Neue Studie belegt: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen

Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
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Kleine Frage zum Einstieg: Warum sind Sie hier gelandet? Hat Sie die Frage neugierig gemacht? Ging es um den Erkenntnisgewinn? Oder sind Sie mit der festen Überzeugung hier eingetroffen, den Autor zu widerlegen? Egal wie, eines gleich vorweg: Es gibt keine Studie, die belegt, dass Leute alles glauben, was sie im Internet lesen. Aber mit dem, was Leute im Internet lesen und Studien gibt es ein Problem. Oder zwei.

In den Zeiten von Corona tauchen wieder einmal verstärkt Memes und Behauptungen in den sozialen Medien auf, die manchmal als die „Pest des Internes“ bezeichnet werden. Es sind kleine Beiträge, die schmissige, griffige Aussagen enthalten und vorgeblich zum Nachdenken anregen wollen. Nur ist das oft leider ein vorgeschobener Grund, eigentlich wollen diese Memes und Beiträge dem Leser ihre Meinung überbügeln. Nicht selten wird dabei auf Studien verwiesen ohne diese allerdings zu benennen. Als Beispiel nehmen wir einfach mal meine provokante Überschrift: „Studien beweisen: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen“. Da könnte man noch was schönes dazuschreiben, um damit ein Kopfnicken bei denen zu provozieren, die „es ja schon immer wussten“. Man kommt sich dabei so schön kritisch vor, denn „Studien“ haben es ja bewiesen. Wissenschaftlich auch noch.

Wenn man den Behauptungen allerdings auf den Grund zu gehen versucht, kriegt man meistens Probleme, besagte Studien überhaupt zu finden. So kann jemand den Inhalt einer Aussage nicht widerlegen, wenn er die Studie, auf die sich berufen wird, nicht mal findet. Das gehört natürlich zur Strategie dieser Aussagen dazu, sie wollen keinen kritischen Beitrag leisten, sie gaukeln Wissenschaftlichkeit vor, indem sie sich auf „Studien“ berufen und obwohl sie behaupten, nur „kritisch zu hinterfragen“, möchten sie selbst bitte gar nicht kritisch hinterfragt werden.

Im Zuge solcher Memes und Behauptungen kam es immer mehr auf, genau diese Quellen einzufordern. Keine Quellen – unglaubwürdig, der Trend setzt sich langsam durch, zu langsam, fürchte ich. Aber immerhin kam es dazu. Und das war die Stunde, in der die Meme- und Beitragsersteller zurückschlugen. Seit einiger Zeit beobachte ich einen neuen Trend.

Hier wird eine schmissige Aussage getätigt und direkt auf eine Studie verwiesen. Alles in Butter demnach? Nein, nicht ganz. Offenbar verlassen sich einige der Ersteller solcher Aussagen darauf, dass schon keiner sich die Mühe macht, die entsprechende Studie wirklich zu lesen. Das Problem ist, dass solche Studien (und oft handelt es sich um Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten) in spezialwissenschaftlichem Jargon geschrieben sind, viele Tabellen beinhalten, Zahlen und Ergebnisse präsentieren. Das kostet Zeit und man muss sich wirklich reinarbeiten. Die Zeit hat natürlich nicht jeder.

Wenn sich aber kaum jemand die Mühe macht, solche Studien zu lesen, wird auch kaum jemandem auffallen, dass in diesen schmissigen Beiträgen Aussagen gemacht werden, die durch die angegebene Studie überhaupt nicht unterstützt werden. Erst vor ein paar Tagen ging etwas herum, in dem behauptet wurde, das Tragen von Gesichtsmasken sei so schädlich, dass Probanden einer Studie die Masken nur 30 Minuten tragen durften. Wenn man sich die Studie aber durchlas, stellte man fest, dass die behauptete Schädlichkeit mitnichten nachgewiesen wurde und die 30 Minuten daher kamen, dass man das Ausgangsmaterial der Masken testen wollte. Die Durchführenden der Studie befürchteten, dass durch die Feuchtigkeit in der Ausatemluft die Materialeigenschaften der Masken verändert werden. Da die Feuchtigkeit der Ausatemluft aber von sehr individuellen Bedingungen abhängt, hätte sich bei jedem Probanden das Material unterschiedlich verändert und das Testergebnis verfälscht. Mit der Beschränkung auf 30 Minuten wollte man dem vorbeugen. Das ist alles.

Wir sind bei den Behauptern also mittlerweile von „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, nenne aber keine Quelle“ zu „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, hier ist eine Quelle, die überhaupt nicht das aussagt, was ich sagen“ gekommen. Nur weil jemand eine Quelle angibt, ist das noch lange kein Grund, von Seriösität auszugehen.

Wenn man aber keine Zeit hat, sich selbst durch alles durchzuackern, was einem da so präsentiert wird, sind Seiten wie Mimikama umso wichtiger. Die Geschichte mit der schädlichen Maske haben sie hier aufgegriffen (allerdings nicht wegen den 30 Minuten, sondern wegen der Aussage über die Schädlichkeit generell), und auch sonst fahren sie in den Zeiten von Corona Sonderschichten, um so schnell wie möglich alle diese Falschinformationen, die gestreut werden, zu entlarven. Und weil ihre Arbeit so wichtig ist, kann man sie unterstützen, über PayPal, Steady oder Patreon. Also, schauen Sie sich das mal an und überlegen Sie sich, ob Sie vielleicht den einen oder anderen Euro übrig haben.

Die Arbeit ist schon immer wertvoll gewesen, jetzt allerdings umso mehr!

Verschwörungsmythen und die neue Hexensalbe

Photo by Hannah Xu on Unsplash
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In Geschichten ist es spannend zu lesen: Ein paar Ereignisse werden in Gang gesetzt. Jemand unternimmt Untersuchungen und stellt fest, dass es jemandem im Hintergrund gibt, der die Fäden zieht. Jemand – ein Ermittler oder auch ein Mensch, der mehr oder minder zufällig in die Sache gerät – entwirrt Stück für Stück das Netz, das da gespannt wurde. Bekannte Geschichten, die das zum Inhalt haben, sind unter anderem die Reihe um Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown oder die Prequel-Trilogie von „Star Wars“. Fast allen diesen Geschichten ist gemein, dass derjenige, der die Fäden zieht, immer auch Glück braucht, dass seine Pläne so wunderschön aufgehen. Und das zeigt eine der Schwachstellen solcher Verschwörungen in der Realität, denn da fällt nie alles, was jemand plant, so wunderschön an seinen Platz.

Eine zweite Schwachstelle, die in den Geschichten gerne mal unter den Tisch fallen gelassen wird, ist die Verschwiegenheit. Gerade wenn es sich – wie bei Dan Brown – um Verschwörungen handelt, in die sehr viele Leute über lange Jahre (oder gar Jahrhunderte) verwickelt sind, ist es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass diese Verschwörung noch nie ans Licht gekommen sind. Aber deswegen sind es eben Geschichten.

Ich selbst habe in meinen Geschichten versucht ein kohärentes Universum aufzubauen mit seinen eigenen Regeln. Doch mit Erschrecken stelle ich fest, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, die solche Geschichten Ernst nehmen. Ich lese Beiträge in sozialen Netzwerken, die den Plot einer puren Science-Fiction-Geschichte beschreiben, von bösen Außerirdischen, die die Politik unterwandern, Völker vernichten wollen und dergleichen mehr – nur dass es sich nach Ansicht der Leute, die das weiterverbreiten, eben nicht um Science Fiction handelt, sondern um die Wahrheit. Verschwörungsmythen greifen immer mehr um sich und je mehr ich darüber lese, desto mehr bin ich demotiviert, selber weiterzuschreiben. Denn das Schlimme ist: Dass es Science-Fiction-Geschichten gibt, die ähnliche Plots haben (wie zum Beispiel John Carpenters „Sie leben„) wird nicht als Widerspruch angesehen, sondern als Bestätigung: Die Filmindustrie ist Teil der Verschwörung und verhöhne die Menschen, indem sie ihnen die Wahrheit als Fiktion vorführe. Solche oder ähnliche Argumente kommen immer wieder.

Doch es braucht nicht mal Außerirdische für einen ordentlichen Verschwörungsmythos: „die Eliten“ reicht schon. Genau genommen reicht irgendeine Gruppe, die jemandem suspekt vorkommt und auf die man seine Wut projizieren kann. Dann ist diese Gruppe auf einmal der große Strippenzieher in der Weltverschwörung. Für diejenigen, die das für bare Münze nehmen, hat das einen Vorteil, denn „Es ist eine Verschwörung!“ ist eine wesentlich einfachere Erklärung als die Realität sie bereit hält. Ja, es gibt Ungleichheit in der Welt und es gibt Menschen, die ein Interesse daran haben, dass diese Ungleichheit bestehen bleibt. Und ja, es gibt auch echte Verschwörungen. Aber in den meisten Fällen sind es einfach komplexe Vorgänge, die nichts miteinander zu tun haben.

Verkaufserfolge alleine verbürgen noch keine Qualität. Menschenverachtung und Verschwörungsgeschwurbel werden seit Jahrhunderten stark nachgefragt.

Michael Blume: „Adrenochrom und Satanskulte – Die dualistischen Verschwörungsmythen…“

Der Mensch mag es nicht, wenn er dem Zufall ausgeliefert ist. In vielen Fällen ist es aber so. Man gerät beim Vorstellungsgespräch zufällig an einen Mensch aus der Personalabteilung, der einen nicht leiden kann und deswegen die Bewerbung ablehnt. Das ist tragisch und unprofessionell, aber kein Beleg dafür, dass dieser Mensch Teil einer Verschwörung ist, die den Bewerber daran hindern soll, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Mein erster Roman wurde von allen Verlagen abgelehnt, die ich kontaktiert hatte. Jeder Verlag hatte sicherlich eigene Gründe, aber solche Ablehnungen werden von den Verlagen in der Regel im Ablehnungsschreiben nicht begründet (da hätten sie viel zu tun). Trotzdem war es keine Verschwörung gegen mich, um zu verhindern, dass mein Buch auf den Markt kommt.

Da kommen wir zu einem weiteren Aspekt: Durch Verschwörungsglauben kann man sich wichtig fühlen und bestätigt in dem, was man tut. Jeder Mensch hat irgendwo eine Unsicherheit, aber diese lässt sich leichter niederbügeln, wenn man auf aus eigener Sicht ungerechtfertigten Widerstand stößt. Und manche möchten gerne herausstechen „aus der Masse“. Das können sie tun, indem sie etwas anhängen, das viele Leute ablehnen. Widerspruch ist dann Bestätigung, wenn sich jemand die Mühe macht, einem zu widersprechen, kann es ja nicht so falsch sein. Und man kann durch jede Alltäglichkeit einen Heldenstatus erlangen. „Die“ haben sich gegen mich verschworen, „die“ wollen nicht, dass ich eine Arbeitsstelle kriege, „die“ wollen nicht, dass mein Buch herausgebracht wird… Seht her, ich bin wichtig, denn „die“ gehen aktiv gegen mich vor.

Dann kommt irgendwann ein neues Problem dazu, denn ähnlich einer Droge müssen solche Dinge immer wieder erneuert und gesteigert werden. Irgendwann interessiert es halt niemand mehr, dass „die“ einen daran hindern, eine Arbeit aufzunehmen. Nicht wenige landen dann in Bereichen, wo wirklich jemand auf sie aufmerksam wird und versucht, ihr Handeln zu unterbinden: Die Staatsmacht nämlich. Solche Menschen fangen an, Straftaten zu begehen. Es kann auch sein, dass das schon früher beginnt, je nachdem welche Gruppe („die“) man hinter der Verschwörung vermutet, kann es sein, dass man sich der Volksverhetzung schuldig macht. Vorher schon kommt es zur sozialen Ausgrenzung, da sich Freunde und / oder Familie von einem abwenden. Kritik am eigenen System wird auch hier wieder als Bestätigung genommen, die anderen durchschauen die Verschwörung nur nicht. Die Presse, die versucht, aufzuklären, ist natürlich Teil der Verschwörung.

Und dann steht man als Autor da und verzweifelt. Ich möchte gerne weiterschreiben, aber ich möchte auch niemandem Ideen liefern, die dafür sorgen, dass er in einer Wahnwelt versinkt. Leider sehen wir das jetzt, zu Zeiten von Corona, sehr viel häufiger. Zumindest ist das mein Eindruck. Michael Blume beschreibt aus aktuellem Anlass in seinem Podcast den Zusammenhang zwischen der so genannten „Hexensalbe“ und dem heutigen Verschwörungsmythos um Adrenochrom. In einem Blogbeitrag beschreibt er hier das generelle Problem mit dem Verschwörungsglauben. Und ich fürchte, das ist alles, was ich tun kann: das Wissen darum weiterverbreiten.

Denn wir sehen auch eine große Gefahr: Während sich Leute mit großen Getöse an nicht-existierenden Gefahren abarbeiten, werden reale Bedrohungen zur Seite gewischt. Im Fall von Donald Trump wird er, der einen unqualifizierten Ratschlag nach dem anderen raushaut, sogar als Erlöserfigur gefeiert. Das heißt, der Verschwörungsglauben nutzt denjenigen, die wirklich Schaden anrichten, da er von ihnen ablenkt oder sie gegen Kritik immunisiert. Michael Blume selbst formuliert das so:

Die gesamte Welt wird gespalten in die vermeintlich absolut gute Eigengruppe, eine absolut böse Superverschwörergruppe und dazwischen der vermeintlich naive Rest. Im Zustand des pathologischen Dualismus kann keine Demokratie mehr gelingen und kein Dialog, keine ergebnisoffene Forschung und auch keine seriöse Medizin.

Michael Blume: „Was ist das Problem mit Verschwörungslgauben?“

Und was bedeutet das für mich? Ich glaube, ich mache mal weiter mit dem Schreiben. Das Tragikomische ist: Es ist völlig egal, wie absurd und abgedreht eine Geschichte ist, es kann sich doch noch jemand finden, der sie für die Wahrheit hält.

Mal sehen, was dabei rauskommt.

COVID-19 / CORONA: Noch mehr Medien und das Virus

Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
Corona-Virus - Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
Corona-Virus – Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash

Merkwürdig, wenn Schweizer ihr Regierungssystem über den grünen Klee loben und dann kritische Anmerkungen kommen, dass zum Beispiel die Beteiligung an den Volksabstimmungen eher mau ist, dass manche Abstimmungsfragen sehr holzschnittartig sind und dass generell mit sehr viel Populismus gearbeitet wird, bekommt man als Deutscher gerne mal um die Ohren geschlagen, man solle sich gefälligst nicht in die inneren Angelegenheiten der Schweiz mischen. Umgekehrt scheint es manchen Schweizern ein innerer Reichsparteitag zu sein, es „den Deutschen“ mal so richtig zu zeigen. Mal so richtig abledern über die doofen Untertanen aus dem Norden. Und damit das ganze ein (vermeintliches) Gewicht bekommt, nimmt die Schweizer NZZ gerne mal deutsche Gastautoren mit ins Boot. Und die haben Glück, dass es ein Schweizer Boot ist und kein syrisches und dass man auch nicht auf dem Mittelmeer unterwegs ist, sonst könnte man zwischen die Frontex geraten.

Vor kurzem durfte Susanne Gaschke die Kulturbereicherin spielen und den deutschen Untertanengeist so richtig bloßstellen. Alle sind sich einig in Deutschland im Duckmausern… ne, eigentlich ist Deutschland ja tiiiiiiief gespalten und Freunde reden nicht mehr miteinander… ja, was denn jetzt? Beim Lesen ihrer Glosse kann einen das Gefühl beschleichen, dass sich zwei Persönlichkeiten der Autorin einen Wettstreit darin liefern, wer den absurdesten Superlativ abliefern kann, während gleichzeitig aus den Vollen und aus der hauseigenen Phrasenmanufaktur geschöpft wird.

Da ich hier – wie schon mehrfach erwähnt – wegen den Leistungsschutzrecht für Presseverleger keine Presseerzeugnisse verlinke, bin ich froh, dass ich das auch nicht muss, den Jürn Kruse hat sich den Artikel von Susanne Gaschke angetan, damit wir das nicht müssen. Seine Einschätzung gibt es drüben bei Übermedien: „Susanne Gaschke fragt sich, ob Corona der neue Hitler ist„.

Und gerade heute wurde ja eine große Meldung herausgegeben – oder ein neues „Ermächtigungsgesetz“ im „Kontaktsperren-Totalitarismus“, um im Duktus des o. g. Artikels zu bleiben. Es ging darum, ob und wie man ein paar von den Sperren zurücknehmen könne. In den letzten Tagen ging dabei immer wieder ein Name um: Leopoldina. Er wurde Synonym für ein möglichst schnelles „Zurück zum Normalen“. Lockerung des momentanen Zustands. Und obwohl unter diesem Namen keine konkreten Zeitansätze genannt werden, bringen sie dennoch andere – der Zeitansatz lautet „jetzt“.

Dahinter steckt eine Studie, die viele immer wieder gegen das Robert-Koch-Institut in Stellung bringen und versuchen, die Politik unter Druck zu setzen. Bei den Riffreportern hat man sich die Chronologie der Ereignisse angeschaut, was die Studie genau sagt, was nicht und was aber dafür andere sagen. Außerdem gibt es einen hochinteressanten Blick darauf, wer mit den Machern der Studie alles verbandelt ist. Der Artikel findet sich hier: „Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert„.

Last but not least – um Shakespeare zu zitieren – möchte ich einen Artikel empfehlen, der die Frage aufwirft, ob man beim TV-Ableger eines großen deutschen Boulevard-Schmierblatts den Kopf tatsächlich so tief im eigenen Enddarm stecken hat, wie es den Anschein macht oder ob das gar nicht geht, da er viel zu tief im Enddarm der amerikanischen Regierung steckt. Ja, der Videoableger der Papieranhäufung mit den GROSSEN Buchstaben hat tatsächlich ein Interview mit Mike Pompeo, seineszeichen Außenminister der US of A. Herausgekommen ist ein Meisterstück an Unterwürfigkeit, das seinesgleichen sucht. Mehr darüber im BildBlog genau hier: „Schoßhund-Fragen sind bei ‚Bild‘ Chefsache„.

COVID-19 / CORONA: Die Medien und das Virus

Photo by CDC on Unsplash
Photo by CDC on Unsplash
Ein Virus – Photo von CDC auf Unsplash

Ich habe hier schon mehrfach betont, dass aufgrund des so genannten „Leistungsschutzrechts für Presseverlage“ hier keine Berichte aus diesen Medien mehr verlinkt werden. In Zeiten von COVID-19 / CORONA ist das besonders schwierig, da man sich auch über die Rolle der Medien unterhalten muss. Ich erlebe es gerade selbst, wie selektiv manche Menschen in meinem Umfeld Berichte lesen und entsprechend ungerechtfertigt selbstsichere Parolen raushauen, warum sie sich an die Anweisung XY nicht halten. Und ich bin erschrocken, wie Arrogant und selbstsüchtig Menschen, denen ich das nie zugetraut hätte, über andere urteilen.

Wo die Pandemie bei den einen die guten Eigenschaften zum Vorschein bringen, offenbaren die anderen, dass ihre Menschlichkeit und Zivilisation nichts weiter ist als eine Fassade, die ganz leicht wegbricht – eine Maske, die sie sich nur allzu willfährig nun vom Gesicht reißen.

In dieser Situation ist Einordnung wichtig und dazu braucht es die Medien. Wie ich geschrieben habe, möchte ich die klassischen Medien aufgrund ihres Verhaltens beim Leistungsschutzrecht nicht mehr verlinken – wer weiß, was denen noch einfällt. Da die Situation aber nun mal außergewöhnlich ist, umgehe ich das selbst auferlegte Verlinkungsverbot, indem ich auf einen Artikel des Bildblog verlinke, das seinerseits auf ein paar Presseartikel verlinkt, die sich um die Pandemie und die Rolle der Medien drehen. Für diejenigen, die das nicht wissen: Das Bildblog ist ein so genanntes Watchblog über die Inhalte der Medien. Wie der Name suggeriert, wurde es ursprünglich gegründet, um die ständigen Falschberichte in der Bild-„Zeitung“ zu korrigieren, aber irgendwann stellte man fest, dass „Bild“ nur die Spitze des Eisbergs ist und man beobachtete fürdehin Medien und Presseerzeugnisse generell.

Jeden Tag bringt das Bildblog eine kleine „Presseschau“ mit besonderen Berichten – beziehungsweise, ich sollte sagen: Jeden Wochentag, denn diese Presseschau gibt es nur von Montag bis Freitag. Aber auch beim Bildblog erfordern ungewöhnliche Zeiten ungewöhnliche Maßnahmen, deswegen wurde heute ebenfalls ein solcher Artikel veröffentlicht. Und um den geht es.

Der Artikel heißt „Corona in und bei Medien“ und findet sich hier!

„Sei nicht schüchtern.“ – Was minderjährige Mädchen im Internet erleben

Photo by Luis Villasmil on Unsplash
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Ich habe es geschrieben, hier gibt es keine Links zu „klassischen“ Zeitungsmedien wegen des Leistungsschutzrechts, aber andere Medien, die ich als herausragend empfinde, bekommen sehr wohl einen Link und eine Empfehlung. Heute geht es mal wieder zu den Krautreportern, die ich persönlich auch unterstütze. Auf deren Seite ist ein Artikel erschienen, in dem sich eine 37jährige Mutter als 11jährige auf Instagram ausgibt, um herauszufinden, was passiert, wenn ein Mädchen einfach nur Bilder im Internet postet.

Spoiler: Es ist einfach erschreckend. Innerhalb kürzester Zeit trudeln Kontaktaufnahmemails und Chatanfragen von Männern ein, die auch kein Blatt vor den Mund nehmen, was sie von der vermeintlich 11jährigen wollen.

Nach neun Monaten Arbeit sind wir weiter immer wieder fassungslos über die Bandbreite an Grausamkeit und Perversion, die wir zu sehen bekommen. (…)
Im Laufe einer Woche sprechen über 52 Männer ein elfjähriges Mädchen an. Mit diesen Zahlen im Kopf schalten wir den Fernseher und den Camcorder ernüchtert ab.
Die Arbeit ist – wenn auch nicht unbedingt körperlich – emotional anstrengend. Die meisten von uns im Team haben Kinder, einige sind im selben Alter wie die Personas, die ich spiele. Die Arbeit ist zu nah dran an Zuhause. Aber man muss nicht ein Elternteil sein, um am Boden zerstört darüber zu sein, wie die Schwächsten der Gesellschaft verfolgt werden.

Sloane Ryan: “ Ich bin eine 37 Jahre alte Mutter und habe mich im Internet als elfjähriges Mädchen ausgegeben. Das habe ich dabei erlebt. “ auf Krautreporter

Den ganzen Artikel gibt es bei den Krautreportern genau hier!

Der politische Troll

Photo by Антон Воробьев on Unsplash
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Das dreimal verfluchte Leistungsschutzrecht hält uns hier davon ab, Druckerzeugnisse aus Deutschland zu verlinken, da wir nicht der Ansicht sind, dass man Troll-Verhalten durch die Verleger auch noch honorieren sollte. Das ist schade, denn manchmal gibt es in der deutschen Presselandschaft sehr gute Artikel.

Nun ist aber ein sehr guter Artikel in der Schweizer Presse erschienen, der sich um den politischen Troll kümmert. Da die Schweiz nichts mit den Desaster des Axel Voss und seinem dämlichen Gesetz zu tun hat, wollen wir voller inniger Freude auf dieses lesenswerte Stück hinweisen.

Wie der Titel verrät, geht es um den Troll in der Politik. Constatin Seibt erzählt den Werdegang des Trolls von einem unangenehmen Zeitgenossen in der Gesellschaft zu einem unangenehmen Zeitgenossen in der Politik. Wir empfehlen dringend, den Artikel nicht nur zu lesen, sondern fleißig zu teilen!

Die Folge ist, dass Trollpolitiker nicht nur wie Schurken in Superhelden­comics reden – sondern beinah genauso unzerstörbar sind. Sie können sich fast wöchentlich Dinge leisten, die noch vor wenigen Jahren genügt hätten, eine politische Karriere zu beenden: Steuer­hinterziehung, Lügen, Unwissen, Grausamkeit, Inkompetenz, Seiten­sprünge, Prahlerei, Beleidigungen, Bestechlichkeit, sexuelle Übergriffe – was auch immer.

Republik.ch: „Der politische Troll“

Den ganzen Artikel gibt es auf der Website von Republik.ch genau hier!

Das muss alles raus!

Na, gut in den November gekommen? Halloween gut verbracht? Schön, dann könnt Ihr ja mal schauen, ob Ihr von diesen Gegenständen hier was brauchen könnt! Denn ich muss rausräumen, und es gibt Dinge, die ich nicht einfach entsorgen möchte (noch dazu, da sie zum Teil originalverpackt sind). Also gibt es alle diese Sachen auf der Internet-Auktionsplattform meines Vertrauens. Klickt es doch einfach mal an:

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Die Welt ist kompliziert – und das ist auch gut so

Bei den Krautreportern gibt es einen sehr guten Text über die Komplexität der Welt und was Journalismus tun kann, um Vereinfachungen entgegen zu wirken. Es handelt sich um die deutsche Übersetzung eines Textes von Amanda Ripley und Texte wie dieser sind der Grund, weswegen ich gerne einen monatlichen Beitrag zahle, um die Krautreporter zu unterstützen. Dieser spezielle Text ist allerdings auch für Nicht-Abonnenten zu lesen:

Die Welt ist kompliziert – und das ist auch gut so“ bei den Krautreportern

Aus der Abteilung „Den Schuss nicht gehört…“

Schwimmerin

Schwimmerin

Neulich war ich mal wieder auf einer Online-Dating-Plattform unterwegs. Unter den weiblichen Profilen, die ich mir ansah, ist mir eines aufgefallen, denn darin stand wie folgt:



Was ich mag:

* Strandspaziergänge
* Sonnenuntergänge
* Mit Freunden unterwegs sein
* Große, gut gebaute Männer

Was ich hasse:

* Unehrlichkeit
* Unpünktlichkeit
* Oberflächlichkeit

Aha…

Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen ist 1,72 m groß.

YouTube, wir müssen reden… schon wieder! – Nacktheit und Pornographie

Epic Fail: Freediver Girl Doris hat Probleme mit einem Regenschirm. Screenshot von ihrem YouTube-Video.

Screenshot von YouTube: Der Kanal von Freediving Girl Doris ist gelöscht.
Screenshot von YouTube: Der Kanal von Freediving Girl Doris ist gelöscht.

Eine Frage an die geneigte Leserin, den geneigten Leser: Wer wusste, dass der erste Pilotfilm, mit dem Jim Hensons „Muppet Show“ beworben werden sollte, den Titel „Sex & Violence“ trug? Ja, richtig, so hieß er. Um es genau zu nehmen, er hieß „The Muppet Show – Sex & Violence“. Ja, „Sex und Gewalt“. Und was kam heraus? Die Sendung beginnt mit einem steinernen Schriftzug „Sex and Violence“, dazu verkündet ein Sprecher: „Ladies und Gentlemen, wir präsentieren das Ende von Sex und Gewalt im Fernsehen!“ Auftritt Crazy Harry, der den Schriftzug in die Luft sprengt.

Das ganze wurde also für einen Gag so aufbereitet, vermutlich weil Jim Henson genau wusste, dass er damit maximale Aufmerksamkeit erregen konnte. Es hat also eine sehr lange Tradition, dass man mit Titeln falsche Erwartungen schürt, die dann ganz anders aufgelöst werden. In dem Fall eben für einen Gag.

Das Problem ist, dass manche Menschen nur die Überschrift lesen und sich – wenn es um etwas geht, das sie emotional berührt – echauffieren. Wenn dann einer anderer genauer hinsieht, stellt man fest, dass davon nichts übrig bleibt. Das gibt es bei Artikelüberschriften oder bei Titeln von Videos auf YouTube. Und da sind wir beim Thema. Algorithmen sind nämlich auch so ein bisschen wie Leute, die nur die Überschrift lesen. Die Algorithmen von YouTube machen da keine Ausnahme. Wenn ein Video also einen scheinbar eindeutigen Titel trägt, kann das Ärger geben, auch wenn im Video selbst sich das ganze als Werbemasche oder Gag herausstellt. Das Problem ist nur: So ein Irrtum kann bei YouTube schwerwiegende Konsequenzen haben und bis zum Löschen des eigenen Kanals führen. Und das ist Freediver Girl Doris passiert.

Epic Fail: Freediver Girl Doris hat Probleme mit einem Regenschirm. Screenshot von ihrem YouTube-Video.
Epic Fail: Freediver Girl Doris hat Probleme mit einem Regenschirm. Screenshot von ihrem YouTube-Video.

Wie der Nickname sagt, handelt es sich bei Doris um eine Apnoetaucherin, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Videos von ihren Apnoetauchgängen gepostet hat. Sie war im Meer unterwegs oder im Pool oder im Y-40, dem tiefsten Tauchpool Europas, der in Norditalien steht. Die Videos waren unterschiedlich, oft zeigten sie Doris beim Apnoetauchen, wie sie eine bestimmte Tiefe erreichte oder eine bestimmte Zeit. Da sie Wissenschaftlerin ist, nutzte sie ihre Fanbasis auch, um aufzurufen, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Es gab ein paar Videos mit Challenges zu diesem Thema. Und dann gab es Gag-Videos. Doris versuchte beispielsweise, einen Schirm unter Wasser aufzuspannen, was ihr nur leidlich gelang. Eines ihrer Videos beinhaltete eine besondere Herausforderung: Ein Striptease. OH! STRIPTEASE! ERREGUNG! AUFRUHR! Na ja, oder auch nicht. Was geschah in dem Video? Doris hatte über ihren Badeanzug noch Kleidung angezogen, tauchte in die Tiefe und versuchte, sich innerhalb eines Atemzugs dieser Kleidung zu entledigen. Das ist alles. Es gibt kein Video, das wirklich mehr nackte Haut zeigt als sie in ihrem Badeanzug oder Bikini (letzterer ist auf dem Bild über diesem Absatz zu sehen).

Seit irgendwann Anfang Dezember ist Doris‘ Kanal verschwunden. Wer ihn über die Stichwortsuche sucht, findet ihn nicht mehr, wer den Link noch hat, landet auf einer Seite, die so aussieht wie der Screenshot ganz oben. Der Kanal wurde gelöscht wegen „wiederholter oder schwerwiegender Verstöße gegen die YouTube-Richtlinie zu Nacktheit oder pornographischen Inhalten“. Was ist da passiert? Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  1. Der Algorithmus hat von allein eines ihrer Videos, das das Wort „Striptease“ im Titel trägt, gefunden, dann noch andere entdeckt und ihren Kanal an das System weitergemeldet, das den Kanal automatisch gelöscht hat.
  2. Menschen, die entweder Doris oder ihr Engagement im Bezug auf den Klimawandel nicht leiden können oder auch nur die Video-Überschriften gelesen haben, haben mit Absicht Videos gemeldet, worauf das System den Kanal löschte.¹

Freediver Girl Doris im Badeanzug - auch nicht mehr nackte Haut zu sehen. Bild: YouTube Screenshot
Freediver Girl Doris im Badeanzug – auch nicht mehr nackte Haut zu sehen. Bild: YouTube Screenshot

Wie gesagt, es gab nicht mehr nackte Haut zu sehen als in anderen Videos, in denen Menschen Badekleidung tragen, auch. Irgendwas oder irgendwer hat also das System getriggert, das daraufhin eine Entscheidung getroffen hat. Und das ist höchst problematisch. Auf Twitter hat Doris geschrieben, dass sie selbst nicht weiß, was passiert ist. Und das passt zur nicht vorhandenen Kommunikation von YouTube. Anstatt erstmal die Leute anzuhören und sie Stellung beziehen lassen, werden sofort Tatsachen geschaffen. Eine Beschwerdestelle gibt es nicht. Und wenn einem das Konto gelöscht wurde, hat man ja überhaupt keine Möglichkeit mehr, direkt mit YouTube in Kontakt zu treten. Außer man richtet ein neues Konto ein und versucht irgendwie mit dem Support Kontakt aufzunehmen, was auch nicht funktioniert (falls Ihr das nicht glaubt: Versucht mal, auf der Webseite von YouTube eine eMail-Adresse zu finden, an die man schreiben kann – irgendeine eMail-Adresse).

Was auch noch wesentlich ist: Es gibt keine Möglichkeit für die Fans eines Kanals, mit YouTube Kontakt aufzunehmen und denen zu schreiben, dass hier ein Irrtum vorliegt. Die einzige Möglichkeit ist das, was ich hier tue. Es wird nichts bringen, fürchte ich, ich möchte es aber dennoch tun. Warum? Ganz einfach: Weil das die Situation ist, die schon mal beschrieben wurde. Vor einiger Zeit wurde aus irgendwelchen Gründen ein Konto eines bekannten YouTubers mit vielen Abonnenten gekündigt. Der YouTuber hatte die entsprechende Reichweite und die Abonnenten sind auf die Barrikaden gegangen, was letztlich dazu führte, dass YouTube den Kanal wieder herstellte. Damals hieß es dann, ja, der kann das machen, aber was ist, wenn das jemanden passiert, der nicht so viel Reichweite hat? Wir wussten damals schon die Antwort: Gar nichts wird passieren. Und so ist es: Der Kanal von Freediver Girl Doris ist immer noch im Limbus verschwunden. Seit über einem Monat.

Das war der Grund für diesen Artikel. Vielleicht tauchen – Pointe nicht beabsichtigt – noch ein paar mehr auf, die die Probleme ansprechen mit dem Meldesystem. Dass echte Menschen sich die Videos anschauen sollen, bevor ein Konto gelöscht wird. Dass man mit dem Kontoinhaber erstmal Kontakt aufnimmt und ihm Gelegenheit gibt, Stellung zu beziehen. Dass Konten nicht gelöscht, sondern erstmal „auf Eis“ gelegt werden, bis dieser Prozess abgeschlossen ist. Ja, das macht alles etwas komplizierter. Aber viel freundlicher für die Produzenten, die schließlich die Inhalte herstellen, wegen derer man auf YouTube kommt.

Alternativen zu Videoplattformen jetzt mal allgemein gesprochen sind schwierig. Denn YouTube ist nun mal die Nummer 1, und wenn man Videos auf der eigenen Seite hostet, kommt man einfach nicht auf die Reichweite, zumindest nicht als „Einzelproduzent“. Ich weiß das, ich habe es mit dem Taucherblog „FlatFluteDivers“ mal versucht, aber wieder verworfen. Man muss mindestens zu mehreren sein und die Seite entsprechend bewerben können. Die Seite müsste ständig neues liefern. Man müsste einen Verbund aufmachen. Und wer steckt schon Zeit und Mühe in ein unbekanntes Projekt, wenn es auf der „großen“ Seite so viel einfacher ist? Ja, YouTube bietet einen gewissen Komfort, den man nicht so einfach einholen kann.

Und was wäre die Lösung? YouTube müsste was tun. Ob sie was tun können oder wollen, weiß ich nicht. Immerhin gab es beim Thema „Urheberrechtlich geschützte Musik“ ja schon Verbesserungen zugunsten der Videoproduzenten. Vielleicht tut sich irgendwann hier auch was. Oder wir warten bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Bis dahin bleiben Kanäle wie der von Doris und einigen anderen wohl verschwunden, während man sich fragt, wie genau da gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen wurde. Und falls jetzt jemand sagt: „Ja, ein Bikini zeigt ja schon viel nackte Haut.“ Das mag sein, aber es gibt genug Videos auf YouTube, in denen ebenfalls Frauen in Bikinis zu sehen sind, und die wurden nicht gelöscht. Da sich Doris – wie bereits erwähnt – auch politisch engagiert, ist es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass ihr Kanal einfach nur gemeldet wurde, um ihr eins auszuwischen. Sie mag zwar nur eine Stimme unter vielen sein, die sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel engagieren, aber jede verstummte Stimme spricht nicht mehr gegen die „Lüge!“-Brüller an, die versuchen, den Diskurs zu kapern. Außerdem gibt es Menschen, die sich einfach toll fühlen, wenn sie das Projekt eines anderen, das ihnen nicht passt, kaputt machen können.

 

CONCLUSIO: YouTube bietet viel Komfort, aber wie auch schon der Götz von Berlichingen wusste: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten!“ Gerade der Umstand, dass es nahezu unmöglich ist, mit irgendjemanden bei YouTube in Kontakt zu treten, macht es sehr schwierig. Genau aus diesem Grund sollten vor einer Löschung eines Kontos mehrere Stufen zwischengeschaltet sein, die einem Kontoinhaber die Möglichkeit geben, zu Vorwürfen Stellung zu beziehen. Juristisch gesehen macht YouTube natürlich alles richtig, die Nutzer befinden sich auf der Plattform dieses Anbieters und der hat das Recht, Leute auszuschließen, aus welchen Gründen auch immer. Genauso wie ich das Recht habe, Leute hier auszuschließen und es bei einigen Trollen auch schon tun musste. Aber hier habe ich mich persönlich davon überzeugt, dass der Troll ein echter Troll ist und das auch öffentlich kommuniziert. Von YouTubes Seite kommt nichts außer Standardphrasen.

 

 

¹ Es gibt bei jedem Video die Möglichkeit „Melden“. Wenn ein User diese anklickt, wird ihm eine Liste präsentiert, warum er das Video melden möchte, es sind so Stichworte wie „Rechteverletzung“, „Kindesmissbrauch“ oder „Spam“ dabei. Ganz oben auf der Liste: „Pornographische Inhalte“. Klickt man diesen Punkt an, kann man noch differenzieren: „Eindeutige sexuelle Handlungen“, „Nacktheit“, „Anzügliches Material aber ohne Nacktheit“, „Video mit Minderjährigen“, „Titel oder Beschreibung ist unangemessen“ und „Pornographische Inhalte anderer Art“. Gerade der Punkt „Anzügliches Material aber ohne Nacktheit“ ist sehr unspezifisch und kann für vieles benutzt werden.