Mondpreise bei Medikamenten, Untätige bei Gewerkschaften, Missbrauch bei Studiengebühren, übereifrige Staatsanwälte, Autobahnen und Nobelpreise

Im Rahmen der Blogger-Aktion für Burma sind einige Stimmen laut geworden, man solle doch die Probleme in Deutschland nicht aus den Augen verlieren. Manches mal wurden diese Forderungen auch in einem etwas härteren Ton gebracht. Es war gerade so, als würde man das eigene Land beim Blick auf Myanmar aus den Augen verlieren. Damit das nicht passiert – falls die Gefahr je bestand -, gibt es unter anderem verschiedene Magazine im Fernsehen. Beim ZDF ist das „Frontal 21„, das diese Woche einen guten Querschnitt durch die Republik brachte. Und um auch zu zeigen, dass wir die eigene Umgebung trotz der Probleme der Welt nicht vergessen, hier die Themen der aktuellen Sendung von gestern:

Über Dinge, die im Gesundheitswesen nicht so laufen, wie sie sollten, hatten wir schon zu verschiedenen Gelegenheiten kritische Bemerkungen gemacht (zum Beispiel „Krankenkassen und Überwachung: 2057 kommt schneller als gedacht…“ oder „2057 – unser Leben in der Zukunft„). Dieser Bericht zeigt, dass Sparmaßnahmen nicht nur auf Kosten des Personals erfolgen sollten, sondern dass man auch bei Pharma-Firmen ansetzen kann. Ausgerechnet bei Medikamenten gegen Krebs schnellen Preise plötzlich und übermäßig in die Höhe.

Das Geschäft mit dem Krebs – ZDF-Mediathek

Auch über die Bahn und die ins Gerede gekommenen Privatisierungspläne haben wir geschrieben („Die Bahn… kommt? oder Es fährt ein Zug nach Nirgendwo…„). Zurzeit macht die Bahn eher wegen der Lokführerstreiks von sich reden. Die Kollegen der Lokführer mögen fassungslos sein, denn ihr Tarifvertrag sah ganz anders aus als das, was die Bahn jetzt anbietet. Das Problem: Sie sind in einer anderen Gewerkschaft und die geht nicht so auf Konfrontation wie die Lokführer.

Transnet: Gewerkschaft am Gängelband – ZDF-Mediathek

Um die Bildung an deutschen Hochschulen zu verbessern, waren Politiker der Ansicht, Studiengebühren erheben zu müssen. Für die Bildung, wohlgemerkt. Doch viele Hochschulen brauchen die Gebühren für andere Dinge, zum Beispiel Heizkosten.

Missbrauchte Studiengebühren – ZDF-Mediathek

Es ist ein durchaus gängiges Szenario in den unzähligen Gerichtsshows, die im Moment noch auf den Privatsendern laufen: der Staatsanwalt hat sich auf einen Angeklagten eingeschossen und hält diesen für schuldig, bis ein findiger Rechtsanwalt – hin und wieder auch in Form von Ingo Lenßen – die Unschuld seines Mandanten beweist. Eine Räuberpistole? In Sachsen-Anhalt gab es einen ähnlichen Fall. Ein Staatsanwalt erhielt eine anonyme Anzeige. Doch statt den dort erhobenen Vorwürfen genauer nachzugehen, wollte der lieber ermitteln, wer diese Anzeige erstattet hatte und gegen den vorgehen. Es wurde auch jemand ausgemacht. Aber war das auch der „Täter“?

Sachsen-Anhalt: Seltsame Ermittlungen – ZDF-Mediathek

Es gibt kaum jemand, der nicht den Eklat bei J. B. Kerner mitbekommen hat: Eva Herman wurde im Verlauf der Sendung ausgeschlossen (eine genaue Betrachtung liefert Stefan Niggemeier hier). In der Sendung fiel auch mal wieder das Klischee von den Autobahnen, die die Nazis gebaut hätten und die wir heute ja auch noch benutzen. Nachdem selbst schon die Bild-Zeitung (wie das „Bildblog“ hier überrascht berichtet) über solche Irrtümer in Kurzform aufklärt, widmet sich das Magazin in längerer Form nochmal dem „Es war ja nicht alles schlimm“-Mythos der freien Fahrt für deutsche Bürger.

Mythos Autobahn – ZDF-Mediathek

Damit die Worte „Wir bleiben an dem Thema dran“ keine leere Phrase sind, bietet „Frontal 21“ die Rubrik „Nachgehakt“, in der über die Folgen vergangener Reportagen berichtet wird. In dieser Woche ging es um die Strompreiserhöhung, die Verwertung von DNS-Spuren an Tatorten und den Brückenwahn in Sachsen.
Die satirische Nachlese „Toll!“ widmet sich dem Nobelpreis – und ein klein wenig Eva Herman und der JBK-Show. Aber nur am Rande…

Toll! Nobelpreis – ZDF-Mediathek

Myanmar – was seither geschah…

Die Aktion „Free Burma“ ist nun 12 Tage her. Da der Blick nach Myanmar aber nicht vergessen werden sollte, hier ein kleiner Überblick, was seither passiert ist.

Am 8. Oktober machten Berichte die Runde, dass die Verhaftungen von Kritikern weitergehen. Genaue Zahlen seien allerdings nicht bekannt, da viele Reporter inzwischen abgehört werden und sich nicht mehr trauen, Informationen per Telefon ins Ausland weiterzugeben (Bericht: „Weitere Verhaftungen in Myanmar„). Den verhafteten Mönchen wurde von der Regierung die Amnestie verweigert; gleichzeitig drohen im Exil lebende Mönche mit einem Boykott-Aufruf für die Olympischen Spiele in Peking, sollte China sich weiterhin gegen eine UN-Erklärung sperren (Bericht: „Myanmar: Militärjunta verweigert Mönchen Amnestie„). An der Haltung Chinas änderte das jedoch zunächst nichts, die Regierung in Peking drängte darauf, zwischen der Regierung Myanmars und der Opposition zu vermitteln (Bericht: „Westen dringt auf Verurteilung von Gewalt in Myanmar„). Am 10. Oktober wird bekannt, dass offenbar ein verhafteter Aktivist während seines Verhörs durch die Militärs gestorben sei (Bericht: „Myanmar: Aktivist angeblich während Verhör gestorben„).

Am 12. Oktober vermeldete die Agentur REUTERS, dass sich China erstmals nicht mehr sperrte, eine UN-Resolution mitzutragen, die Kritik an der Gewaltaktion gegen Demonstranten in Myanmar übte. Zwar ging vielen Menschenrechtlern die Erklärung nicht weit genug, aber grundsätzlich wurde sie begrüßt (Bericht: „Auch China kritisiert Myanmar„). Am 15. Oktober wurde bekanntgegeben, dass die EU über Sanktionen gegen Myanmar entscheiden möchte (Bericht: „Myanmar aktuell: Sanktionen aus Brüssel„). Und gerade heute erging die Nachricht, dass Japan Sanktionen beschlossen hat und Hilfsgelder einfriert, aber weiterhin humanitäre Hilfe leisten möchte (Bericht: „Japan friert Hilfsgelder für Myanmar ein„).

Zum Schluss dieser ganzen Meldungen noch ein Hinweis auf eine sehr gut geschriebene Zusammenfassung über die Geschichte und den Hintergrund des Landes Myanmar und zu dem, was letztlich zu den Ereignissen dort geführt hat: das ZDF zum Thema „Myanmar – Warum die Mönche rebellieren„.

„AMORE XL“ – der neueste Wurf der Ersten Allgemeinen Verunsicherung

In diesem Blog wurden schon des öfteren Texte von Lieder der Ersten Allgemeinen Verunsicherung zitiert (zum Beispiel hier und hier), was damit zu tun hat, dass diese Texte trotz der Tatsache, dass sie schon ein paar Jahre alt sind, etwas beschreiben, das einem verdammt bekant vorkommt. Am heutigen 12. Oktober hat die Band nun tatsächlich ihr neues Album herausgebracht, das den Titel „AMORE XL“ trägt. Und das ist für uns eine Gelegenheit, uns diese „Verunsicherung“ mal anzuschauen, von damals bis heute.

Die Geschichte beginnt eigentlich 1974 mit Eik Breit und Günter Heineman, die die Band „Antipasti“ gründen. Bis 1977 gibt die Band in verschiedenen Konstellationen Konzerte. Um nicht einfach Lied an Lied zu spielen, erzählt Eik Breit in den Pausen dazwischen komische Geschichten. Als man 1977 einen neuen Gitarristen sucht, kommt Thomas Spitzer hinzu, der verlangt, dass eine klare Idee hinter dem Konzept stecken müsse. Ihm schwebt eine „Rock-Comix-Gruppe“ vor, etwas, das er auch schon mit Nino Holm, der 1974 zu der Band kam, besprochen hat. Daraufhin wird „Antipasti“ aufgelöst und das Konzept für die neue Band erarbeitet. Schließlich fehlt nur noch ein passender Name. Doch da kommt den aufstrebenden Musikern der Zufall zur Hilfe: Sie fahren an einem Gebäude der österreichischen „Ersten Allgemeinen Versicherung“ vorbei. Thomas Spitzer hat eine Idee. Wenn man sich „Erste Allgemeine Verunsicherung“ nennt, regen sich die Leute von der Versicherung auf – und wie sollte es Jahre später zu diesem Thema in Webbers Musical „Das Phantom der Oper“ heißen? „Die Publicity ist doch wunderbar – und umsonst sogar!“

Im Winter 1977 schreibt Thomas Spitzer die erste Bühnenshow für die Band. Ein Freund von ihm, Klaus Eberhartinger, rät ihm, das Buch nochmal zu überarbeiten, da er findet, er könne das besser. Doch der will das zuerst nicht zur Kenntnis nehmen, schließlich jedoch erarbeitet er innerhalb von fünf Tagen ein neues Programm, das 1978 erstmals zur Aufführung kommt, allerdings erst, nachdem der Austrorock-Star Wilfried Scheutz zu der Gruppe stößt und die anderen Bandmitglieder für ihre Auftritte schult. Tatsächlich gibt es auch den von Spitzer angedachten Wirbel seitens der Versicherung wegen des Bandnamens.

Trotzdem kommt das ganze nicht so richtig in Schwung. Die „Verunsicherung“ tritt hauptsächlich in Landeshauptstädten Österreichs auf, im Rest der Alpenrepublik ist man nahezu unbekannt. Anfang der 1980er Jahre kommt man langsam nach Deutschland. Das Programm damals heißt „Café passe“. Der Selbstmord des Sängers Walter Hammerl überschattet das Jahr 1981, worauf Klaus Eberhartinger hinzu kommt, allerdings nur „bis jemand besseres gefunden worden ist“. „Café passe“ erscheint noch im selben Jahr als Schallplatte [Anmerkung: Das war der Vorgänger der CD.]

1983 ist das nächste Konzept, „Spitalo Fatalo“, fertig. Der erste Plattenvertrag mit der EMI kommt zustande und die Single „Alpenrap“ kommt in Österreich und Deutschland in die Charts, so dass sie schließlich in der Hitparade (mit Dieter Thomas Heck) auftreten. Eine zweite Single, „Afrika“, ist in Österreich erfolgreich, wird in Deutschland aber boykottiert – wegen des kritischen Inhalts. Schon 1984 folgt „Á la carte“, das nächste Album. 1985 folgt „Geld oder Leben“, womit der kometenhafte Aufstieg der Gruppe beginnt. Die Lieder „Märchenprinz“, „Fata Morgana“ und „Ba-Ba-Banküberfall“ werden Hits (letzteres unter dem Titel „Ba-Ba-Bankrobbery“ sogar in England). 1986 darf die Band nicht beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ (heute „Eurovision Song Contest“)für Österreich antreten, da sie zuvor schon mal in der DDR aufgetreten ist. 1987 kommt „Liebe, Tod und Teufel“ heraus, hier werden „Küss die Hand, schöne Frau“ und „An der Copacabana“ Hits. Das Lied „Burli“ wird von dem Radiosender „Bayern 3“ boykottiert, wo man den Text absolut missverstanden hat. Die Anklage gegen Atomkraftwerke und deren unabsehbare Folgen für Mensch, Natur und Umwelt wird von einigen steifen Musikredakteuren fehlinterpretiert als Beleidigung der Gefühle Behinderter. Die Folgen sind massiv, in Deutschland traut sich kaum ein Sender, das Lied zu spielen, außerdem wird die „EAV“, wie sie sich inzwischen kurz nennt, aus verschiedenen Fernsehsendungen wieder ausgeladen. Dem Erfolg tut das keinen großen Abbruch, das Jubiläumsalbum „Kann denn Schwachsinn Sünde sein?“, das 1988 auf dem Markt kommt, ist wiederum ein Hit.

Waren bei den vorigen Alben Pinguine so etwas wie das „Maskottchen“ – selbst die Tour der Band, die sinnigerweise von der „Ersten Allgemeinen Versicherung“ gesponsert wurde, hieß „Pinguin-Tour“ -, so wird es nun der Nasenbär, genauer gesagt, Neppomuk, der Nasenbär, mit dem Album von 1990: „Neppomuks Rache“. Von diesem Album erscheinen die Singles „Ding Dong“, „Samurai“, „s’Muaterl“ (das Klaus Eberhartinger später zu einem seiner Lieblingslieder erklärt) und „Einer geht um die Welt“. 1991 erhält die Band den „World Music Award“ und singt das Album „Watumba!“ ein.

1994 erscheint „Nie wieder Kunst“, dem in Deutschland leider nur ein bescheidener Erfolg zuteil wird. Man ist sich einig, dass man zwischen Tour und Alben nun längere Pausen einlegen möchte. 1996 kriselt es bei der EAV und trotz eines „Best of“-Albums ist nicht klar, ob die Gruppe nach dem Weggang von zwei Mitgliedern überhaupt weitermachen wird. Doch 1997 erscheint „Im Himmel ist die Hölle los“. Der kirchenkritische Ton stößt vor allem in Bayern (mal wieder…) sauer auf und es gibt Menschen, die versuchen, einige Konzerte im Freistaat zu verhindern. Das Nachfolge-Album kommt 1998 (in Österreich) beziehungsweise 1999 (in Deutschland) heraus, es trägt den Titel „Himbeerland“ und dreht sich um die Schlagerbranche. Völlig unerwartet jedoch wird das Lied „Drei weiße Tauben“ zu einem Ballermann-Hit, was (ausgerechnet) dem Münchner Sender „Radio Gong“ zu verdanken ist.

„Austropop in Tot-Weiß-Tot (2000 Jahre sind genug)“ folgt 2000, muss aufgrund von rechtlichen Schwierigkeiten aber unter dem Namen „Klaus Eberhartinger und die Gruftgranaten“ veröffentlicht werden. Dann kommt eine Pause, die verschiedenen Erkrankungen unter anderem von Klaus Eberhartinger und Produzent Kurt Keinrath geschuldet ist und bis 2003 dauert. Das Album „Frauenluder“ wird ein Erfolg in Österreich, floppt aber in Deutschland mangels Promotion seitens der Plattenfirma. Daraufhin führt die Band neue Verhandlungen und unterschreibt letztlich einen Vertrag mit Sony BMG. Um die EAV wieder ins Gespräch zu bringen, wird der 2005 Sampler „100 Jahre EAV – Ihr habt es so gewollt!“ produziert. Zwischen 2005 und 2007 folgen die Tour „100 Jahre EAV“, diverse Auftritte im TV und Preise. Für zwei Wochen nach dem letzten Konzert der Tour (29. September 2007 in Bad Füssing) wird das neue Album angekündigt.

Und da ist es nun: „AMORE XL“. Das Thema ist – wie sollte es anders sein – die Liebe. Seit der Gründung vor 30 Jahren hat sich die Band stark verändert, entwickelt. Von Anfang an waren kritische Lieder das Metier der Gruppe, was in den ersten Alben noch sehr stark herauskam. In den 1980er Jahren haben sie es geschafft, ihre Kritik für ein größeres Publikum zu präsentieren, wobei einige Alben eine Mischung darstellten aus „leichteren“ Lieder („An der Copacabana“, „Küss die Hand, schöne Frau“) und harter Kritik („s’Muaterl“, „Burli“). Ob es der EAV gelingt, nach dem Einbruch in den 1990er Jahren wieder an die Erfolge früherer Jahre anzuknüpfen, wird sich zeigen. Aber eines ist sicher: Einige Lieder („Würschtlstand“, „Sofa“, „Spitalo Finalo“, „Samurai“) haben an ihrer Aktualität nichts eingebüßt.

Mehr über die EAV, ihre Platten, die Leute, die Geschichte und dem offiziellen Fanclub gibt es im Internet unter www.eav.at.

Vorratsdatenspeicherung: Maßnahmen für Blogs und Foren

Laut einem Urteil des Amtsgericht Berlin-Mitte darf die IP-Adresse eines Webseitenbesuchers nicht länger gespeichert werden als er sich auf der Seite aufhält. Soll heißen: Laut diesem Urteil muss die IP-Adresse wieder gelöscht werden, sobald ein Besucher eine Webseite wieder verlässt. Was das genau bedeutet, wird auf Advisign sehr schön und fachkompetent erläutert. Dort werden auch ein paar praktische Tipps gegeben, so zum Beispiel, dass man IPs nicht unnötig speichern sollte. Das ergibt bei manchen Programmen, die heute vielfach im Internet im Einsatz sind, ein kleines Problem. Nehmen wir nur WordPress, mit dem auch dieses Blog betrieben wird: die IP-Erfassung vom Kommentatoren ist dort standardmäßig implementiert. Oder phbBB, die Foren-Software, bei der die IP jedes Beitragsschreibers erfasst wird.

Zum Glück kann man da Abhilfe schaffen: Auf daten-speicherung.de gibt es einen Beitrag darüber, wie man diese Funktionen bei MediaWiki (noch so ein Kandidat, bei dem die IPs von Beitragsschreibern erfasst wird) und WordPress deaktivieren kann. Im Fall von WordPress ist das sogar recht einfach, wie wir selbst feststellen durften, einfach das im Beitrag beschriebene Plugin herunterladen, in den Plugin-Ordner von WordPress auf dem Server übertragen, dann im Admin-Menü das Plugin aktivieren – fertig! Schon werden keine IPs mehr abgespeichert.

Für phpBB wird auf einen Beitrag im Wiki von vorratsdatenspeicherung.de hingewiesen. Bei dieser Software ist es nicht ganz so einfach, hier muss eine php-Datei durch eine modifizierte ersetzt werden. Aber auch das ist im Prinzip kein Hexenwerk. Zur Sicherheit ein Backup anlegen, die modifizierte Datei („common.php“) auf den Server hochladen, so dass sie die vorhandene ersetzt und dann überprüfen, ob das Forum noch korrekt arbeitet – et voilà, das war’s. Der entsprechende Beitrag findet sich hier, leider ist der Hinweis auf die Datei, die man sich für die Version phpBB 2.0.22 herunterladen soll, etwas verwirrend, da der Dateiname selbst ohne Link ist. Einen Absatz später wird auf ein zip-Verzeichnis verwiesen, das die Datei für die Version 3.0Beta5 enthält, dieses Verzeichnis enthält auch die Version 2.0.22!

Wir haben uns gleich daran gemacht, die Software von Blog und Forum zu modifizieren, so dass nun keine Speicherung mehr stattfindet. Leider bedeutet das auch das vorläufige „Aus“ für Google Analytics, mit dem wir eigentlich die Zugriffe auf unsere Web-Romane auswerten wollten, denn wie es auf der oben bereits erwähnten Seite von Advisign heißt, ist es laut dem Gericht nicht ausreichend, wenn IPs auf einem gesicherten Server gespeichert werden. Bleibt eigentlich nur übrig, den Ratschlägen am Ende des Beitrags zu folgen, überflüssige IP-Speicherungen abzustellen und ansonsten erst einmal abzuwarten, was sich weiter ergibt.

Krankenkassen und Überwachung: 2057 kommt schneller als gedacht…

Im März diesen Jahres wurden die Folgen der Reihe „2057 – Unser Leben in der Zukunft“ ausgestrahlt. Gleich in der ersten Folge ging es unter anderem um das Gesundheitssystem der Zukunft (ein kritischer Bericht aus diesem Blog findet sich hier). Es wurde ein System der totalen Überwachung gezeigt, bei der die Krankenkassen von einem intelligenten Haussystem den Urin in der Toilette analysieren lassen, um festzustellen, ob ein Versicherter nicht vielleicht einen riskanten Lebensstil hat und sie entsprechend die Beiträge erhöhen müssen. Als die Figur, die beispielhaft in dem Film präsentiert wurde, diese Analyse manipuliert und das herauskommt, werden ihr sofort sämtliche Leistungen gestrichen und sie auf die unterste Stufe des Systems verfrachtet.

„Was heute noch wie ein Märchen klingt…“
Nun sieht es so aus, als würde 2057 noch im Jahr 2007 kommen. Deswegen möchte ich an dieser Stelle auf einen lesenswerten Artikel der „Zeit online“ hinweisen, der sich mit einem Gesetzentwurf beschäftigt, der Ärzte zu Spionen der Krankenkassen machen soll. Laut diesem Gesetzentwurf sollen Ärzte unter Aufhebung der Schweigepflicht dazu verdonnert werden, Krankheiten, die ein Patient selbst verursacht hat, den Krankenkassen anzuzeigen. Zum Beispiel gesundheitliche Folgen von Tätowierungen, Piercings oder Schönheitsoperationen. Doch das sind eben nur ein paar Beispiele, denn laut dem Entwurf sollen „generell“ Erkrankungen gemeldet werden, die sich ein Patient „vorsätzlich“ zugezogen hat. Der Artikel „Vom Sozialstaat zum Kontrollsystem“ findet sich auf ZEIT online.

Burma, Birma, Myanmar (4) – der Tag danach

„Geht die Welt auch unter, das ist uns egal.
Uns is‘ alles wurscht, mir geht’s gut und wie geht’s Ihnen?
(…)
Wir können uns nicht um alles kümmern.
Der Regenwald, der lässt uns ziemlich kalt.“
(aus dem Lied Würschtlstand von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, in dem es um die „Man-kann-ja-eh-nichts-machen“-Haltung geht)

Nun ist die Blogger-Aktion „Free Burma“ gestern also gelaufen – und was haben wir für seltsame Dinge gesehen. Kritik – okay, gehört mit dazu. Und zu den Vorzügen, in einer Demokratie zu leben, gehört es, anderer Meinung zu sein als andere. Niemand war gezwungen, daran teilzunehmen oder positiv darüber zu schreiben. Doch einige Dinge überschritten dann doch die Grenze, einige Blogger, die im Vorfeld hatten durchblicken lassen, dass sie an der Aktion teilnehmen werden, hatten eine eMail mit einer unverhohlenen Drohung erhalten (wir haben hier auf einen entsprechenden Artikel verwiesen; es wurde gedroht, das betreffende Blog werde aus allen Listen und Suchmaschinen – kurz: aus dem Internet – verschwinden). Gleichzeitig wurde die Diskussion mancherorts in eine Richtung gezogen, die man höflich als „ausgesprochen unfreundlich“ bezeichnen kann, Worte wie „Heuchler“ und „Lügner“ fielen, und es wurde das ständige Totschlagargument aus der Schublade gezogen, wer an der Aktion teilnehme, sei ja nur auf Links und Traffic aus. In diesem Zusammenhang fiel auch (mal wieder) das Wort „Linkhu**“.

Immer wieder wurde auf andere Krisengebiete oder die Situation in Deutschland hingewiesen, etwa im Bezug auf die Vorratsdatenspeicherung und ähnlichem. Ehm… hat jemand mitgekriegt, dass seit einiger Zeit die Aktion „Stasi 2.0“ läuft? Dass da eine große Demonstration war? Sich um eine Sache zu kümmern heißt doch nicht zwangsläufig, die anderen Sachen aus den Augen zu verlieren.

Aber wo wir schon von der Situation in Deutschland sprechen, geradezu grotesk wurde es, als verschiedene Kommentare in Blogs auftauchten, die versuchten, Bezüge zu Deutschland herzustellen, wobei sich dabei ein Kommentarschreiber hervortat, der in mehreren Blogs wortwörtlich den gleichen Text einstellte und forderte, bevor man sich um Myanmar kümmerte, solle man doch in Deutschland den so genannten „Volksverhetzungsparagrafen“ abschaffen, weil dieser die Meinungsfreiheit einschränke (gleiche Textbausteine tauchten auch in Kommentar zu anderen Themen, zum Beispiel Berichten über die Verhaftung von Bloggern in Ägypten, auf). Der Gipfel jedoch war die Verunglimpfung des Buddhismus als (Zitat) „Schicki-Micki-Religion der Intellektuellen“. Dazu folgendes: Was die „Intellektuellen“ betrifft [merkwürdig, dass das Wort hier wie ein Schimpfwort gebraucht wird, was ist so schlimm daran, eine gute Bildung zu haben?], der Katholizismus war auch mal nicht gerade eine Religion für das „gemeine Volk“. Oder warum wohl sind die Liturgien des katholischen Gottesdienstes ursprünglich in Latein verfasst? Der Buddhismus kann auf eine Tradition von ca. 2500 Jahren zurückblicken und hat heute weltweit zwischen 350 und 500 Millionen Anhänger. Er steht also auf einer breiten Basis, die Bezeichnung „Schicki-Micki“ versucht aber anzudeuten, dass es sich um einige wenige Gläubige handelt, die noch dazu nur einem kurzweiligen Modetrend folgen. Und übrigens, Kommentar-Spam-Filter mögen es gar nicht, wenn man auf mehreren Blogs immer wieder die gleichen Kommentare einstellt und sorgen dafür, dass der Kommentar irgendwann von vorneherein ausgefiltert wird und ins Daten-Nirwana (Nirwana = ein Begriff aus dem Buddhismus) eingeht.

Ein paar Worte zum Schluss: Ja, es gibt noch sehr viele Baustellen auf dieser Welt. Und ja, auch da dürfen wir nicht wegsehen. Davon hat auch niemand geredet. Es war jetzt eben eine Aktion betreffend Myanmar, die eine so große Resonanz hervorgerufen hat. Und das innerhalb von ein paar Tagen. Das ist nicht als Schlusspunkt gedacht gewesen, sondern mehr als Auftakt. Vielleicht kann man es als Zeichen dafür sehen, welche Möglichkeiten das Internet hat, wenn man sie nur ausschöpft. Möglicherweise ein Schritt zum „Erwachsen werden“ des Internets.
Wer mit seinem Blog an der Aktion teilgenommen hat, kann ja nun mal einen netten Test machen. Es gibt eine Seite, „Great Firewall of China“, wo man ausprobieren kann, ob die eigene Webseite von China aus abgerufen werden kann. Ob die Beiträge über Burma wohl noch ein paar Seiten auf den „Index“ gebracht haben? Die Seite ist hier.

„Burma, Birma, Myanmar (4) – der Tag danach“ weiterlesen

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EUROPA: Über seine Wurzeln und wiederholte Geschichte

Die Mythologie erzählt uns, dass Europe die Tochter des Königs Agenor war, die von Göttervater Zeus in Form eines Stieres nach Kreta entführt wurde. Da Zeus als Stier mit Europe schlief, gebar sie den Minotaurus, ein Wesen, das halb ein Mensch und halb ein Stier war. Doch zuletzt wurde der Erdteil „Europa“ nach ihr benannt.

Viele tausend Jahre später… Europa ist auf der Suche nach einer Identität. Manche Literaten lehnen das Bild der „Europa auf dem Stier“ und seine unterschwellige sexuelle Botschaft inzwischen ab. Ein neuer Gründungsmythos müsse her und einige verweisen auf Aeneas, der von Troja und den Griechen entkam und nach einigen Irrfahrten in Italien landete, wo seine Nachfahren später Rom gründeten. Das sei doch eine schöne Botschaft in einem Mythos verknüpft: Was man uns zerstört (Troja), das bauen wir wieder auf (Rom). Und wenn Politiker über Europa reden, fällt gerne die Phrase von den „christlich-jüdischen Wurzeln“. In großer Vereinfachung wird immer davon geredet, dass die ursprünglichen Völker Europas barbarisch und unzivilisiert waren, bis sie von Rom zivilisiert wurden, zunächst mit dem Schwert, später mit dem Christentum.

Dabei wird übersehen, dass unsere Vorfahren keineswegs die grunzenden Barbaren waren, für die sie gerne gehalten werden. Noch bevor es Juden in Europa gab und das Christentum überhaupt existierte, gab es Gesellschaften, die – entgegen aller späteren Propaganda – erstaunlich weit fortgeschritten waren. Und da liegen die eigentlichen Wurzeln, nach denen wir suchen müssen.

Das Wort „Barbar“ kommt aus dem Griechischen. Für die Griechen klangen fremde Sprachen eigenartig, so dass sie alle „Fremdsprachlinge“ mit dem Begriff „barbari“ versahen, das heißt „die Stotternden“. Dass der Begriff zur Umschreibung für primitive, rohe Volksstämme avancierte, ist der römischen Propaganda zu verdanken, die in ihren Schriften das Imperium hochlobte, während alle anderen Völker niedergemacht wurden. Am deutlichsten ist die Propaganda in Julius Cäsars „De Bello Gallico“ („Vom gallischen Krieg“) zu sehen. Dieses Werk beeinflusste lange Zeit das Bild, das man auch in moderner Zeit von den „Barbaren“ hatte. Cäsar nahm dabei ein Volk aufs Korn: die gallischen Kelten.

Würde man mit Hilfe einer Zeitmaschine zurückreisen in das 1. Jahrhundert vor Christus und einen Einheimischen in Zentraleuropa fragen, ob er wisse, wo man die Kelten finde, so würde der vermutlich keine Antwort haben. Der Begriff „Keltoi“ stammt – mal wieder – von den Griechen und bedeutet „die Tapferen, Edlen“. Aus der Sicht der Kelten gab es die Kelten nämlich nicht, obwohl sie einen ethnischen Kulturraum bildeten, der vom heutigen Spanien über England und Irland, Frankreich, Süddeutschland, Schweiz, Österreich, Ungarn und bis an Schwarze Meer reichte. Aber sie bildeten kein „Reich“, es gab unzählige Siedlungen, die miteinander in Kontakt waren, aber es gab keinen einheitlichen Herrscher. Glaubt man Cäsar, dann waren diese Kelten roh, unzivilisiert, dumme Bauern halt, die dem Römischen Imperium nichts entgegen zu setzen hatten.

Richtig? Falsch! Natürlich ist es schwierig, eine antike Kultur nach modernen Maßstäben zu bewerten. Aber man muss doch sehen, was die Römer als „unzivilisiert“ betrachteten, nämlich dass die Kelten ein anderes Leben führten als sie. Während die römischen Frauen beispielsweise keine Bürgerrechte hatten, sondern Zeit ihres Lebens unter der Aufsicht eines Mannes standen (zuerst des Vaters, eventuell noch eines Bruders, später des Ehemanns) und kein Eigentum besitzen durften, konnten die keltischen Frauen nicht nur Eigentum haben, sie konnten auch Macht erlangen und bei einer unglücklichen Ehe die Scheidung betreiben. In Rom war es üblich, ungewollte Kinder auszusetzen (sinnigerweise berichtet darüber ja sogar der Gründungsmythos der Stadt Rom, mit den Zwillingen Romulus und Remus, die ausgesetzt und von einer Wölfin gesäugt wurden), genossen die Kinder bei den Kelten besonderen Schutz, weil sie als unschuldig galten. Es gab sogar Regelungen über den Umgang mit Alten und Kranken.

Auch was technische Dinge des Alltags betraf, so waren die Kelten nicht so unbedarft, wie sie dargestellt wurden. Zwar bauten sie ihre Häuser aus Holz, aber sie befestigten ihre Städte – zum Beispiel Alesia, das von einem acht Meter hohen Steinwall umgeben war – und sie beherrschten die Kunst des Gold- und Eisenschmiedens. Diese Metalle kamen aus eigenen Bergwerken, die über ganz Frankreich verstreut lagen.

Die Städte der Kelten, die man später „Opida“ nannte, waren über ein Netz von befestigten Straßen miteinander verbunden und es wurde reger Handeln innerhalb des keltischen Raumes, als auch außerhalb, etwa mit Griechenland und Rom, getrieben. Durch ihre Goldminen waren die Kelten so reich, dass sie zum Beispiel selbst keinen Wein anbauten (was man sich angesichts der heutigen französischen Weine kaum vorstellen kann), sondern ihn lieber aus Italien importierten.

Was wollte nun Julius Cäsar in Gallien? Die offizielle Version: da er der Prokonsul von Gallien war, war es seine Aufgabe, Gallien zu beschützen. Aber das ist Geschichte, wie sie von den Siegern geschrieben wurde. Der wahre Grund war wie immer banal: Gallien verfügte über Reichtümer, die Cäsar dem Imperium einverleiben wollte. Also suchte er einen Anlass – und fand ihn: eine angebliche Invasion.

Die Invasion war in Wirklichkeit nur die Wanderung eines Volksstammes der Helveter. Sie wollten sich in einem anderen Gebiet niederlassen und hatten darum gebeten, bei ihrer Wanderung römisches Gebiet zu durchqueren. Cäsar beging einen – aus seiner Sicht – klugen Schachzug: er verweigerte ihnen die Passage durch römisches Gebiet, wodurch die Helveter gezwungen waren, gallisches Gebiet zu betreten. Cäsar gab nun vor, die Gallier vor den Invasoren schützen zu wollen und stoppte den Marsch… indem er von seinen Legionen alle Beteiligten – Männer, Frauen und Kinder – umbringen ließ. Danach schützte er immer größere Teile von Gallien, bis schließlich ganz Gallien erobert war. Ganz Gallien? Ich fürchte ja… leider haben sich auch Asterix und seine Mannen ihm nicht in den Weg gestellt.

Cäsar erwischte die Gallier kalt. Wie gesagt, der keltische Raum war zwar ein Kulturraum, aber es war kein Reich. Jeder Landstrich hatte seinen eigenen Herrscher und Cäsar nahm sie sich einen nach dem anderen vor. Als die Stämme Galliens sich darauf geeinigt hatten, den Krieger Vercingetorix zum Oberhaupt von allen zu machen, war es fast zu spät. Es gelang ihm zwar vor Gergovia, Cäsars Truppen einen Denkzettel zu verpassen, doch sein Waterloo fand Vercingetorix in Alesia.

Hier kann man sehr schön eine Lücke in Cäsars Argumentation ausmachen. Einerseits beschreibt er die Gallier als rohe Bauern, die der Macht des Imperiums nichts entgegen zu setzen hatten, andererseits fuhr er vor Alesia eine unglaubliche Kriegsmaschinerie auf. Er umgab die Stadt mit zwei Belagerungsringen, einen, um die Leute in der Stadt einzuschließen, und einen, um Nachschub von außen zu verhindern. Und das alles nur, um ein paar Bauern aufzuscheuchen? Nein, Cäsar wusste genau, mit wem er es zu tun hatte. Seine Strategie verhalf ihm zum Sieg.

Als Vercingetorix den Frauen, Kindern und Alten befahl, die Stadt zu verlassen und sich in römische Gefangenschaft zu begeben, um so wenigstens zu überleben, weigerte sich Cäsar, den Belagerungsring zu öffnen. Er spekulierte darauf, dass man sie in die Stadt zurückholen würde und dazu musste man natürlich das Tor öffnen. Das hätte eine Möglichkeit für einen Angriff gegeben. Als das nicht geschah, ließen die zivilisierten Römer die barbarischen Kelten vor ihrem Belagerungsring verhungern. Schließlich war es an Vercingetorix – und dieser kapitulierte. Um ihn zu erniedrigen, musste er vor Cäsar knien und seine Waffen niederlegen. Dann wurde er gefangen genommen und nach Rom gebracht.

Damit begann die systematische Auslöschung der gallischen Kultur, so nachhaltig, dass Wissenschaftler späterer Generationen einige Errungenschaften – wie zum Beispiel die Goldminen – für etwas hielten, das die Römer nach Gallien gebracht hatten. In Wirklichkeit war es umgekehrt, was die Römer brauchen konnten, wurde assimiliert (Schmiedekunst oder auch die Kunst, Münzen zu prägen), alles andere romanisisert. Auf den Holzbauten der Gallier entstanden die typisch römischen Steinhäuser, aus den Siedlungen wurden befestigte römische Städte. Der Bericht Cäsars tat sein Übriges, das Bild über die unzivilisierten Barbaren über lange Zeit zu prägen.

Zwei Dinge waren es, die Cäsar bei seinen Unternehmungen in die Hände spielten: die Gallier waren nicht zentral organisiert – und es gab kein Schrifttum. Für Rom gab es also nur seinen eigenen Bericht, wie er den Krieg in Gallien beschrieb. Und der Bericht war – wie gesagt – Propaganda. Sie war geeignet, Cäsars Karriere voranzutreiben und ihn zum Diktator auf Lebenszeit zu machen… bis sein Leben ein jähes Ende fand, als Verschwörer ihn auf den Stufen des römischen Kapitols niederstachen.

Östlich des Rheins gab es noch so ein Volk, in viele Stämme aufgeteilt und von den Römern als genauso barbarisch angesehen: die Germanen. Doch auch diese hatten ein ähnliches Straßennetz aufgebaut wie die Kelten und trieben Handel. Als die Römer in ihr Gebiet eindrangen, verließen sie sich auf ihre bewährte Strategie der Assimilation. Man erzog die Barbaren römisch, indem man sie zum Beispiel in die Armee aufnahm. Manche Menschen, besonders die Söhne von Stammesfürsten, wurden auch verschleppt und zwangsweise in die römische Armee aufgenommen. Die Römer dachten, sie könnten so die Familien der Verschleppten ruhig halten, indem sie garantierten, dass ihnen nichts geschah, so lange die Fürsten in der Heimat sich den Römern unterwarfen. Ein wenig ist hier schon die mafiöse Struktur der Schutzgelderpressung zu sehen, nur dass sich die Römer so vor Aufständen schützen wollten. Mal ganz davon abgesehen, dass sie sich vor den Barbaren als überlegen ansahen. Und ganz ehrlich, nach dem Bild, das von den Germanen gezeichnet wurde, würde man doch denken, ein Aufstand sähe so aus, dass ein paar bärtige Primitive sich Prügel und Äxte schnappen, einer grölt: „Angriff!“ und alle rennen auf die Römer zu und hauen einfach mal drauf. Strategie traut man ihnen nicht zu; und schon gar nicht, dass sie ihren Zorn im Zaum halten können, um einer vernünftigen Strategie zu folgen.

Doch da gibt es ein prominentes Gegenbeispiel: den Cheruskerfürsten Arminius. Er diente in der römischen Armee und kehrte schließlich nach Germanien zurück. Dann wurde dort von Kaiser Augustus (der herrschte um die christliche Zeitenwende) der Senator Publius Quinctilius Varus zum Statthalter ernannt. Der war inzwischen über 50 und durch lange Jahre im Dienst des Imperators bequem geworden. Er ließ die „Barbaren“ deutlich spüren, was er von ihnen hielt, behandelte sie schlecht und forderte Tribute. Außerdem waren es die Einheimischen gewohnt, ihre Fürsten selbst zu bestimmen und auch abzuwählen, wenn sie nicht mehr zufrieden waren. Varus jedoch blieb, wie ein Politiker der Neuzeit, an seinem Amt kleben. Die Wut – was man später als „furor teutonicus“ bezeichnete – gegen ihn Wuchs. Doch statt blindlings loszuschlagen, verfolgte Arminius eine perfide Strategie: er sorgte für kleine Streitigkeiten, die Varus schlichten durfte, um ihn in Sicherheit zu wiegen, während er eine Armee aufstellte. Dann, als die Zeit gekommen war, ließ Arminius eine Falschmeldung über einen Aufstand weiter im Norden verbreiten. Er selbst zog mit einer Armee los, um den Vorfall „zu untersuchen“, wohl wissend, das Varus gezwungen war, ihm zu folgen. In einem den Römern unbekannten Teil des Teutoburger Walds wurden Varus und seine Legionen in einen Hinterhalt gelockt und vernichtend geschlagen. Als Kaiser Augustus das hörte, soll er den berühmten Ausspruch „Vare, legiones redde!“ („Varus, gib die Legionen zurück!“; manche sagen auch „Vare, redde legionem meam!“, also „Varus, gib mir meine Legionen zurück!“) getan haben. Das freilich war ein schwieriges Unterfangen, denn von Varus kam nur der Kopf in Rom an, und ein Kopf ohne Körper ist nicht sonderlich handlungsfähig, außerdem existierten von den Legionen nur noch Knochen, die irgendwo im Teutoburger Wald zu Haufen aufgestapelt waren.

Einem Haufen Barbaren war es also gelungen, die großartige römische Armee zu schlagen. In den Querelen, die darauf folgten, zogen sich die Römer hinter den Rhein zurück.

Zurück zum Anfang des Beitrags: Europa wird klassisch immer aus der Sicht der Griechen und Römer gesehen. Und jene, die sich aufmachen wollen, einen Schöpfungsmythos zu finden, suchen dort danach. Doch wie wir gesehen haben, so einfach ist das nicht. Hätten beispielsweise die Gallier unter Vercingetorix Cäsar geschlagen, wer weiß, wie die Geschichte dann verlaufen wäre. Das bringt uns zu einem Punkt: Es gibt keinen Schöpfungsmythos über Europa. Die Geschichte von Europe und dem Stier hat nichts mit der Kultur Europas zu tun, es geht hier lediglich um die Namensgebung eines Erdteils. Auch Aeneas kann nicht herhalten, selbst wenn das „sich nicht unterkriegen lassen“ ein schönes Bild darstellt. Doch letztlich wird damit einem Imperium mit vielen Schattenseiten gehuldigt, das nicht dem Geist der Vielfalt, sondern der Vereinheitlichung und Assimilierung verschrieben war. Die Römer wollten die „Barbaren“ nicht einmal verstehen. Dass sie über lange Zeit die gleiche Strategie der Romanisierung der unterworfenen Völker anwandten, zeigt, dass sie alle diese Völker in einen Topf warfen und einfach mit dem Stempel „primitiv“ versahen.

Das Problem des Mythos ist, dass die Wurzeln Europas genau so vielfältig und verstreut sind, wie Europa es heute immer noch ist. Niemand in der antiken Welt hatte je an ein Europa gedacht, so wie man heute versucht, es aufzubauen. Die Kelten trieben untereinander und mit anderen Völkern Handel, aber niemand wollte sich zum „Herrscher aller Kelten“ aufschwingen und eine politische Vereinigung des Kulturraums erwirken. Die Römer haben mit Gewalt ihre Kultur verbreitet und alles eingestampft, was dabei im Weg war. Griechenland wandte sich in seiner Blütezeit politisch gesehen nicht nach Europa, sondern nach Asien und Ägypten.

Aeneas, Gaius Julius Cäsar, Vercingetorix, Arminius, Alexander der Große… sie alle haben zu ihrer Zeit ihre Spuren hinterlassen. Doch als Gründer eines modernen Europas taugen sie nicht. Ihre Zeit ist vorbei. Und kein mythischer Held erhob sich, damit 1957 die Römischen Verträge unterschrieben werden konnten. Das Europa von heute ist und bleibt ein Kind unserer Zeit.

Die Wurzeln aber sind vielfältig, und das ist gut so, denn ein Baum, der viele verästelte Wurzeln hat, der hat einen besonders sicheren Stand. Und aus unserer eigenen Kultur und Geschichte können wir sehr viel lernen, wenngleich sich die Geschichte trotz allem immer mal wieder wiederholt. Da brauchen wir gar nicht so arrogant in die weit entfernte Vergangenheit blicken, wir tun es immer noch. Ein Gaius Julius Cäsar brauchte einen Vorwand, um Gallien „beschützen“ zu dürfen, obwohl er in Wahrheit an dessen Rohstoffquellen wollte – er fand einen und eroberte das Land. Kommt uns das nicht bekannt vor?

Wenn wir also Europas Wurzeln fassen wollen, müssen wir allen Kulturen des Kontinents ihr Recht einräumen. Was den Gründungsmythos betrifft, da müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass irgendjemand in der Antike auch nur ansatzweise ein Bild von Europa im Kopf hatte, wie wir es heute zu schaffen versuchen. Diese Verantwortung liegt bei uns.

WIR SIND EUROPA!

Web 2.0: So macht man das heute

Es war einmal vor langer Zeit, da haben wir uns in diesem Blog schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie man wohl die Reichweite und Hörbarkeit des eigenen Blogs etwas anheben kann. Zwar sind die Rufe von damals schon lange verhallt, aber gerade in diesen Tagen wird das Web 2.0 ganz in diesem Sinne ausgespielt…

Infopirat und Datenschmutz haben eine Aktion eröffnet, mit der man das Verbreitungsgebiet seines Blogs – und seine Autorität – wesentlich vergrößern kann. Das Zauberwort lautet: Technorati. Auf dieser Plattform kann man andere Seiten als seine Favoriten abspeichern. Nun ist die Idee: wenn sich einige Leute gegenseitig in die Favoritenlisten aufnehmen, wird damit deren Autorität erhöht.

Also: Wer dies liest und spontan begeistert von der Idee ist, seinem Blog etwas mehr Backlinks zu gönnen, der möge an der Aktion teilnehmen. Es läuft folgendermaßen:

  1. Mach Infopirat und datenschmutz sowie dieses Blog zu deinen Favoriten bei Technorati.
  2. Schreibe einen kleinen Beitrag bei Dir zum Thema Technorati Blogkette und fordere Deine Leser auf daran teilzunehmen (und auch zu Dir zu linken)
  3. Verlinke diesen, diesen und den Beitrag, den du gerade liest.
  4. Infopirat und datenschmutz checken bei Technorati, ob Du sie verlinkt hast und fügen Dich dann ihren Favoriten bei Technorati hinzu. Das gleiche tun die Betreiber des ASTROCOHORS-Blogs.
  5. Sollte wir Dich übersehen, oder Du möchtest das ganze gerne beschleunigen, schreib hier einen Kommentar und füge Deinen “Add to Technorati” Link ein (das gleiche gilt für das Blog von Infopirat und datenschmutz, Links zu den Beiträgen siehe unter Punkt 3).

Wem die ganze Aktion noch nicht einleuchtet, der kann sie in den verlinkten Beiträgen nochmal nachlesen. In diesem Sinne: Fröhliches Bloggen!

Nachtrag: Die Sache zieht Kreise. Hier eine Tabelle mit dem Zwischenstand der teilnehmenden Blogs (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!):

BlogBeitragFav Link
ricdes dot comhttp://www.ricdes.com/blog/…Add to Technorati Favorites
Datenschmutzhttp://blog.datenschmutz.net/2007-08/…Add to Technorati Favorites
Wort|ge|fecht, dashttp://www.wortgefecht.net/…Add to Technorati Favorites
aptgetupdate.dehttp://www.aptgetupdate.de/…Add to Technorati Favorites
Seven.luhttp://www.seven.lu/blog…Add to Technorati Favorites
Draussen nur Kännchenhttp://kaennchen-blog.de/…Add to Technorati Favorites
teh geekosphere.orghttp://geekosphere.org/…Add to Technorati Favorites
Wissen belastethttp://wissenbelastet.com/…Add to Technorati Favorites
geocaching-blog.dehttp://geocaching-blog.de/…Add to Technorati Favorites
Goggi-Bloghttp://goggiblog.blogspot.com/…Add to Technorati Favorites
Anwälte in Vulkane werfenhttp://www.anwaelte-in-vulkane…Add to Technorati Favorites
Vienna22http://www.duba.at/…Add to Technorati Favorites
Kropihttp://www.kropi.de/2007/08/…Add to Technorati Favorites
Pascalmhhttp://pascalmh.de/index.php…Add to Technorati Favorites
Tipps-Archivhttp://www.tipps-archiv.de/technorati…Add to Technorati Favorites
Onmecohttp://www.onmeco.de/blog/smo/t…Add to Technorati Favorites
Greensmilies.comhttp://www.greensmilies.com/2007/08/04/…Add to Technorati Favorites
Blogformoney.dehttp://www.blogformoney.de/?p=93Add to Technorati Favorites
Ulf Theis Webdesignhttp://www.ulf-theis.de/internet/…Add to Technorati Favorites
Troll-Bloghttp://trollblog.de/technora…Add to Technorati Favorites
Alles Was Bewegthttp://alleswasbewegt.de/2007/08/04/…Add to Technorati Favorites
one59http://one59.wordpress.com/2007/08/03…Add to Technorati Favorites
Store4dogshttp://www.store4dogs.at/blog/…Add to Technorati Favorites
Voll Dollhttp://volldoll.de/?p=154Add to Technorati Favorites
Baynado’s Suchmaschinenbloghttp://www.baynado.de/blog/…Add to Technorati Favorites
Prinzzess’ Allerleihttp://www.prinzzess.biz/2007/08/04/…Add to Technorati Favorites
Das Phantastische Projekthttp://phantastik.wordpress.com/2007/08/04/…Add to Technorati Favorites
ASTROCOHORShttp://blog.astrocohors.de/?p=114Add to Technorati Favorites
Daves Bloghttp://dmay.net/blog/blogkette…Add to Technorati Favorites
Vielohrsophenhttp://vielohrsophen.de/2007/08/04/…Add to Technorati Favorites
Waiting for Annahttp://waiting.avengelina.de/?p=37Add to Technorati Favorites
Momworxhttp://momworx.de/blog-kette…Add to Technorati Favorites

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