Stirnlappenbasilisken übernehmen die Weltherrschaft!

Zu Beginn gleich einmal Entschuldigung für den reißerischen Titel dieses Beitrags, aber seit ich das gesehen habe, worüber hier heute berichtet werden soll, bin ich von dem Namen „Stirnlappenbasilisk“ völlig begeistert. Wer nicht weiß, was das ist – Wikipedia weiß es: es handelt sich um eine Leguan-Art. Aber das nur am Rande.

In den letzten Wochen gab es einige Mitteilungen über die Firma Callactive, verantwortlich für Anrufer-Sendungen im Nachtprogramm von z. B. MTV (zum Beispiel bei Stefan Niggemeier, der das Geschehen schon seit einiger Zeit beobachtet). Es wurde aber auch eine Seite mit einem Forum aufgebaut, in der die Gewinnspielsendungen genau unter die Lupe genommen werden, sowie ein Blog. Während die Seite (www.call-in-tv.de) und das Blog (blog.redled.de)vor kurzem Ziel eines Hackerangriffs war und einige Schwierigkeiten hatte, wieder online zu kommen, hat der Initiator der Seite Marc Döhler ganz andere Probleme: er hat nämlich eine Klage von Callactive am Hals.

Für fernsehkritik.tv war das Anlass genug, sich in ihrer Ausgabe vom 6. Juli (übrigens zum zweiten Mal) mit dem Thema „Anrufsendungen“ zu befassen. Hierbei kommt auch Marc Döhler zu Wort, außerdem wird etwas über den juristischen Stand der Dinge berichtet. Im zweiten Teil der Sendung werden dann konkrete Gewinnspiele unter die Lupe genommen, zum Beispiel, dass über zwei Stunden hinweg offenbar nur Leute anrufen, die entweder eine falsche Lösung sagen oder ohne etwas zu sagen wieder auflegen. fernsehkritik.tv wirft hier ein paar interessante Fragen auf. Im dritten Teil schließlich geht es um merkwürdige Lösungen für bestimmte Gewinnspiele, so zum Beispiel, dass die Zuschauer bei der Frage „Dinge, die mit der Silbe Po- beginnen“ auf Antworten wie „Pontonbrücke“ kommen sollen. Der Beitrag ist wirklich sehenswert, es ist, um es nochmal zu wiederholen, Ausgabe 3 vom 6. Juli 2007 – aber je nachdem, wann Sie diesen Beitrag lesen, können auch schon wieder weitere dazugekommen sein.

Zum Schluss noch: Was hat dieses Thema mit den Stirnlappenbasilisken zu tun, die in der Überschrift die Weltherrschaft übernehmen? Dazu kann ich nur sagen: Schauen Sie sich den Beitrag an, besonders Teil 3, dann kommen Sie darauf. Seit ich das gesehen habe, bin ich völlig begeistert von den Stirnlappenbasilisken.

Aktion “Grundgesetz”: Was hat Schäuble wirklich gesagt?

Nachdem die Aktion “Grundgesetz für Schäuble” (siehe hier) gut angelaufen ist und sich inzwischen auch Bundespräsident Köhler kritisch zu Wort gemeldet hatte, gibt es einige Politiker, die Schäuble in Schutz nehmen und sagen, er hätte nie die gezielte Tötung von so genannten “Gefährdern” gefordert. Also – was hat er wirklich gesagt?

Wie sollte man mit “Gefährdern” umgehen? Zitat Schäuble: “Man könnte beispielsweise einen Straftatbestand der Verschwörung einführen, wie in Amerika.” Und er denke darüber nach, ”solche Gefährder zu behandeln wie Kombattanten und zu internieren”. Guantanamo in Germany, quasi. Und “Gefährdern”, die man zum Beispiel nicht abschieben kann, könne man mit “Auflagen” bedenken. Zitat: “Etwa ein Kommunikationsverbot im Internet oder mit dem Handy.” A propros “Internet oder Handy”, hier will Schäuble möglichst schnell ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung auf den Weg bringen. Zitat: “Die Überwachung der Kommunikation ist lebensnotwendig.” Da hierfür eine Änderung des Grundgesetzes notwendig ist, geht das zum Glück nicht so schnell. Auch die Online-Durchsuchung von Computern durch Behörden wünscht sich der Innenminister, was aber im Vorfeld von IT-Experten bereits als “Schnapsidee” abgetan wurde (SpiegelOnline: “Angriff auf die Ahnungslosen” siehe hier).

Was war aber jetzt mit der gezielten Tötung? Das bezeichnet Schäuble wörtlich als “rechtliches Problem”, denn würde man beispielsweise Osama Bin Laden stellen, wären solche Fragen in Deutschland völlig ungeklärt. Zitat: “Wir sollten versuchen, solche Fragen möglichst präzise verfassungsrechtlich zu klären und Rechtsgrundlagen schaffen, die uns die nötigen Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus bieten.” Das Beispiel ist sehr ungeschickt gewählt, denn zum einen bezweifle ich, dass Osama Bin Laden in Deutschland aufkreuzt, zum anderen, sollte man ihn in Afghanistan wirklich stellen, ist das deutsche Recht wahrscheinlich das Letzte, was dann angewandt wird.

Im Klartext: Schäuble hat etwas gesagt, ohne etwas zu sagen. Nein, er hat die gezielte Tötung von Gefährdern nicht konkret gefordert. ABER: Er hat sie auch nicht konkret abgelehnt. Diese Frage “präzise verfassungsrechtlich” zu klären könnte natürlich auch dazu führen, dass ein für allemal festgelegt wird, dass die gezielte Tötung ohne Gerichtsbeschluss verboten ist und bleibt. Aber der nachgeschobene Satz, man müsse Rechtsgrundlagen schaffen, die “die nötigen Freiheiten” (merkwürdige Wortwahl, wenn es eigentlich darum geht, Freiheiten zu beschneiden) im Kampf gegen den Terror bieten, deutet durchaus an, in welche Richtung seine Gedanken gingen. Freiheit für den Kampf gegen den Terror, nicht für die Menschen.

Davon mal abgesehen: auch seine anderen Forderungen (Vorratsdatenspeicherung, Online-Überwachung, “Bundestrojaner”) stückeln an Grundrechten herum. Die Aktion “Grundgesetz für Schäuble” ist also nicht überzogen. Es geht darum, dem Innenminister klar zu machen, dass die Menschen, die dieses Gesetzeswerk damals verfasst und verabschiedet haben, sich viele Gedanken gemacht hatten und dass die Bürger in Deutschland die Freiheiten, die dieses Gesetz garantiert, wertschätzen und nicht wollen, dass man, nur weil es gerade opportun ist, daran herumschraubt.

In diesem Sinne: Weiter so!

Terrorgefahr contra MRSA

Im Beitrag zur ZDF-Sendung „2057“ hatten wir es schon mal kurz angesprochen, das profitorientierte Gesundheitssystem. Im Blog vom „Spiegelfechter“ wird nun eine interessante Frage aufgeworfen: Die Wahrscheinlichkeit, durch einen terroristischen Anschlag zu sterben ist – trotz aller Drohungen – immer noch geringer, als bei einem Haushaltsunfall oder durch MRSA, einen krankmachenden Keim, der gegen die meisten Antibiotika resistent ist (MRSA = Multiresistenter Staphylococcus Areus). Warum legt die Bundesregierung dann so viel Energie in die Bekämpfung des Terrorismus, während die Gefahr der MRSA-Verbreitung durch die immer weiter fortschreitende Verwendung von Billiglohn-Arbeitskräften sowohl im Pflege- als auch im Reinigungsbereich immer größer wird?

Der ganze Artikel über die „abstrakte Gefährdungslage“ befindet sich hier – unbedingt lesen!

Dein Grundgesetz für zu Hause!

Szene: Zwei Männer, Jones und Smith, betreten die Bühne. Sie reden im Original offenbar Englisch, sind aber sehr schlecht Deutsch synchronisiert.

Hallo Jones!

Hallo Smith! Hallo Publikum!

[Publikum applaudiert]

Jones, wie ist das, hast Du Dich schon mal rechtlos gefühlt?

Nun, Smith, das ist wahr, auch ich habe ich schon mal rechtlos gefühlt!

Und Du wusstest nicht, was Du tun konntest oder durftest?

Das ist richtig, ich wusste nicht, was ich tun konnte oder durfte.

Kamst Du Dir so richtig hilflos vor?

Ja, ich kam mir so richtig hilflos vor.

Aber Jones, das muss nicht sein!

Das muss echt nicht sein?

Nein, denn da gibt es doch was!

Da gibt es was? Was gibt es denn da?

[er holt ein Buch heraus] Da gibt es das GRUNDGESETZ!

Wow, das hätt‘ ich nicht gedacht. Wann kann ich denn so ein Grundgesetz verwenden?

Das ist das Tolle: Du kannst es immer und überall verweden, egal, ob bei der Meinungsfreiheit, der Versammlungsfreiheit, der Religionsfreiheit. Es passt überall.

Es ist unglaublich! Ich muss mir an den Kopf fassen! Aber sag doch mal, so ein Grundgesetz, das überall gilt, das ist doch bestimmt unheimlich teuer!

Da liegst Du falsch, denn der Preis ist das Sensationelle daran: Es kostet Dich gar nichts!

Nichts? Wirklich nichts? Was ist mit Porto?

Auch nichts! Dieser wunderschöne und passgenaue Artikel ist vollkommen kostenlos.

[Publikum tobt]

Also, liebe Zuschauer, bestellen Sie noch heute bis zu 3 kostenlose Grundgesetze für zu Hause.

Ja, denn ich finde, jeder sollte eins haben!

Im Blog von Karan wurde eine nette Idee aufgebracht: Beim Bundestag kann jeder bis zu drei Exemplare des Grundgesetzes bestellen. Und da es bei all den Schnellschüssen zum Thema „Innere Sicherheit“ wichtig ist, sich zu erinnern, welche guten Sachen einstmals in diesem Gesetz beschlossen wurden, sollte jeder davon Gebrauch machen. Der Vorschlag lautet, 3 Stück zu bestellen, von denen man eins behält und die anderen beiden weitergibt. Daraus entstand dann wiederum der Vorschlag (in den Kommentaren von Karans Blog nachzulesen), eines dieser Exemplare an Innenminister Schäuble zu schicken – nur zur Erinnerung. 🙂

Was man mit den zwei zusätzlichen Exemplaren tut, bleibt jedem selbst überlassen. Und sich selbst einmal wieder damit zu befassen, die Idee finde ich gut und gebe Sie hiermit weiter. Und ich hoffe, sie wird noch weiter getragen. Das Grundgesetz in gedruckter Form kann man hier direkt online bestellen, Karans Blog habe ich oben bereits verlinkt.

Nachtrag (Update): Inzwischen hat sich das ganze zu einer Aktion ausgewachsen, an der sich über 200 Blogs beteiligen, sowie inzwischen auch Foren. Gleichwohl meldet das Referat „Öffentlichkeitsarbeit“ des Deutschen Bundestages, noch genügend Exemplare auf Lager zu haben (Quelle: hier). Grund genug für diesen Nachtrag – in einem Kommentar kam schon der Aufruf, sich an der Aktion „Grundgesetz für Schäuble“ zu beteiligen. Das soll hiermit nochmal bekräftigt werden. Informationen über die ganze Aktion, sowie die nötigen Adressen finden sich hier.  

Ein Satz zum Thema…

Ein Satz zum Thema „Todesschuss für potentielle Gefährder“, wie es durch Innenminister Schäuble aufgebracht wurde:

„Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.“

Gedanken dazu darf sich jeder selbst machen. Wer will, darf diese in den Kommentaren kundtun. Aufgeschnappt habe ich das Zitat beim Spiegelfechter, in einem Artikel, in dem er über das Gebahren des o. g. Ministers sinniert.

“2057 – Unser Leben in der Zukunft”: Wollen wir das wirklich?

„Und danach? Was passiert danach? Nun, die Geschichte von morgen ist noch nicht geschrieben. Aber jeder von uns trägt seinen Teil dazu bei.“
(Professor Zweistein, Leiter des Instituts für Zeitreisen im Programm Die Zeitreise des Drehtheaters im Europa-Park Rust)

An anderer Stelle des „Phantastischen Projekts“ wurde schon darüber gesprochen, doch wir wollen das Thema hier nochmal aufgreifen. Der Anlass ist die Serie „2057 – Unser Leben in der Zukunft“, die das ZDF vor einiger Zeit ausgestrahlt hat. Die Werbung, die für diese Serie geschaltet wurde, umschrieb eine Wissenschaftsserie, die uns die Zukunft zeigen will. Und, so hieß es explizit in einem Radio-Werbespot, man bräuchte sich keine Sorgen um die Zukunft zu machen. Was uns dann aber präsentiert wurde, verdient eigentlich den Namen „Schreckensszenario“. Geht es nach „2057“, so gibt es in 50 Jahren nur noch Amerika und China, der Rest (also auch wir Europäer) spielt offenbar keine Rolle mehr oder ist in die Rolle von „Vasallenstaaten“ gedrückt worden. Überwachung findet überall statt, die persönlichen Rechte sind stark eingeschränkt. Das medizinische System ist zwar fortgeschritten, diesen Fortschritt können aber nur die wirklich gut Verdienenden genießen, wenn sie es sich leisten können, die Hälfte ihres Gehalts für die Krankenkasse aufzuwenden. Wer das nicht kann – und das wird vermutlich auch in der Zukunft der überwiegende Teil der Bevölkerung sein -, der kommt im Krankheitsfall in eine „Verwahranstalt“, wo man zu zehnt oder zwölft in einem großen Raum liegt und mit dem Mindestmaß an Versorgung abgespeist wird.

„Die goldene Regel lautet doch: Handle in der Art und Weise, in der Du erwartest, dass andere Dir gegenüber handeln.“
(James Hurdel in ASTROCOHORS)

Frank Schätzing, der bekannte Autor, moderierte die erste Folge von insgesamt drei, sagte aber in einem Interview zu der Produktion, es gehe hier nicht darum, eine unabänderliche Zukunft zu zeigen. Es gehe vielmehr darum, aufzuzeigen, was möglich wäre. Die Menschen heute müssen sich entscheiden, ob sie das so wollen oder nicht und die Entwicklung entsprechend beeinflussen. Immerhin sind es noch 50 Jahre bis 2057. Die Frage lautet dann aber, wie sind die Autoren der Reihe auf die Idee gekommen, die Zukunft derart pessimistisch auszumalen? Dass China die neue aufstrebende Weltmacht ist, erkennen wir schon heute. Aber dass die anderen Nationen nur dasitzen und den Streithähnen Amerika und China beim Kampf um die Energiegewinnung der Zukunft zusehen? Doch wenden wir unseren Blick etwas anderem zu. Kant sagt, die Moral einer Gesellschaft könne man daran erkennen, wie sie mit ihren Alten und Kranken umgeht. Wie sieht es da heute aus?

„Mann nennt es das ‚utilitaristische Prinzip‘. Es besagt, in einer Weise zu handeln, dass der grösstmögliche Nutzen für die grösste Anzahl Menschen entsteht.“
(Admiral McCloud in ASTROCOHORS)

  • In einem Krankenhaus mittlerer Größe wird die Verwaltung bei der Stationsleitung der Intensivstation vorstellig. Die Intensivstation hätte schon wieder das Budget überschritten. Die Ursache hat die Verwaltung auch schon ausfindig gemacht: Es wird einfach zu viel Sauerstoff für die Patienten verbraucht…
  • In einem größeren Krankenhaus sucht die Verwaltung nach Einsparpotential und wird fündig: Es gibt einen Arzt, der für die Intensivstation verantwortlich ist und einen Arzt für die Notaufnahme. Man könne eine der beiden Stellen einsparen und einen Arzt als Verantwortlichen für Intensivstation und Notaufnahme vorhalten. Auf den Einwand des Ärztekollegiums, was denn sei, wenn der Arzt auf der Intensivstation gebunden sei (was häufiger vorkommt, denn die Patienten auf der Intensivstation benötigen nun mal mehr ärztliche Betreuung, sonst wären sie nicht auf der Intensivstation) und gleichzeitig ein Notfallpatient in die Notaufnahme gebracht werde, meint die Verwaltung, dann könne man ja den diensthabenden Gynäkologen (!) in die Notaufnahme schicken, der hätte ja schließlich (Zitat!) „auch mal ‚Erste Hilfe‘ gelernt“…
  • Seit 1989 gibt es das so genannte „Rettungsassistentengesetz“, das eigentlich eine geregelte Ausbildung für Rettungsdienstpersonal ermöglichen soll. In dem Gesetz gibt es die Vollzeitausbildung, bei der ein Azubi eine Vergütung erhält und – wie jeder andere Azubi auch – vom Ausbildungsbetrieb eingestellt ist. Es gibt aber auch noch eine Sonderregelung, die eigentlich für Ausnahmen gedacht war. Da der Azubi hier aber die Schule selbst zahlen muss und keinen geregelten Anspruch auf Bezahlung für das Praktikum hat, ist – aus blanken Kostengründen – diese Ausnahme zur Regel geworden, und die Regel zur Ausnahme…
  • In einer Fernsehdiskussion zwischen Experten und Politikern, bei der es um Pflege und wegen der Novellisierung der Pflegeversicherung speziell um Altenpflege ging, wurde mehrfach Kant und seine Ansichten angeführt. Einer der Politiker forderte darauf vehement, Kant einfach mal außer Acht zu lassen und dachte – um die Kosten für den Pflegesektor zu senken – laut darüber nach, in diesem Bereich einen „Billiglohnsektor“ einzuführen…
  • Ein anderer Politiker fordert, um Kosten zu senken, sollten Menschen ab einem gewissen Alter teure medizinische Maßnahmen entweder selbst zahlen oder diese dann nicht mehr erhalten. Zu diesen Maßnahmen zählt er zum Beispiel die Dialyse (ohne die ein entsprechender Patient zum Tode verurteilt ist) oder die Implantation von künstlichen Hüftgelenken (ohne die ein entsprechender Patient nie wieder laufen kann und zum Pflegefall wird)…
  • Immer mehr Arbeitskräfte im sozialen Bereich, denen das möglich ist, wandern in die Schweiz ab. Der Grund: Für die gleiche Tätigkeit wie in Deutschland erhalten sie dort das doppelte, in einigen Fällen auch das drei- bis fünffache Gehalt. Mit den höheren Lebenskosten in der Schweiz kann das nicht begründet werden. Die Lebenskosten sind definitiv höher als in Deutschland, aber nicht um das Doppelte oder gar Drei- bis Fünffache…
  • Auch „sekundäre Arbeitskräfte“ des sozialen Bereichs bekommen den starken Wind zu spüren. Als in einem kleineren Krankenhaus durch die Verwaltung Einsparmaßnahmen beschlossen werden, wird das Küchen- und Putzpersonal vor die Wahl gestellt: Entweder, es gibt Entlassungen oder das Personal muss Kürzungen hinnehmen. Diese sind: Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird komplett gestrichen und das monatliche Gehalt um 10 % gekürzt. Diese Wahl zwischen Arbeitslosigkeit und radikalen Kürzungen erscheint den Arbeitnehmern wie die Wahl zwischen Pest und Cholera…

Kants kategorischer Imperativ: Handle in der Weise, dass Deine Handlung in einer spezifischen Situation ein allgemeines Verhaltensgesetz sein könnte.
(Immanuel Kant, Philosoph, 1724 – 1804)

Scott Adams, Autor von Werken wie „Das Dilbert-Prinzip“ oder „Dilbert Future“ bezeichnete Verwaltungsmenschen wie die in den Beispielen angeführten als „Individuos“, Menschen, die eigentlich keine große Ahnung von dem haben, was sie tun, aber trotzdem – oder gerade deswegen? – an Stellen sitzen, wo sie wichtige Entscheidungen zu treffen haben. Adams erzählt zwar von Firmen, aber wir sehen, solche Leute gibt es nicht nur in der Privatwirtschaft. Allein der Kommentar, ein Gynäkologe habe ja „auch mal“ „Erste Hilfe“ gelernt zeugt von einem großen Verständnisdefizit. Natürlich hat ein Gynäkologie im Verlauf seines Studiums das auch gelernt, aber wenn ein Schwerverletzter in die Notaufnahme eingeliefert wird, braucht es mehr als „Erste Hilfe“-Kenntnisse.
Sie sind auch besonders kreativ, wenn es darum geht, mit Begriffen ihre wahre Absicht zu verschleiern. So nennen sie es beispielsweise nicht „Entlassungswelle“, sondern „Downsizing“ oder „Outsourcing“. Wegen solcher Menschen wurde die Aktion „Unwort des Jahres“ ins Leben gerufen. Und tatsächlich, wenn wir so weitermachen, landen wir dort, wo es „2057“ prophezeit hat. Der Pöbel mit der Krankenversicherung der untersten Klasse hat nur Anspruch auf Minimalmedizin, einen Verwahrraum, den er sich mit neun oder elf anderen teilt – ein hervorragender Ort, um sich neben den bestehenden Krankheiten noch ganz neue dazu zu holen. Die Pflegekraft, die hier arbeitet – natürlich nur eine für zwei solche Räume -, stammt vermutlich aus dem „Billiglohnsektor“. Der hat man einen kurzen Einführungskurs gegeben, sie ermahnt, die Patienten nicht zu grob anzufassen – und los geht’s. Und ach ja, sollte es einen Notfall geben, kann die Pflegekraft ausgebildete Pflegekräfte hinzu rufen. Das kommt allerdings selten vor, denn bei der Menge von Patienten, die eine Kraft zu versorgen hat, werden die meinsten Notfälle erst dann bemerkt, wenn es längst zu spät ist. Aber na ja, macht nix, so’n Aufenthalt auf der Intensivstation ist ja auch sooo teuer. „Präventive Kosteneinsparung“ nennt man das.

„Handlungen bewerten? Mein junger Freund, versuchen Sie sich vorzustellen, Sie müssten Ihre Handlung vor einem unabhängigen Team von Experten vortragen, das nicht von den Konsequenzen Ihrer Handlung betroffen ist. Unternehmen Sie dann nur Handlungen, die dieses Team als korrekt bezeichnen würde.“
(General McLane in ASTROCOHORS)

Aber es muss doch auch anders möglich sein. Vermutlich aber nicht innerhalb von 4 Jahren. Und da haben wir die Crux: für Politiker müssen sich Handlungen innerhalb einer Legislaturperiode auszahlen. Bei den Maßnahmen, die nötig wären, müsste man aber eine längere Frist ins Auge fassen. Wenn sich allerdings innerhalb einer Legislaturperiode kein merklicher Erfolg einer Maßnahme einstellt, könnte es passieren, dass sich das eine Oppositionspartei zunutze macht und die derzeit Regierenden ablöst, indem sie massiv Stimmung gegen diese macht. Wenn dann innerhalb deren Regierungszeit die Maßnahmen greifen und sich die positiven Erfolge zeigen, kann sich das die neue Regierung auf die Fahnen schreiben, ohne wirklich etwas dafür getan zu haben. Und die ehemalige Regierung kann sich als Opposition den Wolf schimpfen und beteuern, dass das alles Auswirkungen der eigenen, vor sechs Jahren getroffenen Maßnahmen sind. Ob man sie hört, ist die zweite Frage.

Ja, wie es im Zitat zu Beginn dieses Beitrags heißt: Die Geschichte von morgen ist noch nicht geschrieben, aber jeder von uns trägt seinen Teil dazu bei. Gerade das Zeitalter, das mit dem 21. Jahrhundert begonnen hat, gibt uns, dem Volk, dazu immer mehr Möglichkeiten. Denn „die da oben“ sind nicht „die da oben“ – sie wurden gewählt, um unseren Willen durchzusetzen. Wir müssen ihnen den nur nachhaltig genug nahebringen. Da bietet das Internet einige Hilfe (Abgeordnetenwatch hier, Politblog dort).

Damit die Zukunft – zumindest was das Zwischenmenschliche betrifft – nicht so aussieht wie in „2057“.

Politiker – sind sie nicht niedlich? – Teil 2

Dass Politiker in bestimmten Situationen niedlich sind, habe ich in diesem Beitrag hier schon einmal festgestellt. Und ich stelle es wieder fest. Denn diesmal sind Politiker gefragt worden, was sie über das Internet wissen. Internet..? Und was ist ein Browser…? Ist das nicht das Teil, das in der Dusche hängt und wo Wasser herauskommt? Im Blog vom Handelsblatt steht hier das ganze Debakel niedergeschrieben, mit Filmbeitrag!

Politiker – sind sie nicht niedlich?

Ach, Politiker – sind sie nicht niedlich, wenn sie beleidigt sind? So zeigt sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Er erblödet sich, öffentlich zu fordern, Herbert Grönemeyer – ja, „der“ Grönemeyer! Der Sänger! – solle als Mandatsträger für die CDU in den Bundestag einziehen. Der Grund? Wulff ist beleidigt, weil Grönemeyer am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm in einem Interview (siehe hier) die Glaubwürdigkeit der Politik in Frage gestellt hat.

Ja, und jetzt ist Wulff beleidigt und sagt, wer demokratisch gewählte Politiker pauschal beschimpfe, der spiele Diktatoren in die Hände. Und dann fordert er, Grönemeyer solle doch selbst Politiker werden (die ganze Geschichte hier). Was hat Wulff an Grönemeyers Satz, den er in dem Interview gesagt hat, er (Grönemeyer) sehe keinen Sinn darin, sich mit Politikern gemein zu machen, nicht verstanden? Mal ganz davon abgesehen, dass diese Forderung sowieso völlig daneben ist, Grönemeyer hat ihr bereits eine Absage erteilt.

Politikverachtung sei eine Gefahr für Deutschland, sagt Wulff. Aha. Glaubt er allen Ernstes, dass man Politiker weniger verachtet, wenn er einen beleidigten Vorschlag macht (das kindische „Mach Du’s doch besser!“-Muster) und sich gegenüber der Kritik, die Grönemeyer angebracht hat und die durchaus berechtigt war, taub stellt? Ja, in Deutschland gehen immer weniger Leute zur Wahl. Da sollte man sich Gedanken darüber machen und möglicherweise auch mal selbstkritisch sein.

Und außerdem: Glaubt Wulff allen Ernstes, dass Grönemeyer ernsthaft in Erwägung zieht, in die Politik zu gehen? Für die CDU? Was sollte die ganze Aktion? Vermutlich eines: heiße Luft produzieren. Hauptsache, es wurde etwas gesagt. Und ironischerweise ist es genau das, was Grönemeyer an den Politikern eigentlich kritisiert. Gegen Politikverachtung hilft es wenig.

Das Grundgesetz gilt doch für alle. Oder nicht?

„Wenn Ihr nicht auf meiner Seite steht, dann seid Ihr mein Feind!“
(Anakin Skywalker definiert einmal mehr die Grenze zwischen ihm selbst und „den anderen“ in STAR WARS Episode III: Die Rache der Sith)

Geprägt von den bitteren Erfahrungen des Dritten Reichs machte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gruppe von Menschen daran, etwas zu formulieren, das solche Schrecken nie wieder möglich machen sollte. Das Ergebnis ihrer Mühe nennt sich „Grundgesetz“. Der Name trägt es bereits in sich, das Gesetz bildet den „Grund“, auf dem die Menschen unserer Republik leben sollen. Deswegen gibt es in diesem Gesetz auch wenige exklusive Formulierungen. Die meisten Bestimmungen beinhalten sogar Maxime, die über Deutschland hinausgehen, zum Beispiel: „Die Würde des Menschen [und nicht: des Deutschen / des Mannes… etc.] ist unantastbar.“

Vielfach wird auch der Begriff „jeder“ verwendet. Auch hier ist keine Beschränkung, es geht nicht um Menschen einer bestimmten Gruppierung, sondern um „jeden“. So einfach ist das. Respektive, so einfach könnte es sein. Denn die Gesellschaft wandelt sich, oder, um es hochgestelzt mit einem Zitat in Latein zu sagen: Tempora mutantur nos et mutamur in ilis. Auf Deutsch: „Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen.“ Nun gibt es aber Menschen, die gewisse Schwierigkeiten damit haben, dass ständig ein Wandel stattfindet. Anstatt sich diesen Wandel zu betrachten und zu überlegen, welche Lehren man daraus ziehen kann und ob es gut wäre, sich dem Wandel anzupassen (und wenn ja, wie), lehnen sie den Wandel erst einmal ab.

Das kann sich dann in ziemlich harten Kommentaren niederschlagen, wie erst kürzlich geschehen. Um diese Geschichte zu erzählen, müssen wir einen Rückblick auf den G8-Gipfel in Heiligendamm machen. Bei den Kundgebungen der G8-Gegner trat Walden Bello auf, der später von der dpa falsch zitiert wurde, womit der Eindruck entstand, Bello hätte die G8-Gegner dazu angestachelt, Randale zu machen (die ganze Geschichte und Quellen dazu siehe hier). Es dauerte einige Zeit, bis die dpa sich korrigierte. Es dauerte auch einige Zeit, bis die Printmedien, die diese Meldung ungeprüft übernommen hatten, sich korrigierten. Nun ja, nicht alle schafften das so richtig. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hatte bei der „WAZ“ eine Korrektur angemahnt und erhielt nun die Mitteilung, dies sei schon geschehen. Offenbar war aber das Kernzitat, um das es ging, noch immer falsch wiedergegeben. Man würde sich darum kümmern, hieß es. Geschehen ist es bisher wohl noch nicht (Stefan Niggemeier schreibt hier über diese Geschichte).

Aber dafür geschah etwas anderes. Offenbar waren einige Vertreter der Printmedien von „den Bloggern“ so genervt (die Tatsache, dass der dpa-Bericht über Walden Bello falsch war, verbreitete sich immerhin auch über zahlreiche Blogs in Windeseile), dass man zum Gegenschlag ausholte. „Blogger sind keine Alternative zu Journalismus„, war noch eines der harmlosesten Zitate, das auf einer Podiumsdiskussion beim Kölner Medienforum fiel. Härter wurde es, als den Bloggern der Schutz des Artikel 5 des Grundgesetz abgesprochen wurde, der unter anderem das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhaltet. Aber auch dieser Artikel beginnt mit dem maxim „jeder“ – jeder hat dieses Recht. Und das Grundgesetz gilt doch für alle. Oder? Offenbar bläst manchen Leuten der „Wind of Change“ ziemlich stark ins Gesicht, dass sie sich zu so einer unbedachten Äußerung hinreißen lassen. Besser wäre es gewesen, sich unaufgeregt mit dem neuen Medium auseinander zu setzen, dessen Möglichkeiten zu durchleuchten und dessen Grenzen zu sehen. Und nicht von vorneherein „die eine“ und „die andere“ Seite zu definieren, wobei nur „die eine“ Seite den Schutz des Grundgesetzes genießen darf. So wurde eine Menge Porzellan zerschlagen. Aber auch das wird der Wandel überstehen. Und dann sehen wir weiter.
Und mal wieder zeigt sich die Ironie des Schicksals, denn dieser Satz – Blogger verdienen den Schutz von Artikel 5 GG nicht – wird nun natürlich in Blogs weitergetragen und heftigst diskutiert. Unter anderem bei Stefan Niggemeier (siehe oben) beim Handelsblatt und im Pottblog. Und wer noch andere gefunden hat, möge diese gerne bei den Kommentaren eintragen.

Das beste Schlusswort für diesen Eintrag habe ich dann auch beim Handelsblatt-Blog gefunden, dort steht an der rechten Seite ein Zitat von Agatha Christie: „Ich habe Journalisten nie gemocht. Ich habe sie alle in meinen Büchern sterben lassen.“

Dürfen erfolgreiche Prominente sich nicht für die Gesellschaft sozial engagieren?

Wenn man die (teilweise recht zynisch) abgefassten Kommentare in manchen Zeitungen verfolgt, überkommt einen manchmal die Frage: „Darf der das denn nicht?“ Die Rede ist von Prominenten, die sich sozial engagieren. Zum Nachdenken gebracht hat mich ein Auftritt des Komikers Michael Mittermeier in der ZDF-Show von Johannes B. Kerner.

Neben Michael Mittermeier war unter anderem auch Kai Pflaume zu Gast; beide erzählten von sozialen Projekten, die sie unterstützten, Mittermeier für Afrika, Pflaume für Drogenprävention. Im Gespräch mit Mittermeier über das Thema Afrika kam natürlich der G8-Gipfel in Heiligendamm zur Sprache. Der Komiker äußerte sich dann über das Engagement von Bob Geldof und Herbert Grönemeyer, sowie die Reaktion der Presse (und in manchen Teilen auch der Allgemeinheit). Dabei wird gerne das Klischee des beifallheischenden superreichen Promis bemüht, der mit Hilfe von sozialen Themen CDs verkaufen will. Mittermeier meinte dazu, er glaube nicht, dass Geldof oder Grönemeyer es wirklich nötig haben, den CD-Verkauf über solche Aktionen anzukurbeln. Er beobachte diese Sache, die als als „ein deutsches Ding“ sieht, schon länger; auch er selbst sei schon mal bei der Präsentation eines Sozialprojekts von einem Journalisten gefragt worden, was denn ein Komiker bei so einem Projekt mache.

Da zeigen sich zwei Dinge. Das erste gehört nicht ganz zu dem Thema, um das es mir hier geht, aber ich möchte trotzdem kurz darauf eingehen. Mittermeier war bei diesem Projekt gefragt worden, was denn ein „Komiker“ da tue. Das Wort „Komiker“ scheint einen gewissen „Ruch“ zu haben, man sagt lieber „Comedian“, obwohl beide Begriffe das Gleiche bedeuten. Aber redet man – besonders die Presse – von einem Komiker, so hat das den Klang nach einer Person, der billige Lacher über den Torte-ins-Gesicht- oder Auf-der-Bananenschale-ausrutsch-Witz produziert. Die Bezeichnung „Comedian“ klingt scheinbar besser, ein „Comedian“ wäre also sowas wie ein „geadelter Komiker“. Sinnigerweise haben beide Begriffe die gleiche Wurzel, nämlich das griechische „komikos“. Ein guter Grund also, um das Schubladendenken einmal mehr abzustellen. Michael Mittermeier bringt die Menschen mit seinen Programmen zum Lachen, also ist er ein Komiker. Ganz wertfrei.

Das zweite gehört zum Thema und ist dieses „deutsche Ding“, das Mittermeier beschrieb: Prominente oder reiche Leute dürfen sich in den Augen von Presse und Öffentlichkeit offenbar nicht sozial engagieren. Beispiel gefällig? Der wegen eines kritischen Beitrags über „Bild“-Chef Kai Dieckmans Buch „Der große Selbstbetrug“ unlängst vom eigenen Chefredakteur abgestrafte Alan Posener (hier die ganze Geschichte in Episoden: Episode I, Episode II, Episode III, Episode IV) schreibt auf „Welt Online“ einen Kommentar mit der Überschrift „Bob, Bono, Gröni, Angie und Co. retten die Welt„. Er haut dabei genau in die Kerbe, die Mittermeier mit seiner Bemerkung meinte. Der Reporter spricht nicht nur Grönemeyer und Geldof das Recht ab, sich öffentlich sozial zu engagieren, nein, er dehnt das gleich auch noch auf die gesamte Popmusik aus. Posener steht nicht allein, einige Reporter (bevor das missverstanden wird: einige, nicht alle!) haben im Zuge des G8-Gipfels die Prominentenschelte neu entdeckt. Ich möchte jedoch diesen Beitrag herausnehmen, weil er mir sehr beispielhaft erscheint.
Mittermeier meinte dazu, er selbst nutze einfach seine Bekanntheit, um ein Thema, das ihm am Herzen liege, in die Öffentlichkeit zu tragen. Und mal ehrlich – das macht jeder. Die meisten von uns sind zwar nicht so prominent wie Michael Mittermeier (oder gar Bob Geldof), aber trotzdem, wenn wir im Bekanntenkreis über eine soziale Aktion erzählen, die wir selbst unterstützen, versuchen wir doch auch, von diesen Bekannten Unterstützung zu erhalten. Die Promis machen das auf einer anderen Ebene. Nur da heißt es auf einmal, die Prominenten „inszenieren“ sich als Wohltäter und Posener geht in seinem Kommentar noch weiter und meint, dass niemand „den Kontinent (Afrika) schamloser (ausplündert), als … westliche Musiker“.

Das ist eine ziemliche Verallgemeinerung, ja geradezu eine Vereinfachung der Tatsachen. Lustig, dass Posener selbst an anderer Stelle behauptet „Pop ist einfach.“, und sich zwei Sätze weiter zu der Erkenntnis durchringt: „Die einfachsten Lösungen sind immer falsch.“ Genauso einfach ist seine Feststellung dass „westliche Musiker“ Afrika schamlos ausplündern.

Also dürfen sich in den Augen von Journalisten Prominente und/oder Reiche nicht sozial für die Gesellschaft engagieren? Oder zumindest nicht öffentlich. Zahlen, ja bitte! Aber heimlich! Darf ja keiner mitkriegen! Wieder einmal ist ein gefährlicher Mix entstanden. Ja, natürlich gibt es Menschen, die man heutzutage als B- oder C-Prominente bezeichnet (manche auch zynischerweise als X- oder Y-Prominente), und die bei sozialen Aktionen auf den Umkehreffekt hoffen, nämlich dass sich die Öffentlichkeit daran erinnert, dass es sie auch gibt. Aber weder Geldof noch Grönemeyer sind B- oder C-Promis. Wie Michael Mittermeier (auch kein B-Promi!) treffend feststellte, die brauchen die Aufmerksamkeit aufgrund ihres sozialen Engagements nicht. Die haben sie schon wegen dem, was sie sonst so tun. Gerade die Presse redet sonst immer davon, dass man genau differenzieren muss. Dass man nicht verschiedene Menschen in einen Topf werfen darf. Das steht allerdings im krassen Widerspruch zur Aussage über die „westlichen Musiker“, denn der Topf ist verdammt groß!
Zum Schluss möchte ich zwei Bilder zeichnen. Das erste betrifft die Promis: Mal angenommen, man würde einen Menschen wie Bob Geldof oder Herbert Grönemeyer nach seinem Engagement für Afrika fragen – und als Antwort käme sowas wie: „Darüber rede ich nicht.“ Wie klingt das? Vermutlich gäbe es dann wieder Journalisten, den Leuten soziale Kälte vorwerfen würden oder das ihnen die armen Menschen der Erde gleichgültig sind. Wie man’s macht, macht man’s verkehrt…

Das zweite Bild betrifft mich persönlich: Ich vollende mein nächstes Buch und es wird ein Mega-Bestseller. Ab wann darf ich denn nicht mehr darüber reden, wofür ich mich jetzt schon sozial engagiere? Hängt das mit dem monatlichen Einkommen zusammen? Oder wie oft mein Name in irgendeiner Zeitung genannt wird? Das wird aber ganz schön schwierig, überhaupt mitzukriegen, wann ich diese Grenze überschritten habe. Wobei… ich schätze, irgendein Journalist wird mich das schon wissen lassen…

Natürlich sind Prominente nicht frei von Kritik, auch nicht, wenn sie sich sozial engagieren. Aber gerade von Journalisten sollte man doch erwarten, dass sie sich etwas differenzierter mit einem Thema auseinander setzen, zum Beispiel auch mit den Leuten reden. Das ist nicht einfach, aber Posener hat es selbst gesagt: „Die einfachste Lösung ist immer falsch.“