„Steingart, Sie sind raus!“ – „Wieso das denn?“

Moderator:
Herzlich willkommen zu einer Neuauflage von „Fakten, Fakten, Fakten„, der Beitragsreihe, die Themen recherchiert, die wirklich von Bedeutung sind. In unserer Runde befinden sich heute Gabor Steingart, Mario Sixtus und Thomas Stadler. Unser Thema heute: das Leistungsschutzrecht. Herr Steingart, was haben Sie recherchiert?

Steingart:
Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden.[1]

Moderator:
Steingart, Sie sind raus!

Steingart:
Wieso das denn?

Stadler:
Die von den Verlagen geführte „Google-Debatte“ ist rabulistisch.

Sixtus:
Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart.

Moderator:
Wir sehen: Das Leistungsschutzrecht für „Presseverlage“ war, ist und bleibt ein Schuss in den Ofen. Und mittlerweile ist den Verlagen keine Entschuldigung oder Erklärung zu blöd, um zu beweisen, wie nötig es doch sei. Aber mit genau solchen Erklärungen beweisen die Presseverlage nur eins: Dass das Leistungsschutzrecht von Anfang an völlig überflüssig und eine komplette Schnapsidee war… ist… und bleibt. Gute Nacht!

 

[1] Aus dem Text „Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf“, der in der „Frankfurter Allgemeinen“ erschienen ist. Ein Link auf den Originaltext erfolgt aus zwei Gründen nicht: Erstens nehmen es die „Presseverlage“ auch nicht immer so genau und geben als Quelle gern mal „Internet“ an (anstatt eines konkreten Links) und zweitens wird auf diesem Blog seit der Einführung des „Leistungsschutzsrechts“ kein „Presseerzeugnis“ von deutschen Verlagen mehr verlinkt, erst recht nicht von solchen Verlagen, die das „LSR“ auch noch gut finden.

Kritisches zur Fußball-WM: Schafft die FIFA ab!

Im Moment, da dieser Artikel in unserem kleinen Blog veröffentlicht wird, beginnt offiziell die Fußball-WM 2014 in Brasilien. Da man diesem Ereignis – gerade in Deutschland – nur entkommen kann, wenn man sich für die Zeit der WM in ein künstliches Koma versetzten lässt, kommt also hier noch ein Artikel zum Thema. Ja, selbst die Handlung von unseren Videokanal wird mit der heutigen Episode nach Brasilien verlagert (und falls sich das jemand fragt: Ja, die Aufnahmen sind vor Ort in Brasilien entstanden. Aber nicht jetzt während der WM-Phase, ich bin doch nicht verrückt!).

Ich möchte mich aber auch nicht zu sehr zu dem Thema selbst äußern, denn eigentlich bin ich kein Fußball-Fan, aber ein paar Gedanken möchte ich doch wiedergeben. Wenn man mich als Kind gefragt hat, von welchem Verein ich Fan bin, hab ich immer den FC Frankfurt als Antwort gesagt, weil meine Tante dort wohnt und weil ich so gegen die anderen Fans von großen Mannschaften wie Bayern stehen konnte. Hätte man tiefer gebohrt, ich hätte nicht mal gewusst, wer bei Frankfurt eigentlich spielt. Aber, und damit kommen wir zum Thema, bei der WM, da hab ich so ein wenig mitgefiebert. Allerdings mehr drumherum, ich hatte in den 1980er Jahren die obligaten Sammelalben für Klebebilder und zu jeder WM die Gag-Comic-Sonderausgabe mit den Abenteuern von Clever und Smart, die jede Großveranstaltung im Chaos versinken ließen.

Aber selbst diese periphere Begeisterung für Fußball hörte irgendwann auf. Nicht mal die WM in Deutschland konnte daran was ändern. Vielleicht war ich da aber auch eher genervt, weil ich sehr nahe am örtlichen „Public Viewing“ wohne und egal, ob ich Fußball schaue oder nicht, wenn ich bei einem Spiel mit Deutschland zu Hause bin, bekomme ich mit, was läuft. So oder so.

In letzter Zeit sind immer mehr kritische Stimmen laut geworden um die WM und den Weltfußballverband FIFA. Ein Hauptpunkt, an dem sich die schlechte Stimmung entzündet hat, war die Vergabe der WM 2022 an Katar. Der andere die aktuelle WM in Brasilien, bei der sehr viel schief gelaufen ist.

Aber auch ich war überrascht, als ich die letzte Ausgabe der „Anstalt“ gesehen und dann noch diese dreiteilige Artikelreihe von Jens Berger bei den Nachdenkseiten gelesen habe. Als Laie ahnt man ja mehr als man weiß, aber dass es so schlimm ist, das habe ich nicht geahnt. Deswegen möchte ich heute als Denkanstoss hier auf die drei Artikel von Jens Berger verweisen – und hiermit offiziell das Thema „WM 2014“ auf diesem Blog beenden (für die Videoreihe gilt das nicht, die Videos spielen weiterhin in Brasilien):

PS: Falls jemand nach meiner persönlichen Meinung von heute fragt: Ich brauche den Fußball nicht, ich brauche die WM nicht. Ich finde es skandalös, dass einem verurteilten Steuerhinterzieher wie Uli Hoeneß von seinen Spießgesellen noch der Rücken gestärkt wird, ich finde die Vorgänge um die WM skandalös (neben vielen anderen Dingen, die ich beim Fußball-Zirkus skandalös finde, ich habe mir halt zwei prominente Beispiele rausgegriffen). Sollte es tatsächlich zu einer Auflösung der FIFA kommen (was ich nicht glaube) mit der Konsequenz, dass es dann einfach keine Fußball-WM mehr gibt (was ich erst recht nicht glaube, denn man würde einfach eine neue Organisation gründen), wäre mir das persönlich auch egal. Das Geld, das so eine WM kostet, ist gerade in Ländern wie Südafrika oder Brasilien (aber auch in Deutschland!) in anderen Bereichen besser angelegt.

Übrigens, der Name des WM-Maskottchens „Fuleco“ ist ein Kunstwort. Das Wort ist NICHT aus der portugiesischen Sprache entlehnt und bedeutet auch nicht „Arsch“, nicht mal umgangssprachlich! Ende der Kommunikation!

„YouTube, wir müssen reden!“ – Aus der Sicht eines „Videomachers“

Okay, das „Netzfeuilleton“ sagt, der „YouTube-Goldrausch“ sei vorbei, aber um den geht es mir gar nicht. Es geht um etwas anderes, das viele der Videoproduzenten von YouTube betrifft, über das es aber eigentlich keine Diskussionen gibt. Beziehungsweise, bei den Diskussion, die über das Thema geführt werden, wird der Bereich der Videoproduzenten irgendwie immer ausgeklammert.

Es geht um Musik, die man in solchen Videos verwendet. Und immer, wenn eine Diskussion in dieser Richtung läuft (gerade aktuell wegen des Konflikts der GEMA mit YouTube), wird allenthalben das Klagelied der ausgebeuteten Musik-Künstler angestimmt, deren Arbeit nicht respektiert wird. Videoproduzenten sind die bösen Ausbeuter, die die Musik einfach verwenden und auf der Grundlage des Werks von anderen über YouTube ein Vermögen machen, von dem der Musiker nichts zu sehen bekommt.

Quatsch!

Es gibt für Künstler beziehungsweise Rechteverwerter schon längst die Möglichkeit, urheberrechtlich geschützte Musikstücke in eine Datenbank einzutragen. YouTube gleicht nun die hochgeladenen Videos mit dieser Datenbank. Wird ein registriertes Musikstück erkannt, ergreift YouTube automatisch Schritte: Der Urheberrechtsinhaber wird informiert, dass es ein Video gibt, das geschütztes Material verwendet, gleichzeitig wird dem Videoproduzenten mitgeteilt, dass sein Video wegen des geschützten Materials nicht mehr monetarisiert werden kann. Der Urheberrechtsinhaber kann dann bestimmen, was weiter geschieht, wird das Video gelöscht oder monetarisiert er es selbst – das heißt, der Künstler verdient nun die Werbeeinnahmen, die das Video dem Produzenten eigentlich gebracht hätte.

Und damit beginnen die Probleme für die Videomacher.

Das GEMA-Dilemma

Zwischen YouTube und der „Gesellschaft für mechanische Aufzeichnungen“, kurz „GEMA“, gibt es schon seit einiger Zeit Streit. Wenn auf YouTube Videos abgespielt werden, die Musik enthalten, welche über die GEMA registriert ist, soll YouTube für jedes Abspielen einen bestimmten Betrag zahlen. Der Betrag, der da bisher von der GEMA gefordert wurde, wurde von YouTube für zu hoch gehalten. Keine Seite ist bereit, irgendwie nachzugeben. Kampagnen und Gegenkampagnen werden gefahren.

Das Ergebnis für Videoproduzenten ist relativ einfach: Die Finger davon lassen! Eigene Videos niemals mit GEMA-geschützter Musik unterlegen. Dabei geht es um mehr als die Monetarisierung des Videos, in der Regel erscheint bei einem solchen Video die berühmte „YouTube-Sperrtafel“, die darüber informiert, dass dieses Video in Deutschland leider nicht angeschaut werden kann, da es Inhalte enthält, über die man sich mit der GEMA nicht hat einigen können. Alternativ kann der Produzent das Video auch stummschalten lassen – ja, wirklich! Aber das hätte keinen Zweck, es sei denn, man hätte von Vornherein als Stummfilm geplant.

Also, wer Videos auf YouTube hochstellt mit dem Ziel, sie zu monetarisieren, der weiß, dass er von GEMA-Musik die Finger lassen soll. Natürlich schränkt einen das ein, denn auch mir ist es oft so gegangen, dass ich dachte, „jetzt das Lied XYZ kurz einspielen lassen, dann wirkt die Szene richtig!“, und es aus urheberrechtlichen Gründen nicht machen konnte. Das ist aber im Moment der Stand der Dinge. Und es sieht nicht so aus, als ob sich in absehbarer Zeit daran etwas ändern wird.

Also gut, die Finger von GEMA-Musik lassen, und alles ist gut, oder? Aber nicht doch!

Urheberrecht als Waffe für Schnell-Verdienen-Woller

Schon seit den 1970er Jahren gibt es Musik und Geräuscheffekte, die ohne Lizenz herausgegeben wurden und von jedem Filmer für seine Werke verwendet werden dürfen. Anfangs waren das Schallplatten und Tonbänder, später CDs und schließlich gab es Download-Portale dafür. Diese Musikstücke sind, um es vorsichtig auszudrücken, nicht unbedingt gerade Wagner, Beethoven oder Mozart, aber sie erfüllen ihren Zweck, sie schaffen eine bestimmte Stimmung. Damit ist man als Produzent auf der sicheren Seite…

.,..nicht!

Ich selbst durfte die Erfahrung machen, dass gar nichts sicher ist. Für ein Video hatte ich ein GEMA- und lizenzfreies Musikstück verwendet, einfaches Harfengeklimper, um eine Unter-Wasser-Szene zu untermalen. Nachdem ich das Video hochgeladen hatte, wurde mir mitgeteilt, dass es sich bei dem Stück um das geschützte Musikstück „So-und-so“ (ich weiß den Namen nicht mehr) handelt, dass der Benutzer XYZ daran Urheberrechte angemeldet hat und mein Video nicht mehr monetarisierbar war. Weil ich aber wusste, dass das nicht sein konnte, googelte ich nach dem Namen des „Urheberrechtsinhabers“ und dem Namen des Musikstücks. Tatsächlich fand ich eine Seite, wo es eine Hörprobe gab. Ich hörte mir das Musikstück und war überrascht – harte Gitarrenriffs waren zu hören, die so gar keine Ähnlichkeit mit dem Harfenstück hatten. Doch dann, plötzlich nach etwa sieben Sekunden wurde das Harfenstück über die Gitarrenriffs eingespielt. Der angebliche „Urheberrechtsinhaber“ hatte also zwei lizenzfreie Musikstücke genommen, übereinander gemischt (das Ergebnis klang furchtbar, es passte nicht zu einander) und als „Eigenkomposition“ bei einer Urheber-Datenbank eingereicht. Wegen des Harfenstücks erkannte der Abgleicher bei YouTube das Musikstück als urheberrechtlich geschützt. Na, super!

Einschub: Die Waffe der Videoproduzenten – Widerspruch gegen Urheberanspruch

Nun muss man im Rahmen der Fairness sagen, dass die Videoproduzenten sich nicht alles bieten lassen müssen. Man kann Widerspruch einlegen gegen den Urheberanspruch. Am einfachsten ist es, wenn man eine offizielle Lizenz hat (also das Stück zum Zweck der Verwendung als Videovertonung beim Urheber lizenziert hat). Dann kann man den Punkt „Ich habe eine Lizenz für die Verwendung dieses Stücks“ anklicken, die Lizenz angeben und gut is… nicht! Aber dazu kommen wir gleich noch.

Bleiben wir bei meinem Spezialfall: Für den gab es nämlich keinen Punkt. Kein Videoproduzent kann sich bei YouTube „offiziell“ beschweren, dass man der Ansicht ist, der Anspruch werde zu unrecht erhoben. Der angebliche Rechteinhaber kann irgendwas behaupten und man kann selbst nichts dagegen machen. Ich habe die YouTube-Webseite durchforsten müssen, bis ich endlich eine Möglichkeit fand, mit den YouTube-Leuten direkt Kontakt aufzunehmen. Ich schilderte den Fall und bekam darauf eine ziemlich banale Antwort:

„Wir mischen uns nicht in solche Urheberrechtsstreitigkeiten ein.“

Und was soll ich bitte machen? Ich kann dem angeblichen Urheberrechtsinhaber nicht beikommen, denn der wird den Teufel tun, von sich aus zuzugeben, dass er zwei lizenzfreie Stücke einfach zu einem zusammengeklatscht hat, um schnelles Geld zu machen. Letztlich habe ich das Video überarbeitet und zähneknirschend das Stück durch ein anderes ersetzt. Ein paar Monate später stolperte ich in eine andere Falle.

Die „Später-Ruhm-haben-Woller“: Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist… blöd!

Ich erwähnte bereits die lizenzfreien Downloadportale. Musikkünstler stellen dort selbst komponierte und musizierte Stücke ein und stellen sie zur freien Verwendung zur Verfügung, für Videos, Podcasts und anderes. Die Qualität dieser Musikstücke ist recht unterschiedlich und es ist so manche Perle dabei. Offenbar handelt es sich dabei um Menschen, die der Musik mit Leidenschaft nachgehen, aber leider kein Label gefunden haben, dass ihre Stücke veröffentlicht. So war es zumindest.

In den USA haben sich mittlerweile ein paar Dienst etabliert, die sowas wie „CD on Demand“ produzieren. Künstler können ihre Stücke auf einen Server hochladen, Käufer können dort probehören und eine CD bestellen. Wenn die CD bestellt wird, wird sie gebrannt und ausgeliefert, ähnlich dem „Print on Demand“, wo das Buch erst in dem Moment gedruckt wird, da der Kunde es bestellt. Beide Systeme haben sogar noch eine Gemeinsamkeit: Da natürlich der entsprechende Hersteller auch Profit machen will, verpflichtet man sich vertraglich, die Inhalte des Werks nicht auf anderem Wege zu publizieren. Für mich als „Print-on-Demand“-Autor hat das beispielsweise die Konsequenz, dass ich mein Werk nicht irgendwo als eBook rausbringen kann, sondern nur bei meinem Verlag – und kostenlose eBook-Dateien verteilen darf ich auch nicht. Aber wenn ich das wollte, müsste ich nur den Vertrag kündigen, meine Rechte bleiben mir erhalten.

So ist es bei den „CD-on-Demand“-Diensten ebenfalls. Und mir ist aufgefallen, dass es Künstler gibt, die zuvor ihre Musik auf den lizenzfreien Downloadportalen herausgebracht haben, die jetzt die gleiche Musik bei einem „On-Demand-Dienst“ anbieten. Und da beginnt der Ärger: Denn natürlich will der CD-Dienst seinen Verdienst schützen. Also registriert er die Stücke bei einer Musik-Datenbank und schwupps! Schon wird die Musik, die man für das eigene Video verwendet hat, als „urheberrechtlich geschützt“ erkannt, obwohl man sie von einem lizenzfreien Downloadportal hat. Und ja, das funktioniert auch noch im Nachhinein.

Der Videoproduzent hat keine Möglichkeit, dagegen anzukommen, denn natürlich hat man keine Lizenz mit dem neuen Urheberrechtsanspruchsmelder. Und den interessiert nicht, dass es die gleichen Stücke „früher mal“ kostenlos zum Runterladen gab. Jetzt ist das nicht mehr so. Basta!

Und YouTube? Ja, die mischen sich nicht ein.

Urheberrecht als Waffe für Betrüger: Das ist meins! – Nein, meins! – Meins! – Meins! – Meins!

Will man all diesem Ärger aus dem Weg gehen, gibt es noch einen Weg: Mittlerweile gibt es Musikportale, wo man spezielle Musik für Videos kaufen kann (Musicloops ist so eins). Die kosten zwar ein bisschen was, aber dafür bekommt man eine offizielle Lizenz und niemand kann einem an den Karren fahren. Oder?

Äh, doch, kann man.

Wie die Pest über das mittelalterliche Europa so kamen im Gefolge der Musikdatenbanken die so genannten „Copyfrauds“ (kann man ungefähr als „Urheberrechtsbetrüger“ übersetzen), die eine Lücke ausnutzen. Denn die Musikstücke der Lizenzfrei-Musikportale werden natürlich NICHT bei den Urheberdatenbanken registriert. Diese Musik ist speziell für die Verwendung zum Beispiel auf YouTube gedacht, man will die Produzenten da nicht ständig mit Urheberrechtsmeldungen belästigen.

Genau das nutzen die „Copyfrauds“ aus. Sie laden nun die Musikstücke der Musikportale hoch und geben sich als Urheberrechtsinhaber aus. Das führte unter anderem zu dieser bizarren Situation:

youtube - doppelter Einspruch

Es handelt sich – wie man an dem Zeitmarker „7:56“ sehen kann – um EIN Musikstück, das von ZWEI verschiedenen angeblichen Urheberrechtsinhaber ZUGLEICH unter ZWEI verschiedenen Titeln beansprucht wurde. Verdammt, macht diese dämliche Musikdatenbank keinen Abgleich, damit das gleiche Stück nicht zweimal angemeldet werden kann? Oder wenigstens eine Plausibilitätsprüfung bei den Einsprüchen?

Ihr denkt, das ist ja ziemlich doof? Na, wartet ab, es kommt noch dööfer!

Urheberrecht als Waffe: Sehet die Vögel, sie säen nicht und sie ernten nicht und der himmlische Vater ernähret sie doch…

Der Fall mit der „doppelten Erkennung“ ist leider mir passiert. Aber der Chef des Musikportals persönlich hat mir da herausgeholfen (ein Hoch auf Mark Lewis!!). Aber ein noch krasserer Fall ist jemand anderem passiert und da muss man sich wirklich an den Kopf langen: Ein YouTube-User hat sich dabei gefilmt, wie er wilden Salat pflückt. Dann hat er sein Video auf YouTube hochgeladen. Dann bekam er einen Urheberrechtshinweis. Er habe geschützte Musik verwendet.

Das Problem: Das Video ist nicht mit Musik unterlegt. Es sind nur Naturgeräusche zu hören.

Tatsächlich beanspruchte da jemand das Urheberrecht für NATURGERÄUSCHE wie SINGENDE VÖGEL!! Entweder haben wir hier also einen Beweis für die Existenz Gottes (man denke nur an die Schlagzeile: „GOTT MELDET URHEBERRECHTSANSPRUCH FÜR NATURGERÄUSCHE BEI YOUTUBE AN!“), oder ziemlich dreiste Menschen, die mit minimalem Aufwand den maximalen Gewinn erzielen wollen. Die Zeichen sprechen dafür, dass es letzteres ist, denn dem YouTube-User, der sich beim Salatpflücken gefilmt hat, ist keine brennende Schrift an der Wand oder ein brennender Dornenbusch erschienen.

Aber als ob das nicht genug wäre, man kann es noch schlimmer machen: Natürlich hat der User Widerspruch eingelegt und erklärt, dass es sich um Naturgeräusche handelte und nicht um geschützte Musik. Sein Widerspruch wurde abgelehnt! Hier kann man die ganze Geschichte nachlesen (leider nur auf Englisch). Wie ist es aber möglich, dass so ein Widerspruch abgelehnt wird? Ganz einfach: Das System enthält einen oder mehrere Fehler.

Das System: Es ist was faul im Staate Dänemark…

Wie genau funktioniert das aber mit den Ansprüchen? Also nochmal Schritt für Schritt:

  1. Der User lädt ein Video auf YouTube hoch.
  2. Das YouTube-System identifiziert urheberrechtlich geschützten Inhalt.
  3. Der Urheberrechtsinhaber und der Videoproduzent werden informiert. Die Monetarisierung des Videos zugunsten des Produzenten wird gestoppt. Wenn der Urheberrechtsinhaber das wünscht, kann er das Video für sich monetarisiseren, das heißt, die Einnahmen aus Werbung gehen an ihn.
  4. Der User muss, wenn er den Anspruch des Urheberrechtsinhabers für ungerechtfertigt hält, Widerspruch einlegen und begründen, warum.
  5. Der Urheberrechtsinhaber kann entscheiden, ob er den Widerspruch für gerechtfertigt hält oder nicht.
  6. Wenn dem Widerspruch stattgegeben wird: Der Videoproduzent muss sein Video neu zur Monetarisierung anmelden, ansonsten erzielt er keine Einkünfte.
  7. Wird der Widerspruch abgelehnt, wird dem Videoproduzenten ganz unverhohlen mit rechtlichen Schritten gedroht, die jede weitere Aktion seinerseits nach sich zieht.

Der Knackpunkt ist Punkt 5: Es entscheidet nämlich keine unabhängige Schiedsstelle oder ein YouTube-Mitarbeiter, sondern der vermeintliche Urheberrechtsinhaber selbst, ob der Widerspruch gerechtfertigt ist oder nicht.

Doch selbst wenn der Urheberrechtsinhaber den Widerspruch zulässt, kann er schon Geld verdient haben: Solange das Verfahren quasi „in der Schwebe“ ist, kann er das Video monetarisieren. Das heißt: Auch wenn der Anspruch des Urheberrechtsmelders ungerechtfertigt ist, hat er an dem Video unter Umständen verdient. Und da macht es wieder die Masse an Videos und die Zeit, die verstreicht, bis der angebliche Inhaber entscheidet, dem Widerspruch stattzugeben. Denn zwischen der Meldung des Urheberrechtsverstoßes und dem Freigeben des Videos können – das habe ich selbst erfahren – einige Tage bis zu zwei Wochen (!!) vergehen.

Das bringt mich noch auf einen ganz anderen Punkt…

Einer für alles und alles für einen: Vielen  Dank für die Blumen, vielen Dank, wie lieb von Dir…

Mehrfach wurde es schon erwähnt: Urheberrechtsinhaber können sich auch entscheiden, das Video des Videoproduzenten für sich zu monetarisieren. Damit kriegen sie den kompletten Anteil aus Werbeeinnahmen, den sonst der Produzent bekommen hätte. Und zwar komplett. Und das ist nicht gerecht.

Gehen wir zurück zu dem Video, von dem ich oben erzählt habe, das mit der Unterwasser-Szene. Nehmen wir mal an, das Harfengeklimper, das ich verwendet habe, würde von einer CD stammen („Richard Kleiderschrank klimpert seine schönsten Melodien auf der Harfe“) und wäre wirklich urheberrechtlich geschützt. Dann könnte der Urheberrechtsinhaber entscheiden, mein Video zu monetarisieren. Er kriegt das ganze Geld aus Werbeeinnahmen, das eigentlich mir zugestanden wäre.

Das Problem dabei ist: Das besagte Video ist rund 30 Minuten lang. Das Harfengeklimper nahm davon rund drei Minuten in Anspruch. Das sind 10 % des ganzen Videos. Mit anderen Worten: Der Urheberrechtsinhaber bekommt 100 % des Werbeeinnahmenanteils für das Video, zu dem er gerade mal 10 % beigesteuert hat, und ich kriege für die 90 %, die ich produziert habe, nichts.

Unter Umständen kann sogar folgende Situation eintreten: Ein User ruft das Video auf. Es läuft eine Werbeanzeige im Vorspann, dann kommt das Video selbst, doch nach fünf Minuten entscheidet der User, dass ihn das Video nicht interessiert und schaltet ab – BEVOR das Harfengeklimper gelaufen ist. Das heißt, der Urheberrechtsinhaber bekommt die Einnahmen aus der Werbeanzeige, obwohl das Stück, für das er sie bekommt, noch NICHT einmal GELAUFEN ist!

Ceterum censeo: Und was jetzt?

Was muss sich also ändern? Ein paar Dinge klingen ja in meinem Text an, am Wichtigsten denke ich aber, ist eine Beschwerdemöglichkeit für Videoproduzenten. Denn gerade im Zusammenhang mit „Copyfrauds“ tauchen immer wieder die gleichen zwei Namen auf… und wieder… und wieder… und wieder… Dem Produzenten wird nach der Ablehnung eines Widerspruchs ganz unverhohlen mit rechtlichen Schritten gedroht, aber umgekehrt gibt es nichts, das ein Produzent gegen einen Copyfraud machen kann. Deswegen machen die auch immer weiter.

Punkt zwei: Die Monetarisierung muss besser verteilt werden. Es kann nicht sein, dass ein 30-Minuten-Video quasi als überdimensionaler Videoclip für einen Urheberrechtsinhaber dient, mit dem dieser das ganze Geld verdient, auch wenn seine Leistung am Gesamtwerk nur 10 % sind.

Überhaupt sollte endlich mal was geschehen! Wie gesagt, in den ganzen Diskussionen wird die Position der Videoproduzenten ja komplett ausgeblendet. Und Zeit hatte man wahrlich genug: In dem Beitrag über das Salat-pflück-Video, den ich weiter oben verlinkt habe, heißt es, das Problem mit „Copyfrauds“ ziehe sich schon seit zwei Jahren hin. Und der Beitrag selbst ist von 2012, das heißt, weitere zwei Jahre sind ins Land gegangen, ohne dass irgendwas passiert ist.

Im Gegenteil, das beweist mein Screenshot vom April 2014.

Ein kleiner Schritt wäre es ja schon mal, wenn man wenigstens die bekannten Copyfrauds endlich mal rausschmeißen würde. Wie ich schrieb, es läuft immer wieder auf dieselben Namen raus. Und das nervt!

Als ich den Artikel gestern las, hätte ich nie gedacht, dass es auch diese Dinge über die Fußball-WM zu erfahren gibt! Schockierend!

Herzlich willkommen zum zweiten Teil des Experiments „Reißerische Überschriften, die Leute anlocken sollen“. Na, auch aufgeregt über den Werbe-Artikel von gestern? Aber bitte, das ist doch kein Grund zum Aufregen. Jeder springt im Moment auf den Zug auf. Ist doch kein großes Ding.

Soll ich Euch sagen, was ein Grund zum Aufregen ist? Obwohl, nein, besser ist es, Euch zu zeigen, worüber Ihr Euch bei der WM aufregen sollt. Ich bin selbst kein Fußballfan, war ich noch nie, aber die WM hat mich als Kind doch immer gefangen genommen. Mit allem, Sammelbilder und so. Aber wie ich jetzt erfahren musste, war es schon damals nicht unbedingt das „nette Fußballfest“, als das es heute immer noch verkauft wird.

Und das ist es, worüber sich das Aufregen lohnt. Mehr Details gab es vor drei Tagen bei Max Uthoff und Claus von Wagner in der Satire-Sendung „Die Anstalt“. Habt Ihr knapp eine Stunde Zeit? Es lohnt sich. Die ganze Sendung kann man hier anschauen.

Und dann wisst Ihr, worüber Ihr Euch aufregen sollt!

Krautreporter – Okay, Ihr habt mich

Ich gebe ja zu, dass es Dinge gibt, über die ich so manches Mal schon nachgedacht habe im Hinblick auf den Journalismus. Ich habe zum Beispiel das elektronische Abonnement einer lokalen Tageszeitung, aber eigentlich nur, weil es einen Tabletcomputer zu dem Abonnement dazu gab. Die Zeitung habe ich die ersten Tage  online gelesen, mittlerweile aber nicht mehr. Irgendwas passt mir da nicht so.

Seit ich diesen Flop mit dem Dudelfunk erlebt habe, höre ich eigentlich nur noch Deutschlandradio. Okay, auch da gibt es zuweilen peinliche Ausrutscher, aber es werden sehr viel gut gemachte Reportagen und Formate ausgestrahlt. Viele Sachen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Und dann wünsche ich mir mehr davon. Ja! Jemand sollte mal was tun! Jawohl!

Dann auf einmal sehe ich mich in der Pflicht: Die Gründung der Journalismus-Plattform „Krautreporter“ wurde bekannt gegeben und um Unterstützung per Crowdfunding gebeten. Ja, dann macht mal… oh, ach ne, da bin ja auch ich gemeint. „Krautreporter“ möchte nach dem eigenen Selbstverständnis eine Plattform von Journalisten sein, die Reportagen, Recherchen, Porträts und Erklärstücke liefert, allerdings im Gegensatz zum „klassischen Journalismus“ unabhängig von Werbekunden (Stefan Niggemeier erklärt das in seinem Blog hier nochmal ausführlicher und poetischer). Das hat allerdings einen Preis, und zwar für denjenigen, der diese Reportagen, Recherchen, Porträts und Erklärstücke lesen bzw. sehen möchte: Man muss ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Dafür kommt „Krautreporter“ aber ohne Werbung aus.

Tja, und da stehe ich nun. Komisch, wenn sich manchmal Wünsche erfüllen. Mein Wunsch nach einer Fortsetzung (kein Reboot!!!) von „Raumpatrouille Orion“ hat sich in mehreren Jahrzehnten nicht erfüllt.  Dafür gibt es jetzt dieses Journalismusprojekt. Sicher, man weiß nicht, wie es werden wird. Wie denn auch, es soll ja erst entstehen. Aber es klingt gut und die Redaktion, wie sie auf der Webseite präsentiert wird, macht einen guten Eindruck.

Okay, Ihr habt mich! Ich wollte sowas haben, jetzt muss ich Farbe bekennen. Ich habe mich als Unterstützer eingetragen. Das bedeutet, dass ich im Erfolgsfall (also wenn das Projekt die angepeilte Anzahl von 15.000 Unterstützern erreicht) für das Jahresabonnement zahlen muss. Aber ich bin bereit, mir das mal anzusehen. Und vielleicht kann ich dann in ein paar Jahren mal sagen: „Ja, ich war dabei, bei den ersten fünfzehntausend!“

Wenn die geneigte Leserin oder der geneigte Leser sich ebenfalls für werbekundenunabhängigen Journalismus interessiert, dann gibt es hier mehr in Erfahrung zu bringen!

Europa ist nicht tolerant, Europa ist janusköpfig – ein Nachtrag zum ESC

Publikum: Buuuh! Buuuh!
Monty Burns: Rufen die „Buh“?
Mr Smithers: Aber nein, die rufen „Buörns!“
Monty Burns: (zum Publikum) Ruft Ihr „Buh!“ oder „Buörns!“?
Publikum: Buuuuh!
Hans Maulwurf: Ich hab aber „Buörns“ gerufen.

– „Die Simpsons“

Der römische Gott Janus wird mit zwei Gesichtern dargestellt, die in entgegen gesetzte Richtungen blicken. Wohlgemerkt, es ist nicht so, dass er zwei Köpfe hat. Er hat einen Kopf mit zwei Gesichtern. Es heißt, er kann damit sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blicken. Deswegen ist der Monat „Januar“ nach ihm benannt, da man ja zum Jahreswechsel sowohl auf das vergangene Jahr zurückblickt, als auch gespannt darauf schaut, was das neue Jahr bringen wird. Allerdings hat sich von diesem Gott auch die nicht ganz so schmeichelhafte Vokabel „janusköpfig“ abgeleitet, mit der man Menschen umschreibt, die zwei Dinge tun oder zwei Meinungen vertreten, die sich komplett widersprechen. Oft geht es dabei um Unehrlichkeit, nämlich dass der entsprechenden Person dieser Widerspruch bewusst ist und sie es mit Absicht macht (zum Beispiel, um sich zwei Optionen offen zu halten). Aber es gibt auch die, denen der Widerspruch nicht auffällt, dem sie sich da hingeben. Und damit sind wir beim „Eurovision Song Contest“ angekommen.

Die eine Seite hat Stefan Niggemeier schon sehr schön aufgearbeitet: „Conchita Wurst punktete bei den Zuschauern in ganz Europa„. Für diejenigen, die die letzten 30 Stunden in einer zugenagelten Kiste ohne Kontakt zur Außenwelt verbracht haben: Österreich hat den ESC gewonnen und zwar mit dem Beitrag „Rise like a Phoenix“ von Conchita Wurst, eigentlich Tom Neuwirth, einem homosexuellen Travestiekünstler, der mit der Kunstfigur Conchita zum Nachdenken über das Anderssein anregen wollte. Und ganz offenbar ist ihm das gelungen. Stefan Niggemeier arbeitet in dem verlinkten Artikel sehr schön heraus, dass das Publikum relativ einhellig – manchmal im Gegensatz zu den jeweiligen Jurys – für diesen Beitrag stimmte. Möglicherweise hat Europa damit ein Zeichen für Toleranz gesetzt und möglicherweise (aber ich fürchte, das ist schon zu weit gedacht) haben es diejenigen, die bei den Homosexuellen-Rechten immer die Bremse reinhauen wollen, ein klein wenig schwerer, ihre Legitimation zu erklären.

Leider haben die Zuschauer gestern auch das hässliche Gesicht Europas gezeigt: Das der Intoleranz und Spaltung. Beim Voting von Russland wurde kräftig gebuht und auch so manche 12 Punkte für den russischen Beitrag wurde mit kräftigen Buh-Rufen begleitet. Gestern machte auf Twitter dann noch ein Witz die Runde, der sich von der Szene aus den „Simpsons“ ableitet, die ich an den Anfang dieses Beitrags gestellt habe. Kurz zur Erklärung: In dieser speziellen „Simpsons“-Episode finde in Springfield ein Filmfestival statt. Natürlich lässt auch Kernkraftwerksbesitzer und Multimilliardär Monty Burns einen Film produzieren, in dem er sich als Retter und Menschenfreund darstellen lässt, der am Ende sogar als Messias in den Himmel aufsteigt. Als der Film vorbei ist, kommt es zu der oben beschriebenen Szene, das Publikum buht, Smithers versucht, Burns zu überzeugen, dass sie ihm in Wahrheit mit „Buörns“-Rufen zujubeln (zur Erklärung, falls das nicht klar sein sollte: der Name „Burns“ wird auf Englisch natürlich „börns“ ausgesprochen). Aber der einzige, der wirklich „Buörns“ gerufen hat, ist Hans Maulwurf.

Angesichtes des ESC wurde diese Szene nun so abgewandelt[1]:

Publikum: Buuuuh! Buuuuh!
Vladimir Putin: Rufen die „Buh“?
Dmitri Medwedew: Aber nein! Die Rufen „Buhtin! Buhtin!“.
Vladimir Putin: (zum Publikum) Ruft Ihr „Buh!“ oder „Buhtin!“?
Publikum: Buuuuh!
Weißrussland: Ich hab aber „Buhtin“ gerufen.

Ja. Schade, Europa, aber irgendwas ist ja immer. Nicht nur dass die anti-russischen Ressentiments, mit denen unsere so genannten „Leitmedien“ uns seit Wochen bombardieren, sich offenbar gut verfangen haben, nein, man buht, weil eine Moderatorin aus Russland ein paar Zahlen verkündet, als sei sie Putin persönlich; und man buht Punktevergaben an eine russische Sängerin aus, als sie sie Putin persönlich. Und das ganze wird auch noch witzig gefunden. Individuen scheint es in Russland keine mehr zu geben, es gibt nur noch „Putin“. Zu Zeiten des kalten Krieges wurde immer vor „dem Iwan“ gewarnt, wenn man die UdSSR irgendwie personifizieren wollte und „der Russe“ einem zu unpersönlich schien. Heute ist es „der Putin“ – Gottseidank muss man nicht mehr auf fiktive Figuren wie den „Iwan“ zurückgreifen – und der Konflikt wird selbst in den ESC hinein getragen.

Mit anderen Worten: Die Stimmung ist so aufgeheizt, dass allein schon deswegen eine Lösung des Ukraine-Konflikts auf Gesprächsbasis vom Volk nicht mehr positiv aufgenommen werden wird. Man sieht es ja schon an den permanenten Kehrtwendungen, die die „Leitmedien“ vollziehen: Erst heißt es, Putin soll endlich mit der OSZE verhandeln, und wenn er Verhandlungsbereitschaft signalisiert, heißt es wieder, Putin würde nur taktieren. Ich sehe es schon kommen, dass jede friedliche Lösung dieses Konflikts, sollte sie überhaupt noch kommen, als „Kniefall vor Putin“ bewertet werden wird.

Und das ist die Quintessenz dessen, was man als „janusköpfig“ bezeichnet: Die Zuschauer des ESC mögen mit ihrem Entschluss, Conchita Wurst gewinnen zu lassen, wirklich ein Zeichen für Toleranz in der Gesellschaft gesetzt haben. Mit ihren Buh-Rufen für eine russische Sängerin und eine russische Moderatorin haben sie aber auch ein Zeichen der Engstirnigkeit gesetzt. Die Vielfalt, die auf der einen Seite in Form von Conchita Wurst bejubelt wird, wird auf der anderen Seite völlig negiert nach dem Motto: „Ihr Russen seid doch alle gleich!“

Mit beiden Seiten werden wir jetzt umgehen müssen. Denn ich sehe noch etwas anderes kommen: Die Stimmen jener, die die gesellschaftliche Vielfalt, wie sie auch durch Conchita Wurst dargestellt wird, ablehnen, werden lauter und schriller werden. Spätestens am Montag wird die konservative Medienlandschaft das Jagdhorn blasen. Natürlich auch – so wie in den vergangenen Wochen – gegen Putin, aber vermutlich wird das ESC-Ergebnis mit dazu kommen.

Und wetten: Irgendjemand holt wieder die alte Geschichte mit den osteuropäischen Ländern, die sich gegenseitig die Punkte zuschieben, aus dem Keller!

 

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[1] Wegen der Quelle: Ich habe diesen Witz gestern bzw. heute früh in meiner Twitter-Timeline gehabt, ihn dann aber nicht mehr wiedergefunden. Es war ein Re-Tweet, der Witz war ursprünglich auf Englisch. Falls jemand die Quelle kennt, bitte in die Kommentare eintragen.

Aktion: STOPPT TTIP!

TTIP_de_300x250_2Derzeit verhandeln EU-Vertreter mit der US-Regierung über das TTIP-Freihandels-Abkommen. Durchgesickerte Papiere zeigen, dass die Unterhändler die größten Wünsche der Konzerne erfüllen wollen: Hormonfleisch, Fracking, Gen-Essen, laxer Datenschutz und eine privatisierte Wasserversorgung sollen in Europa einziehen.

Auf demokratischem Weg wäre das nie möglich. Nun soll es ein Vertrag richten, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgehandelt wird. Ich habe gerade einen Appell unterschrieben, um die Verhandlungen zu stoppen. Unterzeichnen bitte auch Sie den Appell:

https://www.campact.de/TTIP-Aktion

Formel-1-Weltmeister Schumacher: So dringen „Neuigkeiten“ an die Öffentlichkeit

Mal angenommen, ich würde bei irgendeiner großen Zeitung anrufen und sagen, ich könnte Neuigkeiten über den Zustand des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Michael Schumacher besorgen, der in Folge eines Unfalls beim Skifahren noch immer im Krankenhaus liegt, was würde die Zeitung dann mich fragen? Vermutlich erstmal, in welchem Verhältnis ich zu Schumacher stehe, dass ich an solche Informationen komme. Und dann würde ich ihnen folgendes erklären: Ich wohne in Pfullendorf. Aus Pfullendorf kommt auch Daniel Schuhmacher, der 2009 bei „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen hat. Und Daniel Schuhmachers Nachnamen spricht man gleich aus wie den von Michael Schumacher, auch wenn man den einen mit „h“ schreibt und den anderen ohne. Und schon besteht eine Verbindung!

„Was für eine abstruse Geschichte!“, sagen Sie? Ja, aber tatsächlich gab es Leute, deren „Verbindung“ zu Michael Schumacher nicht weniger an den Haaren herbeigezogen war, die sich trotzdem in den Medien in Szene setzten und ihr „Wissen“ um den Zustand des Formel-1-Weltmeisters in die Welt posaunten. Und wie beim Posaune Spielen blieb am Ende von denen auch nur eins übrig, nachdem der Ton verklungen war: heiße Luft!

Solche abstrusen Geschichten und den Fabulierwillen auch seriöser Medien beschreibt Anno Hecker in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ unter dem Titel: „Formel-1-Weltmeister Schumacher: Phantasien statt Fakten“.

Wer den Artikel lesen möchte – er ist wirklich gut geschrieben -, der möge bitte eine Suchmaschine seiner Wahl bemühen. Da auch die „FAZ“ das so genannte „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ unterstützt und derzeit prüft, ob sie zusammen mit Springer und Burda die VG Wort zum Abkassieren für „kleinste Textschnippsel“ nutzen soll, erfolgt von dieser Seite aus kein direkter Link.

 

Das ist jetzt eine komische SItuation, oder? Das meine ich jetzt nicht einmal ironisch, ich halte den Artikel wirklich für gut geschrieben und er bringt einige Dinge auf den Punkt. Zum Beispiel, dass manchen Menschen kein „angebliches Verhältnis“ zu Michael Schumacher zu blöd ist, um damit bei den Medien hausieren zu gehen. Oder wie die Medien sich selbst helfen, wenn eben mal keiner mit ihnen reden will.

Doch dann ist da eben auch das „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“. Dieser Artikel wäre davon zwar nicht betroffen, da ich in eigenen Worten davon schreibe, worum es in Heckers Beschreibung geht und nicht einmal ein Zitat bringe. Aber es geht um das Prinzip, denn ich habe nicht immer Zeit oder Inspiration, um einen Artikel wie diesen hier zu verfassen. Manchmal möchte man auch etwas kurz Weiterempfehlen, aber nicht so kurz, wie es auf Twitter oder Facebook üblich ist. Und wenn man dann hört, dass Juristen die eigene Webseite als „Quasi-Suchmaschine“ einschätzen könnten (für die das Leistungsschutzrecht gilt), nur weil man ein Suchfeld eingerichtet hat, mit dem Leser diese Seite durchsuchen können, dann könnte einem die Hutschnur platzen. Vor solchen juristischen Spitzfindigkeiten wurde allenthalben vor der Einführung des Leistungsschutzrechts gewarnt, doch die Kritiker wurden arrogant abgekanzelt: So was wird mit den neuen Recht niiiiiemals möglich sein, niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen…

Dieser Artikel passt zum heutigen Aschermittwoch, denn immer mehr Freiheiten verwandeln sich in Asche. Und den Betreiber kleiner Blogs bleibt nur, die Lage um das LSR zu beobachten.

Und: Nicht mehr auf Presseangebote zu verlinken.

Ceterum censeo Leistungsschutzrecht esse delendam!

Andreas Eschbach *** *** Leistungsschutzrecht für Presseverlage

Allen Widerworten und aller Vernunft zum Trotz hatte die Kampagne der Presseverleger gegen Google Erfolg: der Deutsche Bundestag beschloss die Einführung eines so genannten „Leistungsschutzrechts für Presseverlage“ und schuf damit einen bürokratischen Leviathan. Das Gesetz ist derart unnütz und unausgegoren, dass jeder, der irgendwas im Internet veröffentlicht, eventuell irgendwie auf irgendwas verklagt / abgemahnt / angep***t werden kann.

Der Science-Fiction-Autor Andreas Eschbach tut seine Meinung zum Leistungschutzrecht auf seiner Webseite auf recht subtile und dennoch deutliche Art und Weise kund, er setzt das Leistungsschutzrecht nämlich einfach um: Andreas Eschbach – Pinnwand.

Dazu kann ich nur sagen: Andreas Eschbach hat ****** ****** ******* verdient!

„America the Ugly“ – ein Softdrinkwerbespot spaltet „God’s own country“

War was? Ach ja, Superbowl. Hab ich erstmal nur am Rande mitgekriegt, da ich es nicht so mit den Ballsportarten habe. Interessanterweise wird selbst in Amerika Football hier und da kritisch gesehen wegen den exorbitanten körperlichen Schäden, die die Spieler im Lauf einer Karriere davontragen. Mein Bild vom Football ist mehr geprägt durch amerikanische Serien, in denen es immer so aussieht, als wollten Highschool-Mädchen nur eins, nämlich Cheerleader werden, während die Jungs alle Quarterback werden wollen, damit sie bei einem Cheerleader-Mädchen landen können. In der Kontroverse, die sich an der letzten Superbowl-Fernsehübertragung entzündet hat, geht es aber nicht um Football. Nicht im geringsten.

Es geht um einen Werbespot. Die Werbespost zum Superbowl sind besonders gemacht und das müssen sie auch sein: Die Fernsehsender verlangen Mondpreise für eine halbe Minute Sendezeit (wir reden hier nicht von zehn- oder hunderttausenden Dollars, wir reden von Millionen!). Entsprechend einprägsam und aufwändig werden die Werbespots gestaltet. So auch der Spot von Coca-Cola. Damit das geneigte Lesepublikum weiß, wovon ich schreibe, machen wir gerade mal eine kleine Werbepause.

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Direkter Link zum Video: http://youtu.be/443Vy3I0gJs

Wer den Spot jetzt zum ersten Mal gesehen hat, wird ahnen, was das Blut von – hauptsächlich konservativen – Amerikanern zum Kochen bringt: Das Lied „America the Beautiful“ – was manche Amerikaner als „zweite Nationalhymne“ betrachten – wird nicht nur in Englisch, sondern auch in anderen Sprachen, unter anderem Spanisch und Arabisch, gesungen. Nun ist der ganze Spot natürlich so extrem patriotisch gestaltet wie Coca-Cola süß ist, mit dem entsprechenden Pathos, aber die Bildzusammenstellung und der Gesang passen den Konservativen nicht. Es wird also in fremden Sprachen gesungen und es werden unterschiedliche Menschen gezeigt darunter – Gott bewahre! – ein anscheinend schwules Pärchen.

Die Reaktionen darauf stiegen in Twitter auf, wie Bläschen in einer gerade geöffneten Cola-Flasche, Reaktionen, die einen permanentes Kopfschütteln verursachen konnten. „Un-amerikanisch“ sei der Werbesport, „Mexikaner, Terroristen, Juden und Nigger“ (man beachte die Zusammenstellung und Wortwahl) seien „keine Amerikaner“, in so einem Werbespot solle man „Amerikanisch“ (jep!) sprechen und nicht wenige kündigten an, nie wieder Coca-Cola zu trinken (täte mich interessieren, was die beim nächsten Besuch im McDonald’s machen). Wer seinen Kopf jetzt noch nicht genug geschüttelt hat, dem empfehle ich diesen Beitrag: „Speak English! Racist revolt as Coca-Cola airs multilingual ‚America the Beautiful‘ SuperBowl Ad„.

Etliche regten sich auch über das gezeigte schwule Pärchen auf. Das hat eine besondere Note, diejenige, die den Text von „America the Beautiful“ geschrieben hat, Katherine Lee Bates, hat jahrelang mit einer anderen Frau zusammengelebt. Man muss hier zwar vorsichtig sein, denn das ganze ereignete sich im 19. Jahrhundert, das heißt, offen eine lesbische Partnerschaft zu leben war nicht nur schwierig, sondern schlichtweg unmöglich. Dennoch gibt es Anzeichen, dass die Verbindung zwischen Katherine Lee Bates und der anderen Frau, Katharine Coman, mehr war als eine platonische Beziehung.

Besser ausdrücken kann es natürlich Colbert vom „Colbert Report“:

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The Colbert Report
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Direkter Link zum Video: http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/432753/february-03-2014/coca-cola-s-diverse–america-the-beautiful–ad

Okay, noch nicht genug der Idiotie gehabt? Dann hab ich noch was: Zum zweiten Mal in Folge lehnte das Fernsehen das Ausstrahlen eines SodaStream-Werbespots während des Superbowl ab. Der Grund: Die – wesentlich zahlungskräftigeren – Sponsoren Coca-Cola und Pepsi werden darin angegangen. Letztes Jahr sollte gezeigt werden, wieviel Plastik sich einsparen ließe, wenn die Menschen ihre Getränke selbst sprudeln, was natürlich ein direkter Angriff auf die Wegwerf-Plastikflaschen der beiden Getränkekonzerne war. Und dieses Jahr… nun, seht selbst:

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Ja, der Grund für die Ablehnung sind vier Worte: „Sorry, Coke and Pepsi.“ Was mich sehr wundert, da ich schon Werbespots gesehen habe, in denen sich Coke und Pepsi gegenseitig auf schlimmere Art und Weise fertig gemacht haben.

Aber ich muss das alles, was ich in diesem Beitrag beschrieben habe, nicht verstehen. Ich bin ja auch nur ein Mensch.

Bitte gehen Sie jetzt weiter! Es gibt hier nichts mehr zu sehen!