Weiter geht die TGWTG-Sternensaga:
Direkter Link zum Video: http://blip.tv/nostalgiacritic/to-boldly-flee-part-5-6334881
Das Phantastische Projekt – PHAN.PRO
Leben. Universum. Alles.
Weiter geht die TGWTG-Sternensaga:
Direkter Link zum Video: http://blip.tv/nostalgiacritic/to-boldly-flee-part-5-6334881
Der vierte Teil der TGWTG-Saga. Popcorn auf den Tisch – weiter geht’s!
Direkter Link zum Video: http://blip.tv/nostalgiacritic/to-boldly-flee-part-4-6331338
Der dritte Teil der TGWTG-Saga:
Direkter Link zum Video: http://blip.tv/nostalgiacritic/to-boldly-flee-part-3-6323842
Der heiß ersehnte zweite Teil der TGWTG-Saga:
Direkter Link zum Video: http://blip.tv/nostalgiacritic/to-boldly-flee-part-2-6319897
Es könnte kaum passender sein: Wir hier feiern das Jubiläum von 475. Artikel, der in diesem Blog erscheint; gleichzeitig können wir den Auftakt zum neuen Epos der Webseite „That Guy with the Glasses“ feiern: „To Boldly Flee“ beginnt. Die erste Episode ist… knapp 40 Minuten (!!) lang. Hätte sie einen Abspann, würde sie in der Länge mit einer Episode einer Fernsehserie (ca. 42 Minuten) mithalten können – und wir haben noch ein paar Episoden vor uns. Unglaublich, was das Team um Doug und Rob Walker hier auf die Beine gestellt haben. Aber damit genug vom meinem Gefasel, hier ist die Episode:
(Am besten schaut man sie sich im Vollbildmodus an!)
Direkter Link zum Video: http://blip.tv/nostalgiacritic/to-boldly-flee-part-1-6319212

Wieder gibt es eine neue Stufe in der Entwicklung des „Phantastischen Projekts“. Man sieht sie sehr gut an dem Banner, das über diesem Beitrag steht. Was hat das zu bedeuten? Um den Lesern den Hintergrund des Universums zu vermitteln, in dem die Geschichten des „Phantastischen Projekts“ spielen, kamen wir auf die Idee, das Blog durch fiktive Beiträge zu ergänzen. Da diese Beiträge natürlich so geschrieben sind, als entsprächen sie der Realität, müssen diese besonders markiert werden. Der Banner, der über diesem Beitrag zu sehen ist, ist eine dieser Markierungen. Er ist groß und auffällig genug, so dass niemand mehr sagen kann, „ja, das habe ich ja nicht geahnt, dass dieser Beitrag, der mit dem 15. März 2433 datiert ist, Fiktion sein soll…“.
Die Idee kam uns, da in letzter Zeit verschiedene Artikel erschienen sind, die eine Art Abgesang auf das Genre „Science Fiction“ darstellten. Die „Science Fiction“, so der Tenor, ist wieder dort angekommen, wo sie mal herkam: in der Scham-Ecke. Man steht nicht mehr dazu, Science Fiction zu lesen. Und Frauen lesen sowas schon gleich gar nicht. Bestätigt wird das durch den Trend, nach dem Erfolg von „Herr der Ringe“ im Kino und der angedachten Verfilmung von „Der Hobbit“ vermehrt auf Fantasy zu setzen; seit Christopher Paolinis „Eragon“ haben manche Verlage sogar den besonderen Ehrgeiz entwickelt, mit noch jüngeren Schreibern aufzuwarten (jedenfalls erweckt die Werbung zur neuen Fantasy-Reihe „Calaspia“ diesen Eindruck).
Die Science Fiction hingegen, das bestätigt auch Andreas Eschbach („Das Jesus-Video“) in einem Interview, wird gerne wieder kaschiert. Romane oder Filme, die ganz eindeutig Science Fiction sind oder zumindest Elemente davon enthalten, werden als „Thriller“, „Action“ oder „Abenteuer“ angeboten. Natürlich sind die Grenzen da fließend, aber es wird immer bewusster darauf geachtet, den Begriff „SF“ aus einer Beschreibung fernzuhalten, auch wenn er eigentlich richtig wäre. Das Problem sind die Schubladen, derer sich Menschen nur zu gerne bedienen. Eine Redakteurin eines Radiosenders, die einmal einen Science-Fiction-Roman zu Rezensionszwecken erhielt, gab diesen ungelesen an eine Kollegin weiter, denn „sobald da Raumschiffe im Spiel sind, kriege ich das große Gähnen“. Dass es große Epen, Komödien, Abenteuerromane oder Thriller „mit Raumschiffen im Spiel“ gibt, war in dem Moment zweitrangig, respektive, es war der Redakteurin vermutlich nicht bewusst. Die Frage ist zudem, was verbinden die Menschen mit dem Bild „Raumschiff“? Das Raumschiff ist in der Science Fiction eigentlich nur ein Transportmittel, in den wenigsten Fällen spielt das Schiff selbst die Hauptrolle. Es geht eigentlich immer um die Menschen, die auf diesem Schiff leben und arbeiten. Es ist quasi das Gleiche wie eine Abenteuergeschichte im 16. Jahrhundert, die von Menschen auf einem Segelschiff handeln. Das Schiff ist nur das Transportmittel, mit dem die Menschen in dieser Geschichte ihr Ziel zu erreichen versuchen. Und nur weil die Geschichte statt in der Vergangen eben in der Zukunft spielt, braucht diese deswegen noch lange nicht langweilig zu sein. Man muss sich eben nur darauf einlassen.
Zum „Darauf einlassen“ gehört aber ein gewisses Hintergrundwissen. Da unsere Projekte X-1 und X-2 in der Zwischenzeit gut vorangekommen sind, kam der Gedanke auf, quasi „Nachrichten aus der Zukunft“ zu bringen. Wir wollen mit diesem Beitrag einsteigen, allerdings noch mit einer Geschichte im klassischen Sinn, um zu verdeutlichen, wie die Meldungen aussehen. Dazu bewegen wir uns 425 Jahre in die Zukunft…
… zum 15. März 2433. Der Ort, an dem wir uns befinden, ist der große Kuppelbau auf dem Jupiter-Mond Europa. Die große Versammlung, wie er auch genannt wird. Das Plenum der Regierungen der Planeten des Sonnensystems ist vollzählig versammelt. Dafür gibt es auch einen besonderen Grund, der Präsident der Planetaren Konföderation wird gleich sprechen.
Der Kuppelbau ist ein beeindruckender Ort, ein riesiges Rund, etwa hundert Meter im Durchmesser. Zentral in diesem Rund liegt das Rednerpult, damit man den Redner von allen Plätzen aus sehen kann, die sich rund um die Mitte auf mehreren Ebenen befinden. Das Pult befindet sich im Mittelpunkt eines etwa zehn Meter großen Kreises. Am Rand dieses Kreises sind die Verwaltungsplätze des Parlaments, der Präsident, Schriftführer, Übersetzer, alle diese Leute finden dort ihren Platz. Hinter ihnen beginnen die Ränge der Abgeordneten. Auf dem Boden des Kreises in der Mitte ist riesengroß das Wappen der Planetaren Konföderation aufgemalt. An den Wänden der fünfzig Meter in die Höhe ragenden Kuppel hängen die Wappen der Planeten des Sonnensystems. Oben, in der Mitte der Kuppel, befindet sich eine Galerie, die nur für besondere Anlässe genutzt wird. Zumeist sind dort Kameras aufgebaut, die das geschehen im Plenarsaal genau beobachten und aufzeichnen.
Nun betritt Präsident Richard d’Oridan den Raum. Aus Respekt vor ihm und dem Tag erheben sich die Abgeordneten von ihren Plätzen und stehen, bis der Präsident das Rednerpult erreicht hat. Dann setzen sie sich wieder.
„Geehrte Abgeordnete der großen Versammlung der Konföderation der Planeten“, begrüßt d’Oridan die Anwesenden mit voller und korrekter Anrede, „ich möchte Ihnen danken, dass Sie heute, an diesem Tag, so zahlreich erschienen sind. Der 15. März ist ein besonderes Datum, für uns, für mich als Terraner ganz besonders, für die Organisation, deren Vertreter wir darstellen, und letztlich auch für die Bewohner der Planeten unseres Systems. Auf meiner Heimatwelt ist es üblich, so genannte ‚runde‘ Jubiläumstage besonders zu begehen. Und dieses Jahr ist so ein ‚rundes‘ Jubiläum. Denn heute ist es auf den Tag genau 425 Jahre her, dass sich jene Organisation zusammenfand, die viele Jahre später den ersten interplanetaren Flug der Menschheit unternehmen und damit ein neues Zeitalter für die Erde und die anderen Planeten des Sonnensystems einleiten würde. Diese Menschen, die sich an einem Samstag des Jahres 2008 auf dem Planeten Erde versammelten, hatten keine Ahnung, welche weitreichende Folgen ihre Bestrebungen haben würden.“
Unterbrechen wir Präsident d’Oridan an dieser Stelle und kehren wir später zurück. Was ist das für ein Ereignis, von dem er spricht? Dazu müssen wir uns in die Gegenwart begeben – die fiktive Gegenwart des Jahres 2008…
…und um auch hier der Genauigkeit die Ehre zu geben, des 15. März 2008. Der Ort, an dem wir uns befinden, ist ein ehemaliges Fabrikgelände im Süden Deutschlands. Obwohl es die Bezeichnung „Fabrikgelände“ nicht so wirklich trifft. „Fabrik“ klingt nach großen Maschinen. Hier jedoch wurden bis vor einigen Jahren Präzisionsanalysegeräte hergestellt. Dann wurde, wie so oft, die Produktion nach woanders verlagert, wo es mehr Profit zu machen gab. Das Gebäude wurde immer mal wieder anderweitig genutzt und stand schließlich leer. Letztlich bot es sich jedoch an für die Konferenz, die hier stattfindet.
In einem der Konferenzräume des Gebäudes haben sich Menschen unterschiedlichster Nationen versammelt, Physiker, Astronomen, Astronauten und Abgesandte der verschiedenen Raumfahrtorganisationen der Erde. Vielen von ihnen ist der Satz „ich bin ein Terraner“ etwas Fremdes – sie sehen sich nicht als „Erdenmenschen“, sondern als Amerikaner, Russen, Chinesen… Letztlich jedoch mussten sie sich über diese Ressentiments hinwegsetzen, denn das Projekt, das sie in Angriff nehmen wollen, ist zu groß, als dass es nur eine Nation allein bewerkstelligen könnte: ein bemannter Flug zum Mars, dem Nachbarplanet der Erde.
Die Besprechung dauert nun schon Stunden. Die Nerven liegen teilweise blank. Möglichkeiten wurden diskutiert und über die technischen Details herrscht weitestgehend Einigkeit. Doch es hapert bei den menschlichen Details. Von welcher Nation soll der Astronaut sein, der als erster den Mars betritt? An der Frage entzünden sich wilde Diskussionen. Einem Außenstehenden mag das lächerlich vorkommen, da die Marsmission noch nicht einmal annähernd in realistischer Reichweite ist, und schon streitet man sich darum, wer als erster den Mars betreten darf. Aber so ist es – die Frage blockiert sogar den Vertrag, der eigentlich an diesem Tag unterschrieben werden soll, ein Vertrag zur Gründung einer gemeinsamen Organisation zur Erforschung des Weltraums, die als Koordinierungsstelle der Organisationen der einzelnen Länder dienen soll. Sogar auf einen Namen hat man sich schon geeinigt: I.A.S.O.N. – Interlateral Aeronautics and Space Organisation of the Nations. Doch die Frage nach dem ersten Mann (oder der ersten Frau) auf dem Mars spaltet das Gremium.
Endlich kommt ein Delegierter der deutschen Luft- und Raumfahrtbehörde mit einem neuen Vorschlag auf: neutrale Vermittler müssen eingesetzt werden! Er hat auch schon eine Idee, wer das sein könnte…
„…und dank der Vermittler, denen es gelang, in den Gründungsvertrag einen entsprechenden Passus einzufügen, der alle Nationen zufriedenstellte, konnte der Kontrakt von den Versammelten unterschrieben werden“, setzt Präsident d’Oridan seine Rede fort. „Damit war die Organisation gegründet, unter deren Obhut der erste Marsflug stattfinden sollte, allerdings erst Jahre später. Aber der erste Schritt war gemacht. Heute erscheint uns Menschen von der Erde der Streit, den man damals hatte, geradezu kindisch. Uns ist es gelungen, diese ganzen Kleinlichkeiten zu überwinden. Sehen Sie mich an, ich bin Franzose und ich liebe mein Land. Doch ich bin auch Terraner und als solcher allen Menschen meiner Heimatwelt verpflichtet.“
Der Präsident nimmt einen Schluck aus seinem Wasserglas, dann fährt er fort: „In der Planetaren Konföderation haben wir heute ganz ähnliche Probleme. Und die Geschichte meines Heimatplaneten zeigt, dass wir diese Probleme nicht über Nacht beseitigen können, und schon gar nicht mit Gewalt. Geduld, das ist das Gebot der Stunde. Bedenken Sie, geehrte Abgeordnete, doch einmal den Zeitraum. 425 Jahre hat es gedauert von diesem ersten Vertrag von I.A.S.O.N., bis zu dem Zeitpunkt, da ich heute hier vor Ihnen stehen und über eine Gemeinschaft sprechen kann, die mehrere Welten umfasst. Und angefangen hat alles wie immer mit einem kleinen Schritt. Natürlich hat keiner der damaligen Unterzeichner geahnt, was folgen wird, denn die Menschen der Erde hatten damals keine Kenntnis von der wahren Gestalt der Planeten unseres Sonnensystems. Aber rückblickend kann man es als den ersten Schritt zu dieser Konföderation betrachten. Lassen Sie uns also dies zum Vorbild nehmen, unsere Arbeit unvermindert und mit Bedacht fortzuführen. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit!“
Unter dem Applaus der Delegierten verlässt Präsident Richard d’Oridan das Rednerpult und begibt sich zu seinem Platz…
…während wir in die reale Gegenwart zurückkehren, die reale Gegenwart des 15. März 2008. Wir denken, das System ist mit diesem Beitrag klar geworden – Beiträge aus der fiktiven Gegenwart sind neben dem Banner unter dem Titel in roter Farbe geschrieben, während Beiträge der fiktiven Zukunft in grüner Farbe geschrieben sind. Alles andere bleibt in der Hauptfarbe schwarz. Und es sei nochmal darauf hingewiesen, dass diese Regel nur für Beiträge gilt, die den Eindruck erwecken könnten, real zu sein. Beiträge, die eindeutig Geschichten sind (wie zum Beispiel unter der Kategorie „Parabeln“ abgelegt), ändern sich ebenfalls nicht.
Und demnächst gibt es mehr zu Projekt X-1 und X-2…
„Was war das?“
Rose blickte sich um. Es war einer jener Blicke, die Frauen in Horrorfilmen gerne hatten, wenn sie in einem dunklen Haus ein Geräusch hörten, das sie nicht einordnen konnten und darauf warteten, dass der böse Axtmörder hinter der Kommode hervorsprang. Das Publikum jedoch wusste es besser, das Geräusch war bestenfalls die Hauskatze, die der Frau einen gehörigen Schrecken einjagen würde. Stattdessen würde sich der Axtmörder von hinten nähern und ihr – unter dem Einsatz von jeder Menge Kunstblut und einem schreienden Orchesterpart – ein frühzeitiges Ende bereiten.
Rose aber befand sich nicht in einem dunklen Haus. Es war nicht einmal ein Haus. Es war… ja, was eigentlich? Ein Raum, der sich im Innern einer so genannten „Police Box“ befand, einer Polizei-Notruftelefonzelle. Und das war das Verrückte: der Raum war von innen größer, als die Box von außen aussah. Eine gewöhnliche Police Box hätte nie im Leben die ganzen Apparaturen aufnehmen können, die sich allein hier, im Hauptkontrollzentrum fanden. Der Mittelpunkt desselben war eine große Konsole, die ein Achteck um eine transparente Säule bildete. In der Säule bewegte sich etwas auf und ab. Rose fand, dass „Etwas“ keine sehr wissenschaftliche Umschreibung war, aber sie wusste nicht genau, was dieses „Etwas“ sein sollte. Sie kannte nur seinen Zweck: die TARDIS, denn darum handelte es sich bei der Police Box mit dem großen Innenleben, auf Zeitreise zu schicken.
„Das war ein Geräusch!“
Der Mann mit den kurzen Haaren, der angestrengt auf die Kontrollen an einer der Konsolen blickte, versuchte, ihre Frage zu beantworten. Vom Aussehen her hätte man ihn altersmäßig auf irgendwo zwischen dreißig und vierzig eingeschätzt. Rose aber wusste es besser, er war nämlich viel älter. Aber wusste sie es eigentlich? Nein, auch nicht so genau. Denn alles, was sie von und über ihn wusste, wusste sie von ihm. Er nannte sich „der Doktor“ und war ein Zeitlord vom Planeten Gallifrey. Früher hatte es mal mehr Zeitlords gegeben, aber alle außerdem Doktor starben im großen Zeitkrieg, den die Bewohner von Gallifrey mit den Daleks geführt hatten.
„Ein Geräusch, das habe ich gehört“, bestätigte Rose. „Was macht das Geräusch?“
„Es klingt!“
Der Doktor sah sie direkt an und grinste. So, wie er es gerne tat. Er hatte eine unvergleichliche Art, das musste Rose immer wieder feststellen. Dennoch, sie bereute es nicht, dass sie ihn in seiner TARDIS begleitete.
„Können Sie vielleicht etwas präziser werden?“
„Ich bin selbst überrascht“, stellte der Doktor fest. „Die Instrumente zeigen eine Fluktuation im unteren PF-Band an. Die TARDIS wird irgendetwas weggezogen. Und zwar seitlich in der Zeit.“
Die TARDIS. „Time and Relative Dimensions in Space“, dafür stand diese Abkürzung. Sie war sowas wie eine Raumschiff-Zeitmaschinen-Kreuzung. Etwas, das man auf der Erde vielleicht als „Mehrzweckfahrzeug“ bezeichnet hätte. Wenn sie gestartet wurde, machte sie ein ganz charakteristisches, schleifendes Geräusch. Für einen Außenstehenden sah es so aus, als würde sich die Police Box in Luft auflösen. Dabei bewegte sie sich nur in den Dimensionen.
Rose seufzte, als sie diese Erkenntnis nochmal durch den Kopf gehen ließ. Die TARDIS bewegt sich nur in den Dimensionen. Das klang, als ob es etwas zutiefst Alltägliches wäre. „Nur“. Aber das war es nicht. Zumindest nicht für sie. Rose Tyler war nämlich kein Zeitlord vom Planeten Gallifrey. Sie war eine junge Frau vom Planeten Erde. Aus London, um genau zu sein. Und um ganz genau zu sein: Aus dem London des Jahres 2005. Sie war Verkäuferin in einer großen Geschäftsmeile gewesen, bevor der Doktor diese in die Luft gejagt hatte. Nicht zum persönlichen Vergnügen, sondern weil sich dort zum Leben erweckte Schaufensterpuppen herumgetrieben hatten. Lebendes Plastik. Eine lange Geschichte. Aber es war ihr erstes gemeinsames Abenteuer gewesen.
Rose schreckte hoch. Jetzt merkte sie an den Bewegungen der TARDIS, dass diese von etwas erfasst worden war.
„Was war das?“, fragte sie ängstlich.
„Wir sind von einer großen Kraft erfasst worden“, antwortete der Doktor. Er wechselte nun seine Position zur nächsten Konsole.
„Was für eine Kraft? Eine gravimetrische Welle?“
Der Doktor blickte Rose erstaunt an. „Wo haben Sie denn das aufgeschnappt? In irgendsoeiner Science-Fiction-Serie?“
„Ja“, gab die junge Frau zu. „Wenn da ein Raumschiff erfasst wird, sind es immer irgendwelche Wellen.“
„Ich bitte Sie! Allein an der Art, wie die TARDIS erfasst wurde, hätten Sie doch merken müssen, dass es auf keinen Fall eine Welle sein kann. Wellen schubsen. Wir werden aber mehr gesaugt.“
„Doktor, das ist mir ziemlich egal, ob wir geschubst oder gesaugt werden. Was ist los?“
Der Doktor verfiel in Schweigen. Rose erinnerte sich an die gemeinsamen Erlebnisse. Nach dem Abenteuer mit dem lebenden Plastik hatte er sie gefragt, ob sie ihn nicht begleiten wolle bei seinen Reisen durch Raum und Zeit. Sie hatte zugesagt. Dann waren sie in die weit entfernte Zukunft gereist, zu einem Zeitpunkt, an dem die Sonne die Erde verschlingen würde. Sie waren im Jahr 1869 gelandet und hatten anschließend der ersten Landung von Außerirdischen im Jahr 2006 beigewohnt. Zuletzt waren sie im Jahr 2012 gewesen und hatten einen dieser Daleks getroffen. Ausgesehen hatte er wie ein extrem überdimensionierter Salzstreuer, aber seine Spezies hatte die Spezies des Doktors vernichtet. Im Anschluss an dieses Abenteuer waren sie wieder mit der TARDIS gestartet. Alles hatte so gut ausgesehen. Bis zu dem Geräusch…
„Na“, murmelte der Doktor vor sich hin, „wo bist Du, Du großer, böser Wolf?“
„Bitte was?“
„Na, die Kraft, die uns ansaugt. Die muss doch irgendwo… ahh, da ist es!“
Rose näherte sich der Konsole. Auf einem der Bildschirme erblickte sie etwas, das wie ein riesiger Strudel aussah, nur dass er kein Wasser strudelte, sondern kleine Lichtpunkte. In der Mitte des Strudels schien… sprichwörtlich nichts zu sein.
„Was ist das?“
Der Doktor verzog den Mund zu einem Lächeln. „Ich hatte befürchtet, dass wir es mit dieser Kraft zu tun bekommen. Das ist, was selbst die Zeitlords fürchten. Das ist der PROSIEBEN-Mahlstrom.“
„Der… PROSIEBEN-Mahlstrom? Und was tut der?“
„Er dreht sich und saugt Sachen an. Zum Beispiel unsere TARDIS.“
„Und warum tut er das?“
„Zu einer anderen Zeit befand sich an der Stelle einmal ein Planet mit Namen PROSIEBEN. Er wurde regiert von einem Senat, der seine Ratschläge von einem alten Ritterorden bekam, den Rittern der runden Quoten. Diese bestimmten für das, was im Herrschaftsbereich des Planeten geschah, Quoten, ob die Leute sich für das interessierten, was geschah. Und wenn die Leute sich dafür nicht interessierten, aktivierten sie die Quoten-Helix. Und die Quoten-Helix entfernte das Ereignis aus der Zeitlinie.“
„Und das nur, weil sich die Leute dafür nicht interessierten?“
„Ja. Und zwar ganz egal, warum sie sich dafür nicht interessierten. Den Rittern der runden Quoten war der Gedanke ein Gräuel, das Leben mit Dingen vollzustopfen, die die Leute nicht interessierten. Ihre Logik war, dass wenn alle Dinge, für die sich die Leute nicht interessierten, entfernt würden, dafür allen anderen Dingen mehr Interesse entgegen gebracht wurden.“ Der Doktor zuckte mit den Achseln. „Leider ein Irrtum. Denn nur weil sich viele Leute für etwas interessieren, heißt das noch lange nicht, dass es besser ist als etwas anderes. Oder dass das, für das man sich nicht interessiert, schlechter wäre. Im Universum hat alles irgendwie eine Chance verdient. Aber das führt zu weit.“
„Und was ist dann mit dem Planeten geschehen?“
„Dummerweise funktioniert die Quoten-Helix nicht so, wie die Ritter der runden Quoten sich das gedacht hatten. Sie wollten eigentlich das entsprechende Ereignis komplett aus der Zeitlinie entfernen, so als hätte es nie stattgefunden. Stattdessen wurde es ab dem Moment, an dem die Helix aktiviert wurde, entfernt. Verstehen Sie, Rose, ungefähr so, als würde ein Autor nach dem Schreiben von zwei, drei Kapitel eines Buches plötzlich aufhören und die Geschichte nicht vollenden – und sie würde trotzdem gedruckt werden. Das verwirrte die Menschen. Außerdem funktionierte die Helix nicht immer gleich. Mal wurde ein Ereignis sofort aus der Zeitlinie entfernt, mal wurde es zuerst zeitlich verzerrt und dann erst entfernt, was für noch mehr Verwirrung sorgte. Der Senat wollte daraufhin das treiben der Ritter der runden Quoten unterbinden und schickte seine Starforce los.“
„Es kam zum Krieg? So wie bei Ihrem Volk und den Dalek?“
Der Doktor schüttelte den Kopf. „So kann man nicht sagen. Die Starforce verbündete sich mit den Rittern der runden Quoten und sie aktivierten die Quoten-Helix permanent, damit alles, für das sich die Leute nicht interessierten, sogleich aus der Zeitlinie gelöscht würde. Die Helix baute ein Interessens-Schwerpunkt-Feld auf, das so gewaltig war, dass daraus der Mahlstrom entstand.“
„Und wenn man ihm zu Nahe kommt…“, begann Rose.
„Macht es Flupp! Und man ist weg. Möglicherweise wird man aber auch zeitlich verzerrt. Letzteres ist uns gerade passiert. Ich konnte die TARDIS gerade noch an den Rand des Mahlstroms steuern. Ich musste dazu aber eine Tagverschiebungs-Parallaxe etablieren.“
„Können Sie das auch so erklären, dass man es ohne Physik-Studium versteht?“
Der Doktor brummte. „Hmmmmm, sagen wir, es ist so, als würde sich ihr wöchentlicher Termin bei der Maniküre von Samstag auf Sonntag verschieben.“
„Ich gehe nicht zur Maniküre“, entgegnete Rose. „Und Sonntags haben die sowieso geschlossen.“
„Sie dürfen das nicht so wörtlich nehmen!“, knurrte der Zeitlord. „Das war nur ein Beispiel! Ich habe die Tagverschiebungs-Parallaxe aktiviert und kann uns über einen fiktiven Zeitsprung in den Raum-Zeit-Fluss zurückbringen. Bevor Sie fragen“, fügte er an, als er Roses Gesicht sah, „ich hatte ursprünglich den 16. Februar 2008 angesteuert, als uns der Mahlstrom erwischte. Ich visiere nun mit dem Fiktivtransmitter den 13. April 2008 an, wir werden dort allerdings nicht materialisieren, sondern direkt zu einem neuen Ziel springen. Fällt Ihnen was ein?“
Rose legte ihre Stirn in Falten. „Was ist mit dem 16. Februar 2008, zu dem Sie sowieso wollten?“
„Geht nicht. Das sind die Auswirkungen der Quoten-Helix. Der 16. Februar 2008 interessiert nicht mehr.“
„Dann lassen Sie sich was einfallen. Sie sind doch sonst so kreativ.“
„Das bin ich wirklich!“, bestätigte der Doktor fröhlich. „Ich denke, ich weiß da was. Fiktivtransmitter an!“
Er betätigte einen Schalter. In dem Moment war ein Stöhnen zu hören. Rose drehte sich um.
„Oh, unser Gast! Den hatte ich total vergessen.“
„Ja“, sagte der Zeitlord. „Das macht der Mahlstrom. Vielleicht interessiert unser Gast uns einfach nicht.“
Rose sah den Doktor böse an. Dieser lächelte schulterzuckend. Dann wandte sie sich ab und ging zu dem jungen Mann, den sie am Ende des letzten Abenteuers mit an Bord genommen hatten. Adam. Er wirkte noch immer verwirrt. Das legt sich, dachte der Doktor.
„Fiktivtransmitter in Funktion!“, rief er dann. „Ich glaube, es klappt! Na dann!“
Wieder war das charakteristische schleifende Geräusch der TARDIS zu hören. Sie bewegte sich.
Wenn es dem Doktor gelingt, aus dem Mahlstrom zu entkommen, dürfen wir sein neuestes Abenteuer „Langzeitstrategie“ („The Long Game“) am 13. April 2008 um 17.00 Uhr bei ProSieben erleben (siehe hier). Hoffen wir das Beste, liebe Leser!
Gestern geschah’s, als ich ob der hereinbrechenden Nacht und der sie begleitenden Dunkelheit mich anschickte, für gemütliche Beleuchtung zu sorgen und eine Kerze entzündete. Sodann nahm ich eine Flasche meines Lieblingsgestränks, füllte mein Glas auf und setzte mich, um mich der Lektüre eines Buches zu widmen. Ich hatte den ersten Satze noch nicht vollendet, als ich leise, aber dennoch deutliche Stimmen vernahm.
„Ei!“, sagte die eine Stimme. „Schaut nur, er hat ein Lichtlein angezündet!“
„Ha!“, sagte die zweite. „Lasst uns näher herangehen!“
„Nun!“, sagte eine dritte. „Das ist doch mal eine angenehme Überraschung.“
Ich senkte das Buch, legte dabei meinen Zeigefinger zwischen die Seiten, um nicht zu verlieren, wo ich bereits gewesen war, und sah auf. Wie erschrak ich, als ich bei der großen Kerze, der ich noch vor wenigen Minuten den Docht entzündet hatte, drei kleine Gestalten sah, die die nämliche Flamme schwebend umkreisten. Und wie sahen sie aus! Kaum größer als meine Hand und gekleidet in weite, bunte Gewänder.
„Hallo?“, fragte ich vorsichtig in Richtung der Kerze, meinen Sinnen kaum vertrauend. Hat man jemals gehört, dass jemand eine solche Begegnung hatte?
„He!“, sagte einer der drei. „Er hat uns bemerkt.“
„Ja!“, ergänzte der nächste. „Wir waren ja auch laut genug.“
„Na!“, meinte der dritte. „Wir haben’s etwas an Höflichkeit fehlen lassen.“
Nunmehr erhob ich mich von meiner Sitzgelegenheit und ging auf die Kerze zu, die auf einem kleinen Beistelltisch stand. So vorsichtig bewegte ich mich, als befände sich dort ein scheues Tier, das einzufangen ich die Absicht hätte. Meine Gefühle waren eine Mischung aus Schrecken und Neugier. Ein Teil von mir konnte sich schwerlich vorstellen, dass diese kleinen Kreaturen, was auch immer sie waren, gefährlich sein konnten. Doch ein anderer Teil von mir gemahnte mich, nicht zu vorschnell zu handeln und mich von den Augen täuschen zu lassen.
So also näherte ich mich, meine Besucher nicht aus den Augen lassend. Und auch sie hatten mich mit ihren Blicken fixiert, wenngleich auf allen drei Gesichtern ein breites Lächeln zu sehen war. Auf meinem eher nicht, die Anspannung stand hineingeschrieben und nervös bewegte ich den Kiefer, wobei meine Zahnreihen aufeinander schabten. Endlich war ich bis auf einen Schritt an besagten Beistelltisch herangekommen. Passiert war bis dahin weiter nichts.
„Guten Abend“, erbot ich schließlich, „eine späte Stunde habt Ihr Euch für Euren Besuch ausgesucht.“
„Ho!“, sagte der erste. „Späte Stunde ist richtig, Besuch auch, aber aussuchen, das nicht.“
„Hi!“, bestätigte der zweite. „Er glaubt, wir wären aus freien Stücken hier.“
„Hu!“, amüsierte sich der dritte. „Obwohl wir’s diesmal gut getroffen haben.“
„Darf ich den fragen“, versuchte ich vorsichtig auszukundschaften, „mit wem ich’s zu tun habe?“
„Mein Name ist Armselig!“, rief der erste.
„Meiner ist Jämmerlich!“, erklärte der zweite.
„Meiner ist Mitleiderregend!“, ergänzte der dritte.
Ich verstand nicht sofort. Zunächst glaubte ich, meine drei Besucher wollten mit ihren Namen nicht herausrücken, weil sie für fremde Ohren so merkwürdig klängen. Doch mit einem Mal fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das waren ihre Namen! Armselig, Jämmerlich und Mitleiderregend.
„So seht ihr aber gar nicht aus“, versuchte ich etwas Konversation zu betreiben. Mein Versuch entlockte den dreien ein lauthalses Kichern.
„Ah!“, bemerkte Armselig. „Wir haben’s wirklich gut getroffen!“
„Oh!“, stellte Jämmerlich fest. „Dabei hatten wir schon Bedenken!“
„Uh!“, fügte Mitleiderregend an. „Wir konnten ja nur von nichts Gutem ausgehen!“
Da kicherten sie wieder. Und als sie sich beruhigt hatten, sahen sie sich offenbar genötigt, das Kompliment zurückzugeben.
„Du siehst auch nicht so aus! Gar nicht armselig.“
„Nein, Du siehst wirklich nicht so aus! Gar nicht jämmerlich.“
„Gewiss nicht, so siehst Du nicht aus! Gar nicht Mitleid erregend.“
Nunmehr kniete ich mich auf den Boden neben den kleinen Beistelltisch. Auf diese Weise war ich mit meinem Gesicht auf einer Höhe mit der Flamme und den drei seltsamen Gestalten. So nahm ich einen weiteren Anlauf.
„Und, warum seid Ihr hier?“, fragte ich geradheraus.
„Du musst wissen“, antwortete mir Armselig, „dass wir Wortgeister sind!“
„Du sollst erfahren“, gab Jämmerlich an, „dass wir auf Reisen geschickt werden von einem Menschen zu einem anderen.“
„Du wirst hören“, vervollständigte Mitleiderregend, „dass wir von einem anderen Menschen zu Dir geschickt wurden.“
Wortgeister! Ein kühner Gedanke kam mir. Jemand hatte sie auf Reisen geschickt, dass bedeutete, dass irgendwo ein Mensch mich mit den Worten, die ihre Namen bildeten, bedacht hatte. Jemand schien ärgerlich zu sein, und der Grund dafür war wohl ich. Verwundert fragte ich die Erscheinungen, wer denn sowas hätte tun sollen, und in ihrer eigentümlichen Weise gaben sie mir bereitwillig Antwort. Als ich jedoch den Namen desjenigen hörte, der diese unfreundlichen Worte – und damit die Wortgeister – auf die Reise geschickt hatte, da verfiel ich in tiefes Grübeln. Den alten Zacharias hatte ich seit mindestens fünf, nein, sieben Jahren nicht mehr gesehen. Möglicherweise waren’s auch mehr, das wusste ich in dem Moment nicht. Es war lange her, und ich hatte damit abgeschlossen. Nun gut, die Art, wie wir nach einer Freundschaft getrennte Wege gegangen waren, war nicht sonderlich freundlich gewesen. Im Gegenteil, wir hatten eine Meinungsverschiedenheit gehabt. Doch an ein Beilegen selbiger war nicht zu denken, denn er hatte verlangt, ich sollte zugeben, im völligen Unrecht zu sein und mich bei ihm entschuldigen. Das konnte ich nicht, denn meiner Meinung nach war ich nicht im Unrecht, aber ich war Willens und bereit gewesen, zu akzeptieren, dass er eine andere Meinung hatte als ich. Selbiges war ihm aber nicht genug gewesen, und so spuckte er Gift und Galle und beschimpfte mich aufs Übelste. Unsere Wege trennten sich, und ich glaube, er hat es mir sehr übel genommen, dass ich nicht so tat, wie er gewollt hätte. Über die Jahre hatte ich damit abgeschlossen, wenngleich die Worte, die er zu mir gesagt hatte, wirklich übelster Art gewesen waren; aber man konnte ja nicht immer nur in der Vergangenheit leben, sondern musste sich letztlich auch der Zukunft zuwenden.
Ich erzählte den Wortgeistern die Geschichte mit ebendiesen Worten und fügte hinzu, dass es mir seltsam erschien, dass er nach so langer Zeit, in der wir uns völlig aus den Augen verloren hatten, noch einen Groll hegte.
„Ach!“, seufzte Armselig. „Der arme Groll!“
„Ach!“, seufzte auch Jämmerlich. „Sitzt in seinem Käfig und ist schon ganz fett, so sehr ist er gehegt worden!“
„Ach!“, seufzte sogar Mitleiderregend. „Bittet so sehr darum, dass es zu Ende sein möge und man ihn freiließe, doch sein Herr hört nicht!“
Das machte mich betroffen und ich überlegte, ob wir Menschen manchmal in unserer Eitelkeit schlichtweg übersehen, was wir dem Leben antun. Zugleich verwirrte mich sehr, was für kurzweilige Gesellen meine unfreiwilligen Gäste waren, waren sie doch aus einem Gefühl des Ärgers, der Wut oder gar des Zorns zu mir geschickt worden. Als ich meine Verwirrung in Worte fasste, schwebte Armselig zu mir herüber, so dass er direkt vor meinem Gesicht in der Luft stehenblieb.
„Ich will’s Dir erklären!“, bestimmte er. „Wenn Du einem Menschen gegenüberstehst, der ein Messer hat, so ist es doch ziemlich unerheblich, welche innere Einstellung Du zu dem Messer hast, nicht wahr?“
„Das kann man wohl sagen!“, mischte sich Jämmerlich ein, der auf einmal neben Armselig schwebte. „Es ist ganz unerheblich, ob Du glaubst, dass das Messer Dich verletzten könnte, oder nicht. Wenn der andere zusticht, wird es Dich verletzen, so oder so, oder?“
„Da braucht es keine großen Worte!“, sagte da Mitleiderregend, der mittlerweile zu seinen Freunden aufgeschlossen hatte. „Aber bei Worten ist das anders! Bei Worten ist es sogar ganz erheblich, welche innere Einstellung Du hast. Wenn Du es an Dich heranlässt, können Dich Wort genauso verletzen wie das Messer. Doch wenn Du Abstand hälst, ist selbst das giftigste Wort so harmlos wie eine Daune, na?“
„Und Ihr wollt sagen, weil ich zu der Sache bereits Abstand habe…“, begann ich, und die drei vervollständigten im Chor: „…sind wir keine boshaften Geister!“
Während sie sich nun wieder der Kerzenflamme zuwandten, sinnierte ich über das Tun der Menschen. Es war so schwer, zugleich aber auch so einleuchtend: Wenn ich dafür sorgte, dass ich innerlich Abstand zu einer Sache gewann, so konnte mich diese nicht mehr verletzen. Ja, fragte ich mich, wie sollte es denn sonst funktionieren? Niemand konnte mir das abnehmen, es war meine Aufgabe, den Käfig des Grolls zu öffnen und ihn laufenzulassen, anstatt ihn zu hegen, bis er rund und fett war. Und meine Gedanken gingen zum alten Zacharias, der vermutlich allein in der Finsternis seiner Wohnung saß und seine Grolle hegte. Vielleicht hatte er eine ganze Menagerie, von der er nicht lassen wollte.
Meine Besucher indessen hatten wohl meine Gedanken erraten, denn schon hatten Sie noch etwas zu erzählen.
„Weißt Du, warum Menschen das machen?“, fragte Armselig. „Sie schicken mit jedem schlechten Wort ein Stück ihres eigenen Schmerzes, ihrer eigenen Finsternis mit, in der Hoffnung, ihrer eigener Schmerz wird dadurch weniger.“
„Aber weißt Du, was stattdessen passiert?“, wollte Jämmerlich wissen. „Die Natur verabscheut das Vakuum. Sobald sie ein Stück aus ihrem Schmerz herausgetrennt haben, beginnt jener wieder zu wachsen, um die Lücke zu schließen. Und bald ist es schlimmer als zuvor.“
„Und weißt Du, was man tun muss?“, hakte Mitleiderregend nach. „Wenn der Schmerz weniger werden soll, musst Du selbst dafür sorgen, dass anderes an seine Stelle tritt. So kann keine Lücke entstehen, in die er wieder wachsen kann. Du musst den Schmerz wandeln in positive Empfindungen. Dann wird er abnehmen.“
Ich verstand. Und so seltsam es klang, ich verstand auch, dass manche Menschen diesen Weg eben nicht gehen. Denn es war viel einfacher, immer wieder kleine Stücke seines Schmerzes in Form von boshaften Worten zu versprühen, als sich dem langsamen Prozess der Wandlung hinzugeben.
„Du hast es schon geschafft“, unterbrach Armselig meine Gedanken. „Deswegen durften wir bei Dir in dieser Gestalt erscheinen. Und das hat uns sehr gefallen.“
„Denke daher immer an uns“, ergänzte Jämmerlich. „Hege deswegen keinen Groll gegen den alten Zacharias. Das hat der arme Groll nicht verdient.“
„Du ahnst nicht, wie oft der Alte uns schon auf den Weg geschickt hat“, vervollständigte Mitleiderregend. „Und viel zu oft mussten wir als böse Geister ein Unwesen treiben. Gelegenheiten wie diese sind viel zu selten.“
Und damit verabschiedeten sie sich von mir, um in der Zeitspanne eines Wimpernschlags genauso geheimnisvoll zu verschwinden, wie sie erschienen waren. Zurück blieb ich allein mit einer brennenden Kerze, einem vollen Glas und einem Buch, das ich noch immer in der Hand hielt. Während ich mich erhob und zu meiner Sitzgelegenheit zurückkehrte, versuchte ich im Gedanken zu rekapitulieren, was für ein Tag wohl war, denn ich fragte mich, welchen besonderen Anlass der alte Zacharias gehabt haben könnte, mir ausgerechnet heute die Wortgeister zu schicken. Doch so sehr ich mir auch das Gehirn zermarterte, ich kam zu keinem Ergebnis. Nur zu dem, dass jemand, der einen Groll über lange Zeit hegte, keinen besonderen Anlass brauchte, um boshafte Worte an einen anderen Menschen zu schicken.
Nur Schmerz.
Seit gestern ist die Meldung draußen, dass der Bundesgerichtshof den Haftbefehl gegen einen in Berlin inhaftierten Soziologen aufgehoben hat. Der Mann musste sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Im Verlauf des Verfahrens sind die Methoden der Ermittler in die Kritik geraten, nach denen der Verdächtige offenbar anhand von neun (!) Worten, die er in einem Artikel gebraucht hatte, von der Staatsanwaltschaft ins Visier genommen worden war. Diese neun Worte wurden auch – in anderem Zusammenhang – von einer terroristischen Gruppe in deren Schreiben verwendet. Aus diesem Umstand wurde offenbar ein Verdachtsmoment konstruiert, der ausreichte, den Soziologen in Untersuchungshaft zu nehmen. Das Spreeblick-Blog schreibt hier über die Aufhebung des Haftbefehls und die Geschichte der Ereignisse seit der Inhaftierung, netzopolitik.org bringt Zitate des BGH und weist auf das Blog der Lebensgefährtin des Soziologen hin (siehe hier) und auch das RA-Blog räumt der Begründung des BGH großen Raum ein (hier).
Mir persönlich kam mal wieder Monty Python in den Sinn. Schon vor einiger Zeit wurden in diesem Blog zwei Artikel veröffentlicht, in denen Monty-Python-Szenen auf neue Situationen umgeschrieben wurden (Monty Python’s „Die Blogger der Kokosnuss“ / Monty Python’s „Das Leben des Blogger“). Auch beim Lesen der Artikel oben fiel mir so eine Szene ein, die mir schon seit ein paar Tagen wieder im Kopf herumgeistert. Auslöser dafür waren eigentlich Berichte über eine Spezialpolizei in England, die auf Flughäfen Reisende auf Terrorverdacht überprüfen soll und dabei allen Ernstes fragt, ob man Terrorist sei oder einen Anschlag in England geplant habe.
Das Original der nachfolgenden Szene, in der es auch darum geht, wie schnell der Falsche in eine unangenehme Situation kommen kann, stammt aus der 5. Sendung der ersten Staffel von „Monty Python’s Flying Circus“. Die Änderungen sind dem Zeitgeist geschuldet.
Ein Schalter am Flughafen London, die Zollabfertigung. Ein Beamter steht hinter dem Tresen. Ein Mann mit einem Koffer kommt dazu. Er legt den Koffer auf die Schaltertheke.
Beamter: (hält ein Merkblatt hoch) Haben Sie das gelesen?
Mann: Nein. Oh, ja doch ja!
Beamter: Haben Sie irgendetwas anzumelden?
Mann: Ja. (hektisch) Nein! Nein, nein, nein! Nichts anzumelden. Nichts in meinem Koffer, nein!
Beamter: Sie sind kein Mitglied einer terroristischen Vereinigung, schmuggeln Sprengstoff oder Bauteile für eine Bombe?
Mann: Ja, schon, Elektronikkomponenten, C4 und eine Zeitschaltuhr. (wieder hektisch) Nein! Nein, nein! Eine Zeitschaltuhr! Nein! Nicht mal eine Zeitschaltuhr! Nein, überhaupt keine Bauteile. Gar keine Bauteile, nein!
Beamter: Welches Land haben Sie besucht?
Mann: Afghanistan. (hektisch) Nein! Nein… äh… nicht Afghanistan! Nein! Es fängt mit „A“ an, aber es war nicht Afghanistan… hm, was könnte es gewesen sein? Ich habe ein so schlechtes Namensgedächtnis. Wie heißt nochmal das Land mit „A“, in dem absolut keine Terroristen ausgebildet werden?
Beamter: Andorra?
Mann: Andorra! Das war’s! Genau, Andorra!
Beamter: Auf dem Aufkleber auf Ihrem Koffer steht „Kabul“.
Mann: Ja, sehen Sie, dann war es Andorra.
Beamter: Kabul liegt in Afghanistan.
Mann: In Afghanistan, wie? Hmmm… ja.
Beamter: In Afghanistan – wo die Terroristen ausgebildet werden.
Mann: (sieht sich scheinbar gedankenverloren um, dann:) Einen schönen Schalter haben Sie hier!
Beamter: Haben Sie Geld in afghanischer Währung, Sir?
Mann: Nein. Bloß die Bombe (hektisch) – bloß meine Bomb… mein bombastisches Interesse an Währungen. Die Kurse sind bombastisch und ich verfolge sie. Aber ich hab kein Geld, nein.
Beamter: Das kam ihnen jetzt aber sehr schnell über die Lippen. (Im Koffer fängt auf einmal eine Zeitschaltuhr zu rattern an. Der Mann schlägt auf dem Koffer herum, um sie zum Verstummen zu bringen, hat aber zunächst keinen Erfolg.) Haben Sie da eine Zeitschaltuhr drin?
Mann: Nein, nein, meine Güte, nein, nein… nur Unterhemden! (Er schlägt nochmals auf den Koffer, worauf das Rattern verstummt.)
Beamter: Es klang aber wie eine Zeitschaltuhr, die losgegangen ist.
Mann: Nein, kann nicht sein… war wohl ein Unterhemd.
Beamter: Ein Unterhemd, das losgegangen ist.
Jetzt fängt der Koffer wieder an zu rattern. Der Mann schlägt darauf ein, diesmal allerdings erfolglos.
Mann: (verzweifelt) Also gut, ich gebe zu, ich bin ein Terrorist! Dieser Koffer ist mit den Komponenten für eine Zeitbombe vollgestopft. Ich habe wissentlich versucht, einen Anschlag vorzubereiten. Ich war ein verdammter Idiot.
Beamter: Ich glaube Ihnen nicht.
Mann: Es stimmt aber. Ich bin ein Terrorist.
Beamter: Erzählen Sie mir nichts. Sie könnten ja nicht einmal Einwickelpapier schmuggeln, geschweige denn Bauteile für eine Bombe.
Mann: (empört) Was soll das denn heißen? Ich schmuggle schließlich schon länger! Kameras, Mikrofilme, Raketenbauteile – was Sie wollen, ich habe es geschmuggelt!
Beamter: Also bitte, gehen Sie weiter! Sie stehlen uns die Zeit!
Mann: Hier! (er reißt den Koffer auf, in dem sich die Bestandteile einer Bombe offenbaren – einschließlich Zeitschaltuhr) Hier, sehen Sie her!
Beamter: Also, wie ich das sehe, können Sie diese Bauteile auch legal in London gekauft haben, bevor Sie nach Afghanistan geflogen sind.
Mann: Bitte? Man braucht eine Lizenz, um C4-Sprengstoff legal zu kaufen – außerdem wäre es doch blöd, registrierten Sprengstoff von London nach Afghanistan mitzunehmen!
Beamter: Es gibt Leute, die das tun. Also bitte: Koffer zu und weitergehen! Verschwenden Sie hier nicht unsere Zeit, wir müssen die richtigen Terroristen kriegen!
Mann: (brüllt) Ich BIN ein Terrorist! Ein richtiger Terrorist! Hören Sie mir nicht zu? Ein Terrorist, ein gemeiner Verbrecher! (ein zweiter Beamter kommt hinzu und führt ihn aus der Zollabfertigung heraus; er wehrt sich heftig)
Ein Priester in Soutane ist der nächste. Er ist gerade hereingekommen und verfolgt, wie man den Mann abführt. Dann stellt er eine kleine Tasche auf den Tresen.
Priester: Armer Kerl. Ich glaube, er braucht Hilfe.
Beamter: (zieht eine Waffe und legt auf den Priester an) So, Freundchen, Schluss mit Ihren Sprüchen! Ab in den Durchsuchungsraum und Kleider runter!
Er kommt hinter dem Tresen hervor, nimmt den Priester in den Polizeigriff und stößt ihn vor sich her durch eine Tür.
.
von Thorsten Reimnitz
<satire>
Link: BildBlog-Werbespot bei sevenload.com
Gerade frisch auf die Schirme gekommen, das neueste Werk von Regisseur Tobi Baumann mit dem provokanten Titel „Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt“, eine Verfilmung des Buchs von Chris Geletneky. Wir erleben ein Epos in 49 Sekunden. Ein Allerweltsehepaar, das in einem einigermaßen luxuriösen Haus lebt, trifft sich wieder, als Jürgen, der Ehemann (Christoph Maria Herbst), offenbar von einer Geschäftsreise zurückkehrt. Die Begegnung mit Birgit, der Ehefrau (Anke Engelke), findet im Wohnzimmer des Anwesens statt. Die beiden starten ein scheinbar harmloses Geplänkel, wie es jeden Tag tausendfach stattfindet, doch nur für den Zuschauer sichtbar beginnt ein Zähler zu ticken. Scheinbar werden einige Sätze, die die beiden miteinander wechseln, gezählt. Eine leichte Ahnung erschleicht den Zuschauer, was es mit dem Zähler auf sich hat, als Birgit nach Karin fragt und Jürgen dazu meint, sie sei nicht mit in der Schweiz gewesen. Dann verwendet Tobi Baumann das Stilmittel des Handlungsbruchs, indem er einen Sprecher (Michael Lott) den Titel des Werks sagen lässt: „Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt“. In der letzten Szene des Films erleben wir noch den Auftritt des Sohnes (Tim Schmeckel), der uns bewusst macht, wie sehr diese Ehe bereits nur mehr noch Fassade ist.
Und darum geht es in Baumanns Werk: Fassade. Da ist ein Ehepaar, das eine nach außen harmonische Beziehung lebt. Der Mann geht auf Geschäftsreise, die Frau vermisst ihn und umgekehrt. Doch hinter der Fassade sieht es anders aus, zwischen den beiden fällt kaum ein Satz, der nicht eine Lüge enthält. Ja, selbst so ein einfaches Satzkonstrukt, wie es der Sohn am Ende abliefert („Papa!“), kommt nicht ohne Lüge aus. Und hier muss man scharf unterscheiden, und darin liegt die Subtilität in Geletnekys Buch: Nicht der Sohn lügt. Er lebt eine Lüge, die er für die Wahrheit hält und ist so ohne eigenes Zutun gefangen in dem Gebäude, das seine vermeintlichen Eltern aufgebaut haben. Die Tragik dieser Figur wird durch das unbekümmerte Spiel des Jung-Schauspielers Tim Schmeckel hervorragend in Szene gesetzt.
Die Figur des Jürgen hingegen bleibt für den Zuschauer den ganzen Film über Namenlos. Er wird von Birgit nur mit dem Allerweltskosenamen „Schatz“ genannt. Geletneky will uns sagen: „Wir sind alle Jürgen!“ Wir wollen lieber die Fassade leben, als uns mit den wahren Dingen zu beschäftigen. Christoph Maria Herbst (der auch gern für das Schauspieler-Ehepaar Christoph und Maria Herbst gehalten wird) brilliert als aalglatter Selbstdarsteller, dem es gelingt, bei der letzten Lüge („Karin? Nä!“) seiner Frau sogar noch in die Augen zu sehen. Und wie er beim Hereinkommen den Namen seiner Frau ruft („Birgi-i-it?“), das ist kein zärtliches Rufen nach der geliebten Ehefrau, sondern zeigt den Zynismus, mit dem dieser Mann seine Beziehung lebt.
Für die Figur der Birgit wurde die Schauspielerin Anke Engelke gewählt. Diese war zuletzt auf der großen Leinwand in „Die Simpsons – Der Film“ als Marge Simpson zu sehen, eine Rolle, für die sie täglich zwölf Stunden in die Maske musste: erst wurden ihre Stimmbänder mit Salzsäure angeraut, dann zwei Meter lange, blaue Haarteile an ihrem Kopf befestigt und zuletzt ihr gesamter Körper mit gelber Schminke eingefärbt. Doch die Mühe hat sich gelohnt, und das hat sie auch in Baumanns Werk. Engelke schafft es, als Birgit ihren Partner freundlich anzugrinsen, während sie in Wirklichkeit das dargebrachte Geschenke, eine (Zitat) „wunderschöne“ Brosche, für grauenvoll hält.
So ist dieses Ehepaar also gefangen im „Status Quo“ der Tristesse eines Alltags, aus dem es offenbar für beide nur die kleinen Fluchten in oberflächliche Affären gibt. Leidtragender ist der Sohn, und hier wird die Abstufung offenbar, die Geletneky geschickt einsetzt: Birgit wird im Film mit Namen benannt, Jürgen hat nur im Buch einen Namen, der Sohn aber hat weder im Film noch im Buch einen Namen und wird nur als „kleiner Racker“ bezeichnet. Auch hier wird geschickt das Stilmittel des Zynismus angewandt, obwohl der Abstieg des Jungen schon vorgezeichnet ist. Mit 10 desillusioniert, Alkoholiker mit 13, mit 15 Drogen, mit 18 unfreiwillig die Freundin geschwängert, so dass ihm kein anderer Ausweg mehr bleibt, als von Talkshow zu Talkshow zu ziehen und seine traurige Geschichte einem gierigen Millionenpublikum zum Fraß vorzuwerfen.
Doch Baumanns Film verspricht Hoffnung. Wie eine Offenbarung kommt nach der Feststellung, dass jede Lüge einen Mutigen braucht, der sie zählt, gleich nachgeliefert, dass es diesen Mutigen auch gibt: BILDBlog.de! Es ist ein Gefühl, das schon René Goscinny und Albert Uderzo in dem Asterix-Band „Tour de France“ (Original-Titel „Le Tour de Gaule“, Frankreich 1965) so vortrefflich erzeugen konnten. Als dort zwei Unschuldige anstelle von Asterix und Obelix von den Römern gefangen genommen und auf den Richtplatz vorgeführt werden, treten Asterix und Obelix mutig auf, um den Irrtum aufzuklären und den Unschuldigen zu helfen. Das Publikum ruft dabei: „Bravo, Asterix und Obelix! Helft unseren Helden!“ Und auch wir möchten angesichts der Botschaft des Films ausrufen: „Bravo! Helft unserem Helden!“ Wir möchten uns nicht mehr länger mit der Fassade abgeben, bei der uns unwichtige oder aufgebauschte Details als Skandal verkauft werden, über den wir uns aufregen sollen. Wir wollen über die wichtigen Dinge des Lebens sprechen! Wir sind nicht Jürgen! Der Held kommt daher, wie der Retter auf dem weißen Ross, wie der Heilige Gral, wie das Licht nach langer Dunkelheit.
So kann der Zuschauer am Schluss für sich den Befreiungsschlag vollziehen und sich distanzieren. Auch hier leistet Baumann ganze Arbeit, indem die letzte Einstellung gefilmt wird, während sich die Kamera von dem Geschehen entfernt. So wird für den Zuschauer die sich erhöhende Distanz sichtbar. „Du bist nicht drin!“, will Baumann sagen, „Du kannst Dich zurückziehen!“ Alles weitere bleibt dem Zuschauer überlassen. Er kann sich nun dem Helden zuwenden und das BILDBlog besuchen, oder aber so weitermachen wie bisher und damit zu Jürgen werden.
Fazit: Ein rundum gelungenes Werk, das man immer wieder anschauen kann. Ob es Geletneky und Baumann nach dieser Vorlage wagen, eventuell eine Fortsetzung zu produzieren, wird man abwarten müssen. Möglicherweise gibt es ja noch eine „extended Version“.
Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt
Deutschland 2007
Regie: Tobi Baumann
Buch: Chris Geletneky (nach Vorlagen von Christoph Schultheis und Stefan Niggemeier)
Darsteller: Christoph Maria Herbst, Anke Engelke, Tim Schmeckel und Michael Lott als „His Master’s Voice“
</satire>