Doctor Who und das plötzliche Ende

Ja, das war’s. ProSieben hat entschieden, dass die beiden Folgen der Serie „Doctor Who“, die am nächsten Samstag laufen, die vorerst letzten beiden sein sollen. Damit fällt auch die britische Kultserie dem derzeit im deutschen Fernsehen herrschenden Absetzwahn zum Opfer (RTL und SAT1 haben es bereits vorgemacht und ihrerseits einige Serien eingestellt). Ersatzprogramm für den Zeitreisenden sind Wiederholungen von „Desperate Housewifes“ und zwei Folgen „Die Simpsons“,  von denen damit 15 Folgen pro Woche laufen.
Quelle: DWDL, Fernsehlexikon

Doctor Who – Doktor Who – Doktor… wer?

Michael Reufsteck hat es nicht verstanden, wie er im „Fernsehlexikon“ selbst schreibt: Was ist dran an dem Hype um die britische Fernsehserie „Doctor Who“? Nun, könnte es einfach daran liegen, dass Geschmäcker nun mal verschieden sind und diese Serie nicht unbedingt Herrn Reufstecks Geschmack trifft? Und ein gewisses lückenhaftes Wissen um die Serie darf man ihm auch noch bescheinigen, denn Christopher Ecclestone, der in den neuen Folgen, die heute auf ProSieben anlaufen, die Hauptrolle spielt, ist nicht „ausgetauscht“ worden, er hat den Platz zur Überraschung vieler Beteiligter freiwillig nach nur einer Staffel geräumt (hier die allgemeine Beschreibung der Serie im Fernsehlexikon).

Es ist schwer zu erklären, vor allem, wenn jemand mit der Serie nichts anfangen kann: Was ist dran am „Doktor“? Es handelt sich um eine Science-Fiction-Serie, die ursprünglich mal einen Bildungsauftrag hatte, nämlich Kindern die Geschichte der Menschheit nahezubringen. Man dachte sich, das geht am Besten mit einem zeitreisenden Außerirdischen, der die jeweiligen Epochen direkt aufsuchen kann. Dass er sich in einer Notruf-Telefonzelle, wie sie in den 1960er Jahren in England an jeder Ecke standen, fortbewegt, war dem knappen Budget der Serie geschuldet, wurde aber im Lauf der Zeit Kult. Außerdem erkannten die Autoren, welche Möglichkeiten ihnen eine Serie mit einem Gerät verschafft, das sich sowohl in der Zeit als auch im Raum fortbewegen kann. Auf diesem Weg kamen die reinen Science-Fiction-Geschichten mit in die Serie.

Und hier liegt das Potential: der so genannte „Canon“ ist relativ frei. Ob es für eine Geschichte nun notwendig ist, dass die Erde explodiert oder gleich unser ganzes Sonnensystem – kein Problem, der Doktor reist eben ein paar Millionen Jahre in die Zukunft. In anderen Folgen werden Ereignisse aus der Geschichte aufgegriffen. So weilte der Doktor im Lager von Richard Löwenherz, als dieser Jerusalem belagerte und traf auch auf H. G. Wells, den Autor, der „Die Zeitmaschine“ schrieb (in der Serie wird natürlich angedeutet, dass Wells durch das Zusammentreffen mit dem Doktor zu dieser Geschichte inspiriert wurde).

Die Art der Geschichten ist dabei sehr facettenreich. Die Serie nimmt sich selbst nicht ganz Ernst, was vor allem in den neuen Folgen zu sehen ist (wie die Vorschau auf ProSieben in einem Ausschnitt so schön zeigt – Doktor: „Der Premierminister ist ein verkleideter Außerirdischer! – Das kauft mir niemand ab, oder?“ Wache: „Nein.“). Es gehören lustige Folgen dazu, ernstere, dramatische, und auch Folgen, die in ihrer Aussage beispielsweise guten Star-Trek-Episoden in nichts nachstehen. Wer sich dafür interessiert, die Geschichte der Serie habe ich schon in einem älteren Beitrag wiedergegeben: hier!

Stattdessen möchte ich an dieser Stelle meine Lieblingsepisode der klassischen Serie besprechen. Vielleicht kann der eine oder andere dann nachvollziehen, was zumindest ich an dieser Serie finde. Meine Lieblingsepisode ist „The Happiness Patrol“ (Deutsch: „Die Fröhlichkeits-Patrouille“). Erlebt haben sie Doktor Nummer 7 (Sylvester McCoy) und seine Begleiterin Ace (Sophie Aldred) im Jahr 1988. Der Doktor landet seine TARDIS auf der irdischen Kolonie Terra Alpha. Angeblich sind dort Leute spurlos verschwunden. Dort angekommen müssen die beiden feststellen, dass Terra Alpha von einer Diktatorin namens Helen A regiert wird. Diese hat in der Kolonie das Diktat der Fröhlichkeit ausgerufen. Es ist bei Strafe verboten traurig zu sein, weil Helen A das nicht mag. Jeder hat immer fröhlich zu sein, wer das nicht ist, wird von der „Happiness Patrol“ festgesetzt und dem „Kandy Man“ (einem aus Süßigkeiten bestehenden Lebewesen – ein wunderbarer Moment der Selbstironie der Serie) vorgeführt. Der Kandy Man behandelt die Gefangenen mit einer „Fondant Surprise“ – einem tödlichen Zuckergussüberzug.
In der Kolonie hat sich jedoch eine Untergrundbewegung gebildet. Die Menschen wollen nicht ständig fröhlich sein, es gibt Momente, da ist man eben traurig und man will es auch nicht unterdrücken. Der Doktor und Ace schließen sich der Untergrundbewegung an und machen die Rebellion mit. Die „Happiness Patrol“ wird außer Gefecht gesetzt und die Rebellen dringen über die Abwasserkanäle in Helen As Festung ein. Nachdem auch der Kandy Man ausgeschaltet wurde, lässt Helen A Fifi, ihr absolut tödliches Schoßtier, in die Kanäle, um die Rebellen zu zerfleischen. Doch diesen gelingt es, Fifi in eine Falle zu locken. Schließlich stellen sie die Diktatorin, die sich uneinsichtig zeigt: Es ist doch furchtbar, wenn Menschen traurig sind, es wäre viel besser, wenn alle immer fröhlich wären. Trauer braucht man nicht. Der Doktor beharrt darauf, dass die Fröhlichkeit, die auf Terra Alpha herrsche, nur Fassade sei. Wahre Fröhlichkeit, erklärt er, braucht Trauer als Ausgleich. Doch Helen A weigert sich, ihn anzuhören. In diesem Moment kriecht Fifi aus dem Abwasserkanal. Er ist tödlich verletzt und stirbt. Und überwältigt vom Tod ihres Schoßtiers fängt Helen A an zu weinen…

Diese Episode zeigt auch sehr schön, dass man ein wenig Fantasie mitbringen muss und sich beispielsweise nicht an dem Kandy Man oder – wie in der ersten Folge der neuen Serie – an lebendigen Schaufensterpuppen stören darf. Die Serie erhebt keinerlei Anspruch auf Realismus – und kommen Sie dem Doktor nicht mit „Zeitparadoxon“. „Das alles wird passieren“, sagte der Doktor in der Folge „Battlefield“ zu Ace, „in meiner persönlichen Zukunft – die wiederum Ihre persönliche Vergangenheit sein könnte!“ Würde man, analog zu dem Werk „Die Physik von Star Trek“, ein Buch mit dem Titel „Die Physik von Doctor Who“ schreiben, kämen viele interessante Dinge drin vor – nur leider nichts, das mit unserer tatsächlichen Physik in Einklang zu bringen wäre. Darauf muss man sich einlassen, wenn man diese Serie anschaut.

Wenn man sich aber darauf einlässt, dann kann man sehr viel Spaß haben. Und ein Wunschtraum von mir ist es, dass die alten Folgen, die noch nicht synchronisiert wurden, dies noch werden und auf dem deutschen Markt verkauft werden. Vielleicht als Sammelwerk… Oder dass zumindest die bereits synchronisierten Folgen mit Colin Baker (Doktor Nr. 6), Sylvester McCoy (Nr. 7) und der Fernsehfilm mit Paul McGann, sowie das Special „The Five Doctors“ mal wieder gezeigt werden. Oder vielleicht auf DVD… na ja, man ist ja bescheiden.

Doctor Who: Ab heute als Doppelfolge Samstags auf ProSieben.

Das iTeam – Aus die Maus!

So schnell kann es gehen. Da wollte ich noch die dritte Folge abwarten, um quasi zur „Halbzeit“ eine differenziertere Rezension der deutschen Variante der englischen Serie „THE IT CROWD“ mit dem Titel „Das iTeam – Die Jungs an der Maus“ zu geben, doch zu spät: Aus die Maus, könnte man sagen, die Serie wurde mangels Quote abgesetzt. Abgesetzt zu werden, das ist schon bitter, aber noch bitterer ist es, wenn man durch Wiederholungen von „Hausmeister Krause“ ersetzt wird (Meldung dazu hier).

Gut, dann also meine Rezension anhand der ersten zwei Folgen „Brötchen vom Vortag“ und „Stressige Zeiten“ (Originaltitel: „Yesterday’s Jam“ und „Calamity Jen“). Bevor ich mich allerdings den deutschen Folgen widme, noch eine Bemerkung: Ich gehöre zu den Menschen, die „THE IT CROWD“ schon vorher im Original kannten – und ich habe selten so gelacht. Es ist britisch, zweifellos, aber genial geschrieben und mit Sachverstand umgesetzt. Auch weil einige Gags in meinen Augen sehr schwer umzusetzen waren, war ich neugierig auf die „German Version“.

Leider war schon mein erster Eindruck nicht der Beste. Zwar hat man die Episoden eingedeutscht, doch offenbar hat keiner der Darsteller die Originalfassung gesehen. Und der einzige, der in meinen Augen das ganze trotzdem hingekriegt hat, war Sky Du Mont. Er spielt Oswald Bornholm (im Original Denholm Reynholm), einen leicht durchgedrehten Firmenchef, der dazu imstande ist, eben mal eine ganze Abteilung zu entlassen, weil sie nicht als Team arbeitet. Die Figur ist im Original anders angelegt als Du Mont sie letztlich spielt, aber immerhin hat man bei ihm nicht permanent den Eindruck, man beobachte einen Schauspieler, der so tut, als sei er eine Figur. Das Problem hatte ich nämlich bei den beiden  Leuten von der IT-Abteilung Gabriel (Original: Maurice Moss) und Tom (Original: Roy). In der englischen Fassung nimmt man den Darstellern Richard Ayoade und Chris O’Dowd ihr Spiel ab, man könnte glauben, da sitzen wirklich zwei „Nerds“ in ihrem Büro. Bei ihren deutschen Kollegen Stefan Puntigamer und Sebastian Münster war die Darstellung so übertrieben gekünstelt, dass es störte. Wie ich sagte, ich war nicht überzeugt und hatte die ganze Zeit den Eindruck, ich sah zwei Schauspielern zu, die so tun, als wären sie „Nerds“. Britta Horn als Sandy (Original: Jen Barber) war irgendwo zwischen den beiden und Sky Du Mont von ihrer Leistung her.  In der zweiten Folge war eine ganz leichte aber nicht ausreichende Besserung zu erkennen und Du Mont endgültig in seiner Interpretation der Rolle angekommen. Das rettete die Serie aber trotzdem nicht.

Was dann noch hinzu kam, war die teilweise katastrophale Übertragung der Original-Drehbücher. Entsprechende Schelte erhielt die Serie dann auch im SAT1-Forum. Schon der Titel der Folge 1, „Brötchen vom Vortag“, ein Versuch, die vermeintliche Übersetzung des englischen „Yesterday’s Jam“ mit „Marmelade von Gestern“ in eine Form zu bringen, die für Deutsche nicht fremdartig klingt, brachte den Autoren große Häme ein: mit „jam“ sei mitnichten „Marmelade“ gemeint, sondern der „Papierstau“ (was auch insofern logischer klingt, als Roy den Begriff „yesterday’s jam“ im Zusammenhang mit der Reparatur eines Druckers verwendet). Schon der erste Gag geht dann gepflegt in die Hose, der darauf aufbaut, dass man zuerst ein an der Wand hängendes Bild des Chefs sieht, der vor sich hinstarrt, die Kamera zurückfährt, bis man den Chef selbst sieht, der genauso dasitzt wie auf dem Bild und vor sich hinstarrt (bzw. auf sein Gegenüber). Beim „iTeam“ wurde hier schlicht der falsche Kamerawinkel verwendet.

Dass man in der Firma laut ihrem Chef im Original „nicht viel arbeitet hauptsächlich Affairen“ hat, wurde aus der deutschen Version genauso gestrichen wie die Lieferung der zwei Harry-Potter-Bücher. Moss erhält diese, es handelt sich um die „normale“ Version des neuesten „Harry Potter“ und die „Kinderversion“ und er will beide miteinander vergleichen und die Stellen anstreichen, die geändert wurden. Sein deutsches Pendant Gabriel vergleicht stattdessen das aktuelle Telefonbuch mit dem Telefonbuch vom Vorjahr. Ein Computerfreak liest… ein Telefonbuch? Im Internet-Zeitalter? Da kann man nur einen Ausruf von Roy am Telefon wiedergeben: „I’m sorry – ARE YOU FROM THE PAST?“ Und bevor jemand in den Kommentaren motzt: „Mach’s doch besser!“, hier mein Vorschlag: Gabriel bekommt die neueste Version von „Herr der Ringe“ mit der neuen deutschen Übersetzung, die er mit der alten, klassischen vergleicht. Auch weitere, etliche gute Witze, die man gut hätte ins Deutsche übernehmen können, wurden einfach und scheinbar grundlos ausgelassen.

Das war auch der Grund, warum ich umso mehr auf Folge 2 gespannt war, denn dort gab es zwei für das Funktionieren der Episode wichtige Gags: „Made in Britain“ und „neue Notrufnummer“. Zuerst zur neuen Notrufnummer. Die Episode beginnt mit einem Fernsehspot, in dem eine alte Dame die Treppe herunterfällt, sich verletzt und den Notruf wählt. Eine Stimme verkündet, dass die alte Notrufnummer (in England 999) nicht mehr aktuell sei, man habe alles verbessert, bessere Rettungsfahrzeuge, schönere Fahrer und eine neue, ganz einfache Nummer: 0118 999 881 999 119 725…3. Der Hintergrund dieses Witzes ist ein Problem, das es in England gibt: Viele Leute verwechseln die englische Notrufnummer 999 mit der amerikanischen (911), da auch im englischen Fernsehen viele amerikanische Serien laufen. Es gab sogar die Überlegung, „911“ als zusätzliche Nummer einzuführen. Gleichzeitig verlangt aber die Europäische Union die Einrichtung der so genannten „Europäischen Notrufnummer 112“. Dass also in England womöglich bald drei Nummern – 999, 911 und 112 – zum Notruf führen, wird damit parodiert. In Deutschland existiert das Problem natürlich nicht, denn zum einen klingen trotz vieler amerikanischer Serien 112 und 911 nicht so ähnlich wie 999 und 911 und 112 gibt es bei uns bereits als Notrufnummer. Gelöst wurde das Problem… gar nicht. „Vergessen Sie 112“, heißt es in der deutschen Version sogar, der Gag mit den „schöneren Fahrern“ wurde gleich ganz weggelassen, und ansonsten auch die „neue Nummer“ präsentiert.

„Made in Britain“ kommt an zwei wesentlichen Stellen vor als Erklärung, warum etwas nicht richtig funktioniert. Als der Lötkolben im IT-Büro in Flammen aufgeht und Moss ihn löschen will, fängt der Löscher selbst zu brennen an. Als Moss nachsieht, findet er das Etikett „Made in Britain“ auf dem Löscher. Und als am Ende die Stress-Maschine, mit der Reynholm Jen testet, nicht funktioniert, ist ein solches Etikett auch da die Erklärung. Gelöst wurde das Problem… gar nicht. Es wurde einfach weggelassen, sowohl beim Feuerlöscher als auch bei der Maschine. Gut, mit „Made in Germany“ hätte das nicht funktioniert, weil es nicht witzig gewesen wäre (anders als „Made in Britain“, das offenbar wirklich kein Gütesiegel ist), aber man hätte bestimmt ein Land aus Fernost nehmen können, wo es gepasst hätte.

Auch in der zweiten Episode wurde übrigens ein „Chef-Gag“ völlig versemmelt: War es in der ersten Folge noch die falsche Perspektive, so war es hier „zuviel des Guten“. Im Original ruft Reynholm eine Versammlung ein, weil er dem Stress den Krieg erklärt hat. Man sieht zunächst nur sein Gesicht, und als er plötzlich in der Totalen zu sehen ist, erkennt man, dass er einen engen Radlerdress trägt (er lässt sich dann darüber aus, dass er den Stress bekämpft, indem er jeden Tag mit dem Rad ins Büro fährt). Im Deutschen trägt Sky Du Mont auch noch einen Radhelm, damit ist die Pointe bei der Nahaufnahme bereits im Eimer. Und auch sonst sind ohne Not wieder einige sehr gute Gags einfach fallengelassen worden. Zwei Beispiele: Als es im Büro brennt, erinnert sich Moss aus lauter Panik nicht mehr an die Notrufnummer (0118 999 881 999 119 725…3) und schreibt eine eMail. In der deutschen Version wird der Witz mit der eMail gekürzt (Moss schreibt zuerst sehr formell: „Sehr geehrte Damen und Herren, ich schreibe Ihnen hiermit, um sie zu informieren, dass ein Feuer ausgebrochen ist…“, dann löscht er es wieder und schreibt: „Sehr geehrte Damen und Herren, Feuer – Ausrufezeichen! Feuer – Ausrufezeichen!“ Und als Roy/Tom am Ende der Episode eine große Wunde im Oberschenkel hat, die ihm der Absatz von Jens/Sandys Schuh beigebracht hat und es im Büro immer noch brennt, sagt Roy, bevor er umkippt: „Ich weiß nicht, ob es an dem Blutverlust liegt oder an den Giftstoffen durch das geschmolzene Plastik, aber ich fühle mich irgendwie komisch.“ Tom kippt wortlos um.

Über die Übersetzung des Titels „Stressige Zeiten“ lässt sich eigentlich nichts sagen, da sich das Original „Calamity Jen“ auf die Westernlegende „Calamity Jane“ bezieht, die zwar hierzulande auch in einem Lucky-Luke-Abenteuer auftaucht, aber ansonsten, fürchte ich, nicht sonderlich bekannt ist.

Resümierend kann man sagen, eigentlich ist es kein Wunder, dass die Serie keine gute Quote brachte. Auch wenn man das Original nicht kennt, kann die Kopie doch nicht überzeugen. Und wenn man das Original kennt, kann die Kopie gleich zweimal nicht überzeugen.

Ach, da fällt mir noch eine alternative Variante für eine deutsche Übertragung des „Harry-Potter-Buchvergleich“-Witz: Gabriel bekommt zwei DVDs geliefert, eine mit der Gesamtedition der ersten Staffel von „THE IT CROWD“, die andere mit der ersten Staffel von „Das iTeam – Die Jungs an der Maus“. Und dann Gabriels Kommentar: „Ich werde mir beide DVDs anschauen und dann in einem Blog darüber schreiben, welche Gags sie im Deutschen verändert oder ausgelassen haben!“

Postscriptum: Graham Lineham, der das Konzept des Originals erarbeitet hat, gibt hier ein kurzes Statement zum iTeam und reflektiert hier im Zusammenhang mit der Meldung, dass es vermutlich keine US-Variante geben wird darüber, was man in der englischen Serie hätte besser machen können.

Nachtrag: Es hat sich tatsächlich jemand die Mühe gemacht, ein Vergleichsvideo zwischen „IT CROWD“ und „iTeam“ zu produzieren und bei YouTube einzustellen: siehe hier! Dabei musste ich feststellen, dass ich leider einen Fehler in den Artikel eingebaut habe, weil ich prompt englische und deutsche Variante durcheinander geworfen habe. Bei dem Gag mit den Harry-Potter-Büchern will Moss im Original nicht die Unterschiede anstreichen, sondern er will kontrollieren, ob es keinen Unterschied im Text zwischen den beiden Versionen gibt.

„Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“

Auch wenn Björn-Hergen schimpfen wird, man muss doch mal Ross und Reiter nennen dürfen! Und das möglichst, bevor das „F.B.I.“, die „Freunde Bata Ilics“, eingreifen. Stellt sich nur die Frage, was ruft ein Beo, der in einem Käfig mit lauter Kanarienvögeln eingesperrt ist? „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“

Auf ähnlichem Niveau bewegten sich gestern die Kalauer, die Dirk Bach und Sonja Zietlow in ihre Moderationstexte geschrieben wurden, für den Auftakt einer neuen Staffel „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ Stefan Niggemeier hat live mitgebloggt und User haben live Kommentare abgegeben (im Blog vom Fernsehlexikon hier). Das Resümee, das er zieht, ist so interessant wie einleuchtend: Was kann man als Kritiker eigentlich groß sagen, wenn das Konzept der Schadenfreude ganz unverhohlen von vornherein Bestandteil der Sendung ist? Und wenn die Teilnehmer an diesem Dschungelcamp das alles freiwillig über sich ergehen lassen, weil sie sich davon „den großen PR-Effekt“ erhoffen? Nein, das ist kein Fernsehen mit hohem Anspruch auf Kultur oder ähnlichem, das ist „Boshaft TV“. Es spricht eine Seite in uns an, über die wir alle nicht gern reden, die aber vorhanden ist. Und da fordert die Sendung vom Zuschauer das Maximum an Eigenverantwortung ab: Wenn es mir nicht gefällt, weil mir die Leute doch leid tun, dann darf ich die Sendung einfach nicht anschauen. Punkt. Fertig ist der Lack! Sich darüber echauffieren, was die Bewohner des Dschungels alles erleiden müssen, bringt doch nichts – sie tun es zum einen freiwillig, und zum anderen gab es schon zwei Staffeln der Sendung. Niemand kann also sagen, er habe nicht gewusst, auf was er sich da einließe. Und wenn es mir gefällt, dann schaue ich es weiter an, weil ich unbedingt wissen will, wer denn am Schluss gewinnt – und ich kann dazu stehen (wie Stefan Niggemeier) oder nicht. Der Effekt ist im Grunde der gleiche, wie bei den Teilnehmern: Auch wir, die Zuschauer, wissen doch im Voraus, worauf diese Sendung abzielt. Es braucht also niemand, der sie sich anschaut, überrascht zu tun.

Zum Schluss eine Notiz am Rande: Als die erste Staffel „Big Brother“ anfing, wurde sich auch von im Vorfeld echauffiert. Unter anderem sagte jemand, die Sendung könne nicht einmal als „Sozialexperiment“ durchgehen, denn die Leute dort wüssten ja, dass sie 24 Stunden am Tag von Kameras beobachtet würden und würden sich nicht natürlich verhalten. Nun, mal ganz davon abgesehen, dass es rechtlich nicht möglich ist, ein solches „Sozialexperiment“ unter realen Bedingungen durchzuführen, denn dazu müssten ja irgendwelche Leute ohne ihr Einverständnis heimlich beobachtet werden, kann man auch sagen, dass „Big Brohter“ – und später auch „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ – diese Aussage widerlegt haben. Offenbar scheinen die Leute nach einiger Zeit zu vergessen, dass sie beobachtet werden, denn das Ränkeschmieden und Lästern lief schließlich – man denke nur an Caroline Beil, die schließlich von Sonja Zietlow in ihren Moderationen nur noch als „Hacke-Beilchen“ bezeichnet wurde – wie im echten Leben auch. Wer also möchte, kann in „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ ein Sozialexperiment sehen und dem ganzen beiwohnen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Oder wollten wir nicht schon immer mal wissen, wie das Seelenleben von Julia Biedermann, Bata Ilic, Michaela Schaffrath, Ross Antony (wer ist das?) und all den anderen aussieht?

Nein? Sowas… dann ist es wohl doch der andere Grund, warum diese Sendung gesehen wird… 😀

CSI: Ein Blick auf die vergangenen Wochen

Nachdem ich in letzter Zeit nicht so ganz bereit war, meine Rezensionen über die „CSI“-Serien fortzusetzen, folgt heute mal ein längerer Überblick. Habe ich eigentlich schon erwähnt, warum ich mit der Serie „Crossing Jordan“ nie so richtig warm geworden bin? Weil „Crossing Jordan“ ein Konzept ist, das „auch eine Krimi-Serie“ ist. Die Betonung liegt dabei auf dem „auch“, denn der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig bei den Figuren, ihrem Privatleben, ihren Problemen. Die Krimihandlung ist dabei eben „auch“ mit dabei. Natürlich ist es nicht so, dass „CSI“ (ganz besonders „CSI: Miami“) gar keinen Wert auf den Hintergrund der Charaktere und ihr Leben legt. Aber die Mischung war für meinen Geschmack besser getroffen. Es ist eben eine moderne Krimiserie, und der „Krimi“ steht eigentlich im Vordergrund.

Haben Sie’s gemerkt? Ich habe in dem letzten Satz eine Einschränkung gemacht, indem ich das Wort „eigentlich“ benutzte. Denn damit möchte ich schon auf das zu sprechen kommen, was mir bei allen drei „CSI“-Serien in den letzten Wochen aufgefallen ist, das Gleichgewicht scheint sich mehr hin zum „persönlichen Drama“ á la „Crossing Jordan“ zu verschieben.

Beginnen wir mit „CSI“: Die Beziehung zwischen Grissom und Sarah Sidle läuft eigentlich genau so ab, wie man sie sich bei einem Mann von Gils Kaliber vorstellen würde. Doch anderswo geht es Schlag auf Schlag, und das in des Wortes wahrster Bedeutung: Nachdem in der vorigen Staffel Jim Brass angeschossen wurde, gerät Greg Sanders in eine Gruppe, die gerade einen Mann zusammenschlägt. Er greift ein und überfährt einen der Schläger mit seinem Dienstwagen, wird selbst krankenhausreif geprügelt, kommt vor Gericht und wird schließlich von der Familie des Schlägers, den er überfahren, verklagt. Gil Grissom nimmt eine Auszeit, für ihn kommt ein zeitweiser Ersatz: Michael Keppler. Doch der scheint ein schwerwiegendes Problem zu haben, da er ab und zu Stimmen hört… Nicht zu vergessen der Fall des „Miniaturenmörders“, der sich über mehrere der bisher ausgestrahlten Folgen hinzog und – da die Staffel im deutschen Fernsehen noch nicht vollständig gelaufen ist – noch eine Überraschung parat hält.

In „CSI: Miami“ geht es noch etwas mehr zur Sache mit dem Persönlichen: Nachdem Horatios Caines Frau in der letzten Folge der vorigen Staffel ermordet wurde, fliegen er und Eric Delko nach Brasilien, wo Caines Bruder stirbt. Natalia Boavista, die „Neue“, erleidet gleich mehrere Schicksalsschläge: Ihr Mann, von dem sie sich trennte, da er sie geschlagen hat, kommt nach Miami und verdingt sich als „Tatort-Reiniger“, was bedeutet, dass sie beruflich mit ihm häufiger zu tun hat; als sie einmal kurz ausflippt und ihn von sich wegstößt, erwirkt er eine Verfügung gegen sie, wonach sie sich ihm nicht mehr nähern darf (und sich damit von jedem Tatort, an den er auch kommt, entfernen muss), dann wird ihre Schwester entführt und letztlich wird sie fälschlicherweise des Mordes an ihrem Ex-Mann beschuldigt. Eric Delko ist auch nicht besser dran: Er fällt auf den Trick eines Betrügerpärchens rein, im Glauben, eine Frau vor ihrem prügelnden Mann zu beschützen, schlägt er jenen nieder und wird angezeigt. Da er keine Möglichkeit sieht, gegen die Sache vorzugehen, gibt er klein bei und zahlt eine gewaltige Strafe. Und als wäre das und der Verlust seiner Schwester (Caines Frau) nicht genug, wird er auch noch angeschossen, überlebt schwer verletzt, aber mit einer Amnesie: er weiß nicht mehr, dass seine Schwester tot ist.

War es da bei „CSI: NY“ ruhiger? Nein. Mac Taylors Beziehung mit Peyton Driscoll wird auf eine harte Probe gestellt, da Mac diese lieber geheimhalten möchte und der Sohn seiner toten Frau, den sie zur Adoption freigegeben hatte, taucht unerwartet auf. Sheldon Hawkes muss sich mit seiner Vergangenheit konfrontieren und wir erfahren, dass er ein begabter Chirurg war, der durch den Tod von zwei Patienten in die Pathologie wechselte; außerdem wird er fälschlich eines Mordes bezichtigt, weil der wahre Anstifter den Tatort entsprechend manipuliert hat. Don Flack muss – nach einer Episode in einer früheren Staffel – bereits zum zweiten Mal einen Kollegen aus dem Revier eines Verbrechens überführen. Zarte Gefühle zeichnen sich auch zwischen Danny Messer und Lindsay Monroe ab, doch letztere schreckt zurück. Der Grund wird klar, als sie einen Anruf erhält, dass sie zurück nach Montana kommen soll: Sie muss dort vor Gericht gegen einen Mann aussagen, der vor Jahren ein Massaker angerichtet hat, bei dem sie die einzige Überlebende war. Stella Bonsera schneidet sich an einem Tatort mit einer Scherbe, die mit dem Blut eines an Aids erkrankten Mordopfers bedeckt war. Die Furcht davor, sich angesteckt zu haben, beherrscht sie fortan.

Bilde ich mir das ein, oder waren die dramatischen Momente in früheren Staffel etwas dezenter gesetzt? Ich meine, nichts gegen gut geschriebene Charaktere, ihre Hintergrundgeschichte und ihre Entwicklung – aber das wird ja langsam schon ein wenig viel. Und das, was ich beschrieben habe, betrifft „nur“ die Charaktere selber und hat eigentlich mit den Krimi-Handlungen nur am Rande zu tun. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass von allen drei Serien die Staffeln noch nicht vollständig ausgestrahlt wurden, es fehlen also noch einige Episoden (etwas weniger als die Hälfte der Staffel). Was mir vor allen Dingen negativ auffällt, ist die nicht gerade neue und fast schon inflationär benutzte Idee, Hauptfiguren in eine Situation zu bringen, in denen sie fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigt werden. Bei „CSI“ musste das in ähnlicher Weise schon Nick Stokes über sich ergehen lassen, nun haben beide anderen Serien nachgezogen. Und stets war die Konstellation die, das sich ein übereifriger Ermittler fand, dem es eine persönliche Freude zu sein schien, den Beschuldigten in die Pfanne zu hauen, während nur die Kollegen an dessen Unschuld glauben und letztlich die Wahrheit herausfinden.

Aber ich möchte nicht nur negative Kritik loswerden – alle drei Serien haben trotzdem ihre Stärken behalten und spannende Episoden. Mein persönlicher Höhepunkt aller drei Serien der derzeitigen Staffel ist allerdings bisher immer noch die Folge „Wachet auf“, die ich hier beschrieben habe. Allerdings bin ich bei „CSI: Miami“ gespannt, wie es jetzt weitergehen soll, denn die Episode, in der Eric Delko angeschossen wurde, wirkte schon so ein wenig wie ein Staffel-Finale.

Übrigens sind natürlich auch die „CSI“-Serien von dem Autorenstreik, der zurzeit in den USA herrscht, betroffen. Es kann also sein, dass die jeweils nächsten Staffeln, die in Deutschland Ende 2008 / Anfang 2009 ausgestrahlt werden sollen um einige Episoden gekürzt sind.

seaQuest DSV – Jetzt taucht sie wieder!

„Das 21. Jahrhundert… der Mensch hat die letzte unerforschte Region unserer Erde kolonisiert, den Ozean. Als Besatzung der SEAQUEST sind wir für den Schutz der Meere verantwortlich. Denn unter der Wasseroberfläche liegt die Zukunft!“
(das Vorwort der ersten Staffel von „seaQuest DSV“)

Manche Dinge dauern lange. Zum Beispiel, bis gewisse Serien auf DVD erscheinen – zumal in Deutschland. „seaQuest DSV“ ist ein Beispiel dafür. Die Serie wurde zwischen 1993 und 1996 produziert, ihre Einstellung nach 59 Episoden ist demnach über 10 Jahre her. Nun ist es aber soweit, vergangene Woche erschien der erste Teil der ersten Staffel als DVD-Box.

Die Geschichte der Serie spielt ein kleines Stück in der Zukunft (nach heutigen Maßstäben etwa 10 Jahre, im Jahr 2018). Die Menschheit hat den Ozean kolonisiert, da jedoch die Nationalstaaten und einige Konzerne mehr Gebiete – hauptsächlich zur Ausbeutung von Bodenschätzen – für sich beanspruchen, kommt es zu immer neuen Konflikten. Ein neuer Vertrag zwischen den Staaten muss her, und so wird die „United Earth Ocean Organisation“, kurz „UEO“ gegründet. Zum Schutz des Vertrags wird das größte U-Boot, die SEAQUEST DSV (= Deep Submergence Vehicle), in den Dienst der Organisation gestellt. Kapitän des Schiffes ist Nathan Bridger (Roy Scheider), der dazu allerdings erst einmal überredet werden muss.

In der ersten Staffel erforscht das Boot die Tiefsee („Tiefseeflimmern“, „Das versunkene Wissen“), leitet Rettungseinsätze („Die vergessenen Kinder“, „SOS im Sargassomeer“) oder wird in merkwürdige Ereignisse verstrickt („Das Geisterschiff“, „Die Meerjungfrau“). Jede Episode schließt mit einem Nachwort eines Mitarbeiters eines ozeanographischen Instituts, der auf Einzelheiten aus der jeweiligen Episode eingeht, zum Beispiel über die Besonderheiten von Unterwasser-Archäologie („Das versunkene Wissen“) oder von bioluminiszierenden Lebensformen („Tiefseeflimmern“). Der Vergleich „STAR TREK unter Wasser“ wurde mehr als einmal herangezogen und hinkt nicht – vor allem, da schon im Pilotfilm eine Notsituation entsteht, bei der die SEAQUEST das einzige Schiff in Reichweite ist. Man versuchte, bei den Handlungen sich am aktuellen Stand der Wissenschaft über die Ozeane zu orientieren. Auch die SEAQUEST selbst wurde mit der Hilfe von Experten entworfen. Das Ergebnis waren einige Episoden, bei denen das Zusammenspiel der Figuren einen großen Teil einnahm und sich die Handlung um moralische Fragen drehte, die sehr gegenwartsbezogen waren.

Mit der zweiten Staffel änderte sich das. In der letzten Folge der ersten Staffel war die SEAQUEST zerstört worden, die erste Folge von Staffel zwei setzt zwei Jahre später ein, mit der Fertigstellung des neuen Bootes. Bei den Episoden wurde von da an mehr Wert auf Action gelegt, gleichzeitig wurde der Schwerpunkt dieser Science-Fiction-Serie von „Science“ nach „Fiction“ verlagert. Außerirdische traten in Erscheinung, Monster und Dämonen. Am Ende dieser Staffel wurde sogar das ganze Boot auf einen fremden Planeten entführt.

Die Entwicklung der Serie gefiel dem Hauptdarsteller Roy Scheider nicht, so dass er seinen Ausstieg verkündete. Um wenigstens Teilweise zu den Ursprüngen der Serie zurückzukehren, wurde für die dritte Staffel erneut ein neues Konzept aufgesetzt. Die Handlung beginnt 10 Jahre nach der Entführung der SEAQUEST auf den fremden Planeten, die Serie erhielt einen neuen Titel – „seaQuest 2032“ – und wurde wieder etwas bodenständiger, wenn auch die Betonung auf das Element „Action“ blieb. Neuer Captain wurde Michael Ironside als Oliver Hudson, und die Situation ist auch eine neue: In den vergangenen 10 Jahren konnte die UEO ohne die SEAQUEST den Vertrag nicht schützen. Eine neue Diktatur erreichte ihren Höhepunkt, als das Bündnis „Macronesien“ versuchte, sein Gebiet zu vergrößern. Die Episoden dieser Staffel handelten dann auch hauptsächlich davon, diesen Expansionsgelüsten Einhalt zu gebieten. Das Ende der Serie, obwohl die Staffel mit einer „offenen Episode“ endet, konnte allerdings auch mit diesem Konzept nicht verhindert werden. Nach 59 Folgen wurde beschlossen, die Erzählung nicht fortzusetzen.

Parallel zu „Babylon 5“ wurden auch bei dieser Serie die Spezialeffekte vollständig im Computer, einem Commodore Amiga, erzeugt. Natürlich haben diese bedingt durch die Entwicklung auf dem Computer-Sektor inzwischen auch, wie man so schön sagt, „Patina“ angesetzt, aber man darf nicht vergessen, dass das damals neu und der Stand der Technik war.

„seaQuest“ hatte seine Momente und fand daher auch seine Fans, unabhängig davon, dass die ständige Änderung des Grundkonzepts auch viele vergraulte (einschließlich Schauspieler). Die Anspruch, eine weitgehend realistische Serie zu produzieren, legte die Messlatte hoch und die Episoden werden dem nicht immer gerecht. Vermutlich geht es aber jeder Serie so, dass Anspruch und Ergebnis nicht immer ganz übereinstimmen. Die Serie hätte durchaus ein, zwei Staffeln mehr verdient gehabt, allein, um das Konzept zu vervollständigen. So ist sie aber nun leider Bestandteil des „Universums der Unvollständigen“, in dem auch „Space – Above and Beyond“ und „Firefly“ zu finden sind.

Bleibt nur noch eine Frage, mit der man einen alten Witz aus den „Werner-Comics“ wieder einmal hervorholen kann: Taucht das DVD-Set was?
Falls Sie den Witz im letzten Satz nicht verstanden haben, lesen Sie einfach noch mal – so lange, bis Sie ihn verstanden haben. Ich warte gern.
Alles klar? Okay, hier nun die Antwort: Nun ja. Leider hat sich bei der deutschen Version der DVD-Box dieses „lasst uns mehr Geld machen, indem wir eine Staffel in zwei Teile teilen“-Virus festgesetzt. Während man im englischen Original die Staffel als ganzes kriegt, ist hier nur die erste Hälfte mit 12 Episoden erschienen. Auch das Bonus-Material hält sich etwas in Grenzen, es handelt sich hierbei um entfallene Szenen aus den ersten drei Episoden, die bei genauerer Betrachtung teilweise keine wirklich entfallenen Szenen sind, sondern alternative Fassungen. Entfallene Szenen gibt es hauptsächlich bei „Das versunkene Wissen“, wo große Teile der Handlung über die jugendlichen Phantasien des Computergenies Lucas Wolenczak (Jonathan Brandis) um Lieutenant Commander Hitchcock (Stacy Haiduk) der Schere zum Opfer fielen.
Von diesen negativen Punkten abgesehen ist die Box aber recht ordentlich. Die Einführung der DVDs wurde mit dem deutschen Sprechertext gestaltet und natürlich ist es ein Gefühl von Nostalgie, Gerd Günther Hoffmann als Roy Scheiders Stimme zu hören.
Teil 2 der ersten Staffel wird voraussichtlich Ende Januar 2008 erscheinen.
Fazit: diese DVD-Sammlung ist für die Fans… und solche, die es noch werden wollen. „seaQuest DSV“ ist eine Serie mit großem Potential, das sie leider nicht ausschöpfen durfte, aber das Potential ist in der Serie deutlich zu erkennen.

seaQuest DSV - Staffel 1.1

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ASTERIX – ein Phänomen

„Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern erobert… Ganz Gallien?“

Nein, natürlich nicht. Und wenn der Spruch „Perlen vor die Säue werfen“ [oder wahlweise „Eulen nach Athen tragen“] auf etwas zutrifft, dann darauf, dass man noch erklären müsse, woher dieser Spruch stammt. Ob man ihn mag oder nicht, die Abenteuer von Asterix, dem Gallier, sind inzwischen schon so etwas wie ein Teil der europäischen Kultur geworden. Es dürfte kaum jemanden geben, der nicht zumindest schon mal von ihm gehört hat.

Die Geschichte von Asterix begann 1959, als der erste Teil von „Asterix der Gallier“ in der französischen Jugendzeitschrift „Pilote“ veröffentlicht wurde. Erfunden hatten den gallischen Krieger der Texter René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo (in den Alben kurz „Goscinny & Uderzo“ genannt). Die ersten Abenteuer wurden zuerst in „Pilote“ als Fortsetzungsgeschichte geschrieben, und dann als Album komplett nochmals veröffentlicht. Und im Verlauf der Zeit wurde Asterix ein großer Erfolg, auch international. Bereits 1965/66 erschienen die Abenteuer in Deutsch, allerdings noch als Bestandteil des vom Kauka-Verlag (von Verleger Rolf Kauka, dem Erfinder von Fix und Foxi) herausgebrachten Heftes „Lupo Modern“. Kauka jedoch drückte jedem vom Ausland gekauften Comic seinen persönlichen Stempel auf. So wurde Franquins Serie „Gaston“ zu „Jo-Jo“ [in der „Jo-Jo“-Gaston furchtbar stotterte] oder „Spirou und Fantasio“ zu „Pit und Pikkolo“ [und das ebenfalls in der Reihe auftauchende Marsupilami zu Kokomiko]. Die Gallier Asterix und Obelix wurden in der Bearbeitung zu den Germanen „Siggi und Babarras“, die sich in dem Dorf „Bonnhalla“ rechts des Rheins amerikanischen Besatzern entgegenstellen. Da die Handlung der Geschichten ähnliche Wandlungen erfuhren, so dass aus dem Kampf der Gallier gegen die Römer ein Abbild von „Stammtischmeinungen“ der konservativen Szene über die aktuelle Politik der 1960er Jahre wurde, und die Autoren ihr Werk so verfremdet sahen, entzogen sie dem Kauka-Verlag das Recht zum Abdruck.

Ab 1967 übernahm der Ehapa Verlag die Rechte, die er bis heute immer noch hat. Allerdings kam es bei der Veröffentlichung der bisher erschienenen Abenteuer zu einem Bruch in der Reihenfolge. Als 1968 die beiden ersten Alben erschienen, kam gerade der Zeichentrickfilm „Asterix und Kleopatra“ ins Kino. Und obwohl der dazugehörige Band eigentlich Nummer 6 der Reihe ist, wurde er als Nummer 2 veröffentlicht, als „Comic zum Film“. Damit nahm dummerweise auch die Handlung ein paar Logikbrüche hin, zum Beispiel, dass Idefix, Obelix‘ Hund bereits dabei ist, obwohl der erst in „Tour der France“ (Nr. 5, also genau ein Album vor „Kleopatra“) zum ersten Mal auftaucht, oder die Piraten, die beim Anblick der Gallier ihr Schiff aus Angst selbst versenken, obwohl die erste Begegnung mit ihnen in „Asterix als Gladiator“ (Nr. 4) stattfindet und sich mit „Tour de France“ erst zum Running Gang entwickelt.

In 32 Alben und einer Sonderausgabe erlebten die Gallier seither ihre Abenteuer. Seit dem Tod von Goscinny 1977 entwickelt Uderzo allein die Geschichten, die zwar zur Zeit des römischen Imperiums spielen und diese Epoche auch sehr getreu wiedergeben, aber immer auch Bezüge zur Gegenwart haben, etwa bei den Eigenarten der verschiedenen Völkern, die Asterix auf seinen Reisen kennenlernt. Manche Zitate aus der Serie [„Wir schreiben das Jahr 50 vor…“, „Die spinnen, die Römer!“, „Passierschein A 38“] haben sogar Eingang in den modernen Sprachgebrauch gefunden.

Um die Reihe entsprechend zu würdigen, wurde vom Ehapa Verlag im Jahr 2000 die „Gesamtausgabe“ herausgebracht. In einem großformatigen Buch mit Hardcover in blauer Lederoptik sind immer drei Alben abgedruckt. Vor den einzelnen Alben gibt es Seiten mit Informationen, wie das jeweilige Album entstand. Außerdem sind auch Kurzgeschichten rund um Asterix, die Goscinny und Uderzo erfunden haben, abgedruckt, etwa „Obelisc’h“, in der die beiden einen leibhaftigen Nachfahren von Obelix treffen und mit nach Paris in die Redaktion ihres Magazins nehmen.

Wohin die Reihe noch gehen wird, bleibt abzuwarten. Der bisher letzte Band, „Gallien in Gefahr“, der 2005 erschien, wurde etwas kontrovers betrachtet, zum einen, weil dort mit dem Auftauchen zweier außerirdischer Kulturen Science-Fiction-Elemente in die Serie eingebracht wurden, zum anderen, weil die in dem Abenteuer verarbeitete Allegorie einer Warnung vor der schleichenden Ersetzung Comics klassischer Machart durch japanische Mangas so nicht von jedem geteilt wurde. Weiters wurde bemängelt, dass die Handlung durch die Verwendung von einzelnen Bildern, die teilweise eine halbe bis eine ganze Seite einnahmen, gestreckt wurde. Auch dass sich Uderzo im Nachwort ausgerechnet vor Walt Disney, den er als „berühmten, wundervollen Druiden“ bezeichnet, der es ihm (Uderzo) ermöglichte, „in einen Kessel voll Zaubertrank“ zu fallen, verbeugt, wurde mit Befremden aufgenommen. Disney hatte das Zeichnen selbst bereits 1926 aufgegeben, überließ die Konzeption der Figuren anderen Künstlern und fungierte nur noch als Produzent und „Ideengeber“.

Uderzo selbst meinte, auf die Zukunft von Asterix angesprochen, dass er noch nicht am Ende sei und trotz seines Alters (er wurde am 25. April 2007 80 Jahre) gern noch ein Abenteuer zeichnen würde. Wir werden also sehen müssen, was die Zukunft dem Gallier aus der Vergangenheit bringen wird.

Die Wartezeit bis dahin kann die ASTERIX Gesamtausgabe verkürzen. Die ersten sechs Bände der Reihe (umfassend die Alben 1 bis 18) gibt es in einer Auktion, die noch bis zum 28. Oktober 2007 läuft:


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„Deutscher wird Papst – Teufel tritt zurück“ – oder: Bastian Sick ist gar nicht so

Deppen-Apostroph

Wer ist mehr zu bedauern – die deutsche Sprache oder Bastian Sick? Der Autor der Buchreihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ sowie der „Zwiebelfisch„-Kolumne im Spiegel hat schon einiges einstecken müssen. Ein „Reinheitsfanatiker“ sei er, sagen die Kritiker. Ein „Sprachfetischist“. Und noch ein paar andere kreative Worte, die seinen Hang, auf Fehler aufmerksam zu werden, ziemlich blumig umschreiben. Dabei wird das Bild eines penetrant peniblen Menschen gezeichnet, mit dem man eigentlich nichts zu tun haben möchte, denn dass man Fehler macht, sei ja schließlich nur menschlich.

Auf der anderen Seite: die deutsche Sprache. Sie leidet stumm. Sie lässt jedweden Anglizismus in sich hineinpressen (egal, ob dieser „Sinn macht“ oder nicht), die altbekannte Regel „Subjekt – Prädikat – Objekt“ wird gerne mal durcheinander gewürfelt und was die Schreibung von Worten betrifft, da ist man sowieso sehr kreativ [zum Thema „Anglizismen“ gibt es hier einen Beitrag im STAR COMMAND Blog, zum Umgang mit der deutschen Sprache hier]. Aber he, heißt es da immer wieder, macht ja nichts – Sprache lebt! Ach ja – und Bastian Sick nicht?

Vor ein paar Tagen nun übertrug der SWR die Aufzeichnung einer Lesung von Bastian Sick, die dieser in Stuttgart gehalten hatte. Ich habe sie mir angesehen, denn erstens (wie man aus den zwei anderen Beiträgen in diesem Blog herauslesen kann) finde ich seine Kolumnen sehr gut, und zweitens wollte ich mir ein Bild machen von dem Mensch hinter den Zeilen. Wie gesagt, folgt man dem Tenor der Kritiker, scheint es sich bei diesem Bastian Sick um einen sehr unangenehmen Menschen zu handeln. Bevormunden will er uns, heißt es. Uns Vorschriften machen. Will er das?

Nein, will er nicht. Sick nutzt in seinen Werken und auch auf der Bühne die Kunst des „Überziehens“. Natürlich wird er auf kleinste Fehler aufmerksam, aber das tut er nicht, weil er uns Vorschriften machen will. Er möchte uns nur ein wenig aufmerksamer machen. Und mit der witzigen Art, in der er das rüber bringt, schafft er das auch. Bastian Sick ist kein Oberlehrer, der sich als Retter in der Not versteht (obwohl ihm diese Rolle sehr gut stehen würde), er ist mehr der Hofnarr, dem es erlaubt ist, jedem am Hof die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Und wer ihm zuhört, der erfährt eine Menge über die Sprache, die wir doch alle glauben so gut zu kennen. Mich eingeschlossen. Er klärt uns endlich darüber auf, wie man die Mehrzahl bei italienischen Modegetränken bildet: ein Cappuccino, zwei… Cappuccini? So ist die Mehrzahl in Italienisch. Bei uns auch? Nein, erklärt Sick, im Deutschen darf man „Cappuccinos“ sagen, denn: „Seit wann gilt in Deutschland die italienische Grammatik? Es gilt ja kaum die eigene!“ Er referiert über merkwürdige Sprachgebräuche, nämlich dass man in Deutschland sowohl „Ich gehe zu Aldi.“ als auch „bei Aldi“, „zum Aldi“ oder „auf Aldi“ sagt oder über Menschen, die deutsche Redewendungen durcheinander würfeln, also quasi „viere gerade sein lassen“. Auch über den oben schon beschriebenen kreativen Umgang mit der deutschen Rechtschreibung erfährt man einiges, so zum Beispiel über den „Deppen-Apostroph“ (ein Beispiel dafür sieht man auf dem Bild ganz oben, das Fundstück ist von mir selbst). Und man bekommt gleich noch erklärt, dass es nicht „das Apostroph“ heißt, sondern „der Apostroph“. Übrigens, der Punkt am Ende eines Satzes hieß ursprünglich nicht „Punkt“, sondern „Tupf“ und das Komma „Beistrich“. Beides hat sich aber als Bezeichnung nicht durchgesetzt.

Eine andere Rubrik beschäftigt sich mit Aussagen, die für sich getrennt nichts besonderes sind, jedoch wenn man sie durch irgendwas zusammenbringt, auch wieder lustig sind. Mit einem solchen Beispiel ist dieser Beitrag überschrieben. „Deutscher wird Papst“ und „Teufel tritt zurück“ waren zwei Schlagzeilen, die auf der Titelseite einer Zeitung nebeneinander standen. Nun ging es in dem einen Bericht natürlich um die Wahl von Papst Benedikt, in dem anderen um den fast zeitgleich stattfindenden Rücktritt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Erwin Teufel. Für sich genommen sind das beides keine Ereignisse, die dazu geeignet sind, sonderliche Erheiterung hervor zu rufen. Die beiden Schlagzeilen nebeneinander hingegen schon.

Als Fazit des Abends bleibt für mich: Bastian Sick ist gar nicht so. Also, zumindest nicht so, wie seine Kritiker sagen. Und wenn man sich den modernen eMail-Schriftverkehr ansieht, in dem die Großschreibung von Substantiven offenbar gänzlich abgeschafft wurde oder sich in Foren umsieht, in der weder Grammatik noch Orthografie irgendwas zu sagen haben, sind seine Beiträge sicherlich notwendig. Und wenn er dabei manchmal etwas „oberlehrerhaft“ rüberkommt: man darf nicht alles so eng sehen. Ich persönlich versuche lieber, daraus zu lernen. Das gelingt mir nicht immer. Leider. Aber das ist ja kein Grund, gleich die Flinte mit dem Bad auszuschütten.

Bücher von Bastian Sick:

Happy Aua. Ein Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Folge 2: Neues aus dem Irrgarten der deutschen Sprache
Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Folge 3. Noch mehr aus dem Irrgarten der deutschen Sprache

Krankenkassen und Überwachung: 2057 kommt schneller als gedacht…

Im März diesen Jahres wurden die Folgen der Reihe „2057 – Unser Leben in der Zukunft“ ausgestrahlt. Gleich in der ersten Folge ging es unter anderem um das Gesundheitssystem der Zukunft (ein kritischer Bericht aus diesem Blog findet sich hier). Es wurde ein System der totalen Überwachung gezeigt, bei der die Krankenkassen von einem intelligenten Haussystem den Urin in der Toilette analysieren lassen, um festzustellen, ob ein Versicherter nicht vielleicht einen riskanten Lebensstil hat und sie entsprechend die Beiträge erhöhen müssen. Als die Figur, die beispielhaft in dem Film präsentiert wurde, diese Analyse manipuliert und das herauskommt, werden ihr sofort sämtliche Leistungen gestrichen und sie auf die unterste Stufe des Systems verfrachtet.

„Was heute noch wie ein Märchen klingt…“
Nun sieht es so aus, als würde 2057 noch im Jahr 2007 kommen. Deswegen möchte ich an dieser Stelle auf einen lesenswerten Artikel der „Zeit online“ hinweisen, der sich mit einem Gesetzentwurf beschäftigt, der Ärzte zu Spionen der Krankenkassen machen soll. Laut diesem Gesetzentwurf sollen Ärzte unter Aufhebung der Schweigepflicht dazu verdonnert werden, Krankheiten, die ein Patient selbst verursacht hat, den Krankenkassen anzuzeigen. Zum Beispiel gesundheitliche Folgen von Tätowierungen, Piercings oder Schönheitsoperationen. Doch das sind eben nur ein paar Beispiele, denn laut dem Entwurf sollen „generell“ Erkrankungen gemeldet werden, die sich ein Patient „vorsätzlich“ zugezogen hat. Der Artikel „Vom Sozialstaat zum Kontrollsystem“ findet sich auf ZEIT online.