Über die Wiederverwendung von FFP2-Masken und einigen Mythen, Gerüchten und Beleidigungen

Wenn ein Wortbeitrag mit den Worten „Wie blöd ist die Menschheit eigentlich?“ anfängt, lohnt es sich in den meisten Fällen nicht, noch weiterzulesen. Der Ton ist schon gesetzt: Alle sind blöd, nur ich nicht. Wenn in dem Beitrag dann auch noch Halbwahrheiten mit dem Brustton der Überzeugung, garniert mit ein paar Beleidigungen in Richtung der Bundesregierung („Kanzlerkasperle“), dargeboten werden, weiß man: Hier geht es nicht darum, sachlich zu informieren, sondern nur um blanke Stimmungsmache. Dieser Beitrag wird gerade auf verschiedenen sozialen Medien geteilt, es handelt sich um einen Screenshot, der selbst von Facebook oder Twitter zu kommen scheint. Genau nachvollziehen kann man das nicht, denn eine Quelle wird – Überraschung! – natürlich nicht angegeben. Das große Problem sind die Halbwahrheiten und Gerüchte, die hier verbreitet werden. Da der Beitrag mittlerweile auch bei mir gelandet ist, sehe ich mich genötigt, hier ein paar Klarstellungen zu schreiben. In dem Beitrag geht es um die Wiederverwendung von FFP2-Masken.

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Nach der Einstiegsbeleidigung mit der Frage, wie blöd die Menschheit eigentlich sei, heißt es in dem Beitrag: „Seit mehr als 50 Jahren werden FFP2 Masken (sic!) produziert, erforscht, verbessert, überprüft und deren Auswirkungen auf den Körper. Seit mehr als 50 Jahren steht in der Packungsbeilage das Ergebnis aus 50 Jahren Erfahrung u.a.: …“ Der Satz ist inhaltlich eine Katastrophe (es kann nicht seit 50 Jahren die Erfahrung aus 50 Jahren in der Packungsbeilage stehen, denn diese Erfahrung von 50 Jahren muss ja erstmal gemacht werden) und leitet eine Auflistung ein, in der es unter anderem heißt, FFP2-Masken schützen nicht vor Keimen, seien als Medizinprodukt nicht geeignet und dürfen nicht wiederverwendet werden.

Nach dieser Aufzählung folgt die Bemerkung, „das Kanzlerkasperle“ (sic!) habe gesagt, die Experten hätten sich die letzten 50 Jahre geirrt, „FFP2 Masken“ (sic!) schützen alle vor allem und am besten, wenn man sie bei 80 Grad im Ofen trocknet.

Der Zweck dieses Beitrags ist klar: Die Maßnahmen der Regierung anzugreifen und lächerlich zu machen. Nun kann man sicherlich die Maßnahmen der Regierung, beziehungsweise auch der Länderchefs kritisieren (langsame Durchsetzung, uneinheitliche Konzepte, „Wettlauf“ der Länder um die Schulöffnungen, um nur ein paar zu nennen), aber so eine Kritik sollte dann wenigstens klar, eindeutig und vor allem fundiert sein. Der geteilte Beitrag spielt vor allem mit der Empörung der Bürger und wird Wasser auf die Mühlen der Maßnahmengegner sein. Vor allem werden „der Regierung“ Worte in den Mund gelegt („FFP2-Masken schützen alle vor allem“), die so nie gefallen sind. Kein Wunder, dass keine Quelle für den Inhalt des Beitrags angegeben ist. Schauen wir uns die Behauptungen mal im einzelnen an.

Es wird behauptet, FFP2-Masken seien nicht als Medizinprodukt geeignet. Und hier sehen wir schon ein Problem: Die Auflistung sieht so aus, als sei sie aus irgendeinem Datenblatt abgeschrieben. Ich hätte das Datenblatt gerne selbst gesehen, um zu überprüfen, ob das, was da behauptet wird, wirklich so wortwörtlich drin steht. Ich habe nun ein Datenblatt der Firma 3M gefunden, in dem es sogar heißt FFP2- und FFP3-Masken seien für die „Pandemievorsorge“ geeignet (Quelle: hier). Eine andere Firma vertreibt FFP2-Masken sogar ausdrücklich als „medizinische Atemschutzmaske“ (Quelle: hier). Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt: „FFP2-Masken müssen mindestens 94 % und FFP3-Masken mindestens 99 % der Testaerosole filtern. Sie bieten daher nachweislich einen wirksamen Schutz auch gegen Aerosole.“ (Quelle: hier) Und genau das ist der Knackpunkt: Bei der Übertragung gerade auch des Corona-Virus sind die Aerosole das Ausschlaggebende. Das Virus bewegt sich in Tröpfchen mit (zum Beispiel wenn ein Mensch hustet oder niest und kleine Tröpfchen – eben Aerosole – aus Mund und Nase geschleudert werden). Um das Virus aufzuhalten, reicht es also, die Aerosole zu filtern. Und das erfüllt die FFP2-Maske (und noch besser die FFP3-Maske). Tatsächlich werden FFP2-Masken ja im medizinischen Bereich verwendet.

Ein zweiter Teil des Beitrags geht auf den Umstand ein, dass man FFP2-Masken nicht wiederverwenden darf. Das ist sogar grundsätzlich richtig, das schreibt auch das BfArM: „Grundsätzlich sind FFP-Masken vom Hersteller als Einmalprodukte und nicht zur Wiederverwendung vorgesehen.“ (Quelle: siehe oben) Das Problem ist aber, und das hat auch das BfArM erkannt, dass FFP2-Masken nicht gerade billig sind. Wenn man also eine Anordnung herausgibt, wie es im Bayern gemacht wurde, dass in bestimmten Bereichen (öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte) der Zutritt nur noch mit FFP2-Masken gestattet ist, verursacht man ein Problem bei den Bevölkerungsschichten, für die die Anschaffung von ausreichend Masken finanziell schwierig ist1. Man weiß, dass die FFP2-Masken ein Einmalprodukt sind, aber man weiß auch, dass diese schlicht aus Gründen der Not mehrfach verwendet werden. Das könnte allerdings ein neues Problem verursachen, wenn Menschen Masken mehrfach tragen, die mit Keimen belastet sind, deswegen hat das BfArM eine Studie der Fachhochschule Münster gefördert, in der es darum ging festzustellen, ob eine Wiederverwendung unter bestimmten Bedingungen wohl doch möglich wäre.

Das Team, das für die Fachhochschule Münster geforscht hat, besteht aus Virologen, Mikrobiologen, Hygienikern, Chemikern, Physikern, Gesundheitsökonomen und Designern der FH Münster und WWU Münster. Das heißt, es waren Menschen am Werk, die sehr wohl wussten, was sie taten. Herausgekommen ist eine Empfehlungsbroschüre mit dem Titel:

Möglichkeiten und Grenzen der eigenverantwortlichen Wiederverwendung von FFP2-Masken für den Privatgebrauch im Rahmen einer epidemischen Lage

Das klingt doch schon mal etwas anders als das, was der anonyme Schreiber des Ursprungsbeitrags hingerotzt hat. Erstens wird sehr deutlich klar gemacht, dass FFP2-Masken weiterhin Einmalmaterial sind. Das heißt, Betriebe, die Arbeitsbereiche haben, in denen FFP2-Masken Vorschrift sind, müssen weiterhin genügend Masken zur Verfügung stellen und dürfen diese nicht wiederverwenden. Es geht rein darum, ob bei der Verwendung im Privatgebrauch, wo die Bedingungen natürlich nicht so hart sind wie in einem beruflichen Umfeld, Ausnahmen gemacht werden können. Und das auch nur im Rahmen einer epidemischen Lage.

Die Möglichkeiten wurden wissenschaftlich untersucht, nicht nur im Bezug auf die Viruslast, sondern auch im Bezug auf das Material der FFP2-Masken. Denn was nutzt es, wenn ich durch Erhitzen im Backofen zwar alle Viren abtöten kann, die Maske dabei aber zerstöre. Dabei wurden zwei Möglichkeiten herausgearbeitet. Die eine ist, die Maske frei aufzuhängen und an der Luft trocknen zu lassen (allerdings muss sie für 7 Tage hängen bleiben). Die zweite ist, die Maske bei 80° C für 60 Minuten im Backofen aufzubereiten. Die Methode im Backofen ist allerdings ungeeignet für FFP2-Masken, die ein Plastikventil haben.

Wenn man FFP2-Masken für den Privatgebrauch auf diese Weise aufbereitet, kann man sie bis zu fünf Mal wiederverwenden. In der Broschüre wird auch vorgeschlagen, wie man FFP2-Masken mit der „7-Tage-Methode“ richtig verwenden kann. Außerdem werden noch allgemeine Hinweise gegeben, also zum Beispiel wie so eine Maske richtig getragen wird, wie man die Dichtigkeit überprüfen kann und mehr.

Die Broschüre der FH Münster gibt es zum Download auf deren Webseite direkt hier.

Das heißt, von dem hochempörten Beitrag, der die Menschheit en gros für blöd erklärt, Halbwahrheiten über gemachte Aussagen verbreitet und ansonsten nur für schlechte Stimmung sorgen will, bleibt nichts übrig. Wie so häufig. Wie gesagt, es gäbe sicher Gründe, konstruktive Kritik zu üben, aber die Empfehlung, FFP2-Masken für den Privatgebrauch aufzubereiten, ist wissenschaftlich fundiert.

Für die Freunde des Bewegtbildes hier noch ein paar Videoempfehlungen im Rahmen der Corona-Pandemie:

Update: Inzwischen habe ich einen Artikel gefunden, der einen Informationszettel enthält, in dem es um FFP2-Masken und die Wirksamkeit gegen Viren geht. Ob sich der Originaltext exakt auf diesen bezieht, weiß ich natürlich nicht, aber der Zettel kommt dem nahe, was da behauptet wird. Allerdings ist es so, wie ich schon geschrieben hab: Es kommt darauf an, dass die FFP2-Maske die Aerosole filtert. Der Zettel plus Erklärung findet sich bei MIMIKAMA: „Doch, FFP2-Maske schützt! Und zwar indem sie Partikel filtert„.


1= In dem Zusammenhang: Ich finde die Bezeichnung „sozial schwach“ für Menschen, die sich in dieser Situation befinden, eine Katastrophe. Das Problem ist hier nicht das „Soziale“, sondern das Geld. Solche Menschen wären also „finanziell schwach“, bzw. „monetär schwach“. Ich denke, es gibt mehr reiche Menschen, die man als „sozial schwach“ bezeichnen könnte.

PHAN.PRO 153: STAR WARS – Die letzten Jedi | Eine Allegorie auf toxisches Fantum

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https://youtu.be/yqhJ9pHGU4c

Die Episode 8 der STAR-WARS-Reihe ist das, was man gemeinhin „kontrovers“ nennt. Teilweise wurden sowohl der Regisseur als auch die Schauspieler vom toxischen Teil der STAR-WARS-Fans heftig angegangen, was ein wenig tragikomisch ist, denn in diesem Film gibt einen Handlungsstrang, der von diesen toxischen Fans erzählt. Diesen Handlungsstrang wollen wir uns hier mal ansehen.

Der Phantastische Adventskalender ist kaputt

Ein Adventskalender mit Päckchen

Unglaubliche acht Jahre ist es her, da habe ich „hochoffiziell“ den Videokanal des Phantastischen Projekts eröffnet mit einer Idee: Warum nicht einsteigen mit einem Adventskalender – also vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag ein kurzes Video auf YouTube veröffentlichen mit den ganzen Inspirationen, die quasi zum Projekt geführt haben. Schon damals gab es gewisse Schwierigkeiten, als ich beim Hochladen einzelner Episoden merkte, dass der Algorithmus gewisse Dinge nicht mag. Damit war es aber nicht vorbei. Es ging Stück für Stück weiter und heute ist der Phantastische Adventskalender leider kaputt.

Ein Adventskalender mit Päckchen
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Immer wieder mal kam es zu den merkwürdigsten Dingen beim Hochladen von Videos. Musik zum Beispiel, für die ich eine Lizenz erworben hatte, wurde plötzlich „geclaimt“, wie es im YouTube-Sprech heißt. Manchmal kamen solche „claims“ wegen verwendeten Ausschnitten und in den letzten Jahren sind gerade auch Studios und Anstalten, von denen ich das nicht gedacht hatte, zu einer rüden „Wir akzeptieren gar nichts mehr!“-Politik übergegangen. Denn tatsächlich, wenn man über etwas berichtet, gilt das Zitatrecht. Man darf Ausschnitte verwenden, wenn diese in einem berichtähnlichen Kontext stehen. Natürlich, wer ganze Szenen ohne Kontext oder gar Folgen einer Serie oder Filme hochlädt, verstößt eindeutig gegen das Urheberrecht, aber eben, bei kurzen Ausschnitten gilt das Zitatrecht. Und ursprünglich war der Phantastische Adventskalender in seiner Form ganz abrufbar.

Im Lauf der Zeit änderte sich das. Die BBC beispielsweise machte das mit „Per Anhalter durch die Galaxis“, andere Studios zogen nach. Normalerweise erlebt man es bei solchen Claims, dass der Urheberrechtsinhaber die Werbeeinnahmen einstreicht. Das ist ärgerlich genug, wenn ich eine lange Episode produziert habe und wegen einem Ausschnitt, der ein paar Sekunden dauert, sämtliche Werbeeinnahmen verliere. Das steht in keiner Relation, ist aber bis heute vor allem bei Claims wegen irgendwelcher Musik üblich. Aber mittlerweile sperren die Studios solche Videos einfach.

Natürlich kann man Einspruch dagegen erheben und erklären, warum man der Meinung ist, dass der Anspruch ungerechtfertigt ist. Wenn man zum Beispiel die Lizenz für ein Musikstück hat, verlangt YouTube, dass man dem „Claimer“ diese Lizenz zugängig macht (ich benutze dabei immer Dropbox, was mich etwas ärgert, da die Lizenzvereinbarung zwischen mir und dem Musikproduzenten niemanden was angeht, aber bitte!). Bei Videoausschnitten kann man sich erklären und darauf hinweisen, dass es sich um ein Zitat handelt.

Dann wird der Einspruch geprüft – und zwar von dem, der den Claim gemacht hat. Ja, ganz richtig, es gibt bei YouTube keine unabhängige Stelle, die diese Ansprüche und Einsprüche überprüft, derjenige, der schon von Anfang an der Meinung ist, ich hätte etwas falsch gemacht, schaut selber nach. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Der Anspruchsteller zieht seinen Claim zurück und bestätigt damit, dass ich recht habe. Oder er bekräftigt, dass er recht habe und besteht auf der Maßnahme, die er ergriffen hat (Monetarisierung abgreifen oder Video sperren). Wenn der Anspruchsteller den Claim zurückzieht, ist soweit alles okay.

Wenn er das nicht tut… hat man Pech gehabt. Theoretisch gäbe es eine Möglichkeit, noch einen Schritt weiterzugehen, aber YouTube sagt einen dann in einer sehr drastischen Sprache, dass es zu juristischen Auseinandersetzungen kommen kann. Da es bei (auch vermeintlichen) Urheberrechtsverletzungen schnell mal um große Summen gehen kann, ist das ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko. Und schließlich, nur weil man sich sicher ist, das Recht auf seiner Seite zu haben, heißt das nicht, dass irgendein Richter das genauso sieht. Da es sich bei den Anspruchstellern sehr oft um amerikanische Konzerne handelt, würde das Verfahren vermutlich sogar in den USA laufen, und da ist man nicht gerade bekannt dafür, freundlich zu kleinen Produzenten zu sein. Mal ganz davon abgesehen, dass die USA berühmt-berüchtigt sind für ihre Klagen mit Mond-Geldbeträgen, das finanzielle Risiko ist also umso größer.

Mal ganz ehrlich: Wer würde dieses Risiko eingehen, nur damit ein kleines, ungefähr fünf Minuten langes Video auf YouTube stehenbleibt? Ich nicht. Und so treten immer größere Lücken im Phantastischen Adventskalender auf. Nachträglich korrigieren geht nicht ganz so einfach. Handelt es sich um ein Musikstück, könnte man die Tonspur austauschen. Das Problem ist, dass dabei auch die Dialoge verloren gehen, da man die Musik nicht vom gesprochenen Wort trennen kann. Wenn es sich um einen Filmausschnitt handelt, kann man nichts tun, außer diesen online aus dem Video herauszuschneiden. Aber ja, dann ist der Ausschnitt komplett weg. Einschließlich des Tons. Nur das Bild zu entfernen oder gar durch etwas anderes zu ersetzen, das geht nicht. Also bleiben die Videos zur Gänze verschwunden.

Und zuletzt zeigt sich hier auch die Schönfärberei, die YouTube gerne betreibt: Vor nicht allzu langer Zeit gab es nämlich die so genannte „Qualitätsoffensive“. Damit wollte YouTube sicherstellen, dass nur noch „qualitativ hochwertige“ Kanäle auch Werbung in ihren Videos schalten können. Und wie misst YouTube Qualität? Natürlich durch Quantität! Nur wer eine bestimmte Anzahl an Abonnenten und eine bestimmte Zeit erreicht, die in einem Jahr an Videomaterial aus dem eigenen Kanal angeschaut wird, qualifiziert sich zur Teilnahme am Werbeprogramm. Alle kleinere Kanäle, die die Vorgaben nicht erreichten, waren die Monetarisierung auf einen Schlag ganz los.

Aber um es mit Asterix zu sagen: „Ganz los? Nein…“ Ja, tatsächlich ist „Schönfärberei“ für das, was hier passiert noch zu freundlich ausgedrückt, es ist einfach heuchlerisch. Denn wenn zum Beispiel ein Anspruchsteller einen Claim auf eines meiner Videos anmeldet und dabei bleibt, dass er diesen Anspruch hat, dann kann er Werbung einblenden lassen und die Einnahmen einstreichen. Und das auch wenn der YouTube-Kanal die Qualifikation für das Werbeprogramm eigentlich nicht erreicht. Auf einmal zählt die „Qualitätsoffensive“ nichts mehr.

Eine Sache muss ich allerdings noch erwähnen, die angeblich verbessert wurde: Zuvor war es so, dass der Anspruchsteller einfach alle Werbeeinnahmen abgreifen konnte, egal wie groß sein „Beitrag“ zu einem Video war. Wenn also jemand ein 90 Minuten langes Video produziert hatte, in dem ein drei Minuten langes Musikstück verwendet wurde, auf das jemand einen Anspruch stellte, hatte der Videoproduzent Pech gehabt. Der Anspruchsteller bekam die ganzen Werbeeinnahmen, der Produzent nichts. Ich habe nun gehört, dass es mittlerweile so sein soll, dass ein Anspruchsteller die Werbeeinnahmen auch nur zum Teil kriegen kann. Wie das funktionieren soll, weiß ich allerdings nicht, ich habe es auch noch nie gesehen. Als ich noch Teil des YouTube-Werbeprogramms war, gab es nur hop oder top: Entweder ich habe alles gekriegt oder der Anspruchsteller.

Mittlerweile fehlen einige Episoden des Phantastischen Adventskalenders, andere sind „geclaimt“ und machen Geld für andere Leute. Der Adventskalender ist leider kaputt. Ich war auch sonst etwas nachlässig, was Videos auf dem Kanal betrifft, aber irgendwie fehlte mir die Initiative. Ich habe gelesen, ich solle mal wieder was zum Thema „Star Wars“ machen. Mir schwirren auch so ein paar Ideen im Kopf herum, aber die Muse, diese niederzuschreiben und zu produzieren, habe ich bis jetzt nicht gefunden.

Einen neuen Phantastischen Adventskalender zu produzieren, dafür hatte ich 2020 – aus hoffentlich verständlichen Gründen – nicht die Zeit und nicht die Nerven. Vielleicht fällt mir aber auch noch was ein, ich habe ja jetzt ein Jahr Zeit, mir Gedanken darüber zu machen.

Neue Studie belegt: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen

Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
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Kleine Frage zum Einstieg: Warum sind Sie hier gelandet? Hat Sie die Frage neugierig gemacht? Ging es um den Erkenntnisgewinn? Oder sind Sie mit der festen Überzeugung hier eingetroffen, den Autor zu widerlegen? Egal wie, eines gleich vorweg: Es gibt keine Studie, die belegt, dass Leute alles glauben, was sie im Internet lesen. Aber mit dem, was Leute im Internet lesen und Studien gibt es ein Problem. Oder zwei.

In den Zeiten von Corona tauchen wieder einmal verstärkt Memes und Behauptungen in den sozialen Medien auf, die manchmal als die „Pest des Internes“ bezeichnet werden. Es sind kleine Beiträge, die schmissige, griffige Aussagen enthalten und vorgeblich zum Nachdenken anregen wollen. Nur ist das oft leider ein vorgeschobener Grund, eigentlich wollen diese Memes und Beiträge dem Leser ihre Meinung überbügeln. Nicht selten wird dabei auf Studien verwiesen ohne diese allerdings zu benennen. Als Beispiel nehmen wir einfach mal meine provokante Überschrift: „Studien beweisen: Leute glauben alles, was sie im Internet lesen“. Da könnte man noch was schönes dazuschreiben, um damit ein Kopfnicken bei denen zu provozieren, die „es ja schon immer wussten“. Man kommt sich dabei so schön kritisch vor, denn „Studien“ haben es ja bewiesen. Wissenschaftlich auch noch.

Wenn man den Behauptungen allerdings auf den Grund zu gehen versucht, kriegt man meistens Probleme, besagte Studien überhaupt zu finden. So kann jemand den Inhalt einer Aussage nicht widerlegen, wenn er die Studie, auf die sich berufen wird, nicht mal findet. Das gehört natürlich zur Strategie dieser Aussagen dazu, sie wollen keinen kritischen Beitrag leisten, sie gaukeln Wissenschaftlichkeit vor, indem sie sich auf „Studien“ berufen und obwohl sie behaupten, nur „kritisch zu hinterfragen“, möchten sie selbst bitte gar nicht kritisch hinterfragt werden.

Im Zuge solcher Memes und Behauptungen kam es immer mehr auf, genau diese Quellen einzufordern. Keine Quellen – unglaubwürdig, der Trend setzt sich langsam durch, zu langsam, fürchte ich. Aber immerhin kam es dazu. Und das war die Stunde, in der die Meme- und Beitragsersteller zurückschlugen. Seit einiger Zeit beobachte ich einen neuen Trend.

Hier wird eine schmissige Aussage getätigt und direkt auf eine Studie verwiesen. Alles in Butter demnach? Nein, nicht ganz. Offenbar verlassen sich einige der Ersteller solcher Aussagen darauf, dass schon keiner sich die Mühe macht, die entsprechende Studie wirklich zu lesen. Das Problem ist, dass solche Studien (und oft handelt es sich um Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten) in spezialwissenschaftlichem Jargon geschrieben sind, viele Tabellen beinhalten, Zahlen und Ergebnisse präsentieren. Das kostet Zeit und man muss sich wirklich reinarbeiten. Die Zeit hat natürlich nicht jeder.

Wenn sich aber kaum jemand die Mühe macht, solche Studien zu lesen, wird auch kaum jemandem auffallen, dass in diesen schmissigen Beiträgen Aussagen gemacht werden, die durch die angegebene Studie überhaupt nicht unterstützt werden. Erst vor ein paar Tagen ging etwas herum, in dem behauptet wurde, das Tragen von Gesichtsmasken sei so schädlich, dass Probanden einer Studie die Masken nur 30 Minuten tragen durften. Wenn man sich die Studie aber durchlas, stellte man fest, dass die behauptete Schädlichkeit mitnichten nachgewiesen wurde und die 30 Minuten daher kamen, dass man das Ausgangsmaterial der Masken testen wollte. Die Durchführenden der Studie befürchteten, dass durch die Feuchtigkeit in der Ausatemluft die Materialeigenschaften der Masken verändert werden. Da die Feuchtigkeit der Ausatemluft aber von sehr individuellen Bedingungen abhängt, hätte sich bei jedem Probanden das Material unterschiedlich verändert und das Testergebnis verfälscht. Mit der Beschränkung auf 30 Minuten wollte man dem vorbeugen. Das ist alles.

Wir sind bei den Behauptern also mittlerweile von „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, nenne aber keine Quelle“ zu „ich sage, das ist wissenschaftlich erwiesen, hier ist eine Quelle, die überhaupt nicht das aussagt, was ich sagen“ gekommen. Nur weil jemand eine Quelle angibt, ist das noch lange kein Grund, von Seriösität auszugehen.

Wenn man aber keine Zeit hat, sich selbst durch alles durchzuackern, was einem da so präsentiert wird, sind Seiten wie Mimikama umso wichtiger. Die Geschichte mit der schädlichen Maske haben sie hier aufgegriffen (allerdings nicht wegen den 30 Minuten, sondern wegen der Aussage über die Schädlichkeit generell), und auch sonst fahren sie in den Zeiten von Corona Sonderschichten, um so schnell wie möglich alle diese Falschinformationen, die gestreut werden, zu entlarven. Und weil ihre Arbeit so wichtig ist, kann man sie unterstützen, über PayPal, Steady oder Patreon. Also, schauen Sie sich das mal an und überlegen Sie sich, ob Sie vielleicht den einen oder anderen Euro übrig haben.

Die Arbeit ist schon immer wertvoll gewesen, jetzt allerdings umso mehr!

Verschwörungsmythen und die neue Hexensalbe

Photo by Hannah Xu on Unsplash
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In Geschichten ist es spannend zu lesen: Ein paar Ereignisse werden in Gang gesetzt. Jemand unternimmt Untersuchungen und stellt fest, dass es jemandem im Hintergrund gibt, der die Fäden zieht. Jemand – ein Ermittler oder auch ein Mensch, der mehr oder minder zufällig in die Sache gerät – entwirrt Stück für Stück das Netz, das da gespannt wurde. Bekannte Geschichten, die das zum Inhalt haben, sind unter anderem die Reihe um Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown oder die Prequel-Trilogie von „Star Wars“. Fast allen diesen Geschichten ist gemein, dass derjenige, der die Fäden zieht, immer auch Glück braucht, dass seine Pläne so wunderschön aufgehen. Und das zeigt eine der Schwachstellen solcher Verschwörungen in der Realität, denn da fällt nie alles, was jemand plant, so wunderschön an seinen Platz.

Eine zweite Schwachstelle, die in den Geschichten gerne mal unter den Tisch fallen gelassen wird, ist die Verschwiegenheit. Gerade wenn es sich – wie bei Dan Brown – um Verschwörungen handelt, in die sehr viele Leute über lange Jahre (oder gar Jahrhunderte) verwickelt sind, ist es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass diese Verschwörung noch nie ans Licht gekommen sind. Aber deswegen sind es eben Geschichten.

Ich selbst habe in meinen Geschichten versucht ein kohärentes Universum aufzubauen mit seinen eigenen Regeln. Doch mit Erschrecken stelle ich fest, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, die solche Geschichten Ernst nehmen. Ich lese Beiträge in sozialen Netzwerken, die den Plot einer puren Science-Fiction-Geschichte beschreiben, von bösen Außerirdischen, die die Politik unterwandern, Völker vernichten wollen und dergleichen mehr – nur dass es sich nach Ansicht der Leute, die das weiterverbreiten, eben nicht um Science Fiction handelt, sondern um die Wahrheit. Verschwörungsmythen greifen immer mehr um sich und je mehr ich darüber lese, desto mehr bin ich demotiviert, selber weiterzuschreiben. Denn das Schlimme ist: Dass es Science-Fiction-Geschichten gibt, die ähnliche Plots haben (wie zum Beispiel John Carpenters „Sie leben„) wird nicht als Widerspruch angesehen, sondern als Bestätigung: Die Filmindustrie ist Teil der Verschwörung und verhöhne die Menschen, indem sie ihnen die Wahrheit als Fiktion vorführe. Solche oder ähnliche Argumente kommen immer wieder.

Doch es braucht nicht mal Außerirdische für einen ordentlichen Verschwörungsmythos: „die Eliten“ reicht schon. Genau genommen reicht irgendeine Gruppe, die jemandem suspekt vorkommt und auf die man seine Wut projizieren kann. Dann ist diese Gruppe auf einmal der große Strippenzieher in der Weltverschwörung. Für diejenigen, die das für bare Münze nehmen, hat das einen Vorteil, denn „Es ist eine Verschwörung!“ ist eine wesentlich einfachere Erklärung als die Realität sie bereit hält. Ja, es gibt Ungleichheit in der Welt und es gibt Menschen, die ein Interesse daran haben, dass diese Ungleichheit bestehen bleibt. Und ja, es gibt auch echte Verschwörungen. Aber in den meisten Fällen sind es einfach komplexe Vorgänge, die nichts miteinander zu tun haben.

Verkaufserfolge alleine verbürgen noch keine Qualität. Menschenverachtung und Verschwörungsgeschwurbel werden seit Jahrhunderten stark nachgefragt.

Michael Blume: „Adrenochrom und Satanskulte – Die dualistischen Verschwörungsmythen…“

Der Mensch mag es nicht, wenn er dem Zufall ausgeliefert ist. In vielen Fällen ist es aber so. Man gerät beim Vorstellungsgespräch zufällig an einen Mensch aus der Personalabteilung, der einen nicht leiden kann und deswegen die Bewerbung ablehnt. Das ist tragisch und unprofessionell, aber kein Beleg dafür, dass dieser Mensch Teil einer Verschwörung ist, die den Bewerber daran hindern soll, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Mein erster Roman wurde von allen Verlagen abgelehnt, die ich kontaktiert hatte. Jeder Verlag hatte sicherlich eigene Gründe, aber solche Ablehnungen werden von den Verlagen in der Regel im Ablehnungsschreiben nicht begründet (da hätten sie viel zu tun). Trotzdem war es keine Verschwörung gegen mich, um zu verhindern, dass mein Buch auf den Markt kommt.

Da kommen wir zu einem weiteren Aspekt: Durch Verschwörungsglauben kann man sich wichtig fühlen und bestätigt in dem, was man tut. Jeder Mensch hat irgendwo eine Unsicherheit, aber diese lässt sich leichter niederbügeln, wenn man auf aus eigener Sicht ungerechtfertigten Widerstand stößt. Und manche möchten gerne herausstechen „aus der Masse“. Das können sie tun, indem sie etwas anhängen, das viele Leute ablehnen. Widerspruch ist dann Bestätigung, wenn sich jemand die Mühe macht, einem zu widersprechen, kann es ja nicht so falsch sein. Und man kann durch jede Alltäglichkeit einen Heldenstatus erlangen. „Die“ haben sich gegen mich verschworen, „die“ wollen nicht, dass ich eine Arbeitsstelle kriege, „die“ wollen nicht, dass mein Buch herausgebracht wird… Seht her, ich bin wichtig, denn „die“ gehen aktiv gegen mich vor.

Dann kommt irgendwann ein neues Problem dazu, denn ähnlich einer Droge müssen solche Dinge immer wieder erneuert und gesteigert werden. Irgendwann interessiert es halt niemand mehr, dass „die“ einen daran hindern, eine Arbeit aufzunehmen. Nicht wenige landen dann in Bereichen, wo wirklich jemand auf sie aufmerksam wird und versucht, ihr Handeln zu unterbinden: Die Staatsmacht nämlich. Solche Menschen fangen an, Straftaten zu begehen. Es kann auch sein, dass das schon früher beginnt, je nachdem welche Gruppe („die“) man hinter der Verschwörung vermutet, kann es sein, dass man sich der Volksverhetzung schuldig macht. Vorher schon kommt es zur sozialen Ausgrenzung, da sich Freunde und / oder Familie von einem abwenden. Kritik am eigenen System wird auch hier wieder als Bestätigung genommen, die anderen durchschauen die Verschwörung nur nicht. Die Presse, die versucht, aufzuklären, ist natürlich Teil der Verschwörung.

Und dann steht man als Autor da und verzweifelt. Ich möchte gerne weiterschreiben, aber ich möchte auch niemandem Ideen liefern, die dafür sorgen, dass er in einer Wahnwelt versinkt. Leider sehen wir das jetzt, zu Zeiten von Corona, sehr viel häufiger. Zumindest ist das mein Eindruck. Michael Blume beschreibt aus aktuellem Anlass in seinem Podcast den Zusammenhang zwischen der so genannten „Hexensalbe“ und dem heutigen Verschwörungsmythos um Adrenochrom. In einem Blogbeitrag beschreibt er hier das generelle Problem mit dem Verschwörungsglauben. Und ich fürchte, das ist alles, was ich tun kann: das Wissen darum weiterverbreiten.

Denn wir sehen auch eine große Gefahr: Während sich Leute mit großen Getöse an nicht-existierenden Gefahren abarbeiten, werden reale Bedrohungen zur Seite gewischt. Im Fall von Donald Trump wird er, der einen unqualifizierten Ratschlag nach dem anderen raushaut, sogar als Erlöserfigur gefeiert. Das heißt, der Verschwörungsglauben nutzt denjenigen, die wirklich Schaden anrichten, da er von ihnen ablenkt oder sie gegen Kritik immunisiert. Michael Blume selbst formuliert das so:

Die gesamte Welt wird gespalten in die vermeintlich absolut gute Eigengruppe, eine absolut böse Superverschwörergruppe und dazwischen der vermeintlich naive Rest. Im Zustand des pathologischen Dualismus kann keine Demokratie mehr gelingen und kein Dialog, keine ergebnisoffene Forschung und auch keine seriöse Medizin.

Michael Blume: „Was ist das Problem mit Verschwörungslgauben?“

Und was bedeutet das für mich? Ich glaube, ich mache mal weiter mit dem Schreiben. Das Tragikomische ist: Es ist völlig egal, wie absurd und abgedreht eine Geschichte ist, es kann sich doch noch jemand finden, der sie für die Wahrheit hält.

Mal sehen, was dabei rauskommt.

COVID-19 / CORONA: Noch mehr Medien und das Virus

Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
Corona-Virus - Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash
Corona-Virus – Photo by Fusion Medical Animation on Unsplash

Merkwürdig, wenn Schweizer ihr Regierungssystem über den grünen Klee loben und dann kritische Anmerkungen kommen, dass zum Beispiel die Beteiligung an den Volksabstimmungen eher mau ist, dass manche Abstimmungsfragen sehr holzschnittartig sind und dass generell mit sehr viel Populismus gearbeitet wird, bekommt man als Deutscher gerne mal um die Ohren geschlagen, man solle sich gefälligst nicht in die inneren Angelegenheiten der Schweiz mischen. Umgekehrt scheint es manchen Schweizern ein innerer Reichsparteitag zu sein, es „den Deutschen“ mal so richtig zu zeigen. Mal so richtig abledern über die doofen Untertanen aus dem Norden. Und damit das ganze ein (vermeintliches) Gewicht bekommt, nimmt die Schweizer NZZ gerne mal deutsche Gastautoren mit ins Boot. Und die haben Glück, dass es ein Schweizer Boot ist und kein syrisches und dass man auch nicht auf dem Mittelmeer unterwegs ist, sonst könnte man zwischen die Frontex geraten.

Vor kurzem durfte Susanne Gaschke die Kulturbereicherin spielen und den deutschen Untertanengeist so richtig bloßstellen. Alle sind sich einig in Deutschland im Duckmausern… ne, eigentlich ist Deutschland ja tiiiiiiief gespalten und Freunde reden nicht mehr miteinander… ja, was denn jetzt? Beim Lesen ihrer Glosse kann einen das Gefühl beschleichen, dass sich zwei Persönlichkeiten der Autorin einen Wettstreit darin liefern, wer den absurdesten Superlativ abliefern kann, während gleichzeitig aus den Vollen und aus der hauseigenen Phrasenmanufaktur geschöpft wird.

Da ich hier – wie schon mehrfach erwähnt – wegen den Leistungsschutzrecht für Presseverleger keine Presseerzeugnisse verlinke, bin ich froh, dass ich das auch nicht muss, den Jürn Kruse hat sich den Artikel von Susanne Gaschke angetan, damit wir das nicht müssen. Seine Einschätzung gibt es drüben bei Übermedien: „Susanne Gaschke fragt sich, ob Corona der neue Hitler ist„.

Und gerade heute wurde ja eine große Meldung herausgegeben – oder ein neues „Ermächtigungsgesetz“ im „Kontaktsperren-Totalitarismus“, um im Duktus des o. g. Artikels zu bleiben. Es ging darum, ob und wie man ein paar von den Sperren zurücknehmen könne. In den letzten Tagen ging dabei immer wieder ein Name um: Leopoldina. Er wurde Synonym für ein möglichst schnelles „Zurück zum Normalen“. Lockerung des momentanen Zustands. Und obwohl unter diesem Namen keine konkreten Zeitansätze genannt werden, bringen sie dennoch andere – der Zeitansatz lautet „jetzt“.

Dahinter steckt eine Studie, die viele immer wieder gegen das Robert-Koch-Institut in Stellung bringen und versuchen, die Politik unter Druck zu setzen. Bei den Riffreportern hat man sich die Chronologie der Ereignisse angeschaut, was die Studie genau sagt, was nicht und was aber dafür andere sagen. Außerdem gibt es einen hochinteressanten Blick darauf, wer mit den Machern der Studie alles verbandelt ist. Der Artikel findet sich hier: „Streeck, Laschet, StoryMachine: Schnelle Daten, pünktlich geliefert„.

Last but not least – um Shakespeare zu zitieren – möchte ich einen Artikel empfehlen, der die Frage aufwirft, ob man beim TV-Ableger eines großen deutschen Boulevard-Schmierblatts den Kopf tatsächlich so tief im eigenen Enddarm stecken hat, wie es den Anschein macht oder ob das gar nicht geht, da er viel zu tief im Enddarm der amerikanischen Regierung steckt. Ja, der Videoableger der Papieranhäufung mit den GROSSEN Buchstaben hat tatsächlich ein Interview mit Mike Pompeo, seineszeichen Außenminister der US of A. Herausgekommen ist ein Meisterstück an Unterwürfigkeit, das seinesgleichen sucht. Mehr darüber im BildBlog genau hier: „Schoßhund-Fragen sind bei ‚Bild‘ Chefsache„.

COVID-19 / CORONA: Die Medien und das Virus

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Ein Virus – Photo von CDC auf Unsplash

Ich habe hier schon mehrfach betont, dass aufgrund des so genannten „Leistungsschutzrechts für Presseverlage“ hier keine Berichte aus diesen Medien mehr verlinkt werden. In Zeiten von COVID-19 / CORONA ist das besonders schwierig, da man sich auch über die Rolle der Medien unterhalten muss. Ich erlebe es gerade selbst, wie selektiv manche Menschen in meinem Umfeld Berichte lesen und entsprechend ungerechtfertigt selbstsichere Parolen raushauen, warum sie sich an die Anweisung XY nicht halten. Und ich bin erschrocken, wie Arrogant und selbstsüchtig Menschen, denen ich das nie zugetraut hätte, über andere urteilen.

Wo die Pandemie bei den einen die guten Eigenschaften zum Vorschein bringen, offenbaren die anderen, dass ihre Menschlichkeit und Zivilisation nichts weiter ist als eine Fassade, die ganz leicht wegbricht – eine Maske, die sie sich nur allzu willfährig nun vom Gesicht reißen.

In dieser Situation ist Einordnung wichtig und dazu braucht es die Medien. Wie ich geschrieben habe, möchte ich die klassischen Medien aufgrund ihres Verhaltens beim Leistungsschutzrecht nicht mehr verlinken – wer weiß, was denen noch einfällt. Da die Situation aber nun mal außergewöhnlich ist, umgehe ich das selbst auferlegte Verlinkungsverbot, indem ich auf einen Artikel des Bildblog verlinke, das seinerseits auf ein paar Presseartikel verlinkt, die sich um die Pandemie und die Rolle der Medien drehen. Für diejenigen, die das nicht wissen: Das Bildblog ist ein so genanntes Watchblog über die Inhalte der Medien. Wie der Name suggeriert, wurde es ursprünglich gegründet, um die ständigen Falschberichte in der Bild-„Zeitung“ zu korrigieren, aber irgendwann stellte man fest, dass „Bild“ nur die Spitze des Eisbergs ist und man beobachtete fürdehin Medien und Presseerzeugnisse generell.

Jeden Tag bringt das Bildblog eine kleine „Presseschau“ mit besonderen Berichten – beziehungsweise, ich sollte sagen: Jeden Wochentag, denn diese Presseschau gibt es nur von Montag bis Freitag. Aber auch beim Bildblog erfordern ungewöhnliche Zeiten ungewöhnliche Maßnahmen, deswegen wurde heute ebenfalls ein solcher Artikel veröffentlicht. Und um den geht es.

Der Artikel heißt „Corona in und bei Medien“ und findet sich hier!

„Sei nicht schüchtern.“ – Was minderjährige Mädchen im Internet erleben

Photo by Luis Villasmil on Unsplash
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Ich habe es geschrieben, hier gibt es keine Links zu „klassischen“ Zeitungsmedien wegen des Leistungsschutzrechts, aber andere Medien, die ich als herausragend empfinde, bekommen sehr wohl einen Link und eine Empfehlung. Heute geht es mal wieder zu den Krautreportern, die ich persönlich auch unterstütze. Auf deren Seite ist ein Artikel erschienen, in dem sich eine 37jährige Mutter als 11jährige auf Instagram ausgibt, um herauszufinden, was passiert, wenn ein Mädchen einfach nur Bilder im Internet postet.

Spoiler: Es ist einfach erschreckend. Innerhalb kürzester Zeit trudeln Kontaktaufnahmemails und Chatanfragen von Männern ein, die auch kein Blatt vor den Mund nehmen, was sie von der vermeintlich 11jährigen wollen.

Nach neun Monaten Arbeit sind wir weiter immer wieder fassungslos über die Bandbreite an Grausamkeit und Perversion, die wir zu sehen bekommen. (…)
Im Laufe einer Woche sprechen über 52 Männer ein elfjähriges Mädchen an. Mit diesen Zahlen im Kopf schalten wir den Fernseher und den Camcorder ernüchtert ab.
Die Arbeit ist – wenn auch nicht unbedingt körperlich – emotional anstrengend. Die meisten von uns im Team haben Kinder, einige sind im selben Alter wie die Personas, die ich spiele. Die Arbeit ist zu nah dran an Zuhause. Aber man muss nicht ein Elternteil sein, um am Boden zerstört darüber zu sein, wie die Schwächsten der Gesellschaft verfolgt werden.

Sloane Ryan: “ Ich bin eine 37 Jahre alte Mutter und habe mich im Internet als elfjähriges Mädchen ausgegeben. Das habe ich dabei erlebt. “ auf Krautreporter

Den ganzen Artikel gibt es bei den Krautreportern genau hier!

Der politische Troll

Photo by Антон Воробьев on Unsplash
Photo by Антон Воробьев on Unsplash
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Das dreimal verfluchte Leistungsschutzrecht hält uns hier davon ab, Druckerzeugnisse aus Deutschland zu verlinken, da wir nicht der Ansicht sind, dass man Troll-Verhalten durch die Verleger auch noch honorieren sollte. Das ist schade, denn manchmal gibt es in der deutschen Presselandschaft sehr gute Artikel.

Nun ist aber ein sehr guter Artikel in der Schweizer Presse erschienen, der sich um den politischen Troll kümmert. Da die Schweiz nichts mit den Desaster des Axel Voss und seinem dämlichen Gesetz zu tun hat, wollen wir voller inniger Freude auf dieses lesenswerte Stück hinweisen.

Wie der Titel verrät, geht es um den Troll in der Politik. Constatin Seibt erzählt den Werdegang des Trolls von einem unangenehmen Zeitgenossen in der Gesellschaft zu einem unangenehmen Zeitgenossen in der Politik. Wir empfehlen dringend, den Artikel nicht nur zu lesen, sondern fleißig zu teilen!

Die Folge ist, dass Trollpolitiker nicht nur wie Schurken in Superhelden­comics reden – sondern beinah genauso unzerstörbar sind. Sie können sich fast wöchentlich Dinge leisten, die noch vor wenigen Jahren genügt hätten, eine politische Karriere zu beenden: Steuer­hinterziehung, Lügen, Unwissen, Grausamkeit, Inkompetenz, Seiten­sprünge, Prahlerei, Beleidigungen, Bestechlichkeit, sexuelle Übergriffe – was auch immer.

Republik.ch: „Der politische Troll“

Den ganzen Artikel gibt es auf der Website von Republik.ch genau hier!

Das muss alles raus!

Na, gut in den November gekommen? Halloween gut verbracht? Schön, dann könnt Ihr ja mal schauen, ob Ihr von diesen Gegenständen hier was brauchen könnt! Denn ich muss rausräumen, und es gibt Dinge, die ich nicht einfach entsorgen möchte (noch dazu, da sie zum Teil originalverpackt sind). Also gibt es alle diese Sachen auf der Internet-Auktionsplattform meines Vertrauens. Klickt es doch einfach mal an:

retho-vom-see auf eBay