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Bildblog: „Warum wir gegen die ‚Bild‘-Zeitung kämpfen„
Das Phantastische Projekt – PHAN.PRO
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Bildblog: „Warum wir gegen die ‚Bild‘-Zeitung kämpfen„
Im amerikanischen Sprachgebrauch gibt es die Redewendung „to jump the shark“ oder auch „shark jumping“. Man verwendet sie im engeren Sinne, wenn man aussagen möchte, dass eine schon seit längerem laufende Fernsehserie ihren Höhepunkt längst überschritten hat und eigentlich am Ende ist, nicht unbedingt von den Zuschauerzahlen, sondern mehr, weil den Autoren keine neuen Ideen mehr kommen, langjährige Hauptdarsteller aussteigen oder man durch völlig überdrehte Ideen versucht, wieder Spannung in die Handlung zu bringen. Der Begriff enstand durch eine Episode der fünften Staffel der Serie „Happy Days“. Diese war lange erfolgreich gewesen, krankte aber so langsam an den zuvor beschriebenen Symptomen. Das wurde besonders deutlich, als eine der Hauptfiguren, Fonzie, eine Szene hatte, in der er mit Wasserskiern über einen Hai sprang – „he jumped the shark“. Diese Szene wirkte so lachhaft und überdreht, dass viele Zuschauer und Kritiker das Ende der Serie gekommen sahen.
Obwohl ich – ja, steinigt mich dafür – zugeben muss, „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ (besser bekannt als „Dschungelcamp“) nicht anzuschauen, sehe ich trotzdem Anzeichen, dass diese Serie möglicherweise auch schon den „Sprung über den Hai“ gemacht hat, zumindest aber schon mal Anlauf dafür nimmt. Grund für meine Annahme sind zwei Artikel von Stefan Niggemeier. Für den einen breche ich hier sogar mit dem Prinzip, wegen des Leistungsschutzrechts nicht mehr auf Presseverlage zu verlinken: In der FAZ schreibt Niggemeier über die Metaebene vom Dschungelcamp. Bisher war das das, was gerade ihn wohl so besonders daran gereizt hat, der Umstand, dass die Sendung alles irgendwie aufs Korn nahm, die Kandidaten, die eigenen Moderatoren, den eigenen Sender (RTL), ja sogar das eigene Konzept. Doch in dieser aktuellen Kritik stellt er fest, dass das mit der Metaebene über Psychospielchen mit den Teilnehmern und Szenenauswahl immer höher geschraubt wird, so dass nach oben nicht mehr viel Luft bleibt (FAZ: „Dschungelcamp-Tagebuch: Nackt auf der Metaebene„). Selbst ihm wird das also scheinbar zu viel.
Ganz aktuell hat Niggemeier dann noch einen Artikel veröffentlicht, wo er selbst die Metaebene betritt, ja, betreten muss: „Dschungelcamp-Journalismus: Wie buchstabiert man ‚Vorab-Meldung‘?“ Er, der sonst eher selbst über das Dschungelcamp berichtet, berichtet über die Berichterstattung zum Dschungelcamp. Das Problem für die meisten Zeitungen ist nämlich, dass die neueste Folge aus dem australischen Busch so spät kommt, dass in Deutschland der Redaktionsschluss schon vorbei ist. Die Sendung selbst anschauen, eine Rezension schreiben und in den Druck geben, dafür reicht die Zeit nicht. Also gibt RTL täglich eine Vorabmeldung heraus, die eine Sperre enthält: Der Inhalt darf nicht publiziert werden, bevor nicht die aktuelle Folge gelaufen ist. Aus dieser Vorabmeldung basteln sich die Zeitungen ihre IBES-Artikel zusammen, die dann am nächsten Morgen erscheinen können, obwohl keiner der Redakteure die Sendung wirklich selbst gesehen haben kann. Das rächte sich nun, denn die Meldung, die RTL herausgab, enthielt ein paar Fehler, beschrieb sie doch die Dschungelprüfung, der sich Maren Gilzer in der Sendung vom 24.01. unterziehen musste (das „Un-Glücksrad“) in gewissen Details falsch. Niggemeier fiel das auf und er stellte fest, dass die „Bild am Sonntag“, die sich auf die „Vorabmeldung“ stützte, die gleichen Fehler drin hat (und übrigens auch die offizielle RTL-Mitteilungsseite zur Sendung, zumindest noch zu dem Zeitpunkt, da dieser Artikel entstand, wohingegen Niggemeier in einem Nachsatz seines Artikels bemerkt, dass die falschen Details im ePaper der „Bild am Sonntag“ korrigiert wurden).
In den Kommentaren des Artikels wird zurecht gerätselt, wie das passieren konnte. Bei den falschen Details handelt es sich keinesfalls um einfache Vertipper. War hier jemand nur extrem unaufmerksam oder wollte man die Journalisten ärgern, die sich ja voll und ganz auf die „Vorabmeldung“ verlassen müssen? Man weiß es nicht, aber es wirkt – nach so vielen Jahren „Dschungelcamp“ – irgendwie aus der Reihe gefallen. Warum jetzt und warum ausgerechnet bei so was auffälligem? Ein Lapsus oder Korrosionserscheinungen?
Zusammengenommen ergeben beide Artikel ein etwas unrundes Bild vom „Dschungelcamp“. Wie ich am Anfang schrieb, vielleicht ist der „Sprung über den Hai“ noch nicht geschehen, aber zumindest wird schon kräftig Anlauf genommen. Das heißt aber erstmal auch noch gar nichts. Erst wenn die Quote nicht mehr stimmt, wird man direkte Konsequenzen ziehen.
Und was lernen wir daraus? Ähm… nichts. Wenn Sie es bis hierhin durchgehalten haben, haben dann Sie einen Artikel gelesen, der über einen Artikel berichtet, der über einen Artikel berichtet, in dem ein Fernsehsender über eine eigene Sendung berichtet. Stellen Sie sich mal vor, das würde ich hier häufiger machen.
Was mache ich hier eigentlich? Äh… ist hier irgendwo ein Hai im Zimmer?
Ich selbst habe ja das Projekt „Krautreporter“ unterstützt und bin eigentlich recht zufrieden mit dem, wie es sich darstellt. Natürlich gibt es noch Verbesserungspotential, aber so schlimm wie manche andere finde ich die Unzulänglichkeiten nicht. Und natürlich sagt mir auch nicht jedes Thema zu, aber ein Magazin, das mir zu 100% gefällt, das müsste ich selbst produzieren lassen. Und dann hieße es wahrscheinlich „Mein hochinteressantes Magazin“.
Heute möchte ich jedenfalls zwei Beiträge weiterempfehlen, die mir in den letzten Tagen besonders aufgefallen sind. Vielleicht mache ich das in Zukunft häufiger, mal sehen.
Krautreporterin Victoria Schneider ist nach Paris gereist, um der Stimmung dort nach den Anschlägen auf „Charlie Hebdo“ nachzugehen. Zuvor war ein Aufruf an die Unterstützter von „Krautreporter“ ergangen, man möge ihr bitte Kontakte in Frankreich vermitteln, damit sie ein möglichst vielschichtiges Bild bekommt. Zeitgleich fand eine Debatte mit den Lesern bei Krauterporter selbst statt. Dieser Artikel gibt einen guten Überblick und verspricht, dass Victoria Schneider bald ihren ersten Bericht schickt.
Stefan Niggemeier interviewt Max Uthoff, Claus von Wagner und Dietrich Krauss von der Sendung „Die Anstalt“ über das erste Jahr der Satiresendung, nachdem Urban Priol sie abgegeben hat. Lesenswert!
Zum Überfall auf die Redaktion des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris ein Beitrag mit ein paar interessanten Gedanken, der nicht von mir selbst ist, aber ganz gut das ausdrückt, was ich auch empfinde:
PEGIDA, Verbote, Charlie Hebdo: „Nimmst Du das hin? Lässt Dich das kalt?“
– Auszug aus den „Galaktischen Annalen“ zum Jahresbeginn 3049:
Der Beginn ist eine sehr delikate Sache. Sie müssen wissen, in der Galaxis schreiben wir das Jahr 3049. Die Planetenunion wird regiert von Junker Andwa D’Ajema.
Die allerwichtigste Substanz im uns bekannten Universum ist die „Essenz“. Die „Essenz“ tritt in allerlei Formen auf, als Gas, flüssig, aber die häufigste Form ist von von verschiedenfarbigen
Kristallen.
Wenn man die „Essenz“ weise und mit Bedacht einsetzt, erzeugt sie Energie. Kraft. Bewegung. Doch negativ genutzt führt sie zur Unterdrückung. Zum Kampf. Zum Krieg. Menschen gegen andere Kreaturen. Menschen gegen Menschen, Völker gegen Völker, Planeten gegen Planeten.
Aus der traurigen Erfahrung zweier großer galaktischer Kriege und unzähligen Konfrontationen davor, dazwischen und danach hat der Rat des Galaktikums beschlossen, in der Galaxis Schutzzonen einzurichten für die Planeten, deren Entwicklungsstand so weit zurück liegt, dass sie noch nicht fähig sind, am Leben der übrigen zivilisierten Milchstraße teilzunehmen. Und eine Direktive des Galaktikums verbietet es anderen, sich in das Leben dieser Völker einzumischen.
Das wurde in der Vergangenheit nicht immer beachtet. Doch dafür gab es Gründe.
Eine dieser Schutzzonen heißt „Smaragd-Sektor“. In ihm liegt ein besonders primitiver Planet.
Sein Name ist „Erde“. Von dieser primitiven Welt ist kürzlich ein Ruf in die weiten des Universums ergangen. Der Ruf nach einer Zusammenkunft an einem geheimen Ort. Und ich weiß auch, warum.
Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser. Ich spüre es in der Erde. Ich rieche es in der Luft.
Es gibt ein Erwachen. Spürst Du es? Die dunkle Seite… und die helle…

Wisse, Erdling, dass das, was Du jetzt erfährst, sehr verworren und massiv erscheint, aber so sind die Zeiten nun mal: kompliziert und verworren. Einfache Antworten gibt es nicht mehr. Falls es sie je gegeben hat, dann ist ihre Zeit unwiderruflich vorbei. Doch habe keine Angst, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Ich will versuchen, Dich nicht zu überfordern und ich will auch nicht über Dinge sprechen, die lange vorbei und nicht wesentlich für gegenwärtige Ereignisse sind.
Am Anfang entstand das Universum. Das wurden von vielen kritisiert und allenthalben als Schritt in die völlig falsche Richtung angesehen. Dennoch wurden sich auch viele Gedanken gemacht. Was war hier vor tausend Jahren? Warum können Räder fahren? Sind Wolken schneller als der Wind? Und so entstand die „Big Bang Theory“…
Nicht DIESE „Big Bang Theory“! Könnten wir bitte beim Thema bleiben? Jedenfalls, aus den Wirren des Urknalls entwickelten sich die verschiedenen Milchstraßensysteme, so auch unsere. Und das hier ist ein Bild unserer Heimatgalaxis. Sei nicht allzu stolz darauf, Erdling, dass Dein Heimatsystem Sol den Mittelpunkt des Koordinatensystems bildet. Es ist eine Karte von der NASA, und die geht natürlich von der eigenen Perspektive aus. In den galaktischen Standardkarten bildet der Mittelpunkt der Galaxis den Ausgangspunkt des Koordinatensystems, aber das sei hier nur am Rande erwähnt. Ich möchte Dich nicht überfordern. Wenn Du Dir die Karte ganz genau betrachtest, merkst Du von selbst, dass Deine kleine Welt einen gelben Stern umkreist, der in einem völlig uninteressanten Teil der Milchstraße liegt.
Vor Äonen traten die „Kristallenen Meister“ auf den Plan. Mit einem Sternenschiff kamen sie an, zu der Zeit, als gerade das Leben begann in der Galaxis. Sie waren die älteste Lebensform des Universums und sie verstanden sich als eine Art „Hüter der Galaxis“, nur dass kein sprechender Baum unter ihnen war. Und kein Waschbär. Mal ganz ernsthaft, wer denkt sich sowas aus? Ein sprechender Waschbär? Waschbären sind viel zu unbeherrscht und ungeduldig, um eine Galaxis zu hüten, mal ganz davon abgesehen, dass ihr krankhafter Waschzwang dazu führt, dass sie ab und an mal ganze Planeten unter Wasser setzen. Und schwupps! Haben wir schon wieder irgendeine fromme Legende von einer Sintflut, die ein angeblich ach so gnädiger Gott über eine Welt gebracht hat, weil er seine geschaffenen Wesen zwar liebt und ihnen deswegen den Eigensinn gegeben hat, um sich unabhängig zu verhalten, sie dann aber drakonisch bestraft, wenn sie sich entsprechend ihres Eigensinns verhalten. Ich meine – hallo?? Kommt das sonst noch irgendwem komisch vor?
Verzeihung! Ich schweife schon wieder ab. Vor Äonen traten also die „Kristallenen Meister“ auf den Plan – und das mit den „Hütern der Galaxis“ habe ich schon erwähnt. Sie ließen sich auf dem Planeten ACELS im Sternsystem ACELS nieder und beobachteten fortan die Entwicklung unserer Galaxis. Und oh man, da gab es einiges zu beobachten.
Erste Hochkulturen entstanden auf verschiedenen Planeten des Scutum-Centaurus-Arm, die zunächst die interplanetare, dann schließlich die interstellare Raumfahrt entwickelten. Am Beginn der Galaktischen Zeitrechnung begannen diese Kulturen, sich immer weiter auszubreiten. Technologisch unterlegene Völker kamen dabei unter die Räder, eine Entwicklung, die die Meister von ACELS mit immer größerer Sorge betrachteten. Als dann der Gigatron-Antrieb entwickelt wurde und noch weiter entfernte Regionen der Galaxis in greifbare Nähe rückten, wurden die Machthaber immer skrupelloser. Sie eroberten fremde Sonnensysteme und führten Kriege um die neuen Territorien. Ständig musste die Karte in den vergangenen tausend Jahren neu gezeichnet werden.
Die letzte große Zäsur in der galaktischen Karte geschah im Jahr 2979, als der letzte Galaktische Krieg beendet war. Die Sieger und die Besiegten trafen sich auf dem Planeten ACELS, um Verträge auszuhandeln, die die Zukunft aller Völker betreffen sollten. Da man den Meistern von ACELS keinen Betrug zutraute, wurden sie beauftragt, alle Forderungen, Gebietsansprüche und sonstige Kleinigkeiten in eine große Überlegung einzubeziehen und das Angesicht der Galaxis neu zu zeichnen. 16 Tage berieten die Meister ohne Unterlass, bevor sie ihr Ergebnis präsentierten: eine neue Galaktische Karte und das Manifest eines alle freien Völker der Galaxis umfassenden Bündnisses, des „Galaktikums“. Sitz des „Galaktikums“ sollte der Planet NUSCROCANT werden, eine kleine Dreckkugel mit Atmosphäre, die man dem Volk, das einst dort lebte, einfach abgekauft hatte.
Die Wesen von ACELS hatten dabei sehr darauf geachtet, dass Schutzzonen eingerichtet werden. In der Vergangenheit war es mehrfach vorgekommen, dass Planeten kolonialisiert wurden, deren Bevölkerung der überlegenen Technologie der Kolonialherren nichts entgegen zu setzen hatte. Das sollte aufhören. Es war lediglich erlaubt, die Schutzzone zu durchfliegen, nicht aber, sich in die Geschicke der Welten, die dort lagen einzumischen.
Der Plan der Acelsianer wurde mit Begeisterung aufgenommen, doch die Tinte unter den Verträgen war noch nicht getrocknet, als neue Konflikte ausbrachen. Völker, die im Krieg noch Seite an Seite gekämpft hatten, gerieten in Streit über Territorien oder die Befürchtung, keinen Zugang zu gewissen Rohstoffen, namentlich der „Essenz“, zu haben. Das Galaktikum, das eigentlich ein Hort des Friedens und der Kooperation sein sollte, wurde dazu missbraucht, die Konflikte offen auszutragen. So bildeten sich neue Bündnisse und Feindschaften unter den Völkern der Galaxis.

Die Welten in dem Gebiet, das ursprünglich „Erobgard“ bezeichnet wurde, gründeten die „Union der Planeten“ [dunkelblau] mit dem Ziel, nur noch von freundlichen Nachbarn umgeben zu sein und sich gegenseitig zu helfen, sollte ein Verbündeter angegriffen werden. Die „Vespusianische Sternenallianz“ aus der Region Vespu Naútic [weiß] trat über separate Verträge in ein Bündnis mit den meisten Welten der Planetenunion ein, was sie die „Allianz von Pacnor“ nannten und hofften, nicht nur die Region von Vespu Sanoza [hellgrün] in die Zange nehmen zu können, sondern auch gegen die Udessar [dunkelrot] zu bestehen. Auf der anderen Seite verbündeten sich diese mit den Nol-Ens, einem Volk aus Assumur [hellrot].
Mitten zwischen drin liegen die Wüstenwelten von Tuarber [gelb], die zwar karg und arm an Wasser zu sein scheinen, aber man findet dort die seltensten Rohstoffe, was ihre Herrscher sehr reich hat werden lassen.
Die Region Afar [dunkelgrün] hingegen bestand einst aus Welten, deren Völker nur einfache Techniken entwickelten. Als einzelne Herrscher von Erobgard herausfanden, dass man diese Welten einfach würde ausbeuten können, ließen sie große Flotten von Kolonialschiffen dorthin starten. Die Einwohner der Planeten hatten den überlegenen und gut ausgerüsteten Truppen nichts entgegen zu setzen. Dieser Abschnitt der Geschichte, der unmittelbar in den ersten Galaktischen Krieg mündete, ist kein Ruhmesblatt und führte zum Entschluss, für andere nicht so weit entwickelte Welten die Schutzzonen einzurichten.
Bleibt noch Horas Ventur [hellblau] zu erwähnen, wo es Dschungel- und Wüstenwelten gibt, die so lebensfeindlich scheinen, dass sie lange Zeit als Strafplaneten benutzt wurden, und die so eine eigene Kultur entwickelten. Auch hier wurden die Ureinwohner durch Kolonialisten unterworfen.
Oh, und bei all‘ diesen kleinen Unrühmlichkeiten habe ich ein Gebiet ja fast vergessen: das Zentrum der Galaxis! Der Kern wird von niemandem direkt beansprucht und ist eigentlich durch den Vertrag des Galaktikums geschützt. Außerdem ist es sehr schwierig, in den Kern vorzudringen, denn er ist von einer Barriere umgeben, dem „Galaktischen Bogen“. Unter größten Schwierigkeiten versuchen immer wieder Forschungsschiffe in den Kern einzudringen und ihn zu erforschen. Denn wilde Legenden haben sich um diese Region gebildet, von einem unermesslichen Rohstoffreichtum ist die Rede oder dass sich dort irgendwo die mythische „Quelle der Materie“ befindet, dem Ursprung allen Seins und allen Lebens. Aber das ist ein Ammenmärchen, dass Eltern ihren Kindern beim Einschlafen erzählen, wenn sie wollen, dass sie später mal Rohstoffprospektoren werden.
Alle übrigen Gebiete, die keiner offiziellen Region angehören, gelten als Schutzzonen. Es würde diese Karte arg verkomplizieren, würden die unterschiedlichen dieser Zonen auch noch eingezeichnet, Ihr müsst nur eins wissen: Sol und die Erde liegen im Smaragd-Sektor, der von der Welt SMARAGDIA aus verwaltet wird.
Die Erde bot in der Vergangenheit Anlass zu Hoffnung, bald aus dem Schatten der einfachen Zivilisationen treten zu können. In dieser Phase der Entwicklung ist eine Zivilisation besonders verwundbar. Sie ist noch nicht stark genug, um sicher auf dem Pfad der Entwicklung fortzuschreiten. Es bedarf nur einer kleiner Störung und schon fällt sie zurück in barbarische Zeiten. Daher sahen die Wesen von ACELS es mit großer Besorgnis, als im Jahr 3013 eine unheilvolle Entwicklung begann: ein namenloses Imperium, angeführt von einem ominösen Imperator, begann Einfluss zu nehmen. Jener Unbekannte vergiftete den Geist etlicher Herrscher auf Seiten der PACNOR-Allianz. Dieses Gift schien den Geist der jeweiligen Person zu leeren und rief eine große Gier wach. Und die Gier ist eine unheilvolle Macht. Sie flüstert einem ein, dass man die Leere in der Seele mit materiellen Dingen und Macht füllen könnte. Gleichzeitig sorgt sie für eine ständige Angst, dass man diese Sachen wieder verlieren könnte oder dass man nicht genug davon hat. Der Vergiftete betrachtet andere mit Argwohn und unterstellt ihnen, sie würden nur wegnehmen wollen, was ihm gehört.
Auf diese Weise vergiftete der Imperator damals die Seelen des Prostaten Rogan Reónald von der Vespusianischen Sternenallianz und der Königin Thagret Matha der Pryderischen Dominanz, einem Mitglied der Planetenunion. Sie begannen, andere Welten mit Kälte zu überziehen. Ihr Handeln hatte grausame Konsequenzen für ihre beiden Völker und die Allianzen, denen sie angehörten.
Die Königin wurde verhasst beim eigenen Volk, doch ein gnädiger Wahnsinn, die Folge ihrer entleerten Seele, vernebelte schließlich in den letzten Jahren ihres Lebens ihren Geist, so dass sie das nicht mehr mitbekam. Doch es war längst zu spät: Thagret hatte das Gift schon an ihre Kinder weitergegeben.
Nachdem also die Dunkelheit über die Galaxis kroch, wurde der Imperator selber aktiv. Das war ungewöhnlich, denn bisher hatte er die Drecksarbeit anderen überlassen. Sein Ziel war offenbar der Smaragd-Sektor, genauer gesagt, die Erde. So beschlossen die Wesen von Acels, einen Plan auszuführen, den merkwürdigsten Plan, den sie je entwickelt hatten und der von langer Hand vorbereitet worden war, welcher beinhaltete, einigen Menschen vom Planeten Erde den Weg zu den Sternen zu weisen.
Jahrzehnte später werden die Menschen von damals von der Vergangenheit eingeholt. Wir schreiben das Jahr 3049 in der Galaxis, das entspricht dem Jahr 2015 auf der Erde – und die Situation in der Milchstraße hat sich nicht gebessert. Im Gegenteil, ähnlich einem Schreiber, der keine neuen Ideen mehr hat und alte aufwärmt, wiederholen sich alte Konflikte und Gewohnheiten und ergeben ganz neue Gefahren.
Bevor wir jetzt diese kleine Einführung in die große galaktische Politik beenden, möchte ich noch auf die Religion zu sprechen kommen. Wie der syrische Dichter Abu ‚l’Ala al-Maarri schrieb:
Die Welt ist in zwei Sekten unterteilt: In die mit Verstand, aber ohne Religion und die mit Religion, aber ohne Verstand.
Nun kann man sich vorstellen, dass bei so etwas großem wie unserer Galaxis natürlich eine unübersichtliche Menge von vielen kleinen lokalen Religionen gibt, wie etwa der Kult des kegelnden Weltenschauklers von Warwara, der Akasha-Kult auf Drofwal, die Verehrung des Großen Grünen Arkelanfalls der Jatravatiden oder der Glaube an die Allmacht des Geldes auf der Erde. Daneben hat jedoch die Religion um Puggenduhl den Schöpfer in den letzten 3.000 Jahren eine große Anhängerschar versammelt. Die Gründungsgeschichte dieser Religion geht wie folgt:
Vor etwas mehr als 3.000 Jahren – Religion ist keine exakte Wissenschaft, deswegen lässt sich das nicht so genau eingrenzen – soll es einer Raumfahrerin mit Namen Shi erstmals gelungen sein, durch den Galaktischen Bogen in das Zentrum unserer Milchstraße vorzudringen. Als sie zurückkehrte, behauptete sie nicht nur, den Bogen überwunden zu haben, sondern sie hatte angeblich irgendwo im Zentralbereich auch die legendäre „Quelle der Materie“ gefunden. Die Quelle habe sie geschwängert, so dass sie nun Drillinge erwarte. Die Legende behauptet, dass sie nach 33 Monaten Schwangerschaft (28 davon hatte Shi im Galaktischen Zentrum verbracht) am 3.3. nach dem Kalender der Compsognaten von Cricktonia um 3.33 Uhr drei Jungen im Abstand von jeweils 33 Minuten auf die Welt brachte. Die Geburt wurde vom Hohepriester des Puggenduhl persönlich auf dem Planeten Yrupugg unter völliger Geheimhaltung vorgenommen. Doch sofort nach der Geburt ließ der Hohepriester verkünden, dass die Auserwählten erschienen seien, die dazu bestimmt seien, die Boten der Religion von Puggenduhl zu sein. Dazu hatte der Hohepriester einige Schriftrollen aus der Bibliothek heraussuchen lassen, die das Kommen der Auserwählten in Prophezeiungen ankündigten. Dass die Prophezeiungen des Puggenduhl allesamt von einem Auserwählten sprachen und nicht von deren drei und dass dieser Auserwählte noch dazu nicht geboren wird, sondern auf einer Gans mit eisernen Flügeln, die statt einem Gänsekopf drei Löwenköpfe hat, vom Himmel hernieder kommt, und dass jede einzelne der Prophezeiungen mit dem Satz „So wird es geschehen, oder auch nicht, keine Ahnung!“ endet, dürfe man, so sagte der Hohepriester, nicht so wörtlich nehmen. Solche Prophezeiungen seien voller Symbole und Bildsprache. Die drei Auserwählten seien ja von einer Mutter quasi gleichzeitig geboren worden, also zählen sie wie einer und die Gans mit den eisernen Flügeln sei ein Symbolbild für das Raumschiff, mit dem Shi vom Himmel gekommen sei. Skeptiker merkten an dieser Stelle an, dass man verdammt viel Fantasie brauchte, um in den Formen von Shis Raumschiff eine Gans zu erkennen, oder sehr viel Alkohol oder bewusstseinserweiternde Drogen, aber man hörte nicht auf sie. Als der Hohepriester auch noch erklärte, der Satz „So wird es geschehen, oder auch nicht, keine Ahnung!“, der am Ende jeder der Prophezeiungen steht, sei eine Demutsgeste desjenigen gewesen, der die Visionen über die Zukunft gehabt habe, da er sich vor Puggenduhl klein und winzig und sich nicht würdig fühlte, den Willen des Schöpfers direkt zu verkünden.
Bis dahin war Puggenduhl ein relativ unbedeutender regionaler Schöpfergott gewesen, der Dinge erschaffen konnte, indem er sie aussprach, und den man außerhalb von Yrupugg eigentlich kaum kannte. Doch die Auserwählten sollten das ändern. Denn nun verbrachten sie ihr Leben damit, dass sie täglich darauf warteten, dass eine göttliche Eingebung kommen würde.
Der Älteste der drei hieß Marva, und er war auch der erste, der diese Eingebung erhielt, als er gerade 29 Jahre alt geworden war. Die Priester hielten das für ein großes Zeichen, denn wenn man von 33 drei abzog, und dann nochmal eins, dann ergab das 29. Wenn das nichts zu bedeuten hatte! Was genau geschehen ist an jenem Tag, darüber gibt es geteilte Meinungen. Kritiker sagen, Marva sei im Tempel über eine Teppichkante gestolpert, habe sich den Kopf angeschlagen und daraufhin einen epileptischen Anfall erlitten. Marva jedoch behauptete, Puggenduhl habe ihm die wahre Gestalt des Universums offenbart.
Die Schöpfungsgeschichte des Puggenduhl geht so: Am Anfang gab es nichts, nur Puggenduhl allein. Da ihn das langweilte, sprach er laut: „Ich habe so viel Zeit und nichts zu tun.“ So erschuf er mit seinen Worten die Zeit. Doch der Zeit war auch langweilig, denn es gab niemand, der sie maß, und nichts, das sie vergehen lassen konnte, so dass sie zu Puggenduhl ging, um sich zu beschweren. Und Puggenduhl sagte zur Zeit: „Setz‘ Dich, mach es Dir bequem und nimm Dir einen Keks.“ Und durch diese Worte entstand das Universum in Form eines Kekses, eines Butterkekses, um ganz genau zu sein. Und die Zeit ist dabei, den Keks zu zerkrümeln. Irgendwann wird der ganze Keks zerkrümelt sein und dann wird das Universum und alles, was sich darin befindet, zu Puggenduhl zurückkehren.
Marva wurde von da an als der Auserwählte mit der Vision gefeiert, worauf sein jüngerer Bruder Losue den Ehrgeiz entwickelte, ebenfalls eine Vision zu bekommen. Er versuchte das zu erreichen, indem er 33 Tage fastete, was letztlich zum gewünschten Ergebnis führte, auch wenn Kritiker dagegen hielten, er hätte aufgrund von Wasser- und Nahrungsmangel halluziniert. Losue verkündete, Puggenduhl habe ihm offenbart, dass das Universum zwar in Form eines Kekses erschaffen sei, aber nicht in Form eines einfachen Butterkekses! Alles habe zwei Seiten, eine dunkle und eine helle, und so sei auch der große Keks als Doppelkeks geschaffen worden: Zwei Kekse mit einer Cremefüllung in der Mitte. Am Ende aller Zeiten werden die Kekse geteilt und alle Guten leben in der Mitte von der Cremefüllung.
Nachdem nun schon zwei Auserwählte sich darum stritten, wer nun die richtige Vision empfangen hatte, wandte sich der jüngste der Brüder Almiha wieder seiner Arbeit zu, Computermonitore zu reparieren. Doch der Wirbel um seine Brüder hatten ihn unaufmerksam werden lassen, so dass er vergaß, den Strom zu unterbrechen und einen Schlag bekam. Er war ungefähr fünf Minuten bewusstlos, und als er wieder erwachte, hatte auch er eine „Vision“ gehabt. Das Universum, so verkündete er nun, sei tatsächlich ein Keks, aber kein Butter- oder Doppelkeks, denn es gäbe keine Ober- oder Unterseite, sondern nur eine Außen- und eine Innenseite. Das Universum sei in sich verschlungen wie ein Glückskeks und am Ende aller Zeit wird der Keks aufgebrochen und heraus kommt die letzte Botschaft Puggenduhls an die Schöpfung, was einen Zustand ewigen Glücks verursacht.
Nun waren es also drei Auserwählte, die behaupteten, die richtige Vision empfangen zu haben. Augenblicklich begannen die Anhänger der unterschiedlichen Auserwählten, sich gegenseitig zu bekämpfen – und im Verlauf der letzten 3.000 Jahre wurde das nicht besser. Eher im Gegenteil, schlimm genug, dass sich die Butterkekser, Doppelkekser und Glückskekser gegenseitig die Köpfe einschlugen und diesen Zwist auf den unterschiedlichsten Welten der Galaxis verbreiteten, es herrschte auch innerhalb einer Gruppe Uneinigkeit.
Bei den Butterkeksern stritt man sich darum, ob der Keks, der das Universum ist, nun gesalzen oder ein Süßgebäck ist. Radikale Fundamentalisten hingegen bestanden darauf, dass der Keks, der das Universum ist, natürlich weder gesalzen noch süß ist, denn das Leben ist hart, es nicht süß und nicht würzig.
Bei den Doppelkeksern stritt man sich vortrefflich darüber, ob die Cremefüllung des Doppelkekses, der das Universum ist, nun Schokoladen- oder Vanillegeschmack hat. Andere Sekten disputierten darüber, ob denn die dunkle Seite des Doppelkekses aus Vollkornmehl bestehe und verfolgten die Verfechter einer ballastreichen Ernährung als die, „die sich vom Bösen ernähren“.
Bei den Glückskeksern war der Zankapfel die Frage, ob der Glückskeks, der das Universum ist, tatsächlich Puggenduhls Botschaft enthält, oder ob das nur eine Metapher sei für die ewige Glückseligkeit, die dem Keks entströmt, wenn er aufgebrochen wird.
Mit anderen Worten: Die Situation ist schon verfahren genug, und das alles macht es nur noch schlimmer. Unversöhnlich stehen sich Fraktionen gegenüber, die die Hand an der Kehle des anderen haben und nur auf einen Grund warten, damit sie endlich zudrücken können. Und jene, die an den Frieden und an andere Lösungen gemahnen, werden kaum gehört, und wenn sie gehört werden, so werden sie doch nicht erhört, sondern verspottet.
Hörst Du das, Erdling? Das ist das Signal. Der Ruf. Er kommt von einem kleinen, unbedeutenden, blau-grünen Planeten im westlichen Spiralarm unserer Galaxis.
Von der Erde.
Die Zusammenkunft ist nahe.
Aber diese Geschichte muss noch erzählt werden.
Zum Text als episches Vorwort des Videokanals hier —> Klick!
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Auflösung der Anspielungen:
In diesem Text werden jede Menge Anspielungen auf andere Werke gemacht. Wer versucht hat, sie alle zu erkennen, kann hier nachprüfen, ob er das wirklich geschafft hat (der Text ist in heller Farbe geschrieben, man muss ihn markieren, um ihn lesen zu können):
„Der Anfang ist eine…“: „Der Wüstenplanet“
„Negativ genutzt führt sie…“: „Krieg der Sterne – Rückkehr der Jedi-Ritter“, Hörspieladaption mit Vokert Kraeft als Erzähler
„Die Welt ist im Wandel…“: „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“, Vorwort des Films
„Es gibt ein Erwachen…“: „Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht“ (Trailer-Text)
„Am Anfang entstand das Universum…“: „Per Anhalter durch die Galaxis“
„Was war hier vor tausend Jahren? Warum…“: „Tausend Jahre sind ein Tag“ von Udo Jürgens
„Hüter der Galaxis“: „Guardians of the Galaxy“
NUSCROCANT: Coruscant, die Hauptwelt der Republik und später des Imperiums in „Star Wars“
„…der merkwürdigste Plan…“: Don Quijote verfolgt laut seinem Autor Miguel de Cervantes ebenfalls „den merkwürdigsten Plan, den ein Mensch sich ausdenken kann“.
„Quelle der Materie“: Captain Future und Perry Rhodan suchen ebenfalls beide nach der Quelle der Materie
„großer grüner Arkelanfall“: „Per Anhalter durch die Galaxis“
„die Compsognaten von Cricktonia“: Procompsognathus ist eine kleine Dinosaurierart, die in „Jurassic Park“ eine gewisse Rolle spielt. Geschrieben wurde „Jurassic Park“ von Michael Crichton.
Wir wünschen allen unseren Lesern frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2015!
Wir sehen uns!

Ja, ist denn heut‘ scho‘ Weihnachten?
Liegt das an mir oder mehr daran, dass die PR-Arbeit von Highscore Music etwas verbesserungswürdig ist? Das Label hat sich nämlich an etwas gewagt, was unter den herrschenden Umständen etwas gewagt ist: Sie haben sich daran gemacht, Edmond Hamiltons Captain-Future-Roman „Der Sternenkaiser“ als Hörbuch zu vertonen. Aber warum ist das gewagt?
Vor einiger Zeit wurden ja die Captain-Future-Geschichten in Deutschland veröffentlicht, die man bis dahin noch gar nicht kannte: Die Kurzgeschichten, die gleichzeitig die letzten Abenteuer des verwegenen Weltraumhelden aus der Feder von Hamilton waren. Sie kamen heraus in Form von zwei Romanen und als Hörbuch, wobei Highscore Music den Coup gelandet hatte, die Originalsprecher (soweit möglich) des in Deutschland sehr bekannten Anime zu verpflichten. Gleichzeitig hatte man sich beim Golkonda-Verlag das ehrgeizige Ziel gesetzt, sämtliche klassischen Captain-Future-Romane neu zu veröffentlichen. Das konnte man daran sehen, dass die Bände mit den Kurzgeschichten nummeriert waren, so dass sie in einer irgendwann einmal kompletten Captain-Future-Bibliothek mit hineinpassen würden.
Tatsächlich fing es auch gut an, „Der Sternenkaiser“ kam als Roman heraus, es folgte „Erde in Gefahr“. Dabei wurden die Titel dem Original angepasst, zudem wurde in den Büchern das Material aus dem Captain-Future-Magazin veröffentlicht, das zu der Geschichte gehörte, ein paar andere Artikel und Leserbriefe.
Dann jedoch bekam die Reihe irgendwie Schluckauf. Die neuen Bände „Die Herausforderung“ und „Der Triumph“ waren angekündigt und wurden immer wieder verschoben. Ich persönlich muss auch einem Leserbriefschreiber zustimmen, dessen Zuschrift in einem der Magazine veröffentlicht worden war: Er beklagte sich, dass die Erscheinungsweise des Magazins, nämlich Vierteljährlich, ein zu großer Zeitraum sei. Bei der Neuübersetzung hingegen waren es maximal zwei Romane, die herausgebracht wurden, bis es zu der Lücke kam. „Die Herausforderung“ kam rund ein Jahr nach „Erde in Gefahr“ im Frühjahr 2014 heraus. Im November folgte schließlich „Der Triumph“. Weitere Folgen sind bisher nicht angekündigt.
Und es war der 21. November, als Highscore Music den ersten Teil der Hörspielvertonung des „Sternenkaisers“ herausbrachte. Und damit kommen wir zu dem Wagnis, das ich zuvor ansprach: Als die Hörspiele zu den Kurzgeschichten und die Bücher dazu herauskamen, gab es einen Hype um die „Rückkehr von Captain Future“. Durch die Unterbrechungen in der Romanreihe ist dieser Hype mittlerweile, so habe ich den Eindruck, ziemlich abgeflacht. Hinzu kommt, dass der Roman „Der Sternenkaiser“ bereits 2012 erschienen ist. Insofern ist es – um bei den Titeln von „Captain Future“ zu bleiben – eine Herausforderung, diese neue Hörspielreihe beim Publikum und den Fans von damals zu platzieren. Noch dazu, da der ganze Roman viel zu lang ist, um auf eine CD zu passen. Erschienen ist im November Folge 1, die den Untertitel „Tod auf dem Jupiter“ trägt. Und schon am 5. Dezember kam Folge 2, „Die Macht des Sternenkaisers“. Bei iTunes kann man zudem eine Folge 3 mit dem Titel „Die Spur“ vorbestellen, erscheinen soll sie wohl am 9. Januar. Aber auch damit ist die Reihe noch nicht abgeschlossen, weitere Episoden sind aber noch nicht angekündigt. Ich habe bisher nur die Hörproben gehört und bin sehr angetan, aber das war ich von der anderen Produktion auch schon. Vor allem Hans-Jürgen Dittberner als Captain Future hört man an, dass er den Elan der Anime-Reihe wiederzugeben versucht. Ich werde mich zu gegebener Zeit nochmal mit dem Thema beschäftigen, wenn ich die Hörspiele selbst komplett gehört habe. Ich persönlich empfinde im Moment eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Vorfreude. Was ist da los im Captain-Future-Universum?
Wer sich einstweilen zu Weihnachten etwas gönnen möchte, die Hörspiele gibt es unter anderem hier:
Als CD:
Als MP3-Download:

Dieses Jahr wurde die Hörspielreihe um Timothy Zahns „Thrawn-Trilogie“ komplettiert. Seither gab es die einzelnen CDs oder die Folgen zusammengefasst in den Boxen „Erben des Imperiums“, „Die dunkle Seite der Macht“ und „Das letzte Kommando“. Rechtzeitig vor Weihnachten wartet IMAGA nun mit einer Sonderedition auf: Die „Thrawn-Trilogie“ als Komplettbox.
Dabei handelt es sich um das ganze Hörspiel auf insgesamt 14 CDs. Wer also einen STAR-WARS-Fan kennt und noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, der könnte hier fündig werden. Aber auch wer sich bisher überlegt hat, ob er anfangen soll, die Serie zu sammeln, kommt auf seine Kosten.
Die Komplettbox kann ab sofort unter anderem hier bestellt werden.
Ich liebe diesen Spruch: „Jeder, der die vergangenen Tage nicht in einer vernagelten Kiste zugebracht hat, wird mitbekommen haben, dass…“ Ich verwende ihn gern, wenn es um etwas geht, in dem das mediale Trommelfeuer der Berichterstattung ein erträgliches Maß so langsam am Überschreiten ist, wenn es nicht sogar schon überschritten wurde. Dabei geht es mir nicht um den Umstand der Berichterstattung an sich, sondern auch die Form, die diese Berichterstattung angenommen hat.
Wie zum Beispiel beim Streik der Lokführer. Also: Jeder, der die vergangenen Tage nicht in einer vernagelten Kiste zugebracht hat, wird mitbekommen haben, dass die Lokführer, die in der „Gewerkschaft der Lokführer“ (GdL) organisiert sind, sich im Arbeitskampf befinden. Die Friedenspflicht ist beendet und die organisierten Lokführer versuchen, ihre Forderungen mit Hilfe von Streiks durchzusetzen. Gleichzeitig nimmt die Berichterstattung über diese Streiks immer bizarrere und teilweise ekelhafte Formen an. Von verschiedenen Boulevard-Medien wird der Streik auf die Person des Gewerkschaftsführers Claus Weselsky zugespitzt und personalisiert, die BILD-„Zeitung“ nennt ihn den „Größen-Bahnsinnigen“ (Verstehste, verstehste? „Größen-Bahnsinnigen“? Weil wegen „Größenwahn“ und „Bahn“? Verstehste? Dit is lustich!) , veröffentlicht die Telefonnummer seines Büros und andere manipulative Berichte, der „Focus“ („Fakten! Fakten! Fakten!“) zeigt Bilder seines Wohnhauses und nennt ihn den „meistgehassten Deutschen“ und das „Magazin“ „explosiv“ des Fernsehsenders „Ratlos, Talentlos, Lustlos“ (RTL) ist sich nicht zu blöde, Weselskys Ex-Frau als Kronzeugin für dessen schlechten Charakter zu befragen und den Schluss zu ziehen, dass es Weselskys „Fanatismus“ im Bezug auf Machtbesessenheit, den er gegenüber seiner Familie zeige, zu verdanken sei, dass die Lokführer „derzeit alles andere als beliebt“ seien. Unaufgeregte Artikel, die die Berichterstattung dahin führen wollen, wo sie hingehört, nämlich auf Fakten und Hintergründe, finden sich kaum. Lieber beteiligen sich die Schreiber am großen „Tieftauchwettbewerb in der Jauchegrube des Niveaus“.
Und dann auch noch das: Angestachelt durch die Medien gibt es nun Menschen, die einen Standpunkt weiterverbreiten und denen vermutlich nicht mal in ganzer Konsequenz klar ist, was sie da tun. In verschiedenen sozialen Netzwerken wie Facebook oder auch Twitter tauchen nämlich seit ein paar Tagen Grafiken auf, die ungefähr folgenden Inhalt haben:
Liebe [soziale Berufsgruppe]! Danke, dass Ihr nicht streikt, obwohl Ihr wirklichen Grund dazu hättet!*
Es existieren verschiedene Varianten davon, mal werden explizit Berufsgruppen genannt („Pflegekräfte“, „Altenpflegekräfte“, „Kindergärtnerinnen“, „Notfalldienste“), mal die „sozialen Berufe“ allgemein angesprochen; mal heißt es, diese hätten „einen wirklichen Grund“ zum Streiken, mal heißt es, diese hätten den Streik „nötiger„. Obwohl kein direkter Bezug auf den aktuellen Streik der Lokführer genommen wird, dürfte auch dem letzten Menschen, der noch zwei Gehirnzellen im Kopf hat, die miteinander verdrahtet sind, klar sein, dass es darum geht, den Streik der Lokführer in die Schmuddelecke zu stellen. Die Lokführer sollen mal ganz ruhig sein, andere haben „einen wirklichen Grund“ für einen Streik! In manchen Tweets wird mit dem Hashtag #GDL der Bezug dann auch direkt hergestellt.
So sehr ich die Intention hinter diesen Bildchen verstehe, meine erste Reaktion war: HÖRT AUF, DIE SOZIALEN BERUF GEGEN DIE LOKFÜHRER AUSZUSPIELEN! Ich bin selbst in einem sozialen Beruf tätig und ich finde diese Sprüche extrem kontraproduktiv. Sie spielen den falschen Leuten in die Hände, nämlich denjenigen, die das Streikrecht der kleinen Gewerkschaften einschränken wollen. Und den Medien, die auf diese Weise noch mehr Material für noch hasserfülltere Berichte bekommen. Obwohl, dank der Satire-Seite „Postillon“ wissen wir ja schon, auf was diese Berichte am Ende rauslaufen werden.
Liebe Kollegen in den sozialen Berufen und alle Menschen, die sich verpflichtet fühlten, die „Danke, dass Ihr nicht streikt“-Grafiken über Facebook, Twitter und so weiter zu verbreiten: Überlegt mal die folgenden Punkte:
Ja, wir erfüllen eine wichtige Aufgabe an der Gesellschaft. Ja, unsere Arbeitsbedingungen sind – vorsichtig formuliert – nicht die besten. Aber warum erheben wir uns selbst dann über andere Berufsgruppen und sprechen denen ein Grundrecht ab? Wenn sich die Arbeitsbedingungen bei uns bessern sollen, brauchen wir die Solidarität der Bevölkerung und anderer Berufsgruppen, anders geht es nicht. Und angesichts dessen lassen wir die Solidarität mit anderen missen? Ausgerechnet die Berufsgruppe, die sich „sozial“ (vom lateinischen „socialis“ = „gesellschaftlich“) nennt? So ein Verhalten ist unwürdig.
Die Lokführer können – nach der Einhaltung gewisser Regeln – einfach so streiken. Die sozialen Berufe können das nicht, denn eine totale Arbeitsniederlegung geht aus ethischen Gründen nicht. Würden alle Krankenpflegekräfte streiken, würden die Patienten eines Krankenhauses keine Versorgung mehr erfahren. Es würde zu gesundheitlichen Folgeschäden bis hin zum Tod einzelner Menschen kommen. Deswegen muss während eines Streiks immer eine Notbesetzung vorhanden sein. In anderen sozialen Berufen ist es ähnlich und das ist die Crux: Ein totaler Streik würde die Patienten treffen, ein Streik mit Notbesetzung trifft die Kollegen, die mit „Not-Personal“ einen einigermaßen geregelten Ablauf aufrecht erhalten müssen. Das eigentliche Ziel, nämlich über die Maßnahmen die Arbeitgeberseite zu einem besseren Angebot zu bewegen, ist so nur schwer zu erreichen.
Aber: Ist das die Schuld der Lokführer? NEIN! Aber ich möchte wetten, wenn es nicht doch zu absurd wäre, würden manche Boulevard-Medien das auch gern Claus Weselsky in die Schuhe schieben („Der Größen-Bahnsinnige verhindert Löhnerhöhung der Pflegekräfte!!einself!!“).
Von Artikeln wie diesem mache ich im Kopf verschiedene Versionen, bevor ich mich wirklich ans Schreiben mache. Eine erste Version dieses Artikels hatte eine Einleitung, in der ich mich darüber aufrege, dass auch hier in meinem Wohnort keine Züge mehr fahren und der Bahnhof verwaist sei. Die Schlusspointe dieser Einleitung wäre gewesen, dass ich feststelle, dass das ja gar nichts mit dem Streik zu tun hat, sondern mit dem Umstand, dass der Bahnhof hier schon vor Jahren stillgelegt und von Schienennetz abgetrennt wurde. Ich persönlich halte diese Entscheidung für kurzsichtig, aber nun ist es zu spät.
Und bei dem Streik denke ich mir auch: Sind vielleicht bei der Bahn einfach eine Reihe von falschen Entscheidungen getroffen worden, die den Beteiligten jetzt um die Ohren fliegen? Die Privatisierung der Bahn fand nicht nur Zustimmung, sie wurde sogar massiv kritisiert. Aber man hat sie durchgezogen. Zuvor waren die Lokführer Beamte und durften nicht streiken. Jetzt handelt die Bahn nach privatwirtschaftlichen Prinzipien, die Lokführer sind normale Arbeitnehmer und jetzt streiken sie halt. In dem Fall geht halt nur das „entweder – oder“, Rosinenpicken ist nicht erlaubt. Entweder die Bahn ist ein privates Unternehmen, dann ist das, was momentan läuft, einfach nur legitim – oder aber die Dienstleistung der Bahn ist so gesellschaftlich wichtig, dass sie anderen als den marktwirtschaftlichen Regeln unterliegen sollte, dann hätte man sie nicht privatisieren sollen.
Mit anderen Worten: Das Omelett liegt auf dem Teller. Guten Appetit! Aber jetzt ist es zu spät, sich über zerschlagene Eier aufzuregen.
Die Bilder und Sprüche werden ja nicht nur von Angehörigen der Sozialberufe weiterverbreitet, im Gegenteil, oft sind es Menschen, die dieser Berufsgruppe gerade nicht angehören. Mal ganz davon abgesehen finde ich die Anrede „Liebe [soziale Berufsgruppe]!“ peinlich redundant, wenn derjenige, der das Bild teilt, genau dieser Berufsgruppe selbst angehört. Aber zu denjenigen, die keinem sozialen Beruf angehören:
Zum einen schneiden sie sich ins eigene Fleisch. Denn wenn die sozialen Berufe Streiken „nötiger“ haben als die Lokführer, haben sie es dann nicht auch nötiger als andere Berufsgruppen? Zum Beispiel mal pauschal gesagt gegenüber denjenigen, die ihre Tätigkeit sitzend im Büro verbringen, während gerade Pflegeberufe mit schwerer, rückenschädigender Arbeit verbunden sind? Aber natürlich wissen diese Leute unterbewusst, dass ihnen hier keine Gefahr droht, denn:
Zum zweiten ist das Weiterverbreiten eines Bildchens nicht mehr als genau das: Es wurde ein Bildchen weiterverbreitet. Punkt. Es ist völlig egal, ob auf dem Bild steht, dass soziale Berufe einen „wirklichen Grund“ zum Streiken hätten, oder dass Konfuzius einmal gesagt hätte, dass man an Freitagabenden kein Pferd füttern solle, das man nicht reiten könne, oder ob es das Bild einer Katze ist, der jemand ein lustiges Hütchen auf den Kopf gesetzt hat, der Effekt ist immer gleich: Nur von kurzer Dauer! Die Wenigsten werden sich nächste Woche noch an das Zitat von Konfuzius erinnern, geschweige denn, dass sie es anbringen können, wenn die Situation danach ist. Die Wenigsten werden sich in ein paar Tagen noch an das Kätzchen mit dem Hütchen erinnern. Und wenn der Streik der Lokführer mal vorbei sein wird, ist es eine Frage der Zeit, bis die meisten vergessen haben, dass sie mal der Meinung waren, Sozialberufe hätten einen wirklichen Grund zum Streiken.
Das bringt mich zum Kern von allem: Was die sozialen Berufe benötigen, ist echte Solidarität. Keine Pseudosolidarität durch Bildchen auf Facebook und keine Pseudokonkurrenz gegen die Lokführer. Doch die ist wesentlich schwerer umzusetzen, als auf „Teilen“ oder „Retweeten“ zu klicken. Zum Beispiel entsprechende Petitionen zu unterstützen (Petitionsausschuss des deutschen Bundestages hier, hier ist eine aktuelle Petition zum Thema „Angemessene Vergütung für Pflegekräfte„) oder dem zuständigen Abgeordneten eine Mail oder einen Brief zu schreiben – oder sie oder ihn bei einer Veranstaltung direkt ansprechen.
Was ganz wichtig ist: Wenn es denn mal einen Streik in einer sozialen Berufssparte gibt (ja, die gibt es tatsächlich auch!) nicht in den Reflex „die sollen nicht streiken, sondern arbeiten“** verfallen. Solidarität auch dann zeigen, wenn es für einen selbst mal ein bisschen unbequem wird. Zum Thema „Solidarität in unserer Gesellschaft“ weiß Max Uthoff noch ein paar kluge Worte zu sagen.
Und wie es der Zufall*** so will, zum Thema „Die Zukunft der Pflege alter Menschen“ ist gerade heute beim „Spiegelfechter“ eine Glosse erschienen, die einem die „schöne neue Welt“ präsentiert, auf die es zuläuft, wenn sich nichts ändert.
Und zu guter Letzt: Vorsicht, wenn man davon redet, dass eine Berufsgruppe einen Streik „nötiger“ habe als eine andere. Denn möglicherweise haben die Lokführer selbst den Streik ja auch „nötiger“ als die Berufsgruppe, der man selbst angehört. Dann kommt man aber ganz schön in Erklärungsnot, wenn man selbst mal für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen streikt. Und Schwupps! Steht mal selbst auf der anderen Seite des Arguments und muss sich anhören, eh keinen wirklichen Grund für den Arbeitskampf zu haben.
Behaltet das mal im Kopf. Und zwar länger als das alberne Bild mit der Katze, die ein lustiges Hütchen trägt.
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* = Ich verzichte hier auf die Einbindung von konkreten Tweets, da ich niemanden vorführen will. Wie gesagt, ich nehme mal an, dass die Verbreitung des Bildchens in bester Absicht geschah. Aber wie sagt man so schön? „Die Straße zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten.“
** = Dieser Reflex taucht meist im Gespann mit dem „ich muss auch arbeiten und kann nicht streiken“-Reflex auf. Das hässliche Kind beider Reflexe heißt „wenn die noch streiken können, kann es ihnen gar nicht so schlecht gehen“.
*** = Die Gedanken zu diesem Artikel trage ich schon ein paar Tage mit mir herum. Zündfunke dazu, ihn doch noch zu schreiben war der Umstand, dass heute wieder eines der „Liebe Pflegekräfte“-Bildchen auf meiner Facebook-Pinnwand aufgetaucht ist. Erst als ich die Artikel über die GdL und den Streik gesucht habe, habe ich die Glosse entdeckt.
Die Amerikaner, die kämpfen wie Weiber!
– Ein Nazi-Soldat in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“
Du bist gegen TTIP? Das ist nur Anti-Amerikanismus! Du bist kritisch gegenüber den vielen Militäreinsätzen der USA? Anti-Amerikanismus! Was die NSA und ihre Spießgesellen in Deutschland treiben, gefällt Dir nicht? Purer Anti-Amerikanismus!
Mit dieser „Argumentation“ wurden in der Vergangenheit immer mal wieder gern aufkommende Diskussionen erstickt. Schon Schopenhauer hat so ein Vorgehen in seiner „Eristischen Dialektik“ beschrieben, es ist ein „Argumentum ad Personam“: Dem Kritiker werden unlautere Motive unterstellt und damit seine Kritik pauschal abgelehnt. Seine Argumente werden nicht wirklich widerlegt, stattdessen beruft man sich auf die Motive und darauf, dass Argumente aus niederer Motivation nicht widerlegt zu werden brauchen.
Auch die Medien verwendeten das Schlagwort „Anti-Amerikanismus“, um Diskussionen die Grundlage zu entziehen. Doch manchmal schlägt sowas auch zurück. Denn im Moment macht ein Fall die Runde, bei dem die Medien nicht widerstehen konnten und ihn mit dem Etikett „Typisch Amerikaner“ versahen: Drei Amerikaner haben den österreichischen „Red Bull“-Konzern wegen wahrheitswidriger Werbung verklagt. Aufhänger bei einigen Presse- und Fernsehberichten ist dabei Red Bulls Werbespruch „Red Bull verleiht Flüüüügel“, auf Englisch „Red Bull gives you wings“. Drei Amerikaner verklagen also Red Bull, weil ihnen der Energydrink keine Flügel verleiht.
Na, typisch Amerikaner halt, die sind ja so blöd und glauben jeden Werbespruch. Wahrscheinlich haben die auch nie an der Esso-Tankstelle getankt, weil sie Angst vor dem Tiger im Tank hatten. Und Millionen amerikanischer Kinder sind enttäuscht, weil bei ihnen nie Tony der Tiger aus der „Kellog’s Frosties“-Packung gesprungen kam. Ach ja, und war da nicht so eine Dame, die nicht wusste, dass Kaffee heiß ist und die deswegen McDonald’s verklagt hat und Millionen bekommen hat? Und jetzt also Red Bull. Ts! Die Amerikaner halt… Anti-Amerikanismus? Aber nicht doch, jeder weiß doch, wie die Amis so sind…
Nun, richtig ist, dass man in den USA sehr viel leichter verklagt werden kann. Richtig ist auch, dass drei Amerikaner Red Bull verklagt haben. Richtig ist auch, dass sie das wegen Red-Bull-Werbesprüchen getan haben. Aber nicht wegen „Red Bull verleiht Flüüüügel“ und dass man davonfliegen kann. Wenn man diejenigen Artikel, die das zumindest herausgearbeitet haben, etwas aufmerksamer liest, ging es unter anderem um die Behauptung, der Energydrink würde die sportliche Leistungsfähigkeit steigern. Diese Klage kann man zwar immer noch kritisch sehen, aber es geht mitnichten darum, dass ein paar Amerikaner zu blöd waren, „Red Bull verleiht Flüüüügel“ als das zu sehen, was es ist: ein griffiger Werbespruch, der nicht wörtlich zu nehmen ist.
Aber dennoch machen viele Medien genau den Werbespruch zum Aufhänger ihres Berichts oder sogar zur Schlagzeile. Es wird mit anti-amerikanischen Ressentiments gespielt und vielfach auch gar nicht aufgeklärt, dass es in dem Prozess gar nicht um den Werbespruch an sich ging. n-tv zum Beispiel macht sogar eine Straßenumfrage, in der die Deutschen zeigen dürfen, dass sie den Amerikanern geistig überlegen sind, weil sie von Red Bull nicht erwarten, dass ihnen Flügel wachsen. Zwar wird in der Schlagzeile und im Bericht umschweifig vom „Flügel-Effekt“ geredet, aber das Publikum weiß genau, was es denken soll.
Wenn man sich die Mühe macht, bis an den Anfang zu gehen, kann man direkt nachlesen, dass es in dem Prozess nicht um eine wörtliche Auslegung des Werbespruchs ging, sondern um:
…[Red Bull’s] claims of increased performance, concentration and reaction speed…
Auch bei dem Betrag, der aus dem Vergleich hervorging, ist Vorsicht geboten: Ja, das ganze kostet Red Bull 13 Millionen Dollar. Aber nein, die 13 Millionen bekommen nicht die Kläger allein, sondern jeder amerikanische Kunde, der zwischen 2002 und dem 3. Oktober 2014 Red Bull gekauft hat, kann seine Ansprüche anmelden (Voraussetzung: Er muss den Kauf mit einem Beleg nachweisen). Jeder Kunde, der das tut, bekommt maximal 10 US$ ausgezahlt oder Red-Bull-Produkte im Wert von 15 US$. Sollten allerdings 13 Millionen Kunden bei Red Bull ihre Ansprüche anmelden, bekommt jeder nur 1 US$.
Ja, natürlich kann man an diesem Prozess einiges kritisierungswürdig finden. Manches muss man sogar kritisierungswürdig finden. Zum Beispiel, dass er Menschen von Eigenverantwortung und kritischem Denken freispricht. Einer der Kläger hat etwa berichtet, dass er jahrelang Red Bull getrunken, aber nie eine Steigerung der Leistungsfähigkeit festgestellt habe. Also, wenn etwas nicht die Wirkung hat, die ich mir davon verspreche, dann lasse ich einfach die Finger davon. Hat der immer weitergetrunken nach dem Motto „Bei der nächsten Dose wird alles anders“?
Kritisierungswürdig ist auch, dass eine solche Prozesshanselei für Firmen ständig eine Gefahr ist, denn wie will man denn erreichen, dass jeder Mensch bei einer Werbebotschaft immer alles richtig versteht? Aber bei vielen Medien findet keine Differenzierung statt, einfach nur, weil man eine griffige Schlagzeile hat, bei der der Leser / Zuseher sich so schön überlegen fühlen und sagen kann: „Ach schau an, die Amerikaner mal wieder…“
Und morgen wird den TTIP-Gegnern wieder vorgeworfen, sie seien ja nur anti-amerikanisch.
Was war eigentlich mit der Dame, die McDonalds verklagt hat und immer wieder quasi als Prototyp für den „wegen jedem Dreck klagenden Ami“ herhalten muss? Da bleibt genauso wenig übrig, wenn man genau hinschaut.
Hinweis: Wer sich durch die verschiedenen „Amerikaner klagen, weil Red Bull keine Flügel verleiht“-Artikel arbeiten möchte, gebe bei der Suchmaschine seiner Wahl „klage gegen red bull“ ein (oder hier klicken). Wegen des Leistungsschutzrechts für Presseverleger werden auf diesem Blog keine Presseerzeugnisse mehr verlinkt.
UPDATE: Stefan Niggemeier hat sich in seinem Blog des Themas angenommen und hat die „schönsten“ Schlagzeilen und Artikel zum vermeintlichen Thema „Amerikaner verklagt Red Bull, weil er keine Flügel bekommen hat“ gesammelt.