PHANTUM – Folge 1: Die PHANTUM-Bedrohung

Was ist „PHANTUM“? PHANTUM ist ein Podcast, ein ganz neuer Podcast. So neu, dass wir immer noch mit der Luftpolsterfolie spielen. Heute ist Jubiläumstag beim Phantastischen Projekt, deswegen wollen wir viel Neues auf den Weg bringen. Eine neue Sache ist eben ein Podcast. Und hier – TADA! – ist er:

Tatsächlich ist PHANTUM ein Akronym für „Phantastisches, herausragende Angelegenheiten, Neuigkeiten, Tiefsinniges und mehr“. Es soll dabei unter anderem um die Themen gehen, die auf dem Videokanal vom Phantastischen Projekt bislang zu kurz gekommen sind. Und das ist nicht die einzige Neuigkeit heute! Wie sagt man auf Englisch so schön? Stay tuned…

PHAN.PRO 153: STAR WARS – Die letzten Jedi | Eine Allegorie auf toxisches Fantum

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https://youtu.be/yqhJ9pHGU4c

Die Episode 8 der STAR-WARS-Reihe ist das, was man gemeinhin „kontrovers“ nennt. Teilweise wurden sowohl der Regisseur als auch die Schauspieler vom toxischen Teil der STAR-WARS-Fans heftig angegangen, was ein wenig tragikomisch ist, denn in diesem Film gibt einen Handlungsstrang, der von diesen toxischen Fans erzählt. Diesen Handlungsstrang wollen wir uns hier mal ansehen.

STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Das Finale

STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers - Poster (c) Disney Company / Lucasfilm
STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers - Poster (c) Disney Company / Lucasfilm
STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Poster (c) Disney Company / Lucasfilm

„May the Fourth“ – Star Wars Day

Ein bekanntes Lied beginnt mit den Worten „This is the End, my Friend…“ und genauso könnte ich diese Rezension auch beginnen, denn Episode IX ist das offizielle Ende der Skywalker-Saga. Für den Moment zumindest, aber ich wage zu behaupten, dass sich zumindest in der näheren Zukunft niemand bei Lucasfilm daran traut, doch noch George Lucas‘ ursprüngliche Vision von 12 Episoden zu verwirklichen. Warum ich das denke, darum soll es in dieser Rezension gehen. Und um vieles andere. Und natürlich um das große Finale selbst.

Die Entstehungsgeschichte von Episode IX

Als damals entschieden wurde, an die bekannten Episoden I bis VI nochmal drei Teile dranzuhängen, hatte man beschlossen, dass drei verschiedene Kreative für jeweils einen Teil verantwortlich sein sollten. J.J. Abrams sollte mit Episode VII den Grundstein legen, Rian Johnson mit Episode VIII weitermachen, bevor Colin Trevorrow mit der neuen Episode IX nicht nur die neue Trilogie, sondern auch die Skywalker-Saga an sich abschließen sollte. Dabei sollte den dreien recht große Freiheiten gewährt werden, was die Ausgestaltung ihrer Geschichten betraf. Das kann durchaus ein fruchtbarer Prozess sein. Ich selbst habe auch schon mit anderen zusammen an einem Storykonzept gearbeitet und gerade der Umstand, dass man einen guten Mittelweg zwischen eigener Erzählung und den Elementen der anderen finden muss, kann zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit führen. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich an die Regeln der Zusammenarbeit hält. Bevor nun die Rian-Johnson-Hasser sich auf diese Bemerkung stürzen: Man kann dabei auch neue und vielleicht ungewöhnliche Wege gehen, aber alle müssen sich darauf einlassen. Und genau daran krankte die Vorarbeit von Episode IX.

Wir alle wissen mittlerweile – denke ich zumindest – was passiert ist: J.J. Abrams hat mit „Episode VII: Das Erwachen der Macht“ quasi ein Remake von „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ abgeliefert, mit ein paar neuen Charakteren und einen noch größeren Planetenkiller. Da es allerdings auch darum ging, Star-Wars-Fans aller Art abzuholen und wieder in die Galaxis „weit, weit von hier entfernt“ zurückzubringen, kann man das verschmerzen. Immerhin wurde eine spannende Ausgangssituation geschaffen, die geheimnisvolle „Erste Ordnung“, die aus der Asche des Imperiums entstanden ist, Kylo Ren, der Darth-Vader-Fanboy, der sich unbedingt was beweisen muss und das tut, indem er seinen eigenen Vater umbringt, Lukes Lichtschwert, das er in Episode V verloren hat, das wieder auftaucht, Rey, die von ihren Eltern auf Jakku zurückgelassen wurde…

Rian Johnson hat das alles aufgenommen und in „Episode VII: Die letzten Jedi“ konsequent neue Wege beschritten, indem er ständig die Frage stellt, welches Vermächtnis jemand hinterlässt und wie man mit der eigenen Vergangenheit umgehen soll. Außerdem wagte er einen Blick hinter die Kulissen des Kriegsgeschäfts und zeigte sehr deutlich, dass es natürlich auch in Star Wars Profiteure des Konflikts gibt. Wenn man genau hinsieht, hat er sogar eine sehr schöne Allegorie auf das Fandom (von Star Wars im Speziellen, aber vermutlich gibt es das in den meisten erfolgreichen Franchises) geschaffen: Auf der einen Seite Rey, die aus den Mythen um die Jedi Inspiration ziehen will, auf der anderen Seite Kylo Ren, der – wie ich schon schrieb – ein Darth-Vader-Fanboy ist und „genauso cool“ sein will wie der Sith-Lord. Kylo repräsentiert dabei auch die toxische Seite des Fandoms, die alles und jeden verachtet, der dem „wahren Geist“ widerspricht. Das Sahnehäubchen auf der Allegorie ist Mark Hamill als Luke Skywalker, der sich praktisch selbst spielt. Wie Luke sich von der Macht abgewandt hat, nachdem er Kylo Ren erschaffen hat, hat sich auch Hamill von den Star-Wars-Fans abgewandt, nachdem er gesehen hat, wie völlig überdreht die toxischen Fans sein können. Dass Luke Rey im Film fragt, was er denn tun solle, ob er mit einem Laserschwert heraustreten und sich der gesamten Ersten Ordnung entgegen stellen soll, spiegelt die Verwirrung des Schauspielers wieder, der nicht einordnen kann, was diese Hardcore-Fans, die ihn mit seiner Rolle verwechseln, eigentlich von ihm wollen. Aber so wie Luke in die Handlung zurückkehrt, hat auch Hamill wieder in die Rolle gefunden.

Ich fand Johnsons Entscheidung, den Obersten Anführer Snoke in dieser Folge sterben zu lassen, mutig, aber ich muss zugeben, ich war im Kinosaal völlig hin und weg. Als Snoke in zwei Teilen von seinem Thron stürzte und etwas später den eindeutig toten Körper sah, habe ich innerlich jubiliert. Ein neuer Weg! Wir haben in Episode I bis VI gesehen, wie Anakin Skywalker zu Darth Vader wurde, aber letztlich den Imperator stürzte und damit Erlösung erfuhr. Kylo Ren hat im Gegensatz dazu „seinen“ Imperator getötet, um diesen Platz einzunehmen. Wohin würde die Geschichte jetzt wohl gehen, da Kylos Pfad ein wesentlich dunklerer ist als der von Vader?

Colin Trevorrow übernahm die Geschichte von Rian Johnson und lieferte wohl auch ein Drehbuch ab, doch nach der Veröffentlichung von Episode VIII geschahen mehrere Dinge, die Episode IX zu dem formen sollten, was sie nun ist. Das erste geschah allerdings schon vorher: Trevorrow wurde geschasst. Warum? Zunächst wurde die allgemeine Ausrede von „kreativen Differenzen“ gewählt, die im eigentlich nur heißt, dass irgendwelche Studiobosse andere Ideen hatten und der Regisseur nicht mitspielen wollte. Dann wurde Kathleen Kennedy in einem Interview etwas deutlicher:

Colin war enorm im Nachteil, weil er nicht an ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ und zum Teil auch nicht an den früheren Gesprächen teilgenommen hat und wir aber schon ein allgemeines Gespür dafür hatten, in welche Richtung die Story gehen sollte.

(…)

Wir hatten einen Zeitplan, wie so oft bei Filmen, und mussten eine schwere Entscheidung treffen, ob oder ob wir es nicht rechtzeitig schaffen werden. Und wie ich bereits sagte, Colin war im Nachteil, weil er nicht in allem involviert war, seitdem wir mit Episode VII anfingen.

Kathleen Kennedy in einem Interview mit „Gizmodo“, zitiert nach vip.de

Trevorrow wurde September 2017 aus dem Projekt entlassen, also knapp drei Monate vor dem Kinostart von Johnsons Episode VIII. J.J. Abrams wurde verpflichtet, nun auch Episode IX zu produzieren. Und angesichts dessen, was er ablieferte, klingt Kennedys Begründung etwas seltsam. Denn als nächstes geschah etwas, das ganz offensichtlich großen Einfluss auf die Handlung von Episode IX hatte. Es war so massiv, dass es sogar eine Bezeichnung bekam:

Star Wars: The Fandom Menace

Rian Johnson wurde viel gelobt für seine mutigen Entscheidungen. Für manches an seiner Ausführung wurde er kritisiert, aber kein Film ist perfekt. Und dann zeigte das toxische Star-Wars-Fandom sein hässliches Gesicht.

Um gleich mal eins klarzustellen: Man ist nicht verpflichtet, einen Film zu mögen. Auch nicht, wenn „Star Wars“ draufsteht. Man darf diesen Film – oder einzelne Ideen daraus – schlecht oder schlecht umgesetzt finden. Alles kein Problem. Das Problem beginnt dort, wo aus Kritik Mobbing wird. Dort, wo aus „nicht mögen“ oder „hat mir nicht gefallen“ blanker Hass wird. Dort, wo man anderen verbietet, einen Film zu mögen. Wo man diesen Leuten sagt, sie seien keine „wahren Star-Wars-Fans“, wenn sie diesen Film mögen. Genau das geschah nun aber. Mit einem geradezu radikal-religiösem Eifer wurde Hass über Beteiligten an Episode VIII ausgeschüttet. Kelly Marie Tran, die Darstellerin der Rose Tyco, wurde persönlich und – da sie vietnamesischer Abstammung* ist – rassistisch beleidigt, so dass sie sich schließlich ganz aus den sozialen Medien zurückzog. Rian Johnson wurde zum Hass-Objekt, da er Star Wars „zerstört“ habe. Extrembeleidigte stellten sogar eine offizielle Petition ins Internet, die Disney und Lucasfilm dazu bringen sollte, Episode VIII aus dem offiziellen Canon zu streichen. Patrick H. Willems, ein Filmanalyst und YouTuber, brachte die absolute Sinnlosigkeit dieser Aktionen gekonnt auf den Punkt:

It’s just a series of fun kids movies about space wizards.

Patrick H. Willems

Was auch immer bei Disney vorging, ich weiß es nicht. Immerhin wurde der sinnfreien Petition nicht stattgegeben. Stattdessen arbeitete J.J. Abrams nun an Episode IX und es wurde das große Versprechen gegeben, dass diese nicht nur einen Schlusspunkt der neuen Trilogie, sondern ein großes Finale der ganzen Skywalker-Saga sein würde. Dann wurde in Trailern erstmals angedeutet, dass der Imperator – oder sein Erbe – irgendeine Rolle spielen würde. Ich selbst war ehrlich begeistert. Da ja immer wieder betont wurde, man wisse um die Bedeutung einer Episode IX, ging ich davon aus, dass das Handling passen würde. Und natürlich wäre es logisch, den Imperator in die Geschichte zu involvieren, wenn man schon ein großes Finale für die ganze Saga plante.

Der von mir bereits erwähnte Patrick H. Willems zeigte sich geradezu als Prophet, als er versuchte vorherzusagen, was die Übernahme der Führung durch Abrams bedeuten könnte. Er analysierte dazu andere Werke von Abrams auf wiederkehrende Motive. Und er war erstaunlich treffsicher.

Wenn man sich Abrams‘ Arbeiten ansieht, wird deutlich, dass er ein spezielles Interesse für Geschichten hat, in denen Figuren Probleme mit ihren Eltern haben, ganz besonders mit den Vätern.

Ben [Covington aus Abrams‘ Fernsehserie „Felicity“] hasst seinen prügelnden, alkoholkranken Vater, der nie für ihn da ist, bevor er sich mit ihm in der letzten Staffel versöhnt.

Und das andere Thema, das bei Abrams immer wieder auftaucht, ist die eigene Familie zu suchen und auszuwählen. Die letzte Szene in „Felicity“ zeigt sie [Felicity], wie sie mit der Familie, die sie sich in den letzten vier Jahren zusammengesucht hat, feiert.

Was bedeutet das für Episode IX? Weiß ich nicht. Rey keht nach Jakku zurück, aber nun beherrscht sie was von dem Jedi-Zeugs, außerdem hat sie ein paar neue Freunde im Widerstand. Kylo Ren versöhnt sich mit seinem Vater, was er nicht wirklich kann, weil der tot ist.

Als ich das Video [über „Felicity“ und Episode IX] machte, habe ich klar gesagt, dass Abrams es in anderen Geschichten immer vermeidet, einen echten Schluss zu schreiben und damit ein Bekenntnis abzugeben. Am Ende von „Felicity“ hat sie sich kaum verändert außer dass sie ein paar neue Freunde gefunden hat. Daher habe ich mir Gedanken gemacht über Star Wars und ob [Abrams] eine Geschichte schreiben kann über Veränderungen, die etwas bedeuten und einen Eindruck bei den Figuren hinterlassen.

Die Zeit ist gekommen, dass er die Karten auf den Tisch legt und endlich etwas bedeutungsvolles sagt. Nicht einfach nur „Freunde sind toll“ und „Geheimnisse machen Spaß“, sondern dass [er] ein Ende schreibt, das eine wirkliche Idee rüberbringt.

Deswegen war „Der Aufstieg Skywalkers“ ein echter „Der Kaiser ist nackt**“-Moment für mich.

Patrick H. Willems: „Cats! Michael Bay! Music Biopics! The Big Follow-Up Video

Am heutigen Star-Wars-Tag ist es nun also soweit: Episode IX kommt heraus für den Hausgebrauch, also auf DVD, auf Blu-Ray und auf Disney+. Und damit werde ich nun meine eigenen Eindrücke wiedergeben. Ich habe mich dazu entschlossen, das in mehreren Abschnitten zu tun. Erst gibt es eine kurze Abhandlung über die Handlung, dann möchte ich mir explizit ansehen, was mir gefallen hat, war ich mittelmäßig fand und was mir gar nicht gefallen hat, bevor ich das ganze abschließe. Und natürlich: ACHTUNG, SPOILER! Also dann, es war einmal vor langer Zeit, in einer Galaxis weit, weit von hier entfernt…

STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers – Die Handlung

Die Toten sprechen! Also, der Imperator. Er hat eine Radioübertragung an die ganze Galaxis gesendet. Kylo Ren will das Phantom des Imperators zur Strecke bringen, um selbst über die Galaxis zu herrschen. Dazu bricht er nach Mustafar auf, wo einst Vaders Zitadelle stand. Dort holt er sich einen der zwei Sith-Wegfinder, ein Navigationsgerät, das ihm den Weg zur versteckten Sith-Welt Exegol zeigt, irgendwo in den Unbekannten Regionen. Dort angekommen stellt Ren fest, dass der Imperator nicht ganz so tot ist, wie er gedacht hat. Sein vor sich hin verrottender Körper ist allerdings an ein Gestellt gefesselt, mit dem er sich einigermaßen bewegen kann. Der Imperator lässt Kylo Ren – und den verdutzten Zuschauer – wissen, dass er, Sheev Palpatine, hinter Snoke steckt. Er hat ihn erschaffen. Er war jede Stimme in Kylos Kopf, die er in den letzten Jahren gehört hat. Jetzt bietet er Ren eine Flotte aus unzähligen Sternzerstörern an, die er die „Letzte Ordnung“ nennt. Ren muss dazu lediglich Rey töten. Die ist gerade dabei, unter den wachsamen Augen von Leia ihr Jedi-Training fortzuführen, während Poe, Finn und Chewbacca ein Treffen mit einem Kontaktmann haben: In der Ersten Ordnung gib es einen Maulwurf, der den Widerstand mit Informationen versieht. So weiß nun auch der Widerstand über die Rückkehr von Palpatine Bescheid. Nun geht es darum, den zweiten Sith-Wegfinder aufzuspüren, um die Flotte des Imperators aufzuhalten, bevor sie zum Einsatz kommt…

Die drei Kategorien

Ich kann es gleich vorweg sagen, im Gegensatz zu Episode VIII hat mich das hier nicht gerade vom Hocker gehauen. Irgendwie ist der Film ein großes Durcheinander, da es zwischendrin immer wieder Dinge gibt, wo ich begeistert sagte: „Na also, es geht doch!“ Leider kommen dann immer wieder Dinge, die all das Konterkarieren. Ich habe deswegen beschlossen, hier diese Dinge, eingeteilt in drei Kategorien aufzulisten und zu erklären, warum sie für mich in der jeweiligen Kategorie gelandet sind. Los geht’s!

Was mir gefallen hat

Ja, es gab tatsächlich etwas, das mir explizit gefallen hat. Und genau deswegen ist der Film für mich so ein Durcheinander. Also:

„Die Toten sprechen.“

Tatsächlich hat der Anfang des Films mir gleich große Hoffnung gegeben. Immerhin wussten wir schon, dass Palpatine irgendwie mit der Geschichte zu tun haben wird und Abrams ist den Weg gegangen, kein großes Geheimnis daraus zu machen, das die Figuren erst im Verlauf des Films aufdecken. Damit geht er auch den klassischen Weg des „in medias res“, für den Star Wars nun mal bekannt ist. Ein sehr gelungener Einstieg.

Jedi-Heilkräfte / Erweiterung der Machtfähigkeiten

Dazu muss ich eins sagen: Ich wusste bereits, dass es Jedi-Heilkräfte gibt. Diese wurden 1987 im „Star Wars Roleplaying Game“ beschrieben und funktionieren genauso wie im Film: Ein Jedi kann Energie von sich auf jemand anderen Übertragen und damit heilen. Damit ist diese Fähigkeit auch limitiert, denn wie wir im Film sehen, kann ein solcher Transfer den Tod desjenigen bedeuten, der die Energie überträgt. Dass Rey und Ben diese Fähigkeit haben, wurde von vielen kritisiert. Interessanterweise wird dem alten Canon sonst immer nachgetrauert. Und ich möchte darauf hinweisen: nach dem allerersten Film (der heute Episode IV ist) gab es nur zwei Jedi-Fähigkeiten, nämlich die Gedankenmanipulation und dass man mit dem Lichtschwert kämpfen kann, ohne sehen zu können. Selbst das telekinetische Bewegen von Gegenständen wurde erst in Episode V eingeführt. Also kann man durchaus auch immer noch neue Machtfähigkeiten entdecken.

Rey überzeugt C3PO, sein Gedächtnis löschen zu lassen

Die Szene, in der Rey C3PO überzeugt, dass er sich der gefährlichen Behandlung von Babu Frikk unterziehen soll, ist großartig geschrieben. Rey zeigt hier, dass sie ein unglaubliches Einfühlungsvermögen hat, indem sie auf den Droiden eingeht und ihn zum Nachdenken bringt, anstatt ihm einfach zu befehlen, er solle das jetzt mit sich machen lassen. Wie ich sagte, ist das eine der Szenen, wo gutes Storywriting durchblitzt.

Der Verrat von General Hux

Hux ist also der Maulwurf in der Ersten Ordnung und auch diese Idee hat mir sehr gut gefallen. In Episode VIII und auch in diesem Film sehen wir bei mehreren Gelegenheiten, wie Kylo mit Hux umspringt. Sehr gefallen hat mir auch, dass er nicht plötzlich ein „Guter“ ist, sondern seine Motivation so egozentrisch ist, wie man es erwartet. Er will einfach nicht, dass Kylo Ren gewinnt. Wenn er den Film überlebt hätte, hätte er vielleicht sogar seine eigene Legende vom „Widerstandskämpfer im Herzen der Ersten Ordnung“ stricken können.

Leias Sterbeszene und Chewies Reaktion

Auch sehr gut gehandhabt wurde die Szene von Leias Tod und wie Chewbacca darauf reagiert. Das Wehklagen des Wookies ist einfach herzzerreißend.

Han Solos Rückkehr

Genau auf den Punkt finde ich die Szene, in der Han Solo seinem Sohn erscheint und mit ihm redet. Manche haben darüber spekuliert (bzw. sich darüber verächtlich gemacht), ob Han nun auch ein Machtgeist ist. Diese Leute muss ich fragen: Habt Ihr überhaupt zugehört? Es wird sogar sehr deutlich gesagt, alles das findet in Bens Kopf statt und zeigt, dass dieser nicht so weit auf der dunklen Seite ist, wie er selbst gedacht hat. Die Szene zeigt, dass man „Fan-Service“ auch gut schreiben kann.

Der letzte Kampf und die Lichtschwertübergabe von Rey an Ben

Die letzte Konfrontation zwischen Rey und Ben auf der einen und dem Imperator auf der anderen Seite zieht sich an manchen Stellen etwas in die Länge, hat aber wiederum ihre gute Momente. Die Lichtschwertübergabe durch „Machtteleportation“ von Rey an Ben fand ich raffiniert und die Möglichkeiten, die vorher bereits etabliert wurden, konsequent ausgenutzt.

Was ich für verschwendetes Potential hielt

Zwischen der dunklen und der hellen Seite der Kritik gibt es auch eine Mitte. Es gab nämlich ein paar Dinge, die ich eigentlich nicht schlecht fand, die ich aber für nicht gut genug eingesetzt hielt. Also nach dem Motto: „Da hätte man mehr draus machen können…“

Mustafar

Der Planet, auf dem Kylo Ren den ersten Sith-Wegfinder entdeckt, ist – und das wurde auch offiziell bestätigt – Mustafar. Aber das erfährt man nicht genau im Film, da sich die Oberfläche von Mustafar verändert hat (da gibt es tatsächlich auch eine Geschichte dazu). Dabei könnte ich mir vorstellen, dass der Planet gerade für Kylo ein besonderer Ort sein muss. Das ist der Planet, auf dem Vaders Zitadelle stand! Stattdessen hetzt Abrams durch die Ereignisse, Kylo bringt ein paar Leute um, bringt den Wegfinder an sich und wusch! Ist er unterwegs nach Exegol.

Die desertierten Sturmtruppler

Auf Endor tauchen auf einmal desertierte Sturmtruppler auf. Die Idee an sich fand ich ja gar nicht schlecht, aber erstens wird sich sehr auf eine Figur (Jannah) konzentriert, und zweitens sind sie auch bei der letzten Schlacht einfach nur Beiwerk. In einem Script von Colin Trevorrow, das mittlerweile veröffentlicht wurde, hat dieser einen Aufstand der Sturmtruppen gegen die Erste Ordnung beschrieben, hier hätte man das Potential der Deserteure viel besser verwenden können.

Die Stimmen der Jedi

Es ist ja ganz nett, dass man irgendwie alle Jedi aus allen Episoden nochmal zusammenbringen wollte, aber warum nur als Stimmen? Wenigstens ein Cameo hätte ihnen doch vergönnt sein dürfen.

Palpatines Ende

Dieser Punkt hätte es fast auf die positive Seite geschafft, diese Szene leidet aber leider an etwas, das man in Episode VII bei Abrams schon gesehen hat: Es wird etwas gezeigt, dem etwas mehr Kontext gut getan hätte, aber der fehlt einfach. Bei Episode VII war es zum Beispiel die Neue Republik. Abrams hat sich das Genörgel der Fans um endlose politische Debatten in Episode I*** zu sehr zu Herzen genommen und zeigt uns nun gar nichts aus der politischen Situation. Bei Palpatines Ende habe ich oft die Kritik gehört, dass es total unlogisch ist, warum er von Rey getötet werden kann, obwohl er vorher doch gesagt hat, dass sein Geist dann auf Rey überspringt. Nein, es gibt sogar eine Erklärung, aber offenbar wird die gern übersehen. Palpatine regeneriert sich selbst durch die Energie, die er Ben und Rey entzieht. Das macht die ganze Sache mit „mein Geist springt in Deinen Körper über“ unnötig und das ist Palpatine wahrscheinlich lieber, als in einem fremden Körper leben zu müssen. Allerdings macht ihn das auch verwundbar. Und so kann Rey ihn vernichten. Nehmen wir diese Szene für diese Kritik auch stellvertretend für manche Szene, der etwas mehr Kontext gut getan hätte.

Was mir nicht gefallen hat

Und damit willkommen auf der dunklen Seite der Kritik. Leider hatte ich tatsächlich einiges an dem Film, das mir nicht zusagte.

Palpatine ist zurück

Ja, ich war gespannt, was passieren würde, als ich mitbekam, dass Palpatine irgendeine Rolle spielen würde. Gleichzeitig hoffte ich aber, dass man nicht dem „Dark Empire“-Erzählungsstrang aus dem alten „Expanded Universe“ folgen würde, in welchem Palpatine als Klon zurückkehrt. Und zack! Genau das ist passiert. Wenn es irgendeine Intrige gewesen wäre, die über den Tod des Imperators hinaus wirksam ist, oder ein fanatischer Anhänger des Imperators oder auch wenn Palpatine als Sith-Spuk die Trümmer des Todessterns heimsucht, alles das hätte mir besser gefallen als diese Lösung. Noch dazu, da weder in Episode VII noch in Episode VIII auch nur irgendeine Andeutung gemacht wurde, dass er zurückkehren könnte. Sein Auftreten wirkt und seine Erklärung, er stecke hinter Snoke ist irgendwie halbgar und unausgegoren.

Die völlige Arroganz gegenüber Rose Tyco

Da gibt es nichts zu beschönigen: Die Hater haben gewonnen. Sie haben ihren Hass über der Figur Rose Tyco und der Schauspielerin Kelly Marie Tran ausgekübelt und wurden dafür belohnt. Abrams hat Rose aus einem Großteil des Films rausgeschrieben und sich dabei nicht einmal die Mühe gemacht, einen plausiblen Grund für ihr Fernbleiben auszudenken. Stattdessen wurden gleich mehrer neue Charaktere einführt, die man sich hätte sparen können. Rose hätte statt dieses Ich-bin-in-zwei-Szenen-Wurmwesens am Anfang an Bord des Falken sein können (ernsthaft: Wie kann dieses Lebewesen Mechaniker sein?), sie hätte Dominik Monaghans Dialog übernehmen können… die Möglichkeiten wären da gewesen. Abrams hat sich dagegen entschieden.

Chewbaccas Tod und seine Auferstehung

Okay, gleich vorneweg, ich will mit diesem Abschnitt nicht sagen, dass Chewie hätte unbedingt sterben müssen in diesem Film. Es geht mir lediglich darum, wie Abrams davor kneift, dass Taten Konsequenzen haben. Entweder, ich entschließe mich dazu, diesem Film eine tragische Note zu verleihen, indem ich eine beliebte Figur sterben lasse, dann muss ich aber auch die Konsequenzen tragen und es durchziehen. Oder wenn ich mich schon rauswinden will, dann lasse ich das Publikum nicht eine Szene später bereits wissen, dass Chewie noch lebt. Wenn wir es zusammen mit Rey erfahren, ist das viel gehaltvoller. Aber ja, hier sieht man sehr deutlich das, was Patrick Willems gesagt, Abrams weicht echten Konsequenzen, die echte Veränderungen bei den Figuren verusachen, gern aus.

Die Ritter von Ren

Die Ritter von Ren haben eine Bedeutung. Schätze ich mal. Sind irgendwie wichtig. Schade nur, dass wir nie erfahren, warum. Und das ist das Problem, das ich mit ihnen habe, sie tauchen in ein paar Szenen auf und werden durch das In-Szene-Setzen bedrohlich dargestellt, es wird aber wieder einmal kein Kontext geliefert. Unter den finsteren Helmen könnten auch Graham Chapman, Terry Jones, John Cleese, Eric Idle und Terry Gilliam**** stecken, die im Schatten Kokosnussschalen hervorziehen und sich klappernd durch die Szenerie bewegen, als würden sie auf Pferden sitzen, während sie darüber diskutieren, wie schnell wohl eine unbeladene Schwalbe fliegt. Die Ritter von Ren wurden in Episode VII aufgebaut, hier machen sie ihren Abgang – und dazwischen ist nichts.

Poes Vergangenheit als Schmuggler

Nichts zeigt deutlicher, dass Abrams verdammt viel Handlungsspielraum gekriegt hat, als die Entscheidung, aus Poe, der in Episode VII wie ein Han-Solo-Abbild wirkte, nun einen vollen Han-Solo-Ersatz zu stricken. Denn diese kriminelle Vergangenheit widerspricht dem, was bis zu dem Zeitpunkt über Poes Vergangenheit im neuen Expanded Universe erzählt wurde. Es ist nicht sonderlich originell und war bisher vermieden worden, ich vermute mal, um genau solchen Vorwürfen, er sei ja eh nur „Han Solo in jung“ entgegen zu wirken. Tja, das hat sich damit auch erledigt. Eigentlich gibt es eine so genannte Storygroup bei Lucasfilm, deren Aufgabe es ist, darüber zu wachen, dass solche Widersprüche nicht passieren. In dem Fall begnügte man sich mit der Aufgabe, den Widerspruch irgendwie in Poes Lebenslauf reinzuschustern.

Rey ist Palpatines Enkelin

Auch hier eine Klarstellung, es geht mir nicht um die Diskussion, ob eine Frau sich mit „Pruneface“ Palpatine einlassen würde. Im alten Expanded Universe wurde die Aussage getroffen, dass der Imperator Konkubinen hatte, eine davon könnte also durchaus – vielleicht auch zwangsweise – seinen Nachwuchs tragen. Es geht mir darum, dass Abrams hier Johnsons Beitrag einfach wegwischt und eine der Aussagen von Episode VIII relativiert. Dort ging es nämlich darum, dass es egal ist, aus welcher Familie man stammt, jeder kann Großes vollbringen. Auch wenn man eben nicht von Anakin Skywalker abstammt. Es war eine starke Aussage, dass Reys Eltern „niemand“ sind, denn damit wurde klar, dass man sich nicht über die Abstammung zu definieren braucht.

Hier hat Rian Johnson auch ordentlich Feuer gekriegt, interessanterweise ausgerechnet auch von Amerikanern. Eine solche „Erbliniengläubigkeit“, wie ich es mal nennen möchte, hätte ich eigentlich eher in einer Kultur vermutet, die, so wie wir hier in Europa, ständig mit Nachrichten und Nichtigkeiten aus so genannten „Adelshäusern“ bombardiert wird. Damit wird einem ja schon von Kindesbeinen eingeimpft, dass die Adeligen irgendwas besonderes sein müssen, für das sich das „gemeine Volk“ zu interessieren habe. In den USA ist es ja eher die Kultur des „jeder kann alles werden“. Wie dem auch sei, Abrams hat den Ruf der geplagten Nerds gehört und Rey eine echte Blutlinie verpasst. Von diesem Moment an, da das im Film ausgesprochen wurde, habe ich gehofft, dass es nicht stimmt. „Der Imperator lügt“, habe ich mir gesagt, „natürlich lügt er, er ist der Imperator, der Manipulator, der Strippenzieher.“ Leider war das nicht der Fall.

Die unschlüssige Astronomie von Endor

Vielleicht bin das auch nur ich, aber kann es sein, dass die Gestalt des Systems, in welchem Endor liegt, völlig durcheinander geraten ist? In Episode VI wird gesagt, Endor sei ein Mond, es wird sogar ein Planet namens Sanktuarium ins Spiel gebracht, den Endor umkreist – und jetzt hat Endor selbst einen Mond? Zumindest, wenn man Episode IX glaubt, denn unsere Helden reisen nach Kef Bir, einem Endor-Mond.

Rey und der Skimmer

Ich bin ja bereit, viel mitzumachen, letztlich handelt es sich ja nur um „Kinderfilme über Weltraumzauberer“, aber so ein bisschen Logik wäre schon nicht auch schlecht… Kaum sind unsere Helden auf dem Sanktuarium-Mond-Mond Kef Bir angekommen, macht Rey sich unbeliebt, indem sie den rebellischen Ex-Sturmtrupplern einen Skimmer stiehlt, um damit zu den Trümmern des Todessterns zu fahren, die im Wasser liegen. Bei dem Skimmer handelt es sich um eine Art mechanischen Katamaran, der über eine Zahnradmechanik gesteuert wird. Kann mir jemand erklären, wie Rey weiß, wie man mit sowas umgeht? Okay, Raumschiffe steuern, das hat sie drauf, weil sie es schon gemacht hat, aber sowas? Ich kann Autofahren. Das habe ich mal gelernt. Und ich war mal auf einem Segelboot unterwegs und wäre trotzdem verloren, müsste ich so ein Ding allein steuern.

Jeder Sternzerstörer ist ein eigener Todesstern

Da haben sich die Leute über das Holdo-Manöver aus Episode VII aufgeregt, und jetzt… Jeder der hunderttausend (oder mehr) Sternzerstörer, die der Imperator heimlich hat bauen lassen (noch so’n Ding), hat Todessterntechnologie an Bord und kann Planeten zerstören. Also, wenn das Holdo-Manöver dazu führt, dass sich fortan Piloten des Widerstands mit Freude als Kamikaze-Piloten betätigen und große Schiffe des Widerstands in Schiffe der Ersten Ordnung rammen, was hindert eigentlich irgendjemand daran, neue Sternzerstörer mit großer Wumme zu bauen? Dieser Handlungspunkt schreit „ich habe keine neuen Ideen“ so deutlich wie nochmal was.

Die Sith-Loyalisten

Ja, offenbar sind die Typen in den Roben, die auf Exegol herumhängen, Sith-Loyalisten. Fast schon Abrams-typisch erfahren wir keinen Kontext. Wer sind sie? Wo kamen sie her? Wo gehen sie hin? Was machen sie beruflich? Haben sie Hobbies? Gibt es weibliche Sith-Loyalisten, die Single sind? Wichtige Fragen, die nicht geklärt werden, macht aber nix, sind am Ende vom Film eh tot. Das mag zynisch klingen. Ist auch so gemeint.

Kylo Rens Erlösung

Kylo Ren macht also die gleiche Wandlung durch wie einst Vader. Nun habe ich geschrieben, dass mir die Szene, in der Ben sich mit der Vision seines Vaters unterhält, für sehr gut halte. Das halte ich auch weiterhin, die Szene ist verdammt gut geschrieben und erfüllt ihren Zweck. Das Problem ist der Handlungsbogen, den sie vorantreibt. Es wäre mal etwas neues gewesen, wenn wir gesehen hätten, wie Kylo Ren seinen eigenen Untergang betreibt und eben nicht erlöst wird.

Der Kuss

Herzlich willkommen in unserer Kategorie mit dem Titel „Wo zum Teufel kommt denn jetzt das her?“ Leute haben sich über den Kuss von Rose beschwert, den sie Finn am Ende von Episode VII gab, aber die beiden haben zumindest einige Zeit verbracht und dabei extreme Dinge erlebt. Sie hatten Zeit, eine Verbindung aufzunehmen. Auch wenn diese vielleicht nur einseitig von Rose kommt. Aber zwischen Ben und Rey? Da gab es nichts. Alle Interaktionen zwischen den beiden liefen eigentlich nur darauf raus, dass Kylo Rey „haben“ wollte, um die Galaxis zu beherrschen.

„Ich bin Rey Skywalker.“

Und der zweite Eintrag zum Thema „Wo zum Teufel kommt denn jetzt das her?“ Ja, wie Patrick Willems festgestellt hat, spielt es voll in Abrams Vorlieben in Bezug auf „ich wähle meine eigene Familie“ rein, aber ansonsten? Es passt einfach nicht und hat kein Gewicht für die Geschichte. Das ist ungefähr so, als würde Rotkäppchen am Ende von dem Märchen den bösen Wolf heiraten, da würde man auch sagen „wo kommt denn jetzt das her?“

All die unbeantworteten Fragen

Von einem Film, der nicht nur ein Finale für die Sequel-Trilogie, sondern auch für die gesamte Skywalker-Saga ist, hätte ich erwartet, dass ein paar mehr Fragen beantwortet werden. Die Liste ließe sich bestimmt fortsetzen, hier nur ein paar Beispiele:

  • Wo ist nun Lukes Lichtschwert hergekommen, das er in Bespin (Episode V) verloren hat?
  • Wie genau war das nun mit Snoke und dem Imperator?
  • Was ist zwischen Rose und Finn? Das hätte zumindest eine kurze Erklärung verdient, aber Abrams hat Rose ja lieber ignoriert.
  • Was wollte Finn Rey sagen, als sie im Treibsand versanken? Da wird ein Storyelement aufgebaut und kurz darauf wieder fallengelassen, und man hört nie wieder davon.
  • Was ist der „Aufstieg Skywalkers“? Und falls das mit Reys „Ich bin Rey Skywalker“ zusammenhängt: Inwiefern ist das ein Aufstieg? Wohin?

Conclusio

Wer zählen kann, der wird feststellen, dass ich wesentlich mehr negative als positive / neutrale Punkte aufgezählt habe. Finde ich den Film also schlecht? Nein, nicht unbedingt. Das meine ich mit dem Durcheinander. Es gibt tatsächlich Filme, die habe ich einmal gesehen und dann befunden, dass ich sie mir nie wieder anschauen muss. Hier geht mir das nicht so. Abrams schafft es schon, den „Geist“ von Star Wars einzufangen, so ist es nicht. Aber dann hört es auf. Ein Großteil ist dem von Patrick Willems beklagten Fehlen eines großen Themas zu verdanken. Wir haben nur diese vage Andeutung von „wenn Du mit Deiner Familie nicht klarkommst, suche Dir eine neue“, leider ist aber auch das Thema nicht konsistent.

Das erwartete epische Finale der Skywalker-Saga ist leider nur ein „Film zum halt mal anschauen“, mehr nicht. Aber es ist kein Grund, Abrams mit Hass zu überschütten oder Disney per Petition zu zwingen, Episode IX neu zu verfilmen. Ich bin stattdessen gespannt auf das, was noch kommt. Ich bereue es nicht, diesen Film gesehen zu haben und habe mir tatsächlich auch die Blu Ray gekauft. Allerdings habe ich diesen Film – im Gegensatz zu den anderen und vor allem im Gegensatz zu „Die letzten Jedi“ – im Kino nur einmal gesehen.

Appendix: Was ich anders machen würde

Ich werde ab und zu mal gefragt, was ich anders gemacht hätte, wenn mit ein Film oder Elemente daraus nicht gefallen. Ich dachte mir, ich hänge hier mal ein paar Gedanken zu Episode IX an, möchte allerdings betonen, dass es wirklich nur Gedanken und Ideen sind. Ich möchte meine Energie nicht darauf verschwenden, mir den Plot einer Geschichte auszudenken, mit dem ich dann nichts anfangen kann. Ich möchte die Energie lieber für eigene Projekte verwenden.

Also:

  • Wenn diese Episode ein großes Finale sein soll, hätte ich mehr Orte auch aus der Prequel-Trilogie mit eingebracht. Warum waren unsere Helden eigentlich nicht auf Naboo? Immerhin ist das der Geburtsort von Palpatine.
  • Ich hätte den Imperator nicht zurückkehren lassen, allenfalls – wie schon beschrieben – als Sith-Spuk, der die Trümmer des Todessterns heimsucht. Vielleicht hätte man einen Plot schreiben können, in dem Kultisten versuchen, den Imperator wieder auferstehen zu lassen und man sie daran hindern muss.
  • Wenn Palpatine schon unbedingt zurückkehren muss, hätte ich Rey nicht zu seiner Enkelin gemacht. Alles das hätte eine Lüge sein können, die Palpatine erzählt, um Reys Schwächen auszunutzen.
  • Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dass Palpatine selber betrogen worden wäre, dass die Konkubine, die er für seine Nachkommenschaft „auserwählt“ hat, nicht das Kind des Imperators tragen wollte. In dem Fall hätte Rey Palpatine vernichten können, weil er nicht in sie übergehen kann, hätte das aber natürlich zu spät festgestellt.

Ja, hätte, hätte, Fahrradkette. Nun ist es anders gekommen.

„STAR WARS Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“ ist ab heute, anlässlich des STAR-WARS-Tags zu erhalten. Falls jemand den Film kaufen möchte, geht das zum Beispiel über folgende Werbung:


*= Wohlgemerkt: Kelly Marie Tran ist vietnamesischer Abstammung, sie ist in den USA geboren.

**= Der Witz wirkt im Original besser, da Kaiser auf Englisch „Emperor“ heißt.

***= Und ja, es war Genörgel. Weiß jemand, wie lang die „endlosen Debatten“ in Episode I sind? Ich kann es Euch sagen, es sind nicht einmal fünf Minuten! Man hält also nicht einmal fünf Minuten aus, weil Politik ist „laaaaangweilig“. Kein Wunder, dass Trump in den USA Präsident werden konnte!

****= Für diejenigen, die das nicht verstehen (hallo, Ihr zwei!): Das sind die Mitglieder der britischen Comedytruppe „Monty Python“.

STAR WARS Episode VII: Das Erwachen der Macht – Rezension

Photo by Simon Zhu on Unsplash
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Vorbemerkung: In „Das Erwachen der Macht“ passiert einiges, das man nicht unbedingt wissen möchte, bevor man den Film gesehen hat, wenn man sich die Spannung nicht verderben lassen möchte. Deswegen werde ich die allgemeine Rezension so unkonkret lassen, wie es geht. Bei einigen Punkten füge ich Zahlen an, die auf Fußnoten verweisen. Für diese Fußnoten gilt: SPOILER! Hier werde ich konkret benennen, um was es geht und auch Handlungsverläufe verraten. Also soll keiner sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt. In diesem Sinne, hier ist die eigentliche Rezension:

Es war einmal vor langer Zeit in einer Galaxis weit, weit von hier entfernt: Rund 30 Jahre nach der Zerstörung des zweiten Todessterns ist die Galaxis nicht ruhiger geworden. Luke Skywalker ist verschwunden und wird verzweifelt von seiner Schwester gesucht. Der Grund seines Verschwindens: Er hat versucht, den Jedi-Orden neu aufzubauen, doch einer seiner Schüler wurde zur dunklen Seite der Macht verführt. Daraufhin hat er das Unterrichten aufgegeben und sich auf die Suche nach dem ersten Jedi-Tempel gemacht.

In der Galaxis gibt es zwei Großmächte, die sich gegenüber stehen: Die neue Republik und die „Erste Ordnung“, die aus den Trümmern des Imperiums entstanden ist. Anführer ist der mysteriöse Snoke, sein Handlanger ist Kylo Ren, Lukes ehemaliger Schüler. Dazwischen steht der „Widerstand“, eine Kämpfergruppe, die von General Leia Organa angeführt wird und die versucht, die Erste Ordnung in die Schranken zu verweisen. Doch das wird immer schwieriger, zumal die „Erste Ordnung“ ihre neue Basis, die „Starkiller Base“, in Betrieb genommen hat. Dazu wurde ein ganzer Planet zu einer riesigen Hyperraumkanone umgebaut.

Hinzu kommt, dass Kylo Ren genauso wie Leia Luke Skywalker finden möchte. Er ist besessen von Darth Vader und will dessen „Werk“ vollenden: den letzten der Jedi zu töten. Einer der besten Piloten des Widerstands, Poe Dameron, hat nun endlich einen Hinweis auf Skywalkers Aufenthaltsort gefunden, ein Chip, den er in einem Dorf auf der Wüstenwelt Jakku ausgehändigt bekommt. Doch die Erste Ordnung ist ihm schon auf den Fersen, das Dorf wird von Sturmtruppen erobert, Damerons X-Wing schwer beschädigt und er so am Starten gehindert. Bevor er festgenommen wird, kann Poe den Chip seinem Astro-Droiden BB-8 übergeben und schickt ihn weg. Die Bevölkerung des Dorfes wird von den Sturmtruppen hingeschlachtet. Lediglich ein Truppler eröffnet nicht das Feuer: FN-2187, der zuvor einen Kameraden sterben sah und nun Zweifel an seiner Aufgabe bekommt. Obwohl ihn die Sturmtruppler-Kapitänin Phasma zurechtweist und zur Konditionierung schickt, will er bei der Drecksarbeit für die Erste Ordnung nicht mehr mitmachen. Kurzerhand holt er Poe Dameron unter einem Vorwand aus dem Inhaftierungsblock von Kylos Sternzerstörer und überredet ihn dazu, einen TIE-Jäger zu stehlen, um zu entkommen. Der TIE wird jedoch angeschossen und stürzt auf Jakku ab. FN-2187, der kurz zuvor von Dameron den Namen „Fin“ bekommen hat, ist mitten in der Wüste auf sich allein gestellt. Er läuft los und findet eine Siedlung. Dort trifft er auf die Schrottsammlerin Rey, die ihrerseits in der Zwischenzeit BB-8 aufgegriffen hat. Doch die Erste Ordnung ist nicht weit…

„Es machte den Kossalflug in weniger als vierzehn Parsec!“ – „Zwölf!“

Ich bin ein Star-Wars-Fan schon seit der Zeit, als die Filme noch den Titel „Krieg der Sterne“ trugen. Ich habe damals mit den Comics das erste „Expanded Universe“ verfolgt und später mit den Romanen von Timothy Zahn und den neuen Comics auch das zweite „Expanded Universe“ verfolgt, das nun ebenfalls für ungültig erklärt wurde. Der Schritt war zwar radikal, aber durchaus richtig, den in diesem Universum gab es ein paar Handlungsstränge, die nicht sehr gut gelungen waren (zum Beispiel kam plötzlich der Imperator wieder zurück, wobei es sich herausstellt, dass er vor seinem Tod einen Klonkörper geschaffen hatte und seine Seele einfach in diesen transferierte). Außerdem hatten die Drehbuchautoren Lawrence Kasdan, Michael Arndt und J.J. Abrams so völlig freie Hand beim Entwerfen der Geschichte für die neue Trilogie, ohne sich mit allzu viel bereits geschriebenem beschäftigen zu müssen.

Und um es kurz zu machen: Ich bin begeistert von dem Film. Zwar kann man sehr viel wiedererkennen in der Handlung, aber es gibt auch viel Neues und es werden neue Wege beschritten. So wird zum Beispiel der Hintergrund von Kylo Ren genauer beleuchtet [1], anstatt ein Geheimnis daraus zu machen. Außerdem verhält sich tatsächlich mal keine Figur „idiotisch“.

Photo by Simon Zhu on Unsplash
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Oha, ein Bruch. Ja, was ist das denn? Ich weiß ja nicht, warum Sie auf diesen Artikel gekommen sind, denn ich habe ihn definitiv erst im Mai 2019 beendet, das heißt, wortwörtlich Jahre nachdem ich ihn begonnen habe. Komische Sache, was? Die ganze Zeit war dieser Artikel unvollendet geblieben, obwohl ich ihn veröffentlichen wollte, und zwar unmittelbar nachdem ich den Film gesehen hatte. Ich habe es nicht getan. Das lag allerdings nicht daran, dass ich meine Meinung über den Film geändert hätte.

NEIN!

Ich finde die Sequel-Trilogie immer noch gut und zu dem Zeitpunkt, da ich dies schreibe, freue ich mich auf Episode IX. So!

Nein, diese Kritik habe ich nicht mehr fortgesetzt zu schreiben, weil ich mich selbst nicht unter Druck setzen wollte. Ich habe „Das Erwachen der Macht“ direkt am Erstveröffentlichungstag gesehen und mich direkt noch rangesetzt, diesen Artikel zu schreiben. Dann hörte ich auf, weil ich die Filmpremiere mit einem Besuch im Europa-Park verband. Und es gab noch anderes zu sehen und zu erleben. Damit blieb die Kritik erstmal unvollendet, selbst als die Fortsetzung „Die letzten Jedi“ ins Kino kam.

Ohne es anfänglich im Sinn gehab zu haben, habe ich damit aber etwas getan, von dem ich finde dass sich so mancher Kritiker eine Scheibe abschneiden kann: Abstand gewinnen! Wirken lassen! Wieder Zuschauer sein! Ich sehe viele Kritiker – manchmal möchte ich auch „so genannte“ Kritiker schreiben -, die den Film verrissen haben und offenbar sicherstellen wollten, dass andere ihn auch schlecht finden, ohne ihn gesehen zu haben. Das gleiche gilt mittlerweile für „Die letzten Jedi“. Und ja, tatsächlich gibt es Menschen, die jetzt (knapp sieben Monate vor der Premiere!) schon wissen, dass auch Episode XI („Der Aufstieg Skywalkers“) schlecht sein wird. In einem Essay kam dann eine interessante Frage auf:

„Kann man einen Film auf eine falsche Weise sehen?“

Diese Frage würde ich mittlerweile mit „ja“ beantworten. Und damit sind wir beim Problem der „professionellen Kritiker“ – beziehungsweise auch denjenigen, die sich für sowas halten. Ich war ja ein begeisterter Fan von Doug Walker, den „Nostalgia Critic“ von Channel Awesome. Doch je länger ich mir die Reihe anschaue, desto weniger gefällt mir, was da getan wird. Seine Kritiken arten mittlerweile in Parodien aus und potenzieren so das Problem, das am Anfang der Serie nicht so ganz offensichtlich war: Der Zwang, sich auf Teufel-komm-raus über einen Film lustig machen zu müssen. Hinzu kommt der Zeitdruck, wie der Name verrät, hat der „Nostalgia Critic“ mal angefangen, indem er alte Filme verarbeitet hat, die der Erinnerung vielleicht nicht so ganz standhalten und heute eher merkwürdig wirken. Der zeitliche Abstand war groß genug und es gab keinen Zwang, sich einen ganz bestimmten Film vorzuknöpfen, wenn es noch nicht genug Ideen dazu gab.

Doch nun ist das anders: Der „Nostalgia Critic“ nimmt sich Filme vor, kaum dass sie ins Kino gekommen sind und unterliegt damit dem Druck, den ich erwähnte. Er muss nun irgendwas finden, über das er sich lustig machen kann. In die gleiche Kerbe schlägt übrigens die Reihe „Everything Wrong about“ (vom Kanal Cinema Sins), die angeblich Filme auf Filmfehler untersucht und diese präsentiert. Dabei nehmen sie es nicht so ganz genau und behaupten schon mal Dinge, die so im Film gar nicht vorkamen (wer sich darüber informieren will, der YouTuber Shaun hat verschiedene Machwerke von Cinema Sins auseinander genommen („Mad Max„, „The Empire Strikes Backund viele andere). Dass es tatsächlich viele Zuschauer dieser Videos gibt, die diesen – in meinen Augen schlechten – Parodieversuch für bare Münze und als Kritik nehmen und deswegen Filme schlecht finden, ohne sie gesehen zu haben, wird dabei mit der Ausrede „Ist doch alles nur Spaß!“ abgetan. Nein, denn wenn ich mir diese Videos anschaue, stelle ich fest, dass sie eigentlich immer weniger lustig und eigentlich nur noch boshaft sind.

Und was ich ebenso erschreckend finde, sind die radikalen Reaktionen und die Selbstüberschätzung von manchen. Die neuen Star-Wars-Filme hatten ihr Publikum und Leute finden sie gut. Dann kommt jemand daher, dem der Film nicht gefallen hat. Das ist noch legitim. Was dann folgt, allerdings nicht mehr: „Mir hat das nicht gefallen, also ist der Film schlecht!“ – „Disney schuldet den Fans eine Entschuldigung!“ – „Die Fans wollen [dies und das, siehe Fußnote 2] nicht!“

Wie arrogant und überheblich ist das denn? Eine Person, der etwas nicht gefallen hat, bildet sich ein, für „die Fans“ sprechen zu können? „Die Fans“ von Star Wars gibt es doch überhaupt nicht! Fans sind eine ungemein heterogene Gruppe, da sind alle möglichen Typen dabei. Und eben auch Leute, denen die neuen Star-Wars-Filme gefallen. Sogar Leute, denen die Prequels gefallen haben. Aber denen spricht man das Recht auf eine Meinung ab, die seien halt keine „wahren“ Fans.

Ach so?

„Wahre“ Fans… vielleicht auch „reine“ Fans? Klingt für mich wie ein Kult. Das Wort „Fan“ kommt ja ursprünglich von „fanatic“, also „Fanatiker“. Und bei manchen scheint das wirklich zu stimmen. Leider sind diejenigen, die in „wahre“ und „falsche“ Fans unterscheiden, sehr laut und sehr hartnäckig. Alles, was sie in Bezug auf Star Wars hören, wird sofort in deren Sinn interpretiert. Als Disney ankündigte, die eigentlich aufgegebene letzte Staffel von „Star Wars – The Clone Wars“ doch noch zu produzieren, wurden sofort Stimmen laut, die spekulierten, dass das Disneys Entschuldigung bei „den Fans“ sei für „Die letzten Jedi“.

Als der Trailer für „Der Aufstieg Skywalkers“ rauskam, war sofort das Geschrei groß, das könne ja nichts werden. „Dead on Arrival“ schrieb jemand, obwohl wir nicht die Spur einer Ahnung haben, was die genaue Handlung von Episode IX sein wird. Ich bedauere diese Menschen, denn sie werden nie diese Aufregung spüren wie ich sie spürte, als der Trailer ins Dunkel abblendete, es totenstill wurde… und auf einmal das Lachen des Imperators zu hören war. Ja, ich freue mich auf den Film.

Das Wort „Fanatiker“ leitet sich etymologisch von dem lateinischen „fanaticus“ ab, was wörtlich übersetzt „wahnsinnig, aber göttlich inspiriert“ bedeutet. Schade, dass es so viele „Fans“ gibt, die den Teil mit „göttlich inspiriert“ irgendwie total vermissen lassen und sich lieber dem puren Wahnsinn hingeben.

Niemand muss eine Geschichte oder einen Film mögen. Aber dann ist man halt jemand, dem etwas nicht gefällt. Man ist nicht der Sprecher für „die Fans“ oder berechtigt, eine Entschuldigung zu fordern.

Mir zum Beispiel hat der Asterix-Band „Gallien in Gefahr“ nicht gefallen. Ich fand weder die Idee zur, noch die Absicht hinter der Geschichte gut. Aber deswegen erwarte ich nicht, dass sich Uderzo persönlich bei mir dafür entschuldigt.

Können wir uns bitte wieder wie zivilisierte Menschen benehmen?

Die Fußnoten

[1] Kylo Ren ist der Sohn von Han Solo und Leia Organa. Das gibt dem Umstand, dass ausgerechnet Luke mit seiner Ausbildung versagt hat, eine besonders tragische Note und erklärt sehr gut seine Bessessenheit von Darth Vader, der ja sein Großvater ist. Muss ich das hier hinschreiben? Ja, diese Fußnote stammt noch aus den ursprünglichen Teil. Ich lass das mal da.

[2] Hier kann man verschiedene Dinge aufzählen, starke Frauenrollen, Reys Herkunft als „Nobody“, Luke, der sich von der Macht abgetrennt hat…

Die Macht ist zurück im Kino: Spektakulärer Kinostart von STAR WARS Episode VIII: Die letzten Jedi

(c) Lucasfilms

(c) Lucasfilms
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Star Wars schreibt einmal mehr Kinogeschichte: Mit rund 1,625 Mio. Besuchern und einem Einspielergebnis von knapp 20 Mio. Euro an vier Tagen ist Stars Wars: Die letzten Jedi nicht nur mit Abstand der beste Kinostart des laufenden Jahres gelungen, sondern der zweitbeste Filmstart aller Zeiten. Das neueste Kapitel der Star Wars-Saga ist seit Donnerstag deutschlandweit zu sehen und begeistert weltweit Fans und Kritiker.

Auf faszinierende und unerwartete Weise setzt Star Wars: Die letzten Jedi die Handlung aus Star Wars: Das Erwachen der Macht fort. Im neuen epischen Abenteuer der Skywalker-Saga werden uralte Mysterien der Macht entschlüsselt und erschütternde Enthüllungen aus der Vergangenheit kommen ans Tageslicht.

Star Wars: Die letzten Jedi vereint erneut alte und neue Helden vor der Kamera: Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Gwendoline Christie, Kelly Marie Tran, Laura Dern und Benicio Del Toro gehören zur eindrucksvollen Besetzung des Films, der von Kathleen Kennedy und Ram Bergman produziert wurde. Als ausführende Produzenten zeichnen J.J. Abrams, Tom Karnowski und Jason McGatlin verantwortlich. Rian Johnson schrieb das Drehbuch und führte Regie.

Der Film startete am 14. Dezember 2017 im Verleih von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany in den deutschen Kinos.

Quelle: The Walt Disney Company

 

STAR WARS Episode VIII: Die letzten Jedi – Rezension

(c) Lucasfilms

(c) Lucasfilms
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Episode VIII beginnt quasi genau dort, wo Episode VII geendet hat: Kurz nach der Schlacht um die Starkiller-Basis. Die Erste Ordnung ist wild entschlossen, den Stützpunkt der Rebellen zu zerstören und damit das letzte Überbleibsel des Widerstands. Während sich Finn immer noch im Koma befindet, packen die Leute des Widerstands notdürftig alles zusammen und verlassen den Planeten. Es ist an Poe Dameron, einen Angriff auf das Flaggschiff der Ersten Ordnung zu fliegen, um den Transportschiffen Zeit zum Entkommen zu geben. Der Angriff läuft allerdings nicht so wie geplant, da die Erste Ordnung die Bomber des Widerstands abwehren und eine Attacke auf das Führungsschiff des Widerstandes fliegen kann, bei der General Leia Organa schwer verletzt und der Rest des Führungsstabes – einschließlich Admiral Ackbar – getötet wird. Ein Fluchtversuch der Widerstandsflotte bleibt ohne Wirkung, denn die Erste Ordnung ist in der Lage, die Schiffe im Hyperraum anzupeilen und hängt ihnen schon wieder an den Fersen. Der Widerstand versucht, mit Unterlichtgeschwindigkeit so viel Abstand zu halten, dass die Waffen der Sternzerstörer keine Wirkung haben, aber die Zeit läuft ab: Den Schiffen geht der Treibstoff aus! Finn, der aus dem Koma wieder erwacht ist, Poe und die Technikerin Rose entwickeln einen Plan, der Ersten Ordnung zu entkommen, indem Finn und Rose sich an Bord des Schiffes der Ersten Ordnung schleichen und den Hyperraumscanner genau so lange abschalten, dass die Widerstandsflotte entkommen kann. Doch dazu brauchen sie die Hilfe eines Spezialisten für Schlösser und Geheimcodes, und einen solchen finden sie nur in Canto Bight, der Kasinostadt…

Rey hat indessen den Jedimeister Luke Skywalker aufgespürt. Der ist mäßig begeistert davon, noch eine Schülerin auszubilden, da er sich wegen seines Versagens an Kylo Ren / Ben Solo grämt. Doch so leicht gibt Rey nicht auf. Während sie darauf wartet, dass Luke seine Meinung ändert, stellt sie fest, dass sie über die Macht mit Kylo in Kontakt treten kann. Sie versucht, ihn zu bekehren…

„Die Rebellion ist nicht vorbei. Der Krieg hat gerade erst angefangen!“
– Luke Skywalker

Erstmal ganz ohne Spoiler: „Die letzten Jedi“ ist ein sehr gelungener Film! Es sind Elemente vorhanden, die wir alle – und vor allem auch die Fans – kennen, aber es wird nicht einfach etwas wiederholt. Im Gegenteil, der Film erlaubt sich einige Brüche mit dem, was man von STAR WARS vielleicht erwartet hätte, und er macht das richtig gut. Vor allen Dingen die Auflösung ein paar drängender Fragen ist überraschender als mancher gedacht hat. Natürlich ist der Film nicht perfekt, aber die Momente, die – zumindest nach meinem Empfinden – nicht so gut sind, fallen kaum ins Gewicht, da die richtig guten Momente sie völlig überstrahlen. STAR WARS geht weiter und traut sich, eine neue Richtung einzuschlagen. Das ist gut und macht Lust auf mehr, auch auf die neue Trilogie von Episode X bis XII, die bereits angekündigt wurde. Erstmal bleibt aber abzuwarten, wie Episode IX den aktuellen Handlungsbogen abschließt.

DIE REZENSION GEHT WEITER: AB HIER SPOILER!

Okay, falls jemand Schwierigkeiten hatte, die Überschrift über diesem Absatz zu lesen: AB HIER SPOILER! Es werden wesentliche Teile des Handlungsverlaufs verraten und auch einige der Überraschungen. Also sagt nicht, Ihr seid nicht gewarnt gewesen.

Eine der großen Überraschungen in diesem Film ist zweifellos der Tod des großen Anführers Snoke (und ich hoffe, dass er nicht als halber Cyborg in der nächsten Episode wieder auftaucht). Das spielt nahtlos in die andere große Überraschung mit rein, wer Reys Eltern sind: Einfache Schrotthändler von Jakku, die ihre Tochter an Unkar Plukk verkauft haben. Ein Kritiker schrieb dazu, dass George Lucas der Film deswegen nicht gefallen werde, weil er doch dieses große Sternendrama über die „adlige Familie Skywalker“ produziert habe und eine „gewöhnliche Sterbliche“ wie Rey da nicht reinpasst. Das ist schon deswegen Unsinn, weil Anakin Skywalker selbst ja Sklave und Sohn einer Sklavin war. Im Gegenteil, es passt sehr gut zum Ton, den die Prequels ja schon angeschlagen hatten. Die Jedi waren sehr elitaristisch geworden, dabei ist eine Begabung in der Macht nicht etwas, das Ultraprivilegierten vorbehalten ist. Im Gegenteil, auch „gewöhnliche Sterbliche“ haben sie und es kommt letztlich darauf an, was man daraus macht. Mit dem Mord an Snoke hat Kylo Ren sich endgültig für eine Seite entschieden – und Rey wird ihm nicht folgen.

Selbst Yoda, der sich als Machtgeist materialisiert, hat eine Lektion gelernt: Das Versagen gehört mit dazu. Luke läuft vor allen Lebewesen der Galaxis davon, da er sich für sein Versagen schämt, das einen neuen Darth Vader erschaffen hat, doch Yoda, dessen Versagen immerhin den Imperator in seinem Amt installiert hat, belehrt ihn eines besseren: Man muss aus dem Versagen lernen. Die alten Jedi hatten vor der Rückkehr der Sith und den Klonkriegen keine wirkliche Herausforderung, was sie zur Überzeugung gebracht hat, fehlerfrei zu sein. Aber das ist niemand.

Noch eine Überraschung, die das Universum von STAR WARS noch offener macht, ist der Umstand, dass Poe, Finn und Rose einen raffinierten Plan ausarbeiten, der Anfangs mit ein paar Widrigkeiten zu kämpfen hat, aber aufzugehen scheint – bevor er grandios scheitert. Und damit meine ich nicht im Stil wie der Angriff der Rebellen auf den zweiten Todesstern scheitert, denn hier halfen die Ewoks dabei, das schlimme Ende doch noch abzuwenden, nein, der Plan scheitert völlig. Der Versuch, in das Flaggschiff der Ersten Ordnung einzudringen, wird entdeckt. Anstatt dem Widerstand eine Fluchtmöglichkeit zu bieten, passiert das Gegenteil, General Hux wird auf einen Fluchtplan der Widerstandskämpfer aufmerksam gemacht und schickt sich an, den Widerstand ganz auszulöschen.

Ja, es ist sehr viel los in den 150 Minuten, die der Film lang ist, und es wird nie langweilig. Nun möchte ich aber noch zu ein paar negativen Punkten kommen, die wie gesagt das Gesamtbild aber nicht allzu sehr trüben. Da ist zunächst einmal Captain Phasma. Die Figur wurde durch ihren eigenen Roman und die Comicreihe „Captain Phasma“ (Rezensionen zu Teil 1, Teil 2, Teil 3) mit einem ausführlichen Hintergrund versehen, in diesem Film spielt sie aber kaum eine Rolle, bevor sie in ein Flammenmeer stürzt und vermutlich stirbt. Das passt nicht ganz zusammen. Sie tritt auch erst kurz vor ihrem Tod in Erscheinung und bleibt den Rest des Filmes über unsichtbar. Poe Damerons Handlungsbogen – er darf nicht immer so ein Hitzkopf sein und Dinge zu sehr aus dem Bauch heraus entscheiden – ist leider eine Wiederholung, denn etwas ähnliches hat er schon in Roman und Comic erlebt. Man sollte allerdings erwarten, dass Dameron seine Lektion endlich lernt, nachdem er sie wiederholt machen durfte. Er zettelt eine Meuterei an, was verständlich ist, allerdings nicht, wie die Situation zustande kommt, und da sind wir bei einem anderen Kritikpunkt, der den Namen „General Holden“ trägt. Laura Dern spielt diese sehr überzeugend, der Konflikt zwischen ihr und Dameron hätte jedoch sehr einfach vermieden werden können, wenn Holden ihm einfach erklärt hätte, was genau der Plan der Führungsspitze ist. Sie hätte sich auch ausmalen können, dass die Art und Weise, wie sie ihn höchst arrogant abkanzelt, geradezu seinen Widerstandsgeist herausfordert.

Das Thema dieser Episode ist eindeutig „die Vergangenheit hinter sich lassen“. Natürlich hat das damit zu tun, dass die Zeit immer weiter fortschreitet und die Menschen, die heute noch da sind, morgen nicht mehr da sein werden. Schmerzlich haben das das Filmteam und die Fanwelt erleben müssen, als Carrie Fisher nach Abschluss der Dreharbeiten überraschend an einem schweren Herzinfarkt verstarb. In STAR WARS ist vieles möglich, Snoke könnte zurückkehren oder auch Phasma, ja selbst Luke, der am Ende des Films eins mit der Macht wird, könnte sich als Machgeist zurückmelden, doch General / Prinzessin Leia wird nicht wiederkommen. Die Geschichte aber geht weiter. Auch hier ist es wieder eine Frage, wie man damit umgeht. Kylo Ren verwendet den Sith-Ansatz, „lass die Vergangenheit sterben, töte sie, wenn Du musst!“ Oder aber man geht weiter, nimmt die Erinnerungen an vergangene Tage mit, lässt sich von ihnen aber nicht gefangen halten. An diesem Punkt befindet sich das STAR-WARS-Franchise jetzt. „Die letzten Jedi“ ist ein gelungener Beitrag zum Universum und ein mutiger Schritt nach vorne.

Und auch wenn die Spekulationen natürlich weiterlaufen werden, dürfen gerade die Fans Yodas Worte nicht vergessen: Man muss im Moment sein, im Hier und Jetzt, die Zukunft im Auge behalten, aber nicht auf Kosten des Augenblicks.

 

STAR WARS Comics Nr. 29: Captain Phasma

(c) Marvel / Panini Comics

(c) Marvel / Panini Comics
(c) Marvel / Panini Comics

Was bisher geschah:
Kurz vor der Vernichtung der Starkiller-Basis schafft es Captain Phasma, der Müllpresse zu entkommen, in die sie von Han Solo und Finn geworfen wurde. Als sie auf dem Computer zugreift, um Datenspuren zu löschen, die beweisen würden, dass sie es war, die den Schild der Basis deaktiviert hat, stellt sie fest, dass das schon jemand anders getan hat: Lieutenant Sol Rivas. Sie rekrutiert eine TIE-Pilotin mit ihrer Maschine und ihrer BB-Einheit und verfolgt Rivas, um ihn zum Schweigen zu bringen. Rivas landet auf einem kaum bekannten Planeten und wird von den R’ora, einer der dort lebenden Spezies, gefangen genommen. Phasma und die Pilotin nehmen Kontakt mit einer anderen Spezies, den Lupr’or, auf, um mehr über Rivas‘ Schicksal zu erfahren…

„Jemand wie ich überlebt. Egal um welchen Preis. Heute besteht der Preis im Zusammenführen loser Enden.“
– Captain Phasma

Phasma will ganz sicher sein, dass Rivas nicht überlebt, das Wort der Lupr’or, dass jeder Gefangene der R’ora sterben wird, reicht ihr nicht. Phasma hält eine Rede und überzeugt die Lupr’or davon, ihr im Kampf gegen die R’ora beizustehen. Nachdem sie ein abgestürztes Raumschiff entdeckt haben, verfügen sie sogar beschränkt über Waffengewalt, die ihnen Zutritt zur Festung der R’ora verschafft. Dort kommt es zum Kampf der Lupr’or gegen die R’ora, doch Phasma hat nur Sol Rivas im Kopf…

Ja, da ist dieser Comic doch gerade noch knapp rechtzeitig eingetroffen. „Knapp“ rechtzeitig deswegen, weil ich ihn nicht mehr lesen konnte, bevor ich „Die letzten Jedi“ sehen durfte. Aber rechtzeitig, da ich nun diese Rezension doch noch vor der von Episode VIII schreiben kann. Und a propros „Rezension“: Mehr als „Das Erwache der Macht“ zeigt uns dieser Comic erneut einen Einblick in den Hintergrund von Captain Phasma, teilweise sogar mit Rückblicken auf ihr früheres Leben. Damit bekommt die doch recht einseitig dargestellte Figur etwas Tiefe, allerdings nicht in der Art, dass man nun irgendeine Form von „Mitleid“ mit ihr hat. Lediglich ihre Motivation wird erklärt, sie bleibt die gleiche kalte Sturmtrupplerin, die wir schon kennen. Und sie ist sehr kompromisslos. Als beispielsweise die TIE-Pilotin sich bewundernd über die Rede äußert, mit der Phasma die Lupr’or zum Kampf gegen die R’ora aufstachelt, erwidert Phasma, dass das alles nur Mittel zum Zweck sei. Zwar wird sich durch diese Schlacht die Gesellschaft der Lupr’or grundsätzlich ändern (denn derartiges haben sie noch nie zuvor gemacht), aber das ist ihr völlig egal. Ihr geht es nur darum, Rivas zur Strecke zu bringen.

Noch eine Anmerkung: Die Comic-Reihe verlässt nun endgültig irgendeine Art von Chronologie. Während die ersten Comics zwischen Episode IV und V spielten, gab es immer wieder mal einzelne Ausbrüche, etwa mit der Geschichte, wie C3PO an den roten Arm gekommen ist, den er in „Das Erwachen der Macht“ hat. Mit dem Mix aus STAR WARS Annual und den Captain-Phasma-Comics der letzten Ausgaben wurde die Reihenfolge wieder verlassen, für die nächste Ausgabe ist eine Geschichte angekündigt, die sogar noch vor Episode I spielt: „Darth Maul“.

Und wie spielt nun der Captain-Phasma-Comic in Episode VIII rein? Kurz warten, die Rezension zu „Die letzten Jedi“ folgt…

STAR WARS Comics Nr. 28: STAR WARS Annual #2 / Captain Phasma #2

(c) Marvel / Panini Comics

(c) Marvel / Panini Comics
(c) Marvel / Panini Comics

Was bisher geschah:
Kurz vor der Vernichtung der Starkiller-Basis schafft es Captain Phasma, der Müllpresse zu entkommen, in die sie von Han Solo und Finn geworfen wurde. Als sie auf dem Computer zugreift, um Datenspuren zu löschen, die beweisen würden, dass sie es war, die den Schild der Basis deaktiviert hat, stellt sie fest, dass das schon jemand anders getan hat: Lieutenant Sol Rivas. Sie rekrutiert eine TIE-Pilotin mit ihrer Maschine und ihrer BB8-Einheit und verfolgt Rivas, um ihn zum Schweigen zu bringen…

„Er sagt, diese R’ora hätten ‚unseren Freund‘ gefangen genommen. Und er sagt, das bedeutet, er wird bald tot sein.“
– Captain Phasma

Phasma verfolgt Sol Rivas in einem TIE-Jäger, wird allerdings von der Pilotin TN-3465 darauf aufmerksam gemacht, dass der TIE eigentlich repariert werden sollte und nicht voll einsatzklar ist. Anstatt Rivas abzuschießen bleibt Phasma nur die Möglichkeit, ihn zu verfolgen. Sie beobachtet, dass er auf dem Planeten Luprora landet. Sie und TN-3465 landen ebenfalls. In einer verlassenen Hütte finden sie Kleidungsstücke, mit denen sie ihre außerweltliche Herkunft zu verschleiern suchen. Kurz darauf machen sie eine unangenehme Begegnung mit der Tierwelt des Planeten, bevor sie auf Eingeborene stoßen…

Die zweite Geschichte aus dem „Star Wars Annual“ ist wieder eine „Stand Alone Story“ aus der Zeit der Rebellion:  Prinzessin Leia ist auf Skorii-Lei und hat wichtige Informationen erhalten. Auf dem Weg zum Treffpunkt mit Han Solo und Luke Skywalker wurde sie allerdings schwer verletzt und liegt nun in der Hütte der Ingenieurin Pash Davane, die nicht weiß, was sie mit der prominenten Rebellenanführerin machen soll. Mittlerweile ist auch das Imperium angekommen und Kopfgeldjäger durchsuchen ebenfalls die Stadt. Nachdem Pash Medikamente besorgt hat, wird sie von Leia, die sie für bewusstlos gehalten hat, überwältigt. Allerdings sind Leias Probleme damit nicht erledigt, denn die Sturmtruppler fangen an, Gebäude für Gebäude zu durchsuchen…

Zunächst zur Phasma-Geschichte: Sie bildet – neben dem Roman „Phasma¹“ – einen wichtigen Baustein zur Überbrückung zwischen „Das Erwachen der Macht“ und „Die letzten Jedi“. Es wird erklärt, wie sie der Explosion der Starkiller-Basis entkommen ist und was unmittelbar danach geschah. Leider wird das Heft mit den zwei abschließenden Teilen erst nach der Premiere von „Die letzten Jedi“ auf Deutsch erscheinen, das heißt, ich kann erst dann ein abschließendes Urteil abgeben. Bisher entwickelt sich die Geschichte jedoch recht gut und nimmt ein Handlungselement auf, das auch von Fans kritisiert wurde: Ist niemandem auf Starkiller aufgefallen, wer die Schilde deaktiviert hat? Es gibt ein paar Einblicke in Phasmas Charakter und beinahe hätte man sie sogar ohne Helm gesehen, aber der Zeichner versteht es, ihr Gesicht gut zu verstecken. Natürlich kann man so eine Enthüllung nicht in einem Comic abhandeln, wenn Phasma ohne Helm zu sehen ist, dann muss das natürlich in einem der Filme geschehen.

Dann zur „Star Wars Annual“-Geschichte: Diese würde ich als „routiniert“ beschreiben, sie ist interessant, leider wird es langsam repetitiv: Einer unserer Helden ist unterwegs, gerät in Nöte und muss sehen, wie er – beziehungsweise in dieser Geschichte sie – da wieder rauskommt. Und Leia, die mit jemand anderem klarkommen und von ihrer guten Absicht überzeugen muss, diese Geschichte hatten wir eigentlich schon in dem Sonderband „Prinzessin Leia„. Die Geschichte ist nicht schlecht, aber eben auch nicht neu, noch dazu, da wir – die Leser – wissen, wie es ausgehen muss.

Tja, sieht so aus, als wäre die nächste Rezension dann die über „Die letzten Jedi“…


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STAR WARS Comics Nr. 27: STAR WARS Annual #1 / Captain Phasma #1

(c) Marvel / Panini Comics

(c) Marvel / Panini Comics
(c) Marvel / Panini Comics

Ein „Was bisher geschah“ für die Nr. 27 der STAR WARS Comics ist nicht nötig, da das Heft zwei Geschichten beinhaltet, die außerhalb der bisherigen Reihe laufen.

„Jetzt vollenden wir unsere Mission. Wir bringen den Verräter zur Strecke, der es zuließ, dass die Starkiller-Basis vernichtet wurde… Lieutenant Sol Rivas.“
– Captain Phasma

Die beiden Geschichten des Comics sind zudem durch die Zeit getrennt. Der erste Teil des Heftes geht um Captain Phasma und spielt demzufolge also zur Zeit der Ersten Ordnung, Jahre nach dem Sturz des Imperiums. Um ganz genau zu sein beginnt die Handlung in den letzten Minuten von EPISODE VII. Captain Phasma, die von Han Solo und Finn in einen Müllschacht geworfen worden war, ist es gelungen, sich daraus zu befreien. Während um sie herum die Starkiller-Basis auseinander fällt, verwischt sie als erstes ihre Spuren und löscht alle Hinweise darauf, dass sie es war, die den Schutzschild der Basis deaktiviert war. Dabei entdeckt sie eine Aufzeichnung, dass sich vor ihr noch ein Offizier am Computer zu schaffen gemacht hat: Lieutenant Sol Rivas. Sie sieht eine gute Gelegenheit gekommen, von sich abzulenken und macht sich sofort an die Verfolgung von Rivas…

Die zweite Geschichte bringt uns wieder in die Zeit des Imperiums. Auf Coruscant lebt der Rebellenspion Eneb Ray unter dem Namen Tharius Demo. Es ist kurz nach der Vernichtung des ersten Todessterns. Prinzessin Leia hat eine Aufgabe für Eneb: Er soll gefangene Senatoren befreien, die durch das Imperium zum Tode verurteilt wurden. Dazu begibt er sich zum Gefängniskomplex Arrth-Eno, um einen raffinierten Plan auszuführen. Doch er muss feststellen, dass der Imperator ebenfalls sehr raffiniert sein kann…

Bleiben wir gerade mal bei der zweiten Geschichte, weil diese in sich geschlossen ist: Sie beginnt sehr langsam, offenbart dann aber ein paar sehr raffinierte Wendungen, die einmal mehr herausstellen, dass der Imperator den Rebellen auch durch seine Skrupellosigkeit überlegen ist. Moralische Überlegungen stellt er gar nicht an, er hat ein Ziel und er ist bereit, alles – außer sich selbst – diesem Ziel zu opfern. Die Geschichte ist eine passende Ergänzung zum Mythos des Imperators.

Die erste Geschichte um Captain Phasma besteht aus insgesamt vier Teilen und gehört zu dem Zyklus, der langsam zur EPISODE VIII führen soll. Wie man schon aus der Beschreibung sieht, soll der Comic erklären, wie Phasma aus dem Müllschacht und von der Starkiller-Basis entkommen konnte. Außerdem trifft sie im Verlauf der Handlung auf einen Droiden, der – soweit ich es verstanden habe – auch im Film eine wesentliche Rolle spielen soll. Auf diese Weise greifen die verschiedenen Medien direkt ineinander. Nun lässt sich über die Geschichte selbst noch kein finales Urteil bilden, immerhin handelt es sich hier nur um Teil 1 von 4, aber es ist ein vielversprechender Auftakt. Phasma wird ebenfalls in ihrer ganzen Skrupellosigkeit gezeigt, wie sie versucht, ihre eigene Tat (das Deaktivieren der Schilde der Starkiller-Basis) jemand anderem anzuhängen (und falls es jemand interessiert: Warum sie die Schilde in EPISODE VII einfach so deaktiviert hat, wird in dem Roman „PHASMA“ erklärt, der ihre Hintergrundgeschichte und ihren Charakter etwas mehr beleuchtet). Leider hat gerade diese Geschichte einen Wermutstropfen: Dem Autor ist der zeitliche Ablauf der Ereignisse auf der Starkiller-Basis durcheinander geraten. Die Geschichte wird von einem Countdown begleitet, der auf die volle Aufladung der Starkiller-Waffe gezählt wird. Die Handlung beginnt sechs Minuten vor der vollen Aufladung. Zum Zeitpunkt zwei Minuten vor der Aufladung berichtet Phasma, dass sie Kylo Ren und eine unbekannte Person bei einem Kampf mit Lichtschwertern beobachtet hat. Sie befindet sich dabei – natürlich – außerhalb des Hauptgebäudes am Wald. Eine Minute zuvor hat ein Wachposten sie angesprochen und von dem Gerücht erzählt, dass General Hux evakuiert worden sei. Das Problem bei ist: Die Starkiller-Waffe war bereits aufgeladen, als Kylo sich noch in der Basis befand. Es ist ja der große Moment in EPISODE VII, die Sonne verschwindet, die Dunkelheit legt sich über Kylos Gesicht und er durchbohrt Han Solo mit seinem Lichtschwert. Erst danach kommt es zum Duell zwischen ihm und Finn, beziehungsweise Rey (im Comic kann man nicht erkennen, mit welchem von beiden er sich gerade duelliert). Und General Hux wurde erst evakuiert, als der Reaktor der Starkiller-Basis bereits am Explodieren war, ebenfalls einige Zeit nach der vollständigen Aufladung der Waffe. Irgendwas ist hier also durcheinander gekommen und es wundert mich ein wenig, dass das niemandem aufgefallen ist.

Außerdem gibt es einen zweiten „Fehler“, aber der hängt mit einer ganz persönlichen Vorliebe von mir zusammen: Ich mag Chronologien, und mit diesem Heft wird die chronologische Reihenfolge endgültig aufgebrochen (es gab ja schon einmal eine Geschichte als Einschub, in der davon erzählt wurde, wie C3PO seinen roten Arm bekommen hat). Das stört mich ein wenig, mir wäre es lieber gewesen, einfach die Geschichten zwischen den Filmen der Original-Trilogie weiter zu erzählen. Stattdessen will man nun offenbar die Geschichten in loser Reihenfolge abhandeln.

Wenn alles so läuft wie geplant, dann wird die Geschichte um Captain Phasma allerdings leider erst zu Ende erzählt sein, wenn EPISODE VIII schon im Kino läuft: Der Film kommt am 14. Dezember heraus, das Ende der Reihe kommt in STAR WARS Comics Nummer 29, die voraussichtlich am 20. Dezember erscheint.

Abschließend bleibt zu sagen: Die Einzelgeschichte ist sehr stark und fügt einiges zum Mythos des Imperators dazu, die Geschichte von Captain Phasma macht neugierig auf mehr. Mal sehen, wie sich die Handlung hier weiter entwickelt.