Der Name der Rose – Durch das Ocularium betrachtet: Buch – Film – Serie | Prolog

Der Name der Rose – Durch das Ocularium betrachtet: Buch – Film – Serie | Prolog


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Transkript

Im Vorwort des Buches „Der Name der Rose“ erzählt Umberto Eco die fiktive Geschichte, wie er die Aufzeichnungen eines Mönches gefunden hat, die die Grundlage für die Geschichte bildeten, doch in der Tat weißt das Buch noch ein zweites Vorwort auf, einen Prolog. Dieser Prolog gibt bereits die Worte des Ich-Erzählers wieder und führt direkt in die eigentliche Handlung. Eco nutzt diese zweite Einführung, um eine große Klammer um die Geschichte zu setzen, der Erzähler beschreibt, dass er in seiner Jugend als Novize Zeuge unglaublicher Ereignisse wurde, er gibt einen Abriss der Lage wieder, in der sich die bekannte Welt zum damaligen Zeitpunkt befand und macht einen kleinen Vorgriff auf bestimmte Handlungselemente, bleibt allerdings so vage, dass es gerade gereicht, die Neugier von Leserin und Leser zu wecken. Dann folgt das erste Kapitel, womit wirklich in die Geschichte eingestiegen wird.

In dieser Reihe, in der ich durch das Ocularium auf die Geschichte blicken möchte, will ich den Prolog dazu nutzen, eine kurze Abhandlung und Kritik über den Roman, den zugehörigen Film und die Serie zu schreiben. Ich werde es dabei vermeiden, zu viele Handlungselemente, Überraschungen oder gar Lösungen zu verraten. Soll heißen: Wer Buch, Film und / oder Serie noch nicht kennt, kann dieser Abhandlung unbeschwert folgen und wenn er oder sie möchte, sich von mir beraten lassen. Ich werde meine persönliche Meinung wiedergeben. Ab dem nächsten Kapitel werde ich dann die Handlung genauer auseinander nehmen und davon berichten, welche Handlungsteile auf welche Weise vom Roman in den Film und in die Serie übernommen wurden. Dabei wird es selbstverständlich dazu kommen, dass ich alle Handlungselemente offenlege. Wer sich also am Ende des Prologs gerne Roman, Film oder Serie selbst zu Gemüte führen möchte, möge dies tun, bevor er oder sie die nächste Folge konsumiert. Vor allen Dingen in den späteren Folgen werde ich über die Ermittlungsarbeit der Protagonisten der Serie berichten und was diese ergibt. Zwar lohnt sich eine Lektüre des Romans meiner Meinung nach auch, wenn man die Handlung schon kennt, aber es gibt nun mal Menschen, die sich lieber überraschen lassen wollen.

Fangen wir nun an mit der Handlung von „Der Name der Rose“: Das Jahr ist 1327. Der Papst residiert zu dieser Zeit in Avignon und möchte seine Macht auf weltliche Herren ausbauen, während ebendiese weltlichen Herren sich ihre Macht nicht beschneiden lassen wollen. In diesen Disput wird der Mönchsorden der Franziskaner hineingezogen, die ein Armutsgelübde abgelegt haben und denen das Anhäufen von Reichtümern und das Auspressen armer Bauern durch die offizielle Kirche zuwider ist. In einer Benediktinerabtei im Norden Italiens soll nun ein Konvent stattfinden, eine Delegation der Franziskaner soll sich mit Abgesandten des Papstes treffen, um eine wichtige Frage zu klären: Hatte Jesus einen Geldbeutel? Diese Frage verdeckt allerdings nur einen tieferen Konflikt, für den sie als Stellvertreter steht, denn die wahre Frage ist: War Jesus arm – und soll deswegen auch die Kirche arm sein?

Auf dem Weg zu dieser Abtei, wo das Treffen stattfinden soll, ist unter anderem der englische Franziskanermönch William von Baskerville, begleitet von seinem Novizen und Adlatus Adson von Melk. Sie treffen auch als erstes ein, was von William durchaus nicht unbeabsichtigt ist, da er von der unglaublichen Bibliothek gehört hat, die dieses Kloster beherbergt, die er nur zu gerne gesehen hätte. Doch die Zeit scheint ungünstig zu sein, um in jener Abtei ein Treffen von solch politischen Dimensionen abzuhalten, den etwas Unheimliches ist geschehen: Nach einem schweren Sturm fanden die Mönche einen der ihren tot und zerschmettert außerhalb der Mauern. Er lag unterhalb des großen Turms, der das Aedificium – das Hauptgebäude – und die Bibliothek beherbergt. Das Unheimliche daran: Der Leichnam lag unterhalb eines Fensters, das man nicht öffnen kann. William von Baskerville, der für seinen scharfen Verstand bekannt ist und zuvor als Inquisitor gearbeitet hat, wird vom Abt beauftragt, Licht in die merkwürdige Sache zu bringen. Dabei muss William enttäuscht erfahren, dass es niemandem erlaubt ist, die Bibliothek direkt zu betreten. Dennoch gelingt es ihm durch Deduktion herauszufinden, wo der unselige Mönch wirklich von den Mauern stürzte, was allerdings immer noch ein Rätsel offen lässt: Sprang er freiwillig in den Tod – und wenn ja, warum? – oder wurde er gestoßen – und wenn ja, warum? Bevor William sich um diese Fragen kümmern kann, nehmen die Ereignisse an Fahrt auf: Ein zweiter Mönch wird tot in einem Bottich voll Schweineblut gefunden, ein dritter liegt kurz darauf tot im Badehaus. Aufgrund der besonderen Situationen, in denen die Leichen gefunden wurden – nach einem Sturm mit Eisregen, in Blut und in Wasser – ziehen ein paar Mönche Parallelen zu den Beschreibungen von den letzten sieben Tagen in der Apokalypse, in denen die sieben himmlischen Posaunen zu ähnlich gearteten Naturkatastrophen führen und vermuten, die Endzeit sei gekommen – oder zumindest aber der Teufel treibe sein Unwesen in der Abtei. William forscht jedem neuen Todesfall hinterher und kommt auf eine Gemeinsamkeit: die beiden Mönche, die nach dem Bruder, der in die Tiefe stürzte, ihr Ende fanden, starben an Gift, das eine geschwärzte Zunge und geschwärzte Fingerkuppen hinterlässt. Aufgrund von gefunden Aufzeichnungen der beiden stellt sich langsam heraus, dass die Tode mit einem Buch in Zusammenhang stehen, das heimlich aus der Bibliothek geholt wurde und das für so gefährlich gehalten wird, dass jemand dafür tötet.

Bei einer nächtlichen Spurensuche trifft Adson auf ein Mädchen, das von einem Mönch in das Kloster geschmuggelt wurde und mit der er eine Nacht auf eine Weise verbringt, die seinem Zölibatsgelübde widerspricht. Die Ereignisse überschlagen sich, als die päpstliche Delegation und mit ihr der Inquisitor Bernard Gui eintreffen. Gui wird von den Geschichtsbüchern als „effektiv“ beschrieben, was heißen soll, er war „effektiv“ beim Beschaffen von Geständnissen durch die Folter. Auch ihm bleiben die komischen Dinge, die sich des Nächtens in der Abtei abspielen, nicht verborgen. Seine Wachen fangen zwei Mönche und das Mädchen und Gui ist willens, seine Art der Wahrheit in Erfahrung zu bringen, um dann zu richten. Währenddessen möchte William immer noch den wahren Täter finden. Doch dazu müssen er und Adson einen Weg durch die Bibliothek finden, und diese wurde als Labyrinth konzipiert, damit Fremde sich verirren. Genauso verwirrend wie die Bibliothek ist auch die Serie von Mordfällen selbst…

Der Roman

Umberto Eco schrieb die Geschichte um William, Adson und die Morde im Kloster in den 1970er Jahren, 1980 erschien das Buch erstmals in Ecos Muttersprache Italienisch. Wenn man die Kritiken betrachtet, so wird dem Autor gerne mal vorgehalten, dass er sich mit langschweifigen Erklärungen aufhält, ja, es wird sogar ein Vergleich zum Stil von J.R.R. Tolkien und „Der Herr der Ringe“ gezogen. Tatsächlich hat die Geschichte in der Hinsicht ein paar Eigenheiten, während aber Tolkien sich in seinem Werk mit Landschaftsbeschreibungen aufhielt, sind es bei Eco zumeist historisch-philosophische Einordnungen oder aber Gespräche, in denen zwei Ansichten miteinander verglichen werden. Gehalten ist das ganze in einem Sprachduktus, der dem 14. Jahrhundert angemessen scheint. Während alles das die Geschichte für manche langatmig macht, hat sie für mich dadurch einen besonderen Reiz und stellt eine besondere Atmosphäre her. Was allerdings gewöhnungsbedürftig ist, sind die vielen lateinischen Satzteile, die in den Text eingelassen sind. Diese werden nicht, wie das etwa in den Asterix-Comics üblich ist, an Ort und Stelle mit einer Fußnote erklärt, sondern dazu muss man ans Ende des Buches, in den Anhang blättern. Hier findet man unter der entsprechenden Seitenzahl die jeweilige Übersetzung. Auch gibt es dort ein kleines Glossar, wo die weniger geläufigen Begriffe erklärt werden.

Die Figur des William von Baskerville ist hier etwas aus der Zeit gefallen, aber Eco wollte keinen historisch akkuraten Roman schreiben, sondern mit der Geschichte etwas ganz anderes transportieren. William ist ein kritischer, aufgeklärter Geist, der sich nicht mit den einfachen Erklärungen von anderen – das Böse ist am Werk, der Teufel hat dies oder jenes getan – zufrieden gibt. Er ist dabei Sherlock Holmes nicht nur nicht unähnlich, Holmes war die direkte Inspirationsquelle für William. Der dogmatische Fanatismus, dem nicht nur die anderen Mönche, sondern auch der Inquisitor Bernard Gui anhängen, führt letztlich zur Katastrophe.

Gleichzeitig gibt Eco auch noch ein Sittenbild wieder, etwa wenn Mönche, die ja das Zölibat einhalten müssen, die Armut der Bevölkerung ausnutzen, um sich mit Lebensmitteln Liebesdienste zu erkaufen oder wenn Mönche sich auf eine Weise, die – wie es ein Bruder im Roman ausdrückt – „wider die Natur“ ist, zueinander hingezogen fühlen.

Alle diese sehr klugen Betrachtungen werden getragen von einer Krimihandlung, in der der wache Verstand des William von Baskerville nur so blinkt und blitzt. Das Ende mag manchen ratlos zurücklassen – keine Sorge, der Fall wird aufgeklärt, es passieren aber noch ein paar Dinge -, aber auf diese Weise passt die Geschichte in die Zeit und rundet das ganze ab.

Wer also keine Angst vor Büchern mit langen Passagen hat und sich auf diese Weise gerne in eine fremde Welt hineinziehen lässt, die gar nicht so fremd ist, wie sie scheint, und der noch dazu Krimis mag, der ist bei Ecos Meisterwerk gut aufgehoben. Es spricht auch für sich, dass nach dem Erscheinen von „Der Name der Rose“ das Genre des Mönchs als Detektiv auflebte und wir ein paar Epigonen bekamen, die in den Spuren des scharfsinnigen Franziskanermönches wandelten.

Vom Inhalt des Buches zum Buch selbst: In der letzten Folge erwähnte ich es, dass es eine neue, bibliophile Ausgabe des Werks gibt. Die alte Fassung, die ich besitze, ist ein Nachdruck des Deutschen Bücherbundes, tatsächlich aber aus dem Jahr 1982. Es ist ein typischer Hardcover mit Schutzumschlag, der eine Besonderheit hat, die – soweit ich gelesen habe – nur diese deutsche Ausgabe hat: Dem Buch ist eine Art Lesezeichen beigefügt, auf dem ein „Dramatis Personae“, also eine Liste aller in der Geschichte vorkommenden Figuren mit einer kurzen Erklärung, abgedruckt wurde. Das Buch hat aber nicht nur Seltenheitswert, sondern für mich auch einen sentimentalen, denn meine Mutter hat es damals gekauft. Es ist ziemlich abgegriffen, man sieht ihm seine Jahre an. Ich werde es nun aber im Regal belassen, dass es erhalten bleibt. Zum Lesen, auch für diese ausführliche Rezension, werde ich die neue Ausgabe verwenden. Was den Inhalt betrifft, so hat an beiden Ausgaben der gleiche Übersetzter gearbeitet, Burkhardt Kroeber. Für die Neuauflage hat er den Text nochmals durchgesehen und Korrekturen vorgenommen. Es handelt sich ebenfalls um ein Hardcover, allerdings ohne Schutzumschlag. Der Titel ist in goldenen Lettern in Vorderseite und Buchrücken geprägt, die komplett schwarz gehalten sind. Außerdem sieht man in grau Adsons Zeichnung vom Labyrinth in der Bibliothek. Es wirkt sehr edel, auch wenn man es aufschlägt. Es ist auf feinem Papier gedruckt und wirkt daher ein wenig wie eine Bibel, was angesichts des Inhalts auch angemessen scheint. Das Lesezeichen mit dem „Dramatis Personae“ liegt nicht mehr bei, dafür hat das Buch das für ein Hardcover übliche Lesebändchen. Die Aufmachung ist gleich geblieben, auf der Innenseite des Umschlags befindet sich ein Grundriss der Abtei und nach der Titelei geht es direkt mit dem Vorwort „Natürlich, eine alte Handschrift“ weiter. Direkt davor befindet sich allerdings noch eine Seite, wo nun das „Dramatis Personae“ seinen Platz gefunden hat. Nach dem Haupttext folgt der Anhang, dieser wird allerdings von einem kleinen Aufsatz mit dem Thema „Über die Lächerlichkeit und ihre Grenzen – Einige Gedanken zur Angst des Jorge von Burgos“ eingeleitet. Geschrieben wurde es von Philip Blom. Im Anschluss finden sich noch ein paar Skizzen von Umberto Eco persönlich, unter anderem ursprüngliche Entwürfe des Labyrinths und Zeichnungen von den einzelnen Personen selbst. Danach geht es weiter wie in der ursprünglichen Auflage: Es folgen die Übersetzungen der wichtigsten lateinischen Passagen des Textes, ein Glossar und schließlich ein Inhaltsverzeichnis. Diese Ausgabe wird also nun die Grundlage für meine Rezension sein.

Eines muss ich noch hinzufügen: Ich habe die elektronische Ausgabe selbst nicht gesehen, aber einige Kritiken gelesen, in denen es hieß, die eBook-Variante sei sehr umständlich zu benutzen. Es ist wohl so, dass man im Haupttext die lateinischen Zitate nicht direkt anklicken kann, um zur entsprechenden Übersetzung zu kommen, sondern man muss jedes Mal händisch den Anhang aufrufen und die passende Stelle heraussuchen. Das goutiert nicht jeder der Leser, im Gegenteil, von den meisten wird es als lästig empfunden. Ich kann dazu nichts sagen.

Der Film

Der gleichnamige Film kam 1986 heraus. Produziert wurde er von Bernd Eichinger, Regie führte Jean-Jacques Annaud. Die Aufgabe, Ecos Buch in einen Film umzusetzen, übernahmen die Autoren Andrew Birkin, Gèrard Brach, Howard Franklin und Alain Goddard. Natürlich fiel dabei einiges weg, aber die weitschweifigen Erklärungen, die ich zuvor erwähnte, spiegelten sich in den großartigen Bauten wieder, die für den Film hergestellt wurden. Dem Bühnenbauer Dante Ferretti gelang es sogar, das Labyrinth und seine Art, die Sinne zu verwirren, für den Film umzusetzen, indem er nicht ein Gewirr von Räumen erschuf, sondern ein Gewirr von Treppen. Markante Zitate wurden tatsächlich verbetum – wortwörtlich – dem Roman entnommen, auch wenn sie manchmal an anderer Stelle gesagt werden. Allerdings wurden auch zwei Elemente hinzugefügt, die dem Roman etwas widersprechen, die aber für mehr Spannung sorgen sollen: Zum einen wurde die Feindschaft zwischen William und Bernard Gui vertieft, was so weit geht, dass Gui William vorwirft, selbst für die Morde verantwortlich zu sein. Das zweite Element, das ich hier etwas im Dunkeln lassen möchte, sorgt am Schluss für Zeitdruck, wie er sich in anderen Filmen immer im Countdown einer tickenden Uhr widerspiegelt. Das mag angemessen sein, denn mit Sean Connery wird William von Baskerville von dem Schauspieler dargestellt, der einst James Bond für die Kinoleinwand zum Leben erweckte, und der Agent mit der Lizenz zum Töten hatte es am Ende seiner Filme ja gerne mal mit einem laufenden Countdown zu tun. Allerdings gelingt es Eco im Roman, die Spannung auch ohne dieses Element aufrecht zu erhalten.

Aber reden wir von den Schauspielern: Sean Connery als William habe ich bereits erwähnt und er spielt den Mönch mit all seinem Manierismen sehr gut. Christian Slater als Adson – in einer seiner ersten großen Rollen – passt ebenfalls. F. Murray Abraham als Bernard Gui dreht etwas mehr auf, als es das Romanvorbild tut, wo sich der Konflikt zwischen ihm und William mehr auf einer intellektuellen Ebene abspielt. Zudem ist das Schicksal, das Gui im Film ereilt, völlig aus der Luft gegriffen: Es kommt im Roman nicht vor, da Gui eine reale, geschichtliche Person war. Tatsächlich kann man hier einen Vergleich ziehen zu einer anderen historischen Figur, die Abraham gespielt hat und die ebenfalls eine kleine „Falschzeichnung“ durch einen Film erfahren hat: Antonio Salieri, der Widersacher von Mozart, über den in dem Film „Amadeus“ angedeutet wird, er sei von Neid erfüllt gewesen und irgendwie Schuld am Tod des österreichischen Komponisten.

Michael Lonsdale als Abt ist etwas würdevoller als sein Romanvorbild, da jener zwar Abt ist, in seiner eigenen Abtei aber nicht wirklich das Regiment führt, vor allem nicht, was die Bibliothek betrifft. Unter den anderen Schauspielern sticht vor allem Ron Perlman als Salvatore hervor, der ein Mischmasch aus Sprachen spricht und als ehemaliger Ketzer ein paar Rituale kennt, die er lieber nicht kennen sollte. Was die anderen Figuren betrifft, so befinden sich darunter ein paar deutsche Schauspieler, die ein Mensch aus Deutschland in den 1980er Jahren sehr gut hätte wiedererkennen müssen: Helmut Qualtinger als Cellerar Remigius von Varagine, Michael Habeck als Berengar von Arundel und unter den so genannten „sonstigen Mönchen“ findet sich Ludger Pistor wieder, dessen Filmkarriere damals gerade begann.

Die beste Umschreibung, wie der Film „Der Name der Rose“ zu seinem Romanvorbild steht, gibt der Film im Vorspann selbst: Dort wird er als „ein Palimpsest von Umberto Ecos Roman“ bezeichnet. Ein Palimpsest ist ein Stück Pergamentpapier, das wiederverwertet wurde. Da Papier in diesen Zeiten sehr teuer war, warf man nicht mehr gebrauchte Pergamente nicht einfach weg. Stattdessen wurde mit einer scharfen Klinge die oberste Schicht abgekratzt, wodurch der dort geschriebene Text verschwand. Sodann wurde das Pergament neu beschrieben. Da die Tinte allerdings manchmal etwas tiefer in das Papier eindrang, konnte man auf dem Palimpsest den ursprünglichen Text noch durchschimmern sehen. Diese Beschreibung passt sehr gut, Ecos Text schimmert beim Film durch, gleichzeitig wurde aus dem ganzen auch etwas neues, eigenes gemacht. Der Autor hat den Film als eigenständiges, akzeptables Abbild seines Werkes bezeichnet. Mir persönlich hat der Schluss etwas zu viel. Ich verstehe, dass man das Finale einer solchen Geschichte im Film etwas „aufhübschen“ muss, aber weniger wäre hier mehr gewesen. Nichtsdestotrotz kann ich den Film empfehlen und als ich vor einigen Tagen jenen Migräneanfall hatte, der sich langsam wieder gebessert hatte, wollte ich ihn auch unbedingt sehen.

Die Serie

Die Serie wurde 2017 in Auftrag gegeben, so dass sie rechtzeitig vor dem 40jährigen Jubiläum des Buches fertiggestellt sein würde. Es sind insgesamt acht Folgen, von denen jede ungefähr 50 Minuten lang ist. Entsprechend wurde mehr vom Inhalt des Buches umgesetzt, allerdings auch zum Teil drastische Änderungen und Hinzufügungen gemacht. Adson von Melk bekommt einen Hintergrund, der dem Buch zum Teil widerspricht und der Ketzerführer Fra Dolcino, der im Buch erwähnt wird und dem vor einiger Zeit einige Mönche der Abtei folgten, bekommt eine größere Rolle. Außerdem wird Anna, die Tochter Dolcinos, eingefügt, die sich an Gui für den Tod ihrer Eltern rächen will. Anna ist eine Erfindung für die Serie, aber dass Bernard Gui den Tod von Fra Dolcino und seiner Gefährtin befohlen hat, entspricht den historischen Tatsachen. Die Rolle des Mädchens wird ausgebaut, so dass Adson ihr nicht zufällig in der Klosterküche, sondern schon vorher begegnet und sie kennenlernt. Der Konflikt zwischen William und Gui wird ebenfalls vertieft, allerdings werden ein paar Mal Spannungen aufgebracht, die plötzlich wieder verschwinden und nirgendwo hinführen. Und auch das Ende bekommt wieder eine „tickende Uhr“, die allerdings etwas anders gestaltet ist als im Film. Des weiteren wird die Art, wie William und Adson sich kennenlernen und wie sie schließlich auseinander gehen völlig anders dargestellt als im Buch und ich komme nicht dahinter, was sich die Autoren dabei gedacht haben.

Wo wir gerade von den Autoren sprechen, die Serie wurde geschrieben von Giacomo Battiato, Andrea Porporati, Nigel Williams und John Turturro. Turturro spielt ebenfalls die Hauptrolle, des weiteren sehen wir Damian Hardung als Adson von Melk und Rupert Everett als Bernard Gui. Letzterer dreht nicht ganz so auf wie F. Murray Abraham, sondern spielt die Rolle eher permanent wütend, was sich in einem ständig griesgrämig dreinblickenden Gesicht zeigt.

Die Ausstattung ist sehr gelungen, vor allem die Bilder des Vorspanns stimmen den Zuschauer gut auf die Serie ein, trotzdem kann ich sie nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich sehe hinter vielen Änderungen die Idee, die mit reingeflossen ist, aber zu viele der Änderungen haben der Geschichte meinem Eindruck nach nicht gut getan. Beispielsweise wird ein Subplot mit eingebaut, in dem es darum geht, dass der Papst einen Spion in der Abtei hat, mit dem er per Brieftaube kommuniziert, aber auf eine Weise, wie das mit Brieftauben nicht möglich ist.

Ich bin gespalten, was die Serie betrifft. Auf der einen Seite ist es schön, dass die Autoren sich tatsächlich die zur Verfügung stehende Zeit nehmen, um Szenen so zu inszenieren, wie sie für das Buch geschrieben wurden. Die ganze Geschichte hat damit gegenüber dem Film den Vorteil, sich entfalten zu können. Aber die Hinzufügungen und teils drastischen Änderungen passen nicht alle in das Konzept. Vor allem die Figur der Anna wirkt in meinem Augen Fehl am Platz, als hätte sich eine Figur aus einer Fantasygeschichte in ein Historiendrama verirrt. Und das ist schade. Vielleicht wird mein Urteil noch etwas milder, wenn ich mir die Geschichte nochmals ansehe, jetzt, da ich mich anschicke, den Plot unter die Lupe zu nehmen und direkt zu vergleichen, was vor uns liegt.

Andere Medien

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch zwei weitere Medien erwähnen, auch wenn ich über diese nicht allzu viel sagen kann. Es gibt nämlich noch ein Hörbuch und ein Hörspiel. Das Hörbuch wird von Gert Heidenreich gesprochen und nimmt sich den kompletten Text vor, was dazu führt, dass es im Gesamten 26 Stunden lang ist. Ich habe nur Ausschnitte daraus gehört, aber Heidenreich macht seine Sache gut und wer eher ein Freund von Hörbüchern ist, dem wird das vielleicht gefallen.

Das Hörspiel entstand seinerzeit aus einer Koproduktion von Bayerischem Rundfunk, Südwestrundfunk (damals noch Südwestfunk) und dem Norddeutschen Rundfunk in der Folge des Films. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein „offizielles Hörspiel“ zum Film, es ist eine komplette Eigenproduktion mit anderen Sprechern, unter anderem Pinkas Braun als William und Christian Schulz als Adson. Es ist entsprechend aufbereitet, mit passender Musik und Geräuscheffekten. Die Geschichte wurde etwas verkürzt, denn das Hörspiel ist „nur“ fünfeinhalb Stunden lang. Es beinhaltet also auch mehr als der Film zeigt. Auch hier kenne ich nur Ausschnitte, aber das ganze wirkt auf mich sehr stimmig.

Damit sei für den Moment erstmal alles gesagt und deswegen nochmal die Warnung: Ab der nächsten Folge schauen wir uns die Handlung an und wenn es dazu kommt, werden auch Überraschungen und wichtige Ereignisse wiedergegeben und analysiert. Wer die Geschichte selbst erleben will, der lese den Roman, schaue den Film oder im Zweifel auch die Serie vor der nächsten Folge.

Das Spiel beginnt, die Bühne frei!


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