Der Name der Rose – Durch das Ocularium betrachtet: Buch – Film – Serie | Prolog


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Transkript

Im Vorwort des Buches „Der Name der Rose“ erzählt Umberto Eco die fiktive Geschichte, wie er die Aufzeichnungen eines Mönches gefunden hat, die die Grundlage für die Geschichte bildeten, doch in der Tat weißt das Buch noch ein zweites Vorwort auf, einen Prolog. Dieser Prolog gibt bereits die Worte des Ich-Erzählers wieder und führt direkt in die eigentliche Handlung. Eco nutzt diese zweite Einführung, um eine große Klammer um die Geschichte zu setzen, der Erzähler beschreibt, dass er in seiner Jugend als Novize Zeuge unglaublicher Ereignisse wurde, er gibt einen Abriss der Lage wieder, in der sich die bekannte Welt zum damaligen Zeitpunkt befand und macht einen kleinen Vorgriff auf bestimmte Handlungselemente, bleibt allerdings so vage, dass es gerade gereicht, die Neugier von Leserin und Leser zu wecken. Dann folgt das erste Kapitel, womit wirklich in die Geschichte eingestiegen wird.

In dieser Reihe, in der ich durch das Ocularium auf die Geschichte blicken möchte, will ich den Prolog dazu nutzen, eine kurze Abhandlung und Kritik über den Roman, den zugehörigen Film und die Serie zu schreiben. Ich werde es dabei vermeiden, zu viele Handlungselemente, Überraschungen oder gar Lösungen zu verraten. Soll heißen: Wer Buch, Film und / oder Serie noch nicht kennt, kann dieser Abhandlung unbeschwert folgen und wenn er oder sie möchte, sich von mir beraten lassen. Ich werde meine persönliche Meinung wiedergeben. Ab dem nächsten Kapitel werde ich dann die Handlung genauer auseinander nehmen und davon berichten, welche Handlungsteile auf welche Weise vom Roman in den Film und in die Serie übernommen wurden. Dabei wird es selbstverständlich dazu kommen, dass ich alle Handlungselemente offenlege. Wer sich also am Ende des Prologs gerne Roman, Film oder Serie selbst zu Gemüte führen möchte, möge dies tun, bevor er oder sie die nächste Folge konsumiert. Vor allen Dingen in den späteren Folgen werde ich über die Ermittlungsarbeit der Protagonisten der Serie berichten und was diese ergibt. Zwar lohnt sich eine Lektüre des Romans meiner Meinung nach auch, wenn man die Handlung schon kennt, aber es gibt nun mal Menschen, die sich lieber überraschen lassen wollen.

Fangen wir nun an mit der Handlung von „Der Name der Rose“: Das Jahr ist 1327. Der Papst residiert zu dieser Zeit in Avignon und möchte seine Macht auf weltliche Herren ausbauen, während ebendiese weltlichen Herren sich ihre Macht nicht beschneiden lassen wollen. In diesen Disput wird der Mönchsorden der Franziskaner hineingezogen, die ein Armutsgelübde abgelegt haben und denen das Anhäufen von Reichtümern und das Auspressen armer Bauern durch die offizielle Kirche zuwider ist. In einer Benediktinerabtei im Norden Italiens soll nun ein Konvent stattfinden, eine Delegation der Franziskaner soll sich mit Abgesandten des Papstes treffen, um eine wichtige Frage zu klären: Hatte Jesus einen Geldbeutel? Diese Frage verdeckt allerdings nur einen tieferen Konflikt, für den sie als Stellvertreter steht, denn die wahre Frage ist: War Jesus arm – und soll deswegen auch die Kirche arm sein?

Auf dem Weg zu dieser Abtei, wo das Treffen stattfinden soll, ist unter anderem der englische Franziskanermönch William von Baskerville, begleitet von seinem Novizen und Adlatus Adson von Melk. Sie treffen auch als erstes ein, was von William durchaus nicht unbeabsichtigt ist, da er von der unglaublichen Bibliothek gehört hat, die dieses Kloster beherbergt, die er nur zu gerne gesehen hätte. Doch die Zeit scheint ungünstig zu sein, um in jener Abtei ein Treffen von solch politischen Dimensionen abzuhalten, den etwas Unheimliches ist geschehen: Nach einem schweren Sturm fanden die Mönche einen der ihren tot und zerschmettert außerhalb der Mauern. Er lag unterhalb des großen Turms, der das Aedificium – das Hauptgebäude – und die Bibliothek beherbergt. Das Unheimliche daran: Der Leichnam lag unterhalb eines Fensters, das man nicht öffnen kann. William von Baskerville, der für seinen scharfen Verstand bekannt ist und zuvor als Inquisitor gearbeitet hat, wird vom Abt beauftragt, Licht in die merkwürdige Sache zu bringen. Dabei muss William enttäuscht erfahren, dass es niemandem erlaubt ist, die Bibliothek direkt zu betreten. Dennoch gelingt es ihm durch Deduktion herauszufinden, wo der unselige Mönch wirklich von den Mauern stürzte, was allerdings immer noch ein Rätsel offen lässt: Sprang er freiwillig in den Tod – und wenn ja, warum? – oder wurde er gestoßen – und wenn ja, warum? Bevor William sich um diese Fragen kümmern kann, nehmen die Ereignisse an Fahrt auf: Ein zweiter Mönch wird tot in einem Bottich voll Schweineblut gefunden, ein dritter liegt kurz darauf tot im Badehaus. Aufgrund der besonderen Situationen, in denen die Leichen gefunden wurden – nach einem Sturm mit Eisregen, in Blut und in Wasser – ziehen ein paar Mönche Parallelen zu den Beschreibungen von den letzten sieben Tagen in der Apokalypse, in denen die sieben himmlischen Posaunen zu ähnlich gearteten Naturkatastrophen führen und vermuten, die Endzeit sei gekommen – oder zumindest aber der Teufel treibe sein Unwesen in der Abtei. William forscht jedem neuen Todesfall hinterher und kommt auf eine Gemeinsamkeit: die beiden Mönche, die nach dem Bruder, der in die Tiefe stürzte, ihr Ende fanden, starben an Gift, das eine geschwärzte Zunge und geschwärzte Fingerkuppen hinterlässt. Aufgrund von gefunden Aufzeichnungen der beiden stellt sich langsam heraus, dass die Tode mit einem Buch in Zusammenhang stehen, das heimlich aus der Bibliothek geholt wurde und das für so gefährlich gehalten wird, dass jemand dafür tötet.

Bei einer nächtlichen Spurensuche trifft Adson auf ein Mädchen, das von einem Mönch in das Kloster geschmuggelt wurde und mit der er eine Nacht auf eine Weise verbringt, die seinem Zölibatsgelübde widerspricht. Die Ereignisse überschlagen sich, als die päpstliche Delegation und mit ihr der Inquisitor Bernard Gui eintreffen. Gui wird von den Geschichtsbüchern als „effektiv“ beschrieben, was heißen soll, er war „effektiv“ beim Beschaffen von Geständnissen durch die Folter. Auch ihm bleiben die komischen Dinge, die sich des Nächtens in der Abtei abspielen, nicht verborgen. Seine Wachen fangen zwei Mönche und das Mädchen und Gui ist willens, seine Art der Wahrheit in Erfahrung zu bringen, um dann zu richten. Währenddessen möchte William immer noch den wahren Täter finden. Doch dazu müssen er und Adson einen Weg durch die Bibliothek finden, und diese wurde als Labyrinth konzipiert, damit Fremde sich verirren. Genauso verwirrend wie die Bibliothek ist auch die Serie von Mordfällen selbst…

Der Roman

Umberto Eco schrieb die Geschichte um William, Adson und die Morde im Kloster in den 1970er Jahren, 1980 erschien das Buch erstmals in Ecos Muttersprache Italienisch. Wenn man die Kritiken betrachtet, so wird dem Autor gerne mal vorgehalten, dass er sich mit langschweifigen Erklärungen aufhält, ja, es wird sogar ein Vergleich zum Stil von J.R.R. Tolkien und „Der Herr der Ringe“ gezogen. Tatsächlich hat die Geschichte in der Hinsicht ein paar Eigenheiten, während aber Tolkien sich in seinem Werk mit Landschaftsbeschreibungen aufhielt, sind es bei Eco zumeist historisch-philosophische Einordnungen oder aber Gespräche, in denen zwei Ansichten miteinander verglichen werden. Gehalten ist das ganze in einem Sprachduktus, der dem 14. Jahrhundert angemessen scheint. Während alles das die Geschichte für manche langatmig macht, hat sie für mich dadurch einen besonderen Reiz und stellt eine besondere Atmosphäre her. Was allerdings gewöhnungsbedürftig ist, sind die vielen lateinischen Satzteile, die in den Text eingelassen sind. Diese werden nicht, wie das etwa in den Asterix-Comics üblich ist, an Ort und Stelle mit einer Fußnote erklärt, sondern dazu muss man ans Ende des Buches, in den Anhang blättern. Hier findet man unter der entsprechenden Seitenzahl die jeweilige Übersetzung. Auch gibt es dort ein kleines Glossar, wo die weniger geläufigen Begriffe erklärt werden.

Die Figur des William von Baskerville ist hier etwas aus der Zeit gefallen, aber Eco wollte keinen historisch akkuraten Roman schreiben, sondern mit der Geschichte etwas ganz anderes transportieren. William ist ein kritischer, aufgeklärter Geist, der sich nicht mit den einfachen Erklärungen von anderen – das Böse ist am Werk, der Teufel hat dies oder jenes getan – zufrieden gibt. Er ist dabei Sherlock Holmes nicht nur nicht unähnlich, Holmes war die direkte Inspirationsquelle für William. Der dogmatische Fanatismus, dem nicht nur die anderen Mönche, sondern auch der Inquisitor Bernard Gui anhängen, führt letztlich zur Katastrophe.

Gleichzeitig gibt Eco auch noch ein Sittenbild wieder, etwa wenn Mönche, die ja das Zölibat einhalten müssen, die Armut der Bevölkerung ausnutzen, um sich mit Lebensmitteln Liebesdienste zu erkaufen oder wenn Mönche sich auf eine Weise, die – wie es ein Bruder im Roman ausdrückt – „wider die Natur“ ist, zueinander hingezogen fühlen.

Alle diese sehr klugen Betrachtungen werden getragen von einer Krimihandlung, in der der wache Verstand des William von Baskerville nur so blinkt und blitzt. Das Ende mag manchen ratlos zurücklassen – keine Sorge, der Fall wird aufgeklärt, es passieren aber noch ein paar Dinge -, aber auf diese Weise passt die Geschichte in die Zeit und rundet das ganze ab.

Wer also keine Angst vor Büchern mit langen Passagen hat und sich auf diese Weise gerne in eine fremde Welt hineinziehen lässt, die gar nicht so fremd ist, wie sie scheint, und der noch dazu Krimis mag, der ist bei Ecos Meisterwerk gut aufgehoben. Es spricht auch für sich, dass nach dem Erscheinen von „Der Name der Rose“ das Genre des Mönchs als Detektiv auflebte und wir ein paar Epigonen bekamen, die in den Spuren des scharfsinnigen Franziskanermönches wandelten.

Vom Inhalt des Buches zum Buch selbst: In der letzten Folge erwähnte ich es, dass es eine neue, bibliophile Ausgabe des Werks gibt. Die alte Fassung, die ich besitze, ist ein Nachdruck des Deutschen Bücherbundes, tatsächlich aber aus dem Jahr 1982. Es ist ein typischer Hardcover mit Schutzumschlag, der eine Besonderheit hat, die – soweit ich gelesen habe – nur diese deutsche Ausgabe hat: Dem Buch ist eine Art Lesezeichen beigefügt, auf dem ein „Dramatis Personae“, also eine Liste aller in der Geschichte vorkommenden Figuren mit einer kurzen Erklärung, abgedruckt wurde. Das Buch hat aber nicht nur Seltenheitswert, sondern für mich auch einen sentimentalen, denn meine Mutter hat es damals gekauft. Es ist ziemlich abgegriffen, man sieht ihm seine Jahre an. Ich werde es nun aber im Regal belassen, dass es erhalten bleibt. Zum Lesen, auch für diese ausführliche Rezension, werde ich die neue Ausgabe verwenden. Was den Inhalt betrifft, so hat an beiden Ausgaben der gleiche Übersetzter gearbeitet, Burkhardt Kroeber. Für die Neuauflage hat er den Text nochmals durchgesehen und Korrekturen vorgenommen. Es handelt sich ebenfalls um ein Hardcover, allerdings ohne Schutzumschlag. Der Titel ist in goldenen Lettern in Vorderseite und Buchrücken geprägt, die komplett schwarz gehalten sind. Außerdem sieht man in grau Adsons Zeichnung vom Labyrinth in der Bibliothek. Es wirkt sehr edel, auch wenn man es aufschlägt. Es ist auf feinem Papier gedruckt und wirkt daher ein wenig wie eine Bibel, was angesichts des Inhalts auch angemessen scheint. Das Lesezeichen mit dem „Dramatis Personae“ liegt nicht mehr bei, dafür hat das Buch das für ein Hardcover übliche Lesebändchen. Die Aufmachung ist gleich geblieben, auf der Innenseite des Umschlags befindet sich ein Grundriss der Abtei und nach der Titelei geht es direkt mit dem Vorwort „Natürlich, eine alte Handschrift“ weiter. Direkt davor befindet sich allerdings noch eine Seite, wo nun das „Dramatis Personae“ seinen Platz gefunden hat. Nach dem Haupttext folgt der Anhang, dieser wird allerdings von einem kleinen Aufsatz mit dem Thema „Über die Lächerlichkeit und ihre Grenzen – Einige Gedanken zur Angst des Jorge von Burgos“ eingeleitet. Geschrieben wurde es von Philip Blom. Im Anschluss finden sich noch ein paar Skizzen von Umberto Eco persönlich, unter anderem ursprüngliche Entwürfe des Labyrinths und Zeichnungen von den einzelnen Personen selbst. Danach geht es weiter wie in der ursprünglichen Auflage: Es folgen die Übersetzungen der wichtigsten lateinischen Passagen des Textes, ein Glossar und schließlich ein Inhaltsverzeichnis. Diese Ausgabe wird also nun die Grundlage für meine Rezension sein.

Eines muss ich noch hinzufügen: Ich habe die elektronische Ausgabe selbst nicht gesehen, aber einige Kritiken gelesen, in denen es hieß, die eBook-Variante sei sehr umständlich zu benutzen. Es ist wohl so, dass man im Haupttext die lateinischen Zitate nicht direkt anklicken kann, um zur entsprechenden Übersetzung zu kommen, sondern man muss jedes Mal händisch den Anhang aufrufen und die passende Stelle heraussuchen. Das goutiert nicht jeder der Leser, im Gegenteil, von den meisten wird es als lästig empfunden. Ich kann dazu nichts sagen.

Der Film

Der gleichnamige Film kam 1986 heraus. Produziert wurde er von Bernd Eichinger, Regie führte Jean-Jacques Annaud. Die Aufgabe, Ecos Buch in einen Film umzusetzen, übernahmen die Autoren Andrew Birkin, Gèrard Brach, Howard Franklin und Alain Goddard. Natürlich fiel dabei einiges weg, aber die weitschweifigen Erklärungen, die ich zuvor erwähnte, spiegelten sich in den großartigen Bauten wieder, die für den Film hergestellt wurden. Dem Bühnenbauer Dante Ferretti gelang es sogar, das Labyrinth und seine Art, die Sinne zu verwirren, für den Film umzusetzen, indem er nicht ein Gewirr von Räumen erschuf, sondern ein Gewirr von Treppen. Markante Zitate wurden tatsächlich verbetum – wortwörtlich – dem Roman entnommen, auch wenn sie manchmal an anderer Stelle gesagt werden. Allerdings wurden auch zwei Elemente hinzugefügt, die dem Roman etwas widersprechen, die aber für mehr Spannung sorgen sollen: Zum einen wurde die Feindschaft zwischen William und Bernard Gui vertieft, was so weit geht, dass Gui William vorwirft, selbst für die Morde verantwortlich zu sein. Das zweite Element, das ich hier etwas im Dunkeln lassen möchte, sorgt am Schluss für Zeitdruck, wie er sich in anderen Filmen immer im Countdown einer tickenden Uhr widerspiegelt. Das mag angemessen sein, denn mit Sean Connery wird William von Baskerville von dem Schauspieler dargestellt, der einst James Bond für die Kinoleinwand zum Leben erweckte, und der Agent mit der Lizenz zum Töten hatte es am Ende seiner Filme ja gerne mal mit einem laufenden Countdown zu tun. Allerdings gelingt es Eco im Roman, die Spannung auch ohne dieses Element aufrecht zu erhalten.

Aber reden wir von den Schauspielern: Sean Connery als William habe ich bereits erwähnt und er spielt den Mönch mit all seinem Manierismen sehr gut. Christian Slater als Adson – in einer seiner ersten großen Rollen – passt ebenfalls. F. Murray Abraham als Bernard Gui dreht etwas mehr auf, als es das Romanvorbild tut, wo sich der Konflikt zwischen ihm und William mehr auf einer intellektuellen Ebene abspielt. Zudem ist das Schicksal, das Gui im Film ereilt, völlig aus der Luft gegriffen: Es kommt im Roman nicht vor, da Gui eine reale, geschichtliche Person war. Tatsächlich kann man hier einen Vergleich ziehen zu einer anderen historischen Figur, die Abraham gespielt hat und die ebenfalls eine kleine „Falschzeichnung“ durch einen Film erfahren hat: Antonio Salieri, der Widersacher von Mozart, über den in dem Film „Amadeus“ angedeutet wird, er sei von Neid erfüllt gewesen und irgendwie Schuld am Tod des österreichischen Komponisten.

Michael Lonsdale als Abt ist etwas würdevoller als sein Romanvorbild, da jener zwar Abt ist, in seiner eigenen Abtei aber nicht wirklich das Regiment führt, vor allem nicht, was die Bibliothek betrifft. Unter den anderen Schauspielern sticht vor allem Ron Perlman als Salvatore hervor, der ein Mischmasch aus Sprachen spricht und als ehemaliger Ketzer ein paar Rituale kennt, die er lieber nicht kennen sollte. Was die anderen Figuren betrifft, so befinden sich darunter ein paar deutsche Schauspieler, die ein Mensch aus Deutschland in den 1980er Jahren sehr gut hätte wiedererkennen müssen: Helmut Qualtinger als Cellerar Remigius von Varagine, Michael Habeck als Berengar von Arundel und unter den so genannten „sonstigen Mönchen“ findet sich Ludger Pistor wieder, dessen Filmkarriere damals gerade begann.

Die beste Umschreibung, wie der Film „Der Name der Rose“ zu seinem Romanvorbild steht, gibt der Film im Vorspann selbst: Dort wird er als „ein Palimpsest von Umberto Ecos Roman“ bezeichnet. Ein Palimpsest ist ein Stück Pergamentpapier, das wiederverwertet wurde. Da Papier in diesen Zeiten sehr teuer war, warf man nicht mehr gebrauchte Pergamente nicht einfach weg. Stattdessen wurde mit einer scharfen Klinge die oberste Schicht abgekratzt, wodurch der dort geschriebene Text verschwand. Sodann wurde das Pergament neu beschrieben. Da die Tinte allerdings manchmal etwas tiefer in das Papier eindrang, konnte man auf dem Palimpsest den ursprünglichen Text noch durchschimmern sehen. Diese Beschreibung passt sehr gut, Ecos Text schimmert beim Film durch, gleichzeitig wurde aus dem ganzen auch etwas neues, eigenes gemacht. Der Autor hat den Film als eigenständiges, akzeptables Abbild seines Werkes bezeichnet. Mir persönlich hat der Schluss etwas zu viel. Ich verstehe, dass man das Finale einer solchen Geschichte im Film etwas „aufhübschen“ muss, aber weniger wäre hier mehr gewesen. Nichtsdestotrotz kann ich den Film empfehlen und als ich vor einigen Tagen jenen Migräneanfall hatte, der sich langsam wieder gebessert hatte, wollte ich ihn auch unbedingt sehen.

Die Serie

Die Serie wurde 2017 in Auftrag gegeben, so dass sie rechtzeitig vor dem 40jährigen Jubiläum des Buches fertiggestellt sein würde. Es sind insgesamt acht Folgen, von denen jede ungefähr 50 Minuten lang ist. Entsprechend wurde mehr vom Inhalt des Buches umgesetzt, allerdings auch zum Teil drastische Änderungen und Hinzufügungen gemacht. Adson von Melk bekommt einen Hintergrund, der dem Buch zum Teil widerspricht und der Ketzerführer Fra Dolcino, der im Buch erwähnt wird und dem vor einiger Zeit einige Mönche der Abtei folgten, bekommt eine größere Rolle. Außerdem wird Anna, die Tochter Dolcinos, eingefügt, die sich an Gui für den Tod ihrer Eltern rächen will. Anna ist eine Erfindung für die Serie, aber dass Bernard Gui den Tod von Fra Dolcino und seiner Gefährtin befohlen hat, entspricht den historischen Tatsachen. Die Rolle des Mädchens wird ausgebaut, so dass Adson ihr nicht zufällig in der Klosterküche, sondern schon vorher begegnet und sie kennenlernt. Der Konflikt zwischen William und Gui wird ebenfalls vertieft, allerdings werden ein paar Mal Spannungen aufgebracht, die plötzlich wieder verschwinden und nirgendwo hinführen. Und auch das Ende bekommt wieder eine „tickende Uhr“, die allerdings etwas anders gestaltet ist als im Film. Des weiteren wird die Art, wie William und Adson sich kennenlernen und wie sie schließlich auseinander gehen völlig anders dargestellt als im Buch und ich komme nicht dahinter, was sich die Autoren dabei gedacht haben.

Wo wir gerade von den Autoren sprechen, die Serie wurde geschrieben von Giacomo Battiato, Andrea Porporati, Nigel Williams und John Turturro. Turturro spielt ebenfalls die Hauptrolle, des weiteren sehen wir Damian Hardung als Adson von Melk und Rupert Everett als Bernard Gui. Letzterer dreht nicht ganz so auf wie F. Murray Abraham, sondern spielt die Rolle eher permanent wütend, was sich in einem ständig griesgrämig dreinblickenden Gesicht zeigt.

Die Ausstattung ist sehr gelungen, vor allem die Bilder des Vorspanns stimmen den Zuschauer gut auf die Serie ein, trotzdem kann ich sie nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich sehe hinter vielen Änderungen die Idee, die mit reingeflossen ist, aber zu viele der Änderungen haben der Geschichte meinem Eindruck nach nicht gut getan. Beispielsweise wird ein Subplot mit eingebaut, in dem es darum geht, dass der Papst einen Spion in der Abtei hat, mit dem er per Brieftaube kommuniziert, aber auf eine Weise, wie das mit Brieftauben nicht möglich ist.

Ich bin gespalten, was die Serie betrifft. Auf der einen Seite ist es schön, dass die Autoren sich tatsächlich die zur Verfügung stehende Zeit nehmen, um Szenen so zu inszenieren, wie sie für das Buch geschrieben wurden. Die ganze Geschichte hat damit gegenüber dem Film den Vorteil, sich entfalten zu können. Aber die Hinzufügungen und teils drastischen Änderungen passen nicht alle in das Konzept. Vor allem die Figur der Anna wirkt in meinem Augen Fehl am Platz, als hätte sich eine Figur aus einer Fantasygeschichte in ein Historiendrama verirrt. Und das ist schade. Vielleicht wird mein Urteil noch etwas milder, wenn ich mir die Geschichte nochmals ansehe, jetzt, da ich mich anschicke, den Plot unter die Lupe zu nehmen und direkt zu vergleichen, was vor uns liegt.

Andere Medien

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch zwei weitere Medien erwähnen, auch wenn ich über diese nicht allzu viel sagen kann. Es gibt nämlich noch ein Hörbuch und ein Hörspiel. Das Hörbuch wird von Gert Heidenreich gesprochen und nimmt sich den kompletten Text vor, was dazu führt, dass es im Gesamten 26 Stunden lang ist. Ich habe nur Ausschnitte daraus gehört, aber Heidenreich macht seine Sache gut und wer eher ein Freund von Hörbüchern ist, dem wird das vielleicht gefallen.

Das Hörspiel entstand seinerzeit aus einer Koproduktion von Bayerischem Rundfunk, Südwestrundfunk (damals noch Südwestfunk) und dem Norddeutschen Rundfunk in der Folge des Films. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein „offizielles Hörspiel“ zum Film, es ist eine komplette Eigenproduktion mit anderen Sprechern, unter anderem Pinkas Braun als William und Christian Schulz als Adson. Es ist entsprechend aufbereitet, mit passender Musik und Geräuscheffekten. Die Geschichte wurde etwas verkürzt, denn das Hörspiel ist „nur“ fünfeinhalb Stunden lang. Es beinhaltet also auch mehr als der Film zeigt. Auch hier kenne ich nur Ausschnitte, aber das ganze wirkt auf mich sehr stimmig.

Damit sei für den Moment erstmal alles gesagt und deswegen nochmal die Warnung: Ab der nächsten Folge schauen wir uns die Handlung an und wenn es dazu kommt, werden auch Überraschungen und wichtige Ereignisse wiedergegeben und analysiert. Wer die Geschichte selbst erleben will, der lese den Roman, schaue den Film oder im Zweifel auch die Serie vor der nächsten Folge.

Das Spiel beginnt, die Bühne frei!


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Transkript

Der März des Jahres 2022 lag in seinen letzten Zügen, als sich herausstellte, dass die lang ersehnte Zeit des Urlaubs für mich erstmal keine freundlichen Züge übrig hatte, von der außerordentlich beunruhigenden Situation, in die die Welt um uns herum immer mehr katapultiert wurde, mal ganz abgesehen. Was mich betrifft, so hatte ich kaum den ersten freien Tag, als sich auch schon ein alter Freund ankündigte, oder – wenn man der Geschlechtsgebung des Wortes folgt – besser gesagt eine alte Freundin, die Migräne. In jenen ersten Tagen meines wohlverdienten Urlaubs hatte ich einen Migräneanfall wie sehr lange nicht mehr.

Die Tage verbrachte ich in dumpfer Agonie zwischen Übelkeit, pochenden Schmerzen und saurem Aufstoßen, welches ich dem Ibuprofen verdankte, das an den ersten Tagen den Schmerz nur zu mindern vermochte, nicht aber ganz ausschaltete. Es ist eine merkwürdige Sache, wenn man genau weiß, Ruhe und Schlaf können nun helfen, der Schmerz einen aber nicht schlafen lässt. Endlich jedoch war es überwunden. Der vierte Tag des Anfalls ließ mich nur noch mit einem leichten Schwindelgefühl erwachen und ich hatte die Gelegenheit, nach draußen zu gehen, wo der Frühling gerade versuchte, sich gegen den Winter durchzusetzen (was ihm, nebenbei bemerkt, für ein paar Tage auch gelang, bevor der Winter umso gnadenloser zurückschlug). Über den Tag hinweg wurde mein Gefühl immer besser und so lag ich dann des Abends auf dem Sofa in meinem Wohnzimmer und überlegte, was ich nun tun sollte. Die letzten Tage fand ich mich nicht sonderlich produktiv, ich hatte mir viel vorgenommen, und nichts von dem hatte ich tun können. Davon abgesehen habe ich ja schon erwähnt, dass die Situation der Welt immer beunruhigender wurde und an jenem Abend wollte ich für mich einen Gegenpunkt setzen.

Was tut ein Mensch, wenn das Leben über ihn hereinbrechen möchte wie ein Tsunami? Er sucht Ablenkung. So stand ich an jenem Abend zunächst vor dem Regal meiner DVD- und BluRay-Sammlung, doch es gab dort nichts, das mein spezielles Interesse geweckt hätte. Schließlich wandte ich mich der Online-Bibliothek eines Streamingdienstes zu, den ich abonniert hatte. Mir wurden, basierend auf bisherigen Filmen, die ich angeschaut hatte, weitere vorgeschlagen und so landete ich zunächst bei „Fantomas“, der Adaption der Romanreihe, die die Autoren Pierre Souvestre und Marcel Allain über hundert Jahre zuvor ersonnen hatten. Doch was blieb in dieser Adaption von dem Werk übrig, das als beißender Kommentar auf den damaligen Zeitgeist gedacht war? Nicht viel. Der Film aus dem Jahr 1964 war als Komödie gedacht, denn immerhin spielte neben Jean Marais auch Louis de Funès mit. In der Tat war es einer der Filme, in der de Funès seine Manierismen zur Perfektion brachte, für die er bekannt und berühmt werden sollte, seine zappeligen Bewegungen, sein Minenspiel und die schnelle Sprechweise. Ich erinnerte mich, den Film vor langer Zeit im Fernsehen gesehen zu haben… vor sehr langer Zeit. Ich wusste nicht mehr genau, wie er mir damals gefallen hatte. Doch dafür wusste ich umso mehr, dass er mir jetzt, in der Gegenwart, gar nicht mehr gefiel. Es mag den Umständen geschuldet sein oder dass ich älter und erwachsener geworden bin – oder eine Kombination aus allem. In dem Film macht sich ein Journalist über Fantomas lustig, den er für eine Erfindung der Polizei hält, um einen Buhmann für nicht aufgeklärte Verbrechen zu haben. Und er macht sich darüber lustig, indem er ein Interview mit Fantomas erfindet. Angesichts der großen Probleme bezüglich so genannter „Fake News“, den Wahrheitsverdrehungen und Kampagnen des großen Schrei-Blatts mit den vier Buchstaben oder den schlichten Lügen und Erfindungen der Regenbogenpresse konnte ich darüber nicht so sehr lachen wie Jean Marais in seiner Rolle als Fandor. Endgültig Schluss war für mich in dem Moment, da ich erkannte, dass ein wichtiger Teil des Films auf einem Plot aufbaute, den ich hassen gelernt hatte: Das Missverständnis, das nicht sein müsste.

Das Missverständnis, das nicht sein müsste, ist ein Klischee, das eigentlich gerne bei Seifenopern verwendet wird, aber auch unzählige Komödien bauen darauf auf. Dabei geht es darum, dass zwischen zwei Figuren ein Missverständnis entsteht, das sich aber ganz einfach auflösen ließe, zum Beispiel, indem die beiden Figuren miteinander reden oder eine Figur der anderen zumindest mal zuhört. Es ist ein lahmes Klischee, nicht sonderlich einfallsreich, denn es lässt die handelnden Figuren dumm aussehen. In dem Fall war es sogar Fantomas selbst, der hier leider dumm aussah. Er hätte Fandor nur zwei Sätze zuhören müssen, dann hätte es sich aufgeklärt. Nur dann hätten die Autoren eben keine bequeme Möglichkeit gehabt, die Handlung voranzutreiben und hätten sich was besseres ausdenken müssen. Hätten sie das doch nur getan!

Jedenfalls beendete ich den Film an dieser Stelle. Und tatsächlich kam auch die Erinnerung wieder, dass ich schon damals die Sache für ziemlich einfallslos hielt, als ich „Fantomas“ das erste Mal sah. Doch was nun? Nicht nur war mein Plan, mich selbst abzulenken, schiefgegangen, sondern ich hatte sogar das Gegenteil erreicht, ich fühlte mich mieser als zuvor. Also ging ich weiter durch die Online-Bibliothek und hatte den nächsten Schreck: Mir wurde „Sherlock“ vorgeschlagen, die BBC-Serie, die Steven Moffat und Mark Gatiss verbrochen hatten. Ich gebe hier unumwunden zu, dass es Zeiten gab, da ich mich als Fan der Serie bezeichnet hätte, nun muss ich allerdings zugeben, dass ich mich von den Taschenspielertricks des Duos Moffat / Gatiss habe blenden lassen. Auch ich fiel auf das Versprechen rein, dass die Serie irgendwann mal gut werden würde – was sie nicht wurde. Ihrem großen Vorbild, dem originalen Sherlock Holmes wurde sie nicht gerecht. Nicht einmal der Filmreihe mit Basil Rathbone und Nigel Bruce in den Hauptrollen. Und auf genau diese Filmreihe wurden nun meine Gedanken gelenkt. Die komplette Sammlung aller dieser Filme stand bei mir im Schrank. Allein, ich hatte jeden einzelnen schon so oft gesehen, eigentlich hatte ich gedacht, mich mit irgendetwas anderem abzulenken. Aber Moment… Sherlock Holmes und Doktor Watson…. da war doch was.

Marcel Proust beschreibt in seinem Epos „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, wie der Protagonist der Reihe von Erinnerungen überwältigt wird, nachdem er von einer Madeleine, einem Gebäck in der Form einer Jakobsmuschel, gekostet hat. Dieser Impuls, der Geschmack bringt ihn zurück in seine Kindheit. Nun weiß ich nicht, wie eine Madeleine schmeckt, ich kenne dieses Gebäck nicht einmal, und das brauchte ich in dem Moment auch nicht, denn eine Assoziation war in dem Moment für mich die Madeleine, die mich in die Vergangenheit brachte, nicht in meine Kindheit, sondern in meine Jugend. Bei Sherlock Holmes und Doktor Watson fiel mir ein anderes Ermittlerduo ein, das ein Verbrechen aufklärte, wenngleich die Aufgabe dieser zwei Personen eigentlich eine andere war. Ich spreche von den Mönchen William von Baskerville und seinem Novizen Adson von Melk und die Geschichte, um die es geht, ist selbstverständlich Umberto Ecos großes Werk „Der Name der Rose“.

Wie es vielen Menschen damals gegangen war, so wurde auch ich erst auf die Geschichte aufmerksam, als man sich anschickte, sie fürs Kino zu verfilmen. Zu dieser Zeit ging ich noch auf die Schule und arbeitete Nachmittags für die Schülerzeitung. Und „Der Name der Rose“ nahm mich gefangen. Ich verfolgte, was es über den Film herauszufinden gab, ich las natürlich das Buch und auch einige Betrachtungen zu diesem Werk. Dann wollte ich für die Schülerzeitung einen Artikel schreiben und dabei kam mir ein glückliches Geschick zu Hilfe. Ich wollte nämlich den Artikel bebildern. Nun hatte man uns schon damals die Tücken des Urheberrechts eingebläut, dass wir auch für eine Schülerzeitung nicht einfach irgendwelche Bilder reproduzieren, also machte ich das, was Journalisten in der Situation auch gemacht hätten – ich wandte mich an die Constantin Film, die Produktionsfirma des Films. Ich wusste, ich war nur ein bescheidener Schreiber einer Schülerzeitung in der süddeutschen Provinz, entsprechend bescheiden war mein Anliegen. Alles, was ich wollte, war eine offizielle Erlaubnis, die Bilder aus dem Film, die auf der Schallplatte mit der Musik des Films abgedruckt waren, für meinen Artikel zu verwenden. Das hätte mir schon gereicht. Ich hatte ja keine Ahnung.

Heute wird man nicht mehr nachvollziehen können, wer auch immer dafür verantwortlich war, mein Anliegen zu bearbeiten – war es ein Angestellter der Presseabteilung der Constantin Film, ein Leiter oder eine Schreibkraft? Wer auch immer es war, diese Person jedenfalls nahm mein Anliegen sehr ernst. Es schien egal zu sein, dass ich nur ein Realschüler aus Süddeutschland war, der einen Artikel für eine Schülerzeitung schreiben wollte. Ein paar Tage nach meiner Anfrage bekam ich einen großen Umschlag von der Constantin Film, was mich sehr überraschte. Noch überraschter war ich allerdings, als ich ihn öffnete und den Inhalt ans Tageslicht beförderte. Es handelte sich um ein Pressebuch zum Film und ein Stapel Fotos. Die Fotos waren offizielle Pressebilder und die Person, die sie mir geschickt hatte, hatte sich die Mühe gemacht, genau jene Fotos auszuwählen, die auf der Soundtrack-Platte abgedruckt waren. Ich war platt und ein wenig desillusioniert. Platt deswegen, weil man meinen Brief so ernst genommen hatte wie jede Anfrage eines Journalisten. Desillusioniert deswegen, weil ich auf diese Weise herausfand, dass all jene Redakteure von diesen Filmzeitschriften die Interviews mit den „Machern“ von „Der Name der Rose“ gar nicht selbst geführt hatten. Sie hatten sie aus dem Pressebuch entnommen, zusammen mit den interessantesten Beschreibungen. Ich jedenfalls erhielt so nochmal einen tieferen Einblick in die Produktion und konnte meinen Artikel sehr viel besser gestalten, als ich das gedacht hatte. Es ging sogar soweit, dass ich für die anstehenden Abschlussprüfungen für das Fach Deutsch eine Arbeit vorbereitete, für den Fall, dass ich in die mündliche Prüfung müsste – und diese Arbeit handelte von Ecos Roman und seiner Umsetzung. Dazu kam es allerdings nicht, da ich in Deutsch keine Note hatte, die ich mit einer Prüfung einfach so zum Besseren hätte rumreißen können; im Gegenteil, wäre es schiefgegangen, hätte ich mir die Note sehr leicht versauen können.

In der Reihe der Dinge, die mich in meiner Kindheit und Jugend geprägt hatten, sticht „Der Name der Rose“ etwas heraus, aber ohne Zweifel war es so. Vermutlich war es auch ein Zeichen, dass ich langsam erwachsen wurde, wenn es solche Materie war, die mich begeistern konnte.

Um den Bogen zurück in die Gegenwart zu schlagen: Alle diese Erlebnisse stiegen in mir auf wie Bläschen in Mineralwasser und ich beschloss, den Abend damit zum Abschluss zu bringen, indem ich ihn mit dem Film „Der Name der Rose“ krönte. Doch da erfuhr ich eine Enttäuschung: Ich gab also den Titel in das Suchfeld der Online-Videothek ein und bekam auch ein paar Vorschläge, nur hatten diese fast alle nichts mit meiner Suche zu tun. Ähnlich wie sich William und Adson in der großen Klosterbibliothek, um die sich die Ereignisse des Romans ranken, zurecht finden mussten, musste auch ich mich durch die Vorschläge arbeiten. Allein, es gab nur einen Titel, der wirklich „Der Name der Rose“ lautete, doch auf dem Vorschaubild sah ich nicht Sean Connery als William und Christian Slater als Adson, sondern zwei Schauspieler, die mir unbekannt waren. Hatte es etwa ein Remake gegeben? Ich klickte das Bild an und stellte fest, dass es sich dabei nicht um einen Film, sondern um eine ganze Serie handelte. Eine kurze Suche im Internet bestätigte: Es war ein Remake als achtteilige Serie, die 2019 im Fernsehen gelaufen war, gerade kurz vor der Pandemie.

Der Streamingdienst forderte mich nun auf, eine Entscheidung zu treffen. Den Film mit Connery würde ich hier nicht sehen können, ich konnte mir nun also die erste Folge anschauen oder gleich die ganze Staffel kaufen. Ich war misstrauisch, ich kannte die Macht der Nostalgie. „Mein“ William, wenn man so will, war Sean Connery. Aber ich war auch genauso neugierig. Der Film aus dem Jahr 1986 komprimiert ein Buch, das nicht weniger als 654 Seiten hat. Natürlich ist da viel verloren gegangen und manches wurde geändert. In einer Serie hat man viel mehr Zeit, um solchen Stoff umzusetzen. Also kaufte ich mir die erste Folge mit der Option, den Rest zu einem Pauschalpreis nachzukaufen, wobei mir der Preis der Folge angerechnet würde. Und ich sah die Folge gleich an.

An dieser Stelle muss ich nun etwas springen in den Ereignissen. Denn ich sah in den folgenden Tagen eine Episode nach der anderen, und während ich sie sah, wuchs in mir die Idee, die „Vergangenheit lebendig werden zu lassen“, wie es Adson im Film ausdrückt. Mittlerweile hatte ich nämlich herausgefunden, dass es ein Jubiläum zu feiern gab. Vor 40 Jahren erschien der Roman „Der Name der Rose“ zum ersten Mal auf Deutsch. Zwei Jahre zuvor war er im italienischen Original erschienen. Das macht also 42 Jahre, eine Zahl, an der Douglas Adams seine Freude gehabt hätte. Und anlässlich des Jubiläums war gerade eine bibliophile Neuauflage der deutschen Version erschienen. Vielleicht würde es sich lohnen, auf die Reise zu gehen, zu der einen das Buch auffordert, gerade in diesen Zeiten. Die Reise führt in ein Labyrinth, es geht um Bücher, die man nicht lesen soll, und um fanatische Gotteskrieger, die einfache Erklärungen haben wollen, denen der scharfsinnige William entgegensteht, der sich an den Fakten orientiert.

Ich würde aber nicht nur auf das eingehen, das man im Licht der jüngsten Ereignisse auf unserer Welt in dem Roman wiederfinden könnte, sondern auch auf die Unterschiede zwischen dem Buch, dem Film und dieser Serie. Denn oja! Auch bei der Serie gab es Unterschiede. Ich hatte auch immer noch das Pressebuch der Constantin Film, das ich zu Rate ziehen konnte. Sowieso lag der Podcast-Kanal des Phantastischen Projekts brach, etwas, das mich schon geraume Zeit störte. Nun war aber die Energie wieder da und eine Idee. Und so beschloss ich, eine Reihe zu produzieren, wie ich es unlängst zum Jubiläum von „Tim und Struppi“ getan hatte. Ihr Titel: „Der Name der Rose – Durch das Ocularium betrachtet: Buch – Film – Serie“. Ein „Ocularium“ ist im weitesten Sinne etwas, das „zu den Augen“ gehört. Wie Williams Augengläser. Und genau wie William sich mit seinen Augengläsern bewaffnete, musste auch ich etwas tun, um den Blick zu schärfen. Ich tat dies, indem ich Ausschau hielt nach weiterer Sekundärliteratur, damit mir nicht die vielen Anspielungen entgehen sollten. Und natürlich, so sehr ich den Film von 1986 auch im Gedächtnis hatte, ich würde ihn mir nochmal anschauen müssen, um ganz sicher zu gehen, dass ich ihn richtig wiedergebe. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich vor Jahren zwar mal eine Videocassette mit dem Film besaß, aber nie eine DVD. Sowohl die Sekundärliteratur als auch die DVD fand ich gebraucht im Internet. Und natürlich bestellte ich mir im gleichen Zug die Jubiläumsedition des Buches.

Zugleich beschloss ich, mich betreffend des Aufbaus der Reihe an Ecos Roman zu orientieren. Dieser hat vor seinen sieben Kapiteln nicht weniger als zwei Vorworte, oder genauer gesagt, ein Vorwort und einen Prolog. Im Vorwort erzählt Eco die Geschichte, wie er die Abschrift eines alten Buches in die Hand bekam, in dem ein Mönch eine abenteuerliche Geschichte niedergelegt hat. Nun ist es bei Eco klar, dass diese Erzählung Fiktion ist. Es gab dieses Buch nie, genauso wenig wie Adson, die meisten der Figuren, die in dem Roman auftauchen oder die Ereignisse, die dort beschrieben werden. Doch vielleicht mag es die Personen, die bisher dieser Erzählung hier gefolgt sind, verwirren, denn das, was ich hier niedergelegt habe, ist keine Fiktion. Genau so entstand diese Reihe. Und vom Buch selber, dem Film und der Serie wird noch zu erzählen sein.


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PHANTUM – Folge 1: Die PHANTUM-Bedrohung

Was ist „PHANTUM“? PHANTUM ist ein Podcast, ein ganz neuer Podcast. So neu, dass wir immer noch mit der Luftpolsterfolie spielen. Heute ist Jubiläumstag beim Phantastischen Projekt, deswegen wollen wir viel Neues auf den Weg bringen. Eine neue Sache ist eben ein Podcast. Und hier – TADA! – ist er:

Tatsächlich ist PHANTUM ein Akronym für „Phantastisches, herausragende Angelegenheiten, Neuigkeiten, Tiefsinniges und mehr“. Es soll dabei unter anderem um die Themen gehen, die auf dem Videokanal vom Phantastischen Projekt bislang zu kurz gekommen sind. Und das ist nicht die einzige Neuigkeit heute! Wie sagt man auf Englisch so schön? Stay tuned…

PHAN.PRO – Das Jubiläum

Sechsunddreißig Jahre, frisch und froh, mit dem Projekt nur weiter so… Ja, so hätte der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger es wohl ausgedrückt. Vorausgesetzt, er würde mein kleines Projekt kennen und es wäre ihm Wert, etwas dazu zu sagen. Mit anderen Worten: Emil Steinberger hat das so nie gesagt, ich habe ein Zitat aus einem Sketch genommen, verändert und hier eingesetzt, weil ich nicht wusste, was ich sonst schreiben soll. Die letzten anderthalb Jahren waren nun mal echt… speziell.

Letztes Jahr hätte das Projekt eigentlich einen runden Geburtstag gehabt, aber der hat sich ja dann erledigt gehabt. August 2020 war noch fester im Griff von Corona, als wir das jetzt sind. Die Inspiration fehlte, das Jubiläum richtig zu begehen, dann holen wir das halt eben dieses Jahr nach. Auch wenn die Pandemie noch immer nicht vorbei ist. Bei dem, was ich jetzt zu berichten habe, wird mancher, der das hier liest, vielleicht den Kopf schütteln.

Chaos und Ordnung. Photo by Brett Jordan on Unsplash

Denn es gibt eine neue Reihe und ein paar neue Strukturen. „Was“, höre ich so machen fragen, „schon wieder neue Strukturen?“ Ja. Ich fürchte, kaum einer hat mich da wirklich verstanden. Es gingen bei mir schon Beziehungen in die Brüche, weil ich „so ordentlich“ sei. Nein. Bin ich nicht. Ich verursache Chaos, das ich in mehr oder minder regelmäßigen Abständen zu sortieren versuche. Ansonsten geht alles durcheinander. Beim Projekt ist das jetzt nötig. Jedenfalls meinem Gefühl nach, und da es mein Projekt ist, kann ich machen, was ich will.

Über die Jahre hinweg haben sich ein paar Reiseseiten im Projekt entwickelt. Eine davon wird einen neuen Titel erhalten und sie alle werden zusammengefasst unter der Bezeichnung „Quadrivium Club„. Die Transferarbeiten sind noch nicht alle abgeschlossen, aber ich hoffe, dass das bald der Fall sein wird. Die Seiten sind:

Die große Videoseite tube.phan.pro wird mit acels.phan.pro verschmolzen und bringt ab sofort in chronologischer Reihenfolge alle Videoreihen des Phantastischen Projekts zusammen. Damit gibt es allerdings auch keine „Fremdvideos“ mehr (das Archiv dieser Videos wurde hier eingerichtet). Ausnahmen bilden die Videos des Kanals vom Phantastischen Projekt, die keine ACELS-Handlung beinhalten. Die kommen nämlich ab sofort auf der Hauptseite des Projekts – womit wir bei einer weiteren Neuerung sind: blog.phan.pro wird mit der Hauptseite zusammengeführt. Alles an einem Ort.

Die Science Fiction bleibt bei ASTROCOHORS. Das zumindest ändert sich nicht.

Als neue Reihe startet heute ein Podcast vom Phantastischen Projekt mit dem ominösen Titel „PHANTUM“. Die erste Folge wird in dem Moment veröffentlicht, da dieser Beitrag erscheint. Mehr Infos darüber folgen aber auch an dieser Stelle – bald!

So viel zum Auftakt des Jubiläumstages. Zum „Quadrivium Club“ gibt es noch eine Geschichte, die auch im Verlauf des Tages erscheint. Und weiter geht’s, immer vorwärts, Schritt um Schritt…