Einmal war es so, dass ich plöztlich den Boden unter den Füßen zu verlieren schien. Der Grund, auf dem ich eben noch stand, verwandelte sich in eine zähe, schwarze Masse, in die ich einsank. Erschrocken blickte ich mich um und erkannte, wohin ich mich wenden musste, um zu entkommen. Beschwerlich bewegte ich mich aus der Masse, die mein Gefängnis zu werden drohte und erreichte festes Land. Jetzt sah ich mich um und erkannte, dass ich am Rande von etwas stand, das ein Tümpel zu sein schien; ein schwarzer, tiefer Sumpf. Ich gebe zu, dass ich verwirrt war, denn ich glaubte bis eben noch, auf festem Land, auf Fels gelaufen zu sein. Doch nun war da dieser Sumpf.
Während ich mich noch wunderte, kam Bewegung in die Masse vor mir und aus der Bracke erhoben sich zwei Köpfe. Ich konnte einen Schreckensschrei nicht unterdrücken, glaubte ich doch, ein zweiköpfiges Monster erhebe sich aus dem Sumpf, von solcher Hässlichkeit waren die zwei Köpfe. Doch dann kam der Körper aus dem Schwarz und ich sah, dass es zwei Körper waren. Mein Monster waren also zwei Monster, was die Situation nicht besser machte. Ihre Haut – wo man diese durch die zähe, schwarze Masse des Sumpfes, die an ihnen kleben geblieben war, sehen konnte – hatte ein seltsames Muster von grün und gelb und schien aus Schuppen zu bestehen, die Gesichter waren eine merkwürdige Parodie eines menschlichen Gesichtes, verzerrt und entstellt.
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und rief: „Wer seid Ihr?“
„Neid.“
„Missgunst.“
Die Antworten waren knapp und präzise, aber nicht umso weniger erschreckend. „Was wollt Ihr von mir?“, war meine nächste Frage.
„Was hast Du den Sumpf verlassen?“, kam es zurück, ohne meine Frage wirklich zu beantworten.
„Ich hatte Angst, in den dunklen Tiefen zu versinken!“, antwortete ich dennoch, aber nicht, um meine Frage zu wiederholen: „Was wollt Ihr von mir?“
„Der Sumpf ist unser Herr. Er will nicht, dass Du gehst. Du sollst bleiben.“
„Das hat der Sumpf nicht zu bestimmen!“
Und ohne jedes weitere Wort ging ich weiter. Neid und Missgunst blieben zwar an ihrer Stelle, doch schien mir, dass sie mich genau beobachteten, während ich am Ufer des Sumpfes entlang ging, das von einem steilen Hang gebildet wurde und das Fortkommen beschwerlich machte. Stets musste ich aufpassen, dass ich nicht bei einem Fehltritt in die Schwärze stürzte. So lief ich denn weiter, bis ich an eine Stelle kam, an der ich eine merkwürdige Entdeckung machte. Da standen Menschen auf kleinen Felsen im Sumpf. Der Stein unter den Füßen eines jeweiligen war dabei kaum etwas größer als die Füße selbst und direkt daneben und drumherum die dunkle Masse. Die Menschen bewegten sich nicht und ich nahm an, das war, weil sie sonst befürchten mussten, in den Sumpf zu fallen. Ich grübelte. War mir gleiches widerfahren? Doch mein Geist gab keine Antwort. Ich wusste nicht, was genau passiert war, also rief ich die Menschen auf den Steinen an.
„Heda!“, rief ich also, „Was tut Ihr da?“
„Unsere Sache!“, keifte mich einer an, „Du verstehst davon nichts, lass uns in Ruhe und gehe Deiner Wege!“
„Aber Ihr seid in ständiger Gefahr, abzustürzen! Wollt Ihr nicht einen Sprung wagen ans Land, wo ich stehe?“
„Wir stürzen nicht ab!“, rief jener, der mir zuvor schon geantwortet hat, „Verschwinde, Du verstehst davon nichts!“
„Sprichst Du für alle?“, fragte ich zurück, „Könnt Ihr anderen denn nicht für Euch selbst sprechen?“
„Du verstehst nicht!“, brüllte da ein anderer und eine Frau rief: „Verschwinde!“
„Was ist mit Euch anderen?“, sprach ich jene an, die bis dahin stumm geblieben waren. Doch da sah ich: diese hatten keine Gesichter und keine Ohren. Sie hörten nicht, sie sahen nicht, sie sprachen nicht. Und ein Gefühl der Traurigkeit überkam mich, dass keiner mich anhören wollte, also ging ich weiter.
Nach einer kleinen Weile endlich wurde der Weg besser, denn der Hang wandelte sich in eine Ebene. Hier sah ich etwas merkwürdiges; eine Prozession von Menschen (ich nahm zu diesem Zeitpunkt nur an, dass es sich um solche handelte) in grauen Kutten mit Masken vor den Gesichtern. Diese Masken bestanden aus einer glatten Fläche, die die Umgebung wiederspiegelte. Nicht mehr. Keine Konturen, nichts. Die Prozession ging bis an den Rand des Sumpfes und ich überlegt, ob ich wohl warnen sollte, doch schon begannen die Vordersten, seltsame Bewegungen mit ihren Armen auszuführen. Das ging eine zeitlang so, bis schließlich einer von denen in die Hände klatschte und sich die Versammlung aufzulösen schien. Einige nahmen nun die Masken ab; andere nicht. Mir näherten sich eine Frau und ein Mann, die in ein angeregtes Gespräch vertieft schienen, während andere wie angewurzelt stehenblieben und nichts taten. So befremdlich war die Situation, dass ich nicht umhin kam, die Frau und den Mann anzusprechen.
„Verzeihung“, sagte ich, „welchem Ereignis durfte ich soeben beiwohnen?“
„Das Zusammentreffen einer Gemeinschaft“, sagte die Frau.
„Und was taten die Leute in der ersten Reihe?“
„Sie huldigten dem Sumpf.“
„Und Ihr nicht?“
„Wir sind wegen der Gemeinschaft hier“, sprach nun der Mann, „nicht wegen dem Sumpf.“
„Die Gemeinschaft zählt, nicht der Sumpf“, bestätigte die Frau.
„Was ist aber, wenn man von Euch auch verlangt, dass Ihr dem Sumpf huldigen sollt?“
„Wenn man es unbedingt verlangt“, versetzte die Frau geheimnisvoll, „so werden wir nach dort gehen und da bleiben.“
Sie deutete in eine Richtung, weg vom Sumpf. Dort sah ich ein Lagerfeuer, um das sich viele Menschen versammelt hatten. Ich dankte meinen Gesprächspartnern und wandte mich dahin. Die Menschen saßen auf einer Bank, die in einem Kreis das Lagerfeuer umspannte, und waren in viele Gespräche verwickelt.
„Verzeihung“, sprach ich etwas schüchtern, „ich fürchte, ich habe den Weg verloren in dieser Gegend, kann mir wohl jemand helfen?“
„Du hast den Weg nicht verloren“, entgegnete mir einer, „denn Du hast hierher gefunden. Was ist passiert?“
„Ich verstehe es nicht“, gab ich zu, „eben noch schien es mir, ich würde mich auf festem Weg befinden, und in der nächsten Sekunde stecke ich im Sumpf, und die zwei Monster Neid und Missgunst versuchen, mich zu greifen.“
Nun erhob sich einer, ein Bär von einem Mann mit tiefer Stimme, mit der er aber sanft sprach: „Wir alle entkamen dem Sumpf und wollen nicht, dass er sich nach hierher ausbreitet, denn das ist es, was Neid und Missgunst tun. Wenn wir es können, werden wir Dir helfen.“
„Kämpft Ihr denn gegen den Sumpf?“
„Nein“, sagte jener und schüttelte den Kopf, „denn was passiert, schlägst Du mit einem Stock in den Sumpf? Für eine sehr kurze Zeit bildet sich ein Loch, aber schneller als Du schauen kannst, fließen die zähen Massen wieder zusammen und das Loch ist wieder geschlossen. Wir helfen nur jenen, die sich vom Sumpf entfernen; möge mit dem geschehen, was will. Seine Energie zieht der Sumpf von denen, die er gefangen hält.“
Und in dem Moment, da er dies sagte, kehrte meine Erinnerung zurück: Auch ich war einmal in der Prozession gewesen. Doch ich verweigerte die Huldigung. Da wandelte sich der Fels unter mir in brackiges Wasser und der Sumpf wollte mich verschlingen. Ich jedoch entkam.
Entkam ich wirklich? Wie ich zurücksah zum Sumpf, da erkannte ich Neid und Missgunst an dessen Ufern, die die Fäuste hoben und mir drohten. Und Wut ergriff mich, Wut auf diesen Sumpf, den Tümpel, und der Wunsch kam ihn mir auf, die schwarze Masse in ein kleines Loch zu treiben und dieses mit einem schweren Stein zu verschließen, damit niemand mehr von ihm Schaden nehmen sollte.
Da legte der, mit dem ich zuerst gesprochen hatte, seine Hand auf meine Schulter. „Nein“, sprach er, als hätte er meine Gedanken gelesen, „wenn Du das tust, wirst Du selbst zum Sumpf. Jeder von uns trägt ihn in sich, wir mögen es nicht, wir reden nicht darüber. Aber wenn wir nicht aufpassen, bahnt er sich den Weg nach draußen. Es reicht nicht, einmal eine Entscheidung zu treffen, ob man der Dunkelheit tief drinnen nachgeben will oder nicht. Diese Entscheidung ist ständig gefragt, nicht nur einmal, nicht nur täglich, sondern bei jeder neuen Wahl, vor die einen das Leben stellt. Und je häufiger wir dem Sumpf nachgeben, desto mehr werden wir er, auch wenn wir uns selbst vormachen, nur ehrlich, direkt, oder uns selbst treu zu sein. Wir hier wollen nicht vernichten, denn wir wissen, eines Tages wird der Sumpf sich selbst vernichten.“
„Wann wird das sein?“, war meine Frage.
„Wer weiß? Ist das wichtig?“
Und ich erkannte, dass es nicht wichtig war. Und während ich Platz nahm am Lagerfeuer, einem hellen Punkt in dieser dunklen Umgebung, geschah es, dass der Vorhang zerrissen wurde und ich mich – nach einer kurzen Phase der Verwirrung – in meinem Bett inmitten zerwühlter Kissen und einer Bettdecke wiederfand.
Es war also alles nur ein Traum. Sollte ich sagen: Zum Glück?
Ein Satz zum Thema…
Ein Satz zum Thema „Ministerpräsident Öttinger und die Trauerrede zu Filbingers Beerdigung„:
Si taccuisses, philosophus mansisses.
Auf Deutsch: „Wenn Du geschwiegen hättest, wärest Du Philosoph geblieben.“
(Boëthius, Trost der Philosophie, II, 7)
Dem ist nichts hinzu zu fügen.
Die Abmahnwelle – Unterwegs in Sachen "Blogger"
An dieser Stelle sei auf einen Beitrag der „Tagesschau“ verwiesen, in dem ein Jurist Stellung nimmt zur derzeit grassierenden „Abmahnwelle“ im Internet. Der Beitrag findet sich hier!
Die Abmahnwelle – Unterwegs in Sachen “Blogger”
An dieser Stelle sei auf einen Beitrag der „Tagesschau“ verwiesen, in dem ein Jurist Stellung nimmt zur derzeit grassierenden „Abmahnwelle“ im Internet. Der Beitrag findet sich hier!
Die Abmahnwelle – Unterwegs in Sachen “Blogger”
An dieser Stelle sei auf einen Beitrag der „Tagesschau“ verwiesen, in dem ein Jurist Stellung nimmt zur derzeit grassierenden „Abmahnwelle“ im Internet. Der Beitrag findet sich hier!
"STAR WARS: Labyrinth des Bösen" von James Luceno
Obi-Wan: „Wenn ich nur etwas langsamer gewesen wäre…“
Anakin: „Meister, Eure Angst ist nur in Eurem Kopf!“
Obi-Wan: „Ach so, dann denkst Du also, dass ich ohne Kopf keine Angst mehr hätte?“
(aus Labyrinth des Bösen. Obi-Wan und Anakin diskutieren über ein riskantes Manöver von Anakin mit seinem Lichtschwert.)
Auf die Geschichte wurde ich aufmerksam, weil sie nicht nur als Roman erschienen ist, sondern auch als Hörspiel bearbeitet wurde. Sie schließt eine Lücke zwischen Episode 2 und Episode 3. In der Galaxis toben die Klon-Kriege, doch die Republik gewinnt langsam die Oberhand. Mit Cato Neimodia steht nun die Welt des Vizekönig Gunnray, einer der Anführer der Separatistenbewegung, vor dem Fall. Gunnray selbst ist auf seine Heimatwelt zurückgekehrt, um seine Besitztümer in Sicherheit zu bringen und Spuren zu verwischen. Letzteres gelingt ihm nur schlecht, denn Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker finden einen Stuhl, der sie auf die Spur der Separatistenführer bringt, die neben Count Dooku von einem Cyborg unterstützt werden. Sein Name: General Grievous…
Die Geschichte nimmt sich einiger ungeklärter Fragen an. Zum Beispiel der, wer die Klon-Armee in Auftrag gegeben hat, die die Republik so bereitwillig in ihrem Krieg benutzt. Wie wurde Grievous zu einem Cyborg? Wie kam es zum Angriff auf Coruscant (am Anfang von Episode 3)? Und warum hustet Grievous so furchtbar? Sogar auf das in Episode 3 erwähnte Training von Grievous, das er von Dooku erhielt, wird eingegangen. Die Geschichte fügt sich dabei nahtlos zwischen die zwei Episoden ein und widerspricht den Filmen nicht, im Gegensatz zu manch anderen Romanen. James Luceno hat ein würdiges „Bindeglied“ zwischen den zwei Filmen geschaffen, das natürlich offen endet, weil es ja an den Anfang von Episode 3 passen muss.
Die Hörspiele sind nochmal eine Klasse für sich. Die Geschichte ist in drei etwas über eine Stunde lange Teile aufgeteilt worden, damit ist sie insgesamt länger als ein STAR-WARS-Kinofilm. Sie sind die ersten STAR-WARS-Hörspiele, die nicht von einem Film stammen und können damit das Medium voll ausnutzen, was sie auch tun. Während es bei den Hörspielen zu den Filmen unerlässlich ist, dass der Erzähler dem Hörer die Szenerie ausführlich schildert, wird dieser hier nur spärlich und bei absoluter Notwendigkeit eingesetzt. Den Rest erklären die handelnden Figuren selbst, was für etwas mehr Tempo sorgt. Hervorzurheben ist ebenfalls, dass alle Synchronsprecher, die man schon von den Filmen kennt, hier zum Einsatz kommen und somit kein Bruch entsteht. Leider bleibt dadurch das Geheimnis um Darth Sidious keines, weil man sehr deutlich hört, wer hinter dem dunklen Lord steckt. Hier hätte man entweder die Stimme von Sidious verzerren (ähnlich wie es dann in Episode 3 geschah in der Szene zwischen Anakin und Sidious) oder für den Sidious-Part – wie bei der Synchronisation von Episode 1 – die Stimme von Bert Franzke nehmen müssen. Dieser Fauxpas stört das positive Gesamtbild eigentlich nicht, aber das muss jeder für sich entscheiden.
Natürlich wurden für das Hörspiel die original Toneffekte und die Musik von John Williams verwendet, anderenfalls wäre es nicht STAR WARS. Positiv fällt auf, dass die Titelmusik nur am Anfang der ersten CD gespielt wird, was den inneren Zusammenhalt der Geschichte fördert. Es sind eben nicht drei Teile, sondern drei Kapitel eines Teils. Als STAR-WARS-Fan kann man eigentlich nur sagen: Weiter so. Richtig interessant wäre es, wenn man sich dazu entschließen könnte, einen oder mehrere der Romane, die nach Episode 6 spielen, zu vertonen, natürlich auch mit den richtigen Sprechern (Hans Georg Panczak als Luke Skywalker, Susanna Bonaséwicz als Prinzessin Leia, Wolfgang Pampel als Han Solo und Joachim Tennstedt als C3PO). Mal sehen, was die Zukunft bringt.
„Labyrinth des Bösen“ bei AMAZON.de:
Star Wars. Labyrinth des Bösen. – Der Roman von James Luceno
„Labyrinth des Bösen“ bei Libri.de:
„Labyrinth des Bösen“ – Der Roman
Dieh doitsche Rächtschraipunk: Werft den Purchen zu Poden!
So langsam muss ich sagen, dass mir das Lesen von Beiträgen in Foren immer weniger Spass macht. Warum? Weil man sich manchmal fragen muss, wo manche Menschen ihre Kenntnisse im Bezug auf die deutsche Schriftsprache hernehmen. Beziehungsweise, man muss es sich immer häufiger fragen.
Bevor das spitzfindige Kommentare hervorruft: Ja, auch ich bin nicht perfekt. Aber ich rede hier auch nicht von Spitzfindigkeiten und ganz besonders nicht von den Dingen, die durch die Rechtschreibreform verursacht wurden. Es geht nicht darum, ob „Dichlordiphenyltrichloräthan“ wirklich so geschrieben wird oder ob man das Anrede-„Sie“ groß oder klein schreibt (zur Information: das kann man halten, wie man will, man darf nur nicht beide Formen mischen). Es geht auch nicht um Tippfehler, die manchmal passieren. Es geht um Dinge, die ein Grundschüler eigentlich bereits gelernt hat.
In immer mehr Internet-Foren stelle ich fest, dass manche Menschen einen sehr – gelinde gesagt – „kreativen“ Umgang mit der deutschen Schriftsprache pflegen. Dehnungs-„h“s und -„e“s werden nach Gefühl eingesetzt oder weg gelassen, „ä“ wird zu „e“ (obwohl man in der korrekten Aussprache des Wortes deutlich hört, welcher Buchstabe richtig ist) und die Taste mit dem Komma scheint generell zu klemmen (um es mit Bastian Sick zu sagen: „Setze Kommas, nicht, einfach, irgendwo!“). Von Satzkonstrukten, die man dreimal durchlesen muss, um einmal zu verstehen, was der Schreiber gemeint haben könnte, mal ganz abgesehen.
Ich habe mich gefragt, woher das wohl kommen mag. Der Großteil mag der Bequemlichkeit geschuldet sein. Und da haben Textverarbeitungsprogramme ihren Teil mitzutragen. Diese verfügen nämlich über eine automatische Korrektur, schreibt man was falsch, wird es rot unterstrichen und auf Knopfdruck die richtige Form angeboten. Sowas kann faul machen, das bestätigte mir auch die Geschichte von einem Bekannten. Bei ihm ging es nicht um Rechtschreibung, sondern ums Autofahren. Dieser Bekannte ist dienstlich nämlich sehr viel mit dem Auto unterwegs und er benutzt schon seit Jahren ein Navigationssystem. Neulich erzählte er mir, dass er ohne dieses völlig verloren wäre, er würde nicht einmal mehr die Orte finden, an denen er eigentlich schon sehr häufig war. Das Navigationssystem hat ihm das Denken über die Strecke abgenommen, deswegen hat er sie sich nicht eingeprägt. Ähnlich verhält es sich mit dem Korrekturproramm. Ich muss mich nicht mit der korrekten Schreibweise auseinander setzen, wenn ich Müll schreibe, sagt mir das der Computer.
In den Foren sind die Schreiber dann auf sich allein gestellt. Und sie machen es so, wie sie es immer machen: sie schreiben drauf los. Ab durch die Mitte. Mit Karacho durch die geschlossene Tür. Egal, ob an der Tür ein „Riegel“ oder ein „Rigel“ ist…
Vielleicht hat auch die allgemeine Qualität der Ausbildung etwas damit zu tun, doch ich persönlich weiß nicht, wie weit man das gelten lassen kann. Sicherlich, an unserem deutschen Schulsystem gibt es einiges, das nicht nur verbesserungswürdig wäre, sondern ganz dringend geändert werden muss. Unser „dreispaltiges“ Schulsystem reflektiert ein längst überkommenes Gesellschaftsbild mit drei unverrückbaren Ständen (einfache Arbeiter = Hauptschule, Facharbeiter und Kaufleute = Realschule, Akademiker = Gymnasium), zwischen denen nicht gewechselt wird. Deswegen ist es auch für sozial Schwache so schwierig, einen höheren Bildungsabschluss zu erlangen. Doch bei all diesen Problemen dürfen wir die Verantwortung, die wir selbst tragen, nicht von uns weisen. Schließlich ist man selber bequem – und das bestimmt nicht, weil einem die Schule das gesagt hat. Man wird einfach unaufmerksam, wie der Autofahrer, der sich eine Strecke nicht mehr einprägt, weil die Dame aus dem grauen (wahlweise schwarzen oder silbernen) Kasten einem den Weg so schön vorsagt.
Sprache ist etwas sehr schönes und auch wenn man sich darüber streiten kann, ob die beschlossene Rechtschreibreform den Namen „Reform“ wirklich verdient hat, sollten wir doch nicht zu schludrig mit ihr umgehen. Das hat sie mit Sicherheit nicht verdient. Sicher, Sprache lebt, aber Sprache braucht auch eine Norm, damit wir sicher sein können, dass der Andere das gleiche versteht wie ich. Deswegen ist jeder in der Verantwortung. Jederzeit. Und wenn wir hier etwas aufmerksamer sind, dann kommt es auch seltener zu Missverständnissen.
„Errichtet Wortschutzgebiete!“
(Stephan Kurella)
"Der Arschloch-Faktor" von Robert I. Sutton
Stellen Sie sich folgende Situation vor: In einer Besprechung in Ihrem Kollegenkreis wird über ein Projekt diskutiert. Im Verlauf der Diskussion reißt einer Ihrer Kollegen immer häufiger das Wort an sich, kommentiert alles und jeden und je mehr er das tut, desto unsachlicher und persönlicher werden seine Kommentare, die sich immer mehr in Attacken verwandeln. Als er Ihnen auch noch Versagen vorwirft, wird es Ihnen zu viel und sie widersprechen heftig. Das lässt er jedoch nicht gelten, egal was sie vorbringen, Ihre Arbeit wird durch Aussagen von ihm in ein schlechtes Licht gestellt, so dass jede Art einer sachlichen Diskussion endgültig unmöglich geworden ist. Verstärkt wird das ganze dadurch, dass sich nun zwei Lager bilden: diejenigen, die Ihnen beipflichten, dass alle Kritik Ihres Kollegen unsachlich seien und diejenigen, die nun ebenfalls auf Ihnen herumhacken und das teilweise in sarkastischen, verletzenden Witzen verbergen. Man beschließt also, die Besprechung zu beenden und am anderen Tag fortzusetzen, wenn sich die Gemüter etwas beruhigt haben. Sie selbst verlassen die Diskussion mit einem gemischten Gefühl, da die Attacken des Kollgen Sie ungerechtfertigt ziemlich dumm dastanden ließen, aber sie hoffen, dass Sie Ihren Standpunkt gut vortragen konnten. Am nächsten Morgen dann rufen Sie Ihre eMails ab. Siehe da, der Kollege hat Ihnen geschrieben. In einer Hass- und Schmähtirade teilt er Ihnen auf unterstem Niveau und absichtlich zutiefst verletzend mit, für wie „jämmerlich“ und „armselig“ er Sie hält. Ob dieses unerwarteten Angriffs fallen Sie in ihren Stuhl zurück und denken sich verzweifelt: „Mein Gott, was für ein Arschloch!“
Gibt es einen Menschen, dem Sie ein solches Verhalten zutrauen? Dann willkommen in der Welt der Arschlöcher, denen Robert Sutton den Kampf angesagt hat. In seinem Buch „Der Arschloch-Faktor“ beschreibt Sutton nicht nur Beispiele, sondern er zeigt auch Merkmale auf, an denen man Arschlöcher erkennt, stellt klar, welchen Schaden sie anrichten und wie man ihnen begegnen sollte.
Der Ursprung des Buches liegt in einer Anfrage einer Zeitung ob er, Sutton, Mangement-Professor aus Stanford, nicht einen Beitrag für eine Kolumne mit dem Titel „Breakthrough Ideas“ („Bahnbrechende Ideen“) hätte. Er schlug einen Text mit dem Titel „The No-Asshole-Rule“ vor, wobei er eigentlich damit rechnete, das dieser allein wegen des Titels schon abgelehnt werden würde. So deutliche Worte sind in den USA nämlich eigentlich nicht üblich, vor allen Dingen nicht, wenn sie mit einem Schimpfwort auf den Punkt gebracht werden. Sutton irrte sich, sein Text wurde gedruckt und etwas Merkwürdiges geschah: Während er auf seine üblichen Texte über erfolgreiches Management immer nur ein paar Antworten bekam, wurde er hier von einer wahren Flut vom eMails überrollt. Unzählige Menschen berichteten ihm, wie sie unter den Leuten zu leiden hatten, die Sutton zurecht mit dem einzig wahren Begriff bedachte: Arschlöcher.
Also arbeitete er weiter, suchte Statistiken und konnte somit mit Zahlen belegen, was jeder, der unter einem Arschloch zu leiden hat, schon ahnte: Arschlöcher schaden der unmittelbaren Umgebung, ihrer Arbeitsgruppe, ja, der ganzen Firma. Sie provozierten von ihrem Umfeld bestimmte Verhaltensformen, die die Effizienz eines Unternehmens beeinträchtigten und die Kreativität töteten.
Sutton verlangt in seinem Buch aber nicht, dass die Mitarbeiter einer Firma alle „Ja-Sager“ sein sollten. Diskussionen, ja Streitgespräche müsse es geben, um Ideen auszutauschen. Allerdings ging es hierbei um die Sache, und nicht um Personen. Bei Arschlöchern jedoch ist es umgekehrt: Sie halten ihre Ideen für die besten und betrachten jeden, der nicht ihrer Meinung ist, als Feind, der bekämpft werden muss.
In dem Buch wird herausgearbeitet, mit welchen Methoden die Arschlöcher arbeiten, sei es, dass sie in der Öffentlichkeit Freundlichkeit heucheln und ihre „Gegner“ im Privaten herunterputzen, eMail-Hasstiraden verfassen oder die Arbeit anderer grundsätzlich mies machen. Es wird klargestellt, welchen schlechten Einfluss sie haben und dass sie, wenn sie die entsprechende Macht haben, sich bevorzugt mit Klonen ihrer selbst umgeben, so dass eine Gruppe oder Firma sich plötzlich einer Arschloch-Invasion gegenübersieht, der nur schwer Einhalt zu gebieten ist. Sutton gibt Tipps, wie man Arschlöchern am besten beikommt und wie wichtig es ist, dass diese nicht an Macht gewinnen.
Doch Sutton ist nicht so blauäugig, die Welt nur in „Arschlöcher“ und „Nicht-Arschlöcher“ einzuteilen. Im Gegenteil, ihm ist es bewusst, dass jeder Mensch ein Arschloch sein kann, sogar er selbst. Er nennt Menschen, die unter bestimmten Situationen oder nur bei manchen Gelegenheiten Arschlöcher sind, „temporäre Arschlöcher“ und fordert dazu auf, an sich selbst zu arbeiten. Er gibt gleichzeitig zu, dass das sehr schwer ist und auch ihm nicht immer gelingt.
Er geht sogar darauf ein, dass es „amtliche Arschlöcher“ gibt, die große Erfolge verbuchen (wie der Apple-Gründer Steve Jobs, bei dem man bei Google 134.000 Treffer erhält, wenn man die Suchbegriffe „Steve Jobs“ und „asshole“ kombiniert), warnt aber gleichzeitig davor, dass ein erfolgreiches Arschloch in einer Firma so gefährlich sein kann, als würde sie ihre Energie von einem Atomreaktor des Typs „Tschernobyl“ beziehen, der auf dem Firmenparkplatz steht. Es kann sehr lange gut gehen, aber wenn ungünstige Faktoren zusammenkommen, wird sich ein Super-GAU ereignen. Zusammenfassend warnt Sutton davor, den Arschlöchern zu viel Macht zu geben und sie damit für ihr menschenverachtendes Verhalten auch noch zu belohnen.
Robert Suttons Buch ist in einem frechen Ton geschrieben und er bringt die Dinge auf den Punkt. Obwohl er primär Lektüren für Entscheidungsträger (Manager etc.) schreibt, kann dieses Buch von jedem gelesen werden, der mit Arschlöchern zu tun hat, da es zwar auch Statistiken und Bewertungen zitiert, aber nicht in einer komplizierten „Manager-Sprache“ verfasst ist. Wünschenswert wäre es, wenn es auch von einigen Arschlöchern gelesen würde, denn wie heißt es im Text so schön: „Zu erkennen, dass man ein Arschloch ist, ist der erste Schritt.“
Mehr Informationen gibt es auch auf Robert Suttons Homepage: www.bobsutton.net
„Der Arschloch-Faktor“ bei AMAZON.de
„Der Arschloch-Faktor“ bei Libri.de
Riskante Toleranz – ein Science-Fiction-Seitenblick
Unter der Überschrift „Riskante Toleranz – Moralgesättigt und gefährlich attraktiv“ nimmt Doktor phil. habil. Wilhelm Heitmeyer, Professor für Sozialisation an der Universität Bielefeld, Stellung zu einem Thema, das er als Problem ansieht, auch wenn das manchem Science-Fiction-Fan im ersten Moment nicht einleuchten will. Seit Gene Roddenberry seine Philosophie für „Star Trek“ formulierte und sie in dem relativ einfachen Satz „Infinite Diversity in Infinite Combinations“ – kurz IDIC oder UMUK (für Deutsch „Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen“) – zusammenfasste, war das Schlagwort „Toleranz“ aus diesem Universum nicht mehr wegzudenken. Viele Fans saugten diese Idee buchstäblich auf und erklärten, so wie man in „Star Trek“ gegenüber Außerirdischen tolerant sei, wollen auch sie tolerant gegen andere Menschen sei, damit sich die Vision Gene Roddenberrys von einer friedlichen Zukunft der Menschheit schließlich erfüllen sollte.
Leider endete diese Toleranz meist schon dann, wenn jemand anderes offen zugab, Fan von einer anderen Science-Fiction-Serie zu sein. Berühmt-berüchtigt waren in den 1990er Jahren die verbalen Schlachten zwischen Fans von „Star Trek“ und „Star Wars“, die es – zumindest nach der IDIC-Philosophie – so eigentlich nicht hätte geben dürfen. Eigentlich hätten die „Star Trek“-Fans sagen müssen: „Wir sind nicht Eurer Meinung, aber wir akzeptieren sie.“ Immerhin ging es hierbei um kein gesellschaftliches Ding, sondern um eine Frage des Geschmacks; wer „Star Wars“ vorzog, wünschte also mit Sicherheit nicht, dass es irgendwann in ferner Zukunft einmal eine galaktische Diktatur geben sollte, die von einem übelgelaunten Imperator und seinem Handlanger im schwarzen Anzug kontrolliert wurde.
Interessanterweise hatte Gene Roddenberry in seinem Konzept zu „Star Trek“ festgelegt, dass es in der Zukunft keine Religionen mehr geben sollte. Er war der Meinung, Religion behindere den Menschen, sich weiter zu entwickeln. Und nun waren es die Fans seiner Idee, die diese verteidigten, als wäre sie eine Religion und jedes Widerwort ein Sakrileg. Gleichzeitig machten sie sich, indem sie sich hinter Roddenberrys Philosophie verschanzten, unangreifbar. Immerhin stand „Star Trek“ für Toleranz, allein schon deswegen glaubten viele Fans, die Serie und sie selbst wären besser als andere. Auf die gleiche Weise pervertierten die Kreuzritter die Gedanken von Nächstenliebe und dem Gebot „Du sollst nicht töten“, als sie um 1095 auf den ersten Kreuzzug nach Jerusalem gingen und das Massaker, das sie dabei anrichteten, mit der – heute wenig glaubhaften – Ausrede rechtfertigten, nur einen Christen zu töten sei Sünde, bei „den Anderen“ sei das was ganz anderes (in einer kritischen Dokumentation über die Kreuzzüge wurde das in dem Satz zusammengefasst: „Sichern auch Sie sich einen Platz im Himmel, indem Sie einen Heiden in die Hölle schicken!“)
In seinem Vortrag über Toleranz beginnt Doktor Heitmeyer gleich etwas provokant, indem er Toleranz als Problem darstellt. Er reicht auch gleich die Begründung nach, denn „Toleranz“ an sich ist undefiniert und wird international sehr unterschiedlich aufgefasst. Dadurch wird Toleranz nicht zur Lösung irgendwelcher Probleme, sondern zum Teil des Problems selbst. Wie weit muss ich denn die Ansichten und Lebensweisen des anderen tolerieren? Muss meine Toleranz so weit gehen, dass ich es nicht einmal mehr wage, bestimmte Ausprägungen einer Religion oder anderen Weltanschauung zu kritisieren, auch wenn ich sie für falsch halte?
Auf der anderen Seite gäbe es noch ein Problem, so Heitmeyer weiter, denn Toleranz sei etwas sehr unsymmetrisches, und damit trifft er leider auch eine Schwachstelle in Roddenberrys Idee. Diese lautet nämlich „wir Menschen sind tolerant den Außerirdischen gegenüber“. Es gibt also eindeutig eine Fraktion, die in der stärkeren Position ist, und nur diese kann sich Toleranz erlauben. Der Schwache kann gegenüber dem Starken nicht tolerant sein, denn Toleranz würde bedeuten, dass es eine Wahlmöglichkeit gibt. Der Schwache kann aber gar nichts entscheiden, er kann sich nur vor dem Stärkeren ducken.
Ein weiteres Problem fasst Heitmeyer so zusammen: Unter dem Deckmantel der Toleranzforderung schlummere gleichzeitig die kommunikationslose Intoleranz gegenüber jenen, die die einseitig aufgestellten Moralanforderungen nicht erfüllen können oder wollen. Damit lägen Toleranzmoral und Intoleranz dicht beieinander. Das führt uns in die Zone der Psychologie, die uns erklärt, warum sich ein Mensch trotzdem als „moralisch hochstehend“ betrachten kann. Es gibt nämlich einen Regelkreislauf im menschlichen Gehirn, der immer dann, wenn ein Mensch für ein Problem eine Lösungsstrategie gefunden hat, Glückshormone ausschüttet. In dem Leben, das unsere Vorfahren geführt haben, hatte das einen durchaus positiven Effekt, nämlich dass erfolgreiche Problemlösungen ein Glücksgefühl auslösten, dass der Mensch wieder erleben wollte und deswegen die erfolgreiche Strategie mehrfach anwandte und weiter entwickelte. Vermutlich war der erste Mensch, dem es gelungen war, einen Haufen von anderen Menschen so zu koordinieren, dass sie gemeinsam ein Mammut jagen und erlegen konnten, in dem Moment, da das Mammut tot zu Boden sank und die Nahrung für einige Zeit gesichert war, der glücklichste Mensch auf dem Planeten.
Das Problem ist, dass der moderne Mensch in der Lage ist, sich selbst auszutricksen. Um es mit den Worten des Zukunftsforschers Matthias Horx zu sagen, der Mensch kassiert die Schokolade, ohne die Aufgabe zu lösen. Bei komplexen Vorgängen ist eine komplexe Lösung notwendig. Doch der Mensch kann sich eine einfache Erklärung zurecht legen, die irgendwie passt, und ist trotzdem glücklich. Dieser Mechanismus hat schon viele Menschen ins Verderben geführt. In den 1920er Jahren gab es eine Weltwirtschaftskrise, die viele Menschen, die davon betroffen waren, nicht verstanden. Dann kam jemand daher und brüllte ihnen besonders laut in die Ohren, die Juden seien an allem Schuld – und die Menschen waren glücklich. Sie hatten ihren inneren Erfolgs-Belohnungs-Regelkreislauf überlistet und waren bereit, dem Mensch zu folgen, der ihnen diese Erkenntnis gebracht hatte. Genauso funktionieren auch andere einfache Parolen wie „Kein Blut für Öl“ oder „Männer sind Schweine“.
Und auch der scheinbare Widerspruch zwischen der Toleranzmoral, die nahe bei der Intoleranz liegt, funktioniert so. „Ich bin doch tolerant – nur die anderen sind es nicht!“, so lautet das Credo der Leute, die sich selbst betrügen und dabei noch gut fühlen. „Diese Welt ist sooo schlecht, aber ich nicht, denn ich bin tolerant!“ Besonders unbedachte Menschen benutzen in solchen Situationen gerne auch Sätze wie „Ich mag Dich / Leute wie Dich / Dein Volk trotzdem!“ Trotzdem? Trotz was? Durch diese Wortwahl impliziert man ja bereits, das der andere etwas hat, das man eigentlich als Makel ansehen würde – man findet ihn aber trotzdem nett. Das ist keine Toleranz im Sinne der „Anerkennung“, sondern bestenfalls eine „Duldung“.
Und um nochmal zu der Problematik zurück zu kommen, wie weit Toleranz gehen muss, so läuft man in ein Problem hinein, dass sich sehr deutlich am Widerstand der deutschen Bevölkerung gegen den Einmarsch der Amerikaner im Irak zeigte. Menschen, die es wagten, Präsident Bush und seine Politik offen zu kritisieren und ihn aufforderten, von seinen Plänen Abstand zu nehmen, wurden von einigen politischen Kräften sehr schnell mit dem Ettikett „Anti-Amerikanisch“ versehen. Unter „Anti-Amerikanisch“ verstehe ich solche dummen Plattitüden, die mit der Einleitung „Alle Amerikaner sind…“ beginnen. Nun, auch wenn es in der Diskussion solche Stimmen gab, viele setzten sich jedoch ernsthaft damit auseinander, was Bush da trieb und ihnen ging es nur darum, dass er es nicht tun sollte. Die Gegner solcher Ansichten beschworen, dass „die Amerikaner“ unsere Freunde seien, unsere Verbündeten, mit denen könne man nicht so umspringen.
Warum nicht? Sicher, ich kann den Amerikanern nicht vorschreiben, so wie in Europa zu leben, aber muss ich deswegen alles tolerieren, was sie tun? Und da ist es wieder: Toleranz. Muss ich unkritisch gegenüber anderen werden, nur weil ich tolerant sein möchte? Auch wenn ich dabei riskiere, dass Unrecht geschieht oder Dinge schieflaufen? Eigentlich nicht, denn mit dieser fatalen Toleranz schiebe ich unter Umständen die Gruppe, die ich toleriere, in eine Opferrolle und erreiche dabei, dass die Mitglieder dieser Gruppe sich selbst und ihrer Lebensweise gegenüber völlig unkritisch werden. Schließlich sind sie ja die armen Opfer, die man einfach tolerieren muss!
Außerdem erleben solche Gruppe ein Höchstmaß an Indifferenz. „Die Amerikaner“ sind unsere Freunde. Wer sind den „die Amerikaner“? Ich kenne ein paar Amerikaner und würde sie als gute Freunde bezeichnen. George W. Bush hingegen ist nicht mein Freund. Die Indifferenz sorgt dafür, dass das Fehlverhalten von Individuen in einer Gruppe kaum oder auch gar nicht mehr korrigiert werden kann, einfach nur weil sie dieser Gruppe angehören. Das ist fast schon sowas wie eine negativierte Intoleranz, nicht „die (Bevölkerungsgruppe) ist an allem schuld“, sondern „die (Bevölkerungsgruppe) ist immer unschuldig“. Das berühmteste Beispiel dieser Richtung führt uns in die unsägliche „Multi-Kulti-Diskussion“, bei der es ebenfalls in weiten Teilen um falsch verstandene Toleranz geht. Es gibt Menschen, die als Flüchtlinge, die in unser Land kommen in der Hoffnung, dass sie hier ein besseres Leben haben, und das ist ihr gutes Recht – aber muss ich es deswegen tolerieren, dass einzelne Individuen sich hier in kriminelle Machenschaften verwickeln? Nein, natürlich nicht, genausowenig wie ich von den Untaten Einzelner auf eine ganze Gruppe schließen darf.
Leider haben einige Science-Fiction-Fans die Philosophie von der Toleranz so absolut aufgefasst, wie sie nicht gemeint sein kann. Sie haben sich selbst erhoben, sich besser gefühlt als „die Anderen“, aber sie waren so großzügig und haben sie… na ja…. mehr oder minder toleriert.
Am Schluss seines Vortrags fragt Heitmeyer nach Alternativen und benennt die „Anerkennung“. Anerkennung, so stellt er fest, setze voraus, dass man sich mit dem Anderenauseinander gesetzt habe. Man muss seine eigene Position sehr klar kennen und versuchen, sich in den Anderen hinein zu versetzen, um schließlich entweder eigene Ansichten zu korrigieren oder sie klar gegenüber dem Anderen zu vertreten. Toleranz ist vielfach einfach Desinteresse. Ich muss mich nicht mit dem Anderen befassen, denn ich toleriere ihn ja. Reicht das nicht?
Nein.
Letzen Endes können uns die Geschichten um Toleranz oder Anerkennung in den Science-Fiction-Geschichten nur eine Richtung weisen. Wir selbst haben die anstrengende Aufgabe, aus einer indifferenten Toleranz eine sehr differenzierte Anerkennung zu machen. Das ist mit Mühe verbunden, und deswegen gehen vielleicht auch so viele den Weg der Toleranz, der ist einfacher. Und damit kann ich mit einer (leicht abgewandelten) Philosophie aus „Star Wars“ enden:
„Ist Toleranz denn stärker?“
„Nein! Leichter! Einfacher! Verführerischer!“
ASTROCOHORS ICN: Informationen
Die Abkürzung ICN bedeutet „Interstellar Communication Network“, in den Geschichten von ASTROCOHORS ist damit eine große Gemeinschaft gemeint, die ein riesiges, interplanetares Informationsnetzwerk verwaltet, ohne zensierend einzugreifen.
Wir haben uns daher entschlossen, unter diesem Namen alle Links zu Magazinen, Internetseiten und Veranstaltungen zusammen zu fassen. Dabei wurde uns klar, dass es nicht allein „nur“ um Fan-Magazine gehen soll. Science Fiction hat seit jeher immer wieder den Anspruch gehabt, mehr als nur Unterhaltung zu sein, manche mehr, manche weniger (und manche auch gar nicht). Science Fiction beschreibt zumeist eine Gesellschaft der Zukunft, in der gewisse Ereignisse eingetreten sind. Pessimistischere Visionen wie beispielsweise die zu früh abgesetzte Serie „Firefly“ beschreiben sehr drastisch, was passiert, wenn die Menschen so weitermachen wie bisher und gar nichts lernen wollen. Andere, wie „Star Trek“, gehen auf das Entwicklungspotential der Menschen ein und sehen die Sache optimistisch.
Genau aus diesem Grund wollten wir hier auch Seiten aufnehmen, die sich einerseits mit der wissenschaftlichen Seite beschäftigen – Astronautik, Reisen zu den Sternen und ähnliches -, andererseits aber auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung. Denn selbst wenn es morgen oder übermorgen einem Wissenschaftler gelingen würde, einen Überlichtantrieb zu entwickeln und innerhalb von fünf Jahren ein Raumschiff zu bauen, mit dem man innerhalb eines Tages nach Alpha Centauri fliegen kann, ist damit noch lange nicht geklärt, was hier auf der Erde so vor sich geht. Die Technik und die Möglichkeiten der Zukunft sind nur die eine Seite. Die Menschen sind die andere.
Momentan ist die Seite noch nach „Internet-Medien“ und „Gedruckte Medien“ aufgeteilt, wir sind aber am Überlegen, noch eine Liste zu eröffnen, die sich voll und ganz den „Weblogs“ widmet. Wenn es soweit ist, wird es hier veröffentlicht.
Die ICN-Seite ist zu erreichen unter http://icn.astrocohors.de.