MEIER: Der beste Brickfilm aller Zeiten! Von Ufos, Aliens und der BILD-Zeitung [Video]

Die meisten, die diese Zeilen lesen, haben vermutlich zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens mal mit Lego gespielt – oder tun das noch immer. Im Internet hat sich mittlerweile eine eigene Kultur entwickelt: Trickfilme mit Legosteinen und -figuren, so genannte „Brickfilme“. Aus diesem Genre kommt nun zu uns: „MEIER – Der beste Brickfilm aller Zeiten“ Behauptet zumindest der Macher:

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Direkter Link zum Video: http://youtu.be/ciim23B4JSk

Woher aus Asien kommst Du? [Video]

Vorurteile gibt es überall. Nachdem ich dieses Video gesehen habe, muss ich sagen, dass sich der Satz voll bestätigt, allerdings habe ich auch was gelernt: Ein in Amerika geborener Mensch mit europäischer Abstammung ist kein „native American“ (das sind die Indianer), sondern ein „regular American“. Und gelacht habe ich auch:

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Direkter Link zum Video: http://youtu.be/DWynJkN5HbQ

Interessant auch ein paar Kommentare unter dem Video. Jemand ist tatsächlich der Meinung, dass man das Thema „Vorurteil“ nur auf diese Weise aufarbeiten würde, weil man sich über seine Herkunft schämen würde. Ansonsten würde man das ganze nämlich mit Humor nehmen. Ähm, das hier IST Humor, nur halt auf eine andere Weise. Auf der anderen Seite, was weiß ich schon von Humor? Bin ja schließlich Deutscher.

Bildungsfernsehen-Superhelden [Video]

Wow. Das sind doch mal Superhelden: Die Helden des Bildungsfernsehen:

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Direkter Link zum Video: http://youtu.be/baQBTWd49j4

Die brauchen wir in Deutschland auch dringend!!

Die Sprache der Liebe [Video]

Ja, ich weiß, der Valentinstag ist längst vorbei. Na und? Ich empfehle trotzdem, dieses Video anzuschauen, da es eine sehr starke Botschaft transportiert. Das Ende dürfte ziemlich überraschend sein, deswegen schreibe ich darüber nichts weiteres.

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Direkter Link zum Video: http://youtu.be/QyB_U9vn6Wk

Seufz… irgendwie bin ich einfach schon wieder mal zu lange alleine…

Macht das Web zu einem schlaueren Ort!

Dieser Artikel kommt für die Kampagne, durch die er initiiert wurde, ein bisschen spät, aber das liegt daran, dass es beim „Star Command Communiqué“ bisher nicht genug Fragen gab. Worum geht es? Das Blog „Karrierebibel“ hatte im November zur Aktion „Macht das Web zu einem schlaueren Ort“ aufgerufen:

Machen Sie mit und mit mir das Internet zu einem schlaueren Ort. Suchen Sie sich die zehn (oder mehr) seltensten Fragen, mit denen Menschen zu Ihrem Blog finden – und beantworten Sie diese. Ob ausführlich, kompetent, humorvoll oder ironisch ist letztlich egal. Hauptsache unterhaltsam. Machen Sie Ihre Webseite zu einem Ort, an dem noch offene Fragen endlich beantwortet werden.

Ich wollte mit dem „Communiqué“ damals schon teilnehmen, aber in der Statistik gab es leider nicht genug Fragen. Mittlerweile hat sich das geändert, und hier sind die Antworten zu den Fragen unserer Leser:

Werden Mac Taylor und Stella Bonasera je ein Paar?

Eine gute Frage – man weiß nicht, was den Schreibern von „CSI: NY“ noch einfällt. Vielleicht sind sie es längst, und wir in Deutschland haben es nur noch nicht mitbekommen?

Was ist eine Browser-Adresszeile?

Das ist der Platz ganz oben in jedem Browser, wo man die Adresse der Webseite, die man anschauen möchte, eingibt. Zum Beispiel „www.star-command.de“. Die meisten Browser setzen das obligate: „http://“ automatisch davor.

Welche Sozialprojekte machen Prominente?

Jede Menge. Google weiß da mehr.

Wie heißt das Gift, das wahnsinnig macht, bei „Tim und Struppi“?

Das Gift heißt „Radjaidjah-Saft“. Es kommt in „Die Zigarren des Pharao“ und „Der blaue Lotos“ zum Einsatz.

Warum werden manche Fälle bei „CSI: New York“ nicht aufgeklärt?

Erstens ist das leider Alltag bei der Polizei, dass Fälle auch mal nicht aufgeklärt werden (womit die Serie realistischer wird), zweitens handelt es sich dabei hin und wieder um einen großen Handlungsbogen. Der Fall wird dann in einer späteren Episode nochmal aufgegriffen und aufgeklärt.

Wem gehört der Müll?

Mir nicht! Ich hab ihn runter gebracht!

In welchem Jahr wurde das erste Land im Europa-Park eröffnet?

Der Europa-Park in Rust wurde im Jahr 1975 eröffnet. Allerdings war damals das Thema „Europa“ noch rein Attraktionenbezogen, da es noch keine Themenbereiche gab. Erst 1981 wurde mit Italien das erste „Land“, der erste wirkliche Themenbereich eröffnet.

Gibt es ein Trekdinner Tettnang?

Nicht dass ich wüsste. Aber wenn jemand Interesse an einem Trekdinner / Science-Fiction-Treff für die Bodensee-Region allgemein hat, da bin ich immer auf der Suche nach Mitstreitern.

Soweit die Aktion für diesmal. Wenn sich wieder genug Fragen angesammelt haben, wird es einen neuen Artikel geben. Und ich hoffe, die Antworten von heute konnten ein bisschen weiterhelfen.

Verlegerforderung “Leistungsschutzrecht” – eine Polemik

Heute spricht zu Ihnen: Mario Sixtus

Liebe Verleger,

das tut jetzt vielleicht ein wenig weh, aber einer muss es mal deutlich sagen: Euch hat niemand gerufen! Niemand hat gesagt: “Mein Internet ist so leer, kann da nicht mal jemand Zeitungstexte oder so was reinkippen?“ Ihr seid freiwillig gekommen, und ihr habt eure Verlagstexte freiwillig ins Web gestellt. Zu Hauf. Und kostenlos. Ihr nehmt keinen Eintritt für die Besichtigung eurer Hyperlink-freien Wörterwüsten, weil ihr genau wisst, dass niemand dafür Geld ausgeben würde. Ihr habt seriöse und unseriöse SEO-Fritzen mit Geld beworfen, damit Google eure Seiten besonders lieb hat. Ihr seid ohne Einladung auf diese Party gekommen. Das ist okay, ihr könnt gerne ein wenig mitfeiern. Prost! Aber wisst ihr, was gar nicht geht? Dass ihr jetzt von den anderen Gästen hier Geld kassieren wollt. Sogar per Gesetz. Verleger: geht’s noch?

Bitte unterbrecht mich, falls ich etwas falsch verstanden habe mit diesem “Leistungsschutzrecht“, was gut sein kann, denn logisch ist das alles bestimmt nicht. Ihr wollt eine Art Steuer kassieren für all die Arbeit, die es bereitet, Texte online zu publizieren. Das ist die Leistung, die geschützt und bezahlt werden soll. Nicht etwa die Texte selbst sind es, für die ihr honoriert werden wollt, sondern das Zusammentragen und online stellen. Richtig? Wo und wie dieses Geld eingesammelt werden soll, ist zwar noch nicht ganz klar, aber immerhin habt ihr da schon ein paar Ideen. Vielleicht aber könnte man dazu auch Wahnvorstellung sagen. Einer dieser Einfälle, der ein wenig nach Megalomanie, Irrwitz und gekränktem Narzissmus schmeckt, lautet: News-Aggregatoren sollen zahlen. Also Angebote wie Google News. Dafür, dass sie diese Textschnipselchen anzeigen, die als Hyperlinks dienen, die zu euren Verlagsangeboten führen. Google spült euch die Hälfte eurer Besucher auf die Seiten und jetzt sollen sie dafür bezahlen? Das ist in etwa so, als würde ein Restaurantbesitzer Geld von den Taxifahrern verlangen, die ihnen Gäste bringen.

Dann ist da noch die Idee, gewerbliche Computernutzer zur Kasse zu bitten. Pauschal und auf Verdacht. Denn sie könnten ja irgendwie davon profitieren, dass ihr umgeklöppelte Agenturmeldungen, Oktoberfest-Bilderklickstrecken und überlaufende Inhalte eures Print-Redaktionssystems ins Web pumpt. Eine Verleger-GEZ wollt Ihr euch zusammenlobbyieren. Einerseits. Auf der anderen Seite droht ihr mit rituellem Selbstmord, wenn die gebührenfinanzierte Tagesschau eine iPhone-App bereitstellt. Wie geht das zusammen? Die Öffentlich-Rechtlichen sind aufgrund ihrer Gebührenfinanzierung eure erklärten Todfeinde, andererseits wollt ihr euch in gebührenfinanzierte Verleger verwandeln? Ja habt Ihr denn überhaupt keinen Stolz?

Die Gewerkschaften habt ihr schon auf eurer Seite. Das ist kein Wunder. Gewerkschaften sind in etwa so fortschrittsfreudig wie die Taliban. Hätte es sie damals schon gegeben, wären sie sicherlich auch gegen die Einführung des Buchdrucks gewesen, da er schließlich zu Arbeits- platzabbau in den klösterlichen Schreibstuben führt. Und die schwarz-gelbe Regierung hat ein wie auch immer geartetes Leistungsschutzrecht sogar schon in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. Das ist ebenfalls kein Wunder, schließlich hat sich die politische Elite mit der alten Medien-Oligarchie prima arrangiert. Man kennt sich und weiß sich zu nehmen.

Der CTRL-Verlust-Blogger Michael Seemann hat den hübschen Begriff “Leistungsschutzgeld“ erfunden. Eigentlich wollt ihr auch ein “Leitungsschutzgeld“: Wer beruflich eine Internet-Leitung hat, soll zahlen, zu eurem Artenschutz. Wisst ihr was, Verleger? Haut doch einfach ab aus dem Web, wenn es euch hier nicht gefällt. Nehmt eure Texte mit und druckt sie auf Papier oder schickt sie meinetwegen per Fax weg. Denn: Euch hat niemand gerufen.

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Crosspost mit freundlicher Genehmigung des „Magazins für elektronische Lebensaspekte“, De:bug, Ausgabe 148, Creative Commons: CC-BY

Dieser Artikel erschien ebenfalls auf der Webseite „Carta“. Ein Weiterverbreiten unter der Beachtung der CC-Lizenz wird von Mario Sixtus ausdrücklich gewünscht.

Im Zuge der Veröffentlichung dieses offenen Briefs fiel Martin Oetting ein Problem auf: der Brief wurde bislang nur im Internet veröffentlicht. Die Leute, die ihn lesen sollten (Verleger, Entscheidungsträger, Politiker) werden ihn dort nicht lesen. Es wäre besser, wenn er nochmal in einer Zeitung abgedruckt würde. Und das kostet Geld. Viel Geld. Deswegen hat er ein Spendenprojekt ins Leben gerufen, um eine solche Zeitungsseite in einer großen deutschen Tageszeitung zu buchen (der Name „FAZ“ fiel, aber das war nur als Beispiel gemeint. Wo der Text letztlich erscheint, wird man noch sehen müssen). Da dieses Ansinnen vollste Unterstützung verdient, hier eine Möglichkeit, für das Projekt zu spenden: betterplace.org.

Ungarn 2011

Die westliche Erregung über das Mediengesetz in Ungarn ist richtig, aber sie ist unvollständig und klingt seltsam hohl. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, dabei haben die Eltern die ganze Zeit sorglos dabei zugeschaut, wie es auf dessen Rand herumtollte. Die EU hat sich mehr um die Märkte, statt die Menschen gekümmert. Orbáns Ungarn ist da nur ein folgerichtiges Lehrstück, was aus einer Demokratie ohne Demokraten werden musste.

„Pester Lloyd“ am 23. Dezember 2010 in einem Kommentar zum ungarischen Mediengesetz

Der heutige Tag wird lange in Erinnerung bleiben, dieses Zitat aus „Star Wars“ sei mir gestattet, denn ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sich manche Zusammenhänge dort wiederfinden lassen, wo man es am wenigsten vermutet. Der heutige Tag wird lange in Erinnerung bleiben, denn er wird für die Schizophrenie stehen, mit denen Regierungen Europas gerne mal mit erhobenem Zeigefinger irgendwelchen Diktatoren die Grundrechte nahebringen wollen, gleichzeitig aber fast tatenlos zuschauen, wennn das Gleiche vor der eigenen Haustür – oder in dem Fall sollte man sagen, im eigenen Hinterhof – geschieht. Am heutigen 1. Januar 2011 übernimmt Ungarn turnusmäßig den Vorsitz des EU-Rates. Der 1. Januar 2011 ist gleichzeitig der Tag, an dem in Ungarn ein Gesetz in Kraft tritt, das ganz banal „Mediengesetz“ genannt wird, dessen Inhalt aber ganz und gar nicht banal ist.

Mit dem so genannten „Mediengesetz“ wird in Ungarn eine Behörde installiert, die überwachen soll, dass die ungarischen Medien für eine „ausgewogene Berichterstattung“ sorgen. Was „ausgewogen“ ist, bestimmt die Behörde dabei unabhängig von irgendwelchen Kontrollinstanzen. Wer „unausgewogen“ berichtet, bekommt eine Strafe aufgebrummt, die Rede ist von ca. 35.000 Euro für Webseiten (also auch Blogs) und ca. 700.000 Euro für Fernsehsender. Zeitungen dürfen bis zu ca. 89.000 Euro löhnen. Gegen das Bußgeld gibt es erstmal keine Möglichkeit des Widerspruchs. Das heißt, erst muss man zahlen, dann kann man den Rechtsweg beschreiten, in einem Verfahren, das genauso zeit- wie kostenaufwändig ist. Damit ist klar: Bekommt ein Blogger, eine Zeitung oder ein Fernsehsender eine solche Strafe aufgebrummt, kann das unter Umständen den finanziellen Ruin bedeuten. Und ebenfalls klar ist, was das Gesetz bewirken soll – die Medien sollen sich vorher zweimal, vielleicht auch drei- oder viermal überlegen, was sie schreiben, bevor sie etwas regierungskritisches veröffentlichen. Damit findet eine „Vorwegzensur“ statt; wer sich dennoch traut, kritisch zu schreiben, bekommt eine Strafe und ist ruiniert, das ist die Zensur „an sich“. Kritische Stimmen können so mundtot gemacht werden.

Nachdem die europäischen Politiker mehr als verhalten auf diese beunruhigende Entwicklung reagieren, rufen Blogger dazu auf, der Öffentlichkeit eine Stimme zu geben. Manche spekulieren gar darüber, ob Ungarn für die EU ein Testfall darstellen soll – mal sehen, wie weit man mit der Beschneidung der Grundrechte gehen kann, bevor sich echter Widerstand im Volk regt. Sollte es solche Gedanken tatsächlich geben, müssen wir sofort reagieren und unserer so genannten „politischen Elite“ diese Ideen wieder austreiben.

Dazu gehört zunächst einmal, dass die Öffentlichkeit informiert wird. Es gibt nun Blogger, die das viel besser können als ich, deswegen möchte ich auf folgende Einträge verweisen und Blogger, die dies hier lesen, aufrufen, sich anzuschließen. Eine gute Möglichkeit ist die Aktion von bloggingportal.eu, die zur „Europäischen Blog-Aktion gegen Zensur in Ungarn“ aufrufen (nur in Englisch). Weitere Informationsquellen:

Wir brauchen eine „Kultur des Versagens“ – dringend!

Vor einigen Jahren saß ich mit meiner damaligen Freundin in unserem damaligen Wohnzimmer. Sie saß vor dem Fernseher und sah die Castingshow „Popstars“ an. Ich saß am Esstisch und arbeitete am Computer. Castingshows gaben und geben mir nichts, aber andererseits wollte ich auch nicht irgendwo rumhocken und sie allein lassen. Auf diese Weise wurde ich unfreiwillig Zeuge einer besonders schlechten Darbietung eines Kandidaten, der nicht nur nicht singen, sondern nocht dazu nicht tanzen konnte. Ich konnte es nicht fassen, was ich da sah. Wie konnte so jemand auf die Idee kommen, sich bei einer Castingshow zu melden? „Sag mal“, meinte ich zu meiner Freundin, „haben solche Leute eigentlich keine Familie oder Freunde, die ihnen sagen: ‚He, Du kannst einfach nicht singen! Geh nicht zu der Show, Du blamierst Dich nur.'“ Im selben Moment fasst sich im Fernsehen Jurymitglied Detlef „D!“ Soost an den Kopf und sagt: „Haben solche Leute eigentlich keine Familie oder Freunde, die ihnen sagen, sie können nicht singen und sie sollen nicht zu einer Castingshow gehen?“

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Meine Freundin von damals ist mittlerweile mein Ex-Freundin und Castingshows wurden zu einem Hort des Boshaften. In den Anfangszeiten zeigte man zwar auch (wie im Beispiel oben) Menschen, die in einer Castingshow eigentlich nichts verloren haben, aber mittlerweile ist es zu einem Sport avanciert, diese Menschen durch Off-Kommentare und entsprechende Einblendungen zu verspotten. Die Schulhofrüpel, die den jüngeren oder schwächeren Schülern im Gang auflauern, sie verprügeln und ihnen das Essensgeld klauen, sind in der deutschen Realität angekommen. Und tatsächlich ist das heute ein etabliertes Bild unserer Gesellschaft: Versager gehören verspottet. Mit Häme überschüttet. Selbst Schuld. Werft den Purchen zu Poden! Und wenn er am Boden ist, trampelt auf ihm rum.

Das sind die Auswüchse von etwas, das man gerne mal als „typisch deutsche“ Eigenschaft deklariert: der Perfektionismus. Ich merke es selber an mir, wenn ich mit mir selbst unzufrieden bin. Oder dass ich das Gefühl habe, dass etwas Neues, das ich ausprobiere, natürlich aus dem Stegreif zu funktionieren hat. Leider haben wir mittlerweile in unserer Gesellschaft ein Klima geschaffen, das genau das propagiert: Entweder Du kannst es und bist perfekt – oder lass es doch einfach gleich bleiben. Denn wenn Du versagst, bist Du vogelfrei. Dann kann jeder über Dich herziehen und Dich verspotten, wie er will.

Das gilt für banale Sachen genauso wie für Entscheidungen, die den ganzen Rest eines Lebens beeinflussen können. Nehmen wir nur mal die Schule. Wenn ein Schüler das Klassenziel nicht erreicht und „sitzenbleibt“, kommen mehrere Herausforderungen auf ihn zu: Zum einen muss er das, was er ein Jahr lang gemacht hat, nochmal machen, und da wird auch viel Langeweile dabei sein. Der Schüler wird aus seinem sozialen Umfeld gerissen und in ein neues geschleudert – und hier hat er den Makel des „Sitzenbleibers“ an sich haften. Es ist schon schwierig genug, wenn ein Schüler etwa durch einen Umzug in eine neue Klasse, ein neues Umfeld kommt. Aber dann auch noch unter diesen Vorzeichen? Kinder können grausam sein, was das betrifft – aber wo lernen sie das denn? Genau, von den Erwachsenen.

Am schlimmsten ist es bei einer der weitreichendsten Entscheidungen, die man im Schulleben treffen muss: Auf welche weiterführende Schule das Kind gehen soll. Nun, hier muss ich einen kurzen Ausflug machen und kurz betonen, dass ich sowieso der Meinung bin, dass die 4. Klasse viel zu früh ist, um so eine weitreichende Entscheidung korrekt treffen zu können. Ich bin des weiteren der Meinung, dass das derzeitige dreigliedrige Schulsystem nichts weiter ist als die Zementierung eines überkommenen Gesellschaftssystem aus drei Klassen, die nach Möglichkeit nichts miteinander zu tun haben wollen: Gymnasium = Akademiker, Realschule = Kaufleute und Angestellte, Hauptschule = Arbeiter. Ich selbst hatte in der 4. Klasse eine Empfehlung für das Gymnasium. Hätte man mich gefragt, was ich tun will, ich hätte es nicht sagen können. Was will ich auch sagen, mit gerade mal 9 Jahren, was weiß ich denn von irgendwelchen Berufschancen? Zu dem Zeitpunkt wollte ich Lokführer werden. Wirklich geredet hat man mit mir darüber nicht, aber dazu komme ich gleich noch. Man hat mich dann aufgrund der Empfehlung eines Lehrers auf die Realschule gesteckt, das sei besser so. Das Resultat war, dass ich in vielen Dingen schlicht unterfordert war und mich langweilte.

Wir kommen wir da zur „Nicht-Versagen-Kultur“? Ganz einfach: Es gibt keinen Wagemut, was diese Auswahl betrifft. Wenn jemand sein Kind auf das Gymnasium schickt, weil es die Anforderungen nun mal erfüllt, und dieses Kind kommt mit der Schule nicht klar, wird wieder herumgemäkelt. Das Kind wechselt dann auf die Realschule unter den gleichen Bedingungen wie ein „Sitzenbleiber“ und die Eltern dürfen sich kluge Sprüche anhören von Menschen, die natürlich schon immer wussten, dass der „kleine Versager“ nie hätte aufs Gymnasium gehen dürfen und nur der dumme, verbohrte Ehrgeiz der Eltern schuld sei. Das arme Kind!

Ach ja? Wer macht denn das „arme Kind“ zum „armen Kind“? Doch nicht die Tatsache, dass es an einer Aufgabe gescheitert ist. Sondern die Tatsache, dass Außenstehende – wir! – darin einen Makel sehen. Und ja, es gibt Eltern mit einem dummen, verbohrten Ehrgeiz, die ihr Kind auf eine Schule drücken, wo es eigentlich nicht hingehört. Doch was ist die Ursache dieses Ehrgeizes? Versagensangst! Die Angst der Eltern, als erzieherische Versager dazustehen, nur weil das Kind „zu dumm“ fürs Gymnasium scheint.

Genau all das verhindert einen ehrlichen Dialog. Eine Freundin erzählte mir beispielsweise, dass sie von ihrer Mutter erklärt bekam, welche Entscheidung zu treffen sei, was das für Konsequenzen hätte und sie wurde gefragt, auf welche weiterführende Schule sie denn gehen wollte. Sie entschied sich für das Gymnasium – die richtige Wahl, wie sich herausstellte. Wenn ich versuche, mich daran zu erinnern, wie es bei mir war, ist da nicht viel. Ich schrieb oben, dass ich zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidung bei mir anstand, Lokführer werden wollte. Und dann wurde die Entscheidung für mich getroffen. Von den weiterführenden Schulen wusste ich nicht viel, das Gymnasium war das große, graue Gebäude, die Realschule das große Gebäude mit den grünen Fensterrahmen und die Hauptschule der Hinterbau der Grundschule, auf die ich ging. Man hat mir nicht erklärt, dass das Gymnasium nicht bedeutet, dass man „nur“ studieren gehen kann, sondern dass einem auch die Berufsausbildungen offenstanden. Man fragte einen Lehrer, der meinte, Realschule sei das beste für mich. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, teile ich seine Meinung nicht. Ob ich auf dem Gymnasium durchgekommen wäre, weiß ich nicht. Aber genau das ist der Punkt, um den es mir hier geht: Lieber ging man auf Nummer sicher, als dass ich eventuell scheitern könnte.

Dabei wird ganz deutlich, dass es nur am Umfeld liegt. Scheitert jemand, so ist es nicht nur in ihm begründet, wenn er daran beispielsweise innerlich zerbricht. Es liegt am Umfeld. Man fühlt sich sowieso als Versager – und was vermittelt einem das Umfeld? Genau das gleiche! Dabei wäre es die Aufgabe des Umfeldes – Familie, Freunde -, diesem Menschen zu helfen, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Warum hat er versagt? War es eine grundlegende Sache oder doch eher etwas, das man vielleicht beseitigen kann? Wie soll es weitergehen? Welche Lehren kann der Mensch aus dem Scheitern ziehen? Doch wir sind auf andere Dinge getrimmt: Oh mein Gott, dieser Mensch hat versagt! Auch wenn wir ihn im Grunde nicht verspotten oder verspotten wollen, so wird doch etwas getan, was fast noch schlimmer ist: er wird bemitleidet! Mitleid mag aus einer positiven Motivation heraus entstehen, allein beim Empfänger verstärkt es aber das Gefühl noch, ein Versager zu sein. Ein Versager, der Mitleid verdient hat. Mitleid verzerrt die Perspektive sehr stark. Der Bemitleidete bekommt nochmal deutlich das Gefühl, von oben herab betrachtet zu werden. Oben sind die Menschen, die nicht versagt haben. Unten ist er.

Leider zieht das ganze eine andere Sache nach sich, die das völlige Gegenteil darstellt: die totale Übermotivation und das „Versagen-nicht-sehen-wollen“. Wie bei dem armen Castingshowkandidaten, den ich am Anfang dieses Artikels erwähnte. Natürlich kann es auch sein, dass es in seinem Bekanntenkreis ein paar Menschen gibt, die ihm mit Absicht nicht gesagt haben, dass er nicht singen kann, weil sie ihn öffentlich in der Show versagen sehen wollten (noch so ein Nebeneffekt der „Nicht-Versagen-Kultur“). Aber ich gehe mal davon aus, dass innerhalb der Familie sowas wohl nicht vorkommen wird. Ich nehme mal an, dass er zumindest von der Seite motiviert wurde nach dem Motto: „Wenn wir ihm die Wahrheit sagen, bricht er zusammen.“ Auch das ist eine Form der fehlenden „Kultur des Versagens“ – er DARF einfach nicht versagen, das hält er nicht aus. Aber warum sollte er es nicht aushalten? Doch nur, weil er sich damit zum Gespött macht – und schon sind wir wieder am Anfang. Das Problem in diesem Fall ist, dass Menschen sich in sowas reinsteigern, es aber gleichzeitig nur eine Frage der Zeit ist, bis der „große Knall“ kommt. Im Fall des Kandidaten kam er beim Casting von „Popstars“. Und was für ein Knall das sein muss – bisher wurde ihm immer versichert, er könne das, und nun wird ihm klipp und klar ins Gesicht, dass er nicht singen kann.

Hätten wir eine „Kultur des Versagens“, so könnten wir das Scheitern in eine nützliche Lektion umwandeln. Ich bin gescheitert, okay, das ist nicht schön. Aber jetzt überlege ich mir, was ich daraus mache. Und dann geht es weiter in irgendeine Richtung. Durch die Kultur, die wir jetzt haben, stürzen viele Menschen, die „versagen“, in ein Loch. Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen kann, kreisen die Gedanken nur noch um einen Punkt: „Ich habe versagt. Ich bin nichts wert.“ Und genau so werden solche Menschen behandelt.

Dabei ist nicht mal gesagt, dass das Scheitern in einer Sache bedeutet, man müsse sich komplett nach etwas anderem umschauen. Das Kind, das auf dem Gymnasium an einem oder zwei Fächern scheitert, braucht vielleicht einfach nur Nachhilfe in diesem Fächern. Wer weiß, vielleicht hätte der Kandidat einfach nur mal richtigen Unterricht gebraucht? Ganz ehrlich, ich bin auch begeistert von Musik und kann Harmonien erkennen, wenn ich sie höre, aber deswegen kann ich nicht von mir behaupten, ein Musiker zu sein. Beim Singen gibt es so viele Techniken, mit denen man sich auseinandersetzen muss, das kann nun mal nicht jeder intuitiv. Aber da sind wir wieder am Anfang – Anfängertum wird nicht geduldet, alles muss sofort „perfekt“ sein. Also überspringt man lieber diese Schritte. Genau genommen ist es ja das, was das Konzept einer Castingshow ausmacht. Im Gegensatz zu den Musikern, die sich ihre Karriere erarbeiten mussten, indem sie sich Schritt für Schritt verbesserten, am Anfang vielleicht vor 4 Leuten spielten, dann vor 40 und irgendwann vor 4.000, soll hier der Schritt von „Null auf Hundert“ gleich gemacht werden.  Allein der Anspruch einer anderen Castingshow, einen „Superstar“ hervorbringen zu wollen, spricht Bände. Ein „toller“ oder „guter“ oder „fantastischer“ Musiker reicht nicht, nein, es muss ein „Superstar“ sein.

Tatsächlich tritt aber auch hier gleich wieder diese „Nicht-Versagens-Kultur“ zutage. Versuchen wir, uns an die vergangenen Teilnehmer und Sieger von „Deutschland sucht den Superstar“ (oder „DSDS“) zu erinnern. Auch hier begann irgendwann die Häme einzusetzen. Sollten das nicht „Superstars“ sein? Und was hört man jetzt von ihnen? Gar nichts mehr. Ha ha! Ehm, Moment mal… Alexander Klaws ist Musicaldarsteller in Hamburg, Daniel Küblböck (hat zwar nicht gewonnen, war aber aus der 1. Staffel „DSDS“ auch einer der Bekannteren) leitet seine eigene Firma, Elli Erl hat ein eigenes, kleines Plattenlabel, Tobias Regner moderiert eine Radioshow in Hessen und Thomas Godoj und Daniel Schuhmacher gehen immer noch auf Tournee. Offenbar haben sie es also geschafft, etwas für sich zu erarbeiten, das sie gern machen wollen. Aber das scheint nicht spektakulär genug zu sein, und mit dem Anspruch der Sendung DSDS, einen „Superstar“ produzieren zu wollen, ist die Fallhöhe natürlich riesig. Aber sollten wir nicht, anstatt hämische Kommentar abzugeben, vielleicht mal kurz innehalten? All diese Menschen haben eine Erfahrung gemacht und sie haben sich einer Aufgabe gestellt. Allein sie haben – wohlgemerkt – unseren Ansprüchen eines „Superstars“ (was auch immer das sein soll) nicht genügt. Aber sie haben ihren Weg gefunden und sind dort offenbar erfolgreich. Soll das etwa nichts wert sein?

Mark Medlock fällt hier etwas aus der Reihe, da er immer noch eine gewisse Medienpräsenz hat und damit vermutlich dem Bild eines „Superstars“ unter all den Kandidaten am nächsten kommt. Ich kann mit ihm nichts anfangen, aber andere Menschen können das offenbar. Also was soll’s? Auch er hat seinen Weg gefunden.

Mehrzad Marashi wiederum ist ein gutes Beispiel der „Nicht-versagen-Kultur“: Seine Tournee musste nämlich abgesagt werden, weil sich zu wenig Karten verkauften. Hat er versagt? Das kann noch niemand sagen. Es kommt immer darauf an, was man aus einer Situation macht. Und das wissen wir bei Marashi nicht, er ist gerade in einer Phase der Neuorientierung, vor allem, nachdem er sich von Dieter Bohlen als Produzent getrennt hat. Aber nichtsdestotrotz gab es schon Stimmen, die davon sprachen, dass seine „Karriere beendet“ sei.

Das ist eine sehr eilige Aussage. Wann genau ist denn eine Karriere beendet? Und warum sind wir – gerade in den Medien – so fixiert darauf? Vor allen Dingen, so negativ fixiert darauf? Weil das „Ende“ von etwas, das man vielleicht lange Zeit gemacht hat, als „Versagen“ definiert wird. Ich beobachte, dass wenig Menschen offenbar bereit sind, anderen Menschen eine Art „Entwicklung“ zuzugestehen. Wir haben gefälligst zu irgendeinem Zeitpunkt irgendeine Entscheidung zu treffen, die den weiteren Verlauf unseres Lebens in Stein meißelt. Wer beispielsweise eine Ausbildung abbricht, weil ihm der Beruf nicht das gibt, was er davon erhofft hat, hat versagt. Gerade so, als gäbe es für einen Menschen nur den einen Weg im Leben. Und wenn man den nicht weiterverfolgt, ist man ein Versager.

Ich sage: NEIN! Es muss erlaubt sein, Irrtümer zu erkennen und zu korrigieren. Es muss erlaubt sein, neugierig zu sein auf andere Dinge und diese auszuprobieren. Würde ich meinen Lebensweg nach dem negativen Bild des „Versagens“ beschreiben, so müsste ich auch hier und da davon schreiben, dass meine „Karriere als XYZ“ beendet war. So ist das aber nicht. Meine Karriere endet in dem Moment, da ich die Augen das letzte Mal schließe, den letzten Atemzug nehme und mein Herz seinen letzten Schlag tut. Nicht vorher! Und selbst dann hoffe ich, dass ein bisschen was von dem, was ich in diesem Leben geleistet habe, weiterleben wird ohne mich.

Wir brauchen dringend eine Kultur des Versagens in unserer Gesellschaft, in der derjenige, der an einem Versuch scheitert, nicht mit Spott, Häme und dummen Sprüchen übersät wird, sondern wir Achtung davor zollen, dass er etwas versucht hat. Denn selbst aus dem Scheitern lässt sich etwas lernen. Leider wird uns auch das nur allzu häufig verwehrt. Scheitern wir an etwas, so kriegen wir nur allzu oft zu hören, dass das, was wir tun wollten, sowieso eine blöde Idee war, und dass wir das ganz schnell vergessen – verdrängen – sollten. Gerade Kindern nehmen wir so die Chance, etwas aus dem Scheitern mitzunehmen. Etwas Positives. Und schlimmer noch: Wir töten die Initiative, denn jemand, der einmal gescheitert ist und mit Spott „belohnt“ wurde, wird es sich beim nächsten Mal sehr überlegen, wenn er wieder was Neues beginnt.

Auf dem Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben, berauben wir uns unserer Möglichkeiten. Das Potential vieler Menschen wird so nicht zur Entfaltung kommen, denn man könnte ja versagen. Es gibt immer noch Menschen, die sich diese Denkweise nicht angeeignet haben, und das ist gut so. Leider wird es immer schwieriger. Denn das, was täglich über uns hereinbricht, zeigt uns das andere Bild: Versagen ist schlecht. Versagen darf nicht sein. Versager sind Verlierer, die es Wert sind, verspottet zu werden. Mehr nicht. Es ist schwierig, aber davon dürfen wir uns nicht beeindrucken lassen. Denn wer weiß, wieviel unentdeckte Talente da draußen noch sind, die wir nie zu sehen bekommen werden. Und das ist schade.

Wählen gehen!

Obwohl die Musik sonst nicht so die meine ist, gefällt mir diese Aufforderung, zur Bundestagswahl im September zu gehen, ganz besonders:

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Ein Zitat aus STAR WARS zur aktuellen Zensur-Debatte

Das so genannte „Internetsperren-Gesetz“, bei dem der Kampf gegen die Kinderpornographie vorgeschoben wurde, um eine Zensurstruktur für auch ganz andere Inhalte zu schaffen, stieß auf heftigen Widerstand. Die Petition gegen das Gesetz erreichte eine Rekordbeteiligung. In der SPD regte sich Widerstand, der abgewiegelt wurden, und dann wurde schnell hinter den Kulissen eine angebliche Verbesserung ausgehandelt: Löschen soll vor Sperren kommen. Doch die Formulierung im Gesetzesentwurf ist so schwammig, dass sie letztlich ins Leere laufen wird. Tatsächlich ließen die Politiker sämtliche Einwände von Experten links liegen und der Entwurf, der heute herausgegeben wurde, ist tatsächlich noch schwammiger als befürchtet. Manche sehen darin einen Dammbruch, und das Bild ist durchaus gerechtfertigt.

Und auf der anderen Seite wird sich gegenseitig auf die Schultern geklopft. Ein „großer Erfolg“ sei das, Ursula von der Leyen wird in der Presse zur „Gewinnerin“ gekürt und Kritiker übel abgestraft.

Da drängt sich ein Zitat auf:

„So geht die Freiheit zugrunde. Mit donnerndem Applaus!“
Padmé Amidala in STAR WARS Episode III: Die Rache der Sith