck der Überfrachtung bei, weil man das Format der Hefte aus Kostengründen verkleinerte und die Bilder dementsprechend einschrumpfte. Das hilft natürlich nicht wirklich. Andererseits ist sie mit ausführlichen Artikeln zur Entstehung der Geschichten nur so gespickt. Selbst Laien, die den Namen Barks noch nie gehört haben, wird somit der Einstieg in die faszinierende Welt der Ducks enorm erleichtert.

Fazit: Wer denkt, Disney sei nur seelenloser Kommerz und Ikonen wie Dagobert Duck könne man keine neuen Facetten mehr abgewinnen, wird hier eines Besseren belehrt. Und dabei königlich unterhalten. Wer die Ducks auch nur ansatzweise mag und dieses Juwel noch nicht kennt, sollte jetzt besser schnell einkaufen gehen!

„112 – Sie retten dein Leben“ – und zum Dritten!

Nach den Artikeln „Tatü Tata: ‚112…‘ – wer rettet wen und warum?“ und „‚112 – Sie retten dein Leben‘ – eine genauere Kritik“ wenden wir uns nun also zum dritten Mal der Daily-Action-Heldenretter-Soap zu, und das aus gutem Grund. Die Resonanz zu den zweit Artikeln war groß, sowohl in den Kommentaren als auch in eMails. Und Einträge in diversen Foren zeigen, dass den Leuten vom Fach damit aus dem Herzen gesprochen wurde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger war das Anliegen der Artikel. Über die Kommentare und eMails gab es verschiedene Anregungen. Gleichzeitig wurden über DWDL.de die Quoten von „112…“ veröffentlicht – und siehe da, nach einem relativ guten Start begannen die Quoten in der zweiten Woche zu fallen. Ich kann nur mutmaßen, aber ich denke, dass das zu einem guten Teil dem Umstand geschuldet ist, dass die Serie nicht wirklich etwas neues bietet. Action hat man bei „Alarm für Cobra 11“ mehr und mit höherem Aufwand umgesetzt, und die „Soap“-Handlung gibt es so in unzähligen anderen Serien („Unter uns“ oder „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, um nur zwei zu nennen). Es wurden eben nur die Hintergrundkulissen ausgetauscht, die Schauspieler im Vordergrund spielen immer noch das selbe vorhersehbare Stück.

Dank der Resonanz von verschiedenen Leuten konnte ich nun auch andere Sichtweisen verifizieren und stellte erfreut fest, dass ich mit meinen Einschätzungen so falsch nicht lag. Lediglich von der Seite der Polizei habe ich konkret noch keine Rückmeldung bekommen, aber das mag möglicherweise damit zusammenhägen, dass die Polizisten in den meisten der bisher gezeigten Folgen bei den Einsätzen zur Staffage gemacht wurden und lediglich Florian Carstens in der Soap-Handlung eine größere Rolle spielen durfte (die aber wiederum mit Polizeiarbeit nichts zu tun hat). In den anderen beiden Beiträgen habe ich über konkrete Folgen geschrieben, heute geht es um das Generelle. Weitere Folgen habe ich mir übrigens bisher wirklich nicht angetan.

  • Die Grundprämisse der Serie: Kooperation von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei

In den ersten fünf Folgen wurde darüber nichts erzählt, jedoch lässt die Pressemitteilung von RTL genau das vermuten: die Grundprämisse der Serie ist die Kooperation von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei unter einem Dach als eine Art Pilotprojekt. Die Frage, die man sich als Mitarbeiter der Hilfsorganisationen stellen muss, ist: Welche Art Synergieeffekt würde man sich davon versprechen? Denn auf sowas würde eine Überlegung, die drei Organisationen zusammen zu legen, schließlich beruhen. Allerhöchstens, indem man die Verwaltungen zusammenschließt, doch da stösst man sehr bald auf ein Problem: die drei Organisationen stammen von drei verschiedenen Verwaltungsstellen. Die Feuerwehr ist Sache der Stadt, der Rettungsdienst wird vom Landkreis vergeben, und die Polizei vom Bundesland. Man müsste also einen Topf aufmachen, in den die drei Verwaltungsstellen einzahlen, und aus dem dann der Zusammenschluss finanziert wird. Und da kommen wir zu den altbekannten Problemen, denn natürlich will keine der drei Stellen zu viel einzahlen. Die Rückfinanzierung wird dann auch schwierig: die Polizei und Teile der Feuerwehrarbeit werden aus Steuern finanziert, der Rettungsdienst durch die Krankenkassen. Beispiel: Bei einem Verkehrsunfall, bei dem der Verletzte durch die Feuerwehr aus seinem Auto befreit werden muss, wird die Hilfeleistung der Feuerwehr durch Steuern abgedeckt, dafür wird keine Rechnung gestellt. Die Krankenkasse des Patienten zahlt den Einsatz vom Rettungsdienst.

Dass eine so „behördenübergreifende“ Kooperation schwierig ist, will ich anhand von zwei Fällen demonstrieren, den ich persönlich vor einiger Zeit erlebt habe. In tiefster Nacht wurden wir (Rettungswagen) zu einem Verkehrsunfall im Wald zwischen Ortschaft A und Ortschaft B gerufen. Als wir den Unfall gefunden hatten, stellte sich heraus, dass der Patient eingeklemmt war und wir die Feuerwehr brauchten. Ich gab per Funk an die Leitstelle weiter, sie solle Notarzt und Feuerwehr alarmieren. Daraufhin kam die Rückfrage, wo genau wir denn seien – auf der Gemarkung von Gemeinde A oder auf der Gemarkung von Gemeinde B? Es war stockfinstere Nacht und mein Kollege und ich hatten uns darauf konzentriert, den Unfall zu finden – ich wusste nicht, wie weit wir in den Wald eingefahren waren, und ob wir noch bei A, oder doch eher bei B seien. Was war der Hintergrund dieser Frage? Ganz einfach – leider kompliziert: Wie sich später herausstellte, befanden wir uns noch auf der Gemarkung von Gemeinde A, deren Feuerwehr ich glücklicherweise angefordert habe. Wären wir aber auf der Gemarkung von Gemeinde B gewesen, so hätte die Gemeinde A der Gemeinde B eine Rechnung für den Einsatz stellen können. Denn: Für Feuerwehreinsätze ist immer die jeweilige Gemeinde verantwortlich, und keine Gemeinde möchte auf den Kosten für einen Einsatz in „fremden Gebiet“ sitzenbleiben. Und das hätte natürlich bei Gemeinde B böses Blut gegeben, denn statt Gemeinde A zu bezahlen, sehen die natürlich lieber ihre eigene Feuerwehr ausrücken.

Der zweite Fall war eigentlich ein internistischer Notfall, ein ziemlich übergewichtiger Mann erlitt einen Herzinfarkt in seiner Wohnung. Das Treppenhaus war so verwinkelt und eng, dass wir (2 Mann vom Rettungswagen, Notarzt und Rettungsassistent vom Notarzteinsatzfahrzeug) den Patient dort nicht hätten heruntertransportieren können. Also forderten wir die Feuerwehr mit der Drehleiter an, die den Patient durch das Fenster rettete. Einige Wochen später bekam ich einen Anruf von der Gemeindeverwaltung. Der Mann, der am Telefon war, kannte den Patienten offenbar persönlich, denn er war gut ob dessen Leibesfülle informiert. Er wollte wissen, ob der Einsatz der Drehleiter medizinisch gerechtfertigt gewesen sei, oder ob wir die einfach nur angefordert hätten, damit wir den schweren Mann nicht die Treppe heruntertragen müssen. Der Unterschied wäre gewesen: Im ersteren Fall (der hier vorlag) muss die Gemeinde den Einsatz tragen, denn zur Rettung ist die Feuerwehr ja da (unter anderem). Im letzteren Fall wäre der Einsatz meinen Arbeitgeber in Rechnung gestellt worden.

Glaubt tatsächlich jemand, unter diesen Voraussetzungen würde eine Kombination von drei zuständigen Verwaltungsstellen gut gehen? Im Gegenteil, die Buchhalter würden sich wahrscheinlich bis auf den Cent gegenseitig vorrechnen, dass die Feuerwehr aber… der Rettungsdienst aber… die Polizei aber… Kurz: Jeglicher Synergieeffekt würde in kleinkarierten Streitigkeiten verpuffen. Ein echter Synergieeffekt ergibt sich nur, wenn Hilfsorganisationen mit ungefähr den gleichen Aufgabengebieten zusammengeschlossen werden. Für den Rettungsdienst wäre das zum Beispiel die Einrichtung eines medizinischen Rettungszentrums, in dem niedergelassene Ärzte mit verschiedenen Fachgebieten ihre Praxen haben, von denen manche noch als Notarzt fahren, der Rettungsdienst und Krankentransport integriert ist (Verwaltungseinheit, da alle mit den Krankenkassen abrechnen) und sich dort zudem noch eine Apotheke befindet, so dass der Rettungsdienst seine Materiaien zum Einkaufspreis bekommt. Wenn man die Dienste, die verschiedene Hilfsorganisationen noch dazu anbieten (häusliche Krankenpflege, Hausnotruf, Behindertenfahrdienst), mit dazu nimmt, dann ergeben sich Synergieeffekte. Ob eine Verwaltung nun mit den Krankenkassen Arztbehandlungen abrechnet oder Krankentransporte, ist eigentlich egal – die Stelle und Funktion ist die gleiche.

  • Handwerkliche Fehler

Ein großes Manko der Serie ist, dass sie – Entschuldigung für das Wort, aber es stimmt in seiner vollen Härte – billig produziert wird. Vermutlich geht ein Großteil des Budgets für den „Notfall des Tages“ drauf, so dass man sich um den Rest nicht so bemühen kann. Und so kommt es in jeder Folge zu irgendwelchen handwerklichen Fehlern. Das Beispiel, das auch in den Kommentaren am Häufigsten genannt wurde: Es werden Fahrzeug A, B und C alarmiert, man sieht aber B, C, D und E ausrücken – und am Notfallort kommen ganz andere Autos an. Der Hintergrund, so habe ich erfahren, ist, dass die „Ausrückszene“ an einer realen Wache mit modernen Fahrzeugen gedreht wurde, beim Dreh am Unfallort aber die Fahrzeuge einer bestimmten Firma kommen, die auch in anderen Produktionen das „Rettungsequipment“ für die Produktionsfirma stellt.

Dann sind da unzählige Anschlussfehler (nein, „Anschlussfehler“ hat nichts mit den Dritten Reich und Österreich zu tun, das war zwar auch ein „Anschlussfehler“, aber beim Film heißt es, dass man nicht auf die Ausstattung der Szene vom einen Dreh zum anderen achtet und im Film der Schauspieler beispielsweise plötzlich, nachdem er durch eine Tür gegangen ist, eine andere Jacke oder Krawatte trägt). Die Polizisten haben in der Wache ihre Dienstpistolen im Halster, nachdem sie alarmiert wurden, sind die Halster plötzlich leer und die Polizisten rüsten sich erst mit den Dienstwaffen aus. In einer anderen Folge wird eine Versicherung mal „AAV“ und mal „VAA“ genannt. Die Fahrzeuge verwandeln sich nicht nur ständig auf der Fahrt zum Einsatzort, mal sind auch auf einmal doppelt so viele Fahrzeuge vor Ort, wie eigentlich alarmiert wurden. In Folge 1 tragen die Polizisten andere Wappen als in den anschließenden Folgen. In einigen Szenen sind die Fahrzeuge zwar mit deutlich hörbarem Martinshorn unterwegs, das Blaulicht ist aber aus (und das geht definitiv NICHT, da wurde bei der Nachvertonung gepfuscht. Wenn das Blaulicht nicht an ist, geht das Martinshorn nicht. Punktum! Basta!).

Und auch wenn offenbar nicht sehr viele Fachleute an der Produktion mitarbeiten, gibt es ein paar Dinge, die einem einfach die Logik gebietet, etwa dass bei einem Unfall mit einem Motorradfahrer die Drehleiter nicht zu den ersten Fahrzeugen gehört, die mit ausrücken. Doch damit sind wir schon beim nächsten Themengebiet.

  • Foierwähr, Redungsdinzt und Bolitsei – oder wie schreibt man das noch gleich?

Die Ahnungslosigkeit, mit denen die Schreiber bei der Serie ans Werk gehen, tritt mit jedem neuen Skript immer wieder zutage. Sie haben keine Ahnung von Medizin, keine Ahnung von Brandbekämpfung, keine Ahnung von Polizeiarbeit und keine Ahnung von den Abläufen bei den Organisationen.

Die Funkdisziplin… existiert nicht. Gut, im wahren Leben wird auch nicht immer die Form gewahrt, für Einsatzgespräche redet man sein Gegenüber aber nicht mit dem Namen (!) an, sondern mit dem Funkrufnamen seines Fahrzeugs oder Standortes (wahlweise auch seines Funkgerätes, wenn es sich um ein tragbares handelt).

Auch wird ein Feuerwehrkommandant niemals die Anweisung „Hop, hop, hier geht’s rein!“ geben. Gerade bei der Feuerwehr sind Abläufe sehr genau festgelegt. Es handelt sich um Menschengruppen, die hier im Einsatz sind, und es ist wichtig, dass jeder weiß, was genau zu tun ist, wenn eine Anweisung kommt. Und: Ein Einsatzleiter wird sich – entgegen dem Verhalten von Bender in Folge 2 – nie selbst an direkten Maßnahmen beiteiligen, wenn genügend Personal vorhanden ist. Seine Aufgabe ist es, den Überblick zu behalten und die Einsatzkräfte zu koordinieren. Dass Bender als Einsatzleiter in der genannten Folge selbst Atemschutz anlegt und in den Keller rennt, um seine Kollegen zu warnen, hätte jemand anders genauso gut machen können, mal ganz davon abgesehen, dass es bei einem Innenangriff in einem brennenden Gebäude gewisse Vorschriften für das Vorgehen der Feuerwehr gibt (Stichwort „Sicherungstrupp“). Es hätte also auch andere Möglichkeiten gegeben, die Leute im Keller zu warnen – aber was man nicht weiß, macht die Gasleitung heiß, so dass sie explodiert. Oder wie hieß es in der „RTL Freitag Nacht News“-Parodie „Alarm für Kebap 11“ immer? „Große Bümms mit Gasleitung und Feuerwehrmann fliegt durch Luft voll krass!“

  • Die etwas anderen Konsquenzen in der Realität

Immer wieder kam auch in Diskussionsrunden der Einwand, man solle die Serie einfach nicht ernstnehmen und links liegenlassen. Es sei schließlich keine Doku. Kein Polizist, so hieß es, wird sich zum Beispiel ernsthaft mit „Alarm für Cobra 11“ auseinandersetzen. Warum stößt ausgerechnet diese Serie so übel auf?

„Cobra 11“ ist natürlich ein Extrembeispiel. Die Geschichten sind dermaßen auf Action ausgelegt und so völlig überzeichnet, dass sie fast schon als Comedy durchgehen würden. Es wird dadurch sehr deutlich gezeigt: das hier geht nicht! Niemand hüpft so mit Autos durch die Gegend und steigt dann unverletzt aus. Außerdem spielen die Geschichten in einer Umgebung, die nicht jeden von uns betrifft: Verbrechen. „Cobra 11“ rückt nicht zu einem Auffahrunfall auf der Autobahn aus, um dann die Bremsspuren mit Kreidestrichen zu markieren, Überfälle, Mord und Totschlag sind ihr „täglich Brot“.

„112…“ hingegen bewegt sich in einem Bereich, der jeden betrifft oder betreffen kann. Nicht umsonst ist das Absolvieren eines Kurses über „lebensrettende Sofortmaßnahmen“ Pflicht, wenn man den Führerschein machen will. Es ist also von daher schon sehr viel näher an den Menschen, als „Cobra 11“. Und weil es nicht dermaßen überzeichnet ist, sind Menschen, besonders wenn sie sich mit der Materie direkt nicht auskennen, auch viel eher bereit, die Geschichten als „einigermaßen real“ anzusehen. Und da wird es gefährlich, denn wie ich schon in den anderen Beiträgen geschrieben habe, gibt es Menschen, die durchaus Dinge aus solchen Serien ziehen und für echt halten. Die dann glauben, mitreden zu können.

Es wäre sicherlich eine Diskussion wert, ob man in der Gesellschaft möglicherweise ein gesunden Umgang mit den fiktiven Medien lernen muss. Haben Menschen verlernt, die Linie zwischen Realität und Fiktion zu ziehen? Und woran mag das liegen? Kommt den Menschen ihr eigenes Leben zu langweilig vor, dass sie sich mit den Heldenrettern identifizieren müssen? Geschichten sollen uns helfen, vom Alltag Abstand zu gewinnen und für eine gewisse Zeit in eine andere Welt einzutauchen. Haben einige von uns verlernt, aus dieser Welt wieder herauszukommen? Geschichten sollen außerdem dazu anregen, nachzudenken, indem die Handlungen gewisse Dinge in Frage stellen oder eine andere Sichtweise zeigen. Können das einige von uns nicht mehr? Muss die Handlung deswegen möglichst seicht und ohne Tiefgang sein, damit man nicht zu sehr nachdenken muss? Und das führt zu der berühmten Frage mit der Henne und dem Ei: Schauen die Menschen die seichten Geschichten, weil das Fernsehen sie ihnen vorsetzt – oder zeigt das Fernsehen die seichten Geschichten, weil die Menschen sie anschauen?

Also bleibt uns, den Mitarbeitern der jeweiligen Hilfsorganisationen, nur, den Schaden zu begrenzen, indem wir aufklären. Erste-Hilfe-Maßnahmen lernt man nicht im Fernsehen und in der Realität haben echte Helden zumeist eine Gemeinsamkeit: sie sind tot!

Es gibt schon genügend Menschen, die sich Gedanken darum machen, ob der Aufwand wohl gerechtfertigt ist, obwohl sie doch „nur“ Schmerzen am Herz haben. Diesen Menschen muss man vermitteln, dass eben nicht ein ganzer Löschzug, ein Rettungswagen und zwei Polizeiautos ausrücken, nur weil die Oma wieder Probleme mit dem Herz hat. Wenn man den Notruf wählt, kommt genau die Hilfe, die man braucht.

Obwohl es sicher lustig anzusehen wäre, wenn ein Löschzug vorfährt, die Feuerwehrler aussteigen, der Kommandant den Befehl gibt: „Über die zweiwendelige Eingangstreppe zur Herzinfarktbekämpfung ins Wohnzimmer von Frau Krause – VOR!“, und dann zehn Mann bei der armen alten Dame ins Haus stürmen.

Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte…

UPDATE: Neueste Entwicklungen zum Thema „112…“ gibt es in diesem Beitrag: „‚112…‘ zum Vierten: Sie rettet nun keiner mehr„. Deswegen wurde die Kommentarspalte in diesem Beitrag geschlossen, Kommentare bitte nur noch beim neuen Beitrag.

CSI – Staffel 7: Finaaale – wo-ho?

Die Staffel 7 von „CSI – Den Tätern auf der Spur“ wurde beherrscht von der Jagd nach dem so genannten „Miniaturen-Mörder“. Doch RTL ließ die deutschen Zuseher im Regen stehen – das Finale der Staffel, in dem man dem Geheimnis auf die Spur kommen sollte, wurde nicht ausgestrahlt. Nur nur das – auch die vorletzte Folge, in der die Domina Lady Heather einen weiteren Auftritt haben würde, wurde ebenso im Schrank gelassen. Es wurde angekündigt, die fehlenden zwei Folgen zum Start der neuen Staffel zu zeigen. Warum man sie bisher nicht zeigte, habe ich nicht verstanden. Ich führte das zunächst auf den Autorenstreik zurück, denn wie auch „CSI: Miami“ und „CSI: New York“, so umfasst auch die 2007/2008 in den USA produzierte Staffel 8 weniger Folgen, nämlich statt 24 nur 17. Die zwei aufgesparten Folgen hätten die mögliche Laufzeit der neuen Staffel immerhin auf 19 Wochen verlängert. Doch nun sendet RTL heute die beiden noch fehlenden Episoden hintereinander. Die Doppelfolge wird damit mit einem Cliffhanger enden, bevor es nächste Woche weitergeht – und tatsächlich Staffel 8 startet. Wir sehen also 18 statt 17 Wochen neue Folgen. Immerhin!

CSI: NY – Staffel 4 beginnt

In meinem Beitrag über die RTL-Serie „112 – Sie retten dein Leben“ hatte ich geschrieben, dass ich mich nun wieder angenehmeren Dinge zuwenden werde. Und schon ist es soweit:

Nachdem die 3. Staffel von „CSI: NY“ mit einem furiosen Finale beendet wurde (worüber ich mir hier ein paar kritische Gedanken gemacht habe), beginnt heute VOX mit der Ausstrahlung der Staffel 4. Wie bei „CSI: Miami“ ist auch diese Staffel aufgrund des Autorenstreiks Ende letzten Jahres nur 21 statt der gewohnten 23 Folgen lang.

Anlässlich des Serienstarts beantwortet Michael Reufsteck für das „Fernsehlexikon“ die Frage, warum die Ermittler bei CSI immer mit den Taschenlampen suchen, anstatt das Licht anzumachen und hat noch eine kleine Dreingabe: Ein Interview mit Gary Sinise, das er seinerzeit für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ gemacht hat. Zu finden ist es hier: Mac-Lite.