Dietmar Schönherr gestorben

Der Schauspieler Dietmar Schönherr ist am heutigen 18. Juli 2014 88jährig verstorben. Der Science-Fiction-Fangemeinde ist er hauptsächlich wegen seiner Hauptrolle in der Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion“ bekannt, er galt aber daneben auch als Fernsehpionier, da er eine der ersten Talkshows im deutschen Fernsehen moderierte („Je später der Abend„) und mit der nicht ganz unumstrittenen Sendung „Wünsch Dir was“ eine der ersten „interaktiven“ Spielshows. Aus dieser Show hat sich sogar ein Satz in der alltäglichen Sprache eingebürgert: Mit „Der Kandidat hat [Zahl] Punkte.“ verkündete Schönherrs Assistentin und Ehefrau Vivi Bach den Spielstand.

Es gab ein paar Anläufe, die Serie „Raumpatrouille“ neu zu starten und die „Alt-Stars“ um Dietmar Schönherr quasi als die „Vorgänger-Generation“ mitspielen zu lassen, die den Staffel-Stab an eine neue Generation weitergibt. Daraus wurde jedoch nichts. Lediglich der Zusammenschnitt „Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino“ aus den alten Folgen fand seinen Weg ins Kino.

Technische Rezension: „Total Recall“ mit Arnold Schwarzenegger

(c) Studio Kanal
(c) Studio Kanal

OT:                      TOTAL RECALL – Ultimate Rekall Edition
Laufzeit:               113 Minuten
FSK-Freigabe:     ab 18 Jahren
Studio                  Carolco / TriStar Pictures
Publisher:            Studiokanal
Herstellungsjahr: USA 1990
Disc:                    1 Blu-Ray
Tonformate:        Deutsch  DTS-HD-MA 5.1, Englisch DTS-HD-MA 5.1 sowie Französisch in DTS-HD-MA 5.1
Bildformat:          1.85:1
Extras:                 Pappschuber mit Lentricularbild und Wendecover
Hauptdarsteller:   Arnold Schwarzenegger, Rachel Ticotin, Sharon Stone, Ronny Cox, Michael Ironside, Marshall Bell, Marc Alaimo
Regie:                   Paul Verhoeven
Musik:                 Jerry Goldsmith

 

Film:

Wir schreiben das Jahr 2084. Douglas Quaid, ein einfacher Bauarbeiter, wird ständig von dem gleichen Alptraum, wo er sich auf dem Mars befindet, geplagt. Als er eines Tages einen Werbespott von Rekall Inc., einer Firma, die sich auf das Implantieren von Träumen spezialisiert hat, sieht, beschließt er, auch einmal Urlaub von der Realität zu nehmen. Doch sein Traum gerät zum Alptraum, als er in der Implantierugsmaschine sitzt. Plötzlich sind überall Killer hinter ihm her, und selbst seine Frau will ihn töten. Was ist los und warum passiert das alles mit ihm? Er beschließt daraufhin, zum Mars zu fliegen, da er sich dort die Antworten auf seine Fragen erhofft. Die größte Frage ist aber: Ist es die Realität oder ein furchtbarer Alptraum…

 

Info:

TOTAL RECALL beruht auf der Kurzgeschichte „Erinnerungen en Groß“ des SF-Autors Phillip K. Dick, dessen Geschichten auch die Vorlagen zu „Blade Runner“, „Minority Report“, „Paycheck – Die Abrechnung“, Impostor – Der Replikant“, „The Mirror Darkly – Im dunklen Spiegel“ und viele weitere Filme boten.

Auch wenn TOTAL RECALL auf den ersten und auch auf den zweiten und wohl auch noch auf den dritten Blick wie ein typischer Schwarzenegger-Actionklopper aussieht, so ist es vor allen Dingen immer wieder die gleiche Frage: Bin Ich Ich, ist das alles nur ein Traum oder ist es doch die schreckliche Realität? Der Film bietet auf diese Frage, wie auch die Story selbst keine definierte Antwort. Jeder kann selbst darüber entscheiden ob es nur Quaids (Alp)Traum war oder nicht.

Arnie selbst wuchtet und kämpft sich wieder einmal mit all seiner Kraft und auch der daraus folgenden Präsenz durch diesen Film, was bedeutet: Jede Menge Äktschn und viel geballere.

Zusammen mit der „Terminator-Reihe“ sowie „Predator“, „True Lies“, „Conan – Der Barbar“ und „The Running Man“ einer der besten Filme die er gedreht hat.

Bisher gab es ja nur die alte FSK – 16er Fassung im freien Handel, während der Film in der ungeschnittenen Version indiziert war. Nachdem wie bei vielen anderen Filmen der 80er und 90er Jahre auch TOTAL RECALL neu beurteilt wurde, kann man ihn endlich komplett und ungeschnitten auch im freien Handel erwerben und kein Vermögen mehr für ihn ausgeben.

TOTAL REALL stellt in der „Ultimate Rekall Edition (URE)“ wohl wirklich die ultimate Fassung dar, zumindest zur Zeit. Ob der Film irgendwann nochmals komplett neu remastered wird, wer weiß, wer weiß…

Vor zwei Jahren wurde ein Remake von TOTAL RECALL mit Colin Farell in der Hauptrolle des Arbeiters Douglas Quaid gedreht. Auch dieser Film basiert auf Phillip K. Dick´s Story und enthält für den Kenner der Erstverfilmung auch etliche Anspielungen auf eben diesen. Ich erinnere nur an die Prostituierte mit den drei Brüsten!

 

Bild:

Paul Verhoeven selbst hat das für die URE neu erstellte Bildmaster persönlich abgesegnet. Dabei herausgekommen ist auch ein sehr schönes Bild, welches zwar mit modernen Filmen nicht mithalten kann, es aber auch gar nicht muss.

Ein guter, aber leider kein sehr guter Schwarzwert. Eine sehr gute Detail- und eine ebensolche Feinzeichnung des Bildes. Allerdings in mancher SFX-Szene wird das Bild softer und verliert hier seine recht gute Schärfe, was aber vor allen Dingen an der damaligen Tricktechnik (Blue- und Greenscreenaufnahmen) lag und nicht am Remasteringprozess. Die Farben selbst wirken natürlich und sind nicht durch Filter entstellt, sieht man vom roten Himmel des Mars einmal ab. Das Bild bietet sogar eine sehr gute Plastizität, allerdings auch eine recht auffällige Kornstruktur. Filmkornhasser werden hier wohl nicht wirklich glücklich werden.

Nichtsdestotrotz ist es die wohl bisher beste Bildqualität bei „TOTAL RECALL“.

 

Ton:

Leider merkt man dem Film auch im akustischen Design sein Alter von 24 Jahren an. Obwohl es hier eine DTS-HD-MA 5.1 – Tonspur sowohl in englisch als auch in deutsch gibt, ist der Sound doch weitestgehend recht frontlastig geraten, bietet aber ab und an in den Actionszenen einige gute Effekte und die Einbindung der rückwärtigen Kanäle. Auch der Subwoofer kommt dabei immer mal wieder zum Einsatz. Von modernem Sounddesign zwar weit entfernt, aber bei weitem besser als was es auf DVD gibt. Sehr solide, aber nicht wetbewegend.

 

Bonusmaterial:

  • Neues Interview mit Paul Verhoeven (34.47 Min)
  • Die Spezialeffekte von TOTAL RECALL (23.15 Min)
  • Making Of (8.03 Min)
  • Interview mit dem Filmteam (30.12 Min)
  • Interview mit M. Hildebrand und G. Mignotte über die Spezialeffekte (16.26 Min)
  • Interview mit dem SF-Expreten Stéphane Bourgin (9.09 Min)
  • Vergleich: Die Restaurierung – Vorher und Nachher (5.13 Min)
  • Original-Kinotrailer (2.02 Min)

 

Fazit:

TOTAL RECALL ist ein moderner Klassiker des SF-Action-Genres und definitiv einer von Arnies besten und intelligentesten Filmen. Wer diesen Film noch nicht kennt, der sollte ihn sich unbedingt ansehen, und wer ihn kennt und schon als DVD besitzt dem kann ich ein Upgrade auf die ULTIMATE REKALL EDITION nur anraten.

Für Fans von Actionfilmen und natürlich von Arnold Schwarzenegger.

„Total Recall – Remastered [Blu-ray]“ kann man unter anderem hier bestellen!

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Das Leben imitiert die Kunst (schon wieder!): Tim und die Picaros

(c) Carlsen Verlag
(c) Carlsen Verlag

In dem Comicabenteuer „Tim und die Picaros“ reisen Tim, Kapitän Haddock und Professor Bienlein nach Südamerika, in das von dem Diktator Tapioca beherrschte Land San Theodorus. Der Polizeichef des Tyrannen, niemand anders als Tims alter Widersacher Oberst Sponsz aus „König Ottokars Zepter“, hat falsche Beweise gestreut, die die Opernsängerin Bianca Castafiore als Spionin belasten. Sie und ihre Bediensteten wurden eingekerkert, den unvergleichlichen Nicht-Zwillingen Schultze und Schulze droht die Todesstrafe. Sponsz will damit Tim nach San Theodorus locken, um endlich Rache nehmen zu können. Doch sein Plan geht zunächst nicht auf, lediglich Kapitän Haddock, der sich von Tapioca nicht als „Feigling“ beschimpfen lassen will, und Bienlein, den seine Verehrung für die Castafiore dazu hinreißt, sich für ihre Freilassung einzusetzen, fliegen nach Südamerika. In Tapiocapolis angekommen stellt Haddock fest, dass er und Bienlein in einem goldenen Käfig gelandet sind: Jeder Wunsch wird ihnen erfüllt, aber sie können keinen Schritt vor die Tür machen, ohne vom Wachschutz begleitet zu werden. Schließlich kommt Tim nachgereist, der eine Ahnung hat, dass die Wohnung, die den dreien durch die santheodorianische Regierung zur Verfügung gestellt wurde, verwanzt ist. Damit Sponsz nicht mithören kann, legt Tim eine Schallplatte (man bedenke: „Tim und die Picaros“ erschien 1976) der Castafiore auf, wie sie mit Inbrunst die „Juwelenarie“ aus Gounods Oper „Margarete“ schmettert. Das funktioniert tatsächlich, Sponsz versteht kein Wort von dem, was Tim und Haddock besprechen.

Und was lese ich heute in einem Artikel der „Süddeutschen Zeitung“? Wenn der NSA-Sonderausschuss des Deutschen Bundestages zu einer Besprechung zusammenkommt, werden die Handys aller anwesenden Personen eingesammelt und in eine Metallkiste gesteckt, damit man den Ausschuss nicht über die Handys abhören kann. Und zur Sicherheit (jetzt kommt’s!), falls doch noch irgendwas zu hören sein könnte, wird auch noch Musik gespielt. Es ist in diesem Fall nicht die „Juwelenarie“, sondern Edvard Griegs Klavierkonzert in a-Moll. Warum? Weil man herausgefunden hat, dass ein BND-Agent für die Amerikaner den NSA-Ausschuss ausspioniert hat.

San Theodorus ist eine Diktatur. Sponsz ist ein verbrecherischer Oberst, der seine Macht gnadenlos ausnutzt. Deutschland ist eigentlich eine Demokratie. Amerika ist eigentlich eine Demokratie. Beide Länder sind eigentlich Partner. Und vor noch nicht allzu langer Zeit hätte man gesagt, ein „Doppel-Agent“ ist einer, der für uns und „die anderen“ (zum Beispiel die Russen) arbeitet, nicht „für uns und die Amerikaner“. In dem verlinkten Beitrag der Tagesschau heißt es, der BND-Agent habe „für einen amerikanischen Geheimdienst spioniert“. Das klingt wie ein Vorwurf aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Aber es ist die Gegenwart.

Und der NSA-Ausschuss kann sich nur noch treffen, wenn er mit Musik sicherstellt, dass der amerikanische Geheimdienst nicht mithören kann. Zustände wie in San Theodorus. Einer Diktatur, wohlgemerkt…

KRIEG DER FERNE: Lügen fürs Leistungsschutzrecht

Endlich kann ich mich mal wieder meinem Lieblingsthema widmen – der Science Fiction! Stefan Niggemeier hat nämlich einen neuen Artikel „Lügen fürs Leistungsschutzrecht“ in seinem Blog veröffentlicht und mir ist gerade der Gedanke gekommen, dass man daraus einen „Star-Wars“-Mashup machen kann. Wie? Na, indem man die Artikel analog der „Star-Wars-Filme“ aufreiht. Und zwar so:

KRIEG DER FERNE Episode I: Die dunkle Bedrohung

In Episode 1  zeigen sich dunkle Wolken am Horizont. Der Bundestag ist in Aufruhr. Die Forderung nach dem „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ ist der Grund. Die Verleger haben jegliche Erläuterung von Fakten eingestellt, in der Hoffnung, ein Gesetz zu erzwingen.

KRIEG DER FERNE Episode II: Angriff der Klone

In Episode 2 wird dokumentiert, wie wiederholt die selben falschen Fakten ins Spiel gebracht werden. Die angeblichen neuen Argumente für das Leistungsschutzrecht sind keine neuen, es sind Klone.

KRIEG DER FERNE Episode III: Die Rache der Presse

In Episode 3 sehen wir, wie verdreht ein Presseverband argumentieren kann, wenn es darum geht, Argumente von Google gegen ein Leistungsschutzrecht angeblich zu wiederlegen.

KRIEG DER FERNE Episode IV: Keine neue Hoffnung

Es herrscht Kleinkrieg. Die Gefechte in Episode 4 werden zwischen dem BDI und Springer-Frontmann Matthias Döpfner ausgetragen. Der BDI lehnt das Leistungsschutzrecht ab. Die Pressevertreter erzeugen Gegenwind.

KRIEG DER FERNE Episode V: Das Imperium schlägt zurück

Die Kritik am Leistungsschutzrecht wird von den Verlegern in Episode 5 mit einem einfachen Argument auf die Seite gewischt: Die Kritiker würden alle von Google bezahlt.

KRIEG DER FERNE Episode VI: Die Rückkehr der Ladenhüter

Kein Happy-End in Episode 6: Die Verleger setzen sich aller Vernunft zum Trotz durch, der Bundestag beschließt das Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Anstatt der Ewoks feiern die Vertreter und Anwälte der großen Verlage. Ende der Geschichte? Aber nicht doch…

KRIEG DER FERNE Episode VII: Erben des Imperiums

Google will natürlich nicht kampflos aufgeben, noch dazu, da das „Leistungsschutzrecht“ genau das geworden ist, was die Kritiker immer gesagt haben: Ein bürokratisches Monster, das mehr Rechtsunsicherheit erzeugt als es eindeutig regelt. Deswegen geht auch die Desinformation durch die Verleger in Episode 7 weiter.

„Krieg der Ferne“ reimt sich nicht nur auf „Krieg der Sterne“ (die älteren unter uns werden sich erinnern, dass „Star Wars“ in Deutschland ursprünglich so hieß), sondern es verdeutlicht auch die Ferne, die die Presseverlage zur Realität mittlerweile haben. Da es in Deutschland neuerdings ja wieder opportun zu sein scheint, dem Krieg das Wort zu reden, passt das ganz gut in diesen Konflikt. Ich jedenfalls komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

Das Gesetz gehört abgeschafft. Aber ich bezweifle, dass das in naher Zukunft – wenn überhaupt – passieren wird. Also bleibt nur, auf Episode 8 zu warten…

Das Leben imitiert die Kunst (mal wieder): „MAD“, der rauchende Rentner aus Düsseldorf und die Medien

Manchmal finde ich es erschreckend, dass sich nach Jahrzehnten der Erkenntnis immer noch nichts ändert. Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht, weil man es schon immer so gemacht hat.

Quelle: MAD Nr. 94
Quelle: MAD Nr. 94

Der Grund für diesen Artikel findet seinen Ursprung Mitte der 1970er Jahre, vermutlich im Jahr 1975. Leider habe ich keine genaueren Angaben finden können, anhand der Zahl mutmaße ich aber, dass die Nummer 94 des Magazins „Deutsches MAD“ entweder 1975 oder 1976 erschienen sein muss. In dieser Ausgabe gab es einen satirischen Artikel über die Presse in Deutschland. Eigentlich sollten Presseberichte doch neutral, das ist der Aufhänger, und anhand der fiktiven Zeitungen „Der Ausblick“ und „Die Rückschau“ wird gezeigt, dass das eben nicht so ist. Die Zeitungen werden gegenüber gestellt und berichten im Grund über exakt die gleichen Dinge, nur ist „Der Ausblick“ eben fortschrittlich und „Die Rückschau“ konservativ – und entsprechend ist der Tenor der Artikel.

Quelle: MAD Nr. 94
Quelle: MAD Nr. 94

Selbst etwas so harmloses wie der Abriss eines Hauses wird einmal als gelungene Sanierung gefeiert und auf der anderen Seite als Zerstörung eines Kulturguts verteufelt. Und die Erhöhung des Preises der Zeitung wird beim „Ausblick“ als soziale Errungenschaft gefeiert, die den Arbeitern zugute kommt, während die „Rückschau“ hemmungslos über die gierigen Gewerkschaften herfällt, die die Arbeitgeber zur Annahme einer Lohnerhöhung von 5% nötigten.

Natürlich ist mir klar, dass es das immer noch gibt. Allerdings ist es mir bisher eher immer bei politischen Themen aufgefallen, also dort, wo eine politische Agenda verfolgt wird (und man kann auch immer ganz gut voraussagen, welche Zeitung – beziehungsweise welche Verlagsgruppe – welche Position einnimmt). Mittlerweile scheint es aber Formen anzunehmen, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann, indem alles irgendwie politisiert wird. Konkret kann man das an dem Urteil über den rauchenden Rentner aus Düsseldorf sehen.

Ich versuche mal, so neutral wie möglich zusammenzufassen, was passiert ist: Einem Rentner aus Düsseldorf wurde die Wohnung gekündigt, weil er in der Wohnung rauchte, der Rauch ins gemeinschaftliche Treppenhaus abzog und dort die Nachbarn belästigte. Ein Gericht in Düsseldorf hat nun bestätigt, dass die Kündigung rechtens ist. Zwar kann man einem Menschen das Rauchen in seiner eigenen Wohnung nicht verbieten, aber der Mieter müsse darauf achten, dass die Nachbarn nicht belästigt werden. Man merke wohl: In DIESEM SPEZIELLEN FALL hat ein Gericht entschieden, dass die Belästigung der Nachbarn höher einzuschätzen ist, als das Gewohnheitsrecht des Rentners.

Doch auf einmal ist die Rede von einem „richtungsweisenden Urteil“. Wieso? Es galt doch auch vorher schon, dass ich meine Wohnung riskiere, wenn ich irgendetwas mache, das zur Belästigung der Nachbarn führt (Lärm, Müll abladen). Und das Rauchen in der eigenen Wohnung bleibt doch unangetastet, es geht lediglich darum, dass IN DIESEM SPEZIELLEN FALL die Nachbarn sich belästigt gefühlt haben. Damit nicht genug. Heute früh habe ich in der Presseschau des Deutschlandfunks die Kommentare von mehreren Zeitungen zu der Sache gehört. Speziell bei zwei Zeitungen wurde ich hellhörig, denn sofort fühlte ich mich an das MAD-Heft Nr. 94 erinnert.

Die rechts-konservative „Welt“ kommentiert: „Nach dem Rauchverbot in Kneipen und Restaurants ist das ein weiterer Schritt zur Diskriminierung der Menschen, oft aus der Unterschicht, die in die schöne neue Welt junger, gesunder, erfolgreicher und wohlriechender Menschen nicht passen. Dem Spießertum der Vermieter und der Gesundheitsfanatiker begegnet man aber nicht, indem man es verbietet, sondern vor allem, indem man das Wohneigentum fördert. Das hilft zwar Herrn A. nicht, aber wie man hört, hat er viele Angebote erhalten, anderswo zu rauchen. So muss es sein, Liberté toujours!“

Die links-liberale „taz“ meint hingegen: „Nein, das ist keine Grundsatzentscheidung darüber, ob jemand in seiner Wohnung rauchen darf oder nicht. Auch wenn der Fall dazu hochstilisiert wird. Denn darum geht es wirklich: Um die Umwandlung einer wenig lukrativen Mietwohnung in einen teuren Büroraum. Mit Eigenbedarf kann man da schlecht kommen. Also suchte die Vermieterin nach einer Möglichkeit, um den fünfundsiebzigjährigen Friedhelm A. nach mehr als 40 Jahren aus seiner kleinen Parterrewohnung zu vertreiben. Und sie fand einen Weg. Der starke Tabakkonsum ihres Ex-Hausmeisters war ein willkommener Vorwand, um den Mieterschutz auszuhebeln. Dass sie mit ihrer Räumungsklage nach dem derzeitigen Stand Erfolg hat, ist deshalb eine schlechte Nachricht nicht speziell für Raucher, sondern für alle Mieter.“

Beim Kommentar der „Welt“ muss ich sagen: Geht’s eigentlich noch eine Nummer größer? Von der Kündigung der Wohnung eines Rauchers wegen der Geruchsbelästigung für andere Mieter darauf zu schließen, dass man Wohneigentum mehr fördern soll, damit einen die „Gesundheitsfanatiker“ und „Spießer“ (ausgerechnet die „Welt“ benutzt dieses Wort!) in Ruhe die eigene Bude vollqualmen lassen, ist schon ein gewaltiger Sprung. Mal ganz davon abgesehen, dass der Rentner auch Probleme bekommen hätte, wenn seine Wohnung eine Eigentumswohnung gewesen wäre. Eigentum sagt nicht, dass man dann die Nachbarn belästigen darf. Insofern geht dieses hochgesteckte Argument an der eigentlichen Sache vorbei, erfüllt aber voll und ganz den Zweck, den „Gesundheitsfanatikern“ eins mitzugeben. Übrigens, liebe „Welt“, wenn man sich schon gegen „Diskriminierung“ echauffiert, sollte man vielleicht das Wort „Unterschicht“ vermeiden, das ist nämlich genauso diskriminierend.

Aber auch die „taz“ produziert eine gewaltige Fallhöhe: Nicht die Sorge um die Gesundheit der anderen Mieter, sondern der Blick auf den eigenen Geldbeutel treibe die Vermieterin an. Sie wolle seine Wohnung in Büroräume umwandeln und ihn deswegen raushaben. Dann liegt da wohl eine Verschwörung, oder wie kommt es dann zustande, dass Zeugen die Geruchsbelästigung und die mündlichen Abmahnungen, die der Rentner bekommen habe, bestätigen? Außerdem bestätigt der Kommentator zuerst, dass das Urteil „hochstilisiert“ werde, um es dann selbst hochzustilisieren: Zu einem Angriff auf den Mieterschutz. Dazu taugt das Urteil aber nicht, denn es ist ein Einzelfall. Wenn morgen der nächste Vermieter klagt, weil ein Mieter durch sein exzessives Rauchen zu einer Geruchsbelästigung wird, wird dieser Fall völlig neu verhandelt werden. Und wie ich schon schrieb: Belästigung anderer Mieter – egal durch was – war ja schon immer ein Grund, die Wohnung gekündigt zu bekommen.

Also was bleibt von rechts-konservativer und links-liberaler Empörung? Eigentlich nichts, denn beide schießen übers Ziel hinaus. Zwar mag man sagen, das sind Kommentare, die dürfen auch mal polarisieren. Ja, aber Kommentaren tut es auch gut, wenn sie unaufgeregt daher kommen, besonders bei Themen, die nicht ganz so groß sind, wie man glaubt. Die ständige Aufgeregtheit ist es doch, die die Leser abstumpfen lässt, so dass sie sich dann, wenn es einen Grund für Aufregung gibt, eben dies nicht mehr tun. Und wenn die Kommentare sich so aufplustern wie in diesem Fall, dann wirkt es völlig daneben, vor allem, wenn wie im Fall der „Welt“ große gesellschaftliche Zusammenhänge hergestellt werden. Wir brauchen kein Friedhelm-A.-Wohnungsbau-Förderprogramm durch die deutsche Bundesregierung und auch der Mieterschutz wird durch ein Einzelfallurteil nicht ausgehebelt.

Mad Nr. 94 erschien 1975 oder 1976. Man stelle sich vor, das ist fast vierzig Jahre her. Geändert hat sich seit damals… nichts. Im Gegenteil. Traurig.

 

Disclosure: Quelle für die Kommentare ist dieser Beitrag im Deutschlandfunk, die Kommentare selbst entstammen der Zeitung „Die Welt“ und der „taz“. Ob die Kommentare bei den jeweiligen Zeitungen auch online zu lesen sind oder nicht, weiß ich nicht. Eine Verlinkung auf Presseerzeugnisse erfolgt in diesem Blog seit der Einführung des so genannten „Leistungsschutzsrechts“ generell nicht mehr, mit der Angabe der Namen der entsprechenden Zeitungen ist der Quellenangabe genüge getan, Links sind dazu nicht nötig. Wer die Originalartikel lesen möchte, bemühe bitte eine Suchmaschine seiner Wahl.  

„Steingart, Sie sind raus!“ – „Wieso das denn?“

Moderator:
Herzlich willkommen zu einer Neuauflage von „Fakten, Fakten, Fakten„, der Beitragsreihe, die Themen recherchiert, die wirklich von Bedeutung sind. In unserer Runde befinden sich heute Gabor Steingart, Mario Sixtus und Thomas Stadler. Unser Thema heute: das Leistungsschutzrecht. Herr Steingart, was haben Sie recherchiert?

Steingart:
Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden.[1]

Moderator:
Steingart, Sie sind raus!

Steingart:
Wieso das denn?

Stadler:
Die von den Verlagen geführte „Google-Debatte“ ist rabulistisch.

Sixtus:
Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart.

Moderator:
Wir sehen: Das Leistungsschutzrecht für „Presseverlage“ war, ist und bleibt ein Schuss in den Ofen. Und mittlerweile ist den Verlagen keine Entschuldigung oder Erklärung zu blöd, um zu beweisen, wie nötig es doch sei. Aber mit genau solchen Erklärungen beweisen die Presseverlage nur eins: Dass das Leistungsschutzrecht von Anfang an völlig überflüssig und eine komplette Schnapsidee war… ist… und bleibt. Gute Nacht!

 

[1] Aus dem Text „Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf“, der in der „Frankfurter Allgemeinen“ erschienen ist. Ein Link auf den Originaltext erfolgt aus zwei Gründen nicht: Erstens nehmen es die „Presseverlage“ auch nicht immer so genau und geben als Quelle gern mal „Internet“ an (anstatt eines konkreten Links) und zweitens wird auf diesem Blog seit der Einführung des „Leistungsschutzsrechts“ kein „Presseerzeugnis“ von deutschen Verlagen mehr verlinkt, erst recht nicht von solchen Verlagen, die das „LSR“ auch noch gut finden.

„War Porn“ von Christoph Bangert [Rezensions-Hinweis]

Nachdem unser kleiner Jubel über Beitrag Nr. 1.000 nun vorbei ist, können wir mit dem Ernst des Lebens fortfahren – und wie ernst es wird! Beim Foto-Magazin „kwerfeldein“ hat Martin Gommel den Bildband „War Porn“ von Christoph Bangert rezensiert.

Diese Rezension und natürlich auch der Bildband selbst passen sehr gut in eine Zeit, in der hochrangige Politiker unbedacht vor sich her faseln, dass Deutschland endlich wieder in mehr Kriegen mitmischen sollte. Und in einem Lied aus dem Jahr 1969 heißt es passend dazu: „War! What is it good for? Absolutely nothing!“ Und genau das ist auch eine der Aussagen von „War Porn“.

Zur Rezension dieses Buches geht es hier: kwerfeldein – „War Porn“ – Achtung! Der Artikel ist mit Bildern aus dem Band versehen, die es in sich haben (obwohl das Buch selbst noch härtere Bilder beinhaltet). Aber das ist nun mal die Realität des Krieges.

Jubel, Trubel, Heiterkeit: BEITRAG NR. 1000!!

Am 30. Mai 2005 nahm dieses Blog offiziell seine Arbeit auf. Und heute, etwas mehr als 9 Jahre später, erscheint Artikel Nr. 1000! Die Schreibmannschaft hat sich seither etwas erweitert und das Erscheinungsbild etwas geändert. Aber immer noch erscheinen mehr oder weniger regelmäßig neue Artikel.

Nachstes Jahr haben wir dann 10jähriges Jubiläum. Und das ist noch ein Grund zum Feiern – wenn es soweit ist. Bis dahin bejubeln wir den Artikel Nr. 1000 und die Artikel, die noch kommen mögen.

Kritisches zur Fußball-WM: Schafft die FIFA ab!

Im Moment, da dieser Artikel in unserem kleinen Blog veröffentlicht wird, beginnt offiziell die Fußball-WM 2014 in Brasilien. Da man diesem Ereignis – gerade in Deutschland – nur entkommen kann, wenn man sich für die Zeit der WM in ein künstliches Koma versetzten lässt, kommt also hier noch ein Artikel zum Thema. Ja, selbst die Handlung von unseren Videokanal wird mit der heutigen Episode nach Brasilien verlagert (und falls sich das jemand fragt: Ja, die Aufnahmen sind vor Ort in Brasilien entstanden. Aber nicht jetzt während der WM-Phase, ich bin doch nicht verrückt!).

Ich möchte mich aber auch nicht zu sehr zu dem Thema selbst äußern, denn eigentlich bin ich kein Fußball-Fan, aber ein paar Gedanken möchte ich doch wiedergeben. Wenn man mich als Kind gefragt hat, von welchem Verein ich Fan bin, hab ich immer den FC Frankfurt als Antwort gesagt, weil meine Tante dort wohnt und weil ich so gegen die anderen Fans von großen Mannschaften wie Bayern stehen konnte. Hätte man tiefer gebohrt, ich hätte nicht mal gewusst, wer bei Frankfurt eigentlich spielt. Aber, und damit kommen wir zum Thema, bei der WM, da hab ich so ein wenig mitgefiebert. Allerdings mehr drumherum, ich hatte in den 1980er Jahren die obligaten Sammelalben für Klebebilder und zu jeder WM die Gag-Comic-Sonderausgabe mit den Abenteuern von Clever und Smart, die jede Großveranstaltung im Chaos versinken ließen.

Aber selbst diese periphere Begeisterung für Fußball hörte irgendwann auf. Nicht mal die WM in Deutschland konnte daran was ändern. Vielleicht war ich da aber auch eher genervt, weil ich sehr nahe am örtlichen „Public Viewing“ wohne und egal, ob ich Fußball schaue oder nicht, wenn ich bei einem Spiel mit Deutschland zu Hause bin, bekomme ich mit, was läuft. So oder so.

In letzter Zeit sind immer mehr kritische Stimmen laut geworden um die WM und den Weltfußballverband FIFA. Ein Hauptpunkt, an dem sich die schlechte Stimmung entzündet hat, war die Vergabe der WM 2022 an Katar. Der andere die aktuelle WM in Brasilien, bei der sehr viel schief gelaufen ist.

Aber auch ich war überrascht, als ich die letzte Ausgabe der „Anstalt“ gesehen und dann noch diese dreiteilige Artikelreihe von Jens Berger bei den Nachdenkseiten gelesen habe. Als Laie ahnt man ja mehr als man weiß, aber dass es so schlimm ist, das habe ich nicht geahnt. Deswegen möchte ich heute als Denkanstoss hier auf die drei Artikel von Jens Berger verweisen – und hiermit offiziell das Thema „WM 2014“ auf diesem Blog beenden (für die Videoreihe gilt das nicht, die Videos spielen weiterhin in Brasilien):

PS: Falls jemand nach meiner persönlichen Meinung von heute fragt: Ich brauche den Fußball nicht, ich brauche die WM nicht. Ich finde es skandalös, dass einem verurteilten Steuerhinterzieher wie Uli Hoeneß von seinen Spießgesellen noch der Rücken gestärkt wird, ich finde die Vorgänge um die WM skandalös (neben vielen anderen Dingen, die ich beim Fußball-Zirkus skandalös finde, ich habe mir halt zwei prominente Beispiele rausgegriffen). Sollte es tatsächlich zu einer Auflösung der FIFA kommen (was ich nicht glaube) mit der Konsequenz, dass es dann einfach keine Fußball-WM mehr gibt (was ich erst recht nicht glaube, denn man würde einfach eine neue Organisation gründen), wäre mir das persönlich auch egal. Das Geld, das so eine WM kostet, ist gerade in Ländern wie Südafrika oder Brasilien (aber auch in Deutschland!) in anderen Bereichen besser angelegt.

Übrigens, der Name des WM-Maskottchens „Fuleco“ ist ein Kunstwort. Das Wort ist NICHT aus der portugiesischen Sprache entlehnt und bedeutet auch nicht „Arsch“, nicht mal umgangssprachlich! Ende der Kommunikation!

„STAR WARS – Das letzte Kommando, Teil 3: Feuer über Coruscant“ erscheint heute

(c) IMAGA
(c) IMAGA

Die Ereignisse spitzen sich zu: Mara Jade glaubt den geheimen Standort von Großadmiral Thrawns Kloning-Anlage zu kennen. Han, Luke, Lando und Chewbacca brechen mit ihr nach Wayland auf, um die Anlage zu vernichten, doch sie ahnen nicht, dass Thrawn bereits zu einem ebenso unberechenbaren wie folgenreichen Schlag ausholt: Den Angriff auf Coruscant!

Mit „Das letzte Kommando“ kommt nun das actiongeladene finale Kapitel der berühmten „Thrawn-Trilogie“ als atemberaubende Hörspiel-Adaption von Oliver Döring. Mit den Synchronstimmen der originalten Trilogie, den original Soundeffekten und der Musik von John Williams lässt diese exklusive,  5-teilige Produktion das Star Wars-Feeling für alte und junge Fans so intensiv erleben wie im Kino.

Nach dem Bestseller von Timothy Zahn.

„Feuer über Coruscant“ kann unter anderem hier bestellt werden:

 

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