„Gib mir den Ring!“ – Tendenzielle Berichte, Vorratsdatenspeicherung und Klimaschutz

„Gandalf, Elrond – all diese Leute haben Dir das beigebracht. Für sie selbst mag es richtig sein. Diese Elben und Halbelben und Zauberer würden vielleicht zu Schaden kommen. Indes bin ich mir of im Zweifel, ob sie eigentlich weise sind oder bloß zaghaft. Doch jeder nach seiner Art. Aufrechte Menschen lassen sich nicht verführen. Wir in Minas Tirith sind in langen Jahren der Prüfung standhaft geblieben. Wir trachten nicht nach der Macht von Zauberern, sonder nur nach Stärke, um uns zu verteidigen, Stärke für eine gerechte Sache. Und siehe da! In unserer Not bringt der Zufall den Ring der Macht ans Licht. Es ist ein Geschenk, sage ich; ein Geschenk für die Feinde von Mordor. Es ist Wahnsinn, ihn nicht zu gebrauchen, die Macht des Feindes nicht gegen den Feind zu gebrauchen. Die Furchtlosen, die Mitleidlosen allein werden den Sieg erringen. (…) Wie ich die Heere von Mordor zurücktreiben wollte und wie sich alle Männer unter mein Banner scharen würden!“
(Boromir von Gondor zu Frodo in „Der Herr der Ringe, Band 1: Die Gefährten“)

In einem anderen Bericht in diesem Blog habe ich schon einmal über Tolkiens „Herrn der Ringe“ geschrieben und darüber, was in diesem modernen Mythos steckt (siehe hier). Tolkien hat viel in das Konzept des „Einen Ringes“ gesteckt, so dass es zugleich komplex und doch auf den Punkt gebracht ist. Eine einfache Gleichsetzung, etwa dass der Ring ein Symbol für die Atomkraft und ihre Gefahren ist, wird dem nicht gerecht. In meinem vorigen Beitrag habe ich versucht, das Konzept mit „Möglichkeit, einen einfachen Weg zum Ziel zu gehen“ zu umschreiben, denn „Macht“ klingt immer gleich sehr hochtrabend. In diesem Beitrag habe ich drei aktuellere Beispiele zusammengetragen, in der es genau um dieses Thema, das der „Eine Ring“ in sich vereinigt, geht.

Wie ist das noch gleich mit den Magazinen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die kritisch nachfragen und Recherche betreiben? Sie haben einen gewissen „Glaubwürdigkeitsbonus“. Man erwartet von ihnen, dass Beiträge, die in diesen Magazinen ausgestrahlt werden, belegbare Aussagen enthalten, objektiv und nicht manipulativ sind. Nun hat ein junger Mensch einen Beitrag bei YouTube eingestellt, in dem er die Berichte dreier solcher Magazine kritisch auseinandernimmt (siehe hier). Das Thema sind die immer wieder beliebten „Killerspiele“ und ein mögliches Verbot von ihnen. Alle drei Berichte sind überaus kritisch. Nun, das kann man bei diesem Thema sicher sein. Allerdings bedienen sich die Reporter dabei Mittel, die man zumindest als „grenzwertig“ einstufen kann. Sie dramatisieren, stellen Behauptungen auf und an einer Stelle wird gar das Lachen eines Spielers in einen Bericht eingefügt, so dass der Eindruck entsteht, dieser Spiele freue sich über das Töten einer Spielfigur. An anderer Stelle kommt ein Experte zu Wort, der nach dem Inhalt von „World Of Warcraft“ gefragt wird – und ein Militärspiel beschreibt, während „WoW“ ja eigentlich ein Fantasy-Spiel ist. Auch wird nicht ganz klar, worum es den Berichten eigentlich geht. Einerseits wird über so genannte „Ego-Shooter“ hergezogen, dann aber kommen Spiele wie „World Of Warcraft“ mit dazu. In einer Stellungnahme meint einer der verantwortlichen Redakteure, es wäre in dem Bericht um „Metzelspiele“ im Allgemeinen gegangen. [Schriftlicher Beitrag zu dem Video hier, Stellungnahme zu dem Video vom Redakteur von „Frontal 21“ hier, Kommentar und Diskussion im Blog von Stefan Niggemeier hier]
Wo liegt hierbei die Parallele zum Ring? Nun, den Beiträgen ist deutlich anzumerken, worum es den „Machern“ ging: um eine Diskussion über – wie sie es nennen – „Metzelspiele“. Und tatsächlich kann man sich bei manchen der Spiele wirklich die Frage stellen, ob die explizite Darstellung von Gewalt so sein muss. Aber die Macher gehen einen Schritt zu weit, denn man kann die Beiträge stärken, indem man trickst. Mit Verweisen auf Amokläufer, die angeblich das Zielen mit Hilfe solcher Spiele geübt haben, mit Bildern von Spielern, die sich angeblich über das Gemetzel freuen, soll der Zuschauer in eine bestimmte Richtung gebracht werden. Anstatt sich die Mühe zu machen, mit differenzierten Argumenten zu arbeiten, die es sicher gäbe, geht man den leichten Weg, Stimmung zu machen. Das Problem liegt hier im Kern der Sache: Die Diskussion über die Folgen – oder auch den (vermeintlich) großen Erfolg – von „Killer-“ oder „Metzelspielen“ kann sehr schnell ausarten und zu einer Diskussion über die Gesellschaft im Allgemeinen werden. Sowas passt aber schlecht in einen Magazinbericht, der maximal sechs bis zehn Minuten lang sein darf.
Dass man mit Tricks arbeitet, macht den Verantwortlichen aber kein schlechtes Gewissen, im Gegenteil: Beispielsweise werden die Einwände um das in den Beitrag eingeschobene vermeintliche Lächeln eines Spielers über die Metzeleien von der Redaktion abgelehnt mit den Hinweis, dergleichen sei „üblich“. Frei nach dem Motto, „wir dürfen das machen, denn wir sind ja die Guten“. Oder um es mit den Worten aus dem „Herrn der Ringe“ zu sagen: „Für eine gerechte Sache.“

Bleiben wir gleich bei dem Spruch von der „gerechten Sache“, denn das zweite Beispiel dreht sich um die vor kurzem von unseren „Volksvertretern“ beschlossene Vorratsdatenspeicherung. Angeblich ging es ja am Anfang mal um Terroristen, die man so besser aufspüren könne. Doch inzwischen haben die Bundesländer angemeldet, sie hätten auch gern Zugriff auf die Daten. Ach ja, und wo wir gerade dabei sind… Raubkopierer könnte man doch auch mit diesen Daten ausfindig machen…
Und wieder kein schlechtes Gewissen. In einer Diktatur, ja, da wäre so ein Mittel gefährlich, aber wir, wir sind doch die Guten, nicht wahr?
Mehr möchte ich dazu nicht verlieren, da gibt es einen ganz anderen Beitrag, der das ganze gut auf den Punkt bringt, beim Spiegelfechter (siehe hier).

Auch das dritte Beispiel handelt von der „gerechten Sache“, die etwas rechtfertigt: Seit einiger Zeit kooperieren der „World Wide Fund for Nature“ („WWF“), BUND und Greenpeace mit der „Bild“-Zeitung. Die Umwelt-Organisationen erhoffen sich dadurch, Menschen zu erreichen, die sie sonst nicht erreichen könnten. Ein „Highlight“ – im wahrsten Sinne des Wortes – dieser Zusammenarbeit ist die demnächst stattfindende Aktion „Licht aus! Für unser Klima“, bei der man für fünf Minuten alle Lichter ausmachen soll, um dem in Bali stattfindenden Klimagipfel ein Zeichen zu senden (Stefan Niggemeier nimmt das zum Anlass, hier seine Fördermitgliedschaft bei Greenpeace zu kündigen, und hier stellt er die – berechtigte – Frage, ob eine Zeitung, deren Chef die Bemühungen um das Klima eher als Hysterie einschätzt, der richtige Partner ist).
Das BILDBlog hat die teils merkwürdigen Ansichten der „Bild“ über Klimaschutz dokumentiert (unter anderem hier), und daher gibt es nicht ganz unberechtigt Stimmen von Aktivisten, die die Glaubwürdigkeit der Umwelt-Verbände in Gefahr sehen (Bericht siehe hier).

Der Eine Ring begegnet uns immer wieder. Die Sängerin Heather Alexander sagt auf der Bühne im Vorwort zu ihrem Lied „The Golden Ring„, dass es eine Seite in jedem von uns gibt, die auf die Versuchungen des Ringes anspricht. Wir reden nicht gerne darüber, aber es gibt sie. Denn es gibt in jedem das Drängen, den einfachen Weg zu beschreiten. Das gilt für die großen Dinge genauso wie für die kleinen Dinge. Die Diskussion um „Metzelspiele“ mag notwendig sein – muss sie aber deswegen dramatisiert werden? Ist die Vorratsdatenspeicherung wirklich notwendig, wie manche Politiker immer wieder behaupten? Brauchen die Umweltverbände diese Aktionen? Um welchen Preis erkauft man sich das Ziel, das man sich mit seiner Aktion erhofft – die so genannte „gerechte Sache“? Und wie ist es später, beim nächsten Mal? Möglicherweise fällt es einem leichter, wieder den einfachen Weg zu gehen. Daraus entwickelt sich dann eine scheinbar einfache Sache, eine harmlose Angewohnheit, die einem leicht fällt…

…so leicht, wie sich einen goldenen Ring an den Finger zu stecken…

Update: Bei Stefan Niggemeier kann man nachlesen, dass die Kooperation von Greenpeace unter anderem auch einen eigenen prominenten Mitstreiter gekostet hat – Klaus Staeck, Grafiker und Verleger kehrt der Organisation den Rücken. Mehr und genaueres steht hier.

Krankenkassen und Überwachung: 2057 kommt schneller als gedacht…

Im März diesen Jahres wurden die Folgen der Reihe „2057 – Unser Leben in der Zukunft“ ausgestrahlt. Gleich in der ersten Folge ging es unter anderem um das Gesundheitssystem der Zukunft (ein kritischer Bericht aus diesem Blog findet sich hier). Es wurde ein System der totalen Überwachung gezeigt, bei der die Krankenkassen von einem intelligenten Haussystem den Urin in der Toilette analysieren lassen, um festzustellen, ob ein Versicherter nicht vielleicht einen riskanten Lebensstil hat und sie entsprechend die Beiträge erhöhen müssen. Als die Figur, die beispielhaft in dem Film präsentiert wurde, diese Analyse manipuliert und das herauskommt, werden ihr sofort sämtliche Leistungen gestrichen und sie auf die unterste Stufe des Systems verfrachtet.

„Was heute noch wie ein Märchen klingt…“
Nun sieht es so aus, als würde 2057 noch im Jahr 2007 kommen. Deswegen möchte ich an dieser Stelle auf einen lesenswerten Artikel der „Zeit online“ hinweisen, der sich mit einem Gesetzentwurf beschäftigt, der Ärzte zu Spionen der Krankenkassen machen soll. Laut diesem Gesetzentwurf sollen Ärzte unter Aufhebung der Schweigepflicht dazu verdonnert werden, Krankheiten, die ein Patient selbst verursacht hat, den Krankenkassen anzuzeigen. Zum Beispiel gesundheitliche Folgen von Tätowierungen, Piercings oder Schönheitsoperationen. Doch das sind eben nur ein paar Beispiele, denn laut dem Entwurf sollen „generell“ Erkrankungen gemeldet werden, die sich ein Patient „vorsätzlich“ zugezogen hat. Der Artikel „Vom Sozialstaat zum Kontrollsystem“ findet sich auf ZEIT online.

Burma, Birma, Myanmar (4) – der Tag danach

„Geht die Welt auch unter, das ist uns egal.
Uns is‘ alles wurscht, mir geht’s gut und wie geht’s Ihnen?
(…)
Wir können uns nicht um alles kümmern.
Der Regenwald, der lässt uns ziemlich kalt.“
(aus dem Lied Würschtlstand von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, in dem es um die „Man-kann-ja-eh-nichts-machen“-Haltung geht)

Nun ist die Blogger-Aktion „Free Burma“ gestern also gelaufen – und was haben wir für seltsame Dinge gesehen. Kritik – okay, gehört mit dazu. Und zu den Vorzügen, in einer Demokratie zu leben, gehört es, anderer Meinung zu sein als andere. Niemand war gezwungen, daran teilzunehmen oder positiv darüber zu schreiben. Doch einige Dinge überschritten dann doch die Grenze, einige Blogger, die im Vorfeld hatten durchblicken lassen, dass sie an der Aktion teilnehmen werden, hatten eine eMail mit einer unverhohlenen Drohung erhalten (wir haben hier auf einen entsprechenden Artikel verwiesen; es wurde gedroht, das betreffende Blog werde aus allen Listen und Suchmaschinen – kurz: aus dem Internet – verschwinden). Gleichzeitig wurde die Diskussion mancherorts in eine Richtung gezogen, die man höflich als „ausgesprochen unfreundlich“ bezeichnen kann, Worte wie „Heuchler“ und „Lügner“ fielen, und es wurde das ständige Totschlagargument aus der Schublade gezogen, wer an der Aktion teilnehme, sei ja nur auf Links und Traffic aus. In diesem Zusammenhang fiel auch (mal wieder) das Wort „Linkhu**“.

Immer wieder wurde auf andere Krisengebiete oder die Situation in Deutschland hingewiesen, etwa im Bezug auf die Vorratsdatenspeicherung und ähnlichem. Ehm… hat jemand mitgekriegt, dass seit einiger Zeit die Aktion „Stasi 2.0“ läuft? Dass da eine große Demonstration war? Sich um eine Sache zu kümmern heißt doch nicht zwangsläufig, die anderen Sachen aus den Augen zu verlieren.

Aber wo wir schon von der Situation in Deutschland sprechen, geradezu grotesk wurde es, als verschiedene Kommentare in Blogs auftauchten, die versuchten, Bezüge zu Deutschland herzustellen, wobei sich dabei ein Kommentarschreiber hervortat, der in mehreren Blogs wortwörtlich den gleichen Text einstellte und forderte, bevor man sich um Myanmar kümmerte, solle man doch in Deutschland den so genannten „Volksverhetzungsparagrafen“ abschaffen, weil dieser die Meinungsfreiheit einschränke (gleiche Textbausteine tauchten auch in Kommentar zu anderen Themen, zum Beispiel Berichten über die Verhaftung von Bloggern in Ägypten, auf). Der Gipfel jedoch war die Verunglimpfung des Buddhismus als (Zitat) „Schicki-Micki-Religion der Intellektuellen“. Dazu folgendes: Was die „Intellektuellen“ betrifft [merkwürdig, dass das Wort hier wie ein Schimpfwort gebraucht wird, was ist so schlimm daran, eine gute Bildung zu haben?], der Katholizismus war auch mal nicht gerade eine Religion für das „gemeine Volk“. Oder warum wohl sind die Liturgien des katholischen Gottesdienstes ursprünglich in Latein verfasst? Der Buddhismus kann auf eine Tradition von ca. 2500 Jahren zurückblicken und hat heute weltweit zwischen 350 und 500 Millionen Anhänger. Er steht also auf einer breiten Basis, die Bezeichnung „Schicki-Micki“ versucht aber anzudeuten, dass es sich um einige wenige Gläubige handelt, die noch dazu nur einem kurzweiligen Modetrend folgen. Und übrigens, Kommentar-Spam-Filter mögen es gar nicht, wenn man auf mehreren Blogs immer wieder die gleichen Kommentare einstellt und sorgen dafür, dass der Kommentar irgendwann von vorneherein ausgefiltert wird und ins Daten-Nirwana (Nirwana = ein Begriff aus dem Buddhismus) eingeht.

Ein paar Worte zum Schluss: Ja, es gibt noch sehr viele Baustellen auf dieser Welt. Und ja, auch da dürfen wir nicht wegsehen. Davon hat auch niemand geredet. Es war jetzt eben eine Aktion betreffend Myanmar, die eine so große Resonanz hervorgerufen hat. Und das innerhalb von ein paar Tagen. Das ist nicht als Schlusspunkt gedacht gewesen, sondern mehr als Auftakt. Vielleicht kann man es als Zeichen dafür sehen, welche Möglichkeiten das Internet hat, wenn man sie nur ausschöpft. Möglicherweise ein Schritt zum „Erwachsen werden“ des Internets.
Wer mit seinem Blog an der Aktion teilgenommen hat, kann ja nun mal einen netten Test machen. Es gibt eine Seite, „Great Firewall of China“, wo man ausprobieren kann, ob die eigene Webseite von China aus abgerufen werden kann. Ob die Beiträge über Burma wohl noch ein paar Seiten auf den „Index“ gebracht haben? Die Seite ist hier.

„Burma, Birma, Myanmar (4) – der Tag danach“ weiterlesen

Burma – eine Blogger-Aktion (3) und der Tag der deutschen Einheit

Nun steht also fest, was aus der Blogger-Aktion wird: Am morgigen Tag wird mit nur einem einzigen Beitrag auf die Situation in Burma hingewiesen. Die Aktion ist inzwischen richtig groß geworden, was natürlich auch Kritiker auf den Plan ruft. Nun darf man kritisch sein, das ist das Vorrecht in unserer Gesellschaft – zumindest hier. Aber die Kritik nimmt teilweise schon groteske Züge an und wird unsachlich. Allem voran wird natürlich das „Totschlagargument“ gebraucht, die Leute, die sich an der Aktion beteiligen, wollen vorrangig Traffic, Links, Trackbacks. In der Wissenswerkstatt gibt es dazu einen sehr schönen Artikel, der die Argumente der Gegner einer solchen Aktion beleuchtet und interessante Gegenfragen stellt. Noch dazu ist dieser Artikel völlig unaufgeregt und sachlich, was man von einigen Kritiken nicht behaupten kann (der Artikel ist hier). Was nämlich einigen Bloggern entgegenschlägt, sind perfide Drohungen. Wehe, man beteilige sich an der (Zitat) „schwachsinnigen SEO-Aktion“, dann würde man die Konsequenzen tragen müssen. Darüber berichtet Blogging Tom hier. Und einer derjenigen, die die Aktion mit ins Leben gerufen haben, nämlich Robert Basic, schreibt hier über die Kritik daran und die Verantwortung hinter „Free Burma“.

Ich habe mir indessen meine eigenen Gedanken gemacht und jeder mag sich dazu seine eigene Meinung bilden. Ich habe mir Gedanken gemacht, warum uns ausgerechnet diese Ereignisse zu so einer Aktion bewegen. In einem haben die Kritiker zweifellos recht: Auf unserer Erde gibt es genügend Krisenherde. Warum ausgerechnet Burma? Was uns Deutsche betrifft, so habe ich den Eindruck, dass wir stark an unsere eigene Vergangenheit erinnert werden. Nur um das mal auszudrücken: Heute ist der „Tag der deutschen Einheit“. Und dass Deutschland wiedervereinigt ist, dass hat auch mal genau so angefangen wie in Burma: mit friedlichen Protesten. Ich selbst war damals gerade in der weiterführenden Schule nach der Mittleren Reife. Für die Prüfung der Mittleren Reife (1987) habe ich noch gelernt, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass es eine Wiedervereinigung in irgendeiner Form in nächster Zukunft geben werde und die beiden deutschen Staaten noch lange weiter existieren würden. Gerade mal drei Jahre später ist dieses Wissen Makulatur. Dass die Geschichte – oder das Schicksal, wie auch immer man das sehen will – es dabei mit den Deutschen recht gut gemeint hat, wird uns durch die Bilder von Burma wieder einmal drastisch vor Augen geführt. Es war nämlich keineswegs sicher, dass die Demonstrationen in der DDR von 1989 so glimpflich ablaufen, wie sie letztlich abgelaufen sind. Vor allem Erich Honecker, damals noch Staatsratvorsitzender, befürwortete eine „chinesische Lösung“ (bezogen auf das Massaker am Tian’anmen, bei dem im gleichen Jahr ein paar Monate zuvor die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen wurde). Seine Untergebenen waren es, die teilweise Befehle abmilderten, von dem Einsatz von Panzern abrieten und schließlich, als er weiter auf die harte Linie drängte und sich Reformen verweigerte, ihn absetzten. Hätte es unter diesen Leuten nur ein paar gegeben, die auf Honeckers Linie gewesen wären, hätte es auch anders ausgehen können.

Möglicherweise ist es das, was gerade wir Deutschen in Burma sehen: die „dunkle Variante“ unserer eigenen Geschichte, friedliche Proteste für eine Verbesserung der Lebensqualität, die von einem uneinsichtigen Regime mit aller Gewalt niedergeschlagen werden. Zum Glück kam es bei uns nicht dazu.

Deswegen werden wir von diesem Blog bei der Aktion dabei sein. Mehr Informationen gibt es hier: Free Burma!

Burma, Birma, Myanmar – eine Blogger-Aktion (2)

Zu den Zeiten, als das Telefon die einzige Möglichkeit war, sich schnell mit anderen Menschen überall auf dem Globus verständlich zu machen, benutzte man die Redewendung „die Drähte laufen heiß“, wenn man damit ausdrücken wollte, dass viele Menschen sehr viele wichtige Telefonate zu führen hatten. Das war meistens nach Katastrophen oder politisch einschneidenden Ereignissen. Heute möchte ich diese Redewendung wieder auferstehen lassen, denn in der Tat, die Drähte laufen heiß um die Blogger-Aktion für Burma (wir schrieben hier darüber), die sich mittlerweile zu einem Aktionstag ausgewachsen hat. Angedacht ist der 4. Oktober 2007 als Termin und es wurde darum gebeten, es weiterzugeben und möglichst viele Blogger / Webseitenbetreiber zu informieren. Und da darüber schon so viel geschrieben wurde, möchten wir hier einige Berichte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) über den Aktionstag auflisten, womit gezeigt werden soll, es ist keine kleine Aktion mehr, es wächst:

Basic Thinking Blog: Action: Burma VI
Teddykrieger: Blogger-Tag „Free Burma“ am 04.10.
Visualtainment.at: Aktion „Free Burma“ läuft an
Johannes: Free Burma
Upload-Magazin: Blog-Aktion „Free Burma“
Wissen macht nix: Was in Burma passiert…
trndblog: One Text for Burma
Blogging Tom: Free-Burma-Aktionstag am 4. Oktober
Webmaster Blog: Bloggen für Burma
B-Seite: Blogger bewegen: Free-Burma-Aktionstag am 4. Oktober 2007

Burma, Birma, Myanmar – eine Blogger-Aktion

Das Phantastische Projekt, in dessen Blog Sie gerade lesen, handelt von Zukunftsvisionen. Die Geschichte von morgen, wie sie sein könnte, wobei das „Heute“ nicht außer acht gelassen wird. Natürlich haben wir viel diskutiert, wie diese Zukunftsvision aussehen könnte und wir haben uns letztlich für eine positive entschieden. Man mag uns Optimismus zum Vorwurf machen, aber so sind wir nun mal. Damit aber diese positive Zukunftsvision auf den Weg gebracht werden kann, vielleicht einmal wahr zu werden, gilt es, in der Gegenwart ein paar Entscheidungen zu treffen, die die Zukunft beeinträchtigen können.

Damit sind wir beim Thema: Derzeit wird die Situation in Burma (oder Myanmar, wie die eigene Militärjunta dieses Land benennt) immer unübersichtlicher. Friedliche Proteste von buddhistischen Mönchen und Sympathisanten sind in den Kugelhagel der Militärregierung geraten. Ausgerechnet ein Satire-Blog meldet sich nun zu Wort bittet in einem Artikel, der extra mit dem Zusatz „Satirefrei“ versehen wurde, um Unterstützung bei einer Blogger-Aktion. Da wir die letzten Tage schon überlegt haben, in welcher Form wir dieses Thema hier ansprechen sollen (dass wir es ansprechen müssen, war von Anfang an klar), scheint uns dies nun der geeignete Moment und die geeignete Aktion zu sein. Denn in dem Artikel (siehe hier) des Lupe-Blog wird nicht nur dazu aufgerufen, als Blogger die friedlichen Proteste zu unterstützen, sondern es werden auch die Ereignisse in Burma anhand einer Fotostrecke dargelegt. Es werden außerdem weitere Unterstützer genannt und Quellen, in denen man sich noch mehr informieren kann. Auch wir unterstützen die Aktion und weisen nochmals darauf, wo man die Fotos und weitergehende Informationen finden kann:

 http://swiss-lupe.blogspot.com/2007/09/blogger-fr-burma-untersttzungsaktion.html

Nachlese: Blicke auf die Demonstration „Freiheit statt Angst“ vom Samstag

Nachdem offenbar auch Nachrichtenagenturen auf falsche Teilnehmerzahlen hereingefallen sind und Magazine (gedruckt und im TV) die Demonstration „Freiheit statt Angst“ gegen den „Überwachungswahn“ für nicht so wichtig hielten, als dass man ihr angemessenen Raum geboten hätte, hier eine kleine Auslese von Berichten. Leider kam es – wie schon häufiger – am Rand der Demonstration zu Rangeleien. Auch darüber geben die Berichte ein Bild ab:

freiheitstattangst.de – Der ursprüngliche Aufruf zur Demonstration

heise online: „Tausende Bürger demonstrieren für ‚Freiheit statt Angst'“

netzpolitik.org: „Größte Demonstration für mehr Datenschutz seit 20 Jahren“ und „Meine Rede bei der ‚Freiheit statt Angst‘-Demonstration“

farliblog: „‚Freiheit statt Angst‘-Demo in Berlin“ [hier ist besonders die Diskussion zur Demo in den Kommentaren interessant]

silentblog: „Demo für mehr Datenschutz und Freiheit“ [nennt die Seiten, die mit unterschiedlichen Teilnehmerzahlen hantieren]

Blog Age: „Ganz offline: Demo gegen Datenspeicherung“ [verweist auf weitere Berichte und Seiten mit Bildern]

klitsch.net: „15000 waren heute auf der Straße“ [mit Bildern der schönsten Schäuble-Parodien, u. a. als „Big Brother“ aus „1984“]

Hanno’s Blog: „Der doofe Block“ [über die Provokateure der Rangeleien – auf Seiten der Demonstranten und der Staatsmacht]

Und irgendwann kam der Tag…

„Und irgendwann kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko zu blühen.“
Anaiis Nin

Ob es wohl gerade die Zeit für Änderungen und Umwälzungen ist? Vor ein paar Tagen hat der Internet-Dienst „Blogscout“ ziemlich überraschend seine Arbeit eingestellt und wird auf Ende September völlig verschwinden. Dirk Olbertz, der diesen Dienst ins Leben gerufen hat, nennt dafür durchaus nachvollziehbare Gründe. Er wollte einen Wegweiser durch die so genannte „Blogosphäre“ schaffen, wurde diesem Anspruch selbst aber nicht gerecht, da der „Longtail“, also die Blogs, die nicht so viele Leser und Beachtung haben, völlig untergingen, während die „üblichen Verdächtigen“, die sowieso schon hohe Zugriffszahlen haben, stets und scheinbar unverrückbar festbetoniert die vordersten Plätze der Hitliste einnahmen. Eigentlich war seine Absicht gewesen, hier etwas Bewegung hinein zu bringen. Nachdem ihm dies nicht gelungen war und er auch keine Möglichkeit sah, das zu ändern, stellt Dirk Olbertz den Dienst nun ganz ein, ohne ihn zu verkaufen. Ein mutiger und angesichts der Lücke zwischen eigenem Anspruch und Realität auch konsequenter Schritt. Danke auch von dieser Stelle für den Service.

Auch wir können nachvollziehen, dass es nicht einfach ist, aber dass man gewisse Schritte manchmal einfach gehen muss, um ein Ziel zu erreichen, denn wie es im Zitat zum Anfang dieses Beitrags heißt: „Und irgendwann kam der Tag…“ . Bei uns ist das genau so, dieses Projekt hat gerade in diesem Jahr einige Änderungen und Wandlungen erfahren, die einiges, das wir aufgebaut hatten, ziemlich über den Haufen geworfen haben. So haben wir uns an der „Technorati“-Link-Kette mit dem „Phantastischen Blog“ beteiligt, allerdings, als dieses noch bei WordPress direkt lag. So schnell kamen neue Ideen auf, dass wir damals noch nicht ahnten, dass das Blog bald wieder Geschichte sein würde. Aber so ist es gekommen. Möglicherweise liegt das an unserem 20. Jubeljahr, dass wir besonders kreativ und experimentierfreudig sind. Aber wir hoffen, dass wir jetzt gefunden haben, was wir eigentlich gesucht haben.

Drei Projekte sind derzeit in der Planung, die wir „X-2“, „X-3“ und „X-4“ genannt haben. Über deren Entwicklung werden wir weiter berichten, sobald es etwas interessantes gibt. Für heute sei aber mal genug mit dem selbstreferenziellen Zeugs. Tut uns leid, falls wir damit auf den Wecker fallen.

“The Simpsons – Der Film”, ein Treffen, eine Petition und andere merkwürdige Ereignisse am oder um den 18. August 2007

Da sieht man mal, was dabei herauskommt, wenn ein paar Leute mit Gedanken im Kopf sich alle auf einmal treffen. Es gab einen angenehmen Tag zu verbringen, zusammen mit einem Kino-Abend, sowie verschiedene Dinge beim Essen zu besprechen.

Fangen wir mit dem an, was sich am Schnellsten abhandeln lässt: Die Simpsons – Der Film. Warum lässt sich das am Schnellsten abhandeln? Weil darüber schon so viel geschrieben wurde, dass man kaum mehr etwas ergänzen muss oder kann. Lediglich die Meinung aller Beteiligten: gut gemacht! Empfehlenswert, anschauen (wer es noch nicht getan hat)!

Nun zu den anderen, etwas ernsteren Dingen, betreffend das „Phantastische Projekt“ und dieses Blog. Seit Stefan Niggemeiers Abmahnung, die mit der Begründung erfolgt ist, er habe einen Kommentar „zu spät“ gelöscht und solle in Zukunft jeden Kommentar in seinem Blog VOR der Veröffentlichung prüfen, sind etliche Blogger dazu übergegangen, genau das zu tun. Andere meinen, man solle sich nicht aufregen, solange nichts entschieden sei (zwischen Niggemeier und dem Abmahner ist ein Rechtsstreit im vollen Gange). Schließlich sei doch schon früher festgestellt worden, dass es nicht zumutbar sei, alle Kommentare in Blogs oder auch Foren zu überprüfen.
Genau zu dem Thema meldete sich dann ein Kommentar auf unserem Blog, dessen Kommentar erst einmal vom Akismet-Spamfilter abgefangen wurde. Der Grund für das Abfangen war vermutlich die Tatsache, dass dieser Kommentar in exakt dem gleichen Wortlaut in verschiedenen Blogs wiedergegeben wurde. Der Kommentator stellt fest, dass sich sein Mitleid für Niggemeier und andere Blogger in Grenzen halte, da sich dieser nie so sehr als Befürworter einer Meinungsfreiheit hervorgetan hätte. Eine Überprüfung des Kommentars und seines Kommentators ergab, dass jener damit eine nach (politisch) stark rechts gewandte Meinung meinte. Im Klartext: Weil sich der Kommentator von Stefan Niggemeier zu unrecht… ja, was eigentlich? Also, Niggemeier hat die Meinung vom rechten Rand offenbar nicht stark genug toleriert. Und weil der Kommentator das für Unrecht hält, ist es nur richtig, dass Niggemeier jetzt selbst wiederum Unrecht widerfährt, dass damit aber nur am Rande zu tun hat. Wir haben dann beschlossen, den Kommentar einfach in Akismet zu belassen, wo er in ein paar Tagen in die Schrottpresse kommt und zu frischen Bits und Bytes recycled wird.

In dem Zusammenhang möchten wir auf eine Petition aufmerksam machen, die beim Deutschen Bundestag eingereicht wurde und das bestehenden Recht in der Hinsicht ändern, dass eine Abmahung nicht mehr möglich ist, wenn sie zuvor nicht kostenlos und ohne Einschaltung eines Anwalts angekündigt wurde; bzw. wenn eine Abmahnung ohne vorherige Ankündigung erfolgt, dass der Abmahner dann 2/3 der Anwaltskosten zu tragen hat, auch wenn die Abmahung berechtigt sein sollte. Für Online-Petitionen benutzt der Deutsche Bundestag die Seite einer schottischen Universität (das ist KEIN Witz, sondern deswegen so, weil sich das Ganze noch im Experimentalstadium befindet). Über die Petition kann man sich hier informieren und wenn man will, gleich eintragen: Petition „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“. Die Aktion geht noch bis zum 3. September. Jede Stimme zählt! (gefunden hier: PHP-Developer-Blog)

Außerdem haben auch wir inzwischen Probleme mit einem Beitrags-Klauer. Unter der Domain „Tradeboard“ wurde ein Blog eingerichtet, in das offenbar kaum oder keine eigenen Beiträge geschrieben werden. Stattdessen wird das Internet auf Beiträge in anderen Blogs abgegrast und diese wortwörtlich und mit allen Bildern übernommen. Bei uns betraf das sogar einen Beitrag in eigener Sache – dem, in dem wir einem Mit-Blogger zum Geburtstag gratuliert haben [völliger Blödsinn, das in einem anderen Blog zu veröffentlichen, da der Inhalt rein privater Natur und als nette Geste innerhalb dieses Blogs gedacht war]. Offenbar sitzt der Betreiber des Blogs in den Niederlanden. Auf der Hauptseite der Domain ist noch kein Inhalt hinterlegt, es ist daher nicht klar, was der Mensch / die Menschen, der / die dahinter steckt / stecken damit bezweckt / bezwecken. Es ist einfach nur ärgerlich. Warum werden solche Leute eigentlich nicht abgemahnt?

Unter all‘ diesen Eindrücken ging es darum, was wir nun tun, mit diesem Blog und dem „Phantastischen Projekt“. Wir haben im Moment die Projekte X-2, X-3, X-4 und X-5 in der Entwicklung und sind zu keinem rechten Schluss gekommen, in welcher Form wir weitermachen wollen. Nur über das „ob“, da sind wir uns einig: Ja! Trotzdem kann es sein, dass es hier zu einer kleinen, kreativen Pause kommt.

„Denn die Meinungsfreiheit, die wir meinen, ist frei von jeder Meinung!“
Terry Jones: Erik, der Wikinger