Passend zum G7-Gipfel in Elmau: Fünf Methoden, mit denen die Mächtigen Dich dazu bringen, Demonstranten zu hassen

G7 in Elmau ist vorbei, rausgekommen ist irgendwas. Poltiker bebauchpinseln sich nun darüber, dass „gewalttätige Proteste“ ausgeblieben sind. Komischerweise hat ist dem Ausbleiben von Gewalttaten auch das Interesse der Presse an den Protesten ausgeblieben. Alles eitel Sonnenschein. Wirklich?

Auf Cracked.com ist gestern ein Beitrag von David Wong erschienen, der zwar ursprünglich auf die Situation in den USA abzielt (gerade was die Zusammenhänge mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen betrifft), der aber auch auf den G7 und die Proteste dagegen (oder gegen TiSA, TTIP oder wasauchimmer) angewendet werden könnte: Fünf Methoden, mit denen die Mächtigen Dich dazu bringen, Demonstranten zu hassen. Diese fünf Methoden sind in einer Art Hitparade aufgeführt, von Platz fünf zu Platz eins, und sie treffen die Situation ganz genau:

5. Warte, bis ein Demonstrant das Gesetz übertritt und rede dann nur noch davon.
4. Überzeuge die machthabende Mehrheit davon, dass sie eigentlich die Unterdrückten sind.
3. Setze den Fokus auf die frivolsten Forderungen und auf herausstechende Einzelpersonen.*
2. Spiele zwei benachteiligte Gruppen gegeneinander aus und behaupte, dass nur eine von beiden „gewinnen“ kann.
1. Behaupte, dass Veränderung die Welt zerstören wird.

Die genauen Ausführungen zu den einzelnen Punkten finden sich (auf Englisch) hier. Interessant ist dabei auch, dass in der Überschrift des Artikels von „protesters“ (Demonstranten) die Rede ist, die URL zeigt aber an, dass da wohl ursprünglich „underdogs“ (Benachteiligte) stand. Egal wie, der Artikel selbst passt auf beides und ist sehr lesenswert.

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* Hier hatte ich etwas Schwierigkeit, den Satz so zu übersetzen, dass er im Deutschen eindeutig und verständlich ist. Ein Beispiel: Wenn eine Gruppe von 1.000 Demonstranten „soziale Gerechtigkeit“ fordert und es stehen zwei dabei, die ein Schild mit „Freibier für alle!“ hochhalten, dann konzentriert man sich auf diese zwei, um darzulegen, wie verrückt und unrealistisch die Forderungen aller Demonstranten sind. Das ist eine Variante des so genannten „Strohmann-Arguments„. Tatsächlich erwachsen alle fünf Methoden aus dem Sophismus, hauptsächlich aus Angst-, Hass-, und Neidargumenten.

„Sinn heißt du, doch nenn‘ ich dich Unsinn!“

Fricka(zu Wotan)
Sieh, welch trugvollem Schelm du getraut!

Froh
Loge heisst du,
doch nenn‘ ich dich Lüge!

– Richard Wagner: „Das Rheingold“

Gerade heute habe ich einen Text darüber gelesen, dass man nicht alles kommentieren soll. Doch der Anlass für meinen Aufschrieb ist für mich ein Beleg dafür, dass Kommentare oft auch bitte nötig sind. Worum geht es? Professor Hans-Werner Sinn von Ifo-Institut hat seine Meinung kundgetan. Und er ist der Meinung, dass kinderlosen Menschen die Rente gekürzt gehört, und zwar auf die Hälfte des normalen Betrags.

Entschuldigung, aber… GEHT’S NOCH?

Bei den Nachdenkseiten wurde eine Seite der Kurzsichtigkeit von Sinns Unsinn schon ausgeführt: Es gibt Menschen, die sich gerne Kinder wünschen,  bei denen es aber nicht funktioniert. Allein das ist schon eine psychische Belastung. Dann sich zusätzlich noch dem Druck ausgesetzt sehen, im Alter von einer Winzrente leben zu müssen und somit bis ans Ende seiner Tage daran erinnert zu werden, dass ein Lebenswunsch leider nicht erfüllt werden konnte, ist unmenschlich.

Ich möchte sogar noch weitergehen: Zum Kinderkriegen gehören nun mal immer zwei. Was ist mit jenen Menschen, die nicht mal einen Partner finden? Oder was ist, wenn man selbst gern Kinder hätte, der Partner aber nicht? Die Situationen allein sind auch wieder schlimm genug, aber im Alter auch noch dafür bestraft zu werden, dass man keinen oder den „falschen“ Partner gefunden hat, ist grausam.

Und kleine Frage: Wenn wir auf diesem Weg Menschen ohne Kinder abstrafen, muss dann der Staat im Umkehrschluss nicht alles möglich machen, damit diese Menschen doch noch Kinder bekommen (können)? Sprich: Bei Paaren, die aus biologischen Gründen keine Kinder bekommen können, nicht nur die ersten drei Versuche der künstlichen Befruchtung durch die Krankenkasse zahlen zu lassen, sondern so viele Versuche, bis es endlich klappt? Oder für Singles die Mitgliedschaften in Partnerbörsen steuerlich absetzbar machen? Oder Ausnahmeregeln einführen, dass in dem Fall, dass nur einer der Menschen in einer Beziehung Kinder will, jener keine Kürzung der Rente bekommt, der „Kinderunwillige“ aber schon? Oder kann der Staat dann verlangen, dass man sich von dem kinderunwilligen Partner trennt?

Während ich so meine Gedanken für diesen Artikel sortierte, stellte sich bei mir ein merkwürdiges Gefühl von Déjà-Vue ein… das hab ich doch schon mal… ja, tatsächlich: Den gleichen unsinnigen Vorschlag mit den Rentenkürzungen hat vor rund einem Jahr die Bertelsmann-Stiftung auch schon gemacht. Und schon damals steigerte sich mein Blutdruck und ich habe den Bertelsmännern die Realität entgegen gehalten in „‚Sogar meine Mama findet Dich toll!‘ – Der Kampf eines Singles an mehreren Fronten„.

Und nichts, aber auch gar nichts, hat sich geändert. Es ist lediglich eine andere Marionette auf der Bühne erschienen, die fröhlich singt: „Tri-tra-trulala, die Rentenkürzung ist wieder da!“

Natürlich sind auch die Gegenargumente die gleichen geblieben. Die Idee ist unausgegoren und statt sich Gedanken darüber zu machen, wie wir einen weiteren Riss in die Gesellschaft schlagen, indem wir sie in „Kinderkrieger“ und „Kinderverweigerer“ einteilen, sollten wir eine solidarische Lösung finden.

Ich geh jetzt erstmal Wagner hören… A propros „Wagner“: Heute Abend 22.50 Uhr kommt im ZDF „Die Anstalt“. Einschalten lohnt sich!

Nu(h)r nicht einschalten…

Der Name „Nuhr“ lädt ja geradezu zu Wortspielen ein. Also, warum sollte ich das nicht auch tun, Dieter Nuhr macht’s ja selbst. Angeblich macht er auch Kabarett, bezeichnet sich selbst aber als „Komiker“. Er ist also quasi der „Fozzie-Bär des Ersten“.

Nä. Die Muppets waren lustig, sind lustig, bleiben lustig. Selbst Fozzie. Und Dieter ist einfach Nu(h)r…

SatireSenf hat sich Nu(h)r eine Sendung angetan und schreibt Nu(h)r ein paar Absätze über Nuhr. Und der ist alles – Nu(h)r nicht lustig. Nachlesen kann man das hier.

Wenn man das gelesen hat, heißt es wieder: Nu(h)r nicht aufregen…

BILD Dir keine Meinung! Nimm lieber unsere! Griechenland, Varoufakis, Biedermeier und die Brandstifter

Wer die BILD-Zeitung liest, um sich zu informieren, der säuft auch Schnaps, wenn er Durst hat.

– Claus von Wagner, Kabarettist

Würg. Kotz. Spei. Was anderes fällt mir nicht mehr ein, wenn ich das hier lese: „Der Griechen-Teufel mit dem Einzack„. Vor ein paar Tagen schrieb ich noch, man solle nie glauben, dass das Niveau nicht noch tiefer sinken kann. Niveau hat keinen Boden und sollte es doch einen haben, sind die Typen von der BILD-Zeitung diejenigen, die immer mit der Schaufel im Anschlag stehen, um noch eine Etage tiefer zu graben und im Dreck zu wühlen. Oder um noch ein Zitat zu bringen:

Widerlich. Einfach widerlich.

– James Bond in „Goldfinger“

 

Varoufakis, Jauch und die große Enttäuschung

Ja, der Tiefpunkt ist erreicht, was die „Berichterstattung“ über die Finanzkrise und Griechenland betrifft. Da hat „Le Bohémien“ mit seiner Kritik über die gestrige Sendung von Günther Jauch schon recht. Man braucht klarstellende Worte über Varoufakis‘ Aussagen, wie sie etwa Stefan Niggemeier hier findet.

Und ich? Ich kann es nicht fassen. Die Karriere von Günther Jauch begleite ich, seit er bei „Rätselflug“ dabei war oder zusammen mit Thomas Gottschalk moderierte. Nicht unbedingt weil ich ein Fan von ihm bin, sondern weil sich unsere Wege immer wieder kreuzten. Medial gesehen, nicht im realen Leben.

Ich hatte eine hohe Meinung von ihm. Meine Enttäuschung über das, was aus ihm geworden ist, fasst Ewan McGregor als Obi-Wan in dieser Szene sehr gut zusammen (Video ab Minute 7:10 anschauen, falls der Timecode nicht funktioniert): Obi-Wans Frust

Obwohl… ich befürchte, dass der Tiefpunkt doch noch nicht erreicht ist. Immer, wenn man glaubt, dass das so seit, passiert irgendwas, dass einem beweist, dass es immer NOCH tiefer geht. Und ich bin gerade am Überlegen, ob ich hier etwas ändern sollte. Eigentlich wollte ich verschiedene Themengebiete in diesem Blog nicht trennen, weil alles irgendwie zusammen gehört. Geschichten sollten auch Zukunftsvisionen bringen und von Gesellschaften handeln. Es sollte hier um die verschiedenen Geschichten (Science Fiction, Fantasy und mehr) gehen und um das, was dahinter steht. Aber ich bin mir selbst noch nicht sicher. Und bis ich mir sicher bin, wird es bunt gemischt weitergehen.

Ist doch wie in der Politik: Egal was passiert, einfach weitermachen. Merkt schon keiner.

„Die Freihandelslüge: Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet“ von Thilo Bode ab sofort im Handel

(c) DVA
(c) DVA

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den TTIP-Befürwortern eine Fehl- und Desinformationskampagne vorgeworfen. Von der Bundeskanzlerin bis zur Europäischen Kommission, von den Wirtschaftsweisen bis zum BDI, von der US-Botschaft bis zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft werde falsch oder irreführend über das geplante Freihandelsabkommen zwischen EU und USA informiert. Das kritisiert foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode in seinem neuen Buch „Die Freihandelslüge: Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet“ (DVA), das er in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte und ab sofort im Handel erhältlich ist.

Eine so breit angelegte Desinformationskampagne wie bei TTIP habe ich noch nie erlebt. Das Muster ist stets dasselbe: Die Chancen des Abkommens werden aufgebauscht, die Risiken geleugnet oder verschwiegen“, kritisierte Thilo Bode.

In seinem Buch erklärt der foodwatch-Gründer verständlich, um was es bei TTIP wirklich geht, warum das Abkommen demokratische Prozesse aushöhlt und wie sehr es die Verbraucher ganz konkret betrifft. Er klärt über die sensiblen Punkte auf, über die die Befürworter nicht offen sprechen: Kommt TTIP, würde es als völkerrechtlicher Vertrag über einzelnen Gesetzen stehen. Wenn EU und USA mit TTIP gesetzliche Standards gegenseitig anerkennen, könnten diese nicht mehr einseitig geändert werden. So hätte die wechselseitige Anerkennung etwa von Tierhaltungsbedingungen oder von Vorgaben für die Lebensmittelkennzeichnung zur Folge, dass die EU nicht mehr einfach ohne Zustimmung des Handelspartners USA bessere Standards in der Tierhaltung und mehr Transparenz über Produkteigenschaften beschließen könnte. Das Buch „Die Freihandelslüge“ zeigt, wie TTIP damit vor allem zu einem Programm zu werden droht, mit dem sich Konzerne in Zukunft unliebsamer Regulierungsvorhaben entledigen können.

Ich bin ein großer Verfechter des fairen Freihandels – genau deshalb bin ich gegen TTIP“, stellte Bode klar. „Bei diesem Abkommen geht es nicht um Freihandel, sondern um Freibeuterei. Das Recht der Konzerne auf ungestörtes Beutemachen würde ins Völkerrecht geschrieben, und die Gesetzgeber würden sich in Teilen selbst abschaffen: Regulierungsvorhaben könnten nur noch dann durchgesetzt werden, wenn der Handelspartner USA zustimmt. TTIP muss gestoppt werden.“

Bei Verhandlungen über einen so weitreichenden, völkerrechtlichen Vertrag sei es wichtig, eine offene und aufrichtige, öffentliche Debatte zu führen. Genau diese finde aber nicht statt, kritisierte Bode. In einem ausführlichen Hintergrunddokument hat foodwatch anhand von dutzenden Zitaten belegt, wie falsch und irreführend über TTIP informiert wird. Nur einige der Beispiele:

  • Der Einfluss von TTIP auf die Gesetzgebung wird geleugnet: „Der Spielraum für künftige Regulierungsvorhaben muss natürlich erhalten bleiben“, sagt zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel – dabei stellt ihr eigenes Kanzleramt wahrheitsgemäß klar, „dass der Regelungsspielraum der EU und der EU-Mitgliedstaaten durch konkrete Vereinbarungen über eine enge transatlantische Regulierungszusammenarbeit, etwa im Rahmen einer gegenseitigen Anerkennung von Standards, in Teilen eingeschränkt werden kann“.
  • Hypothetische wirtschaftliche Potenziale werden zu Fakten erhöht: Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat in diesem Februar eine Broschüre mit „12 Fakten“ zu TTIP herausgegeben – mindestens 5 davon müssen jedoch korrigiert werden. Als „Fakten“ präsentiert die Arbeitgeber-Lobby zum Beispiel „Hunderttausende neue Arbeitsplätze“ und „119 Milliarden Euro Gewinne durch TTIP“ – tatsächlich handelt es sich dabei nicht um Fakten, sondern um Schätzungen auf Basis völlig spekulativer Annahmen über die Ausgestaltung von TTIP. Dass dieselben Studien bei anderen Annahmen zu viel niedrigeren Prognosen kommen, verschweigt die INSM.
  • Wirtschaftliche Prognosen werden größer dargestellt: „Die Schätzungen über zusätzliche Arbeitsplätze in der EU reichen von 400.000 bis 1,3 Millionen“, schreibt die CDU. Die Schätzungen selbst in den Studien, aus denen die von der CDU zitierten Zahlen stammen, beginnen tatsächlich bei nur rund 12.000 Jobs.
  • Aus langfristig eintretenden Niveaueffekten wird jährliches Wachstum gemacht: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verspricht „rund 100 Mrd. Euro Wirtschaftswachstum pro Jahr“ in der EU – tatsächlich gehen Studien lediglich davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt der EU langfristig (im Jahr 2027) um diesen Betrag höher liegen könnte als ohne BIP – ein jährliches Zusatzwachstum wird gerade nicht vorhergesagt und erst recht nicht in dieser Größenordnung.
  • Einschränkungen werden unter den Tisch fallen gelassen: Selbst die „Wirtschaftsweisen“ im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung behaupten in ihrem Jahresgutachten 2014/2015, ein umfassendes TTIP „führt“ zu „weltweiten Beschäftigungszuwächsen: In Deutschland lägen sie bei 110.000 Personen.“ Die Ökonomen erwähnen nicht, dass diese Zahl in der Original-Studie als Obergrenze („bis zu“) und nur errechnet wurde für ein „sehr optimistisches Szenario, welches erhebliche Unsicherheiten involviert“.
  • Verlierer werden nicht erwähnt oder zu Gewinnern gemacht: Ein Vertreter der Europäischen Kommission bezeichnet TTIP als „große Goldgrube“ für Entwicklungsländer. Tatsächlich legt die Studienlage nahe, dass gerade Entwicklungsländer mit wirtschaftlichen Verlusten zu rechnen hätten.

Thilo Bode: Die Freihandelslüge. Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet. DVA 2015, 272 Seiten, 14,99 Euro. Seit dem 9. März im Buchhandel. Das Honorar von Thilo Bode fließt ausschließlich direkt in die Arbeit von foodwatch.

Das Buch gibt es im Buchhandel oder es kann hier bestellt werden:

 

Quelle: foodwatch e. V.

Kachelmann, Troika, SWR-Tatort, CIA Folterreport und ein offener Brief an die Impfgegner

Die Sonne scheint und ich habe ein paar Themen, die ich heute früh gelesen habe und weitertragenswert finde. Vielleicht hätte ich zum einen oder anderen auch selber was geschrieben, aber ich finde im Moment nicht die Zeit dazu. Hier sind die Themen:

Kachelmann vs. Bild

Lukas Heinser besucht für das BildBlog den Prozess von Jörg Kachelmann gegen die Springer-Publikationen BILD und Bild.de, deren Berichterstattung auf dem Prüfstand steht.

 

Nimm mich! Mehrere Städte buhlen um den neuen SWR-Tatort

Ich wohne ja auch in einer Stadt in Baden-Württemberg, aber ich bezweifle, dass der neue Tatort aus Pfullendorf (oder der Kreisstadt Sigmaringen) kommen wird. Andere Städte machen sich da mehr Hoffnungen und geben zum Teil damit an, dass sie eine bekannte Kriminellenszene hätten. Mit anderen Worten: Es wird mit dem, was sonst gern verschwiegen wird, Werbung gemacht. Verkehrte Welt.

 

Alles Stasi außer Mami

Die Sprecherin des Vereins „Ständige Publikumsvertretung“, der die Ukraine-Berichterstattung des ZDF mehrmals kritisiert hat, sieht sich plötzlich im Fokus einer Anfrage bei der Stasi-Behörde. Gestellt hat die Anfrage ein so genanntes „Investigativteam“, dessen Leiter mit einer der kritisierten ZDF-Journalistinnen verheiratet ist.

 

„Macht ohne Kontrolle – Die Troika“ auf arte

Eigentlich gehören Videos ja auf die Vlog-Seite vom Phantastischen Projekt, aber das Thema ist wichtig genug, um den arte-Bericht hier auch nochmal zu erwähnen: Die Troika, die sich in staatliche Politik einmischt, ist jenseits aller Kontrolle.

 

CIA-Folterreport: Das hohe Lied der Sicherheit oder die Insolvenz der „westlichen Werte“

Ein paar Gedanken zum neuen CIA-Folterreport. Erschreckend, dass es so ein Dokument überhaupt geben muss.

 

Liebe Impfgegner, es wäre nett, wenn Sie mein Kind am Leben ließen!

Ein Artikel einer Pharmazeutin zum Thema „Impfverweigerer“ (ich weigere mich, diese Menschen als „Impfskeptiker“ zu bezeichnen, da sie das Impfen einfach nur stumpf ablehnen und „Skeptiker“ sind immerhin Argumenten zugänglich), der mit ein paar Vorurteilen aufräumt, mit denen sich das Impfen immer mehr konfrontiert sieht. Ich bin geimpft – auch aus beruflichen Gründen – und werde dieses Jahr meine fälligen Auffrischungen vornehmen lassen.

„Ich bin ein Hai, holt mich hier raus!“

Im amerikanischen Sprachgebrauch gibt es die Redewendung „to jump the shark“ oder auch „shark jumping“. Man verwendet sie im engeren Sinne, wenn man aussagen möchte, dass eine schon seit längerem laufende Fernsehserie ihren Höhepunkt längst überschritten hat und eigentlich am Ende ist, nicht unbedingt von den Zuschauerzahlen, sondern mehr, weil den Autoren keine neuen Ideen mehr kommen, langjährige Hauptdarsteller aussteigen oder man durch völlig überdrehte Ideen versucht, wieder Spannung in die Handlung zu bringen. Der Begriff enstand durch eine Episode der fünften Staffel der Serie „Happy Days“. Diese war lange erfolgreich gewesen, krankte aber so langsam an den zuvor beschriebenen Symptomen. Das wurde besonders deutlich, als eine der Hauptfiguren, Fonzie, eine Szene hatte, in der er mit Wasserskiern über einen Hai sprang – „he jumped the shark“. Diese Szene wirkte so lachhaft und überdreht, dass viele Zuschauer und Kritiker das Ende der Serie gekommen sahen.

Obwohl ich – ja, steinigt mich dafür – zugeben muss, „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ (besser bekannt als „Dschungelcamp“) nicht anzuschauen, sehe ich trotzdem Anzeichen, dass diese Serie  möglicherweise auch schon den „Sprung über den Hai“ gemacht hat, zumindest aber schon mal Anlauf dafür nimmt. Grund für meine Annahme sind zwei Artikel von Stefan Niggemeier. Für den einen breche ich hier sogar mit dem Prinzip, wegen des Leistungsschutzrechts nicht mehr auf Presseverlage zu verlinken: In der FAZ schreibt Niggemeier über die Metaebene vom Dschungelcamp. Bisher war das das, was gerade ihn wohl so besonders daran gereizt hat, der Umstand, dass die Sendung alles irgendwie aufs Korn nahm, die Kandidaten, die eigenen Moderatoren, den eigenen Sender (RTL), ja sogar das eigene Konzept. Doch in dieser aktuellen Kritik stellt er fest, dass das mit der Metaebene über Psychospielchen mit den Teilnehmern und Szenenauswahl immer höher geschraubt wird, so dass nach oben nicht mehr viel Luft bleibt (FAZ: „Dschungelcamp-Tagebuch: Nackt auf der Metaebene„). Selbst ihm wird das also scheinbar zu viel.

Ganz aktuell hat Niggemeier dann noch einen Artikel veröffentlicht, wo er selbst die Metaebene betritt, ja, betreten muss: „Dschungelcamp-Journalismus: Wie buchstabiert man ‚Vorab-Meldung‘?“ Er, der sonst eher selbst über das Dschungelcamp berichtet, berichtet über die Berichterstattung zum Dschungelcamp. Das Problem für die meisten Zeitungen ist nämlich, dass die neueste Folge aus dem australischen Busch so spät kommt, dass in Deutschland der Redaktionsschluss schon vorbei ist. Die Sendung selbst anschauen, eine Rezension schreiben und in den Druck geben, dafür reicht die Zeit nicht. Also gibt RTL täglich eine Vorabmeldung heraus, die eine Sperre enthält: Der Inhalt darf nicht publiziert werden, bevor nicht die aktuelle Folge gelaufen ist. Aus dieser Vorabmeldung basteln sich die Zeitungen ihre IBES-Artikel zusammen, die dann am nächsten Morgen erscheinen können, obwohl keiner der Redakteure die Sendung wirklich selbst gesehen haben kann. Das rächte sich nun, denn die Meldung, die RTL herausgab, enthielt ein paar Fehler, beschrieb sie doch die Dschungelprüfung, der sich Maren Gilzer in der Sendung vom 24.01. unterziehen musste (das „Un-Glücksrad“) in gewissen Details falsch. Niggemeier fiel das auf und er stellte fest, dass die „Bild am Sonntag“, die sich auf die „Vorabmeldung“ stützte, die gleichen Fehler drin hat (und übrigens auch die offizielle RTL-Mitteilungsseite zur Sendung, zumindest noch zu dem Zeitpunkt, da dieser Artikel entstand, wohingegen Niggemeier in einem Nachsatz seines Artikels bemerkt, dass die falschen Details im ePaper der „Bild am Sonntag“ korrigiert wurden).

In den Kommentaren des Artikels wird zurecht gerätselt, wie das passieren konnte. Bei den falschen Details handelt es sich keinesfalls um einfache Vertipper. War hier jemand nur extrem unaufmerksam oder wollte man die Journalisten ärgern, die sich ja voll und ganz auf die „Vorabmeldung“ verlassen müssen? Man weiß es nicht, aber es wirkt – nach so vielen Jahren „Dschungelcamp“ – irgendwie aus der Reihe gefallen. Warum jetzt und warum ausgerechnet bei so was auffälligem? Ein Lapsus oder Korrosionserscheinungen?

Zusammengenommen ergeben beide Artikel ein etwas unrundes Bild vom „Dschungelcamp“. Wie ich am Anfang schrieb, vielleicht ist der „Sprung über den Hai“ noch nicht geschehen, aber zumindest wird schon kräftig Anlauf genommen. Das heißt aber erstmal auch noch gar nichts. Erst wenn die Quote nicht mehr stimmt, wird man direkte Konsequenzen ziehen.

Und was lernen wir daraus? Ähm… nichts. Wenn Sie es bis hierhin durchgehalten haben, haben dann Sie einen Artikel gelesen, der über einen Artikel berichtet, der über einen Artikel berichtet, in dem ein Fernsehsender über eine eigene Sendung berichtet. Stellen Sie sich mal vor, das würde ich hier häufiger machen.

Was mache ich hier eigentlich? Äh… ist hier irgendwo ein Hai im Zimmer?

KRAUTREPORTER Perlen: „Die Anstalt“ und „Charlie Hebdo“

Ich selbst habe ja das Projekt „Krautreporter“ unterstützt und bin eigentlich recht zufrieden mit dem, wie es sich darstellt. Natürlich gibt es noch Verbesserungspotential, aber so schlimm wie manche andere finde ich die Unzulänglichkeiten nicht. Und natürlich sagt mir auch nicht jedes Thema zu, aber ein Magazin, das mir zu 100% gefällt, das müsste ich selbst produzieren lassen. Und dann hieße es wahrscheinlich „Mein hochinteressantes Magazin“.

Heute möchte ich jedenfalls zwei Beiträge weiterempfehlen, die mir in den letzten Tagen besonders aufgefallen sind. Vielleicht mache ich das in Zukunft häufiger, mal sehen.

 

Frankreich nach dem Anschlag: „Freunde streichen sich von ihren Freundeslisten“

Krautreporterin Victoria Schneider ist nach Paris gereist, um der Stimmung dort nach den Anschlägen auf „Charlie Hebdo“ nachzugehen. Zuvor war ein Aufruf an die Unterstützter von „Krautreporter“ ergangen, man möge ihr bitte Kontakte in Frankreich vermitteln, damit sie ein möglichst vielschichtiges Bild bekommt. Zeitgleich fand eine Debatte mit den Lesern bei Krauterporter selbst statt. Dieser Artikel gibt einen guten Überblick und verspricht, dass Victoria Schneider bald ihren ersten Bericht schickt.

 

„Bei manchen Artikeln hatten wir wahrlich das Gefühl, wir sitzen schon im Schützengraben.“

Stefan Niggemeier interviewt Max Uthoff, Claus von Wagner und Dietrich Krauss von der Sendung „Die Anstalt“ über das erste Jahr der Satiresendung, nachdem Urban Priol sie abgegeben hat.  Lesenswert!